Ausrüstung

Verschweißte Nähte – cleverer Zusatzschutz vor Nässe

21. Dezember 2015

Kategorie

Verschweißte Nähte schützen vor Wind und Nässe

Verschweißte Nähte schützen vor Wind und Nässe

Ein eingefleischter Berg- und Wanderfan richtet sich natürlich nicht nach Jahreszeiten oder gar dem Wetter. Wenn nicht gerade meterhoher Schnee liegt, spricht meist nichts dagegen, die geplante Tour auch bei widrigen Witterungsbedingungen zu gehen. Um dabei jedoch nicht gleich die nötige Motivation zu verlieren, ist eine optimale Ausrüstung, insbesondere aber eine perfekt abgestimmte Kleidung unumgänglich.

Doch wie funktioniert das mit der wasserfesten Kleidung? Besonders bei Jacken fragt man sich doch immer wieder, wie man Schwachstellen wie Reißverschlüsse und Nähte denn überhaupt wasserdicht bekommt.

Die Antwort auf diese Frage ist gar nicht mal so kompliziert. Vor allem bei Hardshelljacken und Hardshellhosen, doch auch bei Softshelljacken und -hosen werden die Nähte zusätzlich verschweißt oder verklebt. Dadurch werden die Nahtstellen, die normalerweise durch die verwendeten Fäden kleine Öffnungen aufweisen, dicht verschlossen. In Verbindung mit dem wasserdichten Stoff perlt Feuchtigkeit nun an der Außenseite ab und kann nicht mehr ins Innere dringen.

Ein weiterer Vorteil von verschweißten Nähten ist, dass sie die Kleidung gleichzeitig winddicht machen. Wurde nämlich ein winddichtes Material für die Fertigung der Kleidung verwendet, kann nun auch durch die zuvor offenen Nahtstellen kein Wind mehr nach innen gelangen. Dadurch hält die Kleidung den Sportler schön warm und lässt unangenehme Kälte draußen.

Wie funktioniert das Verschweißen?

Im Grunde kann man sich das Verschweißen der Nähte so vorstellen wie die Methode, die jene Schweißgeräte anwenden, die Papier in Folie einschweißen sollen: durch das Erhitzen und Anbringen von speziellen Bändern an den gewünschten Stellen bzw. Nähten werden die beiden aneinander liegenden Teile nahtlos miteinander verbunden und bilden so später eine durchgehende Fläche. Die Nahtstellen sind dabei nur noch als kleine Streifen zu erkennen.

Kleidung mit verschweißten Nähten sollte trotzdem atmungsaktiv sein

Verschweißte Naht an einer Outdoor-Jacke

Verschweißte Naht an einer Outdoor-Jacke

Durch das Verschweißen der Nähte werden diese sozusagen luftdicht verschlossen. Bei Kleidung mit normalen Nähten kann durch diese immer noch Luft dringen, was für eine wichtige Luftzirkulation sorgt und die Kleidung atmungsaktiv werden lässt. Da durch die verschweißten Nähte dies nicht mehr gewährleistet ist, muss der Stoff der Kleidung selbst unbedingt atmungsaktiv sein. Nur so kann ein Überhitzen des Körpers und ein übermäßiges Schwitzen eingedämmt oder verhindert werden. Besonders bei sportlichen und schweißtreibenden Aktivitäten ist dies enorm wichtig, um einen angenehmen Tragekomfort zu erhalten.

Eine weitere Möglichkeit, die Atmungsaktivität zu steigern, ist die Verwendung von Belüftungsreißverschlüssen. Da diese ebenfalls wasserdicht sind, lassen sie bei geschlossenem Zustand keine Feuchtigkeit durchdringen. Werden sie jedoch geöffnet, gelangt kühlende Luft an den Körper. Somit entsteht ein praktisches und manuelles Belüftungssystem, das der Wanderer individuell einsetzen kann.

In welchen Bereichen werden Nähte noch verschweißt?

