Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

MTB Winter Pflege

Mach dein Mountainbike fit für den Winter(schlaf)

16. Januar 2018
Pflegetipps

Während die meisten Mountainbiker ihre Bikesaison mit letzten Touren in der wärmenden Herbstsonne beenden, gibt es einige Radfahrer, die auch bei Schnee und Eis nicht aufs Bike verzichten wollen oder Rides im Winter sogar besonders spannend und herausfordernd finden. Ganz egal zu welcher Sorte Mountainbiker jeder Einzelne gehört – irgendwann im Herbst ist die Entscheidung fällig:

Soll ich mein MTB winterfest machen und bis zum Frühjahr optimal einlagern? Oder soll ich mein Mountainbike für Touren in Schnee und Eis vorbereiten?

Tipps, um das MTB winterfest zu machen und für den Winter einzumotten

Das nach der letzten Tour im Herbst mit Schlamm und Schmutz verkrustete MTB einfach in der Garage abzustellen und im Frühjahr zu erwarten, dass alles am Fahrrad noch bestens funktioniert und man direkt in die neue Bikesaison starten kann, ist mehr als unwahrscheinlich. Stattdessen sollte das Fahrrad zunächst sehr gründlich geputzt werden, bevor man es fachgerecht für den Winter einlagert. Mit lauwarmem Wasser, Eimer, Putzschwamm und diversen Bürsten, für die schwer zugängigen Ecken und Winkel an der Schaltung und an der Federung, gelingt das besonders gut. Spezielle Reiniger für Rahmen oder Fahrradkette helfen bei hartnäckigem Schmutz und bringen die edlen Komponenten so richtig schön zum Glänzen. Bike Wash Reiniger von Muc-Off leisten zum Beispiel hervorragende Dienste bei der Grundreinigung des Mountainbikes.

Vorsicht ist bei der Reinigung mit Wasserschlauch oder Hochdruckreiniger geboten. Dabei können Lager und andere empfindliche Teile am Mountainbike beschädigt oder zerstört werden. Deshalb ist die manuelle Wäsche eher zu empfehlen. Das Rad zum Schluss mit einem weichen Wasserstrahl aus dem Gartenschlauch abzuspülen, ist aber kein Problem. Je nach Belieben kann das Bike danach mit einem weichen Tuch getrocknet, auf Hochglanz poliert oder einfach luftgetrocknet werden. Es sollte allerdings vor dem „Winterschlaf“ komplett trocken sein.

Das Fahrrad reinigen, wichtige Teile prüfen und winterfest einlagern

Nach der Reinigung des Bikes wird es auf lockere Speichen, Naben, Tretlager, Pedale, etc. gecheckt. Alle losen oder gelockerten Parts müssen wieder nachgezogen und gegebenenfalls neu justiert werden. Das vermeidet Frust und Pannen bei der ersten Tour im Frühjahr. Besonderes Augenmerk gilt natürlich der Bremsanlage, der Schaltung und allen Federungen und Dämpfern.

Falls manche Parts schon stark verschlissen sind, wie beispielsweise Seilzüge oder Bremsscheiben, ist jetzt der ideale Zeitpunkt für Reparatur und Ersatz. Für alle anderen beweglichen Teile, Lager und Dichtungen gibt es zum Saisonende eine pflegende Behandlung mit Öl und Fett. So bleiben die Dichtungen geschmeidig und bekommen keine Risse und Lager und bewegliche Parts sind vor Feuchtigkeit besser geschützt.

Eine Ausnahme gilt bei Bikeparts aus Carbon, denn Carbonteile dürfen nicht gefettet oder geölt werden. Für die Pflege der Carbonteile gibt es spezielle Montagepasten für Carbon. Generell sollte das Mountainbike über den Winter an einem möglichst trockenen und gut belüfteten Ort gelagert werden. In einem feuchten Kellerraum, im Freien oder in der Gartenhütte ist das Bike der Feuchtigkeit stärker ausgesetzt. Wer die Möglichkeit hat, sollte das Bike am besten im Haus oder der Wohnung, in einem trockenen Keller oder Fahrradkeller lagern.

Tipps für die MTB Pflege im Winter

Für alle Mountainbiker, die auch im Winter auf keinen Fall auf regelmäßigen MTB-Spaß verzichten möchten, sind folgende Tipps und Anpassungen am Mountainbike hilfreich, um bei Eis und Schnee noch mehr Fahrvergnügen zu haben. Durch die Kälte, Schnee, Eis und natürlich auch durch das Streusalz auf den Straßen sind Mountainbikes im Winter starker Belastung ausgesetzt. Vor allem das Salz auf den Straßen frisst sich regelrecht in sämtliche Dichtungen, Schrauben und Gelenke. Deshalb fällt die Pflege des Bikes im Winter noch intensiver aus als im restlichen Jahr. Neben der regelmäßigen Reinigung (so wie oben beschrieben) und einer sehr guten Trocknung nach jeder Tour, ist die Pflege der Parts, das Ölen und Fetten in kurzen Intervallen, sowie die Kontrolle auf Verschleiß und Beschädigungen sehr wichtig.

Die ideale Pflege für Mountainbikes im Winter ist die Reinigung nach jeder Tour mit Kontrolle und Wartung aller beweglichen Teile und Dichtungen. Lager am Mountainbike, wie sie meistens am Steuersatz, an den Radnaben und am Tretlager verbaut werden, sind in der Regel nicht offen, sondern geschlossen. Sie müssen daher nicht mit extra Fett gewartet werden. Etwas Öl auf dem Lager hält jedoch die Feuchtigkeit fern und hat so einen schützenden Effekt. Das bei der MTB-Pflege verwendete Öl und Kettenöl sollte für feuchte Bedingungen geeignet sein. Andernfalls kann es passieren, dass das Öl zu schnell von der Kette und Schaltung abgewaschen wird. Der Einsatzbereich und die Spezifikationen sind bei jedem Fahrradöl angegeben, so dass Mountainbiker sofort erkennen, ob es sich um ein Öl für trockene Bedingungen oder für nasses Wetter handelt.

Beim Ölen der Dichtungen, Gewinde und Gelenke am Mountainbike muss unbedingt darauf geachtet werden, dass kein Öl auf die Bremsscheiben oder die Bremsbeläge gelangt. Falls das passieren sollte, werden die Beläge unbrauchbar und sie haben keinerlei Bremswirkung mehr. Deswegen sollte man die Bremswirkung nach jeder Wartung vorsichtig prüfen, bevor man damit zum nächsten Downhill startet. Aus dem gleichen Grund sollten Mountainbiker für ihre Fahrradkette auch nur spezielle Fahrradöle verwenden und keine „Haushaltsöle“, wie zum Beispiel WD-40 oder Ballistol. Diese sind sehr dünnflüssig und können während der Fahrt bis an die Bremsanlage spritzen. Eine rapide nachlassende Bremswirkung oder ein kompletter Ausfall der Bremse können die fatalen Folgen sein. Auch bei der Pflege von Lagern und Dichtungen sind spezielle Fahrradöle die bessere Wahl, da die „Universal-Öle“ zu Beschädigungen der Dichtungen und Gummiteile am Mountainbike führen können.

Neben intensiverer Pflege im Winter können Mountainbiker durch gewisse Anpassung den Fahrspaß im Winter verbessern. Je nach Bike und Einsatzbereich fallen die Anpassungen natürlich unterschiedlich aus, aber eine Optimierung des Grips durch Winterreifen für Mountainbikes ist sowohl bei Touren im Gelände, als auch im alltäglichen Winterbetrieb eine super Möglichkeit, um mit wenig Aufwand einen tollen Effekt beim Fahren auf Schnee zu erzielen. Ob Reifen mit Spikes, die auch auf sehr rutschigem Untergrund guten Halt bieten oder grobstollige Downhillreifen – Mountainbiker haben die Qual der Wahl. Beliebt für Fahrten im Gelände ist auch ein breiter Vorderreifen mit verringertem Luftdruck und ein schmaler Hinterreifen mit bissigem Profil, der sich wie eine Schaufel durch den Schnee gräbt und für stabilen Vortrieb sorgt. Das Bike mit kurzen Schutzblechen oder Mudguards auszustatten, hilft im Winterbetrieb, um weniger Schnee, Eis oder Matsch im Gesicht, auf dem Rücken und vor allem zwischen den beweglichen Teilen von Schaltung und Bremse zu sammeln.

Skifelle richtig behandeln, pflegen und lagern

Skifelle richtig behandeln, pflegen und lagern

10. Januar 2018
Ausrüstung, Pflegetipps

Wir steigen mit dieser Anleitung an dem Punkt ein, an dem du das nagelneue passende Paar Steigfelle für deine Tourenski in der Hand hältst und langsam hibbelig wirst, weil das erste Tourenwochenende näher rückt. Doch damit du dich an den Fellen bei möglichst vielen Touren erfreuen kannst und sie möglichst verlässlich ihren Dienst verrichten, müssen sie natürlich „artgerecht“ behandelt und gepflegt werden.

Dabei ist es zunächst nicht wichtig, ob du ein Fertigmodell in den passenden Abmessungen zu deinen Skiern hast, oder ein Zuschneidefell, auch Meterware genannt. Falls du mit dieser preisgünstigen Alternative liebäugelst, folgt hier demnächst noch eine Anleitung für das richtige Zuschneiden der Felle.

Auch befassen wir uns hier zunächst nur mit dem derzeitigen Standard der Klebefelle. Auf die relativ neuen, klebstofffreien Adhäsionsfelle kommen wir am Schluss des Artikels nochmal zurück.

Bei so gut wie allen Fellen findest du in der Verpackung auch eine Anleitung, die jedoch nicht immer optimal anschaulich gelungen ist. Bei den Pflegeprodukten wie Imprägniermittel und Kleber befindet sich bisweilen nur Tube, Sprühdose oder Wachsriegel im Regal oder Karton – ohne weiterführende Infos jenseits von „Zutatenliste“ und Giftigkeitshinweisen. Höchste Zeit also für einen All-in-One-Überblick.

Als logische Gliederung bietet sich der typische „Lebenszyklus“ des Fells an: der beginnt beim Kauf, führt über die Präparierung für die erste Tour und die möglichst schonende Behandlung und Vorbeugung während der Tour bis zur richtigen Nachbehandlung und Lagerung. Kurz gesagt, wir nehmen an, dass es mit nagelneuen Fellen vom Dealer deines Vertrauens nach kurzer Vorbereitung zuhause direkt auf Tour geht.

Vor der Tour

Da wir – wie erwähnt – von neu gekauften Fellen ausgehen, stellt sich die Frage, ob man irgendetwas tun muss, bevor zum ersten Mal das Fell aufzieht. Eigentlich nicht, denn so, wie man die allermeiste Bergsportausrüstung vom Start weg benutzen kann, ist auch bei Skifellen kein Imprägnieren o.ä. vor der ersten Tour nötig, da das Material normalerweise ab Werk bereits imprägniert und einsatzbereit ist. Selbstverständlich ist auch der Fellkleber ab Werk schon fachgerecht aufgetragen.

Das Montieren und Abnehmen der Felle lernt man jedoch besser nicht erst während der Tour. Wer hier noch nicht verschiedene Varianten im Schlaf beherrscht, sollte ruhig schon mal zuhause ein wenig üben – und zwar besser im verschneiten Garten als auf dem Wohnzimmerparkett.

Die Fellbefestigung gestaltet sich im Prinzip ganz einfach – vorausgesetzt, das mitgelieferte Spannsystem passt zum vorhandenen Ski. Je nach Hersteller befinden sich an den Fellenden Bügel, Krallen, Haken, Ösen, Clips und Klammern. Am weitesten verbreitet dürfte der rechteckige Bügel an der Vorderseite sein, mit dem das Fell über die Schaufel bzw. Skispitze gelegt wird. Insbesondere bei Zuschnittfellen, sollte man genau nachschauen. Auf Nummer sicher geht man bei Fertigfellen, wenn man ein abgestimmtes Ski- und Fell-System vom gleichen Hersteller nimmt.

Auffellen: Auspacken und Fell aufziehen

Das Aufziehen der Felle wird „auffellen“ genannt und ist logischerweise meist vor und während der Tour angesagt. Dann heißt es einfach, Vorderseite einhängen, Fell kurz dehnen, um es sorgfältig und Stück für Stück von vorn nach hinten auf den Ski zu kleben, hinten festklammern, fertig. Das kurze Vordehnen dient nur dem sauberen Aufkleben, die Haftung der Felle am Ski wird nicht durch Spannung, sondern allein durch die Klebekraft besorgt. Neue Felle werden dementsprechend hinten nur noch fixiert, ohne Spannung zu erzeugen. Hört sich doch ganz einfach an, oder?

Aber ist es natürlich nicht. Man kann hier durchaus einige Fehler machen, vor allem wenn man nicht weiß, wie man die Skier geschickt hält oder wie man mit den mitgelieferten Fell-Schutzfolien aus Plastik oder Netzmaterial hantieren soll. Man merkt in diesem Moment auch, dass das beste Verspannsystem nutzlos ist, wenn die Klebeseite des Fells nicht einwandfrei haftet.

Hierfür die geschicktesten Körperhaltungen und Handgriffe in der richtigen Reihenfolge verbal zu erklären, wäre eher unpraktisch und würde auch den Rahmen dieses Artikels sprengen. Stattdessen habe ich eine Reihe von Videos ausgesucht, die meiner Ansicht nach alle maßgeblichen Varianten anschaulich erklären.

Grundsätzlich kann man diese Varianten danach unterscheiden, ob die Skier beim Aufellen abgeschnallt werden oder nicht und ob Schutzfolien verwendet werden oder nicht. Es gibt viele abweichende und manchmal gar gegensätzliche Meinungen, was die einzig wahre Methode ist. Wichtig ist, dass die Felle und insbesondere deren Klebeseiten so wenig Schmutz und Nässe wie möglich abbekommen. Auch der Kleber sollte nicht rabiater als unbedingt nötig „gerupft“ werden. Was für die Verwendung von Schutzfolien spricht, beziehungsweise separat zu kaufenden Schutzstrümpfen.

  • Auffellen ohne Schutzfolie: Das erste Beispielvideo zeigt das Auffellen detailliert, mit guten Erklärungen, anschaulichen Wiederholungseinspielungen sowie einer Variante, die bei Wind und „dünnem Gelände“ leichter fällt. Zwar auf Englisch und ohne Untertitelmöglichkeit, doch der Akzent ist unterhaltsam und gut verständlich.
  • Auffellen ohne SchutzfolieDas zweite Beispielvideo ist deutlich kürzer und kommt ohne verbale Erklärungen aus. Es zeigt einen effizienten und flüssigen Bewegungsablauf.
  • Auffellen mit SchutzfolieIn den vorherigen Videos sind die Felle einfach aneinandergeklebt, Folie oder Schutzstrümpfe werden nicht verwendet. Für das Auffellen mit Folie scheint es nur sehr wenige Videos und keines auf Deutsch zu geben – bei dem Folgenden lassen sich immerhin englische Untertitel zuschalten.

Ohne Folie oder Schutzstrümpfe müssen die gefalteten Felle beim Auffellen recht ruppig auseinandergezogen werden, was nicht nur schlechter zu kontrollieren ist, sondern auch dem Kleber auf Dauer eher weniger bekommt. Viele Experten raten deshalb auch grundsätzlich davon ab, die Felle ohne Schutzabdeckung zusammenzulegen. Allerdings kann das entsprechende Gefummel bei Verwendung von Folie bei Wind und Wetter nervtötend werden – was ein weiterer Grund für den baldigen Durchbruch der Adhäsionsfelle sein könnte. Für Klebefälle sind jedenfalls Fell-Schutzstrümpfe eine gute Alternative, bei der es kaum Probleme mit dem Verkleben gibt und die Handhabung bei Wind und Nässe einfacher ist.

Während der Tour

Da auch während der Tour wie schon erwähnt, möglichst wenig Schmutz, Wachsreste oder Nässe an die Felle gelangen soll, ist die Mitnahme eines trockenen und sauberen Baumwolltuchs oder Handtuchs keine schlechte Idee. Wenn mehrmaliges Auf- und Abfellen während einer Tour nötig ist, sollten die Felle wegen der Temperaturempfindlichkeit des Klebers möglichst körpernah getragen werden. Genau für diesen Zweck sind die extra großen Brusttaschen bei skitourentauglichen Funktionsjacken gedacht.

Auch unterwegs und in Aktion kann man Felle, Kleber und Imprägnierung durch Umsicht schonen. Das wichtigste dabei ist, die Felle ausschließlich für den Untergrund zu verwenden, für den sie vorgesehen sind – also kein Gras, kein Erdboden, keine Pfützen und kein Schneematsch. Das kann in Waldzonen durchaus zur Herausforderung werden, genau so wie bei Zeitdruck oder Erschöpfung, wenn Abkürzungen zur Zweckentfremdung der Felle verlocken.

Abfellen: Fell abziehen und Einpacken

Früher oder später wird das Fell während der Tour abgezogen – meist am Gipfel beim bereit machen für die Abfahrt. Nach der Tour wird es logischerweise möglichst fachgerecht eingepackt. Hier erweist sich erneut Youtube als guter Helfer, um einige geschickte Möglichkeiten kurz zu zeigen.

Man beachte bei allen Videos: die Felle werden stets aus einer Jacken- bzw. Innentasche geholt, d.h. körpernah aufbewahrt. Idealerweise lagert man die Felle auch während der Übernachtungen in Hütten und Winterräumen irgendwo im Bereich von normaler Zimmertemperatur. Mit der Wärme sollte es allerdings auch nicht übertrieben werden, sonst kann der Kleber zerlaufen – also kein Auflegen auf die Heizung oder in direkte Sonne.

Kommt in den besten Familien vor: Pannen auf Tour

Trotz aller Vorbeugung und Umsicht kann es bei bestimmten Bedingungen zu den typischen Skitourenproblemen kommen. Das wohl häufigste sind Schneestollen, die sich unter dem Fell bilden. Seltener kommt es vor, dass das Fell sich an einzelnen Stellen ablöst oder an den Seiten ausfranst und die Kanten deshalb keinen sicheren Halt mehr bieten. Für den Fall der ‚Felle‘ sollte man also ein paar Pannen- bzw. Notfallmaterialien dabei haben und die Notfallmaßnahmen kennen.

