Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Big Wall Light Teil 2 – die wichtigste Ausrüstung

19. August 2019
Ausrüstung

Im ersten Teil dieser Serie wird der Titel „Big Wall Light“ erklärt und es finden sich dort ein paar wichtige Hinweise – also bitte lesen! Hier im zweiten Teil geht es um die entscheidenden Ausrüstungsteile. Um den Rahmen nicht zu sprengen, versuche ich mich kurz zu fassen. Auf allgemeine, eher unspezifische Themen wie z. B. Kleidung, Verpflegung oder Notfallausrüstung gehe ich deshalb nicht ein. Auf mobile Sicherungsmittel usw. nur ganz am Rande. Zu all diesen Themen sind viele gute Informationen verfügbar bzw. wird der Leser auf seine eigenen Erfahrungen setzen.

Persönliche Ausrüstung

Handschuhe

Zum Schutz der Hände leichte Lederhandschuhe mit freien Fingerkuppen. Mit solchen Handschuhen kann man noch ganz gut Freiklettern und hat genug Fingerspitzengefühl beim Materialhandling. Man kann sie ggf. selbst herstellen, indem man gutsitzende Arbeitshandschuhe zurechtstutzt und mit Tape verstärkt. Je nach Route zusätzlich oder alternativ auch Risskletterhandschuhe. Außerdem dünne Lederhandschuhe für Zu- und Abstiege und das Abseilen. Alte Fixseile, Granitsand, Nässe usw. zerstören ansonsten schnell die Haut an den Händen.

Schuhwerk

Für die meisten Aktionen eignen sich klettertaugliche Approachschuhe mit einer eher harten Sohle. Mit solchen kann man auch mal länger in der Leiter stehen. Für einfache Zu- und Abstiege sind Trailrunningschuhe ideal (weil sehr leicht). Für grobe Einsätze bzw. hochalpines Gelände nimmt man am besten bedingt steigeisenfeste Leichtbergstiefel.

Kletterschuhe

Auch wenn überwiegend technische Kletterei erwartet wird: Oft lässt sich viel mehr frei bzw. AO klettern, als man denkt – sofern man Kletterschuhe trägt! Diese sollten so bequem sein, dass man sie an den Standplätzen nicht ausziehen muss (spart Zeit und Nerven). Wichtig ist auch eine harte Sohle, um schmerzfrei in der Leiter stehen zu können. Für schwerere Freiklettereien gelten natürlich andere Ansprüche. Hier sind präzise Schuhe mit Klettverschlüssen vorteilhaft (am Stand Ferse raus und Klettverschluss gleich wieder schließen, damit der Schuh nicht verloren geht).

Klettergurt

Ein bequemer Allround-Hüftgurt mit stabilen(!) Materialschlaufen funktioniert super. Es braucht kein spezieller Bigwall-Gurt zu sein, denn ein solcher wäre hier schon wieder zu viel des Guten. Am Gurt: Reverso (o. Ä.), Kurzprusik, 5 m Kevlar-Reepschnur, kleines Seilmesser.

Verstellbare Selbstsicherungsschlinge

Anstelle von klassischen Daisy Chains empfehle ich die Verwendung von längenverstellbaren Schlingen. Die Connect Adjust von Petzl ist in vielen Situationen top, beispielsweise beim Arbeiten im Hängestand, als Selbstsicherung beim Abseilen oder als Verbindung zu den Steigklemmen beim Jümarn. Das Original-Seil ist für meinen Geschmack allerdings zu dick und zu schwergängig (und je nach Einsatz auch zu kurz). Ich verwende deshalb ein etwas dünneres Seil, welches ich mit einem Achterknoten am Gurt einbinde (möglichst eng durch Beinschlaufensteg und Bauchgurtöse). Als Karabiner nimmt man am besten einen leichten Keylock-Schrauber. Den mitgelieferten Gummi-Puffer mit etwas Tape am Karabiner fixieren, sonst verrutscht er. Nachteil des Petzl-Systems: Es lässt sich nicht so einfach verlängern. Wenn man nicht aufpasst, kann man sich beim technischen Klettern damit quasi blockieren (gilt übrigens genauso für die Variante „Evolv Adjust“).

Positionierungsschlinge

Deshalb für längere Aid-Passagen (zusätzlich) eine Metolius Easy Daisy, bzw. für schwierige Routen zwei. Diese stufenlos verstellbaren Schlingen sind perfekt fürs technische Klettern (mehr dazu im nächsten Teil). Allerdings dürfen sie nicht als Selbstsicherungsschlingen verstanden werden. Vermutlich um dies klar zu machen, gibt Metolius die Bruchlast mit 1,3 kN an. Auch wenn diese tatsächlich wohl deutlich höher liegt, muss jederzeit eine von diesen Schlingen unabhängige Sicherung gewährleistet sein!

Trittleiter

Für einfache Routen reicht oft eine einzelne Leiter pro Person, in Kombination mit der zuvor beschriebenen Schlinge von Metolius. In den meisten Fällen wird der Vorsteiger aber mit zwei Leitern klettern wollen. Kann der Nachsteiger alles Jümarn bzw. ohne Leitern klettern, braucht er nicht zwingend welche mitzunehmen. Am besten sind symmetrische Bandleitern, die oben mit einer Alusprosse o. Ä. offengehalten werden.

Es gibt solche z. B. von Cassin (Ladder Aider – die leichte Variante) oder Yates (Speed Wall Ladder – die komfortable Variante). Asymmetrische Bandleitern verdrehen sich häufig. Dafür sind meist leichter und kleiner im Packmaß. Ich verwende relativ kurze Leitern. Je länger, desto größer ihr Packmaß und desto eher können sie sich irgendwo verhaken. Meine Speed Wall Ladders habe ich beispielsweise um eine Sprosse gekürzt. Jede Leiter wird mit einem soliden Keylock-Schnapper ausgestattet. Damit clippt man sie in Fixpunkte bzw. zum Transport an den Gurt. Das früher übliche System mit Fifihaken und Fangschnur zum Nachziehen der Leiter wird beim modernen Techno-Klettern nicht mehr angewandt.

Gearsling

Hat man viel Hardware dabei, kommt man kaum um eine solche Materialschlinge herum. Ansonsten ist es Geschmacksache, wie man sein Material organisiert. Eher große, kräftige Kletterer können mit einer 60-cm-Bandschlinge improvisieren. Für kleine Kletterer ist eine solche evtl. zu lang – das Material hinge dann zu tief. Dann besser eine längenverstellbare Gearsling verwenden oder selbst etwas basteln.

Hardware für die Seilschaft

Grigri

Fürs Sichern des Vorsteigers vom Körper empfiehlt sich ein Petzl Grigri. Es funktioniert bestens in Kombination mit einem mitteldicken (s. u.), leicht pelzigen Einfachseil. Und es ist, sagen wir einmal, recht fehlertolerant. Die Realität ist: Vorstiege in Bigwall-Routen können lange dauern und der Sicherer muss schon einmal dies oder das nebenher erledigen… Am besten kombiniert man das Grigri mit einem leichten Ballock-Karabiner.

Fifi

Einen Fifi-Haken braucht man zwar nicht zwingend, allerdings ist er empfehlenswert für Routen mit längeren, anspruchsvollen Aid-Passagen. Der Vorsteiger verbindet den Fifi mittels kleiner Bandschlinge am Klettergurt (einschlaufen mit Ankerstich). Der Fifi lässt sich während des Vorstiegs dann schnell in Fixpunkte ein- und aushängen – z. B. um den nächsten Fixpunkt aus einer kraftsparenden Position anzubringen.

Jümar-Kit

In den meisten Fällen reicht ein Satz Handsteigklemmen pro Seilschaft, also eine Klemme für links und eine für rechts. Zusätzlich empfehle ich ein Backup-System, welches aus einem Tibloc mit Ovalkarabiner (Schrauber) und einer 30-cm-Dyneemabandschlinge besteht. Dazu noch längenverstellbare Trittschlingen, die in die Handsteigklemmen eingeclippt werden. Eine Trittschlinge reicht in vielen Routen aus. Für lange Strecken in geneigtem Gelände besser zwei.

Zum Haulen

Als Rücklaufsperre fürs Haulseil eine Petzl Micro Traxion oder den neuen Spoc von Edelrid (noch leichter und noch bissiger).

Fürs Bodyhauling bei schwereren Säcken zusätzlich einen Wild Country Ropeman oder für dünne Leinen besser einen Ropeman 2.

Außerdem noch einen Haulbagwirbel. Eingebaut zwischen Sack und Haulseil verhindert dieser ein Verdrehen des Seils. Für leichte Säcke gibt es mit dem Grivel Rotor einen ganz leichten Wirbel mit integriertem Karabiner.

Exen, Bandschlingen, Normalkarabiner

Beim Technischen Klettern braucht man meist viel mehr Schnapper als gedacht. Insbesondere, wenn man sich lange Risspuren mit Klemmkeilen und/oder Beaks (mit Schlinge ausgestattet) hocharbeitet. Erlaubt es die Seilführung, clippt man diese nämlich mit einem einzelnen Schnapper ins Seil. Hierfür wären Ovalkarabiner angenehm. Aber da diese zu schwer sind und man ja wahrscheinlich eh keine besitzt, muss es mit normalen Schnappern gehen! Cams clippt man, sofern es der Seilverlauf erlaubt, ebenfalls mit nur einem Schnapper ins Seil. So lassen sich viele Exen einsparen! Für Haken, oder immer, wenn ein Fixpunkt verlängert werden muss, verwendet man wie gewohnt Exen oder Bandschlingen. Zum Abbinden von Haken sollte man auch ein paar kurze, dünne Dyneema-Bandschlingen dabeihaben (oder Ähnliches aus Kevlar-Reepschnur).

Klemmkeile, Cams usw.

Ein weites Feld… Hier kurz und knapp zu schreiben, erscheint mir kaum sinnvoll, zumal es bereits viele gute Infos gibt! Einen Beitrag zum Thema Cams gibt’s z. B. hier im Basislager-Blog.

Hammer und Haken

Viele Routen gehen ganz ohne Hammer und Haken oder man braucht sie nur, falls fixes Material ausgebrochen ist. Man kann das Zeug dann auch im Haulbag transportieren und erst bei Bedarf auspacken. Ansonsten trägt man den Hammer am besten in einem Ice-Clipper (Kunststoff-Materialkarabiner) am Klettergurt. Meist reicht ein leichter Kletterhammer. Gut ist beispielsweise das Modell von Climbing Technology (Thunder).

Wird viel gehämmert, ist ein schwerer Bigwall-Hammer empfehlenswert. Das Modell von Edelrid (Hudson) hat das beste Preis-Leistungsverhältnis und funktioniert perfekt. Die beschriebenen Modelle (und andere) werden sinnvollerweise mit elastischen Fangschnüren ausgeliefert. Bei meinen alten Modellen habe ich mit einer stabilen Gummischnur improvisiert. Zum Entfernen von Haken empfiehlt sich dann auch ein „Funkness Device“ – ein Stück Stahlseil mit Ösen, das zwischen Hammer und Haken geclippt wird. Achtung: Die hier eingesetzten Karabiner werden u. U. schwer beschädigt und dürfen nicht mehr zum Sichern verwendet werden!

Seile und Hilfsleinen

Kletterseil („Lead Rope“)

Ich verwende meist ein eher weiches Sportkletterseil mit 9,8 mm Durchmesser. Spezielle Bigwall-Seile haben einen etwas größeren Durchmesser oder sind straffer geflochten. Damit ist ihre Lebensdauer höher und die Gefahr von Mantelschäden reduziert. Für meine Einsätze sind mir aber weichere und leichtere Seile eindeutig lieber – nicht zuletzt, weil sie beim Nachsichern mittels „Plate“ viel besser funktionieren!

Haulseil („Haul Line“)

Am liebsten nehme ich ein ausgemustertes Halb- oder Zwillingsseil. Zumindest bei eher leichten Haulbags hat man damit die meisten Vorteile auf seiner Seite. Für ein ganz leichtes Setup machen „Raplines“ bzw. „Tag Lines“ Sinn. Wer auf solche Leinen setzt, sollte sich zunächst mit deren Eigenheiten beim Abseilen vertraut machen. Schließlich müssen sie bei Bedarf auch als Abseilleinen herhalten.  Mit Blick aufs Haulen muss man weitere Punkte beachten: Je nach Konstruktion kann der Mantel anfällig sein für Verschleiß und kleinere Schäden. Außerdem lassen sich dünne, glatte Leinen schlecht greifen. Es empfiehlt sich, bei Haulseil und Kletterseil die gleiche Länge zu wählen.

„Lower-Out-Line“

Mit einer solchen Reepschnur kann man den Haulbag kontrolliert herauslassen, sofern sich der nächste Standplatz seitlich versetzt befindet. Grundsätzlich geht das auch mit dem Restseil des Haulseils. Aber natürlich nur, wenn man ausreichend Restseil hat. Ob man eine „Lower-Out-Line“ braucht und wie lang sie sein muss, hängt vom Routenverlauf sowie der Länge der Seillängen und des Haulseils ab. Und davon, was man dem Haulbag zumuten will, wenn man ihn unkontrolliert herausschwingen lässt. Es gibt also leider überhaupt keine pauschal sinnvolle Längenempfehlung. Sorry! Beinhaltet eine Route einen langen Quergang, kann man eine zusätzlich mitgeführte „Lower-Out-Line“ auch ans Restseil des Haulseils anstückeln und danach wieder wegpacken. Eine gute Materialstärke ist 6 mm. Damit ist man nicht nur leicht unterwegs, sondern kann mit einer solchen Reepschnur im Falle eines Rückzuges auch solide Abseilstellen einrichten. Für den sporadischen Einsatz bei leichten Lasten geht auch eine 5-mm-Reepschnur.

Rucksäcke und Haulbags

Rucksack

Je nach Begehungsstil und Gelände kann ein Rucksack besser geeignet sein als ein Haulbag. Es ist gut, wenn man auf eine größere Auswahl von Kletterrucksäcken zurückgreifen kann. Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, an welcher der Rucksack angehängt werden kann. Traut man der vorhandenen Trageschlaufe nicht, muss man sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich daran eine kleine Schlinge mit Karabiner. Etwas kräftigere Materialien machen bei einem Rucksack für Bigwalls allemal Sinn. Insbesondere, wenn man sich durch Körperrisse oder Kamine kämpfen muss (dabei den Rucksack am besten abnehmen und mit einer längeren Schlinge an die Anseilschlaufe des Gurts hängen). Bei kleineren Modellen ist es sinnvoll, womöglich vorhandene Rahmen oder sonstige Verstärkungen des Rückenteils zu entnehmen. Dann kann man den Rucksack bei Bedarf besser im Haulbag verstauen. Außerdem unnötigen Schnickschnack entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Haulbag

Für Aktionen mit wenig Gepäck verwende ich den sehr leichten 55-l-Haulbag von Edelrid. Für Tagestouren wäre ein kleinerer zwar besser, allerdings sind die verfügbaren kleineren Modelle meist sogar schwerer als das beschriebene von Edelrid. Für schwerere Lasten ist der 70-l-Haulbag von Black Diamond top. Man kann auch einen robusten Kletterrucksack zum Haulbag umbauen. Ein solches System kann ideal sein für Einsätze, bei denen der Sack viel auf dem Rücken getragen wird und nur ab und zu nachgezogen wird (und dabei weitestgehend frei hängt). Für die Aufhängung zum Haulen braucht der Rucksack mindestens zwei stabile Punkte.

