Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig!

4. Oktober 2018
Kaufberatung

Zum Teil gibt es für die Besteigung des Klettersteiges spezielle Ausrüstung; so zum Beispiel die Klettersteigbremse. Den größten Teil des Materials, wie Kleidung, Rucksack oder Gurt, haben Bergfreunde allerdings schon vom Klettern oder Bergsteigen her im Schrank. Wie sieht es da mit den Schuhen aus? Kann man die Zustiegsschuhe vom Alpinklettern hernehmen? Oder die steigeisenfesten Bergstiefel von den letzten Hochtouren? Gibt es überhaupt eine eigene Schuhkategorie namens „Klettersteigschuh“? Wenn ja, wie unterscheidet sich die Kategorie von anderen Bergschuhen und braucht man das dann wirklich überhaupt?

Fragen über Fragen, die ich nun für euch beantworten möchte.

Was ist der Unterschied? Was macht den Klettersteigschuh aus?

Die meisten Klettersteigschuhe unterscheiden sich nur in kleinen Details von gewöhnlichen Bergschuhen und sind irgendwo im Bereich zwischen leichten und weichen (und bei Hitze angenehmeren) Approach/Zustiegsschuhen und Trekkingstiefeln anzusiedeln. Die leichten Modelle eignen sich meist auch für (leichtes) Klettern, die schweren auch für Berg- und Hochtouren. Man kann viele Klettersteige natürlich auch mit normalen Bergschuhen begehen, doch empfehlenswert ist das höchstens für leichte und eher seltene Klettersteigeskapaden.

Die Hersteller fertigen Klettersteigschuhe in der Regel mit einer festeren Sohle und einem engeren Schaft als „normale“ Wander- und Trekkingschuhen an. Damit sollen sie besser für langes Steigen und Klettern geeignet sein, während Letztere bekanntlich für langes Gehen ausgelegt sind.

Grundsätzlich ist ein guter Klettersteigschuh eher ein Generalist als ein Spezialist. Man tritt ja bei der Begehung eines Steigs nicht nur auf Felstritten, Leitern und Eisenstiften an, sondern legt auch einen guten Teil des Weges auf „ganz normalen“ Bergpfaden zurück. Und es gibt durchaus genügend Klettersteige, für deren Begehung man durch wegloses Gelände oder gar Eis und Schnee muss. Unter diesen Umständen sollte man dann entweder einen besonders vielseitigen Schuh am Fuß haben oder eventuell sogar ein leichtes und flexibles Paar Approachschuhe mit einem (steigeisen)festen und steifen Bergstiefel kombiniert werden.

Als Faustregel kann man festhalten, dass ein fester Schuh mit fester Sohle und relativ hohem Stand der Füße weniger Präzision beim Auftreten, dafür aber kraftsparendes Stehen auf kleinen Tritten und Stiften bietet. Speziell für schwere Personen ist das wesentlich kraftsparender zu handhaben als ein weicher Schuh. Um es vereinfacht kurz zu fassen: je mehr direkter Felskontakt, desto weicher sollte der Schuh sein. Je mehr hochalpines Gelände, desto steifer (und steigeiesentauglicher) darf er sein.

Es macht deshalb Sinn sich vor dem Kauf zu überlegen welche Art Klettersteige (siehe Schwierigkeitsgrad) man mit den künftigen Schuhen bevorzugt angehen will. Dafür kann man sich die drei folgenden Fragen stellen: Wie lang werden die Zu- und Abstiege sein? Wie lang und sportlich werden die Klettersteig- und Kletterpassagen sein? Soll es hoch hinaus gehen?

Damit lassen sich dann folgende Überlegungen, was so ein Klettersteigschuh alles können muss, optimal einbringen:

Was müssen sie können?

Ganz klar: Auf glänzenden oder rostigen Eisenstiften, Stahlbügeln, Leitersprossen sowie Spitzen, Ecken und Kanten aller Art müssen die Klettersteigschuhe solide stehen. Und das bei voller Gewichtsbelastung. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern hunderte von Malen auf jeder Tour. Damit ist sonnenklar: die Verarbeitung muss zuverlässig stabil sein, vor allem an Nähten und Klebestellen.

Zum eigentlichen Klettersteig kommen wie gesagt noch Zu- und Abstieg hinzu. Die Schuhe müssen deshalb nicht nur stabil und gleichzeitig „gefühlvoll“ für den Steig sein, sondern auch  für das übrige Berggelände gut dämpfen und abrollen. Faustregeln, die ohne Wenn und Aber gelten, sind:

  1. Ein hoher Schaft, der mindestens über die Knöchel reicht, schützt besser vor dem Umknicken in unwegsamen Geländen.
  2. Der Schuh muss fest aber dennoch möglichst bequem sitzen. Im Zehenbereich muss genug Platz sein, um beim bergab gehen nicht vorne anzustoßen. Hier ist eine gut regulierbare Schnürung, die möglichst weit nach vorne-unten reicht, von Vorteil.

Ansonsten sind je nach Schwierigkeitsgrad und Terrain der anvisierten Klettersteige teilweise abweichende Eigenschaften und Schwerpunkte gefragt. Die Auswahl reicht von Allround-Alpinschuhen mit hohem Schaft bis zu leichteren und bei Hitze angenehmeren Approachschuhen, die „eigentlich“ für die Zustiege zu Klettertouren gedacht sind.

Egal welcher Schuh, am wichtigsten ist, dass er rutschfest sitzt und dass er im vorderen Teil genug Haltekraft aufbauen kann, um auf kleinen Tritten, Leisten und Vorsprüngen Halt zu finden. Aus diesen Gründen werden zumeist etwas enger geschnittene Modelle empfohlen. Generell gehen die Klettersteigschuh-Empfehlungen meist in Richtung Wanderschuhe der Kategorien B oder B/C mit einer griffigen Kletterzone im Profil.

Um das etwas zu präzisieren und auf den Einzelfall abzustimmen, gehen wir nun die Schuhdetails durch:

Sohle

Hier ist die eierlegende Wollmilchsau gefragt: die Sohle muss sowohl verwindungssteif als auch klettertauglich sein. Damit die Füße genügend Gefühl für den Untergrund erhalten, darf die Sohle nicht zu hoch bzw. zu dick sein. Hierfür kommen eigentlich nur die „mittelharten“ und mittelhohen Sohlen von Kategorie B oder maximal B/C-Bergschuhen infrage.

Das Profil muss von vorn und innen genug Reibung zum Auftreten am Fels besitzen. Gleichzeitig sollte er allerdings auch griffig genug für die Zu- und Abstiege über Geröll, Schrofen, erdigen Untergrund, Schnee und feuchte Wiesen sein. Klingt kaum machbar, doch da die Sohle genau wie der menschliche Fuß sehr gut in verschiedene Zonen eingeteilt werden kann, lässt sich diese vielschichtige Herausforderung durchaus meistern.

Eine zonierte Sohle ist ein Hauptmerkmal guter Klettersteigschuhe. Der vordere Bereich sollte für leichtere und mittlere Klettersteige fest und steif sein, um kraftsparenden Stand auch auf kleinen Felsvorsprüngen zu gewährleisten.

Je sportlicher das Niveau der Steige wird, desto mehr Flexibilität ist im Vorfußbereich gefragt. Die Flexibilität ist notwendig, um einen guten Antritt „auf Reibung“ zu haben. Den Spagat zwischen diesen Anforderungen schafft eine kleine Reibungszone ohne Profil und eine leichte nach oben gezogene vordere Abrundung der Sohle. Die Reibungszone befindet sich dabei unterhalb des großen Zehs (und evtl. noch am Innenballen).

Unterhalb des Mittelfußes und der Ferse muss die Sohle tief profiliert sein, um Halt im Gelände und auf den Steighilfen zu geben. Im Übergang zwischen Ballenbereich und Absatz sollte sich eine ausgeprägte Vertiefung – der so genannte Trittleitersteg – befinden. Die Vertiefung verhindert das Abrutschen auf (nassen) Eisenstiften und Leitersprossen.

Schaft

Der Hauptunterschied zu Trekking- und Wanderschuhen ist bei Klettersteigschuhen eine etwas schlanker geschnittene und exakt anpassbare Zehenbox. Sie sollte nur so groß sein, dass die Zehen beim Abstieg nicht vorne anstoßen.

Ansonsten unterscheiden sich die Anforderungen an den Schaft je nachdem, wie sportlich-felsbetont es zugeht und wie hoch die Klettersteige gelegen sind. Für die Fun-Klettersteige in der Nähe von Talorten reicht ein relativ niedriger und „luftiger“ Schaft mit viel Bewegungsfreiheit. Für den hochalpinen Bereich mit den niedrigeren Temperaturen und dem losen Geröll darf es hingegen gern etwas geschlossener und geschützter sein. In letzterem Falle erhöht ein den Schaft umlaufender Gummirand (Geröllschutzrand) die Lebensdauer der Schuhe deutlich.

Idealerweise ist der klettersteigtaugliche Schaft, aufgrund des oft schrägen Antretens und Stehens, etwas beweglicher als bei normalen Wanderschuhen. Viele Klettersteig-Modelle bekannter Marken wie La Sportiva oder Lowa erfüllen diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen bemerkenswert gut.

Wie bei Bergschuhen sollte auch hier der Schaft atmungsaktiv und wasserabweisend sein. Allerdings hat die Atmungsaktivität bei Bergschuhen ein größeres Gewicht, da Klettersteige nur sehr selten bei unsicheren Wetteraussichten angegangen werden. Wer Klettersteige überwiegend als Tagestouren in nicht allzu großer Höhe plant, kann dampfdurchlässige Klettersteigschuhe mit Membran-freiem Mesh-Innenfutter in Betracht ziehen. Bei mehrtägigen und/oder hochalpinen Touren und zu erwartenden Querungen von Schneefeldern sieht das natürlich anders aus. Dann steht die Wasserdichtigkeit wieder höher in der Prioritätenliste.

Textil oder Leder? Beides!

Beim Material hat man die Wahl zwischen textilen Kunststoffen und Leder. Textilelemente sind preiswerter, da sie leichter zu konstruieren und zu verarbeiten sind. Das Leder bietet auch ohne Membranen Wasserresistzenz, Atmungsaktivität und ein angenehmeres Trageklima bietet.

Häufig kombiniert man die beiden Materialien, um die jeweiligen Vorteile punktgenau und effizient zu nutzen. Im Bereich der Zehen, Fersen und Sohlenränder ist Leder ideal, da es formstabiler und abriebfester ist. An der Lasche bzw. Zunge des Schuhs ist wiederum Textil von Vorteil, da es weicher, leichter und beweglicher ist. Bei fast allen in Deutschland verkauften Klettersteig- und Approachschuhe wird der Schaft als Textil-Leder-Gemisch mit einer Membran-Zwischenlage (meist GoreTex) gefertigt.

Schnürung

Eine leichte und genau zu justierende Schnürung hilft, den Schuh so passgenau an den Fuß zu bringen wie man ihn in den wechselnden Situationen braucht. Gute Klettersteigschuhe haben daher eine weit nach vorn in den Zehenbereich reichende Schnürung. Ansonsten ist das Schnürsystem der Klettersteigschuhe mit dem der „normalen“ Bergschuhe weitgehend identisch.

In der Regel sorgt die Kombination aus unten angebrachten Schlaufen und oben angeordneten Haken für eine gute Anpassbarkeit. Daneben sorgt meist ein Tiefzughaken für ein optimales Andrücken der Ferse. Schnürungen, die sich mit einem einzigen Zug über den gesamten Fuß hinweg ziehen, sind besonders komfortable aber nicht unbedingt erforderlich.

„Nur“ Klettersteige oder mehr?

Je nachdem wie viel (hoch)alpines Terrain (abgesehen von den Klettersteigen) auf dem Plan steht, braucht es unterschiedliche Klettersteigschuhe. Führen die Steige durch Eis- und Schneegelände oder gar Gipfel, die mit Gleterschpassagen im Abstieg aufwarten, sollten die Treter steigeisenfest sein. Hierfür reichen meist simple Eisen mit Riemenbindung. In der Regel kann man hier mit der Wahl der zuvor genannten Kategorien B und B/C nichts falschen.

Bei den manchmal noch weiteren Zustiegs-/Approachschuhen, die für kürzere, kletter- und sportbetone Steige optimal sind, sollte man genau hinschauen und eventuell auch nachfragen. Sie können unter Umständen um zu weich sein, um eine Riemebindung stabil zu befestigen.

