Mit dem Wohnmobil frei stehen – Eine Reise durch die (verwirrende) Gesetzeslage Europas

26. September 2018

Neulich kam mir eine Idee: Warum nicht einfach mal den Camper packen und einmal quer durch Europa fahren? Einfach mal losziehen und dort bleiben, wo es mir gerade passt oder gefällt. Die Idee ist ja generell nicht schlecht, nur sollte man dabei einiges beachten, denn nicht überall in Europa kann man sich mit dem Camper oder Wohnmobil einfach so an den Straßenrand oder auf den nächstbesten Parkplatz stellen. In einigen Ländern ist das gänzlich verboten, in anderen gibt es strenge Regeln und in wieder anderen gibt es zeitliche oder regionale Einschränkungen. Bringen wir also ein wenig Licht ins Dunkel und teilen wir Europa!

Bevor es losgeht noch eine Anmerkung: Die Regelungen für die Wohnmobilstellplätze innerhalb Europas sind teilweise sehr komplex und unübersichtlich. Dieser Blogbeitrag dient nur dazu eine grobe Übersicht über die einzelnen Länder zu geben. Oft greifen aber auch Regelungen, die sich nur auf eine kleine Region, eine Gemeinde oder eine bestimmte Jahreszeit beziehen. Geht also bei diesem Beitrag nicht komplett von Vollständigkeit aus und checkt nochmals vor eurem Trip wie die genauen Regeln in der jeweiligen Region sind.

So, genug geredet, jetzt geht’s los:

Bad news first – Hier ist Wildcampen auch mit dem Wohnmobil verboten

Alles in das Wohnmobil gepackt und los geht die Reise quer durch Europa.

Warum nicht einfach mal den Camper packen und einmal quer durch Europa fahren? – Genau das hat sich unser Autor gefragt.

In vielen Ländern Europas ist das freie Stehen leider streng untersagt. Dies hat viele unterschiedliche Gründe, die nicht immer einer Logik unterliegen. Grundsätzlich sollte man sich hier jedoch an die Verbote halten, da das Missachten sonst (und gerade in Ferienregionen) zu teuren Bußgeldern führen kann. Außerdem trägt es vermutlich nicht gerade zur Erholung bei, wenn man mitten in der Nacht von einer Polizeistreife geweckt und dazu aufgefordert wird weiterzufahren oder einen Campingplatz aufzusuchen.

Dennoch gibt es in den meisten Ländern aber auch gute Alternativen zu herkömmlichen Campingplätzen. Vielerorts haben Kommunen Stellplätze ausgewiesen. Hierbei handelt es sich zumeist um günstig gelegene Parkplätze, auf denen das Stehen für eine Nacht erlaubt ist. Wer jedoch auf Stellplätzen übernachten will, sollte sich vorab informieren, welche Einrichtungen (Strom, Sanitär etc.) dort vorhanden sind und welche grundsätzlichen Verhaltensregeln gelten. Beispielsweise ist es oft nicht gestattet Stühle aufzustellen oder die Markise auszufahren.

Eine weitere Alternative kann in manchen Ländern das Stehen auf Privatgrund sein. Wer also den Kontakt zur einheimischen Bevölkerung nicht scheut und ein bisschen diplomatisches Geschick mitbringt, hat vielleicht die Chance ab und an einen Landwirt oder Grundbesitzer für das Wildcampen auf seinem Grund und Boden zu überreden. Doch auch hier sei aufgepasst, denn in manchen Staaten ist selbst das Übernachten im Wohnwagen oder Wohnmobil nicht erlaubt.

Niederlande und Luxemburg

Mein erster Gedanke hierzu war: „Das kann ja nicht sein!“ Ich meine, die Niederlande sind ja das Campingland schlechthin. Aber in der Realität sieht es leider so aus, dass dort die Regeln sehr streng sind. Frei stehen wird in den Niederlanden nicht selten mit empfindlichen Strafen geahndet. Auch in Luxemburg sieht es leider nicht anders aus, sodass hier guten Gewissens nur der Campingplatz oder ein offiziell ausgewiesener Stellplatz bleibt.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist das freie Stehen de facto unzulässig. Zwar mag es hier regionale Unterschiede bezüglich der genauen Gesetzeslage und deren Durchsetzung geben, dennoch ist und bleibt das freie Stehen untersagt. Um diesem Verbot zusätzlichen Nachdruck zu verleihen stehen an wirklich nahezu jedem Parkplatz Schilder, die das Abstellen von Wohnmobilen in der Nachtzeit verbieten. Einen Lichtblick gibt es allerdings: Die Schweiz verfügt über zahlreiche gute Stellplätze, die nicht nur schön gelegen, sondern auch erstaunlich günstig im Preis sind.