Biwaks und Wasserversorgung

Biwakmaterial

Für sommerliche Touren ist folgendes Setup ideal: Daunenjacke + 2/3-langer Schlafsack oder Daunenjacke + Primaloft-Shorts + leichte Daunensocken + leichter, atmungsaktiver Biwaksack. Dazu eine dünne, gekürzte Schaummatte. An der Matte bringt man eine Aufhängung an, um diese gegen Verlust zu sichern (ein mit Tape verstärktes Loch). Auch gut ist natürlich ein leichter Daunenschlafsack. Vorteil der Variante mit der Daunenjacke: die hält einen auch warm, während man sein Lager auf- und abbaut. Außerdem kann man sie beim Sichern oder Abseilen schnell mal überziehen.

Kocher und Gas

Zum Schneeschmelzen bzw. für warme Mahlzeiten ist ein leichtes Jetboil-Kochsystem gut. Kocher und Topf werden hier mit einem Bajonettverschluss verbunden. Ich habe das Blech am Kocher leicht verformt, damit die Verbindung etwas klemmt und sich nicht mehr ungewollt lösen kann.

Außerdem habe ich am Topf mittels kräftiger Kabelbinder kleine Reepschnur-Schlaufen angebracht. Daran kann man das ganze System anhängen oder sichern. Die passenden Schraubkartuschen gibt es in folgenden Standardgrößen (Nettogewicht): 100 g, 230 g, 450 g.

Empfohlene Gasmengen für eine Zweier-Seilschaft (eigene Erfahrungswerte)

  • Einzelnes Biwak ohne Schneeschmelzen: 100 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks ohne Schneeschmelzen: 100 g – sparsam kochen!
  • Einzelnes Biwak mit Schneeschmelzen: 230 g – es wird noch etwas übrigbleiben.
  • Zwei Biwaks mit Schneeschmelzen: 230 g – sparsam kochen oder zusätzliche 100 g mitnehmen.

Wasserflaschen

Bei sommerlichen Bedingungen sind PET-Einwegflaschen gut. Man muss nur darauf achten, dass man welche mit stabilem Schraubdeckel bekommt. Sind sie leer, macht man sie platt und schafft damit Platz im Haulbag/Rucksack. Es ist sinnvoll, kleine Reepschnurschlaufen zum Anhängen anzubringen. Eine 500-ml-Flasche kann man so auch beim Klettern am Gurt transportieren. Trinksysteme sind leider sehr anfällig für Beschädigungen, gammeln schnell und im Trinkschlauch verheddern sich gerne Schlingen. Bei einer schnellen Begehung ohne Haulbag können sie dennoch gut sein. Die Last sitzt dann direkt am Rücken und man kann jederzeit trinken. Zumindest, bis sie kaputt gehen… Ist man mit Kocher unterwegs und kann/muss Schnee schmelzen, macht auch eine Nalgene-Flasche mit großer Öffnung Sinn.

Empfohlene Wassermengen pro Person und Tag (eigene Erfahrungswerte)

Man wird dabei etwas dehydrieren, sollte aber nicht leiden müssen:

  • Tagestour bei kaltem Wetter: 1 l
  • Tagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 1,5 l
  • Tagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 2,5 l
  • Mehrtagestour bei kaltem Wetter: 1,5 l bzw. bei längeren Aktionen 2 l
  • Mehrtagestour bei gemäßigten Bedingungen (eher kühl/schattig): 2 l bzw. bei längeren Aktionen 2,5 l
  • Mehrtagestour bei warmem Wetter und viel Sonne: 3 l

Hinweis: Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in den Beiträgen dieser Serie erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Dennoch sollte klar sein: Vieles liegt im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann. Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen der Beiträge dieser Serie resultieren.

Geschirr für draußen: welche Materialien sind outdoortauglich?

2. August 2019
Ausrüstung

Die Auswahl von Kochgeschirr ist normalerweise sprichwörtlich Geschmackssache. Welche der unzähligen Formen, Materialien und Materialkombinationen man nimmt, hängt großteils von persönlichen Vorlieben ab. Anders sieht das in der Outdoorküche aus, wo praktische Erwägungen viel mehr Bedeutung haben. Kochgeschirr für die Campingküche muss leicht, robust, vielseitig und langlebig sein. Es soll sich mit möglichst wenig Aufwand reinigen lassen, ohne dass es bei etwas festerem Scheuern gleich zu Kratzern und Materialabrieb kommt. Auch sollte das Material möglichst nicht mit Lebensmitteln, Salz und Säuren reagieren.

Was die ideale Wärmeleitfähigkeit des Materials ist, hängt vom persönlichen „Nutzungsprofil“ ab. Ist sie niedrig, dann eignet sich das Kochgeschirr eher für Wasser, Suppen und wasserhaltige Speisen. Wasserarme Gerichte werden bei schlechter Wärmeleitfähigkeit schneller mal anbrennen.

Das waren schon einige wichtige Kriterien. Schauen wir uns nun die gängigen Alternativen im Angebot an. Da auch beim Kochgeschirr jeder Outdoorer die Frage „was ist am besten für mich geeignet“ anders beantwortet, gibt es hier nicht „das beste Material“. Deshalb stelle ich nur die gängigen Materialien mit ihren Vor- und Nachteilen vor und lasse sie nebeneinander stehen.

Die „gängigen“ Alternativen reichen aus, weil wir für die Outdoorküche nicht wirklich tief in die Feinheiten der Metalle und ihrer vielen verschiedenen Legierungen, Beschichtungen, chemischen Strukturen, Wärmekapazitäten, Wärmeleitfähigkeiten sowie all deren Wechselwirkungen und Auswirkungen auf Geschmack und Gerüche eintauchen müssen. Sonst müssten wir zum Beispiel  die kleinen Abweichungen der diversen Edelstahl-Legierungselemente wie Chrom, Nickel, Titan oder Wolfram mit ihren Änderungen der Topf- und Pfanneneigenschaften und der Kochergebnisse beleuchten. Doch da man von all dem in der Outdoorküche bei einer robusten Tütenmahlzeit oder ein paar „Armen Rittern“ eher weniger bemerkt, bleiben wir hier bei den Basics und heben uns die Haute Cuisine für die Bulthaupküche daheim auf.

Neben den outdoorspezifischen, weil praktischen Materialien wie Aluminium und Titan kommt draußen vereinzelt auch durchaus der gute alte Edelstahl zum Einsatz. Schauen wir uns die drei nun näher an.

Aluminium

Kurzfassung: leicht, billig, hervorragender Wärmeleiter, aber gesundheitlich in der Diskussion. Laut Verbraucherzentrale weiß man inzwischen, „dass sich unter bestimmten Umständen Aluminiumionen lösen und ins Lebensmittel wandern können“. Doch diese „bestimmten Umstände“ kann man gut beeinflussen. Bei einem Espressokocher aus Aluminium ganz einfach dadurch, dass man ihn nicht in der Geschirrspülmaschine wäscht. Denn dadurch wird eine Schutzschicht entfernt, die sich mit der ersten Benutzung bildet und „Übergänge von Aluminium weitestgehend reduziert“.

Die zweite einfache Vorsichtsmaßnahme ist, den Kontakt von Aluminium mit Salz und sauren Lebensmitteln zu minimieren. Generell reagiert Aluminium im Vergleich zu anderen Materialien stärker mit Lebensmitteln. Allerdings haben die meisten angebotenen Aluminiumtöpfe und -Pfannen eine PTFE- oder Keramikbeschichtung, oder sind mit einer nicht löslichen Oxidschicht versehen (eloxiert). Der Nachteil mancher Beschichtungen kann zwar wiederum eine höhere Empfindlichkeit gegen Abrieb sein, doch wenn man etwas Sorgfalt walten lässt und in Töpfen nicht wie wild herumkratzt, wird man sicher keine ernsthaften Gesundheitsschäden davontragen.

Dadurch dürfte, im Zusammenspiel mit den anderen Vorsichtsmaßnahmen, das Risiko auf ein überschaubares Maß sinken. Wenn man dann noch das Aluminiumgeschirr nur beim Zelten und nicht im Alltag in der Wohnung verwendet, dürfte die eventuelle Schadstoffaufnahme bei einem zu vernachlässigenden Maß angekommen sein.

Vor- und Nachteile

Auf der Habenseite stehen der günstige Preis, das geringe Gewicht und die superschnelle Wärmeleitung. Letztere Eigenschaften gehen mit einer geringen Dichte und schlechten Wärmespeicherkapazität einher. Die dürfte aber im Outdoorbereich kaum ein Nachteil sein, da Mahlzeiten und Heißgetränke hier in aller Regel gleich nach der Zubereitung verzehrt werden. Ich habe jedenfalls am Zeltplatz oder Lagerfeuer noch kein Buffet mit warmgehaltenen Speisen gesehen …

Dass sich Aluminium leicht verformt und verbeult, ist hauptsächlich ein ästhetischer Aspekt. Die Benutzbarkeit der Töpfe und Pfannen ist dadurch nicht eingeschränkt. Solange es keine zu starken Dehnungen und Stauchungen gibt, kommt es nicht zum Reißen oder Abplatzen von Partikeln auf der Oberfläche. Das Problem kann ohnehin leicht umgangen werden, indem man auf härtere (und dadurch auch weniger reaktive) Varianten wie HA-Aluminium oder Duossal umsteigt.

Alu-Spezialitäten: HA und Duossal

HA steht für hartanodisiertes Aluminium. Die mit einer HA-Keramikschicht behandelten Pfannen und Töpfe sind absolut kratzfest. Die HA-Schicht ist nicht einfach nur aufgetragen, sondern regelrecht mit dem Aluminium verwachsen. Dadurch können Minimalismus-Cracks das Geschirr nach MacGyver-Art mit Sand „ausspülen“ und in ihm sogar mit der Metallgabel herumkratzen. Diese Unempfindlichkeit unterscheidet HA von normalen Beschichtungen wie Teflon. Dafür kann sie nicht mit deren Anti-Haft-Eigenschaften mithalten. Speisen können anbrennen und ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit beim Kochen bleibt erforderlich.

Bei Duossal ist die Innenseite der Töpfe und Pfannen mit Edelstahl ausgekleidet. Daraus resultiert  eine extrem kratzfeste, garantiert aluminiumfreie und lebensmittelechte Oberfläche bei geringem Gewicht und guter Wärmeleitfähigkeit.

Alles in allem kann Aluminium mit seinen vielen Varianten die eventuellen Nachteile durch Gewichts- und Preiseinsparungen mehr als wettmachen.

Kochen wie daheim: Edelstahl

Edelstahl ist ein Stahl, dem in der Regel Chrom und Nickel zugesetzt wurden. Er ist das schwerste, aber auch härteste und stabilste der hier genannten Materialien. Für den Outdooreinsatz werden dünne Wandstärken fabriziert, die das Gewicht etwas drücken.

Vor und Nachteile

Edelstahl ist relativ preisgünstig, stoßfest, rostfrei, sehr lang haltbar und leicht zu reinigen. Er zeigt keine Reaktivität mit Lebensmitteln und bietet in Verbindung mit dem oft vorhandenen Kupfer- oder Aluminiumkern eine passable Wärmeleitfähigkeit. Reine Edelstahlpfannen, die es im Handel allerdings kaum gibt, haben sehr schlechte Wärmeeigenschaften. Die eher schlechte Antihaftwirkung kann bei fehlender Aufmerksamkeit beim Kochen für angebranntes Essen sorgen.

Leider spielt der Nachteil des hohen Gewichts im Outdoorbereich eine große Rolle, weshalb Edelstahl hier selten erste Wahl ist.

Titan

Titan bietet neben einem klangvollen Namen eine unverwüstliche Stabilität und einen hohen Anschaffungspreis. Oft wird ihm ein geringes Gewicht zugeschrieben, doch der entscheidende Faktor ist eher seine enorme Härte. Wegen ihr kann Titan extrem dünnwandig verarbeitet werden, was zu einem sehr leichten Endprodukt führt. Die Härte des Titans geht auch mit einer hohen Kratzfestigkeit (auch hier „Sandspülung“ möglich) und einer geringen Reaktivität mit Säuren einher.

Vor- und Nachteile

Die Produktion ist allerdings sehr aufwendig, da Titan auf enorme 1668 °C erhitzt werden muss, um  zu schmelzen. Dadurch erklärt sich der im Vergleich zu Alternativmaterialien sehr hohe Preis. Neben diesem kann man die schlechte Wärmeleitfähigkeit von Titan als Minuspunkt werten. Zusammen mit der geringen Wandstärke kann das schon mal zu schnellem Anbrennen von Speisen führen.

Wer allerdings dazu neigt, seinen Topf oder Kessel auf dem Feuer zu vergessen, kann das auch als Vorteil sehen. Denn ein Titantopf kann lange in der Glut verweilen, ohne irgendeinen Schaden zu nehmen.

Dass die Speisen mit einem Titantopf etwas mehr Zeit brauchen als mit Aluminium- oder Edelstahlgeschirr fällt bei einem oder zweimal kochen sicher nicht ins Gewicht, doch bei einer wochenlangen Tour kann der höhere Brennstoffverbrauch den Gewichtsvorteil von Titan womöglich aufheben. Wobei dies eine Spekulation meinerseits und keine „gesicherte Erkenntnis“ ist.

Fazit

Wie bei fast jedem Teil der Ausrüstung gibt es auch beim Outdoor-Geschirr nicht „das beste“ Material. Als Käufer sollte man sich die eigenen Bedürfnisse und Präferenzen (Gewicht, Preis, Stabilität, Kocheigenschaften, usw.) klar machen und in der richtigen Reihenfolge gewichten. Dann wird man sich entweder eine individuelle Auswahl zusammenstellen, oder – wenn man sich nicht über jedes Detail den Kopf zerbrechen will –, auf ein komplettes Kochset zurückgreifen.

Das Nachhaltigkeitskonzept von Mammut

23. Juli 2019
Ausrüstung

Das schwarze Mammut auf rotem Grund (inzwischen ja Rot auf Weiß) ist ein markantes und bekanntes Logo in der Outdoorbranche. Es steht für hohes technisches Niveau und bewährte Schweizer Qualität. Einen Ruf als Nachhaltigkeits-Vorreiter hatte der Bergausrüster aus dem Kanton Aargau bisher allerdings nicht. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn seit gut zwei Jahren arbeitet man offensiv und systematisch an Entwurf und Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie.

Vereinzelte Maßnahmen für Umweltschutz und Sozialstandards gibt es bei Mammut zwar schon länger, doch in den letzten gut zwei Jahren wandelte sich die Nachhaltigkeit zu einem zentralen Anliegen. Die jüngsten Schritte hierbei waren die Bekanntgabe von sehr ambitionierten Nachhaltigkeitszielen bis 2023 sowie der Beitritt zur Sustainable Apparel Coalition (SAC).

Die 5-Jahres Ziele der Design- und Entwicklungsperiode 2018-2023 sollen helfen, die in diesem Artikel skizzierte WE CARE-Strategie zielgerichtet und erfolgreich umzusetzen. Mammut hat die Ziele in Tabellen festgehalten, in denen die angepeilten prozentualen Fortschritte bei PFC-Freiheit, bluesign-Zertifizierung und vielen anderen Nachhaltigkeitskriterien nach den sechs Produktsparten Kleidung, Accessoires, Schlafsäcke, Seile/Schlingen, Schuhe und Rucksäcke/Taschen/Klettergurte dargestellt sind. So sollen künftig beispielsweise:

  • Mindesten 95 % der verwendeten Stoffe bluesign-zertifiziert sein
  • keine PFC-basierte Ausrüstung mehr eingesetzt werden
  • 95 % der verwendeten Stoffe aus recycelten Materialien gewonnen werden, bzw. soll ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle eingesetzt werden

Mit dem Beitritt in die SAC ist die Einführung des von ihr entwickelten Higg-Index verbunden, der die Messbarkeit von Maßnahmen der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility) ermöglicht: “Der Higg-Index misst die Auswirkungen auf die Umwelt, Arbeitsbedingungen und umfasst Lieferketten-, Marken- sowie Produkt-Tools.“ Dadurch können Nachhaltigkeitsmaßnahmen gemessen, verglichen und zielgerichtet optimiert werden. Eine besondere Stärke des Higg-Index ist, dass er den „kollaborativen Geist“ in der Industrie fördern und die Firmen zu gemeinsamen Verbesserungen anspornen kann.

