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Was passiert eigentlich mit euren Retouren? 

10. Juni 2021
Die Bergfreunde

In Zeiten, in denen Meldungen durchs Netz geistern, dass Online-Händler großflächig Retouren vernichten, kommt diese Frage auch bei uns immer mal wieder an und auch in der Politik findet sie gehör. ‘Obhutspflicht’ heißt der neue Rechtsbegriff, den das Umweltministerium mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz letztes Jahr auf den Weg gebracht hat. Die Obhutspflicht soll Händler verpflichten, weniger Retouren zu entsorgen, was wir ziemlich gut finden und zum Anlass nehmen wollen, euch mal ein paar Takte zum Thema “Retouren bei den Bergfreunden” zu erzählen. Aber vorher…

Reklamation vs. Retoure – was ist der Unterschied

Damit es keine Verwirrungen gibt, wollen wir uns zunächst um eine kleine Begriffsdefinition bemühen:

  • Retoure: Hier handelt es sich um eine klassische Rücksendung. Ihr bestellt etwas, es gefällt euch nicht und schickt es wieder an uns zurück. Ende der Geschichte.
  • Reklamation: Das Produkt weist innerhalb der gesetzlichen oder anderweitigen Gewährleistungsfristen einen Mangel oder einen Defekt auf, der von euch beanstandet wird. Hier handelt es sich dann um eine Reklamation.

Ok, verstanden. Aber was macht ihr denn jetzt mit euren Retouren?

Das ist relativ einfach: Wir lagern sie ein und verkaufen sie erneut. Das könnt ihr euch vorstellen wie im klassischen Ladenlokal: Ihr probiert etwas an und hängt es wieder zurück. Nur, dass dazwischen eben ein Postbote Pakete hin und her trägt.

Übrigens: Einen Teil unserer Bekleidungs-Retouren verpacken wir nicht mehr in Plastikbeuteln, sondern fassen sie einfach in zwei Papierbanderolen ein. Das spart eine menge Plastik. Wie wir das machen kannst du im zugehörigen Basislager-Artikel nachlesen.

Allein aus kaufmännischer Sicht macht es null komma gar keinen Sinn, Produkte, die noch funktionieren und nicht verschmutzt sind, nicht mehr zu verkaufen. Und selbst wenn wir ein retourniertes Produkt nicht mehr verkaufen können – was sehr selten vorkommt – wird es nicht entsorgt.

Reklamationen: Kann man das noch reparieren?

Ohne jetzt allzu tief in die komplizierte Welt der Reklamationen einzutauchen: Wenn ihr bei uns etwas reklamiert, weil ein Produkt innerhalb einer bestimmten Frist einen Mangel aufweist, versuchen wir – sofern das möglich ist – zunächst immer den Weg der Reparatur zu gehen. Unser Team gibt euch Tipps und Tricks an die Hand, wie ihr Produkte wieder in Stand setzen könnt. 

Warum wir so vorgehen? Zum Einen ist es in den allermeisten Fällen relativ einfach und schnell möglich, den Fehler zu beheben und es ist natürlich immer gut, wenn man Dinge nicht direkt entsorgt. Das vermeidet Müll. Zum anderen setzt ein Reklamationsprozess eine relativ lange und aufwendige Kaskade in Gang, denn das reklamierte Produkt muss von einem Sachverständigen geprüft werden. Das ist in der Regel der Hersteller. Die Abwicklung läuft in der Regel über den Händler – in dem Fall also uns. 

Heißt konkret: Ihr schickt die Reklamation zu uns, wir weiter an den Hersteller, der prüft, repariert, schickt es zurück an uns und wir zurück zu euch. Das ganze Prozedere dauert einige Wochen. 

Und da ist so eine direkte Reparatur doch deutlich einfacher, oder? :) Ihr findet im Netz übrigens sehr, sehr viele Reparaturtipps. Schaut zB. mal bei iFixit vorbei.

Reklamationen ein zweites Leben einhauchen

So, jetzt aber zu den guten Nachrichten: Wir schaffen es sehr zuverlässig, Produkte die nicht mehr in den Verkauf gehen, ein zweites Leben einzuhauchen und zwar so:

  • Spenden: So einfach, wie deutlich – denkt ihr vielleicht. Tatsächlich sind Produktspenden gerade an deutsche Organisationen gar nicht so einfach und es gibt ein paar rechtliche und formale Hürden im Prozess, die es im Vorfeld zu überwinden gibt. Daher arbeiten wir inzwischen mit einigen Hilfsprojekten fest zusammen. Wir wissen natürlich, dass der Bedarf auch darüber hinaus sehr hoch ist, würden euch allerdings an dieser Stelle bitten, von Spendengesuchen abzusehen, denn auch wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Produkten, die wir verteilen können – von den personellen Kapazitäten abgesehen.
  • Mitarbeiter-Flohmarkt: Wir Bergfreunde sind unsere besten Kunden. Und damit wir euch nicht dauernd den Shop leerkaufen, organisieren wir in regelmäßigen Abständen kleine Flohmärkte, bei denen retournierte Ware gegen eine kleine Spende mitgenommen werden darf. Die so zusammen gekommenen Spenden werden nochmal von uns verdoppelt und an fünf wohltätigen Vereine verteilt, die von den Kollegen vorgeschlagen wurden. 

Warum verkauft ihr reklamierte Ware nicht einfach günstiger im Shop?

Das wäre sicher eine weitere gute Möglichkeit, die Produkte einem zweiten Leben zuzuführen. Jetzt gerade ist es allerdings einfach kapazitiv nicht möglich. Wir müssten dafür natürlich zunächst einen ganz neuen Unternehmensbereich aufbauen, da wir z.B. keine eigene Reparaturabteilung haben. Da steckt ziemlich viel drin, was wir Stand heute noch nicht leisten können – aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

Wir hoffen, wir konnten euch einen kleinen und vor allem verständlichen Einblick geben. Falls ihr Fragen zum Thema habt, gerne ab damit in die Kommentare.

Pennen Deluxe – 6 Tipps, wie ihr draußen besser schlaft

28. Mai 2021
Tipps und Tricks

Mal ehrlich, was ist dieses Jahr denn eigentlich mit dem Frühling los? So ein Piss, echt. Und ja, ich weiß, das ist gut für die Natur und immer nur schönes Wetter geht nicht. Aber für mein kleines Outdoorherz braucht es hin und wieder mal Sonnenschein. Und das länger als nur 5 Minuten am Stück. So, genug gemotzt, zurück zum Thema. Mich zieht es nach draußen. Ich will mal wieder ein paar Tage wandern gehen. Die nächste Tour ist schon geplant und da sich das gute Wetter derzeit noch sehr bitten lässt, habe ich mir fernab von der Tourenplanung einmal ein paar Gedanken gemacht, wie sich unterwegs der Komfort ein wenig erhöhen lässt. Genauer, wie man es hinbekommt auch in Zelt oder Biwak gut und vor allem entspannt schlafen zu können.

Genau daran möchte ich euch heute einmal teilhaben lassen. Hier also meine ultimativen und gleichzeitig ganz persönlichen Tipps, wie man draußen, also mit Zelt oder Tarp aber auch in einer einfachen Schutzhütte, besser schläft. Bevor es losgeht noch eine Anmerkung: Alle Tipps habe ich selbstverständlich in der Vergangenheit ausprobiert, bzw. wende sie immer wieder auf Touren an. Für mich klappt das bestens, der eine oder andere Tipp ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache.

Tipp Nr. 1 – Ein guter Lagerplatz

Einen guten Lagerplatz zu finden ist nicht immer ganz einfach. Je nach dem wo ihr gerade seid, ist Wildcampen oder Biwakieren mal mehr oder weniger erlaubt, oder aber auch komplett untersagt. Wie das in den unterschiedlichen Ländern und Regionen geregelt ist, ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen. Anni und ich haben das aber trotzdem mal probiert. Wenn ihr euch also für das Thema interessiert, schaut doch mal in unsere Beiträge:

Schlafplatz gesucht – was ist wo erlaubt beim Wildcampen in Deutschland?

Hotel Europa – Wo ist Wildcampen wie erlaubt?

Abgesehen von rechtlichen Dingen solltet ihr bei der Wahl des Lagerplatzes aber dennoch einiges beachten.

Eben und trocken

Für eine angenehme Nachtruhe sollte euer Schlafplatz möglichst eben sein. Ist er das nicht, legt ihr euch immer so hin, dass die Füße nach unten zeigen. Ein großer Rucksack am Fußende verhindert das Rutschen zusätzlich. Das hat den Vorteil, dass ihr entspannt liegen könnt und nicht Gefahr lauft dauernd irgendwie von der Matte zu rutschen. Auch wenn ihr mit anderen in einem Zelt schlaft, kommt es so nicht dazu, dass ihr euch unfreiwillig talwärts auf euren Nachbarn wälzt. Auch mit dem Kopf nach unten zu liegen ist keine besonders gute Idee, außer vielleicht, wenn ihr eine Fledermaus seid…
Auch solltet ihr darauf achten, dass der Platz möglichst trocken ist. Gerade nach oder an einem Regentag ist das sicherlich nicht ganz einfach. Versucht aber auf jeden Fall eine Stelle zu finden, die nicht komplett durchweicht ist. Denn starke Nässe drückt sich mit der Zeit gerne mal durch den Zeltboden. Gerade bei älteren Zelten sollte man das nicht unterschätzen. Ohne Zelt wird’s bei zu nassem Untergrund ohnehin eklig. Mit einer Plane zum Unterlegen könnt ihr euch mit oder ohne Zelt ganz gut behelfen, aber je trockener der Platz ist, desto komfortabler lagert ihr auch.

Hohes Gras und Flussnähe meiden

An Flüssen und im hohen Gras wird es über Nacht nass. Stichwort Tau. Das solltet ihr vor allem beim Biwakieren nicht unterschätzen. Wenn ihr also am nächsten Morgen nicht frisch gewaschen im Schlafsack aufwachen wollt, dann meidet Orte, an denen die Bildung von starkem Tau zu erwarten ist. Im Wald oder am Waldrand sieht es da beispielsweise besser aus, als inmitten einer hohen Wiese oder in kleinen Senken. Aber auch ein halbwegs großer Baum mit dichter Krone kann schützend wirken. Bei Mehrtageswanderungen halte ich zu diesem Zweck immer auch gerne nach Aussichtspavillons Ausschau. Das ist zwar nur noch so halbdraußen, dafür hat man in der Regel aber einen guten Regenschutz und mit Glück auch noch eine Bank von der aus man vor dem Schlafen den Sonnenuntergang genießen kann.

Tipp Nr. 2 – Die richtige Unterlage

Die perfekte Matte zu finden ist eine Wissenschaft für sich. Denn welche die beste Matte für euch ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ich möchte aber an dieser Stelle, das Fass der Isomattenfindung nicht weiter aufmachen, sondern verweise für Interessierte einfach auf den Beitrag von Simon:

Isomatten: Wie man sich bettet, so liegt man

Um es kurz zu machen: Eine gute Isomatte passt immer zu euch, dem Ort, der Jahreszeit und den Bedingungen. Seid ihr mit dem Auto unterwegs, dann könnt ihr auch getrost zu einer Matte greifen, die eine gute Freundin von mir immer „OP-A-REST Matten“ nennt. Also besonders dicke (und meist auch besonders schwere) selbstaufblasende Isomatten. Für alle die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind funktioniert das aber nicht. Auch hier ist es daher wie so oft im Leben, es muss ein guter Kompromiss her. Leichte Matten sind manchmal nicht besonders bequem dafür aber robust, oder robust und nicht sonderlich bequem. Ich habe mich lange mit diesem Problem auseinandergesetzt und mittlerweile ein System gefunden, das für mich bestens funktioniert. Ich möchte euch daher an dieser Stelle noch einen ganz persönlichen Trick verraten.

Der Trend geht zur Zweitmatte…

Ich habe Rücken und brauche eine bequeme Matte mit möglichst geringem Gewicht. Erst letztes Jahr musste ich bei einer Mehrtagestour feststellen, dass ich durch unbequemes Liegen ab einem gewissen Ermüdungsgrad einfach nicht mehr richtig entspannen und ausruhen konnte. Das ist spätestens nach der dritten bescheidenen Nacht nicht mehr lustig. Was Leichtes und Bequemes wäre also durchaus wünschenswert.

Gleichzeitig übernachte ich auch mal auf steinigem Untergrund. Also muss die Matte auch ordentlich was aushalten. Gerade bei sehr dünnen Luftmatten habe ich die Sorge, dass in diesen Fällen auch mal ein Kiesel ein Loch in die Matte drückt. Eine Schaumstoffmatte oder dünne selbstaufblasende Isomatte wäre aus diesem Gesichtspunkt wahrscheinlich das Beste für mich. Doch da macht mein Rücken beim Liegen wieder nicht mit. Ein Dilemma, das ich aber gelöst habe.

Ich besitze schon immer eine relativ dünne aber warme und extrem robuste THERM-A-REST Matte. Diese Matte ist quasi unkaputtbar. Auch übelste Bedingungen konnten ihr nie etwas anhaben und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass das Teil sogar schusssicher sein muss. Oder so. Vielleicht, wer weiß… Aber diese Matte ist genau das Gegenteil von bequem. Reicht also für meine Zwecke leider nicht aus. Darüber hinaus besitze ich aber auch noch eine zweite, kleine und besonders leichte Matte, die für den notwendigen Komfort sorgt. Schlau kombiniert sind beide Matten super, hier kommt der Trick:

Die robuste Matte kommt direkt auf den Boden. Drauf lege ich dann meinen Schlafsack und in den Schlafsack hinein kommt die zweite Matte. Hersteller wie Klymit bieten hierzu spezielle Modelle an. Meine Matte im Schlafsack ist daher eigentlich mehr ein Gitter als eine richtige Isomatte. Aber sie sorgt dafür, dass ich bequem liegen kann. Denn gerade Körperstellen wie Hüfte oder Schultern, an denen es gerne mal zu Druckstellen kommt, sind so bestens gepolstert. Darüber hinaus füllt der Schlafsack von unten die Lücken der Matte aus. Dies ermöglicht nicht nur angenehmes Liegen, sondern auch eine verbesserte Isolationsleistung.

Übrigens: auch die Sache mit dem Gewicht passt. Denn beide Matten zusammen wiegen nicht einmal ganz ein Kilo.

Tipp Nr. 3 – Kopf hoch!

Könnt ihr euch auch nicht komplett flach hinlegen und eine Nacht bequem lang schlafen? Also ich kann das jedenfalls nicht. Vielleicht werde ich ja auch einfach nur alt, eh wurscht. Nichts desto trotz: Ein Kissen muss her! Aber wer will denn schon ein Kissen auf der Tour mitschleppen? Ich meine, die Dinger sind sperrig, nicht ganz leicht und irgendwie erscheint es mir widersinnig einerseits bei manchen Ausrüstungsgegenständen auf jedes Gramm zu achten und dann ein Kissen mitzuschleppen. Andererseits, ein gesegneter Schlaf hat auch was für sich. Hier also zwei Ideen, wie das klappen kann:

Pack den Sack

Bei dieser Idee handelt es sich um die leichtere Bastelvariante, denn dazu benötigt ihr nur Dinge, die ihr ohnehin dabei habt. Packsäcke sind eigentlich auf jeder Tour dabei. Sei es der Packsack vom Zelt, Schlafsack oder sonst was. Sucht euch den Sack aus, der von der Form und der Größe her am ehesten eurer Vorstellung von einem Kissen entspricht. Solltet ihr einen Packsack aus einem weichen Material (oft der vom Schlafsack) dabei haben, wählt ihr vielleicht auch den aus. Diesen Sack füllt ihr dann einfach mit ein paar Klamotten, je weicher diese sind desto angenehmer wird auch das Kissen. Ideal wären beispielsweise eine Daunenjacke, Fleecepullover etc. Achtet dabei aber darauf, dass der Beutel weder zu fest noch zu instabil wird. In beiden Fällen würdet ihr nicht bequem liegen. Ist der Packsack locker gefüllt schläft es sich nach meiner Erfahrung am angenehmsten.

Reisekissen-Rulez

Es gibt aber auch Reisekissen, die fast nichts wiegen und mit einem sehr kleinen Packmaß daherkommen. Ich bin bekennendes Weichei und somit absoluter Fan. Es gibt da beispielsweise Kissen, die wiegen gerade einmal so viel wie ein großes Ei und sind zusammengepackt nur unwesentlich größer als ein Päckchen Papiertaschentücher. Klingt machbar, oder? Ich meine, das ist die de luxe Weicheivariante. Man hat ein kleines aber feines Kissen dabei. Das wird aufgeblasen und bietet so die gewünschte Unterstützung. In der Regel sind Kissen dieser Art mit Kunstfasern gefüllt, sodass das Kissen auch bei niedrigen Temperaturen nicht zur unangenehmen Kältebrücke wird. Logischerweise wird ein solches Kissen nur zum Schlafen verwendet und ist daher immer entsprechend sauber (was bei einem Packsack oder den Klamotten auf einer längeren Tour nicht immer der Fall ist).

Tipp Nr. 4 – Kleider machen Leute

Soll ich euch mal was Privates verraten? Ich meine, wir sind hier ja quasi unter uns… Also hier kommt‘s: Zu Hause schlafe ich grundsätzlich in Unterwäsche, also nur Unterwäsche, kein Schlafanzug, kein Nachthemd… (mein lange gehütetes Geheimnis, jetzt ist es raus). Unterwegs handhabe ich das ähnlich, aber dennoch anders und das hat so seine Gründe.

Das Nachtleben der Thermounterwäsche

Meiner Meinung nach ist es durchaus sinnvoll auf einer Tour Kleidung eigens zum Schlafen mitzunehmen. Ich bevorzuge hierbei lange und dunkelfarbige Thermounterwäsche. Denn nutzt man diese nur zum Schlafen ist sie auch bei längeren Touren sauber, warm und angenehm zu tragen. Gerade wenn es bei Mehrtagestouren mangels Dusche oder ähnlichem mit der Körperhygiene langsam aber stetig abwärts geht, empfinde ich es als äußerst angenehm was Sauberes zum Schlafen, dabei zu haben. Außerdem hält Thermounterwäsche schön warm, was gerade an kühleren Tagen sehr praktisch ist. So kann ich beispielsweise im Zelt noch lesen ohne den Schlafsack bis oben hin schließen oder frieren zu müssen. Aber noch etwas ist praktisch: Muss man nachts mal aus dem Zelt, muss man nicht erst noch irgendwelche Klamotten zusammensuchen und aufpassen, dass man niemanden aufweckt. Man kann wie man ist schnell hinter den Busch verschwinden oder zum Waschhaus auf dem Campingplatz gehen. Nerviges Aus- und Anziehen entfällt.

Praktischer Nebeneffekt: Solltet ihr bei eurer Tour von einem Kälteeinbruch überrascht werden, habt ihr eine warme Unterwäsche dabei, die im Notfall für ein Plus an Wärme sorgt.

Tipp Nr. 5 – Aufräumen

Vor ein paar Jahren war ich im Sommer in Südfrankreich unterwegs und hatte eines nachts einen sehr penetranten Gast an meinem Lagerplatz. Ich meine, nicht nur, dass der sich auf meine Kosten durchfressen wollte und mitten in der Nacht für ordentlich Ruhestörung gesorgt hat, er wollte sich auch nicht abwimmeln lassen. Auch nachdem ich ihm mehrmals klar gemacht hatte, dass seine Anwesenheit wirklich nicht erwünscht ist, ließ er mich einfach nicht in Ruhe. Vielleicht könnt ihr euch ja schon denken, wer mich da besucht hat?

Die Rede ist hier von einem Igel. What!?! Ja, Igel, Erinaceidae wie der Lateiner sagt. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, glotzte er mich treudoof aus meinem Kochtopf an. Dieser stand, noch mit Essensresten gefüllt, aber mit einem Deckel verschlossen und mit anderem Geschirr beschwert neben dem Zelt. Irgendwie hatte es der Igel gecheckt, dass es da was zu holen gibt, es geschafft den Topf mit lautem Getöse zu öffnen und lag nun laut schmatzend in meinen restlichen Spaghetti. Der Arsch. Ich nahm also den Igel, trug ihn weiter weg in den Wald, kehrte zum Zelt zurück und schwupp war auch der Igel wieder da. Dieses Spiel wiederholte sich mehrfach, bis ich endlich alles igelsicher verstaut hatte.

Ordnung muss sein…

Wenn also auch ihr kein Bock auf Igel im Kochtopf oder Mäuse in der Kaffeetasse habt, dann räumt auf bevor ihr euch schlafen legt. Denn Essensreste und schmutziges Geschirr ziehen Tiere an. Wenn ihr nicht wollt, dass die nachts in eurem Campinggeschirr lautstarke Orgien feiern, wascht es ab oder verstaut es zumindest so, dass es außer Reichweite ist.

Doch abgesehen von der Fauna macht auch die Flora manchmal Ärger. Wie bereits erwähnt kommt es je nach Lagerplatz zur starken Taubildung im Gras etc. Hier werden Kleidung und andere Ausrüstung über Nacht schnell feucht, was nicht selten am nächsten Morgen für unangenehme Überraschungen sorgt. Wer jemals ein vom Tau klammes T-Shirt angezogen hat, weiß wovon ich rede… Aber auch hier gibt’s einen einfachen Trick: Packt alles, in euren Rucksack oder nehmt es mit ins Zelt. Dort ist es zuverlässig geschützt. Gerade an besonders kalten Tagen kann es auch angenehm sein die Kleidung für den nächsten Tag mit in den Schlafsack zu nehmen. Hierdurch ist sie bereits angenehm vorgewärmt. Schuhe stelle ich außerdem meistens auf meinen Rucksack, sodass sie nicht direkt am Boden stehen, auch das hilft gegen Feuchtigkeit.

