Approachschuhe. Foto: Mountain Hardwear

Approachschuhe – multifunktionale Halbschuhe

8. Dezember 2017

Dachstein - Monte EV - Approachschuhe

Approachschuhe sind robuste Allrounder für den Einsatz auf unterschiedlichstem Terrain

Der Zustieg zum Lieblings-Kletterspot ist – im wahrsten Sinne des Wortes – oftmals ein steiniger. Darum muss gutes Schuhwerk her. Da kommen nur Approachschuhe in Frage! Aber was ist das überhaupt? Das Wörtchen „to approach“, zu Deutsch „sich annähern“, beschreibt gut, was sich hinter diesem klangvollen Namen verbirgt: Approachschuhe sind Multifunktionsschuhe, die speziell auf die Anforderungen für den Zustieg (und den Abstieg) zum Fels oder zum Klettersteig ausgelegt sind. Aber muss das sein? Reichen da nicht ein Paar halbwegs robuste Hikingschuhe? Im Folgenden soll erläutert werden, was Approachschuhe ausmacht, auf was Ihr beim Kauf achten müsst und warum notorische Kraxler eh schon mindestens ein Paar davon im Equipmentschrank haben. Also weiterlesen!

Was sind Approachschuhe eigentlich?

Approachschuhe, auch Zustiegsschuhe genannt, sind in aller Regel robuste Halbschuhe. Sie dienen dazu, Geländepassagen mit wechselndem Schwierigkeitsgrad und variierendem Terrain zu meistern. Schließlich führt der Weg zum Spot meist nicht nur über gut befestigte Wege, sondern über Geröll, Wiesen, kurze asphaltierte Strecken und und und…. Hier braucht es einen guten Allrounder! Und genau hier kommen Zustiegsschuhe ins Spiel.

Wenn sich Wanderschuhe und Kletterschuhe sehr lieb haben, kommt am Ende ein Paar Approachschuhe dabei heraus. So oder so ähnlich lässt sich der Ursprung von Approachschuhen beschreiben. Aber Spaß beiseite! Zustiegsschuhe sind quasi ein Hybrid aus den beiden Schuharten. Sie sind auf jedes Gelände eingestellt. Sie unterstützen die Füße auf abschüssigen Routen gleichermaßen wie auf befestigten Wegen. Auch kleine Kletterpassagen auf dem Weg zum Spot stellen kein Problem dar. Sie geben sicheren und rutschfesten Halt und sind – im besten Falle – bequem. Falls ihr jetzt mit dem Kauf dieser Alleskönner liebäugelt, folgt eine kleine Übersicht auf was Ihr dabei achten solltet.

Wichtige Eigenschaften, die der Zustiegsschuh drauf haben muss

Scarpa - Crux - Approachschuhe

Der Scarpa – Crux besitzt eine Schnürung bis in den Zehenbereich

Jeder, der einmal im falschen Schuhwerk unterwegs war, weiß: Die richtige Schuhwahl entscheidet darüber, ob die Füße das Ende des Tages in der (dank Per Mertesacker sprichwörtlich gewordenen) Eistonne ausklingen lassen oder nicht. Da der Zustieg gerne mal länger dauert als das anschließende Klettern selbst, ist der Tragekomfort eine der wichtigsten Eigenschaften auf der To-do-Liste guter Approachschuhe. Sie müssen in jedem Fall gut und fest sitzen, aber gleichzeitig weder einengen noch an den sensiblen Bereichen der Füße scheuern. Denn auch der härteste „Kletterhund“ kann auf Blasen an den Füßen gut und gerne verzichten.

Ein guter Sitz wird zum einen über ein gutes Fußbett gewährleistet. Zum anderen und einem nicht unerheblichen Teil ist die Schnürung dafür verantwortlich. Diese reicht bei hochwertigen Modellen bis in den Zehenbereich. Das hat den entscheidenden Vorteil, dass die Schuhe durch die Schnürung an den Fuß angepasst werden. Auch der Fersenbereich braucht den entsprechenden Halt, was durch spezielle Ferseneinsätze gegeben ist. Die halten die Füße in einer natürlichen Stellung und dämpfen Stöße ab.

