Speed Hiking – Das Wandern im Turbogang

26. April 2018

Sportart

Speed Hiking – wer sich in letzter Zeit auch nur in der Nähe der outdoorfixierten Internet-Filterblase getummelt hat, dem ist dieser Begriff sicher häufiger untergekommen. Doch was bedeutet die geschwindigkeitsbetonte Wortneuschöpfung eigentlich? Speed Hiking, das ist eine Art „Turbowandern“ im Gelände. Um das genauer zu erklären, könnte ein Vergleich herhalten. Speed Hiking verhält sich zum normalen Wandern wie Gareth Bale zu Per Mertesacker.

Beides hervorragende Fußballspieler, nur ersterer ist ein ganzes Stück schneller. Oder besser wie der Superheld Flash zum Hulk. Oder der ICE zum Regionalexpress. Nein, das hinkt alles und wird den beiden Outdoorsportarten nicht gerecht. Speed Hiking setzt sich aus Elementen anderer Outdoordisziplinen zusammen, mischt sie durch, würfelt sie neu, schüttelt sie kräftig und raus kommt am Ende ein frisches sportliches Erlebnis. Also das Beste aus vielen Welten. Was sich dahinter verbirgt und warum Speed Hiking so viel mehr ist, als die Summe seiner Einzelteile, erfahrt ihr, wenn ihr weiterlest!

Speed Hiking – Was ist das?

Flinken Fußes durchs Gelände zu huschen hört sich ganz klar nach Trailrunning an, oder? Diese Frage kann man mit einem klaren „Nö!“ beantworten. Speed Hiking hat zwar einige Schnittpunkte mit dem Traillaufen, unterscheidet sich aber gleichzeitig in einigen wichtigen Aspekten. Aber der Reihe nach.

Trailrunnig ist ein meist auf Zeiten oder bestimmte Strecken ausgelegter, schneller Geländerun. Es dominiert ganz klar der Joggingschritt. Beim Speedhiken ist von der kurzen Mini-Etappe bis hin zur ausgedehnten Mehrtagestour im Hochgebirge mit abendlicher Hüttenübernachtung jede Etappenlänge drin. Zudem spielen Laufzeiten, der sportliche Vergleich mit anderen oder gar eine durchgehend hohe Geschwindigkeit keine Rolle.

Der Speedhike ist zwar eine Wanderung mit angezogenem Tempo, im Gegensatz zum Trailrun geschieht das Ganze jedoch nicht zwingend im durchgehend schnellen Laufschritt. Das Speed Hiking lädt zum Verweilen ein, zum sich Zeit nehmen. Anstatt Bestzeiten zählen hier die eigenen Grenzen als Maßstab, den eigenen Körper kennenzulernen und zu erleben und selbstverständlich die Natur zu entdecken. Während der Trailrunner meist solo unterwegs ist, ist die „Turbo-Wanderung“ häufig ein Kollektiverlebnis, ganz egal ob als Pärchentour, mit den Kumpels oder der Familie.

Walkingstöcke sind an einen Rucksack angeklemmt.

Die Walking-Stöcke sind mit im Gepäck.

Zum krönenden Abschluss des Disziplinenvergleichs: sind die Trailrunner oft nur mit Funktionsklamotten, einem Laufrucksack und Minimalgepäck unterwegs, hat der Speed-Hiker mehr Equipment am Start. Je nach Tourenlänge kommen Rucksack, Karten, GPS-Gerät mit – eben alles, was es auch auf der Wandertour braucht.

Das Epizentrum der Speedhiker-Ausrüstung bilden die Walking-Stöcke, die bergauf die Armmuskulatur zur Auftriebskraftunterstützung nutzen und bergab für eine gelenkschonende Gewichtsverteilung sorgen. Zur Speed-Hiking-Ausrüstung findet ihr übrigens demnächst in einem gesonderten Artikel noch einige Infos!

Aber Moment mal… Gehen mit Stöcken…. Ist Speed Hiking nur ein hipperes Wort für das angestaubte Nordic Walking? Wieder ein klares „Nö!“. Während das Walking ein sportives Gehen mit Stöcken ist, das meist in flachem Terrain ausgeübt wird, geht es beim Speedhike ein gutes Stück schneller zur Sache, auf anspruchsvolleres Terrain und – je nach Kenntnisstand und Leistungsfähigkeit –  teils sogar hoch hinaus.

Speed Hiking ist auch kein simpler Hybrid aus altgedienten Outdoordisziplinen. Neben dem Naturerlebnis, das mit dem schnellen Wandern einhergeht, bekommt ihr ein Workout gleich gratis mit dazu, das vielfältige Muskelregionen beansprucht und trainiert. Die speziellen Bewegungsabläufe bei der Turbowandertour sorgen für ein umfassendes Training der Bein-, Oberkörper und Rumpfmuskulatur.

Durch den dauerhaften Kraftaufwand und den Einsatz vielfältiger Muskelgruppen wird zudem die Ausdauer und das Herz-Kreislauf -System trainiert – also das ideale Cardio-Workout! Gleichzeitig wird die muskuläre Koordination verbessert und der Gleichgewichtssinn geschult. Bei all der Anstrengung wirkt das Speedhiken durchaus auch entspannend. Neben dem bereits erwähnten Naturerlebnis sorgen die fehlende Fixierung auf Bestzeiten, das Innehalten und die Möglichkeit nach dem eigenen Tempo zu gehen dafür, dass man sich auf der Speed-Hiking-Tour geistig mal so richtig fallen lassen kann. Übrigens, dadurch, dass ihr mit Stöcken unterwegs seid, geht das Speedhiken nicht so auf die Gelenke wie beispielsweise das Joggen.

