Hardshelljacken imprägnieren. Foto: Columbia

Regenjacken richtig imprägnieren – wenn es perlt, dann atmet es

28. Dezember 2017

Bergfreunde mit imprägnierter Hardshellausrüstung

Atmet sie noch oder schwitzt Du schon?

Hardshelljacken und -hosen schützen uns täglich vor Wind und Wetter und leisten uns großartige Dienste, wenn es darum geht, trocken und geschützt zu bleiben. Auf einer Bergtour ist das schon fast das A und O.

Damit das aber dauerhaft so bleibt, brauchen unsere Sachen ein wenig Hilfe in Form von Pflege. Denn während der liebende Radler schiebt, reinigen wir nach der absolvierten Tour unsere Sachen von Schmutz und Dreck, bessern Macken aus und schauen, dass für die nächste Tour wieder alles optimal vorbereitet ist.

Ein ganz wichtiger Bestandteil unserer Ausrüstung ist die Imprägnierung der Regenjacke & Regenhose, denn sie halten uns dauerhaft trocken und damit warm. Aber Imprägnierungen müssen regelmäßig aufgefrischt oder erneuert werden. Wir erklären Euch hier, wie Ihr das macht und wann es soweit ist.

Die Imprägnierung wirkt doppelt

Je nach dem, was für eine Jacke man trägt, wirkt die Imprägnierung zwei mal. Zunächst einmal führt sie dazu, dass das Wasser auf der Jacke abperlt und somit nicht in den Stoff eindringen kann. Das Wasser läuft also einfach an der Jacke herunter.

Bewegen wir uns viel und kommen stark ins Schwitzen, ist es ungemein wichtig, dass die Bekleidung in der Lage ist, den produzierten Wasserdampf aus der Jackeinnenseite abzutransportieren. Hierzu bedienen sich  Hersteller unterschiedlicher Systeme. Diese hier alle vorzustellen, würde zu weit und am Thema vorbeiführen. Aber allen gemein ist eigentlich, dass sie helfen den Wasserdampf durch den Stoff nach außen zu transportieren, zumeist über unterschiedliche Membranen*.

Das ist aber nur möglich, wenn der Stoff trocken ist, da sonst der Wasserfilm die Jacke von außen verschließt und den Wasserdampf somit in der Jacke einschließt. Die Folge: wir sind zwar von außen vor Regen geschützt, stehen aber klitschnass in unserem eigenen Schweiß, was irgendwann kaum noch einen Unterschied macht.

Die Imprägnierung schützt uns also nicht nur vor Regen, sie hilft auch unserer Kleidung zu atmen. Daher ist es wichtig, dass die Imprägnierung in unserer Kleidung funktioniert. Zum Glück kann man heute die Imprägnierung ganz einfach selber wieder aktivieren oder erneuern.

*Der Einfachheit halber und um die Lesbarkeit des Artikels zu verbessern, seien in diesem Artikel unter „Membran“ sämtliche Systeme für Hardshelljacken, also auch Beschichtungen etc. zu verstehen.

Warum lässt die Imprägnierung nach?

Imprägnierungen werden in Form von unterschiedlichen Stoffen auf das Material aufgebracht und anschließend aktiviert. Funktioniert eine Imprägnierung nicht mehr richtig, kann dies daran liegen, dass sie erneut aktiviert werden muss oder die imprägnierenden Stoffe aus dem Obermaterial ausgewaschen wurden.

Woran erkenne ich ein Nachlassen der Imprägnierung?

So sieht eine intakte Imprägnierung aus

So sieht eine intakte Imprägnierung aus

Um zu testen, ob die Imprägnierung noch funktioniert, kannst Du einfach zuhause ein paar Tropfen auf die Jacke geben und schauen was passiert. Bei einer funktionierenden Imprägnierung zieht das Wasser nicht in den Oberstoff der Jacke ein, sondern bildet kleine Tropfen, die dann an der Jacke herunter „rollen“ oder sich ganz leicht abschütteln lassen. Bilden sich solche Perlen nicht und das Wasser zieht in den Stoff ein, ist es Zeit sich um die Imprägnierung zu kümmern. Am besten direkt an den Stellen testen, die unterwegs am wichtigsten sind und am meisten beansprucht werden, also Schulterpartien, Außenseite der Arme. Und mehrere Stellen testen und nicht nur eine.

Eine mangelhafte Imprägnierung bedeutet aber nicht automatisch, dass die Jacke nicht mehr dicht ist. Bei den meisten Jacken schützt Dich die Membran in der Jacke davor, dass Wasser eindringt – nicht die Imprägnierung – und die Membran liegt unter der Oberschicht. Mehr zum Thema wasserdicht findest Du auch hier.