Obermaterial, Gewicht und Futter – weitere wichtige Produktdetails im Überblick

Das Obermaterial ist – wie bei allen Outdoorschuhen – bei Approachschuhen ebenfalls ein wichtiger Faktor. Hier kommt in den meisten Fällen ein flexibles Synthetik-Material zum Einsatz. Das ist gleichzeitig äußerst robust und kommt mit rauem Felskontakt problemlos klar. Funktionalität und Wetterschutz kommen dabei auch nicht zu kurz. Ein leichter Wetterschutz kann in keinem Fall schaden, feucht werden die Schuhe beim Zustieg allemal. Ob feuchte Wiesen oder leichter Nieselregen, die Nässe lauert überall! Wenn die Schuhe wasserabweisend sind, müsst Ihr nach dem Zustieg nicht mit nassen Tretern in die Kletterschuhe schlüpfen.

Funktionelle Materialien wie Gore-Tex sorgen für Wetterschutz und schaffen gleichzeitig ein angenehmes Fußklima. Gore-Tex ist, wie Ihr sicherlich wisst, atmungsaktiv. Dadurch wird die beim Schwitzen entstehende Feuchtigkeit durch den Schuh nach außen geleitet, wo sie letztendlich verdampft. Das hält die Füße schön trocken. Was aber fast wichtiger ist: Es verhindert Käsefüße! Das mag trivial klingen, aber so bleiben am Ende die Kletterschuhe frei von fiesen Gerüchen.

In Sachen Gewicht gilt wie so oft, weniger ist mehr. Die Füße werden nicht unnötig beschwert und ein leichtes und angenehmes Gehen ist möglich. Ein weiterer Vorteil zeigt sich beim Transport. Leichte Approachschuhe können bequem im Rucksack verstaut werden oder am Karabiner an den Klettergurt gehängt werden und fallen nicht unnötig ins Gewicht.

Nicht zu vergessen: die Climbing Zone und die Schuhsohle

Arc'teryx - Acrux 2 FL - Approachschuhe

Die Arc’teryx – Acrux 2 FL – Approachschuhe inklusive Climbing-Zone

Um kleine Kletterabschnitte zu meistern, verfügen die meisten Modelle über eine kleine Besonderheit – die sogenannte Climbing Zone. Das ist eine profillose Zone im Frontbereich der Approachschuhe. Die sorgt für Grip und erleichtert das Antreten am Fels. Ein weiterer Vorteil der Approachschuhe gegenüber „normaler“ Wanderschuhe.

Doch nun zum wohl wichtigsten Element guter Zustiegsschuhe: die Sohle! Der Anstieg zur Kletterwand ist kein Spaziergang. Da geht es mitunter über richtig steiles, unwegsames Gelände. Aber auch über Wanderwege und asphaltierte Straßen. Im Idealfall braucht es eine Sohle, die mit harten Bedingungen und gleichermaßen mit befestigten Untergründen klarkommt. Eine Sohle, die auf glatten, feuchten oder trockenen Böden den gleichen Grip bietet. Eine ideale Mischung aus Flexibilität und Stabilität.

In der Regel kommt bei Approachschuhen eine Sohle mit hohem Naturkautschukanteil wie eine Vibram Sohle zum Zuge. Das Profil darf nicht zu tief sein, da das den Halt am Fels beeinträchtigt. Aber auch ein zu flaches Profil ist nicht der Weisheit letzter Schluss. Im Vorderfußbereich sind Approachschuhe, wenn überhaupt, kaum gedämpft. Der Härtegrad der Sohle ist wieder ganz von Eurem eigenen Geschmack abhängig.

Das Wichtigste auf einen Blick

Für alle, die bis hierhin durchgehalten haben oder alle lesefaulen, die gleich zum Schluss gesprungen sind, alle wichtigen Features noch einmal im Überblick:

Gute Approachschuhe sind robuste Allrounder für den Einsatz auf unterschiedlichstem Terrain. Ein robustes und flexibles Obermaterial ist genauso wichtig wie ein ausreichender Wetterschutz und Atmungsaktivität. Ein festes Schnürsystem sorgt für Halt und geht in der Regel bis runter in den Zehenbereich. Geringes Gewicht ist essenziell, da Approachschuhe weder wie ein schwerer Klotz am Fuß liegen, noch eine Last beim Transport sein sollen. Eine Climbing Zone im Vorderfußbereich ist nie verkehrt und die Sohle muss eine ausgeglichene Mischung aus Flexibilität und Stabilität bieten. Ganz egal für welches Paar Ihr Euch letzten Endes entscheidet, Hauptsache ist, dass der Schuh passt, perfekt sitzt und Euren persönlichen Vorlieben entspricht. Also los, der Spot wartet schon!

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen Outdoor Schuhen. Du erreichst ihn unter der Nummer +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 03.03.2016 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. jutta sagte am 2. Oktober 2016 um 16:30 Uhr

    Sehr hilfreich! Ich kombiniere oft Radtouren mit Wanderungen und suche deshalb einen leichten aber griffigen Wanderschuh. Die Seite war sehr informativ,ich weiss nun, worauf zu achten ist.

