Alles wissenswerte zu Merinowolle

Merinowolle – die Funktionsfaser im Detail

15. Februar 2017

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Ende der 1980er Jahr hielten viele Outdoor-Fans Funktionskleidung aus Kunstfaser für das Nonplusultra – nachdem „normale“ Wolle und Baumwolle wegen „Unbrauchbarkeit“ ausgedient hatten. Damals setzten nur einige wenige Pionier-Firmen im Outdoor-Bereich wie Icebreaker, Smartwool, Woolpower und Ortovox auf Merinowolle. Inzwischen haben jedoch fast alle Outdoor-Bekleidungshersteller Produkte aus dieser „neuen Wolle“ im Angebot. Das Merinoschaf ist sozusagen zum Lieblingstier vieler Sport- und Outdoor-Begeisterter geworden. Wer einmal ein Kleidungsstück aus Merinowolle anhatte, wird darauf nicht mehr verzichten wollen. Doch was hat es mit dieser High-Tech-Faser aus der Natur auf sich? Im Folgenden wollen wir uns die Merinowolle und ihre Eigenschaften einmal genauer anschauen:

Woher kommt Merinowolle?

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Schaf müsste man sein…

Merinowolle ist ein Naturprodukt, das aus der Wolle von Schafen gewonnen wird – und zwar aus der Wolle der Merinoschafe. Die Tiere stammen ursprünglich aus den nordafrikanischen Hochebenen des Atlas-Gebirges und zählen heute zu den ältesten und widerstandsfähigsten Schafrassen der Welt. Merinoschafe lebten dort unter extremen, oft widrigen Wetterbedingungen, wie man sie nur im Gebirge vorfindet, wenn man dort alle vier Jahreszeiten am Stück verbringt. So mussten sie – und müssen dies etwa in den neuseeländischen Südalpen auch heute noch – extreme Temperaturschwankungen von minus 20 bis plus 35 Grad aushalten. Deshalb besitzen sie ein Fell, das an solche harschen Bedingungen perfekt angepasst ist. Im Mittelalter gelangten die Schafe schließlich nach Spanien, wo ihre Wolle als wertvolle „spanische Wolle“ verkauft wurde. Im 18. Jahrhundert wurden die ersten Merinoschafe daraufhin nach Australien exportiert, welches sich mittlerweile neben anderen Wolle-produzierenden Ländern wie Neuseeland, Südafrika und Südamerika zum größten weltweiten Exporteur dieses kostbaren Guts entwickelt hat.

Was sind die Eigenschaften von Merinowolle?

Merinowolle besitzt von Natur aus einige sehr vorteilhafte Eigenschaften:

  • Sie kratzt nicht.
  • Sie wärmt, wenn es kalt ist.
  • Sie kühlt, wenn es warm ist.
  • Sie wärmt in feuchtem Zustand.
  • Sie entwickelt auch nach mehrmaligem Tragen keine unangenehmen Gerüche.
  • Sie ist wasser- und schmutzabweisend.
  • Sie ist besonders leicht bei hoher Wärmeleistung.
  • Sie verfügt über einen natürlichen UV-Schutz.
  • Sie lädt sich nicht elektrostatisch auf.
  • Sie ist schwer entflammbar.
  • Sie knittert nicht.

Natürlich sind alle diese Eigenschaften optimal, wenn es darum geht, Funktionskleidung für Outdoor-Aktivitäten herzustellen. Zunächst wollen wir uns aber die wichtigsten Eigenschaften im Detail anschauen und ergründen, warum Merinowolle diese eigentlich besitzt.

Warum kratzt Merinowolle nicht?

