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Tipps zum besseren Bouldern
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Anni auf dem Nordkalottleden
Die Bergfreunde unterwegs...
Anni erwandert den Nordkalottleden
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Kleine Frau, großer Fels - Ulligundes Bergkolumne
Kleine Frau, großer Fels:
Ulligundes Bergkolumne
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Die Bergfreunde Kletterkalkulatoren
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Sicherheit auf Reisen, Foto: Norbert Blank

Sicher(heit) auf Reisen – Backpacking-Tipps aus der Praxis

20. Januar 2017
Tipps und Tricks

„Die Welt ist ein gefährlicher Ort …“ heißt es im Vorwort zum Handbuch Reisesicherheit des Hamburger Experten Sven Leidel. Naturkatastrophen, Kriminalität und terroristische Gefährdung sind hier nur einige der markanten Schlagworte der letzten Jahre. Was für die meisten Reisenden jedoch von weitaus größerer Bedeutung ist, dass sind die kleinen Dinge des Alltags, denen man hierzulande genauso begegnet, wie in den vermeintlich unsicheren Ländern des globalen Südens. Ob einfacher Taschendiebstahl oder kultureller Fauxpax – die Palette ist breit gefächert. Die Zielsetzung dieses Artikels soll es folglich sein, mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen und gleichfalls praxisorientierte Handlungsempfehlungen zu liefern.

Vorbereitung ist die halbe Miete

Was für kulturell interessierte Reisende vermutlich zum Standard gehört, ist für andere unvorstellbar: eine kurze Länderkunde vor dem eigentlichen Antritt der Reise. Was sich trivial anhört, kann einem vor Ort das Leben deutlich erleichtern. Wie verhalte ich mich auf einem Basar? Wie feilsche ich richtig? Welche Kleidung ist in welchen Landesteilen angemessen? Sind beispielsweise Röcke oder kurze Hosen ein absolutes No-Go? Solche und andere Fragen lassen sich demnach mit wenig Aufwand bereits im Vorfeld klären und ersparen dem Unwissenden im Zweifelsfall peinliche bis teure Momente. Vor allem im Kontext einer sehr stark durch die Religion geprägten Gesellschaft können so gängige Alltagskonflikte vermieden werden. Darüber hinaus bieten die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes eine solide Grundlage für jeden bevorstehenden Auslandsaufenthalt – auch zum Thema gesundheitliche Risiken, Impfungen, Einfuhrbeschränkungen und so weiter.

Die Mär von der hohen Kriminalität

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Ja, die Kriminalitätsrate wird in vielen beliebten Reiseländern meist als hoch bewertet. Vor allem Lateinamerika und der afrikanische Kontinent kommen hier in der Regel schlecht weg. Taschendiebstähle und Raubüberfälle zählen folglich zu den am meisten gefürchteten Risiken. Die übliche Frage lautet also „… aber ist es da nicht gefährlich?“ – wie dem auch sei, meine Antwort wäre in jedem Fall die selbe: Ein angepasstes Verhalten vor Ort trägt bereits massiv dazu bei, sich selbst nicht zu einer Zielscheibe für Gauner und Banditen zu machen. Also versuche ich mich einigermaßen lokaltypisch zu kleiden und nicht groß aufzufallen. Trägt der unbedarfte Reisende also seine dicke Armbanduhr, die teure Sonnenbrille und idealerweise noch das Smartphone offen zur Schau, könnte ich mir auch gleich eine Leuchtreklametafel mit der Aufschrift „Beklaut mich“ auf den Rücken schnallen. „Stay under the radar“ lautet die Divise! Sei aufmerksam, jedoch nicht paranoid.

Genauso wenig sortiere ich mein Geld auf einem örtlichen Markt oder trage mein Portemonnaie sichtbar mit mir rum. Eine Büroklammer mit kleinstmöglichen Scheinen in der vorderen Hosentasche (z.B. wenige 1$ Dollar Scheine – eine Währung, die in vielen Ländern gern gesehen ist), hat sich hier in der Praxis bewährt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich auch einen Gürtel mit geheimen Geldfach anschaffen. Diese besitzen einen kleinen Reißverschluss auf der Innenseite, hinter dem sich weitere Scheine sicher verstecken lassen. Und natürlich nicht zu vergessen (wie auch hierzulande): beim Geld abheben darauf achten, dass man gerade auf belebten Plätzen nicht aus nächster Nähe beobachtet wird oder sonst irgendwelche Auffälligkeiten am Automaten selbst auf Manipulationen hinweisen.

Angepasstes Verhalten und kleine Tipps aus der Praxis

Wie bereits angedeutet, stellt das eigene Verhalten den Grundbaustein für sicheres Reisen dar. So laufe ich nicht halbbetrunken alleine nachts durch Bangkok Downtown, vermeide auf meiner Tourenplanung Elendsviertel in Johannesburg, nutze an Ampeln die Innenverriegelung meines Leihwagens, betrete keine heiligen Tempel mit Schuhen oder trage Symbole meines christlichen Glaubens in gewissen Stammesgebieten mit mir herum (ja, alles schon erlebt). Komme ich allerdings auf die Idee, das Erste nach meiner Landung am Flughafen Timbuktu sollte es sein, im Hawaiihemd die 800 Euro Spiegelreflexkamera zu zücken, um archäologisch wertvolle Ruinen zu knipsen, kann ich mir fast sicher sein, noch vor der Ankunft im Hotel das erste mal überfallen worden zu sein. Das ist jetzt zwar alles ein bisschen überspitzt formuliert, der Grundgedanke jedoch bleibt.

Darüber hinaus sollte man je nach Land und Region aufpassen, nicht jedes Ereignis zu bagatellisieren. Ich erinnere mich hier an aufgebrachte Warenhändler, zwielichtige Polizisten und grundlose Straßensperren im Nirgendwo. Viele solcher Situationen können uns, wenn wir ihnen mit europäischer Überheblichkeit begegnen, schneller zu einer Nacht im Knast führen, als uns lieb sein kann. Geduld, Einsicht (oder Nachsicht) und eine ruhige, souveräne Körpersprache führen hier meist eher zum Erfolg als Lautstärke und Konfrontation. Hin und wieder soll gar das Entrichten einer gewissen Ermöglichungspauschale wahre Wunder bewirken und vermeintlich festgefahrene Auseinandersetzungen zur beiderseitigen Zufriedenheit unbürokratisch lösen können. Hier sei jedoch Erfahrung und Fingerspitzengefühl gefragt (keinesfalls würden wir ein solche Vorgehen empfehlen, noch gut heißen)!

Ausrüstungsgimmicks für Jedermann

Last but not least muss es ja auch nicht immer gleich das exotische Reiseziel fernab der ausgetretenen Pfade sein. Ein schöner Städtetrip – ob Mexiko City oder Shanghai (Geschmäcker können ja durchaus variieren) – stellt uns vor ganz andere Herausforderungen. Zwar gilt auch hier wieder das Gebot der kulturellen Angepasstheit, allerdings können uns kleine Ausrüstungsgimmicks, vor allem in solchen Megacitys, das Leben leichter machen. So gibt es zum Beispiel Rucksäcke und Daypacks mit integriertem Schnittschutz (etwa von Pacsafe).

Andere Taschen, Beutel und Organizer wiederum sind mit einem sogenannten RFID Schutz versehen. RFID steht für Radio Frequency Identification und ermöglicht per speziellem Lesegerät das Auslesen bzw. ebenso den Diebstahl sensibler Daten (z. B. Kredit- und Zugangskarten) via elektromagnetischer Wellen auf bis zu einen halben Meter Reichweite. Diese Technologie ist vor allem in asiatischen Großstädten schon relativ weit verbreitet und öffnet Kriminellen Tür und Tor für das kontaktlose Entwenden wertvoller persönlicher Daten. Der Geschädigte bekommt seinen Verlust so schlimmstenfalls gar nicht mit. Spezielle RFID Blocker Geldbeutel oder Wertsachentaschen schützen hier durch speziell abgeschirmte Fächer.

Weiterhin sind Bekleidungsstücke mit Reißverschlüssen sowie Gegenstände mit kleinen Karabinerverschlüssen auf Reisen immer eine gute Wahl. Verschwindet der über alle Maßen wichtige Reisepass etwa nicht-sichtbar in einem Buchumschlag im Rucksack? Perfekt! Habe ich mein Handy in der hinteren Hosentasche? Schlechte Idee! Robuste Zip-Beutel sind nicht nur wasserdicht (und damit besonders für Flugtickets, Reisedokumente und Kopien davon! geeignet), sondern lassen sich ebenfalls leicht in jedem Rucksack verstauen. Darüber hinaus versuche ich, meine Wertsachen auf mehrere Gepäckstücke, Taschen oder gar eingenähte Extra-Fächer zu verteilen. Versteckte Reißverschlussfächer und kleine Zahlenschlösser für größere Reisetaschen sind ebenfalls Dinge, auf die man achten kann. Ist man in einem Hotel untergebracht, sollte man hier einen meist verfügbaren Safe benutzen.

Wichtig jedoch: Versuche Wertvolles nicht noch wertvoller aussehen zu lassen und vermeide dadurch regelrechte Einladungen zum Diebstahl. Meine Kamera trage ich also nicht in einer großen, teuren Extra-Tasche mit mir rum, sondern verstaue diese sicher (z. B. in einem T-Shirt eingewickelt) in meinem Tagesrucksack. Der Trick lautet: Alles was nicht innerhalb weniger Augenblicke entwendet werden könnte, schreckt potentielle Diebe ab. Alles was gar nicht erst von außen sichtbar ist – noch besser! Abgesehen von diesen Tipps und Tricks heißt es wie so oft im Leben: Kopf einschalten, kurz nachdenken, sich nicht verrückt machen und im Zweifelsfalls auch mal auf sein Bauchgefühl hören.

Bergwacht-Titelbild

Aus dem Leben eines Bergwachtlers

19. Januar 2017
Die Bergfreunde

Bergsport erlebt in den letzten Jahren einen waschechten Boom. Mehr Menschen denn je zieht es in ihrer Freizeit ins Gebirge, um Abgeschiedenheit und Ruhe zu genießen. Und mal unter uns, es gibt ja auch kaum etwas schöneres, als einen Gipfel zu erklimmen – egal ob zu Fuß oder an der Wand. Mit dem hohen Aufkommen an Touristen und Neu-Bergfexen steigen aber auch unweigerlich die Unfall-Zahlen.

Klar, nicht jeder kann mit der Erfahrung eines Reinold Messner aufwarten und in den Bergen gibt es schon von Natur aus mehr Gefahrenquellen als im Club Urlaub an der Playa de Palma. Wenn das Kind dann in den Brunnen gefallen ist – bzw. der Kletterer in die Spalte – dann hilft meistens nur noch eins: Die Bergwacht! Wir wollen die meist stillen Helden unserer Freizeit mal ein wenig ins Rampenlicht rücken und haben dazu mit Michael gesprochen, der in Bayern seit 1996 Berg- und seit 2008 auch als Skiwachtler tätig ist.

Organisation & Alltag der Bergwacht in Deutschland

Die Bergwacht ist in Deutschland zum größten Teil ehrenamtlich organisiert. Also müssen auch Michael und seine Kollegen im Alltag alles stehen und liegen lassen, wenn ein Notruf eingeht. Der Melder ist natürlich immer am Start, während der vier bis fünf Rufwochen im Jahr. Die Aufgaben der Bergwacht umfassen dabei nicht nur die Rettung und Versorgung von Verunfallten sondern auch die Durchführung und Unterstützung von Naturschutzprojekten.

Etwas anders sieht es bei der Skiwacht aus. Diese Stelle begleitet Michael hauptamtlich. Als Skiwachtkoordinator für Sonthofen ist er zum Teil Bürohengst, aber auch regelmäßig auf der Piste. „Ich bin genauso in den Skigebieten unterwegs wie meine Kollegen“, stellt er fest. Auch die Skiwacht hat ein sehr diversifiziertes Arbeitsfeld. Sie sind meist die ersten auf der Piste, prüfen etwaige Gefahrenstellen, bauen Zäune und polstern Schneekanonen ab. Danach findet eine Überprüfung des Sanitätsmaterials auf der Hütte statt.

