Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Loden – ein unterschätztes Material!?

16. Januar 2020
Ausrüstung

Liebe Freunde des gepflegten Outdoorsports, heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Loden befassen. Okay, okay, ich sehe förmlich, wie mich schon jetzt ein paar fragende Augen durch die Empfangsgeräte hindurch anschauen. Daher kurz vorab: Loden sind weder eine Inselgruppe im Nordatlantik, noch eine ansteckende Kinderkrankheit. Es handelt sich dabei vielmehr um ein traditionelles Material, das schon für Outdoorbekleidung eingesetzt wurde, als es den Begriff „Outdoor“ noch nicht einmal gab.

Loden wird aus dem Fell des jungfräulichen Lodenschafs (Ovis lodensis virginalis) hergestellt. Dieses darf nur im nördlichen Voralpenraum gezüchtet werden und auch dort nur auf Inseln, die in einem See liegen, in dem Baden verboten ist. Durch viel Ruhe und die überwiegende Fütterung der Schafe mit Spargel und Stangensellerie, wächst den Schafen langes glattes Fell. Dieses wird im Herbst von ehrenamtlich arbeitenden Rentnerinnen der katholischen Landfrauengemeinschaft geschoren. 

Klingt nach Blödsinn? Ist es auch! Aber hättet ihr gewusst, was Loden genau ist und wie dieser Stoff hergestellt wird? Ich ehrlich gesagt auch nicht so recht, schauen wir uns also die wichtigsten Fakten zum Thema gemeinsam an und fragen:

Was ist Loden eigentlich?

Eines vorweg: Es gibt kein Lodenschaf. Schade eigentlich, aber so ist das nun einmal. Loden ist ein Sammelbegriff für Wollstoffe. Woher das Wort kommt, kann heute nicht mehr genau geklärt werden, ist aber auch nicht so wichtig. Sicher ist jedoch, dass es Lodenstoffe bereits im Mittelalter gab. Früher wurden Stoffe dieser Art  überwiegend für wetterfeste (Arbeits-)Kleidung eingesetzt. Manch einem dürfte darüber hinaus der Begriff Loden als typischer Trachtenstoff und von Jagdbekleidung her bekannt sein. 

Ganz losgelöst von diesem leicht angestaubten Image kommen Lodenstoffe neuerdings aber auch vermehrt im Bereich der Freizeit- und Sportbekleidung zum Einsatz. Die Stoffe können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Von dick bis dünn von vergleichsweise glatt bis eher grob, hier gibt es zahlreiche Varianten. Eines eint sie jedoch: Die Stoffe sind immer gewalkt. Und das bringt uns gleich zu der nächsten Frage:

Wie werden Lodenstoffe hergestellt und was unterscheidet sie von anderen Stoffen?

Bei Loden handelt es sich um Stoffe, die aus Wolle hergestellt werden. Hierzu wird gerade für Outdoorbekleidung auch gerne mal Merinowolle eingesetzt. Traditionell hergestellte Loden bestehen jedoch zumeist aus „herkömmlicher“ Schurwolle, nicht selten von Schafen aus dem Alpenraum. Darüber hinaus lässt sich aber auch beispielsweise Alpakawolle oder Kaschmirwolle problemlos zu Lodenstoffen verarbeiten.

Vom Rohstoff Wolle bis hin zur fertigen Stoffbahn ist der Herstellungsprozess jedoch immer in etwa derselbe. Welche Schritte die Wolle dabei durchläuft, habe ich hier für euch einmal vereinfacht zusammengefasst.

Vermischen und kämmen

Egal ob Lodenstoff oder nicht, bevor es mit der Verarbeitung so richtig losgeht, muss der Rohstoff Wolle grundlegend behandelt werden. Da nicht nur die Wolle von einem Tier zum Einsatz kommt, ist es wichtig, die einzelnen Wollfasern gründlich zu vermischen. Direkt im Anschluss an diesen Prozess läuft die Rohwolle über bestimmte Walzen, die mit Nadeln versehen sind und so die Wolle zu einem feinen Vlies kämmen. Je nach Hersteller wird die Wolle nach diesem Vorgang gefärbt, andere Hersteller färben erst das fertige Garn ein.

Spinnen

Das Spinnen ist ein sehr komplexer Prozess und kann je nach dem, wofür das Garn später eingesetzt werden soll, unterschiedlich erfolgen. Wichtig ist für uns jedoch nur die Tatsache, dass die Wolle zu unterschiedlich dicken Garnen versponnen wird, was sich wiederum auf die spätere Beschaffenheit des Stoffs auswirkt.

Weben

Auch beim Weben der späteren Lodenstoffe unterscheidet sich der Vorgang nicht grundlegend zur Herstellung anderer Stoffarten. Besonders ist jedoch, dass hier in der Regel besonders große Stoffbahnen gewoben werden, da sich diese beim nachfolgenden Verarbeitungsprozess nochmals deutlich zusammenziehen.

Walken

Durch das Walken werden Loden erst zu Loden. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, der sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert hat und dem Material seine charakteristischen Eigenschaften verleiht.

In ca. 40 °C warmem Wasser wird der Wollstoff durch Reibung und Druck gewalkt. Hierbei verfilzen die Fasern ineinander, das Gewebe schrumpft um etwa 30-40 % und es entsteht ein Stoff, der sehr dicht und somit wetterfest ist. Der Grund hierfür liegt auch in dem in der Wolle enthaltenen Wollfett, das dem Stoff zahlreiche gute Eigenschaften verleiht. 

Eigenschaften und Einsatzgebiet von Lodenstoffen

Loden kommt klassischerweise immer dort zum Einsatz, wo robuste und wetterfeste Kleidung benötigt wird. Loden ist ein Stoff, der gerade auch für den Alpenraum sehr typisch ist. Früher wurde er dort überwiegend für Arbeitskleidung verwendet. Kein Wunder, denn Kleidungsstücke aus Loden halten in der Regel ordentlich was aus und geben obendrein warm. Ein weiteres typisches Einsatzgebiet für Lodenstoffe ist seit jeher Jagdbekleidung, denn auch hier sind die Anforderungen recht ähnlich. 

Vereinfacht kann man sich Loden als stark verdichteten Wollstoff vorstellen. Bei diesem liegen die einzelnen Fasern deutlich enger beieinander als bei herkömmlichem Gewebe. Außerdem sind sie Fasern durch das Filzen dicht miteinander verzahnt und bilden so einen Stoff, der zahlreiche gute Eigenschaften besitzt:

  • Winddicht. Durch die enge Gewebestruktur und die wärmenden Eigenschaften von Wolle, wird eine optimale Winddichtigkeit erreicht. Je nach dicke des Stoffs, bleit diese bis zu vergleichsweise hohen Windstärken erhalten.
  • Wasserabweisend. Loden wird klassisch ohne den Zusatz von Chemikalien hergestellt. Hierdurch bleibt das natürliche Wollfett, das Lanolin, im Stoff erhalten. Dieses wiederum bewirkt, dass Lodenkleidung Wasser nur schlecht aufnehmen kann und so beispielsweise auch bei leichtem Nieselregen innen angenehm trocken bleibt.
  • Schmutzresistent. Das Wolllanolin kann aber noch mehr. Es bewirkt obendrein, dass Schmutz nur schlecht vom Gewebe aufgenommen werden kann. Werden Lodenstoffe also für Arbeitskleidung oder Sportbekleidung eingesetzt, wirkt sich dies gerade bei raueren Bedingungen positiv auf den Gesamtzustand aus.
  • Temperaturausgleichend und atmungsaktiv. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Loden um ein Naturprodukt. Wolle ist von Natur aus wärmend. Durch die eng verwobene Struktur kann außerdem die körpereigene Wärme dort gehalten werden, wo sie gebraucht wird. Außerdem kann die besondere Struktur des Stoffs Wasserdampf, wie er beispielsweise beim Schwitzen entsteht, in einem gewissen Maß aufnehmen und ermöglicht so den zielgerichteten Abtransport.

Loden im Outdoorbereich

Ist Loden also der neue Superstoff, auf den die Welt schon lange wartet? Naja, ganz so einfach ist das nicht. Wie überall im Leben muss man auch hier genauer hinschauen. Aktuell kommen Lodenstoffe im Outdoorbereich nur vereinzelt zum Einsatz. Ob das an dem leicht angestaubten Image dieses Stoffs liegt oder schlicht daran, dass die großen Hersteller noch nicht auf den Trichter gekommen sind, ist dabei nicht geklärt.

Schauen wir uns aber einmal die Produkte am Markt an, sehen wir recht schnell: Loden geht auch ganz anders als volkstümlich oder jägermäßig. Nicht selten werden im Outdoorbereich Lodenstoffe auch mit anderen Materialien kombiniert, sodass moderne und funktionelle Kleidungsstücke entstehen, die auch mit härteren Bedingungen gut klarkommen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Produktgruppen:

Pullover und leichte Jacken

Wolle wirkt wärmend. Kein Wunder also, dass auch Loden genau dafür eingesetzt wird. Zahlreiche Hersteller wie beispielsweise Ivanhoe of Sweden oder Ulvang bieten daher vergleichsweise dünne Jacken und Pullover aus Lodenstoffen als wärmende Kleidungsschicht an. Hersteller wie Ortovox gehen dabei sogar noch weiter. Durch die gezielte Kombination von Loden und Kunstfaser, entstehen hier Kleidungsstücke, die zahlreiche gute Eigenschaften mitbringen.

Mäntel und wetterefeste Jacken

Wie bereits erwähnt, ist Loden seit jeher ein Stoff, der vor allem dann zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, unangenehmer Witterung zu trotzen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass auch im Outdoorbereich neuerdings vermehrt auf Mäntel und warme Jacken aus oder mit Lodenstoffen gesetzt wird.

Schuhe

Doch auch losgelöst von Oberbekleidung kommen Lodenstoffe zum Einsatz. Hier zeigt beispielsweise Dachstein, wie es geht und verwendet Loden als Obermaterial für Schuhe und Stiefel. Durch die zahlreichen guten Eigenschaften des Lodenstoffs sind diese Schuhe sehr angenehm zu tragen und obendrein Schmutzresistent.

Aber was sagt uns das?

Manche Materialien haben vielleicht zu unrecht ein schlechtes Image. Loden gehört hier definitiv dazu. Auch ich hatte am Anfang meiner Recherche ein eher ungutes Gefühl. Loden erinnerte mich irgendwie immer an die Achtziger.

Bilder wie mein Vater im langen grünen Mantel mit irgendwelchen „Hirschhornknöpfen“ und allgemein eher scheußliche Kleindungsstücke aus dem Bereich „Landhausmode“ hatte ich da automatisch im Kopf.

Doch wie überall ist es eben auch hier eine Frage, was man daraus macht und da sind manche Hersteller zumindest aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Es zeigt sich außerdem immer mehr, dass gerade auch alte Naturmaterialien Einzug in moderne Kleidung halten, was auch im Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit eine allgemein gute Tendenz ist.

Materialrecycling: Möglichkeiten und Grenzen

11. Dezember 2019
Ausrüstung

Zunächst erscheint die Angelegenheit recht simpel: man sammelt das alte Zeug, sortiert es, wirft es in den Schredder, köchelt es mit irgendwelchen (hoffentlich umweltfreundlichen) Substanzen, trocknen, neu formen, fertig ist die Auferstehung als nagelneues Rohmaterial. Zumindest hab ich mir das so in etwa vorgestellt. Außer beim Kaffeesatz, da wusste ich schon, dass es etwas komplizierter ist. Kaffeesatz? Ja, denn über Kaffeesatz und seine Verwendung als Rohstoff für Recycling und Wiederverwertung gibt es hier schon einen Basislager-Artikel.

Darin ist zu lesen, warum die Rückverwandlung von alt und gebraucht zu neu und frisch duftend eben doch nicht ganz so einfach ist. Im Gegenteil, Recycling ist (nicht nur bei Kaffeesatz) ein komplexer industrieller Verarbeitungsprozess, der technisch, logistisch und finanziell sehr herausfordernd sein kann.

Vor allem geht das Ganze auch nicht ohne den Einsatz neuer Rohstoffe und Chemikalien vonstatten. Letztendlich ist die Entwicklung eines Recyclingmaterials kaum weniger anspruchsvoll als die eines „wirklich neuen“ Materials.

Kunststoffrecycling allgemein

Die folgenden zwei Hauptmethoden beschreibt Hunold + Knoop, ein Betrieb für Kunststofftechnik auf seiner Website:

  1. Mit einem Anteil von 44 % macht das energetische Recycling den Großteil der Kunststoff-Wiederverwertung aus. Dabei wird durch Verbrennen von Kunststoffteilen die Energie in den Altteilen gewonnen und so sehr effektiv energetisch weiterverwendet. Selbst verschmutzte und vermischte Materialien können auf diese Weise effizient wiederverwertet werden.
  2. 33 % des Kunststoffes werden werkstofflich aufbereitet. Das bedeutet, dass die Altteile zerkleinert, gereinigt und nach Sorten getrennt werden. Im Anschluss werden die Kunststoffteile bei hoher Temperatur geschmolzen und neu aufbereitet. Für diese Methode sind nur thermoplastische Kunststoffe geeignet.

Hinzu kommen als weniger genutzte Methoden das rohstoffliche Recycling (1 % Anteil) und der biologische Abbau. Beim rohstofflichen Verfahren „werden die Polymerketten im Kunststoff aufgespalten. Dabei entstehen Monomere, Öle und Gase, die zu neuen Kunststoffen verarbeitet werden können. Dieses Verfahren eignet sich auch für vermischte und verschmutzte Materialien.“ Der biologische Abbau durch Kompostieren ist laut Hunold + Knoop tatsächlich auch bei manchen Kunststoffen möglich.

Eine wichtige, auch in der Outdoorindustrie verwendete Quelle für das Kunststoffrecycling sind PET-Flaschen. Ein detailliertes Beispiel für deren Recycling gibt der Veolia-Konzern, der das Verfahren auf seiner Website in 13 Schritten beschreibt. Es führt zwar in diesem Fall zu neuen  Flaschen und Lebensmittelbehältern, ähnelt aber den (meist nur grob beschriebenen) Verfahren in der Textil- und Outdoorbranche.

Textilrecycling

Pro Kilo Kleidungs-Neuware ein Kilo Chemikalien für die Behandlung, lautet eine Faustformel. Baumwolle benötigt pro Kilo die Wassermenge von 200 gefüllten Badewannen. All diese Ressourcen werden zum großen Teil für „Fast Fashion“ verwendet, die kaum getragen und schnell ausgewechselt wird.

Entsprechend soll die Abfallmenge aus Altkleidern in Deutschland pro Jahr etwa 1,3 Millionen Tonnen betragen. Laut Nachhaltigkeitsportal Utopia werden 20 Prozent der weggeworfenen  Kleider recycelt. Der Großteil davon wird „down-gecycelt“, sprich als weniger wertiges Produkt wie Secondhand-Kleidung, Putzlappen oder Dämmstoff wiederbelebt.

Utopia weist aber auch auf zwei Beispiele hin, die jetzt schon „Cradle to Cradle“, also durchgängige Kreislaufwirtschaft umsetzen – und zwar ausgerechnet bei C&A und Tchibo. C&A hat „als weltweit erster Einzelhändler 2017 ein Cradle-to-Cradle-Gold-zertifiziertes T-Shirt auf den Markt gebracht, weitere Produkte wie Longsleeves sollen laut Website folgen“.

Diese Shirts können tatsächlich am Ende ihres Lebens im eigenen Garten kompostiert werden. Tchibo hat ein „closed loop“ Männer-T-Shirt vorgelegt – „mit GOTS-zertifizierter Baumwolle, Tencel- statt Nylongarn und Cradle-to-Cradle-zertifizierter blauer Farbe. Auch dieses ist zu 100 Prozent kompostierbar.“ Es sind zwar nur erste Vorboten der Kreislaufwirtschaft, aber immerhin sind sie schon unterwegs …

Die häufigsten recycelten Stoffe sind der Kunststoff Polyester und das Naturmaterial Baumwolle. Die beiden sind auch die meist verwendeten Textilstoffe bei Neuware (Polyester mit etwa 60% aller in Textilien verarbeiteten Fasern). Die Recyclingverfahren von Natur- und Kunstfasern unterscheiden sich deutlich, bei Ersteren ist es komplizierter und teurer.

Recyclingschritte bei Naturtextilien:

  • Das eingehende Material wird nach Materialart und Farbe sortiert. Die Farbsortierung führt zu Stoffen, die nicht nachgefärbt werden müssen.
  • Die Textilien werden zerkleinert und manchmal zu Fasern gezogen.
  • Das Garn wird gereinigt und gemischt.
  • Das Garn wird erneut gesponnen und ist bereit für den späteren Einsatz beim Weben oder Stricken.
  • Einige Fasern werden nicht gesponnen, sondern für Textilfüllungen, z.B. in Matratzen, komprimiert.

Recyclingschritte bei Textilien auf Polyesterbasis:

  • Die Kleidungsstücke werden zerkleinert, dann granuliert und zu Polyesterspänen verarbeitet.
  • Diese werden geschmolzen und zu neuen Fasern für den Einsatz in neuen Polyestergeweben verarbeitet.

Die meisten Hersteller verwenden für ihre Kunststoff-Recyclingprodukte Materialien aus Meeresabfällen von Fischernetzen bis zu Teppichresten. Der gesammelte Abfall wird gereinigt und geschreddert, die so entstandenen Schnipsel zu feinem Garn eingeschmolzen. Der Energie- und  Wasserverbrauch ist hierbei um ein Vielfaches geringer als bei herkömmlichen Chemiefasern oder auch bei konventionell erzeugter Baumwolle.

