Richtig(e) betten auf Touren: Kaufberatung Schlafsäcke

8. August 2018

Kategorie

Daune oder Kunstfaser? Mumienform oder Deckenform? Solche existenziellen Fragen treiben den Menschen seit jeher um. Vor allem dann, wenn er bei durchfrorenen Nächten in einem unpassend geschnittenen und isolierten Schlafsack viel Zeit zum Grübeln hat. Dann heißt es meist: „Wie hätte ich diesen verf … lixten Sch … lamassel bloß verhindern können?!?“ Wir sagen aber: Nicht verzagen, Bergfreunde fragen! Hier kommt die wirklich letzte Schlafsackberatung, die ihr braucht:

Der Verwendungszweck

Vielleicht hat man ja beim Kauf die falschen Fragen gestellt. Oder der Verkäufer hatte nicht die richtigen Antworten. Die erste Kundenfrage lautet jedenfalls meistens: „Welchen Schlafsack brauche ich?“. Der gute Schlafsackverkäufer antwortet dann immer mit der Gegenfrage: „Wohin willst du denn damit gehen?“. Das kann, muss aber nicht unbedingt etwas mit persönlichem Interesse an den Reiseplänen zu tun haben. Vielmehr geht es darum, den Einsatzbereich und Verwendungszweck des Schlafsacks einzugrenzen.  Je nachdem, ob es „Mexiko, rumreisen“, „Alpen, fernwandern“ oder „Norwegen, paddeln“ heißt, kommen dann völlig verschiedene Modelle infrage. Denn leider gibt es „den Einen“ für all das zusammen nicht.

Die weiteren Fragen des Verkäufers lauten dann vermutlich in etwa so:

„Was ist dir am wichtigsten? Soll er vor allem warm sein? Leicht? Komfortabel und geräumig? Nässeunempfindlich? Klein komprimierbar? Oder gar mehrere von diesen Eigenschaften?“

Letzteres ist nicht unmöglich, aber abhängig vom Budget. Ausgefeilte Technik in hoher Verarbeitungsqualität bekommt man nicht im Discounter. Wenn also als letzte Frage hinzu kommt: „Wie viel bist du bereit auszugeben?“, dann hat man gute Chancen, den individuell passenden Idealschlafsack herauszufiltern.

In diesem Filterverfahren klärt sich meist auch schon automatisch die Kernfrage „Daune oder Kunstfaser?“ – eine Entscheidung, die auch dadurch verkompliziert wird, dass es bei beiden ein weites Qualitätsspektrum gibt. Das bedeutet, dass die eigentlich leistungsfähigere, sprich „hochwertigere“ Daune in einer schwachen Ausführung durchaus von den besten Kunstfasern überholt werden kann. Das spiegelt sich dann auch im Preis wider, wo hochklassige Kunstfaserschlafsäcke durchaus teurer sein können als einfache Daunenmodelle.

Am besten hangelt man sich eine Liste an Kriterien entlang und ordnet diese nach den eigenen Prioritäten. Dazu schauen wir uns die Kriterien an, die für alle Outdoorer mehr oder weniger wichtig sind:

Die Form

Das Fußende eines Mumienschlafsackes

Mit dieser Form bettet man sich wie eine Mumie

Dieses Kriterium klärt sich meist am schnellsten. Sobald es auf Packmaß, Gewicht und Wärmeleistung ankommt, bleiben nur noch die Mumienform (von den Schultern zu den Füßen schmaler zulaufend) und, mit Einschränkungen, die Eiform (breiter im Hüft- und Kniebereich) übrig. Die Deckenform (rechteckig) ist eher für den Indoor-Einsatz gedacht – für Wohnmobile, Ferienhäuser oder zuhause als „Gästebett“.

Die Mumienform hat den engsten und dadurch am schnellsten aufgewärmten Innenraum und kommt mit dem wenigsten Material aus. Die Eiform bietet mehr Platz und Komfort, was aber durch mehr Gewicht und Volumen sowie schlechtere Isolationsleistung bezahlt werden muss. Für korpulentere und breiter gebaute Outdoorer kann die Eiform dennoch auch vom funktionalen Aspekt her die beste Wahl sein.