Tipp Nr. 6 – Macht euch nicht verrückt

Nachts draußen in der Natur, noch schlimmer im Wald, das ist in vielen Köpfen gleich mit den Begriffen „unheimlich“ oder „Gefahr“ oder ähnlichem verknüpft. Denken wir doch nur an die Räuber, die im Wald wohnen, der böse Wolf, der Kindern auflauert und die eine oder andere Gestalt, die in den unterschiedlichsten Landstrichen nachts ihr Unwesen treibt. Unsere Märchen und Sagenbücher sind voll davon. Aber ich verrate euch mal was: Da ist in Wirklichkeit einfach nichts, zumindest nichts Bedrohliches. Auch wenn es nachts draußen raschelt, pfeift und knackt. Da ist nichts Böses, ihr könnt ruhig schlafen.

Mitternachtssnack der wilden Tiere

Immer wieder hört man Geschichten, dass Wildtiere schlafende Menschen als willkommene und einfache Beute ansehen. Da soll der Wolf schon arglose Wanderer im Schlaf überrascht haben, aber auch von schwerwiegenden Verwechslungen von Aasfressern wird erzählt. Aber jetzt kommt‘s: In Mitteleuropa ist die Gefährdung durch Wildtiere gleich null. Ihr werdet nicht vom Wildschwein angeknabbert oder vom Wolf überfallen, schon gar nicht, wenn ihr schlaft.

Wildtiere greifen (zumindest in unseren Breiten) normalerweise nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen, in die Enge getrieben werden oder ihre Jungen verteidigen wollen. So lange ihr friedlich schlaft und nicht aktiv auf die Tiere zugeht, nehmen sie euch auch nicht als Bedrohung war. Ihr seid nicht einmal interessant. Oft haben Wildtiere außerdem Angst vor dem Menschen und verziehen sich, bevor ihr sie überhaupt wahrnehmt. Wollt ihr dennoch auf Nummer sicher gehen, sucht euren Lagerplatz nach Wildspuren ab. Gerade Wildschweine hinterlassen in der Regel deutliche Spuren. Auch Orte direkt neben einer Wasserstelle oder im unmittelbaren Umfeld eines Jägerstands solltet ihr je nach Saison meiden.

Auch vor Gekrabbel wie Spinnen, Insekten und anderem Getier müsst ihr keine Angst haben. Denn dieses kriecht nachts auch nicht übermäßig auf euch herum. Der Mensch ist einfach nicht interessant (außer vielleicht für Stechmücken).

Also, auf nach draußen!

Ihr seht, mit ein paar kleinen Tricks lässt sich der Schlaf auch unterwegs deutlich verbessern.
„Moment mal… Mensch, Lisa du hast ja überhaupt nichts über Schlafsäcke geschrieben!?! Ich meine, hier geht’s doch ums Pennen, da ist doch der Schlafsack der Ausrüstungsgegenstand überhaupt und du schreibst einfach nichts dazu? Sehr fragwürdig…“
Vielen Dank, an den imaginären Zwischenrufer. Ja, das ist in der Tat so und hat durchaus seine Gründe. Erstens: Zum Schlafsack selbst habe ich keinen besonderen Tipp. Zweitens: Stephan und Simon haben hier schon wirklich gute Arbeit geleistet und in ihren Beträgen alles Wichtige rund um den Schlafsack erklärt. Also mein imaginärer Freund, nimm das:

Richtig(e) betten auf Touren: Kaufberatung Schlafsäcke

Und das:

Temperaturangaben bei Schlafsäcken? Was bedeuten sie wirklich?

Aber nun zu euch…

Wie schaut das bei euch aus? Welche Tricks habt ihr für eine geruhsame Nacht im Freien so auf Lager? Vielleicht könnt ja auch ihr noch den einen oder anderen Tipp beisteuern. Das würde mich echt freuen, denn ich bin viel unterwegs und freue mich immer darauf, was Neues auszuprobieren. Schreibt mir gerne und ich probiere das auf jeden Fall aus. Großes Indianerehrenwort!

Ich für meinen Teil, ähh, bin dann mal weg… Tschüss!

Ortovox im Marken- und Nachhaltigkeitsportrait

26. Mai 2021
Tipps und Tricks

Der Name bleibt hängen. Anders als Huber oder Maier wird man sich den Namen Ortovox wahrscheinlich merken. Meist ist er auch markant auf den Oberarmtaschen der funktionalen Ortovox-Oberteile platziert.

Die Ortovox Sportartikel GmbH hat um die 120 Mitarbeiter und sitzt in Taufkirchen im Süden von München. Sie ist auf Lawinennotfallausrüstung, Rucksäcke sowie Sportkleidung aus Merinowolle und Schweizer Wolle spezialisiert. Ihr einprägsamer Name setzt sich aus dem deutschen Begriff Ortung und dem lateinischen Begriff vox für Stimme zusammen. Mit der „Stimme“ ist der Ton der Suchgeräte gemeint, der je nach Frequenz die Entfernung und Position von Verschütteten in einer Lawine anzeigt. Es war nämlich ein neuartiges Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS), mit dem Gerald Kampel und Jürgen Wegner die Firma Ortovox 1980 aus der Taufe hoben. Ihr Ortovox F2 war das erste Doppelfrequenzgerät der Welt, welches auf beiden zuvor durch inkompatible Geräte getrennten Frequenzen (2,275 kHz und 457 kHz) senden und empfangen konnte. Es beschleunigte damit wesentlich die Verschüttetensuche und rettete viele Leben.

Natur und Hightech, Airbags und Wolle: Das Sortiment

Mit der neuen Technologie machten Kampel und Wegner Ortovox für lange Zeit zum LVS-Marktführer mit zwischenzeitlich um die 60% Marktanteil. Im Laufe der Jahre wurde das Produktsortiment stetig erweitert. Heute umfasst es neben LVS-Geräten und alpiner Notfallausrüstung eine breite Palette an technisch-funktionalen Rucksäcken und Kleidungsstücken.

Im Bereich Kleidung ist Ortovox bekannt durch die Kombinationen von Wolle mit anderen Materialien. Besondere Funktions- und Konstruktionsmerkmale sind Kennzeichen vieler Ortovox Produkte. Dabei geht es nicht um Spielereien oder bloßes Auffallen, sondern diese Merkmale machen durchgehend Sinn. Bestes Beispiel ist das hauseigene Airbag-System in den Lawinenrucksäcken, das man ab Winter 2016/17 aus dem bewährten ABS-System entwickelte. Die Weiterentwicklung mit dem Namen Avabag wurde zum absoluten Leichtgewicht und heimste dafür 2016 gleich den begehrten ISPO-Award „Product of the Year“ ein. Seitdem ist Avabag der Standard in Ortovox-Lawinenrucksäcken.

Sicherheit im Fokus

Die Sicherheitslösungen bei Ortovox sind meist originell, müssen aber nicht zwangsweise technisch komplex sein. Bestes Beispiel hierfür ist die Notfallkarte, die auf ganz einfache Weise wertvolle Zeit im Falle eines Falles einsparen kann.

Um neben der technischen Sicherheit den Fokus auch auf Umsicht und Kompetenz zu richten, hat Ortovox im Jahr 2008 die Safety Academy ins Leben gerufen. Dort waren unter anderem auch die Bergfreunde schon zu Gast, wie du diesem Basislagerartikel vom Sommer 2017 entnehmen kannst. Bei jenem spannenden Ausflug in die Tannheimer Berge stand Alpinklettern im Kursprogramm. Doch es gibt die Sicherheitsausbildungen bei Ortovox fürs ganze Jahr und für alle weiteren alpinen Disziplinen.

Nachhaltigkeit bei Ortovox: die Elemente

Sicherheit und Nachhaltigkeit sind im Bergsport generell eng verwoben. Bei Ortovox gilt das ganz besonders, beide Themen bilden zusammen einen Grundpfeiler der Geschäftstätigkeit. Oder wie es Geschäftsführer Christian Schneidermeier ausdrückt:

Das Fundament von ORTOVOX ist der SCHUTZ VON MENSCH, TIER UND NATUR. Seit 40 Jahren bleiben wir unseren Werten treu und finden speziell in diesen Zeiten in unseren Überzeugungen unsere Stärke.

Ökologische Elemente

Ein wichtiges Nachhaltigkeitselement ist das „Wool Promise“, das Ortovox-Versprechen ökologischer Verantwortung und ethischer Tierhaltung bei der Wollproduktion. Es wird durch ein umfangreiches Auditing der Lieferanten sichergestellt, dessen Details in einem Audit-Protokoll festgehalten sind.

Regionalität mit möglichst kurzen Wegen ist ebenfalls ein wichtiges Element. Der Fokus von Ortovox bei den Geschäftsbeziehungen liegt auf Europa, wo etwa 60% der Zulieferer und Partner ansässig sind. Ein großer Teil davon wiederum befindet sich im Baltikum und in Ungarn. Doch da Merinowolle ein wichtiger Rohstoff ist, der wiederum vom australischen Kontinent kommt, sind natürlich nicht alle Geschätsbeziehungen in diesem Sinne nachhaltig. Doch diesen Widerspruch versucht man teilweise aufzulösen, indem man sich für Projekte wie dem Schutz des bedrohten tasmanischen Urwalds Tarkine engagiert.

Hinzu kommen zahlreiche punktuelle Maßnahmen wie das Verpackungsprojekt „Out of the Box“, das zu deutlichen Einsparungen von Plastik und CO2 führt.

Soziale Elemente

Der fünfte Ortovox Social Report Sustainability Insights liefert diverse Beispiele aus dem Innenleben des Unternehmens für die Umsetzung dieses Wertefundaments. Wichtig sind dabei nicht nur Vorgaben und Richtlinien, sondern vor allem auch persönliches, selbstbestimmtes Engagement der Belegschaft. Ein Beispiel ist „Brigitte, Head of Production Planning, die in der akuten Corona-Phase mit ihrem PERSÖNLICHEN ENGAGEMENT unsere Partnerschaften zu unseren Produzenten weltweit noch gestärkt hat. Ihre Art der Anteilnahme und des Handelns hat bewiesen, dass diese fragile Welt nur durch das Miteinander an Stabilität gewinnen kann.

Eine gute Kurzanalyse des 27-seitigen Reports findet sich bei SAZ-Sports. Es geht darin um alle Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Bereich Soziales, wozu langfristig durchgeplante Produktzyklen mit langfristigen Abnahmeverträgen ebenso gehören wie ein aufwändiges Monitoring der Lieferanten. Auch ein eigenes Team für den Bereich unternehmerische Verantwortung (Corporate social responsibility, CSR-Team Jobshare) ist Teil der sozialen Nachhaltigkeit bei Ortovox.

Alle diese und weitere Elemente greifen im Konzept PROTACT 2024 ineinander. Es verbindet alle bestehenden Initiativen und verbindlichen Ziele, die bis 2024 umgesetzt sein sollen.

Besonderheit: das Prinzip Freundschaft

Eine besondere Erwähnung verdient die ausdrückliche Betonung der Freundschaft als verbindendes Element – nicht nur im Privaten, sondern auch im Geschäftsleben. Fairness im Umgang mit allen Mitarbeitern, Kunden und Geschäftspartnern gehört dabei zu den Selbstverständlichkeiten und ist sozusagen Teil der Einkaufsstrategie:

Freundschaft prägt jede Interaktion im Unternehmen – im Team, gegenüber Kunden, Geschäftspartnern und Lieferanten, draußen am Berg und im täglichen Leben. Diese Philosophie charakterisiert insbesondere die Beziehung zwischen ORTOVOX und seinen Lieferanten. 42,86 % davon sind GESCHÄFTSPARTNER SEIT FÜNF JAHREN ODER LÄNGER.

Abseits der Trampelpfade: Meilensteine der Firmengeschichte

Im Social Report wirft Ortovox einen ausgiebigen Blick in die eigene Geschichte. Die chronologische Perspektive macht die tiefe Verankerung der Nachhaltigkeit besonders deutlich. Beginnen wir in den Achtzigern:

Nach acht Jahren Spezialisierung auf Lawinensicherheit und Notfallprodukte für den Berg nahm Ortovox 1988 Bergsportbekleidung mit Wolle im Sortiment auf. Das entscheidende Argument war die hohe Feuchtigkeitsaufnahme von Wollfasern, dank derer sie auch im nassen Zustand wärmen können. Dabei engagierte sich Ortovox von Beginn an für sichere und faire Arbeitsbedingungen, für das Wohlergehen der Schafe und für die umweltfreundliche Herstellung der Produkte.

1995 kommt die besonders funktionelle und komfortable Merinowolle hinzu, deren Eigenschaften ein häufiges Wechseln von Unterwäsche bei Skitouren oder Bergwanderungen unnötig machen.

2011 erschloss Ortovox mit der Swisswool eine zu dem Zeitpunkt völlig neue Kategorie von Isolationskleidung, die Funktionalität mit Nachhaltigkeit vereinte und dafür mit einem ISPO Award ausgezeichnet wurde. Die in der Schweiz gewonnene Wolle der Swisswool-Produkte ist in Isolationskammern abgesteppt. Diese und andere Besonderheiten sowie den Einstieg der Firma in diese spezielle Wollverarbeitung haben wir uns hier im Basislager von einer Ortovox-Produktmanagerin erläutern lassen.

Ebenfalls im Jahr 2011 wurde Gerald Kampels erfolgreiches Unternehmen Teil der Schwan-Stabilo Holding, die bis heute eher durch Schreibwaren bekannt ist, jedoch schon seit langem einen Teilkonzern Outdoor aufbaut, dem unter anderem der bekannte Rucksackproduzent Deuter angehört.

Die Übernahme änderte nichts am zielgerichteten Nachhaltigkeitskurs von Ortovox. Im Gegenteil, die Entwicklung hat sich seitdem eher intensiviert. So kam es 2015 zum Beitritt von Ortovox zum Bündnis für nachhaltige Textilien, das sich für die Verbesserung der sozialen, ökonomischen und ökologischen Bedingungen entlang der Lieferketten des Textil- und Bekleidungssektors einsetzt. Die Mitgliedschaft erhöht die Transparenz einer Firma für ihre Kunden, hilft beim Setzen klarer Ziele und stärkt das Thema Nachhaltigkeit in der gesamten Branche.

Ein weiterer wichtiger Beitritt war 2015 der zur Fair Wear Foundation (FWF), einer unabhängigen Dachorganisation, die bei ihren Mitgliedern den derzeit höchsten Standard an sozialer Nachhaltigkeit sicherstellt. Die FWF wird kooperativ von Handelsverbänden, Vertretern der Textilindustrie und Nichtregierungsorganisationen geführt. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie weltweit.

Auch im Jahr 2016 gab es eine neue Mitgliedschaft, und zwar in der European Outdoor Conservation Association (EOCA). Die Unternehmensgruppe aus der europäischen Outdoor-Industrie sammelt seit ihrer Gründung im Jahr 2006 Spenden für wohltätige Naturschutzprojekte in aller Welt. Seit Juni 2019 ist Ortovox aufgrund seiner Unterstützung des Tarkine Regenwaldes in Tasmanien „Summit Member“ des EOCA. Im Rahmen des Tarkine-Projekts ermittelt Ortovox laut Branchenmagazin SAZ-Sport auch den CO2-Ausstoß im Bereich Standort und Produkte und „skaliert diesen sukzessive auf das gesamte Sortiment“. So soll es der Firma gelingen, „100 Prozent Klimaneutralität durch Reduktion und Kompensation bis 2024 voran zu treiben.“

Seit 2017 kommt das bereits erwähnte Ortovox Wool Promise (OWP) zum Einsatz, der firmeneigene Standard, der den branchenweit etablierten Responsible Wool Standard im Umfang übertrifft. „Das OWP fußt auf vier Säulen: persönliche Beziehung zu den Farmern, Tierschutz, Bewahrung der Natur sowie Transparenz aller Produkte bis zum Ursprung.“

Mit ProtACT 2024 bringt Ortovox schließlich im Jahr 2019 seine Nachhaltigkeitsstrategie auf den Punkt und bündelt alle bestehenden Maßnahmen in einer klaren Zielsetzung bis 2024.

Das Jahr 2020 war auch für Ortovox kein normales Jahr und „sowohl von Fortschritten als auch Rückschlägen im Bereich Nachhaltigkeit geprägt“. Ein angedachtes Projekt in der Ukraine, das sich mit der Thematik existenzsichernder Löhne ausein­ander setzen sollte, musste „eingestellt und komplett neu aufgesetzt werden“. Stattdessen sollten die Rucksackhersteller in Vietnam im Fokus stehen, was die Covid-Krise aber ebenfalls zum vorläufigen Stillstand brachte. Zur großen Herausforderung wurde im zweiten Halbjahr das Monitoring auf Distanz. „Langfristige Auswirkungen auf die Lieferkette bleiben noch abzuwarten.“ Dennoch kam Ortovox bislang nach eigener Angabe aufgrund seiner bisherigen Lieferantenstrategie „relativ stabil durch die Krise“.

Soweit diese kurze Zusammenstellung, die nur Ausschnitte aus der Firmengeschichte zeigt. Sowohl im Bereich Nachhaltigkeit als auch in der Technologie gab und gibt es weitere „Benchmarks“, die auf der Firmenhomepage beschrieben sind.

Fazit

Ortovox gehört zu diesen kleinen aber feinen Bergspezialisten, die im „Lifestylesektor“ kaum eine Rolle spielen und in großen Medien wenig präsent sind. Deshalb muss man sich bei der Bewertung der Nachhaltigkeit überwiegend auf die eigenen Aussagen der Firma verlassen. Persönlich sehe ich keinen großen Anlass, den Angaben zu misstrauen. Es gibt zwar nur wenige Bewertungen durch externes Feedback, doch diese sind durchaus aussagekräftig – so zum Beispiel der Leader-Status in der Fair Wear Foundation, den Ortovox nach dem „Brand Performance Check“ 2019 zum zweiten Mal verliehen bekam. Bei dieser jährlichen Prüfung der internen Managementsysteme erreichte Ortovox hohe Werte im Bereich Monitoring und beim sogenannten Benchmarking Score.

Alles in allem kann Ortovox den aus der Produktqualität gewohnten sehr ambitionierten Gesamteindruck auch in den Nachhaltigkeitsaktivitäten bestätigen.

Wie quert man Altschneefelder?

21. Mai 2021
Tipps und Tricks

Der Frühling ist endlich wach, nachdem er mal so richtig ausgeschlafen hat. Deshalb wirst du dieses Jahr vermutlich auch bei leichten Wanderungen in gemäßigten Höhen bis in den Hochsommer hinein auf Altschneefelder stoßen. Aus der Ferne setzen diese Überbleibsel des Winters oft schöne optische Akzente, denn die Berge sehen mit ihnen deutlich wilder und alpiner aus. Zusammen mit der üppig wuchernden grünen Fülle im Tal ergibt sich einer dieser wunderbaren Kontraste, die den Reiz des Gebirges ausmachen.

Aus der Nähe zeigen sie sich oft weniger freundlich und lassen sich nicht einfach so auf der Nase herumtanzen. Im Gegenteil, sie erweisen sich oft als ziemlich garstig und stellen jedes Jahr zahlreiche überraschte Wanderer vor knifflige Aufgaben. Damit ihre Bewältigung nicht zum Drama wird, folgt jetzt alles was du wissen musst, um sie erfolgreich zu meistern.

Wo „lauern“ Altschneefelder?

Logischerweise bleibt der Schnee dort am längsten liegen, wo es am längsten kalt ist. Und er bleibt umso länger liegen, je mehr und häufiger es im vorherigen Winter geschneit hat. Am längsten kalt ist es auf Nordseiten und in schattigen Karen. In Höhen über 2000 Meter kann sich der Schnee dort auch ganzjährig halten. Auch die schattigen Furchen, Rinnen und Schluchten von Wasserläufen sind naturgemäß sehr lange schneebedeckt.

Mit diesem Wissen kann man bei der Tourenplanung schon auf der Karte sehen, wo mit Altschneefeldern zu rechnen ist. Zusätzlich kann man nach Webcams in der Umgebung schauen. Eventuell findet sich so eine Ausweichroute über südseitige Hänge, falls mit Schneefeldern als unüberwindlichen Gefahrenstellen zu rechnen ist.

Wichtig ist nicht nur die Frage, wo man auf den Schnee trifft, sondern auch wann. Denn je nach Tageszeit präsentiert er sich völlig unterschiedlich: morgens gefroren und hart wie Kryptonit, nachmittags aufgeweicht wie das Sahnesouffle im Sternerestaurant. Je nach Größe und Steilheit der Schneefläche wird die Tour dann deutlich sturzgefährdeter oder kraftraubender als unter Idealbedingungen.

Wie gefährlich sind Altschneefelder?

Gerade weil sie meist nicht sonderlich gefährlich aussehen, bergen Altschneefelder ungeahnte Risiken. Es ist ihr trügerisch-einladender Ersteindruck, der Wanderer vor überraschende Probleme stellt. Manche sind auch überrascht, wenn sie überhaupt noch auf Schnee treffen – war doch unten im Tal gerade noch Hochsommer. Und bevor man unverhofft und unvermittelt kehrt macht, lässt man es mal auf einen Versuch ankommen. Erst mittendrin, wenn es schon zu spät ist, wird der Ernst der Lage bemerkt. Abstürze auf Altschneefeldern gehören vor allem im Frühjahr zu den häufigsten Auslösern von Rettungseinsätzen der Bergwacht.

