Temperatur Schlafsack. Foto: Haglöfs

Temperaturangaben bei Schlafsäcken? Was bedeuten sie wirklich?

12. Dezember 2014

Schlafsack Kaufberatung

Schlafsack Kaufberatung

Du hast auf der letzten Trekkingtour im späten August auf dem Kungsleden gefroren wie ein Schneider, obwohl Dein Schlafsack doch eine Limit-Angabe von 0°C hat? Das sollte doch locker für einstellige Temperaturen in der Nacht reichen, oder etwa nicht?

Das ist eine gute Frage, denn die Temperaturangaben, welche die Hersteller angeben, können schon ein wenig verwirrend sein.

Hier findest Du eine kleine, feine Einleitung in das Wirrwarr der Temperaturangaben bei Schlafsäcken.

 

Grundsätzlich von Vorteil ist es aber, dass wir ja das wunderschöne Europa unsere Heimat nennen. Als Teil von Europa ist Deutschland nicht nur ein Land mit vielen wunderschönen Outdoor-Spots, nein auch ein Land mit vielen praktischen Normen, die uns den Alltag oft erleichtern und so einen prima Leitfaden für alle möglichen Dinge an die Hand geben. So natürlich auch in diesem Fall: einige pfiffige Leute und Prüflabore haben zusammen die EN 13537 entwickelt. Diese legt die „Anforderungen an Schlafsäcke“ für Sport- und Freizeitaktivitäten hinsichtlich verschiedenster Kriterien fest, unter anderem regelt diese Norm auch, wie die Temperaturen angegeben werden müssen und wie die Angaben überhaupt zu Stande kommen. So kann man einfach und bequem die verschiedenen Schlafsäcke anhand der Temperaturangaben miteinander vergleichen.

Allerdings gilt die Norm nicht für Expeditions- oder Militärschlafsäcke, ebenso sind Kinderschlafsäcke ausgenommen. Dort gelten andere Anforderungen, die über das Standard-Verfahren nicht zu ermitteln sind.

Wie wird gemessen? Die Theorie!

Was bedeuten die Temperaturangaben bei Schlafsäcken

Was bedeuten die Temperaturangaben bei Schlafsäcken

Jetzt wird’s technisch, aber ohne geht’s halt auch nicht, wenn man vergleichbare Werte erhalten möchte! Bei der Messung im Labor wird eine Lebensgroße Glieder-Puppe verwendet, die dem Norm-Mann (25 Jahre alt; 70 kg schwer; 1,73 m groß) und der Norm-Frau (25 Jahre alt; 60 kg schwer; 1,60 m groß) entsprechen soll. Diese liegt auf einer Isomatte in einer Klimakammer mit einer standardisierten Umgebung. Die Puppe ist mit einer Unterwäsche und einer Mütze bekleidet und wird auf Körpertemperatur erwärmt. Nun werden mit verschiedenen Sensoren an unterschiedlichen Punkten Temperaturen gemessen und anhand derer wird die Wärmeisolation ermittelt. Daraus werden dann vier Angaben abgeleitet.

  • Der obere Grenzbereich (T max): Dieser Wert wird so gut wie nie angegeben, gibt er doch den Wert an, bei dem ein Mensch anfängt zu schwitzen, und dann öffnet man den Schlafsack in der Regel sowieso. Also ein eher praxisferner Wert.
  • Der Komfortbereich (T comf): Dieser Wert gibt immer den Temperaturwert an, bei dem die Norm-Frau gerade noch nicht friert und so komfortabel im Schlafsack schläft.
  • Der untere Grenzbereich (T lim): Bis zu dieser Temperatur schläft der Norm-Mann noch im Schlafsack, ohne groß zu frieren.
  • Der extrem Bereich (T ext): Bei diesem Wert geht es für die Norm-Frau nur noch ums Überleben, die Temperatur ist nur sehr eingeschränkt auszuhalten und die Gefahr zu unterkühlen ist hier als sehr hoch einzuschätzen.

