Land der begrenzten Möglichkeiten: das Klettertraining zuhause

Land der begrenzten Möglichkeiten: das Klettertraining zuhause

28. Dezember 2017

Land der begrenzten Möglichkeiten: das Klettertraining zuhause

Kein Platz für das Klettertraining zuhause? Nachdem Beitrag gibt es keine Ausreden mehr.

Ui, was war das denn?!? Lautes Gestöhne, wildes Gekeuche und dieser seltsam gepresste Schrei. Hmm, neue Freundin? Schmuddelfilm geklickt und versehentlich noch die Boxen an? Moment, nee, die Stimme ist männlich und echte Männer genießen bekanntlich schweigend. Also, klare Sache: da macht einer Klettertraining zuhause!

Doch welche Übungen macht er da? Und was für ein Foltergerät hat er da im Zimmer? Sicher irgendetwas woran er sich hochzerrt und hochkrampft. Aber warum trainiert der überhaupt zuhause? Vielleicht ja, weil es auch in Deutschland noch Winkel geben soll, in denen die nächste Boulderhalle und der nächste Fels nicht gleich um die Ecke sind …

Die zwei wichtigsten Tools – nicht nur für zuhause

Die wichtigsten Tools sind nicht unbedingt materieller Natur. Oder anders ausgedrückt, die „harten“ Werkzeuge bringen nichts ohne „weiche“ und abstrakte Hilfsmittel wie einen Plan und ein möglichst klar definiertes Ziel. Sicher, „besser klettern“ oder „mehr Kraft“ sind schön und gut, doch leider etwas zu schwammig. Je spezifischer das Ziel ist, desto passender können entsprechende Trainingspläne ausgewählt oder erstellt werden. Einsteiger und Gelegenheitskletterer sollten den Sinn von Klettertraining zuhause und an Geräten hinterfragen, denn bis zum Schwierigkeitslevel von etwa 6. bis 7. Grad UIAA besteht das beste Training eigentlich darin, dass man einfach ne Runde an den Fels oder in die Halle geht. Wirklich Sinn macht Training zuhause, wenn man schon genug „Grundkraft“ entwickelt hat, um zusätzlich zum „normalen“, ein- bis zweimaligen wöchentlichen Klettern noch Extraschichten in der heimischen Folterkammer einzuschieben.

Apropos Folterkammer: Dave MacLeod rät in seinem Bestseller „9 von 10 Kletterern machen die gleichen Fehler“, das Trainingsgerät nicht in einem muffigen, abseitigen Winkel zu platzieren, sondern möglichst „kommunikativ“ und mittendrin im gemütlichen Teil der Wohnung. Da kann man sich dann in den Pausen zwischen zwei Bewegungsserien unterhalten, Tee trinken oder Klettervideos laufen lassen kann. So könne aus monotonem Kellerloch-Training eine viel positiver besetzte und motivierendere Erfahrung werden.

Mit wenig Aufwand Trainingsmöglichkeiten schaffen

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Einfach aber effektiv. Zwei Holzkugeln (Bolas) an einem Hangboard befestigt.

Auch für gezieltes und geplantes Training braucht man rein materiell gesehen weniger als man denkt oder gar überhaupt keine Gerätschaften – je nachdem, was, wie vielseitig und wie spezifisch man trainieren will. Man kann letztendlich gar diverse Alltagsgegenstände wie eine Tür oder einen Tisch zu Sportgeräten umfunktionieren, an denen man so einiges an Zug-, Druck- und Halteübungen machen kann. Auch kann man aus einem Gerät mehrere machen, indem man beispielsweise um eine Klimmzugstange ein Handtuch oder ein paar Ringe hängt und somit weitere Griffvariationen für dynamischere Übungen schafft. Wer sportlich unterwegs ist, hat garantiert den Bodyweight-Trend mitbekommen, der das Training mit dem eigenen Körpergewicht propagiert und unter Namen wie „Fit ohne Geräte“ oder „Freeletics“ ordentlich Wellen schlägt. Und meiner Meinung nach ist das ein guter Trend, denn man kann mit wenig Aufwand und fast keinem Geld auch fürs Klettern einiges mitnehmen. Und sei es auch nur folgende richtig gute Aufwärm- und Kräftigungsübung für Hände und Unterarme:

