Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Im Bergfreunde-Test: Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit

13. August 2018
Ausrüstung

Es ist einer der großen Mythen der Outdoor-Industrie: Die atmungsaktive Regenjacke. Vor allem Radfahrer und (Berg)Läufer wünschen sie sich herbei, aber den großen Wurf hat noch keiner geschafft. Klar, die Membran-Systeme arbeiten zuverlässig, ausgeklügelte Belüftungskonzepte helfen, den Körper zu kühlen, aber gerade, wenn der Temperaturgradient nicht stimmt, die Imprägnierung nicht ideal ist oder man einfach sehr stark schwitzt, geraten die Materialien an ihre Grenzen. Wem das bis hierhin zu technisch ist, kann sich im Basislager-Blog über die verschiedenen Aspekte von atmungsaktiven Membranen belesen.

Warum ich diesen Einstieg gewählt habe? Nun es gibt mal wieder eine innovative Gore-Tex-Technologie! Diese hört auf den klangvollen Namen „Shakedry“ und soll in Sachen Atmungsaktivität neue Maßstäbe setzen. Verbaut in der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit, haben wir das Modell und das Material mal einem ordentlichen Test unterzogen.

„Wenn es perlt, dann atmet es…“

… lautet die klangvolle Überschrift eines Beitrags der erklärt, warum die Imprägnierung einer Jacke für die Atmungsaktivität eine zentrale Rolle spielt. Genau an diesem Punkt setzt Shakedry an: Die Oberfläche ist so konstruiert, dass Wasser und Nässe dauerhaft abgewiesen werden – einfach schütteln und schon ist man trocken, so die Versprechung des klangvollen Produktnamens. Kein Auswaschen mehr, kein Nachimprägnieren.

Unter der Obefläche verbirgt sich eine Gore-Tex-Active-Membran, die schon länger auf dem Markt ist und vor allem durch geringes Gewicht und hohe Atmungsaktivität brilliert. Durch die Shakedry-Technologie entsteht insgesamt ein sehr, sehr leichtes Laminat, da es technisch gesehen nur noch zwei statt drei Schichten sind. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 bringt es bspw. auf knapp 150 g – wie die Produktbezeichnung schon verrät.

Shakedry kommt allerdings auch mit den Einschränkungen von Gore-Tex-Active: Es ist nicht rucksacktauglich und maximal mit leichten Trailrunning-Rucksäcken kombinierbar. Dafür hat sich Dynafit aber einen besonderen Kniff ausgedacht, auf den wir später noch eingehen werden.

Letztlich sei noch erwähnt, dass auch Shakedry aktuell nicht ohne PFC auskommt, die als „ökologisch bedenklich“ gelten. Mehr zur Thematik könnt ihr im Artikel über die Nachhaltigkeit von Gore-Tex-Membranen nachlesen.

Ganz schön durchdacht und verflucht leicht!

Als das Paket hier bei uns landete dachte ich zunächst, es sei leer. 150 g sind aber auch verdammt wenig Gewicht für so ein Jäckchen, aber als alter Trailrunner schätze ich natürlich jedes Gramm, das ich bei der Ausrüstung sparen kann. Erstmal reinschlüpfen…

Passt soweit gut, schön körpernah geschnitten ist sie und Kapuze, Ärmel- und Jackenbund passen sich dank elastischer Einfassungen angenehm an. So weit, so gut. Wichtig für mich: Lassen sich die Ärmel hochkrempeln… Das hilft mir immer sehr, mich zu kühlen. Geht – im Praxiseinsatz zeigt sich allerdings, dass es etwas elastischer hätte sein dürfen. Auf Dauer etwas eng. Alternativ hätte man auch Laschen zum Regulieren an die Ärmel basteln können.

Kapuze sitzt und dreht sich mit dem Kopf – ein gutes Zeichen. Nichts ist schlimmer, als beim Seitenblick in die Innenseite der Kapuze zu schauen. Unter den Ärmeln gibt es Belüftungsöffnungen, die die Ventilation verbessern sollen, einige Reflektoren für mehr Sichtbarkeit und… was ist das? Ein langer Reißverschluss am Rücken, der von oberhalb der Schultern bis kurz oberhalb des Gesäß reicht!?

Ich ziehe die Jacke wieder aus und öffne ihn neugierig – was kommt wohl darunter hervor? Ein verborgener Schatz? Das Tor in eine andere Dimension? Alles falsch: Es ist eine weitere Schicht Stoff. Wahnsinn – aber was soll das?

Ganz einfach: Es ist ein erweiterbarer Rücken, damit man die Jacke über einen Laufrucksack ziehen kann. Chapeau, Dynafit – Chapeau. Eine richtig geile Idee! Aber funktioniert das in der Praxis?

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 im Einsatz

Ich bin mal so frei und nehme die Auflösung vorweg: Jo, funktioniert. Sofern es keiner von den ganz großen Laufrucksäcken ist. Gut kombinieren lies sich die Jacke im Test noch mit einem ordentlich gefüllten 12-Liter-Rucksack, was gerade für den Renneinsatz absolut klar geht. Gerade wenn man die Jacke direkt griffbereit hat und den Rucksack nicht runter nehmen muss, ist so ein Feature natürlich mit einer nicht unerheblichen Zeitersparnis verbunden. Ich wiederhole mich also: Eine richtige geile Idee!

Aber was ist mit dem supermegaduperatmungsaktiven Material? Aufgrund der schon in der Einleitung hohen Abhängigkeit von externen Faktoren fällt natürlich ein generelles „JA, das funktioniert“ schwer. Bei jemandem der in zehn Minuten einen halben Liter Flüssigkeit durch die Poren jagt, wird sicherlich auch Shakedry nichts helfen. Der Autor dieser Zeilen würde sich als gering bis mittelstarken Schwitzer bezeichnen. Bei Temperaturen um die 10°C, heftigem Wind und Niederschlag konnte sie mein Körperklima aber optimal im Zaum halten.

Wenn es mal etwas wärmer wurde, hab ich die Ärmel hochgekrempelt und es war wieder gut – wie gesagt, das ist meine ganz persönliche Cool-Down-Strategie. Darunter trug ich lediglich ein kurzärmeliges Funktionsshirt. Ich kann also für mich persönlich festhalten: Ja, sie ist wirklich so angenehm zu tragen, wie versprochen. Und zwar durchaus mit Abstand zu meiner anderen Gore-Tex-Active-Jacke. Man darf aber natürlich nicht erwarten, dass gar kein Schweiß fließt. Das wäre sonst auch etwas komisch. Die Ventilationsöffnungen unter den Armen bringen ein wenig zusätzliche Belüftung, den Effekt würde ich aber nicht als übermäßig groß bezeichnen.

Und auch das „Abschütteln“ von Feuchtigkeit funktioniert tadellos, Wind und Wasser bleiben draußen und ich trocken – zumindest einigermaßen. Eine wirklich interessante Technologie. Wie sie sich im Langzeittest schlägt, bleibt noch abzuwarten – die Regeneinsätze kann ich aktuell noch an zwei Händen abzählen. Sommer und Frühjahr waren einfach zu gut!

Zuletzt sei noch das Packmaß und das Gewicht erwähnt. Beides ist perfekt auf die Bedürfnisse von Trailrunnern zugeschnitten. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 lässt sich richtig gut komprimieren und macht sich mit ihren 150 g wirklich nicht bemerkbar.

Wo Licht ist…

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 glänzt mit einigen richtig guten Features und einem innovativen Material – keine Frage. Aber es gibt Kleinigkeiten, die man noch etwas hätte besser machen können:

  • Taschen: Davon gibt es keine. Null. Zero. Keine einzige. In Sachen Gewicht natürlich ein weiterer Vorteil, ich persönlich hätte mir aber noch eine Brusttasche gewünscht, damit ich nicht dauernd die Jacke öffnen muss, wenn ich etwas herausholen möchte.
  • Ärmelbündchen: Hier hätte etwas mehr Elastizität gut getan, bei sehr langem Tragen, wird es mit hochgekrempelten Ärmeln etwas unangenehm.

Fazit zur Dynafit Ultra GTX Shakedry Jacket 150

Zuhause wurde es letztens kurzzeitig emotional: Meine bisherige Laufregenjacke, die mich immerhin sieben Jahre bei zahlreichen Trailruns begleitete, wurde in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. There’s a new sherrif in town…

Ich hoffe natürlich, dass die neue Jacke von Dynafit genauso lange durchhält. Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich jedenfalls ziemlich begeistert von dem guten Stück, nicht zuletzt wegen der genialen Idee mit Reißverschluss am Rücken. Wer den stolzen Preis (der UVP liegt derzeit bei 330€) nicht scheut, der kann sich bei der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 auf eine zuverlässige Ergänzung seiner Trailrunning-Ausrüstung freuen!

DWR Imprägnierung – Fluch oder Segen?

10. Juli 2018
Pflegetipps

DWR steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was wörtlich als „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine unsichtbare Imprägnierung des textilen Gewebes von Funktionsbekleidung oder Schuhen. Folglich ist DWR kein Name für ein bestimmtes Material oder System, sondern im Grunde nur die Beschreibung einer Eigenschaft. Doch der DWR-Effekt erzeugt sich nicht von alleine, sondern wird durch verschiedene Chemikalien und Technologien herbeigeführt, die sich von Hersteller zu Hersteller etwas unterscheiden.

Welche Eigenschaften hat DWR?

Lange Zeit dachte ich, dass die als wasserdicht und atmungsaktiv verkaufte Kleidung quasi automatisch eine dauerhaft wasserabweisende Oberfläche hätte. Der Realität begegnete ich dann allerdings ziemlich schnell, als die Außenseite meiner Gore-Tex Jacke schon nach nur relativ wenigen Einsätzen nicht mehr dauerhaft trocken blieb, sich unter Regenaussetzung mit Wasser voll sog und sich zunehmend klamm und kalt anfühlte. Ich fragte mich schon, ob die Membran beschädigt und die Jacke „nicht mehr dicht“ sei.

Die Jacke war aber noch dicht und auch sonst vollkommen in Ordnung. Es war nur die DWR-Imprägnierung, die nachgelassen hatte. Beim Großteil aller Funktionsbekleidungen ist sie der erste, äußere Schutzwall gege­n Nässe. Laminate und Membranen halten das Wasser zwar draußen; schaffen es aber nicht es vom Eindringen in die äußere Textilschicht abzuhalten. Wenn das Wasser dann dort einen geschlossenen Film bildet, ist das Gewebe nicht nur klamm, sondern verliert auch seine Dampfdurchlässigkeit und damit Atmungsaktivität. Man spricht dann vom „Wetting out“.

Die DWR Behandlung verhindert genau dieses Zusammenfließen des Wassers, indem es die Fasern und die Textiloberfläche sehr glatt hält. Das Wasser perlt dann in Form vieler Tropfen ab, anstatt vom Oberstoff aufgenommen zu werden. Das kann wie gesagt auf verschiedene Weisen erreicht werden. Beispielsweise dringt bei den Gore-Tex-Materialien die Imprägnierung in die Fasern ein und verringert die Oberflächenspannung des Oberstoffs.

Allerdings lässt der perlende „Lotusblüteneffekt“ mit zunehmendem Verschleiß der DWR-Behandlung nach. Bei häufigem Tragen, Verschmutzungen und dem Kontakt mit Waschmitteln kann das relativ schnell geschehen. Der Begriff „dauerhaft“ sollte also recht dehnbar aufgefasst werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass man die DWR-Behandlung schnell und einfach reaktivieren oder erneuern kann. Dazu gleich noch mehr im Detail.

Zuvor ist noch zu erwähnen, dass DWR-Imprägnierungen nicht „wasserdicht“, sondern lediglich „wasserabweisend“ sind. Dem Stark- oder Dauerregen hält sie alleine nicht stand; dazu braucht sie schon zusätzliche Unterstützung wie eine Membran und getapte Nähte.

Was genau ist eine DWR Imprägnierung?

Man liest zwar überall darüber wie DWR funktioniert, doch nur selten wird erklärt was für Substanzen und Technologien genau dahinter stecken. Vielleicht liegt das daran, dass man hierfür ziemlich tief in die Welt der industriellen Verfahren und Verarbeitungstechniken eintauchen und sich mit einer großen Zahl chemischer Wirkstoffe auseinandersetzen muss:

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone, die einen guten permanenten Schutz bilden, eingesetzt. (…)

Die imprägnierenden Wirkstoffe sind bislang hauptsächlich Fluorcarbone (PFC), die auch als polyfluorierte Tenside bekannt sind. Im Outdoorbereich sind deren wichtigsten verwendeten Unterarten Perflouroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Da mittlerweile nicht mehr nur PFOA und PFOS, sondern auch sämtliche Fluorcarbone als gesundheitlich und umwelttechnisch bedenklich gelten, suchen immer mehr Hersteller nach Alternativen. Einige solcher alternativen Imprägniermittel funktionieren – vereinfacht gesagt – auf Basis von Wasser- und Fettsäure (aliphatische Kohlensäuren). Mehr zum Thema PFC und der Suche nach Alternativen folgt gleich noch im Umwelt-Abschnitt.

Für das Einarbeiten der imprägnierenden Substanzen in das textile Gewebe gibt es abermals verschiedene Verfahren. Das Bekannteste ist das Tauchverfahren, bei dem die Gewebe durch ein DWR-Flüssigkeitsbad gezogen werden. Ein neueres und präziseres Verfahren ist das Auftragen über Spritzdüsen.