Das Ganze kann ziemlich verwirrend sein, da die Norm-Werte sich je nach Wert an der Frau oder an dem Mann orientieren. Daher haben einige Hersteller angefangen, separate Werte für Frauen und Männer in ihren Datenblättern und auf ihren Internetseiten anzugeben.

Und wie sieht es im wirklichen Tour-Alltag fernab des Labors aus?

Auf was ist zu achten, um keine unangenehmen Überraschungen oder kalte Nächte ohne Schlaf zu erleben?

Auf was ist zu achten, um keine unangenehmen Überraschungen oder kalte Nächte ohne Schlaf zu erleben?

Zwischen Theorie und Praxis besteht wie so oft ein Unterschied, aber irgendwie muss man ja die Schlafsäcke vergleichen können. Als verlässliche Temperaturangabe kommt daher eigentlich nur der Komfortbereich (T comf) in Frage – dies ist der Wert, an dem man sich, egal ob Frau oder Mann, bei der Auswahl seines Schlafsacks stets orientieren sollte, wenn man keine unangenehmen Überraschungen und zu kalte Nächte ohne Schlaf erleben möchte. Allerdings kann man auch mit diesem Wert nur eine grobe Vorauswahl treffen, es gibt einfach zu viele verschiedene Faktoren, die den Schlafkomfort und die (erreichbaren) Temperaturangaben beeinflussen können. Angefangen von der Form des Schlafsacks über die Verwendung eines Inletts bis hin zur körperlichen Verfassung auf der jeweiligen Tour – all diese Dinge haben einen Einfluss auf das subjektive Temperaturempfinden im Schlafsack.

Füllung, Unterlage und Pflege – der entscheidende Beitrag zur Temperatur

Für Einsätze im winterlichen Hochgebirge - der VBL Linerbag UL von Exped

Für Einsätze im winterlichen Hochgebirge – der VBL Linerbag UL von Exped

Natürlich kann auch die Art der Füllung einen Einfluss auf die Temperaturangaben haben, nur nicht auf die genormten Labor-Angaben, da sollen ja alle erzielten Ergebnisse miteinander vergleichbar sein. Aber wer zum Beispiel schon mal auf einer Wintertour war und einen Daunenschlafsack dabei hatte, wird ganz sicher schnell merken, dass die Füllung und deren Verhalten bei unterschiedlichen Verhältnissen einen großen Einfluss haben. Zum Beispiel können Kondensfeuchtigkeit im Zelt und Schweiß im Schlaf der Daune arg zusetzen – sie verklumpt und kann dann nicht mehr so optimal wärmen. Da empfiehlt sich dann die Verwendung eines Vapour Barrier Line oder kurz VBL Sacks. Das ist dann der Praxisbezug, den das Labor nicht messen und der auch von keinem Hersteller angegeben werden kann.

Nicht nur auf den Schlafkomfort, auch auf den Temperaturbereich hat die verwendete Isomatte ebenfalls einen großen Einfluss. Alles was man dazu wissen sollte, kann man bequem hier nachlesen. Je nachdem wie gut die Unterlage isoliert, ist auch das Temperaturempfinden höher oder niedriger.

Auch die richtige Pflege und Lagerung hat einen Einfluss auf die Wärmeleistung eines Schlafsacks. Wieso sollte das auch anders sein, als bei all der anderen Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung? Wie man sich um seinen Schlafsack kümmert, um möglichst lange etwas davon zu haben, das haben wir hier an dieser Stelle zusammengefasst.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Armin Vittorelli sagte am 15. November 2015 um 11:37 Uhr

    Frage bitte:
    Schlafsack mit Komfortbereich im Handel mit – 5 Grad angegeben: Eignet er sich für Übernachtungen in Lodges in Nepal, wo es i.d. Nach im Inneren der Lodge nicht kälter als + 3 Grad hat?? Wäre das dann Tcomf ??

