Gletscherbrille. Foto: Ortovox

Was macht eine Gletscherbrille zur Gletscherbrille?

30. Juli 2015

Kategorie

Sportart

Kaufberatung-Gletscherbrille

Auf dem Gletscher braucht es die richtige Ausrüstung

Gletscherbrillen sind auf den ersten Blick etwas groß geratene Sonnenbrillen. Nur meist deutlich teurer. Warum eigentlich? Was können Gletscherbrillen, das andere Brillen nicht können? Was macht eine Gletscherbrille zur Gletscherbrille und worin unterscheiden sie sich?

Fragen über Fragen… Hier kommen die Antworten!

Egal ob auf Gletschern, in der Wüste oder auf dem Wasser – ist man mal längere Zeit der Sonne schutzlos ausgesetzt, muss man nicht nur seine Haut, sondern auch (oder vor allem) seine Augen schützen. Während man immer daran denkt, die Haut einzucremen, vergisst man oft, dass die Augen genau denselben Schaden nehmen können.

Filterkategorien und UV-Schutz

Während viele Sonnenbrillen einfach nur durch ihre Tönung etwas weniger Licht durchlassen, filtern qualitative Brillen zunächst sämtliche UV-Strahlung und schützen somit das Auge schon mal vor den größten Schäden. Doch auch sichtbares Licht wird gefiltert. Es gibt fünf verschiedene Klassen von Gläsern, die unterschiedlich viel Licht durchlassen:

  • Kategorie 0: 80-100% Lichtdurchlässigkeit
  • Kategorie 1: 43-80% Lichtdurchlässigkeit
  • Kategorie 2: 18-43% Lichtdurchlässigkeit
  • Kategorie 3: 8-18% Lichtdurchlässigkeit
  • Kategorie 4: 3-8% Lichtdurchlässigkeit

Da auf einem Gletscher das Licht von oben und unten (durch Reflektion an Schnee und Eis) kommt, benötigt man hier eine Brille, die mindestens in der Schutzkategorie 3, besser 4 ist.

Diese Brillen lassen nur 3-8% des Lichtes durch. Auf dem Gletscher ist das optimal, aber auf dem Weg zum Berg meist viel zu wenig. Besonders im Straßenverkehr reichen 3% des Lichtes nicht aus, um alles gut zu sehen. Deswegen sind Gletscherbrillen im Straßenverkehr nicht zugelassen.

Also eine zweite Brille mitschleppen? Nicht nötig!

Julbo - MonteRosa Zebra - Sonnenbrille

Julbo – MonteRosa Zebra – Sonnenbrille mit selbsttönenden Gläsern

Wie funktionieren selbsttönende Gläser?

Es gibt Brillen, bei denen man die Gläser wechseln kann. Man hat die Brille also ständig auf und wechselt, je nach Lichtverhältnissen, von hellen Gläsern zu dunklen oder umgekehrt. Das spart schon mal ein zusätzliches Gestell.

Es gibt jedoch auch Gläser, die selbst ihre Kategorie ändern. Diese sogenannten photochromen (oder phototropen) Brillen verfügen über lichtempfindliche Moleküle, welche das Brillenglas je nach Stärke der UV-Strahlung abdunkeln oder aufhellen. Bei diesen Brillen spart man sich sogar die Wechselgläser!

Was nach der perfekten Lösung klingt, ist jedoch mit Vorsicht zu genießen. Selbsttönende Gläser verändern zwar tatsächlich ihre Lichtdurchlässigkeit, jedoch nicht innerhalb weniger Sekunden.

Während der Prozess des Abdunkelns meist 15 bis 30 Sekunden dauert, braucht die Brille zum Aufhellen schon 5-10 Minuten.

Die Frage, was besser ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Der Vorteil der der photochromen Gläser ist, dass man sie immer dabei hat, während man Wechselgläser schon mal im Auto oder zu Hause vergessen kann.

Kaufberatung-Gletscherbrille

Selbsttönenende Gläser passen sich wechselnden Lichterhältnissen an.

Ebenso kann man einwenden, dass für den Schutz der Augen der Prozess des Abdunkelns wichtiger ist als das Aufhellen. Und 15-30 Sekunden braucht man definitiv auch, um seine Gläser zu wechseln (Rucksack absetzen, Gläser rausfischen, wechseln, alles verpacken, …), nur dass man dabei nur mit dem Wechseln der Gläser beschäftigt ist und die Augen in der Zeit ungeschützt sind, während bei selbsttönenden Gläsern alles automatisch abläuft.

Ein Vorteil der Wechselgläser ist die erweiterte Bandbreite der Brille. Während selbsttönende Brillen meist in der Kategorie 2-4 angesiedelt sind, kann man bei Wechselgläsern Gläser aller Kategorien verwenden.

Da wir uns hier jedoch auf Gletscherbrillen konzentrieren wollen, beschäftigen wir uns nur mit Brillen der Kategorie 3 und 4. Ob man da überhaupt Wechselgläser braucht oder nicht, ist Geschmackssache. Das Glas wechseln zu können, bzw. ein selbsttönendes Glas, ist eher ein nützliches Feature, wenn man wieder vom Gletscher runter ist, oben braucht man jedenfalls eine hohe Schutzkategorie.