  2. Jörn sagte am 4. Oktober 2016 um 12:19 Uhr

    Hi Jutta, das freut uns! :)

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Petra sagte am 25. Juni 2017 um 09:49 Uhr

    Hallo, ich finde den Artikel sehr informativ – suche aber eigentlich nur einen Schuh für nordic walking – wäre dieser Schuh dafür auch zu empfehlen – oder kommt einem da eher der Gedanke an Kanonen und Spatzen ?

  4. Jörn sagte am 26. Juni 2017 um 09:20 Uhr

    Hi Petra,

    danke für dein Feedback :) Tatsächlich haben viele Approachschuhe eine etwas steifere Sohle, da sie auch mal dazu genutzt werden, kleinere Kletterpassagen zu überwinden, bevor es ans richtige Klettern geht.

    Für deine Bedürfnisse würde ich in unsere Kategorie Multisportschuhe nachschauen: https://www.bergfreunde.de/multisportschuhe/fuer–frauen/einsatzbereich–freizeit/. Dort würde ich vor allem zu jenen Schuhen tendieren, die nach Joggingschuh aussehen, die sind meist schön dynamisch, nicht zu schwer und haben trotzdem einen guten Grip.

    Ich hoffe, meine Informationen helfen dir weiter. Ansonsten kannst du dich selbstverständlich jederzeit auch an unseren Kundenservice wenden.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  5. Barbara sagte am 13. August 2017 um 17:37 Uhr

    Hallo,
    diese aufschlußreichen Erklärungen haben meine Bildungslücke geschlossen :).

    Für meine weiteren Küstenwanderungen wünsche ich mir den optimalen Wanderschuh, der an meine empfindlichen, altersbedingt verbreiterten Füße paßt.
    Ich bin kein Profiwanderer, eher Genußstiefler und brauche sowohl Halt im Sprunggelenksbereich, Dämpfung an Ferse und Vorfuß sowie über 9 cm Breite im Vorfußbereich.
    Gibt es so einen Schuh für mich?

    Wäre spitze, wenn ich einen Ratschlag haben könnte.
    Grüße vom Flachlandtiroler
    Barbara

  6. Jörn sagte am 14. August 2017 um 13:17 Uhr

    Hi Barbara,

    danke für die Blumen. Ich würde dir empfehlen direkt mal bei unserem Kundenservice unter der 07121/70 12 0 anzurufen, da können gleich auch eventuell Rückfragen beantwortet werden.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  7. Patric sagte am 8. April 2018 um 12:41 Uhr

    Hallo, schöner Artikel.

    Ich mache diesen Sommer eine mehrtägige Hüttetour im Kaisergebirge, inkl Klettersteige.
    Ich denke jedoch das ich mit meinen Lowa Cevedale da völlig overdressed bin.
    Eigentlich habe ich die wegen großer Geröllfelder, Gletscher für Steigeisen etc.
    Das ist aber auf dieser Tour eher nicht nötig.
    Wäre ein Approachschuh besser? Habe einen Salewa MS Wildfire (ist das überhaupt ein Approachschuh?)dem ich so eine Tour vom Fusskomfort her eher nicht zutraue. Eine Tagestour im Rofan oder so ok, aber Mehrtagestour eher nicht.

    Was meint Ihr?
    Oder dafür noch andere Alternativen?

  8. Jörn sagte am 9. April 2018 um 12:05 Uhr

    Servus Patric,

    danke für deinen Kommentar.

    Es gäbe natürlich noch die Option von stabilieren Approachschuhen, namentlich der Dragontail von Garmont (https://www.bergfreunde.de/garmont-dragontail-lt-approachschuhe-bf/) oder der TX4 Mid von La Sportiva (https://www.bergfreunde.de/la-sportiva-tx4-mid-gtx-approachschuhe/). Die gehen da eher den Mittelweg.

    Wäre natürlich noch gut zu wissen, welche Tour es genau wird. Es gäbe sicher Klettersteige, wo du auch mit dem Wildfire durchkommen könntest (der geht übrigens tatsächlich als leichter Approacher durch), bei anderen wiederrum würden wir eher auf ein robusteres Modell gehen.

    Die beste Beratung können wir dir am Telefon zukommen lassen. Wenn Du möchtest, ruf gerne bei den Kollegen im Kundenservice an. Du erreichst sie unter der 07121/70 12 0 und sie stehen dir Montag bis Freitag von 10 – 17 Uhr zur Verfügung.

