Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Dicht und warm? Der Testbericht Ortovox 2L Swisswool Leone Jacket

12. Dezember 2018
Ausrüstung

Da hat sich Ortovox was ausgedacht! Packt jetzt sein bewährtes Schurwollematerial unter die wasserdichte Dermizax NX Membran und macht daraus seine erste wasser- und winddichte Swisswooljacke. Ich hatte die große Ehre das gute Stück im Alpinen zu testen – wie sie mir getaugt hat, will ich euch verraten. Doch zunächst wollen wir uns das technische Gerüst mal genauer anschauen:

  • Wasser- und Winddichtheit: Dermizax NX Membran sowie getapte und verschweißte Nähte.
  • Gewichtsvorteil: mit 372 g richtig leicht; Ortovox kombiniert in der Zweilagenjacke ihre hochwertige Schweizer Schurwolle mit 60g/m² mit der Dermizax NX Hochleistungsmembran – richtig gut für eine warme und atmungsaktive Hardshell.
  • Stabilität und Robustheit: An der Kapuze, den Schultern und im Hüftbereich sind 3-Lagen Dermizax Einsätze verarbeitet.
  • Weitenregulation: An den Säumen mit Kordelzug und selbstregulierenden Bündchen mit Gummiband. An der Kapuze ebenfalls mit umlaufenden Gummiband und anatomisch optimierten Schnitt.
  • Hochleistungsmembran Dermizax NT: 20.000 mm Wassersäule, Atmungsaktivität bei 30.000 – 50.000 g / 24 Stunden, die porenlose Konstruktion verstopft nicht.
  • Rucksackkompatibilität: Zwei Fronttaschen, robuste Schulterpartie durch 3fach Dermizax-Einsätze.
  • Sonstiges: Tragekomfort durch Merino Mesh Einsätze im Kinnbereich und verlängerter Rückenbereich.

Alpinklettern – ab jetzt immer dabei!

Erst seit kurzer Zeit begleitet mich die ORTOVOX Women’s 2L Swisswool Leone Jacket auf meinen Touren. Als Teil der Ortovox Naked Sheep Linie ist sie komplett auf Funktion und Technik reduziert. Kein Schnickschnack und damit voll meine Welt.

Witzigerweise hatte ich sie im Oktober bei meinem letzten Alpinklettertrip mit Kollegen am Salbitschijen in den Schweizer Alpen dabei. Eigentlich nicht der vom Hersteller angegebene ideale Einsatzbereich, aber gerade da hat sie unglaublich gut funktioniert.

Unser Hüttenaufstieg in der Nacht bei unteren einstelligen Temperaturen war sportlich zügig und ganz schön schweißtreibend. Ich habe die Jacke angelassen, da sie tatsächlich atmungsaktiv ist und die Feuchtigkeit nach außen transportiert hat. Kein lästiges, zeitkostendes An- und Ausziehen war hier nötig.

Am nächsten Tag folgte dann die Klettertour. Im Stand hat sie mich wunderbar warm gehalten und den immer wieder auffrischenden Wind wirklich perfekt abgehalten. Auch gewärmt hat sie mich Frostbeule derart gut, dass meine Daunenjacke im Rucksack blieb. In den Kletterphasen hab ich die Jacke gar nicht bemerkt – 4 Wegestretch olé.

Goldwert für das Alpinklettern: die zwei Fronttaschen. Die sind so groß, dass der Routentopo im A6 Format einfach richtig gut reinpasst und sich jederzeit bequem und unkompliziert rausholen lässt. Im abendlich kalten Abstieg konnte die Jacke ihre perfekte Kombination von Wärme und Atmungsaktivität ausspielen.

Weitere Pluspunkte für recycelbares Material und Bündchen

Am Handgelenk schließen die Bündchen durch das Gummiband schön ab. Das puffige Material nach dem Gummiband schmiegt sich gut an die Hände an und lässt vor allem über Handschuhe angezogen definitiv keine Luft in den Ärmel.

Zusätzliche Pluspunkte gibt für das Material: Dermizax ist aus Polyurethan hergestellt und somit 100% recycelbar. Auch entstehen bei der Produktion (im Gegensatz zur PTFE Membran) keine gesundheitsschädlichen Abfallprodukte. Daumen hoch für die deutlich bessere Ökobilanz!

Was mir fehlt: helmtaugliche Mütze

Die Kapuze ist an sich ist mit seinem Gummibundeinsatz gar nicht schlecht gedacht. Vorne an der Stirn schließt sie somit gänzlich ab und hält die Kapuze sicher am Kopf. Mich persönlich stört allerdings, dass der Gummizug am mittleren Hinterkopf entlang läuft und bei mir drückt.

Was mir ehrlich gesagt noch nicht ganz klar ist: Ortovox empfiehlt die Jacke unter anderem für Hochtouren. Da habe ich zumindest auf dem Gletscher vorbildlicherweise immer einen Helm auf. Wenn die Jacke jetzt ihre volle Leistung und Stärke ausspielen und dann bei Regen und Schnee auch zum Einsatz kommen soll, dann gibt es da ein Problem. Die Kapuze ist nicht helmtauglich und regnet sich dann nur voll. Damit fallen dann leider auch sämtliche andere Aktivitäten mit Helm im Regen raus. Schade.

Mein Fazit

Die Jacke wird definitiv fester Bestandteil meiner künftigen Tourenausrüstung, egal ob auf Hoch- und Bergtouren, beim Alpinklettern oder im Alltag. Besonders dann, wenn man ohne Helm im Regen unterwegs ist oder definitiv weiß, dass es nicht regnet ;)

Im Ernst, ich hätte mir diese Jacke schon für den diesjährigen Patagonientrekkingtrip gewünscht. Da hatten wir viel Regen plus viel Bewegung und das bei sehr niedrigen Temperaturen.

Fest steht: Freiwillig gebe ich die Leone Jacket jedenfalls nicht mehr her.

Mähhhhr drin – Testbericht Ortovox Zebru Jacket

13. Dezember 2018
Ausrüstung

“Viel Spaß beim Testen” steht auf dem Post-It, der auf der Jacke klebt, die ich vor einigen Wochen auf meinem Schreibtisch fand. In blau leuchtete mich die Ortovox Zebru Jacket an. Ein paar Tage zuvor wurde ich als Tester ausgewählt, weil die nächste Hochtour für das Wochenende geplant war.

Bei einem neuen Merino Midlayer und ISPO Gold Award Gewinner braucht es schließlich gute Argumente, warum nicht ein anderer der zahlreichen interessierten Kollegen die Jacke als erster testen sollte.

Der Materialmix macht die Jacke besonderes

Ein Midlayer ist ja eigentlich gar keine Besonderheit und es gibt unzählige mehr oder minder ähnliche Varianten. Für viele Hersteller ist die größte Herausforderung neben der Atom-Reihe von Arc’teryx zu bestehen. Doch während in den meisten Modelle eine Kunstfaser für die Isolation zuständig ist, geht Ortovox seinen eigenen Weg.

Im Inneren der Jacke schlummert mehrheitlich Merinowolle. Genauer gesagt die hauseigene Swisswool, über die auch hier im Basislager schon berichtet wurde. 70% Wolle und 30% Polyester wurden in einem neuen, aufwändigen Verfahren zu einem 70 g/qm Loft verarbeitet. Darin eingearbeitet sind Löcher, die das Innenmaterial flexibel und dehnbar machen.

Der erste Gedanke wenn man die Jacke auspackt: Hui, das Außenmaterial ist aber weich. Der zweite Gedanke: hoffentlich geht das nicht beim ersten Felskontakt kaputt. Es handelt sich um TEC STRETCH – ein Polyamidgewebe, das Ortovox noch recht frisch im Programm hat. Es ist nicht nur strechig, sondern laut Hersteller auch atmungsaktiv sowie wind- und wasserabweisend.

Die Ortovox Zebru: auf Leicht getrimmt

Bei der weiteren Ausstattung der Jacke fällt auf, dass diese auf minimales Gewicht getrimmt wurde. Tatsächlich bekommt meine Jacke in Größe S mit 272 Gramm zwar mit etwas mehr als die Herstellerangabe auf die Waage, liegt aber dennoch rund 100 Gramm unter der Atom LT. Für dieses Gewicht wurde auf Taschen weitgehend verzichtet. Lediglich eine Brusttasche bietet Stauraum, die aber immerhin für eine normale Landkarte oder ein Paar Softshellhandschuhe reicht. Praktisch: Die Brusttasche ist zugleich der Packsack, in dem die Jacke ohne große Mühe verstaut werden kann.

Auch die weitere Konzeption der Jacke lässt den Wunsch nach geringem Gewicht erkennen. Als Reißverschlüsse kommen leichte YKK aus Kunststoff zum Einsatz. Dank kurzen Kordeln mit gummierten Ende lassen sich diese auch mit Handschuhen noch gut greifen. Immerhin wurde der Jacke eine Windschutzleiste spendiert. Auch die Bündchen sind einfach aber funktional gehalten: Weiche Gummibänder sorgen für einen guten Abschluss. Klettverschlüsse oder Gummizüge sucht man jedoch überall vergebens.

Mehr als ein normaler Midlayer

Um es vorweg zu nehmen: Im breiten Praxiseinsatz hat sich die Jacke für mich sehr bewährt. Seit langem schwöre ich im Baselayerbereich auf die positiven Eigenschaften von Merinowolle. Bei Midlayern mit Merinofütterung hatte ich bislang immer das Gefühl, dass diese steifer sind als die Kollegen mit Kunstfaser. Und genau hier macht die Zebru einen Unterschied! Sowohl das Obermaterial als auch die Füllung sind angenehm weich und dehnbar. In Kombination mit dem anständigen Schnitt blieb die Jacke auch bei viel Bewegung da wo sie bleiben sollte.

Lediglich als ich von einem Stand aus meinte, in Jacke weiter klettern zu müssen, war es am Bauch etwas luftig. Fairerweise muss man sagen, dass die Jacke dafür auch nicht gedacht ist. Vielmehr sind Ski- und Hochtouren ihr angestammtes Revier (aber wo soll man diese bei Herbst und Möchtegernwinter, gleichzeitig jedoch hohem Testdrang her nehmen?).

Die Hauptaufgabe eines Midlayers ist ja bekanntlich zu wärmen und dabei möglichst atmungsaktiv zu sein. Meine Hoffnung wurden erfüllt: Hier spielt die Wollfüllung ihre Stärken aus. Im Vergleich zu anderen Jacken hatte ich das Gefühl, dass die Isolationsleistung gut ist.

Wirklich erwähnenswert finde ich jedoch den (natürlich völlig subjektiv wahrgenommenen) höheren Klimakomfort. Insbesondere wenn die Jacke ohne 3rd-Layer getragen wird, staut sich keine Feuchtigkeit und es fühlt sich stets mollig warm an. Es ist schwer zu beschreiben aber es erinnert ein wenig an den Unterschied zwischen einem Daunen- und einem Kunstfaser-Schlafsack: Im Naturprodukt spürt man, wie dieses Feuchtigkeit puffert und Wärme zurückgibt. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich bin überzeugt.

Apropos Daune: Auch im nassen Zustand ist Wolle noch isolierend und übertrifft laut Ortovox sogar die Wirksamkeit von Daune. Damit ist die Zebru auch eine Alternative zu superdünnen Daunen-Midlayern, die man im Aufstieg dann doch manchmal “plattschwitzt”.

Ein gelungenes Standardprodukt mit Stärken im Detail

Im Einsatz lernte ich schnell den hohen Kragen zu schätzen, der bis zur Unterlippe reicht. Trägt man ein Buff-Tuch oder ein Baselayer mit Kragen unter die Jacke, zieht da auch kein eisiger Wind mehr rein. 

Die Kapuze lebt von der Dehnbarkeit der Bündchen und des Materialmixes. Sie liegt eng am Kopf an und wärmt diesen, dank Fütterung, gleich mit. Der Helm kommt im Bedarfsfall einfach drüber –  der Kinnriemen kommt dann zwar naturgemäß mit dem Jackenkragen überquer, aber das ist durch die weichen Materialien vertretbar.

Bei trockener Witterung macht die Jacke (insbesondere auch ohne Hardshell darüber) richtig Freude. Leichter Wind und auch ein paar Tropfen Regen werden problemlos abgehalten, Pulverschnee ohnehin. Damit ist die Zebru eine überaus atmungsaktive und sehr angenehm zu tragende Jacke, die auch bei wechselnden Intensitäten mitkommt. Tatsächlich gibt es Tage an denen die Zebru durchgängig am Körper ist und ein 3rd-Layer darüber die nötigen Variationen ermöglicht.

Ein neues Lieblingsteil

Die Zebru Jacket hat sich innerhalb kürzester Zeit zu einem meiner neuen Lieblingsteile gemausert. Mein neuer Standard für Hochtouren ist damit: Merino-Baselayer auf der Haut, bei richtig kalten Temperaturen ein Merinofleece (bei mir in der Regel ein Ortovox Fleece Hoody), dann die Zebru und darüber bei Bedarf eine Schicht Dermizax. Zur Nacharmung nur empfohlen! 

Was ist das neue PHASEknit von Mammut?