Auf der Suche nach der idealen Gletscherbrille kommt es nämlich nicht auf die Bandbreite der Schutzkategorien an, sondern auf andere spezielle Eigenschaften der Brille, welche wir euch hier vorstellen wollen:

Julbo - Bivouak Cameleon - Sonnenbrille

Die Bivouak Cameleon von Julbo mit Anti-Beschlag Beschichtung

Abdeckung der Augen

Von zentraler Bedeutung ist bei einer Gletscherbrille, dass sie das gesamte Auge vor Sonnenlicht schützt. Das Licht kommt von überall, deswegen haben gute Gletscherbrillen wie die Julbo Explorer Cameleon, eine zusätzliche Abdeckung am oberen und unteren Teil des Glases um Lichteinfall von der Seite (bzw. von oben und unten) zu verhindern.

Ebenso praktisch sind Belüftungsschlitze und Sweat Blocker wie bei der Julbo Trek Spectron 4. Da Hochtouren in der Regel zu den anstrengenden Freizeitbeschäftigungen zählen, kommt man dabei oft ins Schwitzen. Macht man dann eine Pause, wird es schnell kühl am Kopf.

Durch die Belüftungsschlitze soll die warme Luft abgeführt und Schweißbildung minimiert werden. Der Sweat Blocker verhindert das Eindringen von Schweiß von der Stirn in das Gesichtsfeld.

Da die Temperatur und Luftfeuchtigkeit auf der Innenseite der Brille wesentlich höher ist als auf der Außenseite, ist die Gefahr groß, dass die Brille beschlägt. Um das zu verhindern, haben Brillen wie die Julbo Bivouak Cameleon eine Anti-Beschlag Beschichtung (englisch anti-fog). Man sollte beim Kauf einer Gletscherbrille unbedingt auf diese Beschichtung achten!

Hinweis: Sollte die Brille doch mal beschlagen, nicht mit dem Handschuh am Glas reiben, da eben diese Beschichtung dadurch beschädigt werden kann. Lieber mit einem fusselfreien Tuch die Scheibe abtupfen!

Kaufberatung-Gletscherbrille

Man sollte nie ohne die richte Brille auf einen Gletscher.

Ebenso praktisch sind polarisierte Gläser. Reflektiertes Licht ist immer polarisiert. Polarisierte Brillengläser lassen dieses Licht nur teilweise durch, sodass das Licht, das vom Schnee am Boden reflektiert wird, nicht so hell wahrgenommen wird und nicht blenden kann. Vor allem aber treten Kontraste deutlicher zum Vorschein, da der Großteil des sogenannten Streulichtes gefiltert wird (dieses ist auch polarisiert). Bei der Julbo MonteBianco zum Beispiel sorgen polarisierte Gläser dafür, dass der gewünschte Effekt eintritt.

Bei Brillen wie der Explorer L Alti Arc 4 von Julbo kommen verspiegelte Gläser zum Einsatz. Diese haben zwei Grundlegende Aufgaben:

Erstens halten sie verwirrende Reflexionen aus dem inneren Bereich der Brille raus (und somit aus dem Auge), zweitens Filtern sie Licht einer bestimmten Farbe aus dem Sichtfeld. Bei silbernen Gläsern werden also große Teile des weißen Lichtes (z.B. vom Schnee reflektiertes Licht) direkt reflektiert und man sieht mehr Licht aus anderen Farbbereichen, zum Beispiel die dunklen Bereiche am Fels oder Strukturen im blauen Licht des Wassers.

Passform

Ein weiterer ganz entscheidender Faktor ist die Passform der Brille. Um zu verhindern, dass die Brille vom Kopf rutscht, muss diese gut an den Kopf passen. Bewegliche Bügel sind ein großes Plus, wenn man die Brille an den Kopf, Helm oder die Mütze anpassen will. Bügel aus Metall können auf Gletschern ein großes Problem für die Ohren werden, da Erfrierungen hervorgerufen werden können.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Daniel ist hier unser Fachmann in Sachen Gletscherbrillen. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Steven sagte am 3. August 2016 um 10:42 Uhr

    Servus Bergfreunde-Team!

    Meint iht eine Brille mit 10% VLT passt für eine 4000er Gletschertour? Sonst ist Entspiegelung und Antifog vorhanden, auch die Form passt.

    Beste Grüße!

  2. Jörn sagte am 3. August 2016 um 11:42 Uhr

    Hi Steven,

    Schutzstufe S3 ist bei Gletschertouren zumindest mal ausreichend. Schutzstufe S4 (VLT 3-8%) wird empfohlen. Ich denke, mit der Brille solltest Du gut zurechtkommen. Ansonsten mal bei den Bergführern vor Ort nachfragen, die kennen sich sicher auch aus und können Empfehlungen geben.

    Viele Grüße,

    Jörn

  3. Andreas sagte am 22. Oktober 2016 um 07:55 Uhr

    Gibt es eine Lösung für Brillenträger? Oder bin ich auf Kontaktlinsen angewiesen?

  4. Jörn sagte am 24. Oktober 2016 um 08:58 Uhr

    Hi Andreas,

    es gibt meines Wissens nach von adidas und Julbo entsprechende Modelle mit Clip, bzw. Modelle, für die optische Gläser angefertigt werden können.

    Viele Grüße,

    Jörn

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