Alle Artikel zum Thema ‘Ausrüstung’

Eine gute Ausrüstung ist goldwert. Wer schon mal im Regen durch die Wälder gestapft ist und am Ende trotz funktionaler Outdoor-Ausrüstung klatschnass am Ziel angekommen ist, weiß um was es geht. Es gibt einfach nichts nervigeres, als Funktionsbekleidung ohne Funktion.

Um Dir etwas Klarheit zu verschaffen, berichten wir in der Kategorie Ausrüstung, über neue Entwicklungen und auf was Du beim Kauf achten solltest. Außerdem findest Du hier interessante Hilfestellungen, wie Du Deine Ausrüstung richtig pflegst und wartest.

Petzl: Firmenportrait und Nachhaltigkeits-Check

2. September 2021
Ausrüstung

„Access the inaccessible“ – mit diesem Slogan bringt der französische Equipment-Hersteller Petzl sein Wirken auf den Punkt. Das Unternehmen stellt nicht nur Ausrüstung für die Höhen und die Vertikale her, sondern auch für die Tiefen der Höhlen. Hinzu kommen Tools für die Bergrettung, für Höhenarbeiten und das Industrieklettern. Dieses breite Spektrum ist neben dem hervorragenden Ruf der Produkte ein Grund, weshalb fast jeder ambitionierte Bergfreund irgendeinen Gegenstand des Traditionsherstellers besitzt.

Das kann die extrem leistungsfähige Stirnlampe ebenso sein wie der superleichte Klettergurt, das innovative Sicherungsgerät oder die äußerst bissigen Steigeisen und Eisgeräte. Sportkletterern ist Petzl auch durch den RocTrip bekannt, einem jährlichen Treffen von Top-Kletterern, das von 2002 bis 2014 in herausragenden Klettergebieten rund um den Globus stattfand. Dabei bot man den Kletterern Gelegenheit, „in einer fröhlichen Atmosphäre mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen“.

Firmenkurzportrait Petzl

Das Unternehmen Petzl beschäftigt zur Zeit etwa 750 Mitarbeiter und trägt den Nachnamen des Firmengründers. Es wurde 1975 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Crolles, nahe Grenoble in den französischen Alpen. Die Geschichte reicht jedoch weiter zurück, denn der Höhlenforscher Fernand Petzl brachte bereits 1968 unter seinem Namen erste Produkte wie Seilklemmen und Höhlenscheinwerfer auf den Markt. Neben großem handwerklichen Geschick half ihm wohl auch seine Kreativität. So sollen die ersten Stirnlampenriemen aus flexiblen Trägern alter BHs bestanden haben.

Während die Speläologie ursprünglich das Hauptinteresse und Kerngeschäft von Petzl war, ist sie heute eher ein untergeordneter Geschäftszweig. Etwa ab 1977 rückte mit der Herstellung der ersten Gurte der Bergsport immer mehr in den Vordergrund, auch wenn nach wie vor ein Schwerpunkt bei den Lampen und Leuchten liegt.

Neben Stirnlampen und Gurten spielt auch die Entwicklung von Sicherungsgeräten eine große Rolle. Hier gab es mehrere revolutionäre Neuerungen in den letzten Jahrzehnten. Die Bekannteste darunter ist zweifelsohne das 1991 eingeführte GriGri als erstes halbautomatisches Sicherungsgerät fürs Sportklettern. 1998 folgte mit dem Tibloc, einer ultrakompakten Seilklemme für den Aufstieg am Seil, ein weiteres geradezu ikonisches Gerät.

Durch diese und weitere Erfolge hat sich Petzl zu einer internationalen Gruppe entwickelt, ist dabei jedoch bis heute ein Familienunternehmen geblieben.

Weitere Meilensteine der Firmengeschichte waren 2006 die Gründung der Petzl-Stiftung und die  Einführung des persönlichen Rettungssystems EXO für die New Yorker Feuerwehr. 2008 kam die  Gründung von Petzl Solutions hinzu, einer Abteilung für Ausbildungs- und Experimentierzwecke. Die letztgenannten Aktivitäten sieht Petzl als Maßnahmen, mit denen man der Natur und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte, da sie den Erfolg der Firma erst ermöglicht haben.

Die Nachhaltigkeit bei Petzl

Wenn möglich, greift man bei der Produktion auf umweltverträgliche Materialien und ressourcenoptimierte Prozesse zurück. Generell unterliegen Produktion und Beschaffung strengen Qualitätskontrollen. Dass man dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimisst, zeigt sich auch daran, dass ein überwiegender Anteil der Produkte nach wie vor in eigenen Betrieben in Frankreich entsteht.

Umweltmaßnahmen

Man räumt allerdings auch ein, dass bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz  manchmal kein Spielraum für Kompromisse zugunsten ökologischerer Rohstoffe besteht. Doch die Produkte erreichen meist eine sehr lange Lebensdauer und ein Motto bei Petzl lautet: „Ein langlebiges Produkt ist immer auch ein Nachhaltiges“. Das gilt besonders für die metallenen Hardwareprodukte wie Karabiner, Pickel oder Steigeisen (die auch eine regelmäßige PSA-Prüfung bestehen müssen).

Nach eigener Auskunft legt Petzl großen Wert auf umweltbewusstes Handeln. Die Emissionen des Unternehmens werden in der gesamten Wertschöpfungskette regelmäßig auf Möglichkeiten zur Minimierung überprüft. Man setzt zunehmend recyclebare Materialien ein und nutzt für die Verpackungen möglichst kompostierbare und recycelbare Materialien. Petzl setzt stark auf die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der Outdoor-Branche und ist Mitglied in verschiedenen Gruppen wie Environmental Watch Group und Sustainability Working Group de l’European Outdoor Group.

Bis 2015 waren bei verschiedenen Kletter- und Alpingurten die Ausgangsstoffe bluesign-zertifiziert. Mittlerweile ist Petzl zwar kein bluesign-Systempartner mehr, doch hat man nach eigener Aussage an den heutigen Gurtmodellen keine signifikanten Änderungen hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit der Materialien vorgenommen.

Petzl-Foundation

Die Aufgabe der 2006 gegründeten Petzl-Stiftung ist, Projekte zu unterstützen oder zu initiieren, die dem öffentlichen Interesse dienen. Die Prioritäten der Stiftung liegen bei Unfallverhütung, Naturschutz und wissenschaftlicher Forschung. Entsprechende Projekte sollen helfen, die menschlichen Aktivitäten in der Natur und deren Auswirkungen verträglich zu gestalten. Unter den weltweit zahlreichen Umweltschutz- und Forschungsprojekten widmen sich manche dem Erhalt gefährdeter Naturräume, manche der Schulung in den Bereichen Bergsport und Sicherheit und andere der Forschung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehört die Förderung des Erhalts derjenigen Ökosysteme, die schwer zugänglich sind und deswegen oft faszinierend schöne „Playgrounds“ für Abenteuer bieten. Hier kommt der Gedanke des „Zurückgebens“ besonders zum Tragen.

Geschätzt etwa 100 Projekte, hauptsächlich in Frankreich aber auch in aller Welt, werden von der Petzl Foundation u.a. durch finanzielle Zuschüsse unterstützt. Die Beiträge umfassen durchschnittlich einige Tausend Dollar im Jahr, manche davon auch über mehrere Jahre ausgezahlt. In manchen Projekten wie dem „Yosemite Cleanup“ sind viele Freiwillige beteiligt, sodass die Sensibilisierung für Umweltthemen sicherlich auch eine öffentliche Breitenwirkung hat.

Wildtier-Projekt in den französischen Alpen

Alle Projekte werden auf der Petzl-Homepage detailliert vorgestellt. Beispielhaft sei hier das Projekt Biodiv’sports zum Schutz von Wildtieren in den französischen Alpen herausgegriffen. Es zeigt die Kartierung und Ausweisung von Wildschutzgebieten am Beispiel eines Hüttenzustiegs in der Belledonne-Kette bei Grenoble:

  • Projektpartner: Ligue pour la Protection des Oiseaux
  • Land: Frankreich
  • Projekttyp: Erhaltung der Umwelt
  • Budget: 3.000 € im Jahr 2018, 6.000 € seit 2017, 6.000 € für 2019 geplant

Ausgangspunkt des Projektes ist die Problemstellung, dass viele Wanderer und Bergsteiger die Artenvielfalt gern erhalten wollen, oft aber keine Informationen über Gebiete mit störungsempfindlichen Wildtieren haben. Das Biodiv’sports-Projekt will diese Informationen über Websites wie Camptocamp oder Geotrek vermitteln, die bei der Tourenvorbereitung oft konsultiert werden. Die sensiblen Gebiete werden in Zusammenarbeit mit Sportverbänden, Naturschützern und lokalen Landmanagern kartiert.

Eine Übersicht aller Stiftungs-Projekte, geordnet nach Kontinenten, findet sich hier unter diesem Link. 

Detaillierte Jahresberichte zu den Aktivitäten der Stiftung gibt es hier nachzulesen.

Maßnahmen für soziale Nachhaltigkeit

Petzl nach wie vor ein Familienunternehmen, dessen Kapital sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet. Die Belegschaft besteht aus 750 Personen weltweit, von denen 500 in Frankreich arbeiten. Die Firma besitzt vier eigene Produktionsstätten, in denen 80 % aller Produkte gefertigt werden. Drei dieser Werke befinden sich in Frankreich, eines in Malaysia. Neben einem sehr hohen Qualitätsstandard gehört die Anstellung aller Mitarbeiter direkt beim Unternehmen zu den großen Vorteilen dieses Modells.

Die Produktionsbedingungen werden unter anderem durch einen Code of Conduct kontrolliert, den alle Lieferanten unterschreiben müssen. In ihm sind die sozialen und umwelttechnischen Anforderungen festgelegt. Zudem hat man Personal der NGO Human Ressources Without Borders ausgebildet, um regelmäßig die Zustände vor Ort zu überprüfen.

Fazit

Petzl gehört eher nicht zu den Unternehmen mit grünem Vorzeigeimage und strebt dieses auch nicht unbedingt an. Die einzelnen Ansätze der Nachhaltigkeit werden nicht zu einem einheitlichen Konzept gebündelt und sind demnach auch nicht sonderlich „vermarktbar“. Viele Petzl-Produkte erzielen auch eher „beiläufig“ einen guten Nachhaltigkeitswert aufgrund ihrer hohen Lebensdauer. Man hat aber durchaus mehr Nachhaltigkeitsaktivitäten vorzuweisen, als es für bloße Imagepflege nötig wäre.

Magnesia und Chalk – Magnesiumkarbonat, same same but different

28. Juli 2021
Ausrüstung

Kennt ihr das: Es gibt Dinge, die sind einfach da, die nutzt man immer wieder und keiner hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, was das denn eigentlich ist. Beispielsweise beim Klettern. Was ist denn das weiße Zeug eigentlich das sich alle so bereitwillig an die Hände schmieren? Quasi als finale Kriegsbemalung vor der Erstürmung der Kletterroute. Worum handelt es sich dabei?
„Magnesia“ werden da die einen sagen, „Chalk“ die anderen und die, die einfach nicht Recht haben und es nicht besser wissen „Magnesium“. Aber das macht mich nicht schlauer. Und warum sehe ich auch immer mehr Kletterer, die mit einer Tube dastehen? Auch das wirft bei mir gewisse Fragen auf. Und ich weiß einmal mehr, dass ich nichts weiß. Legen wir also los und widmen uns der…

Frage Nr. 1 – Chalk, Magnesia und Co. was ist das denn?

Kurzversion: Magnesiumkarbonat. Gut danke. Artikel fertig, ciao!

Naja, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Denn immer wenns eine Kurzversion gibt, gibt es auch eine Langversion und die kommt hier: Bei Magnesia oder für die Cooleren unter uns bei Chalk, handelt es sich um nichts anderes als Magnesiumkarbonat. MgCO3 für die Chemiker unter euch. Manchmal besteht Chalk aber auch aus einer Mischung von Magnesiumkarbonat und Magnesiumhydroxid.

Magnesiumkarbonat kann auf unterschiedliche Arten gewonnen werden und kommt nicht nur beim Klettern, sondern unter anderem auch in der Pharma-, Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie zum Einsatz. Magnesiumkarbonat ist hygroskopisch, zieht also Wasser an. Genau dieser Effekt ist beim Klettern oder auch Sportarten wie Geräteturnen und Gewichtheben interessant. Denn auf die Hände aufgetragen, saugt es sich regelrecht mit Schweiß voll und sorgt so dafür, dass ihr keine schwitzigen Finger und Handflächen habt. Kauft ihr Chalk fürs Klettern und Bouldern, handelt es sich dabei nicht selten um reines Magnesiumkarbonat ohne irgendwelche Zusatzstoffe.

Grundsätzlich sind die Begriffe „Chalk“ und „Magnesia“ aber nicht weiter geschützt oder definiert, und die Produkte unterliegen auch nicht der Lebensmittel- oder Kosmetikverordnung, sodass dem Pulver auch ohne weitere Angabe Zusatzstoffe beigefügt werden können, ohne dass das zwingend deklariert sein muss. Das ist zunächst einmal nicht wirklich schlimm und hat auch (sinnvolle) Gründe, aber darauf kommen wir später nochmals genauer zu sprechen.

Aber wie wird denn Magnesia bzw. Chalk nun gewonnen?

Grob gesagt lässt sich das, was wir als Magnesia kennen auf zwei unterschiedliche Arten herstellen. In der Natur kommt Magnesiumkarbonat garnichtmal so selten vor, beispielsweise als Magnesit (Bitterspat) und kann daher abgebaut werden. Dabei wird das Magnesiumkarbonat mittels eines chemischen Prozesses aus dem abgebauten Gestein gelöst und aufbereitet. Ursprungsland ist hierbei nicht selten China, es gibt aber auch Abbaugebiete in Europa oder Amerika. Eine andere Möglichkeit ist die synthetische Gewinnung. Denn Magnesiumkarbonat entsteht bei Prozessen wie der Meerwasserentsalzung als Nebenprodukt. Das so gewonnene Magnesiumkarbonat ist in der Regel reiner und außerdem Schwermetallfrei, was beim abgebauten Produkt nicht immer sichergestellt werden kann. Gerade in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie wird daher überwiegend die synthetische Variante verwendet.

Für den Sport kommt derzeit noch mehrheitlich das durch Abbau gewonnene Magnesiumkarbonat zum Einsatz, es gibt aber auch Hersteller wie beispielsweise Black Diamond, Rewhite oder Tokyo Powder, die den synthetischen Rohstoff für ihr Chalk einsetzen.

Frage Nr. 2 – Welche Formen von Chalk gibt es?

Magnesia gibt es in mehreren unterschiedlichen Formen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Je nach Anwendungsgebiet oder persönlicher Vorliebe kann es also durchaus sinnvoll sein mal das Eine mal das Andere zu verwenden. Eines noch vorweg: Magnesia, wie es beim Geräteturnen und teilweise auch beim Gewichtheben eingesetzt wird, eignet sich oft nicht fürs Klettern. Denn dieses Magnesia ist nicht selten mit Talkum versetzt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Haut beim Turnen an beispielsweise einer Reckstange nicht haften bleibt und die einzelnen Übungen besser geturnt werden können. Die Reduzierung der Reibung ist aber beim Klettern definitiv von Nachteil.

Speziell fürs Klettern gibt’s hauptsächlich Chalk in folgenden Varianten:

  • Loses Pulver. Das ist sicherlich die beliebteste und gleichzeitig auch eine der kostengünstigeren Varianten. Das Chalk wird als loses Pulver fix und fertig in einer Tüte angeboten und muss nur noch in den Chalkbag gefüllt werden und gut. Es gibt dabei unterschiedliche Körnungen des Pulvers, was sich mitunter auf die Haftfähigkeit des Chalks auf der Haut auswirkt.
    Vorteil: schnelle Anwendung, günstiger Preis.
    Nachteil: schwer zu dosieren, staubt stark.
  • Gepresste Würfel: Gepresste Chalkwürfel gibt es eigentlich schon immer und auch sie sind vergleichsweise günstig. Auch die Anwendung ist keine große Sache, ihr brecht euch einfach so viel Magnesia wie ihr braucht ab und füllt es in euren Beutel. Zum Chalken der Hände zerdrückt ihr das bzw. die Stücke leicht in der Hand. Mit der Zeit werden die einzelnen Stücke so immer kleiner, bis ihr irgendwann nachfüllen müsst.
    Vorteil: Staubt weniger als reines Pulver, günstiger Preis.
    Nachteil: Block muss erst zerkleinert werden, neigt ebenfalls zum Stauben.
  • Chalkbälle: Bei Chalkbällen handelt es sich um kleine Stoffkugeln aus einem durchlässigen Gewebe, die mit Magnesia gefüllt sind. Diese packt ihr einfach in euer Magnesiasäckchen. Chalken könnt ihr dann ganz einfach, indem ihr den Ball im Beutel ein wenig in der Hand hin und her drückt, sodass sich das Magnesia an eurer Hand festsetzt.
    Vorteil: Einfach zu dosieren, staubt kaum.
    Nachteil: Preis meist höher als für loses Chalk oder Würfel und es kommt weniger raus – Nachteil natürlich nur für „Viel-Chalker“.
  • Flüssigchalk: Hierbei handelt es sich um Magnesia, das mit Alkohol versetzt wurde und als Flüssigkeit bzw. Paste auf die Hände aufgetragen wird, ganz ähnlich wie Handcreme. Der Alkohol verdunstet an der Luft sofort und zurück bleibt nur eine dünne Magnesiaschicht auf euren Händen.
    Vorteile: Super dosierbar, haftet lange an den Händen, staubt nicht.
    Nachteile: Alkohol kann bei empfindlicher Haut zu Irritationen führen und nachchalken in der Route ist schwierig.

Abgesehen von den unterschiedlichen Darreichungsformen, gibt es aber auch Chalk, das nicht aus reinem Magnesiumkarbonat besteht, sondern mit unterschiedlichen Zusatzstoffen versetzt ist. Hierunter fällt, wie bereits erwähnt, das Magnesia für Turner, was wir aber an dieser Stelle einmal außer Acht lassen wollen. Beim Klettern wird Chalk beispielsweise zusätzlich mit Trocknungsmitteln versetzt, was logischerweise den Trocknungseffekt nochmals erhöht. Oft handelt es sich dabei um Silikate oder Uppsalit.

Auch Zusatzstoffe, die für einen besseren Grip sorgen sollen, werden dem Chalk beigemischt. Gerade beim Flüssigchalk kommen hierzu auch Harze wie Kolophonium zum Einsatz, die aber leider die unangenehme Eigenschaft haben die Poren von Griffen zu verstopfen und deshalb in vielen Hallen nicht sonderlich gerne gesehen sind.

Darüber hinaus gibt es auch sogenanntes Eco-Chalk. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen ausdrücklich definierten Begriff und die jeweiligen Hersteller können mehr oder weniger frei entscheiden, was sie nun als „Eco“ ansehen.

Beispiele:

Black Diamond Eco Chalk: Hierbei bezieht sich das Wort Eco alleine auf den Herstellungsprozess, denn das Produkt selbst besteht aus reinem Magnesiumkarbonat. Dieses wird synthetisch als Nebenprodukt der Salzgewinnung hergestellt, worauf sich auch das „Eco“ bezieht. Hersteller wie Tokyo Powder beziehen ihr Magnesiumkarbonat aus vergleichbaren Herstellungsprozessen, versehen ihr Produkt aber nicht mit der Vorsilbe „Eco“.

