Defäkieren im Wald1

Wie man richtig in den Wald sch …

16. November 2017

Der perfekte Tag: Die Sonne scheint, Du bist mit Freunden an eine wunderschöne Wand gefahren, Du kommst am Wandfuß an, packst Deine Sachen aus und es geht los. Du bist zuerst mit Sichern dran, was gar nicht schlimm ist, denn sie Sonne ist so schön und ein Hummelchen unterhält Dich und Deine Freunde erzählen sich Geschichten und das Leben ist einfach so schön. Dann plötzlich dreht der Wind und Du denkst noch Hm, das sind jetzt aber keine Waldblümchen, die mir da um die Nase wehen.

Irgendwann im Laufe des Vormittags drückt die Blase. Du läufst ein paar Meter in den Wald und hinter dem nächsten Busch tut sich ein erschreckendes Bild auf – Minenfeld! Fein säuberlich in kleinen Abständen Reihen sich sie weißen Fähnchen aneinander, also wollten sie vor dem Weiterlaufen warnen. Jetzt ist Dir auch klar, wo der „Duft“ von vorher herkam. An ein weiterlaufen ist nicht zu denken.

Je mehr Leute draußen Klettern umso größer wird das Problem mit ihren Hinterlassenschaften. Während aber die Entsorgung von Kippen, Faschen, Taperesten und anderem Müll noch relativ einfach ist und auch gerne mal von guten Seelen im Vorbeigehen erledigt wird, wird es bei den Exkrementen schon etwas … schwerer. Und dabei sind diese Hinterlassenschaften wesentlich problematischer, schauen sie nicht nur unschön aus und riechen übel, sie können auch zu einer wirklichen Belastung für die Umwelt und für die Gesundheit von Mensch und Tier werden.

Ein paar Fakten

„Ist doch alles ganz natürlich und verrottet, warum also wegräumen?“ Im Grunde stimmt das, aber nur die wenigsten wissen, dass es recht lange braucht, bis die Sachen verrotten. Ein Zellstofftaschentuch liegt zum Beispiel drei Monate, die Exkremente zwar nicht ganz so lange aber in zwei Wochen sind auch die nicht verschwunden.

Wie man richtig in den Wald scheißt.

Das Standard-Werk: How to shit in the Woods!

Und damit kann man eine ganz einfache Rechnung aufmachen. Wir sind an einer schönen Kletterwand. An einem Wochenende kommen hier etwa 100 Leute zum Klettern. Wenn jeder sein Zeug liegen lässt, sind das 100 Haufen und 100 Taschentücher. Da die Haufen lange brauchen, um von alleine zu verschwinden, sind das 400 Haufen im Monat. Man kann sich ausrechnen, wie der Wald nach einer Saison aussieht und riecht. Zugegeben ungebleichtes Klopapier verrottet schneller, aber auch das braucht ein paar Wochen und schön sieht es dabei nicht aus.

Zellstofftaschentücher sind aber auch wegen den Herstellungsaspekten umwelttechnisch eher bedenklich. Bei der Herstellung wird viel Wasser, viel Energie und viel Holz benötigt. Außerdem werden durch chemische Behandlungen gefährliche Stoffe in Gewässer eingeleitet. Weitere Infos dazu gibt es auf den Seiten des Umweltbundesamts.

Das Ungesunde daran…

An sich ist an Kot, Stuhl oder auch Fäz erstmal nicht viel negatives zu entdecken – bis auf dass er natürlich richtig übel reicht. Im Ökosystem übernehmen Hinterlassenschaften generell eine wichtige Position ein, zum Beispiel als Dünger oder als Nahrung für Pilze und Milben. Und der Pillendreher-Käfer nutzt Kot sogar zur Fortpflanzung, in dem er darin seine Eier ablegt.

Allerdings – und hier wird es problematisch – kann Kot auch eine Menge an unschönen Inhalten transportieren. Denn er enthält vereinfacht gesagt alles, was unser Körper entweder nicht verdauen kann oder einfach ganz schnell loswerden möchte. Daher finden sich im Fäz unzählige Bakterien, Viren, Bazillen, Parasiten und andere hässliche Sachen. Besonders ungut wird es, wenn Krankheitserreger auf Reisen gehen und in Gebiete kommen, in denen sie eigentlich nicht heimisch sind.

Aber die Tiere machen es doch auch?

Wie man richtig in den Wald scheißt.

Eine Weithalstonne kann als Behältnis dienen.

Zugegeben, die Tiere kacken auch in den Wald, das ist aber noch keine Grund, warum wir das auch machen müssen, denn der Vergleich hinkt. Auch Tiere transportieren in ihrem Kot Krankheitserreger, daher sollte man Wasser aus Bächen in der Nähe von Weiden nicht ungefiltert trinken.

