Skitouren in den deutschen Mittelgebirgen

Deutschland aufs Dach gestiegen – Skitouren in den Mittelgebirgen

14. Februar 2017

Sportart

Winterzeit ist immer auch Skitourenzeit. Was könnte man sich wohl auch besseres vorstellen, als ein paar Stunden in einer großartigen Winterlandschaft zu verbringen, Berge zu erklimmen und dann über unverspurte Hänge durch feinen Pulverschnee wieder ab zu fahren. Je nach Wohnort ist ein solches Vorhaben aber oft mit einer nicht unerheblichen Anreise verbunden. Aus diesem Grund schauen wir heute einmal über den Tellerrand des Alpenhauptkamms hinaus und nehmen uns ganz gezielt die bekanntesten und beliebtesten Skitourenreviere in deutschen Mittelgebirgen vor.

Mittelgebirgsskitouren – Vor- und Nachteile

Skitouren in den deutschen MittelgebirgenWer nun ungläubig schaut und sich fragt, ob Skitouren in deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, Fichtelgebirge oder dem Bayerischen Wald überhaupt Spaß machen, dem sei ein großes „Jawohl!“ entgegen geschmettert. Freilich sieht eine Skitour am Feldberg anders aus als am Silvrettahorn, ist ja klar. Aber dennoch haben die Touren in den Mittelgebirgen ihren ganz eigenen Reiz. Einer der größten Vorteile liegt darin, dass Mittelgebirgsskitouren deutlich variabler sind als Touren im Hochgebirge. Während man in den Alpen in aller Regel einmal aufsteigt und dann direkt wieder ins Tal abfährt, sieht das in den Mittelgebirgen ein wenig anders aus.

Hier sind die Aufsteige und somit auch die Abfahrten meist deutlich kürzer als in den Alpen. Somit ergibt sich zum einen die Möglichkeit, deutlich kürzere Touren zu machen und trotzdem ein Gipfelerlebnis mit nach Hause zu nehmen. Zum anderen kann man die Tour auch beliebig verlängern, indem man in ein anderes Tal abfährt und den Berg gleich noch einmal erklimmt. Dies ist gerade auch für Gruppen interessant. Denn während schwächere Personen bereits zum gemütlichen Beisammensein in der Hütte übergegangen sind, können Leistungsstärkere problemlos nochmals einen Aufstieg dranhängen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Erhebungen in den Mittelgebirgen nicht selten zu weiten Teilen bewaldet sind. Auch die Hangneigungen sind in der Regel weniger extrem als in den Alpen. Hierdurch ergibt sich zumeist eine stabil niedrige Lawinengefährdungsstufe. Das heißt natürlich nicht, dass man die Lawinenlage in den Mittelgebirgen völlig außer Acht lassen sollte. Auch hier gehört eine anständige Tourenplanung ebenso dazu, wie eine komplette Lawinenausrüstung. Aber dennoch ist die Gefährdung durch Lawinen in Erzgebirge, Bayrischem Wald und Co. deutlich geringer als in den Alpen. Wo macht es am meisten Spaß und wie sind die Eigenheiten der jeweiligen Region? Wir haben hierzu einmal vier Mittelgebirge ausgesucht, in denen der Begriff Skitour schon lange kein Fremdwort mehr ist.

Bayerischer Wald – „dreiviertel Jahr Winter, viertel Jahr kalt“

Skitouren in den deutschen Mittelgebirgen

Auch auf Tiefschnee kann man sich freuen.

Auch wenn dieser Spruch aus dem Volksmund vielleicht ein wenig verallgemeinernd ist, gibt er trotzdem Aufschluss über das, was man im Bayerischen Wald erwarten kann. Viel Winter und viel Schnee. Der Bayerische Wald ist ca. 100 Kilometer lang und liegt zu weiten Teilen im Regierungsbezirk Niederbayern.

