Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Harte Schale, weicher Kern? – Hardshell vs. Softshell

26. Dezember 2020
Ausrüstung

Es gibt Dinge, die meinen wir zu kennen, ganz sicher, da wissen wir sofort was gemeint ist, ist doch auch ganz klar und für Doofe. Denken wir aber dann mal näher darüber nach stellen wir schnell fest, dass wir eigentlich keine Ahnung davon haben. Mir ging es neulich so, als ich gefragt wurde, was denn der Unterschied zwischen einer Hardshell- und einer Softshelljacke sei. 

Meine Antwort kam verzögert und war dementsprechend nur mittelmäßig kompetent: „Hardshell, das ist halt so ne typische Regenjacke, da geht nix durch und Softshell gibt warm oder so ähnlich.“

Klingt nicht gerade wissenschaftlich fundiert, oder? Ich habe daher ein paar Stunden meiner Lebenszeit in Recherche investiert und möchte euch heute einmal am Ergebnis teilhaben lassen.

Eines noch vorab: Meine Recherche hat gezeigt, dass sich die Schnittmenge von Soft- und Hardshell immer mehr vermischt. Die Zeit in der man also beide Materialtypen nach der Methode schwarz und weiß von einander trennen konnte ist definitiv vorbei. Auf alle möglichen und unmöglichen Varianten einzugehen ist aber in dem doch eher begrenzten Rahmen eines Blogbeitrags nicht möglich. Wir einigen uns also an dieser Stelle einmal mehr darauf: Im Folgenden wird zum besseren Verständnis vereinfach und verallgemeinert.

Hardshell – wenns wetterfest sein muss

Steckbrief 

  • Einsatzgebiet: Äußere Kleidungsschicht beim Berg- und Wintersport.
  • Einsatzzweck: Wetterschutz. Schutz vor Regen, Schnee und starkem Wind.
  • Eigenschaften: Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Gore-Tex, Sympatex, Dermizax
  • Varianten: 2-, 2,5- und 3-Lagen-Jacken, mit Membran oder Beschichtung
  • Vorteile: guter Wetterschutz, robust
  • Nachteile: geringer Schutz vor Kälte, Atmungsaktivität kann eingeschränkt sein

Hardshell bedeutet nichts anderes wie „harte Schale“, frei übersetzt „stabile Außenhaut“ und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Hardshelljacken werden immer als äußerste Kleidungsschicht getragen und sind das erste Bollwerk vor den Elementen. Außerdem ist das Material oft relativ fest und nicht dehnbar, daher der Name. 

Eine Hardshelljacke ist tatsächlich das, was wir unter anderem als Regenjacke kennen. Manch einer kennt Jacken dieser Art auch als Gore-Tex-Jacke, aber hierbei handelt es sich lediglich um die Markenbezeichnung eines Materials, ein wenig so wie bei Tempo und Papiertaschentuch. Hardshelljacken bieten, vereinfacht gesagt, einen guten Wetterschutz. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es beispielsweise regnet oder stark windet. Aber auch beim Skifahren oder auf Hochtouren, wenn vermehrter Kontakt mit Schnee und Eis droht, schützen Hardshelljacken zuverlässig vor den Elementen.

Darüber hinaus sind gute Hardshelljacken immer auch atmungsaktiv. Vereinfacht bedeutet das: Von außen werden Niederschläge zuverlässig abgehalten, in der Jacke entstehende Feuchtigkeit, beispielsweise durch starkes Schwitzen, kann aber nach außen abgegeben werden. Wie das jeweils funktioniert ist abhängig von der Technologie und vom Aufbau des jeweiligen Materials. Schauen wir uns daher doch einfach einmal an, wie genau Hardshelljacken aufgebaut sind.

Die Lagenkonstruktion

Eine Hardshelljacke besteht aus mehreren Lagen. Ganz außen befindet sich der Oberstoff, der die Jacke vor mechanischer Beschädigung schützt. Außerdem ist der Oberstoff imprägniert und hilft so dabei Wasser und Schmutz von der Membran fernzuhalten. Als zweite Lage kommt in der Regel eine atmungsaktive Membran oder Beschichtung zum Einsatz. Diese sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass keine Nässe von außen in die Jacke eindringen kann, gleichzeitig ermöglicht sie es aber, dass Feuchtigkeit aus der Jacke nach außen entweichen kann. An der Innenseite sind die Jacken mit einem Innenfutter ausgestattet, dieses dient wiederum zum Schutz der Membran vor mechanischem Einfluss. Hierbei gibt es unterschiedliche Ausführungen, die ich euch kurz erklären möchte.

  • 2-Lagen-Jacken

Bei 2-Lagen-Jacken handelt es sich in der Regel um eher einfache und somit preisgünstige Hardshelljacken. Bei der Herstellung werden lediglich der Oberstoff und die Membran laminiert, das Innenfutter wird in der Regel lose eingenäht. Außerdem gibt es in dieser Kategorie auch Jacken, bei denen auf eine Membran verzichtet wurde. In diesem Fall wird der Oberstoff an der Innenseite mit einer PU-Beschichtung (Polyurethan) versehen. 2-Lagen-Jacken mit Membran oder Beschichtung werden zumeist dann eingesetzt, wenn es einen zuverlässigen und unkomplizierten Wetterschutz braucht. Beispielsweise bei Tageswanderungen oder für den Alltagsgebrauch.

  • 2,5-Lagen-Jacken

Jacken mit einer 2,5-Lagenkonstruktion sind quasi der Kompromiss zwischen zwei und drei Lagen. Auch bei dieser Konstruktion wird ein Oberstoff mit einer Membran fest verbunden. Das eingenähte Innenfutter entfällt allerdings. Stattdessen wird eine hauchdünne Schutzschicht direkt auf das Laminat aufgetragen. Hierdurch wird gegenüber zwei- und dreilagigen Jacken sowohl am Gewicht, als auch am Packmaß gespart. Jacken dieses Typs kommen daher nicht selten bei Trekkingtouren oder beim Radfahren zum Einsatz.

  • 3-Lagen-Jacken

Gerade bei extremen Wetterbedingungen und/oder Touren, überzeugen 3-Lagen-Jacken. Hierbei ist der Aufbau zunächst identisch mit dem einer 2-Lagen-Jacke, zusätzlich wird hier aber ein Futter als innerste Schicht direkt mitlaminiert. Hierdurch sind Jacken dieses Typs sehr robust und kommen vor allem bei langen Touren zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind hier beispielsweise Ski- oder Hochtouren.

Wasserdicht und atmungsaktiv?

Irgendwie klingt das doch logisch, wo nichts rein geht, da geht auch nichts raus. Einfach, oder? Naja, eben nicht. Denn wie bereits erwähnt, sind gute Hardshelljacken immer wetterfest und atmungsaktiv zugleich. Wie bzw. wie gut das aber funktioniert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Jacken mit einer PU-Beschichtung weniger atmungsaktiv sind als Jacken mit einer Membran.

Aber auch im Bereich der Membranen gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Funktionsweise und des Wirkungsgrads. So handelt es sich bei Gore-Tex-Membranen um Membranen mit einer mikroporösen Struktur. Diese Struktur ist eng genug um Wassertropfen nicht ins Innere durchzulassen, aber groß genug um dem deutlich kleineren Wasserdampf den Austritt aus der Jacke zu ermöglichen. Sypatexmembranen hingegen nutzen ein pysikalisch-chemisches Prinzip, das unter anderem mit dem Druck- und Temperaturunterschied von Umwelt und Jackeninneren arbeitet.

Egal, welche Technologie aber genau zum Einsatz kommt, eine Membran bzw. die Hardshelljacke ist nichts ohne eine gute Imprägnierung. Daher sollte diese von Zeit zu Zeit erneuert bzw. aufgefrischt werden. Auch bei der Imprägnierung gibt es unterschiedliche Technologien, die aber letztlich alle genau dasselbe bewirken, nämlich Wasser und Schmutz zuverlässig von der Membran fernzuhalten.

Dies ist wichtig, weil sich sonst die Struktur der Membran vollsaugen könnte und so regelrecht verstopfen würde. Neben starkem Regen könnten so auch Schlamm oder schlichtweg Sonnencreme und körpereigenes Fett die Membran verstopfen. Hierdurch wären dann die Wasserdichtigkeit und vor allem die Atmungsaktivität der Jacke stark beeinträchtigt.

Eine gute Imprägnierung ist also für die Funktionsweise einer Hardshelljacke unerlässlich. Wer mehr zu diesem spannenden Thema erfahren möchte, kann sich gerne den Blogbeitrag von Jan zum Thema DWR-Imprägnierungen durchlesen.

Typische Membranen kurz vorgestellt

  • Gore-Tex

Gore-Tex ist der Name einer ganzen Materialfamilie und schon seit langem fast das Synonym für wetterfeste und atmungsaktive Kleidung. Egal, wie das fertige Material auch aussieht oder heißen mag, Gore-Tex-Membranen basieren alle auf der gleichen Funktionsweise: einer speziellen Struktur. Hierzu wird ePTFE (expandiertes Polytetrafluorethylen) verwendet. Membranen aus ePTFE bilden eine besondere, mikroporöse Struktur. Diese ist so eng, dass die vergleichsweise großen Wassermoleküle nicht durch die Struktur gelangen können. Wasserdampfmoleküle sind aber wesentlich kleiner und können die Struktur problemlos passieren. Stellt euch das vereinfacht wie einen Jägerzaun vor.

Während eine Katze problemlos durch die Lücken des Zauns schlüpfen kann, habe ich als deutlich größerer Mensch das Nachsehen. Damit aber Wasserdampf durch die mikroporöse Membran entweichen kann, braucht es zusätzlich einen Temperaturunterschied von Jackeninneren und der Umgebungsluft. Je geringer dabei die Außentemperatur im Vergleich zu Innentemperatur ist, desto besser funktioniert auch der „Abtransport“ des Wasserdampfs. Ausführliche Infos gibt’s übrigens auch in unserem Blogbeitrag zu Gore-Tex.

  • Dermizax

Auch bei Dermizax handelt es sich um eine Materialfamilie, die in unterschiedlichen Ausführungen daherkommt. Dennoch auch hier gilt für alle Membranen die gleiche Funktionsweise: Für Dermizaxmembranen wird Polyurethan verwendet. Dieses Material ist hydrophil, also „wasserliebend“. Es verfügt dabei über kleine Moleküle, die sich regelrecht mit Wasser vollsaugen können.

Diese Moleküle können sich innerhalb der Membran bewegen und erhöhen mit steigender Temperatur ihre Bewegungsgeschwindigkeit. Wichtig ist dabei jedoch, dass auch hier ein Temperaturunterschied von Umgebungsluft und Jackeninnerem besteht. Je höher dieser ist, desto schneller und effektiver ist der Abtransport des Wasserdampfs durch die Moleküle der Membran. Dieser Effekt hat einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Da Dermizaxmembranen nicht mit Poren arbeiten, können sich diese auch nicht zusetzen. Das Verstopfen durch Schmutz und Wasser ist so kein limitierender Faktor. Auch zu Dermizax gibt es einen ausführlichen Beitrag im Basislager, schaut doch einfach mal rein.

  • Sympatex

In der Familie der Sympatexmaterialien gibt es ebenfalls unterschiedliche Ausführungen, die aber wiederum alle auf dem gleichen Prinzip basieren. Hierzu wird ein physikalisch-chemisches Prinzip genutzt. Das klingt zunächst einmal viel komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Die Membran besteht hierzu aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Hydrophobem Polyester, das kein Wasser durchlässt und hydrophiles Polyether, das den gezielten Transport von Wasserdampf ermöglicht.

Auch in diesem Fall braucht es ein Druckgefälle von innen nach außen. Ist dieses durch einen deutlichen Temperaturunterschied gegeben, werden die Wasserdampfmoleküle, die durch das Schwitzen entstehen, entlang der hydrophilen Molekülketten nach außen abgegeben. Weiterführende Infos zu Sympatex bietet Wiebke in ihrem Artikel „Sympatex: Der umweltfreundliche Wind- und Wasserschutz!“

Softshell – damit es angenehm warm bleibt

Okay, was Hardshell ist haben wir nun geklärt, da müssen wir nicht auch noch Softshell erklären, denn das ist ja einfach genau das Gegenteil. Stimmt? Naja, in einer Welt, in der eine Katze genau das Gegenteil von einem Hund ist oder das Reh die Frau vom Hirsch, ist diese Aussage sicherlich richtig. Ich würde aber dennoch vorschlagen, dass wir uns auch das Thema Softshell einmal näher ansehen.

Steckbrief

  • Einsatzgebiet: Wärmende Kleidungsschicht beispielsweise beim Berg- und Wintersport, bei gutem Wetter auch äußere Kleidungsschicht.
  • Einsatzzweck: Kälteschutz, bedingter Schutz vor Regen, Wind und Schnee
  • Eigenschaften: Wärmend, sehr atmungsaktiv, wasser- und windabweisend, manchmal auch wasserdicht
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Windstopper, Schoeller, Polartec
  • Vorteile: guter Schutz vor Kälte, atmungsaktiv
  • Nachteile: nur bedingt wetterfest

Hochgradig atmungsaktiv und wärmend, nicht so wetterfest?

Die Hauptaufgabe von Softshelljacken ist es vor Kälte zu schützen. Auch schneidender Wind wird hier je nach Ausführung zuverlässig abgehalten. Entgegen der Hardshelljacke sind Softshelljacken oft aber nur bedingt wetterfest. Heißt: Leichter, kurzer Regen ist für die meisten Softshells kein Problem. Wer also bei schlechtem Wetter nur mal schnell zur Bushaltestelle muss oder zum Bäcker um die Ecke, wird hier sicherlich nicht klatschnass werden. Gerade aber bei starken Schauern oder auch bei längerer Zeit im Regen lassen viele Softshells in der Regel deutlich nach. Klassische Softshelljacken sind nämlich nicht wasserdicht, sondern nur wasserabweisend. 

Welche Eigenschaften eine Jacke bzw. deren Stoff jeweils mitbringt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So gibt es beispielsweise Softshelljacken mit Membran und ohne. Die Membranen sorgen unter anderem dafür, dass Wind zuverlässig abgehalten wird, je nach Beschaffenheit auch Regen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Softshells ohne Membran automatisch winddurchlässig sind. 

Auch mit der Atmungsaktivität ist das so eine Sache. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass Softshells im Vergleich zu Hardshells deutlich atmungsaktiver sind, also Schweiß schneller nach außen abgeben können. Gerade aber bei extrem wetterfesten Jacken, die sich im Grenzbereich von Hard- und Softshell bewegen, nimmt leider auch die Atmungsaktivität deutlich ab. Ihr seht also, die Lage ist ein wenig verwirrend. Wie gut nur, dass wir dieses Thema hier im Basislager bereits ausführlich behandelt haben. Wenn ihr also mehr erfahren wollt, dann schaut euch doch einfach mal den Beitrag mit dem Titel „Membranen: Atmungsaktiv, wasserdicht oder winddicht?“ an. 

Ein Bereich in dem Softshelljacken aber gegenüber Hardshelljacken auf jeden Fall punkten können ist der Schutz vor Kälte. Auch hier kommt es wieder darauf an, wie das Material beschaffen ist. Nicht selten verfügen aber Softshells an der Innenseite über eine angeraute und wärmende Schicht. Oft kommen hier beispielsweise Fleece- oder Veloursstoffe zum Einsatz, die gezielt dafür sorgen, dass die Wärme am Körper gehalten wird. Außerdem fühlen sich diese Materialien auf der Haut sehr angenehm an. 

Halten wir also als ersten Hauptunterschied von Soft- und Hardshell (ganz allgemein gesprochen) fest: Hardshell wetterfest, nur bedingt wärmend. Softshell wärmend, nur bedingt wetterfest.

Weich, hart, Komfort?

Wenn Hardshell hart ist, dann ist Softshell weich? Stimmt. Oder zumindest so ziemlich. Bei Softshellmaterialien handelt es sich tatsächlich um weichere und flexiblere Materialien als bei Hardshells. 

Schaut man sich einmal Hardshelljacken genauer an, fällt sofort eines auf: das vergleichsweise feste und unflexible Material. Dieses kann je nach Schnitt der Jacke unter Umständen zulasten der Bewegungsfreiheit gehen. Außerdem empfinden manche Menschen das typische Knistern einer Hardshelljacke als störend. 

Das gestaltet sich bei Softshelljacken zum Glück ein wenig anders. Denn durch das weichere und flexiblere Material fällt zum Beispiel das Knistern oder Rascheln komplett weg. Außerdem können sich Softshelljacken bis zu einem gewissen Maß dehnen, hierdurch sind auch körpernahe Schnitte möglich, ohne dabei die Bewegungsfreiheit merklich einzuschränken. Dies ist vor allem bei schnellen Sportarten wie Radfahren oder Laufen von Vorteil. 

Durch die angeraute Innenseite sind viele Softshells auch angenehm wenn sie direkt auf der Haut getragen werden. Während sich Hardshells meist kalt anfühlen, sind die meisten Softshells so warm wie eine Fleecejacke oder ein Pullover.

Wir notieren also einen zweiten Hauptunterschied: Softshell bietet in der Regel einen höheren Tragekomfort als Hardshell.

Einsatzgebiete und Alltagstauglichkeit

Schauen wir uns die Lager Hardshell- und Softshell einmal unter dem Gesichtspunkt der Alltagstauglichkeit an, dann liegt die Softshelljacke klar vorne. Denn sie deckt bei eher gemäßigten Bedingungen ein sehr breites Spektrum ab. Wer also beispielsweise eine Alltagsjacke für die kalte Jahreszeit sucht, ist mit einer entsprechenden Softshelljacke sicherlich gut bedient. Hat dann eine Hardshelljacke überhaupt eine Daseinsberechtigung oder handelt es sich dabei eher um einen Dinosaurier aus der längst vergangenen Outdoorzeit? Wohl eher nicht. Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar typische Einsatzgebiete an.