Panne 1: Anstollen/ Verlust der Gleitfähigkeit
Der Schnee bleibt an den Fellen hängen, weil deren Unterseite zu viel Feuchtigkeit aufnimmt. Das ist nicht unbedingt ein „Materialversagen“, sondern kann auch passieren, wenn man bei höheren Temperaturen mit feuchtem Schnee unterwegs ist und mit steigender Höhe die Temperatur sinkt.

Lösung: Nachwachsen bzw. nachimprägnieren. Das geht am besten mit einem Wachsstift, wobei durchaus auch normales Skiwachs funktioniert. Vor dem Auftragen muss die Fellunterseite möglichst trocken und sauber sein (mit Tuch abwischen). Der Wachsstift sollte schnell und mit etwas Druck in Gleitrichtung über das Fell gezogen werden, um genug Wachs in die Fellfasern zu bekommen. Dann sollte man einige Minuten warten, bis die Imprägnierung eingezogen ist. Zur Vorbeugung kontrolliert man am besten noch zuhause die Imprägnierung der Felloberfläche, indem man etwas Wasser darüber laufen lässt. Perlt es überwiegend in kleinen Tropfen ab, ist die Imprägnierung in Ordnung. Andernfalls sollte nachgewachst werden.

Panne 2: Verlust der Klebefähigkeit
Nässe, Schmutz und Alterung können während der Tour zum Ablösen einzelner Stellen des Fells führen. Im steilen Gelände ist das dann folgende Herumschwimmen der Skier nicht gerade angenehm.

Lösung: Wenn man Glück hat, reicht es zunächst aus, Schnee, Eis und eventuellen Schmutz von Ski und Klebefläche zu entfernen. Hilft dies nicht, muss der hoffentlich eingepackte Flüssig- oder Sprühkleber ran. Falls kein Kleber dabei ist oder er nicht genügend Haftung erzeugt, muss zu Improvisationen mit starkem Tape, Isolierband, Kabelbindern oder Schnüren gegriffen werden. Als Behelfsmittel, um die Tour unfallfrei zu Ende zu bringen, taugen solche Basteleien durchaus. Eine tolle Performance sollte man allerdings nicht mehr erwarten. Kabelbinder können auch bei den zum Glück eher seltenen Defekten der Spannmechanismen helfen.

Und was lernen wir daraus? Je länger die Tour und je größer die Gruppe, desto vollständiger sollte das Notfallset aus Wachs, Fellkleber, Klebeband und Kabelbindern sein.

Nach der Tour (ist vor der Tour)

Nach der Tour steht logischerweise zunächst die Reinigung der Felle auf dem Programm. Alles was irgendwo hängt, steckt und klebt sollte entfernt werden, um Risse und Löcher zu vermeiden. Am besten eignet sich auch hier das trockene und saubere Baumwolltuch. Für hartnäckigere Rückstände muss man auch mal kräftiger zupacken oder sehr vorsichtig mit einer Pinzette oder scharfen Messerklinge nachhelfen. Reinigungsmittel sollten nur zum Einsatz kommen, wenn man mit mechanischer Reinigung definitiv nicht weiterkommt. Besser man versucht es zunächst damit, das Tuch etwas zu befeuchten. Falls der Fellhersteller in der Anleitung explizit bestimmte Reinigungsmittel empfiehlt oder von der Reinigung mit feuchten Tüchern abrät, kann man hier allerdings auch Ausnahmen machen.

Für das Trocknen gelten die gleichen Regeln wie während der Tour: möglichst nicht viel wärmer oder kälter als bei Zimmertemperatur, ansonsten kann der Kleber schmelzen oder aushärten. Die gesäuberten Klebeseiten werden sofort nach der Reinigung vollständig mit den Folien oder Schutzstrümpfen abgedeckt.

Zurück zuhause bzw. rechtzeitig vor der nächsten Tour sollte dann die Imprägnierung mit dem eben erwähnten „Wasserperltest“ gecheckt werden. Fällt er negativ aus, wird nachgewachst. Hier empfiehlt sich eher Spray, denn damit durchdringt man das Fell etwas besser – besonders wenn man es zuvor gegen den Strich leicht aufbürstet.

Im Laufe vieler Touren mit vielen Querungen können die im Neuzustand versiegelten Fellränder ausfransen. Hier kann man versuchen, die Fransen an den Fellrändern zu entfernen. Beispielsweise mit einer Schere und die Schnittfläche vorsichtig – ohne dabei den Fellfasern oder dem Kleber zu nahe zu kommen – mit einem Feuerzeug versiegeln. Der Materialabtrag sollte so gering wie möglich sein.

Dann geht es an die Lagerung. Darüber haben wir in der Kaufberatung für Skifelle schon berichtet, daher nur noch einmal eine kurze Zusammenfassung. Die gereinigten und ggf. imprägnierten Felle werden nach Anbringen der Klebeschutzfolien in der Mitte gefaltet statt gerollt und dann so zusammengelegt, dass sie sich gut im Beutel oder Transportsack verpacken lassen. Das direkte Aufeinanderkleben der Klebeflächen ist vor allem bei längerer Lagerung und bei taillierten Carverfellen nicht ratsam. Um ein Austrocknen der Ränder und des Klebers zu verhindern, sollte wirklich keine Klebestelle unbedeckt bleiben. Die Fälle werden verpackt an einem lichtgeschützten und trockenen Ort mit Temperaturen um 10-20°C aufbewahrt. Die Verpackung sollte nicht völlig luftdicht sein, da andernfalls bei Restfeuchte Schimmel entstehen kann.

Die Klebeschicht erneuern

Man liest hierzu immer mal wieder Angaben wie „bis zu 100 Touren“ oder „mehrere Saisons“. Das macht ohne genaueren Kontext jedoch wenig Sinn, da Länge und Materialbeanspruchung von Touren stark variieren können und außerdem weitere Faktoren bis hin zum Gewicht des Tourengehers hineinspielen. Sagen wir mal so: ein Münchner, der zwischen Dezember und April jedes Wochenende eine Tour in den bayrischen Hausbergen macht (falls denn genug Schnee liegt), kann bei sachgerechter Pflege mit einem Kleber gut durch die Saison kommen.  Sicher ist jedenfalls, dass der Kleber allein durch das Auf- und Abfellen irgendwann nachlässt und verloren geht.

Während der Kleber den Geist aufgegeben hat, sind Trägerschicht und Fasern der Fellseite oft noch gut in Schuss. Es wäre eine Verschwendung, die Felle komplett zu ersetzen. Doch das Erneuern des Klebers ist erstens zeit- und energieaufwändig und zweitens erfordert es ein Mindestmaß an Bastlergeschick.

Das gilt für beide Arbeitsschritte – sowohl für das rückstandsfreie Entfernen des alten Klebers, als auch für das gleichmäßige Auftragen des Neuen. Der alte Kleber muss durch Erhitzen aufgeweicht und dabei abgezogen und/oder abgespachtelt werden. Dabei kommt je nach Methode ein mehr oder weniger reichhaltiges Arsenal an teilweise modifizierten Hilfsmitteln und Werkzeugen zum Einsatz. Für den ersten Überblick hier zwei Videos mit den beiden Standardmethoden des Beklebens:

In den Videos sieht das ganze zwar relativ einfach aus, aber wenn man nicht gerade ein Skitourenexperte mit gut eingerichteter Hobbywerkstatt ist oder den Vorgang nicht in einem Kurs beigebracht bekommen hat, sollte man diese Renovierung besser dem Fachhändler überlassen. Die Einsparung an Zeit, Energie und Nerven dürfte die Kosten locker wettmachen.

Ganz ohne Kleber – Adhäsionsfelle

Womöglich wird ein Großteil der eben genannten Tipps in ein paar Jahren hinfällig, sofern sich die sogenannten Adhäsionsfelle auf breiter Front durchsetzen. Sie kleben aufgrund der Molekularkraft einer speziellen Folienoberfläche, die an anderen glatten Flächen haften kann. Das Prinzip ist das gleiche wie bei den Adhäsionsfolien aus PVC, die in Haushalt und Handwerk verwendet werden.

Bei Adhäsionsfellen spart man sich das Hantieren mit Schutzfolien sowie diverse weitere Umstände, die durch die Verwendung von Kleber entstehen. So werden beispielsweise einige Chemikalien überflüssig und häufiges Auf- und Abfellen ist nicht länger eine verschleißfördernde und umständliche Prozedur. Ach ja, und ganz nebenbei funktionieren Adhäsionsfälle auch bei nassen Skiern.

Eigentlich eine ganze Reihe an ziemlich überzeugenden Argumenten, die die Frage aufwerfen, warum sich diese Innovation nicht blitzschnell durchsetzt. Zumal man auch nichts von gravierenden Nachteilen wie z.B. Problemen mit der Performance auf Tour hört. Auch der Preis kann nicht wirklich ein Grund für die zögerliche Annahme sein, denn er liegt kaum höher als bei hochwertigen Klebefellen. Kurz und gut: Es spricht vieles dafür, dass es in nicht allzu ferner Zukunft zur Wachablösung zwischen Klebefellen und Adhäsionsfellen kommt.

Vegane Outdoor-Produkte

Vegan unterwegs – tierfreie Produkte für Outdoorer

8. Januar 2018
Ausrüstung

Es ist nicht von der Hand zu weisen: Das Thema Nachhaltigkeit dominiert gerade wie kein anderes den Outdoor-Markt. Herstellerfirmen packen das Thema „soziale und ökologische Verantwortung“ auf ihre Agenda, lassen sich unter dem bluesign- oder einem anderen Standard zertifizieren oder entwickeln gleich ganz eigene. Das ist natürlich sehr zu begrüßen!

Unter dieser Prämisse entstehen auch inzwischen Produktlinien für vegetarisch und vegan lebende Menschen. Denn auch dieses Thema wird immer aktueller und nicht nur bei uns landet hin und wieder ein Kunde mit der Frage: Was ist bei euch im Shop wirklich vegan? Wir wollen dieser Frage an dieser Stelle einmal nachgehen…

Veganes für die Füße – Wanderschuhe

Einer der Bereiche, an den man beim Thema vegane Outdoor-Ausrüstung wohl zuerst denkt, sind die Schuhe. Klar – bei Bergstiefeln und Wanderschuhen ist Leder irgendwie omnipräsent – und natürlich maximal problematisch, wenn man nach tierfreien Alternativen sucht. Die Stolperfallen lauern aber nicht nur im Material selbst. Der Teufel steckt wie immer im Detail, so kann z.B. das Klebemittel, das am Schuh verwendet wird, tierisches Protein enthalten.

Glücklicherweise gibt es Firmen, die den Bedarf an veganen Alternativen erkannt haben. So erobert zum Beispiel Lowa das Herz aller wanderlustigen Veganer mit einer ganz eigenen Produktlinie. Als Obermaterial kommt ein Kunstleder zum Einsatz und die verbaute GORE-TEX-Membran macht die Schuhe wasserdicht. Der Schweizer Outdoor-Hersteller Mammut bietet mit seinen T Aenergy-Modellen einen ganz ähnlichen Aufbau an. Der Schaft wird durch zwei unterschiedlich strukturierten Polyamid-Garne abrieb- und reißfest. Auch hier sorgt Gore-Tex dafür, dass der Schuh dicht bleibt. Im Bereich Approach-Schuhe geht der Vegan-Preis an Salewa, deren Wildfire-Serie ebenfalls ohne tierische Komponenten auskommt. Bei den Kletterschuhen hat Red Chili mit dem Durango VCR und dem Durango Lace ebenfalls vegane Varianten im Angebot und last but not least sei hier noch der The One von SO ILL erwähnt.

Auch muss man heute nicht mehr auf gute Performance verzichten, nur weil man Synthetikschuhe trägt. Lederschuhe sind zwar sehr langlebig, jedoch ist die Entwicklung der synthetischen Schuhe so weit fortgeschritten, dass auch sie bei richtiger Pflege lange ein treuer Begleiter sind. Echtes Leder passt sich der Fußform des Trägers an, weitet sich aber mit der Zeit. Das passiert bei einem Kunstleder beziehungsweise Synthetikschuh in der Regel nicht. Er behält seine Form bei. Synthetische Schuhe sind zudem besonders alltagstauglich, da sie sehr leicht zu reinigen sind und nicht die intensive Pflege eines Leder-Schuhs brauchen.

Obenrum vegan – auf was sollte man bei Bekleidung achten

Vegane Outdoor-Ausrüstung hört nicht bei den Schuhen auf, auch wenn dieser Bereich der sein dürfte, in dem das Thema am relevantesten ist. Auch bei der lieben Outdoor-Bekleidung gibt es ein paar Dinge, die man beachten sollte.

Der große Elefant im Raum heißt „Daune“. Die kommt bekanntlich von Gänsen oder Enten und ist demnach natürlich nicht vegan. Die Alternative lautet: Kunstfaser. Auch diese Isolations-Technologie auf Basis von Polyester ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass es zahlreiche Jacken und Thermo-Layer gibt, die mit ihren Daunenkollegen mithalten können und sie in manchen Bereichen sogar übertreffen. Stichwort „Wärmeleistung bei Feuchtigkeit“. Hersteller wie z.B. The North Face versuchen die Struktur von Daune nachzuahmen. Im Marketing-Sprech nennt sich das dann „Thermoball“.

In aller Regel findet ihr in den Attributen auf unserer Produktseite einen Hinweis, ob tierische Komponente in der Bekleidung verbaut sind. Dort steht dann „enthält nicht-textile Teile tierischen Ursprungs“.

Wer darüber hinaus auf eine möglichst ökologische Fertigung der Bekleidung und vor allem auf die nachhaltige Schonung von Ressourcen Wert legt, der sollte nach Produkten aus recyceltem Polyester Ausschau halten. Die Herstellung aus eingeschmolzenen PET-Flaschen verbraucht zwischen 50 bis 70% weniger Energie als die konventionelle Fertigung einer chemischen Faser aus Rohöl. Einige Marken wie zum Beispiel Bleed (bieten auch ausdrücklich vegane Bekleidung an), Klättermusen, Patagonia und Vaude haben bereits solche Produkte in ihrem Sortiment.

Hier lohnt sich ein Blick auf das Etikett, wo der Recyclinganteil explizit aufgeführt ist. Der amerikanische Outdoor-Ausrüster Patagonia, der im Thema Umweltschutz schon länger Vorreiter in der Branche ist, hat noch eine Schippe draufgelegt. Patagonia betreibt ein eigenes Rücknahme-System. Das heißt, dass Kunden ihre Kleidung zurück in den Laden bringen oder ins Werk schicken können und daraus wieder neue Bekleidung hergestellt wird. Darüber hinaus bietet Patagonia auch an, kaputte oder beschädigte Kleidungsstücke zu reparieren um zu verhindern, dass Produkt zu schnell im Mülleimer landen.  Auch Pyua aus Kiel hat sich darauf spezialisiert und nimmt Ware nach Gebrauch wieder zurück. So entsteht ein Kreislauf, bei dem Outdoor-Bekleidung aus synthetischen Fasern nach Gebrauch immer wieder zu neuer Mode verarbeitet wird.

Back to the Roots – Back to Naturfaser

Man kann sogar noch einen Schritt weiter gehen und auf Naturfasern zurückgreifen. Ich weiß schon, was ihr denkt: Kleidung aus Naturfasern und schweißtreibende Aktivitäten, verträgt sich das denn überhaupt? Auf den ersten Blick denkt man vielleicht, dass man schon nach kurzer Zeit dementsprechend mieft und für lange Zeit galt das Prinzip auch als undenkbar. Bisher bestand Funktionsunterwäsche aus Mikrofasern, die gegen Geruchsbildung mit Nano-Silber behandelt werden mussten.

Doch es geht. Die schwedische Firma Fjällräven setzt bereits seit ihrer Gründung auf ihr zuverlässiges G-1000-Material, das heute zwar nicht mehr zu 100%, aber immerhin noch zu einem Drittel aus Baumwolle besteht. Das große Problem – zumindest aus tierischer Perspektive: Bei vielen Fjällräven-Modellen finden sich Lederapplikationen und das Wachs, dass die Bekleidung wetterfest macht, enthält Bienenwachs.

Anders sieht es bei Lundhags aus, die bei ihrer Polycotton-Technologie einen ähnlichen Aufbau haben wie Fjällräven, bei Modellen wie der Women’s Gliis Jacket oder der Lomma Jacket aber ohne Lederapplikation auskommen. Dennoch dürfte dieses Material einer synthetischen Hardshell im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht das Wasser reichen, was die Widerstandsfähigkeit gegenüber Regen angeht. Und auch hier ist hier genaues Hinsehen nötig, denn Polycotton gibt es vereinzelt als gewachste Variante.

Vegane Ernährung auf Tour

Und dann gibt’s da natürlich noch das Thema Nahrung. Denn was wär eine Wanderung oder Trekking-Tour ohne die Brotzeit, die Leib und Seele zusammenhält? Wer schon länger vegan lebt, der hat vermutlich ohnehin sehr viel Ahnung, was bei der Ernährung geht und was nicht. Aber auch hier gibt es natürlich Hersteller, die passende Trekkingnahrung liefern, so z.B. Adventure Menu, BLA BAND, Lyo Food, Innosnack und Chimpanzee – um nur einige zu nennen.

Im Zweifel hilft aber natürlich immer der Blick in die Zutatenliste, denn natürlich wird dort haarklein aufgedröselt, welche Bestandteile im Produkt vorhanden sind.

Unterm Strich…

… lässt sich also feststellen, dass vegane Bekleidung und Outdoor-Ausrüstung zwar noch keinen dominanten Platz in den Produktlinien der Hersteller einnehmen, es allerdings in den letzten Jahren zumindest auf das Radar geschafft haben. Und das zum Glück bei namhaften Firmen, die auch tierfreie Produkte mit einem hohen Qualitätsanspruch herstellen. Vor dem Hintergrund, dass es immer mehr Menschen gibt, die ihren Konsum umstellen, sicherlich eine begrüßenswerte Entwicklung.

Vegane Produkte findet ihr bei uns, indem ihr in der Suchfunktion das schöne Wort „Vegan“ eintippt und dann weiter filtert. Oder ihr folgt einfach folgendem Link:

Insektenschutz in der Natur - Was hilft wirklich?

Insektenschutz in der Natur – Was hilft wirklich?