Oberarme am Oberkörper, Unterarme 90° angewinkelt, Handflächen zeigen nach unten. Jetzt Finger möglichst weit strecken und ausspreizen, dann möglichst fest zur Faust zusammenziehen. Das Ganze jetzt möglichst schnell und fest wiederholen: Auf, zu, auf, zu, 50 bis 100 mal. Hände und Unterarme sollten nach 2-3 Serien ordentlich glühen :-)

Es ist erfreulich einfach, ein effizientes Grundlagentraining zu kreieren und die eben erwähnte „Grundkraft“ zu erlangen. Umso komplizierter wird es dann aber beim Feinschliff, der spätestens dann notwendig wird, wenn mit wachsenden Fortschritten gewisse Schwächen deutlicher zutage treten. Dann muss man entscheiden, was man trainieren will, statt blind weiterzumachen. Fehlt es an Zugkraft in den Oberarmen? An Haltekraft in den Fingern? An Stabilität im Rumpf, neudeutsch „Core“ genannt? Oder mehrerem zugleich? Und was ist mit der Stützmuskulatur, den Antagonisten und der Beweglichkeit?

Angesichts der vielen Fragen, Möglichkeiten und Fehlerquellen macht es wenig Sinn, sich mal eben schnell ein x-beliebiges Griffbrett über die Tür zu kloppen und mit irgendeinem „Bockstark-in-drei-Monaten-Plan“ drauflos zu wurschteln. So habe ich das vor vielen Jahren probiert und vermute rückblickend, dass es eher zu einem hartnäckigen Ellbogenproblem als zu einer Leistungsexplosion beigetragen hat. Damals hatte ich auch noch keine Ahnung von der Vielfalt der Trainingsgeräte. Daher hab ich euch hier mal ein paar aufgelistet, geordnet nach steigendem Installationsaufwand:

Bevor wir hier an  die Details gehen und uns aus den Spielzeugen was raussuchen, braucht es nochmals ein paar grundsätzlich Anmerkungen und allgemeine Tipps. Denn vor allem die Bretter und Boards haben bei unbedarfter Verwendung reichlich Überlastungs-, Frustrations- und Verletzungspotential.

Auch beim Training daheim: „Gehirn ist wichtigster Klettermuskel“

Dass man an Fingerbrett und Co. vor allem Fingerkraft, Armkraft und mit Einschränkungen Ausdauer trainieren kann, dürfte bekannt sein. Ebenso klar wie die Grundregel, dass es nur mit gründlich aufgewärmten Muskeln und vollständig durchbluteten Fingern zur Sache gehen sollte. Doch wie viele (Klimm)Züge in wie vielen Sätzen, Blöcken und Intervallen mache ich jetzt? Wie lange hänge ich mit welchem Armneigungswinkel an welchem Griff? Soll ich eher statische Haltungen oder eher dynamische Bewegungen machen? Wie dynamisch – langsam oder voll durchziehen? Ab wann „darf“ ich Fingerlöcher ohne eklatantes Verletzungsrisiko trainieren? Was ist meine persönliche Ausgangslage (Leistungsstand, Konstitution, Erfahrung)?

Fragen über Fragen, die nochmals verdeutlichen, dass es keine gute Idee ist, aus dem Stand heraus irgendeinen aus dem Netz oder einer Zeitschrift gefischten Fertigplan anzugehen. Stattdessen ist der möglichst ausgiebige Einsatz des Gehirnmuskels gefragt – ganz so, wie es einst  ein gewisser Wolfgang Güllich vorschlug. Nicht umsonst sind State-of-the-Art-Trainingsbücher wie Gimme Kraft (oder Gimme Kraft Air für Einsteiger) nicht gerade dünn und handeln die komplexen und detailreichen Zusammenhänge in vielen einzelnen Schritten ab. Außerdem gibt es immer mehr gute Kletterer, die immer mehr verschiedene Trainingsmethoden und Strategien anwenden und diese dann gern weiterempfehlen. Als Einsteiger findet man sich dann in einem Gewirr aus sich teils widersprechenden Trainingstipps wieder.

Man steigt also am besten „richtig“, sprich mit ausdauerndem und regelmäßigem Investment an Zeit und Energie ein. Ansonsten bleibt man vielleicht besser dabei, einfach durch möglichst vielseitiges Klettern besser zu werden. Oder einfach nur Spaß zu haben ohne große Ambitionen – das soll es ja auch geben. Nur eben keine halben Sachen, die zu Misserfolgen, Motivationslöchern und Verletzungen führen.