„Eco“ kann aber auch bedeuten, dass Chalk aus Carbosil (Kieselerde) hergestellt wird. Hierbei handelt es sich um ein grundlegend anderes Material, das aber ebenfalls gute Trocknungseigenschaften mitbringt. Carbosil hat darüber hinaus den praktischen Effekt, dass es keine lästigen Flecken am Fels hinterlässt. Produkte dieser Art sind jedoch vergleichsweise selten.

Frage Nr. 3 – Was macht Magnesia mit…?

Immer wieder hört man zahlreiche Meinungen zum Einsatz von Chalk beim Klettern. Nicht nur draußen in der Natur, sondern auch in der Halle ist Chalk (zumindest nicht in jeder Form) immer gerne gesehen. Das hat ganz unterschiedliche Gründe und wir wollen uns das gemeinsam mal genauer ansehen. Und wie wirkt sich das Ganze denn auch auf mich als Kletterer aus. Ist Magnesia gut für mich, macht es mich besser oder eben gerade nicht? Legen wir los:

…a) meiner Haut

Wie bereits erwähnt, hat Chalk die Eigenschaft sich mit Wasser vollzusaugen. Es kann also auch lästigen Handschweiß schnell und einfach aufnehmen und sorgt so dafür, dass die Hände nicht mehr feucht und schmierig sind, sondern trocken und griffig. Da wäre es doch eigentlich nur logisch, einfach immer gleich vor dem Klettern die Hände fett mit Magnesia einzukleistern und ein erfolgreicher Klettertag wäre zuverlässig gesichert. Ganz so einfach ist das aber nicht. Denn Magnesia macht die Hände trocken, Flüssigchalk, das mit Alkohol versetzt ist macht die Hände nicht selten noch trockener. Wer ohnehin schon Probleme mit trockener und rissiger Haut hat, sollte sich daher den Einsatz von Chalk gut überlegen, da sich Magnesia in diesen Fällen auch negativ auswirken kann und vielleicht dazu führt, dass der Klettertag aufgrund stark strapazierter Haut an den Fingern vorzeitig beendet ist.

Ein weiterer Grund warum übermäßiges Chalken nicht besonders sinnvoll ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass reines Magnesiumkarbonat keine besonders gute Reibung hat. Gerade bei Slopern zeigt sich das mitunter deutlich und ihr müsst mit einer dicken Chalkschicht auf den Händen einfach mehr Power bringen als ohne (vorausgesetzt ihr schwitzt nicht an den Händen). Um dem entgegenzuwirken bieten einzelne Hersteller auch Chalk mit Zusatzstoffen an.

…b) mit meiner Umwelt

Magnesiumkarbonat wird nicht nur für die bereits beschriebenen Anwendungsgebiete eingesetzt, sondern ist vielmehr auch ein basischer Dünger. Wird dieser nun in der Natur ausgebracht, beeinflusst der die Vegetation. Zwar ist die Menge Magnesiumkarbonat, die durch das Chalken in die Natur gelangt nicht sonderlich groß, kann aber kleinräumig, beispielsweise bei der kargen Vegetation am Fels, zu deutlichen Veränderungen führen.

Außerdem wird dem Magnesia immer wieder vorgeworfen, dass es die Felsen zerstöre. Hierzu gibt es unterschiedliche Studien, die teilweise auch in unterschiedliche Richtungen gehen. Ich möchte daher nicht zu tief in dieses Thema einsteigen, sondern nur ein paar Beispiele aufzeigen, wie Chalk auch einen negativen Einfluss auf Felsen haben kann.

  • optischer Einfluss: Je nach Gestein und dessen Farbe, sieht man die weißen Kletterspuren mitunter deutlich an den Felsen. Auch durch Regen wir das Chalk oft nicht komplett abgewaschen „verschandelt“ daher gerne auch mal längerfristig die Landschaft.
  • Sprengwirkung: Dieser Aspekt ist stark abhängig vom Gestein und dessen Struktur und darüber hinaus nicht ganz unumstritten. Aber man schreibt Magnesia folgende Wirkung zu. Gerade in viel begangenen Routen setzt sich an den Griffen mitunter immer mehr Magnesia fest. Dieses saugt sich immer mehr mit Wasser voll und dehnt sich sobald das Wasser gefriert stark aus. Hierzu kann es gerade bei porösem Fels zu einer unerwünschten Sprengwirkung kommen.
  • Rutschgefahr: Chalk macht die Griffe nicht griffiger. Gerade im Sandstein setzt sich das Pulver mit der Zeit fest und bildet schon fast eine schmierige Schutzschicht auf dem Gestein. Hierdurch werden Routen nicht gerade leichter, was wiederum die Art und Charakteristik der Kletterei in einem Gebiet stark beeinflussen kann.

Was also tun? Aus meiner Sicht (und damit stehe ich nicht alleine) sollte man den Einsatz von Chalk gut und sinnvoll überdenken. Ich bin nicht der Meinung, dass grundsätzlich darauf verzichtet werden soll. Nur eben stellt sich mir die Frage, ob übermäßiges Rumgeschmiere am Fels wirklich immer sein muss. Reicht es manchmal nicht auch einfach, sich die Hände an Hose oder T-Shirt abzuputzen? Mit Sicherheit! Und wenns doch nicht ohne Chalk geht, dann bitte der Umwelt zu liebe mit Maß und Ziel. Der Deutsche Alpenverein rät außerdem dazu stark eingepuderte Griffe nach dem Begehen einer Tour mit einer Bürste zu reinigen. Aber mal ehrlich: Das habe ich noch äußerst selten beobachtet und kommt in den Gebieten, in denen ich überwiegend unterwegs bin so gut wie nie vor.

…c) mit der Kletterhalle und meinen Mitmenschen?

„Stauben verboten“ ein Schild mit dieser oder einer ähnlichen Aufschrift hängt in vielen Kletterhallen und das hat auch seinen Grund. Denn die erhöhte Feinstaubbelastung in Kletterhallen ist erheblich und messbar. Dies ergibt sich vor allem durch den Einsatz von Magnesia. Gerade Chalk in Pulverform staubt mitunter stark, wer sich seine Hände bis weit übers Handgelenk mit Magnesia einreibt und dieses dann abklopft oder abbläst, sorgt unmittelbar dafür, dass es als Staub in der Hallenluft umherwabert. Dass das beim Sport weder angenehm noch besonders gesund ist, erklärt sich von selbst. Hallenbetreiber versuchen diesem Problem Herr zu werden, indem sie unter anderem loses Chalk verbieten und/oder den Einsatz von Chalkbällen oder Flüssigchalk vorschreiben.

Auch in der Halle besteht das Problem, dass Griffe aufgrund des Einsatzes von Magnesia glatt und schmierig werden. Im Gegensatz zum Freien, sorgt hier auch kein Regenschauer dafür, dass das Chalk, wenn auch nur teilweise, abgewaschen wird. Was drauf ist, ist zunächst einmal drauf und lässt nach und nach eine regelrechte Schicht aus Magnesia, Handschweiß sowie Haut- und Gummiabrieb entstehen. Beläge dieser Art lassen sich mit der Zeit weder mit einer Bürste noch mit einem Hochdruckreiniger anständig beseitigen. Es hilft lediglich spezielles Reinigungsmittel, das unter Einsatz von geballter Chemie dafür sorgt, dass sich die Schichten wieder von den Griffen lösen. Chalks, die um den Grip zu erhöhen beispielsweise mit Harzen versetzt worden sind, verstärkten diesen Effekt erheblich und sind daher inzwischen in vielen Hallen auch nicht mehr besonders gerne gesehen.

Aber was sagt uns das nun?

Magnesia oder auch Chalk ist ein durch aus nützliches Hilfsmittel beim Klettern. Es besteht aus Magnesiumkarbonat und sorgt dafür, dass unsere Hände beim Klettern bei Bedarf trocken sind. Das heißt aber nicht, dass derjenige am besten klettert, der auch am meisten Magnesia auf den Händen hat. Wie so oft im Leben gilt auch hier die Devise „weniger ist manchmal mehr“. Das wirkt sich dann nämlich nicht nur positiv auf euren Grip am Fels aus, sondern schont in gewissem Maß auch die Umwelt und die Lungen eurer Mitkletterer. In diesem Sinn: Gurt und Schuhe an und hoch den Fels!

Gebrauchsanweisung BolmenSt. Textile Wash

9. August 2021
Pflegetipps

Die Softshell ist mal wieder verdreckt und dein Funktionsshirt könnte langsam auch eine Wäsche vertragen? Ein Glück hast du das BolmenSt. Textile Wash Waschmittel am Start. Das eignet sich nämlich gerade zu perfekt zur Wäsche von Funktionsmaterialien aller Art. Die Anwendung ist dabei spielend einfach:

  1. Schließe alle Reiß- und Kletterverschlüsse – so verhinderst du Beschädigungen von anderen Textilien und der Waschmaschine.
  2. Schau dir die Pflegehinweise des Kleidungsstücks an. Der Hersteller weiß in der Regel am besten, wie seine Produkte zu pflegen sind.
  3. Wähle das passende Programm an der Waschmaschine, fülle das BolmenSt. Textile Wash ein und starte die Waschmaschine.
  4. Fertig.

Gebrauchsanweisung BolmenSt. Textil Proof

9. August 2021
Pflegetipps

Regen, Regen und nochmals Regen – es gibt sie, diese ungemütlichen Tage, da gibts nix dran zu rütteln. Aber zum Glück gibt’s wasserdichte Outdoor-Klamotten. Diese sind in der Regel mehrlagig aufgebaut, wobei eine Lage dafür sorgt, dass kein Wasser in das Jackeninnere eindringen kann. Das Außenmaterial ist meist mit einer sogenannten DWR-Imprägnierung versehen. Daran perlen Wassertropfen ab, wodurch sich die äußere Jackenschicht nicht vollsaugen kann, was wiederum die Atmungsaktivität beeinträchtigen würde. Wie genau das funktioniert, kannst du in unserem Basislager-Artikel zur DWR-Imprägnierung nachlesen.

Mit der Dauer der Nutzung verliert sich diese DWR-Imprägnierung, kann aber relativ leicht wieder reaktiviert werden. Dazu braucht ihr etwas Zeit und ein Imprägnierspray wie das BolmenSt. Textil Proof. Und so wendet ihr es an:

  1. Das zu imprägnierende Kleidungsstück sollte gewaschen, sauber und trocken sein.
  2. Das Imprägnierspray wird aus einer Distanz von 25 cm großflächig von außen aufgetragen.
  3. Jetzt heißt es warten: Mindestens vier Stunden solltest du die frische Imprägnierung eintrocknen lassen.
  4. Fertig.

Jetzt sollte wieder ein leichter Abperleffekt erkennbar sein. Das BolmenSt. Textile Proof Imprägnierspray ist übrigens frei von PFCs und biologisch abbaubar.

Hanf in Outdoor- und Funktionsbekleidung

21. Mai 2021
Ausrüstung

Die wetterfeste Regenjacke aus Hanf-Laminat ist bisher noch nicht auf dem Markt. Das Sortiment an Hanfprodukten und Hanfbekleidung wächst aber beständig. Vom T-Shirt, über Socken, zu Unterhemden und Kletterhosen – immer mehr Hanf erobert sich seinen Platz in unserem täglichen Leben zurück. Und wenn manch einer jetzt an Sprüche denkt, wie: „Hanf allein macht nicht glücklich… man muss ihn schon rauchen.“, dem sei gesagt: Hanf trägt mit vielen Eigenschaften zum persönlichen Glück bei – zum Beispiel durch weiche und temperaturregulierende Funktionsbekleidung, die keine Gerüche annimmt und sehr pflegeleicht ist…

Hanf historisch

Im Nahen und Fernen Osten wurde Hanf nachweislich schon vor 12000 Jahren angebaut. Sehr wahrscheinlich nutzten Menschen die vielseitige Pflanze sogar noch etliche Jahre früher. Hanfsamen dienten schon damals als Nahrungsmittel und wurden als eine Arte Getreide angebaut und entweder roh oder in Form von Gebäck aus Hanfmehl verzehrt. Auch die Herstellung von Bekleidung aus Hanffasern, sowie die Papierherstellung aus Hanf, sind bereits im alten China nachgewiesen.

Als Rohstoff für die Papierherstellung fand die Hanfpflanze viele Jahrhunderte später ihren Weg nach Europa. Ab dem 13. Jahrhundert wurde Hanf in Europa angebaut. Die erste Bibel, die Gutenberg 1455 mit seinem neu erfundenen Druckverfahren herstellte, war auf Hanfpapier gedruckt. Auch die Schiffstaue, mit denen Kolumbus Richtung Indien segelte, um dann in Mittelamerika zu landen, wurden aus Hanf gedreht. Mit der Verfassung von Amerika – die natürlich auf Hanfpapier geschrieben wurde – oder der ersten Jeans, die Levi Strauss 1870 aus Hanffasern fertigte, ließe sich die schier unendliche Aufzählung beliebig fortsetzen…

Hanf als Heilpflanze

Auch wenn Hanf von manchen Menschen nur auf seinen kleinen THC-Anteil reduziert wird, der vor allem die Hanfblüten zu einer berauschenden Droge macht, dient Hanf schon seit geraumer Zeit als Heilpflanze.

Bereits im alten China behandelte man beispielsweise Gicht und Wunden mit einem Sud aus Cannabisblättern. Die moderne Medizin findet für Cannabis ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten und hilft mit medizinischem Marihuana unter anderem Patienten mit Multipler Sklerose, Krebs oder dem Tourette-Syndrom.

Die Verwendung von Hanf als Heilpflanze reicht allerdings weit über die direkte Aufnahme der verstärkt THC-haltigen Blüten hinaus. Mit seiner heilenden Wirkung ist Hanf ein viel verwendeter Rohstoff für Cremes, Lotionen und Salben. Ob Hanf Seife, Hanf Shampoo oder Fußcreme – heutzutage gibt es heilende und wohltuende Hanfprodukte für den gesamten Körper – und diese natürlich absolut rauschfrei.

Hanf vs. Baumwolle

Getreide, Textilien, Papier, Kosmetik und Medizin? Und das alles aus ein und derselben Pflanze? Der Niedergang des Hanfanbaus in Europa scheint auf den ersten Blick ein Rätsel zu sein. Auf den zweiten Blick lautet die kurze Antwort: Industrialisierung, Baumwolle, USA. Der Hanfanbau wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend vom Baumwollanbau verdrängt. Die marktwirtschaftlichen Interessen führten schließlich sogar zu einem Hanfanbauverbot in Amerika und begünstigten so den Anbau von Baumwolle zur Textilherstellung. Die Papierindustrie in Nordamerika entdeckte außerdem Cellulose als billigen Ersatz zum Hanfpapier, denn günstiges Holz als Rohstoff gab es vor Ort reichlich.

In den darauf folgenden Jahrzehnten fristete Hanf eher ein unauffälliges Schattendasein, während Baumwolle sich global auf dem Vormarsch befand. Auch Baumwolle ist der Menschheit schon seit einigen tausend Jahren als Naturfaser bekannt und ergänzte schon früh die Textilien aus tierischen Fasern, wie Schafswolle, Kaschmir oder Alpakawolle. In der industriellen Großproduktion schneidet Baumwolle leider ziemlich schlecht gegenüber Hanf ab, denn der Baumwollanbau verbraucht wesentlich mehr Fläche, mehr kostbares Wasser und muss mit der doppelten Menge an Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden.

Hanf ist zurück

Nachdem Hanf in den meisten Industrieländern komplett verdrängt und der Hanfanbau sogar verboten wurde, entdeckten Wissenschaft und Industrie in Europa die vielseitige Pflanze in den 1990er Jahren neu und begannen ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen und zu erweitern. Weder beim Anbau, noch bei der Ernte von Hanf müssen so viele zusätzliche chemische Substanzen eingesetzt werden, wie beim Baumwollanbau. Dadurch ist auch die Hanfbekleidung weitgehend frei von hautschädlichen Giften, wie sie bei der konventionellen Baumwollproduktion eingesetzt werden. Beim Anbau von Bio-Baumwolle ist die Verwendung chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel dagegen verboten. Im Vergleich zur „Organic Cotton“ begeistert Hanf durch seine tollen Eigenschaften, wie Feuchtigkeitsmanagement und Temperaturregulierung.

Im Jahr 1989 legalisierte die europäische Kommission den – bis dahin verbotenen – Anbau von Nutzhanf in der EU. Der Nutzhanf wird auch als Industriehanf oder Faserhanf bezeichnet und enthält nur einen sehr kleinen THC-Gehalt, wodurch der Nutzhanf nicht als Rauschmittel missbraucht werden kann. Trotzdem ist der Anbau genehmigungspflichtig und darf nur von landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt werden. In der Europäischen Union ist der Anbau von Nutzhanf für die Textil-, Automobil- oder Bauindustrie sehr gering. Die mit Abstand größten Mengen an Nutzhanf werden in China produziert, gefolgt von Russland und Kanada. Kleinere Flächen für die Gewinnung von Industriehanf finden sich allerdings auf der ganzen Welt.

Hanf als moderner Rohstoff für Textilien 

Im Gegensatz zur Baumwolle, dem „industriellen Standard“, an dem jede nachhaltige Alternative in der Textilindustrie gemessen wird, ist die Verarbeitung von Nutzhanf etwas komplexer. Bei der Baumwolle liefert die Baumwollblüte bereits direkt den Rohstoff, der in der Garnspinnerei zum fertigen Garn verarbeitet werden kann. Beim Hanf gibt es verschiedene Verfahren, um die Fasern von den restlichen Pflanzenteilen zu trennen. Niedrige Qualitätsstufen finden danach zum Beispiel für Innenverkleidungen von Autotüren, faserhaltige Verbundstoffe oder ökologisches Dämmmaterial Verwendung.

Für die Verwendung der Hanffasern als Rohstoff in der Textilindustrie erfolgen weitere Schritte zur Verfeinerung der Fasern. Durch die sogenannte „Cottonisierung“ werden die Fasern soweit vorbereitet, dass sie danach in der Spinnerei weiterverarbeitet werden können. Allerdings ist eine Hanffaser über 4 m lang, während eine Baumwollfaser nur etwa 2 cm misst. Außerdem ist die Hanffaser ungefähr 8 x kräftiger. Das bedeutet, dass die Garnherstellung spezielle Maschinen benötigt – ebenso wie das anschließende Stricken und Weben der fertigen Stoffe. Dass die Fasergewinnung hohen Aufwand erfordert, zeigt auch das Verhältnis vom Rohmaterial zur fertigen Faser: aus etwa 10 Tonnen Hanf entsteht maximal 1 Tonne an feinen Fasern für die Textilherstellung.

Hanf als Ergänzung und Bereicherung für den Outdoorsport

Für Hanf als umweltfreundlichen und nachhaltigen Rohstoff spielen seine funktionellen Eigenschaften eine weitere entscheidende Rolle, um nicht nur als robuste Jeans und bequemes T-Shirt verarbeitet zu werden, sondern auch als sportliche Bekleidung für Wanderer, Kletterer und Bergfreunde:

  • Hanfstoffe sind sehr robust, strapazierfähig und langlebig.
  • Bekleidung aus Hanf trägt sich sehr angenehm auf der Haut und eignet sich super für Allergiker.
  • Stoffe aus Hanf sind temperaturregulierend (wie z.B. auch Merinowolle), d.h. im Winter wärmen sie und im Sommer wirken sie kühlend.
  • Hanffasern wirken antibakteriell und antimikrobiell. Dadurch verhindert Hanf die Bildung unangenehmer Gerüche in Textilien.
  • Da Hanffasern kein Eiweiß enthalten, sind sie für Motten und Käfer uninteressant.
  • Durch intensive Feuchtigkeitsaufnahme und schnelle Abgabe der Feuchtigkeit sorgt Hanfbekleidung im Sommer für angenehme Kühlung.
  • Hanfbekleidung ist oft pflegeleicht. Oft reicht regelmäßiges Auslüften. Häufiges Waschen ist dagegen nicht nötig.
  • Hanfstoffe sorgen für sehr guten UV-Schutz und filtern bis zu 90% der UV-Strahlung.

