Wasserdichte Kleidung. Foto: Bergans

Wasserdicht oder wasserabweisend? – also wie jetzt?

12. Juli 2017

Unterschied zwischen guter und schlechter Regenkleidung

Wiebke im Dauerregen

Worst case scenario: Zweiter Tag einer zweiwöchigen Wanderung. Der Rucksack ist randvoll mit wichtigen Sachen und Deine einzige Kleidung trägst Du am Leib. Wechselwäsche wird ohnehin (von manchen) überbewertet. Dann zieht eine Schlechtwetterfront auf und deren Ende ist so gar nicht abzusehen. Das Schlimmste, was Dir jetzt noch passieren kann, sind nasse Klamotten, denn wechseln kannst Du nicht und wann Du sie das nächste Mal in die Sonne hängen kannst, weißt auch Du nicht. Eine der nervigsten Binsenweisheiten besagt ja, es gäbe kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Bekleidung. Leider ist der Spruch aber auch ziemlich wahr und in einer solchen Situation rettet Dich nur noch die richtige Regenschicht vor Nässe, Kälte, Druckstellen und Blasen. Aber woher weiß man, wo der Unterschied liegt zwischen guter und schlechter Regenkleidung? Was hält richtig dicht?

Eine Norm muss her

Sie bestimmt, nach welchen Kriterien die Wasserdurchlässigkeit eines Stoffes oder einer Membran gemessen wird. Oder verständlicher ausgedrückt: wie schnell ein Stoff oder eine Membran Wasser durchlässt.

Dabei wird der Stoff Wasser ausgesetzt, das mit einem konstanten Druck auf den zu testenden Stoff einwirkt. Dann wird gemessen, nach welcher Zeit sich drei Tropfen Wasser ihren Weg durch den Stoff gebahnt haben. Die Zeit kann aber auch in Druck umgerechnet werden. Dieser wird dann in Millimeter Wassersäule angegeben. Fragt mich nicht warum. Merkt Euch einfach nur die Maßeinheit.

Und immer wenn Normen ins Spiel kommen, wird es natürlich lustig. Achtung es geht los: Bei Bekleidung tritt die europäische Norm DIN EN 343:2010-05 (Schutzkleidung gegen Regen) in Kraft. Laut ihr ist ein Stoff ab 800 mm Wassersäule wasserdicht Klasse 2 und ab 1.300 mm Wassersäule wasserdicht Klasse 3. Und da das alle nur noch mehr verwirrt, lautet die Faustformel in Deutschland, dass ein Stoff ab 1.500 mm Wassersäule wasserdicht ist. So kann man eigentlich nichts falsch machen.

Unsere Freunde aus der Schweiz sind da noch etwas strenger. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (EMPA) in Sankt Gallen sagt, dass ein Stoff ab 4.000 mm Wassersäule wasserdicht ist. Soso.

Und wieviel Wassersäule braucht man nun wirklich?

Hochtouren bieten spezielle Anforderungen an Outdoor-Bekleidung und Outdoor-Ausrüstung

Hochtouren können spezielle Anforderungen ans Material bieten

Das hängt wie immer ganz davon ab, was man im Regen unternimmt und was der Stoff während der Wassereinwirkung aushalten muss. Hierbei ist entscheidend, ob neben dem Wasser auch Druck auf den Stoff ausgeübt wird. Etwa ob wir mit einer Regenjacke einfach so im Regen stehen oder ob starker Wind auf das Wasser auf der Jacke drückt oder gar die Träger eines schweren Rucksacks Druck auf die von außen nassen Schulter- und Rückenpartien ausüben und das Wasser durch den Stoff drücken wollen.

Um Euch einen kleinen Eindruck der Kräfte zu vermitteln: Laut Wikipedia werden beim Sitzen auf feuchtem Untergrund rund 2.000 mm Wassersäule aufgebaut, geht man in die Hocke, sind es bereits 4.800 mm. Und das hängt dann wiederum davon ab, wie schwer der oder die Hockende ist.

Noch genauso schlau wie vorher

Mit anderen Worten, die Grenze zwischen wasserdicht und wasserabweisend ist fließend und von mehreren Faktoren abhängig: Art der Wassereinwirkung, Dauer der Einwirkung, Druck des Wassers auf den Stoff (etwa durch Wind, Rucksack oder den Träger selbst)…

Aber jetzt kommt die gute Nachricht. Eigentlich alle Hardshelljacken sind wasserdicht, zumindest alle in unserem Shop. Die meisten Hersteller beginnen mindestens mit einer Wassersäule von 10.000 mm und liegen somit weit über dem, was die Norm als wasserdicht definiert. Die meisten Hardshelljacken bewegen sich sogar in einem Bereich um die 20.000 mm und manche kratzen gar an den 30.000 mm.