Vielen Berggehern ist nicht bewusst, dass schon relativ flache Hänge mit einer Neigung von 30 Grad ein Absturzrisiko bergen. Einen Ausrutscher kann man hier je nach Härte des Untergrunds nur noch schwer bremsen. Gerät man auf einem harten, 40 Grad steilen Firnfeld ins Rutschen, erreicht man binnen Sekunden eine Geschwindigkeit, die der des freien Falls nahe kommt. Die Aussichten auf einen glimpflichen Ausgang gehen dann gegen null. Deshalb ist auch bei mäßig steilem Gelände jederzeit Vorsicht und Konzentration gefragt.

Auch der umgekehrte Fall, nämlich stark aufgeweichter Schnee, kann zur Gefahr werden. Normalerweise ist das Einbrechen in weichem Schnee nur unangenehm und mühsam. Doch wenn sich unter der Schneedecke große Steine, Büsche oder Wasserläufe befinden, können angewärmte Hohlräume entstehen, in die man gefährlich unkontrolliert und tief einbricht. Auch an den Rändern der Schneefelder bilden sich sehr häufig tiefe Hohlräume. Hier ist ebenfalls Vorsicht und ein genauer Blick fürs Gelände gefragt.

Eine weitere unterschätzte Gefahr, die nicht nur an Altschneefeldern lauert, ist die Gruppendynamik. Weil niemand vor den Anderen als Weichei und Spaßbremse dastehen will, begeben wir Bergfreunde uns ab und zu in Situationen, denen wir eigentlich noch nicht gewachsen sind. Um dann hinterher heilfroh und voller Erleichterung festzustellen, diese Nummer an einem Stück überstanden zu haben. Halt, stop, nein. Ich meine natürlich: heilfroh, dass wir ehrlich zu uns selbst und unseren Tourenpartnern waren, unsere Bedenken rechtzeitig und deutlich geäußert und den Abbruch der verantwortungslosen Aktion bewirkt haben :-)

Braucht es extra Ausrüstung und wenn ja welche?

  • Das Wichtigste ist festes Schuhwerk mit festen Sohlen. Es ist unverzichtbar, denn mit weichen Halbschuhen ist es nicht möglich, Tritte und Stufen in den Schnee einzukerben.
  • Gerne vergessen werden die Handschuhe, die in den harten und scharfkantigen Körnern von Firn und Altschnee die Hände vor Verletzungen schützen.
  • Stöcke mit breiten Tellern können eine Hilfe fürs Gleichgewicht sein, einen eventuellen Sturz bremsen sie jedoch nicht.
  • Gamaschen sind eine wertvolle Ergänzung, wenn mit viel weichem Schnee zu rechnen ist. Sie verhindern nasse Füße, die kalt werden und die Entstehung von Blasen beschleunigen.
  • Spikes sind „Schneeketten“, die im Gegensatz zu Grödeln und Steigeisen auch über weichere Schuhe gestreift werden können. Sie dringen nicht so gut in hartes Eis ein wie Grödeln, sind dafür aber schnell angelegt, kosten wenig und wiegen wenig.
  • Grödeln sind „abgespeckte“ Steigeisen mit normalerweise sechs Zacken untern dem Mittelfuß. Sie sorgen auch auf hartem Eis für sicheren Halt, taugen allerdings für steile Hänge nur sehr bedingt.
  • Steigeisen sind das Mittel der Wahl, wenn es für Spikes und Grödeln zu steil und zu hart zugeht. Sie sind dafür schwerer, umständlicher in der Handhabung und teurer als die Vorgenannten.

Bei ausgedehnten Passagen von steilen und harten Schneefeldern kann zusätzlich ein Eispickel notwendig werden. Oder man hat nur einen Eispickel dabei, um mit dessen Schaufel Stufen ins Altschneefeld zu schlagen. Während diese Methode heutzutage nur noch als Notlösung für kurze Passagen dient, durchstieg man mit ihr bis zur Erfindung brauchbarer Steigeisen ganze Eiswände. Legendäres Beispiel hierfür ist die Erstbesteigung der 600 Meter hohen Pallavicinirinne am Großglockner.

Bei dieser Unternehmung am 18. August 1876 wurde Alfred Markgraf von Pallavicini „von den drei Bergführern Johann Kramser, Georg Bäuerle und Josef Tribusser begleitet. Da der Gebrauch von Eishaken erst 1924 durch Willo Welzenbach eingeführt wurde, mussten die Bergführer beim Aufstieg durch die Rinne 2500 Stufen mit dem Eispickel ins Eis schlagen.“

Heute lassen es die meisten Bergfreunde gemütlicher angehen und bei reinen Wanderungen gehören Pickel und Steigeisen ohnehin nicht zum Repertoire. Sie bringen auch nur so viel Mehrwert, wie ihre richtige Verwendung eingeübt ist. Womit wir wieder beim Aspekt Vorausplanung wären.

Denn wenn die stimmt und zum Können aller Tourenteilnehmer passt, wird man auch in den meisten „Altschneefeldsituationen“ die passende Ausrüstung dabei haben. Ansonsten gilt: je weniger man planen will und je mehr Möglichkeiten man offen halten will, desto mehr Ausrüstung wird man mitnehmen müssen. Es sei denn man ist jederzeit bereit, in zweifelhaften Situationen umzukehren.

Bei größeren Gruppen und ausgedehnten Touren kann auch ein Seil sinnvoll sein, dass man zur Querung von Altschneefeldern als Geländerseil fixiert. Das entsprechende Extramaterial wiegt einiges, kann aber auf die Gruppe verteilt werden.

Wie begeht man Altschneefelder – die Techniken

Bei kurzen Querungen kleiner Schneerinnen braucht es „nur“ die richtige Fortbewegung. Man kann dann mit den stabilen Bergschuhen Tritte in den Schnee kerben. Das macht man durch pendelnde Bewegungen der Unterschenkel – entweder seitlich querend mit dem Innen- und Außenrist oder frontal mit der Zehenbox. Womöglich muss man mehrfach treten, bis die Trittfläche groß genug für sicheren Halt ist. Idealerweise ist sie ein klein wenig in den Hang hinein geneigt, um die Gefahr des Abrutschens zu verringern. Die Neigung sollte aber auch nicht zu stark sein, sonst kann der Tritt einbrechen.

Bei längeren Passagen ist zusätzlich etwas Strategie gefragt. Hier soll man laut Outdoor-Magazin zunächst den Wegverlauf prüfen: „Können Sie am anderen Ende des Schneefelds den Weiterweg ausmachen, versuchen Sie möglichst ohne Höhenverluste oder Umwege darauf zuzusteuern. Sehen Sie Trittspuren im Schnee, sollten Sie ihnen nicht blind folgen, sondern stets mit dem anvisierten Weiterweg oder der vermuteten Richtung abgleichen. Nicht selten führen Spuren in die Irre, etwa zu einem Jägerstand oder zu einer Privathütte. Sehen Sie weder Weiterweg noch Spur oder Markierung, schafft nur ein Blick in die Wanderkarte Klarheit.

Auf dem Schneefeld soll man dann ein gleichmäßiges, langsames Tempo einschlagen, „bei dem die Trekking­stöcke den Vortrieb spürbar unterstützen. Bei weichem Schnee vorhandene Spuren ausnutzen, bei festem geht es sich neben der Spur oft besser. Wird‘s steil, Steigeisen oder Grödel anlegen und den hangseitigen Stock gegen den Pickel tauschen.“

Beim Einsatz des Pickels sollte man einen gleichmäßigen Rhythmus finden, am besten in der Abfolge „Schritt – Schritt – Pickel setzen, Schritt – Schritt – Pickel setzen“. Man ist dann zwar langsamer als wenn man den Pickel während des Gehens setzt, doch im Zweifel ist Kontrolle wichtiger als Geschwindigkeit.

Ein Seil kann wie oben erwähnt größeren Gruppen bei der Überwindung schwieriger Passagen helfen – vor allem bei unterschiedlich leistungsfähigen Teilnehmern. Es muss an soliden Fixpunkten verankert werden. Meist sollte es reichen, wenn das Seil zum Festhalten dient. Das Einhängen mit Gurt ist für eine kurze Einzelstelle ein recht hoher und nur selten verhältnismäßiger Aufwand.

Es ist doch passiert. Welche Techniken stoppen den Sturz?

Bei einem Ausrutscher gilt es, sich sofort in die Bauchlage zu drehen und mit den abgespreizten Armen und Beinen zu bremsen, bevor die Geschwindigkeit so groß ist, dass sie nicht mehr kontrolliert werden kann. Diese Reaktion sollte idealerweise durch Training zum Reflex gemacht werden – vor allem wenn man beabsichtigt, öfter in steilem Gelände unterwegs zu sein. In Kursen für Hochtouren werden die Bremstechniken an relativ weichen und flachen Schneehängen eingeübt.

Trägt man allerdings Steigeisen, führt diese Reaktion zu einem unkontrollierten Überschlag. In dem Falle rammt man also nicht die Füße in den Schnee, sondern die Knie. Und hofft, dass sie nicht zu arg ramponiert werden.

Idealerweise kommen diese Techniken nie zum Einsatz. Besser man bricht die Tour ab, bevor Zweifel und Unsicherheiten mitten auf dem harten Schneefeld aufkommen. So ein Stopp muss ja nicht zwingend der vollständige Abbruch der Tour sein. Oft ergibt sich noch eine Umgehungsmöglichkeit, eine Alternativroute oder man kann sich ein Trostpflaster in Form eines Nebengipfels gönnen. Richtig befriedigend ist das selten, doch dafür kommt man nach einem schönen Tag in den Bergen wohlbehalten unten an.

Die „Big 5“ für die allgemeine Fitness – (Fast) Ohne Zubehör

12. Mai 2021
Tipps und Tricks

Du möchtest in den eigenen vier Wänden trainieren, hast aber keinerlei Trainingsequipment zur Hand? Das ist weder ein Grund zum Verzweifeln noch eine Ausrede. Denn es gibt einige Möglichkeiten auch ohne Geräte deinen Körper ganzheitlich zu trainieren und richtig fit zu werden.

In diesem Artikel werden dir Übungen vorgestellt, mit denen du eine solide Grundlagenfitness aufbauen und erhalten kannst, vom Trainingseinsteiger bis zum erfahrenen Athleten. Viele dieser Übungen sind ohne Geräte oder mit Alltagsdingen durchführbar. Mit den hier vorgestellten Steigerungsformen findest du ausreichend Schwierigkeit, um die für dich die passende Herausforderung zu finden. 

Die allgemeine Fitness, die du dabei aufbauen kannst. wirkt sich unabhängig der Sportart positiv auf deine Leistungsfähigkeit aus und ist definitiv eine vorbeugende Maßnahme gegen Verletzungen. Sei es durch die Zunahme der Belastungsfähigkeit oder als Ausgleich zu einseitigen Belastungen. Zudem hat sie bis zu einem bestimmten Maß auch eine gesundheitsfördernde Wirkung. Los geht’s!

Aller Anfang ist schwer, wie setze ich die richtige Steigerung?

Die hier vorgestellten Übungen sind scheinbar einfach, aber das kann täuschen. Sie benötigen ein gutes Körpergefühl und das Bewusstsein für die richtig aufeinander aufbauenden Trainingsschritte. Jeder noch so kleine Schritt bedeutet hier einen Trainingserfolg und mit dem Meistern jeder Übungsstufe darfst du stolz auf deine Leistung sein!

In diesem Artikel wird dir erklärt, warum die jeweilige Übung hilfreich ist und wie eine sinnvolle Steigerung aussehen kann. Bedenke mit jeder neuen Steigerung, dass du quasi wieder ein „Anfänger“ bist. Wie weit du in der Steigerung nach oben gehen möchtest, liegt in deinem Ermessen. Unabhängig davon solltest du auf die folgenden Punkte achten:

  • Während des Trainings: Körperhaltungen sind meistens noch zu schwierig, wenn du bei Übungen die Technikvorgaben nicht einhalten kannst. Achte darauf und versuche bei einem Defizit zuerst die vorhergehende Stufe zu meistern.
  • Trainingsverlauf: Hast du Schmerzen in den Gelenken oder am Muskel-/Sehnenapparat (wie etwa angehende Entzündungen), solltest du genauer hinschauen, ob du die Technikanforderungen wirklich einhältst. Manchmal schleichen sich Fehler ein und bleiben erhalten. Zur Technikkontrolle sind ein Spiegel, Körpergefühl oder ein Trainingspartner eine gute Hilfe.

Perfekte Technik = Technikleitbild + individuelle Voraussetzungen 

Unabhängig der Übungen gehen viele Sportler von einer perfekten Übungsausführung aus. Diese Existiert im Lehrbuch, doch sollte immer auch die eigene Konstitution (Körperbau, Verletzungsvorgeschichte und Ähnliches) miteinbezogen werden. Aufgrund dieser Unterschiede kann nicht immer eine Ausführung nach Lehrbuch durchgeführt werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Übung für dich nicht möglich ist. Führe die Übungen so nah wie möglich am Technikleitbild aus und „höre“ darauf was dir dein Körper sagt. Wie fühlt sich die Durchführung an? Zwickt etwas? Frage eventuell einen Physiotherapeuten was du ändern kannst, damit die Übung in Anbetracht deiner Verletzungen durchgeführt werden kann. 

Ganz allgemein bedeutet das, dass du Winkel und Positionen, die sich merkwürdig anfühlen oder Schmerzen verursachen meiden solltest. Führe die Übungen immer mit einer gewissen Grundkörperspannung aus, die Muskeln dürfen arbeiten. Schmerzen in den Gelenken und an den Muskelansätzen sind dagegen Vorboten einer möglichen Verletzung. Achte auf die angemessene Ausführung, Wiederholungszahl und Regenerationszeit.

  1. Allgemeine Ausdauer

Im alltäglichen Verständnis wird die Ausdauer als Widerstandsfähigkeit gegen Ermüdung gesehen. Doch Ausdauer bedeutet nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch Erholungsfähigkeit in den Pausen und zwischen den einzelnen Trainingstagen. Beide Faktoren, Ermüdungswiderstand und Erholung, ermöglichen dir eine intensivere Trainingsgestaltung und damit eine langanhaltende Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei der Sportausübung.

Um deine Ausdauer zu verbessern, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, darunter auch sehr komplexe Konzepte. Die beiden hier vorgestellten Varianten zählen mit zu den einfacher durchführbaren. Die Dauermethode ist für diejenigen, die gerne etwas länger und gemütlich unterwegs sind, und die hochintensive Intervallmethode ist für „leidensfähige Zeitsparer“.

Dauermethode

Nach diesem Prinzip läufst du über einen längeren Zeitraum bei einer geringen bis mittleren Intensität. Diese Intensität kann recht gut über Multifunktionsuhren mit Herzfrequenzmessung bestimmt werden und ist grob über dein eigenes Empfinden steuerbar. Führe den Sport so aus, dass du noch in der Lage bist dich mit jemandem zu unterhalten. Hast du einen Herzfrequenzmesser? Dann gilt für dich als Anfänger bei etwa 55 – 65 % der maximalen Herzfrequenz zu laufen und als Fortgeschrittener bei etwa 65 – 75 % der maximalen Herzfrequenz. Daumenregel für die maximale Herzfrequenz ist 220 minus Lebensalter.

Wie lange sollte ich mich mindestens Bewegen?

  • Laufen ca. 30 – 45 Minuten
  • Radfahren ca. 1-2 Stunden

Intervallmethode

Hier kommst du deutlich außer Atem! Die Intervallmethode besteht aus einem geplanten Wechsel zwischen Belastungs- und Erholungsphasen bei Übungen mit einer hohen bis sehr hohen Intensität. Dabei werden die Pausenzeiten so kurz gehalten, dass du danach immer noch spürbar ermüdet bist. Aufgrund dieser sehr hohen Intensität solltest du zu beginn erst langsam in das Training starten, es nicht zu häufig durchführen und evtl. erstmal mit einer für dich einfacheren Übungsvarianten beginnen.

Das hier vorgestellte Intervalltraining nennt sich Hochintensives Intervalltraining, kurz HIIT, und kennzeichnet sich durch sehr kurze, sehr intensive Belastungszeiten und unvollständige Pausen. Vorteil dieses Training insgesamt sehr kurz aber auch sehr sehr ermüdend.

Suche dir eine Übung, die möglichst den gesamten Körper beansprucht. Dabei entsteht die Intensität besonders durch die möglichst schnelle Ausführung. Beispielübungen sind, in aufsteigender Intensität, der Hampelmann, Mountainclimbers, gesprungene Ausfallschritte, kurze Sprints und Burpees.

  • 4-Minuten-Workout:
    • Extreme Belastung 10 Sek / Pause 20 Sek / 8 Wiederholungen
      • Anfänger: über 85 % der maximalen Herzfrequenz
      • Fortgeschrittene: über 90 % der maximalen Herzfrequenz
  • 15-Minuten-Workout: 
    • Hohe Belastung 1 Min / Pause 30 Sek / 10 Wiederholungen
      • Anfänger: 75 – 85 % der maximalen Herzfrequenz
      • Fortgeschrittene: 85 – 90 % der maximalen Herzfrequenz

Allgemeines Krafttraining

Die hier vorgestellten Kraftübungen sind freie Grundlagenübungen mit Steigerungsformen bis in den höchsten Schwierigkeitsgrad. Da über jede der einzelnen Übungen ein ganzes Buch geschrieben werden könnte, wird hier lediglich auf die wichtigsten Grundlagen und kleine Anatomiehintergründe der einzelnen Übungen eingegangen. Es empfiehlt sich, sich für die intensiven Steigerungsformen nochmals genauer zu informieren.

Damit die Muskulatur und der passive Bewegungsapparat entsprechend beansprucht werden, muss ein ausreichender Trainingsreiz gesetzt werden. Diesen erreichst du im Bereich von 8 bis 12 Wiederholungen. Dabei sollten die letzten zwei bis drei Ausführungen sehr anstrengend sein. Wenn das der Fall ist, hast du die richtige Übungsstufe für dich gefunden. Ausnahme bildet der normale Handstand, bei dem es primär darum geht, diesen stabil zu halten. Mit steigender Trainingserfahrung kannst du dich auf die hochintensiven Übungsstufen konzentrieren und dich hier mit einer Wiederholungszahl von 3 bis 5 versuchen.

2. Kniebeuge

Viele Sportler fokussieren ihr Training stark auf den Oberkörper. Auch Kinder lernen früh die Arme in Bodybuilder-Manier anzuspannen, um zu zeigen wie stark sie sind. So wichtig das Symbol der Kraft auch ist, selbst bei oberkörperbetonten Sportarten bilden die Beine ein wichtiges Kraftfundament. Ohne Beineinsatz sind viele Bewegungen deutlich weniger kräftig und einige fast unmöglich oder deutlich schwächer. Ein gutes Beispiel ist der Boxschlag. Allein durch die Beinstreckung und Hüftdrehung kann solch eine Kraft generiert werden, die von der Rumpfmuskulatur auf den Arm übertragen wird, um dort an einem Punkt (Dem Kinn des Gegners) den gesamten Kraftimpuls zu entladen. Auch beim Klettern ist erkennbar, wie die Athleten viele Kletterbewegungen in ähnlicher Manier aus den Beinen über die Hüfte einleiten, um den nächsten Griff zu erreichen. Die Beine bilden ein wichtiges Fundament in vielen Sportarten und können über die verschiedene Kniebeuge-Variationen trainiert werden.

Bei der Kniebeuge werden die drei wichtigen Gelenke der unteren Körperhälfte bewegt: Hüfte, Knie und Knöchel. Die aktiven Muskeln bei der Hüftbeugung sind hauptsächlich die Gesäßmuskeln (M. gluteus maximus, m. gluteus minimus und m. gluteus medius), aber auch einige kleinere Muskeln (m. tensor faciae latae, m. piriformis). Je tiefer die Kniebeuge ausgeführt wird, umso größer ist auch die Aktivität des Muskelkorsetts der Bauchmuskulatur. In gleicher Weise beeinflusst die Tiefe der Kniebeuge die Aktivität der Oberschenkelmuskulatur, besonders der vier Anteile des vorne liegenden Quatriceps des Oberschenkels werden stärker angesprochen. Wenn es dir möglich ist, solltest du die Kniebeuge entsprechend über den vollen Bewegungsradius ausführen. Doch nicht nur die Vorderseite kommt auf ihre Kosten. Aufgrund des „Lombard-Paradoxon“ kommt es bei der Kniebeuge auch zu einer gleichzeitigen Anspannung des Antagonisten, sprich der hinteren Beinmuskulatur (Ischiocurale Muskulatur). So werden alleine mit der Kniebeuge alle großen Muskeln der Beinmuskulatur trainiert, aufgrund der Beugung im Fußgelenk auch die Muskulatur im Unterschenkel. Vorteil der Kniebeuge ist, dass hier alle beteiligten Muskeln (synergetisch) zusammenarbeiten und so nicht nur lokal die einzelnen Muskelphysiologie trainiert wird, sondern auch die sogenannte intermuskuläre Koordination. Bei der einbeinigen Kniebeuge kommt dann noch die posturale Kontrolle ins Spiel, was ein Training des Gleichgewichtssinns bedeutet.

Technikleitbild für Kniebeuge

Die wohl einfachste Bewegung, die wir kennen, beim Hinsetzten und Aufstehen machen wir quasi täglich. Sobald man dann ins Training geht, stellt sich dann meist eine ganz große Frage: Ist die Kniebeuge schlecht für das Knie? Wie führt man Kniebeugen richtig durch? 