Textilrecycling in der Outdoorindustrie

Die weitaus meisten recycelten Stoffe werden auch in der Outdoorbranche für Textilien verwendet. Die entsprechende Technologie und Infrastruktur befindet sich im Aufbau und kann bislang nur einen geringen Prozentsatz der Neutextilien rückgewinnen. Es gibt aber viele beachtliche Fortschritte, die mehr als nur Symbolpolitik oder Imagepflege sind.

Oftmals sind es auch nur kleine Details mit großer Wirkung, wie wenn beispielsweise die schwedische Marke Haglöfs ihre Reißverschluss und Knöpfe so entwickelt, dass jeder Besitzer sie einfach selbst reparieren und austauschen kann. Oder wenn Eagle Creek ausgediente Windschutzscheiben zu Taschen und Rucksäcken verarbeitet und damit tatsächlich auch die wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften der Scheiben auf die Textilien überträgt.

Dennoch, der Recyclingkreislauf ist noch nicht wirklich in Gang gesetzt, es existiert noch keine breite Basis an „Rohstoffen“. Der Schwerpunkt liegt eher noch darauf, neue Stoffe zu entwickeln, die weniger umweltbelastend und leichter zu recyceln sind. Es muss wohl erst dieser Schritt auf breiter Front vollzogen sein, bis es einen nennenswerten „Grundstock“ an schon einmal verwendeten und recycelbaren Ausgangsmaterialien gibt. Er wäre dann die Grundlage, auf der in einem zweiten Schritt die nächste Generation von Outdoor-Equipment hergestellt wird. Dann könnte ein echtes Kreislaufsystem in greifbare Nähe rücken.

Beispiele Vaude und Patagonia

Man könnte viele kleine, äußerst engagierte Outdoorfirmen wie z.B. Pyua als leuchtende Beispiele für umfassende Recyclingkonzepte nennen, doch Vaude und Patagonia sind als Big Player der Branche weithin bekannt und haben somit mehr Vorbildfunktion. Beide verwenden ein relativ breites Spektrum an Recyclingmaterialien. Bei Vaude sind seit Sommer 2019 die kurzen Hosen aus Recycling-Polyamid, das zum Teil aus alten Fischernetzen hergestellt wird. Vom Zulieferer Primaloft verwendet man eine Isolierung für Jacken, die zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Flaschen besteht.

Vaude bietet sich auch deshalb als Beispiel an, weil kaum jemand sonst so detaillierte Informationen zu den eigenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen liefert. In ihrem seit sechs Jahren regelmäßig aktualisierten CSR-Report (Corporate Social Responsibility) legt die Firma alles  detailliert offen. So wird der Bereich Recycling nach Materialien aufgeschlüsselt:

Auch die US-Firma Patagonia ist bekannt für ihr Augenmerk auf die Umwelt: „Die Amerikaner verwenden gerne Hanf und Bio-Baumwolle, vor allem aber setzen sie auf Recycling-Materialien, von Daunen über Denim bis hin zu wiederverwerteter Wolle.“ Patagonia ist zudem weit darin fortgeschritten, die aktuell noch aus Neumaterialien bestehenden Produkte recyclingfähig zu machen.

Probleme des Textilrecyclings

Als Probleme werden folgende Aspekte kritisiert:

  • Kleidungsstücke, in denen Natur- und Kunstfasern gemischt werden, sind – egal ob ihrerseits recycelt oder nicht – kaum recycelbar. Die Technik stößt beim Auftrennen der Gewebemischungen an ihre Grenzen. Besonders die bei uns Bergfreunden wegen ihrer komfortablen Dehnfähigkeit beliebten Elasthan-Einsätze sind in dieser Hinsicht problematisch.
  • Bei recycelten Kunstfasern bleibt das Mikroplastik-Problem bestehen (mehr dazu in diesem Basislager-Artikel).
  • Recycling von Kunststoffen kann zu einer Konzentration der darin enthaltenen Schadstoffe führen.
  • Bei Baumwolle können nur etwa ein bis drei Prozent des Altmaterials zu neuen Fasern verarbeitet werden. Ein großer Teil wird zu Dämmstoffen oder Putzlappen („Downcycling“).
  • Bei der Aufbereitung der alten Stoffe werden, vor allem bei Baumwolle, Kleidungsstücke zerrissen, wodurch die Fasern leiden. Daher ist ein Recycling-Produkt „qualitativ immer schlechter als das Ausgangprodukt. Eine ausreichende Qualität kann außerdem nur gewährleistet werden, wenn mindestens 60 % Frischfaser im Stoff enthalten sind.“
  • Bei Baumwolle ist u.a. aus oben genannten Gründen das Recycling insgesamt recht aufwendig bzw. teuer und führt dennoch zu schlechterer Qualität und geringerer Haltbarkeit der Recyclingprodukte.
  • Recycling kann generell teuer werden, wenn komplett neue Logistikketten aufgebaut werden müssen.

All diese Einwände sind berechtigt, sprechen aber nicht gegen ein weiteres Vorantreiben des eingeschlagenen Recycling-Wegs. Denn abgesehen von den weit überwiegenden ökologischen Pluspunkten macht sich die Ressourceneinsparungen des Recyclings auf Dauer auch (volks)wirtschaftlich bezahlt.

Wenn Hersteller weiterhin forschen und Konsumenten weiterhin mehr Verantwortung übernehmen, werden sich wahrscheinlich auch in den genannten Problempunkten Lösungen finden. Auch „die Politik“ kann etwas tun, indem sie beispielsweise nachhaltige Produkte mit reduzierten Steuern für die Unternehmen belohnt. In Norwegen wird das bereits praktiziert.

Fazit: Wichtig ist, was hinten rauskommt

Auch Recycling liefert vorerst keine Zauberformel für Nachhaltigkeit im Sinne natürlicher Stoffkreisläufe, die bekanntlich keine Rückstände und Abfälle kennen. Doch – und das ist die gute Nachricht – das muss Recycling auch gar nicht. Es reicht fürs Erste vollkommen, wenn man die bisherigen Belastungen durch Abfall und Gifte in den nächsten Jahren auf einen Bruchteil ihrer heutigen Mengen reduzieren kann.

Auch das ist ein hohes Ziel, aber ein machbares und lohnendes. Denn die Umwelt ist bis zu einem gewissen Maße durchaus belastbar und bleibt auch bei gewisser Verschmutzung intakt. Ja, das ist eine provokante und ökopolitisch unkorrekte Behauptung, doch ich orientiere mich dabei am Menschen, der auch ein Teil der Umwelt ist und ein gewisses Maß an „Kontamination“ problemlos „wegstecken“ kann. Außerdem kann er – genau wie die ihn umgebende Natur – Abwehrmechanismen und Selbstheilungskräfte entwickeln.

Dass das heutige Ausmaß an Vermüllung und Vergiftung viel zu hoch ist, wird damit gar nicht infrage gestellt. Da aber ein „richtiges“ und für alle gleich akzeptables Maß schwierig bis gar nicht zu quantifizieren und das Reduzieren dieses Maßes auf null bis auf weiteres Science Fiction ist, bleibt vorerst „nur“ die schrittweise Verringerung des Schadens. Und das kann durchaus schnell gehen, denn im Grunde ist es weder schwierig noch komplex.

Eine ganz einfache und hocheffektive Maßnahme wäre die Beendigung des „Fast Fashion“-Wahnsinns, der vermutlich für den größten Teil der Ressourcenverschwendung und Umweltvergiftung verantwortlich ist. Wenn statt ständig wechselnder Kollektionen an (Billig)Klamotten langlebige Kleidung – die übrigens auch stylisch sein kann – gekauft und pfleglich behandelt würde, wäre das von jetzt auf gleich eine riesige Entlastung für Umwelt und Klima.

Die Outdoorindustrie hält zwar „wegen der vielen Chemikalien“ gern als Umweltsünder Nummer Eins her, ist aber (nicht nur) in Sachen Recycling eher weiter fortgeschritten als der Rest der Textilindustrie. Das dürfte auch daran liegen, dass hier das Prinzip der Eigenverantwortung aufseiten der Nachfrager besser greift als anderswo. Weil echte Outdoorer und Bergfreunde eine Verbundenheit zur Natur und ihren Kreisläufen vielleicht nicht ständig laut bekunden, dafür aber tatsächlich spüren. Und deshalb ihre Kleidung auch nicht jedes Mal ersetzen, sobald der Reiz des Neuen nachgelassen hat.

Direct Alpine – technische Bergsteigerbekleidung aus Tschechien

27. November 2019
Ausrüstung

Eigentlich erinnert die Gründungsgeschichte von Direct Alpine ein wenig an die der Bergfreunde: Zwei junge Gründer, die eigentlich nichts lieber wollten, als den ganzen Tag am Fels verbringen, beginnen sich für die Ausrüstung und Bekleidung, die für ihr liebstes Hobby nötig ist,  zu beschäftigen. Die zwei kletter-begeisterten besten Freunde Radek Novacek und Jirka Silka gründen im Jahr 1997 eine kleine Handelsfirma in Liberec, Tschechien und beginnen so die Geschichte der heute erfolgreichen Outdoor-Marke Direct Alpine.

Die Firma hat nach wie vor ihren Sitz in Liberec und produziert in momentan 13 Werkstätten in Tschechien die Mehrheit ihrer Modelle. Auch wenn Direct Alpine teilweise noch als echter Geheimtipp gilt, ist die Marke bereits ein kleiner Hoffnungsträger in der tschechischen Textilindustrie. Denn die hatte schon rosigere Zeiten. Vor fast hundert Jahren galt Tschechien als die Textilhochburg schlechthin. Damals schossen große Webereien und Stickereien förmlich aus dem Boden.

Das Land war bekannt für ihre Textilindustrie und viele Menschen fanden Jobs in der Produktion oder im Handel von Kleidung. Doch wie wir wissen, kommt nach einem Berg auch schnell wieder das Tal. So schrumpfte nach dem zweiten Weltkrieg die tschechische Textilbranche immer mehr und umfasste Ende der Achtziger Jahre gerade mal noch 250.000 Beschäftigte.

Das klingt als gäbe ich in den nächsten Zeilen einen ausführlichen Geschichtsunterricht zur wirtschaftlichen Lage in Tschechien. Sicherlich auch ein spannendes Thema, aber wir wollen uns ja mit der Marke Direct Alpine beschäftigen.

Funktionalität & Qualität  – Ganz ohne Schnickschnack

Direct Alpine ist in erster Linie eine Marke, die hoch funktionale Outdoorkleidung für Bergsteiger herstellt. Die Bekleidung soll beim direkten Weg zum Gipfel, so das Motto, unterstützen und vor Wind und Wetter schützen. Mitgründer Radek Novácek ist nach wie vor Designer der Produkte und weiß „was es heißt, bei schlechtem Wetter zu wandern“. Das Sortiment für Männer und Frauen ist überschaubar. Jedes Teil wird daher ausführlich  im Labor und vom Direct Alpine Test Team, bestehend aus erfahrenen Bergsteigern, getestet. Dabei werden  unter anderem Atmungsaktivität, Wasserdichtigkeit, Windbeständigkeit und Abriebfestigkeit geprüft.

Die meisten Hosen und Jacken im Sortiment haben eine körperbetonte Passform. Die Marke setzt auf hochwertige, innovative Materialien, wie Cordura, Innenfutter aus atmungsaktivem Coolmax, Dermizax und Gelanots. Letzteres ist in der Branche noch sehr unbekannt und wird nur von wenigen Marken eingesetzt. Das Material wird beispielsweise für die Oberschutzjacke GUIDE von Direct Alpine verwendet. Es ist undurchlässig für Wasser in Tropfenform, allerdings durchlässig für Wasserdampf. Der Stoff besticht besonders in Sachen Atmungsaktivität.

Durch die hydrophile Struktur des Gelanots wird die entstehende Feuchtigkeit unter der Jacke angezogen und an die Außenseite geleitet. Je größer der Temperaturunterschied zwischen Innen- und Außenseite also ist, desto besser funktioniert dieser natürliche Prozess. Wenn es auf Ski-, Trekking- oder Klettertouren mal schweißtreibender wird, sollte die GUIDE ein guter Begleiter sein. Laut eigener Angabe der Marke, ist die GUIDE zu dem leichter als klassische Hardshelljacken. In unabhängigen Tests, wie vom Outdoor Magazin schneidet die Jacke sehr gut ab. Auch andere Produkte schneiden in den Tests gut bis sehr gut ab. So hat beispielsweise die FORAKER Wärmejacke, den Outdoor Editor´s Choice Award 2016 gewonnen.

Sowohl der Designprozess als auch die Produktion finden zu (fast) 100 Prozent in Tschechien statt. Dreizehn Werkstätten im ganzen Land arbeiten eng mit dem Design- und Entwicklungsteam zusammen. Die enge Zusammenarbeit und strenge Kontrolle kommt der Qualität der Produkte zugute.

Rund um punktet das „Made in Europe“-Label mit Transparenz und familiärer Unternehmenskultur. Gemäß dem Motto der Marke, wird auch beim Design auf unnötigen Schnickschnack verzichtet. Funktionalität, klare Linien, körperbetonte Passform und hochwertige Materialien stehen im Vordergrund, um nicht vom eigentlichen Ziel abzulenken: Den Berg zu besteigen.

Made in Europe – Aber wie steht´s um die Nachhaltigkeit?

Wer gerne in der Natur unterwegs ist, sollte natürlich auch respektvoll mit ihr umgehen. Und das beginnt nicht erst bei der Vesper auf dem Gipfel, wenn man die Müsliriegelverpackung wieder mit nach unten nimmt, sondern bereits beim Kauf der Ausrüstung. Vor allem durch Technologien, die Outdoorklamotten warm, wetterfest und wasserdicht machen, werden oft Chemikalien und Kunststoffe verwendet, die der Umwelt schaden. Allerdings ist die Outdoorbranche, womöglich gerade wegen der Liebe der Outdoor-Enthusiasten zur Natur, immer mehr dessen Auswirkung auf die Umwelt bewusst. Große Marken wie Vaude oder Patagonia machen Nachhaltigkeit zu einer der wichtigsten Prinzipien ihrer unternehmerischen Tätigkeit.

Auch Direct Alpine hat in Sachen Nachhaltigkeit einiges vorzuzeigen. Die Tatsache, dass die Marke in Europa beheimatet ist, hier produziert und auch die größten Abnehmer in Europa sitzen, erspart lange Transportwege und somit CO2-Emissionen. Einige Materialien sind bluesign® zertifiziert. Der unabhängige Gutachter verbessert und kontrolliert jede Phase der Produktion, um die Umweltbelastung der Textilindustrie zu verringern.

Seit 2016 wird bei der gesamten Kollektion auf die umweltschädliche Chemikalie PFOA verzichtet und für 2020 ist das Ziel alle PFC-Verbindungen um 60 % im Vergleich zur Kollektion W18 zu reduzieren. Auch setzt Direct Alpine immer mehr recycelte Materialien ein. So gab es zum 20-jährigen Jubiläum der Marke, die PATROL Bergsteigerhose, welche seit Firmenbeginn mit im Sortiment ist und mittlerweile als wahre Legende gilt, in der ECO Version. Das Material der PATROL ECO stammt aus einem Projekt zum Recycling alter Fischernetze und anderem Kunststoffabfall für die ökologische Produktion von Kleidung. In Sachen Langlebigkeit, Funktion und Komfort steht die „Ökoversion“ der traditionellen PATROL natürlich in nichts nach.

Abgesehen von einzelnen  Nachhaltigkeitsprojekten wie diesem, setzt Direct Alpine auch auf kleine Veränderungen, die Ressourcen sparen und die Umwelt schonen. So ist in Planung für die Kollektion W20 alle Etiketten aus recyceltem Material herzustellen, Kunststoffverpackungen um 20 % zu reduzieren und alle Baumwoll-T-Shirts aus Bio-Baumwolle herzustellen. Auch im Logistik- und Produktionsprozess will Direct Alpine bis zum nächsten Jahr die Reduzierung des Lufttransports von Materialien um 50 % reduzieren. 1 % des Sortiments wird aufgrund aufwendiger Verarbeitungsprozesse, für die in Tschechien die Infrastruktur (noch) fehlt, außerhalb der EU produziert. Dieser Anteil ist durch die Fair Wear Foundation und nach OECO-Tex 100 Standard zertifiziert.

Die Produktion innerhalb Europas spart nicht nur an CO2 Emissionen, sondern sorgt auch schon mal für Produktionsvoraussetzungen nach EU-Standards. Da die Produktion hauptsächlich in der Tschechischen Republik stattfindet, werden Arbeitsplätze geschaffen und die wirtschaftliche Lage der Textilproduktion wird verbessert und unterstützt.

Fazit

In Sachen Umweltschutz und Firmenethik geht es sicherlich immer noch ein Stück besser, fairer und ressourcenschonender. Allerdings gilt es nicht nur die absoluten Nachhaltigkeitsvorreiter für deren Aktionismus zu belohnen. Direct Alpine tut bereits einiges, um die Umwelt zu schonen. Die Marke befindet sich diesbezüglich ganz klar im soliden Mittelfeld, sie ist transparent und versteckt sich nicht hinter inhaltslosem „Green-Marketing“. Die Ziele sind klar definiert, dennoch scheint es den Gründern bewusst zu sein, dass sie (noch) kein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit sind.

Das Wichtigste ist und bleibt allerdings, ob der Nutzer problemlos auf den Gipfel kommt, ohne dass Ausrüstung und Kleidung unnötig den Weg erschweren. Idealerweise sollte die Ausrüstung uns bei unserem Vorhaben vielmehr unter die Arme greifen. Beim Kauf von Direct Alpine Artikel können wir uns auf hochwertige Verarbeitung, und somit auf ein langes Leben der Produkte verlassen. Gerade für anspruchsvolle Touren in den Bergen eignen sich die Jacken und Hosen, durch die innovativen Membrantechnologien. Hier merkt man, dass die Produkte von anspruchsvollen Bergsteigern entwickelt wurden.

