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Zug? Seil frei! – Fehlkommunikation am Fels

21. Oktober 2020
Tipps und Tricks

Ich bin zum klettern verabredet und treffe etwas verspätet ein, da ich separat zugestiegen bin. Wir sind in einem alpinen Ambiente, klettern aber kurze Sportkletterrouten. Als ich ankomme, bemerke ich Schrammen und Kratzer im gesamten Gesicht meines Bekannten, der bisher vom dritten Mann gesichert wurde. Auf Anfrage, was passiert sei, bekomme ich keine Antwort. Mein Bekannter klettert eine Route und erklärt daraufhin, dass er auf die Hütte geht um einen Schnaps zu trinken- ich bleibe irritiert zurück.

Erst eine Woche später kann er davon sprechen: „Ich hatte angenommen, vom Sichernden abgelassen zu werden, während er mich aus der Sicherung nahm! Plötzlich der freie Fall ins Ungewisse– instinktiv krallte ich mich in Graswasen, Latschen und Bäume- bis zum Aufprall. Dann kamst du daher…“ Um den psychischen Schock zu verdauen und nicht mit dem Klettern aufzuhören, stieg er von mir gesichert noch eine leichte Route vor, um anschließend den Schock und seine unverhoffte Wiedergeburt zu begießen.

Ablassen oder Abseilen

Immer wieder passieren Unfälle beim Klettern, weil sich Sichernder und Kletterer falsch verstehen: der Sichernde nimmt seinen Kletterer am Ende einer Sportkletterroute aus der Sicherung, während der Kletterer sich ins Seil setzt, um abgelassen zu werden. Der Kletterer stürzt in freiem Fall zu Boden. Ich kenne drei erfahrene Kletterer, die sich genau aufgrund dieser Situation „nur“ verletzten und mit einem „blauen Auge“ davon kamen. Sie haben echtes Glück gehabt!

So etwas darf beim Klettern eigentlich nicht passieren, und tut es doch. Ich habe mich umgehört und stelle fest, dass zum Thema „Fehlkommunikation am Fels“ fast jeder etwas zu erzählen hat. Leider. Anlass genug, um darüber zu schreiben und vielleicht auch die eigene Kommunikation zu überdenken.

Wo bin ich?

Kommandos beim Klettern sind kurz und eindeutig. Am besten, man spricht das Thema vor dem Klettern kurz an und klärt vor allem mit einem neuen Kletterpartner, was mit welchem Kommando gemeint ist. Es gibt eigentlich nicht viele Kommandos- dennoch sollte man sich immer vor Augen führen, was genau sie bedeuten und wo sie Anwendung finden (siehe Glossar). Beim Sportklettern kommen vor allem „zu“ (Seil einziehen und straff nehmen) und „ab“ (bitte ablassen) zum Einsatz.

Mit „Seil“ fordert der Kletterer mehr Seil. Bei Mehrseillängen- Routen kommt das Kommando „Stand“ hinzu, was so viel bedeutet wie: „Ich habe mich selbst gesichert- du kannst mich aus der Sicherung nehmen.“ Das Kommando „Stand“ hat im Sportklettern nichts verloren!!! Es sei denn, man hat sich wirklich selbst gesichert und möchte abseilen. Während das in Kalk- Klettergebieten eher unüblich ist, wird es in Sandstein- Gebieten durchaus praktiziert. Dennoch ist es beim Sportklettern ziemlich ungewöhnlich. Also denkt immer genau darüber nach, was ihr sagt.

Vom Winde verweht

Um das Risiko zu minimieren, ist beim Klettern Redundanz angesagt: zwei Haken verbunden zum Standplatz, der Prusik als Hintersicherung beim Abseilen und das sind nur einige wenige Beispiele. Warum nicht auch in der Kommunikation redundant sein? Lieber einmal nachfragen, bevor etwas passiert. Vor allem, wenn die Kommunikation aufgrund der äußeren Umstände schwierig ist- Lärm, lange Route, Wind. „Hast du Stand?“- „Naaa…“. Dieses bayerische „Naaa“ (zu Deutsch Nein) hörte sich eine Seillänge weiter unten gedämpft wie ein „…aaa“ von „Ja“ an.

Geistesgegenwärtig fragte ich lieber noch einmal nach, ob ich meinen Vorsteiger aus der Sicherung nehmen könne, was mit einem panischen „NEEIN!“ quittiert wurde. Seither lautet meine Devise: rückversichern und vor allem die Bitte um eindeutige Ansagen! Es spricht nichts dagegen, von den allgemeinen Kommandos abzuweichen, von mir aus auch Dialekt zu sprechen, solange die Wörter nicht gleich klingen und unmissverständlich sind. Und selbst unmissverständliche Worte kommen manchmal falsch an: Ich habe gehört, dass die Warnung „Stein“ (Vorsicht es fällt ein Stein herunter) des Kletterers vom Sichernden unten als „Stand“ verstanden wurde und ein „Seil frei“ folgte. Kommunikation ist am Fels keine leichte Sache!

Schweigen ist Silber, Reden ist Gold

Wer jahrelang mit dem gleichen Kletterpartner klettert, versteht einander blind und ohne Worte. Mit neuen Kletterpartnern ist es nicht zwingend so. Ein kurzer Satz zur Kommunikation kann eigentlich nie schaden, genauso wie der obligate Partnercheck. Meistens werden Fehler aufgrund von Redundanz rechtzeitig behoben und man kommt mit einem Schrecken davon. Solche Geschichten lassen sich beim abendlichen Zusammensein nach dem Klettern gut erzählen und gemeinsam „verarbeiten“.

Meine Nummer 1 der Fehlkommunikationen ist folgende: Kletterer ruft „ZUUUU“ und erntet als Antwort ein „Seil frei“. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber nichts ist schlimmer, als Fehler totzuschweigen. Jeder macht Fehler. Wenn darüber gesprochen wird, müssen andere sie nicht wiederholen. Vielleicht habt auch ihr eine Geschichte, die ihr gern teilen möchtet, damit andere daraus lernen können? Ich freue mich auf konstruktive Beiträge!

Glossar Kommunikation beim Klettern

Kommandos müssen immer zwischen den Kletterpartnern abgesprochen werden, um Missverständnisse und Fehler zu vermeiden! Klettern ist ein Risikosport und erfolgt auf eigene Gefahr- für Unfälle aufgrund der im Glossar aufgeführten Kommandos wird nicht gehaftet!

KommandoBedeutungErwartete Aktion
ab / ablassenDer Kletterer möchte vom Sichernden abgelassen werden.Den Kletterer ablassen.
kommen/ nachkommenDer Vorsteiger hat den Nachsteiger in die Sicherung genommen und dieser kann nun losklettern.Antwort: „Ich komme“. 
SeilDer Kletterer bittet um mehr Seil, damit er weiterklettern oder klippen kann.Mehr Seil ausgeben.
Seil einBitte Seil einziehen.Seil einziehen.
Seil freiDer Sichernde hat den Kletterer aus der Sicherung genommen.Der Kletterer kann jetzt das Seil einholen.
Seil ausDer Kletterer zieht gerade Seil ein und der Nachsteiger informiert ihn, dass das Seil zu Ende ist.Der Nachsteiger wartet auf das Kommando „Kommen“ oder ein anderes ausgemachtes Zeichen, um gesichert nachsteigen zu können.
StandDer Kletterer befindet sich am Stand und hat sich selbst gesichert.Der Sichernde kann den Kletterer aus der Sicherung nehmen.
zu / ZugDer Kletterer bittet um weniger Seil, möchte sich ggf im straff gezogenen Seil setzen und ausruhen.Seil einziehen bis es straff ist.

Back‘ dir einen Bergfreunde-Apfelstrudel

15. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Man kann Glück nicht kaufen, aber man kann es backen! :) Und zwar in Form eines leckeren Bergfreunde-Apfelstrudels. Der hat uns schon den einen oder anderen Arbeitstag mächtig versüßt und weil wir euch dieses leckere Backwerk nicht vorenthalten wollen, habe ich Kollege Robert aus unserem Bergfreunde-Gearhead-Team das Rezept entlockt. Viel Spaß beim Nachbacken!

Zutaten für einen Strudel

Teig

  • 300 Gramm Mehl
  • 160 ml Wasser
  • 2 EL Öl

Füllung

  • 2 kg Äpfel (Kochäpfel, z.B. Braeburn und Granny Smith)
  • 100 g Nüsse (Mandel oder Haselnüsse, gehobelt)
  • Zimt und Zucker nach belieben

Sonstiges

  • Butter zum Bestreichen
  • Optional: 1 Ei

Und so geht unser Apfelstrudel

Als erstes bereiten wir den Teig zu. Mehl, Öl und Wasser in eine Schüssel geben und so lange kneten, bis ein geschmeidiger Teig entsteht. Dieser sollte etwas fester und nicht zu weich sein. Danach ist 30 Minuten Teigruhe angesagt.

In der Zwischenzeit kümmern wir uns um die Füllung. Die Äpfel werden gehobelt und anschließend mit den Nüssen, Zimt und Zucker vermischt. Bei sauren Äpfeln kann gerne etwas mehr Zucker hinzugegeben werden und wer möchte, rundet das Ganze mit einem kleinen Schuß Schnapps ab. Beiseite stellen und ziehen lassen.

Jetzt ist der Teig wieder dran: Zuerst legen wir Backpapier aus, das erleichtert das Rollen. Darauf geben wir den Teigklumpen, den wir nun ganz vorsichtig ausrollen. Er sollte hauchdünn sein. Nutzt besser das Nudelholz, mit den Händen ist die Gefahr von Löchern größer. Bestreicht den Teig zum Schluss noch mit flüssiger Butter.

Nun belegen wir den Teig mit der Füllung. Diese wird gleichmäßig auf der Teigfläche verteilt. Sollte die Masse viel Flüssigkeit lassen, gebt nach dem Ausbreiten eine kleine Hand voll Semmelbrösel draüber.

Lasst ein paar Zentimeter Platz zum Rand, damit ihr den Strudel gut einrollen könnt. Klappt nun die Ränder ein, so dass sie die Füllung etwas überdecken und rollt das Kunstwerk mit Hilfe des Backpapiers zu einem Strudel.

Auf einem Backblech kommt das gute Stück jetzt bei 200 Grad Ober/Unterhitze für ca. 45 min in den Ofen. Nach 30 Minuten könnt ihr den Apfelstrudel noch mit Ei bestreichen, das gibt eine schöne braune Farbe.

Für das i-Tüpfelchen – oder besser: Das Bergfreunde-Tüpfelchen – schnappt ihr euch einen Karton und schneidet ihn in der Form unseres Logos aus. Das legt ihr auf den Strudel und bestreut die Oberfläche dann mit Puderzucker. Voila: Der Bergfreunde-Apfelstrudel ist fertig.

Dazu passt ein Kleks Sahne, eine Kugel Vanilleeis oder Vanille-Soße! :) Wir wünschen guten Apetitt!

Gib dem Ellenbogen deine Aufmerksamkeit!

9. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Sofort merken wir sportlichen Menschen, wenn unser Ellenbogengelenk beschädigt ist und nicht mehr reibungslos funktioniert.

Unsere Ellenbogen brauchen wir. Und ohne Ellenbogen die Wände hochklettern, das ist fast unmöglich. Wie ihr eure Armmuskulatur und den Ellenbogen schützen könnt und ob gezieltes Trainieren Sinn macht, erklären wir euch hier.

Über die Anforderungen an den Ellenbogen im Klettersport habe ich mit Dr. med. Andreas Thannheimer, Chefarzt am Klinikum Garmisch-Partenkirchen gesprochen. 

Das Ellenbogengelenk ist sehr gut geführt und auch die starken Muskeln haben beste Voraussetzungen, da sie nicht über das Gelenk verlaufen.

Das Ellenbogengelenk besteht aus drei Gelenken, die zusammen von einer Gelenkkapsel überdeckt werden. Die feste Gelenkkapsel wird unterstützt von fächerförmigen Seitenbändern, Innenbändern, sowie den kräftigen Sehnen der Bizeps-, und Trizepsmuskeln.

Beim Beugen und Strecken unseres Arms sorgen die Muskeln und weitere kleinere Muskeln auch nochmals dafür, dass das Gelenk eingespannt wird und stabil ist. Ein Meisterwerk! 

Bei Menschen, die viel trainieren und lange Klettersport betreiben, können Überlastungsschäden auftreten.

Bemerkbar werden die Überlastungen durch anhaltende Schmerzen am oder im Gelenk. Oft sind es Reizungen oder Entzündungen an den Sehnenansätzen, die erst einmal durch geringere Belastungen und Pausieren des Sports gemildert werden können. Diese sogenannten Ansatztendinosen halten in fortgeschrittenen Stadien lange an und müssen langwierig therapiert werden. 

„Der Tennis- und Golfer-Ellenbogen kann auch bei Kletterern auftreten. Da gibt es ungefähr tausend Methoden in der Behandlung. Bei diesen Überlastungsschäden hilft jedem Mensch etwas anderes. Die Heilung kann langwierig sein und chronische Schmerzen können bleiben. Mikroverletzungen an den Sehnen oder überlastungsbedingte Instabilitäten lassen sich erfolgreich operativ behandeln.“ 

Um den Ellenbogen wirklich schwer zu verletzen, muss im Gegensatz zum Schulterbereich viel direkte Kraft einwirken. 

Stürze gegen die Wand oder mit Bodenkontakt können ein Auslöser sein. Besonders gefährdet ist das Gelenk, wenn ein Auf- oder Anprall in der Beugestellung passiert 

„Bei einem Sturz mit Boden- oder Wandkontakt kommt die Stützfunktion mit der einhergehenden Stauchung über die Hand und den Unterarm in Frage. Es wird ja immer versucht sich doch noch abzufangen. Wenn der Ellenbogen in der Beugestellung ist, kann es zum Auskugeln des Gelenks kommen. Ein direkter Anprall führt oft zu Weichteilverletzungen oder Brüchen der Elle.“ 

Nach einem Sturz oder Anprall ist es wichtig zu klären, ob die Funktionalität noch erhalten ist und zu beobachten wie sich die Schwellungen und Schmerzen entwickeln. Wenn ihr das Gelenk nicht mehr strecken oder beugen könnt, ist es ratsam, direkt in die Klinik zu gehen oder eine entsprechende Praxis aufzusuchen.

Ein wenig ungünstig liegt im Falle von größeren Schwellungen und Hämatomen der Ellennerv (Nervus ulnaris).

Da solltet ihr kontrollieren, ob die Sensibilität im kleinen Finger sowie in der Hand gestört ist. Es kann sein, dass die Hämatome beim stärkeren Abdrücken des Nervs operativ entfernt werden müssen. Ansonsten gilt auch beim Ellenbogen: Hochlagern, kühlen und pausieren. Aber nicht ruhigstellen! Wenn die Schmerzen und Einschränkungen so stark sind, dass ihr das Gefühl habt, dass Gelenk ruhigstellen zu müssen, solltet ihr in eine Praxis oder Klinik gehen.