  • Alltag, Freizeit, Reise

Wie bereits erwähnt, liegen Softshelljacken im Alltag klar vorne. Sie sorgen an kälteren Tagen für ein angenehmes Maß an zusätzlicher Wärme. Außerdem halten sie je nach Material auch Regen ab und sind somit völlig ausreichend für alle Widrigkeiten des Wetters, die in der Stadt und auf dem Land warten. Wer allerdings jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Hund raus geht, kann sicherlich auch eine gute Hardshelljacke gebrauchen.

  • Wanderungen, Trekking- und Radtouren

Hier kommt es stark darauf an, in welcher Jahreszeit und mit welcher Wetterprognose die jeweilige Tour stattfindet. Handelt es sich dabei beispielsweise um eine Wanderung bei stabil gutem Herbstwetter, ist die Softshelljacke aufgrund des Tragekomforts und der wärmenden Eigenschaften sicherlich im Vorteil. Kann es aber beispielsweise bei der sommerlichen Tour im Tagesverlauf zum Gewitterschauer kommen oder ist generell schlechtes Wetter angesagt, liegen Hardshelljacken mit ihrem umfangreichen Wetterschutz wieder vorne.

  • Ski- und Hochtouren, Wintersport

Je höher es in den Bergen hinaus geht, und je winterlicher die Bedingungen werden, desto höher sind auch die Anforderungen. Deshalb sieht man beispielsweise bei Ski- und Hochtouren (und nicht nur dort) oft die Kombination von Hard- und Softshelljacke. Ist ja auch logisch: Wer bei einer Skitour gerade aufsteigt, hat (gutes Wetter vorausgesetzt) wenig Kontakt mit den Elementen. Außerdem reagiert der Körper auf die Anstrengung mit der Produktion von Wärme und Schweiß, gleichzeitig ist es aber Winter und somit kalt. Hier ist wieder einmal die Softshelljacke aufgrund ihrer guten Atmungsaktivität und dem Tragekomfort vorne. Ist der Tourengänger am Gipfel angekommen, bekommt er es nicht selten mit starkem Wind zu tun. Darüber hinaus droht bei der anschließenden Abfahrt der vermehrte Kontakt mit Schnee (sei es durch Tiefschnee, einen Sturz oder beides), was wiederum für die Hardshelljacke spricht. Da es aber noch immer Winter ist, würde der Tourengänger nur mit einer Hardshelljacke bekleidet, erbärmlich frieren. Die Lösung: Zwiebelprinzip, also beide Jacken über einander tragen und so das Beste aus beiden Welten mitnehmen.

Also…

Ihr seht also, eine exakte Trennung von Hard- und Softshell ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Sowohl bei den Materialeigenschaften, als auch bei den Anwendungsgebieten sind die Grenzen zwischen beiden Jackentypen fließend. Außerdem kann unter gewissen Bedingungen auch die Kombination beider Jacken sinnvoll sein.

Eine Frage bleibt aber noch: Wie sieht es denn generell mit der Ausstattung der Jacken aus, also Kapuze, Taschen, Belüftungsreißverschlüsse und und und? Tja, diese Frage lässt sich so einfach wie ungenau beantworten: Hier gibt es auf beiden Seiten nahezu nichts, was es nicht gibt. Von extrem minimalistisch bis hin zu allumfassend ausgestattet gibt es hier alle mögliche und unmöglichen Varianten.

Ultraleicht = unbequem, unsicher und unbrauchbar?!?

18. August 2020
Ausrüstung

Auf Touren bei denen ich mit einer besonders leichten (ggf. auch ultraleichten) Ausrüstung unterwegs bin, sieht mein Tagesablauf eigentlich immer so aus: Tagsüber hetze ich durch eine Landschaft und weil es mir dabei aber nur auf Geschwindigkeit und Streckemachen ankommt, könnte das auch ein Braunkohletagbau sein, da schaue ich ohnehin schon lange nicht mehr hin. Ich muss weiter, schnell schnell. Pausen gibt es kaum, warum denn auch, das brauche ich nicht und zu essen habe ich ohnehin nur einen mageren Müsliriegel dabei. Wasser, naja das findet sich schon irgendwie.

Ach ja Wasser, zum Glück regnet es nicht, denn meine dünne Jacke habe ich zwar dabei, aber die hält ja nichts ab und außerdem würde die ohnehin nur durch den Rucksack kaputt gehen, der kann ja übrigens auch nicht viel ab. Gelaufen wird jeden Tag bis zum Umkippen, denn auch abends im Lager erwartet mich nicht viel. Eine magere Mahlzeit und dann ab ins Bett. Was eine komplette Übertreibung ist. Mein Schlafsack ist so leicht gebaut, dass man damit wahrscheinlich auch noch in der Sauna frieren würde, warme Klamotten hab ich auch keine dabei und meine Matte ist kaum mehr als ein Stück Alufolie mit in etwa der selben Isolationsleistung.

Zum Glück windet es nicht, denn dann würde es mir auch noch meine Plane zerreißen, die hält ja auch nichts aus, da ist ein Gelber Sack ja reißfester. Nach einer mehr oder weniger durchwachten Nacht bin ich dann froh, wenn ich nicht komplett nass und durchgefroren bin und mich an den ersten Sonnenstrahlen wärmen kann. Und schon geht’s auch weiter, ohne Frühstück, im Stechschritt.

Dies sind die Vorurteile, die mir immer wieder begegnen, wenn ich davon erzähle, dass ich gerade bei langen Touren darauf achte, Gewicht bei der Ausrüstung zu sparen. Ich frage mich dann oft, ob eigentlich alle denken, dass ich nicht mehr alle Tassen im Schrank habe und außerdem zur kontinuierlichen Selbstgeißelung neige. „Während der Tour muss man leiden!“, so ein Scheiß.

Wie viele andere Themenbereiche auch, ist die Welt der ultraleichten Ausrüstung mit zahlreichen Vorurteilen belegt. Damit möchte ich heute einmal aufräumen. Dies soll aber keine Lobeshymne oder eine Liebeserklärung an spartanische Ausrüstung sein, sondern vielmehr ein paar Blickpunkte zeigen, wie man trotz oder vielleicht auch gerade wegen einem abgespeckten Equipment Freude an der Tour haben kann. 

Ultraleicht bedeutet kein Komfort.

Ich bin kein Fakir, ich liege gerne bequem. Außerdem bin ich zumindest im Schlaf mittelmäßig verfroren. Ich bin verfressen und habe wenig Bestrebunge mich dauerhaft unnötig zu quälen. Warum tue ich mir das also an?

Ganz einfach: Es ist nicht so wie viele denken. Auf einer langen Tour ist man in der Regel den ganzen Tag unterwegs, selbstverständlich mit Pausen und brauchbarer Verpflegung. Dennoch ist jeder dazu gezwungen seine Ausrüstung dauerhaft mit sich herumzutragen. Je schwerer das Gepäck, desto lästiger wird es irgendwann. Mal Hand aufs Herz: Wer hat sich auf einer Mehrtagestour noch nie danach gesehnt, dass das Etappenziel endlich erreicht ist und der Rucksack final abgestellt werden kann? Leichteres Gepäck trägt sich einfach angenehmer

Mich bewahrt das geringere Gewicht von Rucksack und Inhalt so beispielsweise vor unangenehmen Rückenschmerzen während der Tour. Und das ist für mich mehr Komfort, als abends im Lager vielleicht auf einem Hocker zu sitzen und nicht auf dem Boden. Wie immer im Leben muss man sich daher entscheiden, was für einen selbst wichtig ist.

Auch muss in einem ultraleichten Schlafsack niemand zwangsläufig frieren, denn es gibt zum Glück wunderbar leichte und warme Schlafsäcke und auch bequeme Matten. Und klar gibt es immer noch leichtere Schlafsäcke mit einer noch geringeren Daunenfüllung. Die sind dann eben nicht so warm, aber es sagt ja niemand, dass man immer nur den absolut leichtesten Schlafsack (und dünnsten) kaufen darf. Wichtig ist es auch hier auf die persönlichen Bedürfnisse zu achten und wenn der Schlafsack dann ein paar Gramm mehr auf die Waage bringt, als sein „kälterer“ Kollege, naja, dann ist das eben so. 

Oder nehmen wir einmal das Beispiel Kleidung: Bei Jacken, Hosen und Co., gibt es immer wieder Dinge, die sind nice-to-have werden aber nicht von jedem genutzt. Ich kann beispielsweise Oberschenkeltaschen wenig abgewinnen. Ich verstehe schon, warum es Hosen mit großen Cargotaschen gibt, ich persönlich mag das aber nicht und nutze diese Taschen nur äußerst selten.

Logische Konsequenz: Hose ohne entsprechende Taschen kaufen, wieder ein paar Gramm sparen. Das macht freilich nicht viel aus, ist aber für mich ein geringerer Einschnitt in den Trekkingalltag als den Griff der Gabel abzusägen. Dieses Prinzip kommt beispielsweise auch bei Biwakzelten zum Tragen. Hier werden oft nämlich nicht nur leichtere Materialien verwendet es wird einfach auch alles weggelassen was man nicht zwingend braucht. Außerdem sind Ultraleichtzelte oft eher kompakt, große Familienzelte oder extrem sturmfeste Geodäten sucht man hier lange.

Auch kann man ganz gezielt Ausrüstungsgegenstände zu Hause lassen, die man persönlich nicht braucht. Das Zelt ist dabei immer wieder ein gerne diskutierter Punkt. Und in der Tat bin auch ich gerade im Sommer ein Verfechter von Plane und/oder Biwaksack. Aber mir macht das nichts aus, ich fühle mich dadurch nicht eingeschränkt und genau das ist der Punkt. Denn das mit dem Komfort ist Ansichtssache und jeder muss für sich selbst festlegen, was er wann in welcher Form benötigt.

Die Idee beim (Ultra-)Leichttrekking ist nämlich nicht sich möglichst effektiv zu quälen, sondern beim Laufen, Klettern oder Radfahren einen Komfortgewinn zu erzielen. Um das zu erreichen, wird ganz bewusst am Gewicht gespart. Dies kann hier und da zu Einschränkungen führen. Weiß man aber wie die persönlichen Bedürfnisse gelagert sind, kann man dieses Problem relativ gut umgehen.

Das leichte Zeug hält doch nichts aus.

Ja, nein, vielleicht. Zunächst einmal das Offensichtliche. Dünnere Stoffe wirken weniger robust als dickere. Dieser Eindruck ist aber nicht immer korrekt. Lasst uns hierzu mal einen kleinen Exkurs in die Welt der Kletterausrüstung machen. Beispiel Rundschlingen (Bandschlingen): Hier dominieren vornehmlich zwei Materialien, Polyamid und Dyneema (Polyethylen). Dyneema ist dabei das definitiv reißfestere Material. Dies zeigt sich alleine schon im Erscheinungsbild der jeweiligen Schlingen. Für vergleichbare Schlingen ergeben sich beispielsweise folgende Werte:

  • Polyamid: Gewicht 48 g, Breite 18 mm, Bruchlast 22 kN
  • Dyneema: Gewicht 20 g, Breite 10 mm, Bruchlast 22 kN

Die Dyneema-Schlinge ist nicht nur deutlich leichter, sie ist auch deutlich schmaler, ohne dass dabei aber bei der Bruchlast Abstriche gemacht werden müssen. Es zeigt sich also, dass der Leichtbau nicht zwangsläufig zulasten der Leistungsfähigkeit der Materialien gehen muss. Auch bei Ultraleichtzelten kommen gerne einmal Materialien wie Dyneema für die Außenhaut oder Carbon für das Gestänge zum Einsatz. Im Bereich der sicherheitsrelevanten Bergsportausrüstung werden darüber hinaus auch robuste Materialien wie Kevlar oder Aramid eingesetzt.

Man sollte dennoch gerade bei extrem dünnen Schlingen, Bandmaterial und Seilen ein Auge auf den Verschleiß haben. Denn dieser kann hier stärker ins Gewicht fallen, als bei massiver gebauter Ausrüstung. Die Sicherheitsforschung des DAV gibt daher die Empfehlung heraus, besonders schmale Schlingen bereits nach 3-5 Jahren auszusondern.

Oder schauen wir uns einmal das Beispiel Rucksäcke an. Große konventionelle Trekkingrucksäcke mit einem ausgefeilten Tragesystem sind nicht selten für eine Zuladung jenseits der 25 Kilogramm ausgelegt, bringen dafür aber auch bereits ein ordentliches Eigengewicht mit. Betrachtet man hingegen Modelle aus dem (Ultra-)Leichtbereich, sieht das anders aus. Richtig große Ultraleichtrucksäcke gibt es ohnehin eher selten, denn bei leichter Ausrüstung wird in der Regel nicht nur am Gewicht, sondern zusätzlich auch am Packmaß gespart. 

Warum aber Ultraleichtrucksäcke weniger belastbar sind als vergleichsweise schwere Trekkingrucksäcke zeigt das Tragesystem. Während massive Trekkingrucksäcke dafür vorgesehen sind eine große Menge an Equipment zu transportieren, ist dies ja wiederum überhaupt nicht die Aufgabe von Ultraleichtrucksäcken. Denn wer grundsätzlich weniger Last trägt, braucht logischerweise auch keinen Rucksack, der mit einer hohen Last gut klarkommt. Das Tragesystem kann daher einfacher und somit auch leichter ausfallen, ohne dass der Rucksack unangenehm oder unsicher am Rücken sitzt. 

Es kann also nicht pauschal gesagt werden, dass Ausrüstungsgegenstände aus dem Ultraleichtbereich grundsätzlich deutlich weniger abkönnen als konventionelles Equipment. In manchen Bereichen, wie beispielsweise bei Rucksäcken, trifft dieses Vorurteil in einem gewissen Maß zu, wirkt sich aber in der Realität kaum aus.

Aber sicher kann das doch nicht sein.

Früher habe ich mich bei schweren Touren immer mit „Suizidfreunde Mittelbaden“ im Gipfelbuch verewigt. Ein makabrer Spaß, den ich mir heute verkneife. Oder sollte ich vielleicht aufgrund der anfälligen Ausrüstung wieder damit anfangen? Schauen wir uns also einmal an, wie es bei ultraleichter Ausrüstung fürs Klettern, Hoch- und Skitouren mit der Sicherheit so steht. 

In Deutschland, wie auch in der restlichen EU gibt es strenge Prüf- und Zulassungskriterien für Bergsportausrüstung. Heißt: Was eine Prüfung nach Europäischer Norm (EN) nicht durchlaufen oder nicht bestanden hat, darf auch nicht verkauft werden. Für jede Produktgruppe gibt es eine eigene Norm mit speziellen Anforderungen. Nach bestandener Prüfung wird die Zulassung mit der Bezeichnung „conform european“ (CE-Zeichen) erteilt und dann erst darf das Produkt in den Handel gelangen. Dies gilt logischerweise auch für jegliche Kletterausrüstung und sicherheitsrelevanten Ausrüstungsgegenstände aus dem Ultraleichtbereich.

Nehmen wir nochmals das Beispiel Rundschlingen. Hierzu habe ich mir einmal eine Schlinge aus meinem persönlichen Equipment angeschaut. Diese besteht aus Dyneema, ist gerade einmal 8 mm breit, 11 g schwer und verfügt über eine Zugfestigkeit von 22 kN. Außerdem ist sie nach der EN 566 (Norm für Bergsteigerausrüstung, Schlingen) zertifiziert und trägt die Kennzeichnung CE 0123. Die Zahl nach dem CE-Zeichen gibt dabei die Prüfstelle an, die für die Sicherheitsprüfung verantwortlich war, in diesem Fall ist das der TÜV München.

Andere Schlingen und Ausrüstungsgegenstände tragen zusätzlich zum CE-zeichen sogar das UIAA-Zeichen. Hierbei handelt es sich um die freiwillige Norm der Bergsportverbände. Diese legt in der Regel nochmals strengere Kriterien als die EN an und gilt weltweit. Sie ist aber im Gegensatz zu der EN nicht verpflichtend, sodass nicht automatisch alle Produkte am Markt auch danach getestet sind. Dies gilt natürlich nicht nur für Schlingen, sondern auch für Gurte, Helme, Karabiner, Expresssets, Seile, Eisschrauben, Eispickel und und und.

Wie aber sieht es beispielsweise in Sachen Verletzungsrisiko durch (zu) leichtes Schuhwerk aus?

Keine Frage, wer draußen unterwegs ist, braucht gutes Schuhwerk. Dieses richtet sich immer nach Art und Länge der Tour sowie dem generellen Terrain. Gerade auch im Bereich der Wanderschuhe gibt es Modelle, die leichter oder eben massiver gebaut sind. Hier sollte ultraleicht hin oder her auf keinen Fall in erster Linie aufs Gewicht geschaut werden. Denn Schuhe müssen gut sitzen und vor allem für die Tour angemessen sein.

Aus Gründen der Gewichtsersparnis beispielsweise in Laufschuhen über einen Gletscher zu gehen, ergibt da aus meiner Sicht nur wenig Sinn. Aber: Gerade in gemäßigtem Gelände bringt auch hier wieder einmal die leichte Ausrüstung Vorteile mit. Denn wer ein geringeres Gewicht mit sich herumschleppt, belastet auch seine Gelenke, Bänder und Muskeln weniger. Die Füße und Sprunggelenke müssen aufgrund der geringeren Belastung nicht mehr notwendigerweise stark unterstützt werden und man kann je nach persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen auch hier zu leichteren und vielleicht weniger massiven Wanderschuhen greifen.