21. Dezember 2017
Ausrüstung, Tipps und Tricks

Sie rauben dir den Verstand, lassen dir kaum Ruhe und verfolgt dich sogar bis in den Schlaf. Doch damit sind nicht die schönen Landschaft gemeint, in der du gerade unterwegs bist, sondern die Mücke, die dich zuverlässig wie ein Schatten verfolgt und dir das Leben schwer macht. Der Dschungel an Hilfsmitteln, die die Plagegeister vertreiben sollen, ist riesig. Von Chemie-Waffe bis zu ätherischen Öle gibt es so gut wie alles, was das Herz begehrt. Doch was hilft denn nun gegen die kleinen fiesen Stechmücken?

Wo keine Mücke ist, wird man auch nicht gestochen

Klingt logisch, ist es auch. Wenn ich mich in Gebieten bewege, die besonders viele Insekten beherbergen, ist es auch sehr wahrscheinlich, dass ich früher oder später auch gestochen werde. Beziehungsweise mir was überlegen sollte damit das nicht passiert. Somit wäre es die einfachste Lösung genau diese Gebiete zu vermeiden. Andererseits ist dann das Spektrum an Reisezielen nicht gerade groß, wenn man seinen Urlaub nicht unbedingt am Nordpol verbringen möchte. Ob in den tropischen Wäldern oder im finnischen Sumpf – Insekten gibt es (leider) überall. Grundsätzlich gilt hier die Faustregel: Je höher die Temperaturen und je feuchter die Luft, desto mehr Mücken wird man antreffen. So kann es eben auch im sommerlichen Skandinavien zur Belastungsprobe werden, in der Natur zu schlafen.

Ein guter Zeltplatz ist die halbe Miete

Stechmücken halten sich am liebsten in schattigen, feuchten und windstillen Regionen auf. Also vermindert man das Risiko gestochen zu werden, wenn man diese Gebiete meidet und eher in höheren Lagen ohne starken Bewuchs wandert. Sollte man doch einmal keine andere Möglichkeit haben, ist es günstig das Risikogebiet am Nachmittag zu durchqueren, denn da sind die Insekten nicht so aktiv wie am Morgen beziehungsweise am Abend.

Das gilt auch für die Platzwahl des Zeltes. Feuchte Wiesen und Sumpfgebiete sollte man für eine angenehme Nachtruhe unbedingt meiden. Noch besser ist es, wenn es nicht komplett windstill ist und der Platz oberhalb der Baumgrenze liegt. Zudem sollte man seine Ausrüstung erst innerhalb des geschlossenen Zeltes auspacken, um zu verhindern, dass sich ein Insekt im Rucksack versteckt. Dazu kann auch die Farbe des Zeltes Fluch oder Segen sein, Gelb zieht Stechmücken förmlich an. Ratsam ist es natürlich auch, wenn man vor der Tour überprüft, ob die Moskitonetze am Zelt alle intakt sind.

Wer schön sein will muss leiden

Ja, die Schönheit des ein oder anderen mag unter einem Hut mit Krempe und Moskitonetz vor der Nase leiden. Aber das ist alles besser als einen dicken, fetten, roten Stich genau auf der Stirn, der Nase oder sonst wo zu haben. Trotz alledem ist so ein Netz eines der effektivsten Schutzmaßnahmen gegen Stiche im Kopf- und Nackenbereich. Die Netze sind so konstruiert, dass es keinerlei Einschränkung im Blickfeld gibt.

Mit der richtigen Kleidung ist man gut gegen den nächsten Angriff der lästigen Biester gewappnet. Denn 40% aller Mückenstiche erfolgen durch die Kleidung. Socken, Hosen und Langarmshirts kann man ganz einfach mit Permethrin imprägnieren (NOBITE-Spray). Das Zeug schützt bis zu vier Wochen vor Mückenstichen. Auch vor Zecken wird man damit bis zu zwei Wochen geschützt.

Nicht für jeden die optimale Lösung. Aber zum Glück gibt es auch Hemden und Hosen aus stichdichten Materialien, wie das G-1000 von Fjällräven. Sollten die Textilien nicht stichdicht sein, hilft es auch schon, wenn sie hell und weit geschnitten sind.

Je nach Gebiet und Wetterlage ist es manchmal einfach viel zu heiß, sich komplett einzuhüllen und durch die Landschaft zu tigern. Doch sind es meist genau solche Regionen, in denen ein sicherer Insektenschutz besonders wichtig, denn in heißen, tropischen Regionen ist das Risiko, sich eine Krankheit durch Stiche einzufangen, besonders präsent.

Zunächst sollte man eine solche Tour natürlich gut vorbereiten, indem man Informationen über die vorkommenden Krankheiten, zum Beispiel beim Tropeninstitut, einholt. Dann gibt es Essentials, die in solchen Fällen immer dabei sein sollten, wie engmaschige Moskitonetze, die man über die Hängematte oder das Bett spannen kann oder Fliegengitter für Fenster, die einfach und schnell anzubringen sind. Wenn man sich in heißen Regionen dann draußen bewegt, ist es unerlässlich, die Haut direkt mit Insektenschutzmitteln zu behandeln.

Nicht nur nervig, auch gefährlich

Malaria gehört zu den bekanntesten Krankheiten, die durch Anopheles-Mücken übertragen werden. Nach Deutschland werden circa 1000 Fälle jährlich eingeschleppt. Dabei ist die Gefahr gestochen zu werden in tropischen sowie subtropischen Gebieten besonders hoch.

Obwohl es Medikamente gibt, die man im Voraus, währenddessen und danach einnehmen muss, gibt es noch keine Reiseimpfung und manche Erreger sind bereits resistent gegen diese Chemoprophylaxe. Auch gegen das, hauptsächlich in Thailand verbreitete Denguefieber und gegen das Gelbfieber gibt es noch keine Impfung und die Krankheiten können nur symptomatisch behandelt werden.

Umso wichtiger ist hier der aktive Insektenschutz. Das sogenannte Repellent, also ein Mittel, das vom Insekt durch den Geruchssinn wahrgenommen wird, ist die Allzweckwaffe. Es tötet die Tierchen zwar nicht, aber sie werden zumindest vertrieben.

Chemiekeule vs. das gute alte Hausmittel

Hierbei gibt es natürliche Mittel sowie chemische. Grundsätzlich erzielen die chemischen Repellents eine zuverlässigere Wirkung als andere. Dabei ist der Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid) aus Mückenschutzmitteln nicht mehr wegzudenken. Die Wirkweise ist einfach und raffiniert zugleich. DEET sorgt dafür, dass der menschliche Geruch vom Insekt nicht mehr wahrgenommen werden kann und man so auch nicht mehr gestochen wird. Je höher die Wirkstoffkonzentration ist, desto länger hält der Schutz (zu finden in Anti-Brumm Forte, Care Plus, NOBITE, Autan).

Falls man Sonnencreme benutzt, sollte darauf geachtet werden diese vor dem Repellent aufzutragen. Außerdem wird die Wirkung des Sonnenschutzes um bis zu einem Drittel gemindert. Werden zusätzlich Medikamente verwendet, die das Eindringen von Wirkstoffen in die Haut erleichtern, ist es wichtig zu wissen, dass DEET die Haut in den Blutkreislauf eindringen und unerwünschte Wirkungen auf das Nervensystem haben kann. Es besteht die Möglichkeit, dass der Wirkstoff Taubheitsgefühle, Kribbeln oder bei großflächiger Anwendung Hirnschäden oder Krampfanfälle hervorruft. Bei kleinen Kindern und Schwangeren sollte man solche Mittel gar nicht oder mit besonderer Vorsicht anwenden.

Dagegen gibt es auch natürliche Mittel ohne Chemie, die versuchen die lästigen Blutsauger loszuwerden. Bevor man jedoch auf Hausmittel zurückgreift, muss man sich Fragen, ob man sich „nur“ gegen nervige Mücken am heimischen Badesee oder gegen krankheitsübertragende Tigermücken schützen will.

Sowohl in der Wohnung als auch draußen sind ätherische Öle, die man verdampfen lassen oder auf die Haut geben kann, eine gute Möglichkeit sich vor den Plagegeistern zu schützen. Die einzig wahre Mischung gibt es aber nicht. Das heißt, einfach testen und die Öle mit Bedacht einsetzen. Viel hilft nicht immer viel. So romantisch es auch ist, so wirkungslos ist der Rauch eines Lagerfeuers für Mücken. Räucherstäbchen und Duftkerzen hingegen können durchaus Wirkung zeigen und bringen ins nächste Zeltlager sogar noch ein wenig Mystik.

Die Mücke mit dem Handy zu erschlagen ist hilfreicher als eine Ultraschall-App

„Mach das Licht aus, bevor die Mücken kommen!“ – Ein Satz den man im Sommer nicht nur einmal hört. Leider bringt das herzlich wenig. Mücken reagieren anders als Motten nicht auf Licht, sondern auf Körpergerüche und Wärme.

Der Mythos, dass Knoblauch gegen Blutsauger aller Art helfen soll, ist seit Urzeiten in unseren Köpfen, stört die Insekten aber genauso wenig. Der einzig Leidende ist in diesem Fall der Zeltnachbar. Auch Vitamine sowie spezielle Insektenarmbänder halten sie nicht auf Abstand.

Mückenschutz hat auch vor dem digitalen Zeitalter keinen Halt gemacht, diverse Ultraschall-Apps sollen Abhilfe schaffen. Aber auch Ultraschallgeräte haben keinerlei Wirkung auf die Insekten. Sinnvoller ist es die Mücke direkt mit dem Handy zu erschlagen, als auf die App zu hoffen.

Das kleine 1x1 der Wanderbekleidung

Das kleine 1×1 der Wanderbekleidung

28. Dezember 2017
Kaufberatung

Welche Socken zieh‘ ich heute zu meinen Wanderschuhen an? Die Gestreiften oder die mit den Blümchen? Nehm‘ ich die rote oder die blaue Jacke? Ich meine, die sollten ja schon zu den Schuhen und den Socken passen. Ach ja, und über die passende Sonnenbrille müssen wir ja gar nicht erst anfangen zu diskutieren, oder?

Ja, diese Dinge sind wirklich wichtig. Am Berg muss schließlich alles perfekt aufeinander abgestimmt sein. Aber mal Spaß beiseite. Die Wahl der richtigen Wanderbekleidung sollte gut überlegt sein. Während man sich gerade noch total nass und verschwitzt über die Bergkuppel schleppt, fängt man im nächsten Moment schon bitterlich an zu frieren. Schuld daran: die falsche Bekleidung.

Die verschiedenen Teile der Wanderbekleidung müssen perfekt zusammenspielen. Trägt man beispielsweise Unterwäsche aus Baumwolle, wird dadurch die gesamte Kette der Atmungsaktivität schon von Beginn an abgeschnitten – aber das kennt ihr sicher schon. Nein? Na, dann lasst uns euch helfen!

Also wie sieht die richtige Wanderbekleidung aus? Wie ist man von Kopf bis Fuß beim Wandern und Trekking funktionell gut ausgerüstet. Wir sind dem Ganzen mal auf den Grund gegangen.

Funktionell ausgerüstet von Kopf bis Fuß beim Wandern und Trekking

Als die Menschen in Europa im 18. und 19. Jahrhundert nach und nach ihre Begeisterung für Wanderungen durch Städte, Länder und Landschaften entdeckten, bestand die Ausrüstung dafür aus ganz gewöhnlicher Alltagsbekleidung. Hosen und Hemden aus Leinen oder Hanfgewebe, Umhänge aus Wolle und später auch Jacken und Mäntel aus Baumwolle waren die Bekleidung der ersten Wanderer. Teils zum Vergnügen und teils aus wissenschaftlichem Interesse begannen sie die Welt zu Fuß zu erkunden. Ihre Lederschuhe mögen komfortabel gewesen sein, aber es dauerte noch etliche Jahrzehnte bis zur Erfindung wasserdichter Membrane und rutschfester Sohlen.

Dementsprechend mühsam und aus heutiger Sicht strapaziös waren die Wanderungen, denn die Bekleidung war schon im trockenen Zustand sehr schwer – nach einem kräftigen Regenschauer umso schwerer. Winddicht und gleichzeitig gut belüftet? Fehlanzeige! Minimales Packmaß und trotzdem robust? Auf keinen Fall! Funktionelles Schichtsystem? Gibt es nicht!

Weitab von jeglichem Komfort, auf den moderne Wanderer nicht verzichten möchten, legten die Pioniere beachtliche Strecken über mehrere hundert Kilometer zurück, die auch mit heutiger Trekkingausrüstung eine anspruchsvolle Herausforderung darstellen. Damit bereiteten sie den Anfang für einen Breitensport, der etliche funktionelle Innovationen hervorgebracht hat und der im 21. Jahrhundert mit der Outdoorbranche und dem Wandertourismus einen regelrechten Boom erfährt.

Komfortable Wanderschuhe mit gutem Grip

Statt die Wanderbekleidung von „Kopf bis Fuß“ zu analysieren, fängt diese Beschreibung direkt bei den Füßen an und arbeitet sich dann langsam aufwärts am Wandersmann, beziehungsweise an der Wandersfrau. Ohne Zweifel sind Wanderschuhe das ausschlaggebende „Kleidungsstück“, das Wanderer von Spaziergängern und Menschen in Alltags- und Freizeitbekleidung unterscheidet. Wanderschuhe gibt es in zahlreichen Varianten und Ausprägungen, die über eine wichtige Gemeinsamkeit verfügen: eine griffige Outdoor-Sohle, die auf Wanderwegen und im Gelände einen sicheren Tritt und perfekten Grip garantiert.

Wandersohlen sind stark profiliert und bestehen aus Gummimischungen, die guten Grip auf matschigen Waldwegen ebenso gewährleisten, wie auf losem Geröll und rutschigen Wurzeln. Neben vielen verschiedenen hauseigenen Designs und Gummimischungen greifen viele Hersteller auf bewährte Sohlentechnologie von Vibram oder Michelin zurück. Einige Wanderschuhe lassen sich zudem wieder besohlen und haben dadurch eine noch höhere Lebensdauer.

Im Aufbau und Design der Wander- und Outdoorschuhe gibt es große Unterschiede. Vom leichten Multisportschuh mit luftdurchlässigem Mesh-Gewebe, über niedrig geschnittene Zustiegsschuhe mit ausgeprägtem Geröllschutz, bis zu Wander- und Trekkingstiefeln mit hohem Schaft und mehrzoniger Schnürung. Für schnelle Wanderungen in einfachem Gelände sind die leichten Wanderschuhe ideal. Bei anspruchsvollen Touren mit schwerem Wanderrucksack geben hohe Wanderschuhe den Knöcheln die nötige Stabilität und schützen vor Verletzungen.

Leichtwanderschuhe und strapazierfähige Trekkingstiefel gibt es meistens mit oder ohne wasserdichte Membran. Wanderschuhe ohne Membran sind in der Regel sehr gut belüftet. Schon bei der ersten nassen Wiese sind sie allerdings schnell durchnässt. Bei Wanderstiefeln mit wasserdichter Gore-Tex Membran oder anderen vergleichbaren Laminaten bleiben die Füße dagegen auch bei anhaltenden Regenschauern und bei Schneefeldern in den Bergen zuverlässig trocken. Trotzdem entweicht auch der Wasserdampf durch die mikroporöse Membran nach außen und sorgt dadurch für ein komfortables Tragegefühl. Da die atmungsaktiven Membrane ein gewisses Temperaturgefälle benötigen, um die Feuchtigkeit optimal nach außen zu transportieren, kann die Atmungsaktivität in heißen und tropischen Gebieten eingeschränkt sein. Die Wasserundurchlässigkeit ist davon allerdings nicht betroffen und jederzeit gegeben.

Je nach Hersteller und Schuhmodell kommen unterschiedliche Leisten in der Herstellung zum Einsatz. Das bedeutet, dass manche Wanderschuhe etwas breiter geformt sind, andere wiederum eher für schmale Füße perfekt passen. Auch Dämpfung und Fußbett werden auf ihr jeweiliges Haupteinsatzgebiet optimiert und so fühlen sich die Schuhe teils sehr gut sitzend und fest an, oder auch besonders weich und komfortabel. Bei der Auswahl der Wanderschuhe gilt es daher zu überlegen, in welchem Gelände die Schuhe in erster Linie zum Einsatz kommen. Beim Anprobieren sollten Wanderer die Schuhe am besten nachmittags oder abends (wegen der Passform, denn da sind die Füße oft etwas angeschwollen) für eine gewisse Zeit anziehen und in der Wohnung damit probelaufen. Nach etwa ein bis zwei Stunden merkt man so ziemlich schnell, ob der Wanderschuh gut und komfortabel sitzt. Beim Einlaufen im Gelände gilt es die ersten Kilometer in einfachem Terrain zurücklegen, bevor es auf die erste große Wanderung geht. Im Laufe der ersten Wanderungen passen sich die Schuhe dann immer besser an die Fußform an und werden in der Regel etwas weicher. Bei Wanderschuhen aus synthetischen Materialien geht dieser Prozess etwas schneller, als bei reinen Lederschuhen. Sind diese allerdings erst einmal perfekt an die eigenen Füße angepasst, sitzen die Wanderschuhe aus Leder besonders komfortabel. Um die Auswahl der Schuhe noch einfacher und anschaulicher zu machen gibt es hier noch eine ausführlichere Kaufberatung für Wanderschuhe.

Gut sitzende Wandersocken

Jeder gute Wanderschuh ist ohne die passenden Wandersocken nur halb so gut. Erst durch das Zusammenspiel von Schuh und Socke ergibt sich hoher Tragekomfort und ein angenehmes Mikroklima an den Füßen. Die Wahl der Wandersocken richtet sich nach der Auswahl der Wanderschuhe. Bei niedrigem Schaft und sportlichen Schuhen fallen auch die Socken niedriger und sportlicher aus. Für hohe Wanderstiefel eignen sich dagegen höhere Socken mit dämpfenden Verstärkungen am Schaft, an der Ferse und im Zehenbereich. In jedem Fall muss die Wandersocke über den Stiefelrand reichen um Druckstellen zu vermeiden.

