Winterzeit Daunenjacke. Foto: Vaude

Winterzeit ist Daunenjackenzeit

15. Dezember 2015

Skifahrerin mit Daunenjacke

Maximale Wärmeleistung bei minimalem Gewicht

Daune. Das ist das fluffige Zeug, das an Wasservögeln wie Gans und Ente dran ist. Nun ist der Mensch zwar Mensch und nicht Fuchs, hat aber dennoch bemerkt, dass Gans und Ente auch für ihn – nicht nur an Weihnachten – von Nutzen sind und Daune über einige ganz besondere Eigenschaften verfügt. Heute geht es speziell um Daune in Jacken.

Was eine gute Daunenjacke ausmacht, welche Hersteller sich darüber hinaus auch noch Gedanken über die „Produktion“ und Herkunft von Daune machen, was es mit „cuin“ und „loft“, „fillpower“ oder „Bauschkraft“ auf sich hat und wofür Du eine solche Jacke einsetzen kannst und wann Du besser zu einer Alternative greifst sagen wir Dir hier.

Die Daunenfeder ist das Untergefieder von Ente und Gans

Die Daunenfeder ist das Untergefieder von Ente und Gans

Zunächst einmal musst Du zwischen Federn und Daunen unterscheiden. Federn sollten jedem bekannt sein. Die machen die Vögel so schön bunt. Die Daune dagegen ist entweder grau oder weiß und bildet das Untergefieder von Ente und Gans. Im Unterschied zur Feder hat sie eine dreidimensionale Struktur, ähnlich einer Schneeflocke und ist mit ungefähr zwei tausendstel Gramm pro Daune deutlich leichter als die Feder.

Cuin, Gramm oder %?

Es gibt drei verschiedene Kriterien, die für Dich bei der Wahl Deiner neuen Lieblingsdaunenjacke von Bedeutung sind:

  • Bauschkraft (auch: „loft“, „fillpower“) in cuin
  • Daunenmenge
  • Verhältnis Daune zu Federn in Prozent (z.B.: 95/5)

Nun, was versteht man unter Bauschkraft? Sie gibt an, wie gut die Daune nachdem sie komprimiert wurde wieder ihren ursprünglichen Zustand einnimmt. Das Ganze wird in der Volumeneinheit Kubik-Zoll angegeben. Im Englischen: „cuin“ = cubic inches. Wie das nun mit welchem Messverfahren genau ermittelt wird spielt für Dich eine untergeordnete Rolle, entscheidend ist, dass Daunenjacken ab ungefähr 500 cuin brauchbar sind. Bis 650 cuin bekommst Du schon richtig gute Qualität, highend Modelle schaffen bis zu 900 cuin.

Die Menge der Daunen entscheidet ebenfalls über den Grad der Isolation, die Deine Jacke leisten kann. Die Mammut – Broad Peak Light Jacket beispielsweise hat mit nur 280g eine deutlich geringere Isolationsleistung als die 630g schwere Mountain Equipment – Vega Jacket. Schwere Jacken bedeuten aber auch gleichzeitig ein größeres Packmaß und eine eingeschränkte Beweglichkeit.

Schließlich spielt auch noch das Verhältnis von Daune zu Federn eine wichtige Rolle. Bei einer Jacke mit 100g Füllung und einem Mischverhältnis von 90/10 würde das z.B. bedeuten, dass 90g Daune und 10g Federn verarbeitet sind. Dieses Verhältnis wirkt sich sowohl auf das Gewicht der Jacke, als auch auf ihre Isolationsleistung aus. Denn Federn sind nicht nur schwerer als Daunen, sie speichern auch die Wärme nicht so optimal wie die Kollegen aus dem Untergefieder.

Dauenjacke und der optische Michelin-Männchen Effekt

Der optische Michelin-Männchen Effekt

Das Michelin-Männchen

Daunenjacken sind in verschiedene Kammern unterteilt, um ein Verrutschen der Daunen zu verhindern. Nur so wird die Wärme gleichmäßig über den Körper verteilt. Daher kommt bei dicken Jacken der Michelin-Männchen-Effekt. Meistens sind die Nähte durchgesteppt. Und genau hier kann es zu Kältebrücken kommen. Deshalb wird in guten Modellen eine Stoffschicht innen eingenäht, die das Eindringen von kalter Luft verhindert. Darüber hinaus gibt es Jacken wie die Adidas – TX Climaheat Agravic, die mit einer überlappenden Kammerkonstruktion die Bildung von Kältebrücken verhindert.

Groß, klein oder mittel?

Nicht vernachlässigen solltest Du Passform und Größe Deiner Daunenjacke. Eine zu große Jacke sieht nicht nur mittelmäßig gut aus, sondern führt auch dazu, dass die Wärme nach außen weichen kann. Vor allem der Kragen sollte anliegen, um die gespeicherte Wärme nicht direkt wieder zu verlieren. Den Hals abschnüren muss Dir Deine Jacke deshalb aber nicht.