Sicherheit kann aber noch was ganz anderes bedeuten: nämlich die Sicherheit, dass man sich auf das Equipment verlassen kann. Und damit sind wir eigentlich auch wieder bei den ersten beiden Aspekten meines Artikels. Hierzu nochmals das Beispiel Zelt oder Plane. Nichts, wirklich nichts ist auf einer Tour unangenehmer, als nachts im Zelt zu liegen und darauf zu warten, dass es aufgrund eines heftigen Regenschauers anfängt durch die Plane zu tropfen. Oder im anderen Fall darauf zu warten, dass das Tarp nachgibt. Diese Sorge ist aber zu weiten Teilen unberechtigt, denn auch leichte Zelte halten Regenschauern zuverlässig stand. Je nach Bauart können sie allerdings windempfindlicher sein als klassische Kuppel- oder Geodätzelte.

Schlussbemerkung

Es geht beim Thema ultraleichte Ausrüstung aus meiner Sicht nicht darum, wer noch weniger mitnimmt, sich am meisten abverlangt oder vielleicht krasser ist als irgendwer sonst. Es geht vielmehr darum wie ich es für mich persönlich schaffe eine Tour so angenehm wie möglich zu machen. Denn das ist doch letztlich die Hauptsache. Es ist nicht derjenige der Beste, der am meisten oder am wenigsten schleppt. Oder vielleicht schneller als alle anderen ist oder die krassere Tour macht. Es ist derjenige King, der dabei den meisten Spaß hat. Wer also eine (gewichts-)reduzierte Ausrüstung als auferlegte Bürde ansieht, für den ist das einfach nichts. Und das wiederum ist auch absolut in Ordnung. 

Wie seht ihr das eigentlich? Versucht ihr dauerhaft eure Ausrüstung in Sachen Gewicht weiter zu optimieren? Gehört ihr zu denen, die jedes Gramm einzeln jagen? Oder findet ihr es vielleicht sogar hochgradig bescheuert bei der Ausrüstung überhaupt aufs Gewicht zu achten, weil hart im Nehmen und so? Meine Meinung kennt ihr nun, schreibt doch mal einen Kommentar, wie ihr so denkt.

Getestet: Hanwag Ferrata II GTX Bergstiefel

12. August 2020
Kaufberatung

Der Markt für technische Bergstiefel ist überschwemmt mit Bergen (haha) von unterschiedlichen Modellen – könnt ihr uns glauben, ist ja schließlich unser Job! Wenn man sich auf die langwierige Suche nach einem geeigneten Modell für einen selbst begibt, ist dies vor allem die Suche nach der eigenen Motivation – Wie viel will ich wandern, wie viel klettern? Was, wenn man beides möchte, oder besser gesagt sich einen Weg am felsigen Abgrund entlang bahnen oder eine Klettersteig mit Kabelbrücken überqueren will? Wird man einen Gletscher queren? Auf rutschigen Felsplatten balancieren? Hanwag schickt in dieses Rennen den Ferrata II GTX.

DAS EINFÜHRUNG

Der aktualisierte Ferrata ist Hanwags neuster Beitrag im großen Markt der traditionellen Bergstiefel. Normalerweise bekannt für ihre klare Formen und klassischen Schnitte, fühlt sich die Welt des immer schnelleren und leichteren Alpinimus meilenweit entfernt an von Stiefel wie z.B. dem Tatra Top GTX mit seinem Voll-Leder-Schaft, dem steifen Knöchelbereich und dem traditionellen Leder-Design.

Der Ferrata kommt einem da hingegen vor wie der Hecht im Karpfenteich. Beste traditionelle Werte werden hier mit neuen Technologien zu einem roten Flitzer kombiniert. Klassisches Leder wird ohne Saum mit synthetischem Material zusammengefügt, wodurch ein schützender Oberschuh entsteht, ohne, dass man auf Atmungsaktivität verzichten muss. Der obere Schaft wird mit dem Rest des Schuhs durch eine Mikrofaserbrücke verbunden, was ihm erlaubt sich um den Knöchel herum zu biegen. Dies erlaubt einen einzigartigen Halt und Kontrolle auf rutschigem Untergrund und schwierigem Gelände. Die Zehenbox ist großflächig von Gummi geschützt, um es zu ermöglichen hier und da einen Riss, oder sogar eine leichte Einstiegsroute zu klettern ohne, dass der Schuh danach in Fetzen hängt.

DAS TECHNISCHE ZEUG

Die Liste der in diesem Stiefel verbauten Features liest sich mit feuchten Augen. Der Stiefel hat eine C-Wertung und ist bedingt Steigeisenfest durch die Lippe an der Ferse. Die Sohle kommt mit tiefen, weit auseinanderliegenden Stollen um einen guten Grip auf losen Steinen zu gewährleisten. Durch den vorderen, flachen Bereich können aber auch einige Klettermeter gemacht werden. Die Schnürung ist in zwei „Zonen“ aufgeteilt. Sobald man am Fuß die richtige Festigkeit erreicht hat, klippt man die Senkel einfach ein, und kann somit in Ruhe fertig Schnüren ohne, dass einem der untere Bereich wieder davon rutscht. Mit 1440g pro Paar (in Größe 42), positioniert sich der Stiefel klar für Sommertouren – im Winter wird es dann doch zu frisch um die Zehen.

DER TEST-ORT

Ah, die Alpen… schroffes Gelände, riesige Steinmassive, herrliche Routen, die das Auge des Betrachters in die Ferne… ah, Mist! Nachdem die Berge uns mit zu viel Wasser (von oben) den Aufenthalt vermiesen wollten, haben wir es den Zugvögeln gleichgetan und uns mal die herrlichen Mehrseillängen in mediterran gemäßigteren Gebieten angeschaut.Im Umkehrschluss heißt dies auch leider, dass wir bisher nicht dazu kamen die Stiefel im schneegeküssten Gelände mit Steigeisen zu testen, weshalb sich diese Bewertung mehr auf die wander- und kletterischen Fähigkeiten bezieht.

Zuerst aber eine allgemeine Ansage über Sardinien: Man, muss man da laufen! Obwohl eigentlich zum Klettern da, brachten wir es in den zwei Wochen Aufenthalt auf über 30 Stunden wandern um von und zu den Routen zu kommen. Das perfekte Testgelände für den Ferrata II war die legendäre Gorropu-Schlucht mit ihren technischen Boulderfeldern über, und manchmal auch unter, die man Kraxeln muss um zum Einstieg der verborgenen 500m hohen Wände zu kommen.

 BEEINDRUCKENDES

Kletterfähigkeit: Als großes Plus – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten – kann der Ferrate mit einer großen, seitwärts weiter geführten, Kletterfläche an der Spitze aufwarten. Das klingt vielleicht erstmal nach nicht viel, aber die Fußspitze auf einem kleinen Tritt drehen zu können, ohne sofort abzurutschen macht den notwendigen Unterschied bei einfachen Klettereien aus.

Der beste Stiefel ist der, den man für einige Seillängen anbehalten kann, bevor man in die technischeren (aber weniger bequemen) Kletterschuhe schlüpft. Überraschend für so einen steifen Stiefel ist auch, dass der Ferrata einen guten Gripp auf stark abgerundeten Flächen behält, etwas, was wir nach Herzenslust an den glatt geschliffenen Steinen am Bachbett testen durften.

Höchster Komfort: Diese Stiefel wanderten aus dem Karton, auf den Trail und blickten nie zurück. Während man doch erwartet, dass jetzt erst einmal der lange Prozess des Einlaufens beginnt, zeigten sich die Ferratas vom ersten Tag an von ihrer gemütlichsten Seite. Obwohl die Steifheit der Bergstiefel nicht fehlt, waren sie auch noch nach Kilometerlängen Wegen mit einem schweren Kletterrucksack sehr bequem.

Haltbarkeit: Auf diesem Gebiet haben sich die Entwickler wirklich etwas gedacht, um dem Stiefel ein möglichst langes Leben zu bieten. Die wenigen Nähte auf dem Oberschuh bieten so wenig wie möglich Angriffsfläche und das Gummi an der Spitze und den Seiten schützt das Material vor gar zu spitzen Steinen.

WO’S HACKELT

Nicht schwer, aber auch kein Leichtgewicht: Auch wenn man sich alle Mühe gegeben hat das Gewicht des Schuhs so einzigartig wie möglich für seine Klasse zu machen, hat der Ferrata II immer noch eine Schokotafel zu viel auf den Rippen.

Im Direktvergleich mit den nächstliegenden Konkurrenten, wie z.B. dem federleichten Scarpa Ribelle Tech (1240g) erscheint der Ferrata doch eher wie ein kleiner Brummer, vor allem wenn man bedenkt, dass er für größere Füße auch mehr Gewicht mitbringt.

Packmaß: Seien wir ehrlich: An einem bestimmten Punkt werdet ihr den Stiefel in einen Rucksack packen wollen, spätestens dann, wenn die Klettergrade in die Höhe wandern. Genau dann seid ihr an dem Punkt angekommen, wo euch das Packmaß vermutlich ärgern wird.

Der faltbare Schaft erlaubt zwar etwas mehr Spielraum als ein normaler Stiefel, ist aber keine Konkurrenz zu einen luftig leichten Zustiegsschuh – diese können inzwischen, flexiblen Steigeisen wie dem Petzl Leopard sei Dank, auch als Konkurrenz an Routen mit kurzen Schneequerungen angesehen werden.

TAUGT‘S WAS?

Abgesehen von den kleinen, mäkeligen Punkten des höheren Gewichts und des kniffeliges Packmaßes tut der Ferrata II GTX genau das, was er soll. Reinschlüpfen und ewig lange Zustiege bezwingen, technische Kraxeleien, einfaches Felsklettern – alles möglich. Steigeisen an und der Gletscher gehört euch, auf geht’s über die Schneefelder, durch die Bäche und (wir vermuten) sogar über mit den Vorderzacken über kleinere Eishügel. Wenn ihr einen (ziemlich) leichten Stiefel sucht, den man am Berg ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen kann, dann sollte der Ferrata II auf jeden Fall auf der Liste stehen.

Ein Schirm beim Wandern – Modesünde oder echte Hilfe?

4. August 2020
Ausrüstung

Ein Sonnenschirm für unterwegs? Na, ich weiß nicht, das passt doch eher zu Picknick und Sommerfrische im 19. Jahrhundert als zu Bergtouren im 21. Jahrhundert. Anno dazumal passte es allerdings umso besser, denn es war auch am Berg durchaus üblich, ausgefallene Accessoires mitzuführen. Während der Herr in Frack und Gehrock noch relativ schlicht den Hang erklomm, balancierte die Dame nicht selten im gestützten Reifrock durchs Geröll.

Den Sonnenschirm und den ebenso unverzichtbaren Fächer trugen die mit etwas Glück vorhandenen Bediensteten. Nicht fehlen durfte auch die lange Alpenstange, die man heute eher zu Dekorationszwecken als zur Fortbewegung in Eis und Fels nehmen würde. Alles in allem: der Coolnessfaktor eines Sonnenschirms beim Wandern ist nicht berauschend. Doch wie sieht es mit der praktischen Relevanz aus? Kann der Sonnenschirm da punkten? 

Der Sonnenschirm im Praxistest

Da ich selbst leider keine Sonnenschirm-Outdoorerfahrung vorweisen kann, muss ich mich auf die Expertise der UserInnen des USA-Reiseforums verlassen. Die sind gern auch im Südwesten des Landes unterwegs, wo die Sonne bekanntlich brutal brutzeln kann. Hier einige Statements zum Sonnenschirm im Wilden Westen:

Seitdem mir im vorigen August der (leichte) Sommerhut ständig weg wehte und der neu gekaufte Stetson (mit Kordel) aufgrund meiner sehr dicken, langen Haare so richtig für Schweißbäche sorgte, bin ich zum Zabriskie Point mit Schirm marschiert – und was soll ich sagen? Das war einfach super!

Dieser berühmte und im Sommer unglaublich heiße Aussichtspunkt im Death Valley ist eine eher kurze Exkursion. Doch die Lösung für längere Wanderungen ist ebenfalls nicht schwer, wie eine andere Userin feststellt: „Schaun mer mal, ob’s nicht zu lästig wird – sonst wandert er eben in den Rucksack.“

Die besser sitzende Frisur und die allgemeine Kopffreiheit ohne enge Mützen und Kapuzen sind auf jeden Fall schonmal erste Pluspunkte für den Sonnenschirm. Wobei die Annehmlichkeit des freien Kopfes, der nicht durch zugezogene Jacken und Kapuzen in den Schwitzkasten genommen wird, für jede Art von Schirm gilt. Auch das unbeeinträchtigt freie Blickfeld ist ein netter Vorteil.

Viel Kritik, aber auch einen, nun ja, praktischen Verwendungszweck hat eine dritte Userin des Forums parat:

Abgesehen davon stelle ich mir einen Schirm bei Wind noch viel ekliger vor. Und bei uns hat es im April im Südwesten, auch zur Wave rauf, ständig mehr oder weniger stark gewindet. Und wenn ich mal strauchle, habe ich gern die Hände frei, um mich aufzufangen/abzustützen. Aber OK, mit dem Schirm hätten wir uns gegen die Klapperschlange verteidigen können  :lol:

Als „winddicht“ kann man den Sonnenschirm also nicht gerade bezeichnen. Schützt er denn wenigstens tatsächlich vor UV-Strahlung? Leider nur bedingt, es kommt hier wie bei der Bekleidung auf die Dichte des Gewebes an. Unter handelsüblichen Sonnenschirmen sind  empfindliche Hauttypen nur dürftig vor Sonnenbrand geschützt.

Weitere Kritikpunkte sind die fehlende Handfreiheit und das Zusatzgewicht:

Bei längeren Wanderungen über verschiedene Untergründe würde ich es eher lästig finden ständig etwas in der Hand zu haben. Ab und an braucht da schon mal ne Hand um sich abzustützen und im Rucksack bin ich froh wenn ich so wenig Balast wie möglich mit mit mir rumschleppe.

Fassen wir zusammen: der praktische Nutzen des Sonnenschirms ist eher strittig und auch bei der Haltungsnote, sprich Coolness und Vorzeigbarkeit, gibt es empfindliche Abzüge. Alles in allem scheint er eher für Nostalgiker mit Romantik-Einschlag als für Outdoorer und Bergsportler interessant.

Der Schirm an sich

Doch wie sieht es mit dem Schirm an sich unterwegs aus – also dem ganz normalen Regenschirm? Kann man den nicht auch so nebenbei als Sonnenschutz benutzen? Ja, kann man, denn es gibt UV-resistente Regenschirme. Das ist der herkömmliche Regenschirm natürlich nicht, abgesehen davon, dass er so schwer und unhandlich ist, dass ihn wohl kaum jemand freiwillig in den Rucksack packt. Deshalb wurden die Wander(regen)schirme bzw. Trekking(regen)schirme erfunden.

Trekkingschirme

Trekkingschirme sind kompakter und robuster konstruiert als Alltagsschirme. Doch auch bei diesen vielseitigen Sonnen- und Regenschirmen bleibt die Frage nach dem Mehrwert im Vergleich zum Standardwetterschutz durch die (Funktions)kleidung. Die Autorin des Blogs Etappen-wandern.de hat hierzu ein paar Erfahrungen gesammelt und interessante Überlegungen parat:

Meine gute, aber mit etwa 150 € nur mittelpreisige Regenjacke macht jedoch irgendwann, so nach vier Stunden Dauerregen, schlapp. Wenn man mitten in der Pampa unterwegs ist, gibt es für gewöhnlich kein Dach unter dem man sich mal unterstellen kann und nach sechs Stunden Regen etwas essen oder sich etwas Trockenes anziehen kann. Auf Mallorca sind wir daher immer durchmarschiert, klitschnass, ohne Pause und ohne etwas zu essen. Ein Regenschirm hätte uns da sehr geholfen. Gerade, wenn er groß ist und sich in den Baum hängen lässt.

Hier könnte man einwenden, dass sie sich halt mal ne gescheite Hardshelljacke kaufen soll. Doch selbst wenn das Kleingeld dafür übrig ist, bleibt ein Problem laut Autorin „immer gleich: Denn egal wie atmungsaktiv das gute Stück auch sein soll, Dichtigkeit und Atmungsaktivität schließen sich für mich nach logischem Menschenverstand einfach aus. Überhaupt kann es nur bei einem deutlichen Temperaturgefälle ein bisschen funktionieren. Am Ende bleibt, dass man – vor allem bei sommerlichen Temperaturen oder bei einem Aufstieg – unter einer Regenjacke einfach schwitzt. Und dann ist man trotzdem nass, auch wenn die Regenjacke das Wasser von außen abhält.

Da ist was dran, auch wenn sich Dichtigkeit und Atmungsaktivität durchaus nicht ausschließen und auch gewiss nicht alle Hardshelljacken ein derart schwaches Bild abgeben. Was dran ist auch an folgendem Komfortargument:

Während sich zwei andere Mitwanderer in ihre Regenjacken zwängten, spannte ich – sogar ein bisschen freudig – meinen Regenschirm auf. Und wirklich! Ich blieb trocken, kam überhaupt nicht ins Schwitzen und war heilfroh nicht in meine Regenjacke zu müssen. Ein Regencape oder Regenponcho kommt für mich übrigens ebenfalls nicht in Frage. Wenn man beim Bergwandern doch mal die Hände braucht, sind die mir einfach zu gefährlich. Zudem versperren sie bei Wind auch noch die Sicht auf den Untergrund.

Hände frei? Und was ist bei Wind?