Wandersocken bestehen entweder aus synthetischen Materialien, die eine besonders gute Passform ermöglichen, Merinowolle, oder Mischgewebe mit Merinowolle und Kunstfasern. Merinowolle sorgt für ein besonders angenehmes Fußklima und wärmt selbst im feuchten oder sogar nassen Zustand noch. Zudem ist Merinowolle von Natur aus geruchshemmend. Nach einer mehrtägigen Tour mit Merinosocken ist der Geruch im Vergleich zu Kunstfasersocken sehr intensiv „riechbar“. Socken aus Synthetikmaterial haben dafür den Vorteil, dass sie schneller trocknen, als Wandersocken aus Merinowolle. Wie auch immer Wanderer sich in der Materialfrage entscheiden – die Passform der Wandersocke muss perfekt sein, denn sonst können sich Druckstellen und Blasen bilden. Eine gute Wandersocke rutscht nicht, wirft keine Falten, zwickt nicht, drückt nicht und fühlt sich auch nach einer anstrengenden Tour im Gebirge noch toll an. Alle wichtigen Kriterien findest du auch in der Kaufberatung für Wandersocken nochmals genau erklärt.

Funktionsunterwäsche für ein komfortables Tragegefühl

Funktionelle Unterwäsche erfüllt beim Wandern verschiedene Zwecke. Bei kühlem Wetter wärmt sie angenehm, an heißen Tagen trocknet sie zügig und gibt die Feuchtigkeit schnell vom Körper nach außen ab. Dabei sitzt sie bequem, scheuert nicht und hinterlässt keine Druckstellen. Je nach Wetterbedingungen gibt es die Funktionsunterwäsche für Wanderer in langarmiger und langbeiniger Ausführung, als Boxershorts, Funktionsunterhosen, T-Shirts oder Tanktops.

Neben der guten Passform mit bequemen Gummizügen und elastischen Materialien ist von allem eine hochwertige Verarbeitung mit flachen Nähten sehr empfehlenswert. Für die Herstellung von Funktionsshirts und Funktionsunterhosen kommen in erster Linie Merinowolle, Polyester und Mischgewebe mit anderen strapazierfähigen und elastischen Kunstfasern zum Einsatz. Merinowolle bietet als unterste Bekleidungsschicht ein super Gefühl auf der Haut und spendet bei Kälte angenehme Wärme, kühlt aber gleichzeitig bei warmen Außentemperaturen. Selbst im feuchten Zustand hält Merinowolle den Körper warm und dank ihrer natürlichen geruchshemmenden Eigenschaft, ist Funktionsunterwäsche aus Merinowolle auch nach einer mehrtägigen Wanderung immer noch verhältnismäßig frisch.

Die oft noch etwas leichteren synthetischen Funktionsshirts und Funktionsunterhosen können Feuchtigkeit noch schneller nach außen leiten. Das Tragegefühl auf der Haut fühlt sich dabei oft etwas kühler an. Manche Shirts und Hosen sind mit geruchshemmender Technologie ausgestattet, die den natürlichen Effekt der Merinowolle imitiert. Beide Materialien und diverse Mischformen sind bei Wanderern weit verbreitet und hängen nicht zuletzt davon ab, welches Material sich individuell besser anfühlt. Auf Unterwäsche aus reiner Baumwolle und T-Shirts aus Baumwolle sollten Wanderer allerdings besser verzichten. Die Baumwolle saugt sich schnell voll und braucht sehr lange um wieder zu trocknen. Dabei kühlt sie den Körper unangenehm aus und sorgt für ein unbehagliches Tragegefühl. Hinzu kommt, dass atmungsaktive Wanderjacken und Wanderhosen nur perfekt die Feuchtigkeit abtransportieren können, wenn auch die Baselayer am Körper den Dampf gut ableitet. Mit Unterwäsche aus Baumwolle würde die gesamte Kette der Atmungsaktivität schon von Beginn an abgeschnitten. Wenn du dir nicht sicher bist, ob Kunstfaser oder Merinowolle für dich besser geeignet ist, findest du im Blogartikel über Funktionsunterwäsche zusätzliche Informationen und Anregungen.

Wanderhosen, Zip-Off Hosen und Wandershorts

Gute Bewegungsfreiheit, bequeme Passform und strapazierfähige Materialien, die schnell trocknen und die Feuchtigkeit vom Körper zügig abtransportieren, machen eine gute funktionelle Wanderhose aus. Dabei kommen von Baumwolle, über verschiedene synthetische Fasern bis hin zu Tencel, Hanf und Elasthan, die verschiedensten Materialkombinationen zum Einsatz. Dadurch sind manche Wanderhosen besonders elastisch und andere dafür extra stabil. Tourenhosen mit schoeller Gewebe und das robuste G-1000 Material von Fjällräven sind dabei nur zwei Beispiele für bekannte hochwertige Materialmischungen. Teilweise werden Wanderhosen an den Knien und am Gesäß speziell verstärkt, damit die beanspruchten Stellen gut vor Abrieb und Beschädigung geschützt sind und die Hose trotzdem sehr atmungsaktiv und bewegungsfreundlich bleibt. Ergonomisch vorgeformte Kniepartien, elastische Zwickeleinsätze und individuell anpassbare Bundweiten ergänzen die funktionellen Wanderhosen. Um dir die Wahl der Wanderhose zu vereinfachen gibt es hier noch weitere Infos zu den verschiedenen Outdoorhosen.

Zip-Off Hosen, also Wanderhosen mit abnehmbaren Beinen, sind bei Wanderern sehr beliebt, da sie hohe Flexibilität erlauben. Wenn es morgens, beim Start der Wandertour, noch kühl ist, und die Temperaturen gegen Mittag hin immer weiter steigen, verwandelt sich die praktische Zip-Off Pant im Handumdrehen in ein kurze oder knielange Wandershort. In der Regel müssen dafür nicht einmal die Wanderschuhe ausgezogen werden. Auch für mehrtägige Touren bei wechselnden Temperaturen und Wetterbedingungen sind die flexiblen Hosen ideal und das Gepäck wird dabei auch etwas leichter, da auf ein zusätzliches Kleidungsstück verzichtet werden kann.

An warmen Sommertagen greifen Wanderer am liebsten gleich zu kurzen oder knielangen Wandershorts. Vom Material und vom Design ähneln sie in jeder Hinsicht den Wanderhosen mit langen Beinen. Atmungsaktivität und Bewegungsfreiheit sind auch bei den Shorts die wichtigsten Kriterien. Mit elastischen Konstruktionen und praktischen Zwickeleinsätzen im Schritt unterstützen sie sportliche Wanderer in jedem Terrain.

Wetterschutz ist ebenfalls ein wichtiger Faktor für Wanderer. Viele Wanderhosen schützen gut vor Wind und sind mit einer wasserabweisenden DWR Behandung (Durable Water Repellent) versehen. Dadurch perlen Wassertropfen an der Oberfläche einfach ab und werden nicht vom Stoff aufgesaugt. Bei einem kräftigen Regenschauer kommt allerdings auch die wasserabweisende Oberflächenbehandlung an ihre Grenzen. Deshalb ziehen Wanderer bei anhaltendem Regen wasserdichte Outdoorhosen vor. Hardshellhosen mit atmungsaktiver GORE-TEX® Membran, oder anderen wasserdichten Laminaten, sorgen auch bei starkem Regen für trockene Beine. Bei wechselhaften Wetterbedingungen ist eine leichte Hardshellhose besonders praktisch, da sie bei Bedarf über der normalen Wanderhose getragen werden kann. Regenhosen mit seitlichen Reißverschlüssen sind dabei ideal für unkompliziertes An- und Ausziehen. Die leichten Hardshellhosen lassen sich sehr kompakt verstauen und fallen mit ihrem geringen Gewicht kaum zur Last im Wanderrucksack.

Beim Wandern durch nasse Wiesen, oder durch Schnee sind wasserdichte Gamaschen eine super Alternative zu wasserdichten Wanderhosen. Sie schützen von der Wade abwärts und verhindern, dass Schnee oder Nässe von oben in die Wanderstiefel gelangt. Die praktischen Wandergamaschen wiegen nur ein paar Gramm und sind bei Bedarf schnell angelegt, ohne dass dafür die Wanderschuhe ausgezogen werden müssen. Wenn du noch zusätzliche Hilfe bei der Auswahl von Hardshellhose und Gamaschen brauchst, hilft dir die Kaufberatung für Gamaschen und die Kaufberatung für Regenhosen mit Sicherheit weiter.

Wanderhemden, Softshellwesten und Hardshelljacken

Karierte Hemden aus schnelltrocknendem Funktionsmaterial sind bei Wanderern im Sommer schon lange sehr beliebt. Die luftigen Hemden bieten an warmen Tagen ein super Tragegefühl, sind pflegeleicht und robust zugleich. Funktionelle T-Shirt aus synthetischen Materialien oder Merinowolle leisten ebenfalls beste Dienste. Bei kühlen und windigen Bedingungen greifen Wanderer sehr gerne zu Softshelljacken oder Softshellwesten. Besonders die funktionellen Wanderwesten sind sehr beliebt, denn sie bieten eine gute Mischung aus Windschutz am Hals und Oberkörper, sind aber über die Arme bestens belüftet und sorgen für angenehme Bewegungsfreiheit. Viele Softshelljacken und Outdoorwesten sind zusätzlich mit einer wasserabweisenden Behandlung geschützt und widerstehen damit auch leichtem Regen sehr gut.

Bei anhaltenden und kräftigen Niederschlägen leistet eine wetterfeste Hardshelljacke mit gut sitzender Kapuze beste Dienste. Die wasserdichten Regenjacken und Outdoorjacken sind mit atmungsaktiven Membranen von GORE und anderen Herstellern ausgestattet und sorgen dafür, dass der Regen nicht in die Jacke eindringt, der Wasserdampf aber gleichzeitig entweichen kann. Viele Hardshelljacken verfügen dazu über extra Ventilationsöffnungen, zum Beispiel mit Reißverschlüssen unter den Armen, um bei anstrengenden Aufstiegen für zusätzliche Belüftung zu sorgen. Die Regenjacken für Wanderer sind unterschiedlich leicht und robust. Bei schweren Touren- und Trekkingrucksäcken sollte auch die Hardshelljacke dementsprechend robust sein. Als Ergänzung bei Tagestouren kommen dagegen oft leichte Modelle zum Einsatz, die sich sehr kompakt zusammenlegen und verstauen lassen. Neben klassischen Regenjacken verwenden manche Wanderer auch gerne Regenponchos oder Trekkingschirme, um sich vor Regen zu schützen. Beides hat den Vorteil, dass bei anhaltendem Regen die Rückenpartie und die Träger des Wanderrucksacks nicht nass werden. Deswegen verwenden einige Wanderer auch zusätzlich zu wasserdichter Rucksackhülle und Hardshelljacke einen handlichen Outdoorschirm, der verhindert, dass das Wasser zwischen Jacke und Rucksack durch läuft.

An besonders kühlen Tagen sind Fleecejacken oder isolierende Kunstfaserjacken die perfekte Ergänzung zur Wanderbekleidung. Sie lassen sich entweder „solo“ über der Basisschicht tragen, oder als praktische Zwischenschicht unter der Hardshelljacke oder Softshellweste. Fleecejacken trocknen schnell, sind weich, warm und pflegeleicht und erfreuen sich daher jederzeit größter Beliebtheit bei Wanderern. Die Kaufberatung für Fleecejacken hilft dabei, die Richtige aus der großen Auswahl zu finden.

Mützen, Sonnenbrillen und Handschuhe

Mit dieser grundlegenden Ausstattung sind Wanderer schon sehr gut ausgerüstet. Dazu noch der passende Wanderrucksack, eventuell ein Paar Trekkingstöcke, eine Trinkflasche oder ein Trinksystem und die Tour kann beginnen. Da die Auswahl von Rucksack und Stöcken allerdings ebenso vielfältig ist, wie die Auswahl an Wanderbekleidung, widmet sich diesen Themen eine eigene Kaufberatung für Rucksäcke und eine Kaufberatung für  Wanderstöcke und Trekkingstöcke. Ein paar kleine Helfer und Accessoires machen die Wanderbekleidung allerdings erst komplett. Sehr wichtig ist die richtige Auswahl der Kopfbedeckung. Eine warme Mütze oder ein weiches Stirnband aus Fleece sind bei Kälte und Wind optimal. An klaren sonnigen Tagen hilft ein Cap oder Sonnenhut vor Sonnenbrand und Sonnenstich. Viele Wanderer unterschätzen die Intensität der Sonne in den Bergen. Wenn dann noch die Luft etwas kühler ist, oder ein angenehm frischer Wind weht, ist Kopfweh und Übelkeit schon fast vorprogrammiert. Deswegen lieber den Kopf schützen, statt sich den ganzen Tag ungeschützt „braten“ zu lassen.

Vielleicht nicht direkt ein Kleidungsstück, aber beim Wandern am Wasser oder in den Bergen genauso unverzichtbar, wie gutes Schuhwerk und funktionelle Bekleidung, ist eine hochwertige Sonnenbrille, die die Augen vor schädlicher UV-Strahlung schützt. Für die meisten Wanderer ist eine komfortabel sitzende Sonnenbrille der Kategorie zwei oder drei die richtige Wahl. Wer viel in großer Höhe und auf Schnee und Eis wandert, sollte sogar zur Kategorie vier greifen. Noch mehr Informationen zu Sonnenbrillen und Gletscherbrillen kannst du in der ausführlichen Kaufberatung für Sonnenbrillen nachlesen.

Leichte Fleecehandschuhe oder winddichte Softshellhandschuhe sind an kalten Tagen eine prima Ergänzung. Die dünnen Handschuhe haben eine angenehme Wärmeleistung und garantieren gleichzeitig eine gute Feinfühligkeit bei der Verwendung von Trekkingstöcken. Viele Outdoorhandschuhe sind touchscreenfähig und müssen nicht zur Bedienung von GPS-Gerät oder Smartphone ausgezogen werden.

Ein Halstuch, Schal oder Schlauchtuch ist nicht unbedingt bei jeder Tagestour im Sommer mit dabei, aber immer wenn das Wetter umschlägt, spendet es angenehme Wärme und bietet guten Windschutz.

Perfekte Funktionalität durch optimales Zusammenspiel der Wanderbekleidung

Egal ob Wanderschuhe, Wandersocken, Trekkinghose oder Hardshelljacke – die Wanderbekleidung ist ein Team, das Hand in Hand arbeitet und beim funktionellen Zusammenspiel nur so gut ist, wie sein schwächstes Glied. Das bedeutet im Klartext, dass die Wanderausrüstung aufeinander abgestimmt sein muss und keine Schwachstellen haben darf. Die besten Schuhe sind nicht bequem, wenn die Socken nicht passen und die atmungsaktivste Regenjacke kann keinen Dampf abtransportieren, wenn die Funktionsunterwäsche die Feuchtigkeit darunter bindet. Gute Passform und ein angenehmes Tragegefühl entstehen aus der Summe aller (Bekleidungs-)Teile und machen dein Leben als Wanderer komfortabler, leichter und freundlicher.

Auf Biegen und Brechen - Carbon im Materialcheck

Auf Biegen und Brechen – Carbon im Materialcheck

28. Dezember 2017
Ausrüstung, Gear-Tipp!

Carbon dürfte so ziemlich jedem Bergfreund schon mal zu Ohren gekommen sein. Denn das Material steckt in allerlei Sportgeräten und wird auf Grund von besonderen Eigenschaften, wie Leichtigkeit und Steifigkeit (nicht Festigkeit!) in vielerlei Hinsicht von so manchem Gearhead gefeiert.

Wenn sich bei euch schon allein wegen dieser Unterscheidung ein Fragezeichen auftut, solltet ihr unbedingt weiterlesen. Denn wir haben in diesem Artikel das Material Carbon etwas genauer unter die Lupe genommen und wissen jetzt ganz genau Bescheid, was die Eigenschaften, Zusammensetzung oder auch Vor- und Nachteile gegenüber oftmals günstigeren Materialien, wie Aluminium betrifft.

Carbon, was ist das eigentlich?

Das bruchfeste und leichte Carbon wird als Material für allerlei Sportgerät immer populärer. Sein Name ist ein Kunstwort aus dem lateinischen Begriff für Holzkohle und bezieht sich auf das chemische Element Kohlenstoff. Im Grunde eine sehr natürliche Sache, denn ohne Kohlenstoff wäre die Erde nicht viel mehr als ein Stein ohne biologische Strukturen – also auch ohne Menschen. Da könnte man Carbon doch eigentlich als Naturmaterial preisen, zumindest wenn man es mal großzügig über eine lange Verwandlungskette hinweg betrachtet. Denn für Carbon wird der Kohlenstoff verwendet, der einst in verrottenden Pflanzen in der Erde eingeschlossen wurde, woraus das heute geförderte Erdöl entstand. Jenes Erdöl, das der Träger vieler Kohlenwasserstoffe ist, die heute als Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion dienen.

Zugegeben, das war jetzt eine arg gedehnte Deutung und auch nur die halbe Wahrheit. Denn das, was umgangssprachlich als Carbon bezeichnet wird, besteht nur zum Teil aus den hauchdünnen Kohlenstofffasern. Deshalb lautet die korrekte Bezeichnung eigentlich auch: carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK). Das wiederum erklärt immer noch nicht, was Carbon jetzt genau ist. Deshalb heißt es noch genauer: kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff.

Woraus besteht Carbon?

Halten wir für den Anfang fest, dass bei dem landläufig als Carbon bezeichneten Gemisch eigentlich nur der Faseranteil aus Carbon/Kohlenstoff besteht und der Rest der Materialfläche beziehungsweise Masse durch andere Chemikalien aufgefüllt wird. Es handelt sich also um einen Verbundwerkstoff. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen, werden auch Verbindungen aus CFK und GFK als Carbon gehandelt, wobei GFK für „glasfaserverstärkter Kunststoff“ steht.

Die Kohlenstoffasern/Glasfasern liegen also in ihrem „Bett“ aus einer Kunststoffmatrix. Die Matrix verbindet als Gitterstruktur die Fasern und füllt Zwischenräume aus. Sie wird zumeist aus Epoxidharz gebildet, einem sogenannten Duroplast, das alle möglichen chemischen Elemente enthält, aber keine Kohlenstofffasern. Duroplaste sind vereinfacht gesagt Kunststoffe, die nach dem Aushärten nicht mehr durch Hitze verformbar sind und hohe mechanische Belastungen aushalten.

Carbon, steif aber nicht unbedingt fest

Keine Sorge, wir wollen das hier nicht zu einer Vorlesung in Werkstoffkunde auswalzen – nur eben tief genug durchdringen, um die Eigenschaften von Carbon-Equipment verstehen und mit anderen Materialien wie Aluminium vergleichen zu können. Wichtig zu wissen ist, dass der Materialverbund von der hohen Zugfestigkeit und Steifigkeit der Kohlenstofffasern profitiert. Die Matrix wiederum verhindert, dass sich die Fasern bei Belastung gegeneinander verschieben. Da das Verbundmaterial nur in Faserrichtung wirklich stabil ist, werden die Fasern meist in verschiedenen Richtungen verlegt.