Die positiven Eigenschaften von Hanfstoffen finden in erster Linie in modischer Freizeitkleidung Verwendung. Auch viele Outdoorfirmen, wie zum Beispiel Patagonia, Maloja, Sherpa oder Tentree setzen Hanf in erster Linie für die Herstellung bequemer Hoodies, Hosen und T-Shirts ein. Teilweise finden Outdoorsportler und Kletterer auch Hanf an eher unerwarteten Stellen: als Fußbett in einigen Black Diamond und Red Chili Kletterschuhen, als Obermaterial von Vaude Freizeitschuhen sogar als Mischgewebe in manchen Volcom Boardshorts.

Das Stichwort „Mischgewebe“ scheint für die Outdoorbekleidungsindustrie die attraktivste Form zu sein, um Hanffasern modern und funktionell einzubinden. So lassen sich die Eigenschaften der einzelnen Fasern sehr gut verbinden und das textile Endprodukt kann mit den gewünschten Merkmalen ausgestattet werden. So bestehen manche Kletterhosen zum Beispiel aus Hanf, Bio-Baumwolle und einem geringen Anteil an stretchfähigen Elasthanfasern. Dadurch lassen sich die positiven Eigenschaften von Hanf zu einer noch weicheren und bewegungsfreundlicheren Sporthose kombinieren. Auch Kombinationen aus Hanf und synthetischen Fasern, wie z.B. Polyester, sind möglich. Durch die Verwendung recycelter Rohstoffe wird dabei nicht nur die Funktionalität (schnellere Trocknung, Formstabilität, Atmungsaktivität) optimiert, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit wird dabei konsequent weiterverfolgt. Ähnlich, wie auch bei Merinowolle, beziehungsweise Mischgeweben mit Merino, bietet Hanf in Funktionstextilien und Outdoorbekleidung vor allem in hochwertigen Mischungen sein größtes Potenzial. Als nachhaltig produzierte Ergänzung für Funktionsbekleidung bieten sich endlose Einsatzbereiche für Hanf, die sich über die gesamte Bike-, Kletter-, Trailrunning-, Wintersport- und Outdoorbranche erstrecken.

Hanfbekleidung: Aussichten und Chancen

Nach etlichen Jahren in der „Verbannung“ ist die Hanfindustrie im Gegensatz zur Baumwollindustrie kaum weiterentwickelt worden. Moderne Maschinen zur Ernte und Weiterverarbeitung der Rohstoffe fehlen in Europa fast komplett. In Folge stammen die meisten Hanfstoffe aus den Hauptanbaugebieten in China. Auch wenn Hanf im Grunde ohne den Einsatz chemischer Unterstützung und künstlicher Bewässerung wachsen kann, so lassen sich die Produktionsbedingungen in Fernost nicht wirklich gut nachvollziehen. Ein T-Shirt aus Hanf ist also noch nicht automatisch umweltfreundlich, nur weil es aus Hanf ist. Oft ist es aber deutlich umweltschonender, als ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle.

Eine wünschenswerte Entwicklung im Nutzhanfanbau wäre ein kontrollierter biologischer Anbau, den es bisher leider noch nicht gibt. Mit Bio-Baumwolle die nach „Oeko-Tex Standard 100“, „GOTS“ (Global Organic Textile Standard) oder von der „Fair Wear Foundation“ zertifiziert ist, haben Kunden, Produzenten und Zulieferer besten Voraussetzungen, um wirklich nachhaltige „Organic Cotton“ in den Händen zu halten. Bei Hanf steht diese Entwicklung bis jetzt noch aus. Dank verstärkter Nachfrage nach Industriehanf und Hanf für die Bekleidungsindustrie bleibt aber zu hoffen, dass auch Bio-Hanf in absehbarer Zeit in den benötigten Mengen verfügbar sein wird.

Nicht nur an möglichen Formen und Kombinationen von Mischgeweben mit Hanf wird unentwegt geforscht, auch ganz neue Möglichkeiten der Hanfverarbeitung werden aktuell geprüft und technisch weiterentwickelt. Dazu gehört zum Beispiel die eine Hanf-Lyocell Faser, die unter dem Markennamen „Lyohemp“ als neue Alternative zu Textilien aus Baumwollen dient. Die umweltfreundlich erzeugte Cellulosegeneratfaser vom Lyocell-Typ wird aus Hanfzellstoff gewonnen. So entfallen mehrere aufwändige Aufbereitungsschritte und statt sich nur auf die Fasern zu beschränken, kann fast die gesamte Hanfpflanze für die Textilherstellung verwendet werden. Dabei entstehen sehr feine Fasern, die als fertiger Stoff extrem weich sind und auch dem Vergleich mit der weichesten Baumwolle mühelos standhalten.

Die Rückkehr der Hanfpflanze steht damit zwar immer noch am Anfang, kommt aber so langsam richtig in Fahrt.

Nachhaltige Rohstoffe in der Textilindustrie – das Leinen Revival

27. April 2021
Ausrüstung

Schon hunderte von Jahren bevor der erste synthetische Faden zu sogenannter Funktionsbekleidung gesponnen, gewebt und gestrickt wurde, zählte Leinen zu einem der ersten Funktionsgewebe, die der Mensch überhaupt zu Bekleidung verarbeitete. Lein ist bereits im Mittelalter verwendet worden und kann sogar im alten Rom und in Ägypten bis ins vierte Jahrtausend vor Christus nachgewiesen werden. Zusammen mit Hanf und Wolle zählt Lein damit zu den ältesten Rohstoffen in der Textilindustrie.

Während Hanf vielen durch seine auffällig geformten Blätter bekannt ist, erkennt nicht jeder auf Anhieb den Lein, der vor allem mit seiner bläulich-violetten Blüte am hübschesten aussieht. Dabei ist Lein viel mehr als ein reiner Lieferant von Fasern für die Textilindustrie. Lein ist eine uralte Heilpflanze, dient in Form von Leinöl und Leinsamen als Nahrungsmittel und lässt sich für zahlreiche industrielle Anwendungsbereiche einsetzen: von der Papierherstellung, über Lacke, bis hin zu Baustoffen und sogar als Bestandteil von Bremsbelägen.

Lein, Flachs oder Leinen?

Aus der botanischen Familie der sogenannten Leingewächse ist der „Gemeine Lein“ die einzige Sorte, die sich für den wirtschaftlichen Anbau eignet. Daneben gibt es etliche Leinarten, die sich nicht für die  Weiterverarbeitung zur Faser oder als Öl im größeren Umfang eignen. Je nach Nutzung wird in der weiterverarbeitenden Industrie zwischen Öllein und Faserlein unterschieden. Die Bezeichnung Flachs leitet sich sprachlich vom „Flechten“ ab und wird oft synonym zum Lein oder Leinen verwendet. Genau genommen ist Flachs aber nur die Faser des Gemeinen Leins. Allerdings wird der Begriff auch oft für ein fertiges Gewebe in Form von Leintuch oder Leinwand benutzt. Mit seinem lateinischen Namen „Linum usitatissimum“ gibt der Lein bereits einen wichtigen Hinweis auf seine „vielfältige Verwendbarkeit“. Eine dieser Möglichkeiten ist die Herstellung von Leinen, dem textilen Gewebe aus den Fasern der Leinpflanze.

Anbau und Verarbeitung von Faserlein für die Textilindustrie

Faserlein wird als einjährige Pflanzen angebaut, die im Grunde keine zusätzliche Düngung oder Verwendung von Pestiziden erfordert. Dabei ist der Lein sehr anspruchslos und wächst vom Frühjahr bis in den Sommer. So wird er zwischen 20 cm und 1 m hoch und blüht ungefähr zwischen Juni und August.

Während in Nordamerika die größten Anbaugebiete für Öllein zu finden sind, stammt der meiste Flachs – also Faserlein – aus China, Russland, Weißrussland und der Ukraine. In Europa wird lediglich in Frankreich und Großbritannien eine nennenswerte Menge Faserlein angebaut. Im deutschsprachigen Raum ist Flachs dagegen fast überhaupt nicht mehr auf den Anbauflächen zu finden.

Nachdem die Baumwolle seit über einem Jahrhundert die Schlüsselposition in der Textilindustrie übernommen hat, steigt mit der zunehmenden Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in der Bekleidungsbranche auch die Nachfrage nach natürlichen Fasern, wie zum Beispiel Wolle, Hanf oder Flachs. Im weltweiten Vergleich ist ihr Anteil gegenüber konventionell angebauter Baumwolle oder synthetischer Fasern, wie Polyester und Polyamid, aber immer noch verschwindend gering.

Knapp 27 Millionen Tonnen Baumwolle wurden allein in der Saison 2019/20 angebaut. Dagegen kommen Öllein und Faserlein zusammen nicht einmal auf 10% dieser Menge.

Die Fasern des Leins zählen zu den besonders langen Bastfasern. Sie lassen sich relativ simpel für die Weiterverarbeitung aufbereiten und können sehr fein gesponnen werden. Leinfasern sind sehr glatt und schließen kaum Luft ein. Dennoch sind sie in der Lage, Feuchtigkeit gut aufzunehmen und auch schnell wieder abzugeben. Dadurch eignet sich Lein sehr gut für die Herstellung von funktioneller Sportbekleidung. Ähnlich wie Merinowolle sorgt Leinenbekleidung für angenehmen Temperaturausgleich, also für einen kühlenden Effekt bei Hitze und gleichzeitig für Wärme bei niedrigeren Temperaturen.

Weicher Tragekomfort für Outdoorbekleidung

Der Trend zu nachhaltiger Mode aus natürlichen Rohstoffen lässt das Angebot von Alltags- und Freizeitbekleidung aus Hanf, Bio-Baumwolle und Leinen immer weiter wachsen. Auch funktionelle Outdoorbekleidung und Freizeitmode für Outdoorsportler aus Leinen ist bei Outdoorfirmen immer häufiger im Sortiment zu finden. Beliebt sind dabei vor allem intelligente und funktionelle Materialkombinationen, wie zum Beispiel Boulderhosen von E9, die aus Leinen, Bio-Baumwolle und Elasthan gefertigt werden oder Funktionsshirts von Odlo, bei denen Polyester und Leinen zu einer atmungsaktiven und angenehm kühlenden Materialmischung verwoben werden.

Ivanhoe of Sweden bietet neben Shirts, Kleidern und Röcken aus Mischgewebe auch Bekleidung aus 100% Leinen an. Auch als Kombination mit der Cellulosefaser Lyocell, wie bei Armedangels oder sogar in warmen Hardshellmänteln von Vaude wird regelmäßig Leinen verwendet. Ob Mountainbike-Shorts von ION oder Sneaker von Gola – die funktionelle Naturfaser Lein steckt in viel mehr Outdoorbekleidung, als man zunächst vermuten würde und verändert durch kleinere oder größer Materialanteile nicht nur die einzelnen T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe, sondern damit auch die gesamte Bekleidungsbranche, die immer mehr auf den nachwachsenden, umweltfreundlichen und funktionellen Rohstoff Lein setzt.

Hypoallergene Faser mit antibakterieller Wirkung

Die Oberfläche der Leinfasern sind besonders glatt. Daher sind Leinenstoffe im Vergleich zu Baumwolle, Wolle und vielen anderen Stoffen praktisch frei von Flusen und Fusseln. Durch das glatte Gewebe haftet am Leinen kaum Schmutz und auch Bakterien haben ihre Schwierigkeiten am Leinengewebe anzuhaften. Diese antibakterielle Eigenschaft macht Bekleidung aus Leinen nicht nur sehr hygienisch, sondern bietet auch für Allergiker sehr gute Alternativen zu vielen anderen Textilfasern.

Auf der Haut fühlt Leinen sich sehr angenehm an. Das liegt einerseits an seinen temperaturregulierenden Eigenschaften und andererseits an seiner weichen und glatten Oberfläche. Trotzdem ist Leinenstoff keinesfalls empfindlich: im Gegensatz zu Baumwolle und anderen Naturfasern ist Leinen sogar ausgesprochen robust. Dadurch ist Bekleidung aus Leinen in der Regel auch länger haltbar, als beispielsweise Bekleidung aus Baumwolle. Dadurch relativiert sich meistens auch der höhere Preis von Leinenbekleidung. Durch die aufwendigere Verarbeitung, entstehen bei der Herstellung von Leinenstoffen höhere Kosten, als bei der konventionellen Baumwollproduktion. Allerdings braucht sich ein ökologisch angebauter und pestizidfreier Leinenstoff, der hypoallergen ist , besonders gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt und dabei das ganze Jahr über durch angenehmen Temperaturausgleich begeistert, ohnehin nicht mit einer konventionelle angebauten Baumwolle zu messen.

Das Einzige, was die Baumwolle tatsächlich einfach besser kann, ist glatt auszusehen. Reine Leinenstoffe sind durch ihre langen Fasern nie ganz glatt und sehen immer etwas knittrig aus. Natürlich gibt das der Oberfläche reiner Leinenbekleidung auch „das gewisse Etwas“ und sorgt dafür, dass Leinstoffe sich bewusst von anderen Textilien abheben. Wer also einen betont „nachhaltigen Look“ bevorzugt, liegt mit Leinenbekleidung genau richtig.

Im Mischgewebe mit anderen Naturfasern oder synthetischen Fasern kommt der Knitterlook dagegen nicht mehr so zum Vorschein. Vor allem in technischer Funktionsbekleidung für Wanderer, Trailrunner und Mountainbiker kommt Leinen eher wegen seiner hautfreundlichen und atmungsaktiven Eigenschaften zum Einsatz.

Der passende Kinderrucksack für jedes Alter

16. April 2021
Ausrüstung

Spätestens im Kindergartenalter wird es Zeit für den ersten eigenen Rucksack. Die meisten Kinder wachsen in den darauffolgenden 15 Jahren noch ein ganzes Stück in die Höhe. Dementsprechend müssen auch die Rucksäcke in dieser Zeit immer wieder ausgetauscht und an die jeweilige Größe angepasst werden. Angefangen beim Kindergartenrucksack, über Rucksäcke für Grundschüler und Schulrucksäcke, bis hin zu speziellen Modellen für Jugendliche und Teenager reicht das Angebot. Ab dem fortgeschrittenen Teenager-Alter eignen sich bereits Rucksäcke für Erwachsene mit kurzer Rückenlänge.

Für die Auswahl von Kinderrucksäcken gibt es zwar technische Kriterien und einige grundlegende Überlegungen, allerdings müssen Eltern das Thema Kinderrucksack für jedes Kind individuell betrachten, denn der Rucksack sollte zur Entwicklung des Kindes und dessen Anforderungen bestmöglich passen. Um Kinderrucksäcke zu kategorisieren, orientieren sich Hersteller von Kinderrucksäcken, wie Deuter, Vaude oder Affenzahn, in erster Linie am Alter der Kinder. Die kleinsten Rucksäcke sind meist für Kinder bis drei Jahre konzipiert und eignen sich für Kinder in Kitas oder Kinderkrippen.

In der zweiten Kategorie werden oft die Kinder im Kindergartenalter (also von 3 bis 5 Jahren) erfasst. Schulkinder, beziehungsweise Grundschulkinder, sind mit 6 bis 10 Jahren schon deutliche größer. Danach geht es von den Kinderrucksäcken fließend in Rucksäcke für Jugendliche, Teenager und junge Erwachsene über. Je nach individueller Entwicklung, Größe und Statur kommen für den einen oder die eine bereits Rucksäcke für Erwachsene oder doch eher kürzere Jugendrucksäcke in Betracht.

Kindergartenrucksack und Kleinkinderrucksack

Während Babys und auch Kleinkinder noch geschoben oder getragen werden, können im Grunde alle Kinder mit Rucksack ausgerüstet werden, die bereits laufen gelernt haben und sicher auf beiden Beinen stehen. Davon ausgehend, dass die meisten Kleinkinder mit etwa einem Jahr das Laufen lernen, lohnt sich ein Rucksackkauf ab etwa eineinhalb oder zwei Jahren. Kinder in diesem Alter sollten nicht sehr viel mehr als ein Kilogramm auf dem Rücken tragen. Gepolsterte Träger und eine Polsterung am Rücken sorgen dafür, dass der Rucksack bequem getragen werden kann und nicht im Bereich von Hals oder Schultern einschneidet oder zu Scheuerstellen führt. Wenn ein Kleinkinderrucksack zwischen 200 g und 300 g wiegt, bleiben noch knapp 700 g als möglicher Rucksackinhalt. Bei etwa 4 – 5 Liter Volumen reicht das bestens für eine volle Trinkflasche, eine Vesperdose, die eigene Jacke und ein paar Handschuhe.

Damit Kinder den Umgang mit dem Rucksack schon früh lernen, sind die Rucksackmodelle für Kleinkinder optimal auf kleine Hände und Finger zugeschnitten. Rundumlaufende und leicht bedienbare Reißverschlüsse mit großen Zugösen sorgen dafür, dass sich der Rucksack schnell und unkompliziert öffnen und schließen lässt. Robuste Verarbeitung und strapazierfähige Materialien verzeihen auch „unsanftere“ Behandlung im Alltag. Meist verwenden Rucksackhersteller Polyester oder Nylon als Basismaterial. Eine zusätzliche PU-Beschichtung sorgt für Schutz vor Regen und erleichtert die Reinigung bei ausgelaufenen Trinkflaschen und Vesperdosen.

Meist verfügen Kleinkinderrucksäcke nicht über zu viele Fächer, sondern sorgen für gute Übersichtlichkeit. Ein großes Hauptfach und eventuell noch ein zusätzliches Frontfach, ein extra Tragegriff und eventuell eine seitliche Mesh-Tasche für die Trinkflasche genügen völlig. Wichtig sind dagegen ein hübsches und kinderfreundliches Design, gut sichtbare Farben und gut sichtbare Reflektoren. Oft sind Kinderrucksäcke für Kleinkinder mit Tiergesichtern und bunten Farben verziert. Im Fall von Rucksackhersteller Affenzahn sieht sogar der ganze Rucksack wie das eigene Lieblingstier der Kinder aus. Die meisten Rucksäcke für Kita-Kinder und Krippenkinder sind mit einem Namensschild ausgestattet. So lässt sich ein verlorener oder vergessener Rucksack schnell wiederfinden. 

Rucksack für Kindergartenkinder

Vom ersten Tag im Kindergarten bis zum ersten Schultag wachsen Kinder meistens zwischen 15 cm und 20 cm. Das bedeutet, dass der erste Kindergartenrucksack nicht unbedingt der Gleiche sein wird, der bei der Einschulung gegen einen Schulranzen oder Schulrucksack eingetauscht wird. Denkbar ist aber, dass der erste Kindergartenrucksack etwa zwei Jahre gut passt und danach gegen ein größeres Modell mit längerer Rückenpartie getauscht wird. Dementsprechend liegt das Volumen für den Kindergarten-Einsteiger „a.k.a. Mäusegruppe“ mit etwa 6 – 9 Liter Volumen auch unter der der größeren „Bärengruppe“ mit 10 – 12 Liter Stauraum.