Tschechien

In Tschechein gibt es leider keine genaue Gesetzgebung, die das Übernachten im Fahrzeug regelt. Grundsätzlich ist das Campen dort jedoch nur auf dafür vorgesehenen Camping- oder Stellplätzen erlaubt, was also im Umkehrschluss das Wildcampen verbietet (auch wenn es hierzu keinen eigenen Gesetzestext gibt). Diese Regelung schließt auch das freie Stehen mit dem Wohnmobil ein.

Wer lediglich auf der Durchreise ist und schnell mal eine Nacht im Auto (je kleiner und unauffälliger das Womo desto besser) übernachten möchte, der kann evtl. mit der rechtlichen Grauzone „der Übermüdung“ bzw. „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ durchkommen. Dies sollte allerdings wirklich nur als Notlösung gesehen werden und ist keine Garantie dafür, dass die Polizei nicht mitten in der Nacht mal vorbeischaut und fragt was los ist.

Iberische Halbinsel

Vielerorts ist das Wildcampen mit dem Wohnmobil verboten.

Mit dem Camper jeden Morgen an einem anderen wunderschönen Ort aufwachen. Aber das ist nicht überall so leicht.

In Spanien ist das Wildcampen bzw. das freie Stehen mit dem Wohnmobil grundsätzlich verboten. Allerdings gibt es keine landesweit einheitliche Regelung, wodurch die genaue Gesetzeslage sehr unübersichtlich ist. In manchen Landesteilen ist sogar das Campen auf Privatgrund untersagt, selbst wenn man die Einwilligung des Eigentümers nachweisen kann. In anderen Landesteilen wiederum wird das Wildcampingverbot ein wenig lockerer gesehen. Grundsätzlich sollte man in Spanien jedoch offizielle Stell- oder Campingplätze aufsuchen. Bei den Stellplätzen ist es außerdem wichtig auf die jeweils geltenden Ver- und Gebote zu achten, da auch hier ein Verstoß zu Strafen führen kann.

Ähnlich wie in Spanien sieht es in Portugal aus. Auch hier ist das freie Stehen grundsätzlich nicht erlaubt. Stattdessen kann man dort auf ein sehr gutes Netz an Stell- und Campingplätzen zurückgreifen.
Eine Übersicht über die Plätze und deren Ausstattung erhaltet ihr auf der Website von Turismo de Portugal.

Balkan

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass das freie Stehen und das Wildcampen jeglicher Art auf dem Balkan verboten ist. Dennoch hat jedes Land seine eigenen Gesetze, die sich mancherorts sogar von Region zu Region unterscheiden. Was wo gerade wie gilt ist dabei für Außenstehende oft nicht zu durchschauen. In  Griechenland, Rumänien, Serbien, Slowenien und Ungarn sollte man sich daher auf jeden Fall nach einem Stell- oder Campingplatz umschauen. Ansonsten wäre auch das Stehen auf Privatgrund mit Einwilligung des Eigentümers eine Option.

Wer sich jetzt bereits dachte: „Verdammt, das sind aber viele Länder mit strengen Regeln.“, dem sei gesagt, es geht noch schlimmer. In Bulgarien und Kroatien ist nicht nur das freie Stehen untersagt, auch auf Privatgrund darf nicht im Camper, Wohnmobil oder Wohnwagen übernachtet werden. Das heißt, selbst wenn ihr auf eine gastfreundliche Bevölkerung trefft und beispielsweise ein Landwirt euch die Erlaubnis gibt, dass ihr auf seiner Wiese eine Nacht stehen dürft, bleibt das Kampieren an sich illegal und kann dazu führen, dass ihr nachts unsanft von der Polizei geweckt werdet.

Ja, nein, vielleicht – In diesen Ländern ist frei stehen möglich

Es gibt Länder in denen das freie Stehen weder richtig erlaubt, noch richtig verboten ist. Manche Staaten erlauben das freie Stehen grundsätzlich, schränken es dann aber mit regionalen oder kommunalen Verboten wieder stark ein. Andere verbieten das freie Stehen per Gesetz, verfolgen es aber nicht und tolerieren somit das eigentlich illegale Verhalten.