Damit die erste Frage schnell beantwortet wird: Die tiefe Kniebeuge ist mit einer richtigen Ausführung und stufenweisen Steigerung der Trainingsbelastung ist sogar als Übung zur Verletzungsvorsorge anzusehen. Zusätzlich ist für die Durchführung der tiefen Kniebeuge eine sehr gute Beweglichkeit in der Hüfte und im Sprunggelenk notwendig. So gewinnst du auf dem Weg zum vollen Bewegungsumfang auch an Beweglichkeit. Zur Beantwortung der zweiten Frage stehen die folgenden Stichpunkte:

 

  • Leichte Außenrotation der Füße bei etwa hüftbreitem Stand (Standbreite darf variieren)
  • Konzentration auf 3 Punkte der Füße (Großzeh, Ferse und Außenkante)
  • Wie ein Hinsetzten auf den Melkschemel auf der Alm ;)
  • Aktives nach außen Rotieren der Knie
  • Oberkörper macht eine „stolze“ Brust und Bauchmuskulatur ist angespannt, Blick nach vorn
  • Eher in „Hohlkreuzstellung“ als Rundung im unteren Rücken (Beweglichkeitsabhängig)
  • Fersen bleiben auf dem Boden (beweglichkeitsabhängig)
    • Gehe nur so weit nach unten, wie du kannst, ohne die Fersen zu heben. Dehne lieber die Waden, um an Beweglichkeit im Fußgelenk zu gewinnen.
  • Gleichbleibendes, „langsames“ kontrolliertes Absenken und Aufrichten (2-3 Sekunden)
  • Die Tiefe der Kniebeuge und die Standbreite bestimmen, welche Muskeln trainiert werden.
    • Je tiefer durchgeführt, umso mehr Muskeln werden angesprochen. Eine vollständige Kniebeuge ist von der stehenden Position aus bis nach unten, so dass sich Ober- und Unterschenkel berühren und wieder zurück nach oben.
  • Vermeide beim Hochgehen ein nach vorne Schwingen des Oberkörpers, lass deine Muskeln arbeiten, sie willst du ja auch trainieren. Wenn das nicht gelingt, ist diese Übung noch nichts für dich.
  • Die Arme nach vorne zu strecken hilft dabei das Gleichgewicht zu halten: So verlagert sich dein Körpergewicht nach vorne und hilft dabei nicht nach hinten zu kippen. Einige legen die Hände auf die Hüften oder Schultern oder kreuzen die Arme vor der Brust.

Steigerungsformen für die Kniebeuge

  1. Halbe Kniebeuge gestützt
  2. Halbe Kniebeuge
  3. Vollständige Kniebeuge
  4. Kniebeuge im engen Stand (Fußgelenke berühren sich)
  5. Ungleiche Kniebeuge
  6. Einbeinige Kniebeuge

3. Klimmzüge

Mit Klimmzügen trainierst du die vielen großen und kleinen Muskeln des Rückens, der Schulter und der Arme. Am stärksten profitiert dabei der große Rückenmuskel (M. latissimus dorsi), der von den Achseln ausgehend über die Rippen nach unten an die Wirbelsäule und Hüfte ansetzt. Gleichzeitig werden beim Festhalten an der Stange oder am Türrahmen die Muskeln des Unterarms und damit die Griffkraft trainiert. Mit der Beugung des Ellenbogens und der Schulterbewegung ist der Klimmzug auch für den Bizeps von hohem Wert, der diese beiden Gelenke verbindet. Noch nicht genug? Durch die stabilisierende Anspannung der Bauch- und Hüftmuskulatur werden auch diese mit dem Klimmzug trainiert.

Technikleitbild für Klimmzüge

Position Oben

Es empfiehlt sich den Klimmzug klassisch nur bis zum Kinn zu machen, wer sich noch weiter hochzieht, zieht sich in eine eher instabile Position. Wenn der Brustkorb oder sogar das Brustbein die Stange berühren, werden die großen Rückenmuskeln nicht mehr genutzt und dein gesamtes Körpergewicht muss von den kleinen schwacheren Muskeln der Rotatorenmanschette und zwischen den Schulterblättern übernommen werden. Auf diese Weise kann sich das Verletzungspotential erhöhen. 

Position Unten

In der unteren Position der Klimmzüge ist keine Position zum Entspannen geeignet, denn so tragen nicht mehr die Muskeln das Körpergewicht, sondern die Bänder, Sehnen und die Kapsel. Diese Position gilt es beim Training zu vermeiden, sie stellt eine verletzungsprovozierende Haltung dar. Vermeiden kannst du diese ungesunde Position, indem du deine Ellbogen in der unteren Position leicht anwinkelst, leicht nach vorne rotierst und die Schultern anspannst.

Das Schultergelenk

Die Beschreibung der unteren Position des Klimmzugs gilt auch für alle anderen hängenden Übungen. Dies dient vor allem dem Schutz der Schulter vor Verletzungen. Dieses Gelenk erlaubt uns aufgrund seiner Anatomie viel Bewegungsfreiraum, ist aber genau deshalb auch besonders fragil. Ein Anspannen der Muskeln führt zu einer Stabilisierung des Schultergelenks, mehr dazu findest du hier.

Griffposition

Es existieren beim Klimmzug an der Stange/Türrahmen zwei verschiedene Grifftypen, der Obergriff und der Untergriff. Beim Obergriff sind die Fingerknöchel zu dir zugewandt (Pronation der Hand) und beim Untergriff ist die Handfläche dir zugewandt (Supination der Hand). Diese Handhaltung bestimmt, welche Muskeln etwas stärker trainiert werden. Bei der Pronation ist es verstärkt die Rückenmuskulatur und bei der Supination wird der Bizeps etwas stärker beansprucht. Bei den Einstiegsübungen ist die Griffvariation noch nicht so entscheidend, und darf variiert werden. Jedoch bei breit ausgeführten Klimmzügen ist die pronierte Variante zu bevorzugen und bei schwierigeren Varianten die supinierte. Bei der Verwendung von Ringen ist sogar ein Wechsel von der Griffhaltung während der Ausführung möglich. Für Klimmzüge an stabilen Türrahmen oder Türen ist nur der Obergriff möglich.

Bewegungsgeschwindigkeit

Ziel dieses Trainings soll primär die Verbesserung der Kraftfähigkeit sein, weshalb Klimmzüge nicht mit Schwung ausgeführt werden sollen. Aber wenn die Kraft nicht ausreicht versucht man mit den Knien Schwung zu holen. An diesem Punkt solltest du eher versuchen die vorhergehende Schwierigkeitsstufe zu meistern.

Steigerungsformen

  1. Unterstützte Klimmzüge, mit Füßen auf einem Stuhl
  2. Halbe Klimmzüge
  3. Vollständiger Klimmzug
  4. Enger Klimmzug
  5. Ungleicher Klimmzug
  6. Einarmig Hängen
  7. Unterstützter einarmiger Klimmzug
  8. Halber einarmiger Klimmzug
  9. Einarmiger Klimmzug

4. Liegestütze

Mit Liegestützen trainierst du alle drückenden Muskeln des Oberkörpers und setzt die Rumpf-  und Beinmuskulatur ein. Zu den hauptsächlich trainierten Muskeln gehören die Brustmuskulatur (M. pectoralis minor und m. pectoralis major) und der Trizeps (M. triceps brachii). Gleichzeitig sind Bauch-, Hüft- und Beinmuskulatur isometrisch angespannt, um den Körper zu stabilisieren. Je nach Liegestützvariante werden die Muskeln unterschiedlich stark angesprochen. Zum Beispiel fokussiert eine engere Handhaltung den Triceps stärker und die weite Ausführung die Brustmuskulatur. Im gleichen Maße beeinflusst die Beinstellung, wie sehr die Bauchmuskulatur beansprucht wird, je enger umso mehr muss die Bauchmuskulatur stabilisieren. Besonders bei der einarmigen oder einbeinigen Ausführung wird die Muskulatur deutlich stärker zur Stabilisierung eingesetzt.

Die hier vorgestellten Übungen fokussieren nicht nur die Oberkörpermuskulatur, sondern ein harmonisches Zusammenspiel aller beteiligten Muskelgruppen. Jede der Progressionen ist etwas schwieriger, wobei die ersteren Versionen dir leicht fallen können. Doch es ist nicht nur wichtig ein Technikleitbild nach den sichtbaren Kriterien, sondern auch mit dem nötigen Maß der Körperspannung und Konzentration auszuführen. So wird der Liegestütz deutlich anspruchsvoller, wenn du dich bei der Ausführung auf das aktive Anspannen der Bein- und Rumpfmuskulatur konzentrierst. Am besten gehst du währenddessen gedanklich diese Checkliste durch: „Bauch anspannen, A… Gesäß anspannen, Spannung im Oberschenkel, stabile Schultern“. So lernst du dich nicht nur auf die sichtbare Bewegung zu konzentrieren, sondern auch auf die Koordination der stabilisierenden Muskelgruppen. Das kann zwar dazu führen, dass du einen Schritt in der Schwierigkeitsskala zurück machen muss, bringt dir aber einen effektiveren Trainingserfolg, als du denkst.

Technikleitbild für Liegestütze

  • Oberkörper, Hüften und Beine bilden eine Linie. Fehlerbild: Wenn bei dem Liegestütz der Hintern hochgestreckt wird, ist die Körpermitte (Core) zu schwach, um den Körper gerade zu halten. Nutze eine vorhergehende Stufe.
  • Halten die Beine, wenn möglich, zusammen, damit der Rumpf stabilisierend arbeiten muss.
  • Die Arme sollten auf dem höchsten Punkt des Hochstemmens gerade sein. Aber überstrecke deinen Ellbogen nicht, sondern lasse ihn leicht gebeugt.
  • Gleichmäßige und ruhige Atmung. Atme beim Drücken aus und beim Ablassen ein.
  • Die Ausführungsgeschwindigkeit kann variiert werden, um Abwechslung in das Training zu bringen, doch hohe Geschwindigkeiten bringen auch ein höheres Verletzungsrisiko. Richtwert ist 2 Sek runter, 1 Sek halten, 2 Sek drücken. Aber zu viel Schwung entlastet die Muskeln. Das bedeutet: keine Spannung und damit auch kein Trainingsreiz (Ausnahme ist Ziel der Schnellkraft).
  • Bonus: Liegestütze auf den Fingerspitzen sind eine gute Übung für die Antagonisten der Finger und damit sehr interessant für Kletterer. Beginne hier zur Eingewöhnung bei Schritt 1 oder 2 der Liegestütze auf den Fingerspitzen und steigere dich langsam, auch wenn du bereits weiter bist.

Steigerungsformen von richtig einfach zu richtig schwierig 

Für einen guten Krafttrainingsreiz ist die richtige Steigerungsform für Liegestütze nicht mehr Wiederholungen, sondern eine anspruchsvollere Ausführung. Hier gibt es garantiert für jeden eine sinnvolle Variante, die er durchführen kann und eine entsprechende aufbauende Steigerungsform, mit der er langfristig an die eigene Leistungsgrenze kommen kann. Schritt für Schritt ist die Devise – und dann klappt vielleicht sogar mal der berühmte einarmige Liegestütz.

  1. Liegestütze an der Wand
  2. Erhöhte Liegestütze mit Händen auf einem Tisch
  3. Halbe Liegestütz
  4. Vollständiger Liegestütz
  5. Enger Liegestütz
  6. Liegestütz mit ungleich platzierten Armen
  7. Einarmiger Liegestütz

5. Der Handstand

Die beim Handstand angesprochene „kleine“ Schultermuskulatur legt sich schützend um unser hochbewegliches Schultergelenk herum. Dieses Gelenk erlaubt viele Bewegungen und muss deshalb aber auch an Stabilität einbüßen. Für die Führung des Schultergelenks sind also besonders vier kleine Muskeln zuständig, die den Gelenkkopf in der Gelenkpfanne halten. Diese bilden die dir vielleicht schon bekannte Rotatorenmanschette. Eine Muskelgruppe, bestehend aus vier Muskeln (M. supraspinatus, m. subscapularis, m. teres minor und m. infraspinatus), mit der Aufgabe die Schulter gegen äußere auftretende Kräfte und innere muskuläre Kräfte nach vorne und hinten zu stabilisieren.  Ein weiterer Bestandteil der Schultermuskulatur sind der Deltamuskel, der Latissimus, Teres major, Trapezmuskel und die Brustmuskeln, sie sind für die meisten großen Armbewegungen verantwortlich.

Die Kraftfähigkeit der Rotatorenmanschette gegenüber der großen Schultermuskeln ist vergleichsweise gering und kann nicht so große Lasten aufnehmen. Deshalb kann es bei motivierten Sportlern schneller zu einer Reizung der Rotatorenmanschette kommen. Bei bestimmten Bewegungswinkeln müssen sie eine hohe Last abnehmen, da die großen Muskeln in diesem Bewegungsraum nicht mehr so viel leisten. Aufgrund der Schulteranatomie ist es besonders wichtig auf Schmerzreaktionen zu achten. 

Handstand und Handstand-Liegestütz sind in ihrer Natur „gesunde“ Übungen für die Schultermuskulatur, nicht ohne Grund tanzt Alexander Megos (von ausgebildeten Trainern angeleitet) ständig im Handstand herum. Man nimmt bei der Ausführung eine intuitiv schonende Haltung. Zudem sind Ausführungsvarianten, die man noch nicht beherrscht, von den Kraftfähigkeiten nur selten möglich. So ist bei Personen ohne vorhergehende Schulterverletzungen eine Überforderung des Schultergelenks beinahe ausgeschlossen. Mit der richtigen Trainingsdosis und -steigerung kannst du deine Schultermuskulatur, den Sehnen-/Bandapperat an diese Übung gewöhnen, stärken und das Schultergelenk stabilisieren. Eine Abhilfe für ein muskuläres Ungleichgewicht können spezifische Übungen für die Schultermuskulatur bilden

Zusätzlich zum muskulären Training fördert diese komplexe Übung die Körperbeherrschung. Du kannst und musst dich über einen langen Zeitraum an diese Übung herantasten. Einen sauberen Handstand kann man nicht einfach so, man verdient ihn sich.

Technikleitbild Handstand und Handstandliegestütz

Zu Beginn solltest du dich erstmal an die Kopfüberhaltung gewöhnen. Im zweiten Schritt geht es an die Kraftfähigkeit und das Gleichgewichtsgefühl im Handstand. Durch die stufenweise Steigerung werden auch die Muskeln und Sehnen auf die schwierigeren Übungen vorbereitet. Doch bevor du in die Richtung des Handstandliegestütz gehen möchtest, solltest du den engen Liegestütz und ungleichen Liegestütz (oben beschrieben) sicher beherrschen. Das garantiert, dass du von den Unterarmen bis zur Rotatorenmanschette für diese Übung vorbereitet bist.

Steigerungsformen für den Handstand

Im ersten Schritt gewöhnst du deinen Körper und dein Gehirn an das Kopfüberstehen und findest deine Balance im Handstand. Hier lernst du auch den Beinschwung und das sichere wieder Herunterkommen. Anschließend geht es schrittweise in den freien Handstand und wenn du magst, bis zur Handstandliegestütz.

Handstand an der Wand

  • Um die Beine nach oben zu schwingen, solltest du deine Hände etwa 20cm vor einer Wand platzieren. Platziere deine Hände dabei ungefähr schulterbreit.
  • Beginne mit den Fersen an der Wand und versuche deinen Körper komplett zu strecken, als würdest du mit den Zehen die Decke berühren wollen.
  • Mit der Zeit wirst du die Wand nur leicht berühren, um das Gleichgewicht halten können. Allmählich solltest du versuchen, weniger Druck einzusetzen, um damit auf die freistehenden Handstand-Liegestütze zuzugehen. 
  • Wenn du dein Körpergefühl gefunden hast, kannst du versuchen dich mit den Füßen leicht von der Wand wegzustoßen, um den Handstand frei zu halten.

Handstand-Liegestütz

  • Beim Handstand-Liegestütz werden die Ellbogen entweder gerade vor der Brust oder aber diagonal nach außen geführt. Beides ist in Ordnung, bei den Handstandliegestütze an der Wand sind sie eher nach außen geneigt.
  • Anfangs wirst du dazu neigen, mit dem Rücken gegen die Wand zu lehnen. Doch das kann zu einer schhlechten Angewohnheit werden. Versuche nur mit deinen Fersen die Wand berühren. Wenn du die obigen Punkte beachtest und deine Hände einen kleinen Abstand zur Wand halten, nehmen die Fersen automatisch Kontakt mit der Wand auf. 
  • Mit der Zeit sollten deine Füße die Wand nur leicht und punktuell berühren, gerade so viel, dass du das Gleichgewicht halten kannst. Indem du allmählich versuchst weniger Druck einzusetzen, bewegst du dich ohne auf die freistehenden Handstand-Liegestütze zu. 
  • Handstand-Liegestütze können entweder mit dem Rücken an der Wand oder frei ausgeführt werden. Auch wenn du die freie Version ausführen möchtest, solltest du erste Schritte an der Wand durchführen. Nur so entwickelst du genügend Kraft, die hier nötig ist.

In diesem Artikel hast du die fünf großen Übungen für die allgemeine Fitness, inklusive der Steigerungsformen, kennengelernt. Damit kannst du dein Klettertraining erweitern, ausgleichen oder auch in mauen Kletterphasen dein Leistungsniveau halten. Falls es dir (verständlicherweise) an Motivation fehlt, kannst du dich hier informieren, wie du sie am besten wieder findest. Viel Spaß beim fit werden und bleiben.

Hanf in Outdoor- und Funktionsbekleidung

7. Mai 2021
Ausrüstung

Die wetterfeste Regenjacke aus Hanf-Laminat ist bisher noch nicht auf dem Markt. Das Sortiment an Hanfprodukten und Hanfbekleidung wächst aber beständig. Vom T-Shirt, über Socken, zu Unterhemden und Kletterhosen – immer mehr Hanf erobert sich seinen Platz in unserem täglichen Leben zurück. Und wenn manch einer jetzt an Sprüche denkt, wie: „Hanf allein macht nicht glücklich… man muss ihn schon rauchen.“, dem sei gesagt: Hanf trägt mit vielen Eigenschaften zum persönlichen Glück bei – zum Beispiel durch weiche und temperaturregulierende Funktionsbekleidung, die keine Gerüche annimmt und sehr pflegeleicht ist…

Hanf historisch

Im Nahen und Fernen Osten wurde Hanf nachweislich schon vor 12000 Jahren angebaut. Sehr wahrscheinlich nutzten Menschen die vielseitige Pflanze sogar noch etliche Jahre früher. Hanfsamen dienten schon damals als Nahrungsmittel und wurden als eine Arte Getreide angebaut und entweder roh oder in Form von Gebäck aus Hanfmehl verzehrt. Auch die Herstellung von Bekleidung aus Hanffasern, sowie die Papierherstellung aus Hanf, sind bereits im alten China nachgewiesen.

Als Rohstoff für die Papierherstellung fand die Hanfpflanze viele Jahrhunderte später ihren Weg nach Europa. Ab dem 13. Jahrhundert wurde Hanf in Europa angebaut. Die erste Bibel, die Gutenberg 1455 mit seinem neu erfundenen Druckverfahren herstellte, war auf Hanfpapier gedruckt. Auch die Schiffstaue, mit denen Kolumbus Richtung Indien segelte, um dann in Mittelamerika zu landen, wurden aus Hanf gedreht. Mit der Verfassung von Amerika – die natürlich auf Hanfpapier geschrieben wurde – oder der ersten Jeans, die Levi Strauss 1870 aus Hanffasern fertigte, ließe sich die schier unendliche Aufzählung beliebig fortsetzen…

Hanf als Heilpflanze

Auch wenn Hanf von manchen Menschen nur auf seinen kleinen THC-Anteil reduziert wird, der vor allem die Hanfblüten zu einer berauschenden Droge macht, dient Hanf schon seit geraumer Zeit als Heilpflanze.

Bereits im alten China behandelte man beispielsweise Gicht und Wunden mit einem Sud aus Cannabisblättern. Die moderne Medizin findet für Cannabis ein breites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten und hilft mit medizinischem Marihuana unter anderem Patienten mit Multipler Sklerose, Krebs oder dem Tourette-Syndrom.

Die Verwendung von Hanf als Heilpflanze reicht allerdings weit über die direkte Aufnahme der verstärkt THC-haltigen Blüten hinaus. Mit seiner heilenden Wirkung ist Hanf ein viel verwendeter Rohstoff für Cremes, Lotionen und Salben. Ob Hanf Seife, Hanf Shampoo oder Fußcreme – heutzutage gibt es heilende und wohltuende Hanfprodukte für den gesamten Körper – und diese natürlich absolut rauschfrei.

Hanf vs. Baumwolle

Getreide, Textilien, Papier, Kosmetik und Medizin? Und das alles aus ein und derselben Pflanze? Der Niedergang des Hanfanbaus in Europa scheint auf den ersten Blick ein Rätsel zu sein. Auf den zweiten Blick lautet die kurze Antwort: Industrialisierung, Baumwolle, USA. Der Hanfanbau wurde Anfang des 18. Jahrhunderts zunehmend vom Baumwollanbau verdrängt. Die marktwirtschaftlichen Interessen führten schließlich sogar zu einem Hanfanbauverbot in Amerika und begünstigten so den Anbau von Baumwolle zur Textilherstellung. Die Papierindustrie in Nordamerika entdeckte außerdem Cellulose als billigen Ersatz zum Hanfpapier, denn günstiges Holz als Rohstoff gab es vor Ort reichlich.

