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Inhaltsverzeichnis

Der Yosemite National Park in Kalifornien beherbergt einige traumhafte “Big Walls”, wie den El Capitan oder den Half Dome, dessen Nordwestwand hier erklommen wird. Foto: F. Miller.

Fasziniert vom Klettern in großen, schwierigen Wänden, wollte ich schon lange etwas zu diesem Thema schreiben. Aber keinen Erlebnisbericht oder Ähnliches, sondern einen Fachbeitrag mit ausgewählten Techniken, Tipps und Tricks, die sich bei meinen Touren bewährt haben. Die allermeisten Kletterer werden bisher noch keinen Kontakt zum Bigwall-Klettern gehabt haben. Wer sich aber fürs ambitionierte Alpinklettern interessiert, wen die Ausgesetztheit steiler Wände reizt und wer von den großen Routen des El Capitan träumt, der ist hier richtig.

Wenn ich mein Zeug packe für eine Bigwall-Route, gibt es in meinem Kopf eine klare Struktur. Über dieses komplexe, äußerst umfangreiche Thema zu schreiben, ist für mich hingegen viel schwieriger. Deshalb grenze ich es erst mal ein. „Big Wall Light“ – das klingt vielleicht bescheuert, aber es passt als Titel für diesen Beitrag ganz gut. Denn ich will einen leichten, reduzierten Stil beschreiben, der zwischen dem klassischen Alpinklettern und dem, nennen wir es „amerikanischen Bigwall-Klettern“ angesiedelt ist.

Mit dem „amerikanischen Bigwall-Klettern“ ist ein üppigerer Stil gemeint, der sicher für manche Routen erforderlich ist. Er ist aber auch mit einer gewissen Trägheit verbunden. Darüber hinaus soll ein einfacher Zugang zum Bigwall-Klettern vermittelt werden, ohne allzu große Hürden. Soll heißen: Man braucht nicht gleich ein Portaledge, es muss auch nicht zwingend alles Ersparte in dubiose Spezial-Hardware investiert werden, die am Ende dann doch kaum mehr hält als ihr Eigengewicht. Für die „Nose“ zum Beispiel hatten Flo und ich nur einen 16-l-Rucksack dabei und waren pünktlich zum Abendessen wieder zurück am Campingplatz.

Auch in den Alpen gibt es einige Felsen, die für Big Wall Kletterer ideal sind. Foto: F. Miller.

Okay, ganz so einfach ist es dann vielleicht doch nicht. Dieser Beitrag ist für Leute gedacht, die sich bereits beim Alpinklettern bewährt haben und die sich – zumindest gedanklich – schon einmal mit dem Thema beschäftigt haben. Die gängigen Sicherungstechniken, der Umgang mit Seilklemmen usw. müssen sitzen, bevor man in große Wände einsteigt.

Ein gewisses handwerkliches Geschick kann auch nicht schaden. Außerdem sollte man sich dem Thema „Behelfsmäßige Bergrettung Fels“ widmen. Dabei entwickelt sich ein gutes Verständnis für kompliziertere Seiltechniken und man lernt zu improvisieren, wenn es einmal klemmt.

Mein persönlicher Zugang zum Bigwall-Klettern erfolgte in ganz kleinen, nicht immer zielführenden Schritten. Die meisten Techniken haben Lukas und ich uns in jungen Jahren irgendwie selbst erarbeitet. Erst später erhielten wir als Mitglieder des DAV Expeditionskaders eine halbwegs seriöse Bigwall-Ausbildung. Allerdings standen für mich damals immer andere Themen – klassischer Alpinismus, Eisklettern, die Bergführerausbildung – im Vordergrund. Nach jeder Bigwall-Aktion hatte ich erst einmal die Schnauze voll vom Schleppen schwerer Säcke, dem Kuddelmuddel mit dem ganzen Material und dem langsamen vorankommen. Es lief nicht rund. Wir waren damals zwar stark, aber technisch und taktisch einfach nicht gut genug.

Das Big Wall Klettern will geübt sein: Kraft allein reicht nicht. Die richtige Technik und Taktik sind mindestens genauso wichtig. Foto: M. Schuster.

Mittlerweile läuft es deutlich besser. Bigwall-Klettern steht in meiner Wahrnehmung nicht mehr für Schinderei, sondern für eine große Spielwiese. Darüber hinaus ist es für mich ein entscheidendes Puzzleteil beim Erfüllen von Bergträumen. Entscheidend für diese Entwicklung war nicht zuletzt, dass es mir Freude bereitet hat, mein System über viele Jahre hinweg immer weiter zu optimieren. Klar, es ist noch nicht perfekt und das wird es auch nie sein. Aber ich denke, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt guten Gewissens ein paar Erfahrungen teilen kann.

Mein Beitrag soll in vier Teilen erscheinen. Nach dieser Einführung wird es im zweiten Teil konkreter: Es geht dort um die Zusammenstellung der wichtigsten Ausrüstung. Teil Drei trägt den Titel „Technik und Taktik“. Hier wird es spannend (hoffe ich). Im vierten Teil – „Gebiete, Ziele, Routenempfehlungen“ – beschreibe ich ein paar ausgewählte Gebiete in den Alpen (und darüber hinaus). Parallel empfehle ich folgende Literatur:

  • How to Big Wall Climb, Chris McNamara, Supertopo Verlag (englischsprachig)
  • DAV Alpin Lehrplan 5 – Klettern – Sicherung und Ausrüstung, Chris Semmel, blv Verlag

Gute allgemeine Informationen finden sich auch in folgenden beiden Lehrschriften:

  • Alpinklettern, Peter Albert, Bruckmann Verlag
  • Handbuch Ausbildung des Deutschen Alpenvereins

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Persönliche Ausrüstung

Handschuhe

Big-Wall Klettern Hände
Die Fingerkuppen sollten beim Big-Wall-Klettern frei liegen für das nötige Fingerspitzengefühl. Foto: M. Schuster.