Was sagen die Experten?

Bis hierhin sollte deutlich geworden sein, warum die eingangs gestellten, scheinbar einfachen Fragen gar nicht immer so eindeutig zu beantworten sind. Auch bei Klettersteigen begegnet man nämlich immer wieder der unsicheren Floskel: „Kommt drauf an …“.

Um die Entscheidung etwas leichter zu machen, lassen wir abschließend noch kurz die unabhängigen Tester vom Alpin Magazin zu Wort kommen:

Es heißt immer, die eierlegende Wollmilchsau gebe es nicht. Einige Hersteller kommen bei den Schuhen dem Ziel aber schon sehr nahe. Begeistert waren wir vom Scarpa Marmolada. Ein bequemer Schuh, der sehr gut abrollt, gleichzeitig aber am Klettersteig aufblüht und sehr guten Halt vermittelt. Auch der Garmont Vetta ist ein toller Schuh für Ferratisten; leicht und mit sehr gutem Halt – aber eher für schmale Füße. Unser Allround-Tipp.

Für sportliche Nutzer empfiehlt Alpin die Modelle Adidas TX Scope High und Five Ten Guide Teenie Mid. Sie sind nach Ansicht der Tester „weich und flexibel und verlangen mehr Kraft, um auf Leisten zu stehen, und geben deutlich weniger Halt. Wer so etwas sucht, ist mit den Modellen gut beraten, für Anfänger ist das nichts.

Die Kollegen vom Bergsteiger Magazin teilen die Klettersteigschuhe in zwei Gewichtsklassen ein:

  • leichte Modelle für schwere (Fun)Klettersteige, die in Größe 45 ca. 1050 g und aufwärts wiegen
  • schwere Alpin-Modelle, die sich in ähnlicher Größe bei mindestens 1700 g einpendeln

Einen kleinen Querschnitt durch diese riesige Auswahl gibt es auch in unserer Klettersteig Packliste. Habt ihr noch Fragen, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren stellen.

Wenns halten muss: Alles über Steigeisen

2. Oktober 2018
Kaufberatung

Angeblich haben ja die Römer schon um 300 n. Chr. das Steigeisen erfunden, da deren Spione offenbar häufiger mal in steilem Gelände herumgeschnüffelt haben. Heute werden die gezackten Steighilfen eher für unpolitische Kraxeleien benutzt, die klassischerweise über Gletscher, Schneefelder und Firngrate auf alpine Gipfel führen. Aber auch sonst kommen Steigeisen immer dann zum Einsatz, wenn der verschneite oder vereiste Untergrund hart gefroren und/oder steil ist.

Dabei wird viel von den Steigeisen abverlangt: beim Aufstieg sollen sie gut greifen, fest am Schuh halten, bei Felskontakt nicht stumpf werden und beim Abstieg im aufgeweichten Schnee nicht rutschen. Stollen sollen sie natürlich auch nicht bilden und obendrein dürfen sie auch gerne möglichst leicht und klein verpackbar sein. Mit Stollen meine ich übrigens keine weihnachtlichen Backwaren, sondern die lästigen und manchmal gefährlichen Schneeklumpen, die sich bei weichem Firn und Schnee gern unter den Eisen bilden. Entfernt man sie nicht mit Pickelschlag oder Schuhklopfer, kann das Eisen zu einem Stück Schmierseife auf dem Abstiegsweg werden. Über solche kleinen potentiellen Tücken sollte man vor dem Kauf Bescheid wissen – indem man Material, Aufbau und Arten von Steigeisen kennt. Also, legen wir los:

Materialien

Beim Material gibt es zwei Alternativen: belastbare und langlebige Edelstahl-Legierungen (meist Chrom-Moly-Stahl) oder leichtes Aluminium. Eine dritte Variante wäre Titan. Titan ist eigentlich eine prima Sache, da es leichter als Stahl und fester als Aluminium ist. Doch da Titan um ein Mehrfaches teurer ist, sind Titaneisen auf dem „normalen Markt“ derzeit kaum zu bekommen.

Die Standardlösung für den Allround-Einsatz lautet Stahl. Dieses Material „beißt“ gut und bietet viel Halt, während die als Leichtsteigeisen firmierenden Alumodelle nur für Touren ohne viel Blankeis und Felskontakt (d.h. in eher flachen Hängen) gedacht sind. Die Alumodelle bieten beim Gehen in der Vertikalzackentechnik (hier wird der ganze Fuß aufgesetzt) und auf hartem Eis zwar einen soliden „Biss“, werden aber schneller stumpf und können sich auch durchaus mal verbiegen. Der Gewichtsvorteil ist allerdings erheblich: während Stahleisen meist an der Kilogramm-Marke kratzen, sind Alueisen schon ab 350 g zu haben. Auch der Tragekomfort der weniger starren Alumodelle mit ihren flexibleren Bindungen ist höher.

Einige Hersteller wie Petzl bieten Hybridsteigeisen an, bei denen ein Stahl-Vorderteil mit einem Alu-Hinterteil kombiniert wird. Sie bieten eine erhebliche Gewichtseinsparung, ohne allzu viel an Performance in hartem und steilem Eis einzubüßen.

Aufbau und Formen

Rahmen

Wo wir gerade von Vorder- und Hinterteil reden: das sind die beiden Metallstücke unter Vorderfuß und Ferse des Bergschuhs, aus denen der Rahmen des Steigeisens besteht. Die Rahmenstücke sind entweder starr (für steiles, hartes Eis) oder beweglich (für weicheren Firn und Schnee) über eine Schiene miteinander verbunden. Diese Schiene (auch Steg genannt) ist meist der Fußform entsprechend leicht gekrümmt, mit zahlreichen Löchern perforiert und mittels eines Feder-Stahlclips in der Länge verstellbar. Je nach Form und Anzahl der Löcher kann die Größenanpassung sehr fein an den Schuh abgestimmt werden. Für viele Steigeisen gibt es auch extra lange Stege für extra lange Schuhgrößen.

Eine ganz besondere Lösung hat Petzl hier wieder gefunden: die Stahlschiene wird bei dem revolutionär leichten und kompakten Petzl Leopard Firnsteigeisen einfach durch Dyneema Schüre ersetzt. Diese erlauben eine Längenverstellung durch einfaches umfädeln.

Je beweglicher der Rahmen (und der Bergschuh), desto komfortabler ist das Gehen. Allerdings schließt diese Bewegungsfreiheit auch die sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit ein, dass sich das Eisen vom Schuh löst. Am Rahmen sind die 8 bis 14 Zacken angebracht, die je nach Modell für soliden oder bombenfesten Halt im Eis sorgen.

Die Rahmenbreite kann je nach Bindungstyp schmaler oder genauso breit wie der Schuh sein. Ein breiterer Rahmen sorgt für solideren Stand und mehr Sicherheit beim Gehen. Das kann auf unregelmäßigem Untergrund (z.B. beim Queren einer Moräne) durchaus eine Rolle spielen, da man auf den Eisen höher steht und die Gefahr des Umknickens größer ist. Die Höhe des Stands hängt bei hartem Untergrund von der Länge der Vertikalzacken ab – je kürzer sie sind, desto natürlicher ist das Gehen.

Zacken

Aus dem letzten Satz war es schon herauszulesen: die Vertikalzacken sind diejenigen, die vom Fuß senkrecht nach unten zeigen. Sie sind normalerweise mehr oder weniger symmetrisch längs an den Seiten angeordnet. Hinten am Rahmen befinden sich üblicherweise zwei quer gestellte Vertikalzacken. Die Vertikalzacken sorgen bei jeder nicht-kletternden Fortbewegung für den Halt auf dem Eis. Deshalb wird das „normale Gehen“ bis etwa 35 Grad Hangsteilheit auch als Vertikalzackentechnik bezeichnet.

Die vom Rahmen aus nach vorn ausgerichteten Front(al)zacken bzw. Vorderzacken sorgen bei Eis ab etwa 35 Grad Steilheit für einen sicheren Halt. Sie werden meist mit einem lockeren Pendelschlag aus dem Knie heraus ins Eis getrieben. Bei anspruchsvolleren Hochtouren können das Gletscherbrüche oder Eisflanken sein (von denen es in den Alpen allerdings im Sommer immer weniger gibt).

Die Frontzacken gibt es wiederum in zwei Versionen: senkrecht aufgestellt oder horizontal ausgerichtet. Die senkrechten Frontzacken ähneln den Hauen von Eisgeräten und bieten unübertroffenen Halt in hartem Steileis. Bei weniger steilem und weicheren Untergrund bieten sie allerdings weniger Halt als die herkömmlichen, waagerecht liegenden Frontzacken, welche für bestmöglichen Halt leicht nach unten gekrümmt sein sollten. Meistens werden die vertikalen Frontzacken jedoch durch Sekundärzacken oder T-Profile unterstützt, die die eingebüßte Bodenhaftung auf Schnee wieder ausgleichen.

Die horizontalen Frontzacken laufen oft schmal und spitz zu. Bei Eisen, die besonders auf guten Halt im Schnee ausgelegt sind, läuft die Spitze jedoch von oben betrachtet breit zu und ist nur von der Seite betrachtet scharf.

Für verschärftes Eis- und Mixedklettern haben sich mittlerweile vertikale Front-Monozacken etabliert. Wie der Name schon sagt, ist die Vorderseite damit nur mit einer, statt der „gewohnten“ zwei Zacken, bestückt. Mit den Monozacken sind noch präzisere oder komplexere Bewegungen wie das Eindrehen der Füße bei verminderter Gefahr des Heraushebelns möglich.

Die Länge der Zacken spielt aufgrund der Hebelwirkung eine Rolle: kurze Zacken sind besser für Fels oder Mixed-Klettern geeignet; lange Zacken besser für Firn und Eis. Dementsprechend kann man die Zackenlänge bei manchen Modellen verändern (z.B. beim Grivel G14).

Bindung

Die Bindung sorgt für den sicheren Kontakt zwischen Schuh und Metall. Auch bei ihr gilt abermals: es gibt zwei Versionen und einen Hybriden dazwischen. Eigentlich ganz einfach, auch weil Bergschuhe meist im Hinblick auf ihre Eignung für verschiedene Bindungen deutlich gekennzeichnet sind:

Für die leichten, einfach gebauten Steigeisen zum Gletscherwandern ist die Riemenbindung mit meist je einem Plastikkörbchen vorne und hinten Standard. Die Riemen bestehen aus Nylon- oder Perlonbändern, welche Absatz und Spitze des Schuhs mit Fersen- und Ballenteil des Steigeisens verbinden und mithilfe von Dornenschnallen festgezogen werden. Diese Konstruktion passt (theoretisch) auf jeden halbwegs festen Berg- und Wanderschuh. Es sollte aber auch bei Riemenbindung schon ein mindestens „bedingt steigeisenfester“ Bergschuh sein, auch wenn die Eisen für kurze Querungen von Schneerinnen durchaus auch an einem Zustiegsschuh o.ä. halten würden.

Generell sind Sitz und Stabilität bei der Riemenbindung am schwächsten. Auch sind die Körbchen im Vergleich zu anderen Bindungen schwer und voluminös, womit der Gewichtsvorteil der Alu/Leichtsteigeisen ein Stück egalisiert wird.

Kipphebelbindungen (auch Automatikbindungen oder Step-In-Bindungen genannt) werden durch einen Drahtbügel an der vorderen Sohle und durch einen höhenverstellbaren Kipphebel an der hinteren Sohle befestigt. Zusätzlich ist ein Fangriemen als Verlustsicherung angebracht. Die Verwendung von Hebelbindungen setzt voll steigeisenfeste Bergschuhe voraus, deren Sohle sehr steif und mit entsprechenden Sohlenkanten vorn und hinten versehen ist. Sie sind auch ideal für Skitourenstiefel, sofern der Kipphebel sich nicht mit dessen rückseitiger Fußfixierung ins Gehege kommt.

Generell sitzen Steigeisenbindungen mit Kipphebel am sichersten am Schuh, bieten die beste Standfestigkeit, sind am leichtesten und lassen sich am schnellsten an- und ablegen. Auch bieten sie oft verschiedene Einstelloptionen für Eis- oder Felsklettern. Wenn man das Anschnallen richtig bewerkstelligt hat, sollte beim finalen Festziehen ein sattes Klack-Geräusch zu hören sein.