All diese Maßnahmen und Ziele sind eingebettet in eine Nachhaltigkeitsstrategie, die Mammut unter dem Slogan „WE CARE“ zusammenfasst. Dabei steht jeder Buchstabe des Wortes CARE für einen Maßnahmenbereich:

  • Das C für Clean Production
  • Das A für Animal Welfare
  • Das R für Reduced Footprint
  • Und das E für Ethical Production

Die ersten drei Buchstaben/Bereiche kann man zum Umweltaspekt der Nachhaltigkeit zählen, der letzte Buchstabe/Bereich fällt unter den sozialen Aspekt. Wie immer in unseren Nachhaltigkeitsportraits der Outdoorfirmen werden wir diese Aspekte im Folgenden näher beleuchten.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Mammut strebt sowohl in der Herstellung als auch in den Endprodukten eine maximal mögliche Verbesserung der Umweltbilanz an. Die Maßnahmen dafür umfassen nicht nur die zunehmende Verwendung fair gehandelter, biologisch hergestellter oder recycelter Materialien, sondern auch strenge Herkunftskontrollen für Daunen und eine enge Zusammenarbeit mit der Firma bluesign technologies AG (die eine seriöse und deshalb auch aufwendige und nicht ganz billige Zertifizierung von Materialien und Herstellungsprozessen anbietet). Schauen wir uns die Maßnahmen nun geordnet nach dem Mammut‘schen CARE-Prinzip an:

C für Clean Production:

Emissionen in der Herstellung sollen nicht nur minimiert werden, sondern möglichst erst gar nicht in die Lieferketten gelangen. Das bekannteste Beispiel für Emissionen in der Outdoorbranche sind die per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC), die sich in der Natur nur äußerst langsam abbauen. Mammut will bis 2023 sämtliche Ausrüstungen seiner Produkte auf PFC-freie Alternativen umstellen. Detaillierte Informationen dazu finden sich in der MAMMUT PFC Policy.

Im Bergfreunde Basislager findet ihr weitere Infos zu PFC unter anderem in diesem Artikel über DWR Imprägnierungen.

Auch das bluesign-System steht dafür, umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess auszuschließen. Für alle eingesetzten Chemikalien gelten strenge Richtlinien und es wird auf sichere Produktionsprozesse mit verantwortungsbewusstem Ressourceneinsatz gesetzt. Ein Beispiel für diese Richtlinien ist die Restricted Substance List (RSL), eine Mindestanforderung an alle Zulieferer, die die Verwendung von potentiell umweltschädlichen Chemikalien minimiert. Die Einhaltung der RSL stellt Mammut durch systematische Tests von Produkten und Komponenten sicher.

A für Animal Welfare:

Mammut verwendet jetzt schon ausschließlich zertifizierte oder recycelte Daunen (Responsible Down Standard (RDS) und Re:Down). Für die verarbeitete Wolle soll der Responsible Wool Standard (RWS) in der globalen Lieferkette implementiert werden, sodass künftig nur noch mit RWS-zertifizierter Wolle gearbeitet wird. Bei den Ledermaterialien, für die es bislang ebenfalls noch keinen unabhängigen Standard gibt, arbeitet Mammut nach eigener Auskunft mit sorgfältig ausgewählten Gerbereien zusammen, die hochwertige Leder herstellen.

R für Reduced Footprint

Mammut setzt auf Materialien und Herstellungsverfahren, die mit einem möglichst geringen Ressourcenverbrauch die hohen Qualitäts- und Leistungsstandards erfüllen. Recycling-Materialien sollen dabei eine bedeutende Rolle spielen und bis 2023 95% der Mammut-Bekleidung und -Schlafsäcke ausmachen. Neben Abfall- und Energieeinsparung verspricht man sich eine geringere Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen.

Man kann sicher auch den MammutReparaturservice zu den Bemühungen um einen reduzierten Fußabdruck zählen. In der hauseigenen Reparaturabteilung „wickeln elf Mitarbeiterinnen pro Jahr rund 6’000 Reparaturen [in der Schweiz, Anm. d. Red.] ab und bewahren somit tausende Produkte vor dem Müll, (…). In Deutschland sind es gar rund 9’000 Reparaturen jährlich. Gehen wir der Einfachheit halber davon aus, es handle sich dabei ausschliesslich um Hardshell-Jacken, die sonst entsorgt würden, spart die Arbeit im Reparaturatelier jährlich knapp 375’000 Kilogramm CO2-Äquivalent und 3’000’000 Liter Wasser ein.

Auch der Anteil von Bio-Baumwolle in Mammut-Kleidung und Schlafsäcken soll bis 2023 auf 95 % steigen. Dadurch soll weniger Wasser und Energie verbraucht, der Ausstoß von Treibhausgasen sowie die Belastungen für Böden, Wasser und menschliche Gesundheit reduziert werden. Die Kollektion der Mammut-Klettershirts besteht schon vollständig aus bioRe-Baumwolle.

Mit der Spinndüsenfärbung bringt Mammut eine moderne und nachhaltige Färbemethode zum Einsatz. Da die Färbung hier schon während der Faserherstellung erfolgt, kommt sie im Gegensatz zu konventionellen Methoden ohne den Einsatz von Wasser oder Chemikalien aus und erfordert weniger Energieaufwand.

Soziale Nachhaltigkeit und Mitarbeiterführung

Mammut war 2008 gemeinsam mit Odlo die erste Outdoormarke, die der Fair Wear Foundation beigetreten ist. Auch diese Maßnahme soll die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten systematisch verbessern. Die Umsetzung der hohen FWF-Standards wird nicht nur durch regelmäßige Audits und Fabrikbesuche bei den Zulieferern sichergestellt, sondern auch durch die Möglichkeit für Fabrikangestellte, über einen anonymen Beschwerdemechanismus Verstöße gegen die Standards direkt bei der FWF und Mammut zu melden.

Die sozialen Nachhaltigkeitsmaßnahmen fasst Mammut unter dem „E“ für „Ethical Production“ zusammen.

Was sagen die Kritiker?

Das Nachhaltigkeitsportal Rankabrand zeigt sich (wie so oft) ziemlich kritisch, hat allerdings die Informationen über Mammut seit Juni 2017 nicht mehr aktualisiert.

Beim Schweizer Marketingportal Horizont äußert man sich kritisch zur Bilanz von 10 Jahren Mitgliedschaft von Mammut bei der Fair Wear Foundation:

Die Schweizer Sportbekleidungsmarken, Mammut und Odlo, feiern ihre 10-jährige Mitgliedschaft in der Fair Wear Foundation (FWF). (…) Allerdings: Beispiele dafür, was konkret in den zehn Jahren erreicht wurde oder von welchen Produzenten sich Mammut und Odlo allenfalls getrennt haben, blieben die beiden Anbieter in der Mitteilung schuldig.

Es gibt jedoch durchaus konkrete Angaben, die lediglich etwas mühsam zugänglich in den umfangreichen Social Reports (der Letzte von 2017) verborgen sind. Dort finden sich auf Seite 12 Beispiele für konkrete Verbesserungsmaßnahmen in einzelnen Fabriken, die man nach Beschwerden von Arbeitern getroffen hat. Es ist auch sehr genau aufgeschlüsselt und mit nachvollziehbaren Erfolgskriterien bewertet, welche Maßnahmen in welchen Bereichen getroffen werden. Auch sind Namen und Kontakte von Mammut-Mitarbeitern angegeben, bei denen Feedback und Kritik aufgenommen wird. Das sind gute Anzeichen für Transparenz, ebenso wie die Tatsache, dass anders als bei vielen Herstellern bei Mammut die Fabriken, in denen Textilien und Hardware produziert werden, nicht hinter einem Schleier von Auslagerung und Subunternehmertum verborgen, sondern konkret erfasst und benannt sind.

Der Nachhaltigkeitsblogger Greenoutdoorgear zeigt sich in einem zusammenfassenden Statement denn auch überzeugter als die zuvor genannten Kollegen:

Mammut has recently launched a ‘We care’ branding campaign, which seeks to place the company as being a good corporate in all its dealings – both internal and external.

Although most of the information presented below comes directly from the company, the information available is thorough and externally verified, and forms the basis of them being identified as being a ‘leader’.

Demnach kann Mammut sich demnächst zurecht als „Leader“ in Sachen Nachhaltigkeit bezeichnen.

Mammut-Selbstkritik: Warum nicht 100 %?

Mammut liefert eine Begründung, warum nicht alle Nachhaltigkeits-Zielgrößen mit 100 Prozent angesetzt werden können. So haben einige Zulieferer zwar eine vorbildliche Produktion, aber nicht die Kapazitäten oder Mittel, um diese durch kosten- und arbeitsintensive internationale Standards zertifizieren zu lassen. Deshalb soll das Fehlen der Zertifikate eine Zusammenarbeit mit diesen Unternehmen nicht ausschließen. Es wird in diesen Fällen ein kleiner Spielraum gelassen und die Abläufe werden von Mammut selbst gründlich überprüft.

Dass Mammut seine eigenen Maßnahmen sehr kritisch begleitet, war auch der Eindruck, den Bergfreund Jörn hatte. Er war kürzlich zu Gast in der Firmenzentrale in Seon und ließ sich die dortige Sustainability Wall“ ausführlich erklären. An ihr misst die Firma sehr anschaulich den eigenen Nachhaltigkeitsfortschritt und hat so ein effizientes Instrument der Selbstkontrolle und des Ansporns geschaffen.

Fazit

Mammut ist abgesehen von der FWF-Mitgliedschaft eher ein Spätzünder in der Branche. Doch wie wir wissen, geben Spätzünder oft mehr Gas als die Frühstarter und erreichen ihre Ziele nicht selten mit mehr Struktur, Klarheit und Ausdauer. Deshalb spricht vieles dafür, dass Mammut die hochgesteckten Ziele für 2023 auch tatsächlich erreicht. Was aus meiner Sicht ebenfalls dafür spricht, ist der Eindruck, dass die Nachhaltigkeitsmaßnahmen aus Überzeugung kommen und nicht als Greenwashing oder Feigenblatt dienen. Allerdings dürfte auch klar sein, dass die steigende Nachhaltigkeit die Produkte nicht billiger machen wird. Wenn es jedenfalls soweit ist, wird Mammut sich vom Mittelfeld in die Pole Position der nachhaltigen Outdoorfirmen manövriert haben.

Feinheit vs. Reißfestigkeit: Was hat es mit Denier, Tex und Co. auf sich?

11. Juli 2019
Ausrüstung

„Schreib doch mal was über Denier“, haben sie gesagt. „Das ist sicher informativ und spannend“, haben sie gesagt. Und ich stehe nur so da und denke: „WTF. Denier Alter, echt. Was ist das denn? Oh Mann, nie gehört, da muss mir was entgangen sein.“ Und die weiter so: „Kennste nicht. Ist ja auch kein Wunder, kennen nämlich viele nicht und deshalb brauchen wir da mal einen Blogbeitrag.“ Und bei mir so: Plop, klatsch, Stein vom Herzen, doch nicht so hinterm Mond.

Ich dann so zu Google, erstmal nachschauen. Aha hat was mit Feinheit von Textilien zu tun. Klar doch, drum kenne ich das nicht, hab ich mich noch nie mit befasst. Warte mal, Moment: Textilfeinheit!?! Nicht wirklich. Also mal nachfragen: „Ey, is nicht euer Ernst, oder? Ist sicherlich irgendein Kletterhotspot in Frankreich oder so. (Bitte?!?).“ Und dann bäääm die Antwort: „Nix Kletterhotspot, Textilfeinheit rulez. Bezeichnungen wie ‚70D‘ sind dir im Shop doch sicherlich auch schon aufgefallen. Darum geht’s.“

Alles klar, check, das große D also. So langsam verstehe ich, wo die reise hingeht. Das ließt man ja tatsächlich immer mal wieder, gerade bei Outdoorbekleidung ist Bezeichnung D=Denier gut vertreten. Eine genauere Einordnung kann da sicherlich nicht schaden… Und dann die weiter: „Kannst ja auch gleich noch dazu schreiben, was das so über die Robustheit und Langlebigkeit aussagt. Passt ja irgendwie zum Thema.“ Okay, ich also so: „Geht klar, mach ich dir passend, easy.“

Wer sich einmal ein wenig in das Thema einliest, der merkt schnell: So easy ist das nicht. Wir sollten daher vorab mal reden (so ganz unter uns, versteht sich). Ich hab im Mathe-Abi 5 Punkte und auch in Chemie und Physik sieht’s da nicht besser aus. Ich habe für dieses Thema so einiges recherchiert und bereits nach der Lektüre des ersten Wikipedia-Artikels schwirrt mir der Kopf. Ich will aber, dass ihr es einmal besser habt als ich. Darum gilt für diesen Blogbeitrag ab sofort die Abmachung: Es wird verallgemeinert und vereinfacht, wo es nur geht.

Also stürzen wir uns ins Thema und fragen:

Was bedeutet denn eigentlich robust bzw. langlebig?

Tja, und damit machen wir schon ganz am Anfang ein riesengroßes Fass auf. Robust oder langlebig ist etwas, das nicht so schnell kaputt geht, lange hält und auch mit härteren Bedingungen klar kommt. Wichtig ist es dabei erst einmal zu klären, wogegen ein Material oder Kleidungsstück robust ist.

Ein Kleidungsstück könnte beispielsweise gegen Abrieb, äußere Einwirkung (Risse, Schnitte) oder auch Feuer (z.B. Funkenflug) robust sein. Gegen knautschen, drücken, knüllen oder Weichspüler, Senf und 4711, große Luftfeuchtigkeit oder extrem niedrige Temperaturen und und und. Diese unterschiedlichen Anforderungen haben jedoch nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.

Da wir uns aber bereits darauf geeinigt haben, im Sinne der Verständlichkeit stark zu vereinfachen, schlage ich an dieser Stelle vor, ääh lege ich fest, dass wir nur über die Aspekte Abrieb und äußere Einwirkung sprechen. Denn nicht selten werden in diesem Kontext auch Angaben zur Feinheit der verarbeiteten Materialien gemacht. Und was uns das bringt, klärt die folgende Frage:

Feinheit von Textilien – was ist das denn?

Bei der Feinheit von Textilien geht es zunächst einmal um die Feinheit einzelner Fasern und die Feinheit von Garnen, Zwirnen und dergleichen. Die Feinheit definiert sich dabei in erster Linie über den jeweiligen Durchmesser. Je kleiner also der Durchmesser einer Faser oder eines Garns ist, desto größer ist seine Feinheit. Bis dahin, check, kein Problem. Das Problem ist allerdings, dass es sich bei textilen Fasern nicht selten auch um natürliche Materialien handelt, die keinen exakt runden Querschnitt haben. Auch können Fasern leicht zusammengedrückt werden und verändern so ihren Querschnitt teilweise auch dauerhaft. Hierzu ein Beispiel:

Stellt euch einmal einen Gartenschlauch vor. Jetzt nehmen wir einfach an, dass dieser Gartenschlauch im Normalzustand einen exakt runden Querschnitt hat. Wird dieser Schlauch nun zusammengedrückt, wird er in die eine Richtung breiter, aber gleichzeitig auch flacher. In diesem Zustand ließe sich also ein mit anderen „Fasern“ vergleichbarer Durchmesser nur schlecht berechnen.