Rucksäcke für Kindergartenkinder unterscheiden sich von Rucksäcken für Kleinkinder nicht nur durch Rückenlänge und Volumen. Auch die Anzahl der Fächer ist oft höher und zu den kinderfreundlichen Reißverschlüssen kommen Steckschnallen, Einstellriemen und Druckknöpfe dazu. Die meisten Rucksäcke für Kindergartenkinder sind als Toploader mit Reißverschluss oder überlappendem Deckel konstruiert. Die Deckel werden mit einer oder zwei Steckschnallen fixiert. Darunter dient ein Kordelzug mit Kordelstopper als zusätzliche Sicherung. Für kleine Kinder eignen sich beide Systeme gut und bieten keinen klaren Vorteil oder Nachteil.

Viel wichtiger ist auch hier ein weich gepolstertes Tragesystem, das sich gut anpassen lässt und am Rücken weder zu lang noch zu kurz ist. Bei einer zu kurzen Rückenpartie drückt der Rucksack mit seinem Gewicht in den unteren Rücken. Ist der Rucksack zu lang, reicht er bis zum Gesäß oder sogar zu den Beinen. Dadurch zieht die Last das Kind an den Schultern nach hinten – was beim Laufen natürlich sehr hinderlich ist. Bereits Rucksäcke für Kindergartenkinder sind oft mit einem verstellbaren Brustgurt ausgestattet, der von einer praktischen Steckschnalle gehalten wird.

Selbst bei geringer Traglast verbessert der zusätzliche Brustgurt den Tragekomfort, weil die Schulterträger nicht seitlich verrutschen. Der Rucksack sitzt so sicher und bequem am Rücken und die Arme genießen volle Bewegungsfreiheit. Das ist nicht nur zum Laufen und Spielen perfekt, sondern bietet auch zusätzliche Sicherheit, da beide Hände jederzeit frei sind, um sich bei Bedarf festzuhalten.

Die kleinen Rucksäcke sind vielseitige Allrounder und nicht so spezialisiert wie die Wander-, Trekking-, Kletter- und Bike-Rucksäcke der Eltern. Dank ergonomischem Schnitt und guter Polsterung lassen sie sich aber auch bestens für die ersten Wanderungen auf eigenen Füßen und Urlaubsreisen verwenden. Das Design der Kindergartenrucksäcke ist sehr breit gefächert und reicht von schlichten Modellen bis hin zu bunt bedruckten Rucksäcken mit verschiedenen Motiven.

In Bezug auf Farben und Muster sind dabei schon im Kindergartenalter Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu erkennen. Mit Rosa und Pink für Mädels und blauen Farbtönen für Jungs scheinen die farblichen Wünsche vieler Kinder sehr gut erfüllt zu werden. Besonders beliebt sind allerdings auch Rucksäcke in Form von verschiedenen Tieren, beziehungsweise Tierköpfen. Ob Vaude, Deuter, Jack Wolfskin oder Affenzahn – Rucksäcke mit freundlichen Augen und langen Ohren, die wie ein Hund, ein Löwe, Affe, Wolf oder wie eine Eule aussehen, erfreuen sich bei Kindern im Kindergartenalter größter Beliebtheit.

Schulrucksäcke und Rucksäcke für Grundschulkinder

Für die Schule selbst eignet sich ein spezieller Schulrucksack oder Schulranzen besser, als ein Wanderrucksack für Grundschulkinder. Der Wanderrucksack ist in der Regel eher rundlich geformt, so dass Wechselbekleidung, Ausrüstung und Proviant sich gut transportieren lassen. Um Schulbücher, Hefte und Stifte gut zu verstauen, eignet sich jedoch besser eine „kantigere“ Form, die in verschiedenen Fächern den nötigen Platz für die Schulutensilien bereitstellt.

Schulrucksäcke sind mit etwa 18 Liter Stauraum so groß wie ein kleiner Daypack für Erwachsene. Auch Wander- und Outdoorrucksäcke für Kids sollten etwa in dieser Größenordnung gewählt werden. Dabei ist es nicht empfehlenswert auf ein kleines Rucksackmodell für Erwachsene auszuweichen, denn dann ist höchstwahrscheinlich die Rückenpartie zu lang und die Träger lassen sich nicht richtig an die Größe des Kindes anpassen.

Mit zunehmendem Alter der Kinder passen auch die Rucksackhersteller ihre technischen Details und Designs immer mehr an die „großen“ Modelle an. Von den verspielten Tierköpfen geht es zu bedruckten oder einfarbigen Modellen. Kompressionsriemen, verstellbare Hüftgurte, integrierte Regenhüllen und Gummizughalterungen ergänzen teilweise die Wander- und Alltagsrucksäcke für Kinder.

Rucksäcke für ältere Kinder, Jugendliche und Teenager 

Viele Kinder im fortgeschrittenen Grundschulalter unternehmen bereits in jungen Jahren die ersten anspruchsvollen Touren mit ihren outdooraffinen Eltern. Dafür bieten Marken, wie Tatonka, Haglöfs oder Deuter bereits spezielle Wander-, Berg- oder Trekkingrucksäcke an. Mit einem kompakten Trekkingrucksack für Kinder, der bei 30 Liter Volumen dieselben Features bietet, wie ein 75 Liter Reiserucksack für Erwachsene, lassen sich auch mit einem oder einer motivierten zehnjährigen optimal mehrtägige Hüttentouren unternehmen.

Je nach Größe des Kindes vollzieht sich der Übergang zu den Rucksäcken für Erwachsene schleichend und individuell. Für Jugendliche gibt es noch eine gute Auswahl an Rucksäcken, die oft bereits etwas spezialisierter sind und als Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Bike-Rucksack angeboten werden. Oft ähneln sie sehr stark den Modellen für Erwachsene – sind allerdings meist etwas kleiner und im Rückenbereich kürzer und schmaler geschnitten.

Auf die richtige Einstellung kommt es an!

Mit der Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Kinderrucksacks einer bekannten Outdoormarke können Eltern bereits einige wichtige Aspekte beim Rucksackkauf als erledigt betrachten:

  • Der Kinderrucksack ist kinderleicht bedienbar.
  • Die Träger und der Rücken sind weich gepolstert.
  • Das Material ist stabil und abriebfest.
  • Ergonomie, Schnitt und Volumen sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Es gilt zunächst also nur noch, die richtige Rucksackgröße für sein Kind zu finden. Bei durchschnittlicher Körpergröße der Kinder können sich Eltern ganz einfach am Volumen der Kinderrucksäcke orientieren. Eine Altersempfehlung oder die Angabe der empfohlenen Rückenlänge in cm ist dagegen eher selten angegeben.

Die Traglast wird bei Kinderrucksäcken praktisch nie gesondert erwähnt, jedoch sollten die Eltern darauf achten, dass vor allem die Schulrucksäcke nicht zu schwer beladen sind. Da die Wirbelsäule sich bei Kindern noch voll in der Entwicklung befindet, können zu schwer beladene Rucksäcke schnell zu irreparablen Schäden am Rücken führen.

Alter des KindesRucksackvolumenMaximale Traglast
Bis 2 Jahre3 – 5 Liter0,5 kg
2 – 34 – 6 Liter1 kg
3 – 46 – 9 Liter1,5 kg
5 – 610 – 12 Liter2 kg
6 – 815 – 18 Liter3 kg
8 – 1016 – 20 Liter5 kg
10 – 12 18 – 24 Liter6 kg
12 – 16 20 – 28 Liter7 kg
Über 1625 Liter +10 kg +

(Alle Werte sind Richtwerte zur Orientierung und können individuell abweichen.)

Vor allem kleinere Kinder sind nicht in der Lage einen Rucksack selbst einzustellen. Da müssen die Eltern etwas nachhelfen. Dafür sollte der Rucksack so beladen werden, wie er auch im Alltag typischerweise beladen wird. Also zum Beispiel mit Vesperdose, gefüllter Trinkflasche und anderen Accessoires. Bei kleineren Kindern sollte außerdem noch die aktuelle Jacke für das Einstellen angezogen werden, denn sonst sitzt der Rucksack unter Umständen viel zu eng.

Danach sollten die Schultergurte erst komplett gelockert und dann so angezogen werden, dass die Schulterpolster ziemlich genau auf Schulterhöhe anliegen und keine große Lücke zwischen Schulter und Rucksack entsteht. Dann müsste der Rucksack im besten Fall gerade am Rücken aufliegen. Da Kinder die Träger absichtlich oder unabsichtlich verstellen können, sollten die Schulterträger in regelmäßigen Abständen nachjustiert werden. Das gilt natürlich auch bei dünnerer oder dickerer Bekleidung. In jedem Fall müssen beide Schulterträger gleich eingestellt sein, damit der Rucksack nicht schief auf dem Rücken hängt.

Lange haltbar durch regelmäßige Pflege

Kinderbekleidung und Kinderrucksäcke zeigen schnell Spuren vom täglichen Einsatz und vom Spielen in der Natur. Dass die Klamotten gewaschen werden, ist natürlich selbstverständlich. Aber auch dem Kinderrucksack hilft regelmäßige Pflege von innen und außen. So bleibt der Rucksack frisch und einsatzbereit – vielleicht sogar für den kleinen Bruder oder die kleine Schwester.

(P.S.: Eine gute Anleitung zur Rucksackpflege gibt es hier: https://www.bergfreunde.de/basislager/rucksack-waschen/)

Mountain Equipment im Nachhaltigkeitsportrait

25. Mai 2021
Kaufberatung

Dass Briten gern verreisen und harte Knochen sind, hat sich seit den Tagen des Empire in aller Welt herumgesprochen. Dieses Erbe erklärt vielleicht auch das Rätsel, wie eine Insel fernab aller Hochgebirge Spitzenbergsteiger am Fließband hervorbringt. Einige von diesen verwegenen Gesellen haben Firmen gegründet, durch die sie wohl eher ihr eigenes Material optimieren als Märkte und Umsätze erschließen wollten. So wie Pete Hutchinson, der ab 1961 in einem ehemaligen Hühnerstall Daunenschlafsäcke, Daunenbekleidung und Kletterhaken herstellte und seine neue Firma äußerst nüchtern „Mountain Equipment“ nannte.

Die Verwurzelung des Firmengründers in der britischen Kletterszene war und ist seitdem ein wichtiger Erfolgsfaktor, denn dadurch fließt ein Maximum an Know-how und Erfahrung in die Produktentwicklung. Auch wenn die Zusammenarbeit heute nicht mehr hobbymäßig unter alten Kletterkumpels wie z.B. Don Whilans, Doug Scott, Chris Bonington abläuft, sondern professionalisiert durch Sponsoring internationaler Top-Athleten und Organisationen wie dem Expeditionskader des Deutschen Alpenvereins.

Die Nachhaltigkeitsstrategie

Der größte Teil des Mountain-Equipment-Sortiments besteht aus hochwertigen Daunenprodukten, die wiederum zum großen Teil den Anforderungen extremer Bergtouren und Expeditionen entsprechen. Dieser hohe Qualitätsanspruch wird am besten durch nachhaltig produzierte Daunen erfüllt, die auf Dauer nur in artgerechter und umweltfreundlicher Tierhaltung entstehen können. Deshalb ist die Nachhaltigkeit schon aus rationalen Überlegungen heraus ein wichtiger Stützpfeiler der Mountain-Equipment-Philosophie. Was aber nicht heißt, dass ethische Prinzipien und Naturverbundenheit keine Rolle spielten – im Gegenteil, sie sind ebenfalls wichtige Motive.

Umweltmaßnahmen

Da die Daunen das Herzstück der Produktion sind, drehen sich logischerweise auch die Umweltmaßnahmen hauptsächlich um sie.

Nachhaltigkeits-Herzstück: Down Codex

Das Herzstück der Umweltmaßnahmen ist wiederum der Down Codex, ein von Mountain Equipment in Zusammenarbeit mit einer englischen Tierschutz-Organisation selbst entworfenes Prüfsiegel für nachhaltige Daunenproduktion. Das mag auf den ersten Blick aussehen wie eine Firma, die sich ihre Qualitätsmedaille selbst umhängt. Doch auf den zweiten Blick ist der Down Codex ein ambitionierter Anforderungskatalog an alle Beteiligten, der transparent gestaltet und durchaus überprüfbar ist.

Der Down Codex soll sicherstellen, dass ausschließlich Daune aus artgerechter Aufzucht und Haltung in Mountain-Equipment-Produkten landet. Jedes Daunenprodukt erhält dabei einen eigenen Code, über den die gesamte Wertschöpfungskette auf der Webseite www.thedowncodex.de nachvollzogen werden kann. Diese Herstellungs-und-Lieferkette wird auch durch das International Down and Feather Laboratory (IDFL) mithilfe regelmäßiger, auch unangekündigter Kontrollen der Betriebe überwacht.

Die Lieferanten müssen jede Art von Tierquälerei ausschließen und folgende Richtlinien konsequent erfüllen: kein Lebendrupf, keine Zwangsmast, artgerechte Haltung und humane Schlachtung der Tiere. Die Richtlinien werden laut Mountain Equipment „seit 2010 auf unseren Farmen, in den Schlachthäusern und bei den weiterverarbeitenden Betrieben eingehalten.“

Auf der Seite Thedowncodex.de können Kunden den Code ihres Produktes eingeben und so die Herkunft der Daune bis zur Tieraufzucht nachvollziehen. Wer kein Produkt zur Hand hat, kann sich auf der Seite einen Beispielcode anschauen.

Die Herkunft der einzelnen Daunenarten kann man hier auf dieser Unterseite einsehen, inklusive Angabe des zuletzt erfolgten Audits in den jeweiligen Betrieben. Im anschließenden Tierschutz-Report gibt es unter anderem detaillierte Infos zu den Auditverfahren.

Durch die enge Zusammenarbeit mit dem unabhängigen, international tätigen Daunen- & Federn-Testlabor war Mountain Equipment nach eigener Auskunft „weltweit eine der ersten Firmen, die vor Ort in den Farmen, Schlachthäusern und weiterverarbeitenden Betrieben, Auditierungen vorgenommen hat. Dies steht im Gegensatz zu anderen Firmen, die sich auf Selbstzertifizierungen berufen oder auf schriftliche Garantien ihrer Zulieferer verlassen.“

Mountain Equipment hebt die umfassende Transparenz seines Reportings hervor. Es macht auch in der Tat einen transparenten und umfassenden Eindruck. Unter dem Menüpunkt „Ongoing Process“ findet ihr regelmäßige Aktualisierungen.

Der nächste Schritt: Down Cycle

Das Down Cycle Recyclingprojekt ist als nächster Schritt in Richtung Nachhaltigkeit gedacht. Glücklicherweise lässt sich Daune so gut recyceln, dass es sehr viel ökologischer ist, als neue Daune zu gewinnen. Der Hauptgrund dafür ist weniger der entstehende „Daunenmüll“, sondern vor allem der hohe Wasser- und Ressourcenverbrauch bei der Gewinnung. Hier setzt die Recycling-Anlage der Mountain-Equipment-Produkte an, indem sie auf Solarenergie und Wassergewinnung aus der Wasserrecycling-Anlage setzt. Das Daunenrecycling in dieser Anlage spart 70% Wasser im Vergleich zur Gewinnung neuer Daune.

Die Produkte aus der Down Cycle Serie werden aus 100% recycelter Daune und 100% recyceltem Innen- und Außenmaterial hergestellt. Das langfristige Ziel ist, „ein geschlossenes Recyclingsystem für Daunenbekleidung und Daunenausrüstung zu etablieren, damit gebrauchte Produkte wiederverwertet und nicht weggeworfen werden.“ Gebrauchte, nicht mehr zu reparierende Mountain Equipment Daunenprodukte sollen dann vollständig eingesammelt, recycelt und für die Produktion neuer Daunenprodukte verwendet werden. „In England haben wir schon damit begonnen, recycelte Daune aus gebrauchten Produkten, die nicht mehr zu reparieren sind, zu verwenden. In Deutschland gab es 2019 eine große Sammelaktion alter, nicht mehr benötigter Daunenprodukte. Auch einige Fachhändler unterstützen das Projekt mit Daunensammlungen in ihren Läden.

Beispiele aus der Downcycle-Serie sind:

Die erwähnte Aktion in Deutschland war eine Zusammenarbeit mit der Jugend des DAV. Zu deren Jubiläum “100 Jahre Jugendarbeit im Deutschen Alpenverein (DAV)” haben Jugendliche 100 Tage lang, von 23. März bis 30. Juni 2019, gebrauchte, nicht mehr benötigte Daunenprodukte gesammelt. Am Ende kamen fast drei Tonnen Daunen zusammen, die, statt in den Müll zu wandern, nun u.a. als Isolationsmaterial in JDAV-Daunenwesten wiederverwendet werden.

Wichtiger als einzelne Projekte ist jedoch die Zusammenarbeit mit dem französischen Unternehmen re:down, dass die Gewinnung von Daunen aus alten Produkten industriell betreibt. Die meist aus Decken, Kissen und Polstermöbeln gesammelten Daunen und Federn werden gewaschen, sterilisiert und sortiert. Nur ein sehr geringer Teil dieser Daunen ist qualitativ hochwertig genug, um in die Mountain-Equipment-Recyclingprodukte zu gelangen. Der größte Teil wird erneut für die Herstellung von Bettdecken verwendet. Bezugsmaterialen werden geschreddert und zu Dämmstoffen verarbeitet, aus Federbruch wird organischer Dünger hergestellt. Letztlich „entsorgt“ werden nur Knöpfe und Reißverschlüsse, die ca. 5% des Ausgangsgewichts darstellen.

Mehr Effizienz durch Beteiligung

Ein wichtiger Erfolgsfaktor für das Projekt Down Cycle ist die Kundschaft – denn nur wenn die Käufer ihre alten Daunenprodukte zum Recycling bringen statt in die Tonne zu werfen, kann der Kreislauf in Gang kommen. Mountain Equipment bietet eine Rücknahme seiner Produkte an.

Wie fast immer sind also alle „Mitspieler“ gefragt, wenn es um echte Nachhaltigkeit geht. Mountain Equipment will seinen Einsatz erhöhen, indem es den Anteil Down-Codex-zertifizierter Daune am Recyclingkreislauf kontinuierlich erhöht. Bislang ist es nicht möglich, die Daunenherkunft all der verschiedenen Ursprungsprodukte zu überprüfen. Was aber sicher gestellt ist: Bei der Gewinnung zertifizierter Daune musste kein Tier unnötig leiden.

Soziale Nachhaltigkeit: Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation kennen Basislager-Leser schon aus zahlreichen Firmen- und Nachhaltigkeitsportraits. Diese unabhängige und renommierte Non-Profit-Organisation arbeitet weltweit mit Marken, Händlern und Produzenten zusammen, um die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu verbessern. Hauptinstrument sind regelmäßige Audits und Überprüfungen der Arbeitsbedingungen und Sozialstandards in Produktionsbetrieben. Dabei werden Mitarbeiter sowohl außerhalb der Produktionsstätte als auch am Arbeitsplatz ohne Anwesenheit des Managements befragt und über ihre Rechte informiert.

Mountain Equipment hat sich als Mitglied verpflichtet, „in allen Produktionsstätten den strengen Kodex (Code of Labour Practices) der FWF umzusetzen und damit höchste Standards für sozial gerechte Arbeitsbedingungen zu erfüllen.“ Dass dies sehr gut gelingt zeigt der „Leader Status“, den Mountain Equipment im Mai 2019 zum dritten Mal in Folge erhielt. Er ist die höchst mögliche unter den drei Mitgliederkategorien der FWF. „Um diesen Status zu erreichen, müssen Hersteller hohe Auflagen erfüllen und sich intensiv mit ihren Produktionsstätten auseinandersetzen.