Die Hybridlösung ist auch hier wieder der Versuch, die Vorteile beider Standardsysteme zu vereinen. Und das gelingt durchaus gut – die Bindungen mit Körbchen vorne und Kipphebel hinten sind sehr empfehlenswert, wenn die Eisen für ein breites Tourenspektrum vorgesehen sind. Das System erfordert für den Kipphebel nur hinten am Schuh eine stabile Befestigungskante – womit es auf eine Vielzahl an Schuhen passt, auch wenn diese nur „bedingt steigeisenfest“ sind. Bei einigen Marken gibt es auch die Möglichkeit der Umstellung von Automatikbindung zu Hybrid- bzw. Semibindung.

Bei der Kombibindung wird der Kipphebel mit einem Korb vorne kombiniert. Vielleicht heißt es ja deshalb Kombibindung, weil sich dieses Konzept bestens für kombinierte Touren in Eis und Fels eignet …

Einen durchaus gelungenen Versuch, alle Bindungstypen zu vereinigen, hat Edelrid mit seinem Modell Shark unternommen. Hier lassen sich Automatik-, Semi- und Riemenbindung beliebig austauschen.

Antisollplatten

Während die Bedeutung von Rahmen, Zacken und Bindungen von vornherein einleuchtet, wird die Wichtigkeit der Antistollplatten meist erst nach der ersten Tour klar. Wie im Eingangsabschnitt erwähnt, können die gemeinen Schneeklumpen unter den Eisen den Abstieg im weichen Firn zur Hölle machen. Das kalte Metall der Eisen zieht den feuchten Schnee fast wie Klebstoff an. Das macht nicht nur das Gehen anstrengend, sondern kann auch sehr gefährlich werden.

Wenn der Schneeklumpen dicker ist als die Zacken lang sind, verliert man im schlimmsten Falle sprichwörtlich die Bodenhaftung und schlittert auf Nimmerwiedersehen davon. Deshalb sind gute Antistollplatten, die den gesamten Rahmen bedecken, kein Luxus, sondern Pflicht. Zum Glück haben mittlerweile fast alle Hochtourensteigeisen diese Kunststoffplatten serienmäßig vormontiert.

Besonders effektiv sind konvex ausgebeulte Platten, die sich bei Druckbelastung einstülpen und den Schnee, wenn der Fuß in der Luft ist, regelrecht abwerfen. Raffiniert! Die Platten sollten zudem leicht ersetzbar sein, da sie bei Felskontrakt schnell mal beschädigt werden.

Einsatzzweck

Die Unterschiede in den genannten Bestandteilen haben die jeweiligen Einsatzzwecke eigentlich schon klar definiert. Das Ganze lässt sich aber noch etwas übersichtlicher in drei Klassen je nach Einsatzzweck zusammenfassen:

1. Leichte Hochtouren und Gletschertrekking mit wenig Kombigelände und Felskontakt:

Hier kommen die Leichtsteigeisen/ Gletschersteigeisen/Alusteigeisen mit zehn bis zwölf Zacken zum Einsatz  (wobei hier fast nur die Vertikalzacken verwendet werden). Diese leichten und relativ flexiblen Eisen behindern das normale Abrollen des Fußes nicht vollständig und bieten damit höheren Gehkomfort für lange Strecken. Das Gewicht hält man hier gern möglichst gering, besonders wenn die Eisen nur sporadisch zum Einsatz kommen und meist im oder am Rucksack getragen werden. Mit den zwei waagerecht nach vorn stehenden, leicht nach unten gekrümmten Frontzacken können auch kurze vereiste Hänge und kombinierte Gipfelzonen bei Hoch- und Skitouren bewältigt werden.

2. Anspruchsvolle Hochtouren mit viel Kombigelände und Felskontakt:

Im steileren Gelände kommen mindestens Zwölfzacker zum Einsatz. Das zusätzliche Paar Zacken sitzt als schräg nach vorn gerichtete Stützhilfe direkt neben und hinter den Frontalzacken. Für mittlere Hochtourenschwierigkeiten und einfaches Wasserfallklettern genügen die „normalen“ horizontal ausgerichteten Frontzacken. Bei einem Schwerpunkt auf Firn- und Eisflanken sollten die Frontzacken stärker nach unten gezogen und das Stützpaar stärker nach vorn gerichtet sein. Liegt der Fokus dabei mehr auf Kombi- und Felskletterei sollten die Frontzacken gerade vorstehen und das Stützpaar eher senkrecht nach unten gerichtet sein. Generell bestehen die Steigeisen für anspruchsvollere Touren aus stabilem und abriebfestem Stahl, dessen Vorteile der besseren Performance und des besseren Sitzes dem Mehrgewicht als Nachteil überwiegen.

Auch wenn man weniger anspruchsvoll, dafür aber oft unterwegs sein will, sollte man aufgrund der längeren Lebensdauer eher zu Stahl als zu Aluminium greifen.

3. Steiles Eis und Wasserfälle:

Je steiler man unterwegs ist, desto mehr liegt der Fokus auf den Frontalzacken. Bei den „richtigen“ Steileismodellen sind die Frontalzacken wie Pickelhauen vertikal ausgerichtet und oft in Länge und/oder Winkel verstellbar. Die zweite Zackenreihe ist besonders deutlich nach vorne ausgerichtet, um den sicheren Stand im harten Eis zu unterstützen. Die „Hardcore-Modelle“ für extremes Eis- und Mixed-Gelände haben 14 Zacken und lassen sich wie bereits beschrieben zu Mono-Zackern umrüsten.

Transport: handlich oder umständlich

Beim Gewicht halten sich die Unterschiede und damit der Spielraum in Grenzen: die Art der Touren bestimmt, ob man etwa ein Kilo oder etwa ein Halbes zu tragen hat. Doch das Packvolumen kann sich durchaus auch zwischen ähnlichen Eisen unterscheiden. Wichtig ist, dass sich die gelochte Schiene bzw. der Mittelsteg möglichst kurz zusammenschieben lässt. Bei dem zuvor erwähnten Zehnzacker Petzl Leopard endet die Schrumpfkur dank Schnurverbindung erst auf sagenhaft kurzen 13,5 cm. Normalerweise muss man aber mit mindestens 20 bis 25 cm Packlänge rechnen. Die Höhe der zusammengelegten Steigeisen wird logischerweise durch die Länge der Zacken und der Schuhfixierungen bestimmt. Steigeisen mit Step-In-Bindung sind am flachsten, Korbbindungen am sperrigsten.

Am oder im Rucksack?

Das ist eigentlich egal, solange die Eisen gut verpackt sind. Eine spezielle Transporttasche ist jedenfalls ein Muss. Sie kann in den Rucksack wandern oder an einer der meist zahlreich vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten angebracht werden. So durchlöchern die Eisen weder Textilien noch Mitmenschen und behalten auch den oft reichliche anfallenden Dreck vorerst bei sich. Meistens sind die Eisen nach der Tour auch nass – und da die meisten Taschen nicht wasserdicht sind, empfiehlt sich spätestens hier eher der Transport außen am Rucksack.

Aufbewahrung und Pflege

Steigeisen bleiben mit regelmäßiger Reinigung nach den Touren besser in Form. Sie werden am liebsten trocken aufbewahrt und in etwas größeren Abständen lassen sie sich auch gern mal so richtig durchfeilen. Praktischerweise haben wir hierzu schon eine Pflegeanleitung für Steigeisen parat.

Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

26. September 2018
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore-Tex Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach noch mit rein gedrückt. Aus Gore-Tex Windstopper wird Gore-Tex Infinium Windstopper.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von Gore-Tex-Infinium angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

Materialinfo: Was ist Modal Stoff?

26. September 2018
Ausrüstung

Modal. Diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn klingt das Wort doch tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.

Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.

Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoorboom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an Materialien (wie Modal) sprunghaft.

Synthetik oder Natur?

Bei Modal handelt es sich um eine Faser, die aus dem Holz der Buche gewonnen und in einem chemischen Prozess verarbeitet wird. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.

Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.

Zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten wurden entwickelt: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.

Wie wird es hergestellt?

Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für Modal. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese werden in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse aufbereitet und anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammengesponnen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.

Eigenschaften

Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist Modal deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.

Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist Modal sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.

Bislang wird Modal vor allem in Fasermischungen verarbeitet, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.

Haptik und Tragegefühl

Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.

Da wundert es also kaum, dass Modal als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden wird. Modal wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.

Eignung im Outdoorbereich

Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.

Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.

Einordnung und Vergleich

Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und wird wohl nur noch von Tencel-Lyocell überboten. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (die österreichische Lenzing AG) produziert, weshalb Modal auf Dauer leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein dürfte. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.

Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt Modal als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung von Modal werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien zu 95 % hergestellt.

Pflege

Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn Modal pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege ihr Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für die hier abschließenden, einfachen Tipps:

  • Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
  • Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
  • Man kann Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allredings ein wenig knittert, ist das in aller Regel überflüssig.

Im Bergfreunde-Test: Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit

26. September 2018
Ausrüstung

Es ist einer der großen Mythen der Outdoor-Industrie: Die atmungsaktive Regenjacke. Vor allem Radfahrer und (Berg)Läufer wünschen sie sich herbei, aber den großen Wurf hat noch keiner geschafft. Klar, die Membran-Systeme arbeiten zuverlässig, ausgeklügelte Belüftungskonzepte helfen, den Körper zu kühlen, aber gerade, wenn der Temperaturgradient nicht stimmt, die Imprägnierung nicht ideal ist oder man einfach sehr stark schwitzt, geraten die Materialien an ihre Grenzen. Wem das bis hierhin zu technisch ist, kann sich im Basislager-Blog über die verschiedenen Aspekte von atmungsaktiven Membranen belesen.

Warum ich diesen Einstieg gewählt habe? Nun es gibt mal wieder eine innovative Gore-Tex-Technologie! Diese hört auf den klangvollen Namen „Shakedry“ und soll in Sachen Atmungsaktivität neue Maßstäbe setzen. Verbaut in der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit, haben wir das Modell und das Material mal einem ordentlichen Test unterzogen.

„Wenn es perlt, dann atmet es…“

… lautet die klangvolle Überschrift eines Beitrags der erklärt, warum die Imprägnierung einer Jacke für die Atmungsaktivität eine zentrale Rolle spielt. Genau an diesem Punkt setzt Shakedry an: Die Oberfläche ist so konstruiert, dass Wasser und Nässe dauerhaft abgewiesen werden – einfach schütteln und schon ist man trocken, so die Versprechung des klangvollen Produktnamens. Kein Auswaschen mehr, kein Nachimprägnieren.

Unter der Obefläche verbirgt sich eine Gore-Tex-Active-Membran, die schon länger auf dem Markt ist und vor allem durch geringes Gewicht und hohe Atmungsaktivität brilliert. Durch die Shakedry-Technologie entsteht insgesamt ein sehr, sehr leichtes Laminat, da es technisch gesehen nur noch zwei statt drei Schichten sind. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 bringt es bspw. auf knapp 150 g – wie die Produktbezeichnung schon verrät.

Shakedry kommt allerdings auch mit den Einschränkungen von Gore-Tex-Active: Es ist nicht rucksacktauglich und maximal mit leichten Trailrunning-Rucksäcken kombinierbar. Dafür hat sich Dynafit aber einen besonderen Kniff ausgedacht, auf den wir später noch eingehen werden.

Letztlich sei noch erwähnt, dass auch Shakedry aktuell nicht ohne PFC auskommt, die als „ökologisch bedenklich“ gelten. Mehr zur Thematik könnt ihr im Artikel über die Nachhaltigkeit von Gore-Tex-Membranen nachlesen.

Ganz schön durchdacht und verflucht leicht!

Als das Paket hier bei uns landete dachte ich zunächst, es sei leer. 150 g sind aber auch verdammt wenig Gewicht für so ein Jäckchen, aber als alter Trailrunner schätze ich natürlich jedes Gramm, das ich bei der Ausrüstung sparen kann. Erstmal reinschlüpfen…

Passt soweit gut, schön körpernah geschnitten ist sie und Kapuze, Ärmel- und Jackenbund passen sich dank elastischer Einfassungen angenehm an. So weit, so gut. Wichtig für mich: Lassen sich die Ärmel hochkrempeln… Das hilft mir immer sehr, mich zu kühlen. Geht – im Praxiseinsatz zeigt sich allerdings, dass es etwas elastischer hätte sein dürfen. Auf Dauer etwas eng. Alternativ hätte man auch Laschen zum Regulieren an die Ärmel basteln können.