Der Große Arber ist mit 1456 m. ü. M. der Höchste Berg des Mittelgebirges. Gerade in kalten Wintern kann das Thermometer hier schon einmal -30 °C zeigen. Auch Schneehöhen von 3 Metern sind hier keine Seltenheit. Für den Wintersport sind das selbstverständlich beste Voraussetzungen. Kein Wunder also, dass neben dem alpinen Skifahren und Langlaufen auch das Skitourengehen immer beliebter wird.

Der Bayerische Wald ist im Sommer ein stark frequentiertes Wandergebiet. Doch auch im Winter gibt es zahlreiche Gipfel, die problemlos mit Tourenskiern erklommen werden können. Die Schwierigkeit variiert von Tour zu Tour. Dabei ist es egal, ob man selbst eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert ist, wählt man nur die richtige Tour, kommt jeder voll auf seine Kosten. Gerade die Regionen um Großen Arber, Rachel und Dreisesselberg sind beliebte und lohnenswerte Skitourenziele.

Da der Bayerische Wald generell ein beliebtes Urlaubs- und Ferienziel ist, kann man sich auch abseits des Wintersports auf zahlreiche Freizeitmöglichkeiten freuen. Meist ist der Weg zur nächsten Therme nicht weit und man kann nach einem gelungenen Skitag die Seele baumeln lassen und im warmen Wasser entspannen.

  • Region: Niederbayern
  • Höchster Berg: Großer Arber 1456 m. ü. M
  • Alternativer Wintersport: Ski Alpin und Langlaufen

Erzgebirge – Skispaß zwischen Deutschland und Tschechien

Das Erzgebirge liegt an der deutsch-tschechischen Grenze. Die Staatsgrenze verläuft nördlich der Kammlinie, wodurch der Keilberg, der höchste Gipfel des Erzgebirges, mit seinen 1244 m. ü. M. in Tschechien liegt. Der höchste deutsche Gipfel des Erzgebirges ist der Fichtelberg mit 1215 m. ü M.

Das Erzgebirge gilt als verhältnismäßig schneesicher und so ist es kaum verwunderlich, dass auch dort in den Höhenlagen mehrere Wintersportgebiete zu finden sind. Gerade in der Region Fichtelberg / Keilberg gibt es zahlreiche Liftanlagen und Langlaufloipen. Außerdem gewinnt auch das Skitourengehen immer mehr an Bedeutung.

Oberwiesenthal ist dabei sicherlich einer der wichtigsten Anlaufpunkte auf der deutschen Seite. Von hier aus gibt es mehrere lohnende Touren mit unterschiedlicher Länge und in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Nicht selten überschreitet man bei diesen Touren die grüne Grenze zu Tschechien. Je nach Tour ist man mal in Deutschland, mal in Tschechien, wer weiß das schon immer so genau. Auf jeden Fall ist man aber auch in einer großartigen Landschaft unterwegs und kann sich Zeit nehmen die (internationale) Bergwelt zu genießen. Darüber hinaus sind auch die Skitourenreviere um Johanngeorgenstadt ein lohnendes Ziel.

  • Region: Sachsen / Böhmen
  • Höchster Berg: Keilberg (Klínovec), Teschechien (1244 m. ü. M.)
  • Höchster Gipfel auf dt. Seite: Fichtelberg (1215 m. ü M.)

Fichtelgebirge – von Schneeberg bis Ochsenkopf

Skitouren in den deutschen MittelgebirgenIm Nordosten Bayerns gelegen, überschreitet das Fichtelgebirge ebenfalls die Grenze von Deutschland und Tschechien. Der höchste Berg ist der Schneeberg (1051 m. ü. M.), dessen Namen bereits Aufschluss über seine gute Wintersporttauglichkeit gibt.

Mit einer Fläche von rund 1600 Quadratkilometern ist das Fichtelgebirge die kleinste Region in unserer Liste. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei um eine ausgezeichnete Wintersportregion handelt. Neben mehreren Skigebieten und Loipen gibt es auch hier zahlreiche Skitouren, die eine nähere Betrachtung wert sind –
ein sehr beliebtes Ziel ist der Ochsenkopf.