Als „soziales Engagement“ könnte man die Mitgliedschaft von Mountain Equipment in der European Outdoor Conservation Association (EOCA) betrachten. Da sich der Einfluss von Mountain Equipment auf Tätigkeiten und Nachhaltigkeitseffekte der Organisation von hier aus nicht einschätzen lässt, soll sie hier nur am Rande erwähnt werden.

Mediales Feedback

Als reines Bergsportlabel ohne Ambitionen auf Lifestyle, Urban-Streetware und andere Massenmärkte ist Mountain Equipment nur in „Fachkreisen“ präsent. Und in ausgewählten Verbraucherportalen wie Utopia.de, wo die Briten mehrfache, überwiegend positive Erwähnung finden. So empfiehlt das Nachhaltigkeitsportal Mountain Equipment in einem Artikel als Bezugsquelle für Daunenjacken ohne Lebendrupf und Stopfmast. Dort wird auch erwähnt, dass alle Kleidungsstücke und Schlafsäcke der Firma den Down Codex erfüllen. Etwas kritischer berichtet Utopia in einem anderen, allerdings schon vier Jahre alten Artikel über die verschiedenen Daunenzertifizierungen. Deren Zahl war und ist durchaus beachtlich. Der Down Codex wird unter den firmeneigenen Standards erwähnt und kritisch beleuchtet:

Der Down Codex hat allerdings – neben der Tatsache, dass es keine unabhängige Prüfinstanz gibt, sondern die Kontrollinstanz IDFL und der Hersteller Mountain Equipment in einer Geschäftsbeziehung stehen – auch Schwächen. So werden die Vor-Ort-Inspektionen der Zulieferer derzeit angekündigt und lediglich alle 3 Jahre durchgeführt.

Als besonders vertrauenswürdige Siegel werden im Artikel der Global Traceable Down Standard (Global TDS) und der Responsible Down Standard (RDS) hervorgehoben.

In einem weiteren Artikel vom Juli dieses Jahres wird Mountain Equipment erneut als empfehlenswerte nachhaltige Marke für Schlafsäcke genannt. „Die Daunen von Mountain Equipment sind wie bei Patagonia zu 100 Prozent ein Nebenprodukt der Fleischherstellung und stehen unter dem firmeneigenem „Down Codex“.“

Das Bergmagazin Alpin hob Mountain Equipment in einem Rückblick auf die ISPO 2018 lobend als nachhaltigen Produzenten hervor:

Der Daunenspezialist Mountain Equipment bringt im Winter 2018 das „Earthrise Jacket“ auf den Markt. Die Jacke ist gefüllt mit 100% recycelter Daune, auch das Außernmaterial besteht aus wiederverwerteten Stoffen. Das „Earthrise Jacket“ bildet den Anfang der Produktreihe „Projekts Earthrise“.

Ebenfalls anerkennend berichtet im Mai dieses Jahres das Branchenportal SAZ-Sport über eine weitere, deutschlandweite Sammel- und Recyclinginitiative, diesmal in Zusammenarbeit mit einem Outdoor-Fachhändler.

Fazit: Wenn Mountain Equipment den eingeschlagenen Weg beibehält und die angekündigten weiteren Schritte umsetzt, kann man für den Bereich der Daunenprodukte von einem ambitionierten, ehrlichen und erfolgreichen Nachhaltigkeitskonzept sprechen. Zu den angekündigten Schritten zählt neben der erwähnten Intensivierung des Recyclingprogramms auch das Bestreben, die Lieferketten immer einfacher und übersichtlicher zu machen, um mögliche „Nachhaltigkeitslücken“ zu schließen.

Von Perfektion in Sachen Nachhaltigkeit kann dann allerdings noch keine Rede sein. Denn was die Nicht-Daunenprodukte wie Jacken, Isomatten und Rucksäcke angeht, lässt sich bislang noch kein nennenswerter Fokus auf Umwelt und Nachhaltigkeit feststellen. Dazu fällt mir ehrlich gesagt nicht viel ein. Außer vielleicht ein leicht abgewandeltes Zitat eines großen Menschheitsführers: wer perfekt nachhaltig und widerspruchsfrei lebt, der werfe den ersten Stein.

Made in China – inzwischen ein Qualitätsmerkmal?

17. Februar 2021
Ausrüstung

Es ist noch nicht lang her, dass „Made in China“ für Plastik- und Elektronikkrempel stand, der nach einer handvoll Verwendungen reif für die Tonne war. Es gibt sie immer noch, die Imitate und den Schrott, doch deren Anteil wird immer geringer und durch immer wertigere und langlebigere Produkte ersetzt. Zudem produzieren die Chinesen immer mehr für ihren eigenen Bedarf. Das gilt nicht nur für Huawei-Handys und Magnetschwebebahnen, sondern auch für digitale Produkte. So hat China mit Alibaba sein eigenes Amazon und mit Weibo sein eigenes Twitter und Instagram.

Dieser Wandel ist auch in den Bereichen Textil und Outdoor zu beobachten. China ist auch hier nicht länger die Werkbank der Welt für eilig zusammengeschusterte Massenprodukte, sondern wird zum Produzenten für komplexe Hightech-Produkte. Und auch hier steigen Qualität und Funktionalität. Und auch hier fragen die Chinesen die Produkte zunehmend selbst nach. Längst gibt es eine Outdoor-Bewegung, die nicht mehr nur in großen Massen zu touristischen Pilgerzielen wandert, sondern auch individuell in der Natur und den Bergen unterwegs ist.

Das kann man auch an den Umsatzzahlen von Herstellern sehen, die hauptsächlich für den Binnenmarkt produzieren. So fertigt beispielsweise der Hersteller Kailas große Mengen an Seilen, Karabinern, Klettergurten und Hightech-Bekleidung für chinesische Bergfreunde. Hinzu kommen Zelte, Schlafsäcke, Matten und komplette Outdoor-Kollektionen für Frauen und Männer.

Teilweise kehren sich die einstigen Kräfteverhältnisse auch um, denn ein Siegel wie „Fabrics China“ steht heute nicht mehr für Preisdumping, sondern für Qualitätsstandards, auf die sich weiterverarbeitende Firmen voll verlassen können. Das Outdoor-Branchenmagazin ISPO schreibt dazu:

Während der Sportbereich in China wächst, steigt auch die Nachfrage nach leistungsfähigen Stoffen von anerkannter Qualität. Vor diesem Hintergrund stellen die schnellen Tests im China Textile Information Center (CTIC) sicher, dass Funktionsstoffe das Zertifikat „Fabrics China“ erhalten.

Mehr als zweihundert Hersteller sind Mitglied im CTIC, welches wiederum zum China Textiles Development Service gehört, einer Körperschaft für beschleunigte Tests und Akkreditierungen von verschiedenen textilen Leistungseigenschaften wie pflegeleicht, temperierend, schnelltrocknend oder UV-abschirmend. Erfolgreich akkreditierte Produkte werden mit dem Hängeetikett „Fabrics Chinaversehen.

Angesichts dieser Entwicklungen ist nachvollziehbar, dass viele „westliche“ Firmen längst nicht mehr nur wegen der niedrigen Preise in China produzieren (lassen).

China als Hotspot und Innovationstreiber in Sachen Textil

Während man China bislang eher Geschick beim Ideenklau als im Kreieren eigener Ideen nachsagte, sprudeln Letztere jetzt reichlich. Das liegt vermutlich an der ausgeprägten Wissbegier und dem hohem Bildungseifer – die wiederum mit straffer politischer Führung und eher geringen persönlichen Freiheiten zu tun haben dürften, denn harter Denksport ist in China vielleicht der einzige Weg zu mehr Selbstbestimmung.

Was auch immer die genauen Ursachen sind, die Früchte der Entwicklung sind im Bereich Textil und Outdoorequipment genauso zu sehen wie im Technologiesektor. Ein gutes Beispiel für chinesische Innovationskraft liefert das Biotechnologieunternehmen Cathay, dass die fossilen Ausgangsstoffe von Funktionstextilien durch Mais ersetzen will. Weitere Beispiele für Firmen aus dem Osten, die auch im Westen als innovativ und nachhaltig geschätzt werden, sind neben dem oben erwähnten Hardwareproduzenten Kailas die Brands TengFei und 361°. Mit der Yarn Expo Shanghai hat China auch eine riesige Textil- und Modemesse als Schaufenster vieler einheimischer Hersteller aus den Bereichen Mode und Sport.

China als großer Absatzmarkt für Textilien und auch Outdoor-Produkte

Ein weiteres überholtes(?) China-Bild ist die alleinige Rolle als „Werkbank der Welt“, die enorm viel produziert, aber kaum selbst konsumiert. Nein, mittlerweile gilt China mit seinen fast 1,4 Milliarden Einwohnern als „sicher einer der weltweit spannendsten Märkte für die Sportindustrie“. Die Investitionen sind nicht nur in Bereichen wie Fußball gigantisch, sondern auch beim für Outdoorhersteller interessanten Wintersport. Das Interesse westlicher Firmen am Absatzmarkt China ist groß, doch wegen der enormen kulturellen Unterschiede tun sich viele internationale Marken laut ISPO-Magazin schwer im Reich der Mitte. Da braucht es schon echte Kenner wie den Chef der Tecnica Group Remigio Brunelli, der anhand von 6 Ratschlägen erklärt, wie der Marktzugang gelingen kann.

China wird aber nicht nur zum Absatzmarkt der westlichen Outdoorhersteller, sondern dreht auch hier den Spieß um und expandiert mit der eigenen Industrie nach Europa. Und das nicht erst seit gestern, sondern mindestens seit 2015, als die Marke 361° im Westen Läden eröffnete. Zum Angebot von 361° gehören vor allem Lauf- und Trainingsschuhe, aber auch Wander- und Lifestyle-Schuhe sowie Bekleidung für Frauen und Männer zu überwiegend moderaten Preisen.

Europäische Verarbeiter und Fabriken in China

Remigio Brunelli lebt seit mehr als 15 Jahren in China. Er kam zu dem Zeitpunkt, als auch die Messe München mit ihrer ISPO erstmals in Peking auftrat. Seitdem ist der China-Chef der Tecnica Group zu einem der angesehensten Experten der internationalen Sportindustrie für das Reich der Mitte geworden. Die Marken der Tecnica Group machte er zu „Top-Performern“ im chinesischen Markt.

Dabei lösen Tecnica und viele andere Outdoorfirmen aus dem Westen auch die klassische „Arbeitsteilung“ auf – welche bekanntlich darin bestand, dass Stoffbahnen und andere einfache Ausgangsprodukte in Fernost hergestellt wurden, während das finale „Zusammenschneidern“ zu komplexen Produkten in der Heimat stattfand. Mittlerweile werden immer mehr Zwischenschritte bis zum finalen Feinschliff in China durchgeführt.

Ein bekanntes Beispiel hierfür ist Icebreaker, der neuseeländische Merino-Spezialist. Icebreaker lässt auch die komplexen Verarbeitungsschritte in chinesischen Fabriken ausführen – und zwar nach eigenen Angaben auf hohem Nachhaltigkeitsniveau. Auf dem neuseeländischen Nachrichtenportal Scoop erschien dazu ein spannender weil kontroverser Mailaustausch zwischen Firmenchef Jeremy Moon und der Autorin Barbara Sumner Burstyn. Nach deren Vorwürfen, dass Moon und seine Firma eher Greenwashing denn echte Nachhaltigkeit betrieben, antwortet der „Angeklagte“ wie folgt (übersetzt mit DeepL.com):

Die 3 Fabriken, mit denen wir zusammenarbeiten, haben alle Wasserreinigungsanlagen, die Trinkwasserqualität ausgeben, zahlen 10-30% über dem Durchschnitt liegende Löhne, ernähren und beherbergen alle Mitarbeiter und haben null Schadstoffausstoß, da sie alle auf Strom basieren und extrem energieeffizient sind. Alle Lieferanten erfüllen den Umweltstandard ISO14001 (international höchster Standard) und die Stoffe entsprechen dem europäischen Umweltstandard ECOTEX1. Fast alles wird recycelt und wiederverwendet, wo es möglich ist. (…)

Ich stimme zu, dass es in China viel Schlechtes gibt, dasselbe wie in Neuseeland, wenn man danach sucht, aber in einem anderen Ausmaß, aber es gibt auch gute Sachen. Schauen Sie sich die Fabriken unter den neuen strengen Umweltgesetzen an, nicht nur die alten. Ich habe Zeit bei jedem unserer Zulieferer verbracht und die „saubersten“ sind in China. Was Sie sagen, stimmt also für das alte China, aber nicht für die Lieferanten von Icebreaker.

Indem Icebreaker nur das „neue“ China unterstützt, fördern wir einen positiven Wandel in einem Land, das ihn braucht. (…)

Klingt nicht schlecht, doch Sumner Burstyn kontert mit einem beeindruckend detaillierten und Quellen-unterlegtem Gegenbild. Hier nur beispielhaft ein Absatz aus der langen Antwort:

Ihr ’neues‘ China hat ein glänzendes, westliches PR-Gesicht, es macht umweltfreundliche Geräusche und einige kleine Anstrengungen, um das Gewissen von unruhigen Unternehmen wie Icebreaker zu beruhigen, aber unter dieser Fassade geht die Kontrolle, die Zensur, die schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der natürlichen Welt, um unbegrenztes Wachstum (in einer endlichen Welt) anzuheizen, unaufhaltsam weiter. Darf ich vorschlagen, dass Sie das nächste Mal, wenn Sie in China sind, ein T-Shirt mit der Aufschrift ‚Support Fulong Gong‘ oder ‚Free Tibet‘ in chinesischen Schriftzeichen quer über die Brust tragen und sehen, wie das ’neue‘ China darauf reagiert.

Man staunt als Leser, wie weit die Wahrnehmungen auseinandergehen und wie schwer es offenbar ist, sich von außen ein wirklichkeitsgetreues Bild der Verhältnisse und Arbeitsbedingungen im Reich der Mitte zu machen. Hier steht wohl noch einiges an Entwicklung und Arbeit bevor, bis der Produktionsstandort China den Ruch der Undurchsichtigkeit ablegen kann (falls er es je tun wird oder überhaupt will …). Ein wichtiger Schritt dahin wären Zertifizierungen mit verlässlich-transparenten Siegeln wie Bluesign-Standard, Fair-Wear oder Responsible Down Standard.

China als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit?

Bisher konnten wir nicht alle, aber einige der eher negativ gefärbten China-Vorstellungen aufhellen. Ein letztes, wenig schmeichelhaftes Bild wäre noch, dass ein wesentlicher „Wettbewerbsvorteil“ Chinas bislang darin lag, dass Fabrikanten und Behörden kaum Rücksicht auf Umweltbelange und Gesundheitsaspekte nahmen. Und dass sie auf Abermillionen fleißige Arbeiter bauen konnten, die mit wenigen Rechte und geringen Ansprüchen ausgestattet waren.

Hier sind vereinzelt große Fortschritte zu erkennen, aber längst nicht flächendeckend. Nach wie vor liegen beispielsweise von den weltweit am stärksten verschmutzten Millionenstädten die meisten in China. In der Outdoorbranche und der mit ihr verbundenen Textilindustrie sind die Anstrengungen schon aus Imagegründen sicher umfassender als in anderen Bereichen. So haben beispielsweise die meisten in China produzierenden westlichen Outdoorlabels Zertifizierungen und Audits eingeführt, mit denen die Standards vor Ort gehoben und gesichert werden sollen. Einige dieser Bemühungen haben wir hier im Basislager bei diversen Nachhaltigkeitsportraits schon näher beleuchtet (zuletzt beispielsweise bei Millet und Arc’teryx).

Wer konkrete Nachhaltigkeitsmaßnahmen und -Fortschritte der chinesischen Hersteller sehen will, wird auf den oben erwähnten Textilmessen in Shanghai fündig werden. Einige der dort gezeigten Beispiele finden sich im letztjährigen Bericht des Fashionnetworks:

Das Unternehmen Lily Textile entwickelte über das Projekt Green Defense einen leicht zu rezyklierenden antibakteriellen Polyester-Stoff, der die natürlichen Wirkstoffe von Mandeln und Zimt nutzt. Zu den Kunden von Hua Mao Nano-Tech zählen unter anderem Nike, Lee und Amer. Das Unternehmen verwendet Basalt, um das Wärmevermögen von Stoffen zu erhöhen und diese dennoch rezyklierbar zu machen. Denselben Weg schlug auch die Firma Nano Mintex aus Hongkong ein, die ihr antibakterielles Sortiment weiterentwickelte. Im gemeinsamen Pavillon EcoCosy präsentieren Zhonghuitex, Mingchen Textile, Heltin Textile und SF Fiber einen neuen Viskose-Stoff, der als nachhaltig angepriesen wird.

Der Recyclinggedanke und die Rücksicht auf begrenzte Ressourcen fassen demnach Fuß im Reich der Mitte. Bei den Arbeitsstandards gibt es sicher noch reichlich Nachholbedarf, doch wenn man den Vergleich zu vergangenen Billig- und Werkbank-Tagen zieht, ist auch hier viel positive Veränderung angestoßen worden. Von einer Vorreiterrolle zu sprechen, wäre jedoch fürs Erste noch ein wenig zu viel des Guten …

DAS ZWIEBELPRINZIP – Schicht für Schicht umgesetzt

8. Februar 2021
Kaufberatung

Wenn die Temperaturen schwanken, der Regen kommt und geht und körperliche Aktivitäten wechseln, gerät der Körper schnell vom Frieren ins Schwitzen und wieder zurück. Es sei denn, man ist eingekleidet wie eine Zwiebel – in mehreren passend zueinander angeordneten Schichten. Von diesem Zwiebelprinzip beim richtigen Einkleiden hat jeder irgendwo schonmal gehört. Und natürlich war es auch hier im Blog schon Thema, Bergfreundin Wiebke hatte sich der Sache angenommen. Allerdings ist das schon ein paar Jährchen her und wir haben damals auch eine Fortsetzung angekündigt. Die trifft hiermit nach dem Motto „besser spät als nie“ ein :-)

Im damaligen Artikel ging es um Sinn, Funktionsweise und allgemeine Grundlagen des Zwiebelprinzips. Feinheiten und Spezialfälle konnten in diesem Rahmen nicht behandelt werden, denn, wie Wiebke im hier nochmal nachzuschlagenden Artikel schrieb:

Im Grunde könnte man für jede Disziplin einen eigenen Artikel schreiben, um bei diesem Thema ansatzweise ausführlich genug zu sein. Das hat dann aber wiederum das Problem, dass sich die Disziplinen doch nicht so leicht von einander abgrenzen lassen und dann beginnt das Problem wieder von vorne.“

Damit waren schon einige Herausforderungen für die gelungene Umsetzung des Prinzips angeschnitten. In der Folge sollte es dann um die konkrete Umsetzung gehen – bei der all die kleinen Hindernisse möglichst elegant umschifft werden.

Eines dieser Hindernisse ist, dass es kein Patentrezept für den gesamten Berg- und Outdoorsport gibt, sondern, dass man eigentlich seine Bekleidung je nach Spezialdisziplin unterschiedliche zusammensetzen müsste. Das kann und will natürlich kaum jemand leisten. Was aber auch kein Problem ist, da die meisten Bergfreunde sowieso „nur“ eine oder zwei der genannten Disziplinen regelmäßig ausüben und dementsprechend mit einem oder zwei Standardoutfits ausreichend eingedeckt sind.