Kapuze sitzt und dreht sich mit dem Kopf – ein gutes Zeichen. Nichts ist schlimmer, als beim Seitenblick in die Innenseite der Kapuze zu schauen. Unter den Ärmeln gibt es Belüftungsöffnungen, die die Ventilation verbessern sollen, einige Reflektoren für mehr Sichtbarkeit und… was ist das? Ein langer Reißverschluss am Rücken, der von oberhalb der Schultern bis kurz oberhalb des Gesäß reicht!?

Ich ziehe die Jacke wieder aus und öffne ihn neugierig – was kommt wohl darunter hervor? Ein verborgener Schatz? Das Tor in eine andere Dimension? Alles falsch: Es ist eine weitere Schicht Stoff. Wahnsinn – aber was soll das?

Ganz einfach: Es ist ein erweiterbarer Rücken, damit man die Jacke über einen Laufrucksack ziehen kann. Chapeau, Dynafit – Chapeau. Eine richtig geile Idee! Aber funktioniert das in der Praxis?

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 im Einsatz

Ich bin mal so frei und nehme die Auflösung vorweg: Jo, funktioniert. Sofern es keiner von den ganz großen Laufrucksäcken ist. Gut kombinieren lies sich die Jacke im Test noch mit einem ordentlich gefüllten 12-Liter-Rucksack, was gerade für den Renneinsatz absolut klar geht. Gerade wenn man die Jacke direkt griffbereit hat und den Rucksack nicht runter nehmen muss, ist so ein Feature natürlich mit einer nicht unerheblichen Zeitersparnis verbunden. Ich wiederhole mich also: Eine richtige geile Idee!

Aber was ist mit dem supermegaduperatmungsaktiven Material? Aufgrund der schon in der Einleitung hohen Abhängigkeit von externen Faktoren fällt natürlich ein generelles „JA, das funktioniert“ schwer. Bei jemandem der in zehn Minuten einen halben Liter Flüssigkeit durch die Poren jagt, wird sicherlich auch Shakedry nichts helfen. Der Autor dieser Zeilen würde sich als gering bis mittelstarken Schwitzer bezeichnen. Bei Temperaturen um die 10°C, heftigem Wind und Niederschlag konnte sie mein Körperklima aber optimal im Zaum halten.

Wenn es mal etwas wärmer wurde, hab ich die Ärmel hochgekrempelt und es war wieder gut – wie gesagt, das ist meine ganz persönliche Cool-Down-Strategie. Darunter trug ich lediglich ein kurzärmeliges Funktionsshirt. Ich kann also für mich persönlich festhalten: Ja, sie ist wirklich so angenehm zu tragen, wie versprochen. Und zwar durchaus mit Abstand zu meiner anderen Gore-Tex-Active-Jacke. Man darf aber natürlich nicht erwarten, dass gar kein Schweiß fließt. Das wäre sonst auch etwas komisch. Die Ventilationsöffnungen unter den Armen bringen ein wenig zusätzliche Belüftung, den Effekt würde ich aber nicht als übermäßig groß bezeichnen.

Und auch das „Abschütteln“ von Feuchtigkeit funktioniert tadellos, Wind und Wasser bleiben draußen und ich trocken – zumindest einigermaßen. Eine wirklich interessante Technologie. Wie sie sich im Langzeittest schlägt, bleibt noch abzuwarten – die Regeneinsätze kann ich aktuell noch an zwei Händen abzählen. Sommer und Frühjahr waren einfach zu gut!

Zuletzt sei noch das Packmaß und das Gewicht erwähnt. Beides ist perfekt auf die Bedürfnisse von Trailrunnern zugeschnitten. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 lässt sich richtig gut komprimieren und macht sich mit ihren 150 g wirklich nicht bemerkbar.

Wo Licht ist…

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 glänzt mit einigen richtig guten Features und einem innovativen Material – keine Frage. Aber es gibt Kleinigkeiten, die man noch etwas hätte besser machen können:

  • Taschen: Davon gibt es keine. Null. Zero. Keine einzige. In Sachen Gewicht natürlich ein weiterer Vorteil, ich persönlich hätte mir aber noch eine Brusttasche gewünscht, damit ich nicht dauernd die Jacke öffnen muss, wenn ich etwas herausholen möchte.
  • Ärmelbündchen: Hier hätte etwas mehr Elastizität gut getan, bei sehr langem Tragen, wird es mit hochgekrempelten Ärmeln etwas unangenehm.

Fazit zur Dynafit Ultra GTX Shakedry Jacket 150

Zuhause wurde es letztens kurzzeitig emotional: Meine bisherige Laufregenjacke, die mich immerhin sieben Jahre bei zahlreichen Trailruns begleitete, wurde in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. There’s a new sherrif in town…

Ich hoffe natürlich, dass die neue Jacke von Dynafit genauso lange durchhält. Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich jedenfalls ziemlich begeistert von dem guten Stück, nicht zuletzt wegen der genialen Idee mit Reißverschluss am Rücken. Wer den stolzen Preis (der UVP liegt derzeit bei 330€) nicht scheut, der kann sich bei der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 auf eine zuverlässige Ergänzung seiner Trailrunning-Ausrüstung freuen!

DWR Imprägnierung – Fluch oder Segen?

7. September 2018
Pflegetipps

DWR steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was wörtlich als „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine unsichtbare Imprägnierung des textilen Gewebes von Funktionsbekleidung oder Schuhen. Folglich ist DWR kein Name für ein bestimmtes Material oder System, sondern im Grunde nur die Beschreibung einer Eigenschaft. Doch der DWR-Effekt erzeugt sich nicht von alleine, sondern wird durch verschiedene Chemikalien und Technologien herbeigeführt, die sich von Hersteller zu Hersteller etwas unterscheiden.

Welche Eigenschaften hat DWR?

Lange Zeit dachte ich, dass die als wasserdicht und atmungsaktiv verkaufte Kleidung quasi automatisch eine dauerhaft wasserabweisende Oberfläche hätte. Der Realität begegnete ich dann allerdings ziemlich schnell, als die Außenseite meiner Gore-Tex Jacke schon nach nur relativ wenigen Einsätzen nicht mehr dauerhaft trocken blieb, sich unter Regenaussetzung mit Wasser voll sog und sich zunehmend klamm und kalt anfühlte. Ich fragte mich schon, ob die Membran beschädigt und die Jacke „nicht mehr dicht“ sei.

Die Jacke war aber noch dicht und auch sonst vollkommen in Ordnung. Es war nur die DWR-Imprägnierung, die nachgelassen hatte. Beim Großteil aller Funktionsbekleidungen ist sie der erste, äußere Schutzwall gege­n Nässe. Laminate und Membranen halten das Wasser zwar draußen; schaffen es aber nicht es vom Eindringen in die äußere Textilschicht abzuhalten. Wenn das Wasser dann dort einen geschlossenen Film bildet, ist das Gewebe nicht nur klamm, sondern verliert auch seine Dampfdurchlässigkeit und damit Atmungsaktivität. Man spricht dann vom „Wetting out“.

Die DWR Behandlung verhindert genau dieses Zusammenfließen des Wassers, indem es die Fasern und die Textiloberfläche sehr glatt hält. Das Wasser perlt dann in Form vieler Tropfen ab, anstatt vom Oberstoff aufgenommen zu werden. Das kann wie gesagt auf verschiedene Weisen erreicht werden. Beispielsweise dringt bei den Gore-Tex-Materialien die Imprägnierung in die Fasern ein und verringert die Oberflächenspannung des Oberstoffs.

Allerdings lässt der perlende „Lotusblüteneffekt“ mit zunehmendem Verschleiß der DWR-Behandlung nach. Bei häufigem Tragen, Verschmutzungen und dem Kontakt mit Waschmitteln kann das relativ schnell geschehen. Der Begriff „dauerhaft“ sollte also recht dehnbar aufgefasst werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass man die DWR-Behandlung schnell und einfach reaktivieren oder erneuern kann. Dazu gleich noch mehr im Detail.

Zuvor ist noch zu erwähnen, dass DWR-Imprägnierungen nicht „wasserdicht“, sondern lediglich „wasserabweisend“ sind. Dem Stark- oder Dauerregen hält sie alleine nicht stand; dazu braucht sie schon zusätzliche Unterstützung wie eine Membran und getapte Nähte.

Was genau ist eine DWR Imprägnierung?

Man liest zwar überall darüber wie DWR funktioniert, doch nur selten wird erklärt was für Substanzen und Technologien genau dahinter stecken. Vielleicht liegt das daran, dass man hierfür ziemlich tief in die Welt der industriellen Verfahren und Verarbeitungstechniken eintauchen und sich mit einer großen Zahl chemischer Wirkstoffe auseinandersetzen muss:

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone, die einen guten permanenten Schutz bilden, eingesetzt. (…)

Die imprägnierenden Wirkstoffe sind bislang hauptsächlich Fluorcarbone (PFC), die auch als polyfluorierte Tenside bekannt sind. Im Outdoorbereich sind deren wichtigsten verwendeten Unterarten Perflouroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Da mittlerweile nicht mehr nur PFOA und PFOS, sondern auch sämtliche Fluorcarbone als gesundheitlich und umwelttechnisch bedenklich gelten, suchen immer mehr Hersteller nach Alternativen. Einige solcher alternativen Imprägniermittel funktionieren – vereinfacht gesagt – auf Basis von Wasser- und Fettsäure (aliphatische Kohlensäuren). Mehr zum Thema PFC und der Suche nach Alternativen folgt gleich noch im Umwelt-Abschnitt.

Für das Einarbeiten der imprägnierenden Substanzen in das textile Gewebe gibt es abermals verschiedene Verfahren. Das Bekannteste ist das Tauchverfahren, bei dem die Gewebe durch ein DWR-Flüssigkeitsbad gezogen werden. Ein neueres und präziseres Verfahren ist das Auftragen über Spritzdüsen.

Die DWR Imprägnierung auffrischen oder erneuern

Wie schon erwähnt, bedeutet „durable“ nicht „ewig“. Daher muss die Imprägnierung nach mehr oder weniger häufigem Einsatz aufgefrischt oder komplett erneuert werden. Was genau zu tun ist oder ob überhaupt etwas zu tun ist lässt sich ganz einfach testen: man lässt einfach ein paar Wassertropfen über das Kleidungsstück laufen und schaut, ob diese in den Oberstoff einziehen. Tun sie das nicht, ist die Imprägnierung noch in Ordnung.

Zieht das Wasser teilweise ein, sollte man zunächst versuchen, die alte Imprägnierung aufzufrischen. Nach einer Wäsche gemäß der Pflegeanleitung des Herstellers, darf dem Material nur warme Luft zugeführt werden. Das geht entweder mit dem Wäschetrockner (Schongang 60°C), mit einem Bügeleisen (kein Dampf; keinen direkten Kontakt mit dem Kleidungsstück, sondern eine Stoffschicht dazwischen legen) oder mit einem Föhn. Die Wärme sollte etwa 20 – 30 Minuten einwirken. Anschließend führt man einen erneuten Wassertropfentest durch. Verläuft dieser erfolgreich, hat das Reaktivieren der DWR Imprägnierung bis zur nächsten Wäsche funktioniert.

Hat der Wassertropfentest nicht funktioniert, muss die Imprägnierung erneuert werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Einsprühen oder Einwaschen. Bei beiden Methoden sollte das Kleidungsstück auf jeden Fall trocken und sauber sein.

Beim Einwaschen ist zunächst wichtig, dass die Einspülkammer der Waschmaschine sauber ist.  Dann wird die vom Hersteller empfohlene Dosis des Imprägnier-Waschmittels eingefüllt und die Kleidung im Schonwaschgang bei 40°C gewaschen. Anschließend wird sie je nach Pflegeempfehlung (siehe Etikett) entweder zum Trocknen aufgehängt oder im Trockner auf der niedrigsten Stufe getrocknet.

Das Problem bei der Waschmethode ist, dass der Imprägnierfilm auch auf die Innenseite der Kleidung gelegt wird, wodurch die Atmungsaktivität spürbar nachlassen kann. Je nach  Textilgemisch und Membran gibt es hier unterschiedliche Reaktionen. Bisweilen wird auch die Nachimprägnierung durch eine professionelle Reinigung empfohlen. Das bringt zwar den Vorteil, dass nicht mit den Chemikalien herum hantiert werden muss und sorgt unter Umständen für eine haltbare Neuimprägnierung, ändert aber auch leider wenig an dem genannten Problem.