Zum Schutz der Hände leichte Lederhandschuhe mit freien Fingerkuppen. Mit solchen Handschuhen kann man noch ganz gut Freiklettern und hat genug Fingerspitzengefühl beim Materialhandling. Man kann sie ggf. selbst herstellen, indem man gutsitzende Arbeitshandschuhe zurechtstutzt und mit Tape verstärkt. Je nach Route zusätzlich oder alternativ auch Risskletterhandschuhe. Außerdem dünne Lederhandschuhe für Zu- und Abstiege und das Abseilen. Alte Fixseile, Granitsand, Nässe usw. zerstören ansonsten schnell die Haut an den Händen.

Schuhwerk

Für die meisten Aktionen eignen sich klettertaugliche Approachschuhe mit einer eher harten Sohle. Mit solchen kann man auch mal länger in der Leiter stehen. Für einfache Zu- und Abstiege sind Trailrunningschuhe ideal (weil sehr leicht). Für grobe Einsätze bzw. hochalpines Gelände nimmt man am besten bedingt steigeisenfeste Leichtbergstiefel.

Kletterschuhe

Kletterausrüstung Big-Wall Klettern
Die nötige persönliche Ausrüstung fürs Big Wall Klettern. Foto: F. Miller.

Auch wenn überwiegend technische Kletterei erwartet wird: Oft lässt sich viel mehr frei bzw. AO klettern, als man denkt – sofern man Kletterschuhe trägt! Diese sollten so bequem sein, dass man sie an den Standplätzen nicht ausziehen muss (spart Zeit und Nerven). Wichtig ist auch eine harte Sohle, um schmerzfrei in der Leiter stehen zu können. Für schwerere Freiklettereien gelten natürlich andere Ansprüche. Hier sind präzise Schuhe mit Klettverschlüssen vorteilhaft (am Stand Ferse raus und Klettverschluss gleich wieder schließen, damit der Schuh nicht verloren geht).

Klettergurt

Ein bequemer Allround-Hüftgurt mit stabilen(!) Materialschlaufen funktioniert super. Es braucht kein spezieller Bigwall-Gurt zu sein, denn ein solcher wäre hier schon wieder zu viel des Guten. Am Gurt: Reverso (o. Ä.), Kurzprusik, 5 m Kevlar-Reepschnur, kleines Seilmesser.

Verstellbare Selbstsicherungsschlinge

Anstelle von klassischen Daisy Chains empfehle ich die Verwendung von längenverstellbaren Schlingen. Die Connect Adjust von Petzl ist in vielen Situationen top, beispielsweise beim Arbeiten im Hängestand, als Selbstsicherung beim Abseilen oder als Verbindung zu den Steigklemmen beim Jümarn. Das Original-Seil ist für meinen Geschmack allerdings zu dick und zu schwergängig (und je nach Einsatz auch zu kurz). Ich verwende deshalb ein etwas dünneres Seil, welches ich mit einem Achterknoten am Gurt einbinde (möglichst eng durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse). Als Karabiner nimmt man am besten einen leichten Keylock-Schrauber. Den mitgelieferten Gummi-Puffer mit etwas Tape am Karabiner fixieren, sonst verrutscht er. Nachteil des Petzl-Systems: Es lässt sich nicht so einfach verlängern. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich beim technischen Klettern damit quasi blockieren (gilt übrigens genauso für die Variante „Evolv Adjust“).

Zwei stufenlos verstellbare Schlingen für das technische Klettern (Daisy Chain, Petzl Adjust, Easy Daisy). Foto: F. Miller.

Positionierungsschlinge

Deshalb für längere Aid-Passagen (zusätzlich) eine Metolius Easy Daisy, bzw. für schwierige Routen zwei. Diese stufenlos verstellbaren Schlingen sind perfekt fürs technische Klettern (mehr dazu im nächsten Teil). Allerdings dürfen sie nicht als Selbstsicherungsschlingen verstanden werden. Vermutlich um dies klar zu machen, gibt Metolius die Bruchlast mit 1,3 kN an. Auch wenn diese tatsächlich wohl deutlich höher liegt, muss jederzeit eine von diesen Schlingen unabhängige Sicherung gewährleistet sein!

Trittleiter

Für einfache Routen reicht oft eine einzelne Leiter pro Person, in Kombination mit der zuvor beschriebenen Schlinge von Metolius. In den meisten Fällen wird der Vorsteiger aber mit zwei Leitern klettern wollen. Kann der Nachsteiger alles Jümarn bzw. ohne Leitern klettern, braucht er nicht zwingend welche mitzunehmen. Am besten sind symmetrische Bandleitern, die oben mit einer Alusprosse o. Ä. offengehalten werden.

Bandleitern von Yates (oben) und Black Diamond (unten). Foto: F. Miller.

Es gibt solche z. B. von Cassin (Ladder Aider – die leichte Variante) oder Yates (Speed Wall Ladder – die komfortable Variante). Asymmetrische Bandleitern verdrehen sich häufig. Dafür sind meist leichter und kleiner im Packmaß. Ich verwende relativ kurze Leitern. Je länger, desto größer ihr Packmaß und desto eher können sie sich irgendwo verhaken. Meine Speed Wall Ladders habe ich beispielsweise um eine Sprosse gekürzt. Jede Leiter wird mit einem soliden Keylock-Schnapper ausgestattet. Damit clippt man sie in Fixpunkte bzw. zum Transport an den Gurt. Das früher übliche System mit Fifihaken und Fangschnur zum Nachziehen der Leiter wird beim modernen Techno-Klettern nicht mehr angewandt.

Gearsling

Hat man viel Hardware dabei, kommt man kaum um eine solche Materialschlinge herum. Ansonsten ist es Geschmacksache, wie man sein Material organisiert. Eher große, kräftige Kletterer können mit einer 60-cm-Bandschlinge improvisieren. Für kleine Kletterer ist eine solche evtl. zu lang – das Material hinge dann zu tief. Dann besser eine längenverstellbare Gearsling verwenden oder selbst etwas basteln.

Hardware für die Seilschaft

Grigri

Grigri 2 mit Ballock-Karabiner und Fifi-Haken mit eingenähter Schlinge. Foto: F. Miller.

Fürs Sichern des Vorsteigers vom Körper empfiehlt sich ein Petzl Grigri. Es funktioniert bestens in Kombination mit einem mitteldicken (s. u.), leicht pelzigen Einfachseil. Und es ist, sagen wir einmal, recht fehlertolerant. Die Realität ist: Vorstiege in Bigwall-Routen können lange dauern und der Sicherer muss schon einmal dies oder das nebenher erledigen… Am besten kombiniert man das Grigri mit einem leichten Ballock-Karabiner.