Die DWR Imprägnierung auffrischen oder erneuern

Wie schon erwähnt, bedeutet „durable“ nicht „ewig“. Daher muss die Imprägnierung nach mehr oder weniger häufigem Einsatz aufgefrischt oder komplett erneuert werden. Was genau zu tun ist oder ob überhaupt etwas zu tun ist lässt sich ganz einfach testen: man lässt einfach ein paar Wassertropfen über das Kleidungsstück laufen und schaut, ob diese in den Oberstoff einziehen. Tun sie das nicht, ist die Imprägnierung noch in Ordnung.

Zieht das Wasser teilweise ein, sollte man zunächst versuchen, die alte Imprägnierung aufzufrischen. Nach einer Wäsche gemäß der Pflegeanleitung des Herstellers, darf dem Material nur warme Luft zugeführt werden. Das geht entweder mit dem Wäschetrockner (Schongang 60°C), mit einem Bügeleisen (kein Dampf; keinen direkten Kontakt mit dem Kleidungsstück, sondern eine Stoffschicht dazwischen legen) oder mit einem Föhn. Die Wärme sollte etwa 20 – 30 Minuten einwirken. Anschließend führt man einen erneuten Wassertropfentest durch. Verläuft dieser erfolgreich, hat das Reaktivieren der DWR Imprägnierung bis zur nächsten Wäsche funktioniert.

Hat der Wassertropfentest nicht funktioniert, muss die Imprägnierung erneuert werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Einsprühen oder Einwaschen. Bei beiden Methoden sollte das Kleidungsstück auf jeden Fall trocken und sauber sein.

Beim Einwaschen ist zunächst wichtig, dass die Einspülkammer der Waschmaschine sauber ist.  Dann wird die vom Hersteller empfohlene Dosis des Imprägnier-Waschmittels eingefüllt und die Kleidung im Schonwaschgang bei 40°C gewaschen. Anschließend wird sie je nach Pflegeempfehlung (siehe Etikett) entweder zum Trocknen aufgehängt oder im Trockner auf der niedrigsten Stufe getrocknet.

Das Problem bei der Waschmethode ist, dass der Imprägnierfilm auch auf die Innenseite der Kleidung gelegt wird, wodurch die Atmungsaktivität spürbar nachlassen kann. Je nach  Textilgemisch und Membran gibt es hier unterschiedliche Reaktionen. Bisweilen wird auch die Nachimprägnierung durch eine professionelle Reinigung empfohlen. Das bringt zwar den Vorteil, dass nicht mit den Chemikalien herum hantiert werden muss und sorgt unter Umständen für eine haltbare Neuimprägnierung, ändert aber auch leider wenig an dem genannten Problem.

Das Nachsprühen bringt zwar mehr Chemikalienkontakt mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass die Imprägnierung wie gewünscht verteilt werden kann. So kann man mit dem Imprägnierspray gezielt die Außenseite und besonders die sensiblen Stellen wie Nähte, Bündchen und Schultern bearbeiten. In der Welt der Imprägniersprays gibt es auch fast nur noch Pump-Sprays, die ohne schädliche Aerosole als Sprühhilfen auskommen. Trotzdem sollten natürlich auch diese Sprays nur im Freien bei guter Durchlüftung verwendet und so wenig wie möglich eingeatmet werden.

Auch Soft­shells haben meist eine DWR Behandlung, die von Zeit zu Zeit erneuert werden muss. Dafür gibt es von Toko und Nikwax spezielle Imprägniermittel und -sprays, die sich wie ein wasserabstoßender Schlauch um die Fasern legen und die Bewegung der Softhsell-Fasern aufrechterhalten.

Mehr über das Nachimprägnieren und den Vergleich zwischen Einwaschen und Einsprühen erfährst du in der Bergfreunde-Anleitung zum richtigen imprägnieren von Regenjacken.

Bei Schuhen, die mit der DWR Imprägnierung ausgerüstet sind, kommt eigentlich nur das Sprühen infrage. Einfetten, Einölen und Einwachsen führt fast immer zur Zerstörung der Atmungsaktivität. Dennoch ist auch nicht jedes Imprägnierspray für jeden Schuh geeignet. Ein Grund also mehr beim Schuhkauf die Pflegeempfehlungen des Herstellers aufzubewahren und möglichst genau zu befolgen.

Abschließend noch ein Tipp: Man sollte keine zu hohen Erwartungen hegen, denn kaum eine nachträgliche Imprägnierung reicht je an die Güte der Originalbehandlung heran. Auch dann nicht, wenn man die Kleidung nach dem Motto „viel hilft viel“ zwar hochseetauglich imprägniert, damit aber auch die Atmungsaktivität des Gewebes ruiniert.

Sind DWR Imprägnierungen umweltschädlich?

Sagen wir mal so: die DWR Imprägnierungen fügen sich bislang noch nicht allzu harmonisch in das Ökosystem ein. Brennpunkt der Umweltdiskussion sind die PFC-Verbindungen, die, vereinfacht zusammengefasst, jahrelang in Organismen verweilen und sich in der Natur nicht abbauen. PFC-Spuren sind in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar. Bislang ging man davon aus, dass keine direkten gesundheitlichen Risiken bestehen würden und „nur“ Produktion, Wäsche und Entsorgung von Outdoorprodukten die Probleme seien. Doch eine wachsende Zahl an Human- und Tierstudien deuten auf gesundheitliche Probleme durch PFC im Körper hin – und zwar in vielen lebenswichtigen Bereichen wie Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung.

Wie groß diese Risiken einzuschätzen sind wird heftig diskutiert. Lange Zeit gab es diverse Spekulationen darüber, welche PFC-Verbindung sich wie stark wo ansammelt und welche sich wie schnell wo abbaut. Zeitweise galten deshalb Imprägniermitteln auf Basis von C6-kettigem PFC, anstelle von C8, als sicher. Doch Kritiker, wie der Nikwax-Firmengründer Nick Brown, bezeichneten dies als „Märchen“. Brown ist der Ansicht, dass nur der vollständige Verzicht auf PFC die Umwelt- und Gesundheitsrisiken wirklich senkt.

Nikwax war damit auch die erste Firma, die konsequent auf PFC verzichtete und dies bis heute treu umsetzt. Da Forschungen immer mehr darauf hindeuten, dass wirklich alle PFC-Verbindungen schädlich für Umwelt und Gesundheit sind, ziehen immer mehr Anbieter nach. Neben Nikwax hat auch Toko PFC-freie Imprägnierwaschmittel und -Sprays im Angebot. Das tun sie allerdings eher wegen des gestiegenen Interesses der Kundschaft, anstatt als Druck auf den Gesetzgeber. Dieser sieht nämlich weiterhin nicht vor PFC zu deklarieren.

Bislang galt es als „technisch fast unmöglich, eine gleichwertig leistungsfähige Imprägnierung ohne PFC herzustellen“. Sprich eine Imprägnierung, die nicht nur Wasser, sondern auch Schmutz abweist und somit die Atmungsaktivität erhält. Imprägnierungen aus PU oder Silikon waren bzw. sind zwar umweltfreundlicher, fallen aber in Sachen Funktionalität deutlich hinter PFC-basierte Imprägnierungen zurück.

Doch wie der Umweltpionier Vaude in seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 schreibt, ist das dank innovativer Technologien „inzwischen kein Problem mehr.“ Als letzter „Nachteil“ bleibt nur noch, das PFC-freie DWR Imprägnierungen nicht öl- und fettabweisend sind. Dazu merkt Vaude an, dass diese Funktion auch nicht wirklich benötigt wird. Und in der Tat: wann hat man draußen im Wald oder am Berg je mal Probleme mit Fett und Öl auf der Funktionskleidung? Vermutlich eher selten.

Wie in so vielen Bereichen ist Vaude mit seinem DWR Eco-Finish ein Vorreiter. Weitere umweltfreundliche Alternativen ohne jede Funktionalitätseinbuße befinden sich derzeit in der Forschungs- und Entwicklungsphase und dürften früher oder später zur Marktreife gelange.

Bis 2020 plant Vaude sämtliche Produkte PFC-frei anzubieten. Und auch viele andere Hersteller haben bereits eine oder mehrere PFC-freie Kollektionen. Einen wirklichen Meilenstein könnte bald auch Gore-Tex erreichen, deren Materialien bekanntlich als Vorprodukte in sehr vielen Kleidungsstücken zahlreicher Outdoormarken verabreitet sind. Bis Ende 2023 hat Gore-Tex einen PFC-Verzicht angekündigt.

Bis dahin kann man auf folgende PFC-freie und umweltfreundliche Imprägnier-Alternativen zurückgreifen:

  • Bionic-Finish Eco basiert auf hochverzweigten Polymeren mit einer hohen Dichte an hydrophoben (wasserabweisenden) Elementen. Diese Verbindung weist Wasser und wässrige Schmutzsubstanzen sehr gut ab, ist waschbeständig und abriebfest. Zudem behindert das Biofinish Eco nicht die Atmungsaktivität. Eco Finish ist die aus wieder abbaubaren Inhaltsstoffen bestehende DWR-Ausrüstung von Vaude.
  • Auch Ceplex und Dermizax kann man als Alternativen betrachten, die nach anderen Prinzipien als die DWR Imprägnierung funktionieren. Ceplex ist eine PU-Beschichtung, Dermizax eine Art PU-Membran mit beweglichen Molekülen.

Imprägnierung ist auf jeden Fall wichtig, soweit man zumindest bei einem heftigen Regenguss nicht triefend umher laufen möchte. Und wie man sieht tut sich momentan einiges auf dem Markt der Imprägnierungen. Wir sind gespannt, wie sich die Outdoorwelt weiterhin ins positive für Mensch und Umwelt entwickelt.

Im Test: Patagonia Micro Puff

20. Juli 2018
Kaufberatung

Hast du dich schon mal gefragt was hinter Patagonias Micro Puff Technologie steckt? Und inwieweit sie effizient ist? Dann ist dieser Artikel etwas für dich! Unter kritischem Auge haben wir (Alexandra und Felix) die Technologie an den unterschiedlichsten Orten der Welt unter den Prüfstand gestellt. Alexandra packte dafür den Micro Puff Hoody für einen Skilanglauf am Titisee ins Gepäck, während sich die Micro Puff Jacke bei Felix an dem rauen Wind und der gefühlten Gefrierpunkttemperatur beweisen durfte. Wie unser Urteil wohl ausfiel?

Erstmal die Eckdaten

Patagonia sagt, dass die Micro Puff Jacke die „in Relation zum Gewicht wärmste Jacke [ist], die […] [sie] je entwickelt haben“. Damit macht Patagonia eine starke Aussage. Gilt doch die bessere Wärmeleistung im Verhältnis zum Gewicht bisher immer als eines DER Argumente Daunen statt Kunstfaser als Isolationsmaterial zu wählen.

Dafür hat Patagonia die PlumaFill Isolierung entwickelt. Die Idee dahinter ist nicht neu: Mithilfe von Synthetikfasern wird die Struktur von Daune imitiert. Allerdings kommen die Synthetikfasen in Form von Endlosfasern daher, sodass sie, anders als die klassischen Fasern oder Federn, mit weniger Nähten an Ort und Stelle gehalten werden können. Diese Steppkonstruktion unterscheidet die Micro Puff auch optisch von der Konkurrenz.

Kombiniert wird die Isolierung mit einem ultraleichten, winddichten und wasserabweisenden Außenmaterial aus Pertex Quantum Ripstopnylon mit DWR Beschichtung.

Und auch das Gewicht kann sich durchaus sehen lassen. Bei unserer Messung bringt die  Damenvariante in Größe S insgesamt 230 g und die Männervariante in Größe M 236 g auf die Waage. Unsere Ergebnisse entsprechen damit ziemlich genau den Herstellerangaben.

Der erste Eindruck

Als erstes fällt uns unweigerlich die Farbe auf. Bei der Damenvariante haben wir ein knalliges, glänzendes Rot (Maraschino), kombiniert mit einem blauen Reißverschluss und blauen Elastikbündchen. Bei den Herren ist alles unicolor Orange (Paintbrush Red) – also quasi Knallorange. Mit diesen Farben wird man auf jeden Fall nicht so schnell übersehen. Für all diejenigen, die jedoch nicht ganz so auffällig unterwegs sein möchten, gibt es die Jacken natürlich auch in gedeckteren Farben.

Die Haptik der Jacke ist glatt, sodass sich eine Hardshelljacke ohne Probleme drüber ziehen lässt. Das Material ist sehr dünn und wirkt sogar fast durchsichtig. Aber trotzdem knistert die Jacke mit den Windböen nicht vor sich hin, sondern ist relativ leise.

Der lockere Schnitt lässt viel Raum für Bewegung, aber auch für weitere Schichten unter der Jacke. Die Ausstattung ist schlicht: es gibt eine Kapuze (bei der Hoody Variant), zwei Reißverschlusstaschen außen und zwei große Innentaschen. Der von hinten abgedeckte Reißverschluss schließt hoch. Elastische Bündchen und ein elastischer Saum schließen die Jacke ab. Praktisch ist, dass sich die Jacke kompakt in der linken Jackentasche verpacken lässt.

Die Praxis – der Micro Puff Hoody (w)

(Alexandra) Bevor mich die Micro Puff bei meinem ersten Langlaufausflug am Titisee begleiten darf, muss sie sich erstmal auf dem täglichen Weg zur Arbeit beweisen. Bei Temperaturen zwischen Plus und Minus 8 Grad Celsius pendele ich knapp eine halbe Stunde mit dem Fahrrad. Da ich generell schnell friere bin ich besonders auf die Wärmeleistung gespannt – und ich muss sagen, dass ich dabei nicht enttäuscht werde.

Auch bei Temperaturen unter null Grad reicht mir für die Strecke ein langes Merinoshirt als Baselayer aus. Die Kapuze passt problemlos unter den Helm. Auch vom Gegenwind spüre ich kaum etwas, lediglich am Reißverschluss offenbaren sich kleine Schwächen. Die Abdeckung von innen scheint an dieser Stelle recht knapp bemessen zu sein.