„Eine längerfristige Ruhigstellung des Ellenbogengelenkes sollte möglichst vermieden werden, da durch eine Ruhigstellung dauerhafte Bewegungseinschränkungen begünstigt werden können.“ 

Bei Luxationen, Verschiebungen oder Brüchen wird fast immer operiert.

Die Operationen sind meist etwas aufwendiger und komplexer, da das Ellenbogengelenk wieder so hergestellt werden muss, dass es hundertprozentig passt. Erfahrene Unfallchirurginnen und Sportmediziner sind dann eure Adresse! Einfache Luxationen, die reponiert und in der Führung bleiben, müssen nicht operiert werden.

„Für das Ellenbogengelenk ist eine hundert prozentige Kongruenz wichtig. Operativ muss versucht werden die Funktionalität bzw. Beweglichkeit bis auf wenige Millimeter wieder richtig und passend herzustellen. Bei wenigen Millimetern Fehlstellung reagiert das Gelenk sehr empfindlich und es kann schnell zu Arthrose kommen. Es gibt auch Sehnenrupturen der Bizeps- oder Trizepssehnen. Bei höherer Gewalteinwirkung kann die Bizepssehne abreißen. Bei einem direkten Anprall am Ellenhaken kann hier die Trizepssehne knöchern ausreißen. Bizeps- oder Trizepssehnenabrisse werden in aller Regel wieder operativ refixiert.“ 

Wichtig ist bei Wiederaufnahme des Trainings langsam anzufangen und auf die Schmerzen zu achten. 

Für mehr Mobilisation helfen euch diese Übungen, die ihr selbst machen könnt. 

Der Klassiker: 

Den Arm vor dem Körper gerade ausstrecken. Die Hand nach unten beugen und mit der anderen Hand Druck auf die gebeugte Hand ausüben bis ihr eine Dehnung verspürt. Der Arm ist im ersten Bild gerade vom Körper gestreckt. Im zweiten Bild ist die Handinnenfläche nach oben gedreht und zeigt zur Decke. Durch diese Variationen der Übung dehnt ihr alle Strukturen.

Den Ellenbogen unterstützen, könnt ihr mit Hilfe von kleinen Zwei-Kilo-Hanteln und einem Tisch. Euren Arm platziert ihr so auf dem Tisch, dass der Ellenbogen auf der Platte liegt und das Handgelenk an der Tischkante frei ist und überhängt. Mit der Hantel in der Hand geht ihr in die Extension und Flexion des Handgelenks. Die Übung macht ihr einmal mit der euch zugewandten Handinnenfläche und mit der euch zugewandten Handaußenfläche. 

Und hier eine Allround-Übung für Alle! Besonders gut für den Schulterbereich und Ellenbogen, ist das Aushängen. Dazu müsst ihr nicht euren ganzen Körper halten! Es reicht das Lehnen in die Streckung. Bei den Übungen unterstützen euch natürlich auch Physiopraxen, wie die Praxis von Tayfun Babayigit, die ihr auf den Bildern sehen könnt.

Azubi a.D.: IT-Bergfreund Jonas im Interview

5. Oktober 2020
Die Bergfreunde

Etwas mehr als drei Jahre ist es jetzt her, dass unser Bergfreunde-IT-Azubi Jonas seinen ersten Arbeitstag bei uns antreten durfte. Für ihn sicher so aufregend wie für uns, denn er ist seit einer langen Zeit der erste Azubi, der die Bergfreunde-Bühne betritt.

Und letztens war es dann soweit: Jonas hat seine Abschlussprüfung in der Tasche und ist seitdem Vollzeit-Bergfreund! Wir haben das zum Anlass genommen und ihn mal zu einem kleinen Interview gebeten…

Jonas – Hand aufs Herz: Warum die Bergfreunde? Zufall? Fan? Was hat dich zu uns gebracht?

Es war tatsächlich – soweit ich mich erinnern kann – Zufall. Ich war damals noch auf dem technischen Gymnasium und in der 12. Klasse. Als ich immer weniger Lust hatte, mein Abi fertig zu machen, hab ich angefangen, mich über Ausbildungsberufe zu informieren und mir schließlich mal einen Überblick über potenzielle Stellen verschafft. Irgendwann wurde mir die Jobseite der Bergfreunde auf Facebook vorgeschlagen.

Die Bergfreunde kannte ich schon, da hab ich immer mein Kletterzeug bestellt, deshalb habe ich mal geschaut was die so für Jobs haben. Dort habe ich dann die Azubistelle gesehen und mich beworben. Ich dachte mir, wenn ich genommen werde, mach ich statt Abi nur Fachhochschulreife und eine Ausbildung. Falls nicht, mache ich mein Abi fertig und schau dann was passiert. Das war auch die einzige Stelle auf die ich mich beworben habe, die anderen Unternehmen haben mich nicht so Interessiert, als dass ich dafür mein Abi abgebrochen hätte.

Als du dich bei uns beworben hast, gab es eine lustige Geschichte wegen deines Tattoos: Erzähl mal. 

Die Bewerbungsphase war durch und mündlich war schon alles geklärt, soweit ich weiß hab ich nur noch auf den Ausbildungsvertrag gewartet. Zu dem Zeitpunkt war ich drauf und dran, mir ein Tattoo stechen zu lassen und war mir etwas unsicher, wie die Bergfreunde mit so etwas umgehen, daher hab ich damals nachgefragt, ob ein sichtbares Tattoo in Ordnung ist. Unterschrieben hätte ich auf jeden Fall, aber mein Tattoo hätte ich vielleicht an einer anderen Stelle stechen lassen.

Zu meiner Beruhigung war es kein Problem und ich habe sogar einen neuen Tattoovorschlag bekommen: ein schönes Tribal mit der Überschrift “System Administrator”. Spoiler: Ich habe mich für ein anderes Motiv entschieden. ;)

Kannst du dich noch an deine erste Woche erinnern? Wie war dein Eindruck von der Firma und den Kollegen?

Die erste Woche war – wenig verwunderlich – ganz anders als in der Schule und hat mir vor allem deutlich mehr Spaß gemacht. Die Kollegen waren alle super nett und ich wurde erstmal vielen Leuten vorgestellt, wurde herumgeführt, habe anderen über die Schulter geschaut, meinen Arbeitsplatz eingerichtet und das eine oder andere einfache Helpdesk-Ticket erledigt. Viel mehr ist glaube ich in der ersten Woche auch nicht passiert.

Hat sich der Eindruck gegenüber den Kollegen nach der ersten Neujahrsfeier grundlegend geändert?

Die Neujahrsfeier war richtig gut. Ich dachte ja eigentlich, Betriebsfeiern wären eine eher steife Angelegenheit. Ich sollte aber schnell eines besseren belehrt werden. Nach der Neujahrsfeier habe ich mich mit vielen Kollegen, die ich davor nicht so richtig kannte oder mit denen ich nicht viel zu tun hatte, viel mehr unterhalten und ich fand, das hat alles auch etwas gelockert.

Vor allem aber erinnere ich mich an den Kater am nächsten Tag, der war nicht ganz so angenehm.

Wie bist du eigentlich im Berufsfeld IT gelandet?

Ich war schon immer gerne am Computer und hatte da schon das eine oder andere Projekt. In der Schule war Informatik auch nie ein Problem. Meine Alternative wäre übrigens die Schreinerei gewesen, aber in der Informatik sind die Berufsaussichten doch etwas besser.

Neben Klettern und bei den Bergfreunde arbeiten, was machst du sonst so. Erzähl uns alle schmutzigen Geheimnisse! ;)

Ach, lauter nerdigen Kram. Die Klischees muss man ja auch bedienen. Ich spiele gerne Brettspiele, verbringe Zeit an der Playstation, sitze am Computer. Wenn dann der Nerd in mir mal im Keller bleibt und ich nicht beim Klettern bin, mache ich hin und wieder “Gettoworkout” im Rahmen des Unisport-Programms mit oder lass den Hobbyschreiner raus und bastle mir irgendwas aus Holz, meistens Trainingsgeräte fürs Klettern.

Wenn du die Wahl hättest: Welche drei Ausrüstungsgegenstände aus dem Bergfreunde-Shop würdest du dir sofort bestellen?

Neue Kletterschuhe könnte ich mal wieder gebrauchen, aber sonst fällt mir momentan nichts Spezielles ein. Kletterzeug kann man aber immer gebrauchen, einen Satz Cams oder ein paar Offset Nuts wären auch noch nützlich.

So, genug gequasselt: Die letzten Worte gehören dir. Was willst du den Bergfreunden da draußen noch sagen?

Passt auf euch auf und habt Spaß.

Zwangspause! Wieviel Training ist nötig, um die aktuelle Leistungsfähigkeit zu erhalten?

2. Oktober 2020
Tipps und Tricks

Wie schon in einem älteren Artikel „Regeneration – essenziell für (d)ein perfektes Training“  erwähnt, Bewegung ist Leben! Das gilt auch in der Zwangspause, sei es eine Verletzung, Zeitmangel, Lockdown oder weil du einfach mal eine Pause brauchst (psychische Ermüdung).

Dabei war man gerade auf dem Höhepunkt und kann nun schon fast dabei zusehen wie die hart erkämpfte Muskulatur davonschmilzt. Dabei müssen für den Leistungserhalt weniger Zeit und Aufwand investiert werden als für den Leistungsaufbau. Ganz nach dem Motto: „Zusehen kann man, muss man aber nicht“.

Ausnahmen bilden dabei natürlich verletzungsbedingte Ruhestellungen des betroffenen Körperteils, doch auch hier gibt es Strategien, um den Heilungsprozess zu beschleunigen und auch einen Teil der Leistungsfähigkeit zu erhalten. Unabhängig der Sportart(en), hier erfährst du wie viel (oder wenig) du trainieren musst, um auch in schwierigen Zeiten dein Fitnesslevel aufrecht zu erhalten.

Warum der Körper bei zu langen Ruhepausen abbaut

Der Körper hat ein ganz großes Ziel „Energieklasse A++“ und passt sich nach dem Prinzip der Anpassung an die gegebenen Belastungen (adaption on imposed demands) an.  Notwendige Anpassungen werden nur gemacht oder bleiben erhalten, wenn du eine Aktivität oder Übung häufig und regelmäßig machst, und den Trainingsreiz steigerst . Das Bedeutet, dass sich Ausdauer, Kraft, Beweglichkeit oder Schnelligkeit nur besser werden, wenn du plan- und regelmäßig trainierst und in gleicher Weise nachlassen, wenn du eine Pause machst.

Der Grund dafür ist, dass leistungsfähige Systeme zur Erhaltung auch im „Leerlauf“ viel Energie benötigen und diese Energiefresser abgebaut werden müssen, wenn sie nicht gebraucht werden.

Wie schnell verliere ich meine Fitness?

Wie schnell der Körper bei einer vollständigen Pause an Leistungsfähigkeit verliert ist von deinem Trainingszustand, wie lange du schon trainierst und der Pausenzeit abhängig. Unabhängig davon ist der Abbauprozess kein linearer Prozess.

Zu Beginn, in den ersten zwei Wochen ohne Belastung, ist der Abbau meist stärker als während der Zeit danach. Bei Sportlern, die bereits lange und regelmäßig Trainieren, halten sich bestimmte Fertigkeiten über Monate auf einem recht hohen Level. Trainingsanfänger dagegen weisen einen wesentlich steileren Leistungsabfall vor, der auch auf den Stand vor dem Sportbeginn abfallen kann.

Wie schnell der Körper abbaut ist abhängig von:

  • Fitnesszustand
  • Bisherige Trainingsdauer
  • Pausendauer

Was passiert während der Pause?

Herz-Kreislaufsystem

Das Herz-Kreislaufsystem trägt die Verantwortung den Körper stets mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Dieses System beginnt bei der Lunge, die den Sauerstoff von der Atemluft aufnimmt und endet an den winzig kleinen Blutkapillaren, die den Sauerstoff an die Zielzellen abgeben. Ohne Training reduziert sich die Leistungsfähigkeit der Herzmuskulatur, der Blutgefäße und der Bluteigenschaften.

Muskulatur

Als Motor aller Bewegungen wird der Muskulatur eine große Wichtigkeit zugeschrieben. Bei Nichtnutzung setzt bei ihr die Atrophie ein, der Muskelschwund. Dabei verlieren die Muskelzellen an Größe, an Speicherkapazität für Glykogen und die Ansteuerungsmechanismen des Nervensystems. Aber auch die Kapillare der Muskelzellen werden zurückgebildet und das Potential für eine gute Sauerstoffversorgung nimmt ab, ein wichtiger Leistungsfaktor für Ausdauersportler.

Bindegewebe (Bänder und Sehnen)

Auch das Bindegewebe passt sich auf Belastungen an und wird bei Pausen wieder abgebaut. Doch im Gegensatz zur Muskulatur haben Bänder, Sehnen und Knorpel einen langsameren Stoffwechsel und benötigen deshalb für Auf- und Abbau mehr Zeit.

Sehnen haben die Aufgabe der Kraftübertragung von der Muskulatur auf die Knochen. Diese kannst du dir wie ein Stahlkabel vorstellen, sie bestehen aus vielen einzelnen Fasern (Fibrillen) die eng an eng in Längsrichtung verlaufen. Werden sie nicht belastet verlieren die Fibrillen ihre Längsausrichtung, werden steifer und sind somit weniger belastbar.

Bänder sind, wenn man beide Augen zudrückt, mit Sehnen vergleichbar, besitzen jedoch einen wesentlich höheren elastischen Anteil und haben die Aufgabe der knöchernen Führung, sie verbinden Knochen miteinander. Auch sie verlieren bei der Pause an Elastizität und Faserausrichtung.

Knorpel sind die Schmiermasse zwischen den Gelenkflächen und sind dafür verantwortlich, dass diese nicht abgenutzt werden. Im Gegensatz zu anderen Bindegeweben werden sie gar nicht durchblutet, sondern über Diffusion mit den Nährstoffen aus der Gelenksflüssigkeit (Synovialis) ernährt. Diffusion ist die schwammartige Funktionsweise des Knorpels, mit der bei Belastung die gesamte Flüssigkeit herausgepresst und bei Entlastung neue Flüssigkeit (inkl. Nährstoffe) aufgesaugt wird. Aus diesem Grund ist der Gelenkknorpel auch absolut von Bewegung abhängig und kann nur versorgt werden, wenn Diffusion stattfindet. Knorpel besitzen die längste Wiederherstellungszeit und gelten deshalb nicht als Regenerierbar. Deshalb sollest du auf ausreichend Bewegung für deine Knorpelgesundheit achten.

Nervensystem

Wenn von Lernen gesprochen wird, wird oft die Metapher des Pfades genutzt. So wie sich der Wander- oder Trailrunningpfade vergrößert je mehr Personen auf diesem gelaufen sind, verbessern sich auch Wege im Nervensystem. Die neuronalen Pfade, die häufig genutzt werden, gewinnen an Leitfähigkeit und Übertragungsgeschwindigkeit, und weiteren Funktionen. Sie sind entsprechend leichter zu gehen als ein zugewachsener Weg.