Das Problem mit den Händen taucht doch bei Schirmen ebenfalls auf“, könnte hier der nächste Einwand lauten. Ja und nein, bei handelsüblichen Schirmen ist tatsächlich immer eine Hand belegt. Doch unter den Wander/Trekkingschirmen gibt es auch eine Handsfree-Variante. Zumindest bei den ausgewiesenen Spezialisten von Euroschirm, die wander- und bergtaugliche Regenschirme produzieren, von denen viele mit einem Handsfree-Befestigunsclip für den Rucksack geliefert werden. Diese Schirme schützen nebenbei auch zuverlässig vor UV-Strahlung.

Trekkingschirme haben im Unterschied zu herkömmlichen Regenschirmen ein flexibleres und bruchfestes Gestell, meist aus Glasfasern, sowie einen stabileren Schaft. Werden diese Schirme von starken Windböen erfasst, lassen sie sich einfach wieder zurückklappen, ohne beschädigt zu werden. Hochwertige Modelle schaffen all das bei einem Gesamtgewicht von nur 200 bis 400 Gramm. Auch Details wie Schieber, die mit Handschuhen bedient werden können oder Griffe mit starker Reibung machen den Unterschied zwischen Trekking- und Alltagsschirmen.

Und selbst wenn man den Schirm die ganze Zeit tragen muss – ist das wirklich ein so großes Problem? Denn abgesehen davon, dass es nicht immer stundenlang regnet, ist das Gewicht eines Trekkingschirms durchaus auch mal länger „stemmbar“. Und falls es doch ermüdend wird, kann man immer noch die Hand wechseln.

Und da wir jetzt den Regenschirm liebgewonnen haben, können wir ihn auch gleich als Sonnenschirm benutzen. Dafür gibt es zum Schluss nochmal ein paar richtig gute Argumente aus dem USA-Forum:

Das klingt zuerst vielleicht komisch, aber so ein Regenschirm hat unter heißer Sonne so viele Vorteile wie im Regen. Im Sommer wandern, das bedeutet oftmals stundenlang einer sengenden Sonne ausgesetzt zu sein. Das (…) hat vor allem Konsequenzen bezüglich der eigenen Leistungsfähigkeit, denn die ist auf jeden Fall eingeschränkt. Für den Wanderer ebenfalls negativ, der Wasserverbrauch. Das muss man mitschleppen und man hat nie genug davon. (…)

Der Regenschirm schützt zuverlässig vor dem Aufheizen des eigenen Körpers durch die Sonne. Ein beachtlicher Vorteil und der Grund, warum z.B. erfahrene Langstreckenwanderer in Nordamerika einen Schirm mittlerweile für unverzichtbar erachten. Er schützt, erhöht die Leistungsfähigkeit und spart Wasser. Favorisiert werden Regenschirme mit einer silbernen Beschichtung. (…) Man will ja jeden Vorteil nutzen, oder?

Im Bergfreunde-Test: Die Osprey Poco Plus Kinderkraxe

5. August 2020
Kaufberatung

Hach ja, mit Kind und Kegel auf Tour gehen. Was kann es schöneres geben? Vielleicht allerhöchstens herauszufinden, woher der „Kegel“ in der Redewendung kommt? Weiß das jemand? Ok, ok, ganz anderes Thema. Ihr seid ja schließlich hier um einen Testbericht zu lesen!

Daher lautet die spannendere Fragen: Wenn man mit der ganzen Truppe ins Freie will, aber der Nachwuchs noch nicht lange auf den Beinen sein kann (oder will), wie schafft man es da eine ausgedehnte Wandertour zu nehmen? Die Lösung ist einfach und lautet: Mit einer Kraxe bzw. Kindertrage. Kollege John aus unserem Planning-Team durfte die Poco Plus Kindertrage von Osprey testen. Hier kommt sein Erfahrungsbericht:

Mein erster Eindruck

Da es uns als Familie wichtig ist, viel Zeit in der Natur zu verbringen und gerne etwas abseits der offiziellen asphaltierten „Buggy-konformen“-Wege auf Wanderschaft zu gehen, bleiben letztlich nicht viele Optionen – und so eine Trage kommt da gerade recht. 

Da unsere Tochter zum Zeitpunkt des Kaufs bereits 2 Jahre alt war, kam die Poco Plus dank der maximalen Körpergewichtsangabe von ganzen 22 Kilogramm für uns am ehesten in Frage, denn durch die höhere Gewichtskapazität ist sie auch für Kinder bis 3,5 Jahren nutzbar.

Als die Trage bei uns ankommt, ist der erste Eindruck von der gesamten Familie durchweg positiv. Unsere Kleine will sofort Probesitzen. Wir haben uns dann einige Minuten Zeit genommen und die Trage individuell auf Kind und Träger passend eingestellt. Das ist dank beigefügter Anleitung leicht verständlich und schnell machbar. Die Poco Plus lässt sich einfach (auch alleine), ähnlich wie ein Rucksack anziehen und das Gewicht verteilt sich super auf Rücken und Hüfte.

Der erste Ausflug

Wir haben mit guten Freunden und deren Kind einen schönen Ausflug gemacht und die Trage wurde stolz präsentiert. Unsere Freunde waren mit Buggy und wir mit Trage unterwegs, wir stellten schnell die Vorteile der Trage gegenüber dem Buggy fest. Wenn man spontan Querfeldein oder durch den Wald laufen möchte ist das damit natürlich problemlos möglich. 

Was für mich als Träger sehr angenehm war, war die Handfreiheit.  Diese ermöglichte mir während des Wanderns zu trinken, dem Kind etwas zu essen zu geben und es abzulenken ohne anzuhalten. Unsere Kleine fühlte sich so wohl, dass sie sogar ihren Mittagschlaf in der Trage machte – sonnengeschützt durch das leicht ausklappbare Sonnensegel.

Das integrierte Regencape kam bei unserem Ausflug zwar nicht zum Einsatz, ist aber sehr praktisch, da es wirklich den gesamten Körper des Kindes bedeckt – mehr dazu gleich noch.

Technische Daten im Überblick: 

  • Die Trage/Kraxe wiegt 3,6 Kg,
  • Maße in cm: H 73 x L 40 x P48/ gefaltet: H 76 x L 40 x P 29
  • Maximale Tragelast: 22 Kg (Gesamtgewicht von Kind, Ausrüstung und Rucksack) 
  • Hauptsächliches verwendetes Material ist Nylon
  • bluesign Label (Aus zugelassenen chemischen Produkten und Rohstoffen hergestellt)

Meine persönlichen Highlights der Osprey Poco Plus:

Das ausziehbare Sonnensegel versteckt sich in der Rücklehne des Kindersitzes und ist dort sehr platzsparend verstaut. Es lässt sich spielend leicht aufziehen und mit einem Hakensystem fixieren. Da braucht man noch nicht einmal die Bedienungsanleitung zu lesen.

Das Regencape findet man zusammengefaltet im unteren Staufach unterhalb des Sitzbereichs. Um es anzubringen muss zunächst das Sonnensegel aufgespannt sein. Der Rest geht dann aber ganz easy: Das Cape wird einfach über die gesamte Rückseite gezogen, mit Kletterverschlüssen und Ösen fixiert. Der kleine Passagier wird dadurch komplett vor Regen geschützt und hat sogar noch genug Platz, um weiter mit seinen Spielsachen zu spielen.

Besonders gut gefallen hat mir auch das Tragesystem. Die Polsterungen sind stark ausgeprägt und liegen sehr angenehm auf – das drückt definitiv nichts! Der Hüftgurt lässt sich auch unterwegs ganz leicht anpassen und ist mit kleinen Taschen bestückt. Hier wurde meiner Meinung sehr darauf geachtet, dass nicht nur der Passagier sondern auch der Träger oder die Trägerin besonders bequem unterwegs sind.

Was die Sicherheitsgurte angeht: da dürfte sich wohl jedes Kind pudelwohl fühlen. Sie sind – genauso wie alle anderen Teile in Greifnähe – angenehm gepolstert und schneiden nicht ein. Durch den breiten Nackenbereich steht gemütlichen Mittagsschläfchen nichts im Wege!

Und hier nochmal alle Features der Poco Plus im Überblick

  • Sonnenschutz (mit Sonnenlichtschutzfaktor 50 & UV-Faktor 22)
  • Integrierte Regenhülle
  • Spielzeugschlaufen und seitliche Netztaschen
  • Deluxe Kindercockpit
  • Höhen verstellbares Rückensystem
  • Verstellbarer Sicherheitsschultergurt
  • Einstellbare Bügel
  • Leichter Klapprahmen aus Aluminium
  • Reißverschluss-Aufbewahrungstasche
  • Dual Haltegriff
  • Einstellbarer Torso
  • Unteres Reißverschlussfach (17 L)
  • Hüftgurttaschen
  • Verstellbarer Fit on the Fly Hüftgurt (66cm-122cm)
  • Torso Dimensionierung: 38 cm-53cm
  • Seitliche Zugangstaschen aus Strech-Netzstoff
  • Großes Vorderseitenfach
  • Abnehmbarer „Sabberschutz“
  • Und alles Zusammen sehr gut und ausführlich mit Bildern und Handlungsanweisungen in der Bedienungsanweisung erklärt ( Auf der letzten Seite  des Handbuchs ist zudem eine „7 Jahre Allumfassende Garantie POCO Kindertransporter und Zubehör“ vermerkt

Fazit

Ohne jetzt in zu große Begeisterungsstürme verfallen zu wollen, aber die Trage hält was sie Verspricht. Besonders der hohe Tragekomfort und das ziemlich unkomplizierte Handling haben uns gut gefallen.

Das schon mehrfach erwähnte Sonnendach, der Regenschutz und ausreichend Stauraum runden das Gesamtpaket ab. Unterm Strich haben wir es bei der Poco Plus Kinderkraxe mit einem ziemlich durchdachten Teil zutun, dass zwar nicht gerade zu den günstigeren Modellen gehört, aber meiner Meinung jeden Cent Wert ist. Unser Kind fühlte sich jederzeit sehr wohl und sitzt sehr sicher und gerne über längere Zeit in der Trage,

Falls ihr euch für das gute Stück interessiert, könnt ihr es natürlich bei uns im Bergfreunde-Shop erstehen.

Packliste Bergsport in der Stadt

24. Juli 2020
Packlisten

Urbaner Bergsport – klingt zunächst nach Widerspruch in sich, entpuppt sich aber gerade als Megatrend, den auch der Alpenverein fördert. Denn in den Städten werden immer häufiger Wände erklettert, Downhills gefahren, Hindernisse überwunden und Grenzen ausgetestet. Mehr über die Urbanisierung des Bergsports erfahrt ihr in unserem Basislager-Artikel zu diesem Thema. Hier nun präsentieren wir euch Unentbehrliches, Nützliches und nicht ganz so Nützliches für eure Outdoor- und Indoorabenteuer in der urbanen Sphäre.

Für’s städtische Allroundabenteuer











Zusätzlich fürs Baden und den Strand

Ob Münchner Isarufer oder Berliner Müggelsee – Großstadtbergfreunde tauchen auch gern mal ab ins kühle Nass. Dabei sollte man neben Handtuch und Badehose/ Badeanzug Folgendes nicht vergessen:




Zusätzlich/alternativ für Städtereisen









Zusätzlich für den Winter




Last but not least

Zum Abschluss präsentieren wir noch ein wenig Sonderausstattung – sozusagen die Heckspoiler und Alufelgen des urbanen Bergsports:



Nachhaltigkeitsportrait Arc’teryx

16. Juni 2020
Ausrüstung

Wie heißt dieser Ort, an dem kulturreiche Millionenmetropole und Outdoorparadies zusammentreffen? München? Naja, nicht ganz, die Berge sind da schon noch ein Stück weg.

Vancouver? Richtig! Das ist die quirlige Großstadt, an deren Nordrand unvermittelt das Gebirge mit den Tourenmöglichkeiten beginnt. Und genau dort, in North Vancouver, hat die Firma Arc’teryx ihr Basislager. In den umgebenden Skigebieten und schroffen Bergmassiven mit ihren harten Wetterbedingungen finden die Tüftler der als Edelschmiede bekannten Marke ideale Testbedingungen. Und schaffen so den „Schmelztiegel, der innovative, zielgerichtete Outdoor-Designs hervorbringt.“

Im Unterschied zu den meisten Konkurrenten unterhält das Unternehmen tatsächlich eine große Produktion am Heimatstandort. Ein Unterschied, der laut eigener Aussage bei der Produktentwicklung eine sehr große Rolle spielt. Und der sicherlich auch einen Nachhaltigkeitseffekt hat.

Firmenkurzportrait

Symbol und Namensgeber ist der Archaeopteryx Lithographica, das vermutlich erste Lebewesen jenseits des Insektenreichs, das Flugfähigkeit erlangt hat. Damals sicher eine unkonventionelle Idee der Evolution. Und wie wir wissen, führen unkonventionelle Ideen auch heute noch zu wirklich neuen Lösungen. Bei Arc’teryx begann das mit den ersten Klettergurten und Rucksäcken, die 1989 in der Garage des Firmengründers Dave Lane gefertigt wurden. Die Gurte konnten durch innovatives 3D-Design in einem bis dato nicht für möglich gehaltenen Maß auf Polsterung verzichten und Gewicht einsparen.

Innovatives Design ist bis heute der Identitätskern der Marke. Und es sind bis heute Kletterer aus der Region, die im hauseigenen „Design Centre“ das Design, die Materialauswahl und die Produktentwicklung übernehmen.

Nachhaltigkeitsstrategie

Innovatives Design ist für Arc’teryx allerdings nur in Verbindung mit einer sehr hohen Produktqualität und dementsprechend langer Lebensdauer vollständig: „Unsere Philosophie entspringt dem Glauben, dass Haltbarkeit der beste Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist“.

Mit dieser Selbstauskunft wäre im Prinzip alles Wichtige über die Nachhaltigkeitsstrategie von Arc’teryx gesagt. Doch man begnügt sich natürlich nicht allein mit der hohen Haltbarkeit der Produkte. Im Gegenteil, das Thema Nachhaltigkeit wird auf der Firmenwebsite sehr umfangreich behandelt. Schauen wir uns nun die einzelnen Aspekte an.

Was sagt die Firma?

Zunächst einmal wirkt es sympathisch, dass man bei der Selbsteinschätzung durchaus ehrlich auftritt:

Obwohl wir immer eine perfekte Lösung anstreben, konnten wir diese in vielen Fällen noch nicht umsetzen – aber wir arbeiten daran. Wir sind motiviert, nicht nur nachhaltige Produkte herzustellen, sondern ein Unternehmen zu schaffen, das auf lange Sicht besteht und leistet.

Etwas weniger gefällt mir persönlich, dass daraufhin zwar jede Menge Text und Grafik zum Thema Nachhaltigkeit folgt, so manches davon sich aber als wohlklingender Allgemeinplatz entpuppt, den man gern auch etwas verschlanken könnte. Diese Aufgabe versuche ich folgend mal stellvertretend zu übernehmen. Wie bei allen Bergfreunde-Nachhaltigkeitsportraits wird das Ganze nach den Bereichen Umwelt und Soziales unterschieden.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Designs für eine lange Nutzungsdauer“ ist der erste auf der Firmenhomepage angesprochene Aspekt. Der entsprechende Absatz scheint mir allerdings wenig gehaltvoll.

Im nächsten Aspekt Produkte, Materialien, Technologien sieht es besser aus, dort findet sich auch das Eingangszitat mit der ehrlichen Selbsteinschätzung. Das Mehr an Gehalt und Aussagekraft zeigt sich auch in der Unterteilung nach folgenden Unteraspekten:

  • Produktlebenszyklus: Arc’teryx hat ein detailliertes „Monitoring“ über die Ökobilanz jedes Produktes eingerichtet. Es wird beispielhaft anhand der Alpha SV Jacke gezeigt. Bei der Erstellung der Ökobilanz „haben wir festgestellt, dass 65 % der durch eine unserer Jacken hervorgerufenen Umweltbelastungen bei der Produktion der Rohmaterialien und der Herstellung entstehen.“ Was man mit diesem Wissen konkret macht, ist (noch?) nicht nachzulesen.
  • Produktpflege und Reparatur: Arc’teryx weist auf seinen großen, weltweiten Reparaturservice hin. Allein in Vancouver hat man 2017 13.110 Produkte erfolgreich repariert.
  • Materialauswahl: Arc’teryx ist Bluesign-Systempartner und hat dessen Liste eingeschränkt nutzbarer Produkte (Restricted Substances List, RSL) übernommen. Man arbeitet eng mit den Zulieferern zusammen, um die RSL-Standards über die gesamte Lieferkette einzuhalten. Das Bluesign-System soll über die bloße Kontrolle des Endprodukts hinaus die Auswahl nachhaltiger Rohmaterialien ermöglichen.
  • PFCs: Arc’teryx verwendet ausschließlich kurzkettige PFCs, die kein PFOA enthalten (Näheres zu PFC und PFOA in diesem Basislager-Artikel). Es bleibt jedoch die umweltbelastende Wirkung kurzkettiger PFCs und man weiß, dass deren Verwendung „keine perfekte Lösung darstellt. Während sie die Lebensdauer eines Produkts erhöhen, bestehen sie auch in der Umwelt“.
    Deshalb testet man neue PFC-freie DWRs (Durable Water Repellency) und arbeitet an der Entwicklung neuer wasserdichter Ausrüstungen wie Silikone und modifiziertes Paraffin (Wachs). Arc’teryx sagt, ein Durchbruch stehe in der Industrie insgesamt noch aus, doch das stimmt mittlerweile nicht mehr  ganz. So hat beispielsweise Vaude mit seinem „Eco Finish“ eine funktionierende, komplett PFC-freie Imprägnierung im Angebot.
  • Geruchshemmende Behandlung: Das hauseigene „Durable Anti-Odour“ (DAO) besteht aus einer Spurenkonzentration Silbersalze, „die in ein nicht-toxisches Polymer eingebunden und mit der Materialoberfläche verbunden werden“. Es werden nur minimale Mengen an Silbersalz und kein Nano-Silber benötigt. Die größeren Partikel werden nicht so leicht von Organismen aufgenommen. Arct’eryx verweist auf Studien, die zeigen, dass herausgelöste Silberkonzentrationen aus den Produkten keine bedeutenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben. Der entsprechende Link führt allerdings nur auf die Startseite einer großen Studien-Datenbank.
  • Tierschutz: Arc’teryx verwendet nur RDS-zertifizierte Daunen (Responsible Down Standard), die von der Allied Feather and Down facility in Kalifornien weiterverarbeitet wurden. Allied ist ebenfalls Bluesign-Partner. Die verwendete Wolle stammt von Zulieferern, die entweder nach dem ZQ Merino Standard oder dem National Wool Declaration Integrity Program arbeiten und kein Mulesing betreiben (eine tierquälerische Praxis, um Larvenbefall einzudämmen). Die Lederlieferanten „halten sich an die Liste eingeschränkt nutzbarer Produkte (RSL) und verwenden nur Leder, das aus Tierhäuten gefertigt wurde, die als Abfallprodukt der Fleischindustrie entstehen. In Zusammenarbeit mit unseren Zulieferern stellen wir sicher, dass das Leder von Leather Working Group konformen Gerbereien stammt, die Umweltmaßnahmen durchführen.
  • Mikroplastik: In einem Forschungsprojekt des Ocean Pollution Research Programs werden bei 30 unterschiedlichen Stoffproben von Arc’teryx „Fingerabdrücke“ erstellt und der Materialabrieb gemessen. Die Daten werden in eine globale Datenbank eingespeist, die dabei hilft, die Quelle, den Transport und den Ort der Verschmutzung mit Mikroplastik in den Ozeanen besser zu verstehen. Das Ziel ist, „zu lösungsorientierten Designs, Praktiken und Produkten beizutragen.“

Als nächster Umweltaspekt folgt der Klimaschutz. Man ist dabei, „klimawissenschaftlich unterstützte Emissionsziele zu entwickeln“. Dafür will man die Effizienz der Lieferkette deutlich steigern und viele weitere Dinge tun, die ausführlich und sehr ambitioniert beschrieben werden, bislang aber noch den Status von Absichtserklärungen haben. Man hat die United Nations Fashion Climate Charter unterzeichnet und sich mit einer kanadischen Denkfabrik für Klimapolitik und Forschung zusammengeschlossen.

