Wohnen am Berg: Wie ist das so? Lohnt sich das?

Inhaltsverzeichnis

Vor gut einem Jahr zog ich vom Fuße des Schwarzwalds an den Fuß der Bayrischen Alpen. Damit ging mein lang gehegter Traum von „richtigen“ Bergen vor der Tür in Erfüllung. Doch wie ist dieser Traum so, wenn er sich zur Alltagsrealität verwandelt? Mit dem ersten Jahr ist genug Zeit verstrichen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Und um zu beurteilen, ob das Ganze wirklich so erstrebenswert ist, wie Viele es sich vorstellen.

Geht man wirklich andauernd in die Berge, so wie man es sich aus der Ferne erträumt hat? Oder ist es schon bald nichts Besonderes mehr? Läuft es vielleicht auch aus dem Ruder und es bleiben außer Bergen gar keine anderen Lebensinhalte mehr?

Die Ergebnisse meines „Experiments“ lieferten so einige Antworten. Blöd ist nur, dass diese Art Experiment nicht beliebig wiederholbar ist, denn es gibt diverse Voraussetzungen, Hintergründe, Möglichkeiten und Beschränkungen, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden. Selbst wenn alle äußeren Bedingungen gleich sind, macht JedeR etwas anderes daraus. Deshalb und weil mehrere Erfahrungen mehr Aussagekraft haben als nur eine Einzelne, wird hier auch Basislager-Boss Jörn zu Wort kommen. Denn auch er hat „Bergbewohnererfahrung“.

Doch erstmal ordne ich meine eigenen Eindrücke und Gedanken in einem Frage-Antwort-Spiel. Zunächst hatte ich ein Pro-und-Contra-Schema im Sinn, doch das lieferte – Achtung, Spoiler – zu wenig Contras 😉

Fragen und Antworten

Fangen wir am besten mal mit dem Aspekt Kleingeld an:

Bayern? Alpen? Da brauchste doch richtig Kohle!“

Ohne Moos nix los, das stimmt schon. Und wenn man „in den Bergen wohnen“ oder „wohnen in den Bergen“ in die Suchmaschine tippt, sieht man sich hier voll bestätigt. Die Treffer drehen sich fast alle um Architektenträume und Traumimmobilien, die man sich als zukünftiger Bergler doch mal zulegen soll. Weil man nach der kleinen Anfangsinvestition das Geld auf Dauer eigentlich spart. Denn:

Ein Haus in den Bergen stellt in Österreich und der Schweiz eine sichere Geldanlage dar. (…) Bei einem Kauf zum jetzigen Zeitpunkt verliert der Käufer sein Geld nicht. Das gilt auch für den Fall, dass er die Hütte in zwei bis fünf Jahren wieder verkauft. Eine gewinnbringende Immobilie liegt nach Ansicht von Immobilienmaklern in der Nähe einer bekannten Skistation oder verfügt über einen tollen Ausblick. (…)

Für Hausbesitzer, die gerne in den Bergen Ferien machen, aber nicht ständig dort leben, finanziert sich die Immobilie durch Vermieten. (…) Als rentabel erweisen sich in erster Linie solche Objekte, die die Besitzer das ganze Jahr vermieten. Das gilt für Immobilien, die nahe einer berühmten Wanderstrecke oder eines bekannten Wandergebietes liegen.

Easy, da kann eigentlich nichts schiefgehen, oder? Alternativ kann man natürlich auch bauen. Wer dafür noch die passenden Architekten sucht, wird mit den Autoren des wirklich schönen Bildbands „Hohe Häuser – Vom Glück, in den Bergen zu wohnen“ fündig.

Doch wie geht man es an, wenn beim Blick auf den Kontoauszug keine vielstelligen schwarzen Zahlen zu sehen sind? Dann muss man improvisieren. Eventuell auch Ansprüche an den alltäglichen Komfort zurückschrauben. Sich womöglich von mancher althergebrachten Vorstellung und Konvention lösen. Zum Beispiel das Wohnen in der WG in Erwägung ziehen, auch wenn man die Studentenzeiten längst hinter sich hat. Das kann einerseits Einbußen in der Privatsphäre nach sich ziehen, andererseits aber massiv den sozialen Anschluss in der neuen Gegend fördern.