11. Dezember 2018
Ausrüstung

Gefühlt ist es schon ewig her, dass es im Material-Wirrwarr des Outdoor-Markts eine echte Neuerung gab. So eine, bei der einem die Kinnlade runterkippt. Ein wenig mehr Recycling hier, ein bisschen Stretch dort. Aber so einen richtig großen Wurf, den gab es schon länger nicht mehr. Doch das ändert sich jetzt vielleicht…

Denn Mammut hat ein äußerst spannendes Materialkonzept unter dem Namen PHASEknit am Start. Was steckt dahinter? Was ist besonders daran? Und kann der Endverbraucher mit dem Kauf am Ende sogar unmittelbar zur Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche beitragen?

Was ist anders an PHASEknit?

PHASEknit ist eine neue Verarbeitungsmethode, die auf einem alten Strickverfahren (Wirkware) basiert. Wie bei Oma zu Hause, nur mit moderner Produktionstechnik. Ganz neu ist die Idee nicht und wird z.B. bereits bei Fussballtrikots angewendet. Durch die Technik können hybride Materialien fast in einem Guss produziert werden. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand…

Welche Vorteile ergeben sich dadurch?

Unterschiedliche Materialkonstruktionen und Strukturdesigns können einfach miteinander verbunden werden und es werden Nähte eingespart, die später nicht mehr abgedichtet werden müssen. Außerdem sind die Materialien dehnbarer als konventionelle Stoffe. Am Ende der Produktionsstraße hat man ein extrem elastisches, abriebfestes, wasserdichtes und atmungsaktives Material, das sich zu ein-, zwei- oder dreilagigen Materialschichten fertigen lässt.
Ganz konkret kann man durch die Fertigungsweise am Rücken größere Maschen stricken, um mehr Atmungsaktivität zu erreichen, während die Schulterbereiche dichter gestrickt sind, um robuster zu sein. Der Kreativität in der Konstruktionsvielfalt sind kaum Grenzen gesetzt.

Viel versprechende Funktion gepaart mit minimaler Umweltbelastung

Die Stoffe für PHASEknit werden in Deutschland und ohne PFC-Chemikalien hergestellt. Selbst die Membran für das dreilagige Material auf einer lösemittelfreien Polyurethanbasis, wird hier produziert. Mammut setzt auf die hauseigene Membran unter dem Namen „DryTechnology“. Diese überzeugt mit einer 10.000 mm Wassersäule und 20.000 gr/m2/24 Std bei der Atmungsaktivität.

Die Stoffe können genau auf die gewünschte Größe produziert werden und erzielen weniger Verschnittreste, die sonst anschließend in der Tonne landen würden.
Der Strom für die Produktion speist sich laut Mammut komplett aus erneuerbaren Energiequellen (Wind, Wasser und Solar) und sogar Abwasser und Abluft werden aufwändig gereinigt. So erreichen die PHASEknit-Produkte den STANDARD 100 von OEKO-TEX.

In welchen Produkten ist PHASEknit verarbeitet?

Mammut geht aktuell mit einer Hard- und Softshelljacke sowie einer Hardshellhose für Männer und Frauen ins Rennen. Hier kurz und knapp erklärt:

  • Mammut Alvier Flex Jacket Hardshell
    wasserdichtes 3-Lagen Material und abriebfeste Zonen an stark beanspruchten Stellen, wie Schultern, Ellebogen und Hüfte. Eine offene Materialstruktur für ein gutes Körperklima an den Armen und am Kinnbereich.
  • Mammut Alvier Flex Pant Hardshell
    wasserdichtes 3-Lagen Material und abriebfeste Zonen an Knien und Hüften. Offene Strukturen im Schritt und Kniekehlen für ein angenehmens Körperklima.
  • Mammut Alvier Hybrid Flex Jacket Softshell
    winddichtes 3-Lagen Material im Frontbereich. Am Rücken und Armen 2-Lagen für mehr Atmungsaktivät. An den Seiten ist ein 1-Lagen Material für maximale Atmungsaktivität verarbeitet.

Ganz nach dem Motto: „Die Nachfrage regelt das Angebot“ plant Mammut eine Vergrößerung des Sortiments, wenn sich PHASEknit am Markt etabliert. Es könnten also noch weitere Produkte wie z.B. Jacken für den Sommer und Funktionsunterwäsche folgen. Wir dürfen gespannt sein!

In der Preisgestaltung schlägt sich „Made in Germany“, das Nachhaltigskeitskonzept und der aufwendige Produktionsprozess nieder. Um eine Hausnummer zu nennen: die Mammut Alvier Flex Hardshelljacke durchbricht fast die Schallmauer und kommt für 999€ auf den Markt. Nichts für den schmalen Geldbeutel!

Für wen ist PHASEknit gedacht?

Die kurz angesprochenen Modelle richten sich an den ambitionierten Skitourengeher, Bergsteiger und Wintersportler, dem es am nötigen Kleingeld nicht fehlen darf. Dafür bekommt man viel Komfort und Funktion in einer neuartigen Hybridbekleidung.

Wir sind gespannt…

Lohnenswerte Neuheit oder doch nur gutes Marketing? Leider konnten wir bis zur Veröffentlichung des Beitrags kein Testprodukt in die Hand bekommen, daher sind wir selbst schwer gespannt, ob PHASEknit in der Praxis genauso gut abliefert, wie es sich auf dem Papier liest!

Bis dahin: genießt den Winter und habt viele schöne Bergabenteuer!

Noch keine Geschenke? Wie wärs mit ein paar Bergfreu(n)den?

6. Dezember 2018
Kaufberatung

Jo, is denn scho wieder Weihnachten? Jupp, ist es, und damit auch wieder Zeit für Konsumrausch, Verweigerung oder irgendwas dazwischen. Letzteres ist die schwierigste Option, denn hier muss man durchaus nachdenken und die Beschenkten richtig einschätzen, um passende Präsente zu erwischen. Klar im Vorteil sind hier all jene, die Bergfreunde und Outdoorenthusiasten wie uns unter ihren Angehörigen und Freunden haben. Denn bescheiden wie wir sind, kann man uns immer irgendwie zufrieden stimmen ;-P Außerdem gibt es einen riesengroßen und prall gefüllten Geschenkesack, in dem garantiert für Jeden etwas dabei ist. Ich habe da mal reingeschaut und mir einen Haufen Sachen ausgesucht, die ich mir auf jeden Fall gern selber schenken lassen würde ;-)

Der Schwerpunkt liegt dabei eher auf vielseitig verwendbaren Gegenständen. Extreme Spezialitäten wie den Haulbag fürs Bigwallclimbing werdet ihr hier also nicht finden. Auch macht es nicht viel Sinn komplexe Ausrüstungsgegenstände wie Tourenskischuhe, die zumeist individuell abgestimmt sein müssen, mit hineinzunehmen. Andererseits… so eine nagelneue Komplettausrüstung für den Einstieg in die gerade beginnende Skitourensaison hätte auch was, oder?

Es sollen hier auch nicht nur lustige Gadgets sein, sondern auch wirklich nützliche Dinge. Es sollen Kleinigkeiten dabei sein, die nicht die Welt kosten, und dicke Dinger, falls jemand dieses Weihnachten mal richtig Eindruck schinden will. Außerdem ist hier was für Kletterer dabei, für Campingfreaks, für Männer, für Frauen, für die reifere Generation und für Kids. Also, auf geht’s zum Bergfreundegeschenkekauf!

1. Passt immer: Der Bergfreunde-Weihnachtsgutschein

Den Einstieg macht das universale Alleskönnergeschenk, das nie verkehrt sein kann: Der Bergfreunde.de Weihnachts-Gutschein. Auch wenn man keine Idee hat oder nicht weiß, was der zu Beschenkende da genau in den Bergen treibt, sind mit diesem Geschenk leuchtende Augen garantiert. Der Gutschein-Code wird auf einer schönen Karte verschickt und ist unbegrenzt gültig. Der Gutschein-Betrag wird beim Einkauf im Bergfreunde.de Shop nach Eingabe des Gutschein-Codes automatisch verrechnet.

2. Falls der Winter zur Abwechslung mal wieder kalt wird: Winter-Outdoorjacken

  • Als Edelvariante empfiehlt sich die Swisswool Piz Bianco Jacket Winterjacke von Ortovox. Schon die Optik mit den gedeckten Farben verrät es: Hier handelt es sich um etwas richtig Hochwertiges! Die wohlige Wärme der winddichten und wasserabweisenden Outdoorjacke kommt von weichen Merinowoll-Inserts, die sich richtig gut anfühlen und natürliche funktionale Eigenschaften haben. Hinzu kommt eine super Ausstattung, die ebenfalls ein sehr weites Einsatzspektrum ermöglicht. Mehr dazu in der Produktbeschreibung.
  • Die Günstig-aber-gut-Variante: Der Women’s Aden Wintermantel von Helly Hansen. Viel Funktion, angenehme Wärme und einen bewährten Markennamen kann man auch mit kleinerem Budget bekommen. Weitere Infos zu dem Mantel gibt es in der Produktbeschreibung.

3. Endlich Ruhe im Massenlager: Ohrenstöpsel für unterwegs

Mit kleinem Kostenaufwand kann man etwas wirklich wertvolles schenken: Erholsame Nachtruhe. Die Eagle-Creek Ohrstöpsel sind waschbar und wiederverwendbar und kommen im Set mit sechs Plugs im praktischen Aufbewahrungsdöschen.

4. Was nicht passt wird passend gemacht: Mit dem Bear Grylls Gerber Multitool

Wer gleich nach dem Fest zum nächsten Wildnistrip aufbricht, sollte das Gerber Multitool noch einstecken. Schließlich benutzt auch Superman Bear Grylls solch ein Teil, wenn er im Dschungel und in der Wüste mal wieder eine Unterkunft baut, Feuer macht oder Käfern, Skorpionen und anderen Leckerbissen nachstellt.

5. Auch in dunklen Winternächten schön gemütlich: Die LED-Campleuchte

Die Apollo LED-Lampe von Black Diamond glänzt als Multitalent. Bei diesem Exemplar handelt es sich um eine klappbare Steh- und Hängelampe, die in alle Richtungen für bis zu 225 Lumen an blendfreiem Licht sorgt.

6. Funktionale und stimmungsvolle Winterklamotten

Wer nicht nur Wärme und Funktion, sondern auch stimmungsvolles Design mit Winter- und Gebirgsmotiven sucht, sollte sich mal bei der deutschen Edelschmiede mit dem Schweizer Bergdorf im Namen umschauen. Bitte hier entlang: Zum Bergfreunde-Maloja-Shop.

7. Überall sauberes Trinkwasser: Der Katadyn Pocket Filter

Bei etwas so Wichtigem wie sauberem Trinkwasser verlässt man sich gern auf ein richtig edles Schweizer Markenprodukt wie den Katadyn Pocket Filter. Der hat zwar seinen Preis, doch wenn man bedenkt, dass hier 50.000 Liter Wasser ohne Filterwechsel gereinigt werden, zahlt sich die Sache ganz sicher aus. Und nebenbei ist man mit dieser unabhängigen Wasserversorgung auch noch für den nächsten Weltuntergang gerüstet.

8. Für die langen Winterabende braucht es gute Bücher

9. Kalender

Wer das ganze Jahr über „on Fire“ bleiben will, greift zum Kalender. Im Bergfreunde-Kalender-Shop gibt es eine kleine aber feine Kalenderauswahl für Bergsportdisziplinen wie Klettern, Running oder Bouldern.

10. Immer voller Durchblick: Echo Pocket Mini-Fernglas

Eher ein schönes Spielzeug als wirklich notwendig, dafür aber auch wirklich klein und leicht: Das Brunton Echo Pocket Scope. Es passt in die Jackentasche und bietet dennoch gute Vergrößerungswerte!

11. Unverzichtbare Winterbegleiter: Fäustel und Fingerhandschuhe in einem

Vielseitiger als die Roeckl Kadane Handschuhe geht’s kaum, denn die taugen fürs Fahrrad genauso wie für den Alltag und den Berg. Möglich macht es die integrierte „Kapuze“ (der über die halboffenen Finger klappbare Fäustel). Wenn beim Hantieren mit GPS, Taschenmesser und Pausenstullen oder während einer Klettereinlage freie Finger gefragt sind, klappt man ihn einfach zurück und fixiert ihn am Klettverschluss auf der Oberhand. Funktioniert super, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

12. Gefütterte Hüttenschuhe mit Kunstfaserfüllung

Heimelige Gemütlichkeit auch im eiskalten Basecamp, Biwak oder Winterraum – geht sowas? Ja, sofern man die Camp Booties von Exped im Gepäck hat – kuschelig-warme und weiche „Hausschuhe“ mit Kunstfaserfüllung. Dank ihrer rutschfesten Sohle ist auch der Toilettengang nach draußen kein Problem.

13. Outdoor-Besteckset: Gute Tischmanieren auch in der Wildnis

Das KUPILKA – Geschenkset besteht aus Tasse, Untersetzer, Löffel und sorgt für Flair beim Campen und Picknicken. Es besteht aus einem neuartigen Verbundmaterial aus Kiefernholzfasern und dem Kunststoff Polypropylen, wodurch es unter anderem spülmaschinenfest und recycelbar ist.