Bei der sportlichen Bewegung entsprechen die Bewegungen, die du bereits unbewusst und ohne nachzudenken ausführen kannst, diesen breiten und leicht zu gehenden Pfaden. Das Nervensystem kennt dann die richtige Ansteuerung der Muskulatur, nimmt den eigenen Körper besser wahr und weiß wie es auf bestimmte Umweltereignisse reagieren sollte. Doch wenn du diese Pfade während der Pause über lange Zeit nicht nutzt wachsen sie zu und deine Bewegungen werden bei Wiedereinstieg weniger flüssig sein.

Doch diese Pfade bleiben wie versteckte Wanderwege grundsätzlich erhalten und können schnell wiedergefunden werden. Das bedeutet, dass du bereits erlernte Bewegungen leichter wieder abrufen kannst.

Leistungssteigerung/-erhaltung trotz Pause/Verletzung?

Wie oft und wie intensiv muss ich zum Leistungserhalt Trainieren?

Wie schon angedeutet gibt es unabhängig des Grundes der Zwangspause gute Nachrichten: Ein reduzierter Trainingsplan bewirkt bereits leistungserhaltende Reize, so dass nach der Zwangspause bei Wiedereinstieg bis zum vorherigen Trainingsniveau nicht viel fehlt.

Je nach Trainingsstand und -ziel ist eine Reduktion auf eine Trainingseinheit pro Woche ausreichend, um die bisherigen Trainingsfortschritte zu erhalten. Für den Großteil sind ein bis zwei kurze intensive Trainingseinheiten (ca. 30 Minuten bei 70% der eigentlichen Leistungsfähigkeit) der sportartspezifischen Muskulatur zum Leistungserhalt ausreichen.

So kannst du dein Leistungsniveau sogar über mehrere Monate hinweg aufrechterhalten. Wenn du hingegen vollständig pausierst wird bei Wiedereinstieg der Weg zurück zum alten Leistungsniveau garantiert länger und schwieriger sein (bis zum dreifachen der Pausenzeit). 

Ein oder zwei kurze Trainingseinheiten pro Woche sind bereits effektiv Leistungserhaltend

  • Trainiere „um deine Verletzung herum“.
  • Nutze Körpergewichtsübungen auf Reisen.
  • Nutze hochintensive Trainingsmethoden (HIT, HIIT).
  • Nutze die Pause als Chance etwas Neues zu lernen.

Ich bin verletzt, was kann ich noch Trainieren?

Training des betroffenen Bereichs

Um mit Verletzung trainieren zu können sind belastende Übungen zu vermeiden und zu ersetzen, bis diese ausgeheilt ist. Hier fragst du am besten deinen Arzt, worauf du achten solltest.

Ein sanftes Training der betroffenen Stelle führt zu einer besseren Durchblutung und unterstützt so den Heilungsprozess. Wichtig ist es dabei auf eine möglichst schmerzfreie Ausführung zu achten und schmerzhafte Übungen zu meiden. Hier ist es sinnvoll verschiedene Steigerungsstufen zu den Verschiedenen Trainingsübungen zu kennen. Diese helfen dir nicht nur im gesunden Zustand, für das Setzen eines stärkeren Reizes, sondern auch bei Verletzung die Variante zu kennen die das verletzte Gelenk weniger reizt.

Aber alles was frei von Verletzung(en) ist, kann auch erhalten oder sogar verbessert werden. Wichtig ist es hier, darauf zu achten ob ein Training der verletzungsfreien Gelenke eine Last für das betroffene Gelenk darstellt. So können zum Beispiel trotz einer verletzten Schulter  die damit verbundenen Gelenke (Armbeuge, Hand) mit der richtigen Übung dennoch trainiert werden. Wenn ein Training der anderen Gelenke möglich ist profitiert das verletzte Gelenk auch von den neuronalen Signalen, die durch den gesamten Arm gesendet werden.

Trainieren der gegenüberliegenden Seite

Sehr interessant ist der zu beobachtende Lerntransfer von der linken auf die rechte Körperhälfte und umgekehrt. Es ist erwiesen, dass beim Bewegungslernen einer Körperhälfte sich auch Verbesserungen der anderen Seite zeigen, das nennt sich „Cross Education“. Dieser Effekt wurde auch schon für Kraftzuwächse gezeigt. Also profitieren Beine und Arme der verletzten Seite, wenn du die unverletzte Seite weiterhin trainierst. Dieser Effekt ist zwar nicht allzu stark. Doch im Vergleich zu keiner Belastung, ist der Vorteil erkennbar, oder?

Schwächen Ausgleichen und nicht betroffene Gelenke trainieren

Gleichzeitig bietet die Zwangspause die Möglichkeit, mal etwas anders zu machen als bisher. So kannst du zum Beispiel auch deine dir bekannten Schwächen trainieren. Beweglichkeit, Kraft oder mentale Stärke, hier findest du sicher noch einen Punkt zum Abarbeiten auf deiner To-Do-Liste. Bei einem verletzten Bein kannst du immer noch den Oberkörper trainieren und andersherum geht das auch sehr gut. Nutze die Verletzung als Chance neue Erfahrungen zu machen und die Gelegenheit dazu zu nutzen etwas Neues auszuprobieren, etwas das du noch nicht kennst. Der Körper als Gesamtsystem wird es danken und nach der Genesung auch im eigentlichen Lieblingssport leistungsfähiger sein.

Trainieren mit Infektionserkrankungen

Bei Infektionserkrankungen ist von einem Training abzuraten, denn das Immunsystem das unseren Körper vor Erregern beschützt hat auch Aufgaben in der Leistungsanpassung und kann somit keine der beiden Aufgaben vernünftig ausführen. So erhöht sich nur die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erkrankung verschlimmert und sich die Zwangspause verlängert.

Wann bist du wieder fit genug für ein Training?

Bei einer verletzungsbedingten Pause ist die anschließende Frage nach dem Wiedereinstieg immer recht schwierig. Es ist ja auch immer eine emotionale Entscheidung, man möchte ja wieder anfangen. Doch es sollte immer das Ziel sein, so schnell wie möglich wieder fit zu werden, aber auch Fit und gesund zu bleiben. Denn in den ersten Wochen nach dem Wiederanfang ist das Risiko für eine Wiederverletzung hoch und du solltest beim Training auf diese Punkte achten und dein Training entsprechend anpassen:

  • Kompensation: 
    • Ob du die nicht-verletzte Seite deutlich stärker beanspruchst als normal
    • Ob du die verletzte Seite nicht normal belasten kannst
  • Ob du mental bei der Sache bist

Verletzungsfrei: 5 Faktoren, die einer verletzungsbedingten Zwangspause vorbeugen

Doch eines ist noch besser als eine verletzungsbedingte Zwangspause: Keine Zwangspause. Ein Athlet, der ohne Verletzungen trainieren kann, wird immer fitter sein als mit den Unterbrechungen, die eine Verletzung mit sich führt. Die folgenden Punkte sollen dir dabei helfen Verletzung vorbeugen:

  • Technik statt Willenskraft: Fokussiere auf die richtige Zieltechnik deiner Sportart im Rahmen deiner individuellen Voraussetzungen, anstatt dich mit Kraft und Willen durchzukämpfen.
  • Tagesformcheck: Mach vor jedem Training einen inneren Check wieviel Leistung du an diesem Tag von dir Abverlangen kannst und passe die Intensität an.
  • Warm-Up: Vor jeder sportlichen Ausübung sollte ein angemessenes Aufwärmen stattfinden.
  • Ausgleich: Nutze Ausgleichsübungen, die die antagonistische und stabilisierende Muskulatur trainiert.
  • Pause: Achte auf ausreichend lange Regenerationszeiten und nutze regenerationsfördernde Maßnahmen.

Einfach Zurücklehnen oder MiniMax Prinzip?

Wenn die Zwangspause einmal kommt ist das meist sehr frustrierend, besonders für hochmotivierte Sportler. Doch eine Pause ist nicht direkt mit einem starken Leistungsabfall verbunden. Bereits kurze intensive Trainingseinheiten setzen leistungserhaltende Reize und helfen bei angepasster Intensität auch dem Heilungsprozess bei Verletzungen. Zudem bieten diese Pausen auch immer die Möglichkeit seine Vorherigen Trainingsweise zu überdenken und Neues auszuprobieren und zu entdecken. Also gib dem Frust nicht zu viel Raum und mach das beste aus der Situation. 

Kaufberatung MTB-Reifen

DIMB Ausbildung zum MTB Guide: Fahrsicherheit und Erste Hilfe

30. September 2020
Die Bergfreunde

Lockdown, das Unwort des Jahres?

Vielleicht! Denn auch für die Teilnehmer der MTB Ausbildung beim DIMB und erst recht für die Verantwortlichen der DIMB stellt die gegebene Situation eine enorme Herausforderung dar.
Umso glücklicher war ich als dann die Nachricht von der Geschäftsstelle kam, dass die Ausbildungen wieder aufgenommen werden können. Ein strenges Hygiene- und Sicherheitskonzept macht den Unterricht wieder möglich und natürlich auch die Tatsache, dass wir uns viel an der frischen Luft aufhalten. An dieser Stelle nochmal ein ganz dickes Dankeschön alle Beteiligten bei der DIMB. Ich bin Euch sehr dankbar für die Möglichkeit meine Ausbildung weiter machen zu können.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 1 

So heißt es für mich dann also wieder Sachen packen und Aufbruch in Richtung Fichtelgebirge an den Ochsenkopf zum Basismodul Fahrsicherheit.
Ehrlich gesagt hab ich mir auch hier gedacht: „Naja…ich kann ja Rad fahren, aber ich muss es halt machen und es gehört dazu.“

Ich sollte recht schnell eines Besseren belehrt werden.

Der erste Tag startet mit einer kurzen Vorstellung des Tagesablaufs und einer theoretischen Einführung in den „Roten Faden Fahrsicherheit“. Was bedeutet das?
Er beschreibt die Grundsätze der modernen Fahrtechnik: 

  1. Der Körperschwerpunkt bleibt grundsätzlich zentral
  2. Der Kopf/Oberkörper bleibt ruhig das Bike bewegt sich
  3. Das Bike wird hauptsächlich durch Neigung gesteuert
  4. Vorausschauende Fahrweise (1-3 Sek)
  5. Bewegungen werden aus dem Sprunggelenk initiiert
  6. Bewegungen fließen ineinander Bewegungsfluss entsteht

Im Grundlagenbereich der Fahrsicherheit/-technik geht es also um das Vermitteln und Heranführen an

Dies soll dem Teilnehmer eines Fahrtechnikkurses oder auch auf einer geführten Tour anschaulich näher gebracht werden, um ihm so Sicherheit und folglich hoffentlich mehr Spaß auf den Trails zu ermöglichen.

Die Theorie war schnell abgehakt und es geht hinaus auf den Parkplatz um mit den ersten Übungen zu beginnen.
Ich merke schnell, dass es mir schwer fällt zu unterscheiden, ob es nun um meine eigene Technik geht oder um das übertriebene Demofahren für den virtuellen Kursteilnehmer. Unsere Ausbilder möchten von uns quasi übertriebene Bewegungsabläufe sehen, damit der Schüler überdeutlich den Unterschied zwischen richtig und falsch sehen und nachvollziehen kann. Das ist gar nicht so einfach.

Sehr kurzweilig geht der erste Tag des Lehrgangs zu Ende und es wird bei bestem Wetter im Biergarten des Bullheadhouse am Ochsenkopf gefachsimpelt.

Basismodul Fahrsicherheit – Tag 2 

Zweiter Tag, Frühstück und direkt raus an die Luft.
Nach dem „selbst“ erfahren der Grundsätze am Vortag geht es heute um das Erkennen und eventuelle Korrigieren von Bewegungsmustern bei anderen im Gelände.

Die Herausforderung: wie formulieren ich pädagogisch sinnvolles Feedback, so dass der Teilnehmer es auch verstehen und umsetzen kann. Das ist gar nicht so einfach, wie ihr vielleicht denkt!

Der Tag geht rasend schnell vorbei und gegen 16 Uhr ist leider schon Schluss. Es folgt noch Einzel-Feedback und eine Einschätzung der Ausbilder zum weiteren Weg. Dann treten wir den Heimweg an.

An dieser Stelle ganz besonderen Dank an die beiden DIMB Ausbilder Michi Hacker und Stefan Stark. Ebenso möchte ich mich bei Marcus Euerle bedanken, der mir die Möglichkeit gibt bereits jetzt mein erlerntes Wissen in seiner Fahrtechnikschule TrailSkills anzuwenden.

Jetzt wird’s blutig!

Dreieinhalb Wochen nach dem letzten Lehrgang, stehe ich wieder auf dem Parkplatz des Ochsenkopfs im Fichtelgebirge und freu mich auf das Lehrgangsmodul, das ich wahrscheinlich am allerdringendsten gebrauchen kann. Heute geht es darum, wie wir im Notfall am besten Erste Hilfe leisten können.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 1 

Außer mir sind noch sechs weitere Teilnehmer zu diesem Lehrgang gemeldet und wir treffen uns, völlig Corona-gerecht, im extra vom Wirt des Bullheadhouse aufgestellten Partyzelt zu den ersten Stunden Theorieunterricht.

Gleich zu Beginn bekommen wir von DIMB Ausbilder Michi Hacker das wichtigste Werkzeug für Notfallsituationen an die Hand: den Erste Hilfe Algorithmus.

Diese Vorgehensweise stellt den zentralen Leitfaden für die Verhaltensweise als Ersthelfender an einer Unfallstelle dar. Anhand des Algorithmus kann man sich immer wieder selbst auf den richtigen Weg bringen bis Rettungskräfte die Unfallstelle erreichen. Im Falle des Falles kann diese Vorgehensweise dem Verunfallten das Leben retten.

Weiter geht es mit diversen Methoden zur Versorgung von Wunden (Druckverband, Armschlaufe) oder was man bspw. machen kann, wenn sich einer das Schlüsselbein gebrochen hat (Rucksackverband).

Ganze üben wir natürlich noch an der frischen Luft, denn es ist in großer Unterschied, ob die Schulung unter Laborbedingungen in einer Turnhalle stattfindet, oder auf unebenem Waldboden auf dem man bspw. direkt selbst spüren kann, wie schnell man eigentlich auskühlt.

Also raus in die Natur. Anhand diverser Fallbeispiele verinnerlichen wir nochmal den Erste-Hilfe-Algorithmus und darüber hinaus lernen wir, was man machen kann um einen verstauchten Knöchel zu kühlen und man gerade kein Eis dabei hat. Ganz simpel eigentlich, man nehme einen Einweghandschuh und fülle ihn mit Wasser aus der Trinkflasche oder mit feuchter Erde. Der Effekt ist wirklich erstaunlich.