„Wir sind natürlich immer über Funk erreichbar, falls ein Unfall passiert. Das ist ein großer Teil unserer Arbeit.“

Wenn ein Notfall ansteht, gilt es zu entscheiden, auf welchem Weg der oder die Verletzten abtransportiert werden müssen. Bei der Suche nach Vermissten arbeiten Bergwacht und Skiwacht Hand in Hand. Mehr Augen sorgen schließlich im Zweifel dafür, dass Personen schneller gefunden werden.

Voraussetzungen & Werdegang

Auf die Frage, wie er Bergwachtler wurde, erklärt Michael: „Ich bin über Freunde in die Bergwacht reingerutscht“. Nach dem Reinrutschen ist es allerdings ein recht langer Weg, bis man sich tatsächlich Bergwachtler nennen darf. Neben zwei Eignungsprüfungen muss man bei der Bergwacht in Bayern eine Sanitäterausbildung durchlaufen und mehrere Rettungs- und Naturschutzlehrgänge mitmachen. Insgesamt umfasst das Programm 19 Tage.

Im Anschluss kann man sich auf verschiedene Bereiche spezialisieren, z. B. Canyonrettung, Krisenintervention oder Lawinenhundeführer – und man kann natürlich zur Skiwacht, wie es Michael getan hat. Die körperliche Fitness ist dabei ein absolutes Muss. Schließlich ist man im Zweifel lange zu Fuß, auf der Piste oder auch abseits davon unterwegs. Und man sollte natürlich gerne mit Menschen arbeiten.

Mehr Bergsportler = mehr Unfälle?

Michael und seine Kollegen betreuen in Sonthofen vier Skigebiete, in denen es pro Saison etwa 450 Einsätze gibt. Im Sommer sind es hingegen „nur“ 120 bis 150 Einsätze. Auf die Frage, ob die Bergsportler insgesamt leichtsinniger geworden sind, meint er: „Die Leute sind schon noch genauso vorsichtig wie früher. Wer tut sich schon gerne weh?“ Dennoch sei die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren gestiegen, was aber bei dem aktuellen Aufkommen an neuen Spielarten im Gebirge sowie dem generellen Boom der klassischen Bergsportarten relativ normal sei.

„Es sind einfach viel mehr Menschen in den Bergen unterwegs. Dadurch steigen natürlich auch die Unfallzahlen.“

Nur Berge im Kopf

Im Sommer ist Michael – wen wundert es – neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Bergwachtler noch als Bergführer aktiv und bringt Menschen die Leidenschaft des Alpinismus näher. Im Winter steht dann natürlich die Arbeit bei der Skiwacht im Vordergrund, aber auch in der Freizeit sind die Berge für ihn das regelmäßige Sehnsuchtsziel.

Und weil wir alle ohne Bergwacht eine ganze Ecke ärmer dran wären, wollen wir an dieser Stelle gerne dazu aufrufen, die Organisation mit Spenden zu unterstützen. Für die Bergwacht Bayern lautet die Kontonummer 111 110 02 bei der Sparkasse Bad Tölz, BLZ 700 543 06, IBAN: DE14 7005 4306 0011 1110 02, BIC: BYLADEM1WOR. Weitere Infos zur Spende gibt es hierUnd wenn Ihr gerne für eine andere Bergwacht spenden wollt, dann findet Ihr unter www.bergwacht.de eine Aufführung aller deutschen Dachverbände.

Bergfreunde Gear Tipp! (c) bergfreunde.de

Gear-Tipp: Marmot-Variant-Jacket

17. Januar 2017
Gear-Tipp!

Bergfreund Stephan ist ein leidenschaftlicher Outdoorsportler und weiß für jedes Wetter die richtige Kleidung einzupacken. Heute stellt er ein echtes Multitalent vor. Die Variant Jacket – Kunstfaserjacke von Marmot. Ein Allrounder, den er im Winter genauso tragen kann wie in kühlen Frühlingsmonaten. Wie das möglich ist, erzählt er Euch in seinem Gear-Tipp.

Vorteile

Die Variant Jacket von Marmot ist mein persönliches Lieblingskleidungsstück für die Berge. Egal ob Frühling, Herbst oder Winter, die Jacke kommt bei fast jedem Wetter zum Einsatz und weiß funktionell wie optisch, entweder als Midlayer oder auch als Außenhaut zu überzeugen. Dabei trage ich sie sowohl zum Wandern, Bergsteigen und Schneeschuhgehen, als auch zum Langlaufen.

Die Marmot Variant überzeugte mich vor allem durch ihren tollen Tragekomfort, da sie stets gut am Körper anliegt. Dazu ist sie überaus leicht und sehr bequem, sodass nichts zwickt oder drückt.

Als Außenjacke kann sie bei windigen Frühlings- oder Herbst-Tagen ihre wahre Stärke ausspielen. Durch die winddichte Vorderseite und das Fleece-Material an Armen sowie Rücken wird es einem bei anstrengenden Touren nicht kalt. Außerdem sind bei dieser Jacke endlich mal die Ärmel lang genug für die Daumenschlaufen!

Und auch im Winter macht sie als Midlayer einen super Job, trägt nicht zu dick auf, drückt nicht am Hals und passt somit locker unter meine Hardshell-Jacke. Desweiteren hat mich das Jackentaschen-Konzept überzeugt. Sowohl die zwei Seitentaschen mit gut funktionierendem Reißverschluss (für Handschuhe oder Stirnband) als auch die Innentasche (für Handy oder Wertsachen) bestechen durch Funktionalität.

Verarbeitung & Qualität

Nach zwei Jahren im Einsatz kann ich bisher nur gutes über die Verarbeitung berichten; keine offenen Nähte oder Löcher, trotz sehr regelmäßiger Nutzung. Auch die Farbe der Jacke ist immer noch wie am ersten Tag.

Einsatzgebiet

  • Wandern
  • Bergtouren
  • Klettersteige
  • Langlaufen
  • Skitouren
  • Schneeschuhtouren
  • Freizeit

Für wen eignet es sich besonders

Für alle, die eine Jacke für zahlreiche verschiedene Outdoor Aktivitäten suchen und dabei Wert auf viel Bewegungsfreiheit legen.

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Du hast Deinen persönlichen Gear-Tipp und Lust, diesen mit einem kleinen Beitrag & Foto von Dir hier im Basislager zu veröffentlichen? Hier Deinen Vorschlag einreichen

Winterbegehung Benediktenwand Titel

Kalt abserviert – im Winter durch die Benediktenwand-Nordwand

13. Januar 2017
Die Bergfreunde

Die Jagdsaison ist wieder eröffnet. Ab dem kalendarischen Winteranfang am 21.12. zählt eine durchkletterte Wand offiziell als Winterbegehung. Zumindest per Definition, denn sind wir einmal ehrlich, die Winter sind nicht mehr das, was sie früher einmal waren. Wenig Schnee gab es schon hin und wieder und zweistelligen Temperaturen sind auch nichts Neues. Aber wenn früher jemand im Winter von 15 Grad gesprochen hat, meinte er den Minusbereich! Bis vor Kurzem hatte man hier im Münchner Süden eher Frühlingsgefühle. Aber bei einer Winterbegehung geht es ja auch nicht darum, Härte zu beweisen.

Es geht vielmehr um das besondere Erlebnis der winterlichen Wand und darum, Erfahrungen für andere, ernstere Unternehmungen zu sammeln. Um hierzulande einen richtigen Wintertag zu erleben, muss man eben zeitweise in eine Nordwand einsteigen. Zugegeben, zunächst klang Georgs Wunsch, einmal im Winter durch die Benediktenwand-Nordwand zu klettern etwas verrückt. Aber als uns um Weihnachten herum ein lauer Wind entgegen wehte, war es gar nicht mehr so abwegig. Warum sollten wir es eigentlich nicht einmal versuchen?

Eiszeit

Es ist gerade einmal fünf Uhr morgens, da schlittern wir im Dunkeln schon durch das völlig vereiste Lainbachtal. Mit Kraft geht hier gar nichts, auf den riesigen Eisplatten bedeutet ein Schritt vorwärts immer auch einen halben Schritt zurück. Auf den ersten sechs Kilometern müssen wir hauptsächlich Strecke machen. Im Eilschritt hecheln wir die restlichen drei Kilometer durch steilen Wald zur Tutzinger Hütte hinauf, die dunkel und verlassen im Talboden der Nordwand steht.

Obwohl es vergleichsweise wenig geschneit hat, brechen wir im Zustieg zur Wand bis zur Hüfte in den Tiefschnee. Was wir sonst in eineinhalb Stunden bewältigen hat uns heute über drei gekostet. Als wir die Wand erreichen wird es gerade hell, es kündigt sich ein herrlicher Tag mit strahlend blauem Himmel und wärmendem Sonnenschein an. Außer für uns. Wir verbringen den Tag freiwillig im Gefrierschrank der Nordwand. „Caveman“ heißt die anvisierte Linie. Aber wer weiß, wie weit wir bei diesen Bedingungen überhaupt kommen…

Quer-Fels-ein

Die erste Seillänge im fünften Grad geht noch mit Bergschuhen. Obwohl es kein wirkliches Vergnügen ist, auf diesen eisig nassen Schrägen. Die kalten Finger spüren genauso wenig von den Felsstrukturen wie die Füße – dank der klobigen Schuhe. Die alpinen Hakenabstände verwandeln selbst die leichte erste Seillänge zu einer mentalen Herausforderung. Das ist nichts für schwache Nerven. Mit Kletterschuhen spüren wir die wasserzerfressenen Strukturen der Wand etwas besser, dafür wird es auf den Graswasen weiter oben extrem rutschig.

Nach drei Bohrhaken geht es ohne Sicherungen über nassen Fels und verschneite Graspolster weitere fünfzehn Meter hinauf zum Stand. Um Sicherungen zu legen quert Georg deshalb etwa fünfzehn Meter rechts zu einem Riss-System und legt mir damit ein ganz schön dickes Ei. Eine lange Querung auf rutschigem Terrain steht mir bevor. Völlig verkrampft zittere ich mich herüber, versuche die Füße so wenig wie möglich zu belasten um nicht auszurutschen.

Ein Königreich für eine ferngesteuerte Sicherung wie den E-Frog, am besten gleich als Friend! Per Knopfdruck könnte ich die Sicherung aus der Ferne lösen, stattdessen mogele ich mich wie auf Eiern irgendwie herüber und hinauf. Ein kleiner Vorgeschmack für die Schrofen weiter oben. „Bei Nässe kann es in den leichten Seillängen unangenehm und gefährlich werden – insbesondere weil dort mit mobilen Sicherungen nicht immer etwas Solides zu legen ist,“ warnt das Topo. Werden wir jetzt kalt abserviert? Aber wir wollten ja schließlich keinen Spaziergang machen.

Schwer ist leicht was?

Der Winter hat so seine Tücken, nicht nur wegen der Kälte und dem Eis. Noch dazu sind die Tage extrem kurz – zumindest wenn man das Tageslicht ins Verhältnis zu unserem Schneckentempo setzt. Aber schneller geht es nicht, denn die Tour ist eine fortwährende Aneinanderreihung von heiklen, rutschigen Kletterpassagen. Unsere Verweilzeiten an den Ständen sind für beide extrem lang, da kann man schon mal ins grübeln kommen. Was ist eigentlich schlimmer: schwere Seillängen mit eiskalten Fingern klettern oder wie auf Schmierseife über leichte, dafür verschneite Schrofen ohne Zwischensicherungen?

Eine Winterbegehung gehört zu den Dingen, die man als Kletterer einmal im Leben gemacht haben sollte. Dass es auch Spaß machen muss, hat ja niemand behauptet. Da ist auch gleich wieder eine lustige Passage, die nächste Querung mündet in einem kurzen Überhang. Gerade als ich mich mit voller Kraft darüber wuchten möchte (von grazilen Bewegungen kann man ja nicht sprechen – es ist ein Wunder, dass ich im Michellin-Männchen-Look überhaupt klettern kann) packt mich ein Finger- Krampf!

Wie ein gerupftes Huhn hänge ich im Seil, die Luft ist voller Federn und Daunen. Eigentlich müssten wir jetzt richtig Gas geben, statt dessen schlage ich mich von einem Krampf zum nächsten und kämpfe mich zentimeterweise höher. Die Wand nimmt kein Ende. Über eine tief verschneite Rampe wühlen wir uns nach oben und stehen vor dem nächsten Dach.