Schauen wir uns also einige Disziplinen beispielhaft an und versuchen, ein jeweils passendes Layering-Setup zusammenzustellen. Was leider auch wieder nur annäherungsweise „passen“ kann, weil jedeR BergfreundIn einen anderen Körperbau hat. Und weil ich mich hier auf Männervarianten beschränke, da ich hier wohl abzuschätzen, was für den Durchschnitt etwa passt. Vielleicht mag ja eine Bergfreundin noch einen weiteren Fortsetzungsartikel mit Beispiel-Setups für Frauen schreiben …

Auch bleibe ich hier bei wenigen „Mainstreamdisziplinen“ des Outdoorsports, denn wenn man von Expeditionen bis zu Alpinklettern und Wüstendurchquerungen jede Spezialität abdecken will, sprengt man ebenfalls jeden Rahmen.

Wir bleiben hier bei den grundlegenden, großen Kleidungsstücken, die Rumpf, Arme und Beine abdecken. Mütze, Handschuhe oder Gamaschen werden ohnehin „einfach so“ getragen. Dass alle hier vorgeschlagenen Klamotten-Kombos in eurem Lieblingsbergshop erhältlich sind, ist natürlich nur Zufall ;-)

Jede Sportart hat ihr optimales „Layering“

Bevor wir die optimale Zwiebel-Mischung für die nächste Outdoor-Action aus dem Schrank fischen, sollten wir überlegen, welche Anforderungen unsere Disziplin an das Gewebe stellt. Erstmal wären da die allgemeinen Anforderungen: wir wollen möglichst wenig schwitzen und möglichst wenig frieren. Hinzu kommen einige weniger elementare, aber für das Erlebnis und den Genuss entscheidende Faktoren.

So soll unsere Kleidermischung möglichst wenig stinken, kratzen oder jucken. Dann sollen sie auch noch möglichst wenig wiegen und möglichst wenig Platz im Rucksack wegnehmen. Und als ob das noch nicht genug wäre, sollten auch Größe und Schnitt der einzelnen Lagen zueinander passen und sich ohne Druck- oder Reibestellen zusammenfügen. Dieser Punkt ist etwas schwierig umzusetzen, da man sich in aller Regel nicht den kompletten Satz Kleidung auf einmal kauft, sondern meist nur das Teil, das gerade fehlt.

3, 4, 5? Wie viele Schichten überhaupt?

Das Minimum fürs funktionieren des Zwiebelprinzips sind drei Schichten, das praktikable Maximum dürfte bei fünf liegen. Ab dann wird’s nämlich langsam umständlich: Es passt nicht mehr alles zueinander, manches rutscht aufeinander herum, flatternde Zwischenräume stören, anderswo zieht und spannt es. Das wird umso störender, je intensiver man sich bewegt.

Aber: Die eine oder andere Extraschicht kann auch Vorteile bringen: so trocknen viele dünne Schichten schneller als wenige Dicke. Auch kann man ein dünnes Teil problemlos zwischendurch waschen oder zur Gewichtseinsparung in der Hütte zurücklassen, ohne sich gleich halbnackt am Viertausender zu fühlen. Da diese Vorteile umso mehr zum Tragen kommen, je länger eine Tour dauert, kann man als Kurzformel zusammenfassen: je länger die Tour, desto wichtiger werden die Vorteile eines „Viele dünne Lagen Konzepts“.

Kurz, es ist wie immer, die schnelle Fertiglösung gibt es nicht. Man muss von Fall zu Fall, von Tour zu Tour abwägen. Wer alles optimal abdecken will, braucht fünf Lagen an guter Funktionskleidung und zusätzlich jeweils eine robuste und dicke Baselayer, Midlayer und Hardshell. Dann lässt sich je nach Sportart beliebig variieren und je nach Bedarf auf 3-, 4- oder 5-Schicht-System „umsteigen“.

Damit zu den konkreten Vorschlägen, gegliedert nach den Haupt-Sportarten, die wir Bergfreunde gern ausüben. Alle Teile sind im Größe M und wenn möglich mittlerer Passform ausgesucht. Zusätzlich gibt es noch einige Hinweise, auf welche Besonderheiten bei den jeweiligen Sportarten zu achten ist.

Hochtour:

Baselayer:

Hose:

Kunstfaser:

Merino:

Mittlere Lage(n):
ohne Isolierung:

mit Isolierung:

mit Isolierung und Kapuze:

(normalerweise „beißt“ sich eine Kapuze in der mittleren Schicht mit der Kapuze der Hardshell, doch dafür kann die Midlayer die Hardshell gelegentlich ersetzen)

Hose (nur bei extremer Kälte notwendig):

Außenlage/Hardshell, 3-lagig:

günstiger:

Hose:

weiter Schnitt, günstiger:

klassischer Schnitt, teurer:

Worauf ist zu achten?

Äußere Bedingungen und Besonderheiten:

Kälte, wegen der dünneren Luft oft trockene Kälte, Wind stärker als im Tal, Nässeschutz wichtig – zwar nicht mehr Regen als „unten“, aber Auskühlung hat ernstere Auswirkungen. Sehr schnelle und intensive Wechsel von Temperatur und Wetter möglich – deshalb sollte alles leicht handzuhaben sein, also beispielsweise keine umständlichen Knopfleisten und Schnürungen. Egal wie lang die Tour – geringes Gewicht wird meist angestrebt, deshalb möglichst wenig Klamottenwechsel – sollten also Schmutz, Schweiß und Mief aushalten können.

Körperliche Anforderungen und Besonderheiten: sehr viel Bewegungsspielraum gefordert, selbst bei reinen „Gletscherhatschern“. Denn es wird nicht nur gelaufen und gestiegen, sondern auch mit dem Material hantiert, Steigeisen in irgendwelchen engen Nischen oder kleinen Absätzen angezogen auf engstem Raum. Wenn dann die Klamotten spannen oder verrutschen, ist das nervig. Deshalb ist Stretchmaterial sehr angenehm. Besser etwas enger und elastisch als weit, denn das flattert herum und bleibt hängen.

Ins Thema „Kleidung auf Hochtour“ kannst du dich übrigens hier im Basislager weiter vertiefen.

Trekking/Wandern

Baselayer:

wintertaugliches Komplettset mit Hose:

Kunstfaseroberteil mit Polygiene, günstiger als Merino:

Mittlere Lage(n):

isolierend:

Hose (nur bei extremer Kälte oder im Winter notwendig):

Außenlage/Hardshell:
klassische Lösung:

Daunen-Hardshell für winterliche Bedingungen:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Hier gilt ähnliches wie bei Hochtouren, nur dass es im Normalfall eine Stufe „entspannter“ und weniger ernsthaft zugeht. Gleiches gilt für den Unterschied zwischen Trekking und Wandern – auch hier gibt es ein Gefälle. Nicht nur hinsichtlich Länge der Touren, sondern auch hinsichtlich der extremeren und schneller wechselnden Bedingungen beim Trekking. Es müssen öfter mal Kleidungsstücke gewaschen und getrocknet werden. Deshalb sollte man beim Trekking lieber mehr und dünnere Kleidungsstücke als wenige dicke Schichten tragen. Und die Kleidung muss deutlich mehr aushalten als ein Wanderoutfit.

Skitour

Baselayer:

mit Flachnähten:

mit RV und Stehkragen:

Hose:
elastisch, mit Zwickel:

Mittlere Lage(n):
isolierend:

isolierend, mit Kapuze:

günstig, als zusätzliche Midlayer geeignet:

Hose:

Außenlage/Hardshell:

Hose:
mit Hosenträgern, nicht wasserdicht, günstig:

High-End-Lösung, tiefschneetauglich:

Worauf ist zu achten?

Auch hier bestehen im Anforderungsprofil nur kleine Unterschiede zur Hochtour. Die Temperaturen gehen noch tiefer in den Keller und die Abfahrt vom Berg erfordert zusätzlichen Windschutz. Schwitzen ist außer bei steilen und anspruchsvollen Touren nicht das Hauptthema. Auf das An- und Ablegen von Klamotten während der Tour hat man im Winter noch weniger Lust als im Sommer. Deshalb sind eher wenige Lagen angenehm.

Trailrunning

Baselayer:

Kunstfaser-Komplettset für kalte Tage:

Oberteil mit Merinowolle:

Mittlere Lage(n):

Hose:
winddicht, gerunchshemmend:

Außenlage/Hardshell:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Hose:
wasser- und winddicht, ultraleicht:

Worauf ist zu achten?

Hier ist maximale Atmungsaktivität gefragt, während Kälte und Wind eher untergeordnete Faktoren sind. So lange man in Bewegung bleibt. Die entscheidende Frage ist, ob man nach dem Lauf schnell ins Warme kommt oder noch für längere Zeit draußen/oben am Berg verweilt. Im Normalfall wird jedenfalls eine dünne Isolationsschicht und eine leichte Hardshell reichen. Das Motto heißt „Leicht und aerodynamisch“.

Klettern/Bouldern

Baselayer:

Kunstfaser-Merino-Mix, Langarm:

Hose:

Mittlere Lage(n):

Hose:
für Bouldern, Halle, Sportklettern:

Außenlage/Hardshell:
Helmtauglich, fürs Alpinklettern:

Hose:

Worauf ist zu achten?

Während bei den anderen Disziplinen oft kontinuierliche, gleichmäßige Bewegungsphasen vorherrschen, hat man hier oftmals ein Stop and Go mit abwechselnd sehr intensiver und dann wieder sehr geringer Bewegungsaktivität. Je nachdem wie lang und schwierig die Klettertour ist, ergeben sich unterschiedlich lange bewegungsarme Phasen beim Sichern und an den Standplätzen.

Ein typisches Szenario: gerade noch haben athletische Züge in der sonnenbeschienenen Felswand für fette Schweißperlen gesorgt, jetzt steht man wenige Meter oberhalb am Standplatz im Schatten und es kommt Wind auf. Jetzt sollte im Idealfall eine einzelne ausreichend dicke Isolierschicht griffbereit sein. So ein Daunen- oder Kunstfaserjäckchen ist in der Regel auch automatisch guten Windschutz, auch wenn nicht explizit Windstopper oder ähnliches verarbeitet ist. Sich mehrere dünne Lagen umständlich und zeitraubend überzustreifen, ist angesichts von wenig Platz und oftmals auch engem Zeitplan nicht die Ideallösung.

Beim Bouldern kann man all diese Überlegungen recht entspannt angehen, denn man ist in der Regel nicht weit vom nächsten Hotelzimmer, Zelt oder Wohnmobil entfernt. Man ist auch eher selten heftigen Wechseln der Wetter- und Außenbedingungen ausgesetzt. Auf Beweglichkeit kommt es hingegen sehr stark an, weshalb sich hier eher wenige Lagen empfehlen.

Bike

Baselayer:

Kunstfaser:

Merino:

Hose:
Kunstfaser:

Mittlere Lage(n):

Außenlage/Hardshell:

Hose:
vielseitig, günstig:

sportlich, aerodynamisch:

Worauf ist zu achten?

Zunächst einmal könnte man hier diverse Unterdisziplinen wie Mountainbike, Rennrad, usw. berücksichtigen. Bleiben wir beim vielseitigen Standardszenario, in dem wir mit dem Bike zum Berg fahren. Dabei geht es mal über Landstraßen, mal über unbefestigte Wege, ohne dass es zu extremem Bergauf oder Bergab kommt. Dann bleiben der Windschutz und die Flexibilität bei aerodynamischer Passform als wichtigste spezifische Anforderung an die Bekleidung über. Mit einer Gore Windstopper Membran ist man auf dem Bike immer auf der sicheren Seite.

Beautykur für die Latten – (Touren-)Ski richtig wachsen

28. Januar 2021
Pflegetipps

Hallo Ihr Lieben! Herzlich willkommen zu Lisas Beauty Palace. Heute wollen wir uns gemeinsam mal ein wenig mit Wellness und Kosmetik befassen. Ja, ihr Schnuffelhasen habt recht gehört ich möchte euch heute ein paar Tipps zum Thema Waxing geben… Außerdem liked mal meinen Abobutton und drückt mir auf die Glocke. Duckface…

Scheiße Mann, hab ich das gerade wirklich geschrieben… Egal, schnell weiter. Heute geht es nämlich wirklich um so etwas wie Wellness und Beauty (was, echt, hier?!?), allerdings für Skier. Denn wir befassen uns mit der Frage: Wie wachse ich Tourenski eigentlich richtig? (und Alpinski und Snowboards und Skatingski und Snowblades und … ANFANGEN!!!) Ja, ist ja gut, also los…

Wachsen – Bedarf und Methoden

Auch Skier brauchen von Zeit zu Zeit ein bisschen Liebe. Daher sollte man sie regelmäßig wachsen. Das macht sie nicht nur schneller und die Gleiteigenschaften besser, sondern schont auch den Belag. Die gebräuchlichste und dauerhafteste Variante ist dabei das Heißwachsen. Also das Auftragen von speziellem Skiwachs mittels Bügeleisen. Hiermit wollen wir uns in diesem Artikel einmal ausführlich befassen. Eine weitere populäre und vor allem einfache Methode ist die Verwendung von Flüssigwachs oder Wachssticks. Diese lassen sich schnell und einfach auf den Ski auftragen. Das Wachs muss nach einer kurzen Zeit nur noch poliert werden.

Es hält dafür aber auch nicht so lange und hilft meist nur wenig bei wirklich ausgelaugten Belägen. Aus diesem Grund ist die Verwendung von Flüssigwachs eher eine Ergänzung als eine wirkliche Alternative zum klassischen Heißwachs. Zusätzlich bieten Hersteller wie Swix, Holmenkol oder Toko zahlreiche andere Wachssysteme an, die aber alle eher für Spezialanwendungen konzipiert sind. Dieser Artikel befasst sich daher nicht damit, wie man Skier perfekt für ein Rennen vorbereitet oder wie man klassische Langlaufski mit Steigwachs wachst. Wir beschäftigen uns heute lediglich damit, wie der Otto-Normal-Tourengänger oder -Skifahrer seine Skier in Sachen Belag wieder fit für den nächsten Einsatz macht.

Eines noch vorweg: Es gibt nicht den einen richtigen Arbeitsablauf Ski zu wachsen. Jeder hat da so seine eigenen Tricks. Fragt man fünf Leute, bekommt man sieben unterschiedliche Varianten erklärt. Was ich euch also hier erkläre, ist nicht in Stein gemeißelt. Es ist meine Art Skier zu wachsen. Diese bewährt sich schon seit vielen Skifahrjahren und orientiert sich selbstverständlich an den Vorgaben der Wachshersteller.

Aber wann ist es denn eigentlich notwendig die Skier zu wachsen?

Das kommt immer darauf an, wie stark die Ski beansprucht wurden und wie viel und wie intensiv man damit unterwegs war. Aber auch welche Schneebedingungen geherrscht haben. Denn im Pulverschnee wird der Belag beispielsweise weniger beansprucht als auf einer harten Kunstschneepiste.

Auch der Kontakt mit Steinen und dergleichen setzt dem Belag mitunter stark zu und erfordert eine Reparatur. Spätestens wenn die Skier nicht mehr richtig „laufen“ sollte man daher handeln. Besser ist es aber, wenn es erst gar nicht so weit kommt. Ich wachse meine Alpin- und Tourenski beispielsweise nach etwa jedem vierten bis fünften Skitag, das hat sich über die Jahre für mich bewährt.

Ein eindeutiger Indikator ist es allerdings, wenn sich der Belag extrem stumpf anfühlt und schon an einigen Stellen grau wird. Gerade bei schwarzen Belägen ist das gut zu sehen und zeigt an, dass der Belag ausgelaugt ist und dringend eine Auffrischung braucht. Ihr könnt euch das wie extrem trockene und rissige Haut vorstellen. Durch gezieltes Eincremen wird die Haut wieder geschmeidig und fühlt sich gut an. Genau so ist das auch bei Skibelägen, die gewachst werden.

Zusätzlich empfiehlt es sich, die Skier nach der Saison abschließend nochmals zu wachsen und nicht abzuziehen. Hierdurch ist der Belag beim Einlagern über den Sommer gut geschützt und trocknet nicht aus.

Wachsen – Arbeitszeug und Vorbereitung

Bevor ihr mit dem Skiwachsen so richtig loslegen könnt, solltet ihr sicherstellen, dass ihr auch das notwendige Equipment dafür habt. Ich möchte euch daher mal eine grobe Übersicht darüber geben, welches Zubehör ihr zum Wachsen braucht.

Grundausstattung zum Skiwachsen

Einspannvorrichtung für die Skier

Beim Wachsen ist es wichtig, dass der Ski mit dem Belag nach oben fixiert werden kann. Hierzu gibt es unterschiedliche Einspannvorrichtungen zu kaufen. Alternativ könnt ihr aber auch selbst eine entsprechende Vorrichtung bauen. Meine besteht beispielsweise aus zwei bespannten Balkenstücken und einem Maschinenschraubstock. Außerdem kann man sich auch beispielsweise mit einer mobilen Werkbank mit Spannbacken behelfen, das ist aber leider oft ein wenig fummelig.

Gummibänder

Bei manchen Skibindungen können die Stopper durch drehen oder verschieben der Bindung hochgeklappt und arretiert werden. Geht das nicht, müssen die Skibremsen anderweitig arretiert werden, sodass sie später nicht stören. Hierzu eignen sich kräftige Gummibänder bestens. Diese kann man ebenfalls als Zubehör kaufen. Alternativ funktioniert aber auch Muttis alter Einmachgummi. 

Bügeleisen

Fürs Skiwachsen gibt es spezielle Wachsbügeleisen. Diese haben den Vorteil, dass sich die Temperatur nicht nur genau einstellen lässt, sondern auch, dass die Temperatur konstant gehalten wird. Außerdem ist die Platte der Bügeleisen rechteckig und hat keine Spitze. Rillen in der Platte sorgen zusätzlich dafür, dass das Wachs optimal verteilt werden kann. Auch hier gibt es eine Alternative. Ein sogenanntes Trockenbügeleisen. Trockenbügeleisen sind eigentlich die Vorfahren der Dampfbügeleisen und haben keine Löcher in der Platte.

Sofern eure Oma so ein Bügeleisen noch im Keller stehen hat, könnt ihr auch das zum Skiwachsen nehmen. Für Wäsche ist es danach aber nicht mehr geeignet. Nachteil: Herkömmliche Bügeleisen halten die Temperatur deutlich schlechter und man muss erst einmal herausfinden wie warm denn zwei Punkte oder „Baumwolle“ wirklich ist. 

Ziehklinge

Ziehklingen sind in der Regel aus Plastik und für kleines Geld zu haben. Hier lohnt es sich nicht mit Alternativen zu hantieren. Achtet aber bei der Anschaffung darauf, dass die Ziehklinge breiter als die breiteste Stelle eures Skis ist. 

Belagbürste

Diese gibt es aus unterschiedlichen Materialien, die alle ihre Vor- und Nachteile bzw. unterschiedlichen Anwendungsgebiete haben. Für unsere Arbeit genügt aber einen gute Nylonbürste. Auch hier lohnt sich die Suche nach Alternativen nicht. Belagsbürsten sind günstig zu haben und bringen außerdem gleich die richtige Struktur und Maße mit. 

Skiwachs / Gleitwachs

Heißwachs für Skier gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Je nach Temperatur und Beschaffenheit des Schnees lohnt es sich hier auch unterschiedliches Wachs zu verwenden. Dieses Thema ist aber vergleichsweise komplex, weshalb es dazu demnächst noch einen eigenen Beitrag hier im Basislager geben wird.