Um aber eine Vergleichbarkeit der Feinheit zu gewährleisten und auch bei der industriellen Fertigung verlässliche Richtgrößen gebraucht werden, ist es heute weitestgehend üblich eine Feinheitsdefinition zu verwenden, die durch die Beziehung von Masse (Gewicht) und Länge beschrieben wird. Es muss also mindestens eine Maßeinheit her. Wir bieten hier aber beste Servicequalität und schicken in den Ring:

Tex vs Denier

In Deutschland sowie der restlichen EU inklusive der Schweiz ist die Einheit Tex die offizielle Maßeinheit, wenn es um die Feinheit von „linienförmigen textilen Gebilden“ geht. Also Fasern, Garne und dergleichen. Dies ist auch so in der ISO 1144 und DIN 60905 festgehalten. Wer an Schlafstörungen leidet, kann es ja mal nachlesen.

Beim Tex-System gibt es ebenso wie bei den Maßeinheiten Gramm und Meter zahlreiche Untereinheiten. Wir merken uns hier aber zur Vereinfachung lediglich:

1 tex = 1 g pro 1000 m

Noch einfacher: je höher die Zahl, desto grober (weniger fein) die Faser.

Das Denier-System (den) funktioniert gleich wie das Tex-System. Das Problem ist dabei nur, dass andere Einheiten bzw. Ausgangswerte verwendet werden. Daher merken wir uns an dieser Stelle:

1 den = 1 g pro 9000 m

Somit gilt auch automatisch: 1 tex = 9 den

Jetzt wird sich so manch einer fragen, wer sich denn den Quatsch ausgedacht hat. Und da kann man nur sagen: „Vielen Dank, Frankreich, für diese schöne Maßeinheit.“ Dazu muss man aber folgendes wissen: Die Einheit Denier wurde ursprünglich als Maßeinheit in der französischen Seidenindustrie verwendet. Sie bezieht sich auf die alte französische Gewichtseinheit Denier, die mit unserem heutigen metrischen System nicht sonderlich viel zu tun hat. Somit erklärt sich auch die halbwegs „krumme“ Einheit. Heute ist Denier als Wert für die Feinheit von Textilien vor allem in den USA und Asien gebräuchlich und taucht somit nicht ganz selten auch mal im Outdoorbereich auf.

Jetzt könnte man sich denken: je höher der Tex- oder Denier-Wert desto robuster auch das Material. Klingt im ersten Moment ja auch logisch, eine Jeans hält beispielsweise mehr aus, als eine Seidenbluse. Aber so einfach ist das nicht. Denn die Reißfestigkeit von Textilien hängt nicht nur von der Feinheit des Stoffes bzw. der Garne ab, sondern vielmehr auch von der Verarbeitung und dem generellen Ausgangsmaterial. Und daher sind auch nur Materialien über den Tex- oder Denier-Wert vergleichbar, die abgesehen von der Feinheit, exakt identisch aufgebaut sind.

Die Reißfestigkeit von Textilien

Hierzu ein kleines Beispiel: Bei der industriellen Herstellung gibt es den Wert der Zug- oder Reißfestigkeit. Hierbei handelt es sich um die mechanische Zugspannung, die ein Material maximal aushält. Die Zugfestigkeit zu errechnen ist nicht ganz einfach, es brächte uns aber auch keinen Vorteil. Wir müssen an dieser Stelle nur wissen, sie wird unter anderem in Megapascal (MPa) gemessen. Auch hier gilt: je höher der Wert, desto reißfester das Material. Dieser Wert kann schon einmal eine gute Orientierung bieten. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Wolle: 130 -210 MPa
  • Baumwolle: 287 – 800 MPa
  • Polyethylen (Dyneema): 3510 MPa
  • Aramid (Kevlar): 3620 MPa

Die Reißfestigkeit sagt schon recht viel über die eigentliche Robustheit eines Materials aus. Kennt man ja auch: Eine Bandschlinge aus Dyneema, ist in der Regel deutlich filigraner als ihre Kollegin aus Polyamid. Ist ja auch klar, Dyneema hält (die Alterung mal außer Acht gelassen) deutlich mehr Belastung aus.

Aber Moment: Muttis alte Nylonstrümpfe sind doch auch aus Polyamid und halten dennoch deutlich weniger aus, als beispielsweise eine Bandschlinge!? Zumindest habe ich noch niemanden gesehen, der sich am Standplatz mit einer Feinstrumpfhose sichert. Wie also kann das sein?

Na ja, so schwer ist das gar nicht. Wer sich einmal die beiden Produkte genauer anschaut, der wird schnell feststellen, das Ausgangsmaterial wurde ganz anders verarbeitet. Und somit kommen wir zu unserem letzten Punkt des heiligen Dreigestirns und sagen Vorhang auf für:

Die Verarbeitung von Textilien

Fasern und Garne können auf ganz unterschiedliche Arten verarbeitet werden. So ist beispielsweise ein Jeansstoff ein Gewebe, besteht also aus zwei Fadensystemen, die miteinander verwoben sind. Eine Fleecejacke hingegen ist in der Regel aus einem Veloursstoff gefertigt. Dieser ist kein Gewebe, sondern Maschenware. Hier werden mittels Faden gebildete Schleifen ineinander verschlungen und bilden so ein „textiles Flächengebilde“ (zu deutsch: ein Stück Stoff).

Dies sind aber nur zwei von unzähligen Möglichkeiten, wie Stoffe hergestellt werden können. Und selbst in den einzelnen Bereichen gibt es dann wieder unterschiedliche Verarbeitungsmöglichkeiten. Kurz und gut, ein weiteres Fass ohne Boden. Und somit stehen wir eigentlich wieder ganz am Anfang unseres kleinen Textilexkurses und wissen noch immer nicht so recht, was wir mit der Info anfangen sollen. Dennoch habe ich auch hier eine kleine Faustregel, die vielleicht weiter helfen kann:

Kommen bei der Verarbeitung feine Garne zum Einsatz, liegen diese nach dem Weben oder Stricken oft enger beieinander und bilden so eine glattere Oberfläche. Auch liegen die Einzelfäden je nach Webart enger zusammen oder weiter von einander weg. Je glatter dabei die Oberfläche des Stoffes ist, desto weniger anfällig ist sie zumeist gegenüber Pilling. Das heißt, dass sie beispielsweise bei der dauerhaften Belastung durch einen Rucksack nicht so schnell Abrieberscheinungen zeigt wie bei gröberen Stoffen.

Ein schönes Beispiel, wie die Verarbeitung die Robustheit von Textilien beeinflussen kann, liefern auch beispielsweise Materialien mit der Beta-Spun-Technologie. Diese kommen beispielsweise bei Ortovox zum Einsatz und sehen wie folgt aus: Das Garn dieses Materials besteht aus zwei Komponenten. Der Kern wird dabei aus feiner Merinowolle gebildet und bringt alle guten Eigenschaften des Naturprodukts mit. Um diesen aber besser zu schützen wurden zusätzlich Polyamidfilamente um den Kern gesponnen. So entsteht ein Material, das laut Herstellerangaben bis zu 70 % reißfester und abriebfester als herkömmliches Merinogarn sein soll.

Was aber sagt uns das?

Gerade im Bereich der Textilien gibt es zahlreiche unterschiedliche Materialien. Manche unterscheiden sich dabei in ihrer Zusammensetzung und Verarbeitung kaum, andere erheblich. Von einzelnen Werten pauschal auf spezifische Eigenschaften zu schließen ist daher zunächst einmal kaum möglich. Schaut man allerdings ein wenig genauer hin, kann man aus der Beschaffenheit von Textilien so einiges ableiten. Die Denier-Angabe bietet aber zumindest eine grobe Orientierung, wie robust ein Gewebe oder ein Stoff ist, denn wie wir ja jetzt wissen, gilt: Je höher die Denier-Zahl umso ’schwerer‘ und ‚robuster‘ ist der Faden. Und leider finden wir in der Regel keine bzw. nur wenige Informationen zur genauen Verarbeitung oder MPa-Werte, die uns etwas über die Reißfestigkeit eines Gewebes verraten.

Außerdem ist unser Basislager eine gute Anlaufstelle für Infos zu unterschiedlichsten Material wie z.B. Aramid/Kevlar, Polyester oder die gute alte Gore-Pro-Shell!

Der Terrex Free Hiker – Wanderschuh oder Sneaker?

24. Juni 2019
Ausrüstung

Ich gehöre ja zur Generation Sneaker. „Turnschuhe“, wie meine Mutti noch sagt, gehen für mich immer und vor allem schon lange nicht mehr nur zum Sport. Und als von Kollege Jörn gefragt wurde, ob ich Lust hätte, den brandneuen adidas Terrex Free Hiker zu testen, war ich natürlich Feuer und Flamme.

Doch ich war auch skeptisch: Denke ich an adidas, dann doch eher noch an stylische Sneaker als an solide Wanderschuhe. Auch wenn dieses Klischee natürlich schon lange nicht mehr gilt, denn unter dem Label Terrex bietet adidas schon seit Jahren Ausrüstung für Outdoor-begeisterte Menschen an.

Hands-on: Was kann der Terrex Free Hiker

Ja, Geschmäcker sind verschieden und man muss natürlich konstatieren, dass der Free Hiker zunächst nicht nach einem Wanderschuh aussieht. Eher nach einem Lauf- bzw. Trailrunningschuh. Mir allerdings hat die Optik sofort zu gesagt. Ich war und bin mit der Variante in Schwarz-Weiß unterwegs, wobei ich die „bunte“ Variante fast noch genialer finde.

Adidas wirbt damit, dass der Schuh besonders robust und stark wasserabweisend sei (auch ohne Membran, dazu komm ich gleich nochmal). Die bekannte Continental-Sohle soll für sicheres Vorankommen sorgen. Die Zwischensohle mit der Boost-Technologie, die adidas auch in ihren Laufschuhen verbaut. Diese ist besonders flexibel und soll einen kleinen „Rebound“-Effekt haben – also gespeicherte Energie wieder abgeben.

Beim ersten Anziehen fand ich vor allem den hohen Schaft überraschend. Überraschend gut. Der Schuh sitzt satt am Fuß, könnte für meinen Geschmack am Mittelfuß aber etwas enger sein. Die Stabilität geht aber trotzdem vollkommen klar!

Das Obermaterial nennt sich ‚Primeknit‘ (momentan super im Trend) und sieht aus, als sei es gestrickt. Dadurch wird der Schuh sehr flexibel, bequem und sitzt fast wie ein Socken. Die Kollegen fragten direkt, ob der Schuh sich denn gut an und ausziehen lässt aber ich hatte damit nie ein Problem, vielleicht auch, weil ich ihn etwas größer trage als meine normalen Straßenschuhe.

Zum Einsatz kam der Free Hiker erstmal im Alltag und im Büro, perfekt zum Einlaufen – und ja, da die Berge sind halt dann doch ein paar Kilometer entfernt. Um ehrlich zu sein, traute ich ihm heikle Bergpassagen auch zu Beginn nicht zu. Aber ich sollte eines Besseren belehrt werden…

Wie schlägt sich der Free Hiker nun beim Wandern?

Team-Ausflug ins Montafon war angesagt und da durfte der Free Hiker natürlich nicht fehlen. Ende Mai hatte es aber noch ziemlich viel Schnee und ich dachte, das könnte zu viel sein für meinen neuen Begleiter.

Nichts desto trotz ging es direkt ab auf den Berg damit – ist ja schließlich kein Kindergeburtstag hier. Auf gut ausgebauten Wanderwegen macht es sich in jedem Fall super. Der Gehkomfort ist klasse, die Conti-Sohle greift gut.

Kurz vorm Gipfel sah ich dann aber schon die ersten Schneefelder und mir wurde schnell klar, dass das jetzt der erste Härtetest werden würde. Ich stellte mich innerlich auf nasse, kalte Füße ein – so ganz ohne Membran müsste ja irgendwann Wasser eindringen – und machte todesmutig den ersten Schritt in die Überbleibsel des langen, schneereichen Winters.

Platsch – während der ersten Schritte wartet ich gespannt auf das kühle Nass, dass sogleich meine Socken befeuchten sollte. Aber es kam… Nix. Nun gut, vielleicht dauert es doch noch ein paar Minuten… Ich konnte das doch nicht ganz glauben.

Aber auch nach knapp einer Stunde mit vielen Schneefeldern, Schmelzwasserbächen und Pfützen waren meine Füße wohlig warm und trocken. Hier hat adidas also nicht zu viel versprochen! Durch den hohen Schaft konnte auch kein Wasser von oben eindringen, welches sich als Problem bei einigen meiner Mitläufer herausstellte. Aber das ist ja nun kein unbedingtes Alleinstellungsmerkmal des Free Hikers.

Auch bei unserer Tour am zweiten Tag hielt das Obermaterial dicht, auch wenn wir da nicht mit ganz so viel Feuchtigkeit in Berührung kamen. Ich bin gespannt, wie er sich

Besonders überzeugt hat mich übrigens auch die Continental-Sohle. Die wird auch immer von unseren Trailrunnern hier bei den Bergfreunden für ihren zuverlässigen Grip gelobt. Da kann ich mich nur ohne Weiteres anschließen!

Die Zwischensohle brilliert vor allem durch viel Dynamik, gutem Abrollverhalten und Komfort. Ob jetzt wirklich Energie zurückgeführt wird, kann ich nicht beurteilen, aber es geht sie ziemlich angenehm darauf.

Viel Licht, wenig Schatten…

Der Nachteil der starken, wasserabweisenden Eigenschaften des Obermaterials in Verbindung mit dem gut schließenden, halbhohen Schaft ist, dass Feuchtigkeit natürlich auch nicht so gut entweichen kann. Es wird also relativ warm in dem Schuh. Daher würde ich auf jeden Fall empfehlen, einen eher leichten Trekking-Socken dazu anzuziehen.

Das Fazit zum Terrex Free Hiker

Insgesamt bin ich aber wirklich positiv angetan! Der Schuh kann meiner Meinung nach deutlich mehr, als man ihm auf den ersten Blick zutraut. Man sollte sich hier definitiv nicht von der Optik täuschen lassen. Das hier ist ein echter Wanderschuh!

Aufgrund seines Aufbaus sehe ihn vor allem in leichtem Gelände und er dürfte aufgrund seiner Sohlenstruktur für Speedhiker interessant sein. Und natürlich für alle, die auf eine coole Optik wert legen.

Mit einem UVP von 199,95 platziert er sich aktuell eher am oberen Ende der Preisskala.

Testbericht: Jan testet die Hoka Sky Kaha Wanderschuhe

12. Juni 2019
Ausrüstung

„Ursprünglich wollten wir eigentlich nur die Zeiten bei Ausdauerläufen verbessern und einen Schuh entwickeln, mit dem man bergab schneller vorankommt“ („Der Laufschuh – wie neu erfunden!“, online unter: hokaoneone.eu/de). Doch Moment mal, wie passt diese Aussage zur Firmenphilosophie von Hoka One One mit einem Testbericht zu einem Wanderschuh zusammen?