Kreuz-Himmel-Herrgott

Wahnsinn wie lang sich diese neun Seillängen ziehen. Die Sonne steht schon tief am Horizont, als wir endlich am Gipfel aussteigen. Erschöpft, erleichtert aber voller Emotionen. Diese Unternehmung hat meine letzten Kraftreserven gekostet, aber wir haben es geschafft! Unvergesslich waren die Einblicke in die winterliche Wand, zudem haben wir extrem viel gelernt.

Besser ansteigen, besser greifen, ordentlich sichern und vor allem in das eigene Können und den Partner vertrauen. Mit den bloßen Händen sind wir durch unsere geliebte Benediktenwand geklettert, obwohl wir vom Fels eigentlich nicht sehr viel gespürt haben. Ob ich mich so schnell wieder zu einer Winterbegehung überreden lasse, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es sei denn, ich finde eine angenehme Weise das Frieren zu trainieren. Aber eines ist gewiss: ein echtes Abenteuer zu erleben, ist manchmal gar nicht so schwer… auch wenn es nur am persönlichen „Hausberg“ ist.

Material:

Tendon Master 7.8mm (Halbseile)
Singing Rock Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen
Totem Cams und Basic Totem Cams von Totem
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tango
Meindl Litepeak GTX
LEKI Micro Vario Carbon

Farbenfrohe Klamotten zum Bouldern von 3rd Rock

Mit Liebe, Farbe und Herzblut – die 3rd Rock Philosophie

11. Januar 2017
Tipps und Tricks

Das junge britische Label für nachhaltig und fair produzierte Climbwear setzt modische und funktionelle Akzente in der Kletterszene. Mit seinem individuellen Style und den ausgefallenen Schnitten und Designs bringt es einen erfrischenden Schwung Farbe und viele raffinierte Details in modischer Bekleidung für Kletterer und Kletterinnen.

Farbenfrohe Klamotten zum Bouldern von 3rd Rock

Als hauptverantwortliche Kraft hinter 3rd Rock steht die professionelle Modedesignerin und Schneiderin Jessica Mor. Aufgewachsen in Derbyshire im Herzen Englands arbeitete Jessica als Schneiderin in London, wo sie für berühmte Modedesigner die Models für ihre Laufstegpräsentationen ausstattete. Abgestoßen und im Inneren unerfüllt von ihrem Job und vom Treiben in der Fashion-Industrie, nahm sie sich eine Auszeit und ging auf Reisen, um sich selbst zu finden und sich über ihre berufliche Zukunft klarer zu werden.

Im südafrikanischen Waterfall Boven entdeckte Jessica Mor auf ihren Reisen das Klettern für sich und verliebte sich bis über beide Ohren in die Quarzitformationen zwischen Johannesburg und dem Krüger Nationalpark. Der gesamte negative Stress, der sich in den Jahren bei ihrer Arbeit in der Modeindustrie aufgestaut hatte, fiel von Jessica ab und der Weg, den sie für ihre Zukunft wählen wollte, wurde immer deutlicher sichtbar und klarer: Mit dem eigenen Kletterlabel die Dinge so anzupacken, dass es sich für sie selbst richtig und gut anfühlt. Weitab von den Vorstellungen und Vorgaben der mächtigen Modeindustrie. In ihrem Tempo. Mit ihren eigenen ökologischen und sozial verantwortlichen Wertvorstellungen.

Die Idee „3rd Rock“ war geboren

Farbenfrohe Klamotten zum Bouldern von 3rd Rock

Der Name 3rd Rock steht für die Erde – für den Planeten, der in unserem Sonnensystem am drittnähesten von der Sonne entfernt ist. Der „dritte Felsbrocken“ eben. Außerdem für die vielen Felsen, Kletterwände und Boulderblöcke und den damit verbundenen Spaß und die Freiheit. Nicht zuletzt ist 3rd Rock auch ein Aufruf, unseren wunderbaren Planeten und seine vielfältige Schönheit zu bewahren und zu schützen und die Natur zu genießen ohne dabei bleibende Schäden zu hinterlassen. „Genießen und Schützen“ sind dabei die grundlegenden Gedanken, die bei 3rd Rock nicht nur fürs Klettern, sondern für eine ganz bestimmte Lebenseinstellung eine umfassende Bedeutung haben. Auf der einen Seite das Leben zu feiern, seine freie Zeit so intensiv wie möglich nutzen, in die Natur zu gehen, die frische Luft zu genießen, zu Klettern, zu Biken, Yoga zu machen und dabei Freiheit zu spüren.

Andererseits aber auch Verantwortung für die Umwelt und unseren„ 3rd Rock“ zu übernehmen. Und dafür hat das Kletterlabel aus England einige Ideen für alle, die meinen, dass sie alleine sowieso nichts ausrichten können. Seinen Müll nicht einfach liegen lassen, Plastiktüten vermeiden oder wiederverwenden, regionale und saisonale Lebensmittel einkaufen und bei der Auswahl der Bekleidung auf organisch angebaute Baumwolle und recycelte Rohstoffe zu achten – das sind die kleinen Dinge, mit denen jeder relativ einfach viel bewirken kann.

Durch umweltverträgliches Design Verantwortung übernehmen

Farbenfrohe Klamotten zum Bouldern von 3rd Rock

3rd Rock Designerin Jess Mor sieht sich als Textilunternehmerin in der Pflicht, den ökologischen Fußabdruck ihrer Kletterbekleidung so gering wie möglich zu halten. Dafür verwendet sie ausschließlich organisch angebaute Baumwolle und erklärt, dass ungefähr ein Viertel aller umwelt- und gesundheitsschädlichen Pestizide, die jedes Jahr weltweit eingesetzt werden, auf herkömmlichen Baumwollpflanzen versprüht werden. Durch die Verwendung und Verbreitung von „Organic Cotton“ kann Jahr für Jahr auf die Verwendung von zig Tonnen an Pflanzenschutzmitteln verzichtet werden.

Hinzu kommen umweltfreundliche Drucke und Farben bei 3rd Rock zum Einsatz, die wasserbasiert und phthalatfrei nach den strengen ÖkoTex Normen hergestellt werden. Für Produkte aus der sogenannten „Earth Collection“ spendet 3rd Rock außerdem direkt £1 pro verkauftes Stück Kleidung an Organisationen, die sich für Menschenrechte und Umweltschutz einsetzen, so z. B. für den Schutz von Bienen.

Durchdachte Klettermode mit Herz und Style

Bei dem umfassenden Engagement könnte man meinen, 3rd Rock sei eine NGO oder eine Umweltschutzorganisation. Auch wenn die Grenzen tatsächlich manchmal zu verschwimmen scheinen, ist 3rd Rock aber vor allem ein Kletterlabel von Kletterern für Kletterer. Die Kletterwear von 3rd Rock ist aus den Wünschen von Sportkletterern und Boulderern entwickelt. An erster Stelle steht dabei die maximale Bequemlichkeit, die beim Klettern mit optimaler Bewegungsfreiheit einhergeht.

Farbenfrohe Klamotten zum Bouldern von 3rd Rock

Viele Hersteller von Kletterbekleidung greifen dafür zu besonders weiten Schnitten und extrem elastischen Materialien. Aus der Sicht von Designerin Jess macht das wenig Sinn und sieht auch nicht besonders toll aus. Stattdessen ist die Klettermode von 3rd Rock eher normal und alltagstauglich geschnitten. Weder zu eng, noch zu baggy. Raffinierte Schnitte und intelligente Kombination von Materialien erlaubt einen hervorragenden Komfort, eine hohe Haltbarkeit. Viele der stylishen Drucke tragen zudem die Botschaft und Philosophie der Macher von 3rd Rock.

Kletterhosen wie die Modelle Skat, Nova oder Eden sind bereits jetzt schon gefragte „Klassiker“ in der Kletter- und Boulderszene. Bunte Tights und sportliche Bras in modischen Farben und mit schicken Details lassen vor allem die Herzen der weiblichen Kletterfans höher schlagen. Für die Männer gibt es dagegen bequeme Klettershorts, Shirts und Tank Tops zur Auswahl.

Ein Leben zwischen Babybrei, Nähmaschine und Kletterfelsen

Ein Kletterlabel gründen, eine Familie gründen und „nebenbei“ auch noch selber so oft wie möglich an den Kletterfelsen oder zumindest in der Boulderhalle ein paar Routen zu klettern – was für viele Menschen schlicht unschaffbar klingen mag, ist der tägliche Spagat von 3rd Rock Inhaberin Jess. Aber ohne die Hilfe ihrer Familie und ihres Partners hätte die Powerfrau aus Großbritannien das nach eigenen Angaben auch nicht schaffen können.

Jess selbst ist mit Sicherheit der stärkste Botschafter für 3rd Rock. Aber auch die zahlreichen „3rd Rock Ambassadors“ tragen die „Green Story“ der jungen britischen Kletterlabels um und in die Welt. Vicki Hau, Or Wechsler, Tom Newman und viele andere junge Talente und Profikletterer testen die 3rd Rock Prototypen und tragen die fertigen Modelle beim Klettern und Bouldern. Gut zu klettern ist gleichzeitig aber nicht das ausschlaggebende Kriterium, um ein Botschafter für 3rd Rock zu sein.

Die Ambassadors stehen für die nachhaltige und sozial verantwortliche Grundhaltung und transportieren die „Grüne Botschaft“, um das Bewusstsein der Menschen und natürlich insbesondere der Kletterszene zu schärfen und den wunderbaren Planeten Erde auch für die kommenden Generationen als lebenswertes Kletterparadies zu erhalten.

Und wenn ihr jetzt richtig Lust auf neue Kletter-Klamotte habt, dann geht es hier hier zum 3rd-Rock-Markenshop!

Yukon Arctic Ultra

Montane Yukon Arctic Ultra – Ein Rennen der Extreme

7. Januar 2017
Die Bergfreunde

Am 5. Februar 2017 fällt im kanadischen Whitehorse der Startschuss zum 14. Montane Yukon Arctic Ultra (MYAU). 100 Teilnehmer aus 17 Nationen sind gemeldet. Die meisten von ihnen starten zu Fuss, aber auch die Disziplinen Mountainbike und Skilanglauf sind vertreten. Bei den möglichen Distanzen ist die Bandbreite groß: Marathon, 100, 200, 300 und 430 Meilen stehen zur Verfügung. Die beliebteste Streckenlänge ist tatsächlich 430 Meilen. Das sind 692 km von der Hauptstadt des Yukon Territory zur der Ziellinie in Goldgräberstadt Dawson City.

Die Strecke folgt dem Trail des Yukon Quest, dem härtesten Hundeschlittenrennen der Welt. Dabei ist alles geboten, was das Herz eines Winterabenteurers begehrt. Zugefrorene Flüsse und endlos lange Seen, Wälder, Sümpfe und hügelige bis bergige Landschaften. Die Wildnis des Yukon erscheint oft endlos.

Neben der Herausforderung für den Körper, bringt dieses Abenteuer auch den Kopf an seine Grenzen. „Man fühlt sich da draußen plötzlich sehr, sehr klein. Das Leben reduziert sich auf überlebenswichtige Dinge. Einen Schritt nach dem anderen tun. Essen. Trinken. Nur nicht schwitzen. Ruhen“, erklärt der deutsche Veranstalter Robert Pollhammer. „Du wirst mit vielen Ängsten konfrontiert. Nachts allein mitten im Nirgendwo. Mit etwas Glück heulen im Hintergrund noch die Wölfe“, fügt Pollhammer hinzu. Das verkraftet nicht jeder.

Wer macht so etwas?

Darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Der jüngste Teilnehmer ist 24 Jahre alt, der älteste Teilnehmer ist 72. Es sind alle Einkommensschichten und viele Berufsgruppen vertreten. Die Fitness reicht vom erfahrenen Wanderer bis zum Profisportler. Und nicht immer erreichen die Profis das Ziel. Denn bei Temperaturen bis – 50 Grad Celsius und derart langen Strecken, ist es verheerend, wenn man sich die Kräfte nicht vernünftig einteilt.

Umso erstaunlicher ist es, dass viele Teilnehmer immer wieder zum MYAU nach Kanada kommen. „Das ist die Magie des Yukon. Viele Starter nehmen zwei-, drei oder viermal teil. So eine Herausforderung erdet und gibt einem Kraft. Auch, wenn man körperlich zunächst sicher k.o. ist“, erklärt Pollhammer. „Dazu trägt nicht nur die unglaubliche Landschaft bei. Unsere Gastgeber an den Checkpoints sind unglaublich freundlich. Die Crew und freiwillige Helfer lieben die Arbeit. Dazu kommt eine familiäre Atmosphäre, die ein Rennen mit maximal 100 Teilnehmern bringen kann. Das gilt ganz besonders für die Teilnehmer über die 300 und 430 Meilen. Hier lernen wir uns alle sehr gut kennen. Nicht selten entstehen Freundschaften fürs Leben“.