Auch wenn die Marke (noch) als Geheimtipp unter den Outdoor-Enthusiasten gilt, steigen der Bekanntheitsgrad und die Beliebtheit stetig. Das zeigen die sämtlichen positiven Tests und Berichte in der Welt der Outdoor-Blogs. Wenn Direct Alpine also das eigene Motto einhält, dann geht es mit mit der Marke wohl weiter direkt an die Spitze.

Das Nachhaltigkeitskonzept von Adidas

27. November 2019
Ausrüstung

Adidas wird dieses Jahr Siebzig und der Geburtstag ist eine rauschende Party. Die wirtschaftlichen Kennzahlen der allseits bekannten 3-Streifen-Marke sind so gut wie nie, Vorstand und Aktionäre haben Grund zum Feiern. Seine Funktion als bedeutender Wirtschafts-Player, der Kunden und Teilhaber überzeugt, erfüllt das Unternehmen damit glänzend. Doch kann und will Adidas auch eine ernst zu nehmende Rolle in Sachen Nachhaltigkeit einnehmen? Sind ambitionierte Nachhaltigkeitsziele vereinbar mit der Forderung nach Umsatzwachstum und Rendite?

Nun, wir alle wissen, dass diese Zielvorstellungen nach wie vor sehr schwer zusammengehen. Sagen wir mal so: einer umfassenden, ernsthaften Nachhaltigkeit liegen mit dieser Ausgangslage doch ein paar Schwierigkeiten im Weg.

Dennoch ist man bei Adidas durchaus willens und bereit, Hindernisse beiseite zu räumen, denn allein aus Imagegründen will und muss der fränkische Drei-Streifen-Konzern beim Thema Nachhaltigkeit aufholen.

Gerade erst wurde Adidas zum zwanzigsten Mal in Folge in die Dow Jones Sustainability Indizes (DJSI) aufgenommen. Die weltweit anerkannten Indizes untersuchen seit nunmehr 20 Jahren die Nachhaltigkeitsleistungen der größten 2.500 im Dow Jones Global Total Stock Market Index gelisteten Unternehmen. In die umfassende Bewertung fließen Faktoren wie Corporate Governance, Risikomanagement, Klimaschutzmaßnahmen, Arbeits- und Umweltstandards, sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei Zulieferern sowie Innovations-Management ein. Adidas ist damit ein Mitglied der ersten Stunde dieses renommierten Indexes.

Wie immer in unseren Nachhaltigkeitsportraits werfen wir nun einen nach „Umwelt“ und „Soziales“ differenzierten Blick auf die Maßnahmen in der Eigendarstellung des Herstellers und vergleichen das Ganze dann mit dem Blick der Beobachter und Kritiker.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Schaut man in die „Nachhaltigkeitschronik“ von Adidas, sieht der Maßnahmenkatalog ziemlich umfangreich aus. Er ist auch durchaus nicht klein oder nur punktuell angesetzt, sondern zieht sich durch viele wichtige Bereiche der unternehmerischen Aktivität. Man stellt dort auch fest, dass Adidas so manche Maßnahme schon zu Zeiten ergriffen hat, als Nachhaltigkeit noch nicht das „Pflichtthema“ war, an dem niemand vorbeikommt. Es sind auch nicht nur schöne Worte, sondern durchaus handfeste und überprüfbare Maßnahmen und Erfolge zu finden, die ich hier beispielhaft herausgreife:

  • Im Jahr 2000 erklärte Adidas als erstes Unternehmen der Branche, auf die Verwendung von PVC in den wichtigsten Produktkategorien zu verzichten. Auch das Problem der flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs) bei der Herstellung von Schuhen wurde durch innovative Klebeverfahren und Klebstoffe auf Wasserbasis schon früh angegangen.
  • 2004 wird die Better Cotton Initiative (BCI) von Adidas mitbegründet. Ihr Ziel ist, negativen Auswirkungen wie hohem Pestizideinsatz und Wasserverbrauch beim herkömmlichen Baumwollanbau entgegenzuwirken.
  • Im selben Jahr schiebt Adidas den Prozess der Virtualisierung von Mustern an. Durch virtuelle Muster werden weniger physische Muster benötigt, was weniger Materialverbrauch, Transport- und Vertriebskosten bedeutet. Es werden so auch die CO₂ Emissionen reduziert, da weltweit weniger Muster per Luftfracht transportiert werden.
  • 2012 stellt Adidas die DryDye Technologie vor, die den Wasserbedarf im Färbeprozess eliminiert und den Chemikalienbedarf reduziert. Innerhalb eines Jahres produziert Adidas 1 Million Yards (1 Yard = 91,44 cm) DryDye Stoffe.
  • Im gleichen Jahr wird adizero Primeknit auf dem Markt eingeführt, ein Material aus einer Methode, bei der keine Abfälle entstehen
  • 2013 beginnt die „Low Waste“ Initiative. Mit dem aus umweltfreundlichen Materialien bestehenden Element Voyager wir ein Schuhmodell vorgestellt, das mit einer Zuschnittseffizienz von 95% hergestellt wird (lediglich 5% Materialabfall). Auch die Active Wear Linie mit T-Shirts, Tank-Tops, Tights, Röcken und Shorts weist eine Zuschnittseffizienz von 95% auf.
  • 2014 gibt Adidas die strategische Partnerschaft mit bluesign technologies bekannt. Zudem verpflichtet man sich, ab spätestens 31. Dezember 2017 bei 99% aller Produkte auf PFCs zu verzichten.
  • 2015 beginnt die Partnerschaft mit Parley for the Oceans mit Adidas als Gründungsmitglied. Der gemeinsame Fokus liegt auf Parleys weitreichendem ‚Ocean Plastic‘-Programm gegen die Verschmutzung der Weltmeere. Als erste Maßnahme beendet Adidas die Verwendung von Plastiktüten in den eigenen Einzelhandelsgeschäften.
  • 2016 legt Adidas seine Nachhaltigkeits-Roadmap für 2020 vor. Mit ihr setzt das Unternehmen  konkrete und messbare Nachhaltigkeitsziele bis zum Jahr 2020 fest.
  • 2017 kommt Adidas erfolgreich seiner Verpflichtung nach, zu 99 % auf die Nutzung von poly- und perfluorierten Chemikalien (PFCs) zu verzichten. Auch Greenpeace als großer Kritiker erkennt die Fortschritte in Sachen Schadstoffreduzierung an.
  • 2018 stellt Adidas mehr als 5 Millionen Paar Schuhe her, die recyceltes Ozeanplastik („Parley Ocean Plastic“) enthalten. Für 2019 ist geplant, 11 Millionen Paar Schuhe mit recyceltem Kunststoff zu produzieren.
  • 2019 wird 100 % der gesamten Baumwolle aus Quellen bezogen, die nach den Standards der Better Cotton Initiative anbauen.
  • Bis 2024 will man ausschließlich recycelten Polyester verarbeiten

Aktuelle Schwerpunkte: Recycling und Ressourceneinsparung

Als aktuell wichtiges Projekt gilt der komplett recyclingfähige Schuh Futurecraft Loop, der 2021 auf den Markt kommen soll. Er wird einschließlich bis zu den Schnürsenkeln nur aus einem einzigen Material bestehen, dem thermoplastischen Polyurethan TPU. Dieses Material lässt sich in der Verarbeitung durch leichtes Anschmelzen verbinden, sodass Kleber überflüssig werden.

Nach der Rückgabe soll der „Loop“ gereinigt, gehäckselt und zunächst unter Beimischung von neuem TPU wieder zum verkaufsfertigen Produkt werden. Wobei Adidas noch nicht entschieden hat, „welche verschiedenen Rücknahmesysteme wir anbieten können. Ist es im Shop, kann man die zurückschicken?“ Auch ein „Loop“-Abonnement gilt als denkbar.

Kritikern wie dem Deutschlandfunk und der Deutschen Umwelthilfe reichen diese Maßnahmen nicht. Man moniert, dass Adidas als global agierender Konzern längst ein weltweites Pfandsystem hätte aufbauen müssen. Allerdings hat auch keiner der anderen großen Sport-Hersteller derartiges zu bieten. Den Vergleich mit der direkten Konkurrenz und mit ähnlich großen Sportartikel- und Schuhproduzenten sollte man generell mit heranziehen, wenn man Adidas fair bewerten will. Denn innerhalb dieses Segments ist das fränkische Traditionsunternehmen nicht selten ein Nachhaltigkeits-Vorreiter. Andererseits stimmt natürlich auch, dass Versäumnisse Anderer keine Rechtfertigung für eigene Versäumnisse sein dürfen.

Ein weiterer aktueller Schwerpunkt ist die Gewinnung von Schuh-Obermaterial aus recycelten PET-Flaschen. Die entsprechende Zusammenarbeit mit der US-Partnerorganisation „Parley for the Oceans“ wird von Adidas intensiv beworben. Freiwillige sammeln dafür Plastikmüll an Ozeanstränden. Das Gesammelte geht laut Adidas-Produktmanager Matthias Amm zu einem Recycler: „Wir haben da verschiedene Zulieferer bei den Fabriken in Asien, die die Plastikflaschen nehmen, in Garn umwandeln und dieses Garn wird dann in unsere Fabriken genommen, wo wir dann eben die Schuhe herstellen.

Dass 2019 Elf Millionen Paar dieses Schuhtyps produziert werden sollen, zeigt laut Deutschlandfunk, dass „Recycling-Versprechen“ als Verkaufsargument „ziehen“. Warum sollte es nicht auch zeigen, dass Adidas hier eine Nachhaltigkeits-Maßnahme in großen Dimensionen plant? Vielleicht, weil man von Adidas ein komplett nachhaltiges Sortiment von jetzt auf gleich erwartet? Das wäre zwar in der Tat wünschenswert, doch für solche Sprünge müsste es nicht nur bei einzelnen Unternehmen, sondern in der ganzen Marktstruktur und im Wirtschafts- und Finanzsystem tief greifende Änderungen geben. Und zwar von heute auf morgen. Mehr zu den Kritikern und ihren Argumenten im übernächsten Abschnitt.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Hier kann man es gleich kurz vorwegnehmen: bei Adidas besteht Luft nach oben. Doch nur allzu oft wird die Firma als böser Bube herausgegriffen und einzeln angeprangert. Was wie schon erwähnt meist fehlt, ist die vergleichende Betrachtung der Schuh- und Sporthersteller – wie auch das Handelsblatt findet.

Schauen wir aber zunächst wieder auf die Habenseite in der unternehmenseigenen Chronik:

  • 1999 Beitritt zur Fair Labor Association (FLA) als Gründungsmitglied und „Beginn unseres formellen Dialogs mit Interessenvertretern (Stakeholder Engagement)“. Seit dem Adidas-Beitritt zur FLA werden die Zulieferbetriebe von externen Stellen geprüft. Das hauseigene Programm zur Überwachung der Zulieferer wird 2005 erstmals von der FLA akkreditiert.
  • 2007 veröffentlicht Adidas als Zeichen der Transparenz auf freiwilliger Basis eine Liste aller globalen Zulieferbetriebe.
  • 2017 erhält Adidas als erstes Unternehmen zum dritten Mal die Akkreditierung der Fair Labor Association für sein Überwachungsprogramm zur Einhaltung der Arbeitsplatzstandards in der Beschaffungskette.

Dies zeigt, Adidas setzt auf faire Arbeitsstandards in seiner globalen Lieferkette, überwacht diese sowohl selbst als auch durch unabhängige Organisationen.

Was sagen die Kritiker?

Die mediale Kritik überwiegt noch deutlich das Schulterklopfen. Bei Nachhaltigkeitsportalen wie Rankabrand oder Fairness-Check kommt Adidas nach wie vor nicht gut weg – wobei allerdings nach den dort angelegten Messlatten so gut wie kein Outdoorhersteller wirklich glänzen kann.

Besonders im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit werden – wie beispielhaft in diesem Artikel auf Fashionunited.de – die Schritte des Unternehmens zwar registriert, doch insgesamt als zu klein und zu kurz angesehen. So würden im Bereich Entlohnung und Arbeitsbedingungen zwar die lokalen gesetzlichen Bestimmungen meist einwandfrei eingehalten, doch da diese auf sehr niedrigen Niveaus angesetzt seien, könne von echter sozialer Nachhaltigkeit nicht die Rede sein.

Auch in Bezug auf die Umweltmaßnahmen wird mit Kritik nicht gespart. Dabei geriet zuletzt ein Detail in den Fokus, dessen Wichtigkeit man diskutieren kann: so kann bei Betrachtung des Werbevideos von Adidas und Parley der Eindruck entstehen, der Plastikmüll für den Recyclingschuh würde aus dem Meer gefischt, während er tatsächlich „nur“ von Stränden geräumt wurde.

Diesen Unterschied haben Adidas und Parley nach Meinung der Kritiker nicht deutlich genug kenntlich gemacht. Das Unternehmen wies die Vorwürfe hingegen zurück und machte deutlich, dass immer transparent war, dass der Abfall „an Stränden und in Küstenregionen“ eingesammelt wurde. Der Hintergrund der Diskussion: Würde man tatsächlich Plastik nehmen, das bereits im Meer schwamm, wäre dessen Aufbereitung technisch aufwändig und damit teuer. Die Materialien sind nämlich mit Naturstoffen wie Sand und Muscheln verwachsen und müssten für eine Weiterverarbeitung gesäubert werden.

Meine persönliche Meinung dazu: ganz sauber ist das in der Tat nicht, doch von „Greenwashing“ oder Betrug zu reden, wie vielfach geschehen, halte ich für übertrieben. Ich finde es eher überraschend, dass Medienvertreter und Verbraucher einen Werbeclip wie eine Reportage behandeln und überrascht sind, wenn dieser die tatsächlichen Abläufe nicht eins zu eins korrekt darstellt. Da hat wohl mancheR noch nicht ganz begriffen, dass Werbung die Wirklichkeit eben mit Make-up garniert.

Das entstandene „Imageproblem“ könnten Adidas und Parley jedenfalls recht einfach lösen, indem sie noch deutlicher als bislang kommunizieren, dass der Müll an Stränden und in Küstenregionen eingesammelt wird. Auch damit findet ja tatsächlich eine (imagewirksame) Wiederverwertung und Reduktion von Müll statt. Wie relevant es technisch gesehen für die Ökobilanz ist, wo genau sich der Plastikmüll befindet, kann dann immer noch durch die Experten dargestellt und kommuniziert werden. Wenn man jedenfalls davon ausgeht, dass der Strandmüll sowieso früher oder später ins Meer gelangt, sollte der Unterschied nicht allzu gewaltig sein. Oder?

Zwei wirklich dicke Probleme bleiben aber bestehen: Die (noch) zu kleinen Dimensionen der Lösungsansätze und die (nach wie vor) zu großen Dimensionen der parallel laufenden, nicht nachhaltigen Produktion. Allerdings kann man das nicht allein den Herstellern von Schuhen, Sportartikeln oder anderen Konsumgütern anlasten. Hier sind alle Beteiligten an der Konsumkette gefragt. Wenn Kunden, Sportler und Schuh-Nutzer wirklich etwas bewegen wollen, müssen sie auch ihren eigenen Einfluss geltend machen. Sie können auf das nachhaltigste Produkt zurückgreifen, die billige und schnell verschlissene Massenware meiden oder – wenn ihnen keines der Nachhaltigkeitskonzepte gefällt – ganz auf den Kauf verzichten. Es bringt jedenfalls nichts, kleine Lösungsschritte schlechtzureden, ohne bessere, größere Alternativlösungen anbieten zu können.

Fazit

Das Nachhaltigkeits-Gesamtergebnis von Adidas ist sicher noch nicht ganz vergleichbar mit den kleineren und spezialisierteren Outdoorlabels, die wir in dieser Artikelserie auch schon porträtiert haben. Man ist eine große AG und zielt auf große Massenmärkte ab. Deshalb arbeitet Adidas derzeit noch daran, wirklich seine komplette Produktpalette immer nachhaltiger auszurichten. Bis die breite Öffentlichkeit Adidas als nachhaltiges Unternehmen ernst nimmt, sind noch viele weitere Schritte zu gehen. Die allerdings hat man nach eigener Auskunft auch vor zu gehen, sodass ein neuerlicher Nachhaltigkeits-Check in einigen Jahren sicher interessante Verbesserungen zeigen wird.

Rückruf: Kletterhelm Mulaz von La Sportiva

14. November 2019
Rückruf Archiv

Der Kletterhelm Mulaz von La Sportiva wird zurückgerufen! Grund dafür ist, dass der Helm einen Penetrationstest nach Punkt 4.2.2 der Norm EN 12492 nicht bestanden hat, so dass seine Schutzfunktion nicht zu 100 % garantiert werden kann.

Was Du nun tun solltest, falls dieser Artikel in Deinem Besitz ist, erfährst Du hier…

Wie weiß ich, ob mein Helm betroffen ist?

Alle betroffenen Kunden wurden von uns bereits angeschrieben. Hast Du keine E-Mail erhalten? Schau in Deinem Spam-Ordner nach. Falls Du den Helm bei uns gekauft hast und keine Mail bekommen hast, dann hast Du den Helm vermutlich vor dem 01.08.2017 gekauft und Dein Helm ist NICHT von dem Rückruf betroffen. Im Zweifel kontaktiere uns unter recall@bergfreunde.de.

Hast du Deinen Helm nicht bei uns gekauft? Wende Dich bitte an den Händler, bei dem Du ihn gekauft hast.

Was muss ich tun, wenn ich einen betroffenen Helm besitze?

Schneide die Kinnriemen des Helmes ab:

Schicke uns ein Foto der abgeschnittenen Kinnriemen und der „Individual Number“ an die recall@bergfreunde.de und Du bekommst den Kaufpreis von uns erstattet. Du musst deinen Helm NICHT einschicken nur unbrauchbar machen.