Der Hauptgrund für die Komplexität der Sache liegt in den sehr vielen leistungsbestimmenden Faktoren des Kletterns. Von denen werden immer mehr „entdeckt“, seitdem auch das Klettern zunehmend ganzheitlich betrachtet wird. Angefangen mit der Erkenntnis, dass man zum Klettern den gesamten Körper inklusive Kopf und Beine benötigt, geht es heute dazu über, vom Schlaf bis zu den Ernährungsgewohnheiten, von Süchten und Lastern bis zur grundsätzlichen Lebenseinstellung und sozialen Situation so ziemlich alles unter die Lupe zu nehmen. Nicht umsonst schwappt auch die Yoga- und Achtsamkeitswelle auf das Klettern über. Das ist durchaus gut so, auch wenn dadurch viel Küchenpsychologie und Kalenderweisheit verbreitet wird. Denn es lohnt sich absolut, all die „weichen“ und scheinbar nebensächlichen Faktoren zumindest nicht zu ignorieren. Vielleicht sind es ja nicht falsche Periodisierung oder Bewegungsweise, die dem Fortschritt im Wege stehen, sondern die täglichen drei Feierabendbiere, die negativ gefärbte Lebenseinstellung oder die regelmäßige Kanne Kaffee im Büro.

All das bedeutet nun aber keineswegs, dass Anfängern ein erfolgreiches Training nicht offen stünde. Oder älteren Kletterern, die denken, dass es nach den wilden Jugendjahren nichts mehr zu holen gäbe. Dave Mac Leod verweist in seinem Buch auf Spitzenkletterer wie Stevie Haston und Enzo Oddo, die jenseits der 50(!) in der Form ihres Lebens sind. Um als Einsteiger in jedem Alter verletzungsfrei zur persönlichen Topform zu gelangen, sollte man folgende allgemeine Trainingstipps beachten:

  • Zielsetzung: Ein konkretes, klar formuliertes Ziel mit festem Zeitpunkt, wann es erreicht sein soll, ist das Geländer, an dem man sich jederzeit festhalten und aufrichten kann. Je spezifischer und detaillierter es formuliert ist, desto klarer und durchsichtiger ist die Schritt- für Schritt Umsetzung. Also nicht „bis nächstes Jahr achter Grad“, sondern „bis Juli 2018 achter Grad in Einseillängenrouten im Kalk/Sandstein/Gneis „meiner“ Heimatfelsen oder an dieser und jener Route in „meiner“ Halle. Noch besser für die Motivation sind Zwischenziele, anhand derer man den Fortschritt messen und falls erforderlich das Endziel nach oben oder unten korrigieren kann.
  • Einen guten Draht zum eigenen Körper entwickeln. Dazu gehört vor allem das Gefühl für den richtigen Einsatz der Muskeln und Muskelgruppen. Man erlangt es vor allem dadurch, dass man bei allen Bewegungen wirklich „anwesend“, d.h. mit der Aufmerksamkeit im Körper ist. Ist man nicht „voll dabei“, bewegt man sich „unsauber“ und atmet zu flach und zu gepresst. Dabei sollte der Atem möglichst auch bei größter Anspannung nicht festgehalten und blockiert werden.
  • Die Muskeln werden schnell stärker, oft schon nach wenigen Wochen. Doch der Apparat aus Bändern und Sehnen braucht wesentlich länger, da, salopp gesagt, sein „Zellumsatz“ langsamer läuft. Da ist man unter Umständen völlig begeistert, was für kleine Griffe man doch halten kann und bemerkt dabei die Überlastung gar nicht. Ein weiterer Grund, langsam einzusteigen und die Belastungen sehr vorsichtig zu steuern.
  • Zunächst nur große Griffe verwenden. Erst mit gut trainiertem Sehnen- und Bänderapparat können knallhartes Durchziehen und explosive Bewegungen eingebaut werden
  • Abwechslung und Vielfalt schaffen, auch wenn das schwieriger ist als das ständige Abspulen eines Routineprogramms. Wer will schon ein kletternder Fachidiot sein?
  • Die Muskeln keinesfalls isoliert betrachten und trainieren, sondern die gesamte Bewegungskette, die nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied. Zu dieser „ganzheitlichen“ Betrachtungsweise gehört natürlich auch die Beachtung der Antagonisten (wenn bspw. der Bizeps kontrahiert, wird sein Antagonist, der Trizeps, gedehnt).
  • Entlastungsmöglichkeiten schaffen, egal ob durch Fußbänke, Schlingen oder Bierkästen