Fifi

Einen Fifi-Haken braucht man zwar nicht zwingend, allerdings ist er empfehlenswert für Routen mit längeren, anspruchsvollen Aid-Passagen. Der Vorsteiger verbindet den Fifi mittels kleiner Bandschlinge am Klettergurt (einschlaufen mit Ankerstich). Der Fifi lässt sich während des Vorstiegs dann schnell in Fixpunkte ein- und aushängen – z. B. um den nächsten Fixpunkt aus einer kraftsparenden Position anzubringen.

Jümar-Kit

Handsteigklemmen und Tibloc, verstellbare Trittschleife von Edelrid und Petzl, sowie eine Selfmade-Trittschleife. Foto: F. Miller.

In den meisten Fällen reicht ein Satz Handsteigklemmen pro Seilschaft, also eine Klemme für links und eine für rechts. Zusätzlich empfehle ich ein Backup-System, welches aus einem Tibloc mit Ovalkarabiner (Schrauber) und einer 30-cm-Dyneemabandschlinge besteht. Dazu noch längenverstellbare Trittschlingen, die in die Handsteigklemmen eingeclippt werden. Eine Trittschlinge reicht in vielen Routen aus. Für lange Strecken in geneigtem Gelände besser zwei.

Zum Haulen

Als Rücklaufsperre fürs Haulseil eine Petzl Micro Traxion oder den neuen Spoc von Edelrid (noch leichter und noch bissiger).

Fürs Bodyhauling bei schwereren Säcken zusätzlich einen Wild Country Ropeman oder für dünne Leinen besser einen Ropeman 2.

Spoc, Microtraxion, Wirbel von Grivel und Edelrid (oben) sowie Ropeman 2 (golden) und Ropeman (orange). Foto: F. Miller.

Außerdem noch einen Haulbagwirbel. Eingebaut zwischen Sack und Haulseil verhindert dieser ein Verdrehen des Seils. Für leichte Säcke gibt es mit dem Grivel Rotor einen ganz leichten Wirbel mit integriertem Karabiner.

Exen, Bandschlingen, Normalkarabiner

Beim Technischen Klettern braucht man meist viel mehr Schnapper als gedacht. Insbesondere, wenn man sich lange Risspuren mit Klemmkeilen und/oder Beaks (mit Schlinge ausgestattet) hocharbeitet. Erlaubt es die Seilführung, clippt man diese nämlich mit einem einzelnen Schnapper ins Seil. Hierfür wären Ovalkarabiner angenehm. Aber da diese zu schwer sind und man ja wahrscheinlich eh keine besitzt, muss es mit normalen Schnappern gehen! Cams clippt man, sofern es der Seilverlauf erlaubt, ebenfalls mit nur einem Schnapper ins Seil. So lassen sich viele Exen einsparen! Für Haken, oder immer, wenn ein Fixpunkt verlängert werden muss, verwendet man wie gewohnt Exen oder Bandschlingen. Zum Abbinden von Haken sollte man auch ein paar kurze, dünne Dyneema-Bandschlingen dabeihaben (oder Ähnliches aus Kevlar-Reepschnur).

Fritz´ Klettermaterial für die Nose, eine Kletterroute am El Capitan im Yosemite National Park, Kalifornien. Foto: F. Böbel.

Klemmkeile, Cams usw.

Ein weites Feld… Hier kurz und knapp zu schreiben, erscheint mir kaum sinnvoll, zumal es bereits viele gute Infos gibt! Einen Beitrag zum Thema Cams gibt’s z. B. hier im Basislager-Blog.

Hammer und Haken

Viele Routen gehen ganz ohne Hammer und Haken oder man braucht sie nur, falls fixes Material ausgebrochen ist. Man kann das Zeug dann auch im Haulbag transportieren und erst bei Bedarf auspacken. Ansonsten trägt man den Hammer am besten in einem Ice-Clipper (Kunststoff-Materialkarabiner) am Klettergurt. Meist reicht ein leichter Kletterhammer. Gut ist beispielsweise das Modell von Climbing Technology (Thunder).

Leichter Kletterhammer von Salewa und diverse Hartstahlhaken. Foto: F. Miller.

Wird viel gehämmert, ist ein schwerer Bigwall-Hammer empfehlenswert. Das Modell von Edelrid (Hudson) hat das beste Preis-Leistungsverhältnis und funktioniert perfekt. Die beschriebenen Modelle (und andere) werden sinnvollerweise mit elastischen Fangschnüren ausgeliefert. Bei meinen alten Modellen habe ich mit einer stabilen Gummischnur improvisiert. Zum Entfernen von Haken empfiehlt sich dann auch ein „Funkness Device“ – ein Stück Stahlseil mit Ösen, das zwischen Hammer und Haken geclippt wird. Achtung: Die hier eingesetzten Karabiner werden u. U. schwer beschädigt und dürfen nicht mehr zum Sichern verwendet werden!

Seile und Hilfsleinen

Kletterseil (“Lead Rope”)

Ich verwende meist ein eher weiches Sportkletterseil mit 9,8 mm Durchmesser. Spezielle Bigwall-Seile haben einen etwas größeren Durchmesser oder sind straffer geflochten. Damit ist ihre Lebensdauer höher und die Gefahr von Mantelschäden reduziert. Für meine Einsätze sind mir aber weichere und leichtere Seile eindeutig lieber – nicht zuletzt, weil sie beim Nachsichern mittels „Plate“ viel besser funktionieren!

Haulseil (“Haul Line”)

Am liebsten nehme ich ein ausgemustertes Halb- oder Zwillingsseil. Zumindest bei eher leichten Haulbags hat man damit die meisten Vorteile auf seiner Seite. Für ein ganz leichtes Setup machen „Raplines“ bzw. „Tag Lines“ Sinn. Wer auf solche Leinen setzt, sollte sich zunächst mit deren Eigenheiten beim Abseilen vertraut machen. Schließlich müssen sie bei Bedarf auch als Abseilleinen herhalten.  Mit Blick aufs Haulen muss man weitere Punkte beachten: Je nach Konstruktion kann der Mantel anfällig sein für Verschleiß und kleinere Schäden. Außerdem lassen sich dünne, glatte Leinen schlecht greifen. Es empfiehlt sich, bei Haulseil und Kletterseil die gleiche Länge zu wählen.