In den darauf folgenden Jahrzehnten fristete Hanf eher ein unauffälliges Schattendasein, während Baumwolle sich global auf dem Vormarsch befand. Auch Baumwolle ist der Menschheit schon seit einigen tausend Jahren als Naturfaser bekannt und ergänzte schon früh die Textilien aus tierischen Fasern, wie Schafswolle, Kaschmir oder Alpakawolle. In der industriellen Großproduktion schneidet Baumwolle leider ziemlich schlecht gegenüber Hanf ab, denn der Baumwollanbau verbraucht wesentlich mehr Fläche, mehr kostbares Wasser und muss mit der doppelten Menge an Pestiziden vor Schädlingen geschützt werden.

Hanf ist zurück

Nachdem Hanf in den meisten Industrieländern komplett verdrängt und der Hanfanbau sogar verboten wurde, entdeckten Wissenschaft und Industrie in Europa die vielseitige Pflanze in den 1990er Jahren neu und begannen ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten zu erforschen und zu erweitern. Weder beim Anbau, noch bei der Ernte von Hanf müssen so viele zusätzliche chemische Substanzen eingesetzt werden, wie beim Baumwollanbau. Dadurch ist auch die Hanfbekleidung weitgehend frei von hautschädlichen Giften, wie sie bei der konventionellen Baumwollproduktion eingesetzt werden. Beim Anbau von Bio-Baumwolle ist die Verwendung chemisch-synthetischer Dünge- und Pflanzenschutzmittel dagegen verboten. Im Vergleich zur „Organic Cotton“ begeistert Hanf durch seine tollen Eigenschaften, wie Feuchtigkeitsmanagement und Temperaturregulierung.

Im Jahr 1989 legalisierte die europäische Kommission den – bis dahin verbotenen – Anbau von Nutzhanf in der EU. Der Nutzhanf wird auch als Industriehanf oder Faserhanf bezeichnet und enthält nur einen sehr kleinen THC-Gehalt, wodurch der Nutzhanf nicht als Rauschmittel missbraucht werden kann. Trotzdem ist der Anbau genehmigungspflichtig und darf nur von landwirtschaftlichen Betrieben durchgeführt werden. In der Europäischen Union ist der Anbau von Nutzhanf für die Textil-, Automobil- oder Bauindustrie sehr gering. Die mit Abstand größten Mengen an Nutzhanf werden in China produziert, gefolgt von Russland und Kanada. Kleinere Flächen für die Gewinnung von Industriehanf finden sich allerdings auf der ganzen Welt.

Hanf als moderner Rohstoff für Textilien 

Im Gegensatz zur Baumwolle, dem „industriellen Standard“, an dem jede nachhaltige Alternative in der Textilindustrie gemessen wird, ist die Verarbeitung von Nutzhanf etwas komplexer. Bei der Baumwolle liefert die Baumwollblüte bereits direkt den Rohstoff, der in der Garnspinnerei zum fertigen Garn verarbeitet werden kann. Beim Hanf gibt es verschiedene Verfahren, um die Fasern von den restlichen Pflanzenteilen zu trennen. Niedrige Qualitätsstufen finden danach zum Beispiel für Innenverkleidungen von Autotüren, faserhaltige Verbundstoffe oder ökologisches Dämmmaterial Verwendung.

Für die Verwendung der Hanffasern als Rohstoff in der Textilindustrie erfolgen weitere Schritte zur Verfeinerung der Fasern. Durch die sogenannte „Cottonisierung“ werden die Fasern soweit vorbereitet, dass sie danach in der Spinnerei weiterverarbeitet werden können. Allerdings ist eine Hanffaser über 4 m lang, während eine Baumwollfaser nur etwa 2 cm misst. Außerdem ist die Hanffaser ungefähr 8 x kräftiger. Das bedeutet, dass die Garnherstellung spezielle Maschinen benötigt – ebenso wie das anschließende Stricken und Weben der fertigen Stoffe. Dass die Fasergewinnung hohen Aufwand erfordert, zeigt auch das Verhältnis vom Rohmaterial zur fertigen Faser: aus etwa 10 Tonnen Hanf entsteht maximal 1 Tonne an feinen Fasern für die Textilherstellung.

Hanf als Ergänzung und Bereicherung für den Outdoorsport

Für Hanf als umweltfreundlichen und nachhaltigen Rohstoff spielen seine funktionellen Eigenschaften eine weitere entscheidende Rolle, um nicht nur als robuste Jeans und bequemes T-Shirt verarbeitet zu werden, sondern auch als sportliche Bekleidung für Wanderer, Kletterer und Bergfreunde:

  • Hanfstoffe sind sehr robust, strapazierfähig und langlebig.
  • Bekleidung aus Hanf trägt sich sehr angenehm auf der Haut und eignet sich super für Allergiker.
  • Stoffe aus Hanf sind temperaturregulierend (wie z.B. auch Merinowolle), d.h. im Winter wärmen sie und im Sommer wirken sie kühlend.
  • Hanffasern wirken antibakteriell und antimikrobiell. Dadurch verhindert Hanf die Bildung unangenehmer Gerüche in Textilien.
  • Da Hanffasern kein Eiweiß enthalten, sind sie für Motten und Käfer uninteressant.
  • Durch intensive Feuchtigkeitsaufnahme und schnelle Abgabe der Feuchtigkeit sorgt Hanfbekleidung im Sommer für angenehme Kühlung.
  • Hanfbekleidung ist oft pflegeleicht. Oft reicht regelmäßiges Auslüften. Häufiges Waschen ist dagegen nicht nötig.
  • Hanfstoffe sorgen für sehr guten UV-Schutz und filtern bis zu 90% der UV-Strahlung.

Die positiven Eigenschaften von Hanfstoffen finden in erster Linie in modischer Freizeitkleidung Verwendung. Auch viele Outdoorfirmen, wie zum Beispiel Patagonia, Maloja, Sherpa oder Tentree setzen Hanf in erster Linie für die Herstellung bequemer Hoodies, Hosen und T-Shirts ein. Teilweise finden Outdoorsportler und Kletterer auch Hanf an eher unerwarteten Stellen: als Fußbett in einigen Black Diamond und Red Chili Kletterschuhen, als Obermaterial von Vaude Freizeitschuhen sogar als Mischgewebe in manchen Volcom Boardshorts.

Das Stichwort „Mischgewebe“ scheint für die Outdoorbekleidungsindustrie die attraktivste Form zu sein, um Hanffasern modern und funktionell einzubinden. So lassen sich die Eigenschaften der einzelnen Fasern sehr gut verbinden und das textile Endprodukt kann mit den gewünschten Merkmalen ausgestattet werden. So bestehen manche Kletterhosen zum Beispiel aus Hanf, Bio-Baumwolle und einem geringen Anteil an stretchfähigen Elasthanfasern. Dadurch lassen sich die positiven Eigenschaften von Hanf zu einer noch weicheren und bewegungsfreundlicheren Sporthose kombinieren. Auch Kombinationen aus Hanf und synthetischen Fasern, wie z.B. Polyester, sind möglich. Durch die Verwendung recycelter Rohstoffe wird dabei nicht nur die Funktionalität (schnellere Trocknung, Formstabilität, Atmungsaktivität) optimiert, sondern auch das Thema Nachhaltigkeit wird dabei konsequent weiterverfolgt. Ähnlich, wie auch bei Merinowolle, beziehungsweise Mischgeweben mit Merino, bietet Hanf in Funktionstextilien und Outdoorbekleidung vor allem in hochwertigen Mischungen sein größtes Potenzial. Als nachhaltig produzierte Ergänzung für Funktionsbekleidung bieten sich endlose Einsatzbereiche für Hanf, die sich über die gesamte Bike-, Kletter-, Trailrunning-, Wintersport- und Outdoorbranche erstrecken.

Hanfbekleidung: Aussichten und Chancen

Nach etlichen Jahren in der „Verbannung“ ist die Hanfindustrie im Gegensatz zur Baumwollindustrie kaum weiterentwickelt worden. Moderne Maschinen zur Ernte und Weiterverarbeitung der Rohstoffe fehlen in Europa fast komplett. In Folge stammen die meisten Hanfstoffe aus den Hauptanbaugebieten in China. Auch wenn Hanf im Grunde ohne den Einsatz chemischer Unterstützung und künstlicher Bewässerung wachsen kann, so lassen sich die Produktionsbedingungen in Fernost nicht wirklich gut nachvollziehen. Ein T-Shirt aus Hanf ist also noch nicht automatisch umweltfreundlich, nur weil es aus Hanf ist. Oft ist es aber deutlich umweltschonender, als ein T-Shirt aus konventioneller Baumwolle.

Eine wünschenswerte Entwicklung im Nutzhanfanbau wäre ein kontrollierter biologischer Anbau, den es bisher leider noch nicht gibt. Mit Bio-Baumwolle die nach „Oeko-Tex Standard 100“, „GOTS“ (Global Organic Textile Standard) oder von der „Fair Wear Foundation“ zertifiziert ist, haben Kunden, Produzenten und Zulieferer besten Voraussetzungen, um wirklich nachhaltige „Organic Cotton“ in den Händen zu halten. Bei Hanf steht diese Entwicklung bis jetzt noch aus. Dank verstärkter Nachfrage nach Industriehanf und Hanf für die Bekleidungsindustrie bleibt aber zu hoffen, dass auch Bio-Hanf in absehbarer Zeit in den benötigten Mengen verfügbar sein wird.

Nicht nur an möglichen Formen und Kombinationen von Mischgeweben mit Hanf wird unentwegt geforscht, auch ganz neue Möglichkeiten der Hanfverarbeitung werden aktuell geprüft und technisch weiterentwickelt. Dazu gehört zum Beispiel die eine Hanf-Lyocell Faser, die unter dem Markennamen „Lyohemp“ als neue Alternative zu Textilien aus Baumwollen dient. Die umweltfreundlich erzeugte Cellulosegeneratfaser vom Lyocell-Typ wird aus Hanfzellstoff gewonnen. So entfallen mehrere aufwändige Aufbereitungsschritte und statt sich nur auf die Fasern zu beschränken, kann fast die gesamte Hanfpflanze für die Textilherstellung verwendet werden. Dabei entstehen sehr feine Fasern, die als fertiger Stoff extrem weich sind und auch dem Vergleich mit der weichesten Baumwolle mühelos standhalten.

Die Rückkehr der Hanfpflanze steht damit zwar immer noch am Anfang, kommt aber so langsam richtig in Fahrt.

Klettern und Bergsteigen in der Schwangerschaft? Nur zu!

6. Mai 2021
Tipps und Tricks

Wir haben für euch mit Dr. med. Mirjam Schönfeld, Gynäkologin an der LMU Frauenklinik München und Prof. Dr. med. Thomas Küpper, Arbeits- und Höhenmediziner an der Uniklinik der RWTH Aachen gesprochen. Mirjam Schönfeld ist selbst eine sehr erfahrene Bergsportlerin und in ihrer Schwangerschaft weiterhin sportlich aktiv gewesen. Thomas Küpper erforschte unter anderem zusammen mit Jan Drastig wie sich das Kletterverhalten und die Belastbarkeit im Verlauf der Schwangerschaft verändert. 

Das Verletzungsrisiko ist im Vergleich zu anderen Sportarten gering. Doch bringen das Klettern und Bergsteigen eventuell extremere Anforderungen an den eigenen Körper mit sich. Bis zu welcher Schwangerschaftswoche würden Sie sagen, dass Bergsteigen bis zu 2500-3000 m problemlos möglich ist?

Mirjam Schönfeld: Das ist von vielen Faktoren abhängig. Wenn es eine unkomplizierte Schwangerschaft und die Frau gesund ist, sollte es bis 2500 m keine größeren Probleme geben. Es ist so, dass im 1. Schwangerschaftsdrittel viele Frauen eher abgeschlagen sind und im 2. Drittel die Frauen am fittesten sind. Prinzipiell ist wichtig, dass die Frau schon vor der Schwangerschaft in den Bergen unterwegs war und ihren Körper kennt.

Ganz wichtig ist, dass sich die Schwangere immer wohl fühlt bei dem was sie tut. Wer in der Schwangerschaft im 1. oder 2. Trimenon über 3000 m gehen möchte, kann das mit einer Akklimatisierungsphase machen. Es sollte keine zu große Anstrengung auf einmal sein, sodass die Durchblutung der Frau in den Vordergrund tritt und das Kind unterversorgt wird.

Thomas Küpper: Unsere Studien haben gezeigt, dass Frauen von sich aus vorsichtiger werden. Es gibt hier auch ein merkwürdiges Phänomen. Normalerweise sind die Amerikaner strikter als die Europäer.

Doch die Amerikaner sagen, dass es bis zu 4000 m kein Problem sein sollte. Das liegt einfach daran, dass viele Teile von Amerika für Schwangere nicht mehr zu bereisen wären, wenn sie europäischen Empfehlungen folgen würden. Wenn die Schwangere mal höher geht über den Tag und zum Schlafen wieder runterkommt, sehe ich da keinen Grund zur Sorge. 

Ist anzunehmen, dass ab 2500-3000 m die Sauerstoffversorgung des Kindes problematisch wird?

Thomas Küpper: Wenn es zu einer konkurrierenden Situation kommt, wird es für das Kind kritisch. Das heißt: Wenn die Schwangere in großer Höhe ein bisschen Landschaft genießt, eine kleinere Aktivität macht, ist das okay. Wenn sie in 2000 m Vollgas gibt, kann das schon eine konkurrierende Situation werden. 

Mirjam Schönfeld: Ja ich sehe das sehr ähnlich. Es gibt so einen Pi mal Daumen Wert, dass der Puls bei Schwangeren nicht über 140 gehen soll. Das ist auch eine Empfehlung aus Amerika. Wichtig ist, dass man auf seinen Körper hört, die Warnzeichen nicht ignoriert und nicht darüber hinaus aktiv ist.

Wie ist es im Klettersport? 

Thomas Küpper: Was die Belastung betrifft ist es fast dasselbe wie im Bergsport. Wir raten dazu, Pressatmung zu vermeiden. Das bedeutet, dass Überhänge nicht so geeignet sind. Spaß und Freude sollten im Vordergrund stehen und weniger der kompetitive Gedanke. Ab dem 3. oder 4. Monat sollte nicht mehr im Vorstieg geklettert werden.

Mirjam Schönfeld: Wichtig ist auch hier, dass man nicht erst in der Schwangerschaft anfängt zu klettern. Wenn eine Frau schon zehn Jahre klettert, ist das eine ganz andere Sache.

Thomas Küpper: Etwas, das wir oft vergessen ist das Sichern. Eine Schwangere sollte keine Person sichern, die weitaus schwerer oder größer ist als sie selbst. In Aachen hatten wir mal diesen Fall und die Frau ist wie ein Flummi hochgeflogen, als er ins Seil gegangen ist. Da sollte man eher in einer Gruppe in die Halle gehen und schauen, dass kein unkontrollierter, starker Druck auf den Bauch ausgeübt wird. 

Ist das Klettern in der Schwangerschaft für Anfängerinnen auch mit wenigen Risiken verbunden?

Thomas Küpper: Klettern ist generell mit wenig Risiken verbunden. Im ersten Schwangerschaftsdrittel würde ich auch nichts gegen einen entspannten Schnupperkurs in einer Kletterhalle sagen. Es ist auch niemals mehr ein Mensch so geschützt wie in den ersten Schwangerschaftsmonaten. Es gibt niemals mehr eine so gute Ritterrüstung wie das Becken der Frau. Wir Sportmediziner müssen auch Freude vermitteln und mutige Entscheidungen treffen. 

Ist beim Bergsport ebenso viel Erfahrung von Vorteil? Zum Beispiel die Erfahrung in der Höhe und mit den eigenen Grenzen der körperlichen Belastbarkeit?

Mirjam Schönfeld: Die Erfahrung insgesamt ist sicherlich von Vorteil. In den Bergen sollte man nicht allein unterwegs sein. Auch unwegsames Gelände ist nicht zu empfehlen. Besser ist es, Routen zu wählen, wo man auch umkehren kann. Wenn man schon Anzeichen von Luftnot oder ähnliches hat, sollte man klar sagen, dass man nicht mitkommt. Wenn der Bauch mal zieht, muss das nicht gleich etwas Schlimmes sein, aber man sollte dann auf jeden Fall langsamer unterwegs sein und gegebenenfalls absteigen. Es ist wichtig, dass man auf den eigenen Körper hört. Man muss sich immer bewusst machen, mache ich mir Vorwürfe, wenn jetzt irgendetwas passiert.

Thomas Küpper: Es gibt ja auch in anderen Sportarten die Spielregel: Wenn es einer Person nicht gut geht, kehrt die komplette Gruppe um. Das sollte sich auch endlich im Bergsport etablieren.  

Mirjam Schönfeld: Ich würde den meisten Leuten unterstellen, dass sie den Umstand bei einer schwangeren Frau akzeptieren können und sagen: „Okay, wir gehen zurück.“ Ich glaube, da ist eine andere Dynamik in der Gruppe.

Thomas Küpper: Männer haben mehr Schiss als die Frauen. 

Mirjam Schönfeld: In der Klinik sind es auch oft die Partner, die dann fragen: „Ach willst du das echt noch weitermachen?“ und die Schwangere sagt: „Ja ich kenne mich und meinen Körper und das passt schon.“

Thomas Küpper: Aus der Unfallforschung wissen wir ja auch nachweislich, dass Frauen einen besseren Umgang mit Risiko und Risikomanagement haben.

Im Laufe der Schwangerschaft ist es wichtig, den Klettergurt zu wechseln. Wann sollte der Wechsel zum Kombigurt erfolgen?

Thomas Küpper: Wenn der Bauch auffällig größer wird und aus dem Becken heraustritt, sollte der Gurt gewechselt werden. Die Frauen merken selbst, wenn der klassische Gurt irgendwann lästig wird und sie den deutlich weiter stellen müssen. 

Lässt es sich im aktuellen Schwierigkeitsgrad weiterklettern? 

Thomas Küpper: Das hat sich bei dem Kollektiv, das wir hier in Aachen beobachtet haben, nicht gezeigt. Mit dem Verlauf der Schwangerschaft sind die Frauen entspannt 1,5 Stufen unter ihrer eigentlichen Leistungsgrenze geklettert. Wir hatten zwei Schwangere in der Studie, die bis zum 7,5 und 8,5 Monat in der Halle waren und wir hatten keinen einzigen Zwischenfall. Es waren ausschließlich nicht Risikoschwangerschaften. Es ist auch wichtig, dass gute frauenärztliche Beratung erfolgt. 

Mirjam Schönfeld: Der Schwierigkeitsgrad sollte reduziert werden. Aus gynäkologischer Sicht ist noch viel die Angst dabei. Ich denke, es ist verständlich, wenn eine gewisse Sorge da ist, dass der Frau oder dem Kind etwas passiert.

Was empfehlen Sie Schwangeren zur Vorbereitung auf eine Bergtour? Welche Umstände sollten beachtet werden?

Mirjam Schönfeld: In der Schwangerschaft braucht man definitiv mehr Flüssigkeit. Da würde ich nicht riskieren, dehydriert am Berg zu stehen. Im Sommer ist es wichtig, dass man die Sonne mit einkalkuliert – eine Schattentour raussucht, mehrere Pausen einplant und natürlich eine Kopfbedeckung mitnimmt. 

Thomas Küpper: Ein guter Flüssigkeitshaushalt ist für die Durchblutung entscheidend. Der Sauerstoff muss da ankommen, wo er gebraucht wird. Wichtig ist auch, nicht plötzlich viel auf einmal zu trinken, sondern für die ganze Tour genügend Wasser dabei zu haben. Der Mensch ist kein Kamel, das Flüssigkeit speichern kann. Gut ist auch, dass der Mensch in der Höhe, sprich beim höherem Atem-Minuten Volumen, viel ökonomischer ist als sonst. Doch sollte eine Schwangere mindestens zwei Liter nur für sich mitnehmen. Da ist auch die Fairness der Gruppe gefragt, sich die Last aufzuteilen. 

Mirjam Schönfeld: Oder man plant genügend Hütten ein und füllt dort die Flaschen wieder auf.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Bergsteigen in ihrer eigenen Schwangerschaft gemacht?

Mirjam Schönfeld: Ich hatte immer ein sehr gutes Gefühl in meiner Schwangerschaft und Lust in die Berge zu gehen. Ich war in der 13. Woche tatsächlich auf einer Skitour in Marokko am Toubkal über 4000 m. Die Reise hatte ich schon vor der Schwangerschaft geplant. Da war alles wunderbar und es hat gut funktioniert. Obwohl ich mich beim Hochgehen schon gefragt habe, wo ich hinkönnte, wenn etwas passiert. Eine Woche vor meinem Entbindungstermin bin ich noch in die Münchner Hausberge gegangen, weil es mir körperlich wirklich sehr gut ging. 

Thomas Küpper: Es ist auch die Frage, wo das Bergsteigen stattfindet. Streng genommen gilt das, was wir hier sagen nur für den mitteleuropäischen Alpenraum. Hier ist die Luftrettung an allen Ecken und die medizinische Versorgung auf einem hohen Niveau. Die Aussagen gelten noch nicht mal mehr für die Rocky Mountains. Dort ist zwar auch ein hohes medizinisches Niveau, aber die Rettungswege sind zu lang. 

Reicht es an die Eigenverantwortung der Sportlerinnen zu appellieren? 