14. Creme statt Staub: Dickflüssiger Chalk von den Bergfreunden

Mit dem LiquidChalk von Bergfreunde.de macht man sich und den Mitkletterern in langen winterlichen Hallensessions eine Freude. Man selbst hat staubtrockene Grip-Finger und die Anderen keinen Feinstaub in der Lunge. Und wenn es hart auf hart kommt, deckt man damit schnell noch einen Pickel ab ;-)

15. Weihnachtliche Leckereien

Warum nicht mal ein paar schöne Energieriegel statt der üblichen langweiligen Plätzchen? Okay, nicht wirklich, an Weihnachten bleiben wir lieber bei „richtigem“ Zuckerkram. Doch für unterwegs und draußen macht spezielle Trekking- und Outdoor-Nahrung oftmals Sinn. Das Zeug ist leichter, haltbarer, einfacher zu lagern, praktischer portioniert, schneller zubereitet und schmeckt manchmal trotzdem richtig anständig. Und dank all dieser Vorzüge lässt es sich auch sehr gut als Geschenk verpacken ;-)

Bei unserer Shopauswahl ist vom Müsli zum Frühstück mit fertigem Milchpulver, über Nudel- und Fleischgerichte, bis hin zu vegetarischem und veganem Trekking-Essen für jeden Kletterer, Wanderer oder Expeditionsteilnehmer das Richtige dabei.

16. Die berüchtigten Socken – aber anders!

Mut zum Klischee – mit Socken zu Weihnachten! Aber nicht mit irgendwelchen Socken, sondern mit den richtig sportlichen und fetzigen Winter Run Kompressionssocken für Läufer, Trailrunner und Skitourengeher! Die sehen zwar nicht so putzig aus, haben aber einiges mehr drauf als Omas Selbstgehäkelten vom letzten Jahr. Überzeugt euch selbst – beispielsweise mit den cep Winter-Kompressionssocken.

17. Farbenfrohe Trinkflasche für die Kurzen

Die Kids Wide Mouth von Hydro Flask Trink- und Thermosflasche ist praktisch und macht auch in der Schule einen coolen Eindruck. Und sie wartet mit kleinen Extras auf, die für die Kids von Vorteil sind.

18. Für die großen Jungs und Mädels: Der Fiskars Axt- und Messerschärfer

Mit diesem Teil machen Rechts- und Linkshänder nicht nur Messer, sondern auch Äxte wieder fit. Sehr einfach und intuitiv in der Bedienung, liefert der Fiskars Nachschärfer auch für Laien gute Ergebnisse. Ein super Geschenk für Bastlernaturen, die es kaum erwarten können gleich nach der Bescherung mit dem Schleifen loszulegen!

So, bis hierhin hat der Blick in den großen Bergfreunde-Jutesack hoffentlich für Jede und Jeden was Passendes zutage gefördert. Falls ich ein wirklich wichtiges Weihnachts-Must-Have übersehen haben sollte, gerne rein damit in die Kommentare!

Materialinfo Aramid/Kevlar – Ein Superheldenmaterial im Outdoorsport?

31. Oktober 2018
Ausrüstung

Ein leichtes, schnitt- und stichfestes Gewebe, verwendbar für schusssichere Westen, feuerfeste Verstärkungen oder Beschichtungen für Flugtriebwerke: auf den ersten Blick eignet sich Aramid mit seinem Handelsnamen Kevlar eher für Superheldenkostüme als für Outdoor-Breitensport. Doch die Eigenschaften dieses ganz speziellen Materials lassen sich für viele Outdoorprodukte nutzen – von Handschuhen über Hosen, Helme und Rucksäcke bis hin zu Reepschnüren. Auf jeden Fall lohnt es sich diesen Kunststoff mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was ist Aramid?

Salopp gesagt ist Aramid eine Unterart der Polyamide und damit ein weiterer der zahlreichen Kunststoffe, die auf Erdöl-bzw. Kohlenwasserstoffbasis bestehen. Bei Wikipedia klingt die Definition präziser, aber auch sperriger:

Aramide, auch Polyaramide oder aromatische Polyamide genannt, sind Polyamide, bei denen die Amidgruppen an aromatischen Gruppen gebunden sind. Aramide zählen zu den Flüssigkristallpolymeren (FKP). Die wichtigsten Typen sind Poly(p-phenylenterephthalamid) (PPTA, Handelsnamen: Kevlar, Twaron) und …“

Warum die Dinger „aromatisch“ genannt werden? Gute Frage! Es liegt tatsächlich daran, dass diese Stoffgruppe (zumindest in Teilen) gern intensive, oft als angenehm empfundene, (Duft)Aromen freisetzt. Doch wir sind weniger am Geruch, sondern eher an den funktionalen Eigenschaften interessiert. Und von diesen Eigenschaften gibt es so einige, auf die wir im Folgenden noch näher eingehen werden.

Zuvor aber erstmal noch ein paar Infos zu der Schmiede von Aramid: Mitte der Sechziger Jahre forschte man beim amerikanischen DuPont Konzern intensiv an der praktischen Verwendbarkeit von Aramiden. Dabei wurde Kevlar, die bekannteste Aramidfaser, enwickelt und zur Produktstreife gebracht. Kevlar dürfte der einzige Handelsname sein, der Bergfreunden eventuell schon einmal zu Ohren gekommen ist, denn diese Aramidfaser wird auch in Outdoor- und Bergsportprodukten verarbeitet. Genauer gesagt findet man in diesem Bereich nur Kevlar, weshalb wir uns in der weiteren Betrachtung auch hauptsächlich auf diese Markenfaser konzentrieren. Andere Aramidprodukte wie Nomex, Teijinconex, Twaron oder Technora sind eher für Modellsportfreunde, Feuerwehrleute, Soldaten und Astronauten interessant…

Herstellung

Vielfältig und komplex – so könnte man die Herstellungsverfahren von Aramiden zusammenfassen. Hauptsächlich werden sie als Fasern, seltener als Folien, hergestellt. In der Werkstoffkunde unterscheidet man Niedermodul- und Hochmodulfasern, deren funktionalen Eigenschaften etwas voneinander abweichen.

Hochmodulfasern werden „aus einer flüssigkristallinen Lösung von polyparaphenylenen Terephthalamiden in konzentrierter Schwefelsäure versponnen. Nach der Oberflächenbehandlung werden HM-Fasern zusätzlich mechanisch gereckt, wobei ein hoher Orientierungsgrad der Einzelfibrillen erreicht wird.“ Der „hohe Orientierungsgrad“ ist als sehr saubere Musterung der Fasermatrix sichtbar. Die exakte Geometrie ist für Aramidgewebe ebenso charakteristisch wie die goldgelbe Farbe. Damit sind wir auch schon bei den Eigenschaften angekommen.

Eigenschaften

In der Eigenbeschreibung ihres Kevlar-Produktes hebt die Firma DuPont hervor, dass man mit diesen Fasern „besser, fester und sicherer“ unterwegs sei: „Sie werden dazu verwendet, Kleidung, Zubehör und Ausrüstung sicher und schnittfest zu machen. (…) Sie werden ebenso auf Skihängen, Bahnstrecken, in anspruchsvollen Wüstengebieten, ja sogar in den unendlichen Weiten des Alls eingesetzt.

Der breite Einsatzbereich kommt durch die hohe (Zug)Festigkeit, hohe Schlagzähigkeit, hohe Bruchdehnung, gute Schwingungsdämpfung und Hitzebeständigkeit der Aramide zustande. Statt zu schmelzen, beginnen sie erst bei etwa 400 °C zu verkohlen. Auch Lösungsmittel, Kraftstoffe, Schmiermittel, Salzwasser sowie Pilze und Bakterien können den Aramidfasern nicht viel anhaben. Lediglich von einigen starken Säuren und Laugen werden sie angegriffen. Man könnte entsprechend sagen, dass das Zeug wirklich hart im Nehmen ist.

In Sachen Druckfestigkeit liegen Aramidgewebe allerdings nur im Mittelfeld der Kunststoffe; bei UV-Beständigkeit und Wasseraufnahme (bis zu 7 %) schneiden sie sogar ziemlich schlecht ab. UV-Einstrahlung führt relativ schnell zu bis zu 75 % der Festigkeit. Dem lässt sich jedoch mit UV-absorbierenden Deckschichten bzw. einer Verarbeitung als Laminat relativ einfach entgegenwirken. Generell ist Aramid gut kombinierbar mit anderen Stoffen, wodurch sich die Funktionalität in viele Richtungen optimieren und erweitern lässt.

Verwendung

Die speziellen Eigenschaften prädestinieren Aramid für eine große Bandbreite an Verwendungen. So kommt es zum Beispiel in der Industrie und im Bauwesen in unzähligen Teilen zum Einsatz. Im Sport- und Outdoorbereich werden besonders die Zähigkeit, Zugfestigkeit und das geringe Gewicht des Materials geschätzt. Aramidfasern werden so zum Beispiel in Reepschnüren, Fangleinen für Gleitschirme, Segeln, Fahrradreifen usw. verwendet.

In den Textilien dienen Kevlar-Elemente vor allem als Verstärkungen, die den Körper schützen und die Lebensdauer der Kleidungsstücke erhöhen. Besonders beliebt sind die Kevlar-Verstärkungen bei Fahrrad-, Motorrad- und Rennsportkleidung sowie an besonders beanspruchten Stellen von Outdoorhosen und Rucksäcken. Als Nähte kommen Kevlarfasern in Klettersteig- und Skihandschuhen zum Einsatz.

Mit der Zähigkeit des Materials geht allerdings eine gewisse Steifheit einher, die besonders im Outdoorbereicht nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile mit sich bringt. Anschaulich wird das am Beispiel der relativ neuartigen Kevlar-Reepschnüre, die es auch als fest vernähte Schlingen in verschiedenen Größen gibt. Sie bestehen im Kern aus Aramid, während sich der Mantel, wie bei „normalen“ Reepschnüren und Seilen, aus Polyamid zusammensetzt. Der Aramidkern ist bräunlich und so vom herkömmlichen, blendend weißen Polyethylenkern des üblichen Schnur-, Seil- und Bandmaterials leicht zu unterscheiden.

In der Ausgabe 5/2014 des DAV Panorama Magazins wurden als Vorteile die hohe Festigkeit und hohe Kantenschnittfestigkeit hervorgehoben. Hinzu kommen eine besondere Abriebfestigkeit, hohe Hitzbeständigkeit und eine Zugfestigkeit, die weit über der von Polyamidschnüren liegt. Kevlar-Reepschnüre bieten bei gleichem Durchmesser auch eine weitaus höhere Bruchlast als herkömmliche Reepschnüre.

Als Nachteil nennt das Panorama Magazin die, im Vergleich zu reinen Polyamidschlingen, größere Mantelverschiebung. Außerdem ist „das quasi-statische Material … nicht geeignet zum Sichern für dynamische Belastungen (Vorstieg).“

Wegen der Steifheit ist Kevlar nicht als Material für Bandschlingen geeignet und wegen der fehlenden Elastizität (genauer: Bruchdehnung) nicht als Seilmaterial. Die Steifheit wird jedoch zum Vorteil, wenn die Kevlarschlinge zum Fädeln enger Sanduhren, oder für eine Abalakow-Eissanduhr zum Abseilen, verwendet wird.

Fazit

Wenn es auf Stabilität, Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Sicherheit ankommt, ist Aramid/Kevlar ein kaum zu übertreffendes Material. Seine spezifischen Eigenschaften erweisen sich im Bereich Outdoor und Bergsport in bestimmten Verwendungen und Situationen als vorteilhaft, in anderen wiederum nicht. Seine Verwendungsmöglichkeiten sind hier nicht ganz so vielseitig wie in Rad- und Motorsport, Arbeitsschutz und anderen Bereichen.

Die richtigen Schuhe für den Klettersteig!

4. Oktober 2018
Kaufberatung

Zum Teil gibt es für die Besteigung des Klettersteiges spezielle Ausrüstung; so zum Beispiel die Klettersteigbremse. Den größten Teil des Materials, wie Kleidung, Rucksack oder Gurt, haben Bergfreunde allerdings schon vom Klettern oder Bergsteigen her im Schrank. Wie sieht es da mit den Schuhen aus? Kann man die Zustiegsschuhe vom Alpinklettern hernehmen? Oder die steigeisenfesten Bergstiefel von den letzten Hochtouren? Gibt es überhaupt eine eigene Schuhkategorie namens „Klettersteigschuh“? Wenn ja, wie unterscheidet sich die Kategorie von anderen Bergschuhen und braucht man das dann wirklich überhaupt?

Fragen über Fragen, die ich nun für euch beantworten möchte.

Was ist der Unterschied? Was macht den Klettersteigschuh aus?

Die meisten Klettersteigschuhe unterscheiden sich nur in kleinen Details von gewöhnlichen Bergschuhen und sind irgendwo im Bereich zwischen leichten und weichen (und bei Hitze angenehmeren) Approach/Zustiegsschuhen und Trekkingstiefeln anzusiedeln. Die leichten Modelle eignen sich meist auch für (leichtes) Klettern, die schweren auch für Berg- und Hochtouren. Man kann viele Klettersteige natürlich auch mit normalen Bergschuhen begehen, doch empfehlenswert ist das höchstens für leichte und eher seltene Klettersteigeskapaden.