Aber nie vergessen: Es hängt ganz wesentlich davon ab, was Ihr mit den Jacken (oder Hosen) unternehmen wollt. Außerdem beziehen sich diese Werte auf neue Jacken. Gebrauchte und abgenutzte Stoffe und Membranen verlieren schnell an Eigenschaften, die sie beim Neukauf noch vorweisen konnten.

Auch wesentlich entscheidend ist, seine Jacke regelmäßig zu imprägnieren. Auf einer gut imprägnierten Jacke bleibt das Wasser gar nicht lange genug liegen, um etwa vom Wind durchgedrückt zu werden.

Atmungsaktiv aber wasserdicht. Die 3-Lagen-Membran von Gore-Tex Pro

Atmungsaktiv aber wasserdicht. Die 3-Lagen-Membran Gore-Tex Pro

Übrigens

Die Wassersäule bezieht sich lediglich auf die Werte des Stoffes. Andere Komponenten können sich auch entscheidend auf die Schutzfunktion einer Jacke auswirken. Durch einen schlechten Frontreißverschluss kann sehr viel Wasser in eine Jacke gelangen, besonders bei Gegenwind. Schlecht geschnittene Kapuzen sind auch so ein Punkt, den man nicht vernachlässigen sollte. Ganz wichtig sind natürlich getapte oder verschweißte Nähte, denn auch sie sind potentielle Schwachstellen. Danke an Bergfreundin Maria für den Hinweis in den Kommentaren.

Und ganz ganz ganz entscheidend ist natürlich die Atmungsaktivität einer Jacke. Was bringt Dir eine Jacke, die von außen so dicht ist, dass sie den Schweiß, den Du produzierst, nicht abtransportieren kann? Dann wirst Du nämlich von innen nass und das ist kaum besser als von außen, außer, dass es anfangs noch wärmer ist. Hierzu hat Jascha mal einen sehr informativen Blogbeitrag geschrieben. Ihr könnt ihn hier im Basislager nachlesen.

Wie immer könnt Ihr Euch bei Fragen auch gerne an unsere Experten aus dem Kundenservice wenden. Die Kollegen stehen Euch unter der Woche täglich von 8.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail zur Verfügung.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.12.2015 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. […] gemessenen Wassersäule ab. Eine gute Erläuterung hierzu wird von Wiebke bei Bergfreunde.de “Wasserdicht oder wasserabweisend? – also wie jetzt?” […]

  2. wolfgang sagte am 4. Oktober 2016 um 12:38 Uhr

    Wo bekomme ich eine ECHTE Regenjacke her ? die 100% wasserdicht ist ? Ich meine die Jacken, die NIE imprägniert werden müssen, diese sind in den meisten Fällen zwar nicht nett anzusehen aber das wäre mir egal… Als Kind hatte ich solche dickeren Plastikregenjacken…wo gibt es die …weil meiner Meinung nach…alles andere egal ob 40000 er oder 20000er sind unnötig….danke für Eure Hilfe

  3. Jörn sagte am 4. Oktober 2016 um 15:31 Uhr

    Hi Wolfgang,

    da können wir dir ruhigen Gewissens die Laugavegur Regenjacke von 66 North empfehlen: https://www.bergfreunde.de/66-north-laugavegur-rain-jacket-mantel/.

    Die wird direkt in Island entwickelt und hält dem harschen Nordwetter Stand! Gibts auch als Poncho.

    Viele Grüße,

    Jörn

  4. Stephanie sagte am 9. November 2016 um 10:40 Uhr

    Hallo!

    Danke für eure Informationen auf dieser Seite. Die sind sehr hilfreich bei der Suche nach der optimalen Jacke.
    Ich suche für einen Extrem-Hindernislauf im Winter mit langer Laufdistanz eine leichte atmungsaktive und wasserdichte Jacke unter der ich mich auch beim Bergauflaufen wohlfühle und werder von außen durch Regen/ Schnee, noch von innen heraus durchnässe. Könnt ihr mir da was empfehlen?

  5. Jörn sagte am 9. November 2016 um 12:09 Uhr

    Hi Stephanie,

    danke für das Lob, freut uns sehr.

    Das Thema „wasserdicht und atmungsaktiv“ ist immer relativ schwierig zu beantworten, da es hier auf viele Faktoren ankommt. Schweißrate, Außentemperatur, Imprägniernug – um nur mal drei zu nennen. Ich persönlich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit der Montane Minimus (https://www.bergfreunde.de/montane-womens-minimus-jacket-hardshelljacke) gemacht, sie ist darüber sehr leicht und hat ein kleines Packmaß. Auch von der Further Faster Jacket hört man viel Gutes, vor allem dank Neoshell (https://www.bergfreunde.de/montane-womens-further-faster-neo-jacket-hardshelljacke). Eventuell wäre auch die Trollveggen von Norrona mit Gore-Tex Pro Light und Unterarmbelüftung interessant (https://www.bergfreunde.de/norroena-womens-trollveggen-gore-tex-light-pro-jacket/).