Belüftungsmöglichkeiten gibt es abgesehen vom Frontreißverschluss keine und zugegebenermaßen fehlen mir diese bei wärmeren Temperaturen etwas. Auch weitere Verstellmöglichkeiten mittels Kordelzüge oder Klettverschlüsse sucht man vergeblich. Dies stört mich allerdings weniger, denn es spart Gewicht und man bleibt ohne sie nirgendwo hängen. Außerdem wird das sehr dünne Material nicht unnötig durch Klettverschlüsse strapaziert. Die Kapuze sitzt auch bei meinem kleinen Kopf sicher genug, sodass ich keine Angst vor dem nächsten Windstoß habe. Allerdings hat sich das Wetter in der Testphase vornehm zurückgehalten, sodass ich weder Regenschauer noch starke Winde in den Bericht mit einbeziehen kann.

Auch bei meinem Langlaufausflug in den nahen Schwarzwald zeigt sich der Himmel von seiner sonnigen Seite. Bei 10 Grad minus schichte ich zunächst ein langes Merinoshirt, ein kurzes Funktionshirt und eine Fleecejacke unter die Micro Puff. Nach gut 200 m in der Loipe verschwindet die Fleecejacke aber bis zur Pause wieder im Rucksack. Bei Bewegungen schränkt die Jacke nicht ein und, dadurch dass sie so dünn und leicht ist, fühlt man sich auch nicht wie ein Schneemann.

Die Taschen der Micro Puff sind leicht höher angesetzt, sodass es kein Problem ist, sie bei geschlossenem Hüftgurt des Rucksacks zu benutzen. Geräumig sind sie allemal. Handy, Portemonnaie, Kompaktkamera und die obligatorische Packung Taschentücher passen ohne Probleme hinein. In den Innentaschen könnte man sogar eine Literflasche unterbringen. Allerdings nutzen die Innentaschen den gleichen Platz wie die Außentaschen aus. Da die Taschen bis zum Saum der Jacke gehen, muss man eventuell erst den Rucksack schließen, bevor man sie befüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Außentaschen auch prima als Handwärmer dienen.

Die Praxis – die Micro Puff Jacket (m)

(Felix) Mit der Micro Puff Jacke mache ich einen echten Kaltstart. Einmal im Büro anprobiert, kommt die Jacke ungetestet ins Urlaubsgepäck und wird so zum ersten Mal im argentischen Städchen El Chalten nahe des Fitz Roy eingesetzt. Auf der Reise hatte sie bis dahin mit ihren Maßen gepunktet, denn Volumen und Gewicht machen die Patagonia Micro Puff Jacket zum idealen Reisebegleiter.

In den windigen Abendstunden kommt die sehr schön verarbeitete Jacke so also vorerst beim Flanieren zum Einsatz. Doch ihre wahren Werte darf sie dann schon 24 Stunden später unter Beweis stellen. Am Fuße des südlichen patagonischen Eisfelds ist die Sonne selten, der Wind stark und der Regen waagrecht. Die Jacke habe ich hier, je nach Bedingungen (und diese wechseln sehr oft), mit Softshell darunter oder Hardshell darüber kombiniert. Am meisten fiel mir dabei die wasserabweisende DWR Beschichtung positiv auf. Trotz mehrerer Schauer wurde die Jacke nicht nass.

Allerdings ist mir persönlich die Jacke bei größerer körperlicher Anstrengung zu wenig atmungsaktiv und zu warm. Klar hat sie mich so bei jeder Pause und, noch wichtiger, bei jedem Feierabend vor dem Auskühlen bewahrt, aber ich bin eben lieber zu leicht angezogen und friere auch allgemein nicht so schnell wie eventuell andere. Diese Beurteilung ist damit sehr subjektiv.

Technisch gesehen gefallen mir viele der einfachen Details sehr gut. Bei meiner Armlänge und meinem Umfang sind zum Beispiel die elastischen Armbändchen optimal. Dank ihnen bleibt der Ärmel auch bei größeren Bewegungen dort wo er sein soll.

Die großen Außentaschen haben entweder meine Hände gewärmt, oder meine 1 Liter Trinkflasche verstaut (was dank ihrer Position auch bei einem breiten angelegten Rucksack-Hüftgurt möglich ist). Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass bereits nach kurzer Zeit an einer angesteppten Stelle das PlumaFill nach außen durchdrang.

Trotz dem leichtem Material, habe ich die Jacke aber als robust wahrgenommen. Und ich bin mir sicher: für mich wird sie nun ein fester Begleiter bei Wind und Wetter sein. Mich hat die Patagonia Micro Puff Jacket vor allem mit ihren einfachen Details und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt.

Kurz und knapp können wir Patagonia’s Micro Puff Kleidungsstücke also guten Herzens weiterempfehlen. Und jede Outdoor-Aktivität kann durch die Technologie nun ganz neue, leichte und praktische Züge annehmen.

Eine Kaufberatung zu Biwakzelten

8. August 2018
Kaufberatung

Es ist schon merkwürdig: das Ding heißt Biwakzelt, ist aber weder ein Biwaksack noch ein Zelt. Die Bezeichnung passt aber trotzdem, denn es steht ziemlich genau in der Mitte zwischen diesen Beiden – es ist mehr als ein Biwaksack und weniger als ein Zelt. Obwohl die Lücke zwischen Biwaksack und Zelt ziemlich groß ist und die Lösung für deren Schließung auf der Hand liegt, haben sich die Outdoor-Produzenten sehr lange Zeit genommen, bevor sie hier aktiv wurden. Erst seit etwa zehn Jahren gibt es Biwakzelte überhaupt zu kaufen und die Auswahl ist bis heute überschaubar geblieben. Die große Biwak-Zelt-Lücke ist also trotz des Outdoor-Booms offenbar keine große Marktlücke.

Mit welchen baulichen Maßnahmen haben die Biwakzeltproduzenten die Lücke geschlossen? Nun, zu den Biwaksäcken fügten sie ein Gestänge, sowie die Aufstell- und Fixiermöglichkeit hinzu; von den Zelten zogen sie hingegen den Vorraum (Apsis) und die Doppelwand ab. Erscheint ganz einfach oder? Naja, aber ganz so eindeutig ist die Sache trotzdem nicht immer, denn die Übergänge zwischen „luxuriösem“ Biwaksack, oder Biwakzelt und spartanischem 1-Personen-Zelt sind oft fließend.

Standardkonstruktion Biwakzelt

Die klassische Konstruktion eines aufgestellten Biwakzelts besteht aus einem Kunstfasergewebe, das ähnlich wie ein Biwaksack geschnitten ist, an der Bodenseite jedoch robuster verarbeitet ist. Außerdem wird bei dem Biwakzelt sowohl am Kopfende als auch am Fußende ein Gestängebogen durchzogen. Diese Gestängebögen machen auch den Hauptunterschied zum Biwaksack aus. Der Bogen am Fußende ist kleiner als der am Kopfende und die beiden Bögen sind wiederum deutlich kleiner als bei einem herkömmlichen 1-Personen Zelt. Während man beim Zelt genug Platz zum Sitzen hat, hängt einem das Gewebe im Biwakzelt schon beim Liegen relativ dicht über der Nase. Die Menge der Abspannpunkte ist im Vergleich zum „richtigen“ Zelt etwas geringer, während die Art ihrer Fixierung mit Leinen und Heringen gleich ist.

Für wen ist ein Biwakzelt geeignet?

Die Antwort darauf hängt von den vielen verschiedenen Tourenplänen, Neigungen und Bedürfnissen der Berg- und Outdoorfreunde ab. Okay, das kann man bei fast jedem Outdoorprodukt sagen – also etwas konkreter: Die Hauptzielgruppe der Biwakzelte sind definitiv Sologänger, die gern höher und weiter hinausgehen und dabei schnell und flexibel unterwegs sein wollen. Ihre Komfortansprüche können sie dabei also auch mal vorübergehend zurückschrauben.

Vor einigen Jahren war ich mit dem (leider nicht mehr verfügbaren) Vaude Bivi in Patagonien unterwegs und fühlte mich damit ziemlich gut ausgestattet (vor allem, wenn ich an das Preis-Leistungs-Verhältnis denke). Allerdings war ich sehr glücklich darüber, da ungewöhnlich gutes Wetter viele Nächte an der frischen Luft ermöglichte und deshalb den Einsatz des ziemlich beengten Schlafabteils nicht allzu häufig nötig machte. Andererseits kann man diesen „Minuspunkt“ keinem Biwakzelt wirklich ankreiden – ihre Aufgabe besteht schließlich nicht darin, besonders einladend zu sein.

Zweierteams dürften bei Trekking-, Wander- und Biketouren mit einem „richtigen“ Zelt besser bedient sein. Das knallenge Biwakzelt mit Tourenpartnern zu teilen, die fast so schlimm müffeln wie man selbst, ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei – selbst wenn man mehr als freundschaftlich miteinander verbunden ist. Und wenn alle Tourenteilnehmer je ein 1-Personen-Biwakzelt einpacken, bringt das in Sachen Gewicht und Packmaß keinen Vorteil gegenüber einem komfortablen Zwei- oder Mehrpersonenzelt mit. Eine Ausnahme können Touren in steilem, hochalpinem Gelände sein, wo man eher mehrere kleine Schlafnischen findet als eine große Fläche für ein Zelt.

Für Gruppen von mehr als zwei Personen gilt ähnliches. Zusätzlich wird hier noch eine dritte Alternative interessant: Gruppenbiwaksäcke mit Trekkingstöcken als improvisiertes Gestänge. Der britische Hersteller Rab bietet hier mit dem Group Shelter 2 eine qualitativ hochwertige Möglichkeit an. Dieser mit Vorbereitungen für ein Trekking-Gestänge versehener Biwaksack ist zwar auch nur für zwei Personen ausgelegt, dafür aber so leicht und kompakt, dass eine Gruppe problemlos mehrere Exemplare davon mitnehmen kann.

Vor der ersten Biwakzeltnacht: Was ist zu beachten?

Den schon zuvor erwähnten geringen Abstand des einwandigen Gewebes zum Körper sollte man besonders im Hinblick auf den Schlafsack bedenken: ist der Schlafsack zu dick, hat er direkte Tuchfühlung mit der Zeltwand. Und da diese einlagig ist, „zieht es“ die Nässe von draußen nach drinnen und per direkter Berührung in den Schlafsack. Bei Wind wird die Zeltwand noch fester gegen den Schlafsack gedrückt (zumindest wenn es wie in meinem erlebten Fall patagonischer Wind kombiniert mit prasselndem Dauerregen ist). Man sollte also nur mit wasserabweisenden oder besser wasserfesten Schlafsäcken in Biwakzelten übernachten. Die Klamotten sollten ebenfalls entsprechend nässeresistent sein. All das sollte man möglichst nicht erst während einer Tour auschecken, sondern bei einem vorherigen Test in sicherer Umgebung.

Wichtige Details beim Biwakzelt sind hochwertige, atmungsaktive Kunstfasergewebe aus  Markenmaterial, sowie gut laufende und robuste Reißverschlüsse (möglichst YKK). Längere Reißverschlüsse bieten mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg, sind aber auch größere Schwachstellen bei extremen Wetterverhältnissen und erhöhen zudem ein wenig das Gewicht. Auch bei den Ösen zum Abspannen und deren Vernähung sollte man genauer auf die Robustheit achten. Sehr angenehm sind Biwakzelte mit einem gekreuzten Kopfgestänge, die man zur Not auch ohne Abspannung aufstellen kann.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Zelt

Pluspunkte Biwakzelt

  • Weniger Gewicht und Packmaß.
  • Etwas weniger Flächenbedarf und damit größere Auswahl an potenziellen Übernachtungsplätzen.
  • Schnellerer Auf- und Abbau, somit auch schnellere Ortswechsel bei unvorhergesehenen Komplikationen (z.B. wenn der Übernachtungsplatz geflutet oder zu kalt wird).
  • Man kann das Biwakzelt ohne große Mühe und Aufwand bis ganz oben auf den Berg mitnehmen und damit für plötzliche Wetterwechsel gerüstet sein. Besonders bei längeren Touren mit Überschreitungen und Durchquerungen ist dies ein großer Vorteil!

Minuspunkte Biwakzelt

  • Bei Schlechtwetter besteht keine Möglichkeit zum Kochen (außer man nimmt ein Tarp o.ä. mit – doch das erhöht Gewicht und Packmaß derart, dass man so auch gleich ein „richtiges“ Zelt mitnehmen kann).
  • Auch andere Verrichtungen werden bei schlechtem Wetter ungemütlich (so ist z.B. Essen im Biwakzelt nur im Liegen möglich). Toilettengang, Kleidung wechseln oder benötigte Sachen aus dem Gepäck herauskramen wird zur umständlichen und wenig angenehmen Verrichtung. Immerhin kann man in dieser Hinsicht aber auch relativ komfortabel lesen und Tourenplanung betreiben.
  • Der Rucksack muss draußen bleiben – außer wenn er wirklich klein ist und das Gleiche auch für die Person im Biwakzelt gilt. Dasselbe Verfahren wie mit dem Rucksack gilt auch für für die nassen Bergschuhe.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Biwaksack

Pluspunkte Biwakzelt

  •  Mehr Platz und Komfort; dadurch auch bessere Karten bei Unfällen und Notsituationen (besonders in unwirtlichem hochalpinem Gelände).
  •  Deutlich besserer Wind- und Nässeschutz, da die Schutzhülle auf Abstand zum Körper ist.

Minuspunkte Biwakzelt

  •  Größerer Platzbedarf. Den Biwaksack kann man überall ausbreiten. Bei dem Biwakzelt geht das nicht.
  •  Mehr Gewicht und Packmaß.