Das Nachsprühen bringt zwar mehr Chemikalienkontakt mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass die Imprägnierung wie gewünscht verteilt werden kann. So kann man mit dem Imprägnierspray gezielt die Außenseite und besonders die sensiblen Stellen wie Nähte, Bündchen und Schultern bearbeiten. In der Welt der Imprägniersprays gibt es auch fast nur noch Pump-Sprays, die ohne schädliche Aerosole als Sprühhilfen auskommen. Trotzdem sollten natürlich auch diese Sprays nur im Freien bei guter Durchlüftung verwendet und so wenig wie möglich eingeatmet werden.

Auch Soft­shells haben meist eine DWR Behandlung, die von Zeit zu Zeit erneuert werden muss. Dafür gibt es von Toko und Nikwax spezielle Imprägniermittel und -sprays, die sich wie ein wasserabstoßender Schlauch um die Fasern legen und die Bewegung der Softhsell-Fasern aufrechterhalten.

Mehr über das Nachimprägnieren und den Vergleich zwischen Einwaschen und Einsprühen erfährst du in der Bergfreunde-Anleitung zum richtigen imprägnieren von Regenjacken.

Bei Schuhen, die mit der DWR Imprägnierung ausgerüstet sind, kommt eigentlich nur das Sprühen infrage. Einfetten, Einölen und Einwachsen führt fast immer zur Zerstörung der Atmungsaktivität. Dennoch ist auch nicht jedes Imprägnierspray für jeden Schuh geeignet. Ein Grund also mehr beim Schuhkauf die Pflegeempfehlungen des Herstellers aufzubewahren und möglichst genau zu befolgen.

Abschließend noch ein Tipp: Man sollte keine zu hohen Erwartungen hegen, denn kaum eine nachträgliche Imprägnierung reicht je an die Güte der Originalbehandlung heran. Auch dann nicht, wenn man die Kleidung nach dem Motto „viel hilft viel“ zwar hochseetauglich imprägniert, damit aber auch die Atmungsaktivität des Gewebes ruiniert.

Sind DWR Imprägnierungen umweltschädlich?

Sagen wir mal so: die DWR Imprägnierungen fügen sich bislang noch nicht allzu harmonisch in das Ökosystem ein. Brennpunkt der Umweltdiskussion sind die PFC-Verbindungen, die, vereinfacht zusammengefasst, jahrelang in Organismen verweilen und sich in der Natur nicht abbauen. PFC-Spuren sind in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar. Bislang ging man davon aus, dass keine direkten gesundheitlichen Risiken bestehen würden und „nur“ Produktion, Wäsche und Entsorgung von Outdoorprodukten die Probleme seien. Doch eine wachsende Zahl an Human- und Tierstudien deuten auf gesundheitliche Probleme durch PFC im Körper hin – und zwar in vielen lebenswichtigen Bereichen wie Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung.

Wie groß diese Risiken einzuschätzen sind wird heftig diskutiert. Lange Zeit gab es diverse Spekulationen darüber, welche PFC-Verbindung sich wie stark wo ansammelt und welche sich wie schnell wo abbaut. Zeitweise galten deshalb Imprägniermitteln auf Basis von C6-kettigem PFC, anstelle von C8, als sicher. Doch Kritiker, wie der Nikwax-Firmengründer Nick Brown, bezeichneten dies als „Märchen“. Brown ist der Ansicht, dass nur der vollständige Verzicht auf PFC die Umwelt- und Gesundheitsrisiken wirklich senkt.

Nikwax war damit auch die erste Firma, die konsequent auf PFC verzichtete und dies bis heute treu umsetzt. Da Forschungen immer mehr darauf hindeuten, dass wirklich alle PFC-Verbindungen schädlich für Umwelt und Gesundheit sind, ziehen immer mehr Anbieter nach. Neben Nikwax hat auch Toko PFC-freie Imprägnierwaschmittel und -Sprays im Angebot. Das tun sie allerdings eher wegen des gestiegenen Interesses der Kundschaft, anstatt als Druck auf den Gesetzgeber. Dieser sieht nämlich weiterhin nicht vor PFC zu deklarieren.

Bislang galt es als „technisch fast unmöglich, eine gleichwertig leistungsfähige Imprägnierung ohne PFC herzustellen“. Sprich eine Imprägnierung, die nicht nur Wasser, sondern auch Schmutz abweist und somit die Atmungsaktivität erhält. Imprägnierungen aus PU oder Silikon waren bzw. sind zwar umweltfreundlicher, fallen aber in Sachen Funktionalität deutlich hinter PFC-basierte Imprägnierungen zurück.

Doch wie der Umweltpionier Vaude in seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 schreibt, ist das dank innovativer Technologien „inzwischen kein Problem mehr.“ Als letzter „Nachteil“ bleibt nur noch, das PFC-freie DWR Imprägnierungen nicht öl- und fettabweisend sind. Dazu merkt Vaude an, dass diese Funktion auch nicht wirklich benötigt wird. Und in der Tat: wann hat man draußen im Wald oder am Berg je mal Probleme mit Fett und Öl auf der Funktionskleidung? Vermutlich eher selten.

Wie in so vielen Bereichen ist Vaude mit seinem DWR Eco-Finish ein Vorreiter. Weitere umweltfreundliche Alternativen ohne jede Funktionalitätseinbuße befinden sich derzeit in der Forschungs- und Entwicklungsphase und dürften früher oder später zur Marktreife gelange.

Bis 2020 plant Vaude sämtliche Produkte PFC-frei anzubieten. Und auch viele andere Hersteller haben bereits eine oder mehrere PFC-freie Kollektionen. Einen wirklichen Meilenstein könnte bald auch Gore-Tex erreichen, deren Materialien bekanntlich als Vorprodukte in sehr vielen Kleidungsstücken zahlreicher Outdoormarken verabreitet sind. Bis Ende 2023 hat Gore-Tex einen PFC-Verzicht angekündigt.

Bis dahin kann man auf folgende PFC-freie und umweltfreundliche Imprägnier-Alternativen zurückgreifen:

  • Bionic-Finish Eco basiert auf hochverzweigten Polymeren mit einer hohen Dichte an hydrophoben (wasserabweisenden) Elementen. Diese Verbindung weist Wasser und wässrige Schmutzsubstanzen sehr gut ab, ist waschbeständig und abriebfest. Zudem behindert das Biofinish Eco nicht die Atmungsaktivität. Eco Finish ist die aus wieder abbaubaren Inhaltsstoffen bestehende DWR-Ausrüstung von Vaude.
  • Auch Ceplex und Dermizax kann man als Alternativen betrachten, die nach anderen Prinzipien als die DWR Imprägnierung funktionieren. Ceplex ist eine PU-Beschichtung, Dermizax eine Art PU-Membran mit beweglichen Molekülen.

Imprägnierung ist auf jeden Fall wichtig, soweit man zumindest bei einem heftigen Regenguss nicht triefend umher laufen möchte. Und wie man sieht tut sich momentan einiges auf dem Markt der Imprägnierungen. Wir sind gespannt, wie sich die Outdoorwelt weiterhin ins positive für Mensch und Umwelt entwickelt.

Im Test: Patagonia Micro Puff

20. Juli 2018
Kaufberatung

Hast du dich schon mal gefragt was hinter Patagonias Micro Puff Technologie steckt? Und inwieweit sie effizient ist? Dann ist dieser Artikel etwas für dich! Unter kritischem Auge haben wir (Alexandra und Felix) die Technologie an den unterschiedlichsten Orten der Welt unter den Prüfstand gestellt. Alexandra packte dafür den Micro Puff Hoody für einen Skilanglauf am Titisee ins Gepäck, während sich die Micro Puff Jacke bei Felix an dem rauen Wind und der gefühlten Gefrierpunkttemperatur beweisen durfte. Wie unser Urteil wohl ausfiel?

Erstmal die Eckdaten

Patagonia sagt, dass die Micro Puff Jacke die „in Relation zum Gewicht wärmste Jacke [ist], die […] [sie] je entwickelt haben“. Damit macht Patagonia eine starke Aussage. Gilt doch die bessere Wärmeleistung im Verhältnis zum Gewicht bisher immer als eines DER Argumente Daunen statt Kunstfaser als Isolationsmaterial zu wählen.

Dafür hat Patagonia die PlumaFill Isolierung entwickelt. Die Idee dahinter ist nicht neu: Mithilfe von Synthetikfasern wird die Struktur von Daune imitiert. Allerdings kommen die Synthetikfasen in Form von Endlosfasern daher, sodass sie, anders als die klassischen Fasern oder Federn, mit weniger Nähten an Ort und Stelle gehalten werden können. Diese Steppkonstruktion unterscheidet die Micro Puff auch optisch von der Konkurrenz.

Kombiniert wird die Isolierung mit einem ultraleichten, winddichten und wasserabweisenden Außenmaterial aus Pertex Quantum Ripstopnylon mit DWR Beschichtung.

Und auch das Gewicht kann sich durchaus sehen lassen. Bei unserer Messung bringt die  Damenvariante in Größe S insgesamt 230 g und die Männervariante in Größe M 236 g auf die Waage. Unsere Ergebnisse entsprechen damit ziemlich genau den Herstellerangaben.

Der erste Eindruck

Als erstes fällt uns unweigerlich die Farbe auf. Bei der Damenvariante haben wir ein knalliges, glänzendes Rot (Maraschino), kombiniert mit einem blauen Reißverschluss und blauen Elastikbündchen. Bei den Herren ist alles unicolor Orange (Paintbrush Red) – also quasi Knallorange. Mit diesen Farben wird man auf jeden Fall nicht so schnell übersehen. Für all diejenigen, die jedoch nicht ganz so auffällig unterwegs sein möchten, gibt es die Jacken natürlich auch in gedeckteren Farben.

Die Haptik der Jacke ist glatt, sodass sich eine Hardshelljacke ohne Probleme drüber ziehen lässt. Das Material ist sehr dünn und wirkt sogar fast durchsichtig. Aber trotzdem knistert die Jacke mit den Windböen nicht vor sich hin, sondern ist relativ leise.

Der lockere Schnitt lässt viel Raum für Bewegung, aber auch für weitere Schichten unter der Jacke. Die Ausstattung ist schlicht: es gibt eine Kapuze (bei der Hoody Variant), zwei Reißverschlusstaschen außen und zwei große Innentaschen. Der von hinten abgedeckte Reißverschluss schließt hoch. Elastische Bündchen und ein elastischer Saum schließen die Jacke ab. Praktisch ist, dass sich die Jacke kompakt in der linken Jackentasche verpacken lässt.

Die Praxis – der Micro Puff Hoody (w)

(Alexandra) Bevor mich die Micro Puff bei meinem ersten Langlaufausflug am Titisee begleiten darf, muss sie sich erstmal auf dem täglichen Weg zur Arbeit beweisen. Bei Temperaturen zwischen Plus und Minus 8 Grad Celsius pendele ich knapp eine halbe Stunde mit dem Fahrrad. Da ich generell schnell friere bin ich besonders auf die Wärmeleistung gespannt – und ich muss sagen, dass ich dabei nicht enttäuscht werde.

Auch bei Temperaturen unter null Grad reicht mir für die Strecke ein langes Merinoshirt als Baselayer aus. Die Kapuze passt problemlos unter den Helm. Auch vom Gegenwind spüre ich kaum etwas, lediglich am Reißverschluss offenbaren sich kleine Schwächen. Die Abdeckung von innen scheint an dieser Stelle recht knapp bemessen zu sein.

Belüftungsmöglichkeiten gibt es abgesehen vom Frontreißverschluss keine und zugegebenermaßen fehlen mir diese bei wärmeren Temperaturen etwas. Auch weitere Verstellmöglichkeiten mittels Kordelzüge oder Klettverschlüsse sucht man vergeblich. Dies stört mich allerdings weniger, denn es spart Gewicht und man bleibt ohne sie nirgendwo hängen. Außerdem wird das sehr dünne Material nicht unnötig durch Klettverschlüsse strapaziert. Die Kapuze sitzt auch bei meinem kleinen Kopf sicher genug, sodass ich keine Angst vor dem nächsten Windstoß habe. Allerdings hat sich das Wetter in der Testphase vornehm zurückgehalten, sodass ich weder Regenschauer noch starke Winde in den Bericht mit einbeziehen kann.