Mirjam Schönfeld: Wichtig ist, dass wir da als Gynäkologinnen und Gynäkologen die richtigen Informationen geben können. Vor allem, dass das Thema aktiv angesprochen wird: „Was machen Sie für Sportarten? Müssen wir darüber reden, was sie weitermachen können und was nicht?“ Aber die Entscheidung muss man bei der Schwangeren lassen. 

Thomas Küpper: Eigentlich muss es die Partnerschaft entscheiden. Ein Kind produziert man in der Regel zusammen. Es könnte nämlich sein, dass der Partner vielmehr Angst hat als die Betroffene. 

Nachhaltige Rohstoffe in der Textilindustrie – das Leinen Revival

27. April 2021
Ausrüstung

Schon hunderte von Jahren bevor der erste synthetische Faden zu sogenannter Funktionsbekleidung gesponnen, gewebt und gestrickt wurde, zählte Leinen zu einem der ersten Funktionsgewebe, die der Mensch überhaupt zu Bekleidung verarbeitete. Lein ist bereits im Mittelalter verwendet worden und kann sogar im alten Rom und in Ägypten bis ins vierte Jahrtausend vor Christus nachgewiesen werden. Zusammen mit Hanf und Wolle zählt Lein damit zu den ältesten Rohstoffen in der Textilindustrie.

Während Hanf vielen durch seine auffällig geformten Blätter bekannt ist, erkennt nicht jeder auf Anhieb den Lein, der vor allem mit seiner bläulich-violetten Blüte am hübschesten aussieht. Dabei ist Lein viel mehr als ein reiner Lieferant von Fasern für die Textilindustrie. Lein ist eine uralte Heilpflanze, dient in Form von Leinöl und Leinsamen als Nahrungsmittel und lässt sich für zahlreiche industrielle Anwendungsbereiche einsetzen: von der Papierherstellung, über Lacke, bis hin zu Baustoffen und sogar als Bestandteil von Bremsbelägen.

Lein, Flachs oder Leinen?

Aus der botanischen Familie der sogenannten Leingewächse ist der „Gemeine Lein“ die einzige Sorte, die sich für den wirtschaftlichen Anbau eignet. Daneben gibt es etliche Leinarten, die sich nicht für die  Weiterverarbeitung zur Faser oder als Öl im größeren Umfang eignen. Je nach Nutzung wird in der weiterverarbeitenden Industrie zwischen Öllein und Faserlein unterschieden. Die Bezeichnung Flachs leitet sich sprachlich vom „Flechten“ ab und wird oft synonym zum Lein oder Leinen verwendet. Genau genommen ist Flachs aber nur die Faser des Gemeinen Leins. Allerdings wird der Begriff auch oft für ein fertiges Gewebe in Form von Leintuch oder Leinwand benutzt. Mit seinem lateinischen Namen „Linum usitatissimum“ gibt der Lein bereits einen wichtigen Hinweis auf seine „vielfältige Verwendbarkeit“. Eine dieser Möglichkeiten ist die Herstellung von Leinen, dem textilen Gewebe aus den Fasern der Leinpflanze.

Anbau und Verarbeitung von Faserlein für die Textilindustrie

Faserlein wird als einjährige Pflanzen angebaut, die im Grunde keine zusätzliche Düngung oder Verwendung von Pestiziden erfordert. Dabei ist der Lein sehr anspruchslos und wächst vom Frühjahr bis in den Sommer. So wird er zwischen 20 cm und 1 m hoch und blüht ungefähr zwischen Juni und August.

Während in Nordamerika die größten Anbaugebiete für Öllein zu finden sind, stammt der meiste Flachs – also Faserlein – aus China, Russland, Weißrussland und der Ukraine. In Europa wird lediglich in Frankreich und Großbritannien eine nennenswerte Menge Faserlein angebaut. Im deutschsprachigen Raum ist Flachs dagegen fast überhaupt nicht mehr auf den Anbauflächen zu finden.

Nachdem die Baumwolle seit über einem Jahrhundert die Schlüsselposition in der Textilindustrie übernommen hat, steigt mit der zunehmenden Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit in der Bekleidungsbranche auch die Nachfrage nach natürlichen Fasern, wie zum Beispiel Wolle, Hanf oder Flachs. Im weltweiten Vergleich ist ihr Anteil gegenüber konventionell angebauter Baumwolle oder synthetischer Fasern, wie Polyester und Polyamid, aber immer noch verschwindend gering.

Knapp 27 Millionen Tonnen Baumwolle wurden allein in der Saison 2019/20 angebaut. Dagegen kommen Öllein und Faserlein zusammen nicht einmal auf 10% dieser Menge.

Die Fasern des Leins zählen zu den besonders langen Bastfasern. Sie lassen sich relativ simpel für die Weiterverarbeitung aufbereiten und können sehr fein gesponnen werden. Leinfasern sind sehr glatt und schließen kaum Luft ein. Dennoch sind sie in der Lage, Feuchtigkeit gut aufzunehmen und auch schnell wieder abzugeben. Dadurch eignet sich Lein sehr gut für die Herstellung von funktioneller Sportbekleidung. Ähnlich wie Merinowolle sorgt Leinenbekleidung für angenehmen Temperaturausgleich, also für einen kühlenden Effekt bei Hitze und gleichzeitig für Wärme bei niedrigeren Temperaturen.

Weicher Tragekomfort für Outdoorbekleidung

Der Trend zu nachhaltiger Mode aus natürlichen Rohstoffen lässt das Angebot von Alltags- und Freizeitbekleidung aus Hanf, Bio-Baumwolle und Leinen immer weiter wachsen. Auch funktionelle Outdoorbekleidung und Freizeitmode für Outdoorsportler aus Leinen ist bei Outdoorfirmen immer häufiger im Sortiment zu finden. Beliebt sind dabei vor allem intelligente und funktionelle Materialkombinationen, wie zum Beispiel Boulderhosen von E9, die aus Leinen, Bio-Baumwolle und Elasthan gefertigt werden oder Funktionsshirts von Odlo, bei denen Polyester und Leinen zu einer atmungsaktiven und angenehm kühlenden Materialmischung verwoben werden.

Ivanhoe of Sweden bietet neben Shirts, Kleidern und Röcken aus Mischgewebe auch Bekleidung aus 100% Leinen an. Auch als Kombination mit der Cellulosefaser Lyocell, wie bei Armedangels oder sogar in warmen Hardshellmänteln von Vaude wird regelmäßig Leinen verwendet. Ob Mountainbike-Shorts von ION oder Sneaker von Gola – die funktionelle Naturfaser Lein steckt in viel mehr Outdoorbekleidung, als man zunächst vermuten würde und verändert durch kleinere oder größer Materialanteile nicht nur die einzelnen T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe, sondern damit auch die gesamte Bekleidungsbranche, die immer mehr auf den nachwachsenden, umweltfreundlichen und funktionellen Rohstoff Lein setzt.

Hypoallergene Faser mit antibakterieller Wirkung

Die Oberfläche der Leinfasern sind besonders glatt. Daher sind Leinenstoffe im Vergleich zu Baumwolle, Wolle und vielen anderen Stoffen praktisch frei von Flusen und Fusseln. Durch das glatte Gewebe haftet am Leinen kaum Schmutz und auch Bakterien haben ihre Schwierigkeiten am Leinengewebe anzuhaften. Diese antibakterielle Eigenschaft macht Bekleidung aus Leinen nicht nur sehr hygienisch, sondern bietet auch für Allergiker sehr gute Alternativen zu vielen anderen Textilfasern.

Auf der Haut fühlt Leinen sich sehr angenehm an. Das liegt einerseits an seinen temperaturregulierenden Eigenschaften und andererseits an seiner weichen und glatten Oberfläche. Trotzdem ist Leinenstoff keinesfalls empfindlich: im Gegensatz zu Baumwolle und anderen Naturfasern ist Leinen sogar ausgesprochen robust. Dadurch ist Bekleidung aus Leinen in der Regel auch länger haltbar, als beispielsweise Bekleidung aus Baumwolle. Dadurch relativiert sich meistens auch der höhere Preis von Leinenbekleidung. Durch die aufwendigere Verarbeitung, entstehen bei der Herstellung von Leinenstoffen höhere Kosten, als bei der konventionellen Baumwollproduktion. Allerdings braucht sich ein ökologisch angebauter und pestizidfreier Leinenstoff, der hypoallergen ist , besonders gut Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgibt und dabei das ganze Jahr über durch angenehmen Temperaturausgleich begeistert, ohnehin nicht mit einer konventionelle angebauten Baumwolle zu messen.

Das Einzige, was die Baumwolle tatsächlich einfach besser kann, ist glatt auszusehen. Reine Leinenstoffe sind durch ihre langen Fasern nie ganz glatt und sehen immer etwas knittrig aus. Natürlich gibt das der Oberfläche reiner Leinenbekleidung auch „das gewisse Etwas“ und sorgt dafür, dass Leinstoffe sich bewusst von anderen Textilien abheben. Wer also einen betont „nachhaltigen Look“ bevorzugt, liegt mit Leinenbekleidung genau richtig.

Im Mischgewebe mit anderen Naturfasern oder synthetischen Fasern kommt der Knitterlook dagegen nicht mehr so zum Vorschein. Vor allem in technischer Funktionsbekleidung für Wanderer, Trailrunner und Mountainbiker kommt Leinen eher wegen seiner hautfreundlichen und atmungsaktiven Eigenschaften zum Einsatz.

10 kleine Umstellungen für ein nachhaltigeres Outdoor-Leben

26. April 2021
Tipps und Tricks

Ja, schon wieder das N-Thema. Nein, kein erhobener grüner Zeigefinger. Es geht nicht um irgendwelche mühseligen Askeseübungen oder perfektionistisches Saubermachen.

Und nein, es kommt jetzt auch kein verkappter Konsumrausch in grün, keine Sorge. Zumindest nicht in diesem Artikel. Dass demnächst noch die Kollegen mit schönen Empfehlungen für nachhaltige Produkte kommen, kann ich nicht ausschließen ;-)

Hier und jetzt geht es um 10 Tipps, die so ausgewählt sind, dass sie sich ohne viel Zeitaufwand, ohne große Schwierigkeiten und „quasi nebenbei“ umsetzen lassen. Der einzige „Verzicht“ besteht darin, dass man vor bislang gewohnten Entscheidungen und Handlungen kurz innehält und nachsinnt.

Gut, etwas Zeit zum recherchieren muss man sich hier und da wohl nehmen. Doch damit das schneller geht, habe ich schonmal vorrecherchiert und ein paar Umstellungen herausgesucht, die du ohne große Umstände und Mühen umsetzen kannst. Fangen wir zum aufwärmen mit den „kleinsten“ Dingen an und steigern uns dann etwas. Wie gesagt, ganz sachte, keine Extremtouren.

1. Drecksack einpacken

Der erste Tipp ist supersimpel, erfordert aber die vielleicht größte Ego-Überwindung. Denn der Drecksack, diese robuste und wiederverwendbare Mülltüte des Alpenvereins, nimmt jede Menge Müll auf, ohne den Berg der Plastiktüten zu vergrößern. Er ist so groß, dass auch die von Anderen zurückgelassenen Zigarettenstummel und Papiertaschentücher uneigennützig eingesammelt werden können. Dabei bietet der Drecksack den Vorteil, den Müll so dicht und reißfest zu verpacken, dass er keine Gefahr für den übrigen Rucksackinhalt darstellt.

2) Reparieren statt wegschmeißen

Die sich lösende Schuhsohle, der Riss im Außenzelt, das Loch in der Isomatte: auf den ersten Blick scheint alles im Eimer, doch bei genauem Hinsehen zeigt sich oft, dass das gute Stück mit etwas Reparaturband, etwas Kleber und etwas Sorgfalt wieder flottgemacht werden kann. Mit der Firma McNett gibt es sogar einen ausgewiesenen Spezialisten, der sich voll und ganz der Lebensverlängerung von Outdoorprodukten verschrieben hat.

Wenn du einen Kleber oder anderes Reparaturmaterial von McNett zuhause hast, ist der Aufwand dieser nachhaltigen Problemlösung bisweilen gar geringer als der einer Neubestellung. Nützliches Know-how zum Thema Outdoor-Reparaturen findest du, wenn du „mcnett tipps und tricks“ in die Suchmaschine eingibst (auf der Firmenhomepage selbst ist die gut gemachte Broschüre leider etwas versteckt). Auch hier im Basislager findest du Inspration zum Thema Reparatur statt wegschmeißen.

3) Recyceln, upcyceln, kreativ neuverwerten

Warum nicht mal den ausgedienten Rucksack in seine Einzelteile zerlegen und überlegen, was man aus all den Stoffbahnen, Schnallen, Riemen und anderen „Rohstoffen“ Neues machen kann? Oder lässt sich das sprichwörtlich abgekratzte Snowboard vielleicht als Regal wiederbeleben?

Es muss ja nicht immer so ambitioniert kreativ und ausgefallen zugehen wie in einem Berliner Upcycling-Store. Es ist auch schon ein schönes Nachhaltigkeitsprojekt, wenn das Rucksack-Hauptfach als Aufbewahrungstasche für losen Kleinkram im Keller oder Dachboden weiterlebt. Oder wenn sich das verblasste Kunstfasershirt mit ein-zwei Schnitten oder Rissen in ein Set von Putzlappen verwandelt.

4) Muss es immer neu sein?

Klar, der Optimalfall ist das Paket mit frischer Ware aus dem Bergfreunde-Shop ;-) Aber ja, wir brauchen nicht drum herum zu reden, dass das nicht bei jeder Anschaffung Sinn macht. Das gilt vor allem für teure und aufwändige Ausrüstungsgegenstände, die man absehbar nicht oft benötigen oder nicht intensiv im Einsatz haben wird. Hier kann man sich bei den einschlägig bekannten Kleinanzeigen-Websites auf die Suche machen. Als weitere Alternative kann man sich in den meisten Alpenvereinssektionen als Mitglied diverse Ausrüstungsgegenstände ausleihen.

5) Langlebige Lieblingsteile

Sicher kein neue Idee, aber immer wieder gern vergessen: statt viele bunte Schnellkäufe anzusammeln, kann man sich auf zwei-drei Lieblingsteile beschränken. Gut, bei den Unterhosen dürfen es ruhig ein paar mehr sein, aber sonst kann man diesen Grundsatz vom Baselayer-Shirt bis zur Hardshellhose durchziehen. Man nehme dafür nachhaltige, sprich robuste, hochwertige und vielseitig verwendbare Outdoorprodukte. Sie verschleißen deutlich langsamer als Billigware und stecken häufigen Dauereinsatz viel besser weg.

Im Bergfreunde-Shop kannst du viele Produkte nach bis zu einem Dutzend Nachhaltigkeitskriterien filtern. Ob es ein Bluesign-Siegel sein soll, PFC-frei oder Fair Trade – all diese Eigenschaften können vor allem bei Bekleidung als Suchkriterien ausgewählt werden. Das muss entgegen der Erwartungen auch nicht unbedingt teurer sein. Vor allem dann nicht, wenn du bei den Features hier und da etwas abspecken kannst. Vielleicht kommst du ja auch mit zwei statt fünf Taschen aus oder du brauchst keine Kordelzüge, weil das Teil auch so wie angegossen passt. Weniger Features haben außerdem den Vorteil, dass weniger kaputtgehen kann, die Handhabung einfacher ist und Gewicht gespart wird.

6) Materialcheck: gibt’s das auch in grün?

Bei der nächsten geplanten Neuanschaffung kannst du ja mal nachschauen, ob es vom gewünschten Produkt eine „grünere Variante“ gibt. Warum nicht einfach bei der nächsten Onlinesuche nach Jacken, Klettergurten oder Trinkflaschen ganz plump ein Wörtchen wie „nachhaltig“ oder „umweltfreundlich“ hinzufügen? Ein netter Nebeneffekt dabei ist, dass man mit den nachhaltigeren Produkten meist auch dem eigenen Körper einen Gefallen tut, weil einfach weniger potentiell belastende Rückstände unterwegs sind. Vor allem bei Kleinigkeiten und Zubehör wie Beuteln und Dosen findet man oft natürlichere und gesündere Alternativmaterialien.

6.1) Synthetik oder Naturprodukt?

Diese nächste kleine Umstellung ist die Verfeinerung und Spezialisierung von Punkt 6. Sie kann vor allem bei den Substanzen und Flüssigkeiten ausprobiert werden, die mit Körperpflege oder Ausrüstungspflege zu tun haben. Die Frage lautet hier: gibt es von dem schnell verfügbaren und allseits bekannten Standardprodukt auch eine natürlichere Variante? Muss beispielsweise das Anti-Mücken-Spray für den Skandinavientrip unbedingt aus der klassischen Chemiekeule bestehen, oder tut es auch ein naturnahes Mittelchen auf Eukalyptusbasis? Auch bei Sonnencremes kann man nach haut- und umweltfreundlichen Alternativen forschen.

Diese kleine Umstellung hat ebenfalls nichts mit Verzicht oder Unbequemlichkeit zu tun, denn meistens sind die Alternativprodukte sogar angenehmer und bequemer im Umgang.

7) Multi statt Mono

Vielseitige Dinge, die das Outdoorleben vereinfachen, entlasten oftmals auch die Umwelt. Auch dieser Grundsatz wird besonders deutlich bei den Mittelchen und Wässerchen, die im Outdoorurlaub zum Einsatz kommen. So gibt es mittlerweile diverse biologisch abbaubare Wasch-Konzentrate, die all-in-one als Seife, Spüli, Shampoo und Waschmittel dienen.

8) Entschlackungskur beim Material

Hier kommen zwei Aspekte ins Spiel: das Entschlacken unterwegs und das Entschlacken im Materiallager daheim. Entschlacken unterwegs meint, dass man nicht für jeden Abstecher über die Weinberge die Goretex-Montur auspacken muss. Warum nicht stattdessen mal Papas gut erhaltene Kordjacke aus den 80ern mit ihrem coolen Retrolook probieren? Die hat vielleicht Schwächen in der Wasser- und Winddichtigkeit, erweist sich dafür aber als überraschend atmungsaktiv.

Oder Mamas Wollmantel, der seine Schwächen in der Elastizität mit gutem Trageklima ausgleicht. Das gute Funktions- und Outdoorzeug hält (noch) länger, wenn es nicht für jeden Spaziergang um den Block benutzt wird. Außerdem halten wir so das Andenken an unsere Bergfreund-Vorfahren in Ehren, die die eisigen Höhen in Loden und Kniestrümpfen erklommen … ;-)

Mit dem Entschlacken daheim ist der gnadenlos ehrliche Blick in jenen Schrank gemeint, in dem nie benutztes Equipment seit Jahren vergeblich auf seinen Einsatz wartet. Manche würden das als ausmisten bezeichnen, doch ich gehe mal davon aus, dass es sich bei den Sachen nicht um Mist handelt, sondern um gute Stücke, mit denen man bei Ebay noch ordentliche Preise erzielt. Oder beim Verschenken echte Freude macht.

9) Entschlackungskur beim Aufwand

Wer kennt sie nicht, die kurzen und hektischen Wochenendtrips, um „mal schnell“ die Wunschtour abzuhaken. So mancher verbringt dabei mehr Zeit auf der Autobahn als im Gebirge. Der Tipp „Weniger häufige und lange Anfahrten, dafür längere und intensivere Aufenthalte“ ist eigentlich ein uraltes Nachhaltigkeitsrezept. Doch in schnelllebigen Zeiten gerät es immer wieder in Vergessenheit.

Dieses Entschlacken der Ausflugsgewohnheiten kann man auch auf das Equipment übertragen. So kann man im Winter beispielsweise überlegen, ob es wirklich die Skitour mit allem drum und dran sein muss, oder ob nicht auch die Schneeschuhtour oder Winterwanderung das ersehnte Naturerlebnis verschafft. Ich persönlich schätze diesen Ausrüstungsminimalismus zu jeder Jahreszeit – und zwar aus zwei Gründen: erstens, weil viel weniger schweres und behäbiges Zeug am Körper zieht und zweitens, weil viel weniger Zeit für Herumgeräume und Gerödel draufgeht. Die gesparte Zeit und Energie fließt stattdessen in die eigentliche Tour.

Ja ich weiß, diese Entschlackungstipps gehen schon ein bissl in die anstrengende und streberhafte Richtung. Aber deshalb stehen sie ja auch hier hinten im Fortgeschrittenenbereich ;-)

10) Warum immer dieselben?

Zum Abschluss noch der nicht ganz uneigennützige Spezial-Tipp: statt immer beim großen G zu gugeln und beim großen A zu kaufen, kannst du auch erstmal schauen, ob nicht dein bewährter Lieblingsdealer das gewünschte Teil hat ;-)

Hier bist du nämlich nicht nur ökonomisch nachhaltiger unterwegs, sondern hast auch echte und präzise Produktbeschreibungen, statt der von Bots fabrizierten Buchstabensuppe der Tech-Giganten. Ja, bei den Bergfreunden wird noch oldschool von Menschenhand geschrieben. So auch dieser Basislagerartikel, der dir hoffentlich ein paar brauchbare Anregungen liefern konnte. Falls dir dazu noch etwas einfällt oder fehlt, kannst du es gerne in den Kommentaren ergänzen.