Das Konzept von verschweißten Nähten ist so effektiv, dass es sich auch in anderen Bereichen, außerhalb der Oberbekleidung durchgesetzt hat. So werden beispielsweise auch die Nähte von Zelten verschweißt. Da natürlich auch Zelte absolut wasserdicht sein müssen, denn das Wetter ist nicht immer vorhersehbar, werden auch hier die Schwachstellen, sprich Nähte, durch das zusätzliche Schweißen verdichtet.

Sorel - Caribou WL - Winterschuhe

Sorel – Caribou WL – Winterschuhe

Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Schuhe. Es muss nicht immer gleich ein sintflutartiger Regenfall sein, der für Nässe in den Schuhen sorgen kann. Doch besonders in den Herbst- und Wintermonaten sind die Wege und Pfade oft feucht, schlammig und von Wasserlaken übersät. Die Feuchtigkeit findet also ganz leicht den Weg ins Innere des Schuhs. Und wer schon einmal mit nassen Füßen einen kilometerlangen Fußmarsch bewältigen musste, weiß, dass dies kein Spaß ist. Daher werden bei wasserdichten Wanderschuhen die Nähte ebenfalls verschweißt, um die Nässe draußen und die Füße im Inneren schön trocken zu halten.

Wie repariert man verschweißte Nähte richtig und effektiv?

Bei hochwertiger Funktionskleidung wurden die verschweißten Nähte so bearbeitet, dass sie besonders robust und langlebig werden. Vor allem an viel beanspruchten Stellen wie den Schultern ist dies enorm wichtig. Hier scheuern unwillkürlich die Schulterriemen des Rucksacks und können im Laufe der Zeit die Bänder, die zum Verschweißen verwendet wurden, lösen oder beschädigen. In diesem Fall kann sich der ambitionierte Wanderer und Bergsteiger jedoch mit ein paar geschickten Handgriffen selbst helfen und muss nicht sofort eine neue und teure Jacke kaufen.

McNett - Seam Grip - Nahtdichter

Mit dem McNett – Seam Grip können ablösende Nähte ebenfalls repariert werden

Um die Nähte wieder verdichten zu können, werden spezielle Nahtbänder benötigt. Diese sind teilweise selbstklebend oder mit einer Klebeschicht versehen, die auf Hitze reagiert. Durch das Aufbügeln der Nahtbänder an die jeweiligen Stellen im Inneren der Kleidung verbindet sich das Band durch die Hitze mit dem Stoff und dichtet diesen wieder zuverlässig ab. Das Aufbügeln sollte ohne Dampf geschehen und nur bei Stoffen angewendet werden, die auch hitzeresistent sind. Um größere Schäden zu vermeiden, sollte das zuvor an einer kleinen und unauffälligen Stelle ausprobiert werden.

Übrigens können durch die Verwendung von solchen Nahtbändern auch kleine Risse und Löcher in der Funktionskleidung „geflickt“ werden. Auch in diesem Fall werden diese einfach aufgebügelt und versiegeln dadurch die defekten Stellen wieder.

Auf Qualität setzen und trocken ans Ziel kommen

Natürlich gibt es bei den einzelnen Produkten auch erhebliche Qualitätsunterschiede. Relativ günstige Exemplare können normalerweise nur mit verklebten Nähten dienen. Hier lösen sich die Bänder jedoch leicht und dichten die jeweiligen Stellen nicht besonders gut ab. Daher kann es schnell mal feucht werden, vor allem wenn es regnet. Einen durchaus besseren Schutz erhält man, wenn man etwas mehr investiert, dabei jedoch wirklich auf gut verschweißte Nähte setzt, die auch komplett abdichten. Somit steht der nächsten Tour auch bei Schmuddelwetter nichts mehr im Wege und der Wind- und Wetter-Sportler kommt trocken und vor allem gut gelaunt am Ziel an.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen verschweißte Nähte. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Ruedi Lendeczky sagte am 12. Oktober 2016 um 18:00 Uhr

    Liebe Bergfreunde

    Ist nicht der 1. Super Artikel. Besten Dank für die sehr guten Erklärungen.

    Lieber Gruss

    Ruedi

  2. Jörn sagte am 13. Oktober 2016 um 11:51 Uhr

    Hi Rudi,

    vielen Dank für die Blumen! Da freuen wir uns sehr.

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