Soweit ist hoffentlich deutlich geworden, was das Biwakzelt ist, wozu es gut ist und worauf man beim Kauf achten sollte. Wer das Biwakzelt noch genauer einordnen möchte, sollte sich dazu möglichst noch die Basislager-Artikel zum Thema Biwaksack und Zelt zur Brust nehmen.

Mit Sonnenstrom auf Tour – Mobile Solarpanels

28. Juni 2018
Kaufberatung

Ob Notebook zur Tourenvorbereitung, Navigations App auf dem Smartphone, Fotoapparat oder GPS-Gerät – sie alle haben eine Sache gemeinsam: ohne Strom taugen sie nicht viel mehr, als ein Briefbeschwerer. Trotz immer leistungsfähigerer Akkus müssen die meisten der Geräte, auf die wir bei unseren Touren im Gelände nur ungern verzichten, nach einigen Stunden oder Tagen wieder neu aufgeladen werden.

Je nach Reisegebiet gestaltet sich die Suche nach einer Steckdose von schwierig bis hin zu schlichtweg unmöglich. Sei es mitten im Fjell Norwegens, in der mongolischen Steppe oder auf einer Bergtour in den Alpen. Sobald man den eigenen Aktionsradius über feste Campingplätze und bewirtete Hütten ausweitet, wird das Thema der mobilen Stromversorgung eine echte Herausforderung für alle Outdoor-Enthusiasten.

Für Tagestouren und Wochenendrouten reicht der Strom einer Akkuladung oft aus oder lässt sich mit Ersatzakku und Powerbank erweitern. Mit der Powerbank können beispielsweise Geräte mit USB Anschluss (wie Smartphone oder Tablet) prima aufgeladen werden. Ein Notebook damit zu betreiben oder andere Geräte mit einem höheren Strombedarf anzuschließen, ist mit einer Powerbank allerding nicht möglich.

Auch mobile Solaranlagen sind für sehr unterschiedliche Leistungsstufen konzipiert und dementsprechend groß und schwer, beziehungsweise leicht und kompakt. Je nachdem, ob man mit den Solarpanels ein komplettes Basecamp mit Strom versorgen möchte oder nur die Powerbank nachladen muss, um regelmäßig das Smartphone aufzuladen, gibt es die verschiedensten Arten von leistungsfähigen Solarpanels.

Mobile Solaranlagen für Wohnmobile und Camping

Im Gegensatz zu fest verbauten Solarpanelen auf dem Dach, bieten mobile Solarpanels maximale Flexibilität beim Campen abseits von Campingplätzen mit Stromversorgung aus der Steckdose. Wer nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, weil die Panels in erster Linie mit dem Auto von Stellplatz zu Stellplatz transportiert werden, ist mit einem großen, faltbaren Solarmodul oder einem Solarkoffer bestens beraten.

Die zwei, beziehungsweise drei Solarmodule sind bereits mit Solarregler und Kabelanschluss ausgestattet und können ohne großen Aufwand direkt in Betrieb genommen werden. Da sie nicht fest montiert werden, lassen sie sich immer optimal auf die Sonne ausrichten. Schäden durch Hagel oder Sturm, die bei fest montierten Panelen entstehen können, brauchen Camper mit den mobilen Solaranlagen nicht zu fürchten. Eine Kombination beider Systeme ist natürlich ebenfalls denkbar.

Ein durchschnittlicher Solarkoffer kommt auf eine Ladeleistung von etwa 100 Watt. An einem sonnigen Tag und mit einer optimalen Ausrichtung von 90° zur Sonne erzeugt ein solches mobiles Panel zirka 50Ah. Damit können entweder 12V Blei Batterien im Auto oder spezielle Lithium Akkus geladen werden. Die Geräte werden dann wiederum über die Batterien mit Strom versorgt.

Direktes Anschließen von Stromverbrauchern an die Solarpanels ist eher ungünstig, da es dabei zu Leistungsschwankungen kommt. Mit einer 100Ah Batterie, die unter optimalen Bedingungen voll geladen ist, könnte ein Campingbus oder Wohnmobil mit normalem Stromverbrauch für einige Tage komplett autark versorgt werden. Für schnelleres Laden oder bei ungünstigeren Bedingungen kann der Solarkoffer oder das Solarmodul durch einen zweiten Koffer ergänzt werden.

Je nach Strombedarf durch Anzahl und Art der Geräte, Wetter und Reisegebiet, lässt sich die optimale Größe und Leistung der mobilen Solaranlage individuell auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Bei Reisefahrzeugen und Wohnmobilen sind Solarpanele auch oft fest auf dem Dach montiert. So sind sie jederzeit einsatzbereit und müssen nicht extra aufgestellt und angeschlossen werden. Dagegen sind mobile Solarpanele weniger der Witterung ausgesetzt. Sie lassen sich vom Winkel so ausrichten, dass sie so effizient wie möglich arbeiten. Praktisch ist damit, dass während die Panele in praller Sonne Strom erzeugt, das Reisemobil in einiger Entfernung im Schatten geparkt werden kann.

Kompakte Solarpanels für Rucksackreisen und Trekking

Um auf mehrtägigen Wanderungen abseits der Zivilisation genügend Strom für GPS-Gerät und Smartphone zur Verfügung zu haben, sind kompakte Solaranlagen ideal. Die faltbaren Module sind sehr leicht und dazu noch wetterfest in ihrer Außenhülle verbaut. Ausgestattet mit USB und Micro USB Anschlüssen lassen sich die meisten Powerbanks, Smartphone oder Stirnlampen mit USB Anschluss direkt am Panel laden.

Die Solarpanele für Rucksackreisende sind oft so konstruiert, dass sie sich beim Wandern am Rucksack befestigen lassen. Die Geräte werden bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf diese Weise den ganzen Tag geladen.

Für den Einsatz beim Trekking ist, neben dem geringen Gewicht, eine kompakte und gut geschützte Bauform zu empfehlen. Bei faltbaren Panels (wie zum Beispiel von Goal Zero) sind die Zellen beim Transport im Rucksack sehr gut geschützt. Etwa 500 bis 1000g sollten Traveller für die mobile Stromversorgung als zusätzliches Gewicht einplanen. Die mobilen Panele sind in der Regel gut vor Regen und Schmutz geschützt. Eine wasserdichte oder spritzwassergeschützte Powerbank ist beim Einsatz im Gelände ebenfalls sehr hilfreich, denn ansonsten kann der Akku beim nächsten Regenguss schnell Schaden nehmen. Manche Hersteller von Powerbanks integrieren die gängigen Anschlüsse bereits so in ihre Ladestationen, dass Wanderer und Reisende keine zusätzlichen Kabel benötigen. Somit kann auch kein Kabel vergessen, verlegt oder verloren werden.

Solaranlagen für Expeditionen und extreme Bedingungen

Mobile Solaranlagen für extreme Einsätze sind im Grunde eine Mischung aus den leistungsstarken Panelen für Reisemobile und Camping, sowie den leichten, strapazierfähigen Modulen für Trekking und Backpacking. Um den Strombedarf eines kleinen Basecamps zu decken, ist bereits ein hoher Aufwand nötig. Die Solarpanele sollten unter sehr heißen und sehr kalten Witterungsbedingungen einwandfrei funktionieren. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen stehen große Powerstations und Powerbanks bereit, die mit ihren leistungsfähigen Akkus den Strombedarf für mehrere Tage gewährleisten.

Wie auch bei Solarkoffern, lassen sich die Panele für Expeditionen falten und dadurch sehr gut transportieren. Im Vergleich zu den Camping-Panels sind sie jedoch dünner, leichter und außerdem robuster. Die aufwändige Bauweise spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder, denn die Solaranlagen für Expeditionen sind mit Abstand die teuersten.

Praktische Stative können in unwegsamen Gegenden als Halterung für die Panele aufgebaut werden. So stehen sie sicher, lassen sich optimal auf die Sonne ausrichten und sind besser vor Nässe, Schmutz und Schnee geschützt.

Für Expeditionen ohne großes Basecamp und ohne zusätzliche Versorgung eignen sich die kompakten Panels, die auch auf Trekkingreisen für volle Smartphone-Akkus sorgen. Mit ihrem geringen Gewicht sind sie eine prima Ergänzung im Tourengepäck und versorgen überall die wichtigsten Stromabnehmer – ob in der Portaledge im Yosemite, der Pulka-Tour durch Lapland oder beim Mountainbiken durch West-Nepal.

Fazit

Heutzutage gibt es vermutlich kaum jemanden, der oder die ohne elektronische Geräte Draußen unterwegs ist. Wie der Beitrag euch hoffentlich zeigen konnte, können mobile Solarpanels für das Camping abseits von Stromzugängen, Rucksackreisen, als auch Trekking können mobile Solarpanels eine Investition sein, die sich auszahlt. So oder so, wir wünschen euch eine schöne Outdoor-Erfahrung!

Weit mehr als eine Daunendecke – von den Vorzügen eines Quilts

8. August 2018
Kaufberatung

Ihr wollt auf Eurer nächsten Trekkingtour einmal wirklich aufs Gewicht achten und wisst nicht so richtig womit ihr beim Grammjagen anfangen sollt? Dann könnte dieser Beitrag vielleicht Abhilfe schaffen. Die schwersten Ausrüstungsgegenstände stammen immer aus den so genannten großen Drei: also Schlafsack, Rucksack und Zelt.

Ein vernünftiger Drei-Jahreszeiten-Schlafsack bringt in der Regel mindestens 700-800 Gramm auf die Waage, eher sogar mehr. Dieses Gewicht könnt ihr reduzieren, wenn ihr statt auf einen „klassischen“ Schlafsack auf einen Quilt setzt. Der Quilt schafft es, die 3-Jahreszeiten-Temperaturen mit 400-500 Gramm, also so gut wie der Hälfte des Gewichts des Schlafsackes, abzudecken.

Was ist ein Quilt?

Ein Quilt ist quasi ein Schlafsack, dem allerdings ein Teil seiner Füllung fehlt. Zudem hat ein Quilt keinen Reißverschluss, sondern einen Kordelzug als Verschlußmechanismus. Beides sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Quilt in einem ähnlichen Temperaturbereich leichter ist als ein Schlafsack. Neben dem Gewicht,  sorgt die geringere Füllmenge des Quilts für ein sehr geringes Packmaß – ein weiterer Vorzug für den gewichtsorientierten Wanderer.

Nun wird natürlich schnell die Frage auftauchen, ob die geringere Füllmenge nicht auch für eine geringere Wärmeleistung des Quilts sorgt. Die Antwort lautet nein. Da ein Schlafsack quasi rundum mit Füllmaterial (Kunstfaser oder Daune) versehen ist, kommt man nicht umhin auf einem Teil der wärmeisolierenden Füllung zu liegen. Dadurch komprimiert man die Füllung mit seinem Körpergewicht und sorgt (insbesondere bei Daunen) dafür, dass die wärmeisolierende Eigenschaft vollständig verloren geht. Das heißt die Wärme in diesem Teil des Schlafsacks kommt nicht von dem Schlafsack selber, sondern von der entsprechenden Isomatte, die die Bildung einer Kältebrücke verhindert. Aus diesem Grund ist die fehlende Füllung eines Quilt kein Nachteil, wenn es um die Wärmeleistung in einem bestimmten Temperaturbereich geht.

Auch die fehlende Kapuze kann ganz einfach durch die Kapuze der Daunenjacke oder den Einsatz einer Mütze überbrückt werden.

Einsatzbereiche eines Quilt

Ein weiterer Vorteil eines Quilts gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack liegt in dessen Flexibilität. Der Kordelzug lässt sich sehr viel besser regulieren als ein Reißverschluss. Durch diesen Kordelzug kann der Quilt in wärmeren Bedingungen im Handumdrehen zu einer Decke umfunktioniert werden. So kommt ihr nicht in die Verlegenheit, bei wärmeren Temperaturbedingungen euren Schlafsack mit Schweiß zu tränken und in kälteren Nächten frieren zu müssen. Diese Eigenschaft sorgt auch ganz generell für eine bessere Ventilation als man es in einem geschlossenen Schlafsack hätte.

Was sind also klassische Einsatzbereiche für einen Quilt? Längere Touren, die einen durch unterschiedliche Temperaturbereiche führen sind ein Beispiel. Seien es die großen amerikanischen Trails wie der Pacific Crest, Appalachian Trail oder der El Camino und andere europäische Fernwanderwege, hier werdet ihr mit verschiedenen Bedingungen konfrontiert, aber habt kaum die Möglichkeit eure Ausrüstung anzupassen. Genau deshalb eignet sich der Quilt für diese Touren. Aber auch kleinere Touren, die sich in einem Temperaturbereich bis knapp unter den Gefrierpunkt bewegen, sind sehr gut geeignet einem Quilt den Vorzug vor einem Schlafsack zu geben.

Den richtigen Quilt finden

Bevor ihr den für euch geeigneten Quilt aussucht, ist es wichtig zu beachten, dass zu einem Quilt eine entsprechende 3-Jahreszeiten Isomatte gehört, die einen R-Wert von mindestens drei haben sollte. An der Isomatte kann der Quilt dann auch mit Hilfe des Kordelzuges befestigt werden, um eine optimale Nutzung der Wärmeleistung zu garantieren.

Jetzt kann es losgehen mit der Quiltauswahl. Sehr gute und vor allem extrem leichte Quilts macht der amerikanische Schlafsackspezialist Western Mountaineering. Aufgrund der Nutzung sehr hochwertiger Daunen mit 850 cuin Bauschkraft ist dieser Hersteller immer einen Blick wert.