Sollte bei Deinem Helm der Aufkleber mit der Nummer fehlen, ist das nicht weiter schlimm. In diesem Fall reicht auch das Bild der abgeschnittenen Kinnriemen.

Das Schlauchtuch: Würdigung und Kulturkritik

13. November 2019
Ausrüstung

Das Multifunktionsschlauchtuch, wie es in erbarmungslos präzisem Deutsch heißt, fällt nicht nur durch seinen für ausländische Zungen kaum zu bewältigenden Namen auf. Auch mit seiner oft bunten, nicht selten batikartigen Farbgestaltung zieht es Aufmerksamkeit auf sich. Es ist überhaupt kaum noch zu übersehen, da es landauf, landab, am Bergpfad oder in der Großstadt, immer beliebter wird. Ja, man kann von einem triumphalen Siegeszug des Schlauchtuchs sprechen.

Den Zungenbrecher kann man übrigens umgehen, indem man auf die geläufigere Bezeichnung Buff-Tuch zurückgreift. Analog zu Tempo und Papiertaschentuch dient hier die bekannteste Marke als Gattungsbegriff für das Produkt. Die Firma Buff war der erste Produzent, der das Vielseitigkeitstuch in großem Stil auf den Markt brachte. Sein Einsatzbereich ist nicht nur auf das Wandern beschränkt, sondern reicht vom Biken übers Motorradfahren bis zum ganz normalen Alltag. Natürlich ist es längst auch in High-Tech Materialien erhältlich, atmungsaktiv, feuchtigkeitsregulierend, mit UV Schutz, antibakteriell ausgerüstet, usw.

Ein Erkennungszeichen, das die „echten“ Buff-Tücher von vielen, teils sehr billigen und als Werbegeschenk verteilten Kopien abhebt, ist ihr nahtloses Design. Hinzu kommen natürlich Mindeststandards an Qualität, die verhindern, dass Marken-Schlauchtücher nach kurzem Gebrauch schon Löcher bekommen oder gar abfärben. Bei Werbegeschenken oder superbilligen No-Name-Produkten passiert derartiges immer wieder. In vernünftigen Qualitätsstufen sind die Tücher indes sehr haltbar, fusseln nicht und fransen nicht aus.

Laut Läufer-Blog liegt der Ursprung des Multifunktionstuch im Jahr 1992. Seitdem sei seine Beliebtheit steil gestiegen und es habe sich „von einer funktionalen Sportkopfbekleidung zum Mode-Accessoire gemausert“.

Wegen der Beliebtheit als Werbegeschenk und als Beigabe in Starterpaketen bei Trailrunning- und Bike-Contests ist die Verbreitung der Schlauchtücher fast schon zur Omnipräsenz geworden. Manche Outdoorer besitzen zig Exemplare und sehen die Stoffröhre als eine Art „Schweizer Taschenmesser der Outdoorbekleidung“. In der Tat, sie kann als Stirnband und Mütze, als Hals- und Piratentuch verwendet werden. Und noch einiges mehr, wie folgendes Video zeigt, in dem die ansehnlichen Buff-Models in nur zwei Minuten sage und schreibe zehn verschiedene Arten zeigen, das Tuch als Kopfbedeckung zu tragen:

Da das Schlauchtuch immer wieder auch als modisches und ästhetisches Accessoire getragen und bewertet wird, will ich es hier ebenfalls nicht nur nach Funktionalität beleuchten. Denn über Geschmack lässt sich bekanntlich vortrefflich schreiben. Also bitte nicht wundern, wenn die folgende kleine „Kulturkritik des Schlauchtuchs“ womöglich hier und da leicht persönlich gefärbt ist :-)

Als Kopfbedeckung?

Zunächst oute ich mich selbst als Schlauchtuchinhaber. Ja, ich habe selber so ein Ding und finde es auch verdammt praktisch. Allerdings nur für den Kopf und speziell für den Meinigen. Denn der ist irgendwie überdimensioniert, sodass mir von all diesen Normalokäppis mit Schirmchen keine so richtig passt. Abgesehen davon, das ich diese steifen Dinger auch bei richtiger Größe unbequem finde und der Ansicht bin, dass sie ihre Träger irgendwie dümmer aussehen lassen. Bei Sonnenhüten mit Rundum-Krempe ist das ganz ähnlich. Gerade die mit Schlaufe zum Festziehen, die so lustig das Gesicht einrahmt, kann ich nicht tragen, weil ich damit aussehe wie meine eigene Oma.

Doch auch rein praktisch finde ich das Schlauchtuch als Sonnenschutz mindestens gleich gut. Man kann es weit über die Stirn herunterziehen und bei Hitze zusätzlich noch befeuchten. Versuch das mal mit einem breitkrempigen Sonnenhut. Auch bei Wind mache ich mit Schlauchtuch eine bessere Figur: Während Omas Hut wie wild herumflattert und jeden Moment wegzufliegen droht, bleibt das Buff völlig gelassen. Auch in Sachen Zustand der Frisur nach dem Abnehmen der Kopfbedeckung erzielt das Tuch einen klaren Punktvorteil gegenüber Hut und Käppi: während man nach einer Tour mit letzteren auf dem Kopf aussieht wie nach 12 Stunden im Bett gewälzt, muss man nach Abnehmen des Buffs nur die Haare kurz so schütteln wie in der 3-Wetter-Taft-Werbung, und schon ist wieder alles in Position.

Jaja, ich weiß, Eitelkeit sollte keine solche Rolle spielen, doch wer ist schon völlig frei davon? Und wenn wir die gleiche Funktionalität einmal mit doofem und einmal mit coolem Aussehen haben können, ist die Wahlmöglichkeit doch super, oder? Mein Fazit lautet hier jedenfalls: als Kopfbedeckung bei Hitze und Wind ist das Schlauchtuch tipptopp, sowohl für lockeren Freizeitsport als auch bei „ernsthaften“ Berg- und Outdooraktionen.

Für den Winter und den kalten Berg?

Es hat aber auch seine Grenzen mit der Schlauchtuchherrlichkeit. Manche betrachten das Schlauchtuch ja auch als Ersatz für Schal und Mütze. Doch bei einem Tuch ist der Stoff eher dünn und elastisch. Das genau ist ja auch der Vorteil in Sachen Bequemlichkeit, Leichtigkeit und Vielseitigkeit. Es bringt jedoch eine bestenfalls eingeschränkte Wintertauglichkeit mit sich. Es gibt natürlich auch dickere, meist mit Fleece gepolsterte Schlauchtücher, die auch für Temperaturen unter null taugen. Doch da leuchtet mir nicht ganz ein, was nach Abzug von Leichtigkeit und Flexibilität deren Vorteil gegenüber einer stinknormalen Mütze sein soll. Ach so, ja, die Verwendbarkeit als Schal. Hm, mag sein, doch da habe ich eine ganz eigene Theorie.

Als Halstuch und Schal?

Dazu gleich eine Vorwarnung: meine leichte Voreingenommenheit gegen Schals und Halstücher kann ich wohl nicht ganz verbergen. Ich rechtfertige sie damit, dass ich schon bei deren Anblick immer das Gefühl einer zugedrückten Luftröhre bekomme. Mir reicht vollkommen, wenn Pulli oder Jacke oben am Hals kurz unterhalb des Kinns sauber abschließen, am besten mit einem Kordelzug verstellbar. Das funktioniert meist prima und ich wüsste nicht, wozu ich dann noch einen Schal bräuchte. Bei Radlern und Motorradfans kann ich die Liebe zum Halstuch nachvollziehen, weil man da nach vorn gebeugt im Luftzug sitzt. (Auch wenn es mir selbst beim Radeln mit gut schließender Oberbekleidung noch nie wirklich am Hals gezogen hat.)

Meine Vorbehalte ästhetisch-geschmacklicher Natur liegen wohl daran, dass irgendwas in meiner Kindheit schiefgelaufen ist. Damals, in grauer Vorzeit, kam es mir so vor, als würden Schals ausschließlich im Winter getragen und farbenfrohe Halstücher seien, ebenso wie außersaisonal getragene Schals, ein Accessoire, dass ausschließlich an Frauen ab etwa Anfang 30 zu bewundern ist. Deren Schals oder Tücher waren oft pastellfarben und kamen nicht selten in Kombination mit runden, kleinen, aber dick geränderten Brillen zum Einsatz. Männer mit bunter Halsbekrausung? Höchstens an Theatern und in Literatursalons. Vielleicht noch an soziologischen Fakultäten. Also überall da, wo der progressive Mann damals schon takt- und rücksichtsvoll war, offen mit seinen Gefühlen umging und die Autopolitur durch vegane Hautcreme ersetzt hatte.

Da das inzwischen der Modell- und Vorbildmann ist, avancierte auch der bunt verpackte Männerhals zum Symbol des kulturellen Fortschritts. Besonders erfreulich ist da die Entdeckung, dass farbenfrohe Halsverhüllung gut mit Hipsterbart und Dutt harmoniert. Und sich das Ensemble durch eine runde, kleine, aber dick geränderte Brille perfekt vervollständigen lässt …

Okay, das war zu viel kulturkritische Häme, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich jemandem auf den Schlips respektive das Halstuch getreten sein sollte. Ich kann eben wirklich nichts dafür, dass der Anblick kraus umtuchter Hälse mir immer diese irritierenden, ja vielleicht sogar mikrotraumatisierenden Assoziationen zu diesen Vögeln auslöst, die zum Drohen oder Balzen irgendwelches seltsame Gekropfe aufrichten.

Um aber zu einem versöhnlichen Abschluss zu kommen, jetzt nochmal ein positiver Blick auf die famose Vielseitigkeit des Alleskönner-Tuchs:

Weitere Verwendungen: praktische Vielfalt

Das Multifunktionsschlauchtuch kann nicht nur Kopf und Hals auf vielerlei Weise schützen und dekorieren, sondern hat eine Reihe weiterer Einsatzmöglichkeiten und Funktionen. Einige Beispiele:

– Es verhindert hässliche Flecken auf dem Brustbereich des Oberteils und ist bei Mahlzeiten jederzeit als Sabberlatz und Serviette griffbereit.

– Übers Gesicht gezogen lässt es dank feinem Gewebes die Außenwelt durchschimmern und ersetzt somit bei Banküberfällen den zwickenden Damenstrumpf oder die zu warme Balaklava.

– Wenn nach einer Peinlichkeit mal wieder (Fremd)Schämen angesagt ist, wird das Multifunktionstuch ruckzuck über das Gesicht gezogen und ermöglicht unerkanntes Entkommen aus der Situation.

– Weitere Verwendungen in Stichworten: Lappen, Handtuch, Schweißtuch, Kurzzeit-Notdichtung für lecke Rohre, improvisierte Einkaufstasche (Einkaufsschlauch), Spielzeug-Knäuel für Haustiere, Lampenschirmüberzug, Schlafmaske, …

Kurz, mindestens ein Schlauchtuch, Bufftuch und Multifunktionstuch gehört in jeden ordentlichen Haushalt ;-)

Plastikfreie Alternativen für Outdoor-Bekleidung

23. Oktober 2019
Ausrüstung

Da wir im Zeitalter der schwammigen Begriffe leben, zunächst mal eine Klarstellung: Wenn von „plastikfrei“ die Rede ist, werden damit oft ähnliche Attribute wie „umweltfreundlich“ und „nachhaltig“ verbunden. Dabei geht es hier „nur“ um die Abwesenheit von Synthetikstoffen auf Basis von fossilem Mineralöl. Zwar hat „plastikfrei“ eine Schnittmenge mit „nachhaltig“ und „umweltfreundlich“, ist aber nicht gleichzusetzen.

So gibt es mittlerweile viele Outdoor-Kleidungsstücke, die man als nachhaltig bezeichnen kann, die aber nicht plastikfrei sind. Und es gibt Produkte, die sind nachhaltig im Sinne von langlebig, aber im strengen Sinne nicht umweltfreundlich, da sie letzten Endes doch irgendwo „endgelagert“ werden müssen. Last but not least gibt es zahlreiche plastikfreie Shirts und Shorts, die alles andere als nachhaltig und umweltfreundlich sind, weil die Anbaumethoden von Baumwolle auch nicht immer die besten sind.

Soweit alles klar? Oder war das jetzt erst richtig verwirrend? Dröseln wir das Ganze mal etwas auf, dann wird die Klarheit schon kommen.

Was bedeutet „plastikfrei“?

Wirklich plastikfrei sind Outdoorklamotten nur, wenn sie keinerlei Polyester, kein Polyamid (Nylon), kein Polypropylen und auch sonst kein Poly-irgendwas enthalten. Nur pflanzliche Naturfasern und tierische Stoffe wie Wolle und Leder sind „zulässig“ – auch wenn bei letzteren gleich die nächsten Ethik- und Umwelt-Tretminen lauern – aber das ist ein anderes Thema.

Das Problem: Ab einem gewissen Funktionalitätsanspruch geraten die Naturstoffe an Gewichts- und Bezahlbarkeitsgrenzen und bieten keine Alternative mehr. Deshalb ist auch der Großteil der als nachhaltig geltenden Outdoorbekleidung aus Chemiefasern hergestellt. Hier landet man letztlich bei der altbekannten Diskussion, wie viel Funktionalität man im Einzelfall „braucht“ (dazu am Ende des Artikels mehr).

Hauptnachteile der Synthetikfasern sind der hohe Energieverbrauch bei ihrer Herstellung und die äußerst langsame Zersetzung nach ihrem „Lebensende“. Letzteres Problem kann durch Recycling nur teilweise entschärft werden. Zwar bieten viele Hersteller Kleidung mit recycelten Kunstfasern an, doch nur Wenige konstruieren ihre Produkte so, dass sie ihrerseits (vollständig) recycelbar sind (z.B. Patagonia oder Pyua). Auch tragen recycelte Kunstfasern nicht zur Lösung des Mikroplastik-Problems bei (dem wir als „Endverbraucher“ allerdings mit einem speziellen Waschbeutel wie dem Guppy-Friend beikommen könnten).

Exkurs: PFC-frei ist nicht plastikfrei

PFC-Freiheit in Textilien und Imprägnierungen ist ein großes Thema und ein Umweltfortschritt, sagt aber nichts darüber aus, ob Stoff oder Imprägnierung natürlich oder synthetisch ist. Es gibt aber mittlerweile eine komplett natürliche „Bioimprägnierung“ namens Ecorepel Bio. Diese Schutzschicht basiert auf pflanzlichen, ohne Gentechnik gewonnenen Rohstoffen und versucht, die Kutikula von Pflanzen für die Outdoor-Jacke nachzubilden. „Die Kutikula ist die äußerste Wachsschicht von Pflanzenblättern, die sie vor unkontrollierter Verdunstung und Regen schützt.“

Es gibt also viele Annäherungen an das plastikfreie und umweltfreundliche Ideal. Doch gibt es auch hundertprozentige Umsetzungen, die hohe Funktionalität bieten?

Welche „wirklich natürlichen“ Materialien gibt es?

Wie oben erwähnt, ist die Auswahl an Naturmaterialien für Outdoortextilien relativ klein. Neben den tierischen Stoffen Leder und Wolle (Seide kann man hier vernachlässigen) gibt es noch die pflanzlichen Stoffe Baumwolle und die Regeneratfasern. Letztere sind „chemische Naturfasern“ wie Viskose, Modal und Lyocell (die wir hier im Blog schon vorgestellt haben). Sie bestehen aus mehr oder weniger verholztem Pflanzenmaterial, das in chemischen Bädern eingeweicht und aufbereitet wird.

Wolle: nur Unterwäsche und Norwegerpullis?

Wolle, insbesondere Merinowolle ist bekanntlich eine praktikable und angenehme Möglichkeit für funktionale Textilgewebe. Ihre Herkunft und Gewinnung ist ökologisch gesehen sicher dem Erdöl überlegen. Aber sie ist relativ teuer („freikaufen“ für Privilegierte?) und vom ethischen Standpunkt her bei zweifelhafter Tierhaltung auch nicht immer unbedenklich, auch wenn das Thema Mulesing in der Outdoor-Branche kaum noch eine Rolle spielt.

Es sind überwiegend die weniger aufwändigen Baselayer-Textilien, die zu 100 Prozent aus (Merino)Wolle bestehen. In funktionalen Kleidungsstücken der mittleren und äußeren Bekleidungsschicht ist zwar immer häufiger Wolle enthalten, jedoch nur in Anteilen. Zwar kann eine reine Wolljacke eine durchaus mit einer Softshell- oder Fleecejacke vergleichbare Funktionalität zeigen, doch eine Hardshelljacke kann sie nicht ersetzen. Die Grenzen liegen hier beim Nässeschutz und bei der Waschbarkeit.

Meist sind zudem die Nähte aus Nylon oder anderen Kunststoffen, da sie deutlich strapazierfähiger sind. Daher: Obacht beim Kompostieren! ;)

Ist Baumwolle die plastikfrei-funktional-Lösung?

Als alleiniges Material wird Baumwolle ebenfalls fast nur in weniger funktionalen Shirts und Textilien für leichte Freizeitaktivitäten verarbeitet. Löblicherweise verwenden immer mehr Hersteller ausschließlich Bio-Baumwolle. Zu diesen Herstellern gehört die schwedische Marke Fjällräven, die schon seit langer Zeit für ihre G 1000 Baumwolle bekannt ist. Diese ist ein dicht gewebter Stoff, „der sich dank Greenland Wax an verschiedene Witterungsbedingungen anpassen lässt“. Der Stoff ist atmungsaktiv, kann mit der richtigen Pflege viele Jahre überdauern und ist in fünf Ausführungen mit verschiedenen Schwerpunkten erhältlich (Leichtigkeit, Robustheit, Geschmeidigkeit, …). Klingt super, nur ist G1000 eben keine reine Baumwolle, sondern besteht zu 65 % aus Polyester.