Was die Daunenjacke auszeichnet

Als Alternative zur Daune stehen Dir Kunstfaserprodukte zur Verfügung. In der folgenden Tabelle bekommst Du einen Überblick welche Vor- und Nachteile das jeweilige Material mit sich bringt.

DauneKunstfaser
+ sehr leicht- etwas schwerer als Daune
+ extrem kleines Packmaß
- Packmaß deutlich größer
+ angenehmes Klima durch guten Feuchtigkeitstransport
- geringerer Feuchtigkeitstransport
+ langlebig bei guter Pflege- weniger langlebig als Daune
- verliert Isolationswirkung bei Nässe
+ isoliert auch im feuchten Zustand
- nimmt Feuchtigkeit sowohl von Innen als auch Außen auf+ nimmt kaum Feuchtigkeit auf
- Trocknet langsam+ Schnelltrocknend

Anwendungsbereiche der Daunenjacke

Auf Hochtouren eignen sich die Daunenjacken vor allem durch ihr kleines Packmaß

Auf Hochtouren eignen sich die Daunenjacken vor allem durch ihr kleines Packmaß

Da die Daunenjacke wunderbar warm bei gleichzeitig unglaublich geringem Gewicht ist und sich dazu noch durch ein kleines Packmaß auszeichnet, ist sie Dein perfekter Begleiter, wenn Du wenig Platz im Rucksack hast und Du dazu noch in kalten Gefilden oder Jahreszeiten unterwegs sein willst. Auf Hochtour wirst Du Dich mit einer Daunenjacke im Gepäck doppelt auf die Kaffeepause freuen.

Auch im kleinen MTB-Gepäck findet sie Platz, sodass Du auch am Abend das Bier nach der Tour getrost im Freien genießen kannst. Beim Klettern an frostigen Tagen erfreust Du Dich als Sichernde(r) ungemein an einer Daunenjacke, wenn Dein Partner sich mal wieder im Projekt die Zähne ausbeißt. Und auch wenn es Dich während der kühleren Jahreszeiten, aufgrund des unschlagbaren Grips zwei Grade stärker bouldernd, nach Fontainebleau verschlägt, wirst Du Deiner wärmenden Daunenjacke bald äußerst dankbar sein.

Also zusammengefasst: Eine Daunenjacke macht Sinn, wenn…

  • es kalt ist
  • es nicht allzu schweißtreibend wird und nicht regnet
  • jedes Gramm zählt und begrenzt Platz im Gepäck ist

Die Daune, die gerne Kunstfaser wäre

Es gibt Hersteller, die ihre Daune teilweise imprägnieren. Diese hat den Vorteil, dass sie wasserabweisend ist und bei Nässe nicht so leicht verklumpt. Dementsprechend nimmt sie aber auch von innen keine Feuchtigkeit auf, was zu einem ähnlichen Klima in der Jacke führt wie bei Kunstfasern. Ausführliche Informationen zum Thema imprägnierte Daune gibt es auch in unserem Artikel „Imprägnierte Daune – Was kann die?“, hier im Bergfreunde Basislager.

Die gute und die böse Daune

Da Daune ein tierisches Produkt ist, muss sie auch irgendwie vom Tier in die Jacke kommen. Und leider gibt es immer noch Daune auf dem Outdoor Markt, die unter äußerst fragwürdigen Bedingungen gewonnen wird. Diese kommt einmal von lebendgerupften Tieren. Ja, auch für Tiere ist es schmerzhaft, wenn man ihnen die Haare (Daunen) ausreißt. Die andere Art von „böser“ Daune kommt aus Stopfleberproduktionen (franz.: Foie gras). Das ist für die Tiere genauso grausam wie es sich anhört und daher in fast allen europäischen Ländern verboten. Aber eben nicht in allen.

Nun werben viele Hersteller damit, dass sie ihre Daune nur von – für die Lebensmittelindustrie – geschlachteten Tieren und auch nicht aus Stopfleberproduktion gewinnen. Dennoch bleibt es unglaublich schwierig dies auch zu garantieren, da viele Einzelbetriebe an der Daunenproduktion beteiligt sind und es immer noch schwarze Schafe gibt. Am Endprodukt Daune ist später nicht mehr zu erkennen, woher es stammt.

Die Daunenjacke Essens II Down Hood von Haglöfs mit dem Tracking Code

Die Daunenjacke Essens II Down Hood von Haglöfs mit dem Tracking Code

Daher haben sich fünf Hersteller in Kooperation mit einer Tierschutzorganisation verpflichtet, eigenständige Kontrollen durchzuführen um die Herkunft der verwendeten Daune möglichst lückenlos zu dokumentieren. Diese sind: Vaude, Patagonia, The North Face, Mammut und Jack Wolf Skin. Ebenso engagieren sich andere Hersteller wie z.B. Mountain Equipment für mehr Transparenz durch eigene stichprobenartige Kontrollen bei den Zulieferern. Bei ME „Down Codex“ genannt. Immer mehr Hersteller bieten darüber hinaus Tracking Codes an, womit sich die Herkunft der Daune zurückverfolgen lässt. Wie z.B. bei der Haglöfs – Essens II Down Hood.