Merinoschafe gehören zur Rasse der Feinwoll-Schafe. Das Fell dieser Schafe besteht aus besonders feinen, weichen und stark gekräuselten Haaren mit einer Faserstärke von lediglich 16,5 bis 24 Mikron (die Faserstärke von Wollfasern wird in der Einheit Mikron angegeben; 1 Mikron entspricht 1 Mikrometer, d.h. 1 Tausendstel Millimeter). Damit sind die Fasern der Merinowolle in etwa nur halb so dick wie „normale“ Wollfasern und nur ein Viertel so dick wie ein menschliches Haar. Je feiner Wollfasern nun sind, desto stärker krümmen sie sich, wenn sie die Haut berühren. Während sich dickere Wollfasern kaum krümmen, kräuseln sich Merinofasern mit bis zu 40 Richtungsänderungen pro Zentimeter. Dadurch werden die Nervenenden der Haut deutlich weniger gereizt, und es entsteht kein unangenehmes Jucken. Die menschliche Empfindlichkeitsgrenze, ab der Fasern als kratzend empfunden werden, liegt bei etwa 25 Mikron. Deshalb wird normale Wolle als kratzend empfunden, während Merinowolle sich angenehm weich auf der Haut anfühlt.

Warum wärmt Merinowolle, wenn es kalt ist?

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Ideal, wenn es eisig ist!

Merinowolle besitzt eine hervorragende Isolationsfähigkeit bei Kälte. Dies liegt in der genialen Struktur der Merinofasern begründet. Die Fasern der Merinowolle bestehen – bezogen auf ihr Gesamtvolumen – bis zu 85% aus Luft. Die feinen und wellenartigen Fasern liegen dabei so locker aufeinander, dass sich zwischen ihnen Luftkammern bilden können. Und da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, isoliert sie hervorragend – sowohl gegen Kälte als auch gegen Wärme.

Der Effekt ist vergleichbar mit einem Fenster, das eine Doppelglasscheibe besitzt. Die zwischen den beiden Scheiben liegende Luft wirkt isolierend – sowohl im Winter als auch im Sommer. Merinowolle wärmt also nicht von sich aus, aber sie verhindert durch den Einschluss isolierender Luftpolster, dass die eigene Körperwärme entweichen kann. Sie hält die Wärme unseres Körpers dort, wo wir sie brauchen, wenn die Umgebungstemperatur kalt ist. Zusätzlich besitzen die Merinofasern aufgrund ihrer starken Kräuselung weniger Kontaktpunkte mit der Haut und leiten dadurch weniger Wärme ab. Zusammengefasst: Der Vorteil der gekräuselten Fasern der Merinowolle besteht darin, dass mehr isolierende Luft gebunden und weniger Wärme abgegeben wird.

Warum kühlt Merinowolle, wenn es warm ist?

Unser menschlicher Körper besitzt eine natürliche Klimaanlage. Bei warmen Umgebungstemperaturen oder bei intensiver körperlicher Aktivität fangen wir an zu schwitzen. Der Körper sondert Feuchtigkeit in Form von Schweiß ab, um sich abzukühlen und die Körpertemperatur auf einem konstanten Niveau zu halten.

Merinowolle kann diese körpereigene Funktion auf optimale Weise unterstützen. Sie funktioniert wie eine zweite Haut, die die Kühlwirkung noch verstärkt. Denn einerseits isolieren die Luftpolster der Merinofasern nicht nur gegen kalte, sondern auch gegen warme Umgebungsluft. Und andererseits verhalten sich die Fasern Feuchtigkeit gegenüber einzigartig. Ihr Feuchtigkeitsmanagement ist bisher von keiner künstlich entwickelten Textil-Faser je erreicht worden. Die Fasern der Merinowolle können bis zu einem Drittel ihres eigenen Trockengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen – bei Kunstfasern liegt der Wert unter zehn Prozent. Ihr hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen verdanken die Fasern ihrer chemischen Struktur. Sie sind hygroskopisch – das heißt, sie können Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf binden, und zwar besonders viel und besonders schnell. Schweiß oder Regennässe werden über ein Fasernetzwerk kleinster Kanäle schnell ins Faserinnere transportiert.

Gleichzeitig bleibt die Faseroberfläche trocken, da sie wasserabstoßend ist. Deshalb fühlt sich Merinowolle auch dann noch trocken an, wenn sie viel Feuchtigkeit in ihr Faserinneres aufgenommen hat. Genial, oder? Die hygroskopischen Fasern funktionieren wie ein Speicher, der dazu dient, die Feuchtigkeitsschwankungen in der Umgebung optimal ausgleichen zu können.