Eine tatsächlich konkrete Maßnahme wird eigenartigerweise auf der Firmenhomepage nicht bzw. nur sehr versteckt erwähnt: das Used Gear Rückkaufprogramm 2019. Über dieses berichtet stattdessen der Blog Gearjunkie. Arc’teryx kauft Ausrüstung in leicht getragenem bis ausgezeichnetem Zustand zurück, solange das Innenetikett noch angebracht ist. Man gibt dafür einen Gutschein im Wert von 20 Prozent des ursprünglichen UVP aus. Funktionsfähige Artikel, die nicht weiterverkauft werden können, gehen an Schulen und gemeinnützige Einrichtungen.

Analyse der eigenen Umweltauswirkungen

Arc’teryx hat bereits 2014 den sogenannten Higg Index eingeführt, ein freiwilliges Instrument, das von der Sustainable Apparel Coalition (SAC) entwickelt wurde. Der Name Higg geht auf das Higgs-Teilchen zurück, mit dem die Physik das Verständnis vom Universum vertiefen will. Der Higg Index sucht analog „nach dem Teil innerhalb der Wertschöpfungskette, der die Nachhaltigkeit verändert“. Die Produktionsstätte in Vancouver hat man demgemäß mit Geräten zur Steigerung der Energieeffizienz ausgestattet: Bewegungsmelder, Zeitschaltuhren für die Beleuchtung und programmierbare Thermostate. Zudem begrüßt man die in British Columbia erhobene Kohlenstoffsteuer als Anreiz für weitere Maßnahmen.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Wie eingangs erwähnt hat Arc’teryx einen relativ hohen Anteil an Eigenproduktion vor Ort, den man weiter ausbauen will. Dort gelten selbstverständlich hohe Arbeits- und Sozialstandards – die allerdings auch mit einem hohen Anforderungsniveau an Qualifikation und Kompetenz auf Seiten der Belegschaft einhergehen.

Globale Fertigung

Da das Volumen der Arc’teryx-Produktion die Kapazitäten der Heimatregion vor allem in Bezug auf fähige Arbeitskräfte bei weitem übersteigt, wird mittlerweile global produziert. Man arbeitet „mit den besten technischen Textilfabriken in neun Ländern zusammen“.

Fertigung in Kanada

Trotz Kapazitätsgrenzen und gegenläufigem Allgemeintrend gelingt es Arc’teryx, die Produktion des kanadischen Standorts ARC’One zu steigern. Das gelingt vor allem durch Investitionen in die Qualifizierung neuer Mitarbeiter, die in einem „Trainingscenter“ mithilfe lokaler Organisationen die technischen Fähigkeiten des Handwerks erlernen.

Dazu als persönliche Einschätzung: Wenn qualifizierte Arbeitsplätze in einem regional verwurzelten Unternehmen für mehr Bildung, Qualifikation und Wohlstand in der Umgebung sorgen, ist das eine pragmatische, effektive und ergo gelungene Art von sozialer Nachhaltigkeit.

Fertigung in anderen Ländern

Das Arc’teryx-Netzwerk besteht aus 19 Produktionsstätten in China, Vietnam, Bangladesch, Myanmar, den Philippinen, Indonesien, Kambodscha, El Salvador und Rumänien, die „unsere Produktions- und Qualitätsstandards“ einhalten, „unsere klaren und stringenten Arbeitspraktiken“ beachten und sich „zur Verringerung der Umweltauswirkungen“ verpflichten.

Arbeits- und Menschenrechte

Arc’teryx hat ein umfangreiches soziales Audit- und Überwachungsprogramm in allen Produktionsstätten eingeführt, um ethische Arbeitsbedingungen zu schaffen. Man vertraut dabei „der langjährigen Erfahrung unserer Muttergesellschaft AMER Sports, die für die Koordination unseres Audit-Programms verantwortlich ist“. Das Programm entspricht den Standards der Fair Labour Association und der Social Accountability International.

Gemeinschafts-Partnerschaften sind eine weitere Maßnahme auf der sozialen Ebene, durch die Arc’teryx Projekte und Partner unterstützt. Eine wichtige ist der Do right Day, an dem der Verkaufserlös gespendet wird.

Was sagen Beobachter und Kritiker?

Das ISPO-Magazin stellt General Manager Jon Hoerauf im Interview eine kritische Frage:

Viele sehen auch einen Innovationsschub in der Entwicklung nachhaltiger Kollektionen. Warum haben wir bisher nicht viel über Arc’teryx und Nachhaltigkeit gehört?

JH: „Sie werden bald immer mehr hören – wenn wir bereit sind. Im Grunde sind wir seit mehr als 25 Jahren auf Nachhaltigkeit fokussiert wenn man bedenkt, dass wir versuchen, Produkte zu bauen, die länger halten als alle anderen.

Damit fasst er zusammen, was – wie hier eingangs erwähnt – eine wichtige Säule der Nachhaltigkeit ist, ohne explizit mit diesem Label benannt zu sein: die hohe Qualität und Haltbarkeit der Produkte.

Ansonsten ist das Echo in den Medien und bei Nachhaltigkeitsportalen bislang sehr gering – was daran liegen dürfte, dass die Marke Arc’teryx im Vergleich zu Platzhirschen wie Jack Wolfskin oder Salewa etwas kleinere Kundenkreise anspricht und weniger massentaugliche Ware anbietet. Da man aber in Zukunft mehr in den Bereich Mode gehen möchte, könnte es sein, dass die mediale Aufmerksamkeit steigt.

Fazit

Auch wegen dieses geringen Medienechos musste ich hier größtenteils auf die firmeneigenen Infos zurückgreifen. Die „externen“ Artikel und Berichte klingen auffallend unisono und decken sich sehr mit den Inhalten der Firmenwebsite, weshalb sie womöglich „nur dort abgeschrieben“ sind. Was ich jedoch nicht weiter verwerflich finde, da man der Firma die Naturverbundenheit durchaus „abkaufen“ kann. Mir erscheinen die Selbstauskünfte von Arc’teryx zumindest als gesunde Mischung von PR und ehrlich-transparenter Information. Wenn hier und da nicht alles Gold ist was glänzt, wird das offen angesprochen. Als Gesamtbild zeigt sich eine Firma, die ambitioniert und konsequent am bestmöglichen Einklang von Funktionalität und Nachhaltigkeit arbeitet.

Der neue alte R-Wert-Standard für Isomatten

26. Mai 2020
Ausrüstung, Tipps und Tricks

Eine erholsame Nachtruhe gehört mit zum Wichtigsten auf einer Berg- oder Trekkingtour. Wenn der Körper nicht die Ruhe bekommt, die ihm durch die körperliche Anstrengung zusteht, werdet Ihr bei Euren Unternehmungen schnell wenig Freude haben. Nun nutzt einem aber der beste Schlafsack nichts, wenn die dazugehörende Isomatte die Kälte vom Boden nicht entsprechend abhält.

Dies liegt daran, dass man nicht umhin kommt im Schlafsack den Teil der Füllung mit seinem Körpergewicht zu komprimieren, auf dem man liegt. Hier kommt also die Wärme nicht mehr in erster Linie vom Schlafsack, sondern von der Isomatte, die verhindert, dass sich vom Boden her eine Kältebrücke bildet.

Woher weiß ich aber, bis zu welcher Temperatur eine Isomatte grob einsetzbar ist? Dies regelt der R-Wert, nur dass es im Unterschied zu Schlafsäcken kein normiertes Testverfahren für dessen Ermittlung gab.

Temperaturangaben ohne Wert? – Der bisherige R-Wert

Bislang war ein großes Problem an der Angabe des R-Wertes das Fehlen eines standardisierten Verfahrens. Der R-Wert misst den Wärmewiderstand einer Dämmung. Das bedeutet je besser der Widerstand gegenüber der Wärmeübertragung ist, desto effizienter die Isolation – oder einfacher ausgedrückt je höher der R-Wert desto wärmer die Isomatte.

Nun gab es im Jahr 2001 von den Schweizer Outdoor-Tüftlern Exped erstmals den Versuch einen R-Wert für Isomatten verlässlich zu ermitteln. Dies ließ Exped von der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt in St. Gallen testen, die über die entsprechende technische Ausrüstung verfügten.

Einige Hersteller schlossen sich danach dieser so genannten EMPA-Methode an, andere führten auf einer sehr ähnlichen Basis eigene Tests durch, wieder andere entwickelten aber auch ganz eigene Testmethoden. Dies führte dazu, dass es letztlich erstens keine einheitliche Norm für die Ermittlung des R-Wertes gab und zweitens die Verlässlichkeit dieses Wertes insgesamt nicht gegeben war, weil die verschiedenen Methoden auch unterschiedliche Ergebnisse zeitigten.

Dies war natürlich kein dauerhaft zufriedenstellender Zustand für die Endkunden und so beschlossen die führenden Hersteller von Isomatten nun endlich ein einheitliches Testverfahren für die Wärmeleistung von Isomatten zu entwickeln. Dies geschah auf Basis einer ASTM-Norm. ASTM steht für American Society for Testing and Materials und firmiert seit 2001 kurz unter ASTM International.

Die ASTM-F3340 Norm für den R-Wert

Wie genau funktioniert nun dieses neue, standardisierte Verfahren? Sehr ähnlich, wie bei der ursprünglich von Exped genutzten EMPA-Methode wird die Isomatte zwischen zwei Platten gelegt. Die untere Platte bleibt hierbei kalt, während die oben liegende Platte auf eine konstante, die menschliche Körperwärme imitierende, Temperatur erwärmt wird. Im nächsten Schritt wird dann die Energie gemessen, die benötigt wird, um die Temperatur der oberen Platte gleichbleibend zu halten.

Diese Daten ergeben dann den jeweiligen R-Wert. Was hier nun immer noch eine Leerstelle bleibt, ist der Druck der von der oberen Platte auf die Matte ausgeübt wird, sowie welchen Einfluss der Aufblasdruck der Matte auf das Testergebnis hat.

Es wurde zudem auch die Anzahl der Tests noch nicht festgelegt, die der Norm zugrunde gelegt werden soll. Deshalb bietet auch der neue R-Wert „nur“ die Möglichkeit einer Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Herstellern, nicht aber eine konkrete Temperaturangabe. Will heißen ihr wisst jetzt, dass egal ob ihr eine Matte von beispielsweise Sea to Summit, Exped oder Therma A Rest erwerbt, alle Hersteller den R-Wert auf der gleichen Basis ermitteln.

Bis der R-Wert auch eine wirklich verlässliche und nachvollziehbare Temperaturangabe sein kann, bedarf es noch der genauen Definition obiger Parameter. Aber die neue Norm ist nichtsdestotrotz ein guter Schritt um Euch eine höhere Transparenz zu bieten und damit die Wahl der richtigen Isomatte doch deutlich zu erleichtern. Denn eine grobe Temperaturspanne bietet der R-Wert schon und durch die neue Einheitlichkeit mit der Norm ASTM F3340 ist er als Angabe sehr viel verlässlicher geworden.
In diesem Sinne, bleibt gesund und macht Euch draußen eine tolle Zeit, denn dort ist sie immer noch am Schönsten!

Die Nachhaltigkeit bei Icebreaker

5. Mai 2020
Ausrüstung

Wenn ich „Icebreaker“ lese, denke ich komischerweise nicht an gepanzerte Schiffe im Polarmeer, sondern an Merinoschafe und Funktionsunterwäsche. In Sachen Werbepsychologie hat die 1994 in Neuseeland gegründete Firma also alles richtig gemacht. Das könnte vielleicht auch daran liegen, dass Firmengründer Jeremy Moon zu dieser Zeit gerade ein Marketing-Studium beendet hatte.

Die entscheidende Idee lieferte ihm laut Icebreaker-Schöpfungsmythos eine Freundin, als sie ihm den Farmer Brian Brackenridge vorstellte. Der Schafzüchter hatte ein T-Shirt aus 100 Prozent Merinowolle anfertigen lassen und gab es dem 24 jährigen Moon. Der war begeistert, trug es fortan selbst bei seinen Outdooraktionen und überlegte, wie man die Leute von dem brandneuen und zugleich uralten Material überzeugen könnte.

Es hat nur wenige Jahre gedauert, bis das geschafft war und aus der Idee, Outdoorunterwäsche aus Naturmaterial zu bevorzugen, ein Unternehmen mit Sitz in Wellington und mehr als 350 Angestellten wurde. Wer weitere Eckdaten über die Firma erfahren möchte, kann auf der Bergfreunde-Shopseite nachschauen. Hier im Basislager wandert der Blick jetzt auf den Nachhaltigkeitsansatz von Icebreaker.

Der Nachhaltigkeitsansatz von Icebreaker

Das wohl wichtigste Stichwort in Sachen Nachhaltigkeit lautet Transparenz. Sie ist zusammen mit dem  Vertrauen, das daraus entstehen kann, der Kernaspekt der Nachhaltigkeitsstrategie. Es gibt wohl keinen anderen Hersteller, der das Ganze so weit treibt, dass es der Kundschaft sogar schon „zu weit ging“. Icebreaker hatte vor einigen Jahren eine Idee, die man als „Barcode zum Schaf“ zusammenfassen kann:

Mehrere Jahre lang ließ Icebreaker die Kunden nachverfolgen, aus welcher Charge die Wolle des jeweiligen Unterhemds oder Shirts stammte. So genau wollten das die Verbraucher aber gar nicht wissen, weshalb die Maßnahme wegen mangelnder Nachfrage längst eingestellt wurde. Statt mit einem Barcode schafft Icebreaker heute Transparenz mit einem umfangreichen Bericht.

Der erwähnte Bericht trägt den Titel „Made Different“, stammt aus dem Jahr 2017 und erklärt auf 123 Seiten diverse Schritte und Maßnahmen des Unternehmens. Doch nicht nur das, er gewährt auch umfassende Einblicke in die Wertschöpfungskette, die Belegschaftsstruktur, die Geschäftspartnerschaften, den Tierschutz und die Fertigungsmethoden. Kurz, in fast alle Aktivitäten.

Ein zweiter Kernaspekt ist die tiefe Verflechtung und weiträumige Verteilung der Nachhaltigkeit in den Aktivitäten und Strukturen der Firma. Das bedeutet, Nachhaltigkeit ist bei Icebreaker kein gesondertes Tätigkeitsfeld und somit auch nicht sauber getrennt darstellbar. Womöglich ist das auch der Grund, warum bei Icebreaker nur wenige der bekannten Siegel, Labels und Mitgliedschaften zu finden sind, die sofort als „offiziell gültige“ Nachhaltigkeit sichtbar sind. Man muss viele Angaben auch im Sinne von „Treu und Glauben“ nehmen – oder sie eben kritisch hinterfragen.

Ich versuche beides, indem ich die als Nachhaltigkeitsmaßnahmen erkennbaren Aspekte des Transparency-Berichtes von 2017 herausstelle, ohne sie abschließend zu bewerten und „validieren“.

Umweltschutzmaßnahmen

Hier betont Icebreaker den Fokus auf Naturfasern, die über 85 % des gegenwärtigen Rohmaterialeinsatzes ausmachen. Im Abschnitt „Unsere Philosophie“ klingt das so:

Icebreaker wurde mit einem höheren Zweck gegründet. Um Verbrauchern eine natürliche Alternative zu Synthetik zu bieten und in der Outdoor-Branche einen Wandel hin zu nachhaltigen Lösungen zu bewirken.