Für wen ist Speed Hiking?

Eine Sportlerin läuft mit schnellem Tempo einen Weg entlang.

Das Tempo bestimmst du!

Im Grunde genommen kann jeder zum Speedhiker werden. Ganz egal ob alt, jung, sportlich oder Couchpotato, da der Sport ohne viel Aufwand durchführbar ist, steht die Speed-Hiking-Tür einem breiten Publikum offen. Wenn ihr jedoch schon nach der leichten Vormittagswanderung für mehrere Tage kaputt auf dem Wohnzimmersofa versinkt, müsst ihr euch auch behutsam, Schritt für Schritt, an den Sport herantasten.

Durch das flexible Anforderungsprofil, mit dem das Speed Hiking einher geht, ist das aber gar kein Problem. Wenn ihr allerdings vom absoluten Sofakartoffel-Dasein, das seine zehntausend Schritte höchstens als Recke im Konsolenspiel zurücklegt zum passionierten Speedhiker werden wollt, ist ein vorheriger Checkup beim Sportmediziner unbedingt empfehlenswert. Der informiert euch genaustens darüber, wie belastbar ihr seid und was ihr eurem Körper zum Einstieg zumuten könnt.

Was ihr zur Vorbereitung wissen müsst

Wollt ihr in die Turbowanderwelt eintreten, empfiehlt es sich in jedem Fall erst einmal kleine Brötchen zu backen. Plant für den Anfang keine Mehrtagestour in hochalpinen Regionen. Das rasche Wandern kann gerade in schwierigem Gelände und hohen Höhen schnell zur Überbeanspruchung führen, was den Körper im schlimmsten Falle nachhaltig schädigt.

Ebenfalls wichtig für den Start: wenn ihr nicht mehr könnt, hört auf euren Körper und macht Pause und dreht, wenn es weitergeht, das Tempo runter. Bei starker Ermüdung, Krämpfen, Gelenkschmerzen oder Kurzatmigkeit macht ihr am besten Feierabend und genießt die Chance zur Einkehr. Auch bei Unwetter brecht ihr die Tour am besten ab. Für solche Fälle ist es in jedem Fall wichtig die ersten Touren nicht zu weit draußen und zu lange zu planen.

Ein Mensch steht auf einem Berg und betrachtet die schöne Aussicht.

Eine der vielen schönen Seiten des Speed-Hikings: sich Zeit nehmen und genießen.

Essentiell für die Speed Hiking-Tour ist es die Distanzen richtig einzuschätzen. Da ihr euch schneller bewegt, legt ihr eine größere Strecke innerhalb kürzerer Zeit zurück. Das bedeutet im Umkehrschluss eine weit stärkere Belastung pro Wegstunde als bei einer konventionellen Wandertour. Um euren Körper nicht zu viel zuzumuten, ist eine vorherige Tourenplanung extrem wichtig.

Checkt per Wanderkarte die Distanzen. Wanderführer für eure bevorzugte Umgebung geben euch wichtige Infos zu Höhenniveaus, Wegbeschaffenheit, Streckenschwierigkeit aber auch zur Pauseneinkehr und gegebenenfalls der Hüttenübernachtung. Nehmt euch, wie gesagt, nicht zu viel vor und plant genügend Zeit ein, um mal eine Runde zu verweilen und die Natur zu genießen. Für einige beliebte Wanderregionen gibt es mittlerweile speziell aufs Speed Hiking abgestimmte Wanderführer.

Plant euer Gepäck möglichst knapp und leicht. Packt alles ein, was mit muss, bedenkt aber, dass jedes Gramm extra zur größeren Last wird als auf einer üblichen Wandertour. Ebenfalls ein Tipp den ich leider selbst zu oft vernachlässigt habe: lauft eure neuen Speed Hiking Schuhe unbedingt vor der ersten Tour intensiv ein, sonst gibt es fiese Blasen und Druckstellen am Fuß.

Und wo geht’s zum Speedhiken? Das bleibt ganz eurem eigenen Gusto überlassen. Hauptsache Natur! Gerade für Anfänger – vorsicht, abgedroschene Phrase voraus – liegt das Gute, wie so oft, sehr nahe. Wenn ihr nicht gerade im Hochgebirge wohnt, geht ihr einfach eure ersten Touren in den bekannten Wanderspots eurer Region. Je besser ihr werdet, sowie euren Körper und euer Können mehr einschätzen könnt, desto höher und schwieriger könnt ihr euren Hiking-Spot wählen. Also kurz gesagt: Anfänger starten am besten in den Mittelgebirgsregionen; Profis wagen sich auf alpines Terrain. Tourenmäßig werden im Speed Hiking neben der Kurzstrecke von etwa acht Kilometern Länge und der intensiven Kurstrecke (12 km) auch Tagestouren mit 20 Kilometern Wegstrecke und intensive Tagestouren um die 30 Kilometern gegangen. Wer will hiket ein Stündchen, erfahrene Speedhiker können die Tagestouren zu Mehrtagestouren kombinieren und bringen so den ganzen Wanderurlaub rum.

Egal wo eure Tour letztendlich hinführt, genießt die Natur, vergesst den Alltag und habt eine tolle Zeit. Diese drei Punkte sind beim Speed Hiking eigentlich das Wichtigste!

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