Ähnlich sieht es bei anderen Herstellern aus, die Naturfasern verarbeiten. Deren Baumwolle ist besonders eng gewebt und mit ökologischen Imprägnierungen versehen. Die Kleidungsstücke sind dann wasserabweisend, aber für volle Wasserdichtigkeit reicht es nicht. Laut dem Nachhaltigkeitsportal Utopia reichen diese Jacken für die Stadt oder gelegentliche Wanderungen aus. Man findet im Utopia-Artikel auch gleich einige Kaufvorschläge, deren Nachhaltigkeit sich allerdings auch im Preisniveau widerspiegelt.

Eine tatsächlich wasserdichte und funktionale Outdoorjacke aus 100 % Biobaumwolle ohne Chemikalienzusatz gab es bisher wohl nur versuchsweise von einem kleinen Unternehmerprojekt namens N2R aus Italien. Die N2R Jacke wurde von 2014 bis 2016 auf der Fundraising-Seite der Projektbetreiber angeboten. Es gab mehrere Varianten, die preislich zwischen 250 und 550 Euro lagen. Allem Anschein nach ist die Produktion nicht über den Anfangsstatus hinausgekommen.

Noch Zukunftsmusik: öko, voll funktional und preiswert

Es gibt also noch nicht viel „Zählbares“ in Sachen Baumwolle und Outdoorfunktion. Dennoch spielt das Thema laut Onlinemagazin der Outdoor-Messe ISPO eine große Rolle. Und nicht nur das, unter der Schlagzeile „Baumwolle erobert den Performance-Sektor dank neuer Technologien“ sieht man sogar einen unaufhaltsamen Siegeszug kommen. Dabei wird eine beeindruckende Zahl an High-Tech-Begriffen eingeführt, die alle gut klingen, von meiner Seite aus aber nicht einzuschätzen sind. Auch bleibt offen, wie lange diese Innovationen bis zur Serienreife mit „massentauglichen“ Preisen noch benötigen. Hier ein komprimierter Überblick:

Funktion und Gewichtsreduktion mit neuer Hohlfaser-Technologie: SolucellAir heißt die patentierte Technologie, die innerhalb des Baumwollgarns einen hohlen Kanal schafft und damit Baumwollstoffe zu Funktionskleidung mit höherem Tragekomfort macht. Der hohle Kernbaumwollstoff ist leicht, langanhaltend weich, bietet ein gutes Feuchtigkeitsmanagement und trocknet schnell. Das Ganze kommt ohne Finish oder andere chemische Behandlungen aus.

Atmungsaktiv und trocken mit Dry-Inside: Konkurrenzfähige Atmungsaktivität und effektiver Feuchtigkeitstransport bei geringer Reibung und weicher Haptik soll durch die Dry-Inside-Technologie der Firma Nanotex erreicht werden. Labortests zeigen laut ISPO eine beachtliche funktionale Performance, die der von Polyester sogar überlegen scheint. Allerdings handelt es sich, wie der Firmenname schon verrät, um Funktionen auf Basis von Nanotechnologie, deren ökologische und gesundheitliche Unbedenklichkeit nicht als gesichert gelten kann.

Gut imprägniert mit Naturally Clean und DropelTech: Die portugiesische Textilspinnerei Tintex hat einen kosten- und ressourceneffizienten Finishing-Prozess in ihre Kollektion eingearbeitet, der saubere Oberflächen und lebhafte Farben ohne aggressive Behandlungen erreicht und sich angenehm glatt anfühlt. Ein ähnliches Finish hört auf den Namen DropelTech. Es ist bluesign-akkreditiert und verschafft Naturfasern ähnliche wasser- und schmutzabweisende Eigenschaften wie Synthetikstoffen, ohne die Weichheit und Atmungsaktivität zu beeinträchtigen.

Zu diesen hauptsächlich auf technische Funktionalität ausgerichteten Innovationen kommen noch eine Reihe Maßnahmen, die auf Nachhhaltigkeit und Effizienz zielen:

US-Unternehmensplattform für neue und nachhaltige Technologien und Funktionen: „What’s New in Cotton?“ heißt die Plattform US-amerikanischer Baumwollunternehmen, die Innovationen der Baumwoll-Funktionalität vorantreiben will.

Volle Rückverfolgbarkeit mit Fibretrace: Diese Technologie „bettet Markensignaturen in Fasern ein, so dass die vollständige Nachverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette hinweg gewährleistet ist. Die Kombination aus patentierter Faser- und Lasertechnologie bietet Marken ein komplettes Schloss-Schlüssel-System und bietet umfassende Transparenz.“

Weniger Produktionsschritte und Wasserverbrauch durch Zero-D Reactive Pigment: Durch „reaktiven digitalen Pigmentdruck des Designs und robuste Farben“ wird hier „alles in einem Prozess erstellt. Es wird nur so viel Wasser gebraucht, wie auch in einem herkömmlichen Textilfärbeverfahren und kein Abwasser erzeugt.“ Dieser Digitaldruck soll waschbeständig sein und kann auch für andere natürliche Fasern angewandt werden.

Welche Lösungen funktionieren hier und jetzt?

Wie wir sehen, ist im Bereich Naturmaterialien und Outdoorfunktionalität viel Bewegung, doch noch können wir nicht alle Funktionen und schon gar nicht zu günstigen Preisen haben. Wir können uns aber die Wartezeit mit guten Zwischenlösungen versüßen. Wobei „Zwischenlösung“ nicht bedeuten soll, das Teil in die Recyclingtonne zu kloppen, sobald das Baumwollwunder da ist. Nein, die „Kompromissjacke“ darf und soll durchaus lange halten.

Bedarf und Kaufentscheidung

Wie findet man diese möglichst plastikfreie Ideal-Outdoortextilie? Indem man sich zunächst selbst ein paar einfache Fragen stellt und so womöglich herausfindet, dass Naturfaser mit Imprägnierung voll ausreicht. Wofür brauche ich das Teil wirklich? Wenn ich damit zu 95 % im Alltag unterwegs bin und pro Jahr vielleicht zwei Bergwanderungen damit mache, reicht dann nicht eine imprägnierte (Baum)Wolljacke? Wie war das eigentlich bei den Menschen, die vor 30 Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren sind und auch mal bei Wind und Wetter draußen waren? Der heutigen Durchschnittskleidung nach ist ja kaum vorstellbar, wie die das überlebt haben…

Man kann sich auch bewusst machen, dass totale Wasser- und Winddichtigkeit für Aktionen gedacht sind, bei denen es nach dem Regenguss keine Möglichkeiten zum Trocknen und Aufwärmen gibt. Wer im städtischen Alltag oder im Naherholungsgebiet unterwegs ist, hat diese Möglichkeiten normalerweise um die Ecke. Und wer beim Weg von oder zur Arbeit nicht hermetisch geschützt ist und ein bisschen nass wird, muss im Büro oder daheim keine schlimmen Kälteschäden fürchten. Vielleicht reicht es ja, einen Ersatzpulli oder ein Handtuch einzustecken. Für die Hose jedoch, die beim Radeln deutlich stärker nass wird, kommt man um eine Plastiklösung wohl nicht herum. Da kann allerdings auch ein simples Stück Tüte ohne 3 Lagen und Membran gute Dienste leisten.

Abschließend nochmal kurz in den Worten der Nachhaltigkeitsutopi(a)sten: „Um die Umwelt nicht unnötig zu belasten, sollte man sich bei jedem Kauf beraten lassen, welche Produkte und Funktionen man wirklich benötigt – und den gesunden Menschenverstand einsetzen.

The North Face Futurelight

30. September 2019
Ausrüstung

„Defy the past. Wear the future.“

„Die fortschrittlichste, atmungsaktive und gleichzeitig wasserdichte Bekleidungstechnologie der Welt.“ 

Wenn man so hört und liest, was The North Face über ihre neue Futurelight Technologie schreibt, dann kommt man nicht umhin festzustellen, dass hier die ganz großen Marketing-Kanonen ausgepackt werden. Es ist vielleicht natürlich, dass man da als Verbraucher inzwischen etwas vorsichtig ist, wenn jemand mit derart vielen Superlativen um sich wirft. Bedenkt man aber, dass The North Face für Futurelight sogar Gore-Tex sukzessive aus ihren Produkten „ausbaut“, wird man zwangsläufig erstmals stutzig. Das ist ein ziemlich großer und mutiger Schritt.

Wir wollen im Folgenden mal kurz aufdröseln, was das neue Futurelight kann, was daran so „revolutionär“ ist und wie unsere Einschätzung dazu aussieht.

Das Geheimnis heißt ‚Nanospinning‘

Es liegt in der Natur der Sache, dass ein solcher Schritt nicht von heute auf morgen gegangen wird. Dafür steht immerhin der gute Ruf von The North Face auf dem Spiel. Also lies man sich bei beim Entwickeln und Testen von Futurelight Zeit. Viel Zeit. 2,5 Jahre und 400 Testtage am Athleten um genau zu sein. Ganz am Anfang stand die Suche nach einer neuartigen Technologie und die Frage, ob es nicht möglich ist wasserdichte Bekleidung zu entwickeln die so atmungsaktiv ist, dass man auf Tour nicht ständig die Klamotten wechseln muss.

Auf der Suche nach einer neuen Fertigungsstätte wurde man schließlich in Vietnam fündig. Dort entwickelte The North Face in enger Zusammenarbeit mit dem Unternehmen MXP das sogenannte Nanospinning. Aus ca. 200.000 Düsen, wird ein wenige Nanometer großer Faden geschossen und auf ein Trägermaterial aufgebracht. Zum Vergleich, ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von ca. 0,6 – 0,8 mm. Die Fäden sind um den Faktor 1000 bis 10.000 dünner.

Durch die Überlagerung der Fasern beim Aufspritzen entsteht ein Film – die Futurelight-Membran. Man kann sich das ganze also wie ein großes Netz vorstellen, nur eben mit mikroskopisch kleinen Löchern. Die Funktionsweise ist also ähnlich wie bei anderen mikroporösen Membranen, die allerdings in der Regel aus einem expandierten Kunststoff bestehen. Durch diesen Expansionsprozess entstehen unterschiedlich große Löcher. Eine gute Atmungsaktivität ist auch hier gegeben, dennoch erreicht man mit dem Nanospinning verfahren nochmal deutlich größere Poren und damit auch eine höhere Atmungsaktivität – so zumindest die Theorie.

Wie wasserdicht ist Futurelight?

Natürlich zu 100%. Ist doch klar. Eigentlich könnten wir den Absatz recht kurz halten, wenn man allerdings tiefer recherchiert, findet man keine Daten zur Wassersäule oder ähnlichem. Dabei sind wir Verbraucher doch gewohnt, alles einmal schwarz auf weiß lesen zu können! Nun ist es im Hause The North Face schon immer gute Sitte, keine weiteren Angaben zu Wasserdichtigkeit zu machen, was folgenden Hintergrund hat:

Wenn The North Face ein Produkt als wasserdicht bewirbt, ist es das auch. Und zwar angepasst für den jeweiligen Einsatzzweck. Eine Jacke, die zum Höhenbergsteigen gebaut ist, hält dem zu erwartenden Wetter genauso stand, wie eine Casual-Regenjacke den Gassi-Geher vor alltäglichem Regen schützt, letztere ist aber nicht unbedingt für den Himalaja geeignet.

Es gibt noch einen zweiten Punkt, warum man bei The North Face mit Werten vorsichtig ist. In den USA gelten deutlich strengere Vorschriften bzgl. der Angaben. Dort muss eine Wassersäule über 10 Jahre garantiert sein. Ansonsten kann das Unternehmen verklagt werden – und zwar auf den Firmenwert, was bei The North Face keine kleine Summe ist. Es gibt keine Zweifel, dass Futurelight das locker packt, aber wir alle wissen: Der Teufel ist ein Eichhörnchen und bei so manch kuriosen Urteilen aus den USA wäre man als Firmenchef wohl auch lieber etwas defensiver in dieser Hinsicht.

Um die letzten Zweifler zu überzeugen hat The North Face ihre neue Technologie von den Underwriter Labs testen lassen. Eine unabhängige Organisation, die unter anderem das Material für die US-amerikanische National Fire Protection Association testet. Futurelight hat über eine Stunde lang ca. 750 Liter Wasser locker abgehalten – ohne mit der Nano-Wimper zu zucken.

Der Tragekomfort und die Widerstandsfähigkeit von Futurelight

Wir haben schon erklärt, dass Futurelight aus kleinen Nano-Fäden besteht, die übereinander gelagert sind. Der große Vorteil neben der hohen Atmungsaktivität: Das Material ist von Haus aus dehnbar und kann diesbezüglich auch modular angepasst werden. Genauso verhält es sich mit der Robustheit – wobei die noch maßgeblich von Außen- und Innenmaterial beeinflusst wird.

Futurelight ist immer ein dreilagiges Laminat, wobei die eigentliche Membran als Mittelschicht fungiert. Alle drei Schichten werden auf das jeweilige Produkt angepasst. So ist zum Beispiel die Flight Jacket für Läufer deutlich leichter und noch eine Ecke atmungsaktiver gestaltet, während die Summit L5 als Hochtourenjacke natürlich schwerer, aber dafür deutlich robuster ist.

Richtig spannend wird es aber beim Tragekomfort. Dadurch, dass Futurelight dehnbar ist, fühlt es sich mehr nach Softshell denn nach Hardshell an und raschelt auch eine ganze Ecke weniger. Um mal vorzugreifen: Das war ein Punkt, der uns besonders gut gefallen hat.

Wie steht es um das Thema Nachhaltigkeit bei Futurelight?

Eines der großen Buzzwords, das sowohl die Outdoor-Branche, als auch die Gesellschaft aktuell nicht los lässt. Und auch bei der Entwicklung von Futurelight war von Anfang an klar, dass die Themen Nachhaltigkeit und Ethik eine wichtige Rolle spielten sollen. Das fing bei der Wahl der Produktionsstätte an. Der vietnamesische Zulieferer hat hohe ethische Standards etabliert und arbeitet ressourcensparend.

Das Futurelight Laminat selbst besteht zu einem Großteil aus recycelten Materialien. Ausgerechnet die Membran selbst bildet aber die große Ausnahme. Für das beim Nanospinning verwendete Polyurethan gibt es bisher leider noch keinen für Futurelight verwertbaren Recycling-Rohstoff. Das Gleiche gilt für den Elasthan-Anteil, der in manchen Produkten verarbeitet ist. Auch Elasthan lässt sich noch nicht so gut wiederverwerten, wie es für Futurelight nötig wäre. Außen- und Innenmaterial sind unterm Strich zu ca. 90% recycelt.

In Sachen Imprägnierung können wir ganz klar sagen: Die ist PFC-frei! Wohoo! Schöne Sache. Im Labor war zudem nach 80 Wäschen noch ca. 80% der Imprägnierungsleistung vorhanden. Die Laborwerte lassen sich natürlich nur bedingt auf den Außeneinsatz übertragen, aber man kann wohl davon ausgehen, dass die Imprägnierung ein Weilchen halten dürfte.

Wie schlägt sich Futurelight in der Praxis?

Tja, blumige Versprechungen sind schnell gegeben. Am besten ist es doch, wenn man mal selbst Hand anlegen darf. Bisher haben vier Bergfreunde ihre Erfahrungen mit Futurelight gemacht: Mia hatte die Flight Jacket aus der Flight Series für einige Wochen beim Laufen und gelegentlich beim Radfahren im Einsatz. Gearhead Hannah und Jonas aus unserer Online-Redaktion waren vor kurzem am Dachtstein zum Bergsteigen in Futurelight-Hülle und Benedikt aus unserem Einkaufsteam durfte die Futurelight-Sachen auf Skitour testen.

Die Meinungen sind relativ einhellig: da scheint jemand seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Wie gut, dass wird sicher die Zeit zeigen. Mia, Hannah und Jonas hatten jedenfalls ihre Mühe, ein Haar in der Suppe zu finden. Neben der optimierten Atmungsaktivität waren sie durch die Bank vom hohen Tragekomfort begeistert. Futurelight raschelt deutlich weniger als andere Hardshells und trägt sich sehr angenehm.

Wir müssen natürlich dazu sagen, dass wir die Produkte noch keinem wirklichen Langzeittest unterziehen konnten. Dennoch dürfte Futurelight unserer Einschätzung nach alles andere als ein Reinfall werden. Zumal Neuentwicklungen nie schlecht sind. Futurelight wird in der Outdoor-Branche für frischen Wind sorgen – da sind wir uns sicher!

Big Wall Light Teil 2 – die wichtigste Ausrüstung

19. August 2019
Ausrüstung

Im ersten Teil dieser Serie wird der Titel „Big Wall Light“ erklärt und es finden sich dort ein paar wichtige Hinweise – also bitte lesen! Hier im zweiten Teil geht es um die entscheidenden Ausrüstungsteile. Um den Rahmen nicht zu sprengen, versuche ich mich kurz zu fassen. Auf allgemeine, eher unspezifische Themen wie z. B. Kleidung, Verpflegung oder Notfallausrüstung gehe ich deshalb nicht ein. Auf mobile Sicherungsmittel usw. nur ganz am Rande. Zu all diesen Themen sind viele gute Informationen verfügbar bzw. wird der Leser auf seine eigenen Erfahrungen setzen.