Bergfreund Jan hat es für euch herausgefunden und seine Füße im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geworfen. Zum Testen gab es mit dem Sky Kaha einen hochmodernen Schuh im futuristischen Design, der Maßstäbe setzt in puncto Gewicht und Dämpfung.

Die technischen Details im Überblick

Bei dem Sky Kaha handelt es sich zunächst einmal um einen knöchelhohen Wanderschuh mit einem Obermaterial aus glattem Nubukleder sowie einer wasserdichten eVent-Membran. Sein auffälligstes Merkmal ist die supergedämpfte Zwischensohle aus besonders leichtem, reaktionsfähigem Material. Diese soll für ein butterweiches Geh- und Abrollverhalten sorgen.

Zusammen mit der Vibram Mega-Grip Laufsohle und multidirektionalen Stollen sorgt diese Kombination für optimalen Grip in anspruchsvollem und vielfältigem Gelände. Wie man sieht, haben sich die Produktentwickler hier ihre Gedanken gemacht und das Beste aus ihren Erfahrungen mit Lauf- und Trailschuhen in den Sky Kaha mit einfließen lassen.

Wie sich das ganze System nun in der Praxis bewährt, haben wir auf knapp 100 Kilometern Wegstrecke auf unterschiedlichstem Terrain, bei guter wie schlechter Witterung getestet.

Ein Schuss ins Blaue – der erste Eindruck

Zugegeben, ich habe zuvor nie einen (Lauf)schuh von Hoka One One an den Füßen gehabt. Bekannt sind sie jedoch vor allem unter Ultramarathon-Läufern. Und was in diesem anspruchsvollen Segment zu überzeugen weiß, kann für den Otto-Normal-Wanderer nicht so schlecht sein, oder?

Die ersten Kommentare, die ich mir jedenfalls zum Sky Kaha anhören durfte, bezogen sich natürlich auf sein Design. Die – salopp formuliert – richtig fette Zwischensohle zieht nicht nur die Blicke auf sich, sie tut auch genau das, was sie soll: Dämpfen! So bin ich den Schuh, ohne ihn Einzulaufen, gleich mal auf einer Tageswanderung non Stop durchgelaufen und kam mir ein bisschen vor, wie auf Wolke 7.

Nicht nur die Dämpfung ist überzeugend, auch sein Abrollverhalten fühlt sich überaus geschmeidig an. Ich hatte keine Probleme mit Ermüdung, Druckstellen oder dergleichen, sodass mein Erster Eindruck überaus positiv ausfällt (noch ein Hinweis dazu: bei EU-Straßenschuhgröße 42, trage ich den Sky Kaha in US 8,5 ).

Um dem Test nun etwas zusätzlichen Anspruch zu verleihen, bin ich ein paar Minuten lang durch einen kleinen Bachlauf gestapft. Das Wasser reichte dabei bis knapp unter die Anziehschlaufe, um zu prüfen, dass der Schuh auch wirklich dicht ist (vor allem im Bereich der Zunge). Und siehe da, die wasserdichte Membran macht ihrem Namen alle Ehre. Der Fuß bleibt schön trocken und das Obermaterial war kurz drauf ebenfalls wieder komplett luftgetrocknet.

Ein Leichtgewicht – auch, oder vor allem für längere Distanzen

Was dem Wanderschuh zu Gute kommt, und das fällt einem schon bei der ersten Anprobe auf, ist sein geringes Gewicht. Knappe 510 Gramm bringt der einzelne Schuh (je nach Größe) auf die Waage, was für einen knöchelhohen Vertreter seiner Zunft richtig wenig ist. Und das spürt man: Auf unserer zweiten Tour über 26 km und 750 Höhenmeter durchs wunderschöne Sauerland hatte ich keinerlei Ermüdungserscheinungen. Selbst abends am gemütlichen Kaminfeuer in der Jagdhütte eines Freundes kamen mir meine Füße nicht so vor, als wenn ich den halben Tag auf Achse gewesen wäre.

Im Gegenteil, wenn ich Distanz und Gehzeit mit meinen üblichen Wanderschuhen namhafter Hersteller vergleiche, wage ich sogar zu behaupten, fühlen sich die Füße ein Stück weit frischer an. Das ist so ein ganz subjektives Gefühl. Auch wenn es sich keineswegs um eine übermäßig anspruchsvolle Wanderung handelt, so lassen sich doch kleine, aber feine Unterschiede feststellen. Bevor es an dieser Stelle jedoch allzu philosophisch wird, kurzum: Ich kann mir sehr gut vorstellen, den Sky Kaha auch auf längeren, mehrtägigen leichten Bergwanderungen zu tragen.

Fazit

Hoka One One hält mit dem Sky Kaha sein Versprechen: Ein enorm leichter, überaus bequemer Wanderschuh für eine Vielzahl von Einsatzbereichen – ganz egal, ob Hüttentour, Tageswanderungen im Mittelgbirge, oder mehrtägige Trekkingtouren. Angefangen bei seinem guten Grip (auch auf nassem Untergrund, Wiesen und Geröll), über die Stabilität im Knöchelbereich, bis hin zu seinem phänomenalem Dämpfungs- und Abrollverhalten. Über das Design mögen sich letztlich die Geister streiten, wer Wert auf überzeugende Funktionalität und unbedingten Komfort legt, ist mit dem Sky Kaha bestens bedient!

Das Nachhaltigkeitskonzept von Prana

31. Mai 2019
Ausrüstung

Die Marke Prana entstand 1992 in Südkalifornien und steht für bequeme und stylische Kletter-, Yoga- und Strandklamotten. Nachhaltigkeit hat für die Firma nach eigener Aussage von Anfang an eine Hauptrolle in allen Produktionsschritten gespielt und wird es auch in Zukunft tun. Man sieht sich dabei inspiriert durch die Yoga-Philosophie, die Umweltbewegung der amerikanischen Westküste und die Kletterszene der 90er Jahre.

Nachhaltigkeitskonzepte im Sinne von Umweltschutz und sozialer Verantwortung wurden bislang auch durchaus überzeugend umgesetzt. Auffallend an der Prana-Strategie sind die wiederholten Appelle an die Kundschaft, auch ihren Beitrag zu leisten und ebenfalls Verantwortung für die Umsetzung von Nachhaltigkeit zu übernehmen. Das klingt dann meist in etwa wie folgt:

„From the farm to the factory to our closets, we all have an opportunity to reduce our impact on the environment. Start asking questions about your clothes in the same way you ask about the food you eat, and you can help fundamentally change the way clothing is made.“

Kurz: JedeR kann überall ansetzen und auch mit kleinen Schritten etwas bewirken.

Prana investiert vorwiegend in Partner, die neue Wege in der Produktion von Kleidung gehen und gehört Organisationen wie Fair Trade, bluesign, Textile Exchange, Responsible Down Standard und vielen mehr an. Unter den US-Unternehmen war man einer der ersten bluesign-Systempartner und der erste große Bekleidungshersteller mit einer Fair Trade USA-Zertifizierung. Zudem steigt die Zahl der Fair Trade-Produkte von Saison zu Saison. Gleiches gilt für Produkte aus Bio-Baumwolle, Naturfasern und recycelten Stoffen. Schauen wir uns nun die Maßnahmen im Detail an.

Umweltaspekte der Nachhaltigkeit

Da Prana kaum technische Outdoorkleidung herstellt, gibt es den ansonsten in der Outdoorbranche sehr ausgeprägten Konflikt zwischen technischer Funktionalität und Umweltfreundlichkeit nicht in dem Maße. Bleibt natürlich immer noch der Rentabilitätskonflikt, mit dem nicht nur Outdoorfirmen, sondern alle Unternehmen zu tun haben. Doch dieser hindert Prana nicht daran, Umweltschutzmaßnahmen konsequent umzusetzen.

Kennzeichnung nachhaltiger Produkte

Prana macht durch das Liefern von guten Argumenten und die vorwegnehmende Beantwortung von Fragen und möglichen Einwänden immer wieder „Werbung“ für Bluesign – und andere Nachhaltigkeitsinitiativen.

Als Gründe werden die Wassereinsparung, die Vermeidung giftiger Chemikalien und die Vertrauenswürdigkeit des Labels genannt. An Fragen wird unter anderem Folgende beantwortet: „Wird die Leistungsfähigkeit der Kleidung durch den reduzierten Einsatz von Chemie beeinflusst?“

Antwort: „Nein, wir können die grundlegende Leistung und Qualität, die wir beabsichtigen, ohne die chemischen Methoden erreichen.“

Bio-Baumwolle, recycelte Wolle und Hanf

Seit 2018 sind 100% der Baumwoll-Produkte von Prana aus Bio-Baumwolle gefertigt. Daneben erweitert Prana laut Angaben der PR-Agentur KGK auch die Verwendung von Hanf und recycelter Wolle. Dafür werden in Italien Altkleider und Schnittreste zu Fasern zurück verarbeitet, um dann in neuen Produkten zum Einsatz zu kommen. Hanf wird wegen seiner Robustheit gern genutzt: weder im Anbau, noch bei der Ernte oder in der Verarbeitung benötigt er Pestizide oder Düngemittel.

Auch bei Biobaumwolle und recycelter Wolle liefert die Prana-Homepage die Argumente gleich mit:

  • Landwirte und ihre Familien sind keinen schädlichen Chemikalien mehr ausgesetzt.
  • Leben und Biodiversität im Boden erholen sich.
  • Mit jedem T-Shirt aus Bio-Baumwolle werden 115 Liter Wasser im Vergleich zu herkömmlicher Baumwolle eingespart.

Im FAQ-Bereich wird jedoch nicht ausschließlich gelobt, sondern auch auf eingegangene Kompromisse und Verbesserungspotentiale hingewiesen.

Gleiches gilt für die recycelte Wolle, deren Verwendung Ressourcen und Energie spart, Abfälle und Abwässer vermeidet, den Flächenverbrauch der Landnutzung verringert und das Tierwohl achtet. Auch ist der notwendige Aufwand zur Aufbereitung der Fasern (z. B. der Färbung) deutlich geringer. All diese Vorzüge werden laut Prana ohne Abstriche in Sachen Leistungsfähigkeit und Funktionalität des Endprodukts erreicht.

Recyceltes Polyester

Seit 2016 verwendet Prana recyceltes Polyester, das in der Regel aus PET-Flaschen stammt. Der Anteil der Produkte mit recyceltem Polyester wird seitdem ausgebaut, vor allem bei Bademode wie Boardshorts, Neopren-Teilen und Bikinis.

Responsible Down Standard (RDS)

Der RDS ist ein freiwilliger weltweiter Standard. Wenn Marken sich für diese Zertifizierung ihrer Produkte entscheiden, halten sie sich strikt an die „fünf Tierfreiheiten“, die da wären:

  1. Freiheit von Hunger und Durst
  2. Freiheit von Unbehagen
  3. Freiheit von Schmerzen, Verletzungen oder Krankheiten
  4. Die Freiheit, normales Verhalten auszudrücken
  5. Freiheit von Angst und Leid

Mehr über den RDS und dessen Vertrauenswürdigkeit erfahrt ihr in diesem Bergfreunde Artikel.

Umweltschutz am Unternehmensstandort

Auch das gehört zum Prana-Nachhaltigkeitskonzept: Recycling, Kompostieren, Energie sparen und Müll vermeiden am eigenen Standort. Die bislang auffälligste Aktion ist wohl die Umstellung von Plastik auf Papier: seit 2011 verzichten die Kalifornier weitestgehend darauf, Produkte in Plastik-Verpackungen zu verschicken. Stattdessen greift man auf Tüten aus 100% Altpapier zurück. Bis 2017 sollen so an die 11 Millionen Plastiktüten eingespart worden sein, deren Gewicht dem von 25 Blauwalen entsprechen sollen.

Soziale Aspekte

Die Maßnahmen im sozialen Bereich beziehen sich – wie bei anderen Outdoorlabels auch – auf die Arbeitsbedingungen bei den Partnern und Zulieferern in den sogenannten Entwicklungsländern. Prana macht deren Erfolg sogar an konkreten Zahlen fest, ohne allerdings deren Herkunft genauer zu spezifizieren: „Since prAna became the first North American apparel brand to produce Fair Trade Certified clothing, we have given back $400,000+ to 33,000+ workers worldwide.“

Außerdem werden auf der Firmenhomepage demokratische Entscheidungsfindungen hinsichtlich der Verwendung von Geldern und die kommunale Entwicklung für die Familien der Landwirte und Fabrikarbeiter erwähnt.

Die wichtigsten „messbaren“ Maßnahmen sind die Teilnahme am Fair-Trade-Certified-Programm und die Mitgliedschaft in der Fair Labor Association. Prana weist auf den Unterschied zwischen der  Fair Trade Zertifizierung einzelner Fabriken (Fair Trade Factory) und der vollständigen Zertifizierung für das „Gesamtpaket“ (also über die ganze Produktionskette bis zu den Ausgangsmaterialien hinweg) hin. Bei Prana sind die Fair Trade Produkte, deren Anteil von Saison zu Saison zunimmt, als Ganzes zertifiziert.

Die Mitgliedschaft in der Fair Labor Association (FLA) besteht seit 2010, seit 2015 läuft das Social Responsibility Programm der Kalifornier offiziell mit Unterstützung der FLA.

Mitarbeiter und Kunden

Den Einbezug von Mitarbeitern und Kunden kann man als sozialen Aspekt der Nachhaltigkeitsbestrebungen betrachten. Prana erwartet von jedem einzelnen Mitarbeiter verantwortungsbewusste und umweltbewusste Praktiken, sei es beim Umgang mit Chemikalien oder bei der Müllentsorgung im Alltag. Die Kunden werden aktiv aufgerufen, sich für nachhaltige(re) Kleidung zu entscheiden.

Ökonomische Aspekte

Seit 2014 gehört prAna zu den Marken der Columbia Sportswear Company (COLM), die in erster Linie Wachstumsziele verfolgt und für Investoren interessant sein möchte.

Was sagen die Kritiker?

In Massenmedien und bei Verbraucherportalen ist Prana zurzeit noch nicht präsent, sodass es von dieser Seite keine Bewertungen gibt. Vereinzelte Berichte von Bloggern und Branchenmagazinen äußern sich bezüglich Nachhaltigkeit überzeugt und positiv.

Fazit

Da Kleidung und Accessoires von Prana viel über die Ansprache von Gefühlen und als Lifestyleprodukte verkauft werden, lässt sich natürlich vortrefflich diskutieren, ob wirklich jedes dieser schönen neuen Yogashirts und Kletter-Hoodies auch wirklich benötigt wird, oder ob nicht auch „unnötiger“ Luxuskonsum dabei herauskommt. Sagen wir mal so: wenn das Prana-Teil anstatt eines kurzlebigen Discounter- oder Großkonzernprodukts gekauft wird, ist das sicherlich ein Nachhaltigkeitsgewinn.

Zuletzt kann man immer noch einwenden, das ganze Nachhaltigkeitsgerede sei nur Eigenwerbung und diene letztlich doch nur dem Zweck der Umsatzsteigerung. Könnte stimmen, doch warum sollte man eigentlich immer den „niedersten“ Beweggrund annehmen? Man kann genauso gut annehmen, dass Prana sich tatsächlich für Biobaumwolle, recycelte Materialien und fairen Handel einsetzt. Letztlich ist es gar nicht so wichtig, denn zumindest kann man als potentieller Käufer bei Prana sehr detailliert nachvollziehen, warum sich die Entscheidung für die nachhaltige Alternative lohnt.