So geht auch dieser Tag sehr schnell zu Ende und ich merke wie ich selbst immer souveräner mit den vorgegebenen Situationen umzugehen lerne. Stressig und fordernd bleiben die Rollenspiele trotzdem, aber allmählich weiß man schon dass man sich auf sein Wissen verlassen kann.  

Sehr müde und mit vielen neuen Erfahrungen falle ich an diesem Abend ins Bett.

Basismodul Outdoor Erste Hilfe – Tag 2

Nach einem ausgiebigen Frühstück und der nicht ganz einfachen Klamottenwahl heute (Regen am Morgen), treffen wir uns wieder an unserem „Theoriezelt“. Heute stehen Themen wie Reanimation, Integralhelm abnehmen und speziellere internistische Fälle (Herzinfarkt, Schlaganfall, allergischer Schock, usw.) auf dem Programm.

Ausbilder Michi hat für uns draußen heute einen „1 zu 1 Erste Hilfe Zirkel“ vorbereitet. Das bedeutet, ein Teilnehmer spielt ein Opfer und wird von einem anderen Teilnehmer gefunden. Das Szenario wird abgespult dann aufgelöst und besprochen. Die Stationen waren: ein Herzinfarkt, undefinierte Schmerzen im Unterleib, Überanstrengung/Hungerast, allergischer Schock.
Der Ersthelfer muss herausfinden, was das Opfer hat und mit Hilfe des Algorithmus entscheiden, was zu tun ist.

Zum Ende des Lehrgangs gibt es dann nochmal ein kleines „Highlight“. Erneut gibt es ein etwas größeres Unfallszenario mit einer größeren Bike-Gruppe. Ich darf auch mal Opfer sein und hab mir bei einem Sturz über den Lenker denselben in den Bauch gerammt. Während ich gefunden werde und der Ersthelfer mit meiner Behandlung beginnt, verliere ich das Bewusstsein und bin nicht mehr ansprechbar. Meine Retter stellen sehr schnell fest, dass ich wohl innere Verletzungen habe. Dafür hat mir Michi sogar einen blauen Fleck auf den Bauch „geschminkt“.

Spektakulärer ist der Fall meines Opfer-Kollegen: Er ist auf den Kopf gefallen, hat eine Gehirnerschütterung und sich den linken Arm an einem Ast aufgespießt. Jetzt fließt sogar „richtig“ Blut! 

Es ist zwar alles nur gespielt und beim Blut handelt es sich um Lebensmittelfarbe, aber es verstärkt doch unbewusst den Stressfaktor um ein paar Prozent. Alle zusammen kehren wir gesund und munter zurück zum Parkplatz und sind an diesem froh dass alles „nur“ gespielt war.

In der Abschiedsrunde geben wir uns Feedback und wir bedanken uns nochmal ausgiebig bei Michi Hacker. Es ist schon sehr beeindruckend wie professionell und empathisch er auf alle Fragen und Belange eingeht und er sein Wissen an uns Teilnehmer weiter gibt.

Ist das Thema Erste Hilfe an sich ist ja schon recht komplex, nicht zuletzt oder vielleicht auch vor allem auf der emotionalen Ebene, so haben die Corona-Schutzmaßnahmen die Sache nicht unbedingt einfacher gemacht. Es muss ständig auf den Abstand geachtet werden, da es ohne Körperkontakt aber nicht geht sind Einweghandschuhe und Maske das elementarste Handwerkszeug des Wochenendes.

Vielen Dank an die Verantwortlichen der DIMB, die das Sicherheits- und Hygienekonzept erarbeitet haben, ohne welches die Ausbildung sonst in diesen verrückten Zeiten nicht möglich wäre.

Und an alle Outdoor-Dudes da draußen die, wie ich, das letzte Mal beim Führerschein machen was mit Erste Hilfe zu tun hatten. Dani Hornsteiner, ebenfalls Ausbilderin bei der DIMB, bietet auf ihrer Seite www.danihornsteiner.de spezialisierte Erste Hilfe Kurse auch für Kletterer, Skitourengeher, Biker, usw. an. Jeder Euro lohnt sich und kann im Zweifel Leben retten.

Ich kann eine Woche verschnaufen, dann geht es für mich Anfang September mit dem Aufbaumodul Guiding weiter. Da geht’s dann viel um Psychologie….stay tuned!

Naturlager und Biwakplatz: was ist das und wo gibt’s das?

23. September 2020
Tipps und Tricks

Eine Nacht im Freien ist ein unmittelbares und elementares Erlebnis. Solche Einfachheit ist heute so weit weg von der normalen Erlebniswelt, dass die Freinacht in der Natur wie ein Ausflug in eine Parallelwelt wirken kann. Ein inspirierender und bereichernder Ausflug wohlgemerkt. Nicht umsonst sind viele Draußenschläfer regelrecht begeistert und wollen das Erlebnis regelmäßig wiederholen. Grund genug, hier ein paar Facetten des Themas näher auszuleuchten. Denn davon gibt es überraschend viele, obwohl die Sache an sich ja kaum einfacher sein könnte.

Ein Grund für die erstaunliche Komplexität des Themas „Draußen Übernachten“ ist die beachtliche Besiedlungs- und Gesetzesdichte unserer Breiten. Auch die bunte deutsche Begriffsvielfalt, in der vieles synonym und durcheinander benutzt werden kann, trägt ihr Scherflein dazu bei. Klären wir also zuerst die Begriffe.

Was ist was?

Das Biwak stammt vom alten deutschen Begriff Beiwache ab. Es bezeichnet laut Wikipediaein Lager im Freien, aber auch in Zelten oder Hütten, vor allem für Soldaten oder Bergsteiger.

Ursprünglich gab es in befestigten Städten und Festungen neben der innerhalb der Mauern befindlichen Hauptwache eine auf dem freien Feld außerhalb stationierte Beiwache. Die Beiwache musste mangels Gebäuden in Zelten kampieren.

Heute tun Alpinisten, Trekker, Weitwanderer und Bergfreunde aller Art das freiwillig. Unter dem Biwak im engeren Sinne wird nur die (geplante oder ungeplante) Übernachtung im Freien, ohne Schutz durch ein Zelt oder eine Hütte verstanden. Allerdings gibt es in den Alpen auch viele „Biwakschachteln“, in denen überdacht und geschützt übernachtet werden kann. Ob das dann „biwakieren“ oder „übernachten in unbewirtschafteter Minihütte“ ist? Ich muss gestehen, ich weiß es nicht …

Das genaue festnageln des Begriffs ist aber auch nicht so wahnsinnig wichtig, weil er außerhalb der „Alpinistenszene“ ohnehin kaum verwendet wird. Alpinisten meinen mit dem „Biwak“ in der Regel nur die Stelle im Gelände oder in der Wand, an der übernachtet wird.

Eine Freifläche ohne jede Infrastruktur kann man aber wiederum auch als Zeltplatz bezeichnen, sofern sie genügend Fläche hat. Normalerweise ist mit „Zeltplatz“ ein fester Ort mit mehreren Zelten assoziiert. Ob groß oder klein, mit oder ohne Infrastruktur – man kann die Örtlichkeit als Zeltplatz, Lagerplatz oder Übernachtungsstelle bezeichnen. Das „Zelt“ und das „zelten“ kann man auch durch „Camp“ und „campen“ ersetzen – diese Begriffe werden normalerweise synonym verwendet.

Ein weiterer dieser „Grauzonenbegriffe“ ist das Naturlager. Auch damit kann eine Draußen-Übernachtung sowohl mit Zelt als auch ohne Zelt gemeint sein. Allerdings hat dieser Begriff auch eine „offizielle“, festgelegte Bedeutung, denn er wird für einige ausgewiesene Übernachtungsplätze verwendet, die über eine minimale Infrastruktur verfügen.

Unterschied: „legales Wildcampen“ vs. Wildcampen

Wie man das Draußen-Übernachten „richtig“ bezeichnet, hängt also davon ab, ob man ein Zelt verwendet oder nicht, und ob Infrastruktur vorhanden ist oder nicht. Noch ein bißchen komplizierter wird die Sache, wenn man sie nach ihrem gesetzlichen Status differenziert. Denn dafür spielt es eine Rolle, ob man beispielsweise gerade nur „lagert“ oder zeltet. Das Zelten ist in Deutschland im Wald und in der freien Landschaft untersagt, nicht jedoch das „Lagern“ über Nacht. Jedenfalls nicht unbedingt, denn das hängt wiederum von weiteren Faktoren wie dem jeweiligen Bundesland und – falls es zu einer entsprechenden Begegnung kommt – dem Ermessen des zuständigen Försters ab. Mehr zur nicht ganz unkomplizierten Lage in Deutschland hat Bergfreundin Anni hier im Basislager zusammengetragen.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Ausflügen nach Österreich, insbesondere Tirol. Dort ist die Regelung je nach Bundesland äußerst restriktiv. Sogar ein reines Freibiwak oberhalb der Baumgrenze, also im „alpinen Ödland“, kann zu hohen Bußgeldern führen. Deutlich freizügiger geht es in der Schweiz zu, wo oberhalb der Baumgrenze das Biwakieren normalerweise gestattet ist.

Wo kann man „legal wildcampen“?

In Deutschland gibt es ausgewiesene Plätze, auf denen Wildcamping mit und ohne Zelt explizit erlaubt ist. Noch ist deren Zahl recht überschaubar, doch nach und nach kommen weitere hinzu. Diese „Wildcampingplätze“ werden auch Trekkingplätze, Biwakplätze oder, wie eben schon erwähnt, Naturlager genannt. Also wieder eine bunte Begriffsvielfalt. Sie werden jedenfalls von Tourismusverbänden oder ähnlichen Institutionen unterhalten und sind meist reservierungspflichtig, um Überlastungen der Natur zu vermeiden. Es gibt Ausnahmen, doch dort besteht das Risiko, dass bei Ankunft schon alles belegt ist. Meist wird auch ein Obolus von fünf bis zehn Euro pro Zelt fällig.

Die erlaubte Aufenthaltszeit liegt bei nur ein bis zwei Nächten. Die Minimalausstattung besteht aus einer einer ebenen Fläche zum Zelt aufstellen. Das sind in manchen Fällen Plattformen aus Holz, die den Waldboden schonen. Manchmal ist auch ein Plumpsklo dabei oder eine feste Feuerstelle. Es kann Sitzgelegenheiten geben oder ein Fass mit Brauchwasser. Fließend Wasser ist in der Regel ebensowenig vorhanden wie ein Mülleimer. Deshalb gelten hier die in der Natur üblichen Verhaltensregeln.

Die bloggenden Outdoorfreunde von ausgebuext.info haben eine ausführliche Liste mit Trekkinglätzen in Deutschland zusammengestellt. Dort steht auch, wo man vorab reservieren muss und ob Kosten anfallen. Sie weisen zudem auf Biwakplätze für Wasserwanderer hin, die teilweise auch für Wanderer zugänglich sind und sich vor allem in den ostdeutschen Seenlandschaften befinden. Auch der Blog Mehr-Berge hat eine schöne Übersicht zusammengestellt. Ich fasse im Folgenden einige Infos dieser beiden Seiten zusammen.

Deutsche Mittelgebirge

Bei der Suche nach legalen Wildcamp-Plätzen wird man im Nationalpark Sächsische Schweiz besonders oft fündig. Hier ist das Übernachten in etwa 60 gekennzeichneten Boofen (oft Höhleneingängen) gratis gestattet – allerdings nur ohne Zelt und auch wirklich nur dort. Nähere Infos gibt es unter www.nationalpark-saechsische-schweiz.de.

Im nordrhein westfälischen Naturpark Hohes Venn Eifel gibt es vier Naturlagerplätze, die allesamt mit einer Komposttoilette und einer Plattform für bis zu zwei Zelte ausgestattet sind. „Alle Standorte sind nur zu Fuß über Wanderwege erreichbar, man ist auf sich selbst gestellt, und auch die Verpflegung muss selbst mitgebracht werden. Die Kosten liegen bei 10€ je Zelt und Nacht.“ Nähere Infos und Reservierungsmöglichkeit gibt es unter www.trekking-eifel.de/de/.

Im Pfälzer Wald gibt es ebenfalls eingerichtete Naturlagerplätze, die von April bis Oktober genutzt werden können. Alle Plätze liegen etwas abseits der Ortschaften und der gängigen Wanderwege in Gebieten, die für den Natur- und Wasserschutz unbedenklich sind. Nähere Infos gibt es unter www.trekking-pfalz.de/de/trekking-plaetze/.

In Bayern liegt der Fokus der Naturlagerplätze auf den nördlichen Gefilden, insbesondere dem Spessart. Dieses größte zusammenhängende Gebiet aus Laubmischwäldern in Deutschland liegt an der Grenze zu Hessen. Zelten ist hier nur auf den dafür ausgewiesenen Trekking-Plätzen in der Zeit vom 1. April bis 31. Oktober für eine Nacht erlaubt. Nähere Infos und Buchungsmöglichkeit unter: www.trekking-bayern.de

Die (Vor)Alpen sind von dieser noch recht jungen Tourismusentwicklung gänzlich unberührt. Dafür gibt es hier reichlich Übernachtungsmöglichkeiten oberhalb der Baumgrenze, auf Lichtungen und gerodeten Flächen. Letztere sind jedoch meist zu einer Alm gehörende Weiden, ergo Privatbesitz und „illegal“. Auch dort, wo die Besitzverhältnisse nicht klar ersichtlich sind, kann es zu unerwünschten nächtlichen Begegnungen mit Bauern, Förstern oder Weidevieh kommen. Allerdings werden die Regeln im bayrischen Alpenland oft recht locker ausgelegt und bei gutem Wetter herrscht reger „Übernachtungsbetrieb“ an vielen schönen Stellen und vor allem Gipfeln.

Dennoch sei gesagt: Auch vorsätzliches Biwakieren kann im Zweifel als „geplantes“ Camping ausgelegt werden und strafbar sein. Das ungeplante Notbiwak ist davon selbstverständlich nicht betroffen.

Couchsurfing für draußen: zwei junge Internetprojekte

Die eben vorgestellten Naturlagerplätze sind ein gutes „Kompromissangebot“ insbesondere für Familien. Doch nicht jedem gefällt, dass dort überall ein Preisschild hängt und Begriffe wie „Buchung“ klingen für Puristen nicht gerade nach dem ersehnten Ausbruch aus dem durchregulierten Konsumalltag. Deshalb schauen wir zuletzt nochmal nach, ob es nicht auch legale Wildcamp-Möglichkeiten abseits von Infrastruktur, Regeln und Kosten gibt.