„Lower-Out-Line”

Mit einer solchen Reepschnur kann man den Haulbag kontrolliert herauslassen, sofern sich der nächste Standplatz seitlich versetzt befindet. Grundsätzlich geht das auch mit dem Restseil des Haulseils. Aber natürlich nur, wenn man ausreichend Restseil hat. Ob man eine „Lower-Out-Line“ braucht und wie lang sie sein muss, hängt vom Routenverlauf sowie der Länge der Seillängen und des Haulseils ab. Und davon, was man dem Haulbag zumuten will, wenn man ihn unkontrolliert herausschwingen lässt. Es gibt also leider überhaupt keine pauschal sinnvolle Längenempfehlung. Sorry! Beinhaltet eine Route einen langen Quergang, kann man eine zusätzlich mitgeführte „Lower-Out-Line“ auch ans Restseil des Haulseils anstückeln und danach wieder wegpacken. Eine gute Materialstärke ist 6 mm. Damit ist man nicht nur leicht unterwegs, sondern kann mit einer solchen Reepschnur im Falle eines Rückzuges auch solide Abseilstellen einrichten. Für den sporadischen Einsatz bei leichten Lasten geht auch eine 5-mm-Reepschnur.

Rucksäcke und Haulbags

Rucksack

Bergfreund Lukas auf dem Weg zur westlichen Zinne mit einer 70 l Haulbag von Black Diamond. Foto: F. Miller.

Je nach Begehungsstil und Gelände kann ein Rucksack besser geeignet sein als ein Haulbag. Es ist gut, wenn man auf eine größere Auswahl von Kletterrucksäcken zurückgreifen kann. Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, an welcher der Rucksack angehängt werden kann. Traut man der vorhandenen Trageschlaufe nicht, muss man sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich daran eine kleine Schlinge mit Karabiner. Etwas kräftigere Materialien machen bei einem Rucksack für Bigwalls allemal Sinn. Insbesondere, wenn man sich durch Körperrisse oder Kamine kämpfen muss (dabei den Rucksack am besten abnehmen und mit einer längeren Schlinge an die Anseilschlaufe des Gurts hängen). Bei kleineren Modellen ist es sinnvoll, womöglich vorhandene Rahmen oder sonstige Verstärkungen des Rückenteils zu entnehmen. Dann kann man den Rucksack bei Bedarf besser im Haulbag verstauen. Außerdem unnötigen Schnickschnack entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Haulbag

Für Aktionen mit wenig Gepäck verwende ich den sehr leichten 55-l-Haulbag von Edelrid. Für Tagestouren wäre ein kleinerer zwar besser, allerdings sind die verfügbaren kleineren Modelle meist sogar schwerer als das beschriebene von Edelrid. Für schwerere Lasten ist der 70-l-Haulbag von Black Diamond top. Man kann auch einen robusten Kletterrucksack zum Haulbag umbauen. Ein solches System kann ideal sein für Einsätze, bei denen der Sack viel auf dem Rücken getragen wird und nur ab und zu nachgezogen wird (und dabei weitestgehend frei hängt). Für die Aufhängung zum Haulen braucht der Rucksack mindestens zwei stabile Punkte.

Biwaks uns Wasserversorgung

Biwakmaterial

Kleines Päuschen: Biwak an den Heart Ledges am El Capitan. Foto: M. Schuster.

Für sommerliche Touren ist folgendes Setup ideal: Daunenjacke + 2/3-langer Schlafsack oder Daunenjacke + Primaloft-Shorts + leichte Daunensocken + leichter, atmungsaktiver Biwaksack. Dazu eine dünne, gekürzte Schaummatte. An der Matte bringt man eine Aufhängung an, um diese gegen Verlust zu sichern (ein mit Tape verstärktes Loch). Auch gut ist natürlich ein leichter Daunenschlafsack. Vorteil der Variante mit der Daunenjacke: die hält einen auch warm, während man sein Lager auf- und abbaut. Außerdem kann man sie beim Sichern oder Abseilen schnell mal überziehen.

Kocher und Gas

Zum Schneeschmelzen bzw. für warme Mahlzeiten ist ein leichtes Jetboil-Kochsystem gut. Kocher und Topf werden hier mit einem Bajonettverschluss verbunden. Ich habe das Blech am Kocher leicht verformt, damit die Verbindung etwas klemmt und sich nicht mehr ungewollt lösen kann.

Jetboil mit einer Vorrichtung zum Anhängen. Foto: F. Miller.

Außerdem habe ich am Topf mittels kräftiger Kabelbinder kleine Reepschnur-Schlaufen angebracht. Daran kann man das ganze System anhängen oder sichern. Die passenden Schraubkartuschen gibt es in folgenden Standardgrößen (Nettogewicht): 100 g, 230 g, 450 g.

Empfohlene Gasmengen für eine Zweier-Seilschaft (Eigene Erfahrungswerte)

  • Einzelnes Biwak ohne Schneeschmelzen: 100 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks ohne Schneeschmelzen: 100 g – sparsam kochen!
  • Einzelnes Biwak mit Schneeschmelzen: 230 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks mit Schneeschmelzen: 230 g – sparsam kochen oder zusätzliche 100 g mitnehmen.

Wasserflaschen

PET-Flaschen mit einem selbstgebauten Aufhänger sind optimal. Foto: F. Miller.

Bei sommerlichen Bedingungen sind PET-Einwegflaschen gut. Man muss nur darauf achten, dass man welche mit stabilem Schraubdeckel bekommt. Sind sie leer, macht man sie platt und schafft damit Platz im Haulbag/Rucksack. Es ist sinnvoll, kleine Reepschnurschlaufen zum Anhängen anzubringen. Eine 500-ml-Flasche kann man so auch beim Klettern am Gurt transportieren. Trinksysteme sind leider sehr anfällig für Beschädigungen, gammeln schnell und im Trinkschlauch verheddern sich gerne Schlingen. Bei einer schnellen Begehung ohne Haulbag können sie dennoch gut sein. Die Last sitzt dann direkt am Rücken und man kann jederzeit trinken. Zumindest, bis sie kaputt gehen… Ist man mit Kocher unterwegs und kann/muss Schnee schmelzen, macht auch eine Nalgene-Flasche mit großer Öffnung Sinn.