Letztendlich liegt es in Deiner Verantwortung als Konsument zu entscheiden für welche Einsatzzwecke Du eine Daunenjacke benötigst. Den vielen positiven Eigenschaften der Daune stehen eben auch einige zu hinterfragende Aspekte gegenüber, die Du vor dem Kauf einer Daunenjacke für Dich selbst beantworten musst.

Wie immer könnt Ihr Euch bei Fragen auch gerne an unsere Experten aus dem Kundenservice wenden. Daniel, unser Fachmann für Daunenbekleidung, steht Euch unter der Woche täglich von 8.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail zur Verfügung.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.12.2015 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Alex sagte am 3. Dezember 2014 um 11:18 Uhr

    Daune ist zwar ein Tierprodukt und deshalb für viele nicht tragbar aber was sind die Alternativen? Kunstfaser? Meine Primaloft-Jacke mit 100g (also das was man als „Winterjacke“ angedreht bekommt) war nie wirklich warm und baut mit der Zeit auch noch deutlich an Wärmeleistung ab. Jetzt nach 3 Jahren kann ich die eigentlich in die Tonne treten. Übern Daumen gepeilt würde ich sagen, eine mit Daune vergleichbare Kunstfaserjacke müsste etwa doppelt so schwer sein. Dann wäre die aber sogar teurer als eine Daunenjacke und man würde (noch) schneller drin überhitzen! Die Näßeempfindlichkeit wird künstlich hochgespielt. Wie oft seid ihr in den letzten Jahren tatsächlich (abgesehen von Wandertouren) richtig naß geworden? 1 Mal? 2 Mal!? Es gibt billige Überwurfregenjacken für 10€ und Regenschirme für noch weniger.

    Ansonsten, wenn man auf Tour ist und etwas für unter die Hardshell sucht, ist ein Fleece ohnehin besser als nochmal 2 Schichten Pertex oder ähnliches für Kauf zu nehmen.

  2. Susanne sagte am 23. Oktober 2016 um 09:10 Uhr

    Ganz toller Artikel, der mich bei der Auswahl meiner Daunenjacke ein ganzes Stück weiter gebracht hat. Ich hatte bisher nur Kunstfaser-Jacken und war nie wirklich zufrieden – am Ende hab ich immer gefroren. Jetzt gehe ich das Thema mal anders an: eine Daune muss her (heutzutage sehen die Jacken und Mäntel auch ganz schick aus) – aber nur aus zertifizierter Herkunft. Cuin und das Verhältnis Daune/Feder helfen mir jetzt bei meiner Entscheidung!
    Allerbesten Dank!

  3. Dennis sagte am 14. November 2016 um 14:55 Uhr

    Wie viel Gramm Daunen sollte eine Jacke denn ungefähr haben, damit sie bei den hier herrschenden Temperaturen auch gut wärmt? Die Essens II Down Hood von Haglöfs z.B. hat nur ca. 70g und soll trotzdem eine gute Wärmeleistung bieten?

  4. Jörn sagte am 14. November 2016 um 16:21 Uhr

    Hi Dennis,

    bei der von dir genannten Jacke handelt es sich eher um eine Variante, die man unter der Hardshell oder an eher milderen Wintertagen trägt. Ganz so pauschal kann man Deine Frage leider nicht beantworten, da das Wärmeempfinden höchst individuell ist. Ich trage im Winter z.B. eine leichte Primaloft- oder Daunenjacke, darunter eine Fleecejacke und dann meine Alltagsklamotte. Will man sich die zweite Lage sparen, würde ich eher auf schwerere Daunenjacken, wie die beiden hier gehen:

    https://www.bergfreunde.de/mountain-equipment-lightline-jacket-daunenjacke
    https://www.bergfreunde.de/mountain-hardwear-nilas-jacket-daunenjacke

    Hinzu kommt noch die Frage, ob die Jacke winddicht ist, was natürlich ebenfalls dazu beiträgt, warme Luft im Inneren der Jacke zu konservieren. Ich ziehe an ganz ungemütlichen Tagen noch eine Hardshell drüber, damit ist mir in der Regel eigentlich immer warm.

    Unterm Strich würde ich also zu einer etwas schwereren Daunenjacke mit winddichter Außenseite greifen und diese ggf. noch mit Fleecejacke oder Funktionsunterwäsche kombinieren.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  5. Dennis sagte am 14. November 2016 um 22:16 Uhr

    Hallo Jörn,

    Danke für die schnelle und ausführliche Antwort. Kannst du mir vielleicht noch sagen, ob man bei der Mountain Equipment – Lightline Jacket die Kapuze abnehmen kann und welche Größe du mir empfehlen würdest bei einer Körpergröße von 171cm und ca. 72kg?

    Gruß
    Dennis

  6. Jörn sagte am 15. November 2016 um 08:05 Uhr

    Guten Morgen Dennis,

    die Kapuze ist abzippbar und von der Größe her fällt Mountain Equipment eher normal aus. Ohne dich jetzt genau gesehen zu haben, würde ich sagen, dass S die richtige Größe wäre.

    Beste Grüße,

    Jörn

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