Ansonsten hilft nur ein Einkommen, für das du Vollzeit arbeiten musst. Dann hängt dein Wohnort aber wieder an der Arbeitsstelle, die wahrscheinlich nicht wirklich bergnah liegt. Und dann finden die Bergtouren wieder nur so oft statt und dauern nur so lang, wie der Job es erlaubt. So dreht sich der Kreis der Begrenzungen und man kann eigentlich auch gleich am alten Wohnort bleiben …

Da braucht man schon reichlich Glück, oder?“

Der Geldfluss ist also nicht alles. Im Gegenteil, wer weniger Geld hat, hat dafür vielleicht mehr Zeit, um zu recherchieren, Dinge herauszufinden, Kontakte zu knüpfen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Mit dieser Flexibilität kann man bei Bedarf auch den einen oder anderen Zusatz- oder Zwischenjob annehmen. So war ich in der neuen Heimat beispielsweise schon als Weihnachtsbaumverkäufer aktiv.

Wenn dann noch etwas Optimismus und Vertrauen hinzukommen, tauchen plötzlich günstige Gelegenheiten auf und es fliegen einem kleine Hilfen und Geschenke zu. Das durfte ich mehrfach erleben. Also ja, hier und da ist etwas Glück vonnöten. Falls partout nichts dergleichen passiert und sich trotz hartnäckiger Versuche nirgends eine Tür öffnet – nun, dann würde ich das irgendwann als „Hinweis des Universums“ betrachten, dass ich an der falschen Stelle nach den Goldnuggets grabe.

Neben schnödem Mammon und himmlischen Hinweisen ist auch die Bewegungsfreiheit hilfreich. Die hat man, wenn man nicht durch familiäre und soziale Bindungen an einem Ort gehalten wird. Oder wenn man es schafft, Beziehungspartner und Familienangehörige für das Leben am Berg zu begeistern. Dafür braucht man nur noch gute Antworten auf folgende weitere Einwände:

Aufs Land? Was willste denn in dem Provinzmief?“

Die einzigen Mittelstädte im deutschen Alpenraum mit jeweils knapp über 20.000 Einwohnern sind Garmisch Partenkirchen und Sonthofen. Ansonsten wohnt man in der gesamten Region ländlich, dörflich, höchstens kleinstädtisch. „Mein“ Ort Benediktbeuern hat knapp unter 4000 Einwohner und ist damit ein großes Dorf. Ein sehr schönes nebenbei bemerkt. Doch man könnte es auch als Kuhdorf bezeichnen, denn das Rindvieh ist hier nicht nur optisch präsent, sondern auch olfaktorisch. Ja, es riecht ab und zu a bissl zünftig, aber ist das wirklich ein Nachteil? Wenn ich an die Abgaswolken, den Urindunst und die Müllaromen lauschiger Großstadtwinkel denke, kommt mir das „Landparfüm“ eher angenehm vor. Erst recht, wenn es sich in der warmen Jahreszeit mit dem Holz und Harz der Wälder und diesem aromatischen Hauch der Wiesen, Moore und Blumen mischt. Also, der Provinzmief hat klar die Nase vorn.

Da ist doch nix los.“

Stimmt, das große Bespaßungsprogramm mit Multiplexkino, Oper und Vereinen für jedes Hobby gibts hier nicht. Aber auf den zweiten Blick kann man feststellen, dass auch in „kleinen Käffern“ manchmal mehr los ist, als es zunächst scheint. So beherbergt beispielsweise Benediktbeuern eine kleine aber waschechte Hochschule mit Studentenleben und Kulturangebot.

Und was, wenn dieses „nix los“ auch positive Seiten hat? Nämlich dass du, mit weniger Reizen, Informationen und Einflüssen beschossen, mehr zu dir selbst kommst? Ich für meinen Fall bin jedenfalls auch deshalb ein „Stadtflüchtling“, weil ich viele der Stadteindrücke zunehmend als überflüssiges Getöse empfunden habe. Was soll an 100.000 Autos pro Tag so besonders cool sein? Was soll ich mit wuselnden Fußgängermassen, wenn die Mehrheit davon eher mäßig gelaunt dreinschaut? Warum in Kneipen, Clubs oder Parks treffen, wenn auf dem Dorf fast jedeR einen Garten hat? Und dann hast du den Wald, die Wiese und die Natur nach fünf Gehminuten statt nach zwanzig S-Bahn-Stationen erreicht.