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Merinowolle bietet einen großartigen Feuchtigkeitstransport.

Warme Umgebungsluft sorgt nun dafür, dass die ins Faserinnere aufgenommene Feuchtigkeit an der Außenseite des Kleidungsstücks verdunstet. Für den Prozess der Verdunstung – also den Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand – benötigen die Wassermoleküle jedoch Energie. Und diese entziehen sie dem nächstgelegenen „Körper“ – also den Merinofasern – in Form von Wärme. Die Fasern kühlen ab, mit ihnen dann auch die Haut und der eigene Körper. Dieser Prozess nennt sich Verdunstungskälte, und er bewirkt ein angenehm kühlendes Gefühl auf der Haut.

Kunstfasern dagegen können – wie bereits angedeutet – fast keine Feuchtigkeit in ihrem Faserinneren speichern. Dies hat einen besonders schnellen Abtransport der Feuchtigkeit nach außen zur Folge. Dadurch entsteht ein Wärmestau, und der Körper reagiert mit einer Erhöhung der Schweißproduktion, um eine Abkühlung zu bewirken. Dies kostet natürlich entsprechend mehr Energie, die dann für die Leistungsfähigkeit – beispielsweise bei sportlichen Aktivitäten – nicht mehr zur Verfügung steht. Studien der Universität Graz konnten bereits einen höheren Laktat-Anstieg bei Sportlern nachweisen, die Kunstfaser-Textilien trugen. Alles in allem trägt die natürliche Funktion der Merinowolle also auch zu einer höheren Leistungsfähigkeit des Körpers bei – was will man mehr?

Warum wärmt Merinowolle auch in feuchtem Zustand?

Im Vergleich zu Baumwolle oder Kunstfasern behält Merinowolle ihre guten Materialeigenschaften auch im feuchten Zustand bei. Anders als ein Baumwoll-Shirt klebt ein Merino-Shirt nicht unangenehm auf der Haut, wenn es feucht wird. Und in einem verschwitzen Kleidungsstück aus Merinowolle erlebt man auch kein unangenehmes Frösteln, wie dies bei der Gipfelpause in einem Synthetik-Shirt der Fall ist. Aber womit hängt das zusammen?

Letztlich liegt auch dieser wärmenden Wirkung in feuchtem Zustand die Fähigkeit der Merinofasern zu Grunde, Feuchtigkeit absorbieren zu können. Bei der Feuchtigkeitsaufnahme läuft ein sogenannter exothermer Prozess ab, bei dem Absorptionswärme entsteht. Das heißt, die Fasern erwärmen sich bei der Aufnahme von Feuchtigkeit. Klingt unglaublich? Ist aber wahr! Merinowolle wärmt aktiv, solange sie Feuchtigkeit aufnimmt. Denn die Eiweißmoleküle der Merinofasern setzen beim Aufeinandertreffen mit Wassermolekülen Energie in Form von Wärme frei – und zwar so viel, dass die Temperaturerhöhung, je nach Faserqualität, bis zu zehn Grad betragen kann.

Dieser Prozess vollzieht sich solange, bis die Wollfasern mit Wassermolekülen gesättigt sind. Ein leicht feuchtes Merino-Baselayer kann also Wärme erzeugen, ein völlig vom Regen durchnässtes natürlich nicht mehr. Aber selbst dann hält das Merino-Teil noch warm – bedingt durch die bei Bewegung mechanisch entstehende Reibungswärme der Fasern. Aber: Bei leichtem, einsetzenden Regen macht es tatsächlich Sinn, kurz mit dem Anziehen einer Regenjacke zu warten. Denn ein leichtes Nasswerden des Merino-Shirts sorgt ja dafür, dass dieses mit der Produktion von angenehmer Wärme beginnt.