Die Liste dieser Tipps lässt sich beliebig verlängern und meine womöglich willkürliche Auswahl richtet sich danach, was mir aus persönlicher Erfahrung besonders wichtig erscheint. Für eine umfassende Perspektive braucht es entweder gute Mentoren, die Lektüre eines der hier genannten Trainingsbücher oder eine umfassende Onlinerecherche. Eine solche beginnt man am besten bei einschlägig bekannten Trainingskoryphäen wie Udo Neumann oder Guido Köstermeyer. Des Weiteren gibt es gute private Seiten, von denen hier auch einige verlinkt sind. Die meisten online zu findenden Informationen beziehen sich nur nebenbei auf das Training zuhause, doch sie schaffen allemal eine gute Grundlage, um mit einem oder mehreren der folgenden Tools für daheim loszulegen:

Training komplett ohne Geräte

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Krafttraining geht auch ohne Geräte

Aus dem Bereich des Bodyweight Training gibt es viele Übungen, die klettertauglich sind und ordentlich Kraft beisteuern können. Ein sehr einfaches Beispiel ist die oben erklärte Aufwärmübung „der Greifer“. Ansonsten kommt hier das zum Einsatz, was die Wohnung hergibt. Neben dem Türrahmen ist auch die Tür selbst ein brauchbares Trainingsgerät für Hängeübungen und Klimmzüge. Legt man ein Handtuch drüber (nur bei stabilen Türen), hat man sogar ein paar Griffvariationen und Dynamik im Spiel. Das Handtuch ist generell ein guter Bizeps- und Unterarmtrainer: wenn man sich mit dem Rücken an die Wand stellt, mit beiden Händen je ein Handtuchende greift und dann ein Bein in die Schlinge stellt, hat man die Ausgangsposition für den Bizeps Curl, bei dem man die Arme gegen den Widerstand des Beins hochzieht. Sehr effektiv auch für Brust und Unterarme!

Klimmzugstange

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Jetzt gibt es aber wirklich keine Ausrede mehr… die Montage ist hier definitiv machbar

So mancher Kletter rümpft hier die Nase, weil die Klimmzugstange „ja nix bringt“. Der zweifache russischen Boulderweltmeister Dmitry Sharafutdinov ist hier allerdings anderer Meinung. Sharafutdinov hatte in seiner Heimatstadt Jekaterinburg weder bunte neue Boulderhallen noch Felsen in der Nähe. Deshalb bestand ein großer Teil seiner physischen Konditionierung „aus semi-spezifischen Kraftübungen, namentlich Klimmzügen, und zwar verdammt vielen!“. Auch Dmitry nennt als wichtige Erfolgsfaktoren des Trainings: „Erfahrung und auf den Körper hören!“

Die Montage ist hier definitiv machbar, sofern ein halbwegs fester Türrahmen vorhanden ist. Es gibt Stangen, die einfach auf den Rahmen gelegt werden und bei Belastung festklemmen. Diese haben in der Regel sogar zusätzliche Seitgriffe. Das andere Standardmodell hat teleskopartige Schraubgewinde und wird einfach durch eifriges Drehen auf die passende Länge ausgefahren und im Türrahmen verklemmt.

Schlingentrainer und Ringe

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Schlingentrainer von Aerobis. Durch die Ankerschlinge am Ende kann er quasi überall angebracht werden.

Schlingen und Ringe sind bekanntermaßen wackelig und bieten genau deshalb ein sehr gutes Training, das zusätzlich die stabilisierende Stützmuskulatur und die gesamten involvierten Muskelketten stärkt. Das hilft besonders beim Halten wirklich anstrengender Positionen und Körperspannungen in „Hardmover“-Routen. Ganz nebenbei gewinnt man turnerische und akrobatische Fähigkeiten hinzu.

Besonders nett ist, dass man Schlingentrainer und Ringe überall anbringen kann, ob an  großen Schraubhaken in der Zimmerdecke oder an einem stabilen Baum im Park. Je nach gewünschter Ausrichtung hängt man Ringe und Schlingen mit zwei Reepschnüren (für Querausrichtung) oder nur Einer (für Parallelausrichtung zur Aufhängung) auf. Falls man daheim nichts Schweres aufhängen kann: Türrahmen mit Klimmzugstange geht noch in der letzten Bruchbude, ergo lassen sich Schlingentrainer und Ringe über die Klimmzugstange hängen. Okay, man hängt dann zwar unter Umständen reichlich tief und sieht dabei nicht wirklich cool aus, doch so ein Provisorium ist immer noch besser als gar kein Training.