Persönliche Ausrüstung

Handschuhe

Zum Schutz der Hände leichte Lederhandschuhe mit freien Fingerkuppen. Mit solchen Handschuhen kann man noch ganz gut Freiklettern und hat genug Fingerspitzengefühl beim Materialhandling. Man kann sie ggf. selbst herstellen, indem man gutsitzende Arbeitshandschuhe zurechtstutzt und mit Tape verstärkt. Je nach Route zusätzlich oder alternativ auch Risskletterhandschuhe. Außerdem dünne Lederhandschuhe für Zu- und Abstiege und das Abseilen. Alte Fixseile, Granitsand, Nässe usw. zerstören ansonsten schnell die Haut an den Händen.

Schuhwerk

Für die meisten Aktionen eignen sich klettertaugliche Approachschuhe mit einer eher harten Sohle. Mit solchen kann man auch mal länger in der Leiter stehen. Für einfache Zu- und Abstiege sind Trailrunningschuhe ideal (weil sehr leicht). Für grobe Einsätze bzw. hochalpines Gelände nimmt man am besten bedingt steigeisenfeste Leichtbergstiefel.

Kletterschuhe

Auch wenn überwiegend technische Kletterei erwartet wird: Oft lässt sich viel mehr frei bzw. AO klettern, als man denkt – sofern man Kletterschuhe trägt! Diese sollten so bequem sein, dass man sie an den Standplätzen nicht ausziehen muss (spart Zeit und Nerven). Wichtig ist auch eine harte Sohle, um schmerzfrei in der Leiter stehen zu können. Für schwerere Freiklettereien gelten natürlich andere Ansprüche. Hier sind präzise Schuhe mit Klettverschlüssen vorteilhaft (am Stand Ferse raus und Klettverschluss gleich wieder schließen, damit der Schuh nicht verloren geht).

Klettergurt

Ein bequemer Allround-Hüftgurt mit stabilen(!) Materialschlaufen funktioniert super. Es braucht kein spezieller Bigwall-Gurt zu sein, denn ein solcher wäre hier schon wieder zu viel des Guten. Am Gurt: Reverso (o. Ä.), Kurzprusik, 5 m Kevlar-Reepschnur, kleines Seilmesser.

Verstellbare Selbstsicherungsschlinge

Anstelle von klassischen Daisy Chains empfehle ich die Verwendung von längenverstellbaren Schlingen. Die Connect Adjust von Petzl ist in vielen Situationen top, beispielsweise beim Arbeiten im Hängestand, als Selbstsicherung beim Abseilen oder als Verbindung zu den Steigklemmen beim Jümarn. Das Original-Seil ist für meinen Geschmack allerdings zu dick und zu schwergängig (und je nach Einsatz auch zu kurz). Ich verwende deshalb ein etwas dünneres Seil, welches ich mit einem Achterknoten am Gurt einbinde (möglichst eng durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse). Als Karabiner nimmt man am besten einen leichten Keylock-Schrauber. Den mitgelieferten Gummi-Puffer mit etwas Tape am Karabiner fixieren, sonst verrutscht er. Nachteil des Petzl-Systems: Es lässt sich nicht so einfach verlängern. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich beim technischen Klettern damit quasi blockieren (gilt übrigens genauso für die Variante „Evolv Adjust“).

Positionierungsschlinge

Deshalb für längere Aid-Passagen (zusätzlich) eine Metolius Easy Daisy, bzw. für schwierige Routen zwei. Diese stufenlos verstellbaren Schlingen sind perfekt fürs technische Klettern (mehr dazu im nächsten Teil). Allerdings dürfen sie nicht als Selbstsicherungsschlingen verstanden werden. Vermutlich um dies klar zu machen, gibt Metolius die Bruchlast mit 1,3 kN an. Auch wenn diese tatsächlich wohl deutlich höher liegt, muss jederzeit eine von diesen Schlingen unabhängige Sicherung gewährleistet sein!

Trittleiter

Für einfache Routen reicht oft eine einzelne Leiter pro Person, in Kombination mit der zuvor beschriebenen Schlinge von Metolius. In den meisten Fällen wird der Vorsteiger aber mit zwei Leitern klettern wollen. Kann der Nachsteiger alles Jümarn bzw. ohne Leitern klettern, braucht er nicht zwingend welche mitzunehmen. Am besten sind symmetrische Bandleitern, die oben mit einer Alusprosse o. Ä. offengehalten werden.

Es gibt solche z. B. von Cassin (Ladder Aider – die leichte Variante) oder Yates (Speed Wall Ladder – die komfortable Variante). Asymmetrische Bandleitern verdrehen sich häufig. Dafür sind meist leichter und kleiner im Packmaß. Ich verwende relativ kurze Leitern. Je länger, desto größer ihr Packmaß und desto eher können sie sich irgendwo verhaken. Meine Speed Wall Ladders habe ich beispielsweise um eine Sprosse gekürzt. Jede Leiter wird mit einem soliden Keylock-Schnapper ausgestattet. Damit clippt man sie in Fixpunkte bzw. zum Transport an den Gurt. Das früher übliche System mit Fifihaken und Fangschnur zum Nachziehen der Leiter wird beim modernen Techno-Klettern nicht mehr angewandt.

Gearsling

Hat man viel Hardware dabei, kommt man kaum um eine solche Materialschlinge herum. Ansonsten ist es Geschmacksache, wie man sein Material organisiert. Eher große, kräftige Kletterer können mit einer 60-cm-Bandschlinge improvisieren. Für kleine Kletterer ist eine solche evtl. zu lang – das Material hinge dann zu tief. Dann besser eine längenverstellbare Gearsling verwenden oder selbst etwas basteln.

Hardware für die Seilschaft

Grigri

Fürs Sichern des Vorsteigers vom Körper empfiehlt sich ein Petzl Grigri. Es funktioniert bestens in Kombination mit einem mitteldicken (s. u.), leicht pelzigen Einfachseil. Und es ist, sagen wir einmal, recht fehlertolerant. Die Realität ist: Vorstiege in Bigwall-Routen können lange dauern und der Sicherer muss schon einmal dies oder das nebenher erledigen… Am besten kombiniert man das Grigri mit einem leichten Ballock-Karabiner.

Fifi

Einen Fifi-Haken braucht man zwar nicht zwingend, allerdings ist er empfehlenswert für Routen mit längeren, anspruchsvollen Aid-Passagen. Der Vorsteiger verbindet den Fifi mittels kleiner Bandschlinge am Klettergurt (einschlaufen mit Ankerstich). Der Fifi lässt sich während des Vorstiegs dann schnell in Fixpunkte ein- und aushängen – z. B. um den nächsten Fixpunkt aus einer kraftsparenden Position anzubringen.

Jümar-Kit

In den meisten Fällen reicht ein Satz Handsteigklemmen pro Seilschaft, also eine Klemme für links und eine für rechts. Zusätzlich empfehle ich ein Backup-System, welches aus einem Tibloc mit Ovalkarabiner (Schrauber) und einer 30-cm-Dyneemabandschlinge besteht. Dazu noch längenverstellbare Trittschlingen, die in die Handsteigklemmen eingeclippt werden. Eine Trittschlinge reicht in vielen Routen aus. Für lange Strecken in geneigtem Gelände besser zwei.

Zum Haulen

Als Rücklaufsperre fürs Haulseil eine Petzl Micro Traxion oder den neuen Spoc von Edelrid (noch leichter und noch bissiger).

Fürs Bodyhauling bei schwereren Säcken zusätzlich einen Wild Country Ropeman oder für dünne Leinen besser einen Ropeman 2.

Außerdem noch einen Haulbagwirbel. Eingebaut zwischen Sack und Haulseil verhindert dieser ein Verdrehen des Seils. Für leichte Säcke gibt es mit dem Grivel Rotor einen ganz leichten Wirbel mit integriertem Karabiner.

Exen, Bandschlingen, Normalkarabiner

Beim Technischen Klettern braucht man meist viel mehr Schnapper als gedacht. Insbesondere, wenn man sich lange Risspuren mit Klemmkeilen und/oder Beaks (mit Schlinge ausgestattet) hocharbeitet. Erlaubt es die Seilführung, clippt man diese nämlich mit einem einzelnen Schnapper ins Seil. Hierfür wären Ovalkarabiner angenehm. Aber da diese zu schwer sind und man ja wahrscheinlich eh keine besitzt, muss es mit normalen Schnappern gehen! Cams clippt man, sofern es der Seilverlauf erlaubt, ebenfalls mit nur einem Schnapper ins Seil. So lassen sich viele Exen einsparen! Für Haken, oder immer, wenn ein Fixpunkt verlängert werden muss, verwendet man wie gewohnt Exen oder Bandschlingen. Zum Abbinden von Haken sollte man auch ein paar kurze, dünne Dyneema-Bandschlingen dabeihaben (oder Ähnliches aus Kevlar-Reepschnur).

Klemmkeile, Cams usw.

Ein weites Feld… Hier kurz und knapp zu schreiben, erscheint mir kaum sinnvoll, zumal es bereits viele gute Infos gibt! Einen Beitrag zum Thema Cams gibt’s z. B. hier im Basislager-Blog.

Hammer und Haken

Viele Routen gehen ganz ohne Hammer und Haken oder man braucht sie nur, falls fixes Material ausgebrochen ist. Man kann das Zeug dann auch im Haulbag transportieren und erst bei Bedarf auspacken. Ansonsten trägt man den Hammer am besten in einem Ice-Clipper (Kunststoff-Materialkarabiner) am Klettergurt. Meist reicht ein leichter Kletterhammer. Gut ist beispielsweise das Modell von Climbing Technology (Thunder).

Wird viel gehämmert, ist ein schwerer Bigwall-Hammer empfehlenswert. Das Modell von Edelrid (Hudson) hat das beste Preis-Leistungsverhältnis und funktioniert perfekt. Die beschriebenen Modelle (und andere) werden sinnvollerweise mit elastischen Fangschnüren ausgeliefert. Bei meinen alten Modellen habe ich mit einer stabilen Gummischnur improvisiert. Zum Entfernen von Haken empfiehlt sich dann auch ein „Funkness Device“ – ein Stück Stahlseil mit Ösen, das zwischen Hammer und Haken geclippt wird. Achtung: Die hier eingesetzten Karabiner werden u. U. schwer beschädigt und dürfen nicht mehr zum Sichern verwendet werden!

Seile und Hilfsleinen

Kletterseil („Lead Rope“)

Ich verwende meist ein eher weiches Sportkletterseil mit 9,8 mm Durchmesser. Spezielle Bigwall-Seile haben einen etwas größeren Durchmesser oder sind straffer geflochten. Damit ist ihre Lebensdauer höher und die Gefahr von Mantelschäden reduziert. Für meine Einsätze sind mir aber weichere und leichtere Seile eindeutig lieber – nicht zuletzt, weil sie beim Nachsichern mittels „Plate“ viel besser funktionieren!

Haulseil („Haul Line“)

Am liebsten nehme ich ein ausgemustertes Halb- oder Zwillingsseil. Zumindest bei eher leichten Haulbags hat man damit die meisten Vorteile auf seiner Seite. Für ein ganz leichtes Setup machen „Raplines“ bzw. „Tag Lines“ Sinn. Wer auf solche Leinen setzt, sollte sich zunächst mit deren Eigenheiten beim Abseilen vertraut machen. Schließlich müssen sie bei Bedarf auch als Abseilleinen herhalten.  Mit Blick aufs Haulen muss man weitere Punkte beachten: Je nach Konstruktion kann der Mantel anfällig sein für Verschleiß und kleinere Schäden. Außerdem lassen sich dünne, glatte Leinen schlecht greifen. Es empfiehlt sich, bei Haulseil und Kletterseil die gleiche Länge zu wählen.

„Lower-Out-Line“

Mit einer solchen Reepschnur kann man den Haulbag kontrolliert herauslassen, sofern sich der nächste Standplatz seitlich versetzt befindet. Grundsätzlich geht das auch mit dem Restseil des Haulseils. Aber natürlich nur, wenn man ausreichend Restseil hat. Ob man eine „Lower-Out-Line“ braucht und wie lang sie sein muss, hängt vom Routenverlauf sowie der Länge der Seillängen und des Haulseils ab. Und davon, was man dem Haulbag zumuten will, wenn man ihn unkontrolliert herausschwingen lässt. Es gibt also leider überhaupt keine pauschal sinnvolle Längenempfehlung. Sorry! Beinhaltet eine Route einen langen Quergang, kann man eine zusätzlich mitgeführte „Lower-Out-Line“ auch ans Restseil des Haulseils anstückeln und danach wieder wegpacken. Eine gute Materialstärke ist 6 mm. Damit ist man nicht nur leicht unterwegs, sondern kann mit einer solchen Reepschnur im Falle eines Rückzuges auch solide Abseilstellen einrichten. Für den sporadischen Einsatz bei leichten Lasten geht auch eine 5-mm-Reepschnur.

Rucksäcke und Haulbags

Rucksack

Je nach Begehungsstil und Gelände kann ein Rucksack besser geeignet sein als ein Haulbag. Es ist gut, wenn man auf eine größere Auswahl von Kletterrucksäcken zurückgreifen kann. Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, an welcher der Rucksack angehängt werden kann. Traut man der vorhandenen Trageschlaufe nicht, muss man sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich daran eine kleine Schlinge mit Karabiner. Etwas kräftigere Materialien machen bei einem Rucksack für Bigwalls allemal Sinn. Insbesondere, wenn man sich durch Körperrisse oder Kamine kämpfen muss (dabei den Rucksack am besten abnehmen und mit einer längeren Schlinge an die Anseilschlaufe des Gurts hängen). Bei kleineren Modellen ist es sinnvoll, womöglich vorhandene Rahmen oder sonstige Verstärkungen des Rückenteils zu entnehmen. Dann kann man den Rucksack bei Bedarf besser im Haulbag verstauen. Außerdem unnötigen Schnickschnack entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Haulbag

Für Aktionen mit wenig Gepäck verwende ich den sehr leichten 55-l-Haulbag von Edelrid. Für Tagestouren wäre ein kleinerer zwar besser, allerdings sind die verfügbaren kleineren Modelle meist sogar schwerer als das beschriebene von Edelrid. Für schwerere Lasten ist der 70-l-Haulbag von Black Diamond top. Man kann auch einen robusten Kletterrucksack zum Haulbag umbauen. Ein solches System kann ideal sein für Einsätze, bei denen der Sack viel auf dem Rücken getragen wird und nur ab und zu nachgezogen wird (und dabei weitestgehend frei hängt). Für die Aufhängung zum Haulen braucht der Rucksack mindestens zwei stabile Punkte.

Biwaks und Wasserversorgung

Biwakmaterial

Für sommerliche Touren ist folgendes Setup ideal: Daunenjacke + 2/3-langer Schlafsack oder Daunenjacke + Primaloft-Shorts + leichte Daunensocken + leichter, atmungsaktiver Biwaksack. Dazu eine dünne, gekürzte Schaummatte. An der Matte bringt man eine Aufhängung an, um diese gegen Verlust zu sichern (ein mit Tape verstärktes Loch). Auch gut ist natürlich ein leichter Daunenschlafsack. Vorteil der Variante mit der Daunenjacke: die hält einen auch warm, während man sein Lager auf- und abbaut. Außerdem kann man sie beim Sichern oder Abseilen schnell mal überziehen.

Kocher und Gas

Zum Schneeschmelzen bzw. für warme Mahlzeiten ist ein leichtes Jetboil-Kochsystem gut. Kocher und Topf werden hier mit einem Bajonettverschluss verbunden. Ich habe das Blech am Kocher leicht verformt, damit die Verbindung etwas klemmt und sich nicht mehr ungewollt lösen kann.

Außerdem habe ich am Topf mittels kräftiger Kabelbinder kleine Reepschnur-Schlaufen angebracht. Daran kann man das ganze System anhängen oder sichern. Die passenden Schraubkartuschen gibt es in folgenden Standardgrößen (Nettogewicht): 100 g, 230 g, 450 g.

Empfohlene Gasmengen für eine Zweier-Seilschaft (eigene Erfahrungswerte)

  • Einzelnes Biwak ohne Schneeschmelzen: 100 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks ohne Schneeschmelzen: 100 g – sparsam kochen!
  • Einzelnes Biwak mit Schneeschmelzen: 230 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks mit Schneeschmelzen: 230 g – sparsam kochen oder zusätzliche 100 g mitnehmen.

Wasserflaschen

Bei sommerlichen Bedingungen sind PET-Einwegflaschen gut. Man muss nur darauf achten, dass man welche mit stabilem Schraubdeckel bekommt. Sind sie leer, macht man sie platt und schafft damit Platz im Haulbag/Rucksack. Es ist sinnvoll, kleine Reepschnurschlaufen zum Anhängen anzubringen. Eine 500-ml-Flasche kann man so auch beim Klettern am Gurt transportieren. Trinksysteme sind leider sehr anfällig für Beschädigungen, gammeln schnell und im Trinkschlauch verheddern sich gerne Schlingen. Bei einer schnellen Begehung ohne Haulbag können sie dennoch gut sein. Die Last sitzt dann direkt am Rücken und man kann jederzeit trinken. Zumindest, bis sie kaputt gehen… Ist man mit Kocher unterwegs und kann/muss Schnee schmelzen, macht auch eine Nalgene-Flasche mit großer Öffnung Sinn.

Empfohlene Wassermengen pro Person und Tag (eigene Erfahrungswerte)

Man wird dabei etwas dehydrieren, sollte aber nicht leiden müssen:

  • Tagestour bei kaltem Wetter: 1 l
  • Tagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 1,5 l
  • Tagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 2,5 l
  • Mehrtagestour bei kaltem Wetter: 1,5 l bzw. bei längeren Aktionen 2 l
  • Mehrtagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 2 l bzw. bei längeren Aktionen 2,5 l
  • Mehrtagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 3 l

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Geschirr für draußen: welche Materialien sind outdoortauglich?