Ein Modell wie die Nanolite Daunendecke von just genanntem Hersteller ist für den Einsatz bis knapp unter den Gefrierpunkt gemacht und bringt dabei gerade einmal 360 Gramm auf die Waage. Bis ungefähr minus fünf Grad könnt ihr euch mit der Western Mountaineering Australite Daunendecke warmhalten. Mit einem Gewicht von 480 Gramm ist diese nur schwer zu unterbieten.

Quilts im Winter

Kommen wir nun noch zu den Einschränkungen. Quilts sind nicht dafür geeignet unter dauerhaft kalten Bedingungen genutzt zu werden. Der oben genannte Temperaturbereich ist das Maximum was aus einem Quilt herausgeholt werden kann und ihr werdet auch nur 3-Jahreszeiten-Quilts für Frühjahr, Sommer und Herbst finden. Zwar könnt ihr durch die Nutzung einer Winterisomatte den Bereich noch etwas dehnen, aber für dauerhaften Wintereinsatz ist ein Quilt schlicht nicht gemacht.

Da ein Schlafsack ja generell nichts anderes macht, als die eigene Körperwärme durch das entsprechende Füllmaterial zu isolieren und zu speichern, ist es unter kalten Bedingungen wichtig den Raum möglichst klein und geschlossen zu halten. Dies kann ein Quilt wiederum nicht in der gleichen Form wie ein Schlafsack leisten.

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: wenn ihr Touren plant, die euch in unterschiedliche Temperaturbereiche führen, aber nicht durch hohe Minusgrade charakterisiert sind, ist einer der besten Wege Gewicht bei eurer Ausrüstung einzusparen die Nutzung eines Quilts. Diese Schlafsackvariante schafft es durch das Weglassen von normalerweise nutzlosem Füllmaterial wertvolle Gramm einzusparen. Zudem ermöglicht diese Konstruktionsweise in der Nutzung eine sehr hohe Flexibilität. Ihr werdet in warmen Sommernächten nicht schwitzen und unter kälteren Bedingungen trotzdem nicht frieren – was will man mehr?

Das Gewicht des Revos.

Was lange währt, wird endlich Revo

8. August 2018
Ausrüstung

Vor ein paar Wochen ist bei uns das neue REVO des Traditionsherstellers Wild Country eingetrudelt. Da das nunmehr seit Sommer 2016 auf der OutDoor in Friedrichshafen angekündigte Sicherungsgerät auf die Veröffentlichung zusteuert, ließen wir es uns nicht nehmen, das Teil im Vorfeld auf Herz und Nieren zu prüfen.

Ist es ein Tuber? Ist es ein Halbautomat? Es ist ein REVO!

Das REVO ist ein bidirektionales Sicherungsgerät auf der Funktionsbasis eines Tubers mit einer zusätzlichen, paniksicheren Backupfunktion in Form einer Fliehkraftbremse, die im Falle eines Versagens des Sichernden das Seil blockiert. Das REVO stellt somit das erste Sicherungsgerät seit 1991 (Grigri) dar, welches mit einer komplett neuen Technik daherkommt. Freigegeben ist das REVO für Kletterseile mit einem Durchmesser von 8,5-11,0 mm und soll mit allen gängigen Karabinern funktionieren. Gefertigt ist das Ganze aus Aluminium und Edelstahl und wird in Italien produziert. Auch das Design erinnert eher an ein Bauteil eines italienischen Supersportlers; andere böse Zungen behaupten an einen Dynamo, als an ein Sicherungsgerät – aber gerade das weiß durch seine Ausgefallenheit zu gefallen.

Nicht nur das Design und die Größe beeindrucken, sondern auch das Gewicht. Allerdings sind sich hierbei der Hersteller, andere Rezensenten und die heimische Küchen – äh Ausrüstungswaage alles andere als einig. Der Hersteller gibt 245 gr. an, anderswo steht 275 gr. und die Waage sagt wiederum 285 gr. Einigkeit besteht allein bei allen darin, dass es ein schwerer Brocken ist, der die Haltekraft des Klettergurts in Bodenrichtung auf harte Proben stellt. Für den angeschlagenen Verkaufspreis von knapp 130 € bekommt man aber so zumindest noch etwas für sein Geld.

Hands on oder REVO, ick hör dir klacken

Auf den ersten Blick hat das REVO sehr viele bewegliche Teile. Recht schnell merkt man aber, dass für den Sichernden nur der Schließmechanismus (in Form eines kleinen schwarzen Hebels) und die Seilrolle relevant sind. Alles andere erledigt das REVO von selbst.

Das erste Seileinlegen erfordert dennoch einiges an genauer Beobachtung, da auf den ersten Blick nicht intuitiv klar ist, wie das Seil verlaufen soll. Es ist immer noch möglich, das Seil falsch einzulegen, auch wenn man es nicht mehr verkehrt herum einlegen kann. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist dies aber komfortabel zu bewerkstelligen.

Getestet haben wir das REVO mit Kletterseilen verschiedener Stärke und unterschiedlichen Karabinern. In den meisten Fällen nimmt das REVO die diversen Setups klaglos hin. Bei dicken und durch häufige Benutzung speckig gewordenen Seilen (der Toprope-Bereich lässt grüßen) in Kombination mit einem stark gebogenen Karabiner kann es jedoch zu einem ungewollten Schleifen des Seils am Karabiner kommen. Ein wenig problematisch waren in unserem Test zudem Twingate-Karabiner. Durch die knapp bemessene Einhängeöffnung am REVO war bei einigen Vertretern dieser Art etwas Überzeugungsarbeit nötig, andere passten gar nicht.

Wenn alles eingelegt ist, ist das Handling wirklich fantastisch. Das Ausgeben und Einholen des Seils, sowie der schnelle Wechsel zwischen beidem geht so leicht von der Hand, wie bei kaum einem anderen Sicherungsgerät. Das Seil läuft in beide Richtungen ohne zu hackeln (und das unabhängig von der Position der Bremshand!). Zudem kann das Seilausgeben sehr Präzise dosiert werden, sodass weder ein Schlappseil entsteht oder der Kletterer um die letzten Zentimeter Seil bis zur nächsten Exe kämpfen muss.

Diese Leichtläufigkeit macht sich allerdings auch beim Ablassen und Halten des Kletternden bemerkbar. Da die Blockierfunktion nur im Notfall greifen soll, beschränkt sich die native Bremswirkung lediglich auf die oben und unten angebrachten Lamellen, die Fliehkraftbremse dreht sich munter weiter. Dies hat zur Folge, dass eine relativ große Last auf der Bremshand liegt, auch weil, im Gegensatz zu anderen Tubern, der Karabiner konstruktionsbedingt nicht beim Bremsen des Seils mithelfen kann. Gerade bei schweren Kletterern hat der Sichernde daher alle Hände voll zu tun.

Sollte der Sichernde das Seil einmal nicht bremsen, sei es aus Unachtsamkeit, Ohnmacht oder sonstigen Szenarios, blockiert das REVO sehr zuverlässig. Freundlicherweise wird man selbst, und der Rest der Halle, auf etwaige Sicherungsfehler durch ein lautes Klacken der Blockierfunktion auf eben diese aufmerksam gemacht.

Das Backup löst bei einer Fallgeschwindigkeit von 4 m/s aus, also etwa nach 0,4 Sekunden, was ca. einem Meter Fallhöhe entspricht. Gefühlt blockiert es aber schon wesentlich früher. So kann man (auch wenn dies wahrscheinlich nicht im Sinne des Erfinders ist) die Arretierung absichtlich auslösen, um beispielsweise bei einer längeren Pause des Kletternden die Bremshand zu entlasten. Dazu muss man sich lediglich ins Seil setzen und das Bremsseil kurz anheben. Schon nach wenigen Zentimetern können es sich alle Beteiligten in ihren Klettergurten bequem machen. Gelöst wird das Seil wieder durch einen Ruck mit der Bremshand nach unten, was hervorragend funktioniert.

Beim Ablassen mit dickeren Kletterseilen schien sich das REVO hin und wieder nicht ganz sicher zu sein, ob es nun blockieren soll oder nicht (auch fernab von einer Ablassgeschwindigkeit von 4 m/s). Gleiches gilt für sehr schnelle Manöver beim Seilausgeben und -einholen. Auch hier blockiert das REVO bei hohen Geschwindigkeiten, was aber selten ein Problem darstellt, da die Selbstblockade ebenso schnell wieder zu lösen ist wie sie eintritt.

Ein paar Einschränkungen zur Arretierung gibt es allerdings, wie der Designer des REVO Egon Resch in einem Interview mit bergsteigen.com offenlegt. Bei sehr leichten Personen und wenig Seilreibung blockiert das REVO gar nicht. Gleiches gilt, wenn sehr viel Seilreibung auftritt. In unseren Tests, mit Kletterern von 64 bis 85 kg ist dieses Problem jedoch nie aufgetreten. Leider wurden keinerlei Angaben dazu gemacht, ab welchem Gewicht es zu einem Aussetzen kommen kann, oder ob zusätzlich andere Faktoren (Schlappseil o.ä.) eine maßgebliche Rolle bei diesem Phänomen spielen könnten.

Ähnlich wie bei Halbautomaten erfordert das REVO ein wenig Übung, wenn es darum geht den Kletterer weich zu sichern. Zwar lässt es sich wie ein Tuber bedienen, aber es lässt die dynamischen Eigenschaften solcher Sicherungsgeräte missen (wenn auch nicht in dem Maße wie bei anderen Halbautomaten). Somit ist ein körperdynamisches Sichern das Mittel der Wahl, insbesondere wenn der Sichernde ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat.

Fazit

Das REVO macht vieles richtig und vor allem das Klettern sicherer. Ob es nun wie versprochen „the safest belay device available“ ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Auch kann ich nichts über die Langlebigkeit dieses doch aus sehr vielen Einzelteilen bestehenden Sicherungsgeräts sagen, die erst in ihrem Zusammenspiel das zusätzliche Maß an Sicherheit gewährleisten.

Die lange Entwicklungszeit lässt allerdings darauf schließen, dass Wild Country das REVO lange genug getestet hat, um Kinderkrankheiten auszumerzen. Die Entwickler haben sich dankenswerterweise einiger verbreiteter Sicherungsprobleme angenommen und diese auf innovative Weise gelöst. Wer also gerne mit einem Tuber sichert, aber sich bei diesem mehr Sicherheit wünscht und sich nicht umgewöhnen möchte, kann beim REVO getrost zugreifen. Man bekommt für einen sicherlich stolzen Preis ein Sicherungsgerät, das durch ein klasse Handling, ein interessantes Design und eine maschinelle Arretierung glänzt – falls der Faktor Mensch versagt.

Auf einen Blick

  • Hersteller: Wild Country
  • Maße (hxbxt): ca. 104 x 87 x 38 mm
  • Gewicht: ca. 285 gr
  • Seildurchmesser: 8,5 -11,0 mm
  • Karabiner: alle, mit wenigen Einschränkungen

Tschüss Käsefüße – Outdoor Socken waschen leicht gemacht

20. Juni 2018
Pflegetipps

„Pfui Teufel! Bleib mir bloß weg mit deinen Käsemauken!“ Das oder etwas Ähnliches haben wir sicher alle schon des Öfteren nach einem langen Fußmarsch zu hören bekommen. Ganz klar, der natürliche Fußschweiß, die Feuchtigkeit und Bakterien haben über den Tourentag ganze Arbeit geleistet und die Socken in eine pestilenzartige Muffeloase verwandelt. Aber auch Matsch, Laub und ähnlicher Unrat, der sich in die Schuhe verirrt hat, haben den Fußklamotten zu schaffen gemacht. Die Socken müssen in die Wäsche! Aber was gibt’s beim Waschen der Outdoor Socken zu beachten? Gute Frage, drum hier eine kleine Sockenwaschberatung.

Allgemeine Tipps zum Waschen der Outdoorsocken

Keine Angst, die Sockenwaschkunde ist kein Hexenwerk! Dennoch gibt es ein paar wichtige Dinge, die ihr beachten müsst. Starten wir mit ein paar allgemeinen Tipps zur richtigen Sockenwäsche. Der Leitgedanke des Sockenwaschens: achtet in jedem Fall auf die Herstellerangaben! Gerade funktionelle Gewebe sind echte Hochleistungsmaterialien und haben oft ihre ganz eigenen Pflege Dos und Don’ts.

Dreht die Socken vor dem Waschen auf links. Warum? Ganz einfach, der wahre Schmutz lagert sich nicht außen an, sondern durch Schweiß und Hautpartikeln am Inneren der Socke. In Sachen Waschprogramm könnt ihr, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dem Schongang vertrauen. Der normale Waschgang wird eure Socken jedoch sicherlich auch nicht umbringen. Achtet aber in jedem Fall auf die Angaben des Herstellers.

Ein weiterer Tipp für das seit frühesten Waschmaschinentagen bekannte Sockenmysterium – der auf Nimmerwiedersehen verschwundene Sockenpartner. Ob die Socken von einem Dimensionsloch in der Trommel verschluckt oder von Kobolden entwendet werden, wie sie verschwinden wird sich wohl niemals vollständig aufklären, aber ein Mittel gegen den plötzlichen Sockenschwund gibt es allemal.

Nehmt zum Sockenwaschen ein herkömmliches BH-Netz oder ein Wäschenetz zur Hand. Das hält zum einen die Socken beisammen und schont zum anderen empfindliche Funktionssocken (oder feine Merinosocken) vor dem Abrieb durch die Trommel. Zudem schützt es vor Schäden durch Reißverschlüsse, Knöpfen oder Nieten anderer Kleidungsstücke.

Welche Socke wird wie gewaschen?