Damit die Teilnehmer sicher sind, gibt es eine lange Liste an Pflichtausrüstung. Dazu gehören zum Beispiel eine Expeditionsdaunenjacke, ein Schlafsystem für extreme Kälte, Säge, Stirnlampe und Kocher. Für den Transport der Ausrüstung nehmen die Läufer- und Skilangläufer eine Pulka. Die Fatbiker nutzen jeden verfügbaren Platz an ihren Rädern. Eine Mannschaft von Schneemobilfahrern fährt den Trail regelmäßig ab, um nach dem Rechten zu sehen. Für extra Sicherheit sorgen noch die sogenannten SPOT-Geräte. Das sind GPS-Sender, die regelmäßig die Positionen der einzelnen Teilnehmer durchgeben. Dazu kann man mit einem SPOT noch Nachrichten senden. Das geht von einem einfachen „okay“, über ein Hilfesignal bis zu einem echten Notruf. Die SPOTs ermöglichen es zudem Familie, Freunden und Kollegen daheim, das Rennen zu verfolgen. Achtung: Suchtpotenzial! Wer einmal anfängt, einem SPOT-Tracker zu folgen, kann oft nicht mehr damit aufhören.

Der Non-Stop Modus des MYAU sorgt dafür, dass sich das Teilnehmerfeld schnell in die Länge zieht. 100 Meilen oder mehr zwischen den Führenden und den Letzten ist absolut keine Ausnahme. Wer es möchte, kann sein ganzes Rennen alleine bestreiten. Andere schließen sich lieber spontan zu kleinen Teams zusammen.

Extrem – aber nicht um jeden Preis

Gefahren gibt es viele. Risiko Nummer 1 sind sicher die Auswirkungen der Kälte. Passt man nicht auf, holt man sich schnell eine Erfrierung. Wer sich eine Erfrierung einfängt, für den ist laut Reglement das Rennen beendet. Denn zunächst harmlose Erfrierungen können durch weiterführende Temperaturschwankungen zu einem echten Problem werden. Besonders gefürchtet sind die sogenannten „Overflows“. Hier sammelt sich Wasser über einer Eisschicht und unter einer Schicht Schnee. Nicht immer sind solche Stellen leicht zu erkennen. Mit etwas Glück ist das Wasser nicht tief. Doch es kann durchaus vorkommen, dass man plötzlich bis zur Hüfte im kalten Nass steht. Dann heißt es, Ruhe bewahren und Schritt für Schritt richtig reagieren.

Immer wieder machen sich die Athleten Sorgen um Wölfe oder Bären. Letztere halten Winterschlaf und Wölfe sind eher menschenscheu. Taucht ein Elch vor einem auf, ist wesentlich mehr Gefahr im Verzug. Dann ist Zurückhaltung angesagt. Verscheuchen könnte bei einem Elch aggressives Verhalten auslösen und böse Konsequenzen haben.
Wesentlich öfter bereiten den Athleten die körperlichen Strapazen Probleme. Knie, Rücken, Hüfte und Füße leiden wie bei allen Langstrecken-Veranstaltungen. Deshalb ist es wichtig, Warnsignale nicht zu ignorieren. Ein klassisches Beispiel sind Blasen an den Füßen. Wartet man zu lange mit der Problemlösung oder einer Behandlung, werden Blasen schnell so groß, dass nur noch die Aufgabe bleibt.

Der Lohn für all die Mühen? Man erfährt eine beeindruckende Stille. Man kommt an Orte, die andere Menschen niemals sehen werden. Man lernt Leute kennen, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Und, mit etwas Glück, sorgen Nordlichter nachts für ein unvergessliches Lichterspiel.

Wer also einmal seine Grenzen ausloten will, der hat beim MYAU eine Gelegenheit dazu, denn es gibt keine klassischen Teilnahmekritierien. Wichtig ist, dass man die Kälte mag. Es ist auch gar nicht so entscheiden, dass man ewig lange laufen kann. Aber man sollte sehr lange wandern können und Schlafmangel gut vertragen. Den Rest schafft man mit gezielter Vorbereitung und der richtigen Ausrüstung. Nach dem Event werden wir übrigens noch einen Nachbericht liefern und mit den Athleten sprechen. Bleibt also dran, das dürfte interessant werden!

Winter wandern

Abenteuerliche Reisen in den Norden – Herbst und Winter

5. Januar 2017
Die Bergfreunde

Das neue Jahr ist noch taufrisch und einige haben vielleicht noch ein paar Tage Urlaub. Für diese Glücklichen ist dieser Artikel eventuell eine schöne Inspiration – gerade wenn man mit der Familie unterwegs ist. Geertje von der nordicfamily gibt im zweiten Teil schöne Tipps für Herbst und Winter. Diesmal dabei: Rasante Zipline-Abenteuer in Schweden und Hundeschlittenfahrten durch einen echten Winter in Lappland.

Herbst: Zipline in Schweden

Der Süden Schwedens ist für viele Familien einfach von Deutschland aus zu erreichen. Wegen eigener Kindheitserinnerungen oder der aktuellen Literatur aus dem Kinderzimmer besucht man gerne die Wohnorte von Pippi, Michel und Lotta aus der Krachmacherstraße.

Wir reisen in den Herbstferien auf einem Roadtrip durch den Süden Schwedens und entdecken viele interessante Orte und schöne Plätze in der Natur.
An einem sonnigen und kühlen Tag zieht es die ganze Familie zur Rocky Lake Zipline etwas nördlich von Kosta in Småland.
Diesmal ist es ein Mädelsding, etwas für mutige Frauen. Die Männer werden das Abenteuer dokumentieren.

Wir halten auf einem kleinen unauffälligen Parkplatz und stiefeln einen Berg hinauf. Hohe Türme geraten in Sichtweite und Drahtseile, die diese verbinden. Wir haben einen fabelhaften Ausblick vom Startpunkt der Zipline über den See Ämghultasjön und eine hügelige Landschaft.

Zwei Guides statten uns mit Klettergurten und der ganzen Ausrüstung aus. Ein Tuch über die Haare und ein Helm auf den Kopf. Wir sehen mit all dem Klimbim ganz schön gut aus. An einem 3 Meter langen Stahlseil anderthalb Meter über dem Boden erklärt Peter, unser Guide, den Bewegungsablauf. Klingt alles logisch.

Dann geht’s hoch auf den ersten Turm, dann über eine Hängebrücke. Spätestens hier kann man merken, ob man Höhenangst hat und noch mal vom Abenteuer zurücktreten möchte. Wir halten durch und dann geht es auch schon los, die erste Zipline ist 95 Meter lang und über den Baumwipfeln. Die Tochter wird mit ihren Karabinern befestigt und bekommt Anweisungen zum Start. Beine anziehen oder weg strecken. Hände oben an die Bremse.

Aber lieber nicht in der Fahrt bremsen, sonst kommt man vielleicht nicht ganz rüber zum Turm. Die zierliche Neunjährige bekommt noch einen Rucksack mit Steinen aufgesetzt, damit sie auch rüber kommt und genug Schwung hat. Ich bin ein bisschen mit aufgeregt, als ich sie darüber flitzen sehe und bin als Nächste dran. Der Moment von der Plattform los zu sausen ist gigantisch. Der kalte Wind weht mir ins Gesicht, ich sehe die Welt von oben und fliege über die bunten Herbstbäume in Småland. Als ich am gegenüberliegenden Turm ankomme, empfängt mich die Tochter mit erwartungsvollen Blicken. Wir plappern uns gegenseitig voll, wie überraschend, kribbelig und aufregend die erste Fahrt war.

Schon geht’s auf den nächsten Turm, noch höher, noch weiter. Die längste Strecke, die wir zippen, ist über vierhundert Meter lang. Die höchste Geschwindigkeit kann bis 75 Kilometer pro Stunde betragen. Als ich über einen Fluss „fliege“ spiegelt sich mein Abbild im Wasser viele Meter unter mir. Mir bleibt fast die Luft weg vor Staunen.

Der kleine blaue Köttbullar (Fleischbällchen), meine Tochter vor mir, sieht manchmal richtig lustig aus, wenn sie durch den Wald schießt. Jedoch leuchten der blaue Helm und die blaue Jacke unerhört zwischen den warmen Herbstfarben im schwedischen Wald. Die letzte Station, an der wir schließlich nach der sogenannten Kamikaze Tour ankommen, heißt „Happy Ending“. Voll mit Glückshormonen, einer gehörigen Portion frischer Luft und einem bestandenen Abenteuer mehr im Gepäck beschließen wir den langen Nachmittag.

Das besondere an diesem actionreichen Erlebnis ist es, die Natur aus einer anderen Perspektive zu erleben und über weite unberührte Landschaft zu blicken und am Ende dann gemeinsame Erinnerungen daran zu haben.

In Småland gibt es ein breites Angebot von Unterkünften. Ganz typisch wohnt man in einem roten Holzhaus. Diese Ferienhäuser gibt es auf Zeltplätzen oder als individuelle Unterkünfte bei Ferienhausanbietern. Es bietet sich auch eine Tour mit Wohnmobil oder Zelt durch die Region an. Angefangen vom Ikea Museum über das Glasreich und die Zipline bis hin zum Theaterpark Astrid Lindgrens Welt hat die Region in Südschweden viel zu bieten.
Auch in der Nebensaison, wie im goldenen Herbst, kann man die Natur auf verschiedene Art und Weise erleben und die Kultur kennenlernen.

Einerseits kann man über Norddeutschland und Dänemark die Region Småland mit dem Auto erreichen. Eine entspannte Variante bieten auch die verschiedenen Fährlinien, die über die Ostsee nach Trelleborg fahren.

Das Erlebnis Zipline kann man hier buchen: www.swedenzipline.com/de

Über die Region: www.visitsmaland.se/de

Winter: Hundeschlittenfahren mit der ganzen Familie in Lappland

Es ist schon Frühling in Deutschland. Erste Frühblüher haben die Blätter aus dem Boden gereckt während hier in Schwedisch Lappland noch der Schnee meterhoch liegt. Bei den Samen gibt es acht Jahreszeiten und wir befinden uns gerade im Spätwinter. Wir haben gerade ein paar sonnige Wintertage im nördlichsten Skigebiet Europas verbracht. In Björkliden ist im Spätwinter Hochsaison.
Jetzt sind wir auf dem Weg zu unserem Freund Sebastian. Er hat sich als Deutscher Auswanderer in der Nähe von Kiruna mit seinen drei Dutzend Hunden niedergelassen und bietet im Winter Hundeschlittentouren an.

Gemeinsam helfen wir beim Vorbereiten der Schlitten. Unsere Große packt kräftig mit an und darf mit dem Musher (derjenige, der den Hundeschlitten lenkt) die Hunde zu ihren Schlitten führen und sie anleinen. Die Hunde sind mächtig aufgeregt, denn sie wissen, dass es gleich los geht. Ein Bellen und Kläffen schallt über den großen Hof. Wir packen Thermoskannen, Feuerholz und ein paar belegte Brote in eine große Kiste und befestigen sie auf einem der Schlitten. Der Papa darf einen Schlitten führen und Sebastian den anderen. Ein paar von uns sind die Passagiere und dürfen sich genüsslich auf dem Rentierfell bespannten Schlitten zurücklehnen.

Alle stehen in den Startlöchern. Sebastian hat vorher erläutert, wie das mit dem Bremsen funktioniert und wie sich die Passagiere in den Kurven verhalten sollen. Es ist eigentlich nicht sehr kalt, jedoch tragen wir große robuste Overalls und extra dicke Stiefel, denn der Fahrtwind kann auch schon mal empfindlich kalt wirken. Die Musher lösen die Bremsen, das Hundegebell lässt nach, als die Vierbeiner endlich losrennen dürfen. Schnee wird aufgewirbelt und die Hunde rennen, als gäbe es kein Morgen. Es geht durch den Wald und manchmal muss ich mich als Passagier ducken, damit ich keinen Tannenzweig ins Gesicht bekommen.