Da fährt doch kein Zug und nix.“

Apropos S-Bahn. Ja, auch das stimmt teilweise, hier auf dem Land gibt’s kein dichtes Öffi-Netz und es lebt niemand ohne Auto. Außer gewisse Zugezogene vielleicht, die meinen, mit schmalem Geldbeutel nach Oberbayern kommen zu können. Die sind dann halt nicht ganz so mobil. Jedenfalls war ich mein ganzes erstes Jahr über abgesehen vom Fahrrad „nicht mobil“. Das Problem löste ich aber, indem ich vom Fahrradverächter zum Fahrradverfechter wurde.

Abgesehen davon kommt die Bahn bei mir im Ort eben doch vorbei. Wenn auch die Anschlüsse in Oberbayern fast alle nur sternförmig nach München führen. Da musst du dann erstmal eine halbe Stunde in Gegenrichtung der Berge fahren, bevor du in Tutzing Richtung Wetterstein oder Karwendel umsteigen kannst. Trotzdem kommst du so mit diesem Werdenfelsticket für schlappe zweiundzwanzig Euro binnen eines Tages ins „richtige“ Hochgebirge rein und wieder zurück.

Die Schönheit ist doch bald nix Besonderes mehr.“

Ja, auch die schönsten Dinge nutzen sich irgendwann ab. Doch hier bei mir hat sich nach einem Jahr noch nichts abgenutzt. Das Tölzer Land, in dem ich gelandet bin, ist halt auch bekannt für außergewöhnliche Schönheit. Und für die Farben, denn es grenzt im Westen an das „Blaue Land“, das seit jeher Maler und Künstler anzieht. In der Tat erlebt man hier manchmal einen regelrechten Farbenrausch der Landschaft und des Himmels – auch ohne bewusstseinsverändernde Substanzen. Und es kommt noch besser: am Fuß der Berge genießt man die Vorteile zweier Welten. Die Weiten des Flachlands und die Höhen der Bergwelt treffen hier aufeinander. Und ganz nebenbei wimmelt es auch noch von schönen Seen.

Die Extramotivation für den Bergsport lässt doch irgendwann nach.“

Mein erstes Jahr im Oberbayrischen war mit den vielen Berg- und Wandertouren eine Art Dauerekstase, da ständig neue Blicke und Eindrücke auf mich einprasselten, die in ihrer Schönheit jede Erwartung übertrafen. Dann kam noch die „besondere Lage“ hinzu, die dazu führte, dass ich weniger Arbeit hatte und dafür mehr Muße für Berge, Touren und Exkursionen. Ab Spätherbst hat das Ganze nachgelassen, was aber nichts mit Abnutzungserscheinungen zu tun hatte. Im Gegenteil, jetzt kommt der Frühling und ich bin gespannter denn je auf’s neuerliche erkunden und durchstreifen der Bergwelt. Die unmittelbare Umgebung hat natürlich nicht mehr den aufregenden Reiz des Neuen, doch von „langweilig“ ist sie immer noch weit entfernt. Und da ich dieses Jahr mobilitätsmäßig „upgegradet“ bin, ist der Aktionsradius groß genug für weitere Neuentdeckungen.

Damit schalten wir endlich mal zu Bergfreund Jörn rüber, dem es in seiner Bergler-Zeit in Immenstadt während und nach der ersten Euphoriewelle folgendermaßen erging:

Ins Allgäu ziehen! Mensch, das war damals 2012 ein echter Traum, der da in Erfüllung ging. Ich hatte gerade meine Liebe zu den Bergen entdeckt und quasi nur Trailrunning im Kopf. Nach einigen kleineren Startschwierigkeiten unter anderem hatte ich mich bei knapp einem halben Meter Neuschnee im Immenstädter Hinterland etwas verfranzt liefs dann aber schnell rund. Ich hatte eine großartige 16km-Hausrunde zu einem kleinen, vorgelagerten Berg in der Nähe des Grünten und genoss die neugewonnen „Bergheit“ in vollen Zügen.

Die Wochen vergingen und ich lernte immer mehr von meiner neuen Heimat kennen. Doch wie es immer ist, wenn man nicht aufpasst: Dinge werden selbstverständlich. Und dann ist da ja noch der Alltag. Samstags runter nach Oberstdorf für ne Bergtour? Puh, die Wohnung muss eigentlich mal wieder geputzt werden. Und der Kühlschrank schreit auch vor gähnender Leere.