Nun geht’s ans Eingemachte. Welche Socke wird wie gewaschen? Egal ob aus Wolle, Kunstfaser, Baumwolle oder Merinowolle, um eure Socken sauber zu bekommen, müsst ihr keine hohen Temperaturkaliber auffahren. Zwar ist die Waschtemperatur nach wie vor materialabhängig, jedoch reichen 30 bei Merinowollgeweben bis maximal 40 Grad bei funktionellen Kunstfasermaterialien in aller Regel aus.

Moderne Waschmittel sorgen auch bei niedrigen Temperaturen für eine umfassende Reinigung und waschen eure Socken wie im bekannten Werbeslogan porentief rein. Temperaturen über der 40 Grad Grenze sind nicht nur unnötig, sie können empfindliche Gewebe sogar nachhaltig schädigen. Umwelt und Geldbeutel freuen sich über den Niedrigtemperaturwaschgang ebenfalls. Weniger ist also wiedermal Trumpf.

Wie sieht es an der Waschmittelfront aus?  Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Hauptsache ist, dass ihr auf Zusätze wie Bleiche, Chlor, optische Aufheller oder Weichspüler verzichtet. Ein Vollwaschmittel scheidet von vornherein aus, da es mit vielen aggressiven Zusätzen und Aufhellern für ein strahlendes Weiß daherkommt. Die schonendste Alternative ist das Feinwaschmittel. Hier wird eine besonders schonende Waschlauge mit einem feinporigen Schaum erzeugt, die wie ein Polster für empfindliche Materialien wirkt – sozusagen eine Art schaumiger Airbag, der die Socken beim Schleudergang schützt.

Feinwaschmittel ist vor allem für Funktionstextilien zu empfehlen, da es sehr gewebeschonend ist und keine Zusätze enthält, die die Funktionalität beeinträchtigen oder das Gewebe schädigen. Ich persönlich nehme ab und an ein übliches Colorwaschmittel. Das ist zwar nicht ganz so schonend wie ein Feinwaschmittel, kommt aber ebenfalls ohne Bleiche und ähnliche Zusätze aus und verhindert gleichzeitig ein Abfärben, beziehungsweise ein Ausbluten der Farben. Aber Achtung: Colorwaschmittel eignet sich nicht für Wolle oder Seide!

Merinosocken sind in der Regel herrlich pflegeleicht. Ihr solltet nur darauf achten, dass ihr bei 30 Grad bleibt und wenn möglich den Schongang einstellt. Als Waschmittelkandidaten bietet sich ein Fein- oder ein Wollwaschmittel an. Letzteres sollte in jedem Fall für Socken aus „normaler“ Wolle verwendet werden, da das Wollwaschmittel ohne Protease auskommt. Protease ist ein eiweißspaltendes Enzym, dass auf Dauer die Wollfasern schädigt.

Liegt bei euch eine Pilzerkrankung am Fuß vor, gibt es spezielle medizinische oder fungizide Waschmittel und Spüler, die dem Fußpilz auf der Socke an den Kragen gehen. Temperaturmäßig solltet ihr hier auf mindestens 60 Grad gehen, da ansonsten bei einem Waschgang unterhalb dieser Temperatur circa 10 bis 15% der Sporen überstehen. Hier sollte allerdings auch wieder die Herstellerangaben beachtet werden!

Die große Wäschekontroverse – Warum kein Weichspüler?

Das keine Bleiche, kein Chlor oder ähnliches an die geliebte Outdoorsocke sollte, lässt sich locker nachvollziehen. Aber warum kein Weichspüler? Schließlich riecht das Zeug (meistens) prima und die Wäsche fühlt sich hinterher kuschelig weich an. Der Grund liegt an den sogenannten kationischen Tensiden, die im Weichspüler enthalten sind. Diese Tenside legen sich als Film auf die einzelnen Fasern, lassen die Faseroberfläche glatter wirken und sorgen so für eine softe Haptik. Hört sich toll an? Naja!

Die Krux liegt gerade an diesem Film, denn er vermindert die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von Geweben, was bei Funktionstextilien eher hinderlich ist. Eure Socken sind dann nämlich weich, eure Füße aber leider schwitzig und stinkig. Gleichzeitig schadet Weichspüler elastischen Kunstfasern. Sie verlieren ihre Dehnbarkeit, leiern aus oder werden brüchig. Das ist vor allem für die Sockenbünde pures Gift.

Der Nutzen, den Weichspüler auf die Wäsche hat, ist folglich fraglich und zudem enthalten einige dieser weichmachenden Produkte Zusätze wie Silikone, Lösungsmittel, Farbstoffe oder Formaldehyd, die sich schädlich auf die Umwelt auswirken.

Kann die Socke in den Trockner?

Bei der Trocknerfrage gilt wieder der altbekannte Hinweis auf die Angaben des Herstellers zu achten. In den meisten Fällen können die Socken jedoch bei niedriger Temperatur und im Schonprogramm durchaus die eine oder andere Runde im Wäschetrockner drehen. Ich würde dem allerdings immer die Trocknungsvariante in der frischen Luft vorziehen: auf der Leine an der oder auf einem gut belüfteten Wäscheständer. Auf diese Weise bleibt die Socke in jedem Fall in Takt und der Bund verliert auch nicht an Elastizität.

Ihr seht, die Outdoor Socken richtig zu waschen ist kein großes Ding. Wenn ihr auf ein paar Kleinigkeiten achtet, hat selbst der fieseste Schmutz und der übelste Geruch keine Chance und eure Socken sind schnell wieder für den nächsten Einsatz bereit!

Auf leisen Sohlen – Testbericht Arc’teryx Norvan LD

5. Juni 2018
Ausrüstung

Understatement und dezentes Auftreten halten die Autoren dieses Textes grundsätzlich für sympathische Eigenschaften. Insofern könnten die Trailrunning-Produkte von Arc’teryx auch unseren Geschmack treffen. Blöd nur, dass die Markteinführung der Artikel völlig an uns vorüber ging. Wählt Arc’teryx hier eine neue Marketing-Strategie (Geheimtipp!?). Man weiß es nicht!

Werfen wir einfach mal einen Blick zurück: Schon 2016 kündigte Arc’teryx auf einschlägigen Messen an, sich zukünftig der Zielgruppe “Trailrunner“ stärker zuzuwenden und diese mit hochwertigen Produkten zu versorgen. Der Start der Kampagne wurde im Frühjahr 2017 mit der Einführung eines ersten Trailrunningschuhs eingeläutet. Nach und nach folgten Jacken und Rucksäcke, die teilweise unter gemeinsamen Namen firmierten: Norvan.

Abkürzung oder Long Distance?

Minimalismus ist ein Ideal, das bei Arc’teryx einen hohen Stellenwert genießt. Die firmeneigenen Designer verfolgen das Ziel, komplexe Produktanforderungen mit einfachen und cleveren Lösungen umzusetzen. Ganz klar, dass deshalb lange Produktnamen generell ausscheiden: Aus „North Vancouver Long Distance“ wird kurzerhand „Norvan LD“. Getauft wurde so der jüngste Trailrunningschuh der kanadischen Firma, die genau dort – in British Columbia – ihren Standort hat.

Richtet sich der Kollege „Norvan Vertical (VT)“ an die Fans von sehr technischen, felsigen Trails, soll der LD nun speziell bei langen Läufen Komfort, Halt und Schutz bieten.

Der erste Eindruck

Das erste was auffällt – und das klingt widersprüchlich – ist das schlichte Design des Schuhs. Der Schaft ist komplett nahtlos und einfarbig, nur der kleine seitliche Aufdruck mit dem Arc’teryx-Logo gibt Aufschluss darüber, wer diesen Schuh gefertigt hat. Die „kritischen“ Stellen am Übergang zwischen Mittelsohle und Schaft, sowie die Zehenkappe sind mit einer Schicht thermoplastischem Polyurethan (TPU) überzogen.

Ebenfalls etwas ungewöhnlich ist der vollständige Verzicht auf reflektierende Elemente. Womöglich sind diese auch dem Streben nach Minimalismus zum Opfer gefallen: Trailschuhe werden auf Trails getragen und sind dementsprechend stets dreckverkrustet. Zudem ist der Trailrunner im Unterschied zu Straßenläufern dem Straßenverkehr eher selten ausgesetzt, sodass Reflektionen an auffälligeren Kleidungsstücken genügen müssten.

Ein Fliegengewicht ist der Schuh übrigens nicht: Ein einzelner Schuh in Gr. 10 (UK) wiegt immerhin stolze 340 Gramm. Der Norvan LD erscheint zunächst eher robust und gemächlich, die Verarbeitung macht einen sehr hochwertigen Eindruck – was bei einem Preis von knapp 160 Euro jedoch auch erwartet werden kann.

Der Schaft

Interessant ist das Innenleben: Bei den meisten Laufschuhen ist der Bereich an der Achillessehne und Ferse fett gepolstert und mit faltigem Mesh-Material überzogen. Beim Norvan LD hingegen wurde ein kunstlederähnliches Material verwendet, das völlig glatt und ohne Nähte, den kompletten Fersenbereich umschließt. Hintergrund ist, dass dieses Material in Verbindung mit einer spartanischen Polsterung, sehr wenig Wasser aufnimmt und gerade bei nassen Bedingungen oder Bachquerungen Vorteile bietet. Der Schwammeffekt bleibt aus und die Gefahr von Blasenbildung wird minimiert. Außerdem bemerkten wir beim Testen: Die gereizte (Haglund-) Ferse von Markus passt genau in die dünn gepolsterte, gut geformte Fersenkappe und wird so keinem ständigen Druck ausgesetzt.

Damit feine Staubpartikel nicht in den Schuh eindringen und dort scheuern können, wählt Arc’teryx ein dichter gewobenes Obermaterial aus. Dieses geht zwar etwas auf Kosten der Atmungsaktivität, sorgte bei Temperaturen über 20°C aber trotzdem für einen akzeptablen Grad an Trockenheit.

Wer hierzu ein Upgrade will, kann noch mal 30 Euro drauf legen und bekommt den Norvan LD mit Gore-Tex-Membrane. Hierbei liegen die entscheidenden Vorteile erfahrungsgemäß jedoch weniger bei der Feuchtigkeit von innen, sondern mehr bei der Feuchtigkeit von außen.

Richten wir unser Augenmerk auf die Schnürung. Diese funktioniert so einfach wie tadellos: Die Schnürsenkel bestehen aus einem auffällig rauen und festen Material, sodass sie sich ein wenig ineinander, sowie in den Ösen verhaken. Will man den Schuh fest schnüren, muss man während des Schnürens nicht permanent an den Schnürsenkeln ziehen, sondern kann auch mal loslassen, ohne dass die Festigkeit in der Schnürung im nächsten Moment wieder verloren geht. Man hat fast den Eindruck, dass sich die Festigkeit der Schnürsenkel an den verschiedenen Stellen (zu einem gewissen Grad) variieren lässt, weil sich  die Schnürspannung nicht sofort gleichmässig über den ganzen Schuh verteilt (wie es bei normalen, d.h. elastischeren und rutschigeren Schnürsenkeln, der Fall ist). Das erleichtert auch die Anpassung des Schafts an den Fuß.

Nach dem Schnüren können die Schnürsenkel dann praktischerweise in die Zungenlasche gesteckt werden. Das verhindert zuverlässig, dass sich die Schnürsenkel unterwegs öffnen oder an z.B. Stöcken oder anderen Pflanzenteilen hängenbleiben. Die Zunge an sich scheint für unseren Geschmack etwas zu weit nach oben gezogen. Dies hat zwar den positiven Effekt, dass Geröll und Dreck ganz gut abgewehrt werden, allerdings drückt sie leicht auf den Spann, wenn der Fuß stärker angewinkelt wird.

Die Passform

Was die Passform betrifft gehen die Meinungen der beiden Testläufer auseinander. Bei der männlichen Schuhvariante gibt es bei der Größenwahl nichts Besonderes zu beachten. Markus passt die Größe, die er auch bei anderen Laufschuhen trägt. Der Schuh scheint „normal auszufallen“ – wie man so sagt. Die Weite wurde am unteren Ende von „Medium“ gewählt, dürfte jedoch den meisten Läufern keine Probleme bereiten. Nur ausgesprochen breite Füße oder Ultraläufer, die manchmal etwas weiter geschnittene Zehenboxen mögen, könnten damit nicht zurechtkommen.

Jessi empfand die weibliche Variante des Norvan LD als tendenziell groß ausfallend. Beim Kauf würde sie dazu raten, im Vergleich zur gewohnten Trailrunning-Schuhgröße den Norvan LD eine halbe US-Größe kleiner zu wählen. Dann haben sie die richtige Größe um sich auch nach längerer Belastung der Füße noch komfortabel zu tragen. Zudem kann sie die Schuhe auch bei breiteren Füßen empfehlen.

Der Sohlenaufbau

Der aufmerksame Leser wird es schon fast erahnen. Auch die Sohlenkonstruktion sieht unspektakulär aus. Nur bei genauerem Hinsehen fallen unterschiedliche Zonen in der Mittelsohle auf. Da bei einer „Long Distance“ die Füße schon mal ermüden können, verbaut Arc’teryx eine Pronationsstütze im Mittelfußbereich. Zieht man den Schuh das erste Mal an, spürt man diese Verstärkung auch leicht, beim Laufen erfüllt sie aber sehr unauffällig ihren Zweck.

Machen wir weiter im Testprozedere. Ein fachmännischer Druck mit dem Daumen auf den Dämpfungskeil zeigt sofort, der Schuh ist moderat gedämpft, weißt einen mittleren Härtegrad auf und dürfte auch Läufern genügen, die über 75 kg Körpergewicht liegen. Wer die Sohle kräftig durchbiegen will, braucht dann schon die ganze Hand. Wirklich flexibel ist sie nicht und Torsion fast unmöglich. Geschuldet ist dies vermutlich u.a. der eingearbeiteten TPU-Platte, die vor fiesen Steinen schützen soll. Dieser Annahme widersprechen allerdings einige Trailschuhe, die ebenfalls eine solche Platte besitzen und uns ein flexibleres Laufgefühl bieten.