Der hohe Anteil Naturfaser ist in der von Kunstfasern dominierten Outdoorindustrie tatsächlich ein Alleinstellungsmerkmal. Die Merino-Wollfasern gelten als natürlich, biologisch abbaubar, umweltschonend und damit nachhaltig. Entscheidend ist allerdings die Herkunft, denn nachhaltig ist die Wolle nur, wenn sie aus Betrieben mit artgerechter Tierhaltung und umweltgerechter Weidewirtschaft stammt.

Beides will Icebreaker durch strenge vertragliche Verpflichtungen an die Auftragsfertiger garantieren. Im Gegenzug bietet man den Züchtern Sicherheit und Planbarkeit durch langfristige Verträge (mehr dazu im Report auf S.24 unter „Direkte Beziehungen mit den Schafzüchtern“).

Tierhaltung und Tierschutz

Details zur Tierhaltung und zum Tierschutz werden im Report über viele Seiten offengelegt (S.24 ff.). Im Jahr 2015 waren es um die 15.000 Schafe, die auf etwa 16.000 Hektar gehalten wurden. Sie leben auf den Weiden und werden in wuchsschwachen Zeiten mit Zusatzfutter versorgt. Zu den  Tierschutzauflagen zählen eine stressfreie Haltung mit den „4 Freiheiten“ und natürlich das Verbot von Mulesing (schmerzhaftes Entfernen von Haut am Schwanz des Tieres).

Technische Innovationen

Mit einem kurzen Sprung zurück auf Seite 16 sieht man eine Zeitleiste über die Firmengeschichte. Für das Jahr 2012 ist dort das Material Cool-Lite erwähnt – eine neue Mischung aus Merinowolle und der pflanzlichen Regeneratfaser Tencel. Im folgenden Jahr 2013 entwickelt Icebreaker „eine natürliche Alternative zu Entendaunen, die aus Merinowolle hergestellt wird.“ Beide Entwicklungen stehen für Funktionalität auf schonende und naturnahe Weise.

Freiwillige Größeneinschränkung

Ein wirklich bemerkenswerter Schritt ist die auf Seite 45 dargestellte Entscheidung, die Größe der globalen Herbst-Winter-Kollektion um 20 Prozent zu reduzieren.  Die Größe war „nicht mehr mit den Werten unseres Produkt-Designs vereinbar“.

Recyceltes Polyester

Polyester hat einen Anteil von fünf Prozent der verwendeten Fasern. Davon sind 72 Prozent hauptsächlich aus PET-Flaschen recycelt und man ist bestrebt, den Anteil zu erhöhen.

Öko-Tex Standard 100

92 % der Stoffe in der Herbst-/ Winterkollektion 2017 trugen das Siegel STANDARD 100 by OEKO-TEX. Der Standard ist ein weltweites, unabhängiges Test- und Zertifizierungssystem, das die Schadstofffreiheit von Stoffen oder Rohmaterialien bestätigt.

Verpackungen und Einkaufstaschen

Verpackungen sollen auf ein Minimum reduziert werden. Kunststoffe wurden komplett abgelöst von Recycling-Kartons und biologisch abbaubaren Hüllen. Es wird Druckertinte auf pflanzlicher Basis genutzt und die Waren werden soweit wie möglich als Schiffsfracht versendet.

Reduktion der Umweltbelastung durch Unternehmensaktivität

Mit einem Sprung auf Seite 82 des Berichts gelangt man zu den „internen“ Umweltschutzmaßnahmen. Diese betreffen neben dem Umgang mit Chemikalien und Abwasser auch die Logistik. Soweit möglich transportiert man Ware per Seefracht (76 % 2017) und versucht den Anteil an Luftfracht von 10 % weiter zu drücken.

Hierbei bleibt allerdings die Frage offen, ob Schiffsdiesel über globale Entfernungen wirklich so viel umweltfreundlicher ist. Um hier zu einer klaren Antwort zu kommen, müsste man wohl eine sehr große und komplexe Rechnung aufmachen.

Beim Umgang mit Chemikalien hält sich Icebreaker an das „Verzeichnis der Stoffe mit eingeschränkter Verwendung“ (Restricted Substance List, RSL) der American Apparel & Footwear Association (AAFA). Dieses Instrumentarium basiert auf den strengsten globalen Standards und Gesetzen. Auch alle Lieferanten akzeptieren die Liste ab Beginn einer Geschäftsbeziehung und erklären sich mit Kontrollen einverstanden.

Closed Loop Wasseraufbereitung

Beim Superwash-Verfahren, das Merino waschmaschinentauglich macht, entstehen Dämpfe, die eingefangen und in einem Entlüftungssystem behandelt werden. Gleichzeitig wird das Abwasser eingefangen und in einer Wasseraufbereitungsanlage am Standort aufbereitet.

Frei von PFC bis 2020

Perfluorierte Chemikalien (PFCs) werden in der Outdoor-Bekleidungsindustrie bekanntlich für wasserabweisende Beschichtungen eingesetzt. Von den relativ wenigen wasserdichten Jacken bei Icebreaker waren in der Herbst/ Winterkollektion 2016/17 37 Prozent PFC-frei und Icebreaker ist „auf Kurs bis 2020 PFC-frei zu sein.“

Produktionsabfall

Das Abfallmanagement der Icebreaker Fabriken wird durch den Icebreaker-Audit-Prozess überwacht. Icebreaker-Fabriken erzielen aktuell einen Durchschnittswert von 8,7/10 für Abfallmanagement, was über dem Branchendurchschnitt von 7,1/10. liegt. Diese Angabe bezieht sich auf 1404 Audits, die von der Firma Asia Inspection in 24 Ländern in den vorhergehenden 12 Monaten durchgeführt worden waren.

An den Audit-Scores gibt es allerdings Kritik vonseiten des Nachhaltigkeitsportals Rankabrand. Das Vergleichsportal für Markenhersteller sieht die Nachhaltigkeitsbestrebungen bei Icebreaker allgemein kritisch. Dazu mehr im Fazit.

Rückgabe- und Recycling-Programm

Icebreaker hat sich zur Erstellung eines Rückgabe- und Recycling-Produktlebenszyklusprogramms verpflichtet, „bei dem Verbraucher dafür belohnt werden, wenn sie ihr icebreaker zum Recycling bis 2022 zurückgeben.“

Nature Dye: Umweltfreundliche Textilfärbung und Abwasserentsorgung

Bei Nature Dye werden zum Färben der Kleidungsstücke 80% weniger Wasser verwendet als bei herkömmlichen synthetischen Färbeverfahren. Auch Energie wird mit diesem Kaltfärbeverfahren gespart. Die Farbe wird im Stoff durch natürliche schadstofffreie Fixiermittel gebunden. Das Abwasser wird – ebenso wie bei der Herstellung der Nicht-Nature-Dye-Kleidung – in einem Kreislaufsystem aufgefangen und recycelt.

Soziale Maßnahmen

Mitarbeiter

Bei Icebreaker misst man kultureller Vielfalt und einem hohen Frauenanteil große Bedeutung bei. Besonders Letzteres wird an vielen Stellen betont. Die Rechte von Mitarbeitern versucht man mithilfe der Audits und durch die Möglichkeit zu direkter und anonymer Kontaktaufnahme unter der Mailadresse workersvoice@icebreaker.com wahrzunehmen bzw. zu schützen.

Bei den Audits der Icebreaker-Lieferanten untersuchen die Prüfer betriebliche Unterlagen und führen persönliche Interviews durch, um sicherzustellen, dass Fabriken ihre gesetzlichen Pflichten hinsichtlich Löhne, Leistungen und Arbeitszeiten erfüllen.

Bei jedem Besuch hinterlassen die Prüfer Visitenkarten und geben klar zu verstehen, dass Arbeiter sie direkt und streng vertraulich kontaktieren können. Der genaue Ablaufplan von Icebreaker-Audits sowie die ergebnisabhängigen Folgemaßnahmen sind im Transparency Report auf S. 76 ff. nachzulesen.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Schaffung von Vertrauen und „Corporate Identity“ mit menschlicher Note. Icebreaker betont die zwischenmenschlichen Beziehungen und macht die weltweit am Prozess beteiligten Menschen füreinander und nach außen sichtbar. Man schafft persönlichen Kontakt durch Zusammentreffen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern beim jährlichen dreitägigen „Vendor Summit“ in Neuseeland. Eine ganz ähnliche Plattform ist der „Icebreaker Growers Club“, in dem sich die Schafzüchter kennenlernen und vernetzen können.

Beziehungen zu Lieferanten

Lieferanten müssen sich an den Verhaltenskodex nach Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation halten. Die Einhaltung wird ebenfalls im Rahmen der Audits geprüft. Icebreaker strebt möglichst langfristige Geschäftsbeziehungen an, in denen Vertrauen wachsen kann.

65 % des Volumens an Rohstoffen und Zwischenprodukten wird laut Homepage immer noch von den zwei ersten internationalen Lieferanten gefertigt, mit denen man seit 13 Jahren zusammenarbeitet. Im Transparency Bericht finden sich dazu ab Seite 56 umfangreiche Informationen, inklusive Fallbeispiel.

Beim Einkauf von Rohstoffen und Zwischenprodukten versucht man die in der Modebranche häufigen starken Nachfrageschwankungen mit möglichst genauen und langfristigen Vorabsprachen abzufedern und dadurch auch fragwürdige Praktiken wie Zwangsüberstunden zu verhindern.

Fazit

Der Nachhaltigkeitsansatz bei Icebreaker scheint breit angelegt und durchaus glaubwürdig verfolgt zu werden. Im Wörtchen „scheint“ kommt jedoch auch eine Schwäche zum Ausdruck: die bislang noch nicht sehr ausgeprägte Verifizierung durch Feedback von Medien und unabhängigen Dritten.

Beim Vergleichsportal Rankabrand wird sogar ausgerechnet die Transparenz bemängelt, die dem  Homepagebesucher angesichts des detailreichen Transparenzreports eigentlich ziemlich umfassend vorkommt. Vielleicht liegt hier das Problem auch in verschiedenen Methoden, mit denen man Nachhaltigkeitsmaßnahmen erfassen und darstellen kann.

Die zweite Schwäche ist der grundlegende Widerspruch zwischen dem Nachhaltigkeitsgedanken und den globalen Distanzen, die für die Herstellung und den Verkauf der Icebreaker-Produkte zurückgelegt werden. Allerdings steht gerade in der Outdoorbranche so gut wie jedes Unternehmen, das über den lokalen Maßstab hinaus operiert, in diesem Konflikt.

Eine Stärke dürfte hingegen die Natürlichkeit des grundlegenden Rohstoffs Merinowolle sein. Die Icebreaker-Wolle dürfte neben den Kunststoffprodukten in der Nachhaltigkeits-Gesamtrechnung ganz gut wegkommen – mit oder ohne lange Transportwege.

Die Nachhaltigkeit bei Haglöfs

24. Februar 2020
Ausrüstung

Haglöfs ist bekannt als Spezialist für technische Outdoor-Bekleidung auf hohem Niveau. Mit sehr langlebigen Produkten, intelligenten Detaillösungen und hochwertigen, oft bluesign-zertifizierten Stoffen spielt der schwedische Hersteller in der oberen Outdoor-Liga.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist Haglöfs weit vorn dabei. Die Maßnahmen, die sich über die gesamte Herstellungskette erstrecken, sind nachzulesen in Haglöfs eigener, sehr umfangreicher Nachhaltigkeitsdokumentation. Nun ist das mit den Eigenauskünften immer so eine Sache. Doch es werden überprüfbare Zahlen und Daten vorgelegt und die „Quelle“ hat einen tadellosen Ruf zu verlieren. Dass Nachhaltigkeit bei Haglöfs kein Beiwerk, sondern tragende Säule ist, wird auch von dritter Seite bestätigt und honoriert. So wurde das Unternehmen 2015 in Schweden zur nachhaltigsten Marke des Jahres gekürt. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die Haglöfs-Nachhaltigkeit zu werfen.

Nachhaltigkeitsphilosophie von Haglöfs

Nachhaltigkeitsarbeit ist in der gesamten Wertschöpfungskette und in allen Aktivitätsbereichen des Unternehmens verankert. Das Reporting der eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten ist dementsprechend umfangreich. Es könnte allerdings hier und da durchaus kürzer gefasst sein, denn es ist auch ohne Ausschmückung genug Substanz vorhanden.

Seit 2008 ist Nachhaltigkeit Bestandteil aller Unternehmensprozesse. Eva Mullins, Sustainability Managerin bei Haglöfs, skizziert im Interview mit Sportmarkt.info wichtige Aspekte dieser Arbeit:

In der Planungsphase prüft das Unternehmen umweltfreundliche Alternativen, die für die Entwicklung jedes einzelnen Produkts verwendet werden können. Mit klaren Zielen, der Mitgliedschaft beim bluesign-Standard und dem Bestreben, so weit wie möglich recycelte oder recycelbare Materialien zu verwenden, basiert der gesamte Prozess auf einer soliden Struktur. 2012 schloss sich Haglöfs der Fair Wear Foundation an, sodass das Unternehmen jetzt einen Partner hat, der hilft, die Arbeitsbedingungen bei seinen Herstellern zu verbessern.

Umweltmaßnahmen der Nachhaltigkeit

Wenden wir uns der umfangreichen Berichterstattung auf der Haglöfs-Homepage zu. Diese ist nach 22 inhaltlichen Aspekten unterteilt, die alle in Zusammenhang miteinander stehen. Die Anordnung der Aspekte bzw. Themen ist jedoch nicht sonderlich strukturiert, abgesehen von der Konzentration der sozialen Aspekte im zweiten „Block“. Deshalb sind Reihenfolge und Struktur in der hier folgenden Zusammenfassung an einigen Stellen geändert.

Materialien

Das Ziel bei jedem Produkt ist, hohe Funktion und Leistungsfähigkeit bei geringst möglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu erreichen. Das fängt bei den Grundmaterialien, also den „Zutaten“ einer Jacke oder eines Schlafsacks an.

Daune

Haglöfs verwendet nur Daunen, die nach dem Responsible Down Standard zertifiziert sind und die bis zum Bauernhof zurückverfolgt werden können. Der Weg der RDS-Daunen wird von der Farm bis zum Haglöfs-Lager von unabhängigen Gutachtern überprüft. Haglöfs weist auf die Website trackmydown.com hin, auf der Kunden die Nummer ihres Produktes eingeben und Informationen  über die Daunen in ihrem eigenen Produkt abrufen können.

Leder

Haglöfs arbeitet nur mit Gerbereien zusammen, die der Leather Working Group (LWG) angeschlossen sind und von dieser geprüft werden. Die LWG verpflichtet Lederhersteller und andere Interessengruppen zu sauberen Geschäftspraktiken. LWG-zertifizierte Gerbereien erzeugen weniger Schadstoffe und verbrauchen weniger Wasser und Chemikalien als herkömmliche Betriebe. Die meisten Haglöfs-Partner haben bei LWG-Audits den „Goldstatus“ erreicht.

Wolle

Haglöfs garantiert die Verwendung von ethisch-nachhaltig gewonnener Wolle und fordert von allen Wolllieferanten eine Zertifizierung nach IWTO (Internationale Wolltextilorganisation). Wann immer möglich wird recycelte Wolle verwendet – deren Herkunft dann allerdings nicht immer einfach zurückzuverfolgen ist.

Baumwolle

Hier gibt es ein klares Statement: „Für uns bei Haglöfs war die Entscheidung, für unsere Produkte ausschließlich Bio-Baumwolle zu verwenden, schon immer eine Selbstverständlichkeit.

An dieser Stelle werden die Käufer auf ihre eigenen Beitragsmöglichkeiten angesprochen. Zu den Empfehlungen gehört der Kauf möglichst unvermischter Materialien und Gewebe, da diese leichter zu recyceln sind. Und natürlich die pflegliche Behandlung sowie die Rückführung ausgedienter Stücke ins Recycling statt in den Müll.

Recycling

Haglöfs strebt von Saison zu Saison einen immer höheren Anteil an recycelten Materialien an. So kommt in vielen Obermaterialien und Rucksäcken recyceltes Polyester, in Isolierungen recyceltes „Post-Consumer-Material“ und in Zwischenlagen und Zubehör recycelte Wolle zum Einsatz. Da es noch einige Hürden hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität gibt, kann noch nicht vollständig auf die meist kostengünstigeren Neumaterialien verzichtet werden.

Nachhaltiges Design

Das Design von Haglöfs-Produkten ist so gestaltet, dass Nachbehandlungen, Auffrischungen und Reparaturen möglichst einfach durchführbar sind. Besonders bei Reißverschlüssen, Knöpfen und Imprägnierungen wird hierauf geachtet. Die Optik wird „clean“ und „zeitlos“ gestaltet, sodass die Stücke nicht in der einen Saison „in“ und in der nächsten „out“ sind. Diese Maßnahmen helfen dabei, die Produkte langlebig zu machen. Weitere Bemühungen um mehr Recycling und nachhaltigeres Design fasst Haglöfs unter Labels wie „Second Chance“ und „Repairwear“ zusammen. Hinzu kommt die Initiative Care & Repair, die um die Mitarbeit der Kunden und Verbraucher wirbt.

Ein weiterer Ansatz zur effizienteren Ressourcennutzung ist die „Leftovers“ Serie. Diese umfasst bislang einen Schlafsack in limitierter Auflage und die gefütterten Mimic Mokassin Hüttenschuhe. Letztere sind auch im Bergfreundeshop erhältlich. Für Leftovers-Produkte werden Überbleibsel aus der Produktion verwendet, die normalerweise als „Verschnitt“ entsorgt würden. Die Materialien sind hierbei nicht weniger hochwertig als in der normalen Verarbeitung.