Über die Klimmzugstange lassen sich natürlich auch Bolas (Trainingskugeln), Handtücher und alles andere hängen, woran man sich mehr oder weniger statisch oder flexibel austoben kann.

Steckbrett/ Pegboard

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Wer braucht schon ne Uhr an der Wand? Das Pegboard macht sich doch viel besser.

Das Steckbrett ist ein Holzquader mit einem Raster an Löchern, in welche man in Kletterposition hängend Rundholzgriffe reinsteckt und rauszieht. Dabei geht es nicht darum, sexuelle Assoziationen zu wecken, sondern einen starken Oberkörper zu bekommen. Das funktioniert hier sehr effektiv und dennoch ohne große Verletzungsgefahr, da man beim hangeln und weiterstecken die Hölzer kurzzeitig komplett blockiert und dabei die gesamte Muskelkette vom Bauch bis zu den Fingern sehr ausgewogen belastet.

Bei fertig gelieferten Pegboards ist in der Regel auch das benötigte Montagematerial enthalten. Beim Antworks Ant Hill Pegboard sind das beispielsweise Edelstahl-Spaxschrauben und Fischer Dübel, die direkt in die Wand oder eine (frei stehende) Rahmenvorrichtung montiert werden. Man benötigt hier nicht unbedingt einen Abstandhalter, da man durch die Holzgriffe nicht direkt an der Wand entlang schrubbt (sofern man keine allzu großen Pendelschwünge macht).

Das mit den vielen Namen: Griffbrett

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Das Zlagboard.Evo von Vertical Life inklusive Befestigungsmöglichkeit für Smartphones und passender App

Bei diesem wohl gängigsten und bekanntesten Trainingsgerät handelt es sich um ein Kunstharz- oder Holzgebilde mit einer größeren Zahl an positiv (nach außen) und negativ (einwärts) geformten Griffen, Leisten, Zangen, Löchern und Slopern (Auflegern). Viele Kletterer schwören auf die griffige Textur des Kunststoffs, andere empfinden den glatteren Griff von Holz als hautschonender. Es ergeben sich hier sehr viele mögliche Belastungen und Griffkombinationen für Finger und Arme. Eine kleine Marktübersicht mit einigen Trainingstipps findet sich in diesem Klettern-Artikel.

Selbstverständlich wird auch hier immer mehr ausdifferenziert. So bieten beispielsweise Hangboards wie der Name schon sagt, die Möglichkeit zum Aufhängen des Bretts – wobei auch dafür wieder entsprechend stabile Fixpunkte benötigt werden. Eine weitere Sonderform ist das Zlagboard, das mit einer Handyhalterung samt der passenden App kommt, die das Training steuern soll. Auf Ulligunde.com gibt es dazu einen trotz „Sponsoring“ durchaus kritischen Testbericht.

Die Montage ist bei solidem Mauerwerk schnell erledigt: ein paar dicke Spax-Schrauben durch die Lochbohrungen des Boards in die Wand gedreht, fertig. Da braucht es im besten Falle nicht einmal Bohrer und Dübel. Doch wenn die Wände nur aus Rigips bestehen und/oder genau dort hohl sind, wo man das Foltergerät anbringen will und/oder über dem Türrahmen nicht genug Platz ist, muss ein Unterbau her. Oder im Zweifelsfall gleich eine frei stehende Rahmenkonstruktion – mit der ist man dann sogar mobil ;-)

Griffe in der Wand – Boulderecke in der Wohnung

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Für so ein paar Klettergriffe findet sich doch immer ein Plätzchen

Hier ist von supereinfach bis hochkompliziert alles möglich: ein paar Klettergriffe in x-beliebigen Größen, Formen und Kombinationen können in der kleinsten Ecke angeschraubt werden – immer vorausgesetzt, die Behausung kracht bei Körpergewichtsbelastungen nicht zusammen.