Die Hersteller fertigen Klettersteigschuhe in der Regel mit einer festeren Sohle und einem engeren Schaft als „normale“ Wander- und Trekkingschuhen an. Damit sollen sie besser für langes Steigen und Klettern geeignet sein, während Letztere bekanntlich für langes Gehen ausgelegt sind.

Grundsätzlich ist ein guter Klettersteigschuh eher ein Generalist als ein Spezialist. Man tritt ja bei der Begehung eines Steigs nicht nur auf Felstritten, Leitern und Eisenstiften an, sondern legt auch einen guten Teil des Weges auf „ganz normalen“ Bergpfaden zurück. Und es gibt durchaus genügend Klettersteige, für deren Begehung man durch wegloses Gelände oder gar Eis und Schnee muss. Unter diesen Umständen sollte man dann entweder einen besonders vielseitigen Schuh am Fuß haben oder eventuell sogar ein leichtes und flexibles Paar Approachschuhe mit einem (steigeisen)festen und steifen Bergstiefel kombiniert werden.

Als Faustregel kann man festhalten, dass ein fester Schuh mit fester Sohle und relativ hohem Stand der Füße weniger Präzision beim Auftreten, dafür aber kraftsparendes Stehen auf kleinen Tritten und Stiften bietet. Speziell für schwere Personen ist das wesentlich kraftsparender zu handhaben als ein weicher Schuh. Um es vereinfacht kurz zu fassen: je mehr direkter Felskontakt, desto weicher sollte der Schuh sein. Je mehr hochalpines Gelände, desto steifer (und steigeiesentauglicher) darf er sein.

Es macht deshalb Sinn sich vor dem Kauf zu überlegen welche Art Klettersteige (siehe Schwierigkeitsgrad) man mit den künftigen Schuhen bevorzugt angehen will. Dafür kann man sich die drei folgenden Fragen stellen: Wie lang werden die Zu- und Abstiege sein? Wie lang und sportlich werden die Klettersteig- und Kletterpassagen sein? Soll es hoch hinaus gehen?

Damit lassen sich dann folgende Überlegungen, was so ein Klettersteigschuh alles können muss, optimal einbringen:

Was müssen sie können?

Ganz klar: Auf glänzenden oder rostigen Eisenstiften, Stahlbügeln, Leitersprossen sowie Spitzen, Ecken und Kanten aller Art müssen die Klettersteigschuhe solide stehen. Und das bei voller Gewichtsbelastung. Nicht einmal, nicht zehnmal, sondern hunderte von Malen auf jeder Tour. Damit ist sonnenklar: die Verarbeitung muss zuverlässig stabil sein, vor allem an Nähten und Klebestellen.

Zum eigentlichen Klettersteig kommen wie gesagt noch Zu- und Abstieg hinzu. Die Schuhe müssen deshalb nicht nur stabil und gleichzeitig „gefühlvoll“ für den Steig sein, sondern auch  für das übrige Berggelände gut dämpfen und abrollen. Faustregeln, die ohne Wenn und Aber gelten, sind:

  1. Ein hoher Schaft, der mindestens über die Knöchel reicht, schützt besser vor dem Umknicken in unwegsamen Geländen.
  2. Der Schuh muss fest aber dennoch möglichst bequem sitzen. Im Zehenbereich muss genug Platz sein, um beim bergab gehen nicht vorne anzustoßen. Hier ist eine gut regulierbare Schnürung, die möglichst weit nach vorne-unten reicht, von Vorteil.

Ansonsten sind je nach Schwierigkeitsgrad und Terrain der anvisierten Klettersteige teilweise abweichende Eigenschaften und Schwerpunkte gefragt. Die Auswahl reicht von Allround-Alpinschuhen mit hohem Schaft bis zu leichteren und bei Hitze angenehmeren Approachschuhen, die „eigentlich“ für die Zustiege zu Klettertouren gedacht sind.

Egal welcher Schuh, am wichtigsten ist, dass er rutschfest sitzt und dass er im vorderen Teil genug Haltekraft aufbauen kann, um auf kleinen Tritten, Leisten und Vorsprüngen Halt zu finden. Aus diesen Gründen werden zumeist etwas enger geschnittene Modelle empfohlen. Generell gehen die Klettersteigschuh-Empfehlungen meist in Richtung Wanderschuhe der Kategorien B oder B/C mit einer griffigen Kletterzone im Profil.

Um das etwas zu präzisieren und auf den Einzelfall abzustimmen, gehen wir nun die Schuhdetails durch:

Sohle

Hier ist die eierlegende Wollmilchsau gefragt: die Sohle muss sowohl verwindungssteif als auch klettertauglich sein. Damit die Füße genügend Gefühl für den Untergrund erhalten, darf die Sohle nicht zu hoch bzw. zu dick sein. Hierfür kommen eigentlich nur die „mittelharten“ und mittelhohen Sohlen von Kategorie B oder maximal B/C-Bergschuhen infrage.

Das Profil muss von vorn und innen genug Reibung zum Auftreten am Fels besitzen. Gleichzeitig sollte er allerdings auch griffig genug für die Zu- und Abstiege über Geröll, Schrofen, erdigen Untergrund, Schnee und feuchte Wiesen sein. Klingt kaum machbar, doch da die Sohle genau wie der menschliche Fuß sehr gut in verschiedene Zonen eingeteilt werden kann, lässt sich diese vielschichtige Herausforderung durchaus meistern.

Eine zonierte Sohle ist ein Hauptmerkmal guter Klettersteigschuhe. Der vordere Bereich sollte für leichtere und mittlere Klettersteige fest und steif sein, um kraftsparenden Stand auch auf kleinen Felsvorsprüngen zu gewährleisten.

Je sportlicher das Niveau der Steige wird, desto mehr Flexibilität ist im Vorfußbereich gefragt. Die Flexibilität ist notwendig, um einen guten Antritt „auf Reibung“ zu haben. Den Spagat zwischen diesen Anforderungen schafft eine kleine Reibungszone ohne Profil und eine leichte nach oben gezogene vordere Abrundung der Sohle. Die Reibungszone befindet sich dabei unterhalb des großen Zehs (und evtl. noch am Innenballen).

Unterhalb des Mittelfußes und der Ferse muss die Sohle tief profiliert sein, um Halt im Gelände und auf den Steighilfen zu geben. Im Übergang zwischen Ballenbereich und Absatz sollte sich eine ausgeprägte Vertiefung – der so genannte Trittleitersteg – befinden. Die Vertiefung verhindert das Abrutschen auf (nassen) Eisenstiften und Leitersprossen.

Schaft

Der Hauptunterschied zu Trekking- und Wanderschuhen ist bei Klettersteigschuhen eine etwas schlanker geschnittene und exakt anpassbare Zehenbox. Sie sollte nur so groß sein, dass die Zehen beim Abstieg nicht vorne anstoßen.

Ansonsten unterscheiden sich die Anforderungen an den Schaft je nachdem, wie sportlich-felsbetont es zugeht und wie hoch die Klettersteige gelegen sind. Für die Fun-Klettersteige in der Nähe von Talorten reicht ein relativ niedriger und „luftiger“ Schaft mit viel Bewegungsfreiheit. Für den hochalpinen Bereich mit den niedrigeren Temperaturen und dem losen Geröll darf es hingegen gern etwas geschlossener und geschützter sein. In letzterem Falle erhöht ein den Schaft umlaufender Gummirand (Geröllschutzrand) die Lebensdauer der Schuhe deutlich.

Idealerweise ist der klettersteigtaugliche Schaft, aufgrund des oft schrägen Antretens und Stehens, etwas beweglicher als bei normalen Wanderschuhen. Viele Klettersteig-Modelle bekannter Marken wie La Sportiva oder Lowa erfüllen diese scheinbar widersprüchlichen Anforderungen bemerkenswert gut.

Wie bei Bergschuhen sollte auch hier der Schaft atmungsaktiv und wasserabweisend sein. Allerdings hat die Atmungsaktivität bei Bergschuhen ein größeres Gewicht, da Klettersteige nur sehr selten bei unsicheren Wetteraussichten angegangen werden. Wer Klettersteige überwiegend als Tagestouren in nicht allzu großer Höhe plant, kann dampfdurchlässige Klettersteigschuhe mit Membran-freiem Mesh-Innenfutter in Betracht ziehen. Bei mehrtägigen und/oder hochalpinen Touren und zu erwartenden Querungen von Schneefeldern sieht das natürlich anders aus. Dann steht die Wasserdichtigkeit wieder höher in der Prioritätenliste.

Textil oder Leder? Beides!

Beim Material hat man die Wahl zwischen textilen Kunststoffen und Leder. Textilelemente sind preiswerter, da sie leichter zu konstruieren und zu verarbeiten sind. Das Leder bietet auch ohne Membranen Wasserresistzenz, Atmungsaktivität und ein angenehmeres Trageklima bietet.

Häufig kombiniert man die beiden Materialien, um die jeweiligen Vorteile punktgenau und effizient zu nutzen. Im Bereich der Zehen, Fersen und Sohlenränder ist Leder ideal, da es formstabiler und abriebfester ist. An der Lasche bzw. Zunge des Schuhs ist wiederum Textil von Vorteil, da es weicher, leichter und beweglicher ist. Bei fast allen in Deutschland verkauften Klettersteig- und Approachschuhe wird der Schaft als Textil-Leder-Gemisch mit einer Membran-Zwischenlage (meist GoreTex) gefertigt.

Schnürung

Eine leichte und genau zu justierende Schnürung hilft, den Schuh so passgenau an den Fuß zu bringen wie man ihn in den wechselnden Situationen braucht. Gute Klettersteigschuhe haben daher eine weit nach vorn in den Zehenbereich reichende Schnürung. Ansonsten ist das Schnürsystem der Klettersteigschuhe mit dem der „normalen“ Bergschuhe weitgehend identisch.

In der Regel sorgt die Kombination aus unten angebrachten Schlaufen und oben angeordneten Haken für eine gute Anpassbarkeit. Daneben sorgt meist ein Tiefzughaken für ein optimales Andrücken der Ferse. Schnürungen, die sich mit einem einzigen Zug über den gesamten Fuß hinweg ziehen, sind besonders komfortable aber nicht unbedingt erforderlich.

„Nur“ Klettersteige oder mehr?

Je nachdem wie viel (hoch)alpines Terrain (abgesehen von den Klettersteigen) auf dem Plan steht, braucht es unterschiedliche Klettersteigschuhe. Führen die Steige durch Eis- und Schneegelände oder gar Gipfel, die mit Gleterschpassagen im Abstieg aufwarten, sollten die Treter steigeisenfest sein. Hierfür reichen meist simple Eisen mit Riemenbindung. In der Regel kann man hier mit der Wahl der zuvor genannten Kategorien B und B/C nichts falschen.

Bei den manchmal noch weiteren Zustiegs-/Approachschuhen, die für kürzere, kletter- und sportbetone Steige optimal sind, sollte man genau hinschauen und eventuell auch nachfragen. Sie können unter Umständen um zu weich sein, um eine Riemebindung stabil zu befestigen.

Was sagen die Experten?

Bis hierhin sollte deutlich geworden sein, warum die eingangs gestellten, scheinbar einfachen Fragen gar nicht immer so eindeutig zu beantworten sind. Auch bei Klettersteigen begegnet man nämlich immer wieder der unsicheren Floskel: „Kommt drauf an …“.

Um die Entscheidung etwas leichter zu machen, lassen wir abschließend noch kurz die unabhängigen Tester vom Alpin Magazin zu Wort kommen:

Es heißt immer, die eierlegende Wollmilchsau gebe es nicht. Einige Hersteller kommen bei den Schuhen dem Ziel aber schon sehr nahe. Begeistert waren wir vom Scarpa Marmolada. Ein bequemer Schuh, der sehr gut abrollt, gleichzeitig aber am Klettersteig aufblüht und sehr guten Halt vermittelt. Auch der Garmont Vetta ist ein toller Schuh für Ferratisten; leicht und mit sehr gutem Halt – aber eher für schmale Füße. Unser Allround-Tipp.

Für sportliche Nutzer empfiehlt Alpin die Modelle Adidas TX Scope High und Five Ten Guide Teenie Mid. Sie sind nach Ansicht der Tester „weich und flexibel und verlangen mehr Kraft, um auf Leisten zu stehen, und geben deutlich weniger Halt. Wer so etwas sucht, ist mit den Modellen gut beraten, für Anfänger ist das nichts.

Die Kollegen vom Bergsteiger Magazin teilen die Klettersteigschuhe in zwei Gewichtsklassen ein:

  • leichte Modelle für schwere (Fun)Klettersteige, die in Größe 45 ca. 1050 g und aufwärts wiegen
  • schwere Alpin-Modelle, die sich in ähnlicher Größe bei mindestens 1700 g einpendeln

Einen kleinen Querschnitt durch diese riesige Auswahl gibt es auch in unserer Klettersteig Packliste. Habt ihr noch Fragen, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren stellen.