Imprägnierung reaktivieren

Gerade, wenn die Sachen noch recht neu sind, kann es ausreichen, die bestehende Imprägnierung zu reaktivieren. Dazu einfach die Jacke bei mittlerer Temperatur in den Trockner (Funktionsbekleidungsprogramm) geben und dort ca. eine halbe Stunde laufen lassen. Durch die Wärme wird die Imprägnierung reaktiviert.

Solltest Du keinen Trockner haben, geht das auch mit einem Bügeleisen und einem Tuch zwischen Eisen und Jacke. Dampf sollte dabei nicht zum Einsatz kommen! Ein Trockner ist aber in jedem Fall besser, da hier die Wärme gleichmäßig auf das Produkt wirkt. Außerdem solltest Du vorsichtig sein und die Jacke nicht zu stark zu erhitzen, da gerade Membranjacken Hitze unter Umständen nicht gut vertragen. Hier am besten die Angaben des Herstellers lesen, dann bist Du auf der sicheren Seite.

Imprägnierung erneuern

Wird es Zeit für eine neue Imprägnierung, kannst Du das problemlos selber in die Hand nehmen. Zunächst musst Du Dich entscheiden, ob Du eine Imprägnierung nimmst, die in der Waschmaschine eingewaschen oder durch ein Spray nur von außen auf den Stoff aufgetragen wird.

Hersteller wie Sympatex, Gore-Tex oder Polartec scheinen hier keine Präferenz zu haben.

Wir von den Bergfreunden empfehlen allerdings die Spray-Variante und zwar aus folgenden Gründen:  Inzwischen gibt es viele verschiedene Membranen, die gänzlich unterschiedlich funktionieren. Bei manchen von ihnen würde eine Einwaschimprägnierung die Atmungsaktivität behindern, da sich auf der Innenseite eine wasserabweisende Schicht bildet. Bei anderen Jackensystemen entsteht dieses Problem nicht. Entscheidend ist, welche Membran mit welcher Imprägnierung (Hersteller) zusammengebracht wird. Da es hier viele verschiedene Kombinationen gibt und man genau wissen muss, welche Membran mit welcher Imprägnierung geht, gibt es viele Stolpersteine und man hat schnell seine schöne hightech Jacke unnötig verschlechtert.

Die Sprühvariante funktioniert hingegen bei jeder Jacke, egal welche Membran sie verwendet. Außerdem hat man hier die Möglichkeit die besonders beanspruchten Regionen besonders gründlich zu imprägnieren. Somit bekommt Deine Jacke die bestmögliche Behandlung ohne ein unnötiges Risiko einzugehen.

Einwaschen

Einfach die Jacke oder die Hose wie in der Waschanleitung gründlich waschen. Anschließend einen neuen „Waschgang“ laufen lassen und das Imprägnierungsmittel, wie einen Weichspüler hinzugeben.

Fibertec - Greenguard Spray-On - Imprägnierung

Fibertec – Greenguard Spray-On – Imprägnierung

Aufsprühen

Jacke oder Hose gründlich laut Waschanleitung waschen und anschließend das Spray auftragen. Ob im nassen oder im trockenen Zustand, erfährst Du aus der Gebrauchsanleitung des Herstellers. Hierzu die Jacke oder Hose am besten hinlegen, denn im Hängen am Bügel geht viel von dem Sprühnebel verloren. Bei manchen Produkten muss die Imprägnierung noch in den Stoff eingearbeitet werden. Hier die Gebrauchsanweisung gut lesen.

Imprägnierungen die auf Fluorverbindungen basieren, können brennbar sein. Bitte hier vorsichtig sein!

Aktivieren

Bei den meisten Herstellern muss die Imprägnierung nach dem Auftragen aktiviert werden (siehe oben). Ob dies nötig ist, steht in der Gebrauchsanweisung.

Umweltverträglichkeit

Wenn Du Dich für dieses Thema interessierst, haben wir gute Nachrichten für Dich, denn inzwischen gibt es auch umweltverträgliche Imprägnierungen für Deine Regenkleidung, wie z.B. die Produkte von Fibertec oder Nikwax. Und auch von Toko gibt es eine Eco Linie.

Wenn du noch Fragen hast oder Dich nicht entscheiden kannst, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hier ist Hannes unser Fachmann für alles rund um Textil und Bekleidung. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.12.2015 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Heiko sagte am 27. Oktober 2020 um 12:27 Uhr

    Hi zusammen,habe eben alle eure interessanten Beiträge gelesen,während ich meine 12jahre alte klepperjacke im el. Backofen bewachte,ca.50grad.Geht super,die wasserperle zur Kontrolle steht immer noch.Man kann auch ein Fieberthermometer dazupacken.30grad habt ihr übrigens über jedem Heizkörper oder Heizlüfter in Betrieb,einfacher geht es kaum.HG Heiko

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