Der passende Kinderrucksack für jedes Alter

16. April 2021
Ausrüstung

Spätestens im Kindergartenalter wird es Zeit für den ersten eigenen Rucksack. Die meisten Kinder wachsen in den darauffolgenden 15 Jahren noch ein ganzes Stück in die Höhe. Dementsprechend müssen auch die Rucksäcke in dieser Zeit immer wieder ausgetauscht und an die jeweilige Größe angepasst werden. Angefangen beim Kindergartenrucksack, über Rucksäcke für Grundschüler und Schulrucksäcke, bis hin zu speziellen Modellen für Jugendliche und Teenager reicht das Angebot. Ab dem fortgeschrittenen Teenager-Alter eignen sich bereits Rucksäcke für Erwachsene mit kurzer Rückenlänge.

Für die Auswahl von Kinderrucksäcken gibt es zwar technische Kriterien und einige grundlegende Überlegungen, allerdings müssen Eltern das Thema Kinderrucksack für jedes Kind individuell betrachten, denn der Rucksack sollte zur Entwicklung des Kindes und dessen Anforderungen bestmöglich passen. Um Kinderrucksäcke zu kategorisieren, orientieren sich Hersteller von Kinderrucksäcken, wie Deuter, Vaude oder Affenzahn, in erster Linie am Alter der Kinder. Die kleinsten Rucksäcke sind meist für Kinder bis drei Jahre konzipiert und eignen sich für Kinder in Kitas oder Kinderkrippen.

In der zweiten Kategorie werden oft die Kinder im Kindergartenalter (also von 3 bis 5 Jahren) erfasst. Schulkinder, beziehungsweise Grundschulkinder, sind mit 6 bis 10 Jahren schon deutliche größer. Danach geht es von den Kinderrucksäcken fließend in Rucksäcke für Jugendliche, Teenager und junge Erwachsene über. Je nach individueller Entwicklung, Größe und Statur kommen für den einen oder die eine bereits Rucksäcke für Erwachsene oder doch eher kürzere Jugendrucksäcke in Betracht.

Kindergartenrucksack und Kleinkinderrucksack

Während Babys und auch Kleinkinder noch geschoben oder getragen werden, können im Grunde alle Kinder mit Rucksack ausgerüstet werden, die bereits laufen gelernt haben und sicher auf beiden Beinen stehen. Davon ausgehend, dass die meisten Kleinkinder mit etwa einem Jahr das Laufen lernen, lohnt sich ein Rucksackkauf ab etwa eineinhalb oder zwei Jahren. Kinder in diesem Alter sollten nicht sehr viel mehr als ein Kilogramm auf dem Rücken tragen. Gepolsterte Träger und eine Polsterung am Rücken sorgen dafür, dass der Rucksack bequem getragen werden kann und nicht im Bereich von Hals oder Schultern einschneidet oder zu Scheuerstellen führt. Wenn ein Kleinkinderrucksack zwischen 200 g und 300 g wiegt, bleiben noch knapp 700 g als möglicher Rucksackinhalt. Bei etwa 4 – 5 Liter Volumen reicht das bestens für eine volle Trinkflasche, eine Vesperdose, die eigene Jacke und ein paar Handschuhe.

Damit Kinder den Umgang mit dem Rucksack schon früh lernen, sind die Rucksackmodelle für Kleinkinder optimal auf kleine Hände und Finger zugeschnitten. Rundumlaufende und leicht bedienbare Reißverschlüsse mit großen Zugösen sorgen dafür, dass sich der Rucksack schnell und unkompliziert öffnen und schließen lässt. Robuste Verarbeitung und strapazierfähige Materialien verzeihen auch „unsanftere“ Behandlung im Alltag. Meist verwenden Rucksackhersteller Polyester oder Nylon als Basismaterial. Eine zusätzliche PU-Beschichtung sorgt für Schutz vor Regen und erleichtert die Reinigung bei ausgelaufenen Trinkflaschen und Vesperdosen.

Meist verfügen Kleinkinderrucksäcke nicht über zu viele Fächer, sondern sorgen für gute Übersichtlichkeit. Ein großes Hauptfach und eventuell noch ein zusätzliches Frontfach, ein extra Tragegriff und eventuell eine seitliche Mesh-Tasche für die Trinkflasche genügen völlig. Wichtig sind dagegen ein hübsches und kinderfreundliches Design, gut sichtbare Farben und gut sichtbare Reflektoren. Oft sind Kinderrucksäcke für Kleinkinder mit Tiergesichtern und bunten Farben verziert. Im Fall von Rucksackhersteller Affenzahn sieht sogar der ganze Rucksack wie das eigene Lieblingstier der Kinder aus. Die meisten Rucksäcke für Kita-Kinder und Krippenkinder sind mit einem Namensschild ausgestattet. So lässt sich ein verlorener oder vergessener Rucksack schnell wiederfinden. 

Rucksack für Kindergartenkinder

Vom ersten Tag im Kindergarten bis zum ersten Schultag wachsen Kinder meistens zwischen 15 cm und 20 cm. Das bedeutet, dass der erste Kindergartenrucksack nicht unbedingt der Gleiche sein wird, der bei der Einschulung gegen einen Schulranzen oder Schulrucksack eingetauscht wird. Denkbar ist aber, dass der erste Kindergartenrucksack etwa zwei Jahre gut passt und danach gegen ein größeres Modell mit längerer Rückenpartie getauscht wird. Dementsprechend liegt das Volumen für den Kindergarten-Einsteiger „a.k.a. Mäusegruppe“ mit etwa 6 – 9 Liter Volumen auch unter der der größeren „Bärengruppe“ mit 10 – 12 Liter Stauraum.

Rucksäcke für Kindergartenkinder unterscheiden sich von Rucksäcken für Kleinkinder nicht nur durch Rückenlänge und Volumen. Auch die Anzahl der Fächer ist oft höher und zu den kinderfreundlichen Reißverschlüssen kommen Steckschnallen, Einstellriemen und Druckknöpfe dazu. Die meisten Rucksäcke für Kindergartenkinder sind als Toploader mit Reißverschluss oder überlappendem Deckel konstruiert. Die Deckel werden mit einer oder zwei Steckschnallen fixiert. Darunter dient ein Kordelzug mit Kordelstopper als zusätzliche Sicherung. Für kleine Kinder eignen sich beide Systeme gut und bieten keinen klaren Vorteil oder Nachteil.

Viel wichtiger ist auch hier ein weich gepolstertes Tragesystem, das sich gut anpassen lässt und am Rücken weder zu lang noch zu kurz ist. Bei einer zu kurzen Rückenpartie drückt der Rucksack mit seinem Gewicht in den unteren Rücken. Ist der Rucksack zu lang, reicht er bis zum Gesäß oder sogar zu den Beinen. Dadurch zieht die Last das Kind an den Schultern nach hinten – was beim Laufen natürlich sehr hinderlich ist. Bereits Rucksäcke für Kindergartenkinder sind oft mit einem verstellbaren Brustgurt ausgestattet, der von einer praktischen Steckschnalle gehalten wird.

Selbst bei geringer Traglast verbessert der zusätzliche Brustgurt den Tragekomfort, weil die Schulterträger nicht seitlich verrutschen. Der Rucksack sitzt so sicher und bequem am Rücken und die Arme genießen volle Bewegungsfreiheit. Das ist nicht nur zum Laufen und Spielen perfekt, sondern bietet auch zusätzliche Sicherheit, da beide Hände jederzeit frei sind, um sich bei Bedarf festzuhalten.

Die kleinen Rucksäcke sind vielseitige Allrounder und nicht so spezialisiert wie die Wander-, Trekking-, Kletter- und Bike-Rucksäcke der Eltern. Dank ergonomischem Schnitt und guter Polsterung lassen sie sich aber auch bestens für die ersten Wanderungen auf eigenen Füßen und Urlaubsreisen verwenden. Das Design der Kindergartenrucksäcke ist sehr breit gefächert und reicht von schlichten Modellen bis hin zu bunt bedruckten Rucksäcken mit verschiedenen Motiven.

In Bezug auf Farben und Muster sind dabei schon im Kindergartenalter Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen zu erkennen. Mit Rosa und Pink für Mädels und blauen Farbtönen für Jungs scheinen die farblichen Wünsche vieler Kinder sehr gut erfüllt zu werden. Besonders beliebt sind allerdings auch Rucksäcke in Form von verschiedenen Tieren, beziehungsweise Tierköpfen. Ob Vaude, Deuter, Jack Wolfskin oder Affenzahn – Rucksäcke mit freundlichen Augen und langen Ohren, die wie ein Hund, ein Löwe, Affe, Wolf oder wie eine Eule aussehen, erfreuen sich bei Kindern im Kindergartenalter größter Beliebtheit.

Schulrucksäcke und Rucksäcke für Grundschulkinder

Für die Schule selbst eignet sich ein spezieller Schulrucksack oder Schulranzen besser, als ein Wanderrucksack für Grundschulkinder. Der Wanderrucksack ist in der Regel eher rundlich geformt, so dass Wechselbekleidung, Ausrüstung und Proviant sich gut transportieren lassen. Um Schulbücher, Hefte und Stifte gut zu verstauen, eignet sich jedoch besser eine „kantigere“ Form, die in verschiedenen Fächern den nötigen Platz für die Schulutensilien bereitstellt.

Schulrucksäcke sind mit etwa 18 Liter Stauraum so groß wie ein kleiner Daypack für Erwachsene. Auch Wander- und Outdoorrucksäcke für Kids sollten etwa in dieser Größenordnung gewählt werden. Dabei ist es nicht empfehlenswert auf ein kleines Rucksackmodell für Erwachsene auszuweichen, denn dann ist höchstwahrscheinlich die Rückenpartie zu lang und die Träger lassen sich nicht richtig an die Größe des Kindes anpassen.

Mit zunehmendem Alter der Kinder passen auch die Rucksackhersteller ihre technischen Details und Designs immer mehr an die „großen“ Modelle an. Von den verspielten Tierköpfen geht es zu bedruckten oder einfarbigen Modellen. Kompressionsriemen, verstellbare Hüftgurte, integrierte Regenhüllen und Gummizughalterungen ergänzen teilweise die Wander- und Alltagsrucksäcke für Kinder.

Rucksäcke für ältere Kinder, Jugendliche und Teenager 

Viele Kinder im fortgeschrittenen Grundschulalter unternehmen bereits in jungen Jahren die ersten anspruchsvollen Touren mit ihren outdooraffinen Eltern. Dafür bieten Marken, wie Tatonka, Haglöfs oder Deuter bereits spezielle Wander-, Berg- oder Trekkingrucksäcke an. Mit einem kompakten Trekkingrucksack für Kinder, der bei 30 Liter Volumen dieselben Features bietet, wie ein 75 Liter Reiserucksack für Erwachsene, lassen sich auch mit einem oder einer motivierten zehnjährigen optimal mehrtägige Hüttentouren unternehmen.

Je nach Größe des Kindes vollzieht sich der Übergang zu den Rucksäcken für Erwachsene schleichend und individuell. Für Jugendliche gibt es noch eine gute Auswahl an Rucksäcken, die oft bereits etwas spezialisierter sind und als Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Bike-Rucksack angeboten werden. Oft ähneln sie sehr stark den Modellen für Erwachsene – sind allerdings meist etwas kleiner und im Rückenbereich kürzer und schmaler geschnitten.

Auf die richtige Einstellung kommt es an!

Mit der Anschaffung eines qualitativ hochwertigen Kinderrucksacks einer bekannten Outdoormarke können Eltern bereits einige wichtige Aspekte beim Rucksackkauf als erledigt betrachten:

  • Der Kinderrucksack ist kinderleicht bedienbar.
  • Die Träger und der Rücken sind weich gepolstert.
  • Das Material ist stabil und abriebfest.
  • Ergonomie, Schnitt und Volumen sind perfekt aufeinander abgestimmt.

Es gilt zunächst also nur noch, die richtige Rucksackgröße für sein Kind zu finden. Bei durchschnittlicher Körpergröße der Kinder können sich Eltern ganz einfach am Volumen der Kinderrucksäcke orientieren. Eine Altersempfehlung oder die Angabe der empfohlenen Rückenlänge in cm ist dagegen eher selten angegeben.

Die Traglast wird bei Kinderrucksäcken praktisch nie gesondert erwähnt, jedoch sollten die Eltern darauf achten, dass vor allem die Schulrucksäcke nicht zu schwer beladen sind. Da die Wirbelsäule sich bei Kindern noch voll in der Entwicklung befindet, können zu schwer beladene Rucksäcke schnell zu irreparablen Schäden am Rücken führen.

Alter des KindesRucksackvolumenMaximale Traglast
Bis 2 Jahre3 – 5 Liter0,5 kg
2 – 34 – 6 Liter1 kg
3 – 46 – 9 Liter1,5 kg
5 – 610 – 12 Liter2 kg
6 – 815 – 18 Liter3 kg
8 – 1016 – 20 Liter5 kg
10 – 12 18 – 24 Liter6 kg
12 – 16 20 – 28 Liter7 kg
Über 1625 Liter +10 kg +

(Alle Werte sind Richtwerte zur Orientierung und können individuell abweichen.)

Vor allem kleinere Kinder sind nicht in der Lage einen Rucksack selbst einzustellen. Da müssen die Eltern etwas nachhelfen. Dafür sollte der Rucksack so beladen werden, wie er auch im Alltag typischerweise beladen wird. Also zum Beispiel mit Vesperdose, gefüllter Trinkflasche und anderen Accessoires. Bei kleineren Kindern sollte außerdem noch die aktuelle Jacke für das Einstellen angezogen werden, denn sonst sitzt der Rucksack unter Umständen viel zu eng.

Danach sollten die Schultergurte erst komplett gelockert und dann so angezogen werden, dass die Schulterpolster ziemlich genau auf Schulterhöhe anliegen und keine große Lücke zwischen Schulter und Rucksack entsteht. Dann müsste der Rucksack im besten Fall gerade am Rücken aufliegen. Da Kinder die Träger absichtlich oder unabsichtlich verstellen können, sollten die Schulterträger in regelmäßigen Abständen nachjustiert werden. Das gilt natürlich auch bei dünnerer oder dickerer Bekleidung. In jedem Fall müssen beide Schulterträger gleich eingestellt sein, damit der Rucksack nicht schief auf dem Rücken hängt.

Lange haltbar durch regelmäßige Pflege

Kinderbekleidung und Kinderrucksäcke zeigen schnell Spuren vom täglichen Einsatz und vom Spielen in der Natur. Dass die Klamotten gewaschen werden, ist natürlich selbstverständlich. Aber auch dem Kinderrucksack hilft regelmäßige Pflege von innen und außen. So bleibt der Rucksack frisch und einsatzbereit – vielleicht sogar für den kleinen Bruder oder die kleine Schwester.

(P.S.: Eine gute Anleitung zur Rucksackpflege gibt es hier: https://www.bergfreunde.de/basislager/rucksack-waschen/)

Tipps für die Bike-Packing-Tourenplanung

31. März 2021
Tipps und Tricks

Öl die Kette, pump die Reifen auf und pack die Taschen! – Schon kann es los gehen!

Na gut. Ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht! Zunächst brauchst du ein Reiseziel. Am besten eines das zu deinem Budget und zu deiner möglichen Reisezeit und Reisedauer passt. Vielleicht möchtest du ja nicht direkt von der Haustür aus starten. Dann brauchst du eventuell ein Flugticket oder eine Reservierung für eine Bahnfahrt.

Je nach Reisewunsch kommen dann noch Visa, Einreisebestimmungen, Impfungen und ein paar andere organisatorische Dinge hinzu. Eine grobe Strecke festzulegen und diesen Weg auch vor Ort zu finden, oder teilweise festzustellen, dass Karten und Apps manchmal Wege anzeigen, die schon längst keine mehr sind, gehört ebenfalls dazu. Essen und Trinken willst du sicherlich auch – ach ja, – und übernachten…Wenn das alles geklärt ist, brauchst du wirklich nur noch ein gepflegtes Fahrrad deiner Wahl und ein paar wasserdichte Packtaschen – dann geht es wirklich los.

Aber zunächst mal wieder zurück zum…

Reiseziel – Planung des zeitlichen und finanziellen Rahmens

Vom Reiseziel hängt alles weitere ab. Manche Länder sind zum Beispiel nur mit längerer (und teurerer) Anfahrt überhaupt zu erreichen. Viele Länder ermöglichen dir als Tourist nur eine begrenzte Aufenthaltsdauer im Land, was sich eventuell auf deine Streckenplanung auswirkt. Visa kosten Geld, Impfungen kosten Geld und teure Reiseländer kosten auch Geld. Natürlich spielt auch das Wetter eine wichtige Rolle. Ist gerade Winter? Regenzeit? Trockenzeit? Wie beeinflusst die Witterung die lokalen Straßenverhältnisse und kannst du so deine gesteckten Tagesziele erreichen?

Bike-Packing bedeutet nicht, dass du unbedingt am Stück bis Peking fahren musst (auch wenn das natürlich reizvoll klingt und auch von etlichen Bike-Packern gemacht wird). Auch kürzere Touren mit ein paar hundert Kilometern Strecke über einen Zeitraum von ein oder zwei Wochen können super sein. Deshalb solltest du (vor allem als „Neuling“ in der Radreiseszene) deine Ziele eher greifbar und durchführbar wählen. Dabei lernst du auch dich und dein Equipment besser kennen und kannst für die ganz große Tour noch gezielter sparen, planen und packen.

Du hast ein Ziel anvisiert? Reiseländer, Reiselänge und Reisebudget grob geplant? 

Dann startest du am besten mit ersten Überlegungen zur…

Navigation – Vorbereitung und grobe Planung, Navigation „On Tour“ und Improvisation

Für die Routenplanung kannst du mit allem arbeiten, was dir im Vorfeld helfen kann. Dazu gehören nicht nur reine Streckenverläufe, die dir Routenplaner, verschiedene Apps, Google Earth oder die gute alte gedruckte Karte vermitteln. Viel mehr zählen dazu auch Infos über die Wegbeschaffenheit, klimatische Informationen oder lokale Besonderheiten. Dabei können dir zum Beispiel Reiseberichte oder einschlägige Foren von Bike-Packing Touren im Internet helfen. So bekommst du oft auch erste wertvolle Tipps, die vielleicht deine Streckenwahl beeinflussen (z.B. Bikepacking.com oder European Bikepacking Routes). 

Bei der Navigation „On Tour“ möchten die einen nicht auf ihr Smartphone und die bekannten Apps für Fahrradtouren (z.B. Komoot, Strava, Bikemap) verzichten, die anderen vertrauen lieber auf ihr GPS und für manche ist eine Karte aus Papier unverzichtbar. Die Wahl hängt wie immer stark von der Reiseregion und dem verfügbaren Kartenmaterial ab.

Beim Smartphone solltest du dir vor der Tour unbedingt Offline-Karten auf das Smartphone laden und natürlich musst du jederzeit auch genügend Strom für den Betrieb zur Verfügung haben (z.B. mit Nabendynamo und Powerbank). Was den Stromverbrauch angeht, ist ein reines GPS Gerät in der Regel sparsamer. Auch der Empfang der GPS und Glonass Signale klappt fast überall hervorragend. Mit dem passenden Kartenmaterial bist du auf jeden Fall auf einem guten Kurs. Eine klassische Karte (zumindest eine Übersichtskarte im größeren Maßstab) solltest du aber trotzdem lieber in deine Taschen packen, denn Strecken-Improvisation ist bei längeren Bike-Reisen eher normal, als die Ausnahme.

Dabei kommt auch ein weiterer Faktor der Navigation ins Spiel: der menschliche, bzw. der Faktor, der lokalen Bevölkerung. Als Radreisender kommst du vermutlich oft mit Einheimischen ins Gespräch (manchmal auch eher mit „Händen und Füßen“) und kannst sie dabei gleich nach den Straßenverhältnissen oder der Route fragen.

Hier hilft dann auch wieder die Papierkarte (am besten mit doppelter Beschriftung in Englisch und der Landessprache), auf der du mit deinen neuen „Guides“ zum Beispiel eine Ausweichroute planen kannst, wenn z.B. ein Erdrutsch deine ursprüngliche Strecke unbefahrbar gemacht hat oder die eingezeichnete Brücke beim letzten Hochwasser weggespült wurde. Damit du deine Route immer im Blick hast, ist eine Lenkertasche mit transparentem Deckelfach für Landkarten aus Papier oder eine Lenkerhalterung für Smartphone und GPS quasi Pflicht beim Bike-Packing.

Deine Strecke passt zum zeitlichen Rahmen? Du hast dir ein paar hübsche Etappen überlegt? Dann solltest du dir jetzt noch ein paar grundsätzliche Gedanken machen zu…

Planung von Übernachtung und Verpflegung – Herbergen buchen, Couchsurfing oder Wild Camping

An der Art der Übernachtung und Verpflegung scheiden sich selbst bei Bike-Packern die Geister. Zwischen einem ultraleichten Biwak in freier Natur bis zum Hotel sind dir im Grunde alle Möglichkeiten offen. Die Wahl wird dabei aber durch einige Faktoren beeinflusst:

  • Wetter und Temperatur

Bei gemäßigten Temperaturen ist Zelten meistens eine einfache, flexible und günstige Lösung. Bei eher extremem Wetter… na, du musst wissen, was du dir zumuten kannst und willst.

  • Umgebung und Sicherheit

In einer relativ dünn besiedelten Region mit guter Sicherheitslage ist selbst Wildcamping meist kein Problem – natürlich nur sofern es die Gesetzeslage erlaubt. Dagegen ist in größeren Städten oder potenziell gefährlicheren Gegenden ein Hostel die bessere Wahl.

  • Reisebudget

Je nach Reiseziel kann ein Essen im Restaurant oder eine Übernachtung im Hotel ganz schön teuer werden. Zelten ist auf Dauer mit Sicherheit die günstigste und flexibelste Art, um auf Radreisen zu übernachten.