Aufgrund dieser komplexen Verbindungsmuster erreicht Carbon die besondere Steifigkeit, für die es bekannt ist. Steifigkeit ist übrigens nicht mit Festigkeit gleichzusetzen. Sie beschreibt eine hohe Widerstandskraft gegen (elastische) Verformung – das Material schwingt und bewegt sich unter wachsender Belastung nicht, bricht dann aber bei Überlastung unvermittelt auseinander.

Festigkeit bezeichnet hingegen die Bruch-Resistenz gegen mechanische Belastung. Ein Stoff der sehr steif ist, muss also nicht unbedingt fest sein, sondern kann durchaus leicht zu brechen sein. Umgekehrt muss ein sehr fester Stoff nicht unbedingt steif sein, er kann durchaus elastisch nachgeben. Klassische Carbon-Sportgeräte wie Angelruten oder Sportpfeile müssen sehr steif, aber nicht unbedingt sehr fest sein.

Carbon ist nicht gleich Carbon 

Die oben genannten Matrizen bilden Fasermatten (Carbon- oder Glasfaser), die für die Verarbeitung zu einem Carbonrohr in bestimmten Winkeln zueinander verwoben werden. Da es diverse Carbonmischungen und Faseranordnungen gibt, die allesamt verschiedene Zug-, Druck-, Schlag- und Bruchfestigkeiten sowie verschiedene Steifigkeiten und Dämpfungen erzeugen, ist es sehr schwer, sich unabhängig von den Herstellerangaben ein genaues Bild von der Konstruktionsweise und den Eigenschaften des verwendeten Carbons zu machen.

Der komplizierte Aufbau macht Carbon nicht nur „undurchsichtiger“, sondern auch teurer als ähnlich belastbare Metalle. Warum nimmt man dann überhaupt Carbon statt Aluminium, welches vordergründig ja auch alle gewünschten Eigenschaften aufweist? Nun, bei Sportgeräten wie Wanderstöcken, Rennrädern oder Angelruten ist eine enorm hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht gefragt. Und hierin ist hochwertiges Carbon unschlagbar. Moment, hochwertiges Carbon? Gibt es etwa auch Minderwertiges?

Minderwertiges Carbon trifft es wohl nur in seltenen Fällen, doch der Begriff kann in der Regel sehr breit ausgelegt werden. Hochwertiges Carbon hat, anders als häufig angenommen, nicht unbedingt den höchsten Carbonfaseranteil, sondern die beste Mischung in der besten Matrix. Es kann durchaus zu viel des Guten sein, wenn ein Stock mit der Bezeichnung „100% Carbon“ zwar ultraleicht und steif ist, dafür aber aufgrund der höheren Sprödigkeit auch schnell bricht.

Anteile von 80-90% Carbon gelten als idealer Kompromiss, der sowohl gute Steifigkeit als auch Dämpfung und Bruchfestigkeit ermöglicht. 60-70% Carbon bedeutet i.d.R. etwas mehr Gewicht, aber auch nochmals mehr Stabilität und günstigere Preise. Bei weniger als 60% Anteil sehen Fachleute keine Vorteile mehr gegenüber gleich teuren/billigen Aluminiumstöcken.

Allerdings reicht auch die Prozentangabe als Kriterium zur Qualitätsbestimmung allein nicht aus. Die weiteren Faktoren sind nur mit weiterem Informationsbackground und nicht ohne Expertise erkennbar. Aber: man kann sich bei renommierten Herstellern wie Leki oder Komperdell durchaus auf die Verwendung hochwertiger Ausgangsmaterialien bzw. -Kompositionen verlassen. Kauft man nicht gerade ein Billigmodell vom Discounter, kann man bei normaler Bergwander-Beanspruchung in aller Regel mit einer zuverlässigen Performance rechnen. Man muss schon „mit Schmackes“ zwischen Blöcken oder Wurzeln hängen bleiben, um einen Nicht-Discounter-Trekkingstock zum Brechen zu bringen.

Carbon vs. Aluminium

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Aluminium ist eher fest, während Carbon eher steif ist. Das heißt im Klartext:

Aliminium schwingt bei Stoßbelastungen und verbiegt sich mehr oder weniger bei Überbelastung. Carbon reagiert kaum auf mechanische Impulse, bricht jedoch bei Überlastung mit scharfen Abbruchkanten.

Das langsamere Nachgeben von Aluminium ist im Falle eines Sturzes theoretisch weniger gefährlich. Allerdings sprechen wir hier von Situationen, wo das volle Körpergewicht eines durchschnittlich schweren Erwachsenen ruckartig auf den Stock einwirkt. Hier sollte man sich keine unnötigen Befürchtungen heranzüchten, denn sofern die Wander- und Trekkingstöcke nicht gerade aus dem Discounter stammen, sind sie eigentlich nur durch unglückliche Querbelastungen bei unkontrollierten Bewegungen auf losem Untergrund zu brechen.

Etwas Vorsicht ist tatsächlich angeraten, wenn die Stöcke sehr lang ausgefahren sind. Dann kann es besonders bei Aluminium Probleme mit der Stabilität geben. Deshalb und wegen der besseren Stoßabsorption werden vor allem beim Nordic Walking, das bekanntlich auch bei fülligeren Bergfreunden beliebt ist, hochwertige Carbonstöcke empfohlen. Generell gilt für groß gewachsene oder schwerere Personen die Empfehlung stabiler, qualitativ hochwertiger und ruhig auch etwas schwererer Stöcke in besonderem Maße.

Nicht besser oder schlechter, sondern anders

Bei etwa gleicher Bruchfestigkeit und Stabilität haben die Carbonmodelle gegenüber den Aluminium-Artgenossen einen Leichtigkeitsvorteil von etwa 10% des Gewichts. Ein Vorteil, der sich in einem entsprechend höheren Preisniveau recht genau widerspiegelt. Bei Basismodellen für Einsteiger oder für geringere Beanspruchungen fällt der Preisvorteil deutlicher zugunsten von Aluminium aus. Diese Angaben sind allerdings nur Schätzungen, die sich auf meine nicht repräsentative Stichprobe kreuz und quer durch das Bergfreunde-Angebot stützen. Wie viele Prozentpunkte es auch genau sein mögen – das eingesparte Gewicht bringt weitere Vorteile wie eine bequemere Handhabung und langsamere Ermüdung des Benutzers mit sich.

Nimmt man jetzt noch hinzu, dass Alustöcke auf Feuchtigkeit mit Korrosion reagieren können und deshalb nach Regentouren auseinandergenommen und getrocknet werden sollten, könnte man meinen, das Pendel schlage eindeutig zugunsten von Carbon aus. Doch dem ist nicht unbedingt so, man kann nicht sagen, Carbon sei besser als Aluminium. Für Alpinisten beispielsweise, die häufig auf grobem Block- und Schottergelände unterwegs sind, dürften (gute) Aluminiumstöcke die bessere Wahl sein.

Da sich die Vorteile von Carbon und Alu bei Stöcken auch nicht ausschließen, mischen Hersteller wie Leki oder Black Diamond bei einigen Modellen die Materialien, um die Abstimmung zwischen Eigenschaften wie Schwungverhalten, Steifigkeit und Robustheit zu perfektionieren.

Die Balance aus Vor- und Nachteilen des Carbons variiert natürlich je nach Sportgerät. Als stabilisierende Zwischenlage in der Sohle von Ski- und Skitourenstiefeln oder als Außenmaterial bei Rennradschuhen kommen die Vorteile von (dünnem) Carbon viel deutlicher zum Tragen, während Aluminium hier mit seiner Verformbarkeit offensichtlich weniger geeignet ist.

Body Mapping - die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

Body Mapping – die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

12. Dezember 2017
Ausrüstung

Man kennt das. Auf Tour hat man schon gefühlt jede Lagen-Kombination probiert, doch so richtig will das mit dem Zwiebelprinzip nicht funktionieren. Irgendwie gibt es immer eine Stelle an der man entweder schwitzt, oder einem zu kalt ist. Toll ist das nicht und trübt im Zweifel den Genuss am Draußensein. Doch die Outdoor-Industrie wäre nicht die Outdoor-Industrie, wenn sie dieses Problem nicht schon längst erkannt und eine entsprechende Idee dazu entwickelt hätte. In diesem Zusammenhang geistert immer mal der Begriff des „Body Mappings“ über die Artikelseiten und Kataloge. Was sich darunter verbirgt, wollen wir euch in diesem Beitrag näherbringen.

Body Mapping – was ist das?

Zumeist sieht man einer Jacke, einer Hose oder einem anderen beliebigen Kleidungsstück nicht an, welche Technologie darin steckt. Nebulöse Begriffe tummeln sich da in der Produktbeschreibung und beim Nachlesen der Materialzusammensetzung wird einem fast schwindelig. Was soll man damit anfangen ohne gleich den Kundenservice anrufen zu müssen? In dem Falle ist die Antwort relativ einfach: Sie findet sich in diesem Beitrag.

Body Mapping heißt frei übersetzt „Körper-Vermessung“ oder wenn man es etwas plastischer braucht „Körper-Kartografie“. Wie auf einer Landkarte, auf der auch nicht alles gleich aussieht, gleicht so manches Produkt mit Body-Mapping-System einem Puzzle. Es werden dreidimensionale Körperzonendiagramme erstellt, die dabei helfen, die Körperstellen zu identifizieren, die am meisten Hitze produzieren und somit anfälliger für eine übermäßige Schweißproduktion sind.

Hier wird der Stoff dementsprechend anders gewebt, als an Stellen, die gewärmt werden müssen. Ein klassisches Beispiel kennt man von vielen Laufjacken. Hier sind die Bereiche unter den Achseln oftmals deutlich luftiger gestaltet, damit die Hitze schneller abtransportiert werden kann und man weniger schwitzt. Oder aber Hybridjacken wie die Women’s Endeavor Thermoball Jacket von The North Face, die am Oberkörper und Halsbereich mit Thermoball-Kunstfaser gefüttert ist und an den Armen aus einem atmungsaktiveren Fleece-Material besteht.

Ein Kleidungstück, das nach dem Body-Mapping-Prinzip konstruiert wurde, ist quasi ein intelligentes Produkt, das auf die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Körperstellen eingeht.

Wie funktioniert die Konstruktion von Body-Mapping-Textilien?

Das Prinzip Body-Mapping klingt erstmal ziemlich simpel, erfordert aber in der Realität viele Einzelschritte: Zunächst werden mit den erwähnten dreidimensionalen Körperzonendiagrammen verschiedene Muster der Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe identifiziert. Danach wird weiter differenziert: Für welches Geschlecht wird das Kleidungsstück gefertigt, welchen Wetterbedingungen muss es standhalten und für welche Aktivität soll es herhalten.

Mit Hilfe dieser Informationen ermöglicht man dem Sportler eine Bekleidung, die perfekt auf die spezifischen umweltbedingten Anforderungen der jeweiligen Sportart zugeschnitten ist.

Welche Vorteile bringt mir das Body Mapping System?

Menschen können selbst in extremen Temperaturen überleben und auch trainieren, denn der menschliche Körper ist sehr widerstandsfähig und kann sich vielen verschiedenen Klimabedingungen anpassen. Aber wenn körperliche Leistung bei sportlichen Herausforderungen gefragt ist, sollte die Funktionsbekleidung den Körper soweit entlasten, dass man sich voll und ganz auf seine Tätigkeit konzentrieren kann.

Um die Körpertemperatur in den Griff zu bekommen ist das eingangs erwähnte Zwiebelprinzip weit verbreitet. Hinter dem Begriff verbirgt sich schlicht, dass man statt einer dicken Kleidungsschicht, mehrere dünne Schichten tragen soll. Vor allem die unterste Schicht hat beim Zwiebelprinzip den schwersten Job von allen. Sie muss bei Wärme kühlen, bei Kälte wärmen, den Schweiß ableiten und möglichst schnell wieder trocknen, damit man nicht unangenehm friert. Eine wahre Härteprobe! Über das Body-Mapping-System versucht man, dieses Problem noch besser in den Griff zu bekommen und den Tragekomfort und die Funktion eines – in diesem Beispiel – Baselayers zu optimieren.

Vor allem bei sehr aktiven und somit anstrengenden Sportarten, wie zum Beispiel Skitour, Berglauf, Radtour, Langlauf oder Joggen, bei denen der Körper sehr stark ins Schwitzen kommt, bringt Body Mapping erhebliche Vorteile mit sich. Da faktisch weniger Kleidungsstücke nötig sind, um perfekt ausgerüstet zu sein, spart man sich eine Menge Gewicht und Ballast.

Und sollte man mal eine Pause machen oder etwas langsamer weiter laufen als zuvor, kühlen empfindliche Körperstellen wie der Rücken und die Schulterpartie nicht sofort aus. An verschwitzte Stellen, wie der Achsel- oder Brust- und Oberbauchbereich wird der Schweiß dagegen zuverlässig abgeleitet. So muss man sich nicht zuerst dick einpacken nur um während des Laufens eine Schicht nach der anderen wieder auszuziehen und zu überlegen wo man denn jetzt die Klamotten hinsteckt.

Genauso vorteilhaft ist das Body Mapping für den Radsport, wo es immer eine logistische Herausforderung sein wird, das nötige Gepäck beziehungsweise die Kleidung so platzsparend wie möglich unterzubringen. Auf dem Rennrad fördert ein geringes Gewicht und ein geringer Luftwiderstand durch anliegende Kleidung zusätzlich die Geschwindigkeit. So kann sich der Athlet komplett auf seine Performance konzentrieren.

Aber auch im Mehrschichtsystem, wie man es auf Hoch- oder Skitour am Körper hat, spielt die Technik ihre Vorteile optimal aus. Gerade wenn man mehrere Body-Mapping-Teile kombiniert kann beispielsweise der Schweißtransport sehr schnell von statten gehen und hängt sich nicht an einer Schicht auf.

Wo stößt das Prinzip an seine Grenzen?

Die Body Mapping Produkte sind darauf ausgelegt ein angenehm trockenes und bequemes Körpergefühl zu vermitteln. Das Ziel ist, viele Kleidungsschichten auf möglichst wenige einzudampfen. Das führt dazu, dass Hybridprodukte entstehen, die z.B. Soft- und Hardshellkonzepte vereinen. Solche Jacken sind dann ebenfalls relativ strickt mit Sportarten assoziiert, bei denen sie ihre Vorteile bestmöglich ausspielen.

Dementsprechend können sie in anderen Bereichen aber an ihre Grenzen stoßen. Geht man mit besagter Hybridjacke beispielsweise stundenlang durch strömenden Regen, dürfte das deutlich unangenehmer sein, als mit einer reinrassigen Hardshelljacke.

Auf Grundlage dessen sollte man sich beim Kauf eines Body-Mapping-Produkts gut überlegen, wo es zum Einsatz kommt. Hält man sich einigermaßen an den vorgesehenen Einsatzzweck, kann man sich auf ein großartiges Produkt freuen, dass das Draußensein noch angenehmer macht.

Unterschiedliche Schuhleisten – worauf ist zu achten?

Unterschiedliche Schuhleisten – worauf ist zu achten?

28. Dezember 2017
Ausrüstung

Dass es verschiedene Schuhgrößen gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Ebenso wie die Tatsache, dass damit in aller Regel die Schuhlänge gemeint ist, welche wiederum der Fußlänge plus einem gewissen Abstand zur Schuhinnenseite entspricht. Dieser Abstand soll bei Bergschuhen 1 bis 2 cm betragen, da sonst bei längeren Abstiegen die mehr oder weniger geschwollenen Füße früher oder später meist schmerzhaft gegen die Schuhvorderseiten stoßen.

Im Grunde könnte das schon ausreichend Grundwissen für einen erfolgreichen Kauf eines passenden Schuhs sein. Aber nur, wenn man zufällig gerade die Fußform hat, die der Hersteller des Wunsch-Schuhs für den Standard hält. Denn der Fußtyp wird bekanntlich nicht nur durch die Länge bestimmt – und der eigene Fußtyp weicht in der Regel etwas von der Norm ab (was auch daran liegen könnte, dass es diese statistische Größe nur auf dem Papier gibt). Man sollte also noch ein paar mehr Dinge als nur die eigene Schuhgröße kennen, wenn man den passenden Sitz nicht dem Zufall überlassen will.

Fußform = Leistenform = Schuhform

Da der Leisten manchmal unter den Produktmerkmalen eines Schuhs angegeben wird, könnte man meinen er sei ein Bestandteil. Doch er befindet sich keineswegs im Schuh, sondern nur in den Werkstätten der Hersteller und der immer selteneren Schustereien, wo er als Blaupause und Formgeber für Schuhschaft und -Sohle dient. Das er nur eine vergröberte Kopie des Fußes ist, ohne die Zehen, Ecken, Kerben und anderen Feinheiten, reicht völlig aus, denn die mehr oder weniger weiche Schuhinnenseite muss den Fuß nicht komplett millimetergenau abbilden.

Dieser fußförmige Klotz besteht im oft handgeschnitzten Original meist aus Holz und bei den Kopien für die Massenproduktion meist aus Kunststoff. Die meisten Hersteller verwenden einen Standardleisten als Vorlage für ihre Schuhserien und versuchen abweichende Fußformen vor allem mit ergänzenden Schuheinlagen zu bedienen. Manchmal wird der Standardleisten noch in einer breiteren und einer schmaleren Version gefertigt, doch allein das macht die Produktion schon deutlich aufwändiger und teurer. Nur Wenige nehmen die Mühe in Kauf, mehrere Leisten für spezielle Fußformen vorzuhalten. Da der Leisten im Grunde gar nichts anderes ist als die Fußform ist, sollte man auch den Fuß etwas genauer kennen lernen. Auch weil die Leistenformen sowieso meist nach den Fußformen oder Details der Fußanatomie benannt sind.

Fußtypen und Anatomie

Es gibt zwei Kriterien, nach denen Fußtypen meist eingeordnet werden: der Zehenform und der Gesamtfußform. Aus der Zehenform hat man drei Typen abgeleitet, aus der Fußform vier.