    Danke für Antwort und schöne Grüsse

    Armin Vittorelli

  2. Simon sagte am 16. November 2015 um 09:06 Uhr

    Hallo Armin,

    wenn der Schlafsack einen T-Comfort Bereich von -5° C hat, wird er dich bis zu dieser Temperatur warm halten. Beachte aber immer, dass man auch wenig Reserve einplanen sollte, da sich je nach Zustand (Müdigkeit; Erschöpfung; etc.) das Temperatur- bzw. Kälteempfinden verändert. Von daher wäre ein solcher Schlafsack vermutlich genau die richtige Wahl für eine Tour, wie du sie planst.

    Viele Grüße
    Simon

  3. Gute Nacht | Weggefährte sagte am 1. Februar 2016 um 09:00 Uhr

    […] eine genaue Erklärung zu den Werten und wie sie entstehen lesen möchte, kann hier und hier […]

  4. Wolfgang Schuster sagte am 19. März 2016 um 21:43 Uhr

    Hallo Simon,
    ich brauche einen Schlafsack für den Mera Peak, letztlich nur für 1 Nacht im Lager auf 5800m.
    Ich habe mir einen Highlander Challanger 400 bestellt.
    Und jetzt kommt es:
    Artikeldatenblatt beim Anbieter/Shop: Komfortbereich -4 bis -25 Grad, Extrem – 33
    Produktkarte an Kompressionssack angeheftet: Comfort-4, Limit -14, Extrem -27
    eingedruckt im Schlafsack innen Reißverschlußabdeckung : Comfort -2, Limit -9, Extrem -26

    ich bin ratlos, was soll man glauben ?
    Sicherheitshalber das letzte , oder ?

    vg.
    Wolfgang

  5. Simon sagte am 5. April 2016 um 08:38 Uhr

    Hallo Wolfgang,

    ein schönes Zeil hast du dir da ausgesucht. Habe kurz mal nach dem Schlafsack gegoogelt, da wir den nicht im Shop führen. Ich würde mich da nur auf die Komfort -2° C im Schlafsack verlassen, wenn überhaupt. Die Höhe, Erschöpfung und der körperliche Zustand können diese -2° C aber vermutlich schnell relativieren. Ich weiß zwar nicht, wie kalt es bei der einen Nacht dort werden kann, aber vermutlich würde ich mir einen leichteren Daunenschlafsack mit einem deutlich niedrigeren Komfortbereich zulegen. Der Highlander Challenger 400 wiegt ja beinahe 2 kg – da bekommt man vergleichbar schwere Daunenschlafsäcke mit deutlich zweistelligen Miunsgrade als Komfortbereich. Aber wie gesagt, ich würde mit Komfort -2° C rechnen für diesen Schlafsack. Die Temperaturangaben im Netz zu diesem Schlafsack schwanken ja sehr und sollten mit Vorsicht zu genießen sein. Es fehlen auch ein Wärmekragen und die Kapuze scheint mir auch eher unkomfortabel zu sein, ist wohl alles eher auf Robustheit im militärischen Bereich ausgelegt.

    Viele Grüße und dir eine gute und hoffentlich erfolgreiche Tour!
    Simon

  6. Vanessa Engel sagte am 3. Mai 2016 um 23:04 Uhr

    Guten Abend liebes Team der Bergfreunde,

    mein Vater (70 Jahre) fährt nun von Rom nach Düsseldorf mit seinem Fahrrad. Wir möchten ihm einen sehr guten Schlafsack schenken, damit er sein Zelt jederzeit beziehen kann. Da er jährlich große Touren mit dem Rad unternimmt (Norwegen, Frankreich, Polen…) braucht er jetzt einen neuen und sehr leichten Schlafsack für die unterschiedlichen Temperaturen. Können Sie mir ein Modell empfehlen?

    Vielen herzlichen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen.

    Es grüßt Sie

    Vanessa Engel

  7. Simon sagte am 4. Mai 2016 um 09:49 Uhr

    Hallo Vanessa,

    klasse, dass dein Vater solch coole Touren unternimmt und ihr ihn dabei unterstützt! Die Frage nach dem richtigen Schlafsack ist da nicht ganz so einfach, das Einsatzgebiet ist ja doch ziemlich groß. Wir haben ziemlich viele Schlafsäcke für ganz unterschiedliche Anforderungen im Angebot, ein sehr vielseitiger und bewährter Schlafsack wäre da der Glacier 750 von Mountain Equipment. Aber um dich umfassend beraten zu können, würde ich dich bitten, dich einfach kurz an unseren Kundenservice unter 07121/ 70 12 0 zu wenden, dort kann man dir ganz sicher genau weiterhelfen, um den passenden Schalfsack für deinen Vater zu finden.