Am besten funktioniert der wärmende Prozess natürlich, wenn die Funktionskleidung aus Merinowolle vorher vollkommen trocken ist, denn dann können die Fasern ihr Potential der Feuchtigkeitsaufnahme am besten ausschöpfen. Deshalb macht es Sinn, die Kleidungsstücke vor dem Beginn einer Outdoor-Unternehmung vollständig zu trocknen – vor allem, wenn die Unternehmung im Winter stattfinden soll. Am besten geht das natürlich in einem warmen Raum mit möglichst niedriger Luftfeuchtigkeit, wie dies in einem mit Ofen oder Heizungsluft erwärmten Raum der Fall ist. Wechselkleidung aus Merinowolle packt man dann möglichst vor der Tour in einen wasserdichten Packsack oder eine Plastiktüte, damit die Wollfasern nicht schon während der Tour Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen können. Schließlich sollen sie ja erst dann anfangen zu wärmen, wenn man das Kleidungsstück anzieht!

Warum riecht Merinowolle auch nach mehrmaligem Tragen nicht unangenehm?

Der unangenehme Geruch, den wir oft nach dem Schwitzen an uns und unseren Kleidungsstücken wahrnehmen, entsteht nicht durch den Schweiß selbst. Frisch gebildeter Schweiß ist geruchslos. Wir fangen erst dann an zu stinken, wenn die Hautbakterien beginnen, den Schweiß in seine Einzelteile zu zersetzen. Schweiß dient ihnen als Nahrungsgrundlage, und sie vermehren sich besonders gerne in warmen und feuchten Regionen – beispielsweise in den Achselhöhlen. Natürlich setzen sich Schweiß und Hautbakterien auch in unseren Kleidungsstücken ab, sodass diese – zumindest, wenn sie aus Kunstfasern bestehen und keine geruchshemmende Behandlung besitzen – irgendwann auch anfangen, unangenehm zu riechen. Warum sollte das also bei Kleidungsstücken aus Merinowolle anders sein?

Kunstfasern besitzen eine glatte Oberfläche, auf der sich Schweiß und Bakterien besonders gut anhaften können. Merinofasern hingegen verfügen über eine schuppige Oberfläche, die man sich wie ein Dach mit Ziegeln vorstellen kann. Darauf haben die Bakterien keine Chance. Außerdem nehmen die Fasern die Feuchtigkeit des Schweißes so schnell auf, dass die Bakterien gar nicht erst dazu kommen, den Schweiß abzubauen. Die wasserabweisende Faseroberfläche lässt es auch nicht zu, dass ein feuchtes Klima entsteht, welches die Bakterien für ihr Wachstum benötigen würden.

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Wärmt auch, wenns mal feucht wird.

Und schließlich verfügen die Wollfasern über ein bestimmtes Faserprotein (wie alle tierischen Haare) – das Keratin –, das die für den üblen Geruch verantwortlichen Bakterien einfach abbaut. Merinowolle wirkt also auf natürliche Weise antibakteriell – und zwar dauerhaft, denn die Wirkung lässt nicht nach. An diese geniale biologische Funktion kommen selbst die in Kunstfasern eingearbeiteten Silberionen, die der Geruchshemmung dienen sollen, nicht heran. Damit aber nicht genug! Um diese Wirkungsweise zu perfektionieren, verfügen Merinofasern außerdem über einen mechanischen Selbstreinigungseffekt. Denn der Kern der Fasern besteht aus zwei verschiedenen Zelltypen, die unterschiedliche Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen können. Bei der Feuchtigkeitsabsorption schwellen sie deshalb ungleich stark an. Dadurch entsteht ein konstanter Reibungsprozess, durch den sich die Faser immer wieder von selbst reinigt.

Warum ist Merinowolle wasser- und schmutzabweisend?