Ganz allgemein lässt sich jedoch die Aussage treffen, dass man als Freizeitsportler mit einem guten Allroundwachs zunächst einmal nichts falsch macht. So lange die Bedingungen nicht extrem sind (z. B. Nassschnee oder extrem tiefe Temperaturen etc.) macht das Universalwachs einen guten Job. In unserem Beispiel verwenden wir das All-in-one Hot Wax universal von Toko. Damit vergleichbar wären auch das Natural Skiwax Bar von Holmenkol oder das F4-180 Glidewax von Swix. 

Zusätzliches Zubehör für das Ausbessern von Skibelägen 

Reparatursticks für Belagschäden

Hattet ihr unterwegs mal Kontakt mit einem Stein oder dergleichen, hat dieser nicht selten einen unschönen Kratzer im Belag hinterlassen. Hierfür gibt es spezielle Reparatursticks, die zum Ausbessern entsprechender Beschädigungen dienen. 

Eine Kerze sowie Feuerzeug oder Streichhölzer

Irgendeine Kerze die gut brennt und von selbst stehen bleibt. Vom Grablicht bis zur alten Adventskranzkerze kann hier alles verwendet werden, was gerade da ist. 

Equipment, das die Arbeit erleichtert (optional)

Ein oder zwei Lappen

Hier könnt ihr nehmen, was gerade da ist. Vom alten Geschirrtuch bis zum ausrangierten T-Shirt. Hauptsache ist, der/die Lappen müssen sauber sein.

Handfeger

Auch hier braucht es nichts besonders, ein handelsüblicher Handfeger ist völlig ausreichend. Aber auch hier ist es wichtig, dass der Handfeger sauber ist. Legt euch daher am besten einen speziell nur fürs Wachsen zu.

Belagreiniger (optional)

Belagreiniger ist eine Reinigungsflüssikeit, die speziell für Skibeläge entwickelt wurde. Er wird dazu verwendet alte Wachsreste aber auch Klebereste von Steigfellen zu entfernen.

Ein Rillenstift (i. d. R. nur für Langlaufski)

Habt ihr Skier mit einer Mittelrille, braucht ihr einen Rillenstift um nach dem Wachsen überschüssiges Wachs aus der Rille zu entfernen.

So bereitet ihr eure Skier aufs Wachsen vor

Trocken und warm…

Bevor es mit dem Wachsen losgeht, solltet ihr einige Vorarbeiten leisten. Besonders wichtig ist es, dass die Skier sauber und absolut trocken sind. Außerdem sollte man eines vorab wissen: Je wärmer der Ski ist, desto besser kann das Wachs in den Belag eindringen bzw. umso schneller geht es. Selbstverständlich wird der Belag vor allem auch durch das Bügeleisen erhitzt. Wenn der Ski allerdings von sich aus schon eine halbwegs warme Grundtemperatur hat, ist das durchaus hilfreich. Lagert die Skier daher vor dem Wachsen nach Möglichkeit einige Zeit in eurer hoffentlich warmen Werkstatt oder im nicht ganz so kalten Keller. Von der Tour noch feuchte und kalte Ski direkt aus dem Auto lassen sich nur schwer wachsen und das Ergebnis ist dementsprechend mäßig.

Blockieren und Einspannen…

Ist der Ski trocken kann es losgehen. Blockiert hierzu als Erstes die Skibremse, sodass diese eingeklappt und bei den weiteren Arbeitsschritten nicht mehr im Weg ist. Wie bereits erwähnt lassen sich die Stopper bei manchen Tourenbindungen arretieren. Wenn das nicht geht, nehmt ihr einfach ein Gummiband und bindet die Skibremse damit hoch. Ist das geschehen, wird der erste Ski in die Haltevorrichtung eingespannt. Gerade bei Bastellösungen müsst ihr unbedingt darauf achten, dass der Klemmmechanismus weder den Ski noch die Bindung beschädigen kann. Außerdem muss der Ski so eingespannt werden, dass die Vorrichtung die weiteren Arbeitsschritte nicht behindert.

Schrubben und Putzen…

Nach längerem Einlagern oder nach Touren bei Tauwetter und schlechten Bedingungen, sind die Skier und Beläge oft offensichtlich verschmutzt. Reibt den Schmutz auf jeden Fall vor dem Wachsen mit einem sauberen Lappen gründlich ab. Ältere Tourenfelle hinterlassen außerdem gerne auch mal Klebereste auf dem Belag, diese müssen ebenso wie alte Wachsreste runter. Das gelingt entweder mit einer Bürste oder durch das Abreiben mit geeignetem Wachsentferner /Cleaner.

Belag prüfen und ausbessern…

Schaut euch den Belag gründlich an. Solltet ihr Kratzer, Risse oder Löcher entdecken lohnt es sich diese auszubessern. Geht dabei wie folgt vor:

Zündet eine Kerze an um der jungfräulichen Unversehrtheit des Belages zu gedenken …

Nein, natürlich nicht. Aber die Kerze kommt dennoch gleich ins Spiel. Zunächst schaut ihr euch aber den Kratzer mal ganz genau an. Sind die Ränder der beschädigten Stelle stark ausgefranst und stehen einzelne Fetzen vom Belag ab, müssen diese entfernt werden. Dies klappt entweder mit der Ziehklinge oder einem handelsüblichen Cuttermesser. Auch ist es gut, wenn der Belag leicht angewärmt ist. Ich wähle hierzu immer eine niedrige Temperatur beim Wachsbügeleisen und stelle es kurz auf die Stelle, die ausgebessert werden soll.

Für die Ausbesserung von Belägen gibt es spezielle Reparatursticks. Diese sind entweder schwarz (für schwarze Beläge) oder weiß/durchsichtig für alle anderen Beläge. Werden diese Sticks angezündet tropft das Material ab. Somit kann es Tropfen für Tropfen auf die beschädigte Stelle aufgetragen werden.

Die Erfahrung zeigt hierbei, dass diese Sticks nicht konstant abbrennen, sondern immer mal wieder erlöschen. Wer da jedes Mal erneut mit einem Streichholz hantieren muss, bekommt schnell das Fluchen. Daher die Kerze, denn diese ermöglicht ein unkompliziertes mehrmaliges Anzünden der Sticks.

Ihr solltet jedoch auf jeden Fall darauf achten, dass das Material nur an der Stelle aufgetragen wird, wo es auch tatsächlich gebraucht wird. Als Hilfsmittel kann daher ein kleines Brett oder Ähnliches nahe der beschädigten Stelle auf den Ski gelegt werden. Über dieser zündet ihr den Reparaturstick an, wartet die ersten Tropfen ab und los geht’s. Beim Auftragen des Reparaturmaterials lautet die Devise im Zweifelsfall lieber zu viel auftragen.

Denn das Material zieht sich nach dem Erkalten immer auch ein wenig zusammen. Ist ausreichend Material aufgetragen, muss dieses erkalten und aushärten. Das dauert je nach Materialmenge unterschiedlich lange, 10-15 Minuten solltet ihr dem Ski aber schon geben. In der Praxis packt ihr daher den geflickten Ski erst einmal bei Seite und behandelt den anderen auch noch.

Ist das Material erkaltet und ausgehärtet muss der Überschuss abgetragen werden. Manche Hersteller raten hierbei zu einer Ziehklinge aus Metall, die Praxis zeigt aber, dass man auch mit der Standardkunststoffklinge ganz gut zurechtkommt.

Je nach Dicke des aufgetragenen Materials müsst ihr mehrfach über die betroffene Stelle gehen. Auch können extrem dicke Materialüberstände mit der Klinge des Cuttermessers vorsichtig abgeschnitten werden. Arbeitet dabei aber vorsichtig. Wer zu rabiat mit der Ziehklinge hantiert, reißt nicht selten die geflickte Stelle wieder auf. Mit der Ziehklinge alleine werdet ihr den Belag aber nicht plan bekommen. Daher muss hier nachgearbeitet werden. Dies geschieht entweder mit einer Belagsfeile oder einem feinen Sandpapier. Achtet dabei aber darauf, dass ihr nur die reparierte Stelle behandelt und nicht den ganzen Ski abschleift. Danach bürstet ihr noch kräftig mit der Belagbürste über die betroffene Stelle und stellt so die Struktur wieder her.

Wachsen – So wird’s gemacht

Nun aber zum eigentlichen Thema, dem Wachsen. Auch hierzu sind verschiedene Arbeitsschritte notwendig, legen wir also los:

Die richtige Betriebstemperatur…

Bevor ihr richtig loslegen könnt, wählt das Wachs aus, das für eure Zwecke passt. Wir verwenden für unser Beispiel ein Allroundwachs, das für einen breiten Anwendungsbereich geeignet ist. Wichtig zu wissen: Jedes Wachs hat eine andere Verarbeitungstemperatur. Diese ist in der Regel auf der Verpackung oder einem beigelegten Zettel angegeben. Stellt euer Bügeleisen daher auf die richtige Temperatur ein und wartet, bis es diese erreicht hat. In unserem Fall sind das beispielsweise 130 °C.

Für alle, die Omas altes Bügeleisen exhumiert haben bedeutet das in etwa „zwei Punkte“ bzw. „Seide“. Generell gilt auch, wenn das Wachs bei Kontakt mit dem Bügeleisen anfängt zu rauchen und stinken, ist die Temperatur erheblich zu hoch. Stellt das Bügeleisen dann auf eine kältere Stufe und wartet die richtige Temperatur ab.

Das Wachs einarbeiten…

Hat das Bügeleisen die gewünschte Temperatur haltet ihr das Skiwachs an die warme Platte des Wachseisens, bringt es zum Schmelzen und tropft es der Länge nach auf die Lauffläche des Skis. Je nach Breite der Skier kann es sinnvoll sein eine Schlangenlinie zu tropfen, bei besonders schmalen Modellen reicht es aber auch aus mehr oder weniger gerade von einer Seite zu anderen durchzutropfen. Achtet dabei darauf, dass ihr nicht übermäßig viel Wachs auftragt. Das macht beim gleichmäßigen Einarbeiten nur Ärger und führt außerdem zu einem unnötigen Wachsverbrauch.

Wurde das Wachs von vorne bis hinten auf den Ski aufgetropft, könnt ihr das restliche Wachsstück zur Seite legen. Nun wird lediglich das bereits aufgebrachte Wachs gleichmäßig verteilt. Beginnt hierzu an einem Ende des Skis und arbeitet euch durch langsames Hin- und Herbewegen zum anderen Ende des Skis durch. Dabei gibt es ein paar Dinge zu beachten:

  • Je nach Verarbeitungstemperatur des Wachses kann der Ski bei zu langem Kontakt mit dem Bügeleisen Schaden nehmen. Lasst es daher nie lange auf einer Stelle stehen. (Beim Hemdenbügeln macht das ja auch niemand…)
  • Damit das Wachs gut in den Belag einzieht muss dieser eine gewisse Temperatur haben. Arbeitet daher immer in Bereichen von 40-50 cm so kann sich der Belag langsam erwärmen und nimmt das Wachs gut auf.
  • Hat sich das Wachs in eurem Arbeitsbereich gut verteilt, dann verschiebt ihr diesen ein wenig in Richtung der noch ungewachsten Seite des Belags und arbeitet auch dort das Wachs ein. Diesen Vorgang wiederholt ihr, bis ihr am Ende des Skis angekommen seid.

Ist dies geschehen bügelt ihr abschließend noch ein bis zweimal über den kompletten Belag. Wer es besonders gleichmäßig haben möchte, kann dabei das Bügeleisen auch auf ein geeignetes Wachstuch stellen, was nochmals für eine glattere Oberfläche sorgt.

Nach dem Aufbringen muss das Skiwachs in den Belag einziehen, abkühlen und aushärten. Würdet ihr gleich mit dem Abziehen beginnen, hätte das Wachsen kaum Wirkung, weil ihr das frische Wachs nahezu komplett wieder abkratzen würdet. Stellt also den gerade behandelten Ski vorerst zur Seite und macht mit dem anderen weiter. Bei extrem beanspruchten Belägen kann es auch sinnvoll sein mehrere Stunden oder ggf. über Nacht zu warten, bevor man mit der Arbeit weiter macht.

Auch hier könnt ihr euch das wie Hautcreme vorstellen. Wer sich beispielsweise gerade erst die Hände eingecremt hat und diese dann mit Seife wäscht, hat eigentlich nichts vom positiven Effekt der Creme, weil diese noch nicht ausreichend in die Haut einziehen konnte. Genau so verhält es sich mit dem Skiwachs.

Wachs Abziehen und den Belag glatt machen…

Ob man Alpinski oder auch Tourenski abziehen muss oder nicht ist immer wieder ein gerne diskutiertes Thema. Argumente wie „nach den ersten zwei Schwüngen ist das Wachs ja eh runter“ hört man da nicht selten. Ich halte davon jedoch überhaupt nichts und das hat seine Gründe.

Erstens: Der Ski fährt sich, wenn vielleicht nur für eine kurze Zeit, deutlich schlechter. Ich wachse aber meine Skier, damit sie gut laufen. Also wäre es Quatsch bei der Hälfte der Arbeit aufzuhören.

Zweitens: Zieht man die Skier nicht ab, gelangt ganz automatisch unnötig viel Wachsabrieb in den Schnee und später in die Natur. Je nach Wachs ist das nicht gerade umweltschonend. Daher lohnt es sich die Skier schon alleine der Umwelt zu liebe sauber abzuziehen.

Nehmt euch dazu eine Ziehklinge. Bei der Wahl der Ziehklinge könnt ihr nicht viel falsch machen. Eine vergleichsweise einfache Ziehklinge aus Plexiglas ist für unser Vorhaben voll und ganz geeignet. Beim Abziehen arbeitet ihr von der Spitze des Skis zum Ende hin. Setzt dazu die Ziehklinge mit der Kante auf den Belag und schiebt sie mit leichtem Druck und Schwung mit mehrfacher Bewegung bis nach hinten durch. Seid ihr nach einem Durchgang nicht zufrieden, wiederholt das Ganze. Fegt dazwischen aber das überschüssige Wachs mit dem Handfeger ab. Viele Ziehklingen haben außerdem an einer Seite einen kleinen Einschnitt, mit dem die Kanten freigelegt werden können. Wachs auf den Kanten bringt ohnehin nichts und würde sich beim Fahren gleich in die Landschaft verabschieden. Daher ist es sinnvoll dieses noch in der Werkstatt zu entfernen.

Moment, das Ding heißt Ziehklinge und da steht schieben? Jap, isso. Durch das Schieben bekommt ihr mehr Druck auf die Klinge und müsst euch nicht die Finger brechen. Es geht mit Schieben einfach besser und gründlicher. Wenn ihr das gewissenhaft macht, werdet ihr schnell sehen, dass da so einiges an Wachs abgehobelt wird. Fegt das immer mal wieder mit dem Handfeger vom Ski runter, das macht die Arbeit deutlich leichter.

Danach wird der Belag gebürstet, wodurch dem Belag seine Struktur zurückgegeben wird. Ein Skibelag ist nämlich nicht komplett eben, sondern hat eine bestimmte Struktur. Der Grund hierfür ist ganz einfach. Man fährt nicht wirklich nur auf Schnee, sondern vielmehr auf einem dünnen Wasserfilm. Wäre der Belag komplett eben, würde das Wasser förmlich am Ski kleben und ihn stark verlangsamen. Durch die Struktur kann der Ski aber quasi auf dem Wasser gleiten, was ein schnelles und kontrolliertes Vorankommen sichert.

Auch beim Bürsten arbeitet ihr von der Skispitze zum Ende des Skis hin. Gut ist es, wenn ihr mit einem leichten Druck arbeitet. Auch hier zeigt sich schnell, dass nochmals überschüssiges Wachs vom Belag abgetragen wird. Auch diesen Überschuss fegt ihr einfach ab.

Bei diesem Arbeitsschritt gibt es unterschiedliche Ansätze, je nach dem, wen man fragt, wird zu unterschiedlich beschaffenen Bürsten geraten. Die einen bürsten einmal über den Ski, die anderen nacheinander mit zwei unterschiedlichen Bürsten und und und. Ich begnüge mich in der Regel mit einem Durchgang.

Will ich den Ski aber besonders schnell bekommen (bei meinen Skatingskiern ist das in der Regel der Fall) dann reibe ich den Belag abschließend nochmals mit einem groben Nylontuch ab. Zum Schluss fegt ihr alle Wachsspäne und alles Gebrösel nochmals sauber von den Skiern, löst die Blockierung der Bremse und eure Ski sind wieder fit fürs nächste Skiabenteuer.

Noch ein kleiner Tipp zum Schluss

Ziehklingen werden im Lauf der Zeit regelrecht stumpf. Es gibt aber spezielle Schärfer, mit denen man die Ziehklinge abziehen kann (hört sich blöd an, ist aber so). Diese verfügen in der Regel über eine Keramikklinge und ermöglichen das mehrmalige „Nachschleifen“ der Klinge.

So nun aber zu euch

Wachst ihr eigentlich eure Ski selbst oder bringt ihr sie doch lieber zum Skiservice? Habt ihr noch Tipps und Tricks auf Lager, die ich vielleicht nicht kenne? Auch wenn ihr noch Fragen habt, könnt ihr euch hier gerne verewigen. Schreibt doch einfach mal, ich freue mich…

Harte Schale, weicher Kern? – Hardshell vs. Softshell

26. Dezember 2020
Ausrüstung

Es gibt Dinge, die meinen wir zu kennen, ganz sicher, da wissen wir sofort was gemeint ist, ist doch auch ganz klar und für Doofe. Denken wir aber dann mal näher darüber nach stellen wir schnell fest, dass wir eigentlich keine Ahnung davon haben. Mir ging es neulich so, als ich gefragt wurde, was denn der Unterschied zwischen einer Hardshell- und einer Softshelljacke sei. 

Meine Antwort kam verzögert und war dementsprechend nur mittelmäßig kompetent: „Hardshell, das ist halt so ne typische Regenjacke, da geht nix durch und Softshell gibt warm oder so ähnlich.“

Klingt nicht gerade wissenschaftlich fundiert, oder? Ich habe daher ein paar Stunden meiner Lebenszeit in Recherche investiert und möchte euch heute einmal am Ergebnis teilhaben lassen.

Eines noch vorab: Meine Recherche hat gezeigt, dass sich die Schnittmenge von Soft- und Hardshell immer mehr vermischt. Die Zeit in der man also beide Materialtypen nach der Methode schwarz und weiß von einander trennen konnte ist definitiv vorbei. Auf alle möglichen und unmöglichen Varianten einzugehen ist aber in dem doch eher begrenzten Rahmen eines Blogbeitrags nicht möglich. Wir einigen uns also an dieser Stelle einmal mehr darauf: Im Folgenden wird zum besseren Verständnis vereinfach und verallgemeinert.

Hardshell – wenns wetterfest sein muss

Steckbrief 

  • Einsatzgebiet: Äußere Kleidungsschicht beim Berg- und Wintersport.
  • Einsatzzweck: Wetterschutz. Schutz vor Regen, Schnee und starkem Wind.
  • Eigenschaften: Wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Gore-Tex, Sympatex, Dermizax
  • Varianten: 2-, 2,5- und 3-Lagen-Jacken, mit Membran oder Beschichtung
  • Vorteile: guter Wetterschutz, robust
  • Nachteile: geringer Schutz vor Kälte, Atmungsaktivität kann eingeschränkt sein

Hardshell bedeutet nichts anderes wie „harte Schale“, frei übersetzt „stabile Außenhaut“ und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Hardshelljacken werden immer als äußerste Kleidungsschicht getragen und sind das erste Bollwerk vor den Elementen. Außerdem ist das Material oft relativ fest und nicht dehnbar, daher der Name. 