Rückblickend sage ich heute immer, dass ich in den eineinhalb Jahren, die ich im Allgäu gelebt habe, weniger in den Bergen war, als in der Zeit danach. Sicher nur eine gefühlte Wahrheit, aber für mich sind die Berge so nach wie vor etwas ganz besonderes.

Das stimmt, heiße Ware wird durch Verknappung irgendwie noch heißer. Aber Jörns „Strategie“ war auch anderen Umständen geschuldet:

Meine damalige Freundin hatte Schichtdienst, da war dann Wochenends oft kein Auto da. Und ich hatte zu der Zeit nur ein sehr teures Rennrad, dass ich nicht am Fuße des Berges stehen lassen wollte. Dann kam noch sowas wie Bequemlichkeit dazu, was am Ende dazu geführt hat, dass mein Aktionsradius eher bei den näheren Hügel rund um den Großen Alpsee lag als bei den weiter entfernten, hohen Berge um Oberstdorf. Aber wie gesagt: Jetzt genieße ich die Aufenthalte umso mehr!

An diesem Punkt kann man tatsächlich skeptisch werden, denn der Reiz des Unbekannten kann jederzeit verfliegen. Das spricht aber nicht grundsätzlich gegen den Wohnsitz am Berg, sondern nur dafür, die Sache gut zu überdenken und genau nachzufühlen, was man wirklich will.

Also nochmal: lohnt es sich?“

Was mich angeht: ja, es lohnt sich, aber sowas von! Nach einem Jahr finde ich nach wie vor keinen Grund, der rückwirkend gegen meine Ortsveränderung oder für einen Verbleib an alter Stätte sprechen würde. Und auch was die weiteren „Langzeitfolgen“ angeht, halte ich mein „Experiment Bergwohnen“ für relativ ungefährlich …

Abschließen möchte ich mit einer Einladung zum Austausch. Falls sich hier unter den Lesern andere Zum-Berg-Gezogene befinden, oder vielleicht gar „alte Hasen“ dabei sind, die schon lange „an der Quelle“ wohnen: Lasst gerne eure Kommentare mit Eindrücken und Erfahrungen da. Auch potentielle Nachahmer, die über eine ähnliche Luftveränderung nachdenken, können sich gerne melden. Vielleicht ergibt sich daraus noch die eine oder andere spannende Anregung …

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Bergfreund Stephan

Bergfreund Stephan

Bisher keine Kommentare

  1. mein Mann und ich sind Rentner, wollen unsere kleine Firma schließen und da Berbegeistert, hauptsächlich im Winter, möchten gerne zu den Bergen direkt, wo halt die Anfahrtswege möglichst kurz sind oder vielleicht mit einem Bus kurz fahren. Wir suchen schon lange und finden einfach nichts bezahlbares. Drei-vier Zimmer oder Haus, ganz egal zum mieten, nur kaufen wollen wir nichts mehr. wenn einer etwas hört sagt doch bitte Bescheid! Danke und weiterhin viel Freude in den Bergen

  2. Servus beisammen,

    habe den Bericht und die Kommentare jetzt aufmerksam gelesen und bin ganz interessiert. Meine Freundin und ich wollen in den nächsten Monaten auch den Schritt näher an die Berge wagen. Für uns ist auf Grund der Anbindung die Region Rosenheim, insbesondere das Inntal recht passend.

    Jetzt würde mich brennend interessieren, ob welche von euch auch dort hingezogen sind und wie es gefällt?

    Ich glaube wenn man offen auf die Leute zugeht hat man auch keine Schwierigkeiten mit dem Anschluss. Dennoch wäre es ganz cool auch Kontakt zu Gleichgesinnten zu bekommen. Gibt es Möglichkeiten sich irgendwie zu connecten? Wer wohnt auch in der Region Rosenheim / Inntal?