Auch wenn Merinofasern in ihr Faserinneres relativ große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen können, ist ihre Faseroberfläche wasser- und schmutzabweisend. Denn dort besitzt die Faser das Wollfett Lanolin. Bei der Verarbeitung der Wolle wird zwar ein großer Teil davon herausgewaschen, ein Rest verbleibt jedoch auf den Fasern. Das Wollfett wirkt wie eine Schutzschicht. Dreck und Gerüche bleiben an der Faseroberfläche hängen und dringen nicht in sie ein. Lanolin kann außerdem schmerzlindernd bei rheumatischen Gelenkbeschwerden wirken, weshalb Menschen mit dieser Problematik ebenfalls gerne zu Wollkleidung greifen. Durch die starke Kräuselung der Fasern haben Wassertropfen zudem nur eine sehr geringe Angriffsfläche und perlen aufgrund ihrer Oberflächenspannung einfach ab. Dies funktioniert genauso wie bei bestimmten Pflanzen, die mit ihren feinen Härchen an der Oberfläche dafür sorgen, dass Wassertropfen abperlen.

Merinowolle im Outdoor-Bereich – Gibt es nur Vorteile? Oder auch Nachteile?

Über die Vorteile von Merinowolle im Outdoor-Bereich brauchen wir uns wohl nicht mehr viele Gedanken machen. Aus den oben genannten Gründen dürfte einleuchtend hervorgehen, dass sich diese „High-Tech-Wolle“ insbesondere für den Outdoor-Bereich hervorragend nutzen lässt. Zusammenfassend sind Merinofasern also wahre Multitalente, die in jeder Situation das tun, was gerade benötigt wird – sie wärmen bei Kälte, sie kühlen bei Wärme, sie wärmen im nassen Zustand, sie entwickeln keine unangenehmen Gerüche, und zu guter Letzt fühlen sie sich auch noch angenehm auf der Haut an. Mit dieser Flexibilität sind Kleidungsstücke aus Merinowolle natürlich perfekt für Outdoor-Unternehmungen geeignet. Denn egal, ob es draußen warm, kalt, nass oder trocken ist – wer in der Natur unterwegs ist, braucht flexible Kleidung, die genauso flexibel ist, wie das Wetter, dem wir uns aussetzen.

Vor allem die temperatur- und klimaregulierenden Eigenschaften der Merinowolle sind in vielen Outdoor-Situationen von großem Vorteil. Die Körpertemperatur bleibt trotz unterschiedlicher Temperaturbedingungen und unterschiedlicher Aktivitätslevel immer auf einem angenehmen Niveau. Und diese Bedingungen hat man oft – gerade bei alpinen Unternehmungen. Wetterumschwünge oder Temperaturschwankungen spielen eine große Rolle, wenn man viele Höhenmeter zurücklegt. Schwitzt man im Tal womöglich noch, beginnt man auf dem luftigen Grat vielleicht schon leicht zu frösteln. Und wenn dann noch die Pause am Gipfel dazu kommt, ist ein Material, was auch in feuchtem Zustand wärmen kann, von unschätzbarem Wert. Auch für Aktivitäten wie Radfahren, Skitourengehen oder Skifahren, bei denen man bergauf und bergab sehr unterschiedliche Aktivitätslevel und Temperaturbedingungen vorfindet, eignet sich die temperaturausgleichende Wolle vorzüglich.

Die geruchshemmende Eigenschaft von Merinowolle ist besonders dann von Vorteil, wenn man länger unterwegs ist und keine Möglichkeit zum Waschen hat. Gerade auf einer Trekkingtour oder Backpacking-Reise, bei der man mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs ist, möchte man Merino-Kleidung dabei haben, die man oft unbegrenzt lange anziehen kann. Es dauert schließlich seine Zeit, bis diese so stark riechen, dass man das Bedürfnis hat, sie zu waschen. Außerdem knittert der Stoff eines Merino-Shirts dank der elastischen Fasern auch dann nicht stark, wenn man es tagelang in einen Rucksack quetscht.

Grundsätzlich gibt es für die Verwendung von Kleidungsstücken aus Merinowolle im Outdoor-Bereich fast keine Grenzen. Egal ob man beim Trailrunning, Klettern, Yoga oder auch im Alltag unterwegs ist – das Material ist einfach überall toll. Ein paar Nachteile sollen aber dennoch nicht unerwähnt bleiben. Die Merinofasern sind nicht ganz so mechanisch belastbar, robust und reißfest wie andere Natur- oder Kunstfasern.