Auch bei meinem Langlaufausflug in den nahen Schwarzwald zeigt sich der Himmel von seiner sonnigen Seite. Bei 10 Grad minus schichte ich zunächst ein langes Merinoshirt, ein kurzes Funktionshirt und eine Fleecejacke unter die Micro Puff. Nach gut 200 m in der Loipe verschwindet die Fleecejacke aber bis zur Pause wieder im Rucksack. Bei Bewegungen schränkt die Jacke nicht ein und, dadurch dass sie so dünn und leicht ist, fühlt man sich auch nicht wie ein Schneemann.

Die Taschen der Micro Puff sind leicht höher angesetzt, sodass es kein Problem ist, sie bei geschlossenem Hüftgurt des Rucksacks zu benutzen. Geräumig sind sie allemal. Handy, Portemonnaie, Kompaktkamera und die obligatorische Packung Taschentücher passen ohne Probleme hinein. In den Innentaschen könnte man sogar eine Literflasche unterbringen. Allerdings nutzen die Innentaschen den gleichen Platz wie die Außentaschen aus. Da die Taschen bis zum Saum der Jacke gehen, muss man eventuell erst den Rucksack schließen, bevor man sie befüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Außentaschen auch prima als Handwärmer dienen.

Die Praxis – die Micro Puff Jacket (m)

(Felix) Mit der Micro Puff Jacke mache ich einen echten Kaltstart. Einmal im Büro anprobiert, kommt die Jacke ungetestet ins Urlaubsgepäck und wird so zum ersten Mal im argentischen Städchen El Chalten nahe des Fitz Roy eingesetzt. Auf der Reise hatte sie bis dahin mit ihren Maßen gepunktet, denn Volumen und Gewicht machen die Patagonia Micro Puff Jacket zum idealen Reisebegleiter.

In den windigen Abendstunden kommt die sehr schön verarbeitete Jacke so also vorerst beim Flanieren zum Einsatz. Doch ihre wahren Werte darf sie dann schon 24 Stunden später unter Beweis stellen. Am Fuße des südlichen patagonischen Eisfelds ist die Sonne selten, der Wind stark und der Regen waagrecht. Die Jacke habe ich hier, je nach Bedingungen (und diese wechseln sehr oft), mit Softshell darunter oder Hardshell darüber kombiniert. Am meisten fiel mir dabei die wasserabweisende DWR Beschichtung positiv auf. Trotz mehrerer Schauer wurde die Jacke nicht nass.

Allerdings ist mir persönlich die Jacke bei größerer körperlicher Anstrengung zu wenig atmungsaktiv und zu warm. Klar hat sie mich so bei jeder Pause und, noch wichtiger, bei jedem Feierabend vor dem Auskühlen bewahrt, aber ich bin eben lieber zu leicht angezogen und friere auch allgemein nicht so schnell wie eventuell andere. Diese Beurteilung ist damit sehr subjektiv.

Technisch gesehen gefallen mir viele der einfachen Details sehr gut. Bei meiner Armlänge und meinem Umfang sind zum Beispiel die elastischen Armbändchen optimal. Dank ihnen bleibt der Ärmel auch bei größeren Bewegungen dort wo er sein soll.

Die großen Außentaschen haben entweder meine Hände gewärmt, oder meine 1 Liter Trinkflasche verstaut (was dank ihrer Position auch bei einem breiten angelegten Rucksack-Hüftgurt möglich ist). Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass bereits nach kurzer Zeit an einer angesteppten Stelle das PlumaFill nach außen durchdrang.

Trotz dem leichtem Material, habe ich die Jacke aber als robust wahrgenommen. Und ich bin mir sicher: für mich wird sie nun ein fester Begleiter bei Wind und Wetter sein. Mich hat die Patagonia Micro Puff Jacket vor allem mit ihren einfachen Details und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt.

Kurz und knapp können wir Patagonia’s Micro Puff Kleidungsstücke also guten Herzens weiterempfehlen. Und jede Outdoor-Aktivität kann durch die Technologie nun ganz neue, leichte und praktische Züge annehmen.

Eine Kaufberatung zu Biwakzelten

11. September 2018
Kaufberatung

Es ist schon merkwürdig: das Ding heißt Biwakzelt, ist aber weder ein Biwaksack noch ein Zelt. Die Bezeichnung passt aber trotzdem, denn es steht ziemlich genau in der Mitte zwischen diesen Beiden – es ist mehr als ein Biwaksack und weniger als ein Zelt. Obwohl die Lücke zwischen Biwaksack und Zelt ziemlich groß ist und die Lösung für deren Schließung auf der Hand liegt, haben sich die Outdoor-Produzenten sehr lange Zeit genommen, bevor sie hier aktiv wurden. Erst seit etwa zehn Jahren gibt es Biwakzelte überhaupt zu kaufen und die Auswahl ist bis heute überschaubar geblieben. Die große Biwak-Zelt-Lücke ist also trotz des Outdoor-Booms offenbar keine große Marktlücke.

Mit welchen baulichen Maßnahmen haben die Biwakzeltproduzenten die Lücke geschlossen? Nun, zu den Biwaksäcken fügten sie ein Gestänge, sowie die Aufstell- und Fixiermöglichkeit hinzu; von den Zelten zogen sie hingegen den Vorraum (Apsis) und die Doppelwand ab. Erscheint ganz einfach oder? Naja, aber ganz so eindeutig ist die Sache trotzdem nicht immer, denn die Übergänge zwischen „luxuriösem“ Biwaksack, oder Biwakzelt und spartanischem 1-Personen-Zelt sind oft fließend.

Standardkonstruktion Biwakzelt

Die klassische Konstruktion eines aufgestellten Biwakzelts besteht aus einem Kunstfasergewebe, das ähnlich wie ein Biwaksack geschnitten ist, an der Bodenseite jedoch robuster verarbeitet ist. Außerdem wird bei dem Biwakzelt sowohl am Kopfende als auch am Fußende ein Gestängebogen durchzogen. Diese Gestängebögen machen auch den Hauptunterschied zum Biwaksack aus. Der Bogen am Fußende ist kleiner als der am Kopfende und die beiden Bögen sind wiederum deutlich kleiner als bei einem herkömmlichen 1-Personen Zelt. Während man beim Zelt genug Platz zum Sitzen hat, hängt einem das Gewebe im Biwakzelt schon beim Liegen relativ dicht über der Nase. Die Menge der Abspannpunkte ist im Vergleich zum „richtigen“ Zelt etwas geringer, während die Art ihrer Fixierung mit Leinen und Heringen gleich ist.

Für wen ist ein Biwakzelt geeignet?

Die Antwort darauf hängt von den vielen verschiedenen Tourenplänen, Neigungen und Bedürfnissen der Berg- und Outdoorfreunde ab. Okay, das kann man bei fast jedem Outdoorprodukt sagen – also etwas konkreter: Die Hauptzielgruppe der Biwakzelte sind definitiv Sologänger, die gern höher und weiter hinausgehen und dabei schnell und flexibel unterwegs sein wollen. Ihre Komfortansprüche können sie dabei also auch mal vorübergehend zurückschrauben.

Vor einigen Jahren war ich mit dem (leider nicht mehr verfügbaren) Vaude Bivi in Patagonien unterwegs und fühlte mich damit ziemlich gut ausgestattet (vor allem, wenn ich an das Preis-Leistungs-Verhältnis denke). Allerdings war ich sehr glücklich darüber, da ungewöhnlich gutes Wetter viele Nächte an der frischen Luft ermöglichte und deshalb den Einsatz des ziemlich beengten Schlafabteils nicht allzu häufig nötig machte. Andererseits kann man diesen „Minuspunkt“ keinem Biwakzelt wirklich ankreiden – ihre Aufgabe besteht schließlich nicht darin, besonders einladend zu sein.

Zweierteams dürften bei Trekking-, Wander- und Biketouren mit einem „richtigen“ Zelt besser bedient sein. Das knallenge Biwakzelt mit Tourenpartnern zu teilen, die fast so schlimm müffeln wie man selbst, ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei – selbst wenn man mehr als freundschaftlich miteinander verbunden ist. Und wenn alle Tourenteilnehmer je ein 1-Personen-Biwakzelt einpacken, bringt das in Sachen Gewicht und Packmaß keinen Vorteil gegenüber einem komfortablen Zwei- oder Mehrpersonenzelt mit. Eine Ausnahme können Touren in steilem, hochalpinem Gelände sein, wo man eher mehrere kleine Schlafnischen findet als eine große Fläche für ein Zelt.

Für Gruppen von mehr als zwei Personen gilt ähnliches. Zusätzlich wird hier noch eine dritte Alternative interessant: Gruppenbiwaksäcke mit Trekkingstöcken als improvisiertes Gestänge. Der britische Hersteller Rab bietet hier mit dem Group Shelter 2 eine qualitativ hochwertige Möglichkeit an. Dieser mit Vorbereitungen für ein Trekking-Gestänge versehener Biwaksack ist zwar auch nur für zwei Personen ausgelegt, dafür aber so leicht und kompakt, dass eine Gruppe problemlos mehrere Exemplare davon mitnehmen kann.

Vor der ersten Biwakzeltnacht: Was ist zu beachten?

Den schon zuvor erwähnten geringen Abstand des einwandigen Gewebes zum Körper sollte man besonders im Hinblick auf den Schlafsack bedenken: ist der Schlafsack zu dick, hat er direkte Tuchfühlung mit der Zeltwand. Und da diese einlagig ist, „zieht es“ die Nässe von draußen nach drinnen und per direkter Berührung in den Schlafsack. Bei Wind wird die Zeltwand noch fester gegen den Schlafsack gedrückt (zumindest wenn es wie in meinem erlebten Fall patagonischer Wind kombiniert mit prasselndem Dauerregen ist). Man sollte also nur mit wasserabweisenden oder besser wasserfesten Schlafsäcken in Biwakzelten übernachten. Die Klamotten sollten ebenfalls entsprechend nässeresistent sein. All das sollte man möglichst nicht erst während einer Tour auschecken, sondern bei einem vorherigen Test in sicherer Umgebung.

Wichtige Details beim Biwakzelt sind hochwertige, atmungsaktive Kunstfasergewebe aus  Markenmaterial, sowie gut laufende und robuste Reißverschlüsse (möglichst YKK). Längere Reißverschlüsse bieten mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg, sind aber auch größere Schwachstellen bei extremen Wetterverhältnissen und erhöhen zudem ein wenig das Gewicht. Auch bei den Ösen zum Abspannen und deren Vernähung sollte man genauer auf die Robustheit achten. Sehr angenehm sind Biwakzelte mit einem gekreuzten Kopfgestänge, die man zur Not auch ohne Abspannung aufstellen kann.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Zelt

Pluspunkte Biwakzelt

  • Weniger Gewicht und Packmaß.
  • Etwas weniger Flächenbedarf und damit größere Auswahl an potenziellen Übernachtungsplätzen.
  • Schnellerer Auf- und Abbau, somit auch schnellere Ortswechsel bei unvorhergesehenen Komplikationen (z.B. wenn der Übernachtungsplatz geflutet oder zu kalt wird).
  • Man kann das Biwakzelt ohne große Mühe und Aufwand bis ganz oben auf den Berg mitnehmen und damit für plötzliche Wetterwechsel gerüstet sein. Besonders bei längeren Touren mit Überschreitungen und Durchquerungen ist dies ein großer Vorteil!

Minuspunkte Biwakzelt

  • Bei Schlechtwetter besteht keine Möglichkeit zum Kochen (außer man nimmt ein Tarp o.ä. mit – doch das erhöht Gewicht und Packmaß derart, dass man so auch gleich ein „richtiges“ Zelt mitnehmen kann).
  • Auch andere Verrichtungen werden bei schlechtem Wetter ungemütlich (so ist z.B. Essen im Biwakzelt nur im Liegen möglich). Toilettengang, Kleidung wechseln oder benötigte Sachen aus dem Gepäck herauskramen wird zur umständlichen und wenig angenehmen Verrichtung. Immerhin kann man in dieser Hinsicht aber auch relativ komfortabel lesen und Tourenplanung betreiben.
  • Der Rucksack muss draußen bleiben – außer wenn er wirklich klein ist und das Gleiche auch für die Person im Biwakzelt gilt. Dasselbe Verfahren wie mit dem Rucksack gilt auch für für die nassen Bergschuhe.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Biwaksack

Pluspunkte Biwakzelt

  •  Mehr Platz und Komfort; dadurch auch bessere Karten bei Unfällen und Notsituationen (besonders in unwirtlichem hochalpinem Gelände).
  •  Deutlich besserer Wind- und Nässeschutz, da die Schutzhülle auf Abstand zum Körper ist.