Testbericht: Mountain Equipment Gandiva

21. Mai 2019
Ausrüstung

Hope for the best, prepare for the worst – ein Sprichwort, welches nicht nur im Bergsport seine Berechtigung hat. Es trifft gleichermaßen auf die Gandiva Jacket aus dem Hause Mountain Equipment zu. Warum? Das erfahrt ihr in unserem Kurztest. Bergfreund Jan konnte seine Hände natürlich kaum von der ultraleichten Gore-Tex Paclite Plus Jacke lassen und kommt zu einem überaus positiven Fazit.

Hands on: Material und Funktion

Wie schon erwähnt: Bei der Gandiva Jacket kommt Gore’s ultraleichtes Paclite Plus zum Einsatz. Und das spürt man in jeder Hinsicht. Das Material ist richtig leicht. Zwar raschelt es, was dem einen oder anderen Leisetreter missfallen wird, dafür wiegt die ganze Jacke gerade einmal 240 Gramm. So zumindest die offizielle Angabe. Ich hab‘ die Jacke also in Größe M erst einmal auf die Küchenwaage gelegt. Das Ergebnis: 245 Gramm. Man kann dem Hersteller zunächst einmal glauben. Doch hält das Material auch, was es verspricht? Gore-Tex „garantiert dauerhaften Schutz vor Regen, Wind und mehr – in einer extrem atmungsaktiven Jacke, die ultraleicht und sehr klein packbar ist.“

Zumindest die letzten beiden Punkte kann ich bis hierher abhaken. Zusammengerollt kaum größer als eine durchschnittliche Honigmelone, passt sie für den Notfall in so ziemlich jeden Wander- oder Tourenrucksack. Soweit so gut. Was einem darüber hinaus auffällt: getapte Nähte, stark wasserabweisende AquaGuard-Reißverschlüsse (sowohl am Front-RV als auch den beiden Taschen, dazu jedoch später mehr) sowie eine großzügige, da helmtaugliche (und verstellbare) Kapuze. Hinzu kommt ein zweiteiliger Saumzug, um die Jacke vor dem Eindringen von Wind zu schützen.

Doch kommen wir zur eigentlichen Kernkompetenz der 2,5-lagigen Gandiva Jacket: sie ist absolut wind- und wasserdicht (mit einer Wassersäule von mind. 28.000 mm). Wer einmal einen früh-sommerlichen Regenschauer mit ihr Überstanden hat, wird wissen: Mountain Equipment hat seine Hausaufgaben gemacht. Die Atmungsaktivität der Jacke lässt sich dabei mit einem RET-Wert < 4,5 als schlichtweg hervorragend bezeichnen. Die Membran wird dazu direkt mit dem Außenmaterial verbunden. Die Innenseite ist Carbon-beschichtet und verleiht dem Laminat seine Stabilität. High-Tech in seiner minimalistischsten Form.

Zum Thema Wasserdichtigkeit der Taschen: Auch wenn das Material selbst uneingeschränkt als wasserdicht zu bezeichnen ist, Reißverschlüsse sind dies nie. Darauf weist der Hersteller mit einem Papiereinleger auch explizit hin. In der sogenannten Pocket Advice steht geschrieben, dass es trotz der Verwendung fortschrittlichster Technologien unmöglich ist, jegliches Restrisiko des Eindringens von Wasser vollständig zu reduzieren. Wer beispielsweise Elektronik zu 100% vor Wasser schützen möchte, sollte dies durch die Verwendung eines separaten, wasserdichten Packsackes tun. Und dies gilt bis zum heutigen Tage (im Mai 2019) für jede mir bekannte Jackenkonstruktion.

Einsatzbereich und Fazit

Man mag es zwischen den Zeilen bereits herausgelesen haben: Ich habe eine neue Lieblingsjacke! Und das nicht nur für den feuchtfröhlichen (Wander-)Notfall; denn um ihr Dasein einzig und allein im Rucksack zu fristen, ist die Jacke in ihrer schlichten Eleganz viel zu schade. Dennoch: Wer ein Backup für Bergtouren sucht, ist mit der Gandiva Jacket bestens bedient. Wer Wert auf technische Features, wie die helmtaugliche Kapuze legt, kommt hier genauso auf seine Kosten wie Ultraleicht-Fans.

Doch ganz gleich, ob Hüttenwanderung oder im Alltag, für mich hat Mountain Equipment einen würdigen Ersatz für meine altgediente Firefox Jacket (mit Gore-Tex Active Shell) auf den Markt gebracht. Dabei sollte man stets bedenken, dass sich 2,5-lagige Jacken generell nur bedingt zum Tragen schwererer Rucksäcke eignen. Konkret heißt das: ein 25 Liter-Rucksack mit maximal 7 kg Zuladung geht in Ordnung. Anderenfalls ist es schnell vorbei mit der Glückseligkeit, denn sind die Schultern einmal von den Gurten durchgeschubbert, war es das mit der Wasserdichtigkeit. Abgesehen davon bekommt man hier ein starkes Stück Funktionsbekleidung mit hoher Atmungsaktivität für durchaus wärmere früh- oder spätsommerliche Temperaturen mit erhöhtem Regenrisiko.

Der Skomer36+ Rucksack von Vaude im Bergfreunde-Test

24. Juni 2019
Ausrüstung

Ich packe meinen Koffer und nehme mit… Moment. Wir wollen doch eigentlich zum wandern – dann stelle ich den Koffer besser mal zurück in den Keller und nehme stattdessen lieber den Rucksack mit. Genauer gesagt den funkelnagelneuen Vaude Skomer36+ Rucksack, der uns netterweise von Vaude für einen Test zur Verfügung gestellt wurde und irgendwie den Weg in meine Finger, bzw. auf meinen Rücken gefunden hat.

Vaude bietet mit der Skomer Rucksack-Reihe speziell Frauen bzw. kleinen Personen einen geeigneten Begleiter für Abenteuer und Alltag und vereint allerhand Features mit Tragekomfort, damit das Gepäck nicht zur Last wird. Den Skomer gibt es in einer 16, einer 24 und einer 36+ Variante. Bei den ersten beiden handelt es sich um klassische Daypacks. Mit dem 36er kann man durchaus auch ein paar Tage länger in den Bergen verbringen und nicht nur das… :)

Wo verstaue ich was – Stauraum und technische Details im Überblick

Der Rucksack bietet mit rund 36 Litern genügend Platz, damit auch für einen mehrtägigen Ausflug gepackt werden kann. Durch die variable Deckenhöhe bekommt man dann auch noch den einen oder anderen Liter zusätzlich verstaut.

Die Besonderheit am Deckel ist, dass dieser als Kulturbeutel verwendet werden kann. Alles Nötige findet hier seinen Platz und ist schnell griffbereit bzw. wieder verstaut. Einmal vom Rucksack abgenommen kann man ihn wie andere Kulturbeutel auch per Haken bequem am Waschbecken aufhängen. Sogar an einen kleinen, integrierten Spiegel hat Vaude gedacht. Ausgesprochen praktisch!

Aber auch als ’normales‘ Deckelfach genutzt, bieten die vielen Fächer eine gute Organisationsmöglichkeit für allen Kleinkram, der schnell zur Hand sein muss.

Auch die anderen Fächer sind durchdacht. So erreicht man das große Hauptfach durch eine praktische Frontöffnung und die beiden Außentaschen mit Reißverschluss haben ein großzügiges Format. So findet alles seinen Platz und ist schnell und gut erreichbar. Und natürlich sind auch zwei aufgesetzte Stretch-Seitentaschen mit dabei. Häufig gebrauchtes, wie z.B. Wanderkarten, Snacks oder Taschentücher ist dadurch immer in Griffreichweite.

Auch an die Flüssigkeitsversorgung hat Vaude natürlich gedacht und hat den Rucksack mit sämtlichen Features für das Verwenden eines Trinksystem ausgestattet.

Damit das Tragen für Frauen besonders komfortabel ist, wurde der Rucksack mit speziell geformten und gepolsterten Hüft- und Schultergurten ausgestattet, welche sich individuell einstellen lassen und für optimale Bewegungsfreiheit sorgen. Das „Aeroflex“ genannte Tragesystem ist außerdem mit einem Netzrücken ausgestattet, der die Belüftung optimieren soll.

Die Hüftflügel wurden mit einem weiteren kleinen RV-Täschchen ausgestattet und an den Schultergurten findet man eine Brillenfixierung. Ein Brustgurt, eine Stockhalterung sowie eine integrierte Regenhülle lassen dann keine Wünsche mehr offen.

Der Praxistest – der Skomer in mediterranen Gefilden

Damit das Aeroflex-Tragesystem auf Herz und Nieren getestet werden kann, hab ich den Rucksack gleich mit in den Urlaub genommen. Die Toskana mit einigen Wanderungen war das Ziel. Der erste Ausflug lockte uns in ein Naturreservat. Gepackt war der Rucksack dafür natürlich nicht bis zur oberen Grenze.

Was ich vom ersten Einsatz an Richtung gut fand, waren die Einstellmöglichkeiten des Hüftgurts – daran ist natürlich erstmal nicht viel neues, aber die Bedienung ist wirklich spielend einfach: Die Laschen werden hier mit einem einfachen Handgriff nach vorne festgezogen und lassen sich spielend leicht über die Kunststoff-Schnallen öffnen. So konnte ich den Rucksack leicht auf wechselnde Bekleidungsschichten einstellen.

Da die schattenspendenden Bäume schon bald nur noch rar gesät waren und die mediterrane Mittagssonne ihr Bestes gab, machte sich das gut belüftete Aeroflex-Tragesystem gleich bezahlt. Trotz Hitze war der Rucksack mehr als angenehm zu tragen und mein Rücken wurde gut belüftet – das leisten bei weitem nicht alle Netzrückensysteme so gut. Zur Einordnung: Ich würde mich als „normalstarken“ Schwitzer bezeichnen.

Die Regenhülle habe ich in diesem Urlaub (zum Glück) nicht gebraucht. Zumindest nicht als solche, aber da sich das Konzept inzwischen über viele Jahre bewährt hat, gehe ich davon aus, dass auch ein längerer Regenschauer hier kein Problem darstellt.

Aber an diesem Teil des Rucksacks zeigt sich mal wieder, dass da jemand wirklich mitgedacht hat. Vaude hat die Hülle nämlich noch mit zwei Stofftragegriffen versehen und so hatte ich gleich einen praktischen Einkaufsbegleiter für frisches Focaccia und milden Pecorino. Auch wenn man sich über die Wahl der Hüllenfarbe vermutlich streiten kann – gesehen wird man mit dem knalligen Punkt im Notfall aber sicher schnell.

Unterm Strich…

Mein persönliches Fazit, nachdem der Rucksack nun mehrere Male zum Einsatz kam, ist, dass der Skomer36+ von Vaude ein brauchbarer Begleiter für eine ganze Bandbreite von Aktivitäten ist. Durch die „Regenhüllen-Tragetasche“ und den „Waschbeutel-Deckel“ eignet er sich perfekt für Wochenendtrips oder Reisen und durch das gut sitzende Tragesystem spielt er auch im Gelände seine Vorteile aus!

Etwas, was ich allerdings gerne ergänzen würde, wäre eine kleine Notfall-Trillerpfeife. Das konnte ich leider am ganzen Rucksack keine finden und diese ist im Wandernotfall dann doch gerne gesehen. Ohne weiteres kann dafür im Gegensatz die Reißverschlusstasche am Hüftgurt weggelassen werden. Diese war für mich persönlich eher umständlich zu erreichen. In Summe trifft jedoch durchdachtes Raumkonzept auf eine schicke Optik und das ganze auch noch unter Vaudes Green Shape Flagge.

 

Polygiene: Wie funktioniert der Mief-Blocker und ist er nachhaltig?

9. Mai 2019
Ausrüstung

(Vorsicht, folgende Einleitung könnte Spuren von Ironie enthalten)

Angeblich soll es in den Bergen noch den rückständigen Brauch geben, nach dem Schwitzen nicht sofort zu duschen und die Klamotten zu wechseln. Igitt, wie eklig und vor allem auch rücksichtslos gegenüber den Mitmenschen. Schuld an diesem Missstand sind vor allem Bergunterkünfte, die keine Duschen und noch nicht mal heißes Wasser rund um die Uhr haben. Dort weht dann in den viel zu engen Massenlagern ein Aroma, das in der Großstadt wohl ABC-Alarm auslösen würde. Wann schafft die EU endlich Gesetze, dass solche Stinkehütten klimatisiert zu sein und  Raumduftsysteme vorzuhalten haben?

Solange die Bergwelt noch lückenhaft reguliert ist, müssen wir uns mit Provisorien behelfen. Eine Möglichkeit wäre, die körperlichen Anstrengungen soweit zu reduzieren, dass kein Schweiß mehr die Poren verlässt. Hier ist man mit vielen neuen Seilbahn- und Straßenbauprojekten schon auf einem guten Weg. Doch was tun, wenn das Schwitzen partout nicht vermieden werden kann und der nächste hochalpinen Sanitärbereich noch in der Planungsphase ist?

Wie kommt der Mief in die Klamotten?

Dann schlägt die Stunde von Technologien wie Polygiene. Polygiene bietet – ab jetzt ohne Ironie –  nicht nur optionalen Luxus wie Parfüm und Deo, sondern wirklich nützliche Vorteile. Warum das so ist, versteht man am besten nach einem genaueren Blick auf den schlechten Schweißgeruch sowie seine Entstehung und Auswirkungen. Obwohl man hier eigentlich nicht viel falsch verstehen kann, denn wie Schweiß entsteht und welche Funktion er hat, dürfte jeder Mensch wissen, der schon einmal selbst geschwitzt hat. Bei Erhitzung des Körpers wird das „Körperwasser“ aus den bis zu 2,6 Millionen Schweißdrüsen herausgepresst, um für kühlende Verdunstung auf der Haut zu sorgen. Diese Kühlung ist lebenswichtig, der Körper braucht sie so, wie ein Verbrennungsmotor Kühlwasser braucht.

Was vielleicht nicht jeder weiß: der Schweiß an sich hat keinerlei Eigengeruch. Er enthält aber Proteine und Fettsäuren, die wiederum als Nährstoffe für Bakterien und andere Mikroorganismen dienen, die sich auf der Haut befinden. Die Mikroorganismen bauen die Stoffe ab, was – analog zur menschlichen Verdauung – zu geruchsintensiven Abfallprodukten führt. Im warmfeuchten Klima sammeln sich diese Hinterlassenschaften zusammen mit den sich prächtig vermehrenden Mikroorganismen auf der Haut und in der Kleidung an.

Das stinkt dann nicht nur, sondern greift auch das textile Gewebe an, da die Abbauprodukte Säuren und Salze enthalten, die der Kleidung chemisch und mechanisch zusetzen können.

Was ist Polygiene?

Kurz und knapp: Polygiene ist ein in Textilien eingearbeitetes Silbersalz aus recyceltem Industriesilber. Zugleich ist es der Name der Herstellerfirma mit Sitz im schwedischen Malmö.

Es gibt mehrere Arten von Silbersalzen. Für Polygiene wird, wie zumeist bei Outdoorkleidung, Silberchlorid verwendet, da es wasserunlöslich ist und nicht aus der Kleidung ausgewaschen wird. Durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen können zwar minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese schädigen im Falle von Polygiene weder Organismen noch Abwassersysteme (dazu mehr im Abschnitt Nachhaltigkeit).

Polygiene basiert auf Silberchlorid aus 100 % recyceltem Silber von photochemischen und industriellen Rückständen. Eine Vermischung mit Silber aus dem Bergbau ist ausgeschlossen. Es wird ähnlich wie Farbe in die Textilfasern eingearbeitet. Dabei wird nur eine sehr geringe Menge Silber verbraucht: die Menge, die in einem Fingerring steckt, reicht für etwa 5000 mit Polygiene ausgerüstete Kleidungsstücke.