    LG

    Jörn

  9. Patric sagte am 9. April 2018 um 17:18 Uhr

    Hallo Jörn,
    Danke für die schnelle Antwort. Welche Klettersteige es genau werden weiß ich noch nicht, allerdings ist dies auch zweitrangig. Ich wähle dann lieber einen Schuh der stabiler ist und für alles einsetzbar ist und verliere dabei ein klein wenig an Komfort. Es gibt für eine mehrtägige Berg Tour definitiv nicht den einzigartigen Schuh der alles kann. Kompromisse muss man da jederzeit eingehen. Er soll ja viele Klettersteige verschiedene Ausführungen bewältigen können. Das Leichtgewicht Saliva kann zur Not am Rucksack hängen.
    Jedoch finde ich es klasse dass genau diese Modelle die du erwähntest, vorher schon in meiner engeren Auswahl standen. Ein weiterer Schuh in meiner Auswahl wäre der Scarpa Zen Pro.
    Zählt diese auch zu den Mittelweg?
    Wünsche einen schönen Feierabend.
    Herzliche Grüße Patric

  10. Jörn sagte am 10. April 2018 um 08:56 Uhr

    Hi Patric,

    cool, dann haben wir ja hier doch ein wenig Ahnung :D Den Zen Pro würde ich tatsächlich auch als Mittelwegler sehen. Vielleicht ein Mü weniger robust als der Dragontail aufgrund des fehlenden Geröllschutzes. Aber den zahlreichen Bewertungen zufolge, wird der Zen Pro ja durchaus oft für Klettersteige verwendet. Wäre also für mich auch in der engeren Auswahl.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  11. Patric sagte am 3. Mai 2018 um 05:32 Uhr

    Hallo Jörn,
    Ich muss das nochmal kurz aufgreifen.
    Du hast als Link den Dragontail lt. eingefügt.
    Meine Wahl viel ursprünglich auf den Dragontail mnt. Ist der Unterschied sehr groß?
    Anhand der Bewertungen kann ich Einsatztechnisch nicht viel Unterschied erfahren.
    Danke im voraus.

    Lg. Patric

  12. Jörn sagte am 3. Mai 2018 um 15:18 Uhr

    Servus Patric,

    sorry, da hab ich den falschen rausgesucht. Der MTN und der LT unterscheiden sich vor allem in der Sohlenkonstruktion. Der LT kommt mit einer leichteren Variante, während der MTN eine stabilere, vermutlich etwas geländegängigere Sohle hat.

    Heißt bei leichterem Terrain hat der LT wohl etwas mehr Komfort, bei schwierigem Terrain könnte der MTN aber mit der stabileren Sohle ein Vorteil sein. Ich würde tendenziell auch eher zum MTN tendieren.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  13. Anja sagte am 4. Juni 2018 um 12:28 Uhr

    Vielen Dank für den informativen Artikel. Bin auf der Suche nach Halbschuhe, mit denen ich auch mehrstündige Wanderungen (sowohl befestigte Wege, Geröll, Steiniger Untergrund, Wiesen) machen kann. Guter Trip ist mir v.a. beim Bergab-Laufen wichtig. Habe eigentlich Iowa Wanderschuhe mit hohem Schaft, die sind mir aber manchmal (bei kleineren Wanderungen) zu viel. Habt Ihr einen Tipp, welche Schuhe geeignet sein könnten? Optisch gefallen mir die Scarpa Mojito GTX ganz gut, die scheinen aber eher Allrounder für jeden Tag zu sein, aber Approach-Schuhe sind vielleicht schon wieder zu viel des Guten?
    Viele Grüße

  14. Hannes sagte am 6. Juni 2018 um 12:10 Uhr

    Hallo Anja!

    Wir finden da bestimmt was für Dich.

    Der Scarpa Mojito GTX ist definitiv eine Option für Deine Ansprüche. Wenn Du sonst Lowa trägst, sollte auch Scarpa von der Fussform passen,
    da sie schmaler ausfallen. Alternativ kannst Du dir auch mal diese hier anschauen:

    https://www.bergfreunde.de/inov-8-womens-roclite-315-gtx-multisportschuhe/

    Ein genialer Halbschuh mit sehr gutem Grip durch die Roclite Sohle. Mein Must-have im Schuhregal für einfachere Touren :-).

    Solltest Du sonst noch Fragen haben, kannst Du dich auch gerne bei uns im Service zur direkten Beratung melden.
    Wir beißen auch nicht :-)!

    Machs gut
    Hannes

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