Gerade wenn man ein Shirt aus reiner Merinowolle direkt unter einem schweren Rucksack trägt, kann es zu Beschädigungen am Stoff kommen. Wenn Gewicht und Packmaß eines Kleidungsstücks die wichtigsten Kriterien für die Auswahl sind, schneiden Textilien aus Kunstfasern meist besser ab. Und auch die Trocknungszeiten sind in der Regel schneller. Manchmal werden Kleidungsstücke aus reiner Merinowolle trotz ihrer kühlenden Eigenschaften im Sommer als zu warm empfunden. Und zu guter Letzt gibt es besonders empfindliche Menschen, die auch Merinowolle als kratzend empfinden.

Die Textil-Industrie im Outdoor-Bereich hat jedoch mittlerweile Lösungsmöglichkeiten gefunden, um die genannten Nachteile von Textilien aus Merinowolle zu beseitigen – und zwar mit der Verwendung von sogenanntem Mischgewebe.

Welche Arten von Mischgewebe gibt es?

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Am besten möglichst trocken in die Klamotten schlüpfen.

Der aktuelle Trend im Outdoor-Bereich geht dahin, Merinofasern mit anderen Naturfasern wie Seide oder mit Kunstfasern zu kombinieren. Bei den Kunstfasern werden einerseits synthetische Fasern wie Polyamid und Polyester verwendet, neuerdings aber auch Kunstfasern, die aus natürlichen Zellstoffen künstlich hergestellt werden – wie Lyocell oder Modal. Auf diese Weise sollen die Stärken der einzelnen Natur- und Kunstfasern vereint werden, um das Beste aus beiden Welten herauszuholen. Je nach Hersteller und Einsatzgebiet kommen dabei unterschiedliche Materialien zum Einsatz.

Icebreaker setzt beispielsweise seinen Merino-Baselayern einen kleinen Anteil Elasthan hinzu. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Mischgewebe, sondern eine Sandwich-Konstruktion, die erlaubt, dass auf der Haut nur reine Merinowolle aufliegt. Durch den Elasthan-Zusatz werden die Stoffe reißfester und widerstandsfähiger, da sich der Stoff bei mechanischer Belastung stärker dehnen kann, anstatt zu reißen. Da auf diese Weise noch feinere Wollfasern verwendet werden können, fühlt sich der Stoff gerade für empfindliche Personen angenehmer an, als Stoffe aus reiner Merinowolle. Gleichzeitig besitzt der Stoff einen angenehmen Stretch-Effekt sowie eine meist körpernahe Passform.

Von Ortovox und Icebreaker gibt es außerdem Kollektionen, in denen Lyocell-Fasern gemeinsam mit Merinowolle verwendet werden. Lyocell ist die generische Faserbezeichnung für eine Faser, die aus Bambusholz hergestellt wird. Von dem österreichischen Faserhersteller Lenzing AG wird sie unter der Markenbezeichnung Tencel vertrieben. Durch die Zugabe von Lyocell bzw. Tencel besitzt der Stoff einen angenehm kühlenden Effekt auf der Haut, was natürlich besonders im Sommer von Vorteil ist. Die Lyocell-Fasern haben eine besonders hohe Grundfeuchte, die sich aber nicht nass, sondern kühlend auf der Haut anfühlt. Außerdem ist das Material strapazierfähiger und langlebiger.

Modal wird beispielsweise von Ortovox in Ergänzung zur Merinowolle verwendet. Modal wird aus Buchenholzzellulose hergestellt und besitzt eine besonders glatte Oberfläche. Dadurch fühlen sich Stoffe mit Modal sehr weich an und besitzen eine seidenartige Haptik. Besonders empfindliche Menschen haben daran ihre Freude.

Falke und Engel produzieren Outdoor-Kleidungsstücke mit einem Mix aus Merinowolle und Seide. Auch diese Textilien fühlen sich sehr weich und angenehm auf der Haut an. Außerdem verleiht Seide den Kleidungsstücken einen schimmernden Glanz.