Minuspunkte Biwakzelt

  •  Größerer Platzbedarf. Den Biwaksack kann man überall ausbreiten. Bei dem Biwakzelt geht das nicht.
  •  Mehr Gewicht und Packmaß.

Soweit ist hoffentlich deutlich geworden, was das Biwakzelt ist, wozu es gut ist und worauf man beim Kauf achten sollte. Wer das Biwakzelt noch genauer einordnen möchte, sollte sich dazu möglichst noch die Basislager-Artikel zum Thema Biwaksack und Zelt zur Brust nehmen.

Mit Sonnenstrom auf Tour – Mobile Solarpanels

6. September 2018
Kaufberatung

Ob Notebook zur Tourenvorbereitung, Navigations App auf dem Smartphone, Fotoapparat oder GPS-Gerät – sie alle haben eine Sache gemeinsam: ohne Strom taugen sie nicht viel mehr, als ein Briefbeschwerer. Trotz immer leistungsfähigerer Akkus müssen die meisten der Geräte, auf die wir bei unseren Touren im Gelände nur ungern verzichten, nach einigen Stunden oder Tagen wieder neu aufgeladen werden.

Je nach Reisegebiet gestaltet sich die Suche nach einer Steckdose von schwierig bis hin zu schlichtweg unmöglich. Sei es mitten im Fjell Norwegens, in der mongolischen Steppe oder auf einer Bergtour in den Alpen. Sobald man den eigenen Aktionsradius über feste Campingplätze und bewirtete Hütten ausweitet, wird das Thema der mobilen Stromversorgung eine echte Herausforderung für alle Outdoor-Enthusiasten.

Für Tagestouren und Wochenendrouten reicht der Strom einer Akkuladung oft aus oder lässt sich mit Ersatzakku und Powerbank erweitern. Mit der Powerbank können beispielsweise Geräte mit USB Anschluss (wie Smartphone oder Tablet) prima aufgeladen werden. Ein Notebook damit zu betreiben oder andere Geräte mit einem höheren Strombedarf anzuschließen, ist mit einer Powerbank allerding nicht möglich.

Auch mobile Solaranlagen sind für sehr unterschiedliche Leistungsstufen konzipiert und dementsprechend groß und schwer, beziehungsweise leicht und kompakt. Je nachdem, ob man mit den Solarpanels ein komplettes Basecamp mit Strom versorgen möchte oder nur die Powerbank nachladen muss, um regelmäßig das Smartphone aufzuladen, gibt es die verschiedensten Arten von leistungsfähigen Solarpanels.

Mobile Solaranlagen für Wohnmobile und Camping

Im Gegensatz zu fest verbauten Solarpanelen auf dem Dach, bieten mobile Solarpanels maximale Flexibilität beim Campen abseits von Campingplätzen mit Stromversorgung aus der Steckdose. Wer nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, weil die Panels in erster Linie mit dem Auto von Stellplatz zu Stellplatz transportiert werden, ist mit einem großen, faltbaren Solarmodul oder einem Solarkoffer bestens beraten.

Die zwei, beziehungsweise drei Solarmodule sind bereits mit Solarregler und Kabelanschluss ausgestattet und können ohne großen Aufwand direkt in Betrieb genommen werden. Da sie nicht fest montiert werden, lassen sie sich immer optimal auf die Sonne ausrichten. Schäden durch Hagel oder Sturm, die bei fest montierten Panelen entstehen können, brauchen Camper mit den mobilen Solaranlagen nicht zu fürchten. Eine Kombination beider Systeme ist natürlich ebenfalls denkbar.

Ein durchschnittlicher Solarkoffer kommt auf eine Ladeleistung von etwa 100 Watt. An einem sonnigen Tag und mit einer optimalen Ausrichtung von 90° zur Sonne erzeugt ein solches mobiles Panel zirka 50Ah. Damit können entweder 12V Blei Batterien im Auto oder spezielle Lithium Akkus geladen werden. Die Geräte werden dann wiederum über die Batterien mit Strom versorgt.

Direktes Anschließen von Stromverbrauchern an die Solarpanels ist eher ungünstig, da es dabei zu Leistungsschwankungen kommt. Mit einer 100Ah Batterie, die unter optimalen Bedingungen voll geladen ist, könnte ein Campingbus oder Wohnmobil mit normalem Stromverbrauch für einige Tage komplett autark versorgt werden. Für schnelleres Laden oder bei ungünstigeren Bedingungen kann der Solarkoffer oder das Solarmodul durch einen zweiten Koffer ergänzt werden.

Je nach Strombedarf durch Anzahl und Art der Geräte, Wetter und Reisegebiet, lässt sich die optimale Größe und Leistung der mobilen Solaranlage individuell auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Bei Reisefahrzeugen und Wohnmobilen sind Solarpanele auch oft fest auf dem Dach montiert. So sind sie jederzeit einsatzbereit und müssen nicht extra aufgestellt und angeschlossen werden. Dagegen sind mobile Solarpanele weniger der Witterung ausgesetzt. Sie lassen sich vom Winkel so ausrichten, dass sie so effizient wie möglich arbeiten. Praktisch ist damit, dass während die Panele in praller Sonne Strom erzeugt, das Reisemobil in einiger Entfernung im Schatten geparkt werden kann.

Kompakte Solarpanels für Rucksackreisen und Trekking

Um auf mehrtägigen Wanderungen abseits der Zivilisation genügend Strom für GPS-Gerät und Smartphone zur Verfügung zu haben, sind kompakte Solaranlagen ideal. Die faltbaren Module sind sehr leicht und dazu noch wetterfest in ihrer Außenhülle verbaut. Ausgestattet mit USB und Micro USB Anschlüssen lassen sich die meisten Powerbanks, Smartphone oder Stirnlampen mit USB Anschluss direkt am Panel laden.

Die Solarpanele für Rucksackreisende sind oft so konstruiert, dass sie sich beim Wandern am Rucksack befestigen lassen. Die Geräte werden bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf diese Weise den ganzen Tag geladen.

Für den Einsatz beim Trekking ist, neben dem geringen Gewicht, eine kompakte und gut geschützte Bauform zu empfehlen. Bei faltbaren Panels (wie zum Beispiel von Goal Zero) sind die Zellen beim Transport im Rucksack sehr gut geschützt. Etwa 500 bis 1000g sollten Traveller für die mobile Stromversorgung als zusätzliches Gewicht einplanen. Die mobilen Panele sind in der Regel gut vor Regen und Schmutz geschützt. Eine wasserdichte oder spritzwassergeschützte Powerbank ist beim Einsatz im Gelände ebenfalls sehr hilfreich, denn ansonsten kann der Akku beim nächsten Regenguss schnell Schaden nehmen. Manche Hersteller von Powerbanks integrieren die gängigen Anschlüsse bereits so in ihre Ladestationen, dass Wanderer und Reisende keine zusätzlichen Kabel benötigen. Somit kann auch kein Kabel vergessen, verlegt oder verloren werden.

Solaranlagen für Expeditionen und extreme Bedingungen

Mobile Solaranlagen für extreme Einsätze sind im Grunde eine Mischung aus den leistungsstarken Panelen für Reisemobile und Camping, sowie den leichten, strapazierfähigen Modulen für Trekking und Backpacking. Um den Strombedarf eines kleinen Basecamps zu decken, ist bereits ein hoher Aufwand nötig. Die Solarpanele sollten unter sehr heißen und sehr kalten Witterungsbedingungen einwandfrei funktionieren. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen stehen große Powerstations und Powerbanks bereit, die mit ihren leistungsfähigen Akkus den Strombedarf für mehrere Tage gewährleisten.

Wie auch bei Solarkoffern, lassen sich die Panele für Expeditionen falten und dadurch sehr gut transportieren. Im Vergleich zu den Camping-Panels sind sie jedoch dünner, leichter und außerdem robuster. Die aufwändige Bauweise spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder, denn die Solaranlagen für Expeditionen sind mit Abstand die teuersten.

Praktische Stative können in unwegsamen Gegenden als Halterung für die Panele aufgebaut werden. So stehen sie sicher, lassen sich optimal auf die Sonne ausrichten und sind besser vor Nässe, Schmutz und Schnee geschützt.

Für Expeditionen ohne großes Basecamp und ohne zusätzliche Versorgung eignen sich die kompakten Panels, die auch auf Trekkingreisen für volle Smartphone-Akkus sorgen. Mit ihrem geringen Gewicht sind sie eine prima Ergänzung im Tourengepäck und versorgen überall die wichtigsten Stromabnehmer – ob in der Portaledge im Yosemite, der Pulka-Tour durch Lapland oder beim Mountainbiken durch West-Nepal.

Fazit

Heutzutage gibt es vermutlich kaum jemanden, der oder die ohne elektronische Geräte Draußen unterwegs ist. Wie der Beitrag euch hoffentlich zeigen konnte, können mobile Solarpanels für das Camping abseits von Stromzugängen, Rucksackreisen, als auch Trekking können mobile Solarpanels eine Investition sein, die sich auszahlt. So oder so, wir wünschen euch eine schöne Outdoor-Erfahrung!

Weit mehr als eine Daunendecke – von den Vorzügen eines Quilts

7. September 2018
Kaufberatung

Ihr wollt auf Eurer nächsten Trekkingtour einmal wirklich aufs Gewicht achten und wisst nicht so richtig womit ihr beim Grammjagen anfangen sollt? Dann könnte dieser Beitrag vielleicht Abhilfe schaffen. Die schwersten Ausrüstungsgegenstände stammen immer aus den so genannten großen Drei: also Schlafsack, Rucksack und Zelt.

Ein vernünftiger Drei-Jahreszeiten-Schlafsack bringt in der Regel mindestens 700-800 Gramm auf die Waage, eher sogar mehr. Dieses Gewicht könnt ihr reduzieren, wenn ihr statt auf einen „klassischen“ Schlafsack auf einen Quilt setzt. Der Quilt schafft es, die 3-Jahreszeiten-Temperaturen mit 400-500 Gramm, also so gut wie der Hälfte des Gewichts des Schlafsackes, abzudecken.

Was ist ein Quilt?

Ein Quilt ist quasi ein Schlafsack, dem allerdings ein Teil seiner Füllung fehlt. Zudem hat ein Quilt keinen Reißverschluss, sondern einen Kordelzug als Verschlußmechanismus. Beides sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Quilt in einem ähnlichen Temperaturbereich leichter ist als ein Schlafsack. Neben dem Gewicht,  sorgt die geringere Füllmenge des Quilts für ein sehr geringes Packmaß – ein weiterer Vorzug für den gewichtsorientierten Wanderer.

Nun wird natürlich schnell die Frage auftauchen, ob die geringere Füllmenge nicht auch für eine geringere Wärmeleistung des Quilts sorgt. Die Antwort lautet nein. Da ein Schlafsack quasi rundum mit Füllmaterial (Kunstfaser oder Daune) versehen ist, kommt man nicht umhin auf einem Teil der wärmeisolierenden Füllung zu liegen. Dadurch komprimiert man die Füllung mit seinem Körpergewicht und sorgt (insbesondere bei Daunen) dafür, dass die wärmeisolierende Eigenschaft vollständig verloren geht. Das heißt die Wärme in diesem Teil des Schlafsacks kommt nicht von dem Schlafsack selber, sondern von der entsprechenden Isomatte, die die Bildung einer Kältebrücke verhindert. Aus diesem Grund ist die fehlende Füllung eines Quilt kein Nachteil, wenn es um die Wärmeleistung in einem bestimmten Temperaturbereich geht.

Auch die fehlende Kapuze kann ganz einfach durch die Kapuze der Daunenjacke oder den Einsatz einer Mütze überbrückt werden.

Einsatzbereiche eines Quilt

Ein weiterer Vorteil eines Quilts gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack liegt in dessen Flexibilität. Der Kordelzug lässt sich sehr viel besser regulieren als ein Reißverschluss. Durch diesen Kordelzug kann der Quilt in wärmeren Bedingungen im Handumdrehen zu einer Decke umfunktioniert werden. So kommt ihr nicht in die Verlegenheit, bei wärmeren Temperaturbedingungen euren Schlafsack mit Schweiß zu tränken und in kälteren Nächten frieren zu müssen. Diese Eigenschaft sorgt auch ganz generell für eine bessere Ventilation als man es in einem geschlossenen Schlafsack hätte.