Gehen wir also davon aus, der etwas starre Sohlenaufbau ist gewollt und wir laufen mit dem Norvan LD zu Testzwecken einfach mal blindlings im groben Schotter. Hier zeigt sich dann auch die Stärke der Sohlenkonstruktion: Komfort, Halt und Schutz wird in solch unangenehmen Gelände tatsächlich geboten.

Die Laufsohle

Große Erwartungen weckt eine Laufsohle, die sich „Megagrip“ nennt und aus dem Hause Vibram stammt. Arc’teryx verbaut eine relativ simple Variante dieser Sohle mit, die  sicherlich nicht für den Einsatz in extremen Matsch designt wurde, sich aber insgesamt sehr universell zeigt. Dies brachte das wechselhafte Wetter im Frühjahr zu Tage, das fast alle Zustandsformen von Dreck und Wasser im Programm hatte.

Auf festgetretenem Schnee bot die Sohle einen auffallend guten, im Matsch – wie schon oben erwähnt – einen zumindest ausreichenden Grip. Sehr wohl fühlt sich die Sohle auf einem felsigen oder wurzeligen, trockenen Untergrund. Hier haftet die Sohle hervorragend am Boden und zum ersten Mal kommt tatsächlich ein Gefühl von „Megagrip“ auf. Bei solchen Bedingungen resultiert insbesondere im Downhill das gewonnene Vertrauen in die Sohlen in einer deutlich erhöhten Geschwindigkeit. Die Kombination Nass/ Fels blieb uns (leider) bei den Tests erspart. Deswegen ziehen wir für diese Beurteilung die Erfahrungen mit einem anderen Trailschuh heran, an welchem die gleiche Vibram-Sohle klebt und der aktuell von Markus gelaufen wird. Mit diesen kommt er bei glitschigen Wegabschnitten im Fels sehr gut zurecht, weshalb sie momentan bei derartigen Bedingungen seine erste Wahl sind.

Noch eine letzte Bemerkung zur Haltbarkeit: Bei den Tests sind wir auch einige Kilometer auf Asphalt unterwegs gewesen. Der Abrieb hält sich auch hier in Grenzen, was auf eine hohe Laufleistung schließen lässt. Bestätigt wird dieser erste Eindruck auch durch den „sohlenverwandten“ Schuh, den Markus jetzt schon seit 9 Monaten im Einsatz hat.

Mostly harmless

…lautete der wortkarge Eintrag im Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ zur Erde und stempelte unseren Planeten als eher langweilig, ungefährlich und harmlos ab. Wir haben uns bei Testläufen mit dem Norvan LD wacker gegen ein ähnliches Urteil gestemmt. Zugegeben, oft haben wir uns auch abseits vom eigentlichen Einsatzbereich des Laufschuhs bewegt – aber manchmal werden genau hier Stärken und Schwächen aufgedeckt.

Läuft man auf normalen Schotter- und Waldwegen oder gar auf Asphalt, weckt der Norvan wenig Begeisterung: Er rollt mit seiner festen Sohlenkonstruktion zwar gut ab, lässt aber wenig Dynamik verspüren. Hört man jedoch auf die Werbetexter und bewegt sich in alpinem Gelände, entsteht ein anderes Bild. Die stabile Konstruktion vermittelt Vertrauen, gibt Halt und bietet damit eine gute Grundlage für lange Läufe. Daraus ergibt sich für Arc’teryx folgende Möglichkeit: Dem Norvan VT und LD kann durchaus ein drittes Paar Laufschuhe zur Seite gestellt werden, welches das Sortiment perfekt vervollständigen würde. Diese haben dann vielleicht eine flexiblere Sohle, sind ein paar Gramm leichter und eignen sich perfekt für Dauerläufe im naheliegenden Naturpark Schönbuch. Es wird nur eine Frage der Zeit sein bis Arc’teryx den Schöbu DL präsentiert!

Rückruf: SKYLOTEC Klettersteigsets

22. Juni 2018
Rückruf Archiv

Heute erreichte uns die Nachricht, dass Skylotec alle SKYSAFE-Karabiner für eine vorsorgliche Überprüfung zurückruft. Davon betroffen sind eine ganze Reihe Klettersteigsets, die wir euch unten einzeln aufgezählt haben. Was passiert ist und was ihr tun müsst, falls ihr ein betroffenes Modell euer eigen nennt, erfahrt ihr hier…

Wichtige Anmerkung: Alle ab dem 14.06.2018 bei den Bergfreunden gekauften Skylotec Klettersteigsets wurden bereits ausgetauscht und sind vom Rückruf NICHT betroffen!

Was ist passiert?

Bei einer routinemäßigen Qualitätsuntersuchung der SKYSAFE-Karabiner wurde festgestellt, dass die Bruchwerte streuen – und zwar bis in den nonkonformen bzw. sicherheitsrelevanten Bereich. Die Ursache konnte identifiziert werden und liegt im Härteprozess des Stahlkörpers. Da man bei Skylotec nicht gänzlich ausschließen konnte, dass auch ältere Chargen betroffen sind, folgt nun ein vorsorglicher Rückruf auch älterer Klettersteigsets.

Welche Skylotec Klettersteigsets sind betroffen?

Bei folgenden Sets werden die Karabiner einer Überprüfung unterzogen:

  • RIDER 3.0 / Artikelnummer L-0672
  • RIDER 3.0/ Artikelnummer L-0612
  • SKYRIDER / Artikelnummer L-0039
  • SKYSAFE III / Artikelnummer L-0673
  • SKYSAFE II / Artikelnummer L-0156
  • SKYSAFE / Artikelnummer L-0056

Bei folgenden Produkten führt Skyloteczusätzlich ein Bandfalldämpfer-Upgrade durch:

  • SKYSAFE Sam / Artikelnummer L-0674
  • SKYSAFE Duro / Artikelnummer L-0675

Um einer Verwirrung vorzubeugen: Bei den letzten beiden Modellen werden die Karabiner natürlich auch überprüft, allerdings werden gleichzeitig die Bandfalldämpfer mit neueren Versionen nach EN958:2017 ersetzt.

Was muss ich tun, wenn ich ein betroffenes Set besitze?

Solltet ihr ein entsprechendes Klettersteigset besitzen, sendet es bitte umgehend an Skylotec zurück. Hier könnt ihr euch einen Retourenaufkleber ausdrucken, mit dem ihr das Set kostenfrei zurücksenden könnt. Vergesst bitte nicht, dem Paket auch dieses Rücksendeformular beizulegen. Wenn das Set bei Skylotec angekommen ist, dauert die Überprüfung bis zu 10 Tage. Danach geht das Set kostenfrei zu euch zurück.

Habt ihr das Set bei uns gekauft, werdet ihr natürlich zeitnah von uns per Email informiert. Bitte seht davon ab, das Produkt direkt an uns zu schicken. Wir schicken es auch nur an Skylotec weiter, was den ganzen Prozess um einige Tage verlängert. Auch die bei uns lagernden Sets werden aus dem Verkauf genommen und an Skylotec zurück geschickt.

Ausführliche Informationen zum Rückruf findest du auf der Webseite von Skylotec.

Kaufberatung Fahrradbremsen: Scheiben- oder Felgenbremsen?

18. Mai 2018
Kaufberatung

Scheibenbremsen oder Felgenbremsen? Das ist die Frage, die sich wohl jeder Fahrradfahrer zumindest einmal in seinem Leben stellt. Um euch diese Frage zu beantworten, nehmen wir uns heute mal beide Bremsen in einem Vergleich näher unter die Lupe.

Welches System eignet sich am Besten für Mountainbiker und Rennradfahrer?

Während bei Rennrädern die Frage Scheibenbremsen oder Felgenbremsen derzeit noch heiß diskutiert wird, hat sich die Scheibenbremse bei Mountainbikes bereits seit etlichen Jahren fest etabliert und ist beim Downhill, Enduro und Freeride gar nicht mehr weg zu denken.

Als das Mountainbike in den 1980er Jahren konstruiert wurde, waren die Bikes mit starren Gabeln und Cantileverbremsen ausgestattet, die per Seilzug und später vereinzelt per Hydraulik an der Felge bremsten. Neben der zunehmenden Ausbreitung von Federgabeln am Mountainbike und vollgefederten Bikes verdrängten Scheibenbremsen die Felgenbremsen weitestgehend. Beide Systeme wurden von Motocross-Motorrädern übernommen und an die Fahrraddimensionen adaptiert. Die Federungen erlaubten bessere Dämpfung, höhere Traktion und dadurch auch wesentlich höhere Geschwindigkeiten im Gelände. Daher war die Entwicklung der Scheibenbremsen für Mountainbikes der nächste logische Schritt, um die hohen Geschwindigkeiten und Belastungen optimal kontrollieren zu können.

Die Vorteile von Scheibenbremsen am MTB

Bei langen und steilen Abfahrten neigen Felgenbremsen dazu die Felgen stark zu erhitzen. Das kann zu verminderter Bremsleistung führen, oder sogar Felge, Reifen und Bremsbeläge beschädigen. Auch bei Nässe sind die Scheibenbremsen den Cantileverbremsen oder V-Brakes haushoch überlegen. Scheibenbremsen für Mountainbikes werden teilweise mit Seilzügen zur Kraftübertragung ausgerüstet. Hochwertige Bremsen sind jedoch in der Regel hydraulische Systeme, die mit spezieller Bremsflüssigkeit zur Kraftübertragung funktionieren. Welche positiven Effekte eine Bremsanlage mit Scheibenbremsen am MTB mit sich bringt, zeigt die folgende Übersicht:

  • Mountainbiker benötigen für die gleiche Bremswirkung weniger Fingerkraft. Die Bremshebel sind oft so konstruiert, dass sie sich mit einem oder maximal zwei Fingern bedienen lassen. Dadurch verbleiben die anderen Finger am Lenker und das Bike kann sicher gefahren werden.
  • Die Felgen werden nicht durch die Bremsen abgeschliffen und auch bei einer leichten Unwucht („Achter“) schleift die Bremse niemals an der Felge.
  • Bei Nässe erzielen die Beläge der Scheibenbremse mit ihrer höheren Flächenpressung wesentlich bessere Bremswerte.
  • Bei langen Abfahrten werden die Felgen nicht heiß und können nicht beschädigt werden. Die Hitzeentwicklung konzentriert sich auf die Bremsscheiben.
  • Meistens halten die Bremsbeläge an Scheibenbremsen länger. Der Wechsel der Beläge ist zudem sehr einfach. Auch die Bremsscheiben sind sehr langlebig.
  • Dickere Reifen sind für die Scheibenbremse im Vergleich zur Felgenbremse kein Problem.

Neben den immensen Vorteilen beim Mountainbiken, bringen die Scheibenbremsen aber auch einige kleine Nachteile mit sich:

  • Sie sind schwerer als Felgenbremsen und außerdem empfindlicher (z.B. beim Transport mit ausgebauten Laufrädern).
  • Die gesamte Bremsanlage ist technisch komplexer und benötigt mehr Know How, mehr Erfahrung und mehr Zeit zur Wartung und Pflege.
  • Die Bremsbeläge für Scheibenbremsen müssen eingefahren werden, um ihre volle Bremskraft zu entfalten. Das erfordert etwas Geduld, ist allerdings für jeden Mountainbiker problemlos durchzuführen.
  • Naben und Speichen werden durch die Scheibenbremsen stärker belastet, als bei Felgenbremsen.
  • Gute Scheibenbremsen sind teurer als Felgenbremsen.

Unterschiedliche Scheibenbremsen: Bremsscheiben, Bremsbeläge, Bremsflüssigkeit

Auch wenn die Systeme sich bei Mountainbikes auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen, gibt es doch einige grundlegende Unterschiede, die vor allem beim Umrüsten und Verändern der Bremsanlage von Bedeutung sind.

Die meisten Bremsscheiben bestehen aus Edelstahl. Neben ihrem Design unterscheiden sie sich durch ihren Durchmesser. Der wiederum verändert die Bremsleistung der gesamten Anlage. Einfach ausgedrückt bedeutet das: größere Bremsscheibe heißt stärkere Bremsleistung. Allerdings wiegen größere Bremsscheiben auch mehr und lassen sich nicht mit jeder Federgabel an jedem Bike kombinieren. Der allgemeine Standard liegt bei 180 mm Scheiben oder 203 mm Scheiben. Für die Montage der Scheiben an den Naben gibt es zwei verschiedene Befestigungsarten, die als „IS2000“ und „Centerlock“ bekannt sind. Beim IS2000 System (6-Loch) wird die Bremsscheibe mit sechs M5 Torxschrauben an der Nabe befestigt. Das Centerlock System von Shimano setzt dagegen auf einen speziellen Verschlussring mit Vielzahnprofil. Mit dem Shimano Centerlock ist die Bremsscheibe im Handumdrehen montiert und demontiert. Die 6-Loch Aufnahme hat dagegen den Vorteil, dass ein M5-Torxschraubendreher oft schneller verfügbar ist, als das spezielle Werkzeug für Centerlock Systeme.

Je nach Bremsanlage stehen Montainbikern verschiedenste Bremsbeläge zur Auswahl. Grundsätzlich stehen meist gesinterte Beläge oder organische Bremsbeläge zur Auswahl. Die metallischen Beläge (Sinter Brake Pads) sind unempfindlich gegen Hitze und sehr lange haltbar. Sie benötigen allerdings mehr Zeit zum Einfahren und beanspruchen die Bremsscheiben stärker. Organische Bremsbeläge (Resin Brake Pads) bestehen aus organischen Fasern und Kunstharz. Sie sind besonders geräuscharm und lassen sich sehr schnell einfahren. Bei Nässe und Sand sind sie den gesinterten Belägen jedoch meist etwas unterlegen.