Die Temperatur

„Wie warm ist der?“, „Wie warm muss er sein?“ Auch diese Fragen hört man so oder so ähnlich fast immer. Praktischerweise haben wir für deren Beantwortung schon einen Artikel geschrieben. Fassen wir diesen hier nochmal in der vereinfachten Kurzversion zusammen und gehen dabei davon aus, dass du eine durchschnittlich kältefühlige Person bist:

Überlege dir, welche Tiefsttemperaturen auf deinen geplanten Touren nachts zu erwarten sind und wähle dann einen Schlafsack, der diese Temperatur als Komforttemperatur ausweist. Nicht als Komfort-Limit und schon gar nicht als Extremtemperatur. Die genannten drei Werte sind bei jedem Schlafsack angegeben. Die Komfort-Limit-Temperatur wird zwar gern als „Einsatzbereich“ genannt, stellt jedoch dessen unteres Ende dar, dass sich nur unter allerbesten Bedingungen mehr nach Komfort als nach Limit anfühlt. Wird gar die Extremtemperatur erreicht, wird es voraussichtlich eine Nacht werden, über die du hinterher ein Bergdrama schreiben kannst.

Da die Temperaturangaben bei fast allen Herstellern weltweit einheitlich nach einer EU-Norm ermittelt werden, sind sie auch einigermaßen vergleichbar und zuverlässig. Für die eigenen Überlegungen heißt das: nur wenn die Umgebung nicht kälter als die Komforttemperatur ist, wirst du in dem Schlafsack auch bei suboptimalen Bedingungen erholsam schlafen können.

Meist kategorisiert man je nach vorgesehenem Temperaturbereich:

Die genannten Temperaturwerte sind nur geschätzt, denn die drei Schlafsackkategorien sind nicht trennscharf voneinander festgelegt. Wichtig zu wissen: die Kategorie „Drei Jahreszeiten“ deckt den Großteil des Outdoorer-Bedarfs ab, da sie für klassische Aktivitäten wie sommerliche Berg- und Hochtouren in den Alpen oder sommerliches Trekking in Norwegen und Lappland geeignet ist.

Wer es deutlich wärmer braucht und nach den richtig dicken Kalibern Ausschau hält, wird merken, dass es bei diesen Schlafsäcken nur eine Temperaturangabe vom Hersteller gibt oder sie gar ganz fehlt. Das liegt daran, dass das Euronorm-Testverfahren nur bis zu einer bestimmten Füllmenge funktioniert. Bei Schlafsäcken mit großer Füllmenge lässt sich damit keine genaue Komforttemperatur ermitteln. Man muss sich dann auf die alternative Angabe der Hersteller verlassen – was in den meisten Fällen auch kein Problem ist, da in diesem Temperatur- und Preissegment eigentlich nur seriöse Hersteller produzieren, die einen Ruf zu verlieren haben.

Das Gewicht und Packmaß

Das Gewicht muss natürlich immer im Zusammenhang mit der Temperaturleistung des Schlafsacks bewertet werden. Es hängt vor allem von Masse, Qualität und Verarbeitungsweise des Füllmaterials, sowie der Hülle ab. Da das Füllmaterial den größten Anteil hat, kommt hier die Daune-Kunstfaser-Diskussion zum Zug. Allerdings sind die Feinheiten dieser Diskussion angesichts der vielen Techniken sowohl bei Daune, als auch bei Kunstfaser komplex genug um ein Buch zu füllen. Wir haben dazu schon zwei Artikel gefüllt, die wir hier kurz zusammenfassen, um die beiden Materialien miteinander zu vergleichen (die Links zu den Artikeln folgen gleich):

Daune

Kopfteil von einem gelben Daunenschlafsack

Einen Daunenschlafsack …

Je größer und „kräftiger“ die Daune, desto höher ihre Bauschkraft. Und je höher die Bauschkraft, desto weniger Daune wird für die gleiche Isolationsleistung benötigt – und desto leichter ist der Schlafsack gemessen an seiner Wärmeleistung. Die Bauschkraft wird gemessen, indem eine standardisierte Menge Daunen mit einem Standardgewicht zusammengedrückt wird. Das Volumen, auf das sie sich nach dem Entlasten wieder „zurückbauscht“, gibt den Wert der Bauschkraft an.