Und ja, es gibt sie, wenn auch noch versteckt und vereinzelt. Um sie zu finden, muss man „nur“ die großzügigen Grundeigentümer finden, die gern zeltenden Gästen etwas Platz überlassen. Erste engagierte Anläufe, Eigentümer und „Wildcamper“ zusammenzubringen, stecken gerade in den Kinderschuhen. Zwei Onlineplattformen sind es bislang, die sich der systematischen Erfassung und Zugänglichmachung von Übernachtungsplätzen verschrieben haben:

Jedermannsland.de – diese 2017 gegründete Plattform zeigt Naturlagerplätze nach Bundesländern geordnet auf einer eingebetteten Deutschlandkarte an. Anbieter können neue Plätze anlegen, Nachfrager können das bestehende Angebot durchforsten. Allerdings sind hier auch kommerzielle Angebote dabei. Man kann aber im Auswahlmenü festlegen, dass nur kostenlose Plätze angezeigt werden. Das Menü bietet weitere Möglichkeiten zur Verfeinerung der Suche.

Und:

1nitetent.com – diese 2018 gegründete Plattform „sammelt Plätze auf einer Landkarte. Hinter diesen stehen nette Menschen, die ihren Garten mit dir teilen.“ Besitzer eines schönen Fleckchens Erde können diesen eintragen und somit zugänglich machen. Also Couchsurfing, nur eben mit Zelt. Die auf dieser Plattform vermittelten Übernachtungen sind immer kostenlos.

Wickel’s ein – weniger Einwegplastik bei Retouren

17. September 2020
Die Bergfreunde

Kunststoff ist prinzipiell eine ziemlich geniale Sache: Man kann ihn in so ziemlich jede Form bringen, er ist günstig herzustellen, hat sogar eine gute Klimabilanz und ist meist ohne Qualitätsverlust recyclebar. Das Problem, das alle übrigen durchaus positiven Aspekte überschattet, heißt: Entsorgung. Wir alle kennen die wenig schönen Bilder von zugemüllten Stränden und auch das Thema Mikroplastik geistert immer wieder durch die Medien. Fest steht: Wir müssen es irgendwie schaffen, das Aufkommen an Plastikmüll zu reduzieren oder den anfallenden Müll zu recyceln.

Single Use Plastics – der Bösewicht!

Sogenannte Single Use Plastics, also Kunststoffprodukte, die nur einmal verwendet und dann entsorgt werden, sind in der ganzen Geschichte besonders problematisch. Einige Produkte aus dieser Kategorie, wie z.B. Plastikstrohhälme, sind inzwischen sogar schon verboten. Zu diesen SUPs zählen auch die feinen Plastikbeutel, in denen Bekleidung verpackt ist, wie sie zuhauf in unserem Lager herum liegt.

An sich erfüllen die Beutel einen guten Zweck: Sie schützen Bekleidung beim Transport vor Schmutz und Beschädigungen. Und das ist wichtig, denn jeder Kunde erwartet im Grunde einwandfreie Ware. Problem dabei: Diese Beutel sind derart zahlreich, dass es schwer ist, sie beim Kunden einzusammeln und wieder zu verwerten. Das Ergebnis: Viele landen direkt im Müll.

Eine Lösung muss her! Dafür wurde vor einigen Jahren die Single Use Plastics Initiative gegründet. Sie hat zum Ziel, das Problem mit den Polybags anzugehen und einen Recycling-Kreislauf zu etablieren, damit sie nicht mehr in der Umwelt landen, sondern direkt wiederverwertet werden. Wir sind ebenfalls Teil dieser Initiative und haben im Zuge dessen z.B. schon mehrmals testweise Bekleidung ohne Polybags versendet – mit sehr positiven Rückmeldungen seitens der Kunden. Die Polybags sammelten wir bei uns und schickten sie zum Recylinghof. 

Noch gibt es allerdings keine finale Lösung. Immerhin nutzen einige Marken, wie z.B. adidas inzwischen Polybags aus Recycling-Kunststoff, aber der große Wurf ist noch nicht gelungen. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden.

Wie kann man SUPs vermeiden?

Nun gibt es natürlich nicht nur die Möglichkeit, Single Use Plastics wie Polybags zu recyceln. Man kann sie auch ganz einfach versuchen zu vermeiden – sie schlicht nicht nutzen. Das ist aus den oben genannten Gründen (Schutz der Bekleidung) zwar nicht praktikabel, aber wir haben einen Weg gefunden, wie wir zumindest einen kleinen Teil der Polybags einsparen können und zwar bei den Retouren.

Diese sind zahlreich. Das ist das Joch des Onlinehandels. Zwar geht es bei uns nicht so hoch her, wie bei reinen Mode-Online-Händlern, aber dennoch haben auch wir mit einem hohen Aufkommen an Retouren zu kämpfen.

Wenn Bekleidung vom Kunden zu uns zurück gesendet wird, wird sie wieder eingelagert – logisch. Dafür nutzen wir dann entweder den ursprünglichen Polybag oder – sofern der nicht mehr intakt ist – einen neuen. Zumindest war das bis vor kurzem so… denn seit einigen Wochen finden sich in unserer Retouren-Abteilung mehrere Maschinen, mit deren Hilfe wir Bekleidung mit Papierbanderolen verpacken können. Wie das aussieht, seht ihr hier:

Ziemlich genial, oder? Zwar noch immer nicht 100% perfekt, da auch auf den Bändern ein wenig Kunststoff aufgebracht ist, damit sie zusammengeschweißt werden können, aber wir sparen dadurch in der Retoure schon mal eine ganze Menge Plastik ein. Der Vollständigkeit halber: Große Waren wie zum Beispiel Parkas passen leider nicht in die Maschine und besonderes empfindliche Bekleidung, wie z.B. weiße T-Shirts müssen wir aufgrund unseres offenen Lagersystems leider weiterhin in Plastikbeutel verpacken. Beide Kategorien zusammen machen aber zum Glück nur einen kleinen Anteil aus.

Fragen, Vorschläge, Anmerkungen?

Wir hoffen, wir konnten euch einen guten Einblick in die Problematik der Polybags und möglicher Lösungsansätze bieten. Falls ihr Fragen, Vorschläge und Anmerkungen habt: Immer her damit. Wir halten euch hier im Blog immer über die neusten Entwicklungen bei uns auf dem Laufenden.

Eigene Müsliriegel aus deiner Outdoorküche

16. September 2020
Die Bergfreunde

Beim Wandern, Klettern, auf Radtouren und bei fast allen anderen sportlichen Outdooraktivitäten sorgen Müsliriegel für den „Extra-Energieschub“ und beugen wirkungsvoll dem gefürchteten „Unterzucker“ vor. Außerdem sind sie handlich und in vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen erhältlich. Viele Hersteller setzen dabei im hohen Maß auf extra zugesetzten Zucker, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe. Fertig portioniert und in bunte Folien aus Kunststoff verpackt sind industriell gefertigte Müsliriegel einfach zu lagen und gut zu transportieren.

Vermutlich kommt dir bis zu diesem Punkt alles ziemlich bekannt vor. Vielleicht ist dir auch nicht neu, dass es zahlreiche Rezepte gibt, um dir deine eigenen Müsliriegel zu backen. Der größte Vorteil dabei ist, dass du die volle Übersicht über alle verwendeten Zutaten behältst. Du magst keinen künstlichen Zucker, verträgst keine Lactose oder reagierst allergisch auf Erdnüsse? Kein Problem. Viele Rezepte lassen sich individuell für dich, deine Wünsche, Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten anpassen. Außerdem bestimmst du Gewicht und Form deiner Müsliriegel und benötigst weder künstliche „Haltbarmacher“ noch unnötigen Verpackungsmüll.

Was du allerdings bei vielen Rezepten für Müsliriegel benötigst, ist ein Backofen. Der dient dazu aus der teigigen Masse einen festen Riegel zu backen, der sich auch gut transportieren und essen lässt. Falls du einen Van mit Backofen hast oder deine Müsliriegel lieber vor der Tour in deiner heimischen Küche bäckst, findest du eine große Auswahl an Riegel-Rezepten. Schwieriger wird es, wenn du Müsliriegel nur mit einem einfachen Campingkocher und einer Kühlbox herstellen möchtest. Aber genau dafür ist das folgende Rezept: speziell für lange Touren, Trekking und Wanderungen.

Müsliriegel ohne Backofen

Um deine eigenen Müsliriegel herzustellen, benötigst du Equipment, das in jeder kleinen Outdoorküche ohnehin zu finden sein sollte:

  • 1 Kocher (z.B. Gaskocher)
  • 1 großer Topf oder Pfanne mit höherem Rand
  • 1 kleiner Topf
  • 1 Löffel (zum Umrühren und Vermischen)
  • 1 Messer
  • 1 Schneidebrett
  • 1 Gabel oder Spork
  • 1 Gefäß zum Abfüllen der Masse (z.B. Alu-Vesperbox, ggf. mehrere kleinere Gefäße)
  • 1 Kühlmöglichkeit (Kühlschrank, Kühlbox)

Außerdem benötigst du folgende Zutaten, die sich im Einzelnen auch individuell an Geschmack und Vorlieben anpassen lassen:

  • 200gr Datteln (am besten entsteint) 
  • 150gr selbstgemachte Müsli-Mischung (z.B. Haferflocken,…)
  • 100gr Cashews
  • 40gr Kürbiskerne
  • 1 Teelöffel Zimt 
  • 40gr Schokoladenstückchen
  • 2-3 Esslöffel Leinsamen 
  • 70gr Cranberries
  • 80gr Ahornsirup 
  • 60gr Erdnussbutter
  • 1 Vanille (Päckchen oder frisch)
  • (Außerdem ca. 1l Wasser um die Datteln einzuweichen)

Der eigentliche Zeitaufwand beträgt etwa 45 min für die Herstellung der Müsliriegel-Masse. Wenn die Datteln vorher ca. 2 h in Wasser eingeweicht werden, ist die weitere Verarbeitung deutlich einfacher.

Die folgenden 10 einfachen Arbeitsschritte machen aus deinen Zutaten leckere Müsliriegel:

Schritt 1: Datteln entsteinen und wässern

Vor dem eigentlichen Backvorgang solltest du die Datteln von ihren Kernen befreien und danach für ca. 2 h in Wasser einweichen. Dadurch werden die Datteln schön weich und können gut weiterverarbeitet werden. Falls Einweichen nicht möglich sein sollte, geht es aber auch ohne (nur etwas anstrengender).

Schritt 2: Datteln pürieren oder zerkleinern

Falls du das Rezept zunächst in der eigenen Küche ausprobierst, darfst du dir dabei gerne das Leben erleichtern und zu Mixer oder Pürierstab greifen. Das macht das Zerkleinern der Datteln wesentlich schneller und einfacher. Als echter Outdoorkoch zerkleinerst du die Datteln mit dem Messer in möglichst kleine Stücke und zerquetscht diese anschließend mit einer Gabel oder einem Spork. Mit kräftigen Kletterhänden gelingt das auf Anhieb.

Schritt 3: Cashews und Kürbiskerne anrösten

Um den Nüssen ein leckeres Röstaroma zu entlocken, solltest du sie bei niedriger Hitze im Topf oder einer Pfanne mit erhöhtem Rand erhitzen. Natürlich kannst du auch mit einem Gasherd, Elektroherd oder Induktionskochfeld die Nüsse rösten. Selbst ein Lagerfeuer oder etwas Glut sollten dafür ausreichen. Achte darauf, dass Cashews und Kürbiskerne nicht anbrennen und rühre die Kerne am besten oft um. Öl, Butter oder Wasser sind dafür nicht nötig. Wenn ein leckerer, nussiger Duft aus dem Topf aufsteigt, sind die Kerne fertig geröstet. Riecht es dagegen verbrannt, war die Hitze zu stark oder du beim Rühren zu langsam.

Schritt 4:  Müsli-Mischung mit Cashews und Kürbiskerne vermischen

In den noch warmen Topf schüttest du die Müsli-Mischung zu den Cashews und Kürbiskernen. Eventuell kannst du den Kocher auch noch ein bis zwei Minuten auf schwacher Flamme brennen lassen und dabei den gesamten Topfinhalt gut vermischen.

Schritt 5: Schokolade zerkleinern

Mit Messer und Schneidebrett schneidest und brichst du die leckere Schoki in kleine Stückchen. Ob du die Stücke lieber etwas größer oder lieber ganz fein haben willst, bleibt deinem Geschmack überlassen.

Schritt 6: Ahornsirup und Erdnussbutter erhitzen

Durch Erhitzen und Umrühren im kleinen Topf werden Ahornsirup und Erdnussbutter zu einer einheitlichen Flüssigkeit, die sich danach gut ausgießen lässt. Dabei solltest du unbedingt mit schwacher Hitze arbeiten, damit die süße Mischung nicht anbrennt. Zügiges Umrühren ist dabei ein klarer Vorteil.

Schritt 7: Alles im Topf gut vermischen

Zu dem mittlerweile leicht abgekühlten Mix aus Cerealien und Kernen schüttest du zunächst die zerkleinerten Datteln und dann die flüssige Mischung aus Ahornsirup und Erdnussbutter. Danach kommen die übrigen Zutaten in den Topf: Leinsamen, Cranberries, Zimt und Vanille optimieren die Masse in Hinblick auf Konsistenz und Geschmack. Die ganzen Zutaten solltest du danach sehr gut verrühren und vermischen, so dass eine einheitliche Masse entsteht.

Schritt 8: Die Masse abfüllen

Eine gewöhnliche Vesperbox aus Aluminium oder Kunststoff eignet sich hervorragend als Form für die Müsliriegel. In der heimischen Küche eignen sich auch eine Backform (am besten mit Backpapier) oder ein Kuchenblech als Form. Auf jeden Fall muss das Gefäß danach in die ausgewählte Kühltasche, Kühlbox oder Gefriertruhe passen.  Die Masse füllst du dann etwa „fingerdick“ in dein Gefäß und drückst das Ganze mit einem Löffel schön fest. Je mehr Mühe du dir beim Ausfüllen der Ecken und beim Glattstreichen der Oberfläche gibst, desto schöner werden auch deine fertigen Müsliriegel.

Schritt 9: Ab in die Kühlbox

Durch die Kühlung wird die komprimierte Masse schön fest. Eine Camping-Kühlbox, der heimische Kühlschrank oder ein Gefriertruhe eignen sich dafür bestens. Theoretisch sollte es sogar mit einer kalten Nacht vorm Zelt funktionieren (Erfahrungen bitte in die Kommentare). Zwei bis drei Stunden sollten die Riegel dann in Ruhe abkühlen. Nach einer Nacht im Kühlschrank ist das Ergebnis auf jeden Fall super.

Schritt 10: Masse zu Müsliriegeln portionieren

Auf einer festen Unterlage und mit etwas Schwung löst sich der gesamte Inhalt der Vesperbox super aus der Box. Mit einem scharfen Messer kannst dir danach deine Riegel in der passenden Form abschneiden. Ob länglich oder quadratisch spielt dabei keine Rolle. Danach kannst du deine eigenen Müsliriegel direkt wieder in die Dose oder Vesperbox packen und deine Tour kann weitergehen.