Solution Dyed: alternatives Färbeverfahren

Im Solution Dyed Verfahren wird die Farbe gleich zu Beginn dem Material hinzugefügt – wenn die Fasern hergestellt und gesponnen werden. Das Rohmaterial hat von Anfang an die richtige Farbe. Das spart etwa 80 % Wasser und 50 % Strom, da die konventionellen Farbbäder, einer der verschwenderischsten Bereiche der Stoffindustrie, nicht mehr benötigt werden. Die Farben sind zudem widerstandsfähiger gegen Abnutzung und Ausbleichen.

Mikroplastik

Zum Thema Vermeidung von Mikroplastik nochmals die Nachhaltigkeitsmanagerin Eva Mullins:

Haglöfs setzt ausschließlich hochwertige Textilien und langlebige Konstruktionsmethoden ein, um die Faseremissionen der gekämmten Fleecestoffe auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu arbeitet das Unternehmen aktiv mit Lieferanten zusammen, um die Stoffe bereits während der Kämmphase von Faserrückständen zu befreien. Diese werden anschließend in einem geschlossenen System zurückgewonnen und recycelt. So werden lose Fasern reduziert und es gelangen bei der späteren Wäsche durch den Verbraucher deutlich weniger Partikel ins Abwasser. (…) Mindestens einmal im Jahr kontrolliert ein Haglöfs-Mitarbeiter diese hohen Standards.

Weitere Maßnahmen: Produktreihen wie die Essens– oder Mimic-Reihe stehen für Materialien mit minimaler Mikroplastik-Freisetzung. Haglöfs beteiligt sich im Rahmen von Kooperationen an der Erforschung des Themas. Und man bietet den Guppy Friend Laundry Bag online und in den Stores an. Der Waschsack stellt sicher, dass während der Wäsche keine losen Fasern ins Abwasser gelangen.

Fluorkohlen-Wasserstoffe

Mit Fuorkohlen-Wasserstoffen sind die berühmten PFCs gemeint, die wir hier zuletzt häufiger beleuchtet hatten. Haglöfs ist bei der Minimierung der PFCs sehr erfolgreich. 95 % des Sortiments sind entweder auf fluorcarbonfreie DWR (Durable Water Repellency) oder Alternativlösungen ohne DWR umgestellt. Die verbleibenden Modelle sind diejenigen mit den höchsten Leistungs- und Haltbarkeitsstandards, bei denen die Alternativen die technischen Anforderungen noch nicht erfüllen.

bluesign System

Haglöfs ist seit 2008 bluesign-Systempartner. Bluesign ist die strengste freiwillige Zertifizierung für Textil- und Materialhersteller. Für jedes Produkte wählt Haglöfs bevorzugt bluesign-zertifizierte Materialien. In der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2018 waren 50 % aller Bekleidungsprodukte bluesign-zertifiziert. Damit gehört man zu den Spitzenreitern der Branche.

Der Fokus des bluesign-Systems liegt auf der Verwendung nachhaltiger Inhaltsstoffe in einem sauberen Prozess mit minimaler Wasser- und Luftemission, verbesserter Abwasserbehandlung und generell reduziertem ökologischen Fußabdruck.

Sustainable Choice Label

Sustainable Choice ist ein gut sichtbares Label, mit dem Haglöfs Produkte kennzeichnet, deren Herstellung und Design nachweislich nachhaltig sind. Das Etikett zeigt an, dass ein Produkt mindestens eines der Kriterien bluesign-Zertifizierung, Herstellung aus recyceltem Material oder Herstellung aus biologischer Baumwolle erfüllt. In der Herbst/Winter-Saison 2019 tragen 76 % der Bekleidung, 16 % der „Hardware“ und 25 % der Schuhe das Sustainable-Choice-Label. Man strebt an, diese Anteile kontinuierlich weiter zu erhöhen.

Anti-Odor-Behandlung

Geruchsbehandlungen ohne giftige und umweltschädliche Nebenwirkungen sind nicht einfach zu produzieren. Die Haglöfs-Lösung namens LAVA ist bluesign-zertifiziert und kommt ohne das Abtöten von Mikroorganismen aus. Sie verwendet stattdessen Zeolithe – mikroporöse Mineralien, die in vulkanischer Asche vorkommen und auch für Wasser- und Luftreinigungsfilter verwendet werden. Die LAVA-Zeolithe ähneln Schwämmen oder Bimssteinen und absorbieren den Schweiß auf ihren großen inneren Oberflächen. Bakterien können sich so nicht ansammeln und schlechte Gerüche bilden. Beim Waschen werden die Schweißpartikel ausgespült, die mikroporösen Zeolithe bleiben unbeschädigt in der Kleidung erhalten – und zwar bis über 50 Wäschen hinaus.

Partnerschaften und Kooperationen

Diesen Aspekt hat Haglöfs unter der Überschrift „Neue Initiativen“ zusammengefasst. Ausgewählte Beispiele für wichtige Partnerschaften und Kooperationen sind:

  • bluesign
  • Fair Wear Foundation (FWF)
  • Europäische Outdoor-Gruppe (EOG)
  • Skandinavische Outdoor-Gruppe (SOG)
  • Forschungsprojekt BioInnovation
  • Sustainable Apparel Coalition/Higg Index (SAC)

Ein übergeordnetes Ziel vieler dieser Mitgliedschaften ist laut Eva Mullins die Schaffung eines einheitlichen Bewertungssystem der Nachhaltigkeitsleistungen in Bekleidung.

Ökologischer Fußabdruck im Unternehmen

Die internen Maßnahmen umfassen alle Aspekte von den Dienstwagen und den Treffpunkten für Meetings und Konferenzen über die Energiequellen und Energieverbrauchswerte bis zu den kleinsten Details wie der Herkunft von Obst und Kaffee an den Arbeitsplätzen.

Transportmittel und -Methoden werden mit Blick auf die Umweltauswirkungen gewählt und regelmäßig überprüft. Man arbeitet nur mit Logistikpartnern zusammen, die ein starkes Nachhaltigkeitsprofil einbringen.

Soziale Nachhaltigkeit

Da Haglöfs keine eigenen Produktionsanlagen und -Betriebe unterhält, liegt die Herausforderung in der Kommunikation mit den Partnern und Zulieferern. Laut Eva Mullins besteht sie zum großen Teil aus Überzeugungsarbeit:

Wir müssen Lieferanten überzeugen, umweltfreundliche Materialien mit gleicher Funktionalität zu entwickeln und dafür praktikable Standards zu schaffen. Gleichzeitig fällt es vielen traditionellen Textilproduzenten schwer, sich an diese Forderungen anzupassen. Dazu müssen wir die langfristigen Vorteile von beispielsweise eigenen Wasseraufbereitungsanlagen und räumlich abgetrennten Nähereien, (…), hervorheben und auch die Lieferanten für unser Vorhaben gewinnen. Es ist schließlich unsere Aufgabe die Konsumenten aufzuklären, warum sie für nachhaltige Produkte mehr Geld bezahlen sollen. Denn jedes nachhaltige Produkt, das nicht verkauft wird, kann auch nicht nachhaltig sein.

Arbeitsbedingungen

Haglöfs ist Mitglied in der Fair Wear Foundation, deren Ziel es ist, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu verbessern. 2018 wurde man „für viele Jahre intensiver Arbeit mit dem „Leader”-Status ausgezeichnet – der höchstmöglichen Mitgliederkategorie.“

Der „Brand Performance“-Bericht der Fair Wear Foundation bewertet die Leistung von Haglöfs wie folgt:

„Haglöfs hat zukunftsweisende Ergebnisse in den wichtigen Performance-Indikatoren erzielt und bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Das Unternehmen hat 2017 acht Produktionsstätten überprüft und damit die Anzahl ihrer Kontrollen um fast 15 % auf 98 % gesteigert. Dadurch, und in Kombination mit einem Benchmark-Ergebnis von 79, hat Haglöfs den Leader-Status des FWF erreicht.“

Was sagen die (Branchen)Medien?

In der Branche und „Szene“ hat Haglöfs schon lange einen guten Nachhaltigkeits-Ruf. Der Blog Wandersüchtig berichtete schon 2013 über umfangreiche Nachhaltigkeitsaktivitäten. Das Norr Magazin berichtet zwei Jahre später ebenfalls positiv und zeigt, dass Haglöfs Zwischenziele erreicht und nicht nachgelassen hat. Dass auch weiterhin zunehmend in Nachhaltigkeit investiert wird, weiß das Branchenmagazin Textilwirtschaft zu berichten.

Das Nachhaltigkeitsportal Utopia weist in seinem Ratgeber für nachhaltige Sportkleidung darauf hin, dass Haglöfs zu den Marken gehört, die Bluesign-zertifizierte Materialien verarbeiten und Mitglied der Fair Wear Foundation sind.

Gemessen am beachtlichen Umfang der Haglöfs-Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist das Medienecho eher gering. Es sieht sogar ein wenig nach verschenktem PR-Potential aus, da dürfte man durchaus guten Gewissens offensiver nach außen gehen. Schließlich handeln ja auch die meisten Mitbewerber nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“. Kurz gesagt, die Nachhaltigkeitsphilosophie und ihre Umsetzung können sich im Falle Haglöfs wirklich sehen lassen.

Loden – ein unterschätztes Material!?

16. Januar 2020
Ausrüstung

Liebe Freunde des gepflegten Outdoorsports, heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Loden befassen. Okay, okay, ich sehe förmlich, wie mich schon jetzt ein paar fragende Augen durch die Empfangsgeräte hindurch anschauen. Daher kurz vorab: Loden sind weder eine Inselgruppe im Nordatlantik, noch eine ansteckende Kinderkrankheit. Es handelt sich dabei vielmehr um ein traditionelles Material, das schon für Outdoorbekleidung eingesetzt wurde, als es den Begriff „Outdoor“ noch nicht einmal gab.

Loden wird aus dem Fell des jungfräulichen Lodenschafs (Ovis lodensis virginalis) hergestellt. Dieses darf nur im nördlichen Voralpenraum gezüchtet werden und auch dort nur auf Inseln, die in einem See liegen, in dem Baden verboten ist. Durch viel Ruhe und die überwiegende Fütterung der Schafe mit Spargel und Stangensellerie, wächst den Schafen langes glattes Fell. Dieses wird im Herbst von ehrenamtlich arbeitenden Rentnerinnen der katholischen Landfrauengemeinschaft geschoren. 

Klingt nach Blödsinn? Ist es auch! Aber hättet ihr gewusst, was Loden genau ist und wie dieser Stoff hergestellt wird? Ich ehrlich gesagt auch nicht so recht, schauen wir uns also die wichtigsten Fakten zum Thema gemeinsam an und fragen:

Was ist Loden eigentlich?

Eines vorweg: Es gibt kein Lodenschaf. Schade eigentlich, aber so ist das nun einmal. Loden ist ein Sammelbegriff für Wollstoffe. Woher das Wort kommt, kann heute nicht mehr genau geklärt werden, ist aber auch nicht so wichtig. Sicher ist jedoch, dass es Lodenstoffe bereits im Mittelalter gab. Früher wurden Stoffe dieser Art  überwiegend für wetterfeste (Arbeits-)Kleidung eingesetzt. Manch einem dürfte darüber hinaus der Begriff Loden als typischer Trachtenstoff und von Jagdbekleidung her bekannt sein. 

Ganz losgelöst von diesem leicht angestaubten Image kommen Lodenstoffe neuerdings aber auch vermehrt im Bereich der Freizeit- und Sportbekleidung zum Einsatz. Die Stoffe können dabei ganz unterschiedlich aussehen. Von dick bis dünn von vergleichsweise glatt bis eher grob, hier gibt es zahlreiche Varianten. Eines eint sie jedoch: Die Stoffe sind immer gewalkt. Und das bringt uns gleich zu der nächsten Frage:

Wie werden Lodenstoffe hergestellt und was unterscheidet sie von anderen Stoffen?

Bei Loden handelt es sich um Stoffe, die aus Wolle hergestellt werden. Hierzu wird gerade für Outdoorbekleidung auch gerne mal Merinowolle eingesetzt. Traditionell hergestellte Loden bestehen jedoch zumeist aus „herkömmlicher“ Schurwolle, nicht selten von Schafen aus dem Alpenraum. Darüber hinaus lässt sich aber auch beispielsweise Alpakawolle oder Kaschmirwolle problemlos zu Lodenstoffen verarbeiten.

Vom Rohstoff Wolle bis hin zur fertigen Stoffbahn ist der Herstellungsprozess jedoch immer in etwa derselbe. Welche Schritte die Wolle dabei durchläuft, habe ich hier für euch einmal vereinfacht zusammengefasst.

Vermischen und kämmen

Egal ob Lodenstoff oder nicht, bevor es mit der Verarbeitung so richtig losgeht, muss der Rohstoff Wolle grundlegend behandelt werden. Da nicht nur die Wolle von einem Tier zum Einsatz kommt, ist es wichtig, die einzelnen Wollfasern gründlich zu vermischen. Direkt im Anschluss an diesen Prozess läuft die Rohwolle über bestimmte Walzen, die mit Nadeln versehen sind und so die Wolle zu einem feinen Vlies kämmen. Je nach Hersteller wird die Wolle nach diesem Vorgang gefärbt, andere Hersteller färben erst das fertige Garn ein.

Spinnen

Das Spinnen ist ein sehr komplexer Prozess und kann je nach dem, wofür das Garn später eingesetzt werden soll, unterschiedlich erfolgen. Wichtig ist für uns jedoch nur die Tatsache, dass die Wolle zu unterschiedlich dicken Garnen versponnen wird, was sich wiederum auf die spätere Beschaffenheit des Stoffs auswirkt.

Weben

Auch beim Weben der späteren Lodenstoffe unterscheidet sich der Vorgang nicht grundlegend zur Herstellung anderer Stoffarten. Besonders ist jedoch, dass hier in der Regel besonders große Stoffbahnen gewoben werden, da sich diese beim nachfolgenden Verarbeitungsprozess nochmals deutlich zusammenziehen.

Walken

Durch das Walken werden Loden erst zu Loden. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, der sich über die Jahrhunderte hinweg kaum verändert hat und dem Material seine charakteristischen Eigenschaften verleiht.

In ca. 40 °C warmem Wasser wird der Wollstoff durch Reibung und Druck gewalkt. Hierbei verfilzen die Fasern ineinander, das Gewebe schrumpft um etwa 30-40 % und es entsteht ein Stoff, der sehr dicht und somit wetterfest ist. Der Grund hierfür liegt auch in dem in der Wolle enthaltenen Wollfett, das dem Stoff zahlreiche gute Eigenschaften verleiht. 

Eigenschaften und Einsatzgebiet von Lodenstoffen

Loden kommt klassischerweise immer dort zum Einsatz, wo robuste und wetterfeste Kleidung benötigt wird. Loden ist ein Stoff, der gerade auch für den Alpenraum sehr typisch ist. Früher wurde er dort überwiegend für Arbeitskleidung verwendet. Kein Wunder, denn Kleidungsstücke aus Loden halten in der Regel ordentlich was aus und geben obendrein warm. Ein weiteres typisches Einsatzgebiet für Lodenstoffe ist seit jeher Jagdbekleidung, denn auch hier sind die Anforderungen recht ähnlich. 

Vereinfacht kann man sich Loden als stark verdichteten Wollstoff vorstellen. Bei diesem liegen die einzelnen Fasern deutlich enger beieinander als bei herkömmlichem Gewebe. Außerdem sind sie Fasern durch das Filzen dicht miteinander verzahnt und bilden so einen Stoff, der zahlreiche gute Eigenschaften besitzt:

  • Winddicht. Durch die enge Gewebestruktur und die wärmenden Eigenschaften von Wolle, wird eine optimale Winddichtigkeit erreicht. Je nach dicke des Stoffs, bleit diese bis zu vergleichsweise hohen Windstärken erhalten.
  • Wasserabweisend. Loden wird klassisch ohne den Zusatz von Chemikalien hergestellt. Hierdurch bleibt das natürliche Wollfett, das Lanolin, im Stoff erhalten. Dieses wiederum bewirkt, dass Lodenkleidung Wasser nur schlecht aufnehmen kann und so beispielsweise auch bei leichtem Nieselregen innen angenehm trocken bleibt.
  • Schmutzresistent. Das Wolllanolin kann aber noch mehr. Es bewirkt obendrein, dass Schmutz nur schlecht vom Gewebe aufgenommen werden kann. Werden Lodenstoffe also für Arbeitskleidung oder Sportbekleidung eingesetzt, wirkt sich dies gerade bei raueren Bedingungen positiv auf den Gesamtzustand aus.
  • Temperaturausgleichend und atmungsaktiv. Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei Loden um ein Naturprodukt. Wolle ist von Natur aus wärmend. Durch die eng verwobene Struktur kann außerdem die körpereigene Wärme dort gehalten werden, wo sie gebraucht wird. Außerdem kann die besondere Struktur des Stoffs Wasserdampf, wie er beispielsweise beim Schwitzen entsteht, in einem gewissen Maß aufnehmen und ermöglicht so den zielgerichteten Abtransport.

Loden im Outdoorbereich

Ist Loden also der neue Superstoff, auf den die Welt schon lange wartet? Naja, ganz so einfach ist das nicht. Wie überall im Leben muss man auch hier genauer hinschauen. Aktuell kommen Lodenstoffe im Outdoorbereich nur vereinzelt zum Einsatz. Ob das an dem leicht angestaubten Image dieses Stoffs liegt oder schlicht daran, dass die großen Hersteller noch nicht auf den Trichter gekommen sind, ist dabei nicht geklärt.