Direkt in die Wand bohren ist zwar möglich, erfordert dann aber beim Auszug äußerst liberale Vermieter oder reichlich Spachtelmasse. Wenn die Wände nix aushalten, muss auch hier eine frei stehende Konstruktion her. Wer etwas Platz hat, wird immer eine Möglichkeit dafür finden. Inspirationen dafür gibt es auf jedem Kinderspielplatz. Oder in der Studentenbude nebenan, wo sicher irgendjemand Klettergriffe an sein Hochbett geschraubt hat. An solche stabile Konstruktionen lassen sich wiederum weitere Bretter, Latten, Kanthölzer und Platten befestigen, die als Unterlage für Griffe dienen.

Am besten kommen massive Sperrholzplatten als Unterlage zum Einsatz. Die kann man dann auch mit einer Vielzahl an Löchern perforieren, sodass man die Griffe jederzeit neu anordnen kann. Die Bohrungen müssen vom Durchmesser her natürlich zu den verwendeten Schrauben (in der Regel M10er) und deren Einschlagmuttern auf der Wandrückseite passen. Kleine Griffe und Tritte können auch direkt mit Spax-Schrauben befestigt werden. Für das ganze Geschraube einen Akkuschrauber zu verwenden, ist für Weicheier – hier kostet man gleich das erste Fingertraining voll aus.

Campusboard

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Das Campusboard ermöglicht je nach Anzahl und Größe der Leisten endlos viele statische und dynamische Zug- und Hängeübungen

Kletterlegende Wolfgang Güllich hat es erfunden und Jerry Moffatt, ebenfalls Kletterlegende, schwört drauf: das Campusboard. Dave MacLeod allerdings hat eine nicht ganz unkritische Meinung: „Campusboards sind die gefährlichste Trainingsform für Kletterer. (…) fast jeder, der über längere Zeit am Campusboard trainiert, bekommt über kurz oder lang Probleme mit den Fingern oder Ellenbogen.

Wie immer kommt es auch hier auf den durchdachten und zielgerichteten Einsatz an. Richtig verwendet ermöglicht das Campusboard je nach Anzahl und Größe der Leisten endlos viele statische und dynamische Zug- und Hängeübungen. Außerdem kann man an ihm je nach Höhe und Menge der angeschraubten Leisten auch richtig schön hoch und runter hangeln. Allerdings ist der Platzbedarf und der Robustheitsbedarf der Wände oder Decken nochmal deutlich höher als beim Griffbrett. Man kann es nämlich nicht einfach an der Wand befestigen, es sei denn man will bei jeder Bewegung an der Tapete entlangschrubben. Außerdem hängen wohl fast alle Campusboards leicht über, sodass eine entsprechende Unter bzw. Hinterkonstruktion nötig ist. Diese muss natürlich auch mit entsprechend stabilem Gehölz oder Metall gebaut werden, was wiederum das Gewicht nach oben schraubt.

Die wenigen im Netz verfügbaren Bauanleitungen wie hier bei Target10a beziehen sich meist auf richtig große Brummer, die man kaum in den eigenen vier Wänden unterbringen wird. Auch fehlen bei den deutschsprachigen Anleitungen meist konkrete Informationen zur Befestigung des Ganzen. Wirklich konkret geht es eher in englischsprachigen Anleitungen wie der des Rockclimberstrainingmanual zu.

Ähnlichen Seltenheitswert haben Abbildungen der Hinterkonstruktion. Bei dieser Wikipedia-Abbildung eines relativ kleinen Campusboards sieht man sie aufgrund der sehr einfachen Bauweise des Boards. Und man sieht auch, dass trotz der relativ geringen Größe schon eine Menge stabilisierendes Metall verbaut ist. Selbst bei kleinen Campusboards wird also je nach räumlichen Voraussetzungen ein umfangreiches Baumarktarsenal aus Befestigunsschienen, Balkenaufhängern, Rahmenwinkeln, Konsolen, Halteplatten, etc. notwendig. Da stellt sich besonders für Nicht-Spitzenkletterer die Frage, ob Aufwand und Trainingsertrag noch in rechtem Verhältnis stehen.

Fazit

Es gibt eine Menge Möglichkeiten des Trainings zuhause, mit denen man eine Menge an körperlichen leistungsbestimmenden Faktoren nach oben verschieben kann. Die Grenzen liegen in den Aspekten wie Technik, Taktik und Psyche – diese drei Aspekte wird man zuhause nicht wirklich handfest trainieren können. Da hilft nur der Gang in die Halle und – besser noch – an den Naturfels.

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