Merino Kleidung waschen und pflege. Foto: Ortovox

Merinowolle waschen – eine Pflegeanleitung

26. März 2018

Pflegeanleitung Merinowolle

Merinowolle richtig pflegen

Immer mehr Outdoorer schwören bei Baselayern, aber auch anderen Bekleidungsschichten, auf Produkte aus Merinowolle – die Funktion ist einfach überzeugend. Unsicherheit kommt allerdings von Zeit zu Zeit auf, wenn die Teile in die Waschmaschine müssen.

Bei Merinowolle handelt es sich, ebenso wie bei Daune, um ein Naturprodukt. Und eben diese sind dafür bekannt, manchmal etwas „schwierig“ in der Pflege zu sein. Deswegen fragt sich so mancher, was man bei der Merinowäsche darf und was nicht.

Ich habe mich schlau gemacht und ein paar Infos zusammengetragen. So viel vorweg, die Pflege ist vollkommen unkompliziert.

Ortovox: No mulesing no worries!

Eindeutige Aussage von Ortovox

Warum Merinowolle?

Die Antwort ist ziemlich einfach: Weil Merinowolle die positiven Eigenschaften von Synthetik und herkömmlicher Wolle in sich vereint, dabei aber die Nachteile nicht mitbringt.

Sie ist weich, kratzt nicht, kühlt wenn es zu warm ist, wärmt, wenn es zu kalt ist, riecht nicht, behält ihre Form, ist einfach zu waschen, speichert wenig Feuchtigkeit, gibt diese schnell wieder ab, ist leichter als herkömmliche Wolle, ist eine Naturfaser, wächst also nach und benötigt für die Herstellung kein Rohöl.

Der aufmerksame Leser fragt jetzt vermutlich nach dem Haken, denn eigentlich klingt das fast zu schön um wahr zu sein. Ist es aber, also wahr.

Jetzt kommt das „Aber“. Es gibt eine sehr unschöne Praxis unter den Merinobauern, die sich Mulesing nennt. Die ist für die Merino-Schafe, gelinde gesagt, ziemlich unschön. Auf Wikipedia findet sich dazu ein ausführlicher Bericht.

Immer mehr führende Hersteller von Merinoprodukten im Outdoor-Bereich, wie bspw. Ortovox oder Icebreaker, gehen offensiv mit dem Thema um und garantieren, dass ihre Schafe frei von Mulesing sind. Einige engagieren sich auch aktiv dafür, Produktionsbedingungen zu schaffen, unter denen Mulesing nicht nötig ist, wie bspw. Ortovox.

Hat man diesen Haken ausgeschlossen, bleibt tatsächlich keiner mehr übrig.

Und wie pflege ich Merino-Wolle?

Im Vergleich zu seinen zwei Geschwistern, der herkömmlichen Wolle und der Daune, ist Merinowolle sehr sehr pflegeleicht und einfach zu waschen.

Einzelne Produkte können unter Umständen in der Pflegeanleitung abweichen, deshalb besser vorher immer die Waschanleitung des Herstellers lesen.

Qualitätskontrolle Merinowolle

Feinste Wolle im Prüfstand

Hier eine Zusammenfassung:

Waschen:

Zwischen 30°C und 40°C im Normalwaschgang mit einem Wollwaschmittel (optimal: ph-neutral, ohne Protease). Das Material hält normales Vollwaschmittel in der Regel aus, es kann aber auf Dauer dazu führen, dass es „hart“ wird. Finger weg von Bleichmitteln oder Weichspülern! Man sollte auch ein Auge darauf haben, ob Enzyme im Waschmittel verwendet werden. Will man unterwegs waschen, kann man auch gut ein Shampoo nutzen.

Wie immer ist es ratsam, dunkle und helle Produkte nicht gemeinsam zu waschen, um ein Verfärben zu verhindern.

Reißverschlüsse sollte man vor dem Waschen immer schließen und bedruckte Produkte auf links drehen, also den Druck nach innen.

Icebreaker zieht explizit die Waschmaschine der Handwäsche vor, da bei der Handwäsche Schmutzreste zurückbleiben können und dann fängt es vielleicht doch mal an zu riechen.

Trocknen:

Nicht im Trockner!!! Merinoprodukte kann man ganz einfach auf der Leine trocknen. Eigentlich ist Merino ziemlich formstabil, aber es kann nicht schaden, die Sachen liegend zu trocknen.

Pilling verhindern:

Beim Herstellen von Wolle schleichen sich immer mal kürzere Wollfäden zwischen die langen. Diese kurzen Stücke können mit der Zeit an die Oberfläche gelangen wo sie zu kleinen Knötchen verfilzen. Diese Knötchen nennt man Fussel oder neudeutsch Pilling.