Und, Tiere verteilen ihren Kot meist auf große Gebiete. Ein Reh hat den ganzen Wald zur Verfügung, Kletterer hingegen beschränken sich zumeist auf wenige Qaudratmeter in der Nähe der Wand.

Und, auch die Hinterlassenschaften von Tieren können sehr unangenehm sein. Viele Landwirte haben mit dem Kot von Hunden zu kämpfen, der ihnen das Heu verunreinigt.

Also was tun?

  • Entsprechende Einrichtungen benutzen: Lieber auf der heimischen Toilette zuhause nach einem guten Frühstück etwas mehr Zeit lassen und das Geschäft gleich dort erledigen. Wenn das nicht hinhaut, dann vielleicht die Rast- oder Gaststätte unterwegs ansteuern. In manchen Gebieten wurden auch inzwischen Toilettenhäuschen eingerichtet. Zugegeben, die Geruchsbelastung ist manchmal hart an der Grenze, aber hey es ist für eine gute Sache.
  • Die Entfernung macht’s: Ein paar Meter weiter in den Wald zu gehen, hat noch niemanden umgebracht – außer vielleicht in schlechten Horrorfilmen. Halte dich vom nächsten Gewässer und dem Lieblingsgebüsch der Mehrheit fern. Vor allem wenn Du oberhalb eines Gewässers bist, solltest Du schauen, dass Du ausreichend Strecke zwischen Dich und das Wasser bringst. Der nächste Regen trägt sonst Deine Hinterlassenschaft dort hinein und den ganzen Bachlauf entlang. Und das will ja keiner.
  • Wie man richtig in den Wald scheißt.

    Einbuddeln kann aber auch eine Lösung sein!

    Einbuddeln: Mach in schön tiefes Loch (30 cm) und Dein Geschäft dort hinein. So ein Loch hat gleich mehrere Vorteile. Der Haufen zersetzt sich viel schneller, Tiere können ihn nicht so schnell ausbuddeln, der Regen spült ihn nicht weg und Geruch und Anblick werden anderen erspart – das Reintreten auch. Aber womit buddeln? Approachschuhe haben ziemlich harte Sohlen, Stöcke können hilfreich sein, oder wenn man weiß, das man für längere Zeit buddeln wird, es gibt extra Schäufelchen für sowas.

  • Wenn Buddeln nicht geht: Manchmal ist der Boden einfach zu hart und zu trocken um ein ausreichend tiefes Loch zu graben. Dann bleibt einem nur noch die Möglichkeit alles mitzunehmen. Dazu braucht es eine Tüte (hier empfiehlt sich Plastik) und besagtes Schäufelchen. Tüte über die Schaufel stülpen, schaufeln und dann zurück stülpen. Schon ist die Mine verpackt. Beim nächsten Besuch in der Zivilisation kann man sie dann entsorgen. Wenn man länger unterwegs ist, empfiehlt es sich eine extra Box mit zu nehmen, in der man den Abfall lagert.

Ich weiß nicht sehr appetitlich, aber hey, das gehört zur Natur einfach dazu, dass sollte man schaffen, wenn man hart genug ist so zu reisen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jan sagte am 26. Oktober 2017 um 16:03 Uhr

    Hallo Jörn,
    guter Artikel und ein Thema, dass Jeden angeht, der draußen unterwegs ist. Jeder hat sich wohl schon über vermintes Gelände und Rücksichtlosigkeit Anderer geärgert. Aber man muss sich auch selbst hinterfragen, wie man damit umgeht. Eingraben ist schon eine gute Variante, Mitnehmen noch besser. Tipp aus eigener Erfahrung: „Geschäft“ auf großem Blatt, Farn etc. oder Blatt von Küchenrolle erledigen und dann in Tüte mitnehmen und entsorgen.

  2. Jörn sagte am 30. Oktober 2017 um 10:24 Uhr

    Gute Sache Jan!

    Danke für dein Feedback und die weiterführenden Tipps.

    Viele Grüße,

    Jörn

  3. Andrea sagte am 27. Oktober 2017 um 16:04 Uhr

    Danke für den interessanten Artikel das Sch…problem hat ja wohl jeder :D
    Die Tuberkulose-infizierten Tiere sind allerdings völliger Blödsinn, TB wird ausschließlich durch Tröpfchen übertragen, ich glaube nicht das einer der Boulderer eine aktive TB hatte und die armen Tierchen angehustet hat. Außerdem haben TB Bakterien an der frischen Luft null Überlebenschance.
    LG Andrea

  4. Jörn sagte am 30. Oktober 2017 um 10:28 Uhr

    Hi Andrea,

    danke für die Anmerkung. Ich kann die Quelle tatsächlich nicht mehr ausfindig machen. Die einzige Info zum Thema findet sich in folgendem Artikel: http://www.climbing.co.za/2013/07/rocklands-bouldering-crisis/

    Ich werde es gleich mal abändern.

    Viele Grüße,

    Jörn

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