Es wird in Kubikzoll (Cubic Inch) gemessen, weshalb der Bauschkraft- oder Fillpower-Wert „Cuin“ genannt wird. Daune mit einem Wert ab 600 Cuin aufwärts gilt als solide bis gut. Ab einem Wert von 700 Cuin wird es schon richtig hochwertig, und bei 800 Cuin ist man im absoluten Highend-Bereich angekommen. Zwar ist die Messung des Cuin-Werts ähnlich normiert wie die  Temperaturangabe, doch unterscheidet sie sich  zwischen Europa und Nordamerika.

Was in Europa als 650 Cuin gemessen wird, dürfte in Nordamerika einen Wert von mindestens 700 Cuin bekommen. Deshalb können sich zwei Schlafsäcke trotz gleicher Cuin-Angabe unterschiedlich „prall“ anfühlen. Der Schlafsack mit etwas weniger „gefühlter Power“ trägt dann vermutlich ein nordamerikanisches Logo. Dieser Messunterschied bedeutet aber keineswegs, dass nordamerikanische Schlafsäcke „schlechtere Daunen“ hätten. Man sollte nur einen entsprechend höheren Cuin-Wert ansetzen.

Eine weitere wichtige Angabe ist das Verhältnis von Daunen zu Federchen. Es gibt fast keinen Schlafsack, der reine Daune ohne „Stützfedern“ enthält. Die Federbeimischung dient allerdings anders als meist angenommen weniger der Stützung der Daunen, sondern eher der Wirtschaftlichkeit der Produktion. Bei großen Gänsedaunen verschlechtern die Federn sogar massiv den Bausch und erhöhen das Gewicht überproportional. Da reine Daune aber kaum zu bezahlen ist, haben fast alle Daunenschlafsäcke einen Daunen-Feder-Verhältniswert angegeben. Vor dem Schrägstrich steht der relative Daunenanteil, hinterm Schrägstrich der Federanteil: es gibt Verhältnisse von 70/30; 80/20; 90/10 oder, bei Highend-Schlafsäcken Werte um 95/5. Je mehr Daune, desto besser.

Damit zu den allgemeinen Vor- und Nachteilen:

Ein kleines Packmaß und ein geringes Gewicht machen sich tagsüber beim Transport im Rucksack angenehm bemerkbar. Das natürliche Körperklima und der weiche Griff sorgen nachts für hohen Schlafkomfort. Bei sachgerechter Schlafsackpflege freut man sich über die lange Lebensdauer der Daunen auch bei häufigem Einsatz.

Daune ist empfindlicher gegen Nässe und Feuchtigkeit, sie fällt in sich zusammen und isoliert nicht mehr. Allerdings wird in diesem Punkt oft übertrieben, fast so, als ob Daune wie Zuckerwatte wäre. Der Schlafsack muss schon direkt beregnet werden oder es muss starken Tau geben, damit die Daunen wirklich in die Knie gehen. Selbst wenn es keine Gelegenheit zum Lüften und Trocknen gibt, kann man auf Schlafsäcke mit imprägnierten Daunen und wasserdichter sowie atmungsaktiver Außenhülle zurückgreifen. Diese haben natürlich wiederum ihren Preis.

Alles weitere hierzu erfährst du in der Kaufberatung Daunenschlafsäcke.

Kunstfaser

Auch hier ist ausschlaggebend, dass möglichst wenig Material möglichst viel Luft einschließt. Die meisten Kunstfasern sind zu komplexen Vliesen und Matten aus Spiralen oder Filamenten verarbeitet und haben eine oder mehrere Hohlkammern. Bei Kunstfaserfüllungen erreichen meist die etwas komplexeren Verarbeitungen (wie die mehrlagige Schindeltechnik) bessere Wärme-Gewichts-Verhältnisse als einfache Konstruktionen (wie die simpel eingenähte Ein-Lagen-Technik).