Ganz wichtig ist dabei jedoch: Wenn ihr in diesen Ländern frei stehen wollt, dann macht das möglichst unauffällig. Damit meine ich jetzt nicht, irgendwo versteckt hinter einem möglichst dicken Gebüsch, sondern vielmehr, dass ihr euch tadellos verhaltet. Lasst also keinen Müll zurück, blockiert mit eurem Wohnmobil nicht unnötig viele Parkplätze, nur weil es dann schöner steht und haltet euch auch mit lauter Musik etc. zurück. Denn eines sollte man sich immer vor Augen halten: Man ist hier oftmals nur geduldet und eine wohlgemeinte Geste schlägt schnell ins Gegenteil um wenn sie missbraucht wird.

Die meisten Länder und Kommunen haben öffentliche Campingplätze ausgeschrieben.

Meistens sind die erlaubten Campingplätze mit Schildern ausgeschrieben. Orientiert man sich an diesen, sollte rechtlich gesehen eigentlich nichts schief gehen.

Island

Auf Island ist das Wildcampen, sowie das freie Stehen mit dem Wohnmobil offiziell verboten. Dieses Verbot wird jedoch oft nicht verfolgt oder anders ausgedrückt: das freie Stehen wird für eine Nacht toleriert. Aufpassen sollte man jedoch in stark touristischen Regionen. Hier kann es nämlich durchaus sein, dass die örtlichen Behörden strenger auf die Einhaltung des Verbots achten. Auch ist das freie Stehen in Nationalparks und Naturschutzgebieten strikt untersagt und wird dort nicht einmal für eine Nacht toleriert.

Frankreich

In Frankreich ist die Gesetzeslage leider total verwirrend. Hier hat nahezu jeder Ort seine eigene Regelung was das Wildcampen bzw. freie Stehen betrifft. Das heißt grundsätzlich: Erst einmal ist das Wildcampen nicht grundsätzlich verboten, aber jede Gemeinde legt selber fest, wie sie mit diesem Thema umgeht. Auch kann jede Gemeinde spezielle Plätze, Orte oder Areale ausweisen, an denen das Campen erlaubt ist. Nicht selten sind dies größere Parkplätze oder eben der örtliche Camping Municipal. Verboten ist das Campen allerdings in Naturschutzgebieten und in der unmittelbaren Nähe zu Quellen, Sehenswürdigkeiten und Denkmälern.

Großbritannien

Während in Schottland freies Stehen vielerorts möglich ist, gelten für England und Wales andere Bestimmungen. Also ist es wichtig die regionalen Unterschiede für Großbritannien zu kennen. Für Schottland gilt: wer einen angemessenen Abstand (von rund 15-20 Meter) zu öffentlichen Straßen einhält, niemanden stört oder behindert und sich (sofern erforderlich) das OK des Landbesitzers eingeholt hat, ist hier absolut auf der sicheren Seite.

In England und Wales sind die Regeln strenger. Viele Parkplätze sind mit Schildern ausgestattet, die das Stehen über Nacht ausdrücklich verbieten. Wer hier dennoch stehen bleibt, der muss damit rechnen von den örtlichen Ordnungshütern angesprochen zu werden. Hat man allerdings die Erlaubnis des Besitzers auf dessen Privatgrund zu kampieren, sollte eigentlich alles in Ordnung sein.

Österreich

Ähnlich wie in Frankreich kochen auch in Österreich die Gemeinden und Kommunen oftmals ihr eigenes Süppchen. Eine allgemein gültige Regelung gibt es somit leider nicht. Je nach Gebiet wird das Stehen für eine Nacht toleriert. In den Regionen Tirol und Wien ist das Wild campen jedoch flächendeckend untersagt. Wie es sich mit den jeweiligen Bestimmungen genau verhält, erfragt man am besten vor Ort. In Österreich gibt es auch zwei große Campingclubs, die hierfür Aufschluss geben können.