Pilling kann man verhindern, indem man hin und wieder seine Merino Produkte gemeinsam mit einem raueren Produkt (z.B. einer Jeans) in die Waschmaschine steckt. So werden die kleinen Fädchen abgerubbelt, bevor sie überhaupt verfilzen können. Bitte hier auch darauf achten, dass alle Reißverschlüsse geschlossen sind.

Und wie ist das jetzt mit dem Riechen?

Merinoschafe beim Weiden

Man kann schlechter leben als Schaf

Inzwischen ist es ja schon fast Volkssport geworden sich zu erzählen, wie lange man sein Merino-Shirt getragen hat, ohne es zu waschen und dass es sogar „nach drei Wochen noch gar nicht gestunken hat!“ Ob man nun davon beeindruckt sein sollte, ein Shirt drei Wochen ungewaschen zu tragen, sei mal dahin gestellt. Merino hat aber tatsächlich die Eigenschaft, kaum zu riechen.

Das liegt daran, dass die Wollfaser am menschlichen Körper im Grunde genauso funktioniert wie beim Schaf. Sie nimmt den Schweiß auf und speichert ihn, bis er vollständig an die Außenluft wieder abgegeben wurde. Da der Schweiß so nicht auf der Haut bleibt, entstehen keine Gerüche.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Erika sagte am 10. Juni 2019 um 10:06 Uhr

    Und wie wasche ich die Devold Jacken und T-Shirts aus 100 % Wolle?

    Danke!

  2. Bergfreundin Cora sagte am 15. Juli 2019 um 15:27 Uhr

    Hi Erika,

    am besten im Wollwaschprogramm deiner Maschine mit entsprechendem Wollwaschmittel.
    Wenn du extra lieb zu deinen Sachen sein willst kannst du sie auch in einen Wäschesack stecken.
    Am besten auch immer noch auf die Pflegeanleitung in den Kleidungsstücken schauen. Die Hersteller machen da immer genaue Angaben.

    Viele Grüße
    Cora

  3. Rainer sagte am 25. Juni 2019 um 11:51 Uhr

    Hallo,
    also ich habe meine Icebreaker Merino Wandersocken immer mit A*** Süd Color Waschmittel gewaschen und muss leider feststellen dass diese nun ziemlich hart geworden sind und der Stoff deutlich an Dicke verloren hat. So passiert es mir leider dass ich in diesen Socken Blasen bekomme. Ich hätte nun gerne einen Tipp welches handelsübliche Waschmittel von einem Einkaufsmarkt/Drogerie die erforderlichen Bedingungen erfüllt. Habe gelesen dass Frosch Baby Waschmittel geeignet sei. Hat jemand Erfahrungen damit oder kann mir jemand ein anderes handelsübliches Waschmittel empfehlen?
    Viele Grüße
    Rainer

  4. Bergfreundin Cora sagte am 28. Juni 2019 um 13:45 Uhr

    Hi Rainer,

    wie bei allen Wollstoffen (was ja Merino auch ist) ist die beste Option für das Material ein Wollwaschmittel.
    Das findest du von allen möglichen Herstellern in, soweit ich weiß, allen Läden. Du hast also freie Auswahl. :-)

    Viele Grüße
    Cora

  5. ella sagte am 14. August 2019 um 20:42 Uhr

    Seit einigen Jahren verwende ich Merino Shirts, sowohl Icebreaker als auch Ortovox mit Begeisterung!! Ich wasche sie nicht zu oft aber mit Buntwäsche 40° und Flüssigwaschmittel, das klappt wunderbar! Wichtig ist es, im Schrank für Mottenschutz zu sorgen, z.B. Lavendelöl, auch die Motten lieben Merinowolle!

  6. Stefan sagte am 25. August 2019 um 20:42 Uhr

    Hi, danke für den Artikel. Ich wundere mich allerdings über deinen Tipp, Wollwaschmittel zu nutzen. Ich habe häufiger gelesen, dass man genau das nicht machen soll, da normale Wolle rauer ist, als Merino und das Waschmittel teilweise Weichspüler enthält, der dann wieder der Merionwolle schädigt. Auf die schnelle u.a. hier zu finden: https://chalkr.de/icebreaker-merino.html

  7. Jörn sagte am 26. August 2019 um 13:18 Uhr

    Hi Stefan,

    danke für dein Feedback zum Beitrag. Ich hab den Link zur Konkurrenz mal rausgenommen – hoffe, du verstehst das. Ich kopiere die Passage mal hier rein. Im Artikel heißt es ja:

    „Benutze normales Waschmittel (Pulver oder flüssig) und kein Wollwaschmittel. Merino hat eine ganz andere Struktur als normale Wolle. Die Produkte von Icebreaker sollen daher im normalen Waschgang mit einem normalen Waschmittel gewaschen werden. Spezielle Wollwaschmittel sind zu vermeiden, denn sie sind für gröbere Wolle gedacht und enthalten oft Weichmacher. Diese Weichmacher können die feinen Merinofasern beschädigen und so zu Löchern und zu allgemeinem Verschleiß führen.“

    Allerdings schreibt Icebreaker auf ihrer eigenen Webseite: „Du kannst auch Wollwaschmittel verwenden solange dieses kein Weichspüler enthält.“ (vgl. https://www.icebreaker.com/de-de/customer-service/service-product-information.html)

    Ich denke, da liegt auch der Hund begraben. Weichmacher sollte man generell meiden und im Zweifel erstmal direkt beim Hersteller nach den Pflegetipps schauen – da ist man auf der sicheren Seite, auch wenn es mal zu einer Reklamation kommen sollte.

    Liebe Grüße, Jörn

  8. Marion sagte am 2. September 2019 um 11:29 Uhr

    Wie kann man Merinowolle unbehandelt und selbst gesponnen und eine Jacke gestrickt waschen und pflegen besonders nach dem Fertigstellen und vor dem Tragen?

  9. Bergfreund Marco sagte am 3. September 2019 um 15:12 Uhr

    Hallo Marion,

    puuuuh das ist schwer zu sagen, ich würde hier aber eher auf Handwäsche zurückgreifen. Ich würde auf jeden Fall darauf verzichten die Jacke zu schleudern.

    Viele Grüße,

    Marco

  10. robert sagte am 12. September 2019 um 10:47 Uhr

    Hey,
    Wir nutzen Merino Wolle für Kleidung (unterschiedlicher Hersteller) seit vielen Jahren.
    Ich wasche unsere Merino Teilchen, je nach Verschmutzung, bei 30- oder 40 Grad mit Color- Flüssigwaschmittel namhafter Hersteller, immer mit dem Pflegeleicht Programm, ein bisschen Bewegung muß sein :-). Nicht Feinwäsche- oder Wollwäsche Programm. Bei starken Verschmutzungen weiche ich die Teile vorher eine Zeit lang mit verdünnter Waschmittellösung ein, das hilft sehr. Schleudern bis 1200 U/min macht dem normalen Stoff nichts, flauschigen dickeren Teilchen/Jacken etc. allerdings schon!!

    Klettverschlüsse gehen gar nicht!!, auch Reissverschlüsse/Knöpfe/BH´s o. ä. sind ein no go. Wäschebeutel verwende ich mit unter wenn doch mal ein zweifelhaftes Teil mitgewaschen werden muß.

    Es gibt tatsächlich, auch im oberen Preissegment, große Unterschiede in der Qualität und wird mal was hart oder verschleißt schneller, lieg das nicht unbedingt an der Nutzung und Pflege! Das wird dann gerne suggeriert und noch teures Waschmittel dazu verkauft….. Bei uns wird jeder gleich behandelt auch die Merionteilchen und glaubt mir, manche Teile sind ihr teuer Geld nicht wert.
    DIe Stoffe werden immer dünner und somit z. T. auch empfidlicher, gerade beim Tragen von Rucksäcken, Kontakt mit spitzen Zweigen, Kletten o.Ä und beim Waschen…

    Und zum Geruch, wenn Mann/Frau selber stinkt wie ein…. dann riechen die Merino Teile auch nach sehr kurzer Zeit nicht mehr so gut….. Wäscht Mann/Frau sich, auch auf Tour regelmäßig, dann sind Tragezeiten, wer es mag, von einer Woche oder mehr drin :-).

  11. Gudrun sagte am 13. September 2019 um 14:25 Uhr

    Ich wasche alle Wollsachen in der Waschmaschine, auch selbst gestrickte aus unbehandelter Wolle. In diesem Fall nehme ich allerdings unbedingt den Woll-Waschgang und wasche sehr empfindliche Strickwaren nur kalt, maximal 30° C , stecke extrem empfindliche Kleidung in einen Wäschesack und verwende eine niedrige Schleuderdrehzahl. Die Gefahr dass Wolle eingeht oder sich verzieht ist besonders dann gegeben, wenn sie beim Spülgang einen „Kälteschock“ bekommt. Bei der Waschmaschine einer Freundin gibt es eine „Laugenabkühlung“ vor dem Spülgang, die den „Kälteschock“, der die Veränderung bewirkt, verhindert. Meine Waschmaschine hat diese Funktion nicht, daher wasche ich sehr empfindliche Wäsche mit kälterer Temperatur, auch Wolle, die nur mit Handwäsche gewaschene erden soll oder eigentlich nur in die Reinigung gegeben werden soll.
    Wenn man nicht ein Sport-Wollwaschmittel (Fibertec, Toko, u.a.) verwenden will, macht man mit Wollwaschmittel aus dem Bio-Laden (z. B. Sonett) nichts falsch, da das keine Enzyme enthält (im Gegensatz zu manchen konventionellen Woll-Waschmitteln) und die Wolle gut pflegt.