 

Das Fazit:

Kosten für die eigenen Müsliriegel 

Bei den angegebenen Mengen kannst du je nach Dicke etwa zwei bis drei Vesperboxen mit Müsli-Masse befüllen. Die angegebenen Lebensmittel (in Bio-Qualität) schlagen mit ca. 9€ zu Buche. Schneidest du die Riegel in ähnlicher Größe, wie handelsübliche Müsliriegel, ergibt der Inhalt einer Vesperbox etwa 5 – 6 Müsliriegel, also insgesamt 15 – 18 Riegel pro Müsli-Masse. Der Preis für einen Riegel liegt also irgendwo zwischen 0,50€ und 0,70€. Die freie Auswahl der Zutaten und das Gefühl seine eigenen Müsliriegel am Berg zu essen, ist dagegen ohnehin unbezahlbar.

Konsistenz und Geschmack 

Natürlich sind die selbstgemachten Müsliriegel nicht ewig haltbar, wie ihre gleichnamigen Vettern aus dem Supermarkt. Dennoch überzeugen sie mit ihrer Konsistenz und bilden eine schön kompakte Form. Wenn dir die Riegel beim Essen zu klebrig sind, schafft Butterbrotpapier zwischen den Riegeln praktische Abhilfe. Das tolle am eigenen Müsliriegel ist vor allem der individuell anpassbare Geschmack. Die Masse ist zwar durchaus süß (soll dem Outdoorsportler ja auch „schnelle Energie“ liefern), kommt aber komplett ohne die Zugabe von „Extra-Zucker“ aus. Viele begeisterte Test-Esser begrüßen die angenehme Süße von Datteln und Ahornsirup, die dich nicht direkt mit der „Zucker-Keule“ erschlägt.

Viel Spaß beim Ausprobieren, Variieren und individuell anpassen!

Gutes Gelingen

Cradle-to-Cradle: heiliger Gral der Nachhaltigkeit?

10. September 2020
Die Bergfreunde

„Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare“: Dieses alte Sprichwort über das Leben in einem gründlich regierten Land ist weithin bekannt. Und „von der Wiege bis zur Bahre“ ist ja auch der übliche Lauf der Dinge. Was soll nun aber ein Konzept sein, dass sich „Von der Wiege bis zur Wiege“ nennt? Wie soll das möglich sein? Werden Produkte hier immer wieder neu „geboren“? Oder kommen sie wie Brad Pitt im Film „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ alt zur Welt und werden dann immer jünger?

Prinzip- und Begriffserklärung

Alles falsch. Cradle to Cradle ist das „öko-effektive“ Konzept, das der Chemiker Michael Braungart und der Architekt William McDonough vor rund 20 Jahren entworfen haben. Es besagt vereinfacht ausgedrückt, dass Konsum- oder Produktionsgüter in einem vollkommen geschlossenen Kreislauf produziert, verbraucht und re-produziert werden. Vollkommen geschlossen bedeutet, dass es weder Abfälle noch Rückstände noch sonstige „Reibungsverluste“ gibt. Im Detail bedeutet das für die Güterproduktion, dass:

  • die eingesetzten Rohstoffe nach Gebrauch biologisch abgebaut und als „Nährstoffe“ wieder in den natürlichen Stoffkreislauf zurückgeführt werden ODER
  • ohne Verluste zu neuen Gütern verarbeitet werden können.
  • giftige oder umweltgefährdende Stoffe und Verbundstoffe, die sich nicht sortenrein recyceln lassen, sind für das Produktdesign ausgeschlossen.
  • die Energie für Produktion und Re-Design liefern erneuerbare Energien.

„Cradle to Cradle“ ist somit der Gegenentwurf zur Wegwerfproduktion. Klingt super, doch wie soll diese Wundermaschinerie im Detail funktionieren?

Wie funktioniert es im Detail?

Das Zauberwort heißt „Ökoeffektivität“. Damit ist ein Qualitätsansatz gemeint, der die Möglichkeiten der Industrie so verbessern soll, dass natur- und umweltunterstützende Produkte und Prozesse möglich werden. Und zwar indem natürliche Stoffwechselprozesse detailliert nachgeahmt werden. 

Dabei geht es nicht um Einsparung und Vermeidung, sondern es ist im Gegenteil sogar Überproduktion und „Verschwendung“ möglich. Auch die Natur erzeugt ständig Überfluss, ohne die stofflichen Kreisläufe zu schädigen. Man denke nur an die „Energieverschwendung“ der Sonne.

Man muss demnach laut Braungart den ökologischen Fußabdruck nicht reduzieren, sondern ihn als „nie versiegende, unterstützende Quelle für natürliche Systeme“ errichten.

Klingt nicht ganz unkompliziert und ist auch nicht ganz einfach umzusetzen. Besonders die Sache mit den komplett ungiftigen und recycelbaren Ausgangsstoffen dürfte ein oftmals schwer umzusetzender Schritt sein. C2C ist ein Konzept mit hohen Ansprüchen an Know how und Innovationskraft.

Deshalb gibt es nach wie vor noch nicht allzu viele Produkte, obwohl das Konzept wie gesagt keine Neuheit mehr ist. Weltweit sind es um die 11.000 Produkte, die nach dem C2C Prinzip entwickelt wurden.

Dennoch spricht Michael Braungart im Interview mit Deutschland.de davon, dass die Industrie „euphorisch“ auf Cradle to Cradle reagiert und, da es nicht ums Vermeiden, „sondern um Innovation, Qualität und Schönheit“ geht. Außerdem lehren „alle Designschulen der Welt, die etwas auf sich halten“, Cradle to Cradle. Und das Prinzip setzt sich seiner Ansicht nach weiter durch, da es „Voraussetzung für die Digitalisierung ist. Ich kann nichts digitalisieren, wenn ich nicht ganz genau weiß, was es ist und was es enthält.

Zudem müsse die Industrie „darauf umsteigen, Nutzung zu verkaufen statt Maschinen. Denn Maschinen können in der digitalen Welt innerhalb von Wochen kopiert werden, und dann konkurrieren sie mit ihrem eigenen Nachbau.“ Was mit „Nutzung verkaufen“ gemeint ist, erläutere ich gleich. Die erwähnte Maschinen-Selbstreplikation erschließt sich mir hingegen selbst nicht ganz. Die klingt für mich eher nach Transhumanismus als nach Ökoeffektivität in der analogen Welt. Auch sonst bleiben (zumindest mir) beim Betrachten des Cradle to Cradle Prinzips hier und da Verständnislücken und offene Detailfragen. 

An dieser Stelle soll dann auch nicht unerwähnt bleiben, dass es am Cradle to Cradle Konzept auch Kritik gibt. Genauer, es wird an der Umsetzbarkeit über einige Nischenprodukte hinaus gezweifelt. Auch am eben kurz dargestellten grundlegenden Denkansatz der C2C-Erfinder gibt es durchaus berechtigte Einwände.

Allerdings ist das auch bei allen anderen „Lösungskonzepten“ der Fall. Auch die sind allesamt Mischungen aus einigen naturwissenschaftlichen Prinzipien und Philosophie. Es gilt also nach wie vor: Nobody is perfect.

Was ist das Besondere?

Was als erstes auffällt: Cradle to Cradle kommt zeitgeistuntypisch ohne Büßermoral, Verzichtsethik oder Schuldgefühlaktivierung aus. Dazu nochmal Michael Braungart:

In Deutschland betreiben wir Umweltschutz als eine Art Schuldmanagement: vermeiden, sparen, verzichten, reduzieren. Die Nachhaltigkeit, die daraus folgt, ist technologiefeindlich und macht den Kunden zum Feind. Bei Cradle to Cradle geht es nicht um Moral, sondern um Innovation und Qualität: Alles ist nützlich statt weniger schädlich. Je mehr du kaufst desto besser.

Vielen mag solches Fehlen von konsumkritischen „Nachdruck“ als Schwäche erscheinen, mir persönlich erscheint er als Stärke. Vermutlich weil ich an der Kraft des moralischen Zeigefingers zweifle und eher auf die Kraft rationaler und vernünftiger Informationen setze. Und auf die Fähigkeit der meisten Konsumenten vertraue, diese sinnvoll zu verarbeiten und mit ihrem Gewissen zu vereinen. Cradle to Cradle bietet jedenfalls einige vernünftige Argumente, das gute Gewissen ist am Ende „nur“ ein Nebenprodukt.

Abgrenzung von Recycling

Verpackungsrecycling ist laut Braungart „Downcycling und somit minderwertig“. Braungart hält jedes Produkt, das zu Abfall wird, für ein Produkt von schlechter Qualität. Außerdem sei Recycling innovationsfeindlich: „Die neuen Dinge kommen nicht auf den Markt, weil die alten optimiert werden. Das Falsche wird perfekt – und dadurch perfekt falsch. Wir haben die Abfallwirtschaft perfektioniert statt bessere Produkte zu entwickeln.

Im Unterschied zu Recycling sollen sämtliche im Kreislauf befindliche Materialien bei Cradle to Cradle entweder in der Biosphäre oder in der Technosphäre verlustfrei „dauerverwertet“ werden. Unter die Biosphäre fällt dabei alles, was als biologischer Nährstoff und Verbrauchsgut dienen kann (wie z.B. Reinigungsmittel und Shampoos), unter die Technosphäre alles, was als technischer „Nährstoff“ und Gebrauchsgut (z.B. Autos und Waschmaschinen) dienen kann. Eine grafische Darstellung dazu findet sich auf Braungarts Hompage an der Environmental Protection Encouragement Agency in Hamburg.

Als Beispiel nennt Braungart von ihm entwickelte, kompostierbare Stoffe für Sitze in Zügen, die als Torfersatz in Gärtnereien statt auf dem Sondermüll landen.

Gedankliche Umstellung: Nutzung statt Besitz

Wir besitzen zwar unsere gekauften Güter, doch eigentlich ist es die Nutzung, die wir wirklich wollen. Oder nicht? Möchtest du an deinem Ultra-HD-Fernseher wirklich die Bauteile oder ist es nicht viel eher die entspannte Zeit mit der bunten Bildberieselung? Auch bei der Waschmaschine stellt sich die Frage: geht es um die Trommel und die Steuerungsplatine, oder sind wir nicht viel eher nur an der sauberen Wäsche interessiert? Beim Kauf eines Paares Steigeisen ist es ähnlich: mich interessieren die Riemen, Bügel und die Metallmischung dabei eher am Rande. Was ich wirklich kaufen will, ist die Erfahrung, ein ansonsten unzugängliches Gelände zu begehen. 

Der Wunsch nach ungeteiltem Besitz kann aber auch daraus resultieren, dass man im eigenen Auto und der eigenen Jacke nicht die körperlichen Ausdünstungen anderer Nutzer haben möchte. Doch selbst das ist letztlich eher ein Wunsch nach uneingeschränkter Nutzung als nach Besitz an sich.

C2C-Erfinder Braungart macht dieses Nutzungsprinzip am Beispiel der Waschmaschine deutlich. Die ist, wenn sie 50 Jahre hält, „die größte Pest, weil ich die Materialien nicht wieder zurückbekomme und weil dann keine neue wassersparende Technik auf den Markt kommt. Wenn ich aber nur die Nutzung verkaufe, kann sich Innovation verbreiten. Wir haben eine Waschmaschine entwickelt, bei der man den Kunden nur 3.000 Mal Waschen verkauft. In der Produktion komme ich dann mit nur fünf bis acht hochwertigen Komponenten aus, statt 150 billige Kunststoffe zu verwenden.

Nach den 3.000 Waschgängen sollen dann die veralteten 20 Prozent der Komponenten ausgetauscht werden, während die anderen 80 Prozent bleiben. Bei C2C kommt es demnach auf die Langlebigkeit der Komponenten statt auf die Langlebigkeit des Endprodukts an.

Die Cradle to Cradle-Zertifizierung

Da es für Laien kaum erkennbar ist, ob ein Produkt „Cradle to Cradle ist“, braucht es eine zuverlässige Zertifizierung. Die Cradle to Cradle-Zertifizierung ist weithin als zuverlässig und nachvollziehbar anerkannt. Sie „beurkundet die Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung), den Einsatz von Sonnenenergie bzw. anderen regenerativen Energieformen, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie die Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens.

Die Zertifikate werden je nach Menge und Qualität der erreichten Produktkriterien in den Kategorien „Basis“, „Silber“, „Gold“ oder „Platin“ für ein Jahr ausgehändigt. Unternehmen haben die Möglichkeit, durch Fortschritte höhere Kategorien zu erreichen.

C2C in der Outdoorbranche

In der Outdoorbranche gibt es bislang nur vereinzelte Beispiele für Cradle-to-Cradle-Produkte. Und nicht alle sind nach dem Originalkonzept umgesetzt bzw. zertifiziert. So hat beispielsweise Adidas ein eigenes Konzept erarbeitet und es als „Cradle-To-Grave“ bezeichnet. Angewendet wird es in einem Schuhmodell namens Futurecraft Loop, welches wir hier im Adidas-Nachhaltigkeitsportrait  schon vorgestellt haben. Es soll komplett recyclingfähig sein und bis zu den Schnürsenkeln aus nur einem TPU-Material bestehen. Der „Loop“ ist hier das Rücknahmesystem, in dem nach Reinigung, Häckselung und Beimischung weiteren TPUs der Nachfolgeschuh entsteht.

Auch das norwegische Traditionslabel Bergans ist dabei, ein C2C-Konzept zu installieren. In seiner „Kollektion von morgen“ stellt das Unternehmen eine mögliche Lösung vor, „wie die Kluft im Lebenszyklus eines Produkts – zwischen Recycling und neuen Rohstoffen – geschlossen werden kann, indem sie auf komplette Kreislaufwirtschaft setzt“.

Wichtigster Baustein dieses Projekts ist die Zusammenarbeit mit dem Faserproduzenten Spinnova. Spinnova hat das von den „Regeneratfasern“ bekannte Verfahren der Celluloseverarbeitung so weiterentwickelt, dass die bislang unvermeidliche Beimischung von Chemikalien wegfällt. Nach Einschätzung von Bergans „entwickelt Spinnova die nachhaltigsten Fasern der Welt“.

Wenn dieser Ansatz so vielversprechend ist wie er klingt, könnte er ein Kandidat für die bislang noch nicht vergebene C2C-Platin-Zertifizierung sein …

C2C bei den Bergfreunden

Da man natürlich auch die Bergfreunde zur Outdoorbranche zählen darf, sei an dieser Stelle nochmal erwähnt, dass immer mehr Kollegen aus einer C2C-zertifizierten Flasche trinken. Nein, nicht alle aus der gleichen, keine Sorge. Viele Bergfreunde nutzen inzwischen Dopper-Flaschen. Was an der so besonders ist, hat Bergfreund Jörn uns hier vor ein paar Monaten erklärt.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass C2C ein vielversprechendes und groß gedachtes Konzept ist, dass sich nicht von heute auf morgen flächendeckend einführen lässt. Es köchelt bereits seit 20 Jahren auf kleiner Flamme in der Design- und Industriewelt vor sich hin. Bislang ist es nicht in den Blick der breiten Öffentlichkeit geraten. Das dürfte sich mit dem steigenden und dringlicher werdenden Bedarf nach solchen Konzepten aber recht bald ändern.