Juhu, es gibt sie noch! – Diese Länder lassen das freie Stehen zu

Gleich vorab: Die Tatsache, dass freies Stehen erlaubt oder zumindest nicht verboten ist, heißt nicht, dass man hier tun und lassen kann was man will. Nichts kaputt machen, keinen Müll hinterlassen, niemanden stören und sich unauffällig verhalten sind dabei nur die Grundregeln, an die man sich eigentlich ohnehin immer halten sollte. Darüber hinaus gelten in vielen Ländern zusätzliche Bestimmungen, die das freie Stehen betreffen.

Belgien, Italien, Dänemark und Deutschland

Eine „Fahrtunterbrechung

Vielerorts wird das freie Stehen nur als „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“. Deshalb sollte man nicht den Eindruck erwecken, dass man dort langfristig campen möchte.

In Deutschland, wie in Dänemark gelten in etwa die gleichen Regeln. Für eine Nacht, darf man überall dort, wo es nicht ausdrücklich verboten ist für eine Nacht (und nicht länger) mit dem Wohnmobil stehen bleiben. Wer dies tut, sollte sich jedoch der genauen Gesetzeslage bewusst sein, denn diese „Fahrtunterbrechung“ dient offiziell der „Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“. Konkret: Wer sich zu müde fühlt weiterzufahren darf, egal zu welcher Uhrzeit, auf einem geeigneten Parkplatz stehen bleiben und sich so lange ausruhen, bis er wieder weiterfahren kann.

Schwierig ist es freilich immer abzugrenzen, wo „die Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit“ aufhört und wo „Camping“ anfängt. Macht man von dieser Regelung Gebrauch, sollte man auf keinen Fall Stühle rausstellen, die Markise ausfahren, großartig Grillen oder dergleichen anfangen. Auch empfiehlt es sich möglichst spät „anzureisen“ und am nächsten Tag zeitig weiterzufahren. In der Regel wird eine Standzeit von nicht länger als 10 Stunden angenommen. Wer also beispielsweise auf der Durchreise ist oder ein, zwei Tage in Gebieten verbringen will, in denen die offiziellen Campingplätze ungeschickt liegen, wird mit dieser Regelung sicherlich gut klarkommen.

Diese Regelung gilt grundsätzlich auch für Belgien bzw. Italien. Leider sieht es in der Realität aber so aus, dass viele Parkplätze mit entsprechenden Verbotsschildern versehen sind. In Italien ist dies vor allem in stark touristischen Regionen der Fall. Auch gibt es hier nicht selten Zufahrtsverbote für Wohnmobile.

Norwegen und Schweden

Auch in Schweden und Norwegen unterliegt das freie Stehen gewissen Bedingungen und sollte keinesfalls mit dem weithin bekannten ‚Jedermannsrecht‘ gleichgesetzt werden. Das Übernachten an einem Ort außerhalb eines offiziellen Camping- oder Stellplatzes ist generell auf eine Nacht beschränkt. Auch dürfen Waldwege, wegloses Gelände oder Naturschutzgebiete nicht befahren werden. In vielen Orten gibt es außerdem regionale Regelungen und Verbote. Wer sich aber abseits von besiedelten Flächen in Straßennähe so aufstellt, dass er niemanden behindert und auch den Untergrund nicht beschädigt, kann hier problemlos für eine Nacht mit dem Wohnmobil campiert werden.

Fazit

Für viele Länder ist es schwierig klare und allgemein gültige Aussagen zu treffen. Wenn ihr euch nicht sicher seid welche Regelung für euer Urlaubsland oder eure Region gilt, helfen oft die Tourismusverbände der einzelnen Länder weiter. Auch beim ADAC gibt es diesbezüglich zahlreiche nützliche Informationen.

Doch egal welche örtlichen Regeln gelten, eines gilt auf alle Fälle immer: Müll mitnehmen und niemanden belästigen oder behindern. Denn wer in fremden Ländern unterwegs ist, hat meist mehr vom Urlaub, wenn er sich mit den Einheimischen gutstellen kann. Und auf diese Weise hat es auch schon manchmal geklappt, dass nach einem Einkauf von Obst, Gemüse oder Wein beim regionalen Erzeuger, die Campingerlaubnis auf dem Grundstück erteilt wurde.

Falls euch das Reisen mit dem Wohnmobil nun allerdings ein bisschen zu heikel erscheint und ihr somit noch abwägt auf das Zelt umzusteigen, leiten wir euch dafür gerne an den entsprechenden Artikel über das Wildcampen mit Zelt weiter. In diesem Sinne „on the road again“…

 

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