Mit seinen 1024 Metern kann der Berg problemlos von Bischofsgrün aus bestiegen werden. Wer auf dem Gipfel noch nicht ausgelastet ist, für den ist zusätzlich auch Abfahrt und Aufstieg auf der Südseite zu empfehlen. Doch auch die anderen Erhebungen des Fichtelgebirges sind ein lohnendes Skitourenziel und so ist es kein Problem je nach Trainingsgrad und Können eine geeignete Skitour zu finden.

  • Region: Bayern / Tschechien
  • Höchster Berg: Schneeberg (1051 m. ü. M.)
  • Skitourenziel: Ochsenkopf (1051 m. ü. M.)

Schwarzwald – mit Bollenhut und Skihelm

Der Schwarzwald ist das größte zusammenhängende Mittelgebirge Deutschlands. Darüber hinaus hat es mit dem Feldberg (1493 m. ü. M.) gleichzeitig den höchsten deutschen Mittelgebirgsgipfel zu verzeichnen. Gerade die Höhenlagen des Schwarzwalds können in guten Wintern stattliche Schneemengen verzeichnen und gelten daher als relativ schneesicher.

Seit jeher ist der Schwarzwald eine sehr beliebte Ferienregion und dementsprechend auch touristisch gut erschlossen. Der klassische Wintersport im Schwarzwald ist das Langlaufen sowie der alpine Skilauf. Seit gut zehn Jahren nimmt jedoch auch hier die Zahl der Skitourengänger deutlich zu, wodurch sich vor allem die Feldbergregion zu einem beliebten und viel besuchten Skitourengebiet entwickelt hat.

Im Schwarzwald gibt es zahlreiche lohnende Skitouren. Von einfachen und vergleichsweise kurzen Touren mit wenigen Höhenmetern und gemäßigten Hängen, bis hin zu steilen Abfahrten und anspruchsvollen Aufstiegen ist hier alles dabei, was das Herz des Tourenskigängers höher schlagen lässt. Die höchsten Erhebungen befinden sich im Südschwarzwald und so ist es kaum verwunderlich, dass auch hier die bekanntesten und beliebtesten Skitouren zu finden sind. Gerade die Gipfel Feldberg, Belchen, Herzogenhorn und Kandel werden regelmäßig von Skitourengängern besucht. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Runden und sogar eine mehrtägige Schwarzwalddurchquerung.

  • Region: Baden-Württemberg
  • Höchster Berg: Feldberg (1493 m. ü. M.)
  • Alternativer Wintersport: Langlaufen, Ski Alpin

Unterm Strich…

Auch in deutschen Mittelgebirgen kann man zahlreiche schöne und interessante Skitouren machen. Je nach Gebiet und Tour sollte hier für nahezu jeden Anspruch das Richtige dabei sein. Mit der Literatur für Skitouren sieht es leider für manche Gebiete recht dürftig aus. Sofern vorhanden können die Skitouren- und Wanderführer von Rother, die Karten von Kompass sowie die Karten der jeweiligen Landesvermessungsämter zur Tourenplanung hergenommen werden.

Darüber hinaus hat dieser Artikel nicht den Anspruch vollständig zu sein. Auch auf genaue Tourenbeschreibungen haben wir zugunsten eines weit gefassten Überblicks verzichtet. Wenn ihr also euren bevorzugten Skitourenspot vermisst, dann hinterlasst und doch einfach einen Kommentar, wo es euch an Tiefschneetagen hinzieht. Wir sind gespannt, was ihr so zu berichten habt!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Thomas sagte am 27. November 2017 um 10:32 Uhr

    Immer wieder ein interessantes Thema.
    Aber genau die Informationen, die man brauchte um die Touren tatsächlich zu unternehmen, fehlen hier.

  2. Jörn sagte am 27. November 2017 um 11:12 Uhr

    Hi Thomas,

    danke fürs Feedback. Der Beitrag versteht sich auch eher als Übersichtsartikel bzw. als Appetitanreger. Ich nehme das aber gerne mal als Anlass, um tiefer in das Thema einzusteigen.

    Beste Grüße,

    Jörn

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