    Wenn mir unter der Regenjacke warm wird, dann kremple ich die Ärmel hoch und öffne den Reißverschluss bei aufgesetzter Kapuze. Das genügt mir persönlich in der Regel. Ich kenne aber auch Menschen, die so stark schwitzen, dass sie selbst in den atmungsaktivsten Modellen pitschnass sind – Du verstehst sicher, worauf ich hinaus will. Was genau hast Du Dir denn für ein Event ausgesucht?

    Viele Grüße,

    Jörn

  6. mia sagte am 10. Februar 2017 um 09:30 Uhr

    Hey,

    Das mit der Wassersäule habt ihr ganz gut erklärt. Leider fehlt in diesem Zusammenhang völlig die Verarbeitung des Bekleidungsteils. Die Wassersäule bezieht sich ja lediglich auf das Material. 20.000 mm hört sich toll an, führt aber zu nichts, wenn man normale DDS-Nähte hat. Um also ein wirkliche „wasserdichte“ Jacke oder Hose zu bekommen, müssen die Nähte anschließend getaptet sein oder gleich geschweißt.

  7. Jörn sagte am 10. Februar 2017 um 11:54 Uhr

    Hi Mia,

    da hast du natürlich vollkommen recht, ein entsprechender Absatz macht absolut Sinn. Ich packe es mir gleich auf die Todo-Liste, damit wir schnell nachbessern können.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  8. Jana sagte am 23. April 2017 um 15:00 Uhr

    Wie viel Wassersäule braucht man denn nun, wenn man einen schweren Rucksack trägt?

  9. Jörn sagte am 24. April 2017 um 10:21 Uhr

    Hi Jana,

    da bei einem schweren Rucksack nicht nur die Wassersäule, sondern auch die Widerstandsfähigkeit des Materials eine große Rolle spielt, kommt man bei uneingeschränkt rucksacktauglichen Jacken ohnehin kaum um Gore-Tex Pro 3L und Dermizax NX herum. Und dann ist man auch bei der Wassersäule automatisch bei mindestens 20.000 mm.

    Viele Grüße,

    Jörn

  10. Sara sagte am 28. April 2017 um 11:56 Uhr

    Ich suche eine Regenhose, die beim täglichen Fahrradfahren zur Arbeit (4 Km ein Weg) bei jedem Wetter dicht hält. Welche Wassersäule empfehlt ihr hier? Ist 3000 genug oder muss ich in jedem Fall höher?

    Merci!

  11. Jörn sagte am 28. April 2017 um 12:09 Uhr

    Hi Sara,

    wir würden mindestens eine Wassersäule von 10.000 mm empfehlen, da der Druck durch die erhöhte Geschwindigkeit beim Fahren stärker auf das Material drückt. Die Vaude Luminum (https://www.bergfreunde.de/vaude-womens-luminum-performance-pants-hardshellhose/) wäre zum Beispiel so ein Kandidat.

    Viele Grüße,

    Jörn

  12. Mike sagte am 28. April 2017 um 18:47 Uhr

    Zeltkauf nicht Gebirge am Meer,,, wieviel Wassersäule muss sein???

    Danke Mike

  13. Jörn sagte am 2. Mai 2017 um 09:10 Uhr

    Hi Mike,

    puh, so pauschal lässt sich das leider nicht beantworten. Vor allem der Zeltboden sollte eine hohe Wassersäule von mind. 5000 mm aufweisen, das Außenzelt mindestens 3000 mm. Am besten, du kontaktierst die Kollegen im Kundenservice unter 07121/70 12 0 – sie können Dir genau sagen, was Du brauchst.

    Viele Grüße,

    Jörn

  14. Monika sagte am 20. Juli 2017 um 22:07 Uhr

    Regenjacke wasserdichte bewertung 45 ooo mmm Breathabillity 35 ooo g

    das müsste doch gut sein oder

  15. Jörn sagte am 21. Juli 2017 um 09:08 Uhr

    Hi Monika,

    ja, eine 45.000er-Säule ist definitiv wasserdicht. Und in Sachen Atmungsaktivität kann sich das Teil auch sehen lassen.

    Vergiss aber nicht, dass es gerade bei der Atmungsaktivität darauf ankommt, wie stark man selbst schwitzt und wie die äußeren Begebenheiten sind.

    Wie gesagt, auf dem Papier liest sich das aber hervorragend.

    Liebe Grüße,

    Jörn

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