Nach Zehenform unterscheidet man Ägyptische Füße, Römische und Griechische Füße:

  • Beim Ägyptischen Fuß ist der Große Zeh auch der Längste, während die Zehen 2 bis 5 von oben betrachtet mehr oder weniger steil und mehr oder weniger geschwungen nach hinten zur Seite ziehen.

  • Beim Römischen Fuß hat der zweite und bisweilen auch der dritte/mittlere Zeh die gleiche Länge wie der Große, während der Rest in bekannter Weise nach hinten zur Seite zieht.

  • Beim Griechischen Fuß ist der zweite Zeh länger als der Große und der Mittlere gleich lang oder kürzer als der Große.

Diese Unterteilung ist schon mal präziser als nur die Länge, sagt aber über den nicht ganz unwichtigen Rest des Fußes (also die Fußform) noch nicht viel aus. Die Typisierung hat hierfür vier Haupttypen ausgemacht, Romanisch, Angelsächsisch, Germanisch und Baltisch:

  • Der angelsächsische Fuß ist relativ gerade, schmal und länglich, mit einem langen dominanten großen Zeh.

  • Der germanische Fuß ist sichelförmig und in der Ferse schmaler als im Vorfuß.

  • Der romanische Typus ist deutlich gerader, als der Germanische und insgesamt breit und voluminös.

  • Der baltische Fußtyp ist die breite Variante des Angelsächsischen, wobei der große Zeh noch dominanter ist und die Ferse in der Breite dem Vorfuß gleich kommt.

Ob diese Typenlehre mit ihren europäischen Bezeichnungen für die ganze Welt zutrifft? Zumindest in Europa wird man damit die gängigen Formen gut abgedeckt haben.

Ab wann ist ein Fuß breit oder schmal?

Breit oder schmal sind die zwei simpelsten Grundausprägungen des Fußes. Doch welche Proportion zur Länge ist schmal oder breit? Das wird keineswegs immer angegeben und muss oftmals per Augenmaß eingeschätzt werden. Einen Umrechnungsfaktor kann man sich nur ungefähr aus Länge-Breite-Tabellen wie der Bont Tabelle ableiten. Hier ein Beispiel für Schuhgröße 45:

Länge: 28,5 cm. Die Breite eines „Normalfuß“ in Größe 45 wäre dann zwischen 10,6 und 11 cm. Die eines „Schmalfußes“ kleiner als 10,6 cm und die eines „Breitfußes“ größer als 11 cm. Man könnte jetzt einen Umrechnungsfaktor daraus ableiten, doch das macht wenig Sinn: er ändert sich nämlich von Schuhgröße zu Schuhgröße. Da ist der Blick in die Tabelle letztlich einfacher.

Würde man das Kriterium der Breite samt seiner Ausprägungen schmal, normal und weit mit den vier Zehentypen kombinieren, hätte man schon zwölf mögliche Fußtypen. Kombiniert man sie dann noch mit den vier Formtypen, käme man auf 48 mögliche Fußtypen, die den passenden Leisten und Schuh suchen. Da es außerdem noch viele weitere, vielfältig geformte „Fußabschnitte“ wie: Zehen, Ballen, Ferse, Innen- und Außenrist, Spann, Quergewölbe, Längsgewölbe gibt, die alle in verschiedenen Proportionen zueinander aufgebaut sein können, kommen unendliche weitere Kombinations- und Differenzierungsmöglichkeiten hinzu.

Hier ahnt man langsam, wie komplex die Erfassung des Fußes und seine „Übersetzung“ in passende Schuhe wirklich ist. Bei der Anatomie wird es ohnehin unübersichtlich, da der Fuß wirklich eine Menge „Bauteile“ hat. Die wohl einfachste anatomische Gliederung ist die Dreiteilung in drei etwa gleich lange Segmente von vorn nach hinten: Vorderfuß, Mittelfuß, Rückfuß. Zwar nicht sehr präzise, aber sehr praktikabel, da man hier immer unmissverständlich weiß, wo man sich ungefähr befindet.

Für mehr Volumen: der Spann

Mit der Länge und der Breite sind zwei Dimensionen abgedeckt, doch der Fuß hat bekanntlich drei. Es fehlt also noch die Höhe, die hauptsächlich durch den Spann „erzeugt“ wird. Der Spann beginnt bei den Zehen und erstreckt sich bis zum Knöchelgelenk und unteren Schienbein. Er kann flach oder steil verlaufen, was die Fußform erheblich beeinflusst.

Für einen „steilen“ Spann passt natürlich nur ein Schuh mit einem genügend geräumigen Schaft. Die Schafthöhe und -Weite kann aber normalerweise dank Schuhzunge und Schnürzug genügend angepasst werden, um die meisten Spann-Formen abzudecken. Ergänzend werden oft auch Einlegesohlen als Möglichkeit der Volumenverkleinerung genannt. Das sollte meiner Meinung nach nur die letzte Möglichkeit sein, falls sich wirklich partout kein passender Schuh finden lässt.

Spezialfälle

Hallux Valgus: klingt wie etwas, das aus dem Magen hochsteigt, ist aber eine Fehlstellung des großen Zehs, meist ein Knick in Richtung des Nachbarzehs mitsamt einer bei Schuhkontakt früher oder später schmerzenden Ausbeulung des Zehengrundgelenks. Meist entsteht Hallux Valgus durch häufiges Tragen von unpassendem Schuhwerk in Verbindung mit einer unnatürlich veränderten Art des Fußgebrauchs beim Gehen. Einige Hersteller bieten spezielle Leisten für diesen Spezialfall an, dazu gleich mehr.

Senkfuß und Plattfuß: Auch dieser Fall ist so häufig, dass einige Hersteller spezielle Leisten dafür verwenden. Hier lässt die geschwächte Muskulatur im Längsgewölbe die Knochen in Richtung Boden absinken, anstatt sie in der vorgesehenen Position zu halten. Wenn der Fußabdruck noch halbwegs sichelförmig ist, spricht man vom Senkfuß, wenn er komplett aufliegt, vom Plattfuß. Der Plattfuß kann sich durch die verstärkte Belastung der Fußinnenseite zu einem Knickfuß „weiterentwickeln“. Ab diesem Stadium hat man größere Probleme als die Wahl des optimalen Wanderschuhs.

Zu guter Letzt gehört noch der Spreizfuß in die Liste der beliebtesten Fußspezialitäten. Beim Spreizfuß ist die Muskulatur im Quergewölbe geschwächt, jenem leicht nach oben gewölbten Bogen, den der Fuß knapp hinter und parallel zu den Zehen beschreibt. Die Zehen werden durch das Absinken des Quergewölbes konzentrisch nach außen gedrückt und auseinandergespreizt.

Die genannten Fehlstellungen treten natürlich auch gern kombiniert auf und wirken tendenziell gegenseitig verstärkend aufeinander. Doch Diagnosen und Symptomverläufe sollen hier nicht das Thema sein, es geht hier mehr um Überblick und Einordnung als um Details und Spezialfälle.

So vielfältig wie der Fuß: verschiedene Hersteller und ihre Leisten

Es braucht also eine gewisse Palette an verschiedenen Standardleisten, damit die Vielfalt der Fußformen von Seiten der Hersteller einigermaßen abgedeckt ist. Die meisten Hersteller verwenden zwischen zwei und sechs verschiedene Leisten, die sie auf verschiedene Modelle und Serien verteilen. Nur selten gibt es verschiedene Ausführungen wie besonders weit und besonders schmal für ein und dasselbe Schuhmodell. Dennoch ist das Spektrum an Größen und Formen bei den meisten Produzenten groß, sodass es auch eine entsprechend große Zahl an verschiedenen Leisten als Vorlage braucht. Schauen wir uns einige Beispiele an.

Bei Lowa lässt sich die Modellsuche (hier in der Beispielsuche nach Backpackingschuhen) nicht nur nach Standardkriterien wie Schuhgröße, Geschlecht oder Schuhtypen filtern, sondern auch nach breiten und schmalen Leisten.

Darüber hinaus werden unter dem Menüpunkt „Passform und Qualität“ auch die verschiedenen Leisten erklärt. Für jeden Schuhtyp hat Lowa spezielle Leisten nach den jeweils besonderen Anforderungen und Erfahrungswerten modelliert. Für die Damenmodelle verwendet Lowa spezielle Leistenformen. Die Unterscheidung der Leistenformen richtet sich quasi selbsterklärend nach der Fußform:

  • Standard Leisten: normale Leistenform
  • S-Leisten (schmal): weniger Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • W-Leisten (weit): mehr Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • WXL-Leisten: erweiterter Zehenbereich kombiniert mit mehr Volumen im Ballen

Bei Hanwag weichen nicht nur die Formen und Bezeichnungen leicht ab, sondern es gibt auch so viele verschiedene Leisten wie bei kaum einem anderen Hersteller. Neben den geschlechterspezifische Leisten wären da die Leisten nach Einsatzbereichen (z.B. etwas weiter für die Linien Trek und Trek Light, enger für die Rock-Serie). Zusätzlich gibt es sechs Spezialleisten für Leute, die keinen „Standardfuß“ haben:

  • Wide-Leisten: Der Fersenbereich ist normal konstruiert, allerdings bietet der Schuh im Vorfuß- und im Ballenbereich mehr Platz. Wide-Modelle sind für Menschen, denen ein „normales“ Modell vorne zu eng ist.
  • Narrow-Leisten: Narrow ist das englische Wort für Schmal. Dieser Leisten passt all jenen, denen ein normal geschnittener Schuh zu weit ist. Der Hanwag Tatra ist bspw. in einer entsprechenden Variante erhältlich.
  • Bunion-Leisten: Hallux Vagus, also der Schiefstand der Großzehe in Verbindung mit einer Versteifung des Großzehengrundgelenks, ist vor allem für Frauen, aber auch viele Boulderer und Sportkletterer ein bekanntes Problem. Hanwag verwendet deshalb den bisher einmaligen Bunion-Leisten. Er bietet im Bereich des Großzehengrundgelenks deutlich mehr Platz.
  • Straightfit-Leisten: Dieser Leisten brilliert vor allem durch eine geräumige Zehenbox und ist gedacht für Menschen mit breitem Vorfuß.
  • Alpin-Wide-Leisten: Der normale Alpine-Leisten ist eher schmaler konstruiert, damit er eine bessere Performance lifern kann. Wer hier gerne dennoch etwas mehr Platz braucht, greift zur Alpin-Wide-Leiste. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit dickeren Socken zu arbeiten.
  • Naturalfit Leisten: Durch die NaturalFit Technologie wird die natürliche Haltung des Fußes unterstützt und das Barfußgehen immitiert. Großartig auf Reisen und im Alltag.

Der italienische Produzent Aku verwendet für seine Outdoor-Schuhe ebenfalls sechs verschiedene Leisten, die mit anderen Begriffen bezeichnet ein sehr ähnliches Formenspektrum abdecken wie  Hanwag. Unter der Überschrift „Formenstudium sind sie jeweils kurz beschrieben.

Bei anderen Herstellern wie Meindl gibt es zwar keine Beschreibungen der Leisten, doch dafür lässt sich die Modellsuche nach Fußform und diversen anderen Filtern vornehmen.

Die Firma Dachstein hat die Schuhweite ebenfalls im Filter der Modellsuche eingebaut. Allerdings erfasst die Spezifizierung hier wie da mit der Breite nur eine der vielen möglichen Formen und Eigenschaften eines Fußes/Leistens/Schuhs.

Fazit

Ein wirklich präziser Filter, der mehrere Formenmerkmale umfasst und kombiniert, wäre noch viel aufwändiger, da man so jedes Schuhmodell einzeln möglichst detailliert erfassen müsste. Das ist für einen einzelnen Hersteller durchaus noch zu leisten, wird für einen Reseller mit X-Marken im Angebot aber zu einer Herkulesaufgabe. Zumal das zuverlässige Erkennen der Formen und spezifischen Merkmale nicht mal eben im Vorbeigehen zu machen ist, sondern einen genauen Blick mit geschultem Auge braucht. Ganz abgesehen davon, dass die Serien und Modelle ständig wechseln.

Man muss sich also bis auf weiteres die (überschaubare) Mühe machen, die eigenen Fuß-Maße und -Formen herauszufinden (Habe ich einen baltischen Fuß? Ist mein Fuß relativ schmal oder breit? …) und die Werte einzuordnen. Letzteres kann man anhand von Schuhgrößentabellen, die es im Netz an jeder Ecke gibt. Allerdings gibt es nur wenige, die über die Fußlängen hinausgehen – so wie die oben erwähnte Bont-Tabelle, die auch die Fußbreite einbezieht.

Es gibt also viele gute Ansätze, doch bislang noch kein Gesamtpaket, um Füße, Leisten und Schuhe wirklich genau passend zusammenzuführen. Wer den wirklich passenden Leisten sucht, muss in der Regel bei den einzelnen Herstellern auf die Suche nach Informationen gehen. Ich hoffe dass dieser Artikel dazu beiträgt, das Ganze künftig stressarm und effizient abzuwickeln.

Wie pflege ich meinen Rucksack?

Wie wasche und pflege ich meinen Rucksack?

28. Dezember 2017
Pflegetipps

Den Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Tourenrucksack mal einer gründlichen Reinigung zu unterziehen, dafür gibt es zahlreiche Gründe: Angefangen von müffelnden Schulterträgern, die nach der zehnten sommerlichen Wandertour in den Bergen schon etliche Male mit Schweiß und Sonnencreme vollgesogen und wieder getrocknet sind, über verdreckte Trekking- und Reiserucksäcke an denen so viel Staub hängt, dass man die ursprüngliche Farbe nur noch erahnen kann, bis hin zur ausgelaufenen Trinkflasche und undichter Müsli-Box.

Je nach Verunreinigung kommen bei der Rucksackpflege unterschiedlich aufwändige Maßnahmen zum Einsatz. Empfehlenswert ist vor allem eine regelmäßige Grundpflege, denn dadurch wird das aufwändige Waschen und Trocknen des Rucksacks eher zur Ausnahme.

Richtiges Waschen des Rucksacks

Darf der Rucksack in der Waschmaschine gewaschen werden?

Um eine immer wieder auftauchende Frage in Bezug auf verschmutzte Rucksäcke vorab zu beantworten: Nein! Auf keinen Fall! Ein Wanderrucksack oder Trekkingrucksack gehört niemals in die Waschmaschine! Auch nicht bei 30°C Wäsche, auch nicht mit Kaltwäsche und auch nicht mit Feinwaschmittel. Zwar scheint es immer wieder „Spezialisten“ zu geben, die in Outdoorforen solche Tipps verbreiten, aber davon ist dringend abzuraten. Im besten Fall gehen nur die Beschichtung oder Teile des Rucksacks dabei kaputt. Im schlimmsten Fall gibt die Waschmaschine gleich mit den Geist auf. Dasselbe gilt übrigens auch fürs Trocknen: Rucksäcke im Trockner sind ebenfalls tabu.

Komplette Handwäsche von Rucksäcken

Bei starker Verunreinigung durch Matsch beim Radfahren, oder nach einer langen Trekkingtour lässt sich die Komplettwäsche kaum vermeiden. Nachdem der Rucksack getrocknet ist, wird zunächst mit einer großen Bürste der grobe Schmutz entfernt. Angetrocknete Erde lässt sich so zu einem Großteil gut entfernen. Wenn das nicht ausreicht, kann die Bürste auch etwas angefeuchtet werden, um den Schmutz zu lösen. Der normal verschmutzte Innenraum wird zunächst einfach mit der Öffnung nach unten ausgeklopft und ausgeschüttelt oder mit einem Staubsauger ausgesaugt. Hartnäckigeren Schmutz danach einfach mit einem feuchten Schwammtuch auswischen.

Falls das Abbürsten nicht den gewünschten Grad an Sauberkeit bringt, oder der Rucksack zu lange Zeit gar nicht gereinigt wurde, lässt sich der Einsatz von speziellen Textilwaschmitteln nicht vermeiden. Haushaltsübliche Waschmittel sind in der Regel zu aggressiv für die Reinigung der Rucksäcke und können das Material angreifen. Das spezielle Textilwaschmittel lässt sich auf zwei verschiedene Arten anwenden: Entweder zur Reinigung einzelner Partien – dazu das Waschmittel mit lauwarmem Wasser nach Dosierungsanleitung mischen und per Schwamm oder Bürste die betroffenen Partien reinigen, oder in einer Wasch- oder Badewanne den Rucksack komplett einweichen und per Handwäsche mit Bürste die stark verschmutzen Stelle säubern. Falls der Rucksack über ein herausnehmbares Tragegestell verfügt, sollte dieses vor der Wäsche entfernt werden.

Bei ausgelaufenen Trinkflaschen gilt es möglichst zügig zu reagieren und die Flüssigkeit so gut es geht mit einem Schwamm oder Tuch aufzunehmen und zu reinigen. Je nach Flüssigkeit können unschöne Flecken auf dem Rucksack zurückbleiben. Deswegen sollte man den Rucksack danach so schnell wie möglich, wie oben beschrieben, mit Textilwaschmittel einweichen und putzen. Wenn der Inhalt der Thermosflasche mit Tee oder Kaffee erst richtig eingetrocknet ist, kann die Reinigung sehr schwierig werden. Gleiches gilt auch für Säfte und andere „klebrige“ Erfrischungsgetränke.

Komplettwäsche oder teilweise reinigen?

Viele Wanderer waschen ihre Rucksäcke nie, andere ein Mal im Jahr und wieder andere reinigen je nach Bedarf. Je nach Einsatzbereich und Intensität der Nutzung kann es bei Wanderern zum Beispiel öfters zu verunreinigten Schulterträgern, Hüftflossen und Rückenpartien kommen. Die durch Schweiß und Sonnencreme verschmutzen Partien sind oft fleckig und fangen an unangenehm zu riechen. Dabei hilft es beispielsweise schon in regelmäßigen Abständen die Träger und den Rücken mit dem milden Waschmittel zu reinigen und gut auszuspülen.

Trekkingrucksäcke oder Fahrradrucksäcke werden zusätzlich durch Staub und aufgewirbelten Dreck verunreinigt. Da hilft regelmäßiges Bürsten von außen am Besten. Mindestens einmal im Jahr ist ein Vollbad und eine intensive Reinigung doch sehr empfehlenswert. Bei saisonaler Nutzung ist auch die richtige Lagerung wichtig: Der Rucksack sollte vollkommen trocken sein und an einem trockenen und gut belüfteten Ort gelagert werden. Bei Lagerung in modrigen Kellerräumen oder halbfeuchten Rucksäcken drohen ansonsten Stockflecken, Schimmelbefall und Modergeruch.