Die Silberbehandlung von Polygiene bleibt nach Angaben des Herstellers über die komplette Lebensdauer der Kleidungsstücke erhalten und wäscht sich auch nicht in der Waschmaschine aus. Es handelt sich bei Polygiene auch nicht um Nanosilber, welches aus Silberionen im Größenbereich von Nanometern (10-9 Metern) besteht und im Verdacht steht, sich aus der Kleidung zu lösen und durch die Haut in den Körper zu gelangen. Die für Polygiene verwendeten Silberionen sind mehr als 100mal größer und damit zu groß, um in die Haut einzudringen.

Zudem versichert Polygiene, dass die eigenen Silbersalze sich auch nach längerem Gebrauch nicht von den Textilien lösen. Sie sind zudem nur auf der Außenseite des textilen Trägermaterials aktiv und beeinträchtigen weder die Transpiration noch die natürliche Bakterienflora der Haut. Dementsprechend haben mit Polygiene ausgerüstete Stoffe in Europa die medizinische Zulassung der Kategorie 1, die auch Verbandsmaterial für den direkten Kontakt mit offenen Wunden umfasst.

Polygiene wird zumeist fertig eingearbeitet in Funktionswäsche angeboten, kann jedoch auch als Spray oder Waschzusatz nachträglich aufgebracht werden.

Wie funktioniert es?

Die winzigen Silberpartikel wirken ähnlich wie ein Antibiotikum: sie töten mikrobisches Leben auf breiter Front und verhindern so dessen Wachstum. Als „unverdauliche Brocken“ legen sie den Stoffwechsel der Mikroben lahm.

Die Frage ist aber nicht nur, wie es funktioniert, sondern auch, wie lange und wie gut es funktioniert. Das Outdoor-Magazin hat dazu einen Test über satte 14 Tage gemacht und kam zu folgendem Ergebnis.

Zum testen haben wir ein das Baselayer-Shirt Capilene Thermal Weight von Patagonia und ein Paar Wandersocken von SaferSox zur Verfügung gestellt bekommen. Polygiene empfahl uns das Shirt 8 Tage lang zu testen. Wir sollten Sport machen, das Shirt richtig vollschwitzen und dann lediglich zum Trocknen aufhängen. Zwischendrin durfte das Shirt nicht gewaschen werden.

Für unseren Test sind wir noch einen Schritt weitergegangen. Unser Tester hat das Patagonia-Shirt insgesamt 14 Tage lang getragen. Das Ergebnis: Es bleibt kein Schweißgeruch im Baselayer zurück.

Es blieben zwar andere Gerüche wie Essen oder Deo zurück, doch die Zahl derjenigen Bergfreunde, die sich auch davon beeinträchtigt fühlen und von ihrer Funktionskleidung eine entsprechende Lösung erwarten, dürfte sich zum Glück in Grenzen halten.

Welche Vorteile bringt die Geruchshemmung?

Die direkten Vorteile des Nicht-Stinkens dürften auf der Hand liegen. Sie liegen nicht nur in besserem Wohlgefühl und angenehmerer sozialer Interaktion auf engem Raum, sondern auch in besserer Hygiene. Die Abwesenheit von Bakterien und Pilzen bedeuten auch weniger potentielle Hautirritationen und andere gesundheitliche Probleme.

Hinzu kommen indirekte Vorteile, die daraus resultieren, dass Polygiene-Textilien weniger oft gewechselt und gewaschen werden müssen. Man kann mit deutlich weniger (Wechsel)Wäsche auskommen und dadurch das Rucksack- oder Reisegepäck reduzieren. Auch der Lebenszyklus der Produkte verlängert sich dadurch deutlich, da sowohl Mikroben als auch Waschgänge die Fasern schädigen und das Material abnutzen. Es wird weniger weggeworfen und nachgekauft, was nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel schont. Damit sind wir auch schon mitten im Thema Nachhaltigkeit.

Warum Polygiene nachhaltig ist

Es dürfte schon aus den bisherigen Zeilen hervorgegangen sein, dass Polygiene eine ziemlich nachhaltige Angelegenheit ist. Doch sie ist nicht nur ein bisschen nachhaltig, sondern rundherum und vollkommen. Warum? Weil nicht nur Material und Technologie selbst nachhaltig sind, sondern auch ihre direkten und indirekten Effekte. Das wird auch von Umweltorganisationen und Regulierungsbehörden anerkannt. So ist die permanente Textilbehandlung bluesign-zertifiziert und erfüllt strenge, unabhängige Umwelt- und Produktlebenszyklusstandards wie die EU Umwelt- und Abfallgesetze und den ISO 14001 Standard. Zudem befindet sich Polygiene auf der Öko-Tex-Liste (I-IV) von unabhängig geprüften und zertifizierten Produkten.

Gesundheit

Die Zertifizierungen schaffen eine hohe Verbrauchersicherheit, da mit steigenden Umweltstandards für Ausgangsstoffe und Herstellungsverfahren die Belastungen für die menschliche Gesundheit sinken. So wird beispielsweise die Reinheit des Silbers durchgehend kontrolliert, um Spuren anderer Metalle sicher auszuschließen. Auch eventuelle Wechselwirkungen des Silbers mit der Haut werden gründlich untersucht. So wurde in einer Studie des National Center for Biotechnology Information in den USA überprüft, ob das antimikrobielle Silber das Bakteriengleichgewicht auf der Haut stört. Die Forscher konnten dabei keinen Effekt von antibakterieller Kleidung auf die Mikroflora von gesunder Haut nachweisen. Sicher, Ergebnisse von Studien sind manches mal mit Vorsicht zu genießen, doch im Fall von Polygiene kann man schon aufgrund der Konstruktion von minimierten Risiken ausgehen.

Ressourcenverbrauch

Dieser Bereich dürfte der effektivste Nachhaltigkeitshebel von Polygiene sein, denn der Ressourcenverbrauch wird in allen Phasen des Produktlebenszyklus minimiert. Der Rohstoff Silber wird wie erwähnt aus recyceltem Material (Elektronikschrott) gewonnen und in sehr geringen Konzentrationen verwendet. Zudem kann die Polygiene-Behandlung in einem Arbeitsgang mit anderen Ausrüstungen aufgebracht werden und erfordert dadurch keinen zusätzlichen Wasser- und Energieeinsatz. Ein Bindemittel für die Fixierung der Polygiene-Moleküle am Stoff ist ebenfalls nicht nötig.

Die größte Ressourceneinsparung findet während der Verwendung der Polygiene-Bekleidung statt, denn sie wird deutlich weniger gewaschen als herkömmliche Sportkleidung. Letztere wandert teilweise nach jedem einzelnen Einsatz in die Waschmaschine. Mit Polygiene ist das nicht nötig, denn die unhygienischen Bakterien und Gerüche entstehen gar nicht erst. Wenn der Schweiß verdunstet und das Gewebe getrocknet ist, ist die Wäsche auch tatsächlich noch sauber genug, um  weiter getragen zu werden – natürlich nicht unbegrenzt, aber definitiv um ein mehrfaches länger als unbehandeltes Kunstfaser- oder Baumwollmaterial. Die „Bevor-es-eklig-wird-Tragedauer“ einer Polygiene-Unterwäschegarnitur kann man in etwa mit der von Merinowolle gleichsetzen.

Die Polygiene-Wäsche kann nicht nur seltener, sondern auch bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden. Das trägt ebenfalls zu reduziertem Energieverbrauch und längerer Produktlebensdauer bei. Und wenn diese schließlich doch irgendwann ihr Ende erreicht hat, kann die Kleidung inklusive der Polygiene-Ausrüstung recycelt werden.

Aus all dem ergibt sich eine einfache aber wirkungsvolle Nachhaltigkeitsformel:

Weniger waschen = weniger Wasserverbrauch, weniger Reinigungsmittel, weniger Energieverbrauch + längere Produktlebensdauer + mehr freie Zeit + gespartes Geld!

Auf der Polygiene-Homepage ist das Ganze mit diversen Zahlen angereichert. Sogar für die Geld- und Zeiteinsparung sind Zahlen angegeben: so geht man pro Waschmaschinenladung von 28 Minuten Zeitaufwand und 1,34 US$ Kosten aus. Insgesamt geht man davon aus, dass der „ökologische Fußabdruck“ (Wasser- und Energieverbrauch; Wasser-, Boden- und Luftverschmutzung) eines Kleidungsstücks zu etwa zwei Dritteln aus dem Waschen und Trocknen resultiert.

Zwar können durch die Abnutzung der Fasern und den Ionen-Austausch mit Schwefelverbindungen irgendwann doch minimale Mengen an Silberionen beim Waschen freigesetzt werden, doch diese verbinden sich laut Patagonia rasch mit Sulfiden in der Umwelt zu chemisch stabilem, nicht löslichem Silbersulfid, welches lebende Organismen nicht beeinträchtigt. Die Silberionen werden also deaktiviert, sobald sie in einen natürlichen Wasserlauf gelangen. „Auf gleiche Weise werden sie auch im Wasser einer Kläranlage deaktiviert, sodass sie weder die bakteriellen und Bio-Stufen der Anlagen belasten noch das gereinigte Wasser oder den Klärschlamm.“ Ohnehin sind geringe Mengen an Silberchlorid und Silbersulfid auch auf natürliche Weise im Trinkwasser, Meerwasser und im Boden vorhanden.

Fazit

Polygiene ist ein Paradebeispiel für Outdoor-Technologie, die funktionalen Nutzen mit  Nachhaltigkeit vereint. Die Behandlung sorgt dafür, dass man sich in Sport- und Outdoorklamotten deutlich länger wohlfühlen kann. Das wiederum kann helfen, den Reinlichkeitsdrang des urbanen Lifestyles samt seiner teils absurden Komfortansprüche unten im Tal zu lassen, statt immer tiefer in die Berge einzuschleppen. In dem Falle würde Polygiene womöglich gar zu einer Eindämmung des Erschließungswahns beitragen, der ja manchmal ganz ähnlich wie die fiesen kleinen Stinkebazillen wuchert …

S.Café – Kaffee zum Anziehen

2. Mai 2019
Ausrüstung

Kaffee wird hier langsam aber sicher zum Kernthema. Zuerst gab es den langen Artikel über gepflegten Kaffeekonsum in der wilden Natur, dann kam die revolutionäre Schuh-Innovation zur Lösung des leidigen Problems der Kaffee-to-go-Flecken auf Sportschuhen. Und jetzt kommt auch noch ein Gewebe aus Kaffeesatz um die Ecke.

Aus Kaffeesatz? Ja, das ist technisch möglich und schafft sogar zusätzliche natürliche Funktionalitätsaspekte bei den so produzierten Klamotten. Da kommen natürlich Fragen auf: Kann man aus dem Zeug bei drohendem Bergtod durch Übermüdung noch ein rettendes Käffchen brühen? Lässt sich in S.Café Klamotten die Zukunft lesen? Nein, diese Funktionen bietet die Kaffeekleidung nicht. Was sie wirklich bietet, dazu gleich mehr, zunächst schauen wir uns die Idee und die Entstehung der Marke S.Café an.

Die Idee stammt natürlich aus Kalifornien oder Skandinavien, wie immer, wenn es um Funktionsklamotten geht. Oder etwa nicht? Nein, diesmal kommt die nerdige Outdoor-Innovation aus dem fernen Osten, genauer aus Taiwans Hauptstadt Taipeh.

Die Idee hinter dem Kaffeesatz-Material

Dass Kaffeesatz und etwa nicht Bananenschalen oder Teebeutel als neuer Textilschlager entdeckt wurde, lag wohl daran, dass Jason Chen, Geschäftsführer der Firma Singtex, und seine Frau Mei-hui ihren Geistesblitz in einer Kaffeebar hatten. Verwundert hatten sie eine ältere Dame beobachtet, die den Barista um den Kaffeesatz bat. Auf den fragenden Blick des Ehepaars hin erklärte der Barista, das Kaffeesatz gut sei, um Gerüche aus dem Kühlschrank zu entfernen. Die geruchshemmende Eigenschaft von Kaffeesatz war also schon bekannt.

Chens Frau soll daraufhin scherzhaft vorgeschlagen haben, dass er doch Kaffeereste in seine Textilien einbauen möge, um den Schweißgeruch nach seinen häufigen Marathon-Trainingseinlagen loszuwerden. Der Legende nach dachte Jason dann kurz nach, wandte sich an seine Frau und rief laut aus: „GOOD IDEA!“ Es war also Mei-huis Idee und Jasons Umsetzung, die hier geboren wurde.

Die Idee kam wie gerufen und wurde patentiert, bevor Chen überhaupt wusste, wie er den Kaffee ins Textil bringen will. Schon zuvor hatte Singtex öfter neue Verfahren und Fasern erfunden, wurde jedoch meist zügig von der Konkurrenz auf dem chinesischen Festland kopiert und preislich unterboten. Deshalb stand man kurz vor der Pleite und wollte diesen Fehler nun nicht mehr wiederholen.

Entstehungsgeschichte und Entwicklung

Chen trommelte eine Gruppe von Partnern zusammen und man begann, die Möglichkeiten der Einarbeitung von Kaffeesatz in Garn zu erforschen. Die Umsetzung der scheinbar einfachen Idee nahm vier Jahre Forschung und harte Arbeit in Anspruch. Im Jahr 2009 war es dann soweit und die Erfindung konnte unter dem Markennamen S.Café präsentiert werden.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und die Nachfrage nach S.Café stieg schnell. In Taipeh entstand ein ganzes Netz an Partnerschaften mit Starbucks und lokalen Cafés, um den gebrauchten Kaffeesatz systematisch einzusammeln. Mittlerweile ist ständig ein Tross von Fahrzeugen unterwegs, um tagtäglich etwa eine halbe Tonne Kaffeesatz im Großraum Taipeh einzusammeln. Der andere Rohstoff für das Textilmaterial – Polyester – wird ebenfalls aus in einem nachhaltigen Kreislauf aus größtenteils lokal eingesammelten Abfällen gewonnen: aus recycelten PET Flaschen.

Weitere Entwicklungen

Recht bald nach der Einführung 2009 hat Singtex Unterwäsche, Bettwäsche, Schuhe und eine wachsende Palette weiterer Produkte aus S.Café entwickelt. Hinzu kommen Modifikationen des Materials selbst, die unter Namen wie P4Dry und Mylithe mit neuen Konfigurationen von Polymeren und Kaffeeresten weitere spezielle Funktionen erreichen. So soll Mylithe durch eine “Luftstruktur”-Methode ein baumwollartiges Tragegefühl vermitteln, ohne die ursprünglichen Eigenschaften von S.Café einzubüßen.

Da Jason Chen ein findiger und umtriebiger Firmenpräsident ist, sollen natürlich auch weiterhin neue Anwendungsmöglichkeiten und Geschäftsfelder erschlossen werden. Die wachsende Verbreitung von S.Café wird dank ständig erweiterter, weltweiter Kooperationen mit immer mehr führenden Textilunternehmen wie Timberland, American Eagle, North Face und Puma zielstrebig vorangetrieben. Auf Kosten der Umwelt soll dieses Wachstum aber auch künftig nicht gehen, weshalb Singtex auch weiterhin hohe Standards garantierende Zertifizierungen wie Bluesign, Oekotex und Cradle-to-Cradle anstrebt.