2. August 2019
Ausrüstung

Die Auswahl von Kochgeschirr ist normalerweise sprichwörtlich Geschmackssache. Welche der unzähligen Formen, Materialien und Materialkombinationen man nimmt, hängt großteils von persönlichen Vorlieben ab. Anders sieht das in der Outdoorküche aus, wo praktische Erwägungen viel mehr Bedeutung haben. Kochgeschirr für die Campingküche muss leicht, robust, vielseitig und langlebig sein. Es soll sich mit möglichst wenig Aufwand reinigen lassen, ohne dass es bei etwas festerem Scheuern gleich zu Kratzern und Materialabrieb kommt. Auch sollte das Material möglichst nicht mit Lebensmitteln, Salz und Säuren reagieren.

Was die ideale Wärmeleitfähigkeit des Materials ist, hängt vom persönlichen „Nutzungsprofil“ ab. Ist sie niedrig, dann eignet sich das Kochgeschirr eher für Wasser, Suppen und wasserhaltige Speisen. Wasserarme Gerichte werden bei schlechter Wärmeleitfähigkeit schneller mal anbrennen.

Das waren schon einige wichtige Kriterien. Schauen wir uns nun die gängigen Alternativen im Angebot an. Da auch beim Kochgeschirr jeder Outdoorer die Frage „was ist am besten für mich geeignet“ anders beantwortet, gibt es hier nicht „das beste Material“. Deshalb stelle ich nur die gängigen Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen vor und lasse sie nebeneinander stehen.

Die „gängigen“ Alternativen reichen aus, weil wir für die Outdoorküche nicht wirklich tief in die Feinheiten der Metalle und ihrer vielen verschiedenen Legierungen, Beschichtungen, chemischen Strukturen, Wärmekapazitäten, Wärmeleitfähigkeiten sowie all deren Wechselwirkungen und Auswirkungen auf Geschmack und Gerüche eintauchen müssen. Sonst müssten wir zum Beispiel  die kleinen Abweichungen der diversen Edelstahl-Legierungselemente wie Chrom, Nickel, Titan oder Wolfram mit ihren Änderungen der Topf- und Pfanneneigenschaften und der Kochergebnisse beleuchten. Doch da man von all dem in der Outdoorküche bei einer robusten Tütenmahlzeit oder ein paar „Armen Rittern“ eher weniger bemerkt, bleiben wir hier bei den Basics und heben uns die Haute Cuisine für die Bulthaupküche daheim auf.

Neben den outdoorspezifischen, weil praktischen Materialien wie Aluminium und Titan kommt draußen vereinzelt auch durchaus der gute alte Edelstahl zum Einsatz. Schauen wir uns die drei nun näher an.

Aluminium

Kurzfassung: leicht, billig, hervorragender Wärmeleiter, aber gesundheitlich in der Diskussion. Laut Verbraucherzentrale weiß man inzwischen, „dass sich unter bestimmten Umständen Aluminiumionen lösen und ins Lebensmittel wandern können“. Doch diese „bestimmten Umstände“ kann man gut beeinflussen. Bei einem Espressokocher aus Aluminium ganz einfach dadurch, dass man ihn nicht in der Geschirrspülmaschine wäscht. Denn dadurch wird eine Schutzschicht entfernt, die sich mit der ersten Benutzung bildet und „Übergänge von Aluminium weitestgehend reduziert“.

Die zweite einfache Vorsichtsmaßnahme ist, den Kontakt von Aluminium mit Salz und sauren Lebensmitteln zu minimieren. Generell reagiert Aluminium im Vergleich zu anderen Materialien stärker mit Lebensmitteln. Allerdings haben die meisten angebotenen Aluminiumtöpfe und -Pfannen eine PTFE- oder Keramikbeschichtung, oder sind mit einer nicht löslichen Oxidschicht versehen (eloxiert). Der Nachteil mancher Beschichtungen kann zwar wiederum eine höhere Empfindlichkeit gegen Abrieb sein, doch wenn man etwas Sorgfalt walten lässt und in Töpfen nicht wie wild herumkratzt, wird man sicher keine ernsthaften Gesundheitsschäden davontragen.

Dadurch dürfte, im Zusammenspiel mit den anderen Vorsichtsmaßnahmen, das Risiko auf ein überschaubares Maß sinken. Wenn man dann noch das Aluminiumgeschirr nur beim Zelten und nicht im Alltag in der Wohnung verwendet, dürfte die eventuelle Schadstoffaufnahme bei einem zu vernachlässigenden Maß angekommen sein.

Vor- und Nachteile

Auf der Habenseite stehen der günstige Preis, das geringe Gewicht und die superschnelle Wärmeleitung. Letztere Eigenschaften gehen mit einer geringen Dichte und schlechten Wärmespeicherkapazität einher. Die dürfte aber im Outdoorbereich kaum ein Nachteil sein, da Mahlzeiten und Heißgetränke hier in aller Regel gleich nach der Zubereitung verzehrt werden. Ich habe jedenfalls am Zeltplatz oder Lagerfeuer noch kein Buffet mit warmgehaltenen Speisen gesehen …

Dass sich Aluminium leicht verformt und verbeult, ist hauptsächlich ein ästhetischer Aspekt. Die Benutzbarkeit der Töpfe und Pfannen ist dadurch nicht eingeschränkt. Solange es keine zu starken Dehnungen und Stauchungen gibt, kommt es nicht zum Reißen oder Abplatzen von Partikeln auf der Oberfläche. Das Problem kann ohnehin leicht umgangen werden, indem man auf härtere (und dadurch auch weniger reaktive) Varianten wie HA-Aluminium oder Duossal umsteigt.

Alu-Spezialitäten: HA und Duossal

HA steht für hartanodisiertes Aluminium. Die mit einer HA-Keramikschicht behandelten Pfannen und Töpfe sind absolut kratzfest. Die HA-Schicht ist nicht einfach nur aufgetragen, sondern regelrecht mit dem Aluminium verwachsen. Dadurch können Minimalismus-Cracks das Geschirr nach MacGyver-Art mit Sand „ausspülen“ und in ihm sogar mit der Metallgabel herumkratzen. Diese Unempfindlichkeit unterscheidet HA von normalen Beschichtungen wie Teflon. Dafür kann sie nicht mit deren Anti-Haft-Eigenschaften mithalten. Speisen können anbrennen und ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit beim Kochen bleibt erforderlich.

Bei Duossal ist die Innenseite der Töpfe und Pfannen mit Edelstahl ausgekleidet. Daraus resultiert  eine extrem kratzfeste, garantiert aluminiumfreie und lebensmittelechte Oberfläche bei geringem Gewicht und guter Wärmeleitfähigkeit.

Alles in allem kann Aluminium mit seinen vielen Varianten die eventuellen Nachteile durch Gewichts- und Preiseinsparungen mehr als wettmachen.

Kochen wie daheim: Edelstahl

Edelstahl ist ein Stahl, dem in der Regel Chrom und Nickel zugesetzt wurden. Er ist das schwerste, aber auch härteste und stabilste der hier genannten Materialien. Für den Outdooreinsatz werden dünne Wandstärken fabriziert, die das Gewicht etwas drücken.

Vor und Nachteile

Edelstahl ist relativ preisgünstig, stoßfest, rostfrei, sehr lang haltbar und leicht zu reinigen. Er zeigt keine Reaktivität mit Lebensmitteln und bietet in Verbindung mit dem oft vorhandenen Kupfer- oder Aluminiumkern eine passable Wärmeleitfähigkeit. Reine Edelstahlpfannen, die es im Handel allerdings kaum gibt, haben sehr schlechte Wärmeeigenschaften. Die eher schlechte Antihaftwirkung kann bei fehlender Aufmerksamkeit beim Kochen für angebranntes Essen sorgen.

Leider spielt der Nachteil des hohen Gewichts im Outdoorbereich eine große Rolle, weshalb Edelstahl hier selten erste Wahl ist.

Titan

Titan bietet neben einem klangvollen Namen eine unverwüstliche Stabilität und einen hohen Anschaffungspreis. Oft wird ihm ein geringes Gewicht zugeschrieben, doch der entscheidende Faktor ist eher seine enorme Härte. Wegen ihr kann Titan extrem dünnwandig verarbeitet werden, was zu einem sehr leichten Endprodukt führt. Die Härte des Titans geht auch mit einer hohen Kratzfestigkeit (auch hier „Sandspülung“ möglich) und einer geringen Reaktivität mit Säuren einher.

Vor- und Nachteile

Die Produktion ist allerdings sehr aufwendig, da Titan auf enorme 1668 °C erhitzt werden muss, um  zu schmelzen. Dadurch erklärt sich der im Vergleich zu Alternativmaterialien sehr hohe Preis. Neben diesem kann man die schlechte Wärmeleitfähigkeit von Titan als Minuspunkt werten. Zusammen mit der geringen Wandstärke kann das schon mal zu schnellem Anbrennen von Speisen führen.

Wer allerdings dazu neigt, seinen Topf oder Kessel auf dem Feuer zu vergessen, kann das auch als Vorteil sehen. Denn ein Titantopf kann lange in der Glut verweilen, ohne irgendeinen Schaden zu nehmen.

Dass die Speisen mit einem Titantopf etwas mehr Zeit brauchen als mit Aluminium- oder Edelstahlgeschirr fällt bei einem oder zweimal kochen sicher nicht ins Gewicht, doch bei einer wochenlangen Tour kann der höhere Brennstoffverbrauch den Gewichtsvorteil von Titan womöglich aufheben. Wobei dies eine Spekulation meinerseits und keine „gesicherte Erkenntnis“ ist.

Fazit

Wie bei fast jedem Teil der Ausrüstung gibt es auch beim Outdoor-Geschirr nicht „das beste“ Material. Als Käufer sollte man sich die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen (Gewicht, Preis, Stabilität, Kocheigenschaften, usw.) klar machen und in der richtigen Reihenfolge gewichten. Dann wird man sich entweder eine individuelle Auswahl zusammenstellen, oder – wenn man sich nicht über jedes Detail den Kopf zerbrechen will –, auf ein komplettes Kochset zurückgreifen.

Das Nachhaltigkeitskonzept von Mammut

23. Juli 2019
Ausrüstung

Das schwarze Mammut auf rotem Grund (inzwischen ja Rot auf Weiß) ist ein markantes und bekanntes Logo in der Outdoorbranche. Es steht für hohes technisches Niveau und bewährte Schweizer Qualität. Einen Ruf als Nachhaltigkeits-Vorreiter hatte der Bergausrüster aus dem Kanton Aargau bisher allerdings nicht. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn seit gut zwei Jahren arbeitet man offensiv und systematisch an Entwurf und Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie.

Vereinzelte Maßnahmen für Umweltschutz und Sozialstandards gibt es bei Mammut zwar schon länger, doch in den letzten gut zwei Jahren wandelte sich die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Anliegen. Die jüngsten Schritte hierbei waren die Bekanntgabe von sehr ambitionierten Nachhaltigkeitszielen bis 2023 sowie der Beitritt zur Sustainable Apparel Coalition (SAC).

Die 5-Jahres Ziele der Design- und Entwicklungsperiode 2018-2023 sollen helfen, die in diesem Artikel skizzierte WE CARE-Strategie zielgerichtet und erfolgreich umzusetzen. Mammut hat die Ziele in Tabellen festgehalten, in denen die angepeilten prozentualen Fortschritte bei PFC-Freiheit, bluesign-Zertifizierung und vielen anderen Nachhaltigkeitskriterien nach den sechs Produktsparten Kleidung, Accessoires, Schlafsäcke, Seile/Schlingen, Schuhe und Rucksäcke/Taschen/Klettergurte dargestellt sind. So sollen künftig beispielsweise:

  • Mindesten 95 % der verwendeten Stoffe bluesign-zertifiziert sein
  • keine PFC-basierte Ausrüstung mehr eingesetzt werden
  • 95 % der verwendeten Stoffe aus recycelten Materialien gewonnen werden, bzw. soll ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle eingesetzt werden

Mit dem Beitritt in die SAC ist die Einführung des von ihr entwickelten Higg-Index verbunden, der die Messbarkeit von Maßnahmen der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility) ermöglicht: “Der Higg-Index misst die Auswirkungen auf die Umwelt, Arbeitsbedingungen und umfasst Lieferketten-, Marken- sowie Produkt-Tools.“ Dadurch können Nachhaltigkeitsmaßnahmen gemessen, verglichen und zielgerichtet optimiert werden. Eine besondere Stärke des Higg-Index ist, dass er den „kollaborativen Geist“ in der Industrie fördern und die Firmen zu gemeinsamen Verbesserungen anspornen kann.

All diese Maßnahmen und Ziele sind eingebettet in eine Nachhaltigkeitsstrategie, die Mammut unter dem Slogan „WE CARE“ zusammenfasst. Dabei steht jeder Buchstabe des Wortes CARE für einen Maßnahmenbereich:

  • Das C für Clean Production
  • Das A für Animal Welfare
  • Das R für Reduced Footprint
  • Und das E für Ethical Production

Die ersten drei Buchstaben/Bereiche kann man zum Umweltaspekt der Nachhaltigkeit zählen, der letzte Buchstabe/Bereich fällt unter den sozialen Aspekt. Wie immer in unseren Nachhaltigkeitsportraits der Outdoorfirmen werden wir diese Aspekte im Folgenden näher beleuchten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Mammut strebt sowohl in der Herstellung als auch in den Endprodukten eine maximal mögliche Verbesserung der Umweltbilanz an. Die Maßnahmen dafür umfassen nicht nur die zunehmende Verwendung fair gehandelter, biologisch hergestellter oder recycelter Materialien, sondern auch strenge Herkunftskontrollen für Daunen und eine enge Zusammenarbeit mit der Firma bluesign technologies AG (die eine seriöse und deshalb auch aufwendige und nicht ganz billige Zertifizierung von Materialien und Herstellungsprozessen anbietet). Schauen wir uns die Maßnahmen nun geordnet nach dem Mammut‘schen CARE-Prinzip an:

C für Clean Production:

Emissionen in der Herstellung sollen nicht nur minimiert werden, sondern möglichst erst gar nicht in die Lieferketten gelangen. Das bekannteste Beispiel für Emissionen in der Outdoorbranche sind die per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC), die sich in der Natur nur äußerst langsam abbauen. Mammut will bis 2023 sämtliche Ausrüstungen seiner Produkte auf PFC-freie Alternativen umstellen. Detaillierte Informationen dazu finden sich in der MAMMUT PFC Policy.

Im Bergfreunde Basislager findet ihr weitere Infos zu PFC unter anderem in diesem Artikel über DWR Imprägnierungen.

Auch das bluesign-System steht dafür, umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess auszuschließen. Für alle eingesetzten Chemikalien gelten strenge Richtlinien und es wird auf sichere Produktionsprozesse mit verantwortungsbewusstem Ressourceneinsatz gesetzt. Ein Beispiel für diese Richtlinien ist die Restricted Substance List (RSL), eine Mindestanforderung an alle Zulieferer, die die Verwendung von potentiell umweltschädlichen Chemikalien minimiert. Die Einhaltung der RSL stellt Mammut durch systematische Tests von Produkten und Komponenten sicher.

A für Animal Welfare:

Mammut verwendet jetzt schon ausschließlich zertifizierte oder recycelte Daunen (Responsible Down Standard (RDS) und Re:Down). Für die verarbeitete Wolle soll der Responsible Wool Standard (RWS) in der globalen Lieferkette implementiert werden, sodass künftig nur noch mit RWS-zertifizierter Wolle gearbeitet wird. Bei den Ledermaterialien, für die es bislang ebenfalls noch keinen unabhängigen Standard gibt, arbeitet Mammut nach eigener Auskunft mit sorgfältig ausgewählten Gerbereien zusammen, die hochwertige Leder herstellen.

R für Reduced Footprint

Mammut setzt auf Materialien und Herstellungsverfahren, die mit einem möglichst geringen Ressourcenverbrauch die hohen Qualitäts- und Leistungsstandards erfüllen. Recycling-Materialien sollen dabei eine bedeutende Rolle spielen und bis 2023 95% der Mammut-Bekleidung und -Schlafsäcke ausmachen. Neben Abfall- und Energieeinsparung verspricht man sich eine geringere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.

Man kann sicher auch den MammutReparaturservice zu den Bemühungen um einen reduzierten Fußabdruck zählen. In der hauseigenen Reparaturabteilung „wickeln elf Mitarbeiterinnen pro Jahr rund 6’000 Reparaturen [in der Schweiz, Anm. d. Red.] ab und bewahren somit tausende Produkte vor dem Müll, (…). In Deutschland sind es gar rund 9’000 Reparaturen jährlich. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, es handle sich dabei ausschliesslich um Hardshell-Jacken, die sonst entsorgt würden, spart die Arbeit im Reparaturatelier jährlich knapp 375’000 Kilogramm CO2-Äquivalent und 3’000’000 Liter Wasser ein.

Auch der Anteil von Bio-Baumwolle in Mammut-Kleidung und Schlafsäcken soll bis 2023 auf 95 % steigen. Dadurch soll weniger Wasser und Energie verbraucht, der Ausstoß von Treibhausgasen sowie die Belastungen für Böden, Wasser und menschliche Gesundheit reduziert werden. Die Kollektion der Mammut-Klettershirts besteht schon vollständig aus bioRe-Baumwolle.

Mit der Spinndüsenfärbung bringt Mammut eine moderne und nachhaltige Färbemethode zum Einsatz. Da die Färbung hier schon während der Faserherstellung erfolgt, kommt sie im Gegensatz zu konventionellen Methoden ohne den Einsatz von Wasser oder Chemikalien aus und erfordert weniger Energieaufwand.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Mammut war 2008 gemeinsam mit Odlo die erste Outdoormarke, die der Fair Wear Foundation beigetreten ist. Auch diese Maßnahme soll die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten systematisch verbessern. Die Umsetzung der hohen FWF-Standards wird nicht nur durch regelmäßige Audits und Fabrikbesuche bei den Zulieferern sichergestellt, sondern auch durch die Möglichkeit für Fabrikangestellte, über einen anonymen Beschwerdemechanismus Verstöße gegen die Standards direkt bei der FWF und Mammut zu melden.

