Ausrüstung

Polyester – eine Kunstfaser mit weitgreifenden Eigenschaften

19. April 2016

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Materialinfo Polyester - Im Berg- und Radsport wird die Faser gerne verwendet

Im Berg- und Radsport wird Polyester gerne verwendet

Gerade bei Sportbekleidung ist Polyester ein sehr oft verwendeter Stoff. Diese Kunstfaser bietet für eben jenes Einsatzgebiet eine Menge an positiven Eigenschaften, die sie mittlerweile nahezu unverzichtbar für die Sportindustrie macht. Auch im Berg- und Radsport wird diese Faser immer wieder gerne verwendet.

Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Kleidung für warme oder kalte Tage dienen soll. Durch die jeweilige Verarbeitung bieten Kleidungsstücke aus Polyester, oder auch nur mit einem gewissen Polyester-Anteil, meist genau das, was man von ihnen erwartet.

 

Polyester transportiert Feuchtigkeit

Wie bereits erwähnt, wird Polyester besonders für Sportbekleidung verwendet. Die jeweilige Sportart spielt dabei eher eine untergeordnete Rolle. Denn die Ansprüche sind doch meist gleich. Der Stoff soll den Sportler nicht zu sehr ins Schwitzen bringen, Feuchtigkeit vom Körper fern halten und natürlich an kalten Tagen wärmen, ohne dabei zu sehr zu überhitzen.

Bekleidung aus Polyester kommt vor allem bei schweißtreibenden Aktivitäten zum Einsatz

Bekleidung aus Polyester kommt vor allem bei schweißtreibenden Aktivitäten zum Einsatz

Polyester bietet im Gegensatz zu Baumwolle eine nur geringe Saugfähigkeit. Deshalb wird der Schweiß, der bei bewegungsintensivem Sport einfach immer entsteht, automatisch nach außen geleitet. Das heißt, im Inneren der Sportbekleidung bildet sich keine Staunässe, die nach dem Sport oder auch bei kleineren Windböen für ein unangenehmes Frösteln sorgen kann. Die Nässe befindet sich hingegen an der Oberfläche der Sportbekleidung und kann dort ungehindert verdunsten.

Da die Fasern den Schweiß nicht aufsaugen, sondern direkt nach außen leiten, können schädliche Bakterien erst gar nicht entstehen. Auch ein unangenehmer Schweißgeruch wird auf diese Weise nahezu komplett verhindert. Wenn die Bekleidung dann nun noch regelmäßig gereinigt wird, überzeugt sie durch eine besonders hygienische Eigenschaft.

Ein weiterer Vorteil, der ebenfalls mit Feuchtigkeit zu tun hat, ist, dass Polyester besonders schnell trocknet. Nach einem anstrengenden Lauf, einem beschwerlichen Bergaufstieg oder einem anspruchsvollen Run über die Trails ist das Shirt oder auch die Hose schnell wieder getrocknet. Auch nach dem Waschen dauert es nicht lange, bis das gute Stück wieder voll einsatzfähig ist. Und dabei muss es meist nicht einmal gebügelt werden, um wieder gut auszusehen. Denn Polyester ist äußerst knitterarm.

Polyester wärmt in der kalten Jahreszeit

Triple2 - Duun Jacket - Winterjacke mit Polyesterisolation

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Doch nicht nur bei schweißleitenden Trikots und Sporthosen kommt Polyester zum Einsatz. Wenn man sie als Futter und/oder Füllung einsetzt, hat diese Kunstfaser eine angenehm wärmende Wirkung. Daher kommt sie auch oft als Innenfutter von Winterjacken und Schlafsäcken zum Einsatz. Auch die Verwendung für Zelte und Outdoordecken ist mittlerweile völlig normal. Wenn sich hierbei die wärmende und die feuchtigkeitsresistente Eigenschaft vereinen, entsteht ein Outdoorstoff, wie er im Buche steht. Der Bergsteiger, Wanderer oder Expeditionsteilnehmer wird also zu jeder Zeit optimal geschützt und kann sein Ziel erreichen, ohne von äußeren Einflüssen eingeschränkt zu werden.