Empfohlene Wassermengen pro Person und Tag (Eigene Erfahrungswerte)

Man wird dabei etwas dehydrieren, sollte aber nicht leiden müssen:

  • Tagestour bei kaltem Wetter: 1 l
  • Tagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 1,5 l
  • Tagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 2,5 l
  • Mehrtagestour bei kaltem Wetter: 1,5 l bzw. bei längeren Aktionen 2 l
  • Mehrtagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 2 l bzw. bei längeren Aktionen 2,5 l
  • Mehrtagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 3 l

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Taktik

Il Grande Incubo, Monte Brento. H. Neubert

Viele werden sagen, Bigwall-Klettern sei eine reine Materialschlacht, hätte wenig mit Klettern zu tun. Allerdings ist Bigwall-Klettern ein weites Feld. Es schließt selbstverständlich Freikletterei mit ein, und den Gedanken, sich leicht und schnell bewegen zu wollen. In meinem Beitrag geht es um einen eher minimalistischen Stil. Die hier beschriebene Herangehensweise eignet sich nicht für extreme Technorouten, dafür umso besser für Routen, in denen man immer wieder zwischen verschiedenen Kletterstilen und Sicherungstechniken wechseln muss.

Als Beispiele aus dem eigenen Tourenbuch könnte ich einen schnellen Durchstieg der Route „Il Grande Incubo“ (6b, A3, 32 SL, 1200 m) am Monte Brento nennen (in 1,5 Tagen). Oder eine Winterbegehung der Route „Weg durch den Fisch“ (6c, A3, 37 SL, 1220 m) in der Marmolada Südwand. Bei solchen und vielen anderen Projekten darf man nicht in starren Kategorien denken. Vielmehr muss man bereit sein, seine Technik und Taktik immer wieder aufs Neue an die Gegebenheiten anzupassen. Deshalb gibt’s hier auch kein Schema F, sondern eine Auswahl an Vorschlägen und Anregungen, mit Spielraum zum Mitdenken. Bitte auch die ersten beiden Beiträge dieser Serie lesen – sie enthalten wichtige Informationen!

Ein paar Grundsätze

Freikletterei mit Haulbag am Rücken, Il Grande Incubo, Monte Brento.

Man klettert idealerweise in einer Zweier-Seilschaft. Alles andere macht die Sache recht kompliziert. Überschlagend klettern ist keine gute Idee – Blockvorstieg ist viel effizienter. Wer vor- und wer nachklettert und wann gewechselt wird, muss situativ entschieden werden. Klettert man mit leichtem Gepäck, ist man in der Regel schneller und somit weniger lang unterwegs. Also müssen auch weniger Wasser und Essen mit auf die Reise, was die Sache noch einmal verstärkt…

Alles Gepäck sollte ohne große Probleme auf einmal bewegt werden können. Und das nicht nur zum Wandfuß, sondern auch im einfachen Klettergelände. Gehen wir von einer Mehrtagestour aus, mit ein bis zwei Biwaks: Hier sollte man mit einem leichten Haulbag (ca. 50 l) sowie einem zusätzlichen kleinen Kletterrucksack (ca. 20 l) auskommen.

Das geht, wenn man sich beim Wasser und Biwakmaterial etwas zurücknimmt und darüber hinaus den Grundsatz „Kleinvieh macht auch Mist“ beherzigt!

Überschreitet man diese Gepäckmenge nicht, hat man viele Vorteile auf seiner Seite. So kann man sich im leichten Klettergelände, wo man niemals haulen würde, zügig und halbwegs sicher bewegen. Beispielsweise im Schrofen- oder Blockgelände, bei geneigten Platten oder an einem Gipfelgrat.

The Shield, Voralptal. Foto: F. Miller

Ist das Gelände steil und schwierig, wird natürlich gehault. Der Nachsteiger kann den Rucksack bei sich behalten, dann hat er schnellen Zugriff auf den Inhalt. Ist Platz im Haulbag, kann er ihn alternativ dort verstauen. Einen dafür geeigneten Rucksack kann man auch mal unter den Haulbag clippen. Logischerweise wird auch das Haulen stark vereinfacht, wenn man mit leichtem Gepäck unterwegs ist. Es ist dann beispielsweise möglich, dass der Vorsteiger nachsichert und parallel hault. So lässt sich viel Zeit sparen (sofern der Nachsteiger klettert und nicht jümart).

Die Abläufe bei einer Bigwall-Begehung

Je nach Art der Kletterei können die Abläufe und damit verbundenen Techniken komplett unterschiedlich ausfallen. Will man eine Route frei klettern, hat man wahrscheinlich gar kein Material zum Technischen Klettern dabei. Bei einer Tagestour ist man möglicherweise ohne Haulbag unterwegs.

Hier bleibe ich aber beim Beispiel einer moderaten Mehrtagestour, bei der Teile der Route technisch geklettert werden. Wir gehen auch davon aus, dass die Route gleich mit steiler, schwieriger Kletterei beginnt. Also nicht mit einem einfachen Wandvorbau oder Ähnlichem.