Die sozialen Nachhaltigkeitsmaßnahmen fasst Mammut unter dem „E“ für „Ethical Production“ zusammen.

Was sagen die Kritiker?

Das Nachhaltigkeitsportal Rankabrand zeigt sich (wie so oft) ziemlich kritisch, hat allerdings die Informationen über Mammut seit Juni 2017 nicht mehr aktualisiert.

Beim Schweizer Marketingportal Horizont äußert man sich kritisch zur Bilanz von 10 Jahren Mitgliedschaft von Mammut bei der Fair Wear Foundation:

Die Schweizer Sportbekleidungsmarken, Mammut und Odlo, feiern ihre 10-jährige Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation (FWF). (…) Allerdings: Beispiele dafür, was konkret in den zehn Jahren erreicht wurde oder von welchen Produzenten sich Mammut und Odlo allenfalls getrennt haben, blieben die beiden Anbieter in der Mitteilung schuldig.

Es gibt jedoch durchaus konkrete Angaben, die lediglich etwas mühsam zugänglich in den umfangreichen Social Reports (der Letzte von 2017) verborgen sind. Dort finden sich auf Seite 12 Beispiele für konkrete Verbesserungsmaßnahmen in einzelnen Fabriken, die man nach Beschwerden von Arbeitern getroffen hat. Es ist auch sehr genau aufgeschlüsselt und mit nachvollziehbaren Erfolgskriterien bewertet, welche Maßnahmen in welchen Bereichen getroffen werden. Auch sind Namen und Kontakte von Mammut-Mitarbeitern angegeben, bei denen Feedback und Kritik aufgenommen wird. Das sind gute Anzeichen für Transparenz, ebenso wie die Tatsache, dass anders als bei vielen Herstellern bei Mammut die Fabriken, in denen Textilien und Hardware produziert werden, nicht hinter einem Schleier von Auslagerung und Subunternehmertum verborgen, sondern konkret erfasst und benannt sind.

Der Nachhaltigkeitsblogger Greenoutdoorgear zeigt sich in einem zusammenfassenden Statement denn auch überzeugter als die zuvor genannten Kollegen:

Mammut has recently launched a ‘We care’ branding campaign, which seeks to place the company as being a good corporate in all its dealings – both internal and external.

Although most of the information presented below comes directly from the company, the information available is thorough and externally verified, and forms the basis of them being identified as being a ‘leader’.

Demnach kann Mammut sich demnächst zurecht als „Leader“ in Sachen Nachhaltigkeit bezeichnen.

Mammut-Selbstkritik: Warum nicht 100 %?

Mammut liefert eine Begründung, warum nicht alle Nachhaltigkeits-Zielgrößen mit 100 Prozent angesetzt werden können. So haben einige Zulieferer zwar eine vorbildliche Produktion, aber nicht die Kapazitäten oder Mittel, um diese durch kosten- und arbeitsintensive internationale Standards zertifizieren zu lassen. Deshalb soll das Fehlen der Zertifikate eine Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen nicht ausschließen. Es wird in diesen Fällen ein kleiner Spielraum gelassen und die Abläufe werden von Mammut selbst gründlich überprüft.

Dass Mammut seine eigenen Maßnahmen sehr kritisch begleitet, war auch der Eindruck, den Bergfreund Jörn hatte. Er war kürzlich zu Gast in der Firmenzentrale in Seon und ließ sich die dortige Sustainability Wall“ ausführlich erklären. An ihr misst die Firma sehr anschaulich den eigenen Nachhaltigkeitsfortschritt und hat so ein effizientes Instrument der Selbstkontrolle und des Ansporns geschaffen.

Fazit

Mammut ist abgesehen von der FWF-Mitgliedschaft eher ein Spätzünder in der Branche. Doch wie wir wissen, geben Spätzünder oft mehr Gas als die Frühstarter und erreichen ihre Ziele nicht selten mit mehr Struktur, Klarheit und Ausdauer. Deshalb spricht vieles dafür, dass Mammut die hochgesteckten Ziele für 2023 auch tatsächlich erreicht. Was aus meiner Sicht ebenfalls dafür spricht, ist der Eindruck, dass die Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus Überzeugung kommen und nicht als Greenwashing oder Feigenblatt dienen. Allerdings dürfte auch klar sein, dass die steigende Nachhaltigkeit die Produkte nicht billiger machen wird. Wenn es jedenfalls soweit ist, wird Mammut sich vom Mittelfeld in die Pole Position der nachhaltigen Outdoorfirmen manövriert haben.

Feinheit vs. Reißfestigkeit: Was hat es mit Denier, Tex und Co. auf sich?

11. Juli 2019
Ausrüstung

„Schreib doch mal was über Denier“, haben sie gesagt. „Das ist sicher informativ und spannend“, haben sie gesagt. Und ich stehe nur so da und denke: „WTF. Denier Alter, echt. Was ist das denn? Oh Mann, nie gehört, da muss mir was entgangen sein.“ Und die weiter so: „Kennste nicht. Ist ja auch kein Wunder, kennen nämlich viele nicht und deshalb brauchen wir da mal einen Blogbeitrag.“ Und bei mir so: Plop, klatsch, Stein vom Herzen, doch nicht so hinterm Mond.

Ich dann so zu Google, erstmal nachschauen. Aha hat was mit Feinheit von Textilien zu tun. Klar doch, drum kenne ich das nicht, hab ich mich noch nie mit befasst. Warte mal, Moment: Textilfeinheit!?! Nicht wirklich. Also mal nachfragen: „Ey, is nicht euer Ernst, oder? Ist sicherlich irgendein Kletterhotspot in Frankreich oder so. (Bitte?!?).“ Und dann bäääm die Antwort: „Nix Kletterhotspot, Textilfeinheit rulez. Bezeichnungen wie ‚70D‘ sind dir im Shop doch sicherlich auch schon aufgefallen. Darum geht’s.“

Alles klar, check, das große D also. So langsam verstehe ich, wo die reise hingeht. Das ließt man ja tatsächlich immer mal wieder, gerade bei Outdoorbekleidung ist Bezeichnung D=Denier gut vertreten. Eine genauere Einordnung kann da sicherlich nicht schaden… Und dann die weiter: „Kannst ja auch gleich noch dazu schreiben, was das so über die Robustheit und Langlebigkeit aussagt. Passt ja irgendwie zum Thema.“ Okay, ich also so: „Geht klar, mach ich dir passend, easy.“

Wer sich einmal ein wenig in das Thema einliest, der merkt schnell: So easy ist das nicht. Wir sollten daher vorab mal reden (so ganz unter uns, versteht sich). Ich hab im Mathe-Abi 5 Punkte und auch in Chemie und Physik sieht’s da nicht besser aus. Ich habe für dieses Thema so einiges recherchiert und bereits nach der Lektüre des ersten Wikipedia-Artikels schwirrt mir der Kopf. Ich will aber, dass ihr es einmal besser habt als ich. Darum gilt für diesen Blogbeitrag ab sofort die Abmachung: Es wird verallgemeinert und vereinfacht, wo es nur geht.

Also stürzen wir uns ins Thema und fragen:

Was bedeutet denn eigentlich robust bzw. langlebig?

Tja, und damit machen wir schon ganz am Anfang ein riesengroßes Fass auf. Robust oder langlebig ist etwas, das nicht so schnell kaputt geht, lange hält und auch mit härteren Bedingungen klar kommt. Wichtig ist es dabei erst einmal zu klären, wogegen ein Material oder Kleidungsstück robust ist.

Ein Kleidungsstück könnte beispielsweise gegen Abrieb, äußere Einwirkung (Risse, Schnitte) oder auch Feuer (z.B. Funkenflug) robust sein. Gegen knautschen, drücken, knüllen oder Weichspüler, Senf und 4711, große Luftfeuchtigkeit oder extrem niedrige Temperaturen und und und. Diese unterschiedlichen Anforderungen haben jedoch nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Da wir uns aber bereits darauf geeinigt haben, im Sinne der Verständlichkeit stark zu vereinfachen, schlage ich an dieser Stelle vor, ääh lege ich fest, dass wir nur über die Aspekte Abrieb und äußere Einwirkung sprechen. Denn nicht selten werden in diesem Kontext auch Angaben zur Feinheit der verarbeiteten Materialien gemacht. Und was uns das bringt, klärt die folgende Frage:

Feinheit von Textilien – was ist das denn?

Bei der Feinheit von Textilien geht es zunächst einmal um die Feinheit einzelner Fasern und die Feinheit von Garnen, Zwirnen und dergleichen. Die Feinheit definiert sich dabei in erster Linie über den jeweiligen Durchmesser. Je kleiner also der Durchmesser einer Faser oder eines Garns ist, desto größer ist seine Feinheit. Bis dahin, check, kein Problem. Das Problem ist allerdings, dass es sich bei textilen Fasern nicht selten auch um natürliche Materialien handelt, die keinen exakt runden Querschnitt haben. Auch können Fasern leicht zusammengedrückt werden und verändern so ihren Querschnitt teilweise auch dauerhaft. Hierzu ein Beispiel:

Stellt euch einmal einen Gartenschlauch vor. Jetzt nehmen wir einfach an, dass dieser Gartenschlauch im Normalzustand einen exakt runden Querschnitt hat. Wird dieser Schlauch nun zusammengedrückt, wird er in die eine Richtung breiter, aber gleichzeitig auch flacher. In diesem Zustand ließe sich also ein mit anderen „Fasern“ vergleichbarer Durchmesser nur schlecht berechnen.

Um aber eine Vergleichbarkeit der Feinheit zu gewährleisten und auch bei der industriellen Fertigung verlässliche Richtgrößen gebraucht werden, ist es heute weitestgehend üblich eine Feinheitsdefinition zu verwenden, die durch die Beziehung von Masse (Gewicht) und Länge beschrieben wird. Es muss also mindestens eine Maßeinheit her. Wir bieten hier aber beste Servicequalität und schicken in den Ring:

Tex vs Denier

In Deutschland sowie der restlichen EU inklusive der Schweiz ist die Einheit Tex die offizielle Maßeinheit, wenn es um die Feinheit von „linienförmigen textilen Gebilden“ geht. Also Fasern, Garne und dergleichen. Dies ist auch so in der ISO 1144 und DIN 60905 festgehalten. Wer an Schlafstörungen leidet, kann es ja mal nachlesen.

Beim Tex-System gibt es ebenso wie bei den Maßeinheiten Gramm und Meter zahlreiche Untereinheiten. Wir merken uns hier aber zur Vereinfachung lediglich:

1 tex = 1 g pro 1000 m

Noch einfacher: je höher die Zahl, desto grober (weniger fein) die Faser.

Das Denier-System (den) funktioniert gleich wie das Tex-System. Das Problem ist dabei nur, dass andere Einheiten bzw. Ausgangswerte verwendet werden. Daher merken wir uns an dieser Stelle:

1 den = 1 g pro 9000 m

Somit gilt auch automatisch: 1 tex = 9 den

Jetzt wird sich so manch einer fragen, wer sich denn den Quatsch ausgedacht hat. Und da kann man nur sagen: „Vielen Dank, Frankreich, für diese schöne Maßeinheit.“ Dazu muss man aber folgendes wissen: Die Einheit Denier wurde ursprünglich als Maßeinheit in der französischen Seidenindustrie verwendet. Sie bezieht sich auf die alte französische Gewichtseinheit Denier, die mit unserem heutigen metrischen System nicht sonderlich viel zu tun hat. Somit erklärt sich auch die halbwegs „krumme“ Einheit. Heute ist Denier als Wert für die Feinheit von Textilien vor allem in den USA und Asien gebräuchlich und taucht somit nicht ganz selten auch mal im Outdoorbereich auf.

Jetzt könnte man sich denken: je höher der Tex- oder Denier-Wert desto robuster auch das Material. Klingt im ersten Moment ja auch logisch, eine Jeans hält beispielsweise mehr aus, als eine Seidenbluse. Aber so einfach ist das nicht. Denn die Reißfestigkeit von Textilien hängt nicht nur von der Feinheit des Stoffes bzw. der Garne ab, sondern vielmehr auch von der Verarbeitung und dem generellen Ausgangsmaterial. Und daher sind auch nur Materialien über den Tex- oder Denier-Wert vergleichbar, die abgesehen von der Feinheit, exakt identisch aufgebaut sind.

Die Reißfestigkeit von Textilien

Hierzu ein kleines Beispiel: Bei der industriellen Herstellung gibt es den Wert der Zug- oder Reißfestigkeit. Hierbei handelt es sich um die mechanische Zugspannung, die ein Material maximal aushält. Die Zugfestigkeit zu errechnen ist nicht ganz einfach, es brächte uns aber auch keinen Vorteil. Wir müssen an dieser Stelle nur wissen, sie wird unter anderem in Megapascal (MPa) gemessen. Auch hier gilt: je höher der Wert, desto reißfester das Material. Dieser Wert kann schon einmal eine gute Orientierung bieten. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Wolle: 130 -210 MPa
  • Baumwolle: 287 – 800 MPa
  • Polyethylen (Dyneema): 3510 MPa
  • Aramid (Kevlar): 3620 MPa

Die Reißfestigkeit sagt schon recht viel über die eigentliche Robustheit eines Materials aus. Kennt man ja auch: Eine Bandschlinge aus Dyneema, ist in der Regel deutlich filigraner als ihre Kollegin aus Polyamid. Ist ja auch klar, Dyneema hält (die Alterung mal außer Acht gelassen) deutlich mehr Belastung aus.

Aber Moment: Muttis alte Nylonstrümpfe sind doch auch aus Polyamid und halten dennoch deutlich weniger aus, als beispielsweise eine Bandschlinge!? Zumindest habe ich noch niemanden gesehen, der sich am Standplatz mit einer Feinstrumpfhose sichert. Wie also kann das sein?

Na ja, so schwer ist das gar nicht. Wer sich einmal die beiden Produkte genauer anschaut, der wird schnell feststellen, das Ausgangsmaterial wurde ganz anders verarbeitet. Und somit kommen wir zu unserem letzten Punkt des heiligen Dreigestirns und sagen Vorhang auf für:

Die Verarbeitung von Textilien

Fasern und Garne können auf ganz unterschiedliche Arten verarbeitet werden. So ist beispielsweise ein Jeansstoff ein Gewebe, besteht also aus zwei Fadensystemen, die miteinander verwoben sind. Eine Fleecejacke hingegen ist in der Regel aus einem Veloursstoff gefertigt. Dieser ist kein Gewebe, sondern Maschenware. Hier werden mittels Faden gebildete Schleifen ineinander verschlungen und bilden so ein „textiles Flächengebilde“ (zu deutsch: ein Stück Stoff).

Dies sind aber nur zwei von unzähligen Möglichkeiten, wie Stoffe hergestellt werden können. Und selbst in den einzelnen Bereichen gibt es dann wieder unterschiedliche Verarbeitungsmöglichkeiten. Kurz und gut, ein weiteres Fass ohne Boden. Und somit stehen wir eigentlich wieder ganz am Anfang unseres kleinen Textilexkurses und wissen noch immer nicht so recht, was wir mit der Info anfangen sollen. Dennoch habe ich auch hier eine kleine Faustregel, die vielleicht weiter helfen kann:

Kommen bei der Verarbeitung feine Garne zum Einsatz, liegen diese nach dem Weben oder Stricken oft enger beieinander und bilden so eine glattere Oberfläche. Auch liegen die Einzelfäden je nach Webart enger zusammen oder weiter von einander weg. Je glatter dabei die Oberfläche des Stoffes ist, desto weniger anfällig ist sie zumeist gegenüber Pilling. Das heißt, dass sie beispielsweise bei der dauerhaften Belastung durch einen Rucksack nicht so schnell Abrieberscheinungen zeigt wie bei gröberen Stoffen.

Ein schönes Beispiel, wie die Verarbeitung die Robustheit von Textilien beeinflussen kann, liefern auch beispielsweise Materialien mit der Beta-Spun-Technologie. Diese kommen beispielsweise bei Ortovox zum Einsatz und sehen wie folgt aus: Das Garn dieses Materials besteht aus zwei Komponenten. Der Kern wird dabei aus feiner Merinowolle gebildet und bringt alle guten Eigenschaften des Naturprodukts mit. Um diesen aber besser zu schützen wurden zusätzlich Polyamidfilamente um den Kern gesponnen. So entsteht ein Material, das laut Herstellerangaben bis zu 70 % reißfester und abriebfester als herkömmliches Merinogarn sein soll.

Was aber sagt uns das?

Gerade im Bereich der Textilien gibt es zahlreiche unterschiedliche Materialien. Manche unterscheiden sich dabei in ihrer Zusammensetzung und Verarbeitung kaum, andere erheblich. Von einzelnen Werten pauschal auf spezifische Eigenschaften zu schließen ist daher zunächst einmal kaum möglich. Schaut man allerdings ein wenig genauer hin, kann man aus der Beschaffenheit von Textilien so einiges ableiten. Die Denier-Angabe bietet aber zumindest eine grobe Orientierung, wie robust ein Gewebe oder ein Stoff ist, denn wie wir ja jetzt wissen, gilt: Je höher die Denier-Zahl umso ’schwerer‘ und ‚robuster‘ ist der Faden. Und leider finden wir in der Regel keine bzw. nur wenige Informationen zur genauen Verarbeitung oder MPa-Werte, die uns etwas über die Reißfestigkeit eines Gewebes verraten.

Außerdem ist unser Basislager eine gute Anlaufstelle für Infos zu unterschiedlichsten Material wie z.B. Aramid/Kevlar, Polyester oder die gute alte Gore-Pro-Shell!

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