Die Kinder jauchzen vor Freude, weil es so flott voran geht. Über einen zugefrorenen See gleiten die Gefährte durch den tiefen, fast sulzigen Schnee. Dann geht es wieder zwischen kleine Krüppelkiefern, in eine Kurve und da passiert es. Der Schlitten kippt um und wir landen im tiefen weichen Schnee. Alle lachen, niemandem ist etwas passiert. Sebastian ordnet die Leinen und sortiert alles wieder richtig, während der Schlitten mit der Bremse gut gesichert ist.

Alles ist voller Schnee, ein bisschen ist in meinem Nacken gelandet. Eine schöne Erfrischung. Es geht weiter bis zu einem verwunschenen Ort, einer Lichtung im Wald. Dort steht ein Lavvu, so heißen die samischen Zelte. Die Musher zünden ein Lagerfeuer aus Birkenholz an. Die Kinder versorgen die Hunde, kuscheln und spielen mit den tollen Tieren. Es gibt belegte Brote, Kakao aus Thermoskannen und für die Großen wird Kaffee über dem offenen Feuer gekocht, Kokkaffe. Es ist eine Wissenschaft für sich und ein besonderer Genuss, wenn man im Winter draußen am Feuer sitzt und heißen, frisch gebrühten Kaffee in der Hand hält.

Die Rentierfelle isolieren von unten während wir zusammen sitzen und samischen Geschichten lauschen.
Bald müssen die Hundegespanne wieder vorbereitet werden. Die Kinder tollen gerne mit roten Wangen draußen im Schnee und merken gar nicht, wie die Zeit vergeht. Beim nächsten Mal werden wir auf jeden Fall eine mehrtägige Hundeschlittentour unternehmen, denn eine Nacht im Lavvu unter Nordlichtern würde sicherlich auch Groß und Klein begeistern.

Wir bringen alle Hunde, Kinder und Schlitten wieder sicher auf den Hof. Dann wird es langsam Nacht und die ersten Sterne funkeln am Himmel. Weit ab von den großen Städte ist die Nacht besonders schwarz, und man kann den nördlichen Sternenhimmel gut bewundern. Ein paar mäandernde Nordlichter lassen uns noch für eine Weile gebannt in den Himmel schauen. Die Kinder erzählen, dass in ihnen die Seelen der verstorbenen Tiere durch die Lüfte fliegen.

Eine Hundeschlittentour in Lappland ist etwas für Winterfreunde und Tierliebhaber. Kinder wie Erwachsene fühlen sich besonders verbunden mit der unendlichen Stille und der Natur des Nordens.

Ob im Süden von Schwedisch Lappland, wie im Ort Arvidsjaur, wie auch weiter im Norden in Kiruna und Abisko kann man Wintererlebnisse wie Hundeschlitten-Touren buchen.

Am besten fragt man bei den jeweiligen Gastgebern nach Empfehlungen. In der Nähe von Kiruna und auch südlich von Arvidsjaur kann man sogar auf einer Huskyfarm zu Gast sein und seinen ganzen Urlaub mit den Hunden verbringen.

Sprachprobleme muss man nicht fürchten, wenn man sogar bei deutschen Auswanderern zu Gast ist.
Direktflüge gibt es regelmäßig von verschiedenen deutschen Städten mit Flycar nach Arvidsjaur. Nach Kiruna kann man von Stockholm aus fliegen. Einen echten Winter kann man so von Deutschland aus in wenigen Stunden erreichen.

Über die Region Kiruna: www.kirunalapland.se/en

Tipps und Tricks zu Klemmkeilen

Tricks und Tipps rund um das Thema Klemmkeile

3. Januar 2017
Tipps und Tricks

Ein guter Klemmkeil ist ein unverzichtbarer Grundbaustein jedes Trad-Racks. Die Dinger sind klein, (relativ) billig und halten eine Menge aus. Sie funktionieren rein passiv, haben keine beweglichen Teile, sind also nahezu unkaputtbar und wetterunabhängig. Im Winter frieren sie nicht ein und im Sommer – funktionieren sie eh! Schmelzen werden sie jedenfalls nicht.
Trotzdem gibt es ein paar kleine, aber feine Details, die man beachten sollte und die einem den Umgang mit Klemmkeilen deutlich erleichtern.

Die sichere Anbringung als A und O

Tipps und Tricks zu Klemmkeilen

  • Jeder Klemmkeil ist nur so gut wie seine Platzierung. Deshalb gibt es ein paar Grundregeln, die man auf jeden Fall einhalten sollte.
    Solider Fels: vielleicht die größte Gefahr beim Legen eines Klemmkeils. Wird der Keil nicht in absolut festem Gestein gelegt, kann durch die sehr hohe Sprengwirkung der Keile das Gestein wegbrechen und die Absicherung ist Toast. Der Fels darf keine kleinen Strukturen aufweisen, die abplatzen könnten. Keile dürfen nicht in loses Gestein oder hinter dünne Schuppen gelegt werden. Auch Dreck und Eis sind eine mögliche Gefahrenquelle – lieber den Riss vorher reinigen (zum Beispiel mit dem Klemmkeilentferner).
  • Maximaler Kontakt: der Klemmkeil sollte mit zwei gegenüberliegenden Seiten möglichst komplett am Fels aufliegen. Bei großen Freiräumen kann der Keil (durch die Seilbewegung) aus der Platzierung gewackelt werden oder erst gar keine ausreichende Klemmwirkung aufbauen. Deswegen immer darauf achten, die richtige Größe für den richtigen Spalt zu finden. Bei sich weitenden Rissen bieten zum Beispiel Offset-Klemmkeile eine gute Möglichkeit, das Maximum an Auflagefläche zu erreichen.
  • Belastungsrichtung beachten: es sollte stets darauf geachtet werden, dass der Keil so gelegt ist, dass er die Sturzenergie optimal aufnehmen kann. Im Normalfall wird die Belastungsrichtung im Sturzfall nach unten wirken – ein Gegenbeispiel ergibt sich, wenn ein Klemmkeil zum Schutz gegen eine Belastung nach oben (zum Beispiel bei der Verwendung am Standplatz) angebracht wurde.
  • Die passende Größe finden: gerade am Anfang, wenn man sein neues Klemmkeilsortiment noch nicht so genau kennt, wird man wohl öfters einmal hin- und her probieren müssen, bis man die richtige Größe gefunden hat. Dazu am besten die Klemmkeile am Karabiner lassen, so kann man schnell die verschiedenen Größen durchprobieren – ohne langes Gefummel.
  • Die Aufbewahrung am Gurt: das ist Geschmackssache. Praktisch ist ein ovaler Karabiner mit Keylock-Nase. Durch die ovale Form ist eine optimale Handhabung gewährleistet. Die Keylock-Nase verhindert zudem ein nerviges Verhaken des Klemmkeil-Kabels in der Karabinernase. Der dritte Vorteil gegenüber einem billigen Plastikkarabiner – man hat im Notfall noch einen vollwertigen Karabiner mehr dabei. Ob als Abseilkarabiner, für den Aufbau eines Flaschenzug-Systems (hier sind ovale Karabiner besonders gut geeignet) oder für sonstige Zwecke. Ist man in kurzen, eher schweren Routen unterwegs, kann man die Klemmkeile auch schon direkt an seine Expressen hängen und spart sich damit wertvolle Zeit beim Legen.

  • Auf guten Sitz achten: relativ selbstverständlich ist es, den Klemmkeil kurz anzuziehen, damit er im Riss optimal sitzt und nicht so leicht herauswackelt. Um zu verhindern, dass der Keil durch Seilbewegungen aus dem Riss wandert, verlängert man dazu die Absicherung – lange Expressen oder Bandschlingen helfen, den Seilverlauf zu begradigen und reduzieren die Gefahr herausfallender Keile.
  • Klemmkeilentferner: den sollte man in der Tat nie vergessen. Der Nachsteiger sollte unbedingt einen dabeihaben, aber auch für den Vorsteiger ist er praktisch. Dreck und Eis lasen sich aus Rissen entfernen und auch beim Platzieren von Keilen und anderen Absicherungen in engen Rissen und Löchern ist der Klemmkeilentferner Gold wert.
  • Am Boden üben: die vermutlich beste Methode, in aller Ruhe seine Ausrüstung kennen zu lernen. Welcher Keil für welche Rissgröße passt und wie man am besten an seine Klemmkeile kommt, ist keine Erfahrung, die man gerne in schwindelnder Höhe, sechs Meter über der letzten Zwischensicherung macht. Mit der Aussicht auf einen schmerzhaften Sturz – kein schönes Gefühl. Deswegen alle Sicherungsmittel, mit denen man noch nicht voll vertraut ist, in sicherer Höhe am Fels austesten und idealerweise von einem erfahrenen Kletterer beurteilen lassen. Gerade für Anfänger ist es ratsam, einen Profi zu fragen und die eigenen Absicherungen von ihm überprüfen zu lassen.

 

Wichtiger Hinweis zum Schluss:

Diese Tipps sind keineswegs vollständig und ersetzen keine Schulung. Sie ersetzen auch nicht die ernsthafte Auseinandersetzung mit Fachliteratur und Bedienungsanleitungen der Absicherungsmittel. Diese sind meist sehr ausführlich geschrieben und geben einen guten Einblick in die Möglichkeiten und Grenzen der jeweiligen Sicherungsmittel. Ergänze diese theoretischen Kenntnisse durch die Erfahrung anderer Bergsteiger, Kletterer oder durch den Besuch eines entsprechenden Lehrgangs!

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Schlafplatz gesucht – was ist wo erlaubt beim Wildcampen in Deutschland?

29. Dezember 2016
Tipps und Tricks

Für Liebhaber des Draußenseins gibt es wohl kaum etwas Schöneres als ein richtiges Himmelbett – das Schlafen unter freiem Himmel mit Blick auf das Sternenzelt – wohl eine der intensivsten Arten, ganz tief in die Freuden der Natur einzutauchen. Doch egal ob man einfach Schlafsack und Isomatte bevorzugt, einen simplen Biwaksack oder ein richtiges Zelt, niemand möchte jäh vom diensthabenden Ranger aus seinem Traum herausgerissen werden oder verdattert in die klaffende Gewehr-Mündung vom Jäger mit Schäferhund blicken. Wer dort übernachtet, wo es verboten ist, kann schon mal eine unangenehme, manchmal sogar teure, Überraschung erleben. Und verboten ist in Deutschland vieles. Wir wollen Euch einen kleinen Einblick zur Rechtslage des Wildzeltens, oder einfach auch Übernachtens, in unserem Land geben.

Allgemeines zum Wildcampen – ein Versuch

Zunächst ist es wichtig zu erwähnen, dass die Gesetzeslage zum Wildzelten und Übernachten im Freien in Deutschland mehr als unübersichtlich ist. Dieser Artikel soll demnach nur einen kurzen Einblick in die Gesetzeslage zum Übernachten im Freien geben und erhebt absolut keinen Anspruch auf Vollständigkeit und auch keinen auf Universalität oder das Prädikat „juristisch wertvoll“. Wer ins Detail recherchieren möchte, sollte sich mit den Naturschutz- und Waldgesetzen des jeweiligen Bundeslandes vertraut machen. Denn genau hier liegt das Problem – was man in der Natur darf und was nicht, wird Bundesland-intern geregelt. Passierschein A38 lässt grüßen.

Generell gilt: In Naturschutzgebieten, z.B. Nationalparks, Biosphärenreservaten oder Biotopen, ist das Campen streng verboten. Die Küstenbereiche Deutschlands sind ebenfalls als gesonderte Schutzgebiete streng geschützt, deshalb kann ein Übernachten an Stränden oder in Dünen richtig zu Buche schlagen. Basis für diese Regelung ist das Bundesnaturschutzgesetz sowie Anordnungen am jeweiligen Ort zum Wegegebot (Bleiben auf gekennzeichneten Wegen) und ausdrückliche Verbote zum Lagern oder Campen, z.B. auf Verbotsschildern oder Tafeln. Eine weitere halbwegs universelle Regel ist, dass ich auf Privatgrund, auch Privatwald, mit der Zustimmung des Eigentümers übernachten darf.