  • Infrastruktur

Deine Versorgung mit Nahrungsmitteln und vor allem Trinkwasser kann in manchen Reiseregionen unter Umständen schwierig werden. Plane deswegen immer vorausschauend und lass keine Gelegenheit aus, dich entsprechend mit Essen und Trinken zu versorgen. Für alle Fälle solltest du immer auch Tabletten zur Wasserentkeimung oder einen kleinen Wasserfilter (z.B. von Katadyn) mit in deine Taschen packen.

  • Gewicht

Sobald du mindestens ein einziges Mal im Zelt schlafen und auf dem Campingkocher kochen möchtest, musst du dir die ganze Ausrüstung, inklusive Isomatte, Töpfe, Geschirr und Schlafsack mit aufs Fahrrad packen. Da macht es auf jeden Fall Sinn seine Ausrüstung gründlich zu prüfen, gut zu sortieren und eventuell eine leichtere Alternative zu suchen. Beim Durchforsten diverser Ultraleicht-Foren kommen dir die Inspirationen, um nicht nur ein paar Gramm, sondern kiloweise Gewicht zu sparen. (Ich sag nur „Zahnbürste absägen“…)

In der Praxis liegt oft eine Mischung aus den verschiedenen Möglichkeiten nahe: Wildcamping mit Verpflegung aus der Outdoorküche in der „Pampa“ und in größeren Städten eventuell ein Hostel, Gasthof oder Campingplatz. Eine ebenfalls beliebte Art auf Radreisen zu übernachten, sind Internet Communities, wie Couchsurfing.com oder Warmshowers.org. Dabei lernst du auf deiner Radreise auf jeden Fall auch eine Menge Leute kennen und hast die Chance einen noch tieferen Einblick in dein Reiseland zu gewinnen.

Du hast dir einen passenden Mix aus hübschen Plätzen in der Natur, netten Gastgebern aus dem Internet und günstigen Hotels ausgedacht? Dann solltest jetzt langsam denken, an deine… 

Ausrüstung – Anpassung und Abstimmung von Fahrrad und Equipment

Eine komplette To-Do Liste und Packliste für deine Bike-Packing Tour würde den Rahmen für diesen Artikel sprengen. Deshalb findest du dazu hier eine beispielhafte Packliste für eine Rad(welt)reise.

Zunächst nur so viel:

  • Dein Bike sollte schon vor deiner Reise (vor allem bei längeren Reisen) in einem sehr guten Zustand sein.
  • Du solltest in der Lage sein, dein Fahrrad selbst unterwegs zu reparieren – zumindest was die häufigsten Pannen angeht, die dir früher oder später auf jeden Fall passieren werden. (z.B. Platter Reifen, gebrochene Speiche, …) Ein ersten Überblick und Tipps für Reparaturen beim Bikepacking findest du hier.
  • Dein Rad, deine Ausrüstung und die Auswahl an Ersatzteilen und Werkzeug sollte zu deinem Reiseziel passen. In abgelegenen Gegenden lieber ein bisschen mehr und in der Nähe der Zivilisation lieber ein bisschen leichter. Grundlegendes Bike-Packing-Equipment, wie wasserdichte Packtaschen, gute Fahrradlampen, eine Klingel, ein bequemer Radhelm und eine Fahrradbrille sind natürlich die Grundvoraussetzung für deine Radreise.
  • Falls du vor deiner eigentlichen Reise noch einen Flug oder eine Bahnfahrt zum Reisegebiet benötigst, dann achte noch mehr auf Gewicht, Packmaße und Verstaumöglichkeiten. Um dein Rad als Fracht im Flugzeug aufzugeben, brauchst du in der Regel entweder einen entsprechenden Karton oder eine spezielle Tasche. Dafür musst du zumindest dein Vorderrad ausbauen und den Lenker drehen. Unter Umständen musst du auch noch den Gepäckträger und die Pedalen abnehmen. Wenn alles gut verpackt ist, sollte der Transport kein Problem sein – allerdings hast du am Zielort zunächst kein fahrbereites Rad, sondern eine Ansammlung von Fahrradteilen, die darauf warten, wieder zusammengesetzt zu werden.
  • So wie auch dein Fahrrad und dein Tascheninhalt vollständig und in gutem Zustand sein sollte, musst natürlich auch du dich entsprechend vorbereiten und eventuell gezielt für deine Tour trainieren. Wenn dir eine 50 km Radtour auf geteerten Wegen ohne zusätzliches Gepäck schon alles abverlangt, musst du dir gut überlegen, wie viele Kilometer du auf unbefestigten Wegen mit ca. 50 kg Gepäck schaffst. Wenn du dich genauso fit hältst, wie deine Ausrüstung und dein Radel, steht einer tollen Bike-Packing Tour fast nichts mehr im Weg. 

Aber eine Sache wäre da noch, nämlich der „Papierkram“, bzw. die…

Organisation – vom Visum, über Sicherheitshinweise, bis zur Impfung

Je nach Reiseland gelten unterschiedliche Einreisebestimmungen, Verkehrsregeln, Sicherheitshinweise und viele weiteren Vorschriften und Regelungen, wie zum Beispiel die „Zwei-Meter-Regelung“, die das Befahren von Waldwegen mit dem Fahrrad in Baden-Württemberg regelt, das Tragen eines Kopftuches für Radfahrerinnen im Iran (sogar unter dem Helm!) oder die Konfiszierung von falsch geparkten Fahrrädern in Peking.

Falls du deine Bike-Packing Tour innerhalb Europas starten möchtest, kannst du dich glücklich schätzen, denn du benötigst kein Visum, kannst (fast) überall mit der gleichen Währung bezahlen und profitierst von einem dichten Wegenetz mit einer super Infrastruktur für Übernachtungen und Verpflegung. Für die meisten Reisen ins Ausland benötigst du dagegen ein Visum, das du vor deiner Reise beantragen musst und das nur für einen bestimmten Zeitraum gültig ist. Die jeweiligen Regelungen der einzelnen Staaten sind dabei sehr unterschiedlich und wenn du mehrere Länder bereisen willst, musst du zusätzlich darauf achten, dass die Zeitfenster gut aufeinander abgestimmt sind und du trotz Visa noch Zeit für den Grenzübertritt einplanst. Auch für die An- und Abreise planst du lieber einen gewissen Zeitpuffer ein.

Während du innerhalb der EU im Grunde nur deinen Personalausweis und die Karte deiner Krankenversicherung benötigst, kommen in anderen Ländern auf jeden Fall der Reisepass (mit gültigen Visa) und eventuell Reisepapiere, eine Auslands-Krankenversicherung, Flug- oder Bahntickets, usw.

In manchen Regionen können außerdem bestimmte Impfungen vorgeschrieben sein oder sich zumindest als empfehlenswert erweisen. Auch Impfungen benötigen einen gewissen Vorlauf und sind mit zusätzlichen Kosten verbunden (wird in der Regel nicht von der Krankenkasse übernommen). Alle Themen rund um deine Gesundheit und auch Überlegungen zur Hygiene und gesundheitlichen Versorgung solltest du im Vorfeld mit deinem Arzt oder einem kompetenten Reisemediziner besprechen.

Sicherheitshinweise, Einreisebestimmungen und Informationen über lokale Regelungen in deinen Reiseländern solltest du vor deiner Tour gründlich studieren. Als gute Quelle dient hier die Webseite des auswärtigen Amtes. Probleme bereiten zum Beispiel auch Brennstoffe für den Gaskocher oder Benzinkocher, die teilweise nicht eingeführt werden dürfen.

Nicht direkt ein Teil der Organisation, aber ein modernes Hilfsmittel, das sich Backpacker und Bike-Packer auf der ganzen Welt zu Nutze machen, sind die praktischen Smartphone-Apps, die bei der Übersetzung und Identifikation unbekannter Schriftzeichen helfen. So wird das Smartphone zum erweiterten Kommunikations-Tool. Beim Fragen nach dem richtigen Weg oder bei der Interpretation der Speisekarte sind die Apps mitunter eine riesige Hilfe.

Reparatur-Tipps fürs Bike-Packing

30. März 2021
Tipps und Tricks

Du willst mit dem Bike auf ganz große Tour? Back-Roller, Front-Roller und Lenkertasche sind schon halb gepackt? Dann kann es ja bald los gehen…

Je nach Reiseziel, Länge der Reise und Reiseart musst du nicht nur dich und deine Ausrüstung, sondern auch deinen „Drahtesel“ entsprechend auf die Reise vorbereiten. Um klar zu machen, was damit gemeint ist: Wenn du eine sportliche Radreise über die Alpen planst und dabei in Pensionen und Gasthöfen übernachtest, sieht deine Vorbereitung und dein Equipment anders aus, als wenn du von Deutschland aus nach Indien radeln möchtest, im Zelt übernachtest und deine komplette Outdoor-Küche in deinen Packtaschen verstauen musst. Wenn du in einer kleinen oder größeren Gruppe unterwegs bist, könnt ihr Material und Aufgaben auch super verteilen. Ein „MacGyver“ im Team, der alles reparieren kann, oder ein Zweiradmechaniker sind dafür optimal. Viele Radfahrer starten ihre Touren aber lieber ganz allein und müssen sich dementsprechend auch um alles kümmern und auftretende Probleme geschickt lösen können.

Wenn du auf die ganz große Tour mit dem Fahrrad gehst, hast du dich vermutlich schon intensiv mit dem Thema Radreisen und Bike-Packing beschäftigt, dir ein spezielles Tourenrad oder Trekkingrad mit wartungsarmer Rohloff Nabenschaltung und Carbonriemen zusammengestellt und kennst jede Schraube an deinem Rad einzeln. Du musst jetzt nicht mehr weiterlesen und darfst direkt wieder Radfahren gehen.

Jeder, der viel mit dem Fahrrad unterwegs ist, wird auch früher oder später die erste Panne mit dem Rad erleben. In den meisten Fällen handelt es sich dabei schlicht um einen platten Reifen – mit Sicherheit die häufigste Panne am Fahrrad. Abgenutzte Bremsbeläge, rasselnde Schaltungen, gerissene Ketten, lose Speichen und springende Gänge gehören ebenfalls zu den Phänomenen, die nach intensiver Nutzung höchstwahrscheinlich irgendwann beim Fahren auftreten. Dazu kommt der berühmte „Achter“ in der Felge und allgemeine Verschleißerscheinungen an allen beweglichen Teilen, wie Tretlager, Ritzel, Zahnkränze usw.

Um Pannen und Verschleißerscheinungen auf Radreisen möglichst zu minimieren, musst du dein Fahrrad auf jeden Fall vor der Reise in den optimalen Zustand versetzen. Dazu gehören die passenden Reifen, neue Schläuche (nicht die, die schon drei Mal geflickt wurden), neue Bremsbeläge und oft auch eine neue Kette. Alle Lager sollten kontrolliert und gefettet werden, Bremsen überprüft und eventuell mit neuer Bremsflüssigkeit versehen werden und alle Teile, wie Zahnkränze, Ritzel, Naben und Felgen auf Beschädigungen kontrolliert werden. Auch wenn das viel Aufwand zu sein scheint, ist es immer besser alles daheim im Keller oder in der Garage zu reparieren, als irgendwo auf einem Schotterweg in Turkmenistan.

Natürlich kannst du dir überlegen, dein Rad von einem Profi in deiner lokalen Fahrradwerkstatt auf Vordermann bringen zu lassen. Falls du auf deiner Reise aber darauf angewiesen sein könntest, die Reparaturen selbst durchzuführen, solltest du das vorher auch üben und zumindest wissen, für welche Reparatur man ein spezielles Werkzeug benötigt und wann man auch als erfahrener Bike-Packer an seine Grenzen stößt. Wenn zum Beispiel der Rahmen oder die Gabel bricht, hilft in der Regel nur noch ein Austauschteil (oder in diesem Fall vermutlich ein neues Fahrrad). Falls du aber ohnehin eher „mit Zahnbürste und Kreditkarte“ in dichter besiedelten Gebieten radelst, ist dein wichtigstes Werkzeug vermutlich dein Smartphone, das dir die Telefonnummer des nächsten Fahrradladens ausspuckt.

Packlisten und To-Do Listen für Radreisende sind so unterschiedlich, wie Mountainbikes, Trekkingbikes und Tourenräder. Für unsere imaginäre Tour mit zwei Personen nach Indien entscheiden wir uns deshalb für folgende Ausstattung als Beispiel:

Mountainbike (Hardtail), mit Kettenschaltung, Scheibenbremsen, Federgabel, Gepäckträger, Lenkertasche, Front-Roller, Back-Roller und ein Duffle-Bag auf dem Gepäckträger.

Alles ist im Top-Zustand und wir sind bereit für die mehrwöchige Reise mit dem Rad. Natürlich haben wir eine Menge Gepäck und wollen unser Gewicht so gering wie möglich halten. Deshalb soll unsere Ausstattung an Werkzeug und Ersatzteilen sich auch nur auf die wichtigsten Dinge beschränken.

Diese Reparaturen wollen wir aber unbedingt jederzeit selbst durchführen können:

  • Platter Reifen / Fahrradschlauch flicken

Auf Platz 1 aller Reparaturen am Fahrrad: das Loch im Schlauch. Mit speziellen Reifen, die über eine besonders dicke Lauffläche und verstärkte Seitenwände verfügen, kann das Pannenrisiko minimiert werden. Auch spezielle Dichtmittel oder Pannenspray können zur Vermeidung und Instandsetzung helfen. Ansonsten gilt: Rad ausbauen, Reifen runter, Schlauch flicken.

Dafür benötigst du:

  • Werkzeug, um das Rad zu lösen (Inbus bei Steckachse, Gabelschlüssel) es sei denn, du verwendest Schnellspanner.
  • Reifenheber (geht auch mit improvisierten Hilfsmitteln, ist mit Reifenhebern aber viel einfacher und wirklich schwer sind sie auch nicht)
  • Flickzeug (gibt es in verschiedenen Varianten und Größen, besonders praktisch sind Glueless Patches, die selbstklebend und ohne extra Kleber funktionieren)
  • Luftpumpe (sonst nützt der geflickte Schlauch auch nichts)

Ein paar tausend Kilometer später (hoffentlich) kommt auch der geflickte Schlauch oder der Reifen selbst an seine Grenzen. Mindestens ein Faltreifen als Ersatz und ein passender Schlauch gehören deshalb als Reserve in die Packtasche.

  • Bremsbeläge ersetzen

Felgenbremsen mit Drahtseilen als Verbindung zum Bremshebel sind heutzutage selten geworden. Moderne Bikes sind meistens mit Scheibenbremsen und hydraulischen Bremsleitungen ausgestattet. Die Bremsleitungen zu entlüften oder Bremsflüssigkeit nachzufüllen, ist unterwegs eher aufwendig und sollte unbedingt vor der Tour erledigt werden. Sonst müsstest du die passende Bremsflüssigkeit und ein Set mit Spritze und Adapter im Gepäck mitführen. Auf jeden Fall sollten aber für jedes Rad ein paar Bremsbeläge als Ersatz zur Ausrüstung gehören.

Zusätzlich benötigst du:

  • Werkzeug, um den Splint zu lösen (in der Regel eine kleine Zange oder ein Inbus in der passenden Größe)
  • Inbus, um den Bremssattel zu justieren (falls du den Bremssattel mit den neuen Scheiben mittig ausrichten musst, damit die Bremse nicht schleift)
  • Gebrochene Speiche tauschen

Deine Speichen solltest du regelmäßig kontrollieren und ggf. mit einem Nippelspanner oder einer kleinen Zange nachjustieren. Richtig angezogene Speichen brechen weniger schnell, als locker sitzende. Lockere Speichen oder fehlende Speichen sind außerdem Gift für die Felgen und können beim Brechen auch weitere Teile am Fahrrad beschädigen (z.B. Schaltung oder Bremsen).

Deshalb brauchst du:

  • Eine angemessene Anzahl Ersatzspeichen (je nach Reiseroute)
  • Werkzeug, um den Reifen zu demontieren (siehe „Reifenpanne“)
  • Kleine Zange oder Nippelspanner

Gerissene Kette reparieren

Je besser du deine Fahrradkette pflegst und behandelst, desto länger ist ihre Lebensdauer. Das bedeutet, die Kette sollte regelmäßig geputzt, auf Beschädigungen kontrolliert und gefettet oder geölt werden. Trotzdem kann die Kette bei Überlastung reißen. Ohne spezielles Flickzeug für Fahrradketten wird eine Reparatur dann verdammt schwierig.

Das hilft dir:

  • Ein Kettennieter (der im Mini-Format auch in vielen Multitools für Radfahrer integriert ist)
  • Passende Kettennietstifte oder ein Kettenschloss für deine Kette

Damit lässt sich die Kette zügig wieder reparieren. Du solltest aber, wenn möglich, nach einem entsprechenden Ersatz suchen. Eine neue Kette ist die bessere Variante.

Schaltung einstellen und reparieren

Umwerfer und Schaltwerk müssen perfekt eingestellt sein, um fehlerfreies Schalten zu ermöglichen. Das schont deine Nerven und außerdem Ritzel, Kette und Zahnkränze. Dabei hilft es definitiv das Einstellen vorher zu üben und nicht in der kasachischen Steppe damit anzufangen. Werkzeug benötigst du dafür kaum, dafür aber etwas Feingefühl und etwas Hilfe vom Profi (YouTube hilft aber auch ganz gut).

Um die Schaltung einzustellen, brauchst du:

Meistens nur einen kleineren Schraubendreher (Kreuzschlitz, auch im Multitool vorhanden)

Wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, dann nimm auch noch einen passenden Seilzug für Schaltwerk und Umwerfer mit (und das Werkzeug, um den Zug bei Bedarf wechseln zu können).

Laufrad zentrieren bzw. „Achter“ entfernen

Der Zweiradmechaniker repariert die Kaltverformung der Laufräder mit einem Zentrierständer und unterscheidet dabei zwischen Seitenschlag und Höhenschlag. Davon ausgehend, dass du weder Zentrierständer noch Justierzange in deine Packtaschen laden möchtest, lässt sich der Schlag auch lokalisieren, indem du den Abstand von deiner Gabel aus misst (z.B. mit einem Kabelbinder als Abstandhalter).

Für eine Reparatur „on the road“ benötigst du:

  • Einen passenden Nippelspanner (oder ggf. kleine Zange)
  • Kabelbinder (o.ä.) als Abstandhalter

Nachdem du die ausgeschlagene Stelle lokalisiert hast, kannst du die Speichenspannung korrigieren und das Laufrad auf dem Boden entsprechend Abdrücken. Dafür musst du das Rad natürlich aus- und wieder einbauen. Selbst mit etwas Übung wird das Ergebnis nicht so 100%, wie in der Werkstatt – aber es funktioniert.

Andere Reparaturen erfordern dagegen eine Menge Spezialwerkzeug. Zahnkranzabzieher, Kettenpeitsche oder Einpresswerkzeuge gehören nicht zur Bike-Packing Ausrüstung. Um wirklich jede Reparatur durchführen zu können, benötigst du so viel Werkzeug und so viele Ersatzteile, dass du gleich ein komplettes Fahrrad als Ersatz mitnehmen kannst. Mit dem passenden Fahrrad lassen sich aber zumindest einige Reparaturen und Wartungsarbeiten vermeiden. Mit der Rohloff Nabenschaltung entfallen z.B. die Wartung der Schaltung oder der Austausch der Ritzelkassette. Ein Zahnriemen als Antrieb macht Arbeiten an der Kette überflüssig. Aber am wichtigsten für Reisen mit dem Rad ist, dass du dein Rad gut kennst, dass dein Rad vor der Reise gut in Schuss ist, und dass alle wichtigen Verschleißteile überprüft, gewartet oder getauscht wurden. Auch macht es keinen Sinn, ein paar Euro am Reifen sparen zu wollen, um später alle paar Meter den Schlauch flicken zu müssen.

Für die wichtigsten Reparaturen beim Back-Packing benötigst du daher gar nicht so viel Werkzeug und Ersatzteile. Hier eine allgemeine Empfehlung für das Equipment, das du unbedingt auf deine Reise mitnehmen solltest (und natürlich je nach Bedarf erweitern kannst):

  • Multi-Tool für Radfahrer, das alle Schrauben an deinem Bike abdeckt. Nicht zu groß und nicht zu klein – und es darf ruhig etwas aushalten.
  • Luftpumpe
  • Kettennieter mit Kettenschloss oder Ersatznieten (kann auch im Multi-Tool integriert sein)
  • Kleines Messer
  • Kleine Zange
  • Auswahl an wichtigsten Gabelschlüsseln oder kleine Universalzange
  • Reifenheber
  • Nippelspanner (besser) oder kleine Zange (geht auch)
  • Kabelbinder (kleines Set mit verschiedenen Längen)
  • Flickzeug für Fahrradschläuche (Vulkanisierend oder Glueless Patches)
  • Schmales Gewebeklebeband (für alle Fälle)
  • Fahrradöl (kleine Flasche)
  • Bowdenzüge (die wichtigsten Seilzüge für die Schaltung und evtl. Bremsen)
  • Bremsbeläge (für vorne und hinten)
  • Faltreifen
  • Ersatzspeichen
  • Ersatzschlauch (besser 2)
  • Kleine Auswahl an Schrauben (falls mal eine verloren geht, z.B. Gepäckträger oder Flaschenhalter)
  • Sekundenkleber (z.B. für gebrochene Kunststoffteile)
  • Reparaturflicken für Textilien (für Zelt, Bekleidung und Packtaschen)
  • Kleines Nähset mit Nylonfaden und Ledernadel
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