Wenns halten muss: Alles über Steigeisen

2. Oktober 2018
Kaufberatung

Angeblich haben ja die Römer schon um 300 n. Chr. das Steigeisen erfunden, da deren Spione offenbar häufiger mal in steilem Gelände herumgeschnüffelt haben. Heute werden die gezackten Steighilfen eher für unpolitische Kraxeleien benutzt, die klassischerweise über Gletscher, Schneefelder und Firngrate auf alpine Gipfel führen. Aber auch sonst kommen Steigeisen immer dann zum Einsatz, wenn der verschneite oder vereiste Untergrund hart gefroren und/oder steil ist.

Dabei wird viel von den Steigeisen abverlangt: beim Aufstieg sollen sie gut greifen, fest am Schuh halten, bei Felskontakt nicht stumpf werden und beim Abstieg im aufgeweichten Schnee nicht rutschen. Stollen sollen sie natürlich auch nicht bilden und obendrein dürfen sie auch gerne möglichst leicht und klein verpackbar sein. Mit Stollen meine ich übrigens keine weihnachtlichen Backwaren, sondern die lästigen und manchmal gefährlichen Schneeklumpen, die sich bei weichem Firn und Schnee gern unter den Eisen bilden. Entfernt man sie nicht mit Pickelschlag oder Schuhklopfer, kann das Eisen zu einem Stück Schmierseife auf dem Abstiegsweg werden. Über solche kleinen potentiellen Tücken sollte man vor dem Kauf Bescheid wissen – indem man Material, Aufbau und Arten von Steigeisen kennt. Also, legen wir los:

Materialien

Beim Material gibt es zwei Alternativen: belastbare und langlebige Edelstahl-Legierungen (meist Chrom-Moly-Stahl) oder leichtes Aluminium. Eine dritte Variante wäre Titan. Titan ist eigentlich eine prima Sache, da es leichter als Stahl und fester als Aluminium ist. Doch da Titan um ein Mehrfaches teurer ist, sind Titaneisen auf dem „normalen Markt“ derzeit kaum zu bekommen.

Die Standardlösung für den Allround-Einsatz lautet Stahl. Dieses Material „beißt“ gut und bietet viel Halt, während die als Leichtsteigeisen firmierenden Alumodelle nur für Touren ohne viel Blankeis und Felskontakt (d.h. in eher flachen Hängen) gedacht sind. Die Alumodelle bieten beim Gehen in der Vertikalzackentechnik (hier wird der ganze Fuß aufgesetzt) und auf hartem Eis zwar einen soliden „Biss“, werden aber schneller stumpf und können sich auch durchaus mal verbiegen. Der Gewichtsvorteil ist allerdings erheblich: während Stahleisen meist an der Kilogramm-Marke kratzen, sind Alueisen schon ab 350 g zu haben. Auch der Tragekomfort der weniger starren Alumodelle mit ihren flexibleren Bindungen ist höher.

Einige Hersteller wie Petzl bieten Hybridsteigeisen an, bei denen ein Stahl-Vorderteil mit einem Alu-Hinterteil kombiniert wird. Sie bieten eine erhebliche Gewichtseinsparung, ohne allzu viel an Performance in hartem und steilem Eis einzubüßen.

Aufbau und Formen

Rahmen

Wo wir gerade von Vorder- und Hinterteil reden: das sind die beiden Metallstücke unter Vorderfuß und Ferse des Bergschuhs, aus denen der Rahmen des Steigeisens besteht. Die Rahmenstücke sind entweder starr (für steiles, hartes Eis) oder beweglich (für weicheren Firn und Schnee) über eine Schiene miteinander verbunden. Diese Schiene (auch Steg genannt) ist meist der Fußform entsprechend leicht gekrümmt, mit zahlreichen Löchern perforiert und mittels eines Feder-Stahlclips in der Länge verstellbar. Je nach Form und Anzahl der Löcher kann die Größenanpassung sehr fein an den Schuh abgestimmt werden. Für viele Steigeisen gibt es auch extra lange Stege für extra lange Schuhgrößen.

Eine ganz besondere Lösung hat Petzl hier wieder gefunden: die Stahlschiene wird bei dem revolutionär leichten und kompakten Petzl Leopard Firnsteigeisen einfach durch Dyneema Schüre ersetzt. Diese erlauben eine Längenverstellung durch einfaches umfädeln.

Je beweglicher der Rahmen (und der Bergschuh), desto komfortabler ist das Gehen. Allerdings schließt diese Bewegungsfreiheit auch die sehr hohe Wahrscheinlichkeit mit ein, dass sich das Eisen vom Schuh löst. Am Rahmen sind die 8 bis 14 Zacken angebracht, die je nach Modell für soliden oder bombenfesten Halt im Eis sorgen.

Die Rahmenbreite kann je nach Bindungstyp schmaler oder genauso breit wie der Schuh sein. Ein breiterer Rahmen sorgt für solideren Stand und mehr Sicherheit beim Gehen. Das kann auf unregelmäßigem Untergrund (z.B. beim Queren einer Moräne) durchaus eine Rolle spielen, da man auf den Eisen höher steht und die Gefahr des Umknickens größer ist. Die Höhe des Stands hängt bei hartem Untergrund von der Länge der Vertikalzacken ab – je kürzer sie sind, desto natürlicher ist das Gehen.

Zacken

Aus dem letzten Satz war es schon herauszulesen: die Vertikalzacken sind diejenigen, die vom Fuß senkrecht nach unten zeigen. Sie sind normalerweise mehr oder weniger symmetrisch längs an den Seiten angeordnet. Hinten am Rahmen befinden sich üblicherweise zwei quer gestellte Vertikalzacken. Die Vertikalzacken sorgen bei jeder nicht-kletternden Fortbewegung für den Halt auf dem Eis. Deshalb wird das „normale Gehen“ bis etwa 35 Grad Hangsteilheit auch als Vertikalzackentechnik bezeichnet.

Die vom Rahmen aus nach vorn ausgerichteten Front(al)zacken bzw. Vorderzacken sorgen bei Eis ab etwa 35 Grad Steilheit für einen sicheren Halt. Sie werden meist mit einem lockeren Pendelschlag aus dem Knie heraus ins Eis getrieben. Bei anspruchsvolleren Hochtouren können das Gletscherbrüche oder Eisflanken sein (von denen es in den Alpen allerdings im Sommer immer weniger gibt).

Die Frontzacken gibt es wiederum in zwei Versionen: senkrecht aufgestellt oder horizontal ausgerichtet. Die senkrechten Frontzacken ähneln den Hauen von Eisgeräten und bieten unübertroffenen Halt in hartem Steileis. Bei weniger steilem und weicheren Untergrund bieten sie allerdings weniger Halt als die herkömmlichen, waagerecht liegenden Frontzacken, welche für bestmöglichen Halt leicht nach unten gekrümmt sein sollten. Meistens werden die vertikalen Frontzacken jedoch durch Sekundärzacken oder T-Profile unterstützt, die die eingebüßte Bodenhaftung auf Schnee wieder ausgleichen.

Die horizontalen Frontzacken laufen oft schmal und spitz zu. Bei Eisen, die besonders auf guten Halt im Schnee ausgelegt sind, läuft die Spitze jedoch von oben betrachtet breit zu und ist nur von der Seite betrachtet scharf.

Für verschärftes Eis- und Mixedklettern haben sich mittlerweile vertikale Front-Monozacken etabliert. Wie der Name schon sagt, ist die Vorderseite damit nur mit einer, statt der „gewohnten“ zwei Zacken, bestückt. Mit den Monozacken sind noch präzisere oder komplexere Bewegungen wie das Eindrehen der Füße bei verminderter Gefahr des Heraushebelns möglich.

Die Länge der Zacken spielt aufgrund der Hebelwirkung eine Rolle: kurze Zacken sind besser für Fels oder Mixed-Klettern geeignet; lange Zacken besser für Firn und Eis. Dementsprechend kann man die Zackenlänge bei manchen Modellen verändern (z.B. beim Grivel G14).

Bindung

Die Bindung sorgt für den sicheren Kontakt zwischen Schuh und Metall. Auch bei ihr gilt abermals: es gibt zwei Versionen und einen Hybriden dazwischen. Eigentlich ganz einfach, auch weil Bergschuhe meist im Hinblick auf ihre Eignung für verschiedene Bindungen deutlich gekennzeichnet sind:

Für die leichten, einfach gebauten Steigeisen zum Gletscherwandern ist die Riemenbindung mit meist je einem Plastikkörbchen vorne und hinten Standard. Die Riemen bestehen aus Nylon- oder Perlonbändern, welche Absatz und Spitze des Schuhs mit Fersen- und Ballenteil des Steigeisens verbinden und mithilfe von Dornenschnallen festgezogen werden. Diese Konstruktion passt (theoretisch) auf jeden halbwegs festen Berg- und Wanderschuh. Es sollte aber auch bei Riemenbindung schon ein mindestens „bedingt steigeisenfester“ Bergschuh sein, auch wenn die Eisen für kurze Querungen von Schneerinnen durchaus auch an einem Zustiegsschuh o.ä. halten würden.

Generell sind Sitz und Stabilität bei der Riemenbindung am schwächsten. Auch sind die Körbchen im Vergleich zu anderen Bindungen schwer und voluminös, womit der Gewichtsvorteil der Alu/Leichtsteigeisen ein Stück egalisiert wird.

Kipphebelbindungen (auch Automatikbindungen oder Step-In-Bindungen genannt) werden durch einen Drahtbügel an der vorderen Sohle und durch einen höhenverstellbaren Kipphebel an der hinteren Sohle befestigt. Zusätzlich ist ein Fangriemen als Verlustsicherung angebracht. Die Verwendung von Hebelbindungen setzt voll steigeisenfeste Bergschuhe voraus, deren Sohle sehr steif und mit entsprechenden Sohlenkanten vorn und hinten versehen ist. Sie sind auch ideal für Skitourenstiefel, sofern der Kipphebel sich nicht mit dessen rückseitiger Fußfixierung ins Gehege kommt.

Generell sitzen Steigeisenbindungen mit Kipphebel am sichersten am Schuh, bieten die beste Standfestigkeit, sind am leichtesten und lassen sich am schnellsten an- und ablegen. Auch bieten sie oft verschiedene Einstelloptionen für Eis- oder Felsklettern. Wenn man das Anschnallen richtig bewerkstelligt hat, sollte beim finalen Festziehen ein sattes Klack-Geräusch zu hören sein.

Die Hybridlösung ist auch hier wieder der Versuch, die Vorteile beider Standardsysteme zu vereinen. Und das gelingt durchaus gut – die Bindungen mit Körbchen vorne und Kipphebel hinten sind sehr empfehlenswert, wenn die Eisen für ein breites Tourenspektrum vorgesehen sind. Das System erfordert für den Kipphebel nur hinten am Schuh eine stabile Befestigungskante – womit es auf eine Vielzahl an Schuhen passt, auch wenn diese nur „bedingt steigeisenfest“ sind. Bei einigen Marken gibt es auch die Möglichkeit der Umstellung von Automatikbindung zu Hybrid- bzw. Semibindung.

Bei der Kombibindung wird der Kipphebel mit einem Korb vorne kombiniert. Vielleicht heißt es ja deshalb Kombibindung, weil sich dieses Konzept bestens für kombinierte Touren in Eis und Fels eignet …

Einen durchaus gelungenen Versuch, alle Bindungstypen zu vereinigen, hat Edelrid mit seinem Modell Shark unternommen. Hier lassen sich Automatik-, Semi- und Riemenbindung beliebig austauschen.

Antisollplatten

Während die Bedeutung von Rahmen, Zacken und Bindungen von vornherein einleuchtet, wird die Wichtigkeit der Antistollplatten meist erst nach der ersten Tour klar. Wie im Eingangsabschnitt erwähnt, können die gemeinen Schneeklumpen unter den Eisen den Abstieg im weichen Firn zur Hölle machen. Das kalte Metall der Eisen zieht den feuchten Schnee fast wie Klebstoff an. Das macht nicht nur das Gehen anstrengend, sondern kann auch sehr gefährlich werden.

Wenn der Schneeklumpen dicker ist als die Zacken lang sind, verliert man im schlimmsten Falle sprichwörtlich die Bodenhaftung und schlittert auf Nimmerwiedersehen davon. Deshalb sind gute Antistollplatten, die den gesamten Rahmen bedecken, kein Luxus, sondern Pflicht. Zum Glück haben mittlerweile fast alle Hochtourensteigeisen diese Kunststoffplatten serienmäßig vormontiert.

Besonders effektiv sind konvex ausgebeulte Platten, die sich bei Druckbelastung einstülpen und den Schnee, wenn der Fuß in der Luft ist, regelrecht abwerfen. Raffiniert! Die Platten sollten zudem leicht ersetzbar sein, da sie bei Felskontrakt schnell mal beschädigt werden.