Wenn man Kleidungsstücke aus Mischfaser wählt, sollte man jedoch genau hinschauen: Denn Mischfasern können aus zwei Gründen verwendet werden: entweder, um die Funktionalität des Materials zu verbessern, oder um die Kosten zu senken, indem man ein billigeres Material verwendet. Wenn der Anteil an Merinowolle zu niedrig ist, gehen außerdem die guten Eigenschaften der Merinowoll-Fasern Stück für Stück verloren.

Wie nachhaltig ist Merinowolle?

Auch beim Thema Nachhaltigkeit lohnt es sich, beim Produktkauf genauer hinzuschauen. Denn auf der einen Seite ist Merinowolle zwar von Natur aus ein besonders nachhaltiges Material. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch bestimmte Probleme im Bereich der Tierhaltung, die zu den unschönen Seiten der Woll-Produktion gehören. Zunächst aber zu den Vorteilen von Merinowolle, was den Aspekt der Nachhaltigkeit betrifft.

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Eine Merinoschafherde in Tasmanien

Merinowolle ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff. Merinoschafe können bis zu zweimal im Jahr geschoren werden und geben bis zu zehn Kilogramm Wolle pro Tier. Außerdem ist die Herstellung und Verarbeitung im Vergleich zu der Herstellung von Kunstfasern besonders ressourcenschonend und umweltfreundlich. Kunstfasern werden auf der Basis von Erdöl hergestellt, wozu es eine Vielzahl von Chemikalien und den Einsatz großer Energiemengen benötigt. Außerdem sind Kunstfasern fast unverrottbar. Synthetik-Kleidung benötigt 30 Jahre oder mehr, bis sie sich zersetzt.

Sie muss deshalb zwangläufig nach ihrer Verwendung auf der Müllkippe landen. Produkte aus reiner Merinowolle sind dagegen ohne Rückstände biologisch abbaubar. Sie können ohne Bedenken auf den Komposthaufen geworfen werden. Ein in die Erde eingegrabenes Merino-Shirt lässt sich innerhalb von 90 Tagen vollständig kompostieren und kann dann im Garten als Dünger verwendet werden. Außerdem besitzt Merinowolle von Natur aus Eigenschaften wie ihren UV-Schutz oder die Geruchshemmung und kommt so ohne umweltschädliche chemische Zusätze aus. Denn die „Technologie“ ist ja bereits in der Faser enthalten. Zu guter Letzt schont auch die Selbstreinigungsfunktion der Merinofasern die Umwelt, da man die Kleidungsstücke nicht so häufig waschen muss.

Nicht immer steht jedoch in der Merinowoll-Produktion der Tierschutz an erster Stelle. In Australien und Neuseeland gibt es bei der Haltung der Merinoschafe das Problem des Fliegenmadenbefalls, der in der tödlichen Krankheit Myasis endet. Dabei werden die Tiere quasi von innen aufgefressen. Insbesondere bei warmen Temperaturen, wie man sie im australischen Sommer vorfindet, legen die Fliegen in den schlecht belüfteten und von Kot und Urin verschmierten Hautfalten am After ihre Eier ab. Vor allem in Australien – dem Land mit den meisten Merinowoll-Produzenten – wird leider eine brutale Methode verwendet, um den Fliegenmadenbefall zu verhindern – das sogenannte Mulesing.

Dabei wird den Lämmern im Alter von bis zu acht Wochen in einer operativen Methode ein tellergroßes Teil der Hautfalten rund um den After, den Schwanz und die Vulva herum abgeschnitten. Dies geschieht in der Regel mit einem heißen Schnittgerät, und zwar ohne Betäubung und bei vollem Bewusstsein! Die Wunden werden nicht weiter behandelt, sondern müssen von alleine heilen und vernarben.