Im schlimmsten Fall – der ausgelaufenen Suppe und den meisten anderen Flüssigkeiten – gilt es zunächst an Ort und Stelle das gröbste aufzuwischen und den Rucksack provisorisch mit Hilfe von Taschentüchern oder einem zusätzlichen T-Shirt zu trocknen. Bei einer Tagestour sollte der Rucksack noch am selben Abend eingeweicht und gereinigt werden. Bei mehrtägigen Touren lässt sich mit einer milden Seife und Wasser improvisieren. Die gründliche Wäsche erfolgt dann nach der Tour.

Trocknen von Rucksäcken nach der Handwäsche

Nach dem Einweichen und Abbürsten muss der Rucksack zunächst gründlich ausgespült werden. Am besten geht das in der Badewanne oder Dusche mit der Handbrause und lauwarmem Wasser. Jegliche Schmutz- und Seifenreste müssen auf jeden Fall sehr gründlich ausgespült werden und vor allem die Schaumstoffteile sollte man mehrfach ausdrücken, damit keine Waschmittelreste im Schaumstoff zurückbleiben.

Danach wird der Rucksack kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Am besten bleiben dafür alle Taschen und Reißverschlüsse geöffnet, damit das Wasser überall abfließen und abtropfen kann. Damit der Rucksack optimal trocknen kann, sollte er nach Möglichkeit an der frischen Luft im Schatten aufgehängt werden. So riecht er danach besonders frisch und wird beim Trocknen nicht durch die UV-Strahlung beschädigt. Am besten trocknet der Rucksack an warmer und windiger Luft („Föhn-Effekt“).

Je nach Rucksack und Außentemperatur kann der Trockenvorgang einige Zeit dauern. Falls kleine Taschen oder andere schwer erreichbare Stellen so gar nicht trocknen wollen, kann man sich mit mit saugfähigen Tüchern oder Zeitungpapier behelfen. Die entsprechenden Stellen werden für ein paar Stunden ausgestopft und saugen dabei einen Großteil der Flüssigkeit auf. Einen Föhn zur Trocknung in Erwägung zu ziehen, ist ebenso wenig ratsam, wie den Rucksack auf die aufgedrehte Heizung zu legen. Beides kann das Material beschädigen und im schlimmsten Fall den Rucksack unbrauchbar machen.

Die Pflege nach der Wäsche

Je nachdem wie intensiv die Rucksackreinigung ausgefallen ist, hilft es die Reißverschlüsse mit Silikonspray zu schmieren und gängiger zu machen. Außerdem sollte der Rucksack von Zeit zu Zeit von außen imprägniert werden, damit Wassertropfen beziehungsweise Schmutzpartikel an der Oberfläche abperlen und man nicht immer gleich das Raincover überziehen muss. So saugt sich das Material auch nicht mit Wasser voll und der Rucksack wird nicht schwerer.

Außerdem hält der Rucksack länger und der Schmutz bleibt nicht am Rucksack hängen – was wiederum dazu führt, dass der Rucksack seltener gewaschen werden muss. Nachdem ja schon ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Waschmaschinen und Trockner tabu sind für die Reinigung von Rucksäcken, noch ein weiterer wichtiger Hinweis: bitte den Rucksack auch auf keinen Fall nach der Wäsche bügeln (ja, auch das soll es geben)! Das verträgt das Material überhaupt nicht.

Bei der Kontrolle der Reißverschlüsse und der Auffrischung der Imprägnierung sollte man den Rucksack außerdem auf kleine Beschädigungen an den Nähten und am Material untersuchen. Je früher man eine kleine Beschädigung an einer Naht erkennt, desto schneller und einfacher lässt sie sich beheben. Auf großer Tour ist es dann meist etwas schwieriger.

Pflege von Reißverschlüssen, Klettbändern und Co.

Alle Verschlüsse, Zurrgurte und Einstellmöglichkeiten sind bei einem Rucksack einer ständigen mechanischen Belastung ausgesetzt. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass man diesen Teilen zu gegebener Zeit eine kleine Frischzellenkur zukommen lässt.

Durch Verunreinigungen von außen sowie Materialabrieb kann es mit der Zeit dazu kommen, dass Reißverschlüsse nur noch schlecht laufen oder an manchen Stellen sogar klemmen. Diesem Problem kommt man jedoch vergleichsweise einfach mit handelsüblichem Silikonspray bei. Dieses kann einfach auf den Reißverschluss bzw. dessen Schlitten aufgetragen werden. Durch mehrfaches Öffnen und Schließen des Rucksacks verteilt es sich dann gleichmäßig und sorgt dafür, dass der Reißverschluss wieder leichtgängiger wird. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht zu viel aufgetragen wird. Auch empfiehlt es sich, nach einer kurzen Einwirkzeit den Reißverschluss mit einem sauberen Tuch abzuputzen und somit überschüssiges Material zu entfernen.

Auch in Klettverschlüssen sammeln sich mit der Zeit so allerhand Staub und Flusen an. Je schlimmer die Verschmutzung ist, desto schlechter hält letztlich der Verschluss. Doch auch hier kann einfach, schnell und effektiv Abhilfe geschaffen werden. Mit einer kleinen Bürste (Zahnbürsten haben sich sehr bewährt) können alle Partikel wieder aus dem Klett gekämmt werden.

Zurrgurte und Einstellvorrichtungen werden ebenfalls mit der Zeit schwergängig und können nach regem Gebrauch regelrecht festsitzen. Abhilfe liefert hier ein längeres Bad in lauwarmem Wasser. So können tief sitzende Verunreinigungen gelöst und die Bänder wieder geschmeidig gemacht werden.

Imprägnierung erneuern

Rucksäcke sind selten richtig wasserdicht, aus diesem Grund ist es ratsam bei schlechtem Wetter den Inhalt zusätzlich mit einer Regenhülle zu schützen. Trotz allem sind viele Rucksäcke zumindest leicht imprägniert, um ihn für Spritzwasser und Staub undurchlässig zu machen. Doch auch dieser Schutz nimmt durch äußere Einflüsse nach und nach ab. Mit einer handelsüblichen Sprühimprägnierung kann die Schutzschicht einfach wieder hergestellt werden. Jedoch sollte sie nur auf Bereiche aufgetragen werden, die außerhalb des Tragesystems liegen, da es sonst bei Personen mit empfindlicher Haut zu Irritationen kommen kann.

Lagerung des Rucksacks

Der erste Schritt zur Langlebigkeit ist die richtige Lagerung und Aufbewahrung des Rucksacks. Niemals sollte man den Rucksack unnötig quetschen oder knicken. Idealerweise lagert der Rucksack gänzlich entleert in einem dunklen und gut belüfteten Raum. Starke Temperaturschwankungen wie sie im Auto oder auf einem unisolierten Dachboden vorkommen, können dem Material schaden und eine vorzeitige Alterung hervorrufen. Wird ein Rucksack mit anderen Ausrüstungsgegenständen unvorsichtig in ein Regal oder Schrank gestapelt, kann es durch zu hohe Querbelastung zu einer unerwünschten Verformung des Tragesystems kommen.

Kompression beim Sport

Kompression beim Sport – Wirkt das wirklich?

15. Januar 2018
Ausrüstung

Wahrscheinlich kommt dir das irgendwie bekannt vor: du fühlst dich topfit und startest zu deiner Trainingsrunde. Zuerst bist du noch ziemlich sportlich unterwegs, aber irgendwann ist dann „Ende Gelände“ – nichts geht mehr! Wenn man einigen Herstellern glauben darf, gibt es dagegen ein effektives Mittel: das Tragen von Kompressionskleidung. Mir stellt sich da unweigerlich die Frage, ob die Versprechungen der Hersteller wirklich stimmen. Grund genug also das Thema einmal genauer anzuschauen.

Was genau versteht man unter Kompressionsbekleidung?

Den Trend zur Kompressionskleidung im Sport gibt es schon seit einigen Jahren. Man sieht die Sachen nicht nur an Trailrunnern, Kletterern und Wintersportlern, die in den Bergen unterwegs sind. Auch auf dem flachen Land und in den Städten tummeln sich Läufer, Radsportler, Triathleten und Teamsportler, die auf Kompression schwören. Und auch in zahlreichen Fitnessstudios kommen Shirts und Shorts mit Kompression ebenfalls zum Einsatz.

Kompressionskleidung ist in der Regel aus einem atmungsaktiven Funktionsmaterial hergestellt, das eine 360°-Rundumfestigkeit bietet, die für eine gleichmäßige Kompression der Muskulatur sorgt. Die Festigkeit des Gewebes wird durch eine Art Rundumstrickverfahren erreicht, jeweils mit verschieden starken Fasern für die verschiedenen Körperpartien. Teilweise werden bei der Kompressionskleidung auch Fasern verwendet, die antibakteriell wirken und/oder einen UV-Schutz bieten.

Kompressionskleidung kennt man vor allem aus dem medizinischen Bereich und irgendwie haben die Teile so ein leicht angestaubtes Image. War das nicht immer der Kram, den Oma angezogen hat? Tatsächlich werden Kompressionsstrümpfe eingesetzt, um die Venen zu entlasten oder um eine Thrombose, also das Entstehen von Blutgerinseln, zu verhindern oder zu lindern. Medizinische Kompressionsprodukte werden in verschiedene Kompressionsklassen eingestuft. Die Skala reicht von I – IV, wobei die Stärke der Kompression mit der Höhe der Zahl zunimmt. Bei den Varianten für Sportler findet man eine solche Skala meist nicht, weshalb ein Vergleich schwer fällt. Eine grobe Auskunft gibt es zumindest bei X-Bionic, die ihre Produkte in Low, Medium und High unterteilen.

Welche Funktion hat Kompression beim Sport?

Kurz gesagt soll Kompression hier die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff verbessern und die Durchblutung fördern. Ein wichtiges Thema, nicht nur für Berg- und Ausdauersportler. Die Kompression ist durch die verschieden starken Fasern in der Regel abgestuft, d.h. die unterschiedlichen Kompressionsstärken unterstützen den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen hin. Durch diesen Effekt soll z.B. Laktat rascher abtransportiert werden.

Laktat ist ein Stoffwechselprodukt, das jederzeit im Körper anfällt. Betätigen wir uns sportlich oder belasten wir unseren Körper auf eine andere Weise, fällt durch die höhere Muskelarbeit mehr Laktat an. Das kann bei längerer Akkumulation bewirken, dass es zum Leistungsabbruch kommt – der Muskel kann schlicht seine Arbeit nicht mehr verrichten, weil er voller Laktat ist.

Aus diesem Grund ist es Sportlern wichtig, dass ihr Laktatwert beim Ausdauersport in einem gewissen Rahmen bleibt und dass das gebildete Stoffwechselprodukt in ihrem Körper so schnell wie möglich wieder abgebaut wird. Darauf zielt Ausdauertraining und v.a. das Intervalltraining ab. Und es gibt Sportler, die in der Kompressionskleidung eine Unterstützung in diesem Punkt sehen – in Bezug auf ihr Training als auch auf ihren Wettkampf.

Unabhängig davon soll Kompressionskleidung auch Muskelvibrationen während des Sports verringern, die Bewegungen also stabiler machen, und sogar die Regeneration nach dem Sport unterstützen – und nicht zuletzt dem guten alten Muskelkater schneller den Garaus machen. Wir haben es also scheinbar mit einer echten Wunderwaffe zutun. Aber was ist wirklich dran?

Wirkt Kompressionskleidung beim Sport tatsächlich?

Bei der Frage, ob Kompressionskleidung tatsächlich eine Wirkung hat, und ob sich der Effekt eindeutig positiv auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Studie, die 2016 in der Sports Medicine (1.) veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Läufer, die Socken, Stulpen, Shorts und Tights mit Kompression trugen,  bei sportlichen Leistungen nicht schneller waren als Läufer ohne Kompression. Untersucht wurden Läufer, die auf den Distanzen 5km, 10km, 15km und Halbmarathon gestartet sind. Auch Sprinter auf der 400-Meter-Distanz konnten ihr Tempo durch Kompressionskleidung laut der Studie nicht steigern.

Allerdings gab es Forscher, die auch positive Wirkungen herausgefunden haben – ebenfalls im Bereich Running. So fanden sie bei Läufern (2.) weniger Muskelverletzungen und niedrigere Entzündungswerte, wenn diese Kompressionsstrümpfe oder -hosen getragen hatten. Bei weiteren Meta-Analysen wurde festgestellt, dass sich Sportler tendenziell rascher erholten (3.) und insgesamt ein etwas längeres Durchhaltevermögen bei ihren sportlichen Leistungen hatten (4.).

Die Frage ist nun, wie auch bei vielen anderen Sport- und Outdoor-Themen, wer denn nun eigentlich Recht hat. Die Befürworter oder die Skeptiker? Tatsache ist jedenfalls, dass es eine nicht geringe Zahl an Sportlern gibt, sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich, die auf ihre Kompressionskleidung schwört und nicht darauf verzichten möchte.

Aus diesem Grund: warum z.B. Kompressionsstrümpfe oder Kompressionssocken nicht einfach mal ausprobieren und selbst testen? Denn wie heißt es so schön: probieren geht über studieren!

Kompression: welche Kleidung und welche Hersteller gibt es?

Bekannt sich vor allem die Kompressionsstrümpfe und Kompressionssocken, entweder in der knielangen oder in der kurzen Variante. Auch sogenannte Sleeves, also Armlinge und Beinlinge (Arm-/Beinstulpen) in kurz oder lang werden angeboten. Und gerade die Arm-Sleeves kann man z.B. in einem Wettkampf auch mal schnell ausziehen. Zudem gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Funktionswäsche, sowohl Shirts als auch Hosen, in unterschiedlichen Arm- und Beinlängen auf dem Markt. Eingesetzt wird Kompressionskleidung vor allem im Ausdauersport, bspw. beim Running, Radsport, Triathlon, Wintersport, Klettern, Bergsport sowie auch im Fitnessbereich. Zu den Herstellern gehören bspw. adidas, Alé, CEP, Craft, Falke, Ortovox und X-Socks .

Quellen:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27106555
  2. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kompressionskleidung-macht-nicht-schneller-a-1150304.html
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26522739
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28434152
Kaufberatung Hängematte5

Einfach lässig: Kaufberatung Hängematte

19. Dezember 2017
Kaufberatung

Leben wie Gott in Frankreich! Leider weiß man bis heute nicht, wer diese berühmte Redewendung geprägt hat. Allerdings muss derjenige dabei gerade genüsslich in einer Hängematte rumgelegen sein. Und auch ihr werdet erfreut sein, wie angenehm dieses unverschämte Genießen sein kann. Vielleicht bleibt ihr ja gleich dauerhaft, nun ja, hängen, denn an die Matte kann man sich schon echt gewöhnen. Allein schon diese Entspannung durch das leichte Schaukeln und das Wohlgefühl durch diese massageartigen Berührungen. Herrlich. Doch so richtig entspannt und subversiv wird das Ganze erst, wenn ihr ein wenig über die verschiedenen Hängemattentypen, Materialien und Alternativen Bescheid wisst.

Hängematte statt Zelt u. Co.?

Fassen wir zuerst kurz zusammen, was wir unter dem Thema Alternativen zum Zelten bereits zu den praktischen bzw. unpraktischen Seiten der Hängematte geschrieben haben:

Praktisch:

  • sehr leicht und kompakt, vor allem wenn die Isomatte weggelassen werden kann

  • sehr leicht aufzuhängen, wenn Bäume vorhanden sind
  • vergleichsweise angenehm bei schlammigem, steinigem oder feuchtem Untergrund
  • mit der richtigen „Liegetechnik“ angenehmer Schlaf an der frischen Luft, ohne Beengtheit oder Zeltplanengeflattere

Unpraktisch:

  • erfordert Bäume, Pfähle oder eine ähnlich stabile Hängevorrichtung im richtigen Abstand
  • Schutz vor Insekten nur bei Spezialmodellen mit integriertem Moskitonetz
  • wenig Schutz vor dem Wetter (ein Tarp über der Hängematte schützt vor Regen, aber nicht vor Wind)

Outdoor- und Reisetauglichkeit der Hängematte

Das Problem der Kälte bzw. mangelnden Isolation wird oft angeführt, lässt sich jedoch durchaus elegant entschärfen. So kann eine möglichst passende, mumien- oder trapezförmige Isomatte (die man oft sowieso dabei hat) recht passabel vor Kälte von unten schützen. Eine weitere Möglichkeit ist ein sogenanntes Underquilt, das außen herum befestigt wird. Es kann zwar guten rundum-Kälteschutz bieten, egalisiert dann aber mit seinem Gewicht und Packmaß wiederum den besonderen Leichtigkeitsvorteil der Hängematte. Ein guter Kompromiss, wenn es nicht allzu viel Wärmeleistung sein muss, sind ungefütterte und damit sehr leichte Hängemattenwärmer, die nach dem Rettungsdeckenprinzip funktionieren.

Dennoch: wer sich auf Bergsteigen oder Trekking festgelegt hat, wird eher selten über die Mitnahme einer Hängematte nachdenken. Die Höhe, die Kälte und das Wetter erfordern meist schwerere Geschütze. Eine leichte Hängematte ist vor allem für „gemäßigte“ Rucksackreisende, Allround-Traveller und Festivalgänger eine echte Alternative zum (schwer)gängigen Übernachtungsmodell aus Zelt, Schlafsack und Isomatte. Denn diese Reisenden werden vor allem in urbanen und ländlichen Zonen unterwegs sein, während sie „richtige“ Wildnis oder hochalpine Zonen eher selten und nur am Rande streifen. In aller Regel wird man auch zu saisonal „passenden“ Reisezeiten mit gemäßigten Wetterbedingungen unterwegs sein. In diesem Falle hat man mit dem Set aus Tarp, Hängematte und Isomatte oder Underquilt schon ein ziemlich breites Spektrum an Möglichkeiten. Bleibt noch die Frage, welcher Typ Matte wofür geeignet ist …

Welche Hängematten-Typen gibt es?