Das Kopfteil von einem gelben Kunstfaserschlafsack

… oder doch lieber einen Kunstfaserschlafsack?

Kunstfaser isoliert und wärmt auch noch bei Nässe. Wenn auf einer Tour wirklich ständiger Regen zu erwarten ist, sollte man der Kunstfaser den Vorzug geben. Der günstigere Anschaffungspreis ist ein weiterer Vorteil, der sich aber auf lange Sicht durch die meist geringere Haltbarkeit relativiert.

Kurzfristig ist Kunstfaser tatsächlich widerständiger gegen rustikale Behandlung (z.B. durch verschüttete Getränke oder ständig auf den Schlafsack latschende Leute bei Festivals). Kunstfaser ruft im Gegensatz zur Daune so gut wie nie allergische Reaktionen hervor. Und, last but not least, gibt es bei Kunstfaser keine direkte Verbindung zur Tiere verwertenden Industrie, was (nicht nur) für Veganer ein wichtiger Punkt ist. Allerdings ist von solchen stark ethischen Standpunkten aus auch die petrochemische Industrie keine wirkliche Alternative …

Bei gleicher Temperaturleistung hat auch die beste Kunstfaser noch ein höheres Gewicht und größeres Packmaß als die einfache Daune. Auch die Haltbarkeit ist langfristig gesehen nicht vergleichbar: während Daune durch eine sachgerechte oder gar professionelle Reinigung „wie neu“ bleiben kann, sind einmal eingedrehte oder durchlöcherte Kunstfasersegmente definitiv beschädigt. Reinigung und Pflege sind bei Kunstfaser deutlich einfacher und schneller erledigt. Allerdings können Kunstfaserfüllungen anders als Daune auch nicht nachgefüllt oder ausgetauscht werden.

Exkurs: Daune vs. Kunstfaser bei sehr warmen Schlafsäcken

Was kaum jemand beachtet: bei sehr „warmen“ Schlafsäcken schießen Packmaß und Gewicht bei den Kunstfasermodellen quasi durch die Decke. Während es den Kunstfasersack bis etwa null Grad Komforttemperatur durchaus noch mit rucksacktauglichem Gewicht und Packmaß gibt, ist das Modell mit minus zehn Komfort plötzlich ein 2-Kilo-Koloss, der den halben Kofferraum füllt. Wieso das? Nun, die zusätzliche Kunstfasermenge schafft – auch bei den besten Fasern – nicht in gleichem Maße mehr Wärme. Deshalb muss für wenige Grad Extrawärme jede Menge zusätzliches Füllmaterial her.

Bei Daune verläuft dieser Temperaturgradient günstiger: hier reicht viel weniger an Zusatzmaterial für den gleichen Zugewinn an Isolation. Ein Daunenschlafsack mit minus zehn Komfort kann deshalb ohne Probleme rucksacktauglich ausfallen. Hier hat Daune also einen weiteren Vorteil.

Alles weitere hierzu erfährst du in der Kaufberatung Kunstfaserschlafsäcke.

Komfort

Der Komfort hängt nicht nur von der Füllung und ihrer Wärmeleistung, sondern auch vom Platzangebot und vom Material des Innenbezugs ab. Letzteres beeinflusst ebenfalls das Feuchtigkeits- oder Trockenheitsgefühl sowie zu einem kleinen Teil auch das Temperaturempfinden. Dabei spielen auch persönliche Vorlieben eine Rolle: die Einen mögen lieber einen seidigen Griff, die anderen einen eher textilen, „stoffigen“ Griff. Letzteren bietet vor allem die Baumwolle, die aber aus funktionellen Gründen als Innenbezug eines Outdoor-Schlafsacks ungeeignet ist.