Haulbag vorbereiten

  • Träger innen verstauen, Bauchgurt auch (falls man ihn überhaupt dabei hat).
  • Biwakzeug nach unten. Was man tagsüber brauchen könnte, eher nach oben.
  • Harte Gegenstände sollten nicht am Außenmaterial des Haulbags anliegen, sonst wird dieses dort möglicherweise durchgescheuert. Am besten mit einer Isomatte polstern.
  • Haulseil (ggf. auch Lower-Out-Line) mit Wirbel und Schrauber am Haulbag fixieren. Bei Bedarf schützt man den Knoten des Haulseils mit dem Flaschenhals einer PET-Flasche gegen Abrieb.
Big-Wall-3-05-Aufhängung-Haulbag-1
Big-Wall-3-06-Aufhängung-Haulbag-2

Vorbereitungen des Vorsteigers

  • Hardware am Gurt (ggf. auch an der Gearsling) sortieren.
  • Petzl Connect Adjust Selbstsicherungsschlinge und/oder Metolius Easy Daisy Positionierungsschlinge(n) am Gurt anbringen. Üblicherweise werden die Daisies durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse mit Ankerstich eingeschlauft. Dabei zieht es allerdings Beinschlaufen und Bauchgurt zusammen, was unangenehm sein kann, wenn der Gurt eng sitzt. Alternativ kann eine Easy Daisy im Anseilring eingeschlauft werden. Bei der Verwendung von zwei Easy Daisies am besten beide in einem Ankerstich vereinen. Dann laufen sie aus einem Punkt heraus.
Transport des Haulseils am Klettergurt. Foto: F. Miller
  • Im einfachen Aid-Gelände einzelne Leiter, die nicht mit der Easy-Daisy verbunden wird.
  • Im schwierigeren Aid-Gelände zwei Leitern. Bei schlechten Fixpunkten und Cliff-Zügen clippt man die Easy-Daisy-Schlingen mit deren Karabiner in die Karabiner der Leitern.
  • Haulseil vorbereiten: am Seilende Sackstichschlaufe knüpfen und leichten Schnapper einhängen. Seil in Klemme (Spoc/Micro Traxion) einlegen. Klemme mit Ovalkarabiner in eine der hinteren Materialschlaufen oder sofern vorhanden in die „Haul Loop“ des Klettergurts clippen.
  • zusätzlich Ropeman oder Ropeman 2 fürs Bodyhauling mitführen. Zum Greifen ein dünner Leinen Ropeman 2 + kleine Griffschlinge (s. u.).
  • Kletterseil mit Achterknoten einbinden: Je nach dem, wie man seine Schlingen und Fifi angeordnet hat, entweder mit ganz kleinem Auge in den Anseilring oder, wie allgemein empfohlen, direkt durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse.

Vorstieg: Technisches Klettern mit zwei Leitern

Die Standard-Technik, die auch für heiklere Passagen geeignet ist. Ausgangsposition dieser Beschreibung: Start vom Boden.

  • Ersten Fixpunkt anbringen bzw. fixes Material clippen. Bei Haken clippt man in der Regel eine Exe. Ansonsten, z. B. bei Cams und Keilen, versucht man mit einem einzelnen Schnapper auszukommen (zumindest bei geradem Seilverlauf). Das Seil noch nicht clippen.
  • Erste Leiter einhängen. Bei Exen in den oberen Karabiner, bei Cams am besten direkt in die Drahtschlaufe des Stegs.
  • Fixpunkt testen (s. u.).
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann. Während des Hochsteigens, wenn die Hüfte auf Höhe des ersten Fixpunktes ist, ggf. Seil clippen.
  • Muss man im steilen Gelände einen Fixpunkt anbringen, hängt man sich am besten mit dem Fifi im letzten Fixpunkt ein und steigt in der Leiter möglichst hoch. So hat man die Hände frei zum Arbeiten. Hat man keinen Fifi, kann man beispielsweise mit einer Easy Daisy improvisieren.

  • Im geneigten Gelände kann man ohne sich zu fixieren in der Leiter stehen und bei Bedarf bis zur obersten Stufe hochsteigen. Dabei hält man sich zunächst an der Leiter fest und nützt später natürliche Griffe.
  • Zweiten Fixpunkt anbringen und die zweite Leiter einhängen.
  • Fixpunkt testen (s. u.).
  • In die zweite Leiter steigen.
  • Die erste Leiter aushängen und das Kletterseil in den ersten Fixpunkt clippen (sofern noch nicht geschehen) bzw. den Fixpunkt zusammen mit der Leiter entfernen, wenn er nicht als Sicherung benötigt wird.
  • In der zweiten Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann.

Vorstieg: Technisches Klettern mit einer Leiter und einer Easy Daisy

Vorstieg mit einer Leiter und einer Easy Daisy am Half Dome, Yosemite Valley. Foto: F. Miller

So lassen sich einfache, kürzere Aid-Passagen unkompliziert überwinden. Voraussetzung ist, dass die Fixpunkte einem leichten Zug nach außen standhalten. Ausgangsposition dieser Beschreibung: Start vom Boden.

  • Ersten Fixpunkt anbringen bzw. fixes Material clippen.
  • Leiter einhängen.
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den zweiten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann. Während des Hochsteigens ggf. Seil clippen.
  • Zweiten Fixpunkt anbringen und die Easy Daisy einhängen.
  • Easy Daisy straffen und Gewicht auf die Easy Daisy übertragen.
  • Leiter am ersten Fixpunkt aushängen und Seil clippen (sofern noch nicht geschehen).
  • Leiter im zweiten Fixpunkt einhängen (neben der Easy Daisy).
  • In die Leiter stehen.
  • Easy Daisy wieder aushängen und verlängern.
  • In der Leiter hochsteigen, bis man den nächsten Fixpunkt erreichen bzw. anbringen kann.

Testen von Fixpunkten 

Das Testen von Fixpunkten mittels „Bounce Test“ wird bei zweifelhaften Fixpunkten angewandt, insbesondere wenn ein Ausbrechen des Fixpunktes zu einem gefährlichen Sturz führen könnte. Die Idee: Übersteht ein Fixpunkt den „Bounce Test“, wird er danach auch das Körpergewicht tragen. Bricht ein Fixpunkt beim Testen aus, soll der darunterliegende Fixpunkt einen Sturz ins Seil verhindern. Bei beiden hier beschriebenen Varianten beginnt man mit vorsichtigem Testen und steigert die Intensität dann langsam. Liegt ein Fixpunkt über dem Kopf und bricht beim Testen aus, kann es passieren, dass er im Gesicht landet. Also nicht hochschauen!

Variante 1 – Bounce Test mit Daisy Chain (oder ähnlichem): Man clippt die Daisy Chain in den zu prüfenden Fixpunkt und belastet diesen, indem man mit der Hüfte nach unten wippt. Für hartes Testen sind „Adjustable Daisies“ wie die empfohlene Metolius „Easy Daisy“ weniger geeignet. Allerdings zielen die hier beschriebenen Techniken auch nicht aufs extreme Techno-Klettern ab.