In der großen Vielfalt kann man 5 Grundtypen aufgrund verschiedener Kriterien wie Material und Form unterschieden:

  1. Reisehängematte: der Bergfreunde-Normalfall

Dieser Typus ist der für unsere Zwecke Interessanteste, denn nur hier steht neben Gemütlichkeit, Verarbeitung und schöner Optik auch die Funktionalität im Vordergrund. So zeichnen sich Reisehängematten vor allem durch ihr vergleichsweise geringes Packmaß, weniger Gewicht und oft auch einen moderaten Preis aus. Außerdem sind sie pflegeleichter und weniger empfindlich gegen Nässe, dafür aber auch meist nicht ganz so robust und langlebig wie Hängematten aus Baumwolle. Sie bestehen meist aus „Fallschirmseide“, die heutzutage nur noch dem Namen nach eine Seide ist und stattdessen ein sehr dicht gewebtes Polyamid, besser bekannt als Nylon, bezeichnet.

Die Funktionalität hat mit ihrer Entscheidung für Synthetik aber auch einen Preis: wenn es wirklich warm ist, kann das Liegen im Kunststoff durchaus schweißtreibend und unangenehm werden. Nur wirklich gute und entsprechend teurere Fallschirmseide verbindet eine passable Ventilation mit einem angenehmen Griff. Bei vielen Modellen der klassischen Outdoor-Marken ist besonders reißfestes Ripstop-Nylon verarbeitet.

  1. Tuchhängematte

Die Tuch- oder auch Stoffhängematte hat eine Liegefläche aus festem Kunststoff- oder Baumwollgewebe. Der Komfort resultiert hier aus dem im Vergleich zu anderen Typen hohen Geborgenheitsgefühl. Das wiederum ist umso größer, je größer bzw. breiter die Liegefläche ist, denn hier kann die rückengerechte Diagonallage (genaue Beschreibung am Ende des Artikels) ohne Schwierigkeiten eingenommen werden.

  1. Netzhängematte

Hier besteht die Liegefläche aus einem Netz aus Baumwolle oder synthetischem Material. Der Vorteil ist die Möglichkeit der Luftzirkulation, die Hitzestau und Schwitzorgien im Hochsommer vermeidet. Das Netz kann grob- oder feinmaschig sein, wobei Letzteres komfortabler, allerdings auch aufwändiger und teurer ist. Topmodelle sind häufig die sehr feinmaschigen mexikanischen Netzhängematten aus Baumwolle, die sich dem Körper und jeder Bewegung anpassen. Sie vermitteln ein Liegegefühl, das dem schwerelosen Schweben nahe kommt.

  1. Stabhängematte

Hier haben wir eine spezielle Bauform: am Kopf- und Fußende sind feste Querstäbe eingearbeitet, welche die Liegefläche zu einem Viereck auseinanderspreizen. Stabhängematten sind damit für die Längslage konzipiert (im Gegensatz zur Diagonal- oder Querlage). Die Nachteile des größeren Gewichts und der Sperrigkeit sind hier sofort offensichtlich. Auch sonst ist dieser Typus eher etwas für kurze Aufenthalte oder spezielle Vorlieben, denn als weitere Nachteile wären die meist wenig komfortable, straffe Spannung mit in die Haut kneifendem Netz oder Gewebe sowie die wackelige Instabilität zu nennen.

  1. Gathered-End-Hängematte

Im Grunde kann man alle Nicht-Stabhängematten als Gathered-End-Hängematten oder auch „Schlauchhängematten“ klassifizieren. Die beiden Enden der Liegefläche werden bei dieser klassischen Bauweise zusammengerafft (gathered). Dazu werden sie umgefaltet und die Falte dann schlauchförmig zugenäht. Durch die zwei „Schläuche“ wird dann eine Schnur oder ein Ring gezogen, der als Aufhängung dient. Es gibt auch andere Konstruktionsweisen, das Grundprinzip ist jedoch immer das Zusammenlaufen von Kopf- und Fußende zu einer Schlauchform. Aus dieser entstehen die charakteristischen Falten, die sich beim Platz nehmen in der Hängematte auseinanderziehen. Reise- und outdoortaugliche Hängematten sind so gut wie immer „Schlauchhängematten“.

All die genannten Typen gibt es auch in Baby- und Kinderversionen. Diese weisen aber abgesehen von geringerem Gewicht und Packmaß keine funktionellen Unterschiede oder Vorteile auf. Spezielle Typen wie Hängesessel oder Hängesitze sind eher nicht für den Gebrauch auf Reisen gedacht und werden deshalb an dieser Stelle nicht näher behandelt.

Wetterfeste Hängematten

Hier kann es eventuell zu Missverständnissen kommen: während das Outdoorvolk eher den Wetterschutz für die Hängematten-Insassen im Sinn hat, beziehen sich die Hersteller damit meist auf die Matten selbst und meinen deren Sonnen-, Wind- und Wetterbeständigkeit, wenn sie dauerhaft im Garten aufgehängt werden. Die meisten Reisehängematten aus Kunstfaser sind in letzterer Hinsicht auf jeden Fall „wetterfest“, müssen aber für den umfassenden Wetterschutz der Insassen noch ordentlich „gepimpt“ werden (siehe Beschreibung oben).

Zusammenfassend erkennt man, dass die Unterscheidungen nicht immer trennscharf sind und eine bestimmte Matte auch mehreren Typen zugehörig sein kann. Wenn man weiß, welche Kombination an Kriterien für den eigenen Bedarf am passendsten ist, wird man ohne große Schwierigkeiten eine gute Wahl aus dem riesigen Angebot treffen.

Was sonst noch zu beachten ist: Länge und Breite vs. Gewicht und Packmaß

Manche Spitzenreiter unter den ultraleichten Hängematten haben heutzutage auf Fliegengewichte zwischen 100 und 200 Gramm abgespeckt. Da macht sich die Übernachtungsmöglichkeit im Rucksack kaum noch bemerkbar. Ob man sie allerdings als groß und komfortabel genug für eine ganze Nacht oder womöglich gar viele Nächte erachtet, ist eine sehr subjektive Angelegenheit mit großer Schwankungsbreite an Meinungen. Man kann deshalb im Hinblick auf die „richtige“ Länge der Liegefläche nur grobe Richtwerte angeben: je nach Komfortbedürfnis liegt sie zwischen 1 1/2-facher Körperlänge (knapp bemessen) und 2-facher Körperlänge (großzügig bemessen). Hier gilt es zu bedenken, dass es für das Einnehmen der optimalen diagonalen Schlaflage (siehe unten) eine ausreichende Platzreserve braucht.

Die optimale Breite hängt ebenfalls vom subjektiven Empfinden sowie von der individuellen Körperfülle ab. Die Standardbreiten der Hersteller sind jedenfalls mit ihren etwa 120 – 140 cm für 1-Personen-Hängematten allemal ausreichend für das figurtechnische „Normalspektrum“.

Last but not least: Knoten und „Technik“

Wegen der Knoten braucht man sich nicht allzu viele Gedanken machen. Meist ist das Hängemattenset schon „vorgeknotet“ und oft liegt auch eine Anleitung bei. Zudem ist beim Aufbau meist genug Platz vorhanden, um alles entspannt und ohne irgendwelche ausgefeilten Tricks zu bewältigen. Falls einmal nur die Matte mit ihren Aufhängelaschen sowie die Schnüre vorhanden sind, werden diese einfach mit einer gegenläufig geknüpften Sackstich- oder Achterschlinge verbunden.

Viele Autoren empfehlen den extra zu lernenden Hängemattenknoten, der bei mehrtägig aufgehängten Matten etwas fester halten dürfte. Schnur und Baum werden dann am einfachsten mit dem leicht zu lernenden und vielseitigen Mastwurf verbunden (sofern nicht Anderes in der eventuell vorhandenen Anleitung beschrieben ist). Der Mastwurf zieht sich bekanntlich unter Belastung zusammen, während das Eigengewicht und die entsprechende Eigenspannung der Hängematte dafür sorgen, dass er sich nicht ungewollt öffnet (eine unbelegte Superleicht-Matte kann man mit einem dicken Reiseführer oder Politiklehrbuch beschweren).

Warum unter Gear-Nerds gern erwähnt wird, dass die Knoten auch unter Belastung verschiebbar oder zu öffnen sein sollten? Keine Ahnung. Oder … in welchem plausiblen Szenario könnte es unmöglich werden, sich zum Entlasten der Knoten aus der Hängematte zu erheben? Na klar, bei Lähmungserscheinungen nach Hexenschuss, Schlangenbiss oder diesem selbstgepanschten Fusel letztens in Rumänien. Kommt ja alles mal vor auf Reisen. Aber dann helfen (zumindest wenn grad keine Retter in der Nähe sind) auch die besonders pfiffigen Knoten nicht weiter …

Auch die richtige Art zu liegen kann sicher dazu beitragen, Lähmungserscheinungen zu vermeiden. Diese wäre bei allen Hängemattentypen außer den Stabhängematten die Diagonallage, die je nach Breite der Liegefläche bis zur Querlage variieren kann. Am besten legt man sich zuerst mittig gerade in die Hängematte, wo man feststellen wird, dass der Unterleib ziemlich tief durchhängt. Um jetzt in die „richtige“ Position zu kommen, schiebt man den Oberkörper langsam nach rechts und den Unterkörper/die Beine langsam nach links (oder umgekehrt). Dreh- und Angelpunkt dieser Bewegung ist die Körpermitte, die sich je nach Körperbau mehr oder weniger unterhalb des Bauchnabels befindet. Auf diese Weise hängt der Rücken nicht durch, so dass auch das Schlafen in Seitenlage möglich ist.

Damit sollte alles Wichtige beisammen sein, was es für den angenehmen Aufenthalt in der passenden Hängematte braucht. Und wer weiß: vielleicht steigst ihr jetzt mit eurer leichten, überall platzierbaren Reisehängematte komplett aus dem Hamsterrad aus und zieht als postmoderne Vagabunden durch die Welt …

Der Black Diamond Momentum im Test

Testbericht: Black Diamond Momentum Kletterschuhe

4. Dezember 2017
Ausrüstung

Viele werden sich Fragen: Warum muss ein etablierter Hersteller wie Black Diamond jetzt auch noch seine eigenen Kletterschuhe produzieren? Ich meine, gibt es nicht genug gute Treter am Markt? Ein Katana, ein Shaman, ein Instinct – reichlich Argumente dafür, dass viele Hersteller so ziemlich alles richtig machen…

Was also können die Black Diamond Schuhe, allen voran der Momentum, was ihm seinen (Spitzen-)Platz unter den vielen Anderen sichert? Um das herauszufinden, hat Bergfreund Jan zwei Tage mit Black Diamond Mitarbeitern im Zillertal verbracht. Nur eine Stunde Autofahrt von der Europazentrale der Amerikaner in Innsbruck entfernt, kletterte sich die bunte Truppe durch die „Ewigen Jagdgründe“ – und das Wetter hätte kaum besser sein können.

Die Passform

Den Anfang macht die Plattenkante (6a). Wie der Name schon sagt, geht’s hier darum, viel auf Reibung zu treten. Eine kurze Tour, perfekt um ein Gespür für die neuen Schuhe zu bekommen. Die Passform sagt mir auf Anhieb zu. Normalerweise trage ich Schuhgröße 42. So auch die Momentum. Was mir direkt positiv auffällt: Die Treter sind unglaublich bequem. Der Einstieg ist kinderleicht, der Leisten ziemlich flexibel. Genau richtig, wenn man auf möglichst viel Gefühl in seinen Füßen steht. Beinahe vergesse ich, die Schuhe nach der Route wieder ausziehen. Ganz im Ernst, mit den Teilen laufe ich fast wie in meinen Sneakern. Vorspannung und Downturn? Brauchen wir nicht. Der einzige Unterschied: Hier bekomme ich genügend Druck auf die Sohle, dass mir das Smearing, wie es im Englischen so schön heißt, richtig viel Spaß macht!

Das Obermaterial

Die Sonne scheint an diesen letzten Tagen im Oktober nochmal richtig kräftig. Was mich wundert ist, dass ich in den Momentum kaum schwitze. Warum ist das so? Produktentwickler Linh erklärt mir, worauf er beim Design der Schuhe besonderen Wert gelegt hat: Das Obermaterial besteht aus einem atmungsaktiven Textil (Engineered Knit Technology), das vor allem zum Hallenklettern eingesetzt wird und exklusiv beim Momentum verarbeitet wird. Und auch der Tragekomfort kann sich sehen lassen. Ich bin ziemlich begeistert, denn das ist für mich tatsächlich einer dieser Punkte, die ich an all meinen anderen Kletterschuhen bemängeln würde. Gerade wenn es im Winter verstärkt in die Halle geht, macht das Material seinem Namen alle Ehre. Und genau dafür ist der Momentum im Schwerpunkt entwickelt worden: lange Indoortage bei miesem Wetter. So kommen vor allem Einsteiger auf ihre Kosten – und eben alle, die es einfach nur bequem mögen.

Die Sohle

Wir klettern weiter. Verschneidungsmagie (6b) und El Schupo (6a+) stehen auf dem Plan. Noch mehr Möglichkeiten, den Momentum auf seine Reibungswerte zu testen – und meine anfängliche Skepsis zu verblasen. Das eigens entwickelte NeoFriction-Gummi wird aus einer Lage geformt, ist 4,3 mm dick und beschert mir so hoffentlich ein langes Sohlenleben. Die weiche Sohlenmitte (Komfort²) und die für solche Routen perfekte Kombination aus überzeugender Reibung und Flexibilität zeigt: der Schuh hat definitiv seine Berechtigung. Mehr noch. Ich würde mich wundern, wenn man den Momentum nicht bald in jeder Kletterhalle sieht. Ich meine, klar, es gibt schon so richtig bequeme Schuhe auf dem Markt, aber der hier, der setzt dem Ganzen nochmal eins oben drauf. Und das sage ich nicht aus verkaufsfördernden Gründen, sondern weil Performance und Komfort hier perfekt im Einklang stehen.

Wohin die Reise geht

Als mir Roland am Tag drauf sagt, ich solle doch mal in Manitou (7b+) einsteigen, bin ich schon etwas nervös, liegt die Route doch gut einen Schwierigkeitsgrad über dem, was ich mir sonst zutraue. Dazu ein Schuh, der sich bisher zwar als Bequemlichkeitswunder herausgestellt hat, dem ich kleine, technisch anspruchsvolle Tritte jedoch eher weniger zutraue. Der eine oder andere Klettermeter klappt dann wider erwarten aber doch ganz gut. So geht es durch eine richtig schöne Verschneidung, die sich traumhaft klettert.

Nach der Hälfte ist dann für mich aber doch Schluss. Die Arme machen dicht. Und Fakt ist auch: Jeder Schuh hat irgendwo seine Grenze. Und der Momentum will einfach kein High-Performance Schuh sein. Zum Klettern eignet er sich jedoch ebenso fantastisch, wie zum Bouldern in moderaten Schwierigkeitsgraden – solange es vertikal oder eben plattig bleibt. Für alles andere hat Black Diamond seine Palette an Kletterschuhen um ein paar weitere Modelle ergänzt:

  • der Aspect: neutraler Leisten; Passform und Sohle wie beim Momentum; Schnürsystem mit überlappendem Schutzsystem aus Leder; stabilisierende Seitenränder; perfekt zum Rissklettern sowie lange Alpinrouten bzw. Mehrseillängen.
  • der Focus: moderater Leisten; leichte Vorspannung für leicht überhängendes Gelände; Obermaterial aus Leder und Engineered Knit Technology; NeoFriction Force Sohle präzise für Leisten und Kanten; perfekt zum Bouldern und Sportklettern. (Erhältlich ab März 2018)
  • der Shadow: aggressiver Leisten; starke Vorspannung; NeoFriction Fuse Sohle mit extrem hohem Reibungswert; strapazierfähiges Mikrofaser-Obermaterial; Reibungslinien für Toehooks; High-End Schuh zum Bouldern und projektieren. (Erhältlich ab März 2018)

Was meinen die Gewinner?

Anfang Oktober haben wir zwei Modelle des Momentum an zwei glückliche Bergfreunde verlost. Eine davon ist Ariane, die nicht minder begeistert ist. Hier kommt ihr Fazit:

Ich klettere seit zweieinhalb Jahren, in der Regel Indoor (Top Rope, Bouldern und Vorstieg im 7.Grad). Bei mir hat Black Diamond  mit diesem schlanken und eleganten Schuh absolut ins ästhetische Schwarz getroffen. Ich habe viele Komplimente für die ansprechende Mashup-Optik des Schuhs bekommen. Und das nicht nur von der weiblichen Fraktion des Kletter- und Bouldervolks. Zufällig trifft er auch noch voll meine Lieblingsfarbe und passt somit zum Rest meiner Klamotten. Das ist ein angenehmer Nebeneffekt.

Tragekomfort

Nach zwei ca. dreistündigen Sessions (Klettern und Bouldern) drücken keine Nähte und die Klettverschlüsse sind mit zartem Leder ebenfalls sauber verarbeitet. Sie fühlen sich also innen und außen toll an. Ich hab sie durchweg anbehalten können und die Füße schwitzen nicht so elendig durch das luftdurchlässige Textil. Im Bereich der Zehenbox wird der Druck gut verteilt und es ist genug Platz für aufgestellte Zehen. Ich habe Größe 39,5 bekommen und ich habe Schuhgröße 39. Perfekte Passform.

Bei Balancerouten und dem Stehen auf den Zehenspitzen drückt es ein wenig an der Ferse/Sehne. Ist aber kein Vergleich zum Katana von  La Sportiva, der meinen Fuß regelrecht erwürgt hat, zwischen Fersenbein und Sprunggelenk. Der Momentum schneidet jedoch nicht ein.

Mein liebster und gleichzeitig komfortabelster Einsteigerschuh, ist mittlerweile seit zweieinhalb Jahren der Scarpa Thunder ohne Vorspann (übrigens auch in lila). Inzwischen habe ich etwas kräftigere Füße bekommen und der Thunder ist enger geworden. Der Momentum für Frauen sitzt aber wie angegossen und drückt überhaupt nicht. Es rutscht nichts, Top Halt.

Reibung

Ich bin wenige Male auf etwas „speckigeren“ breiten Tritten weggerutscht. Die Sohle kommt mir etwas „rutschiger“ vor als der Thunder. Auf Minitritten hat er für mich ziemlich gut performt.

Fazit

Der Mometum ist überraschenderweise zu meinem Lieblingsschuh avanciert. Meiner Ansicht nach ist er bestens geeignet für Ästheten und Kletterer (Anfänger und Fortgeschrittene gleichermaßen), die es gerne bequem haben in ihrem Kletterschuh.

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