Das sogenannte Betretungsrecht beinhaltet, dass Wälder und Flure, egal ob privat oder nicht, zum Zwecke der Erholung betreten werden dürfen, solange man die allgemeinen Verhaltensregeln des Naturschutzes nicht verletzt. Auch laut §59 des Bundesnaturschutzgesetzes ist jedermann das „Betreten der freien Landschaft auf Straßen und Wegen sowie auf ungenutzten Grundflächen“ zu diesem Zweck gestattet. Da Schlaf nun einmal das Non-plus-Ultra der Erholung ist, fällt er streng genommen auch darunter. Im Klartext – ein mehrstündiges Dösen unterm Baum, und das eigentlich auch über Nacht, wird hier nicht explizit verboten, da nur das „längere Verweilen“ an einem Ort verboten ist. Wann „kürzer“ aufhört und „länger“ anfängt, bleibt eine gesetzliche Grauzone. Übernachten, nicht zelten!, in der freien Natur ist somit weder verboten noch erlaubt.

Zelten oder Biwakieren?

Es klang eben schon an: Draußen schlafen ist nicht gleich draußen schlafen. Das Gesetz macht einen Unterschied zwischen dem Schlafen im Zelt und dem Biwakieren, also Schlafen unter freiem Himmel ohne Zelt (z.B. nur mit Schlafsack/Isomatte, Hängematte oder selbst gebautem (nicht festem) Shelter). Beim genannten Betretungsrecht beziehe ich mich hier auf das bloße Übernachten ohne Zelt, das so gesehen wesentlich unproblematischer ist als Campen mit Zelt. Denn zum Biwakieren gibt es, im Gegensatz zum Zelten, nirgends ausdrückliche Regelungen im Gesetz.
Auch ist „draußen“ im deutschen Gesetz nicht gleich draußen. Es gibt eine Unterteilung in freie Landschaft und Wald, bei denen es jeweils, wie bereits erwähnt, je nach Bundesland unterschiedliche Schutzgesetze gibt. Im Folgenden findet Ihr eine kleine Übersicht darüber, was man wo darf.

Darf ich im Wald zelten?

Nein. Auch hier greifen die Landesgesetze der einzelnen Bundesländer sowie das Bundeswaldgesetz. Generell gilt: Zelten im Wald ist in Deutschland nicht erlaubt! In manchen Bundesländern ist das Betreten des Waldes außerhalb der Wege in der Nachtzeit sogar verboten. Gehört der Wald einer Privatperson, befindet man sich sowieso auf Grund, der ohne Genehmigung gar nicht betreten werden darf. Im Bundesland Berlin sollte man gesondert auch beim Biwakieren aufpassen, denn dort sind neben Zelten auch Shelters und Tarps ohne die Zustimmung des Eigentümers verboten.

Darf ich in freier Landschaft zelten?

Jein. Als freie Landschaft „zählen die Gebiete außerhalb des Waldes – wo ein eigenständiges Betretungsrecht greift – und außerhalb der bebauten Ortslagen“ (Bundesnaturschutzgesetz §44). Für das Zelten in freier Landschaft gibt es keinen Passus, der es explizit verbietet. Doch da man in Deutschland in vielen Fällen nicht erkennen kann, ob man sich auf privatem Grund befindet, bzw. dies sehr oft der Fall sein wird, sollte man besser nicht in der freien Landschaft sein Zelt aufbauen – nicht zuletzt um das beschriebene Eingangsszenario zu vermeiden. Nur weil es laut Landesgesetz kein Verbot gibt, heißt das nicht, dass das Zelten in der freien Landschaft im jeweiligen Bundesland auch erlaubt ist, wenn keine anderen Regelungen dagegenstehen. Hat man sich vorher allerdings die Genehmigung des Grundbesitzers eingeholt, kann man über den Dingen stehen und ruhigen Gewissens die Reise ins Traumland antreten.

In Bayern beispielsweise ist das Zelten in freier Landschaft nicht ausdrücklich verboten, genauso wie in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Hessen und Berlin. In Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und im Saarland dagegen ist das Wildzelten in freier Landschaft überall ohne Ausnahme verboten. In Bremen darf man auf Feldern nicht zelten, ansonsten herrscht kein ausdrückliches Verbot. In Brandenburg ist das Zelten Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderern erlaubt, „wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen.“ (§49, BbgNatschG)

Was sind die Alternativen?

Wer in den Genuss des Draußen-Schlafens kommen und dabei auf der sicheren Seite sein möchte, für den gibt es in Deutschland ein paar Alternativen. Gemeint sind hier die Alternativen, die einem Wildzelten oder Biwakieren in der freien Natur „in Reinform“ noch am nächsten kommen – abseits von Campingplätzen, Trekkinghütten und sonstigen Einkehrmöglichkeiten.

Spärlich gesät, aber doch vorhanden sind in einigen Teilen Deutschlands die Naturlagerplätze, wie sie manch ein Skandinavienfreund im hohen Norden schon gern genutzt hat. Bei diesen Plätzen handelt es sich um kleine freie Flächen für wenige Zelte, die meist nur zu Fuß oder mit dem Rad zu erreichen und für eine, maximal zwei Nächte zur Übernachtung vorgesehen sind. Manchmal sind die Plätze mit Komposttoiletten, Feuer- oder Kochstellen ausgestattet. In Deutschland gibt es diese Art Schlafplätze seit kurzem als eine Art Pionierprojekt des Internetforums outdoorseiten.net e.V. in der Eifel (http://www.trekking-eifel.de/de/). Diese sind vorab zu buchen und gegen einen Obolus von 10 Euro zu nutzen. Dafür erhält man aber etwas mehr als nur ein Plätzchen zum Zeltaufschlagen – Sitzgruppen, ein stilles Örtchen und Plattformen aus Holz laden zum Genuss der frischen Luft ein, und das auch noch mit einem Fuß in der Komfortzone.

In Schleswig-Holstein gibt es ebenfalls ausgewiesene Naturlagerplätze, die nicht nur vom Land, sondern auch teilweise von Privatpersonen zur Verfügung gestellt werden. Die Seite Wildes Schleswig-Holstein stellt Ort, Koordinaten und kurze Infos zu den Plätzen für alle Radler und Trekker bereit.

Beliebt bei Fans des Elbsandsteingebirges ist das sogenannte Boofen, das sich ehemals aus der Kletterkultur entwickelte. Geschlafen bzw. biwakiert wird hier unter Überhängen oder in kleinen Höhlen im Sandstein, allerdings gibt es strenge Auflagen zu beachten, denn immerhin befindet man sich im Nationalpark. Offenes Feuer ist verboten, was auch stets kontrolliert und geahndet wird. Außerhalb der Boofen darf nicht übernachtet werden. Im Gebirge gibt es etwa 57 ausgewiesene Boofen, zu finden unter: www.wandern-saechsische-schweiz.de/wordpress/boofenliste

Schlusswort

Was das Naturschutzgesetz in §1 bereits festschreibt, sollte in uns allen fest verankert sein:

„Natur und Landschaft sind auf Grund ihres eigenen Wertes und als Grundlage für Leben und Gesundheit des Menschen auch in Verantwortung für die künftigen Generationen im besiedelten und unbesiedelten Bereich nach Maßgabe der nachfolgenden Absätze […] zu schützen[…].“

Ohne sich in gebetsmühlenartigen Oberlehrer-Standpauken verlieren zu wollen: Man kann nicht oft genug dazu aufrufen, sich als Mensch als Gast in der Natur zu sehen und sich auch so zu verhalten. Hier gilt es, das Prinzip „Leave no Trace“ (Hinterlasse keine Spuren) mit gesundem Menschenverstand umzusetzen – egal ob Privatgrund oder nicht. Müll wird nicht zurückgelassen, kein Lärm gemacht, wo kein Örtchen vorhanden ist, werden Hinterlassenschaften vergraben, und alles, was Strukturen in der Natur nachhaltig verändert (beispielsweise Feuermachen auf einer Wiese ohne Feuerstelle, Absägen von Bäumen für Feuerholz etc.) ist zu unterlassen. Es sollte jedem, dem die Natur am Herzen liegt, selbstverständlich sein, dass man den Rastplatz so verlässt, wie man ihn vorgefunden hat – egal ob man nun dort geschlafen hat oder nicht.
Bundesländer, Wald, freie Landschaft, Privatgrund oder nicht – dass die Gesetzeslage in Deutschland zum Wildcampen äußerst kompliziert und kaum auszuklamüsern ist, überrascht wohl niemanden. Wer Touren plant, bei denen ein Übernachten in freier Natur unvermeidlich ist, der sollte sich vorher eingehend über die Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes informieren. Genauso wichtig wie sich durch Gesetzbücher zu fräsen ist es aber, den gesunden Menschenverstand einzusetzen. Wer Privatgrundbesitzer freundlich fragt, am Waldrand zelten zu dürfen oder in einem einsamen Stück Landschaft eine kurze Nacht im Schlafsack mit zeitigem Weiterziehen verbringt, ohne jegliche Spuren in der Natur zu hinterlassen, den muss kein schlechtes Gewissen grämen.

Disclaimer: Dieser Artikel soll keine Empfehlungen zum Übernachten in der Natur aussprechen oder Menschen dazu animieren, immer und überall draußen ihr Lager aufzuschlagen! Er soll lediglich Fakten wiedergeben. Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Hilfreiche Links zum Thema:
http://vivalranger.com/home/wissen/outdoorrecht (fundierter 3-teiliger Artikel)
https://www.youtube.com/watch?v=npcYlWZ4_t8 (Kai Sackmann, Bushcraft- und Survival-Experte, erklärt die Sachlage zum Übernachten im Wald)
https://dejure.org/gesetze/BNatSchG (Bundesnaturschutzgesetz)
https://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bwaldg/gesamt.pdf (Bundeswaldgesetz)

Bergfreunde Gear Tipp! (c) bergfreunde.de

Gear-Tipp: Trangia – 27-3 Spiritus Sturmkocher

27. Dezember 2016
Gear-Tipp!

Trangia – 27-3 Spiritus Sturmkocher

Bergfreund Johannes hat auf seinen Reisen Stürmen und Gezeiten getrotzt und an den entlegensten Orten kampiert. Damit es dort nicht nur Käsebrot und Müsliriegel gibt verlässt er sich auf seinen getreuen Tangia Sturmkocher, um auch ohne Stromanschluss kulinarische Köstlichkeiten zu genießen. Warum es ihm gerade sein TRANGIA – 27-3 Spiritus Sturmkocher so angetan hat, erzählt er euch in seinem Gear-Tipp:

Was ist der TRANGIA – 27-3 Spiritus Sturmkocher genau?

Das Standardset des TRANGIA – 27-3 beinhaltet 2 Töpfe, eine Pfanne mit Non-Stick-Beschichtung, einen Spiritusbrenner, eine Topfzange, zwei zusammenschraubbare Teile die den Windfang bilden und einen Riemen zum verschnüren. All diese zusammengehörigen Teile ergeben im aufgebauten Zustand einen Sturmkocher mit verstellbarer Brennintensität, der selbst in bitterkaltem Wintersturm, im Schutze des Aluwindfangs „in Ruhe sein Ding köchelt“.

Zusammengepackt (was in diesem Falle bedeutet ineinander gestapelt) ergeben alle 8 Teile ein überraschend kleines, kompaktes und robustes Paket mit den Maßen 18,5cm x 10cm und einem Gesamtgewicht von 740 Gramm. Beachtlich wenn man bedenkt, dass es sich ja um ein komplettes Kochset handelt!

Alle aktuellen Trangia Kocher bestehe aus Ultralight-Aluminium, einer Aluminiumlegierung, die laut Hersteller bis zu 50% stärker ist, als herkömmliches Aluminium. Dadurch können alle Aluteile des Kochsets extrem dünnwandig sein, ohne sofort wie herkömmliches Aluminium überall Dellen zu bekommen oder zu verbiegen. Noch robuster und vor allem auch lebensmittelechter ist die „Ultralight Hardanodized“-Variante des Kochers. Durch die Hartanodisierung wird die Oberfläche des Materials extrem verdichtet und die Kratz- und Verschleißfestigkeit stark erhöht. Das ist vor allem für Leute interessant die herkömmlichem Aluminium als Ess- oder Kochgeschirr wegen der leicht gesundheitsschädlichen Eigenschaften eher kritisch gegenüberstehen. Die hartanodisierten Teile sind Titan so ähnlich, dass ich sie für Titan gehalten hätte, wenn ich nicht gewusst hätte was es für ein Material ist. Selbst Schaben mit Stahl verursacht auf der extrem harten, dunkleren Oberfläche keine Kratzer! Dass Aluminiumspähne im Essen landen gehört hiermit also der Vergangenheit an.