Eine Hardshelljacke ist tatsächlich das, was wir unter anderem als Regenjacke kennen. Manch einer kennt Jacken dieser Art auch als Gore-Tex-Jacke, aber hierbei handelt es sich lediglich um die Markenbezeichnung eines Materials, ein wenig so wie bei Tempo und Papiertaschentuch. Hardshelljacken bieten, vereinfacht gesagt, einen guten Wetterschutz. Sie kommen immer dann zum Einsatz, wenn es beispielsweise regnet oder stark windet. Aber auch beim Skifahren oder auf Hochtouren, wenn vermehrter Kontakt mit Schnee und Eis droht, schützen Hardshelljacken zuverlässig vor den Elementen.

Darüber hinaus sind gute Hardshelljacken immer auch atmungsaktiv. Vereinfacht bedeutet das: Von außen werden Niederschläge zuverlässig abgehalten, in der Jacke entstehende Feuchtigkeit, beispielsweise durch starkes Schwitzen, kann aber nach außen abgegeben werden. Wie das jeweils funktioniert ist abhängig von der Technologie und vom Aufbau des jeweiligen Materials. Schauen wir uns daher doch einfach einmal an, wie genau Hardshelljacken aufgebaut sind.

Die Lagenkonstruktion

Eine Hardshelljacke besteht aus mehreren Lagen. Ganz außen befindet sich der Oberstoff, der die Jacke vor mechanischer Beschädigung schützt. Außerdem ist der Oberstoff imprägniert und hilft so dabei Wasser und Schmutz von der Membran fernzuhalten. Als zweite Lage kommt in der Regel eine atmungsaktive Membran oder Beschichtung zum Einsatz. Diese sorgt vereinfacht gesagt dafür, dass keine Nässe von außen in die Jacke eindringen kann, gleichzeitig ermöglicht sie es aber, dass Feuchtigkeit aus der Jacke nach außen entweichen kann. An der Innenseite sind die Jacken mit einem Innenfutter ausgestattet, dieses dient wiederum zum Schutz der Membran vor mechanischem Einfluss. Hierbei gibt es unterschiedliche Ausführungen, die ich euch kurz erklären möchte.

  • 2-Lagen-Jacken

Bei 2-Lagen-Jacken handelt es sich in der Regel um eher einfache und somit preisgünstige Hardshelljacken. Bei der Herstellung werden lediglich der Oberstoff und die Membran laminiert, das Innenfutter wird in der Regel lose eingenäht. Außerdem gibt es in dieser Kategorie auch Jacken, bei denen auf eine Membran verzichtet wurde. In diesem Fall wird der Oberstoff an der Innenseite mit einer PU-Beschichtung (Polyurethan) versehen. 2-Lagen-Jacken mit Membran oder Beschichtung werden zumeist dann eingesetzt, wenn es einen zuverlässigen und unkomplizierten Wetterschutz braucht. Beispielsweise bei Tageswanderungen oder für den Alltagsgebrauch.

  • 2,5-Lagen-Jacken

Jacken mit einer 2,5-Lagenkonstruktion sind quasi der Kompromiss zwischen zwei und drei Lagen. Auch bei dieser Konstruktion wird ein Oberstoff mit einer Membran fest verbunden. Das eingenähte Innenfutter entfällt allerdings. Stattdessen wird eine hauchdünne Schutzschicht direkt auf das Laminat aufgetragen. Hierdurch wird gegenüber zwei- und dreilagigen Jacken sowohl am Gewicht, als auch am Packmaß gespart. Jacken dieses Typs kommen daher nicht selten bei Trekkingtouren oder beim Radfahren zum Einsatz.

  • 3-Lagen-Jacken

Gerade bei extremen Wetterbedingungen und/oder Touren, überzeugen 3-Lagen-Jacken. Hierbei ist der Aufbau zunächst identisch mit dem einer 2-Lagen-Jacke, zusätzlich wird hier aber ein Futter als innerste Schicht direkt mitlaminiert. Hierdurch sind Jacken dieses Typs sehr robust und kommen vor allem bei langen Touren zum Einsatz. Typische Anwendungsgebiete sind hier beispielsweise Ski- oder Hochtouren.

Wasserdicht und atmungsaktiv?

Irgendwie klingt das doch logisch, wo nichts rein geht, da geht auch nichts raus. Einfach, oder? Naja, eben nicht. Denn wie bereits erwähnt, sind gute Hardshelljacken immer wetterfest und atmungsaktiv zugleich. Wie bzw. wie gut das aber funktioniert, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Vereinfacht lässt sich sagen, dass Jacken mit einer PU-Beschichtung weniger atmungsaktiv sind als Jacken mit einer Membran.

Aber auch im Bereich der Membranen gibt es deutliche Unterschiede hinsichtlich der Funktionsweise und des Wirkungsgrads. So handelt es sich bei Gore-Tex-Membranen um Membranen mit einer mikroporösen Struktur. Diese Struktur ist eng genug um Wassertropfen nicht ins Innere durchzulassen, aber groß genug um dem deutlich kleineren Wasserdampf den Austritt aus der Jacke zu ermöglichen. Sypatexmembranen hingegen nutzen ein pysikalisch-chemisches Prinzip, das unter anderem mit dem Druck- und Temperaturunterschied von Umwelt und Jackeninneren arbeitet.

Egal, welche Technologie aber genau zum Einsatz kommt, eine Membran bzw. die Hardshelljacke ist nichts ohne eine gute Imprägnierung. Daher sollte diese von Zeit zu Zeit erneuert bzw. aufgefrischt werden. Auch bei der Imprägnierung gibt es unterschiedliche Technologien, die aber letztlich alle genau dasselbe bewirken, nämlich Wasser und Schmutz zuverlässig von der Membran fernzuhalten.

Dies ist wichtig, weil sich sonst die Struktur der Membran vollsaugen könnte und so regelrecht verstopfen würde. Neben starkem Regen könnten so auch Schlamm oder schlichtweg Sonnencreme und körpereigenes Fett die Membran verstopfen. Hierdurch wären dann die Wasserdichtigkeit und vor allem die Atmungsaktivität der Jacke stark beeinträchtigt.

Eine gute Imprägnierung ist also für die Funktionsweise einer Hardshelljacke unerlässlich. Wer mehr zu diesem spannenden Thema erfahren möchte, kann sich gerne den Blogbeitrag von Jan zum Thema DWR-Imprägnierungen durchlesen.

Typische Membranen kurz vorgestellt

  • Gore-Tex

Gore-Tex ist der Name einer ganzen Materialfamilie und schon seit langem fast das Synonym für wetterfeste und atmungsaktive Kleidung. Egal, wie das fertige Material auch aussieht oder heißen mag, Gore-Tex-Membranen basieren alle auf der gleichen Funktionsweise: einer speziellen Struktur. Hierzu wird ePTFE (expandiertes Polytetrafluorethylen) verwendet. Membranen aus ePTFE bilden eine besondere, mikroporöse Struktur. Diese ist so eng, dass die vergleichsweise großen Wassermoleküle nicht durch die Struktur gelangen können. Wasserdampfmoleküle sind aber wesentlich kleiner und können die Struktur problemlos passieren. Stellt euch das vereinfacht wie einen Jägerzaun vor.

Während eine Katze problemlos durch die Lücken des Zauns schlüpfen kann, habe ich als deutlich größerer Mensch das Nachsehen. Damit aber Wasserdampf durch die mikroporöse Membran entweichen kann, braucht es zusätzlich einen Temperaturunterschied von Jackeninneren und der Umgebungsluft. Je geringer dabei die Außentemperatur im Vergleich zu Innentemperatur ist, desto besser funktioniert auch der „Abtransport“ des Wasserdampfs. Ausführliche Infos gibt’s übrigens auch in unserem Blogbeitrag zu Gore-Tex.

  • Dermizax

Auch bei Dermizax handelt es sich um eine Materialfamilie, die in unterschiedlichen Ausführungen daherkommt. Dennoch auch hier gilt für alle Membranen die gleiche Funktionsweise: Für Dermizaxmembranen wird Polyurethan verwendet. Dieses Material ist hydrophil, also „wasserliebend“. Es verfügt dabei über kleine Moleküle, die sich regelrecht mit Wasser vollsaugen können.

Diese Moleküle können sich innerhalb der Membran bewegen und erhöhen mit steigender Temperatur ihre Bewegungsgeschwindigkeit. Wichtig ist dabei jedoch, dass auch hier ein Temperaturunterschied von Umgebungsluft und Jackeninnerem besteht. Je höher dieser ist, desto schneller und effektiver ist der Abtransport des Wasserdampfs durch die Moleküle der Membran. Dieser Effekt hat einen nicht zu vernachlässigenden Vorteil: Da Dermizaxmembranen nicht mit Poren arbeiten, können sich diese auch nicht zusetzen. Das Verstopfen durch Schmutz und Wasser ist so kein limitierender Faktor. Auch zu Dermizax gibt es einen ausführlichen Beitrag im Basislager, schaut doch einfach mal rein.

  • Sympatex

In der Familie der Sympatexmaterialien gibt es ebenfalls unterschiedliche Ausführungen, die aber wiederum alle auf dem gleichen Prinzip basieren. Hierzu wird ein physikalisch-chemisches Prinzip genutzt. Das klingt zunächst einmal viel komplizierter als es in Wirklichkeit ist. Die Membran besteht hierzu aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Hydrophobem Polyester, das kein Wasser durchlässt und hydrophiles Polyether, das den gezielten Transport von Wasserdampf ermöglicht.

Auch in diesem Fall braucht es ein Druckgefälle von innen nach außen. Ist dieses durch einen deutlichen Temperaturunterschied gegeben, werden die Wasserdampfmoleküle, die durch das Schwitzen entstehen, entlang der hydrophilen Molekülketten nach außen abgegeben. Weiterführende Infos zu Sympatex bietet Wiebke in ihrem Artikel „Sympatex: Der umweltfreundliche Wind- und Wasserschutz!“

Softshell – damit es angenehm warm bleibt

Okay, was Hardshell ist haben wir nun geklärt, da müssen wir nicht auch noch Softshell erklären, denn das ist ja einfach genau das Gegenteil. Stimmt? Naja, in einer Welt, in der eine Katze genau das Gegenteil von einem Hund ist oder das Reh die Frau vom Hirsch, ist diese Aussage sicherlich richtig. Ich würde aber dennoch vorschlagen, dass wir uns auch das Thema Softshell einmal näher ansehen.

Steckbrief

  • Einsatzgebiet: Wärmende Kleidungsschicht beispielsweise beim Berg- und Wintersport, bei gutem Wetter auch äußere Kleidungsschicht.
  • Einsatzzweck: Kälteschutz, bedingter Schutz vor Regen, Wind und Schnee
  • Eigenschaften: Wärmend, sehr atmungsaktiv, wasser- und windabweisend, manchmal auch wasserdicht
  • Materialien: Polyester, Polyamid (Nylon)
  • Bekannte Namen / Marken: Windstopper, Schoeller, Polartec
  • Vorteile: guter Schutz vor Kälte, atmungsaktiv
  • Nachteile: nur bedingt wetterfest

Hochgradig atmungsaktiv und wärmend, nicht so wetterfest?

Die Hauptaufgabe von Softshelljacken ist es vor Kälte zu schützen. Auch schneidender Wind wird hier je nach Ausführung zuverlässig abgehalten. Entgegen der Hardshelljacke sind Softshelljacken oft aber nur bedingt wetterfest. Heißt: Leichter, kurzer Regen ist für die meisten Softshells kein Problem. Wer also bei schlechtem Wetter nur mal schnell zur Bushaltestelle muss oder zum Bäcker um die Ecke, wird hier sicherlich nicht klatschnass werden. Gerade aber bei starken Schauern oder auch bei längerer Zeit im Regen lassen viele Softshells in der Regel deutlich nach. Klassische Softshelljacken sind nämlich nicht wasserdicht, sondern nur wasserabweisend. 

Welche Eigenschaften eine Jacke bzw. deren Stoff jeweils mitbringt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So gibt es beispielsweise Softshelljacken mit Membran und ohne. Die Membranen sorgen unter anderem dafür, dass Wind zuverlässig abgehalten wird, je nach Beschaffenheit auch Regen. Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Softshells ohne Membran automatisch winddurchlässig sind. 

Auch mit der Atmungsaktivität ist das so eine Sache. Ganz allgemein lässt sich aber sagen, dass Softshells im Vergleich zu Hardshells deutlich atmungsaktiver sind, also Schweiß schneller nach außen abgeben können. Gerade aber bei extrem wetterfesten Jacken, die sich im Grenzbereich von Hard- und Softshell bewegen, nimmt leider auch die Atmungsaktivität deutlich ab. Ihr seht also, die Lage ist ein wenig verwirrend. Wie gut nur, dass wir dieses Thema hier im Basislager bereits ausführlich behandelt haben. Wenn ihr also mehr erfahren wollt, dann schaut euch doch einfach mal den Beitrag mit dem Titel „Membranen: Atmungsaktiv, wasserdicht oder winddicht?“ an. 

Ein Bereich in dem Softshelljacken aber gegenüber Hardshelljacken auf jeden Fall punkten können ist der Schutz vor Kälte. Auch hier kommt es wieder darauf an, wie das Material beschaffen ist. Nicht selten verfügen aber Softshells an der Innenseite über eine angeraute und wärmende Schicht. Oft kommen hier beispielsweise Fleece- oder Veloursstoffe zum Einsatz, die gezielt dafür sorgen, dass die Wärme am Körper gehalten wird. Außerdem fühlen sich diese Materialien auf der Haut sehr angenehm an. 

Halten wir also als ersten Hauptunterschied von Soft- und Hardshell (ganz allgemein gesprochen) fest: Hardshell wetterfest, nur bedingt wärmend. Softshell wärmend, nur bedingt wetterfest.

Weich, hart, Komfort?

Wenn Hardshell hart ist, dann ist Softshell weich? Stimmt. Oder zumindest so ziemlich. Bei Softshellmaterialien handelt es sich tatsächlich um weichere und flexiblere Materialien als bei Hardshells. 

Schaut man sich einmal Hardshelljacken genauer an, fällt sofort eines auf: das vergleichsweise feste und unflexible Material. Dieses kann je nach Schnitt der Jacke unter Umständen zulasten der Bewegungsfreiheit gehen. Außerdem empfinden manche Menschen das typische Knistern einer Hardshelljacke als störend. 

Das gestaltet sich bei Softshelljacken zum Glück ein wenig anders. Denn durch das weichere und flexiblere Material fällt zum Beispiel das Knistern oder Rascheln komplett weg. Außerdem können sich Softshelljacken bis zu einem gewissen Maß dehnen, hierdurch sind auch körpernahe Schnitte möglich, ohne dabei die Bewegungsfreiheit merklich einzuschränken. Dies ist vor allem bei schnellen Sportarten wie Radfahren oder Laufen von Vorteil. 

Durch die angeraute Innenseite sind viele Softshells auch angenehm wenn sie direkt auf der Haut getragen werden. Während sich Hardshells meist kalt anfühlen, sind die meisten Softshells so warm wie eine Fleecejacke oder ein Pullover.

Wir notieren also einen zweiten Hauptunterschied: Softshell bietet in der Regel einen höheren Tragekomfort als Hardshell.

Einsatzgebiete und Alltagstauglichkeit

Schauen wir uns die Lager Hardshell- und Softshell einmal unter dem Gesichtspunkt der Alltagstauglichkeit an, dann liegt die Softshelljacke klar vorne. Denn sie deckt bei eher gemäßigten Bedingungen ein sehr breites Spektrum ab. Wer also beispielsweise eine Alltagsjacke für die kalte Jahreszeit sucht, ist mit einer entsprechenden Softshelljacke sicherlich gut bedient. Hat dann eine Hardshelljacke überhaupt eine Daseinsberechtigung oder handelt es sich dabei eher um einen Dinosaurier aus der längst vergangenen Outdoorzeit? Wohl eher nicht. Schauen wir uns hierzu einfach einmal ein paar typische Einsatzgebiete an.

  • Alltag, Freizeit, Reise

Wie bereits erwähnt, liegen Softshelljacken im Alltag klar vorne. Sie sorgen an kälteren Tagen für ein angenehmes Maß an zusätzlicher Wärme. Außerdem halten sie je nach Material auch Regen ab und sind somit völlig ausreichend für alle Widrigkeiten des Wetters, die in der Stadt und auf dem Land warten. Wer allerdings jeden Tag bei Wind und Wetter mit dem Hund raus geht, kann sicherlich auch eine gute Hardshelljacke gebrauchen.

  • Wanderungen, Trekking- und Radtouren

Hier kommt es stark darauf an, in welcher Jahreszeit und mit welcher Wetterprognose die jeweilige Tour stattfindet. Handelt es sich dabei beispielsweise um eine Wanderung bei stabil gutem Herbstwetter, ist die Softshelljacke aufgrund des Tragekomforts und der wärmenden Eigenschaften sicherlich im Vorteil. Kann es aber beispielsweise bei der sommerlichen Tour im Tagesverlauf zum Gewitterschauer kommen oder ist generell schlechtes Wetter angesagt, liegen Hardshelljacken mit ihrem umfangreichen Wetterschutz wieder vorne.

  • Ski- und Hochtouren, Wintersport

Je höher es in den Bergen hinaus geht, und je winterlicher die Bedingungen werden, desto höher sind auch die Anforderungen. Deshalb sieht man beispielsweise bei Ski- und Hochtouren (und nicht nur dort) oft die Kombination von Hard- und Softshelljacke. Ist ja auch logisch: Wer bei einer Skitour gerade aufsteigt, hat (gutes Wetter vorausgesetzt) wenig Kontakt mit den Elementen. Außerdem reagiert der Körper auf die Anstrengung mit der Produktion von Wärme und Schweiß, gleichzeitig ist es aber Winter und somit kalt. Hier ist wieder einmal die Softshelljacke aufgrund ihrer guten Atmungsaktivität und dem Tragekomfort vorne. Ist der Tourengänger am Gipfel angekommen, bekommt er es nicht selten mit starkem Wind zu tun. Darüber hinaus droht bei der anschließenden Abfahrt der vermehrte Kontakt mit Schnee (sei es durch Tiefschnee, einen Sturz oder beides), was wiederum für die Hardshelljacke spricht. Da es aber noch immer Winter ist, würde der Tourengänger nur mit einer Hardshelljacke bekleidet, erbärmlich frieren. Die Lösung: Zwiebelprinzip, also beide Jacken über einander tragen und so das Beste aus beiden Welten mitnehmen.

Also…

Ihr seht also, eine exakte Trennung von Hard- und Softshell ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint. Sowohl bei den Materialeigenschaften, als auch bei den Anwendungsgebieten sind die Grenzen zwischen beiden Jackentypen fließend. Außerdem kann unter gewissen Bedingungen auch die Kombination beider Jacken sinnvoll sein.

Eine Frage bleibt aber noch: Wie sieht es denn generell mit der Ausstattung der Jacken aus, also Kapuze, Taschen, Belüftungsreißverschlüsse und und und? Tja, diese Frage lässt sich so einfach wie ungenau beantworten: Hier gibt es auf beiden Seiten nahezu nichts, was es nicht gibt. Von extrem minimalistisch bis hin zu allumfassend ausgestattet gibt es hier alle mögliche und unmöglichen Varianten.

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.