Herstellung

Die ersten Herstellungsschritte finden in den Röstereien und Kaffeebars statt. Die Bohne muss nämlich nicht nur bei Temperaturen zwischen 160 und 220°C geröstet, sondern auch pulverisiert und gebrüht werden, um zusammen mit den Polymeren der alten PET-Flaschen den textilen Stoff zu formen.

Beim Rösten schwillt die Kaffeebohne an, was bedeutet, dass ihr Innenraum größer wird. Beim Brühen entfernt dann das heiße Wasser Materialien aus den so entstandenen Hohlräumen. Aus dem so „präparierten“ Kaffeesatzpulver wird dann der Extrakt gewonnen, der, bei niedrigen Temperaturen und hohem Druck in die Kunststoff-Filamente eingearbeitet und zu einem Garn geformt, die Eigenschaften der Ausgangsmaterialien verbindet.

Es bleiben zwar pro Filterportion nur etwa 2% nutzbarer Kaffee-Extrakt übrig, doch alles in allem klingt die Sache gar nicht mal so unergiebig. So reichen die Rückstände aus einer Tasse Kaffee laut Chen für etwa zwei bis drei T-Shirts.

Materialeigenschaften

Vor allem die Eigenschaften des Ausgangsmaterials Kaffeesatz kommen im Endprodukt gut zur Geltung. Die eben erwähnten Mikroporen absorbieren Gerüche, reflektieren die UV-Strahlung und trocknen doppelt so schnell wie Baumwolle. Feuchtigkeit wird bei S.Café-Gewebe kontinuierlich von der Haut auf die Außenseite transportiert, wo es sich über die Oberfläche verteilt und schnell verdunsten kann. Die Verdunstung trägt dazu bei, dass die Hauttemperatur im Vergleich zu herkömmlichen Stoffen um 1 bis 2°C abgekühlt wird – ein durchaus spürbarer Effekt.

Diese Eigenschaften im Zusammenspiel bewirken ein im Vergleich zu herkömmlichen Kunstfasern angenehmeres, natürlicheres Tragegefühl.

Da sich die Kaffeebestandteile im inneren der S. Café-Fasern befinden, braucht man sich um ein Nachlassen der Funktionalität nicht zu sorgen. Sie übersteht normale Maschinenwäsche problemlos und hält nicht weniger lang vor als andere funktionale Textileigenschaften.

All das macht S.Café nicht nur für Outdoor- und Sportbekleidung interessant, sondern auch für viele weitere Verwendungsbereiche bis hin zu alltäglichen Haushaltsartikeln.

Nachhaltigkeit

Natürlich hat Singtex um sein Vorzeigeprodukt eine Nachhaltigkeitsphilosophie gestrickt. Die ist allerdings kein künstliches PR-Produkt, sondern ein natürlicher Ausdruck des praktizierten Handelns. Der nachhaltige Kreislauf ist klar erkennbar: die eigentlich unnachhaltigen Auswirkungen der Kaffeetrinkkultur werden hier (teilweise) in einen nachhaltigen Kreislauf überführt. Aus den Abfällen eines globalen städtischen Lifestyles mit ständig wachsendem Kaffeekonsum wird ein nützliches Produkt gewonnen. Und es stellt sich heraus, dass in diesem Kreislauf noch viele weitere verborgene Produkte und Technologien auf ihre Entschlüsselung warten.

Zu diesem genial einfachen Konzept passt es bestens, dass Kleidungsstücke aus S.Café am Ende ihres Lebens kompostiert werden können. Wenn ihre Rückstände dann zum Anbau von Kaffee verwendet werden, wäre ein Lebenszyklus abgeschlossen.

Fazit

Die griffige Kurzformel für die Vermarktung von S.Café lautet: „Drink it, wear it“. Das ist einprägsam und fasst die Firmenphilosophie gut zusammen. Die Begeisterung fürs Kaffeetrinken ist hier auch verständlich, denn ohne all die fleißigen Trinker wäre der Kaffeesatz kein recycelter Abfall, sondern ein teurer Rohstoff.

Dennoch sollte man die Ermunterung zu (noch mehr) Kaffeekonsum vielleicht nicht allzu wörtlich nehmen. Auch so schon dürfte die „Leistungsgesellschaft“ mehr als genug vom Kaffee (an)getrieben sein und Singtex muss sicher keinen Mangel an Nachschub befürchten. Außerdem geht unsere persönliche Leistungskurve mit Koffein auf Dauer eher runter als rauf. Also, ruhig lieber öfter mal ein Schläfchen halten statt den nächsten doppelten Espresso zu kippen. Klar, leichter gesagt als getan, denn wir haben ja alle keine Zeit und sich einfach auszuruhen ist schon fast ein subversiver Akt. Aber ich schweife wohl gerade ab und bin nicht mehr beim Thema. Obwohl, es geht doch irgendwie um Kaffee, oder?

Im Bergfreunde-Test: Fahrradaccessoires von GripGrab!

9. Mai 2019
Ausrüstung

Ne, watt is datt schön! Irgendwie riecht es da draußen verdammt stark nach Frühling. Zeit also, seine Liebsten zu packen und raus zu gehen. Mit „Liebste“ meinen wir selbstverständlich unsere Bikes. Was denn auch sonst? Wer im Frühling und Herbst aufs Rad steigt weiß allerdings auch, dass eine Ausfahrt wohl vorbereitet sein will: Was sagen die Temperaturen und vor allem der Verlauf ebendieser. Ist die Sonne da oder eher nicht und warum zur Hölle muss ich alleine eine halbe Stunde Zeit zum Anziehen einplanen?

Nun, die letzte Frage lässt sich leicht beantworten: Stark schwankende Temperaturen erfordern nun einmal eine große Bandbreite an verschiedenen Bekleidungsstücken. Zumindest, wenn man nicht komplett verfroren oder stark verschwitzt fahren will. Die besten Freunde des Übergangszeitfahrradfahrers heißen demnach: Beinlinge, Armlinge, Handschuhe, Überschuhe und Unterhemd. Jetzt haben die meisten Radbekleidungsmarken all diese Dinge im Angebot, allerdings würde wohl niemand auf die Idee kommen, allein mit diesem vermeintlich unscheinbaren Zubehör Geld zu verdienen, oder? Nun, nicht ganz. Die Marke GripGrab hat sich ganz der Kategorie „Fahrradbekleidungszubehör“ verschrieben und hat es sich in dieser Nische so richtig schön gemütlich gemacht.

Wir haben uns mal ein paar Teile von GripGrab angeschaut und getestet. Wir, das sind Gearhead Hannah, ihrerseits irgendwo zwischen Downhill und Rennrad zuhause, und meiner einer, der Social-Media-Heini Jörn, unterwegs auf Rennrad oder Cyclocrosser. Was ihr von GripGrab erwarten dürft und was nicht, wollen wir euch hier erzählen…

Warme Hände, warme Füße und ein Wampenwickel

Jörn: In meinem Testpaket waren nebst Arm- und Beinlingen eine leuchtend gelbe Mütze, die Windster Radhandschuhe, die Arctic Waterproof Überschuhe sowie der Freedom Seamless Thermal Baselayer, den ich im Titel liebevoll als „Wampenwickel“ betitelt habe, enthalten. Und tatsächlich trifft es diese durchaus liebevolle Bezeichnung ziemlich gut. Das Teil sitzt wie eine zweite Haut! Und es ist wirklich fast komplett nahtfrei, lediglich zwei Nähte an den Schultern halten das Teil zusammen.

Ein wirklich tolles Konstrukt, wenn man denn endlich mal drin steckt. Durch den recht hohen Elasthan-Anteil von 12% ist es ordentlich stretchig und man braucht eine oder zwei Minuten, bis alles perfekt sitzt. Aber es lohnt sich. Es ist tendenziell eher warm und reichte mir im Winter unter meiner wasserdichten Radjacke vollkommen aus. In Verbindung mit einem Trikot habe ich es bis zu einer Temperatur von ca. 11 Grad gefahren, was ebenfalls super funktioniert hat. Morgens bzw. Abends empfehle ich noch eine leichte Radweste einzupacken, so kann man super variieren.

Damit wir uns richtig verstehen: ich habe zuhause einige Langarm-Unterhemden, aber keines davon sitzt so gut wie das Gripgrab. Definitiver Kauftipp!

Die Windster Radhandschuhe sind ebenfalls bemerkenswert. Bemerkenswert warm, vor allem. Fast schon ein wenig zu warm für meinen Geschmack, aber ich habe auch gefühlt wärmere Finger als alle Menschen in meinem Bekanntenkreis. Dementsprechend setze ich sie meist auch nur bei klirrender Kälte ein. Ab 5 Grad aufwärts gibt es eine Handschuhkategorie leichter. Der breite Bund legt sich gut um das Handgelenk, die Handschuhe sind gut geschnitten und passen prima. Ich habe ein recht dickes Lenkerband, daher brauche ich das Gel-Pad am Handballen nicht unbedingt, aber schaden tut es auch nicht. Einen Punkt Abzug gibt es für die fehlende Touchscreen-Kompatibiltät. Nicht, dass ich dauernd auf mein Smartphone schauen muss, aber da inzwischen schon einige Radcomputer und Uhren mit Touch bedient werden können, wäre das definitiv eine sinnvolle Ergänzung.

Das dritte Highlight, das ich mir an den von Kuchen wohlgeformten Körper werfen durfte, sind die Arctic Waterproof Überschuhe. Wie der Name schon verrät, sind sie primär mal warm und wasserdicht, was ich ohne Vorbehalte bestätigen kann. Man darf allerdings nicht vergessen, dass Spritzwasser natürlich von unten eindringen kann – da hilft selbst der wasserdichteste Überschuh nix.

Das Anziehen geht relativ einfach von der Hand – richtige Größe vorausgesetzt. Bei Radschuhen habe ich eher Schuhgröße 45 und bin bei Überschuhgröße XL gelandet. Die Arctic Waterproof  haben keinen Reißverschluss. Man muss sie also vor dem Schuh anziehen und danach drüberstülpen. Befestigt werden sie mit einem breiten Kletterverschluss. Die Cleats sowie die hinteren Gummistopper bleiben frei. Im Zehenbereich gibt es eine leichte Verstärkung.

Und dann wollen wir uns noch zuletzt noch Arm-, Beinlinge und Mütze anschauen. Natürlich kann man zu diesen Kategorien jetzt keine allzu großen Romane schreiben. Armlinge und Beinlinge sitzen super und sind angenehm warm, durch eine angeraute Innenseite. Die Mütze sitzt gut unterm Helm, umschließt vor allem die Ohren sehr gut und dank ihrer neogelben Farbe und den reflektierenden Elementen wird man im Straßenverkehr besser gesehen. Reflektierende Prints finden sich übrigens auch an Arm- und Beinlingen!

Kalte Füße adé?

Hannah: Auch ich durfte einige Artikel der Marke GripGrab testen und ich kann schon mal verraten – mein größtes Problem an kalten Tagen wurde gelöst. Dazu gleich mehr…

In meinem Test Paket lagen neben einem Paar Handschuhen auch eine Mütze, Überschuhe sowie wasserdichte Socken. Laut GripGrab gehören all diese Sachen zum „Off Road/MTB“ Paket, ich würde aber sagen, dass sich die Teile egal auf welchem Bike super nutzen lassen.

Fangen wir ganz oben an, mit der Women’s Thermal Lightweight Skull Cap. Perfekt für unter den Helm, man spürt sie kaum und sie sitzt richtig gut, auch auf meinen sehr kleinen Kopf. Viele Hersteller haben ja mittlerweile Mützen im Sortiment, die eine Öffnung für den Zopf haben, Gripgrab aber legt noch eine Schippe drauf und hat sogar zwei Öffnungen, welche ich individuell nutzen kann, je nach dem, ob ich den Zopf eher höher oder tiefer trage. Für unter den Helm empfiehlt sich natürlich der tiefe Zopf. Zusammengefasst also: Daumen hoch für die Mütze!

Wir wandern weiter nach unten zu den Händen, die von den Racing Insidegrip Full Liner Gloves bedeckt werden. Ich kann euch ein Lied davon singen: die passenden Handschuhe für kleine Frauenhände zu finden ist kein Spaß. Und auch dieses Mal bin ich leider noch nicht ganz fündig geworden, die Handschuhe sind trotz sorgfältigem Nachmessen nämlich zu groß.

Ich hatte sie trotzdem ein Paar mal zum Biken an, sie sind super leicht und dünn, man spürt sie kaum. Das Griffgefühl passt absolut. Allerdings sind sie mir persönlich deutlich zu dünn für die kalte Jahreszeit (aber gut, ich bin auch eine Frostbeule). Ein weiterer Minuspunkt ist für mich die Farbe. Sie ist zwar sehr stylisch und sieht auf dem Renner sicher gut aus, aber grade Offroad ist Weiss nicht gerade die passende Farbe. Hier würde ich eher die schwarze Variante empfehlen.

Kommen wir nur zu meiner größten Baustelle. Die kalten Füße!

Hach Ja, ihr wisst es doch, Frauenfüße sind eben „schwierig“ und ich friere eigentlich immer – ganz typisch. Und wenn die Füße mal so richtig durchgefroren sind, ist für mich jeder Biketag gelaufen. Ich habe schon alles versucht und bin bisher mit Überschuhen auch immer einigermaßen zu recht gekommen.

Daher war ich besonders gespannt auf die Racethermo x Waterproof Winter MTB/CX Überschuhe. Das erste große Problem ergibt sich aber direkt beim Anziehen… Auf meine Klickschuhe passen die Schuhe super – aber über meine FiveTen? Keine Chance! Die Überschuhe sind nur für Klickschuhe zu empfehlen, sonst sind sie viel zu schmal.

Wie Jörn schon beschrieben hat, muss  man erst in den Überschuh steigen und diesen dann über die eigentlichen Schuhe stülpen.  Da ich selten CX fahre und am MTB keine Klickpedale habe, nutz ich die Shoe Cover einfach fürs Rennrad. Da halten sie auch schön warm und trocken. Daumen hoch – mit kleinen Einschränkungen!

Kommen wir nun zu meinem persönlichen Highlight, ohne dass ich diesen Winter nicht überstanden hätte. Die Waterproof Merino Thermal Socks – der Name ist Programm. „Wasserdichte Socken? – da schwitz ich doch wie verrück!“ das denken wohl die Meisten. Aber Leute, ich kann euch sagen: es ist der Hammer.

Zuerst habe ich zuhause mal ein Glas Wasser über die Socken geleert. Wie erwartet perlt die Flüssigkeit ab, die Füße bleiben trocken. Die Socken fühlen sich zuerst etwas ungewohnt an, sind ziemlich fest und dick. Die fast 50 % Merinowolle innen geben eine Extra Portion Wärme.

Einziges Manko: unter sehr enge Klickschuhe werden sie wohl nicht passen, daher im Zweifel den Winterschuh etwas größer wählen. Für meine Downhill Schuhe sind sie perfekt! Für alle, die Probleme mit kalten Füßen haben – das ist die Lösung. Wie sie sich auf Dauer machen, nach einigen Wäschen, dass wird sich noch zeigen, aber ich bin einfach nur begeistert!

Wir hoffen, es hat euch gefallen!?

… und wir konnten euch einen kleinen Einblick ins Sortiment von GripGrab geben. Hannah und ich sind bisher jedenfalls ziemlich happy mit unseren Sachen und genießen die wirklichen bunten Wetterbedingungen der Übergangszeit und die langsam erwachende Natur rundherum. Wie ist es bei euch? Habt ihr eigentlich auch schon Erfahrungen mit GripGrab-Produkten gemacht? Ja? Dann erzählt uns doch davon. Wir sind gespannt!

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