Den Trangia gibt es in 2 verschiedenen Größen. Die hier vorgestellte 27er Serie ist mit 1 Liter-Töpfen für das Kochen für 1-2 Personen gedacht. Die größere 25er Serie ist für 3-4 Personen bestimmt.

Sturmgeprüft

Zur Regulierung der Flammengröße gibt es für den Brenner übrigens einen Deckel dessen Oberseite sich stufenlos auf und zu machen lässt und somit einen fließenden Spielraum für die Regulierung der Brennintensität ermöglicht. In wenigen Minuten hat man mit dem Spiritusbrenner auf maximaler Stufe einen vollen Topf Wasser zum kochen gebracht. Man kann jedoch auch auf kleinster Flamme etwas über einen langen Zeitraum sanft köcheln und dabei den Brennstoffverbrauch minimieren und Anbrennen verhindern. Durch diese Möglichkeit wird der Trangia zu einer richtigen „Starkoch-Station“ wenn man es drauf anlegt!

Für alle, die ein klassische Gaskartusche dem Spiritus vorziehen gibt es den Trangia auch mit Gasbrenner.

Auch für die anfänglichen Brennschwierigkeiten von Spiritus bei niedrigen Temperaturen hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen: Mit dem Winterset braucht man auch bei -20°C den Brennstoff vorher nicht mehr am Körper erwärmen. Eine kleine Menge Spiritus wird hierzu in die unten an den Brenner ansteckbare „Kralle“ gefüllt und angezündet. Durch die große Oberfläche die der Brennstoff dort hat, brennt er selbst bei niedrigsten Temperaturen bei direktem Kontakt mit einer Streichholz- oder Feuerzeugflamme sofort an. Diese Flamme erhitzt dann den Spiritus im Brenner. Sobald dieser warm genug ist springt die Flamme aus der Kralle in den den eigentlichen Brenner über et voilà: der Kocher brennt auch im eisigsten Nordwind wie gehabt.

Fazit

Der Trangia 27 Spirituskocher hat mich mit seiner Kompaktheit, Robustheit und Vielseitigkeit vollends überzeugt und ist mir seit vielen Jahren ein getreuer Begleiter auf allen Touren. Wenn es darum geht wirklich etwas zu kochen und nicht nur Wasser heiß zu machen, ist der Trangia meiner Meinung nach dem Gas- oder Benzikocher überlegen. Auch die unkomplizierte und sehr kostengünstigen Eigenschaften des Spiritus finde ich überzeugend. Zur Not lassen sich natürlich alle brennbaren Alkohole in dem Brenner verwenden und durch die minimalistische Kompaktheit gibt es am Brenner wirklich keinerlei Fehlerquellen – es kann nichts kaputt gehen es sei denn ein Panzer fährt über den Brenner drüber.

Der TRANGIA – 27-3 Spiritus Sturmkocher ist der optimale Kocher für jeden der es gerne „all-in-1“ hat und für sich allein und/oder einen zusätzlichen Bergfreund kochen, braten und köcheln will. Wer auf diese Möglichkeit auch in den kältesten, stürmischsten Nächten nicht verzichten möchte, trifft mit dem TRANGIA – 27-3 Spiritus Sturmkocher eine ausgezeichnete Wahl.

 

DAV Alpinkader Sichtungslehrgang Donautal

Mit dem Alpinkader NRW im Oberen Donautal

24. Dezember 2016
Die Bergfreunde

„Franzi, Stand!“ Kletterkommandos hallen am Freitagmorgen den 120 Meter hohen Schaufels entlang. Vereinzelt erkennt man leuchtend orange Shirts in den gleißenden Wänden, die entstanden sind, weil sich über Jahrmillionen die Donau ihr tiefes Bett in das Juragestein der Schwäbische Alb grub. In den Mehrseillängenrouten wie dem Donautalklassiker „Kaiserweg“ sollten die am Vortag demonstrierten Tricks und Kniffe des Felskletterns nun praktisch und eigenständig in Zweierseilschaften umgesetzt werden.

Doch der Reihe nach. Sicherungstechnik und Bergrettung sollten die Themen der nächsten Tage sein. Die Wettervorhersage verhieß für die nächsten Tage Gutes und so versammelten sich, mehr oder weniger pünktlich, die verbliebenen zehn von ehemals um die 40 Aspiranten für den ersten Alpinkader NRW sowie deren Ausbilder in einem urigen Gasthof im Oberen Donautal zum Nachtessen. Die Gaststube wurde vom Haupt eines gewaltigen Wasserbüffels sowie eines ausgestopften Mankei geschmückt. Diese Murmeltierart war der Namensgeber der gemütlichen Unterkunft.

Am Donnerstag stand zunächst die Vertiefung von Fertigkeiten rund ums Felsklettern auf dem Programm, wie zügiges und sicheres Einbinden, die Wahl des richtigen Helms, Varianten des Standplatzbaus mit mobilen Sicherungsgeräten, Felshaken schlagen sowie Sturztraining inklusive der angepassten Seilsicherung. Nach kurzer Einführung ging es rasch in medias res und damit in wechselnden Kleingruppen zu den Stationen der Ausbilder Fritz, Dave und Charly.

Dabei wurde auch routinierten Kletterern klar, dass diese vordergründig profanen Grundkenntnisse eine Menge Optimierungspotential boten. Zum einen sollten die Teilnehmer ihr Material so beherrschen, dass sie, den Verhältnissen angepasst, behelfsmäßige Techniken variieren können. Zum anderen sollte aber auch ein gewisser Konsens bestehen, der den Kader beziehungsweise die Seilschaft verbindet.

„Geschwindigkeit bringt Sicherheit“

Dies gewinnt Bedeutung, führt man sich vor Augen, dass bei einer Gratbegehung mit dutzenden Wechseln zwischen Kletter- und Abseilpassagen gesparte Sekunden beim Ein- und Ausbinden, Standplatzbau oder Vorstiegs-Wechsel am Ende des Tages darüber entscheiden, ob man den letzten Abseilstand bei Tageslicht oder im Schein der Stirnlampe sucht.

Nach so viel klettertechnischem Input ging es, zugegebenermaßen artfremd, zunächst auf den örtlichen Minigolfplatz und dann zum kulinarischen Tagesabschluss auf die Terrasse unseres Gasthofes.

Der Freitagvormittag begann am Schaufels, hier stellte unser Bergführer und „Local“ Fritz Seilschaften zusammen und wies Routen zu. Rasch war das Material zusammengestellt. Die kommenden Morgenstunden, in denen die Sonne langsam ihre Strahlen auf den Fels lenkte, waren erfüllt von freudiger Erwartung auf den meist griffigen Fels, von Kletterkommandos, Materialklimpern und den Anweisungen unseres Fotografen Felix, der selber in luftiger Höhe am Statikseil schwingend, seine mobilen Motive am Fels lenkte.

Nachmittags wurden am Fels oberhalb der Ortschaft und zu Füßen des ehemaligen Schloss Hausen von Charly Prusik-Techniken und von Dave die Ein-Mann-Rettungstechnik nach unten vermittelt und von den Teilnehmern geübt.

Derweil inspizierte Andre die persönlichen Erste-Hilfe-Taschen, deren unterschiedliche Volumen und Praktikabilität in direkter Beziehung zueinander standen. Dabei vermittelte der Arzt Aspekte der Ersten Hilfe und insbesondere der alpinen Notfallmedizin, passend zu den alpinistischen Themen der behelfsmäßigen Bergrettung. Das theoretische Wissen vermittelte er anschaulich durch Einsatzberichte aus der Bergrettung und dem organisierten Rettungsdienst.

Überschattet wurde dieser Tag durch die Meldung eines tödlichen Absturzes einer Zweierseilschaft südlich des Alpenhauptkammes. Dieses und die Ereignisse der zwei Wochen zuvor, bei denen ebenfalls Alpinisten aus dem näheren Bekanntenkreis zu Tode kamen, führte allen die Wichtigkeit der Bergrettungs- und Sicherungstechniken erneut vor Augen und unterstrich die Bedeutung des Risikomanagements bei alpinistischen Unternehmungen.

Auch der Samstag bot super Wetter und so begaben wir uns zu einer übersichtlichen Felsformation südlich unserer Unterkunft auf der gegenüberliegenden Flussseite. Hier wiederholten die Alpinkader-Anwärter zunächst den wichtigen Standplatzbau mit mobilen Sicherungsgeräten und übten ihn bis zur sicheren Beherrschung. Dann trainierten sie die Verwendung des doppelten Halbmastwurf beim Ablassen von mehreren Personen und führten das theoretische Wissen bei der Ein- und Zwei-Mann-Rettungstechnik nach unten vor. Anschließend trainierten sie die Technik in wechselnden Gruppen, was von Durchgang zu Durchgang flüssiger vonstatten ging.

 

Abschließend wurde Dave als „verunfallter Kletterer“ aus der Wand gerettet, in „absturzgefährdetem Gelände“ erstversorgt und für den Hubschrauber Abtransport vorbereitet.

Auch der Kletterspaß sollte nach all den ernsten Themen nicht zu kurz kommen und so standen am Ende des Tages diverse Routen an den „Zinnen“ und Prusiken auf dem Tagesprogramm, bei denen sich die Teilnehmer nach Lust und Laune austoben konnten.

Am letzten Tag des Ausbildungsblocks standen die noch verbliebenen, wichtigen Themen wie der Bau von Abseilständen mit begrenztem Material und Flaschenzüge auf dem Programm. Beim erneuten Prusiken, diesmal auf Zeit, zeigte sich bezüglich der Rangliste Erstaunliches.

In ihrem Schlusswort an die Teilnehmer appellierten die Ausbilder nicht nur an den für den Kader naturgemäßen Leistungsgedanken, sondern auch an ein risikobewusstes und sicheres Verhalten am Berg bei der Routenplanung und auf einer Tour.
In diesem Sinne: Berg Heil!

surfen

Abenteuerliche Reisen in den Norden – Frühling und Sommer

21. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Das neue Jahr steht vor der Tür und gerade als regelmäßig Reisender macht man sich so seine Gedanken, welche schönen Flecken der Erde man neu entdecken oder mal wieder besuchen könnte. Besonders knifflig wird es immer dann, wenn man die lieben Kleinen noch mit dabei hat. Dass man Familie und Reisen aber auch sehr gut unter einen Hut bringen kann, beweist Geertje in ihrem Blog nordicfamily immer wieder aufs Neue. Wie der Name des Blogs schon vermuten lässt, zieht ihre Familie der Norden Europas magisch an. Für uns hat die Skandinavien-affine Bloggerin ihre besten Tipps aus der Schublade gekramt und erzählt im ersten Teil vom Surfen in Dänemark und Wandern durch die schwedischen Fjells.

Frühling: Surfen in Dänemark

Die Winterwellen in Klitmøller sind berühmt. Cold Hawaii nennt man auch diesen fantastischen Ort im Norden Jütlands.
Ich stromere durch die Gassen des kleinen Örtchens mit den typischen dänischen Holzhäusern. Kühler Wind weht mir um die Ohren, ich ziehe meine Mütze tiefer ins Gesicht. Ein Holzwegweiser lässt mich aufschauen: zum Cafe, zur Surfschule, zum Buchladen…. Ich biege ab und plötzlich sehe ich mich zwischen lauter Neoprentragenden sportlichen Menschen. Einige tragen Surfbretter unter den Armen. Andere fahren lässig auf Longboards über einen Parkplatz.

Vor mir erstreckt sich ein 50 Meter breiter Strand. Bunte Kites, Menschen und weiße Schaumkronen tummeln sich bis zum Horizont. Es riecht salzig und etwas nach Abenteuer. „Cold Hawaii“ klingt es in meinen Ohren und so richtig warm ist mir an diesem Frühlingstag nicht. Ich steuere in die Surfschule und höre, wie ich mich mit meiner Teenie Tochter zu einem Surfkurs anmelde. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Ich würde mich als sportlich bezeichnen, nicht mehr ganz jung, aber motiviert. Aufgeregt bin ich trotzdem.

Bis zum Start des Kurses schauen wir uns noch ein bisschen in der Umgebung um, nicht weit vom Klitmøller Strand sind Bunker in den Sand eingeweht und halb freigelegt.  Wir klettern wie ein paar Gämsen herum und bestaunen bunte Graffitis an alten Bunkerwänden. Die Dünenlandschaft ist unglaublich wild und lädt zum Herumstromern ein, zum Verweilen und Entdecken.