Update: Wie nachhaltig ist Outdoor inzwischen?

7. September 2020
Die Bergfreunde

Vor ziemlich genau sechs Jahren sorgte Bergfreundin Wiebke hier im Basislager für den ersten Überblick über die Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche. Die erste Frage dabei war, welche Probleme es überhaupt gibt und warum Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit nicht einfach überall sofort umgesetzt werden. Probleme, die schon lange bekannt waren, gab es vor allem bei „chemischen Imprägnierungen, die ungut sind, Daunen aus Lebendrupf, Merinowolle, die von Farmen stammt, auf denen Mulesing betrieben wird und dann natürlich noch die Sache mit den Produktionsbedingungen in Fernost.

Daraufhin zeigte der Artikel, welche Fortschritte es in welchen Produktarten und bei welchen Herstellern bis dato gab. Einige positive Beispiele kamen hinzu, die „zeigen, dass doch ganz langsam Bewegung in den Outdoormarkt kommt und immer mehr Hersteller Öko-Linien einführen oder ihre Produktion gleich ganz auf nachhaltig umstellen.“ Die Liste dieser Hersteller stellte sich schon damals als erfreulich lang heraus. Und sie hat sich in den dazwischenliegenden Jahren nochmals deutlich verlängert, soviel kann ich schonmal vorwegnehmen. Vor allem beim Bezug von tierischen Ausgangsmaterialien wie Daune, Leder und Wolle satteln inzwischen weit mehr Hersteller konsequent auf zertifiziert nachhaltige Lieferquellen um. Tierquälereien wie Mulesing oder Lebendrupf sind mittlerweile bei vielen Firmen ausgeschlossen.

Angebot und Nachfrage: wer ist eigentlich „verantwortlich“?

Ein Grundproblem bleibt allerdings bis heute bestehen, da es eine dieser Henne-oder-Ei-Fragen beinhaltet. Denn wer soll eigentlich den ersten Schritt machen? Die Hersteller oder die Kunden? Wer muss zuerst das fürs Investment in die Zukunft benötigte Geld vorlegen? (Die Alternative, einfach auf Alles zu verzichten und den Laden komplett dichtzumachen blende ich hier mal aus, weil: das will doch niemand, oder?)

Seit vielen Jahren ist das insbesondere im Bekleidungssektor eine Kernfrage, da „immer mehr Anbieter auf den Markt drängen und die Kunden immer mehr auf den modischen Aspekt ihrer Outdoor-Bekleidung achten und jedes Jahr neue schicke Modell sehen möchten. Damit werden einzelne Modelle nicht mehr für mehrere Jahre produziert, sondern müssen sich in wenigen Monaten rechnen.

An diesem Trend hat sich bis heute nicht viel geändert. Im Gegenteil, viele von den Herstellern erzielte Fortschritte werden durch wenig nachhaltige Kaufentscheidungen konterkariert. Wobei es natürlich zu kurz gegriffen ist, die Verantwortung oder „Schuld“ einseitig bei „den Kunden“ oder „den Herstellern“ zu verorten. Es handelt sich bei Angebot und Nachfrage schließlich nicht um eine Einbahnstraße, sondern um ein komplexes Wechselspiel von gegenseitiger Beeinflussung.

Allerdings sind die Maßnahmen der Hersteller leichter zu erfassen und zu beurteilen. Das Käuferverhalten wird hingegen nur mit viel Überblick und Marktforschungsaufwand sichtbar. Zum Kaufverhalten der Bergfreunde-Kundschaft hat Wiebke damals folgendes festgehalten:

Bei uns kommen ehrlich gesagt so gut wie nie Anfragen rein, wo die Daune herstammt oder wo und wie die Bekleidung hergestellt wird. Anhand unserer Zahlen scheinen nachhaltige Hersteller vor den herkömmlichen nicht bevorzugt zu werden. Das Gegenteil ist eher der Fall. Nachhaltige Produkte sind teurer, was von den wenigsten Kunden gerne bezahlt wird. Warum sollte also ein Hersteller nachhaltig produzieren, wenn er seine Sachen am Ende nicht los wird, wenn die Kunden doch lieber das günstigere Produkt kaufen?

Die „Nachhaltigkeitsnachfrage“ schien also nicht sehr stark ausgeprägt. Hat sich hier in der Zwischenzeit etwas geändert? Damit bin ich als „Externer“ natürlich überfragt, doch Bergfreund Jörn hat mal kurz Insiderquelle für mich gespielt und beim Kundenservice nachgehorcht. Dort teilt man die Einschätzung, dass das Thema Nachhaltigkeit zwar „an Relevanz gewinnt“, für die breite Mehrheit der Kunden aber nach wie vor eher nur ein „netter Zusatz“ ist. Als schlagendes Kaufargument zieht die Nachhaltigkeit eines Produkt nach wie vor meist den Kürzeren gegen den niedrigeren Preis.

Die Information lasse ich mal so im Raum stehen – für tiefere Aussagen, Erkenntnisse oder gar Beurteilungen müssten weitere Hintergründe wie zum Beispiel die unterschiedlichen finanziellen Spielräume der Kunden bekannt sein. Und dieser Blogbeitrag müsste zu einer wissenschaftlichen Arbeit ausgeweitet werden ;-)

Was tun die Hersteller

Um dennoch substanzielle Erkenntnisse zu bekommen, lenken wir den Blick auf die Hersteller. Denn die haben in den letzten Jahren definitiv an Nachhaltigkeit zugelegt. Fangen wir an mit einem kurzen Rückblick auf die Hardware-Produzenten.

Deren Produkte „sind sicherheitsrelevant und müssen deshalb sehr strengen Tests und Normen standhalten, weswegen sie sehr hochwertig produziert werden müssen. Und da Kletterer nicht gerne viel Geld für einen Karabiner ausgeben, müssen die Hersteller sehr knapp kalkulieren und die Händler auch. Und trotzdem gibt es einige Hersteller, die nach wie vor ausschließlich bei sich Zuhause produzieren, wie zum Beispiel DMM, AustriAlpin oder Grivel, die auf dem Dach ihrer Produktionshalle 7000m² Solarpanele verlegt haben.

Hier hat sich nicht viel geändert, was aber auch gut so ist: DMM und Austrialpin produzieren nach wie vor komplett heimisch, Grivel bezieht seine Energie größtenteils aus den eigenen Paneelen. 

Bei den „Softwareproduzenten“ also den Herstellern von Kleidung, Zelten, Isomatten usw. gab es noch viel mehr Bewegung.

Die Kleinen und die Großen

Eine deutliche Veränderung der letzten Jahre ist, dass immer mehr große Player des Outdoormarkts in die Nachhaltigkeit einsteigen. Vor sechs Jahren konnten nur einige kleine Hersteller wie Monkee, Jung oder Triple2 mit umfassender Nachhaltigkeit punkten. Und das obwohl nachhaltige Produktion entgegen der landläufigen Einschätzung für kleinere Firmen schwieriger ist als für Größere. Monkee gehört inzwischen zu Edlerid, Triple2 besteht weiterhin erfolgreich am Markt und die für hochwertige Kletterhosen stehende Firma Jung sucht laut Homepage nach einer neuen Führungskraft. Interessiert?

Unter den Großen war lange Zeit Patagonia das einzige prominente Nachhaltigkeitsbeispiel. Die kalifornische Traditionsmarke hat es früh geschafft, hohe Nachhaltigkeitsstandards finanzierbar und damit massentauglich zu machen. Den Rahmen für die Umwelt-Nachhaltigkeit setzt Patagonia mit seinem 4-Punkte Programm namens „Reduce, Repair, Reuse und Recycle.“ Ausführliches dazu ist in unserem Nachhaltigkeitsportrait der Firma nachzulesen.

Ein Hauptdarsteller der Branche, bei dem sich binnen sehr kurzer Zeit sehr viel getan hat, ist das Schweizer Traditionslabel Mammut. Die Schweizer stehen zwar seit langem für Qualität und Präzision, doch mit hoher Nachhaltigkeit brachte man sie nicht unbedingt in Verbindung. Aber das möchte der Bergausrüster aus dem Kanton Aargau so schnell wie möglich ändern.

Dafür hat man binnen zwei Jahren eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie inklusive fester Zielsetzungen und Erfolgskontrolle entworfen. Diese WE-CARE-Strategie soll unter anderem bewirken, dass mindesten 95 % der verwendeten Stoffe bluesign-zertifiziert sind, keine PFC-basierte Ausrüstung mehr eingesetzt wird, 95 % der verwendeten Stoffe aus recycelten Materialien gewonnen werden und ausschließlich zertifizierte Bio-Baumwolle eingesetzt wird. Auch zu Mammut gibt es bereits ein Nachhaltigkeitsportrait im Basislager.

Bei anderen Branchengrößen wie Marmot waren die Nachhaltigkeitsansätze bis vor wenigen Jahren eher bescheiden. An einem umfassenden, ineinandergreifenden Konzept fehlt es nach wie vor, doch die Zahl der sinnvollen und effektiven Maßnahmen wächst, wie wir im Marmot-Nachhaltigkeitsportrait schon gezeigt haben.

Mountain Equipment gehört hingegen zu der Riege an Marken, die das Thema schon länger im Fokus haben. Um das Jahr 2010 herum, führte die Marke den Down Codex ein und machte das Sourcing ihrer Daune damit transparent und zurückverfolgbar. Mit dem Down Cycle geht dieses Engagement noch einen Schritt weiter: ME-Produkte unter diesem Label bestehen aus recycelter Daune sowie 100% recycletem Innen- und Außenmaterial.

Im Vergleich zu den eben genannten eher mittelständischen Outdoorspezialisten haben die großen, auf Massenmärkte abzielenden Breitensport-Player wie Adidas weiterhin Nachholbedarf. Hier bleibt es bislang überwiegend bei vereinzelten Maßnahmen, die noch nicht in ein umfassendes Konzept eingebettet sind. Manche der unternommenen Schritte werden auch nach wie vor als zu kurz kritisiert.

Skandinavier weit vorn

In den letzten 2-3 Jahren gingen vor allem skandinavische Hersteller einen Schritt weiter und betteten ihre zuvor einzeln ergriffenen Maßnahmen in umfassende Konzepte ein. Bei einigen traditionellen Labels ist dieser Prozess auch schon länger im Gange. So fasst man beispielsweise das Nachhaltigkeitsverständnis bei der schwedischen Firma Fjällräven schon seit vielen Jahren wie folgt zusammen: „Das Besondere an Fjällräven ist, dass Nachhaltigkeit nicht als eigenständiges Projekt begriffen wird. Nachhaltigkeit ist die Grundlage für alles, was wir tun.“ Hier könnt ihr nachlesen, wie die Umsetzung dieses Credos im Detail aussieht.

Ähnlich sieht es bei Haglöfs aus, einem weiteren dicken Fisch im skandinavischen Teich. Auch hier erstrecken sich die Nachhaltigkeitsmaßnahmen über alle Herstellungsschritte und werden mit überprüfbaren Zahlen und Daten dokumentiert. Dass Nachhaltigkeit bei Haglöfs kein Beiwerk, sondern tragende Säule ist, wird auch von außen bestätigt und honoriert. So wurde das Unternehmen schon 2015 zur nachhaltigsten schwedischen Marke des Jahres gekürt.

„Made in Germany“ gut dabei

Der Klassenprimus der Nachhaltigkeit kommt nicht aus Kalifornien oder Skandinavien, sondern aus Tettnang in Oberschwaben. Er hört auf den Namen VauDe und fällt seit vielen Jahren mit einem ambitionierten und konsequenten Nachhaltigkeitsfokus auf. Der jährliche Nachhaltigkeitsbericht von VauDe dürfte umfangreicher sein als der gesamte Geschäftsbericht manch ähnlich großer Firma. Dass die Nachhaltigkeit von VauDe-Produkten und -Aktivitäten weithin als glaubwürdig anerkannt wird, zeigen viele regelmäßig verliehene Zertifikate und Auszeichnungen.

Ganz in der Nähe von Tettnang befindet sich das Städtchen Isny im Allgäu. Dort hat die VauDe Tochter Edelrid ihren Sitz. Sie sticht ebenfalls mit einem außergewöhnlichen Nachhaltigkeitsfokus heraus. Die Edelrid-Firmenphilosophie umriss der 2017 verstorbene  Geschäftsführer Carsten von Birckhahn mit der Formulierung „Erst das Konzept, dann die Marge“. Dahinter verbergen sich Alleinstellungsmerkmale, die Edelrid bis heute auszeichnen. Da wäre das Festhalten am Produktionsstandort Deutschland ebenso wie die Strategie, Produktqualität und Reaktionsfähigkeit auf Marktentwicklungen über Gewinnmaximierung zu stellen. Der Grund dafür ist nicht nur Idealismus, sondern auch Pragmatismus:

Die Produktwelt von Edelrid ist sehr sensibel, da es sich zu großen Teilen um PSA-Produkte (Produkte zur persönlichen Schutzausrüstung) handelt. Der hohe Qualitätsanspruch, der an diese Produkte gestellt wird, ist in Asien nicht darstellbar. (…) Edelrid ist Produkt- und Innovations-getrieben, und dies geschieht vollumfänglich im Haus.“

Trend zu neuen Labels

Damit Nachhaltigkeitsmaßnahmen nicht jedes Mal von neuem umständlich erklärt werden müssen, versuchen die Hersteller, sie mithilfe von Labels auf einen Blick erkennbar zu machen. Ausgearbeitet und ausgestellt werden diese Labels von Organisationen, die sich der Förderung und Überwachung der Nachhaltigkeit verschrieben haben. Die Organisationen wiederum bestehen aus Partnerschaften, Netzwerken und Kooperationen zwischen Outdoor- und Bekleidungsbranche sowie unabhängigen Partnern. Beispiele hierfür sind unter anderen:

Der Higg Index der letztgenannten Sustainable Apparel Coalition ermöglicht die standardisierte und vergleichbare Messung von Maßnahmen der Unternehmensverantwortung (Corporate Responsibility).

Firmeneigene Labels werden ebenfalls immer zahlreicher. So kennzeichnet beispielsweise Haglöfs seine nachhaltig produzierten Produkte mit dem „Sustainable Choice Label“, das im oben verlinkten Haglöfs-Portrait näher beschrieben ist. Die Akzeptanz solcher Labels bei den Kunden hängt nicht zuletzt von „Standing“ und Image der Firma ab. 

Die wachsende Zahl der Initiativen und Labels kann aber auch verwirren. Deshalb haben wir sie hier im Basislager schon einmal genauer aufgedröselt.

Last but not least feilen in den letzten Jahren nicht mehr nur die Hersteller, sondern auch die Retailer eifrig an ihrer Nachhaltigkeit. So auch die Bergfreunde, die durch Maßnahmen in den Bereichen Transport, Energie(Gewinnung) und Verpackung mittlerweile klimaneutral unterwegs sind.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Maßnahmen der Nachhaltigkeit in der Outdoorbranche in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Sie sind zahlreicher, intensiver und effizienter geworden. Wenn zunehmend mehr Konsumenten auf die wachsende Zahl der nachhaltigen Produkte zurückgreifen, werden nach und nach auch mehr preisgünstigere Angebote in diesem Segment verfügbar sein.