Einsatzzweck

Die Unterschiede in den genannten Bestandteilen haben die jeweiligen Einsatzzwecke eigentlich schon klar definiert. Das Ganze lässt sich aber noch etwas übersichtlicher in drei Klassen je nach Einsatzzweck zusammenfassen:

1. Leichte Hochtouren und Gletschertrekking mit wenig Kombigelände und Felskontakt:

Hier kommen die Leichtsteigeisen/ Gletschersteigeisen/Alusteigeisen mit zehn bis zwölf Zacken zum Einsatz  (wobei hier fast nur die Vertikalzacken verwendet werden). Diese leichten und relativ flexiblen Eisen behindern das normale Abrollen des Fußes nicht vollständig und bieten damit höheren Gehkomfort für lange Strecken. Das Gewicht hält man hier gern möglichst gering, besonders wenn die Eisen nur sporadisch zum Einsatz kommen und meist im oder am Rucksack getragen werden. Mit den zwei waagerecht nach vorn stehenden, leicht nach unten gekrümmten Frontzacken können auch kurze vereiste Hänge und kombinierte Gipfelzonen bei Hoch- und Skitouren bewältigt werden.

2. Anspruchsvolle Hochtouren mit viel Kombigelände und Felskontakt:

Im steileren Gelände kommen mindestens Zwölfzacker zum Einsatz. Das zusätzliche Paar Zacken sitzt als schräg nach vorn gerichtete Stützhilfe direkt neben und hinter den Frontalzacken. Für mittlere Hochtourenschwierigkeiten und einfaches Wasserfallklettern genügen die „normalen“ horizontal ausgerichteten Frontzacken. Bei einem Schwerpunkt auf Firn- und Eisflanken sollten die Frontzacken stärker nach unten gezogen und das Stützpaar stärker nach vorn gerichtet sein. Liegt der Fokus dabei mehr auf Kombi- und Felskletterei sollten die Frontzacken gerade vorstehen und das Stützpaar eher senkrecht nach unten gerichtet sein. Generell bestehen die Steigeisen für anspruchsvollere Touren aus stabilem und abriebfestem Stahl, dessen Vorteile der besseren Performance und des besseren Sitzes dem Mehrgewicht als Nachteil überwiegen.

Auch wenn man weniger anspruchsvoll, dafür aber oft unterwegs sein will, sollte man aufgrund der längeren Lebensdauer eher zu Stahl als zu Aluminium greifen.

3. Steiles Eis und Wasserfälle:

Je steiler man unterwegs ist, desto mehr liegt der Fokus auf den Frontalzacken. Bei den „richtigen“ Steileismodellen sind die Frontalzacken wie Pickelhauen vertikal ausgerichtet und oft in Länge und/oder Winkel verstellbar. Die zweite Zackenreihe ist besonders deutlich nach vorne ausgerichtet, um den sicheren Stand im harten Eis zu unterstützen. Die „Hardcore-Modelle“ für extremes Eis- und Mixed-Gelände haben 14 Zacken und lassen sich wie bereits beschrieben zu Mono-Zackern umrüsten.

Transport: handlich oder umständlich

Beim Gewicht halten sich die Unterschiede und damit der Spielraum in Grenzen: die Art der Touren bestimmt, ob man etwa ein Kilo oder etwa ein Halbes zu tragen hat. Doch das Packvolumen kann sich durchaus auch zwischen ähnlichen Eisen unterscheiden. Wichtig ist, dass sich die gelochte Schiene bzw. der Mittelsteg möglichst kurz zusammenschieben lässt. Bei dem zuvor erwähnten Zehnzacker Petzl Leopard endet die Schrumpfkur dank Schnurverbindung erst auf sagenhaft kurzen 13,5 cm. Normalerweise muss man aber mit mindestens 20 bis 25 cm Packlänge rechnen. Die Höhe der zusammengelegten Steigeisen wird logischerweise durch die Länge der Zacken und der Schuhfixierungen bestimmt. Steigeisen mit Step-In-Bindung sind am flachsten, Korbbindungen am sperrigsten.

Am oder im Rucksack?

Das ist eigentlich egal, solange die Eisen gut verpackt sind. Eine spezielle Transporttasche ist jedenfalls ein Muss. Sie kann in den Rucksack wandern oder an einer der meist zahlreich vorhandenen Befestigungsmöglichkeiten angebracht werden. So durchlöchern die Eisen weder Textilien noch Mitmenschen und behalten auch den oft reichliche anfallenden Dreck vorerst bei sich. Meistens sind die Eisen nach der Tour auch nass – und da die meisten Taschen nicht wasserdicht sind, empfiehlt sich spätestens hier eher der Transport außen am Rucksack.

Aufbewahrung und Pflege

Steigeisen bleiben mit regelmäßiger Reinigung nach den Touren besser in Form. Sie werden am liebsten trocken aufbewahrt und in etwas größeren Abständen lassen sie sich auch gern mal so richtig durchfeilen. Praktischerweise haben wir hierzu schon eine Pflegeanleitung für Steigeisen parat.

Eine Kaufberatung zu Reise- und Mikrofaserhandtücher

26. September 2018
Kaufberatung

Seit 2001 feiern jedes Jahr am 25. Mai tausende Menschen auf der ganzen Welt den offiziellen „Towel Day“. Damit bringen sie allerdings in erster Linie nicht ihre Liebe zu Handtüchern zum Ausdruck, sondern gedenken des berühmten Science Fiction Autors Douglas Adams und seines legendären Romans „Per Anhalter durch die Galaxis“. Dort heißt es nämlich wörtlich: „Das hier ist eine verdammt harte Galaxis. Wenn man hier überleben will, muss man immer wissen, wo sein Handtuch ist!“. Im Morgenmantel und mit einem Handtuch um den Hals gelegt, meistert die Hauptfigur des Romans so manche brenzlige Situationen, um am Ende nicht weniger zu leisten als die Welt zu retten.

Auch wenn mancher Basislager-Leser nach diesen Zeilen wohl eher an einen Bergfreunde Autor mit Sonnenstich, als an einen echten Handtuch Tag glauben mag (es gibt ihn wirklich), lassen sich Nutzen und Notwendigkeit von Handtüchern beim Reisen, Campen und Wandern zweifelsfrei belegen. Inwieweit sie dabei zur Rettung des Planeten beitragen, hängt nicht zuletzt vom Grad der Verschmutzung des Outdoorsportlers ab und bleibt somit der Phantasie des Handtuchbesitzers überlassen.

Frotteehandtücher für Camping und Reisen – lieber nicht…

Ein durchschnittliches Handtuch aus Frottee, das die meisten von uns im Bad zum Trocknen von Gesicht, Händen und Haaren verwenden, ist etwa 80 cm lang und 45 cm breit. Duschhandtücher sind dementsprechend größer und Handtücher, die nur zum Trocknen der Hände dienen, etwa halb so groß. Frisch gewaschen, weich und herrlich duftend, sind die Baumwollhandtücher perfekt, um viel Nässe aufzunehmen. Um sich nach dem Waschen, Baden oder Duschen abzutrocknen, sind die dicken Handtücher daher ideal.

Allerdings haben Frotteehandtücher zwei entscheidende Nachteile, die sie für den Einsatz beim Campen, Reisen oder Outdoorsport vollkommen ungeeignet machen:

  • Sie brauchen sehr lange zum Trocknen. Die Feuchtigkeit, die sie beim Abtrocknen (zwar schnell) aufnehmen, speichern sie sehr lange und geben sie nur schleichend wieder ab. Was an einem heißen Sommertag noch vertretbar ist, kann bei feuchter Witterung beim Zelten zum echten Geduldspiel werden. Und jeden Tag ein feuchtes Handtuch vom Vortag zu benutzen, macht auf Dauer auch keinen Spaß.
  • Der zweite Nachteil der saugkräftigen Baumwollhandtücher ist das riesige Packmaß. Bei einem kleinen Handtuch fällt das Volumen vielleicht noch nicht ganz so auf, aber spätestens wenn jeder in der Familie ein normales Handtuch und ein zusätzliches Duschhandtuch ins Urlaubsgepäck einpackt, füllen sich Taschen und Rucksäcke im Nu.

…stattdessen ultraleichte Mikrofaserhandtücher

Da auch viele Outdoorfirmen stets bemüht sind die Welt zu retten (oder wenigstens zu verbessern), lautet die leichte Antwort auf ein unhandliches und unpraktisches Frottehandtuch schlicht: Mikrofaser. Handtücher aus Mikrofaser sind aus synthetischem Gewebe gefertigt, das meistens aus Polyester oder einer Kombination von Polyester und Polyamid besteht. Polyester ist auch der Rohstoff aus dem sämtliche Fleecejacken hergestellt werden. Er eignet sich mit seinem geringen Gewicht und seiner schnelltrocknenden Eigenschaft optimal für die Herstellung von Reisehandtüchern. Durch die Zugabe von Polyamid werden Outdoorhandtücher noch robuster und langlebiger.

Handtücher aus synthetischer Mikrofaser haben für Campingreisen, Hüttentouren, Weitwanderungen und Pilgerreisen ein paar entscheidende Vorteile gegenüber „normalen“ Handtüchern:

  • Sie sind sehr leicht. Im Gegensatz zum Frottehandtuch (Format 80 x 40 cm) mit über 250 g, wiegt ein Mikrofaserhanduch in gleicher Größe nur etwa 60 g.
  • Sie lassen sich sehr kompakt verstauen. Ob gefaltet, gerollt oder im Packsack verstaut – selbst ein großes Duschhandtuch aus Mikrofaser ist nicht sehr viel größer, als ein aufgerolltes T-Shirt.
  • Sie trocknen extrem schnell. Werden Mikrofaserhandtücher in der Waschmaschine gewaschen, sind sie nach der Wäsche schon annähernd trocken. Je nach Temperatur und Witterung dauert das Trocknen bei normaler Nutzung (Waschen & Duschen) natürlich unterschiedlich lange. Im Vergleich zum Frotteehandtuch verringert sich die Trocknungszeit jedoch auf ein Bruchteil.

Baumwolle vs. Microfaser – ein ganz anderes Gefühl

Viele, die zum ersten Mal ein Mikrofaserhandtuch auf Reisen oder beim Wandern verwenden, sind irritiert vom ungewohnten Gefühl auf der Haut. Manche haben auch den Eindruck, dass das Reisehandtuch nicht so gut trocknet, wie sie es von ihrem normalen Handtuch gewöhnt sind. Tatsächlich ist die Saugkraft von Frottehandtüchern höher, als die von Mikrofaserhandtüchern. Durch eine etwas andere Handhabung lassen sich Reisehandtücher laber ganz normal zum Abtrocknen nach dem Waschen oder Duschen verwenden. Der Trick dabei ist, das Mikrofaserhandtuch langsamer und mit etwas mehr Druck über die Haut zu führen. So kann das Polyestergewebe die Feuchtigkeit von der Haut optimal aufsaugen. Da die Reisehandtücher sehr weich sind, fühlt sich das Abtrocknen genauso angenehm oder sogar noch angenehmer an wie mit einem Baumwollhandtuch.

Die Qual der Auswahl – welches Reisehandtuch und welche Größe?

Mikrofaserhandtücher werden mittlerweile nicht nur von Outdoorherstellern angeboten, sondern sogar als Saisonware beim Discounter. Qualität von Materialien und Verarbeitung unterscheiden sich dabei stark. Von kratzigen und fusselnden Handtüchern ist immer wieder die Rede und auch Haltbarkeit, Formstabilität und UV-Beständigkeit der Farben sind nicht bei jedem Outdoorhandtuch gleich gut.

Qualitativ hochwertige Handtücher bieten zum Beispiel Cocoon, Sea to Summit, Packtowl oder LACD an. Neben verschiedenen Farben (die meisten Mikrofaserhandtücher sind einfarbig) haben Camper und Traveller die Wahl zwischen verschiedenen Größen von XXS bis XXL. Die kleinste Ausführung reicht gerade so, um damit Hände oder Gesicht zu trocknen. Als Duschhandtuch ist diese Variante nur für extreme Ultraleicht-Spezialisten zu empfehlen. Mit der größten Ausführung können es sich zwei Personen, am Seeufer oder im Freibad, nebeneinander bequem machen. Ein Mikrofaserhandtuch mit einem individuell optimierten Verhältnis zwischen Maßen und Gewicht liegt in der Regel irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.

Wer das Handtuch beim Campen und Wandern zum Duschen verwenden will, ist in der Hinsicht gut beraten die Länge so zu wählen, dass sich das Handtuch gut um die Hüfte wickeln lässt. Manche Outdoorsportler greifen auch gerne zu einer Kombination, zum Beispiel bestehend aus einem kleinen Handtuch fürs Gesicht und einem mittelgroßen Handtuch zum Waschen und Duschen.

Praktische Features und nützliches Zubehör

Viele Outdoorhandtücher werden in kleinen Packbeuteln aus Meshgewebe geliefert. Diese lassen sich mit einem Kordelzug verschließen und sorgen dafür, dass das Handtuch stets aufgeräumt ist. Eine Stofftasche, Plastiktüte oder ein wasserdichter Packsack eignen sich ebenfalls als Ergänzung. Im Packsack lassen sich beim Duschen zudem wichtige Wertsachen sicher und wasserdicht verstauen. Bevor das Handtuch für den Transport im Beutel verstaut wird, sollte es allerdings gut trocknen.