Als Bremsflüssigkeit in Scheibenbremsen für Mountainbikes dient entweder Mineralöl oder DOT. Die vom Department of Transportation (kurz DOT) festgelegten Richtlinien für Bremsflüssigkeiten beziehen sich eigentlich auf Autos und Motorräder, sind aber für Mountainbikes gleichermaßen gültig. Für hydraulische Scheibenbremsen werden unterschiedliche Bremsflüssigkeiten verwendet (z.B. DOT 4, DOT 5.1), die untereinander nicht immer kompatibel sind. Andere Hersteller, wie Shimano oder Magura, setzen dagegen voll auf Mineralöl. Diese Bremssysteme sind sehr wartungsarm und die Bremsen müssen oft über viele Jahre nicht entlüftet werden. Anders jedoch die Bremsen mit DOT Füllung: da die Flüssigkeit hygroskopisch ist (d.h. sie „zieht“ Feuchtigkeit aus der Luft), müssen die Bremssysteme in regelmäßigen Abständen gewartet werden.

Scheibenbremsen am Rennrad

Während Scheibenbremsen sich bei hochwertigen Mountainbikes inzwischen längst durchgesetzt haben, sind Scheibenbremsen am Rennrad noch lange nicht in gleichem Maß etabliert. Das Interesse der Rennradfahrer an Scheibenbremsen wird allerdings immer größer und dementsprechend wächst auch das Angebot der Hersteller an ausgefeilten Bremssystemen.

Leichte und zuverlässige Felgenbremsen sind seit etlichen Jahrzehnten der Standard an Rennrädern für Amateure und Profis. An den Rennradfelgen befindet sich dafür eine spezielle Bremsfläche, auf die die Bremsbeläge drücken. Meist sind diese Flächen aus Aluminium gefertigt – teilweise aber auch aus individuellen Legierungen oder Carbon. Kohlefaser ist für seine hohe Festigkeit und sein geringes Gewicht bekannt. Bei Nässe ist jedoch die Bremsleistung einer Aluminium-Bremsfläche spürbar kräftiger. Ein Nachteil der Felgenbremse ist die Einschränkung bei der Reifenwahl, denn die Rennradreifen für Felgenbremsen dürfen nicht zu breit sein. Rennräder werden aus immer steiferen Materialien gefertigt, um so eine ideale Kraftübertragung zu gewährleisten. Der Komfort für den Radfahrer fällt dabei immer geringer aus. Breitere Reifen versprechen bessere Dämpfung und angepassten Fahrkomfort – können aber mit Felgenbremsen nicht aufgezogen werden.

Die Vorteile, die sich für Rennradfahrer mit Scheibenbremsen bieten sind daher:

  • Freiere Auswahlmöglichkeiten bei leichten Felgen und breiteren Reifen. Die Bremsfläche ist nicht mehr an der Felge angebracht. Dadurch sind die Laufräder langlebiger (keine Abnutzung an den Bremsflanken und keine Erhitzung durchs Bremsen).
  • Mehr Fahrkomfort durch breitere Reifen, ohne dabei mehr Rollwiderstand zu erzeugen.
  • Durch die Gewichtsverlagerung von den Bremsflanken (die wegfallen) zur Mitte der Laufräder, (Bremsscheiben) verschiebt sich die rotierende Masse in Richtung Laufradmitte. Vom Gesamtgewicht ergibt sich je nach Bremse nur ein geringer Unterschied. Die Laufräder lassen sich mit Scheibenbremsen aber leichter beschleunigen und mit weniger Kraftaufwand lenken.
  • Auch bei Nässe und schmutziger Fahrbahn ist die Bremsleistung sehr gut.

Hinzu kommen die Vor- und Nachteile, die es auch im Bereich der Scheibenbremsen für Mountainbikes gibt. Einer leichten Bedienbarkeit und sehr guten Bremsleistung stehen höhere Anschaffungskosten und ein größerer Wartungsaufwand gegenüber. Bei der Suche nach der leichtesten Kombination von Laufrädern und Bremsanlage haben Felgenbremsen noch immer die Nase vorn. Allerdings sinkt das Gewicht der Setups mit Scheibenbremsen von Jahr zu Jahr. Die Frage nach dem absoluten Gewicht wird sich deshalb in naher Zukunft erübrigt haben. Der Trend zur Verwendung von Scheibenbremsen am Rennrad ist unverkennbar und betrifft sowohl Amateure, Freizeit-Rennradler, wie auch Radprofis. Spätestens seit der deutsche Sprintspezialist Marcel Kittel bei der Tour de France 2017 und bei der Dubai-Tour 2017 mit Scheibenbremsen an seinem Rennrad für Aufsehen gesorgt hat, wird das Thema heißer diskutiert, als je zuvor.

Die richtigen MTB-Socken & Rennradsocken finden

13. Juni 2018
Kaufberatung

Man sollte es nicht denken, aber als Teil der Radbekleidung nehmen die Socken eine sehr wichtige Funktion ein. Die falschen Socken, oder schlecht sitzende Socken neigen zum Verrutschen, können zu Druckstellen und Blasen führen, lassen die Füße schwitzen und verlieren schnell ihre Passform. Es sind dementsprechend also die Socken, die beim Radfahren über ein angenehmes Fahrgefühl mitentscheiden.

Nicht nur Radprofis tragen spezielle Fahrradsocken, sondern auch Alltagsradler, Tourenfahrer, Mountainbiker und Rennradfahrer rüsten sich mit optimal sitzenden Radsocken aus, die eine maximale Performance beim Radfahren ermöglichen. Die ideale Radsocke ist dabei die, die man beim Radfahren gar nicht mehr bewusst wahrnimmt – weil sie nicht rutscht, nicht drückt und für ein angenehmes Fußklima sorgt.

Je nach Einsatzbereich, Fahrradtyp und Radschuhen bevorzugen Radfahrer unterschiedlich konstruierte Sockenarten. Von gut gepolsterten und hoch geschnittenen Downhillsocken für Mountainbiker, bis hin zu dünnen und sehr gut belüfteten Socken für Rennradfahrer – Sockenhersteller, wie Maloja, Falke oder Pearl Izumi, bieten eine breite Auswahl mit vielen funktionellen Detaillösungen, um ein individuell abgestimmtes Verhältnis von Atmungsaktivität, Passform und Dämpfung zu gewährleisten.

Intelligente Materialmischungen für optimale Performance

Gute Radsocken müssen komfortabel und sicher sitzen, sowie die Feuchtigkeit von den Füßen nach außen transportieren. Bei gewöhnlichen Socken, die zum größten Teil aus Baumwolle bestehen, ist weder die richtige Passform gegeben, noch ein sicherer Sitz oder Atmungsaktivität. Auch wenn diese Socken oft als Sportsocken angeboten werden, sind sie alles andere als sportlich. Nach einer anstrengenden Radtour sind sie meistens vom Schweiß durchnässt und nach mehreren Radtouren sogar so ausgeleiert, dass sie gar nicht mehr richtig sitzen.

Hochwertige Radsocken werden dagegen aus verschiedenen Materialien gefertigt. Die einzelnen Materialien  kommen in verschiedenen Zonen der Socke zum Einsatz und beeinflussen gezielt die Dämpfung an den Zehen, den sicheren Sitz der Ferse, als auch den Abtransport der Feuchtigkeit durch luftdurchlässiges Mesh-Gewebe. Durch die spezielle Anpassung an die Bedürfnisse der individuellen Einsatzbereiche, sind die Radsocken für Mountainbiker und Rennradfahrer optimal auf die Touranforderungen abgestimmt. Dadurch bieten sie Freizeitsportlern und Radprofis optimale Effizienz und eine sehr gute Haltbarkeit.

Folgende Materialien finden sich in verschiedenen Kombinationen oft in Radsocken:

  • Polyamid: die Kunstfaser ist sehr strapazierfähig und sorgt für eine gute Haltbarkeit.
  • Polyester: lässt sich optimal mit anderen Fasern kombinieren und ermöglicht hohe Atmungsaktivität und Stabilität.
  • Elasthan und Lycra: die elastischen Kunstfasern sorgen für den perfekten Sitz. Wie eine zweite Haut sitzen die Socken an den Füßen und garantieren dabei uneingeschränkte Bewegungsfreiheit.
  • Meryl Skinlife: diese Kunstfaser gegen unangenehme Gerüche ist mit ihrem Silberanteil antibakteriell und geruchshemmend.
  • Merinowolle: die Naturfaser vom Merinoschaf ist nicht nur geruchshemmend, sondern beeinflusst auch das Tragegefühl bei Kälte und Wärme gleichermaßen positiv. Die Wolle wärmt selbst im feuchten Zustand.
  • Seide: als Bestandteil von Primaloft Silk können dünne Radsocken mit sehr guter Wärmeleistung gefertigt werden.

Sportliche Konstruktion und angenehme Passform

Das Material der Radsocken gliedert sich in Komfortzonen und Funktionsbereiche. Diese einzelnen Bereiche unterscheiden sich oft farblich voneinander und sind durch ihre verschiedenen Strukturen klar auszumachen.

Im Bereich der Zehen und an der Ferse sind Radsocken oft angenehm verstärkt. Auf der Oberseite der Socken und am Schaft sorgt das Mesh-Gewebe mit seinen zahlreichen kleinen Öffnungen für angenehme Ventilation und einen effizienten Luftaustausch. Je nach Radsocke wird die Konstruktion durch stabilisierende Zwischenbänder, Kompressionsbündchen und Mittelfußkompressionen ergänzt. Flache Nähte sorgen dafür, dass sich die Socken anfühlen als seien sie nahtlos gefertigt.

Die dünnen und passgenauen Radsocken für Rennradfahrer und Mountainbiker sorgen für ein sehr gutes Tragegefühl in den Radschuhen. Um eine möglichst direkte Kraftübertragung auf die Radschuhe und die Klickpedale zu erreichen, sind besonders die Socken für Wettkämpfe und ambitionierte Rennradler dünner beschaffen.

Im Gegensatz dazu sind die Socken für Mountainbiker oft etwas höher geschnitten, stärker gepolstert und weicher. Die dabei entstehenden Nachteile in Sachen Kraftübertragung nehmen Mountainbiker auf ausgedehnten Touren im Gelände gerne in Kauf, denn dafür bieten die Mountainbikesocken ein deutliches Plus an Komfort. In Bezug auf ihre ideale Passform müssen Mountainbiker und Rennradfahrer weder mit gut gepolsterten Socken, noch mit bestens belüfteten Modellen Kompromisse eingehen – die Radsocken garantieren in jedem Fall einen hervorragenden Sitz und sportliche Performance.

Warme Radsocken für den Winter

Während Radfahrer im Sommer immer auf ein ideales Verhältnis von Atmungsaktivität und Komfort bei ihren Radsocken achten, sind für die kühle und kalte Jahreszeit wärmende Radsocken gefragt. Dabei verwenden die Hersteller sehr gerne Merinowolle, um die Füße der Radler vor Kälte zu schützen. Trotz der zusätzlichen Isolation müssen Radfahrer auch im Winter nicht auf eine optimale Passform verzichten – auch diese Socken garantieren einen perfekten Sitz und verrutschen nicht.

Durch die wärmende Radsocken können sich Radfahrer ziemlich gut vor Kälte und Wind schützen. Selbst bei etwas Feuchtigkeit und Nässe schützen die Wintersocken besser, als die dünnen Socken für Frühjahr und Sommer.

Wind- und wetterfest: Überschuhe und wasserdichte Socken

Um auch bei regnerischen und sehr nassen Bedingungen dauerhaft trockene Füße beim Radfahrern zu behalten, haben einige Hersteller wasserdichte Radsocken in petto. Wie die anderen Radsocken, sind diese ebenso angenehm elastisch und passgenau.

Die wasserdichten Bikesocken von Gore Bike Wear sind beispielsweise mit einer wasserdichten und windundurchlässigen Gore-Tex Membran ausgestattet. Dadurch bleiben die Socken atmungsaktiv und ermöglichen ein komfortables Fußklima. Wind und Wasser haben jedoch keine Chance in die Radsocken einzudringen.

Als Alternative zu wasserdichten Radsocken, verwenden Rennradfahrer und Mountainbiker gerne wasserdichte Überschuhe. Sie werden über Radschuhe und Radsocken getragen und sind im Bereich der Sohle offen. So lässt es sich auch mit den Überschuhen laufen und der Funktionalität der Klickpedale steht nichts im Wege. Praktisch ist zudem, dass sich die Überschuhe bei wechselhaften Bedingungen schnell an- und wieder ausziehen lassen.

Für die Kombination Überschuh und Radsocken tragen Radfahrer ihre normalen Radsocken, und genießen dabei den gewohnten Komfort und die optimale Atmungsaktivität. Überschuhe haben außerdem den großen Vorteil, dass nicht nur die Radsocken trocken bleiben, sondern auch die Radschuhe. Das aufwändige Trocknen der Schuhe, nach einer nassen oder matschigen Biketour, bleibt einem also dadurch glücklicherweise erspart. Die Überschuhe hingegen sind schnell wieder trocken. Bei vielen Radfahrern sind die wasserdichten Überschuhe besonders auf mehrtägigen Radtouren immer mit dabei.

Fazit

Wie man also sieht: die richtigen Radsocken können jedem Radfahrer das Bikeerlebnis um einiges verschönern und erleichtern. Nerviges Socken hochziehen, Leiden durch Druckstellen und Blasen, oder Schwitzen – all dies kann umgangen werden! Deshalb, auf eine schöne nächste Bike-Tour!

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