Ebenfalls entscheidend für den Komfort sind natürlich Länge und Passform des Schlafsacks. Als beste Passform für den Berg- und Outdooreinsatz haben wir ja bereits die Mumie ausgemacht. Obwohl sie die Engste ist, kann sie mit ein paar richtigen Detailentscheidungen durchaus komfortabel ausfallen. So sollte man  den Schlafsack im Zweifelsfall lieber ein paar Zentimeter „zu lang“ nehmen, anstatt wegen ein paar Gramm Gewichtsersparnis jede Nacht mit den Zehen anzustoßen. Apropos Zehen: eine vorgeformte Fußbox ist ein echter Pluspunkt. Sie funktioniert auch für Seitenschläfer, da man den Schlafsack, wenn er gut sitzt, bei den Bewegungen im Schlaf „mitnimmt“.

Die „richtige“ Seite des Reißverschlusses ist eine rein subjektive Frage und spielt eigentlich nur eine Rolle, wenn zwei Schlafsäcke zu Einem gekoppelt werden sollen. Wichtig ist vor allem, dass der Reißverschluss bei „warmen“ Schlafsäcken innen mit einer gefütterten Wärmeleiste abgedeckt ist.

Ausstattung

Reissverschlusssystem an einem Schlafsack

Zipp, zipp – auch bei den Reissverschlüssen gibt es einiges an Auswahl

Wo wir schon bei den Reißverschlüssen sind: die sollten neben der genannten Wärmeleiste am besten auch noch einen Klemmschutz (meist ganz einfach eine kleine, etwas steifere Stoffbahn) haben, damit sie angenehm rund laufen. Ein verkürzter RV, der nur bis zu den Knien reicht, ist zwar weniger komfortabel beim Ein- und Ausstieg, verbessert aber die Wärmeleistung bei Verringerung des Gewichts. Sinnvoll wenn Gewicht, Wärmeleistung und Packmaß an oberster Stelle stehen.

  • Kapuze: Bei einem berg- und outdoortauglichen Sack muss es ganz klar eine vorgeformte Konturkapuze sein, die sich bis auf ein Atemloch verschließen lässt, ohne dabei auf den Kopf zu drücken oder zu spannen.
  • Wärmekragen: Sehr nützlich, wenn bei Temperaturen unterhalb von etwa 5 Grad plus geschlafen wird. Und das wird es in so gut wie jedem Outdoorer-Leben. Besser ein paar Gramm extra tragen, als nicht einschlafen zu können, weil dieser empfindlich kalte Luftzug an Hals und Brust nervt. Und bei großem Gefälle zwischen Innen- und Außentemperatur reichen schon wenige Zentimeter offener Kragen, um solch einen Luftzug zu erzeugen.
  • Innentasche(n): Sehr angenehm, wenn man einen Socken trocknen oder einen Kameraakku warmhalten will. Auch ein kleiner Taschenofen lässt sich an der oft am Fußende vorhandenen Innentasche unterbringen.

Woran erkennt man nun „gute Schlafsäcke“? Ein paar Durchschnittswerte und Anhaltspunkte

Was sind nun „gute“ Werte bei Gewicht, Packmaß und Co.? Ganz einfach: der Schlafsack, der mit einer Komforttemperatur von null Grad das kleinere Packmaß und das geringere Gewicht aufweist, ist der Bessere. Wenn er dazu noch aus robustem Ripstop-Nylon und anderen wertigen (Marken)Materialien besteht, umso besser. Bei der Kunstfaserfüllung sollten definitiv Markenfasern verarbeitet sein, wenn man verlässliche Qualität möchte: Primaloft, Thermo ProLoft von Deuter, Spirafil von Marmot oder MTI 13 von Mammut sind einige bekannte Beispiele. Dort ist auch eine gute Silikonbeschichtung gewährleistet, die sich ansonsten nicht von außen überprüfen lässt. Die Beschichtung bestimmt maßgeblich die Langlebigkeit eines Kunstfaserschlafsacks.

Qualitativ hochwertige Kunstfaserverarbeitungen sind die Material sparende Schindeltechnik oder die nur einseitige Laminierung zur Vermeidung von Kältebrücken. Ein Beispiel für einen Kunstfaserschlafsack mit spitzenmäßigen Leistungsdaten ist der Hyperlamina Spark von Mountain Hardwear.