Was sind also klassische Einsatzbereiche für einen Quilt? Längere Touren, die einen durch unterschiedliche Temperaturbereiche führen sind ein Beispiel. Seien es die großen amerikanischen Trails wie der Pacific Crest, Appalachian Trail oder der El Camino und andere europäische Fernwanderwege, hier werdet ihr mit verschiedenen Bedingungen konfrontiert, aber habt kaum die Möglichkeit eure Ausrüstung anzupassen. Genau deshalb eignet sich der Quilt für diese Touren. Aber auch kleinere Touren, die sich in einem Temperaturbereich bis knapp unter den Gefrierpunkt bewegen, sind sehr gut geeignet einem Quilt den Vorzug vor einem Schlafsack zu geben.

Den richtigen Quilt finden

Bevor ihr den für euch geeigneten Quilt aussucht, ist es wichtig zu beachten, dass zu einem Quilt eine entsprechende 3-Jahreszeiten Isomatte gehört, die einen R-Wert von mindestens drei haben sollte. An der Isomatte kann der Quilt dann auch mit Hilfe des Kordelzuges befestigt werden, um eine optimale Nutzung der Wärmeleistung zu garantieren.

Jetzt kann es losgehen mit der Quiltauswahl. Sehr gute und vor allem extrem leichte Quilts macht der amerikanische Schlafsackspezialist Western Mountaineering. Aufgrund der Nutzung sehr hochwertiger Daunen mit 850 cuin Bauschkraft ist dieser Hersteller immer einen Blick wert.

Ein Modell wie die Nanolite Daunendecke von just genanntem Hersteller ist für den Einsatz bis knapp unter den Gefrierpunkt gemacht und bringt dabei gerade einmal 360 Gramm auf die Waage. Bis ungefähr minus fünf Grad könnt ihr euch mit der Western Mountaineering Australite Daunendecke warmhalten. Mit einem Gewicht von 480 Gramm ist diese nur schwer zu unterbieten.

Quilts im Winter

Kommen wir nun noch zu den Einschränkungen. Quilts sind nicht dafür geeignet unter dauerhaft kalten Bedingungen genutzt zu werden. Der oben genannte Temperaturbereich ist das Maximum was aus einem Quilt herausgeholt werden kann und ihr werdet auch nur 3-Jahreszeiten-Quilts für Frühjahr, Sommer und Herbst finden. Zwar könnt ihr durch die Nutzung einer Winterisomatte den Bereich noch etwas dehnen, aber für dauerhaften Wintereinsatz ist ein Quilt schlicht nicht gemacht.

Da ein Schlafsack ja generell nichts anderes macht, als die eigene Körperwärme durch das entsprechende Füllmaterial zu isolieren und zu speichern, ist es unter kalten Bedingungen wichtig den Raum möglichst klein und geschlossen zu halten. Dies kann ein Quilt wiederum nicht in der gleichen Form wie ein Schlafsack leisten.

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: wenn ihr Touren plant, die euch in unterschiedliche Temperaturbereiche führen, aber nicht durch hohe Minusgrade charakterisiert sind, ist einer der besten Wege Gewicht bei eurer Ausrüstung einzusparen die Nutzung eines Quilts. Diese Schlafsackvariante schafft es durch das Weglassen von normalerweise nutzlosem Füllmaterial wertvolle Gramm einzusparen. Zudem ermöglicht diese Konstruktionsweise in der Nutzung eine sehr hohe Flexibilität. Ihr werdet in warmen Sommernächten nicht schwitzen und unter kälteren Bedingungen trotzdem nicht frieren – was will man mehr?

Das Gewicht des Revos.

Was lange währt, wird endlich Revo

19. September 2018
Ausrüstung

Vor ein paar Wochen ist bei uns das neue REVO des Traditionsherstellers Wild Country eingetrudelt. Da das nunmehr seit Sommer 2016 auf der OutDoor in Friedrichshafen angekündigte Sicherungsgerät auf die Veröffentlichung zusteuert, ließen wir es uns nicht nehmen, das Teil im Vorfeld auf Herz und Nieren zu prüfen.

Ist es ein Tuber? Ist es ein Halbautomat? Es ist ein REVO!

Das REVO ist ein bidirektionales Sicherungsgerät auf der Funktionsbasis eines Tubers mit einer zusätzlichen, paniksicheren Backupfunktion in Form einer Fliehkraftbremse, die im Falle eines Versagens des Sichernden das Seil blockiert. Das REVO stellt somit das erste Sicherungsgerät seit 1991 (Grigri) dar, welches mit einer komplett neuen Technik daherkommt. Freigegeben ist das REVO für Kletterseile mit einem Durchmesser von 8,5-11,0 mm und soll mit allen gängigen Karabinern funktionieren. Gefertigt ist das Ganze aus Aluminium und Edelstahl und wird in Italien produziert. Auch das Design erinnert eher an ein Bauteil eines italienischen Supersportlers; andere böse Zungen behaupten an einen Dynamo, als an ein Sicherungsgerät – aber gerade das weiß durch seine Ausgefallenheit zu gefallen.

Nicht nur das Design und die Größe beeindrucken, sondern auch das Gewicht. Allerdings sind sich hierbei der Hersteller, andere Rezensenten und die heimische Küchen – äh Ausrüstungswaage alles andere als einig. Der Hersteller gibt 245 gr. an, anderswo steht 275 gr. und die Waage sagt wiederum 285 gr. Einigkeit besteht allein bei allen darin, dass es ein schwerer Brocken ist, der die Haltekraft des Klettergurts in Bodenrichtung auf harte Proben stellt. Für den angeschlagenen Verkaufspreis von knapp 130 € bekommt man aber so zumindest noch etwas für sein Geld.

Hands on oder REVO, ick hör dir klacken

Auf den ersten Blick hat das REVO sehr viele bewegliche Teile. Recht schnell merkt man aber, dass für den Sichernden nur der Schließmechanismus (in Form eines kleinen schwarzen Hebels) und die Seilrolle relevant sind. Alles andere erledigt das REVO von selbst.

Das erste Seileinlegen erfordert dennoch einiges an genauer Beobachtung, da auf den ersten Blick nicht intuitiv klar ist, wie das Seil verlaufen soll. Es ist immer noch möglich, das Seil falsch einzulegen, auch wenn man es nicht mehr verkehrt herum einlegen kann. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist dies aber komfortabel zu bewerkstelligen.

Getestet haben wir das REVO mit Kletterseilen verschiedener Stärke und unterschiedlichen Karabinern. In den meisten Fällen nimmt das REVO die diversen Setups klaglos hin. Bei dicken und durch häufige Benutzung speckig gewordenen Seilen (der Toprope-Bereich lässt grüßen) in Kombination mit einem stark gebogenen Karabiner kann es jedoch zu einem ungewollten Schleifen des Seils am Karabiner kommen. Ein wenig problematisch waren in unserem Test zudem Twingate-Karabiner. Durch die knapp bemessene Einhängeöffnung am REVO war bei einigen Vertretern dieser Art etwas Überzeugungsarbeit nötig, andere passten gar nicht.

Wenn alles eingelegt ist, ist das Handling wirklich fantastisch. Das Ausgeben und Einholen des Seils, sowie der schnelle Wechsel zwischen beidem geht so leicht von der Hand, wie bei kaum einem anderen Sicherungsgerät. Das Seil läuft in beide Richtungen ohne zu hackeln (und das unabhängig von der Position der Bremshand!). Zudem kann das Seilausgeben sehr Präzise dosiert werden, sodass weder ein Schlappseil entsteht oder der Kletterer um die letzten Zentimeter Seil bis zur nächsten Exe kämpfen muss.

Diese Leichtläufigkeit macht sich allerdings auch beim Ablassen und Halten des Kletternden bemerkbar. Da die Blockierfunktion nur im Notfall greifen soll, beschränkt sich die native Bremswirkung lediglich auf die oben und unten angebrachten Lamellen, die Fliehkraftbremse dreht sich munter weiter. Dies hat zur Folge, dass eine relativ große Last auf der Bremshand liegt, auch weil, im Gegensatz zu anderen Tubern, der Karabiner konstruktionsbedingt nicht beim Bremsen des Seils mithelfen kann. Gerade bei schweren Kletterern hat der Sichernde daher alle Hände voll zu tun.

Sollte der Sichernde das Seil einmal nicht bremsen, sei es aus Unachtsamkeit, Ohnmacht oder sonstigen Szenarios, blockiert das REVO sehr zuverlässig. Freundlicherweise wird man selbst, und der Rest der Halle, auf etwaige Sicherungsfehler durch ein lautes Klacken der Blockierfunktion auf eben diese aufmerksam gemacht.

Das Backup löst bei einer Fallgeschwindigkeit von 4 m/s aus, also etwa nach 0,4 Sekunden, was ca. einem Meter Fallhöhe entspricht. Gefühlt blockiert es aber schon wesentlich früher. So kann man (auch wenn dies wahrscheinlich nicht im Sinne des Erfinders ist) die Arretierung absichtlich auslösen, um beispielsweise bei einer längeren Pause des Kletternden die Bremshand zu entlasten. Dazu muss man sich lediglich ins Seil setzen und das Bremsseil kurz anheben. Schon nach wenigen Zentimetern können es sich alle Beteiligten in ihren Klettergurten bequem machen. Gelöst wird das Seil wieder durch einen Ruck mit der Bremshand nach unten, was hervorragend funktioniert.

Beim Ablassen mit dickeren Kletterseilen schien sich das REVO hin und wieder nicht ganz sicher zu sein, ob es nun blockieren soll oder nicht (auch fernab von einer Ablassgeschwindigkeit von 4 m/s). Gleiches gilt für sehr schnelle Manöver beim Seilausgeben und -einholen. Auch hier blockiert das REVO bei hohen Geschwindigkeiten, was aber selten ein Problem darstellt, da die Selbstblockade ebenso schnell wieder zu lösen ist wie sie eintritt.

Ein paar Einschränkungen zur Arretierung gibt es allerdings, wie der Designer des REVO Egon Resch in einem Interview mit bergsteigen.com offenlegt. Bei sehr leichten Personen und wenig Seilreibung blockiert das REVO gar nicht. Gleiches gilt, wenn sehr viel Seilreibung auftritt. In unseren Tests, mit Kletterern von 64 bis 85 kg ist dieses Problem jedoch nie aufgetreten. Leider wurden keinerlei Angaben dazu gemacht, ab welchem Gewicht es zu einem Aussetzen kommen kann, oder ob zusätzlich andere Faktoren (Schlappseil o.ä.) eine maßgebliche Rolle bei diesem Phänomen spielen könnten.

Ähnlich wie bei Halbautomaten erfordert das REVO ein wenig Übung, wenn es darum geht den Kletterer weich zu sichern. Zwar lässt es sich wie ein Tuber bedienen, aber es lässt die dynamischen Eigenschaften solcher Sicherungsgeräte missen (wenn auch nicht in dem Maße wie bei anderen Halbautomaten). Somit ist ein körperdynamisches Sichern das Mittel der Wahl, insbesondere wenn der Sichernde ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat.

Fazit

Das REVO macht vieles richtig und vor allem das Klettern sicherer. Ob es nun wie versprochen „the safest belay device on the market“ ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Auch kann ich nichts über die Langlebigkeit dieses doch aus sehr vielen Einzelteilen bestehenden Sicherungsgeräts sagen, die erst in ihrem Zusammenspiel das zusätzliche Maß an Sicherheit gewährleisten.

Die lange Entwicklungszeit lässt allerdings darauf schließen, dass Wild Country das REVO lange genug getestet hat, um Kinderkrankheiten auszumerzen. Die Entwickler haben sich dankenswerterweise einiger verbreiteter Sicherungsprobleme angenommen und diese auf innovative Weise gelöst. Wer also gerne mit einem Tuber sichert, aber sich bei diesem mehr Sicherheit wünscht und sich nicht umgewöhnen möchte, kann beim REVO getrost zugreifen. Man bekommt für einen sicherlich stolzen Preis ein Sicherungsgerät, das durch ein klasse Handling, ein interessantes Design und eine maschinelle Arretierung glänzt – falls der Faktor Mensch versagt.

Auf einen Blick

  • Hersteller: Wild Country
  • Maße (hxbxt): ca. 104 x 87 x 38 mm
  • Gewicht: ca. 285 gr
  • Seildurchmesser: 8,5 -11,0 mm
  • Karabiner: alle, mit wenigen Einschränkungen
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