    Viele Grüße
    Simon

  8. Salli sagte am 4. Juni 2016 um 13:50 Uhr

    ich will im Sommer in den Alpen wandern gehen so zwischen 2 und 3 tausend Metern. ich friere erfahrungsgemäß recht schnell und wollte fragen, ob es da eine Empfehlung gibt. Vielen Dank!

  9. Simon sagte am 6. Juni 2016 um 08:35 Uhr

    Hallo Salli, oh, das ist schwer zu sagen. Da gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, die in Frage kämen. Ich würde dich da gerne an unseren Kundenservice (07121/70 12 0) verweisen, die können dir da ganz sicher den für dich am besten geeigneten Schlafsack heraus suchen! LG Simon

  10. Ramona sagte am 19. September 2016 um 21:39 Uhr

    ich bin gerade auch auf der Suche nach dem passenden Schlafsack. Ich möchte auf jedenfall einen Daunenschlafsack, um das Gewicht und Packmaß geringer zu halten. Einsatzbereich sollte vorwiegend für Zelttouren in den Alpen im Sommer (bis 2000m) und Trekkingtouren in Norwegen evtl auch Island sein. Ich habe mir nun mal den Mountain Equipment Matrix III Schlafsack angeschaut. Er hat einen Komfortbereicht von 2 ° und da ich eine Frostbeule bin, habe ich nun Angst dass mir dieser zu kalt sein könnte. Welchen Komfortbereich würdest du empfehlen?

  11. Jörn sagte am 20. September 2016 um 08:45 Uhr

    Hi Ramona,

    danke für deinen Kommentar – der Matrix III ist gut, aber für Norwegen und Island solltest du vielleicht eher nach einem Schlafsack mit 600 g Füllmenge suchen. Als Alternativen können wir dir den Leo 10 von Haglöfs (https://www.bergfreunde.de/hagloefs-leo-10-daunenschlafsack/) oder den Ultralite 700 von Exped empfehlen (https://www.bergfreunde.de/exped-ultralite-700-daunenschlafsack). Letzterer ist etwas schmaler geschnitten, aber wenn das nicht stört, ein top Teil! :)

    Liebe Grüße,

    Jörn

  12. Nalina sagte am 22. September 2016 um 22:40 Uhr

    Hallo,
    ich hab folgende Frage: Ende März war ich (als total Outdoor-Unerfahrene) in der Sahara mit einem Nomad Thebe – angebliche Komforttemperatur von 2 Grad. Ich habe ziemlich gefroren und es nur ausgehalten, wenn ich komplett angezogen war und die freien Stellen im Schlafsack ausgestopft habe. Nachttemperatur: 6-7 Grad.
    Nun möchte ich wieder in die Sahara – diesmal möchte ich aber mit T-Shirt schlafen können und keinesfalls frieren. Ein Daunenschlafsack – Mumienform – muß also wohl her. Ab welche Komforttemperatur soll ich nehmen? Ich habe einfach keine Ahnung, wie ich das interpretieren soll, weil ich letztes Mal so eine schlechte Erfahrung gemacht habe. Ich gehe wieder von 6-7 Grad Nachttemperatur aus. Könnt Ihr mir helfen? Ich wäre echt dankbar!

  13. Jörn sagte am 23. September 2016 um 10:54 Uhr

    Hallo Nalina,

    das mit den Temperaturangaben ist immer so eine Sache, wie du ja schon selbst festgestellt hast. Wir würden dir empfehlen bei der Komforttemperatur mindestens auf 0°C runter zu gehen. Mein Kollege Kosta (Kosta@bergfreunde.de) gibt dir gerne ein paar nähere Empfehlungen, wenn du das wünschst.

    Liebe Grüße,

    Jörn

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