  12. Eva sagte am 24. Oktober 2019 um 13:43 Uhr

    unsere Merinokleidung trockne ich immer ganz normal ohne Schaden im Trockner. Outdoorkleidung muß das aushalten! Wenn wir mit Minimalgepäck und Zelt auf Radtour sind und Kleidung naß wurde (durch Regen, Schweiß oder weil sie gewaschen werden mußte) kommt sie in den Trockner, den man zum Glück auf fast allen Campingplätzen findet. Über Nacht im Zelt bekommt man die Sachen meist nicht trocken (schon gar nicht im Herbst). Was also tun, wenn man sie am nächsten Morgen wieder braucht oder bei länger anhaltendem Regen?
    viele Grüße

  13. Bergfreundin Hannah sagte am 29. Oktober 2019 um 11:44 Uhr

    Hallo Eva,

    danke für dein Kommentar!
    Merinowolle hat wirklich tolle Eigenschaften, „Schnelltrocknen“ gehört aber nicht dazu. Daher muss und sollte man die Produkte auch nicht so oft waschen wie Kunstfaserunterwäsche. Prinzipiell sollte man auch darauf achten, dass sie nicht unbedingt klitsch nass wird und lieber zur Regenjacke greifen. Ich verstehe aber das Problem, dass Produkte nicht über Nacht im Zelt trocknen. Da muss man sich dann entscheiden, ob nicht vielleicht doch eine Kunstfaserunterwäsche besser wäre, die den großen Vorsteil hat, eben schneller zur trocknen.

    Liebe Grüße,

  14. Andreas sagte am 24. November 2019 um 14:01 Uhr

    Hallo ihr lieben. Ich habe in meinen merinotischürts bartöl im Kragen und Brustbereich. Durch 40 grad waschen mit wollwaschmittel, wird dieses nicht rausgewaschen. Hat von euch einer eine Idee wie ich die Hemden wieder ölfrei bekomme?
    Vielen und herzlichen Dank für eine Antwort.

    Ich wünsche euch Zufriedenheit und Glück

    Andreas

  15. Bergfreundin Cora sagte am 26. November 2019 um 16:23 Uhr

    Hi Andreas,

    das ist echt eine kniffelige Frage, da alles was etwas aggressiver Flecken löst auch der Merinofaser schadet. persönlich würde ich es wohl mit Galseife versuchen, allerdings würde ich da in kauf nehmen, dass das T-shirt schneller Löcher bekommt oder die Farbe dadurch etas ausgeblichen wird.
    Im Sinne von: Alle Lösungen sind falsch. Entweder du lebst irgendwie mit den Flecken oder du gehst das Risiko des Fleckenentfernens ein und lebst notfalls damit, dass dein T-shirt danach nicht mehr perfekt ist.
    Tut mir leid, dass ich keine bessere Lösung habe.

    Viele Grüße
    Cora

  16. Ute sagte am 11. Dezember 2019 um 21:13 Uhr

    Ich liebe meine Merino Kleidung von Icebreaker und Ortovox auch sehr möchte aber Ellas Kommentar noch mal unterstreichen und auch dringend den Mottenschutz empfehlen. Kein Haken bei Merino ist also nicht ganz wahr, denn ich habe regelmäßig mit Mottenlöchern in den dünnen T-Shirts und Hemden zu kämpfen und es sind immer die Lieblingsteile. Und Mottenschutz hilft begrenzt. Selbst über Nacht auf einem Stuhl abgelegte T-Shirts waren am nächsten Morgen schon mal angefressen.

  17. Mariann sagte am 12. Dezember 2019 um 10:21 Uhr

    Hallo
    ich verwende von Perwoll das Waschmittel für Wolle. Da sind Enzyme drin. Auch im Waschmittel für Funktionsbekleidung sind Enzyme drin.
    Was nun? Gibt es überhaupt ein Waschmittel ohne Enzyme?
    Gruß Mariann

  18. Bergfreund Marco sagte am 13. Dezember 2019 um 08:58 Uhr

    Hallo Mariann,

    es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Biowaschmitteln, die auf Enzyme verzichten. Klassische Hrsteller wären z.B. PureNature oder Sodasan.

    Viele Grüße,

    Marco

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