Den Tieren werden also große Schmerzen bei dieser blutigen und verstümmelnden Prozedur zugefügt. Studien zeigen, dass die Schafe noch 113 Tage nach einem solchen Eingriff vor ihren Peinigern flüchten – so traumatisierend ist dieses Erlebnis. Bisher gibt es kaum unumstrittene Alternativen zur Lösung des Problems des Fliegenmadenbefalls. Zumal die Fliegenmaden vermutlich – ebenso wie die Merinoschafe – erst in der Kolonialzeit nach Australien und Neuseeland mit importiert wurden. Aufwändigere und teurere Methoden sind das regelmäßige Scheren der Hautfalten um den After herum, regelmäßige Kontrollen der Schafe sowie das rechtzeitige medizinische Eingreifen bei einem Befall. Tierschützer fordern daher die gezielte Zucht von Schafen mit weniger Hautfalten am Hintern. Tatsächlich wurden die australischen Merinoschafe aber bewusst so gezüchtet, dass sie mehr Hautfalten besitzen und so einen höheren Ertrag an Wolle einbringen.

Beim Kauf eines Merino-Produktes sollte man also angesichts dieser grausamen Tatsachen bewusst darauf achten, dass nur Mulesing-freie Merinowolle verwendet wurde. Dies wird beispielsweise durch das ZQUE-Siegel der neuseeländischen Merino-Industrie garantiert. Viele Hersteller wie Icebreaker oder Ortovox geben zudem sehr genau und zurückverfolgbar an, woher sie ihre Wolle beziehen. Merinowolle, die nicht aus Australien oder Neuseeland stammt, ist immer Mulesing-frei, da dort das Problem des Fliegenmadenbefalls schlicht nicht existiert.

Die meisten Hersteller von Outdoor-Produkten wie Icebreaker, Ortovox, Bergans, Woolpower, Smartwool, Rewoolution, Devold und viele andere verwenden überhaupt keine Wolle, bei der das Mulesing angewandt wurde. Wenn man sich jedoch unsicher ist, sollte man im Zweifelsfall beim Hersteller direkt oder den entsprechenden Händlern nachfragen. Auch ein sehr günstiger Preis eines Merino-Kleidungsstücks ist manchmal auf den Einsatz der Mulesing-Praktik zurückzuführen. Meistens lohnt es sich ohnehin, genau hinzuschauen und lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Dafür bekommt man in der Regel aber auch einwandfreie Qualität geliefert und unterstützt nicht zuletzt die artgerechte Haltung der Merinoschafe.

Du hast noch Fragen?

Auch wenn das durch die schiere Informationsflut fast ausgeschlossen ist: Fragen entstehen. Und da es immer wichtig ist zu Fragen, kannst Du Dich natürlich gerne an unsere Experten im Kundenservice wenden. Du erreichst sie unter der Woche telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail. Alternativ kannst Du natürlich gerne auch einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlassen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Simone Zehnpfennig sagte am 21. Februar 2017 um 13:38 Uhr

    Der Artikel war wirklich sehr aufschlussreich, insbesondere was das Museling betrifft. Nun weiß ich nach welchen genauen Kriterien ich Produkte aus Merinowolle kaufen muss und war froh zu lesen, dass ich mit Icebreaker richtig lag.

  2. Jörn sagte am 21. Februar 2017 um 14:28 Uhr

    Hi Simone,

    das freut uns sehr. Danke für dein Lob!

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Katja sagte am 11. April 2017 um 10:24 Uhr

    Ich hätte gern auch was zur Wäsche gewusst. Ich wasche Merinoteile in der Maschine mit Sportwaschmittel im Pflegeprogramm bei 40 Grad. Wäre Wollwaschmittel und Wolle-Programm besser?

  4. Jörn sagte am 11. April 2017 um 11:01 Uhr

    Hi Katja,

    wir empfehlen immer erstmal einen Blick auf die Waschanleitung des Herstellers zu werfen, da sie von der allgemeinen Waschanleitung im Einzellfall abweichen kann. Ansonsten kannst Du Dich hieran orientieren:

    https://www.bergfreunde.de/basislager/merino-eine-pflegeanleitung/

    Viele Grüße,

    Jörn

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