    Viele Grüße
    Jan

  3. Hallo liebe Berg Verrückten
    Hallo Stephan

    Sehr schöner Bericht, was uns noch mal stärkt an die Berge zu ziehen.
    Aber mal von Vorne,
    Ich Marc habe schon als kleines Kind viele Jahre Urlaub in den Bergen Traunstein gemacht und habe mich nie satt sehen können von der schönen Natur, den guten Luft, der vielen Tiere, die Tradition, die Gelassenheit mir fällt noch viel mehr ein. Momentan wohnen wir in der nähe von Köln, zwar im Bergischen aber kein Vergleich zu den Bergen.
    Seit ein paar Jahren machen wir jedes Jahr Urlaub in Tirol in den Bergen, und meine ganze Familie, Frau ich und meine 2 Kids 5 & 6 lieben einfach die Berge.
    Wir sind da noch flexibel was den Wohnort angeht, halten gerade Ausschau nach neuen Arbeitsstellen, was im Öffentlichen Dienst ja nicht so einfach ist.
    Wir würden gerne in ein kleines Dörfchen im Allgäu, wo nicht so viel Trubel bzw. Touristen sind wie zb. Garmisch.
    Wir möchten unseren Kindern einfach ein schönes Leben bieten und nicht wie hier den Dunst von der Industrie bieten mal spitz gesagt.
    Uns ist bewusst, das es nicht einfach wird und wohl auch die ein oder andere Träne fließen wird, weil wir hier auch viel aufgeben werden, wir möchten einfach unser ganzes Leben umkrempeln und hoffen für uns und vor allem für die Kinder auf ein besseres vielleicht sogar entspannteres Leben, wo man schnell Anschluss findet.

  4. Lieber Stephan und alle anderen Interessierten,

    viel Freude bei der Wohnungssuche. Denn hier gibt es kaum welche. Sie sind teuer und „mal n Haus kaufen bzw bauen“ – dafür muss man im Schnitt Minimum 700.00 Euro ausgeben. Wenn man überhaupt eins bekommt. (Ich rede von dem benannten Sonthofen und Umkreis)
    Unser Allgäu ist schön, wunderschön. Und was uns Allgäuer ausmacht, ist die Tradition, über viele Generationen, die Natur zu bewahren und dankbar dafür zu sein. Die meisten von uns denken in die Zukunft, denn auch unsere Kinder usw wollen hier weiterleben. Ich denke, das ist der Ehrenkodex, ohne ihn kein „Willkommen“ von echten Eingesessenen, mit ihm ein „Öffnen von Türen“.
    Viel Glück jedem und denkt dran, die Natur und die Berge so zu verlassen, wie ihr sie auffindet!
    Viele Grüße! Ps: aber auch an anderen Orten, wo ihr wohnt, ist es sehr schön!:)

  5. Hey Stephan,

    kann dir mit deinem Beitrag nur Recht geben und hatte des Öfteren ein Schmunzeln im Gesicht.
    Lebe nun seit 5 Jahren in Kochel und kann mir nichts schöneres vorstellen als hier “draußen” zu wohnen.
    Man könnte sogar sagen es hat mich und mein Leben sehr stark geprägt, ja fast schon geheilt.
    Auch nach 5 Jahren noch keine Spur von Langeweile, eher motivierter denn je und mindestens 4 mal wöchentlich in den Bergen.

    Mit offenen Augen durch die Welt gehen bekommt hier eine ganz andere Bedeutung, die Schönheit die man hier entdeckt, ist immer wieder aufs neue Balsam für die Seele. Viele meiner Freunde aus der alten Heimat kamen mir mit dem Argumenten, welche du bereits angesprochen hast und ich muss tatsächlich sagen, ich bin weder stumpf, noch ist es Gewohnheit. Jeden Tag wenn ich das Haus verlasse, atme ich einmal tief durch und freue mich, in so einer tollen Gegend wohnen zu dürfen. Neben anfänglichen Schwierigkeiten habe ich nun tatsächlich alles was ich benötige, ein kleines Haus auf einem Bauernhof, total bezahlbar mit super netten Menschen um mich herum.