Schauen wir uns aber einmal die Produkte am Markt an, sehen wir recht schnell: Loden geht auch ganz anders als volkstümlich oder jägermäßig. Nicht selten werden im Outdoorbereich Lodenstoffe auch mit anderen Materialien kombiniert, sodass moderne und funktionelle Kleidungsstücke entstehen, die auch mit härteren Bedingungen gut klarkommen. Werfen wir doch einmal einen Blick auf die unterschiedlichen Produktgruppen:

Pullover und leichte Jacken

Wolle wirkt wärmend. Kein Wunder also, dass auch Loden genau dafür eingesetzt wird. Zahlreiche Hersteller wie beispielsweise Ivanhoe of Sweden oder Ulvang bieten daher vergleichsweise dünne Jacken und Pullover aus Lodenstoffen als wärmende Kleidungsschicht an. Hersteller wie Ortovox gehen dabei sogar noch weiter. Durch die gezielte Kombination von Loden und Kunstfaser, entstehen hier Kleidungsstücke, die zahlreiche gute Eigenschaften mitbringen.

Mäntel und wetterefeste Jacken

Wie bereits erwähnt, ist Loden seit jeher ein Stoff, der vor allem dann zum Einsatz kommt, wenn es darum geht, unangenehmer Witterung zu trotzen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass auch im Outdoorbereich neuerdings vermehrt auf Mäntel und warme Jacken aus oder mit Lodenstoffen gesetzt wird.

Schuhe

Doch auch losgelöst von Oberbekleidung kommen Lodenstoffe zum Einsatz. Hier zeigt beispielsweise Dachstein, wie es geht und verwendet Loden als Obermaterial für Schuhe und Stiefel. Durch die zahlreichen guten Eigenschaften des Lodenstoffs sind diese Schuhe sehr angenehm zu tragen und obendrein Schmutzresistent.

Aber was sagt uns das?

Manche Materialien haben vielleicht zu unrecht ein schlechtes Image. Loden gehört hier definitiv dazu. Auch ich hatte am Anfang meiner Recherche ein eher ungutes Gefühl. Loden erinnerte mich irgendwie immer an die Achtziger.

Bilder wie mein Vater im langen grünen Mantel mit irgendwelchen „Hirschhornknöpfen“ und allgemein eher scheußliche Kleindungsstücke aus dem Bereich „Landhausmode“ hatte ich da automatisch im Kopf.

Doch wie überall ist es eben auch hier eine Frage, was man daraus macht und da sind manche Hersteller zumindest aus meiner Sicht auf einem guten Weg. Es zeigt sich außerdem immer mehr, dass gerade auch alte Naturmaterialien Einzug in moderne Kleidung halten, was auch im Hinblick auf Themen wie Nachhaltigkeit eine allgemein gute Tendenz ist.

Materialrecycling: Möglichkeiten und Grenzen

11. Dezember 2019
Ausrüstung

Zunächst erscheint die Angelegenheit recht simpel: man sammelt das alte Zeug, sortiert es, wirft es in den Schredder, köchelt es mit irgendwelchen (hoffentlich umweltfreundlichen) Substanzen, trocknen, neu formen, fertig ist die Auferstehung als nagelneues Rohmaterial. Zumindest hab ich mir das so in etwa vorgestellt. Außer beim Kaffeesatz, da wusste ich schon, dass es etwas komplizierter ist. Kaffeesatz? Ja, denn über Kaffeesatz und seine Verwendung als Rohstoff für Recycling und Wiederverwertung gibt es hier schon einen Basislager-Artikel.

Darin ist zu lesen, warum die Rückverwandlung von alt und gebraucht zu neu und frisch duftend eben doch nicht ganz so einfach ist. Im Gegenteil, Recycling ist (nicht nur bei Kaffeesatz) ein komplexer industrieller Verarbeitungsprozess, der technisch, logistisch und finanziell sehr herausfordernd sein kann.

Vor allem geht das Ganze auch nicht ohne den Einsatz neuer Rohstoffe und Chemikalien vonstatten. Letztendlich ist die Entwicklung eines Recyclingmaterials kaum weniger anspruchsvoll als die eines „wirklich neuen“ Materials.

Kunststoffrecycling allgemein

Die folgenden zwei Hauptmethoden beschreibt Hunold + Knoop, ein Betrieb für Kunststofftechnik auf seiner Website:

  1. Mit einem Anteil von 44 % macht das energetische Recycling den Großteil der Kunststoff-Wiederverwertung aus. Dabei wird durch Verbrennen von Kunststoffteilen die Energie in den Altteilen gewonnen und so sehr effektiv energetisch weiterverwendet. Selbst verschmutzte und vermischte Materialien können auf diese Weise effizient wiederverwertet werden.
  2. 33 % des Kunststoffes werden werkstofflich aufbereitet. Das bedeutet, dass die Altteile zerkleinert, gereinigt und nach Sorten getrennt werden. Im Anschluss werden die Kunststoffteile bei hoher Temperatur geschmolzen und neu aufbereitet. Für diese Methode sind nur thermoplastische Kunststoffe geeignet.

Hinzu kommen als weniger genutzte Methoden das rohstoffliche Recycling (1 % Anteil) und der biologische Abbau. Beim rohstofflichen Verfahren „werden die Polymerketten im Kunststoff aufgespalten. Dabei entstehen Monomere, Öle und Gase, die zu neuen Kunststoffen verarbeitet werden können. Dieses Verfahren eignet sich auch für vermischte und verschmutzte Materialien.“ Der biologische Abbau durch Kompostieren ist laut Hunold + Knoop tatsächlich auch bei manchen Kunststoffen möglich.

Eine wichtige, auch in der Outdoorindustrie verwendete Quelle für das Kunststoffrecycling sind PET-Flaschen. Ein detailliertes Beispiel für deren Recycling gibt der Veolia-Konzern, der das Verfahren auf seiner Website in 13 Schritten beschreibt. Es führt zwar in diesem Fall zu neuen  Flaschen und Lebensmittelbehältern, ähnelt aber den (meist nur grob beschriebenen) Verfahren in der Textil- und Outdoorbranche.

Textilrecycling

Pro Kilo Kleidungs-Neuware ein Kilo Chemikalien für die Behandlung, lautet eine Faustformel. Baumwolle benötigt pro Kilo die Wassermenge von 200 gefüllten Badewannen. All diese Ressourcen werden zum großen Teil für „Fast Fashion“ verwendet, die kaum getragen und schnell ausgewechselt wird.

Entsprechend soll die Abfallmenge aus Altkleidern in Deutschland pro Jahr etwa 1,3 Millionen Tonnen betragen. Laut Nachhaltigkeitsportal Utopia werden 20 Prozent der weggeworfenen  Kleider recycelt. Der Großteil davon wird „down-gecycelt“, sprich als weniger wertiges Produkt wie Secondhand-Kleidung, Putzlappen oder Dämmstoff wiederbelebt.

Utopia weist aber auch auf zwei Beispiele hin, die jetzt schon „Cradle to Cradle“, also durchgängige Kreislaufwirtschaft umsetzen – und zwar ausgerechnet bei C&A und Tchibo. C&A hat „als weltweit erster Einzelhändler 2017 ein Cradle-to-Cradle-Gold-zertifiziertes T-Shirt auf den Markt gebracht, weitere Produkte wie Longsleeves sollen laut Website folgen“.

Diese Shirts können tatsächlich am Ende ihres Lebens im eigenen Garten kompostiert werden. Tchibo hat ein „closed loop“ Männer-T-Shirt vorgelegt – „mit GOTS-zertifizierter Baumwolle, Tencel- statt Nylongarn und Cradle-to-Cradle-zertifizierter blauer Farbe. Auch dieses ist zu 100 Prozent kompostierbar.“ Es sind zwar nur erste Vorboten der Kreislaufwirtschaft, aber immerhin sind sie schon unterwegs …

Die häufigsten recycelten Stoffe sind der Kunststoff Polyester und das Naturmaterial Baumwolle. Die beiden sind auch die meist verwendeten Textilstoffe bei Neuware (Polyester mit etwa 60% aller in Textilien verarbeiteten Fasern). Die Recyclingverfahren von Natur- und Kunstfasern unterscheiden sich deutlich, bei Ersteren ist es komplizierter und teurer.

Recyclingschritte bei Naturtextilien:

  • Das eingehende Material wird nach Materialart und Farbe sortiert. Die Farbsortierung führt zu Stoffen, die nicht nachgefärbt werden müssen.
  • Die Textilien werden zerkleinert und manchmal zu Fasern gezogen.
  • Das Garn wird gereinigt und gemischt.
  • Das Garn wird erneut gesponnen und ist bereit für den späteren Einsatz beim Weben oder Stricken.
  • Einige Fasern werden nicht gesponnen, sondern für Textilfüllungen, z.B. in Matratzen, komprimiert.

Recyclingschritte bei Textilien auf Polyesterbasis:

  • Die Kleidungsstücke werden zerkleinert, dann granuliert und zu Polyesterspänen verarbeitet.
  • Diese werden geschmolzen und zu neuen Fasern für den Einsatz in neuen Polyestergeweben verarbeitet.

Die meisten Hersteller verwenden für ihre Kunststoff-Recyclingprodukte Materialien aus Meeresabfällen von Fischernetzen bis zu Teppichresten. Der gesammelte Abfall wird gereinigt und geschreddert, die so entstandenen Schnipsel zu feinem Garn eingeschmolzen. Der Energie- und  Wasserverbrauch ist hierbei um ein Vielfaches geringer als bei herkömmlichen Chemiefasern oder auch bei konventionell erzeugter Baumwolle.

Textilrecycling in der Outdoorindustrie

Die weitaus meisten recycelten Stoffe werden auch in der Outdoorbranche für Textilien verwendet. Die entsprechende Technologie und Infrastruktur befindet sich im Aufbau und kann bislang nur einen geringen Prozentsatz der Neutextilien rückgewinnen. Es gibt aber viele beachtliche Fortschritte, die mehr als nur Symbolpolitik oder Imagepflege sind.

Oftmals sind es auch nur kleine Details mit großer Wirkung, wie wenn beispielsweise die schwedische Marke Haglöfs ihre Reißverschluss und Knöpfe so entwickelt, dass jeder Besitzer sie einfach selbst reparieren und austauschen kann. Oder wenn Eagle Creek ausgediente Windschutzscheiben zu Taschen und Rucksäcken verarbeitet und damit tatsächlich auch die wasser- und schmutzabweisenden Eigenschaften der Scheiben auf die Textilien überträgt.

Dennoch, der Recyclingkreislauf ist noch nicht wirklich in Gang gesetzt, es existiert noch keine breite Basis an „Rohstoffen“. Der Schwerpunkt liegt eher noch darauf, neue Stoffe zu entwickeln, die weniger umweltbelastend und leichter zu recyceln sind. Es muss wohl erst dieser Schritt auf breiter Front vollzogen sein, bis es einen nennenswerten „Grundstock“ an schon einmal verwendeten und recycelbaren Ausgangsmaterialien gibt. Er wäre dann die Grundlage, auf der in einem zweiten Schritt die nächste Generation von Outdoor-Equipment hergestellt wird. Dann könnte ein echtes Kreislaufsystem in greifbare Nähe rücken.

Beispiele Vaude und Patagonia

Man könnte viele kleine, äußerst engagierte Outdoorfirmen wie z.B. Pyua als leuchtende Beispiele für umfassende Recyclingkonzepte nennen, doch Vaude und Patagonia sind als Big Player der Branche weithin bekannt und haben somit mehr Vorbildfunktion. Beide verwenden ein relativ breites Spektrum an Recyclingmaterialien. Bei Vaude sind seit Sommer 2019 die kurzen Hosen aus Recycling-Polyamid, das zum Teil aus alten Fischernetzen hergestellt wird. Vom Zulieferer Primaloft verwendet man eine Isolierung für Jacken, die zu 100 Prozent aus wiederverwerteten Flaschen besteht.

Vaude bietet sich auch deshalb als Beispiel an, weil kaum jemand sonst so detaillierte Informationen zu den eigenen Nachhaltigkeitsmaßnahmen liefert. In ihrem seit sechs Jahren regelmäßig aktualisierten CSR-Report (Corporate Social Responsibility) legt die Firma alles  detailliert offen. So wird der Bereich Recycling nach Materialien aufgeschlüsselt:

Auch die US-Firma Patagonia ist bekannt für ihr Augenmerk auf die Umwelt: „Die Amerikaner verwenden gerne Hanf und Bio-Baumwolle, vor allem aber setzen sie auf Recycling-Materialien, von Daunen über Denim bis hin zu wiederverwerteter Wolle.“ Patagonia ist zudem weit darin fortgeschritten, die aktuell noch aus Neumaterialien bestehenden Produkte recyclingfähig zu machen.

Probleme des Textilrecyclings

Als Probleme werden folgende Aspekte kritisiert:

  • Kleidungsstücke, in denen Natur- und Kunstfasern gemischt werden, sind – egal ob ihrerseits recycelt oder nicht – kaum recycelbar. Die Technik stößt beim Auftrennen der Gewebemischungen an ihre Grenzen. Besonders die bei uns Bergfreunden wegen ihrer komfortablen Dehnfähigkeit beliebten Elasthan-Einsätze sind in dieser Hinsicht problematisch.
  • Bei recycelten Kunstfasern bleibt das Mikroplastik-Problem bestehen (mehr dazu in diesem Basislager-Artikel).
  • Recycling von Kunststoffen kann zu einer Konzentration der darin enthaltenen Schadstoffe führen.
  • Bei Baumwolle können nur etwa ein bis drei Prozent des Altmaterials zu neuen Fasern verarbeitet werden. Ein großer Teil wird zu Dämmstoffen oder Putzlappen („Downcycling“).
  • Bei der Aufbereitung der alten Stoffe werden, vor allem bei Baumwolle, Kleidungsstücke zerrissen, wodurch die Fasern leiden. Daher ist ein Recycling-Produkt „qualitativ immer schlechter als das Ausgangprodukt. Eine ausreichende Qualität kann außerdem nur gewährleistet werden, wenn mindestens 60 % Frischfaser im Stoff enthalten sind.“
  • Bei Baumwolle ist u.a. aus oben genannten Gründen das Recycling insgesamt recht aufwendig bzw. teuer und führt dennoch zu schlechterer Qualität und geringerer Haltbarkeit der Recyclingprodukte.
  • Recycling kann generell teuer werden, wenn komplett neue Logistikketten aufgebaut werden müssen.

All diese Einwände sind berechtigt, sprechen aber nicht gegen ein weiteres Vorantreiben des eingeschlagenen Recycling-Wegs. Denn abgesehen von den weit überwiegenden ökologischen Pluspunkten macht sich die Ressourceneinsparungen des Recyclings auf Dauer auch (volks)wirtschaftlich bezahlt.

Wenn Hersteller weiterhin forschen und Konsumenten weiterhin mehr Verantwortung übernehmen, werden sich wahrscheinlich auch in den genannten Problempunkten Lösungen finden. Auch „die Politik“ kann etwas tun, indem sie beispielsweise nachhaltige Produkte mit reduzierten Steuern für die Unternehmen belohnt. In Norwegen wird das bereits praktiziert.

Fazit: Wichtig ist, was hinten rauskommt

Auch Recycling liefert vorerst keine Zauberformel für Nachhaltigkeit im Sinne natürlicher Stoffkreisläufe, die bekanntlich keine Rückstände und Abfälle kennen. Doch – und das ist die gute Nachricht – das muss Recycling auch gar nicht. Es reicht fürs Erste vollkommen, wenn man die bisherigen Belastungen durch Abfall und Gifte in den nächsten Jahren auf einen Bruchteil ihrer heutigen Mengen reduzieren kann.

Auch das ist ein hohes Ziel, aber ein machbares und lohnendes. Denn die Umwelt ist bis zu einem gewissen Maße durchaus belastbar und bleibt auch bei gewisser Verschmutzung intakt. Ja, das ist eine provokante und ökopolitisch unkorrekte Behauptung, doch ich orientiere mich dabei am Menschen, der auch ein Teil der Umwelt ist und ein gewisses Maß an „Kontamination“ problemlos „wegstecken“ kann. Außerdem kann er – genau wie die ihn umgebende Natur – Abwehrmechanismen und Selbstheilungskräfte entwickeln.

Dass das heutige Ausmaß an Vermüllung und Vergiftung viel zu hoch ist, wird damit gar nicht infrage gestellt. Da aber ein „richtiges“ und für alle gleich akzeptables Maß schwierig bis gar nicht zu quantifizieren und das Reduzieren dieses Maßes auf null bis auf weiteres Science Fiction ist, bleibt vorerst „nur“ die schrittweise Verringerung des Schadens. Und das kann durchaus schnell gehen, denn im Grunde ist es weder schwierig noch komplex.

Eine ganz einfache und hocheffektive Maßnahme wäre die Beendigung des „Fast Fashion“-Wahnsinns, der vermutlich für den größten Teil der Ressourcenverschwendung und Umweltvergiftung verantwortlich ist. Wenn statt ständig wechselnder Kollektionen an (Billig)Klamotten langlebige Kleidung – die übrigens auch stylisch sein kann – gekauft und pfleglich behandelt würde, wäre das von jetzt auf gleich eine riesige Entlastung für Umwelt und Klima.

Die Outdoorindustrie hält zwar „wegen der vielen Chemikalien“ gern als Umweltsünder Nummer Eins her, ist aber (nicht nur) in Sachen Recycling eher weiter fortgeschritten als der Rest der Textilindustrie. Das dürfte auch daran liegen, dass hier das Prinzip der Eigenverantwortung aufseiten der Nachfrager besser greift als anderswo. Weil echte Outdoorer und Bergfreunde eine Verbundenheit zur Natur und ihren Kreisläufen vielleicht nicht ständig laut bekunden, dafür aber tatsächlich spüren. Und deshalb ihre Kleidung auch nicht jedes Mal ersetzen, sobald der Reiz des Neuen nachgelassen hat.

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