Variante 2 – Bounce Test mit Leiter: Man clippt die Leiter in den zu prüfenden Fixpunkt und belastet diesen, indem man mit einem Fuß schwungvoll in die Leiter tritt. Für diesen Test sind lange Leitern wichtig, sofern die Fixpunkte in einem größeren Abstand übereinander liegen. Mit kurzen Leitern wird man eher Variante 1 anwenden. Außer natürlich bei Querungen, wo die Fixpunkte nebeneinander liegen…

Backcleanen

Backcleanen bedeutet, dass der Vorsteiger von ihm angebrachte Sicherungen wieder entfernt. So kann er Material sparen und Seilreibung reduzieren. Dabei sollte klar sein, dass entscheidende Sicherungen in der Wand bleiben müssen! Die schnelle Variante: Anstatt das Seil in den letzten Punkt zu clippen, diesen direkt wieder entfernen. Dies bietet sich beispielsweise bei Cams in langen Rissen an. Die sichere Variante: Zunächst eine absolut sichere Zwischensicherung einrichten (ggf. mehrere Punkte verbinden). Daran wird der Vorsteiger ein Stück weit abgelassen. Beim Wiederaufstieg entfernt er dann das Material, welches unterhalb seiner letzten, absolut sicheren Zwischensicherung liegt.

Pendelquergänge

Pendelquergang in der Route The Shield, Voralptal. Foto: M. Schuster

Die Technik, wenn es auf direktem Wege nicht mehr weiter geht: Der Vorsteiger wird über die letzte, hoffentlich solide Zwischensicherung ein Stück weit abgelassen. Nun pendelt er hin und her, um die nächste kletterbare Struktur zu erreichen. An dieser klettert er weiter – zunächst allerdings, ohne das Seil zu clippen! Nur so bleibt der Seilzug im grünen Bereich und der Nachsteiger kann die Passage ohne Schwierigkeiten „cleanen“.

Standplatz einrichten

Wir bleiben bei der Annahme, dass der Nachsteiger jümart und dass gehault wird. Der Standplatz sollte so aufgebaut werden, dass nicht alles an einem Zentralpunkt hängt. Stattdessen sollten die Aufhängungen fürs Haulseil und fürs Seil, das zum Nachsteiger führt, mit etwas Abstand nebeneinander liegen.

Die simpelste Variante eines Bigwallstandes. Die Vorraussetzung für diesen Aufbau sind zwei solide Bohrhaken. Foto: F. Miller

Bei schweren Haulbags wird der Punkt an dem gehault wird, stärker belastet als der Punkt, an dem das Seil fürs Jümarn fixiert ist. Allerdings sind wir mit leichtem Gepäck unterwegs und wählen deshalb einen etwas anderen, vereinfachten Aufbau, der nicht dem typischen Bigwall-Standplatz entspricht!

Das Ganze in Schritten:

  1. Man fixiert sich mittels Selbstsicherungsschlinge oder Positionierungsschlinge in einer guten Arbeitsposition (sofern man nicht zufällig auf einem breiten Band steht).
  2. Einen soliden Zentralpunkt einrichten. Es gelten im Wesentlichen die gleichen Kriterien wie beim Alpinklettern. Allerdings sollte man daran denken, dass sich manche Knoten in dünnen Bandschlingen bzw. Reepschnüren extrem zuziehen, wenn daran gejümart wird. Also Techniken bzw. Materialien verwenden, die sich wieder gut lösen lassen.
  3. Kletterseil im Zentralpunkt mittels Mastwurf fixieren als „lange Selbstsicherung“, die einem noch genug Spielraum zum Arbeiten lässt. Man hängt am Standplatz also nicht im Kletterseil, sondern in der Selbstsicherungsschlinge oder Positionierungsschlinge.

Die weiteren Abläufe

Haulbag hoch über dem Sarcatal. Foto: M. Schuster

Die weiteren Abläufe sind variabel und müssen vorher im Team abgesprochen werden, damit es in der Wand keine Unklarheiten und kein unnötiges Geschrei gibt. So muss beispielsweise folgende Reihenfolge klar definiert werden: Zuerst wird das Kletterseil so fixiert, dass daran gejümart werden kann, und erst dann wird der Haulbag nachgezogen. So kann man genaugenommen ohne weitere Seilkommandos auskommen – ein großes Plus bei starkem Wind!

Variante 1: Seilkommando: „Stand, Seil fix!“ Der Vorsteiger beginnt mit dem Haulen. Sobald der Haulbag am Haulseil hängt, baut der Nachsteiger den Stand ab und beginnt zu jümarn. Vorteil: Die simpelste und sicherste Variante. Nachteil: Der Nachsteiger muss das ganze Seil mitführen.

Variante 2: Seilkommando: „Stand!“ Der Vorsteiger zieht das Restseil ein und fixiert das Seil, das zum Nachsteiger führt, mit einem weiteren Mastwurf und einem weiteren Schrauber im Zentralpunkt. Seilkommando: „Seil fix!“ Dann beginnt der Vorsteiger mit dem Haulen. Sobald der Haulbag am Haulseil hängt, baut der Nachsteiger den Stand ab und beginnt zu jümarn. Vorteil: Der Nachsteiger muss nicht unnötig viel Seil mitführen. Nachteil: etwas kompliziertere Abläufe. Evtl. fehlt dem Nachsteiger Seil für einen „Lower out“ (s. u.).

Haulen

Haulbag hängt an der Klemme Spoc von Edelrid. Foto: F. Miller

Zentrales Teil des Aufbaus ist ein Gerät wie Petzl Micro Traxion oder Edelrid Spoc, das Seilrolle und Seilklemme vereint. Dargestellt ist hier der Spoc, weshalb ich in der folgenden Beschreibung auch diesen Begriff verwende, stellvertretend für alle Geräte dieser Art.