  6. Ich bin vor über 12 Jahren aus Augsburg ins wunderschöne Allgäu gezogen. Ich freue mich immer noch jeden Tag über meinen Bergblick. In 10min sind wir am nächsten Skilift, da wird hier auch unter der Woche noch Abends Skifahren gegangen und am Wochenende, wenn dann die (Tages-)Touristen kommen, schnallen wir auch schon mal gegen 11Uhr die Ski wieder ab und gehen einkehren, da es (uns) dann auf der Piste zu voll wird. Bei nur wenigen Minuten Anfahrt und Jahres-/ Saisonkarten (für u.a. die Allgäuer-, Tannheimer Berge) reichen 2-3h fahren auch aus. Der Einstieg in die Loipe geht fast vor der Haustür. Wir sind jedes Wochenende in den Bergen unterwegs (zu Fuß, mit dem Rad, an den vielen Seen,…). Im letzten Frühjahr mit Corona habe ich wieder festgestellt, dass wir hier wirklich im Luxus (bzgl. Natur, Freizeit, etc.) leben. Wir haben den Lockdown fast schon genossen 😉
    Als “Zugereiste” bin ich hier mittlerweile voll integriert, war anfangs nicht ganz einfach, aber durch die vielen Vereine ging es dann ziemlich gut. Man muss selbst aber offen sein, anfangs war es schon etwas befremdlich, wenn einen jeder kennt, duzt,… aus der Stadt war ich eine gewisse Anonymität gewohnt.
    Mit der Arbeit hatte ich auch noch nie ein Problem, gibt auch hier gute Jobs bei vernünftigen Geld.
    Ich besuche noch gerne meine Familie in der Stadt, freue mich aber immer wieder wenn es dann nach Hause geht. In der Großstadt leben kann ich mir gar nicht mehr vorstellen.

  7. Letztlich muss das jeder für sich entscheiden, ich kann aber dazu einige Fakten liefern:

    Früher habe ich im Harz gewohnt, und bin jeden Winter und fast jeden Sommer in die „richtigen Berge” gefahren. D. h. nicht, dass der Harz nicht schön ist.

    Von dort bin ich dann nach München Nord gezogen und da sind die Berge deutlich näher. Aber wenn man in München Nord wohnt, muss man am Wochenende ca. 1 Stunde morgens und abends dazu addieren, die man braucht, um die diversen Staus hinter sich zu lassen.

    Seit vielen Jahren wohne ich in München Süd, und spare diese Stunde, allerdings ist man immer dann unterwegs, wenn auch die anderen unterwegs sind und der Verkehr nervt. Wenn man über ein Wochenende irgendwohin fahren will, ist es im Sommer schwierig und im Winter fast unmöglich, ein Zimmer nur für ein oder zwei Tage zu finden.

    Die Lösung war, was sich natürlich nur wenige leisten können, ich habe ein Haus in den Tiroler Bergen gekauft. Man fährt freitags hin und am Montag zurück und muss keine Koffer packen. Und natürlich verbringt man ein Großteil der Ferien dort.

    Aus dieser Erfahrung heraus einige Antworten: jeden Morgen die Berge zu sehen, wird nie langweilig, wer dies nicht glaubt soll die Einheimischen fragen. Es ist auch nicht langweilig immer am gleichen Ort zu sein, man kann genauso wie von München aus eine Stunde mit dem Auto fahren und ist in einer ganz anderen Gegend.

    Ob man mit den Einheimischen Kontakt bekommt und wie innig der ist, liegt weniger an den Einheimischen, sondern an einem selbst. Viele „Zugereiste“ sind in den örtlichen Vereinen etc. genauso integriert, wie die Einheimischen.

    Das eigentliche Problem: die finanzielle Frage. Dass die Berge von München Süd weniger weit entfernt sind als von München Nord wissen alle, und das sieht man an den Immobilienpreisen, egal ob man mieten oder kaufen will. Generell sind die Lebenshaltungskosten im Großraum München viel höher als anderswo, nicht nur die Miete ist teurer. Dafür gibt es im Großraum München viele sehr gut bezahlte Arbeitsplätze, üblicherweise verdient man in München einen Zuschlag, weil die Arbeitgeber sonst Schwierigkeiten haben, gute Leute zu finden. Und ein Haus oder eine Wohnung in den Bergen, ganz egal wo, ist heute sehr viel teurer als vor 20 Jahren. Oder die Kurzzusammenfassung, gleichzeitig der Titel eines bekannten Buches: “There is no such thing like a free lunch.”

  8. Hallo
    Bericht mit klarem Blick , der die Sehnsucht weckt. Ich war einige Jahre schon nah dran, an den Bergen ( Unterhaching ) . Es waren die Besten Jahre.
    Bin dann an die Nordsee . Für mich stellt sich die Frage soll ich mit ende 50 zig wieder zurück . Kann man, wenn man etwas älter ist, wieder Füß fassen und als nicht Einheimischer , in einem Dorf/Kleinstadt nah den Bergen , gut alt werden ? Wie es auch werden wird ,ich war nah dran , an den BERGEN. :-))

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Bergfreundin Franziska Schrade

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