Sehr hilfreich beim Waschen und Duschen sind die Befestigungsschlaufen oder Befestigungsösen an Reisehandtüchern. Viele sind mit einem zusätzlichen Druckknopf ausgestattet, sodass sich das Handtuch fast überall fixieren lässt.

Unbegrenzte Einsatzmöglichkeiten für Mikrofaserhandtücher

Durch das geringe Gewicht und das minimale Packmaß ergeben sich zahllose Möglichkeiten, um die praktischen Handtücher auch außerhalb von Urlaub, Camping und Reisen zu verwenden.

  • Beim Radfahren – ob auf Tour oder im Alltag, um sich schnell abtrocknen zu können.
  • Für Hundebesitzer, die nach dem Gassi gehen ihren Hund abtrocknen möchten.
  • Als Teil der Fotoausrüstung, da sich das Handtuch hierfür prima als Regenschutz für die Kamera oder als Unterlage verwenden lässt.
  • Beim Schwimmen im Freibad oder Hallenbad, denn das Mikrofaserhandtuch benötigt viel weniger Platz.
  • Um Strandliegen im Urlaub zu reservieren,…

Wenn du dein (Mikrofaser) Handtuch immer dabei hast, werden dir garantiert noch viele weitere tolle Möglichkeiten begegnen, in denen du dein Handtuch nie mehr missen möchtest. Bei den Bergfreunden hier bei uns geht es auf jeden Fall nicht mehr ohne.

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

26. September 2018
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore-Tex Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach noch mit rein gedrückt. Aus Gore-Tex Windstopper wird Gore-Tex Infinium Windstopper.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von Gore-Tex-Infinium angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

Materialinfo: Was ist Modal Stoff?

26. September 2018
Ausrüstung

Modal. Diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn klingt das Wort doch tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.

Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.

Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoorboom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an Materialien (wie Modal) sprunghaft.

Synthetik oder Natur?

Bei Modal handelt es sich um eine Faser, die aus dem Holz der Buche gewonnen und in einem chemischen Prozess verarbeitet wird. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.

Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.

Zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten wurden entwickelt: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.

Wie wird es hergestellt?

Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für Modal. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese werden in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse aufbereitet und anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammengesponnen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.

Eigenschaften

Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist Modal deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.

Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist Modal sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.

Bislang wird Modal vor allem in Fasermischungen verarbeitet, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.

Haptik und Tragegefühl

Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.

Da wundert es also kaum, dass Modal als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden wird. Modal wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.

Eignung im Outdoorbereich

Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.

Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.

Einordnung und Vergleich

Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und wird wohl nur noch von Tencel-Lyocell überboten. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (die österreichische Lenzing AG) produziert, weshalb Modal auf Dauer leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein dürfte. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.

Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt Modal als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung von Modal werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien zu 95 % hergestellt.

Pflege

Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn Modal pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege ihr Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für die hier abschließenden, einfachen Tipps:

  • Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
  • Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
  • Man kann Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allredings ein wenig knittert, ist das in aller Regel überflüssig.

Im Bergfreunde-Test: Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit

26. September 2018
Ausrüstung

Es ist einer der großen Mythen der Outdoor-Industrie: Die atmungsaktive Regenjacke. Vor allem Radfahrer und (Berg)Läufer wünschen sie sich herbei, aber den großen Wurf hat noch keiner geschafft. Klar, die Membran-Systeme arbeiten zuverlässig, ausgeklügelte Belüftungskonzepte helfen, den Körper zu kühlen, aber gerade, wenn der Temperaturgradient nicht stimmt, die Imprägnierung nicht ideal ist oder man einfach sehr stark schwitzt, geraten die Materialien an ihre Grenzen. Wem das bis hierhin zu technisch ist, kann sich im Basislager-Blog über die verschiedenen Aspekte von atmungsaktiven Membranen belesen.

Warum ich diesen Einstieg gewählt habe? Nun es gibt mal wieder eine innovative Gore-Tex-Technologie! Diese hört auf den klangvollen Namen „Shakedry“ und soll in Sachen Atmungsaktivität neue Maßstäbe setzen. Verbaut in der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 von Dynafit, haben wir das Modell und das Material mal einem ordentlichen Test unterzogen.

„Wenn es perlt, dann atmet es…“

… lautet die klangvolle Überschrift eines Beitrags der erklärt, warum die Imprägnierung einer Jacke für die Atmungsaktivität eine zentrale Rolle spielt. Genau an diesem Punkt setzt Shakedry an: Die Oberfläche ist so konstruiert, dass Wasser und Nässe dauerhaft abgewiesen werden – einfach schütteln und schon ist man trocken, so die Versprechung des klangvollen Produktnamens. Kein Auswaschen mehr, kein Nachimprägnieren.

Unter der Obefläche verbirgt sich eine Gore-Tex-Active-Membran, die schon länger auf dem Markt ist und vor allem durch geringes Gewicht und hohe Atmungsaktivität brilliert. Durch die Shakedry-Technologie entsteht insgesamt ein sehr, sehr leichtes Laminat, da es technisch gesehen nur noch zwei statt drei Schichten sind. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 bringt es bspw. auf knapp 150 g – wie die Produktbezeichnung schon verrät.

Shakedry kommt allerdings auch mit den Einschränkungen von Gore-Tex-Active: Es ist nicht rucksacktauglich und maximal mit leichten Trailrunning-Rucksäcken kombinierbar. Dafür hat sich Dynafit aber einen besonderen Kniff ausgedacht, auf den wir später noch eingehen werden.

Letztlich sei noch erwähnt, dass auch Shakedry aktuell nicht ohne PFC auskommt, die als „ökologisch bedenklich“ gelten. Mehr zur Thematik könnt ihr im Artikel über die Nachhaltigkeit von Gore-Tex-Membranen nachlesen.

Ganz schön durchdacht und verflucht leicht!

Als das Paket hier bei uns landete dachte ich zunächst, es sei leer. 150 g sind aber auch verdammt wenig Gewicht für so ein Jäckchen, aber als alter Trailrunner schätze ich natürlich jedes Gramm, das ich bei der Ausrüstung sparen kann. Erstmal reinschlüpfen…

Passt soweit gut, schön körpernah geschnitten ist sie und Kapuze, Ärmel- und Jackenbund passen sich dank elastischer Einfassungen angenehm an. So weit, so gut. Wichtig für mich: Lassen sich die Ärmel hochkrempeln… Das hilft mir immer sehr, mich zu kühlen. Geht – im Praxiseinsatz zeigt sich allerdings, dass es etwas elastischer hätte sein dürfen. Auf Dauer etwas eng. Alternativ hätte man auch Laschen zum Regulieren an die Ärmel basteln können.

Kapuze sitzt und dreht sich mit dem Kopf – ein gutes Zeichen. Nichts ist schlimmer, als beim Seitenblick in die Innenseite der Kapuze zu schauen. Unter den Ärmeln gibt es Belüftungsöffnungen, die die Ventilation verbessern sollen, einige Reflektoren für mehr Sichtbarkeit und… was ist das? Ein langer Reißverschluss am Rücken, der von oberhalb der Schultern bis kurz oberhalb des Gesäß reicht!?

Ich ziehe die Jacke wieder aus und öffne ihn neugierig – was kommt wohl darunter hervor? Ein verborgener Schatz? Das Tor in eine andere Dimension? Alles falsch: Es ist eine weitere Schicht Stoff. Wahnsinn – aber was soll das?

Ganz einfach: Es ist ein erweiterbarer Rücken, damit man die Jacke über einen Laufrucksack ziehen kann. Chapeau, Dynafit – Chapeau. Eine richtig geile Idee! Aber funktioniert das in der Praxis?

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 im Einsatz

Ich bin mal so frei und nehme die Auflösung vorweg: Jo, funktioniert. Sofern es keiner von den ganz großen Laufrucksäcken ist. Gut kombinieren lies sich die Jacke im Test noch mit einem ordentlich gefüllten 12-Liter-Rucksack, was gerade für den Renneinsatz absolut klar geht. Gerade wenn man die Jacke direkt griffbereit hat und den Rucksack nicht runter nehmen muss, ist so ein Feature natürlich mit einer nicht unerheblichen Zeitersparnis verbunden. Ich wiederhole mich also: Eine richtige geile Idee!

Aber was ist mit dem supermegaduperatmungsaktiven Material? Aufgrund der schon in der Einleitung hohen Abhängigkeit von externen Faktoren fällt natürlich ein generelles „JA, das funktioniert“ schwer. Bei jemandem der in zehn Minuten einen halben Liter Flüssigkeit durch die Poren jagt, wird sicherlich auch Shakedry nichts helfen. Der Autor dieser Zeilen würde sich als gering bis mittelstarken Schwitzer bezeichnen. Bei Temperaturen um die 10°C, heftigem Wind und Niederschlag konnte sie mein Körperklima aber optimal im Zaum halten.

Wenn es mal etwas wärmer wurde, hab ich die Ärmel hochgekrempelt und es war wieder gut – wie gesagt, das ist meine ganz persönliche Cool-Down-Strategie. Darunter trug ich lediglich ein kurzärmeliges Funktionsshirt. Ich kann also für mich persönlich festhalten: Ja, sie ist wirklich so angenehm zu tragen, wie versprochen. Und zwar durchaus mit Abstand zu meiner anderen Gore-Tex-Active-Jacke. Man darf aber natürlich nicht erwarten, dass gar kein Schweiß fließt. Das wäre sonst auch etwas komisch. Die Ventilationsöffnungen unter den Armen bringen ein wenig zusätzliche Belüftung, den Effekt würde ich aber nicht als übermäßig groß bezeichnen.

Und auch das „Abschütteln“ von Feuchtigkeit funktioniert tadellos, Wind und Wasser bleiben draußen und ich trocken – zumindest einigermaßen. Eine wirklich interessante Technologie. Wie sie sich im Langzeittest schlägt, bleibt noch abzuwarten – die Regeneinsätze kann ich aktuell noch an zwei Händen abzählen. Sommer und Frühjahr waren einfach zu gut!

Zuletzt sei noch das Packmaß und das Gewicht erwähnt. Beides ist perfekt auf die Bedürfnisse von Trailrunnern zugeschnitten. Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 lässt sich richtig gut komprimieren und macht sich mit ihren 150 g wirklich nicht bemerkbar.

Wo Licht ist…

Die Ultra GTX Shakedry Jacket 150 glänzt mit einigen richtig guten Features und einem innovativen Material – keine Frage. Aber es gibt Kleinigkeiten, die man noch etwas hätte besser machen können:

  • Taschen: Davon gibt es keine. Null. Zero. Keine einzige. In Sachen Gewicht natürlich ein weiterer Vorteil, ich persönlich hätte mir aber noch eine Brusttasche gewünscht, damit ich nicht dauernd die Jacke öffnen muss, wenn ich etwas herausholen möchte.
  • Ärmelbündchen: Hier hätte etwas mehr Elastizität gut getan, bei sehr langem Tragen, wird es mit hochgekrempelten Ärmeln etwas unangenehm.

Fazit zur Dynafit Ultra GTX Shakedry Jacket 150

Zuhause wurde es letztens kurzzeitig emotional: Meine bisherige Laufregenjacke, die mich immerhin sieben Jahre bei zahlreichen Trailruns begleitete, wurde in den wohlverdienten Ruhestand geschickt. There’s a new sherrif in town…

Ich hoffe natürlich, dass die neue Jacke von Dynafit genauso lange durchhält. Bis zum jetzigen Zeitpunkt bin ich jedenfalls ziemlich begeistert von dem guten Stück, nicht zuletzt wegen der genialen Idee mit Reißverschluss am Rücken. Wer den stolzen Preis (der UVP liegt derzeit bei 330€) nicht scheut, der kann sich bei der Ultra GTX Shakedry Jacket 150 auf eine zuverlässige Ergänzung seiner Trailrunning-Ausrüstung freuen!

DWR Imprägnierung – Fluch oder Segen?

7. September 2018
Pflegetipps

DWR steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was wörtlich als „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine unsichtbare Imprägnierung des textilen Gewebes von Funktionsbekleidung oder Schuhen. Folglich ist DWR kein Name für ein bestimmtes Material oder System, sondern im Grunde nur die Beschreibung einer Eigenschaft. Doch der DWR-Effekt erzeugt sich nicht von alleine, sondern wird durch verschiedene Chemikalien und Technologien herbeigeführt, die sich von Hersteller zu Hersteller etwas unterscheiden.

Welche Eigenschaften hat DWR?

Lange Zeit dachte ich, dass die als wasserdicht und atmungsaktiv verkaufte Kleidung quasi automatisch eine dauerhaft wasserabweisende Oberfläche hätte. Der Realität begegnete ich dann allerdings ziemlich schnell, als die Außenseite meiner Gore-Tex Jacke schon nach nur relativ wenigen Einsätzen nicht mehr dauerhaft trocken blieb, sich unter Regenaussetzung mit Wasser voll sog und sich zunehmend klamm und kalt anfühlte. Ich fragte mich schon, ob die Membran beschädigt und die Jacke „nicht mehr dicht“ sei.