Für die wärmende Eigenschaft von Polyester ist jedoch immer die eigene Körperwärme nötig. Wie bei Neopren bildet sich ein wärmender Schutzfilm zwischen Körper und Kleidung. Kalte Luft von draußen kann hingegen kaum an den Körper kommen. Diese Eigenschaft ist auch besonders bei Decken und Schlafsäcken von großem Vorteil, wenn eine Übernachtung auf dem Berg oder im Biwak ansteht. Dann nämlich ist jedes Grad mehr nicht nur angenehm, sondern oftmals auch noch extrem wichtig, um einer Unterkühlung vorzubeugen.

Die Nachteile von Polyester

Wie bei fast jeder Faser gibt es neben einer Menge Vorteilen auch ein paar Nachteile, die es zu beachten gilt. Der größte Nachteil an dieser Synthetikfaser ist wahrscheinlich, dass viele Menschen allergisch darauf reagieren können. Sie ist nicht so leicht verträglich wie beispielsweise Baumwolle. Wie bei Schafswolle auch, können bei manchen Trägern Juckreiz und Hautrötungen in Erscheinung treten. Doch meist weiß der Sportler selbst bereits von dieser Allergie, bevor er auf Sportbekleidung aus Polyester zurückgreift.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten von Polyester

Neben der Verwendung in Kleidung kann Polyester jedoch auch in ganz anderer Form auftreten. In Form von Duroplast beispielsweise kommt es in Hartkunststoffteilen zum Einsatz. Viele Kunststoffteile im Sportbereich bestehen daher aus Polyester. So wird es oftmals in verschiedenen Ausrüstungsgeständen und Sportgeräten selbst verarbeitet. Ein Material also, das ein sehr weitreichendes Einsatzgebiet abdeckt.

Dynafit - Pdg - Tourenskischuhe mit Fiberglas Schale

Dynafit – Pdg – Tourenskischuhe mit Fiberglas Schale

Ein weiteres Einsatzgebiet von Polyester ist die Verwendung als Fiberglas. Dieses Material überzeugt durch seine enorme Festigkeit und Steifigkeit. Daher kommt es besonders bei der Herstellung von Sportgeräten und –Artikeln zum Einsatz, die äußerst robust und widerstandsfähig, gleichzeitig aber auch sehr leicht sein müssen. Fiberglas wird daher oft für den Bootsbau verwendet und tritt auch in Helmen, Sportbögen und vielen weiteren Gegenständen in Erscheinung.

Polyester ist also durch seine unterschiedlichen Verarbeitungsmöglichkeiten und auch die weitgefächerten Eigenschaften ein Material, das in den unterschiedlichsten Bereichen große Anerkennung genießt. Trotzdem ist es besonders bei Bekleidung im Volksmund oft noch als billige und qualitativ minderwertige Alternative verschrien. Wenn man im Gegenzug hierzu jedoch bedenkt, dass diese Synthetikfaser im Profisportbereich nahezu in jedem Trikot, jedem Rennanzug und jedem Sportgerät vorkommt, wird diese Aussage schnell wieder neutralisiert und Zweifler eines Besseren belehrt.

Ihr habt noch Fragen? Dann hilft Euch unser Kundenservice gerne weiter. Hannes ist hier unser Fachmann in Sachen Polyester. Ihr erreicht ihn unter der Woche telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Stefan sagte am 22. April 2016 um 16:45 Uhr

    Moin, Gerade ihr als Bergsportausrüster lobt das relativ abriebschwache und feuchtigkeitsempfindliche Polyester gerade bei Außenjacken sprich Shells?? Da ist ein Polyamid doch absolut überlegen und wesentlich reiß- und scheuerfester.,.. Polyester für Trekking-Wandern….Ja, aber Bergsport???
    LG
    Steff

  2. Magy Linzmeyer sagte am 17. Mai 2016 um 12:38 Uhr

    Hi Steff,

    vielen Dank für Deinen Kommentar.

    Wir geben Dir hier vollkommen recht. Genau dann, wenn es „hart auf hart“ kommt, ist Polyamid dem Polyester als Obermaterial vorzuziehen.
    Aus diesem Grund verwendet der Hersteller Goretex auch bei seinem Goretex Pro Laminat ausschließlich Polyamide Webware ab einer Fadenstärke von 40 Denier.
    Auch andere Hersteller (Dermizax von Toray) greifen bei ihren Flaggschiffen darauf zurück. Für den harten Alpineinsatz aber auch bei ausgiebigen Trekkingtouren mit schwerem Gepäck sollte daher auf diesen Stoff zurückgegriffen werden.

    Viele Grüße, Daniel

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