Reparatur von Outdoor-Bekleidung und Ausrüstung

4. September 2020
Tipps und Tricks

Eine neue Hardshelljacke kostet gerne mal 400 Euro, und ein neues Paar Bergstiefel schlägt mit 200 Euro zu Buche. Wenn die teure Ausrüstung dann nicht mehr so funktioniert, wie sie soll, ist das sehr ärgerlich. Eine Regenjacke mit Riss im Obermaterial und abgelaufene Sohlen an den Wanderschuhen lassen selbst die beste Ausrüstung schnell unbrauchbar werden. Da fällt der nächste Wanderurlaub im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser. Aber was nun? Neu kaufen? Kann man solche Beschädigungen reparieren?

Warum es sich lohnt, beschädigte Outdoorprodukte zu reparieren

Die gute Nachricht ist: Die meisten Ausrüstungsgegenstände lassen sich wieder in Ordnung bringen! 

Die Textilbranche steht nach der Öl- und Gasindustrie an dritter Stelle in Sachen Umweltverschmutzung. Aber nicht nur die Herstellung von Produkten für den Outdoorsport wirkt sich umweltschädlich aus. Auch das weit verbreitete Wegwerfen und Neukaufen von Produkten schadet der Umwelt. Wer also dank Reparaturen und Upcycling seine Kleidung, Schuhe und Ausrüstungsgegenstände länger nutzt und sie nicht gleich wegwirft, verringert seinen ökologischen Fußabdruck bereits deutlich. Reparieren ist ein radikaler Akt, wie die Kollegen von Patagonia zu sagen pflegen. Es schont die Umwelt und den Geldbeutel.

Im Garantie-Dschungel nicht den Überblick verlieren

Wenn man sich auf den Internetseiten der Hersteller informiert, welche Garantien dem Kunden nach dem Kauf zugesichert werden, kann es schnell unübersichtlich werden. Häufig sind Begriffe wie limitierte Garantie, Lebensdauer oder Lebensspanne zu finden. Mit „Lebensdauer“ ist allerdings nicht das eigene Leben des Kunden gemeint, sondern die erwartete Lebensdauer eines Produktes. Welchen Zeitraum der Hersteller als „realistische Lebensdauer“ eines Produktes definiert, kann sehr stark variieren. Hier gilt es, sich vor der Reklamation oder Reparaturanfrage beim jeweiligen Hersteller zu informieren. 

Nur sehr wenige Firmen statten ihre Outdoorbekleidung mit einer lebenslangen Garantie aus. Letztendlich liegt die Entscheidung beim Hersteller, ob der Riss in der teuren Funktionsjacke seiner Einschätzung nach durch normalen Verschleiß, unsachgemäße Benutzung oder einen Materialfehler entstanden ist. Selbst wenn die Marke laut eigenen Angaben nichts repariert oder die Garantie bereits abgelaufen ist – ein Versuch kann ja nicht schaden!

Eine ehrliche Schadensmeldung bei eigenem Verschulden wird mit großer Wahrscheinlichkeit auf mehr Sympathie treffen, als dem Hersteller pauschal die Schuld für den Schaden zu geben. Ein guter Kundendienst und Kulanz gegenüber dem Kunden gehören für viele Outdoorhersteller inzwischen zum Tagesgeschäft dazu. Dass nur frisch gewaschene und saubere Ausrüstung eingeschickt werden sollte, versteht sich von selbst.

Welche Marken bieten eine Reparatur und besondere Garantien an?

Bitte beachte, dass sich diese Garantievorgaben der Hersteller jederzeit ändern können! Die Informationen in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Die Bergfreunde können keine Garantie dafür übernehmen, dass euer Produkt im Zweifelsfall reklamiert oder repariert werden kann.

  • Patagonia setzt mit der „Ironclad Garantie“ den Standard für Reparaturen in der Outdoorbranche. Wenn der Kunde mit einem Produkt nicht zufrieden ist, kann es repariert, umgetauscht oder der Kaufpreis zurückerstattet werden. Das Besondere dabei: Es gibt keine zeitliche Begrenzung. Auch ältere Bekleidung wird weiterhin kostenfrei wieder in einen funktionalen Zustand versetzt.
    Beschädigungen durch Verschleiß oder unsachgemäße Benutzung können für kleines Geld in Ordnung gebracht werden. Wenn ein Ausrüstungsteil sein Lebensende erreicht hat und nicht mehr zu reparieren ist, kann es eingeschickt oder in einem Patagonia Store abgeben werden und wandert als Recyclingmaterial wieder zurück in den Produktionskreislauf des Herstellers.
  • Beim amerikanischen Rucksackhersteller Osprey steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Dank der „All Mighty Guarantee“ werden Rucksäcke, Trinksysteme und Zubehör über den gesamten Lebenszyklus der Produkte repariert, ausgetauscht oder mit neuen Ersatzteilen ausgestattet. Auch für ältere Rucksäcke können Teile wie Schnallen oder Kordelzüge über den Hersteller bezogen werden.
  • Die deutsche Firma Vaude ist seit jeher einer der Pioniere, was nachhaltige Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte sind von Haus aus mit einer Garantie von fünf Jahren ausgestattet. Auf der Selbsthilfe-Plattform iFixithat der Hersteller viele Anleitungen veröffentlicht, um seine Produkte zu Hause reparieren zu können. Wer sich die Reparatur nicht zutraut, kann die Ware zu Vaude einschicken. Auch für die meisten älteren Produkte können noch Ersatzteile wie Schnallen für Rücksäcke bezogen werden.
  • Outdoor Research stattet seine gesamte Produktpalette mit der „Infinite Guarantee“ aus. Das bedeutet, das alle Artikel über die gesamte Lebensdauer jederzeit repariert oder ausgetauscht werden können, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen.
  • Einen Wanderrucksack von Deuter hat wahrscheinlich fast jeder schon einmal gesehen. Beim deutschen Traditionshersteller stehen Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Es heißt: „Wir möchten den Menschen ein lebenslanger Begleiter sein. Deshalb geben wir dir für unsere Produkte das Deuter Versprechen. Das bedeutet, dass wir dir einen weltweiten, lebenslangen Reparaturservice für deine Lieblingsstücke von Deuter anbieten.“ Auch ältere Rucksäcke können in der eigenen Werkstatt von erfahrenen Nähern repariert werden.
  • Der kanadische Bergsportausrüster Arcteryx ersetzt oder repariert Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung über die komplette Lebensdauer der Produkte kostenfrei. Beschädigungen durch Unachtsamkeit und normalen Verschleiß können in der firmeninternen Werkstatt für einen angemessenen Preis wieder in einen funktionalen Zustand versetzt werden.
  • Auch die Norweger von Norrøna sind besonders nachhaltig unterwegs, was Outdoor-Bekleidung angeht. Alle Produkte des skandinavischen Herstellers werden mit einer Garantie von fünf Jahren ausgeliefert. Als „Loyalty Member“ erhöht sich die Garantie sogar auf sieben Jahre. Für Reparaturen außerhalb dieser Zeit kann man in einer Preisliste auf der Homepage einsehen, was die Reparatur einzelner Defekte jeweils kosten würde.
  • Black Diamond schreibt auf der Homepage: „Wir vertrauen auf die Produkte, die wir herstellen, weil wir diese auch selbst nutzen“. Material- und Herstellungsfehler werden über die gesamte Produktlebensdauer kostenlos repariert bzw. ersetzt. Alle anderen Produkte können eingeschickt und repariert werden, allerdings nicht kostenfrei.
  • Der Spezialist für Trinkflaschen und Trinksysteme CamelBak hat sich seinen Ruf durch die Entwicklung von Produkten aufgebaut, die die Erwartungen der Verbraucher an Qualität und Haltbarkeit übertreffen sollen. So schreibt es der Hersteller auf der eigenen Website. Die Lifetime-Garantie deckt alle Behälter, Trinksysteme, Rucksäcke, Trinkflaschen und Zubehörteile ab, die durch Herstellungs- und Verarbeitungsfehler während der gesamten Lebensdauer des Produkts auftreten. Bei der „Got your Bak“ Garantie werden Produkte bevorzugt repariert und bei Bedarf ausgetauscht.
  • Auch beim italienischen Bergsportspezialisten Salewa kann Ausrüstung repariert werden. Die Firma schreibt hierzu im Internet: „Wir möchten die Lebensdauer jedes SALEWA® Produkts solange wie nur möglich verlängern und gleichzeitig höchste Sicherheitsstandards bei der Ausübung der Bergsportaktivitäten gewährleisten. Aus diesem Grund betreiben wir eine eigene Pflege- und Reparatur-Werkstatt im SALEWA® Headquarter in Bozen, in der ausgebildete Spezialisten die defekten oder pflegebedürftigen Produkte wieder auf Vordermann bringen. Die Produkte können direkt über den SALEWA® Kundendienst eingereicht werden.“
  • Hardshell- und Regenjacken von Gore-Tex sind durch das „Guaranteed to keep you dry“ Versprechen abgedeckt. Wer mit der Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität nicht zufrieden ist, kann die Jacke reparieren lassen, eine neue bekommen oder den Kaufpreis zurückerstattet bekommen. Allerdings liegt die Entscheidung, ob das Produkt repariert, ersetzt, der Kaufpreis zurückerstattet oder die Reklamation abgelehnt wird, im Ermessen des Herstellers. Zudem werden die Produkte bei einer Reklamation einer Prüfung unterzogen, bei der unter anderem die Nutzungsdauer berücksichtigt wird. Diverse Beschädigungen an der Ausrüstung können zu einem fairen Preis repariert werden.
  • Die aufblasbaren Matten von Therm-a-Rest sind besonders auf Trekkingtouren sehr beliebt. Materialdefekte und Herstellungsfehler werden über die Lebensspanne des Produktes kostenfrei repariert. Ältere Matratzen können gegen eine Gebühr direkt beim Hersteller wieder in einen funktionsfähigen Zustand versetzt werden.
  • Mammut repariert nach eigenen Angaben pro Jahr 6000 Produkte in der Schweiz, während in Deutschland sogar 9000 Produkte in einer hauseigenen Werkstatt wieder auf Vordermann gebracht werden. Mehrere Mitarbeiter bringen defekte Outdoor-Bekleidung wieder in Ordnung und bewahren diese vor der Mülltonne.
  • Auch bei der kalifornischen Firma Marmot werden Material- und Verarbeitungsmängel über die gesamte realistische Lebensdauer der Ausrüstung repariert oder bei Bedarf ersetzt. Die Entscheidung liegt allerdings im Ermessen des Herstellers.
  • Die besonders leichten Zelte von Big Agnes werden bei Material- und Herstellungsfehlern lebenslang repariert. Beschädigungen, die durch unsachgemäße Benutzung oder Abnutzung entstanden sind, können für kleines Geld wieder in Ordnung gebracht werden.

Und was ist mit den Schuhen?

Auch die meisten Schuhhersteller im Outdoorbereich bieten Möglichkeiten an, um die Berg-, Wander- und Kletterschuhe viele Jahre nutzen zu können. Trailrunning- und Approachschuhe lassen sich leider im Normalfall nicht mit neuen Sohlen versehen. Folgende Hersteller bieten die Möglichkeit an, gekaufte Modelle reparieren zu lassen:

  • Beim traditionsreichen Hersteller La Sportiva aus Italien können Kletter-, Berg- und Skischuhe neu besohlt werden.
  • Auch bei Lowa steht Nachhaltigkeit im Vordergrund. Eine Neubesohlung ist bei allen Schuhen der klebegezwickten Bauweise (Schuhe aus der Mountaineering und Trekking Serie) möglich. Für Modelle mit Gore-Tex Membran kann allerdings keine Gewährleistung auf Dichtigkeit gegeben werden.
  • Auch Bergschuhe von Hanwag können mit neuen Sohlen ausgestattet werden. Neben klebegezwickten Modellen können auch zwiegenähte Bergschuhe wieder auf Vordermann gebracht werden.
  • Bei Meindl sind alle Wander-, Trekking- und Bergschuhe wiederbesohlbar. Dies kann entweder beim lokalen Schuhmacher erledigt werden, oder die Schuhe müssen zurück zum Hersteller eingeschickt werden.
  • Scarpa bietet für alle Modelle, die mit dem „Resole“ Logo ausgestattet sind, einen Austauschservice der Sohlen an. Die Berg-, Kletter-, Lifestyle- und Trekkingschuhe können entweder direkt in die Werkstatt geschickt oder von einem Schuhmacher vor Ort neu besohlt werden.
  • Die besonders robusten Wanderschuhe von Lundhags können nicht nur mit neuen Sohlen versehen werden, auch Reparaturen am Rest der Stiefel sind kein Problem. Ein Schuhmacher in Schweden verhilft jedem Paar wieder zu neuem Glanz und tauscht beschädigte Teile bei Bedarf aus.

Do it yourself – Hilfe zur Selbsthilfe

Teile, die leicht verschleißen, wie Kordeln oder Druckknöpfe haben die meisten Firmen auf Lager. Da manche Hersteller leider keine Reparaturen anbieten, muss man sich als Kunde im Zweifelsfall selbst um die Reparatur kümmern. Bei einem abgerissenen Knopf oder einem losen Kordelzug ist es auch deutlich wirtschaftlicher, selbst Hand anzulegen, als das defekte Teil zum Hersteller zu schicken. Brands wie Vaude, Patagonia oder Fjällräven stellen auf der hauseigenen Homepage Anleitungen zur Reparatur der Produkte zur Verfügung.

Patagonia tourt im Rahmen der „Worn Wear“ Kampagne seit mehreren Jahren durch die Lande (aktuelle Tourdaten findet man hier auf der Firmenhomepage) und repariert beschädigte Bekleidung der Verbraucher kostenfrei vor Ort. So soll ein größeres Bewusstsein für die nachhaltige Nutzung von funktionaler Kleidung geschaffen werden. Wenn die Outdoor-Bekleidung einmal ersetzt werden muss, empfiehlt Patagonia den Verbrauchern, in ein besonders haltbares Produkt zu investieren.

Kleine Risse in wasserdichten Jacken und Hosen können mit selbstklebenden Reparatur-Patches auch unterwegs schnell und einfach überklebt werden. Langfristig empfiehlt sich aber eine professionelle Reparatur, um gegen das Eindringen von Feuchtigkeit zu schützen.

Wer sich die Reparatur selbst nicht zutraut, ist bei den Profis vom Outdoor Service Team gut aufgehoben. Auch bekannte Firmen wie Bergans lassen ihre Produkte bei dieser Werkstatt in Berlin reparieren. Die ausgebildeten Fachleute vor Ort bieten preiswerte und professionelle Reparaturmöglichkeiten an, um die Funktionalität wiederherzustellen. 

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