Die Jacke war aber noch dicht und auch sonst vollkommen in Ordnung. Es war nur die DWR-Imprägnierung, die nachgelassen hatte. Beim Großteil aller Funktionsbekleidungen ist sie der erste, äußere Schutzwall gege­n Nässe. Laminate und Membranen halten das Wasser zwar draußen; schaffen es aber nicht es vom Eindringen in die äußere Textilschicht abzuhalten. Wenn das Wasser dann dort einen geschlossenen Film bildet, ist das Gewebe nicht nur klamm, sondern verliert auch seine Dampfdurchlässigkeit und damit Atmungsaktivität. Man spricht dann vom „Wetting out“.

Die DWR Behandlung verhindert genau dieses Zusammenfließen des Wassers, indem es die Fasern und die Textiloberfläche sehr glatt hält. Das Wasser perlt dann in Form vieler Tropfen ab, anstatt vom Oberstoff aufgenommen zu werden. Das kann wie gesagt auf verschiedene Weisen erreicht werden. Beispielsweise dringt bei den Gore-Tex-Materialien die Imprägnierung in die Fasern ein und verringert die Oberflächenspannung des Oberstoffs.

Allerdings lässt der perlende „Lotusblüteneffekt“ mit zunehmendem Verschleiß der DWR-Behandlung nach. Bei häufigem Tragen, Verschmutzungen und dem Kontakt mit Waschmitteln kann das relativ schnell geschehen. Der Begriff „dauerhaft“ sollte also recht dehnbar aufgefasst werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass man die DWR-Behandlung schnell und einfach reaktivieren oder erneuern kann. Dazu gleich noch mehr im Detail.

Zuvor ist noch zu erwähnen, dass DWR-Imprägnierungen nicht „wasserdicht“, sondern lediglich „wasserabweisend“ sind. Dem Stark- oder Dauerregen hält sie alleine nicht stand; dazu braucht sie schon zusätzliche Unterstützung wie eine Membran und getapte Nähte.

Was genau ist eine DWR Imprägnierung?

Man liest zwar überall darüber wie DWR funktioniert, doch nur selten wird erklärt was für Substanzen und Technologien genau dahinter stecken. Vielleicht liegt das daran, dass man hierfür ziemlich tief in die Welt der industriellen Verfahren und Verarbeitungstechniken eintauchen und sich mit einer großen Zahl chemischer Wirkstoffe auseinandersetzen muss:

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone, die einen guten permanenten Schutz bilden, eingesetzt. (…)

Die imprägnierenden Wirkstoffe sind bislang hauptsächlich Fluorcarbone (PFC), die auch als polyfluorierte Tenside bekannt sind. Im Outdoorbereich sind deren wichtigsten verwendeten Unterarten Perflouroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Da mittlerweile nicht mehr nur PFOA und PFOS, sondern auch sämtliche Fluorcarbone als gesundheitlich und umwelttechnisch bedenklich gelten, suchen immer mehr Hersteller nach Alternativen. Einige solcher alternativen Imprägniermittel funktionieren – vereinfacht gesagt – auf Basis von Wasser- und Fettsäure (aliphatische Kohlensäuren). Mehr zum Thema PFC und der Suche nach Alternativen folgt gleich noch im Umwelt-Abschnitt.

Für das Einarbeiten der imprägnierenden Substanzen in das textile Gewebe gibt es abermals verschiedene Verfahren. Das Bekannteste ist das Tauchverfahren, bei dem die Gewebe durch ein DWR-Flüssigkeitsbad gezogen werden. Ein neueres und präziseres Verfahren ist das Auftragen über Spritzdüsen.

Die DWR Imprägnierung auffrischen oder erneuern

Wie schon erwähnt, bedeutet „durable“ nicht „ewig“. Daher muss die Imprägnierung nach mehr oder weniger häufigem Einsatz aufgefrischt oder komplett erneuert werden. Was genau zu tun ist oder ob überhaupt etwas zu tun ist lässt sich ganz einfach testen: man lässt einfach ein paar Wassertropfen über das Kleidungsstück laufen und schaut, ob diese in den Oberstoff einziehen. Tun sie das nicht, ist die Imprägnierung noch in Ordnung.

Zieht das Wasser teilweise ein, sollte man zunächst versuchen, die alte Imprägnierung aufzufrischen. Nach einer Wäsche gemäß der Pflegeanleitung des Herstellers, darf dem Material nur warme Luft zugeführt werden. Das geht entweder mit dem Wäschetrockner (Schongang 60°C), mit einem Bügeleisen (kein Dampf; keinen direkten Kontakt mit dem Kleidungsstück, sondern eine Stoffschicht dazwischen legen) oder mit einem Föhn. Die Wärme sollte etwa 20 – 30 Minuten einwirken. Anschließend führt man einen erneuten Wassertropfentest durch. Verläuft dieser erfolgreich, hat das Reaktivieren der DWR Imprägnierung bis zur nächsten Wäsche funktioniert.

Hat der Wassertropfentest nicht funktioniert, muss die Imprägnierung erneuert werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Einsprühen oder Einwaschen. Bei beiden Methoden sollte das Kleidungsstück auf jeden Fall trocken und sauber sein.

Beim Einwaschen ist zunächst wichtig, dass die Einspülkammer der Waschmaschine sauber ist.  Dann wird die vom Hersteller empfohlene Dosis des Imprägnier-Waschmittels eingefüllt und die Kleidung im Schonwaschgang bei 40°C gewaschen. Anschließend wird sie je nach Pflegeempfehlung (siehe Etikett) entweder zum Trocknen aufgehängt oder im Trockner auf der niedrigsten Stufe getrocknet.

Das Problem bei der Waschmethode ist, dass der Imprägnierfilm auch auf die Innenseite der Kleidung gelegt wird, wodurch die Atmungsaktivität spürbar nachlassen kann. Je nach  Textilgemisch und Membran gibt es hier unterschiedliche Reaktionen. Bisweilen wird auch die Nachimprägnierung durch eine professionelle Reinigung empfohlen. Das bringt zwar den Vorteil, dass nicht mit den Chemikalien herum hantiert werden muss und sorgt unter Umständen für eine haltbare Neuimprägnierung, ändert aber auch leider wenig an dem genannten Problem.

Das Nachsprühen bringt zwar mehr Chemikalienkontakt mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass die Imprägnierung wie gewünscht verteilt werden kann. So kann man mit dem Imprägnierspray gezielt die Außenseite und besonders die sensiblen Stellen wie Nähte, Bündchen und Schultern bearbeiten. In der Welt der Imprägniersprays gibt es auch fast nur noch Pump-Sprays, die ohne schädliche Aerosole als Sprühhilfen auskommen. Trotzdem sollten natürlich auch diese Sprays nur im Freien bei guter Durchlüftung verwendet und so wenig wie möglich eingeatmet werden.

Auch Soft­shells haben meist eine DWR Behandlung, die von Zeit zu Zeit erneuert werden muss. Dafür gibt es von Toko und Nikwax spezielle Imprägniermittel und -sprays, die sich wie ein wasserabstoßender Schlauch um die Fasern legen und die Bewegung der Softhsell-Fasern aufrechterhalten.

Mehr über das Nachimprägnieren und den Vergleich zwischen Einwaschen und Einsprühen erfährst du in der Bergfreunde-Anleitung zum richtigen imprägnieren von Regenjacken.

Bei Schuhen, die mit der DWR Imprägnierung ausgerüstet sind, kommt eigentlich nur das Sprühen infrage. Einfetten, Einölen und Einwachsen führt fast immer zur Zerstörung der Atmungsaktivität. Dennoch ist auch nicht jedes Imprägnierspray für jeden Schuh geeignet. Ein Grund also mehr beim Schuhkauf die Pflegeempfehlungen des Herstellers aufzubewahren und möglichst genau zu befolgen.

Abschließend noch ein Tipp: Man sollte keine zu hohen Erwartungen hegen, denn kaum eine nachträgliche Imprägnierung reicht je an die Güte der Originalbehandlung heran. Auch dann nicht, wenn man die Kleidung nach dem Motto „viel hilft viel“ zwar hochseetauglich imprägniert, damit aber auch die Atmungsaktivität des Gewebes ruiniert.

Sind DWR Imprägnierungen umweltschädlich?

Sagen wir mal so: die DWR Imprägnierungen fügen sich bislang noch nicht allzu harmonisch in das Ökosystem ein. Brennpunkt der Umweltdiskussion sind die PFC-Verbindungen, die, vereinfacht zusammengefasst, jahrelang in Organismen verweilen und sich in der Natur nicht abbauen. PFC-Spuren sind in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar. Bislang ging man davon aus, dass keine direkten gesundheitlichen Risiken bestehen würden und „nur“ Produktion, Wäsche und Entsorgung von Outdoorprodukten die Probleme seien. Doch eine wachsende Zahl an Human- und Tierstudien deuten auf gesundheitliche Probleme durch PFC im Körper hin – und zwar in vielen lebenswichtigen Bereichen wie Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung.

Wie groß diese Risiken einzuschätzen sind wird heftig diskutiert. Lange Zeit gab es diverse Spekulationen darüber, welche PFC-Verbindung sich wie stark wo ansammelt und welche sich wie schnell wo abbaut. Zeitweise galten deshalb Imprägniermitteln auf Basis von C6-kettigem PFC, anstelle von C8, als sicher. Doch Kritiker, wie der Nikwax-Firmengründer Nick Brown, bezeichneten dies als „Märchen“. Brown ist der Ansicht, dass nur der vollständige Verzicht auf PFC die Umwelt- und Gesundheitsrisiken wirklich senkt.

Nikwax war damit auch die erste Firma, die konsequent auf PFC verzichtete und dies bis heute treu umsetzt. Da Forschungen immer mehr darauf hindeuten, dass wirklich alle PFC-Verbindungen schädlich für Umwelt und Gesundheit sind, ziehen immer mehr Anbieter nach. Neben Nikwax hat auch Toko PFC-freie Imprägnierwaschmittel und -Sprays im Angebot. Das tun sie allerdings eher wegen des gestiegenen Interesses der Kundschaft, anstatt als Druck auf den Gesetzgeber. Dieser sieht nämlich weiterhin nicht vor PFC zu deklarieren.

Bislang galt es als „technisch fast unmöglich, eine gleichwertig leistungsfähige Imprägnierung ohne PFC herzustellen“. Sprich eine Imprägnierung, die nicht nur Wasser, sondern auch Schmutz abweist und somit die Atmungsaktivität erhält. Imprägnierungen aus PU oder Silikon waren bzw. sind zwar umweltfreundlicher, fallen aber in Sachen Funktionalität deutlich hinter PFC-basierte Imprägnierungen zurück.

Doch wie der Umweltpionier Vaude in seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 schreibt, ist das dank innovativer Technologien „inzwischen kein Problem mehr.“ Als letzter „Nachteil“ bleibt nur noch, das PFC-freie DWR Imprägnierungen nicht öl- und fettabweisend sind. Dazu merkt Vaude an, dass diese Funktion auch nicht wirklich benötigt wird. Und in der Tat: wann hat man draußen im Wald oder am Berg je mal Probleme mit Fett und Öl auf der Funktionskleidung? Vermutlich eher selten.

Wie in so vielen Bereichen ist Vaude mit seinem DWR Eco-Finish ein Vorreiter. Weitere umweltfreundliche Alternativen ohne jede Funktionalitätseinbuße befinden sich derzeit in der Forschungs- und Entwicklungsphase und dürften früher oder später zur Marktreife gelange.

Bis 2020 plant Vaude sämtliche Produkte PFC-frei anzubieten. Und auch viele andere Hersteller haben bereits eine oder mehrere PFC-freie Kollektionen. Einen wirklichen Meilenstein könnte bald auch Gore-Tex erreichen, deren Materialien bekanntlich als Vorprodukte in sehr vielen Kleidungsstücken zahlreicher Outdoormarken verabreitet sind. Bis Ende 2023 hat Gore-Tex einen PFC-Verzicht angekündigt.

Bis dahin kann man auf folgende PFC-freie und umweltfreundliche Imprägnier-Alternativen zurückgreifen:

  • Bionic-Finish Eco basiert auf hochverzweigten Polymeren mit einer hohen Dichte an hydrophoben (wasserabweisenden) Elementen. Diese Verbindung weist Wasser und wässrige Schmutzsubstanzen sehr gut ab, ist waschbeständig und abriebfest. Zudem behindert das Biofinish Eco nicht die Atmungsaktivität. Eco Finish ist die aus wieder abbaubaren Inhaltsstoffen bestehende DWR-Ausrüstung von Vaude.
  • Auch Ceplex und Dermizax kann man als Alternativen betrachten, die nach anderen Prinzipien als die DWR Imprägnierung funktionieren. Ceplex ist eine PU-Beschichtung, Dermizax eine Art PU-Membran mit beweglichen Molekülen.

Imprägnierung ist auf jeden Fall wichtig, soweit man zumindest bei einem heftigen Regenguss nicht triefend umher laufen möchte. Und wie man sieht tut sich momentan einiges auf dem Markt der Imprägnierungen. Wir sind gespannt, wie sich die Outdoorwelt weiterhin ins positive für Mensch und Umwelt entwickelt.

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