Das Ganze in Schritten:

  1. Der Vorsteiger wählt/baut eine zuverlässige Aufhängung für den Spoc – am besten seitlich des Zentralpunkts – und hängt das Gerät dort ein.
  2. Der Vorsteiger fixiert das Ende des Haulseils am Stand und zieht das überschüssige Haulseil durch den Spoc (Haulseil ggf. in Schlingen am Stand anhängen).
  3. Der Nachsteiger löst den Schleifknoten, der den Haulbag bis dahin hielt (s. u.), und hält den Haulbag in der HMS.
  4. Der Vorsteiger strafft das Seil und baut Zug auf (zunächst von Hand).
  5. Der Nachsteiger überträgt die Last aufs Haulseil. Bei schrägem Seilverlauf gibt er langsam weiter Seil aus, um ein Pendeln des Sacks zu vermeiden.
  6. Gleichzeitig zieht der Vorsteiger den Haulbag auf.

So wird am Haulseil gezogen (Haulbag hängt bereits am Spoc):

  • Leichter Haulbag, griffiges Haulseil: einfach per Hand ziehen.
  • Leichter Haulbag mit Rapline als Haul-Line: Ropeman 2 mit Griffschlinge ins „Lastseil“ einlegen. Mit einer Hand durch die Griffschlinge fahren, so dass diese am Handgelenk liegt. Der Zug erfolgt nun hauptsächlich über diese Konstruktion. Gleichzeitig zieht die andere Hand am „unbelasteten Seil“, welches aus dem Spoc ausläuft.
  • Schwerer Haulbag: „Body-Hauling“. Dafür Ropeman ins „unbelastete Seil“ einlegen, welches aus dem Spoc ausläuft, und in die Anseilschlaufe des Gurts clippen. Nun wird mit der Hüfte gezogen.

Wenn der Haulbag am Stand angekommen ist:

  1. Einige cm Seil zwischen Spoc und dem Knoten der Haulbag-Aufhängung lassen.
  2. Haulbag mit HMS und Schleifknoten neben dem Zentralpunkt fixieren. Dafür nimmt man, je nach Setup, das restliche Haulseil, welches von der Aufhängung des Haulbags nach unten hängt, oder die Lower-Out-Line des Haulbags.
  3. Last vom Spoc auf die neue Aufhängung übertragen. Dafür Zähne des Spoc wegklappen. Das gelingt, in dem man den Haulbag ein kleines Stück (es reicht 1 cm) weiter hault und gleichzeitig die Zähne des Spoc wegklappt und arretiert.
  4. Spoc ausbauen, am Ende des Haulseils wieder einbauen und an den Klettergurt des Vorsteigers clippen, für den Vorstieg der nächsten Länge.

Nachstieg

Es kommen verschieden Varianten in Frage:

  1. Der Nachsteiger klettert alles. Diese Variante eignet sich für eher einfaches Gelände mit viel Freikletterei oder auch für komplett eingerichtete „Hakenleitern“. Die Seilschaft braucht in diesem Fall kein Jümar-Kit dabei zu haben und die Abläufe sind unkompliziert. Ggf. muss improvisiert werden, z. B. wenn der Vorsteiger zur Fortbewegung benötigte Fixpunkte wieder entfernt hat („Backcleaning“ oder Fortbewegung an Cliffs).
  2. Der Nachsteiger jümart alles. Diese Variante eignet sich am besten für schwieriges Techno-Gelände. Der Nachsteiger kann bequeme Schuhe tragen und sich beim „Cleanen“ eigenständig in die jeweils beste Arbeitsposition bringen. Der Vorsteiger kann in Ruhe haulen, ohne sich um den Nachsteiger kümmern zu müssen.
  3. Der Nachsteiger wechselt je nach Gelände zwischen der 1. und 2. Variante – wenn nötig auch innerhalb einer Seillänge.

Jümarn

Jümarn in der Headwall der Salathe, El Capitan. Foto: F. Miller

Für den Aufstieg am Seil gibt es unzählige Techniken, Varianten und persönliche Vorlieben. Ich beschreibe hier ein modulares System, das sich ganz einfach anpassen, erweitern und auch abwandeln lässt. Es kommen zwei Handsteigklemmen zum Einsatz, eine für links und eine für rechts (unterschiedliche Ausführungen!). Für das hier beschriebene Setup ist es wichtig, dass unterm Griff der Klemmen jeweils zwei Karabiner eingeclippt werden können. In vielen Fällen geht das nicht, weil ein Loch zu klein bzw. der verwendete Karabiner zu massiv ist. Also das erst mal checken!

Achtung: Eine Handsteigklemme darf nicht als vollwertige Sicherung verstanden werden. Man muss immer an mindestens zwei Klemmen gesichert sein. Also müssen auch die Verbindungen der Klemmen zum Klettergurt sicher sein. Ist das nicht der Fall, z. B. weil man Easy Daisies o. Ä. einsetzt, braucht man zusätzlich ein Backup-System. Gleiches gilt fürs „Cleanen“, wo man die obere Klemme immer wieder vom Seil nimmt (s. u.).

Jümarn mit Basis- Setup. Foto: F. Miller

Basis-Setup: Dieser simple Aufbau ist gut geeignet für senkrechtes und überhängendes Gelände und ermöglicht ein motorisch einfaches Aufsteigen am Seil.

  • Rechte Klemme oben, Verbindung zum Klettergurt am besten mit Petzl Adjust Schlinge.
  • Rechter Arm leicht angewinkelt beim Hängen im Gurt.
  • Linke Klemme darunter, Verbindung zum Klettergurt z. B. mit 60-cm-Dyneema-Bandschlinge und Schrauber.
  • Trittschlinge in die linke Klemme.

Erweiterung mit zweiter Trittschlinge: So kann man im geneigten Gelände schnell und effizient Aufsteigen. Motorisch schwieriger, besonders, bis man voll im Seil hängt.

  • Last primär in den Trittschlingen, Füße bewegen sich wie beim Treppensteigen höher.
  • Kein Absitzen in den Klettergurt, außer bei Pausen.
  • Position der Klemmen am Seil ist tiefer, die Arme sind stärker angewinkelt.

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Bergfreund Fritz

Bergfreund Fritz

Zum Klettern und Bergsteigen kam ich, weil etwas wie eine große Faszination für die steile Welt in mir verankert ist (und durch ein paar Zufälle). Sicher ist es zu viel zu früh für ein Fazit. Aber wenn ich auf meine mittlerweile rund 25 Kletterjahre zurückblicke, denke ich, dass ich den Bergen und Wänden viel zu verdanken habe.

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Bergfreundin Franziska Schrade

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