Bei Daune spielen wie erwähnt der Cuin-Wert und das Mischverhältnis die Hauptrollen bei der Beurteilung der Qualität. Beispiele für hochklassige und weithin bewährte Daunen-Allrounder sind die Neutrino Serie von Rab oder die Schlafsäcke von Sir Joseph als nicht ganz so bekannter „Geheimtipp“.

Robustheit und Haltbarkeit

Wenn das Einzige was gepflegt wird, ein achtloser Umgang ist, sollte man es bei preiswerten Kunstfaserschlafsäcken belassen. Die stecken, besonders wenn es bei feuchten Campings weniger pfleglich zugeht, die robuste Behandlung besser weg. Allerdings nicht lange, denn wenn Kunstfasern einmal „ermüden“ sind sie wirklich hin – sie isolieren dann weit schlechter als im Neuzustand. Die über die Jahre vielfach zusammengedrückte Daune kann hingegen durch eine sachgerechte Wäsche regelrecht wiederbelebt werden.

Der eigene Beitrag: Schlafsackpflege und -Wäsche

Eine blaue Schlafsackhülle von Fjällräven

Den Schlafsack rollen, falten, oder stopfen!?

Eigentlich ist das mit der Pflege und Haltbarkeit gar nicht schwer. Man kann schon auf Tour damit beginnen, indem man den Schlafsack morgens vor dem Zusammenpacken etwas ausschüttelt und lüftet. Ein paar Minuten Sonne tun dabei immer gut, aber bitte nicht zu viel UV-Strahlung, da das die Materialien angreift.

Beim Einpacken wird der Schlafsack dann übrigens NICHT gerollt oder gefaltet, sondern gestopft. Knick oder Druck mit Drehimpuls ist so ziemlich das Schlimmste, was man Fasern und Daunen antun kann. Leider ignorieren das auch manche Hersteller, die ihre Schlafsäcke industriell so verpacken, dass sie eingerollt beim Kunden ankommen. Kein Wunder, dass noch immer der Glaube vorherrscht, man solle Schlafsäcke am besten rollen …

Auch zuhause sollte dann weder gestopft noch gerollt werden. Hier ist die Aufbewahrung in einem großen Baumwoll- oder Netzsack besser. Je mehr Platz die Füllung hat, desto länger ihre Lebensdauer.

Gewaschen werden sollte ein Schlafsack so selten wie möglich. Man sollte während der Nutzung durch lange Kleidung bzw. Thermounterwäsche dafür sorgen, dass möglichst wenig Schweiß und Dreck in den Schlafsack gelangt. Wenn es dann doch einmal nötig wird, helfen unsere Tipps und Tricks für die Pflege von Schlafsäcken weiter.

Das Ganze kostet allerdings gerade bei Daunenschlafsäcken einiges an Zeit und Energie und beinhaltet so einige Möglichkeiten für Fehler und Pannen. Gerade bei teuren Schlafsäcken empfiehlt sich eher die professionelle Reinigung. Daune und Hülle werden hier separat gewaschen, da Daune idealerweise andere Waschtemperaturen braucht als das technische Gewebe der Hülle. Der bekannteste Reinigungsprofi ist das Outdoor Service Team. Nicht nur die Daune, sondern der ganze Schlafsack kommt hier in vielen Fällen wie neu zurück. Das Ganze ist nicht unbedingt billig, doch angesichts des Aufwands für die Pflege daheim sollte man das Geld mit der gesparten Zeit und Energie gegenrechnen.

Fazit

Den „genau richtigen“ Schlafsack zu finden kann fast so kompliziert sein wie das „richtige“ Auto. Doch mit unseren nun insgesamt drei Suchanleitungen im Zusammenspiel sollte dir ein ziemlich genauer Treffer gelingen. Dann kann man vor dem seligen Einschlummern noch ein wenig über existenzielle Fragen philosophieren – statt mit existenziellem Kampf gegen die Kälte beschäftigt zu sein.

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.

Bitte beachte, dass wir Cookies verwenden, um die Nutzung dieser Website zu verbessern. Wenn Du auf der Seite weitersurfst, stimmst Du der Cookie-Nutzung zu.