In zehn Minuten beginnt unser Kurs, wir hasten zu den Umkleideräumen der Surfschule Westwind. Ich ziehe einen Neoprenanzug in der Größe L von der Garderobenstange und finde Neoprenschuhe in einer Kiste, die mir passen. Ich zwänge mich wie eine Presswurst hinein, schwitze, ächze, komme das erste Mal außer Atem. Wir versammeln uns mit anderen Menschen vor der Surfschule. Surfbretter liegen bereit. Die kleine zierliche Surflehrerin Yvonne beginnt mit uns ein Trockentraining.

Mit mir sind viele junge Menschen in der Gruppe, unter zwanzig. Der Wind weht immer noch ordentlich und als Strandwetter würde ich dieses hier nicht bezeichnen. Wir nehmen uns jeder ein sperriges Surfbrett aus dem Regal, Fangleine nicht vergessen und erst mal alles auf den Asphalt legen.  Ich höre von vorne einige Anweisungen was die Bewegungsreihenfolge betrifft. „Paddeln, paddeln, paddeln und aufstehen! Arme ausbreiten, Gleichgewicht halten“ Soweit so gut als Trockenübung.

Mittlerweile haben wir alle gelbe T-Shirts an und haben uns unten am Wasser versammelt, in Paaren sollen wir ins Wasser laufen und bis zu einer bestimmten Stelle vorpaddeln. Yvonne wartet geduldig auf uns im brusttiefen Wasser. Die ersten Wellen haben eine mächtige Kraft in der Brandung und schleudern mich fast um. Die kleine leichte Tochter wartet schlauer Weise auf den richtigen Moment, um in die Ostsee zu laufen. Dann lege ich mich aufs Brett und paddele nach vorne. Jetzt verstehe ich, warum es Wassersport heißt.  Einige Meter entfernt sieht man die Pros auf die richtige Welle warten, sie dümpeln im Wasser umher und wenn es soweit ist, paddeln sie los, springen aufs Brett und surfen die dänische Welle ab, als gäbe es kein Morgen. Warum verbinde ich damit nur so ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit?

Ich bin bei Yvonne angekommen, die mich dann in die Welle entlässt mit „Paddeln, paddeln, paddeln“ und dann höre ich sie schon nicht mehr, setze ein Knie aufs Brett, als ich denke, dass es der richtige Moment ist, versuche aufzustehen und plumpse ins salzige Nass. Ich werde von der Welle verschluckt, dabei wollte ich ihr doch gerade zeigen, wer hier der Chef ist. Ein zweiter Versuch bleibt erfolglos, dann bin ich am Strand angekommen. Die Große hat ihren ersten Versuch schadlos überstanden und war etwas erfolgreicher als ich. Die Strömung hat uns dreihundert Meter vom Startpunkt weggebracht. Eine „Westwind“ Fahne steckt dort.

Wir schleppen unsere Surfbretter dorthin zurück und spüren schon, wie die Kraft in den Armen weniger wird. Ich komme schnaufend am Startpunkt an und begebe mich gleich nochmal ins Wasser. Jetzt will ich es schließlich wissen. Das Wetter ist egal, im Neoprenanzug ist es einigermaßen gemütlich, die Haare kleben im Gesicht. Ich wiederhole den gesamten Vorgang vielleicht noch ein Dutzend Mal, bis ich wirklich nicht mehr kann. Am Ende habe ich es vielleicht zwei drei Mal geschafft, ganz kurz oben auf dem Brett zu stehen und meine Arme auszubreiten.  Die jungen Kollegen aus dem Kurs und vor allem mein eigenes Kind sehe ich fast jedes Mal stehen. Die leichten Kids scheinen es irgendwie einfacher zu haben in Sachen Gleichgewicht und Co.

In den kommenden Tagen muss ich erleben, wie auch in Klitmøller die Wellen wegbleiben. Ich probiere Windsurfen auf dem nahe gelegenen See aus und lerne die Gegend etwas besser kennen. Eine ehemalige Hippie Community Thy Ljeiren lädt zum Herumgucken ein und die Dünen zum Herunterkullern.

Wenn man hier oben steht und aufs Meer schaut, weiß man was Weite, Unendlichkeit und Freiheit so bedeuten könnte.
Ich merke meine Muskeln, an Stellen, die ich vorher nicht kannte – das coole Surferleben hat auch seine dunklen Seiten. Dennoch birgt der Ort mit seinen netten Surfern, Cafés und weiten Stränden Suchtpotential.  Sobald wieder „Welle“ ist, bin ich auch wieder draußen.

Entlang der Westküste in Jütland gibt es immer wieder kleine Orte und Ferienhäuser mitten in den weiten Dünen. Je weiter man in den Norden kommt, desto windiger und welliger kann es werden. Von Norddeutschland ist man mit dem Auto in ca. 4-5 Stunden in Hvide Sande. Neben den Wassersportangeboten kann man viel durch die Gegend radeln, auf Leuchttürme klettern oder Robben beobachten.
Weitere Infos zu Wassersportkursen gibt es bei der Surfschule Westwind in Hvide Sande oder Klitmøller. Es gibt sowohl einen Campingplatz, als auch viele Ferienhäuser in Klitmøller, wo man dicht am Wasser als Familie wohnen kann. In der Nebensaison sind sie besonders preiswert und die Wellen besonders gut zum Surfen.

Sommer: Wandern durchs Fjell und zu Gast in einem Samendorf

Das Weltnaturerbe Laponia befindet sich ungefähr 200 Kilometer nördlich des Polarkreises in schwedisch Lappland. Tor zu dieser besonderen Gegend ist die Mountainstation Stora Sjöfallet Mountain Center. Es ist Sommer und ich fürchte mich schon vor den tausenden Mücken im hohen Norden. Die Berge werden höher als ich die Straße entlang fahre, die von Gällivare nach Westen führt. Auf den höchsten Gipfeln liegt noch Schnee. Einer der höchsten Gipfel in dieser Gegend ist Áhkká – the Queen of Lapland. In der Mountainstation wartet unser samischer Guide wie verabredet.

Abenteuer im hohen NordenWir checken die Ausrüstung und müssen die aufgeregten Kinder etwas beruhigen. Ein mehrtägiger Ausflug ins Fjell mit der ganzen Familie steht auf dem Plan.

Als wir alle und alles zusammengesammelt haben geht es zum Hafen in Ritsem. Hier wartet ein Same mit seinem kleinen Motorboot auf uns. Wir müssen ans andere Ufer des Ákkhájaure, um die Zivilisation wirklich hinter uns zu lassen. Den jungen Guide haben die Kids gleich ins Herz geschlossen und plaudern mit ihm auf Englisch los und treiben ihre Späße.

Währenddessen trifft er mit dem Bootsführer einige letzte Absprachen auf samisch. Eine Sprache, die in unseren Ohren einigermaßen fremd klingt. Über den Bug krabbeln wir unter das niedrige Verdeck. Holzbänke bieten Platz für maximal acht Menschen. Der Kleinste ist begeistert von der Geschwindigkeit, endlich mal ein schnelles Boot, wo man nicht rudern muss. Eine dreiviertel Stunde geht es rasant über das Wasser des tiefblauen Sees. Die Sonne scheint und die Königin Lapplands steht am Ufer und winkt uns zu.

In Änonjalme legen wir an und schleppen unser Gepäck den Hang hinauf. Wir sind zwischen einer Handvoll Holzhäusern und einem Lavvu in einem Samendorf angekommen. Wir dürfen in einem der Häuser Gäste sein. Aus dem Lavvu, so heißen die samischen Zelte, quillt dicker Rauch oben heraus. Das Feuer ist schon an und als wir eintreten, duftet uns frisch gegrillter Fisch und flaches Brot entgegen. Eine junge samische Künstlerin begrüßt uns, bewirtet uns und erzählt von ihrem Leben hier im Dorf. Im Winter lebt sie in Jokkmokk und lernt an der samischen Schule für Handwerkskunst. Bald rennen die Kids kreuz und quer durchs Dorf  und spielen mit dem Hund Edda.

Ein Haus im Dorf ist das zentrale Waschhaus. Hier wird die Sauna mit Holz angeheizt. Gleichzeitig wird ein riesiger Bottich mit Wasser warm gemacht. Hier darf jeder aus dem Dorf herkommen und sich waschen, auch Wäsche waschen und in die Sauna gehen. In den Wohnhäusern gibt es nur Solarstrom und kaltes Wasser, sowie Trockentoiletten neben den Häusern.

Nach der Stärkung im Lavvu treten wir eine Wanderung auf dem berühmten Wanderweg Padjelantaleden an. Unser Guide führt uns kleine Pfade entlang. Es nieselt und dafür, dass Sommer ist, ist es auch nicht sonderlich warm. Wir mögen das. Einige Wegstrecken sind mit Planken ausgelegt, sonst würde man im Morast versinken. So laufen die Kids behände voraus.

Abenteuer im hohen NordenAn einigen Stellen plätschern kleine Bäche unter den Planken entlang. Ich schöpfe Wasser mit der hohlen Hand und trinke das klare Wasser aus den Bergen. Nach ein paar Kilometern pausieren wir. Unser samischer Guide hockt sich an einen Bach und fängt an zu joiken. Ein Kehlkopfgesang, wie ich ihn vorher noch nie gehört habe, einige samische Worte mit tiefergehender Bedeutung formen ein Lied. Das Wasser plätschert, der Wind weht, die Stille des Fjells und der Gesang verschmelzen zu einem einzigartigen Erlebnis. Ich bekomme Gänsehaut und möchte, dass es nicht aufhört.

Doch wir wollen weiter zu einer Hängebrücke, wo gewaltige Mengen Wasser vom Kutjaure in den Ákkhájaure fließen. Ohrenbetäubender Lärm schallt uns entgegen nachdem wir noch ein paar weitere Kilometer gewandert sind. Jeweils ein Erwachsener nimmt ein Kind an die Hand und wir gehen in Ruhe und mit sehr viel Respekt über die wacklige Hängebrücke über diesen reißenden Fluss. Ich fühle die kleine Kinderhand in meiner und kann vor lauter Wasserrauschen gar nicht hören, was der Kleine zu sagen hat. Wir müssen uns anschreien, um uns zu sagen, wie toll laut das hier ist.

Als wir drüben sind, hopst er von einem Stein auf den anderen. Es gibt Picknick, getrocknetes Rentierfleisch und flaches Brot. Frische Luft macht hungrig und müde.
Mit einigen Spielen halten wir die Kids noch aktiv, dem Guide fallen noch Versteckspiele ein, außerdem kann er uns interessante Tiere im Fjell zeigen. Die Kinder sind hellauf begeistert. Die Große läuft vor und scheint noch unendlich Energie zu haben. Den Kleinen nehme ich bald Huckepack und balanciere mit ihm über die Holzplanken, während ihm die Augen zu fallen.

Am Weg streifen wir noch eine STF Hütte. Sie gehört zum schwedischen Jugendherbergsverband. Hier kann man gut unterkommen, wenn man den gesamten Padjelantaleden wandern möchte. Einige Gäste haben auch ihr Zelt am Wegesrand aufgestellt. Das Jedermannsrecht in Schweden macht es möglich, auch eine Nacht draußen in der Natur zu verbringen. Wir wandern zurück in unser Samendorf am Ufer des Ákkhájaure. Am Wegesrand picken wir noch ein paar Moltebeeren auf und freuen uns über den schwedisch kühlen Sommer.

Die Nacht wird so dunkel und still sein, wie ich sie noch nie vorher erlebt habe. Inmitten von Natur verbringen wir wertvolle gemeinsame Zeit im Naturerbe Laponia. Wir hoffen mit solchen Erlebnissen, die Kinder auch für den Schutz der Natur zu sensibilisieren. Denn nur, was man in solch einer Intensität erlebt hat, kann man auch schützen.

Abenteuer im hohen NordenEin paar Tage später, als wir schon gar nicht mehr in die Zivilisation zurück wollen, bringt uns ein Helikopter wieder nach Ritsem. Die Samen, die in den Nationalparks hier oben leben, aber auch Gäste und Wanderer benutzen den Flugservice wie andernorts verschiedene Buslinien. Sie bieten die Möglichkeit, weit abseits von Autoabgasen und Stadtlärm in die Natur einzutauchen.

Dank unseres samischen Guides vom Stora Sjöfallet Mountaincenter hatten wir die Gelegenheit, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen und die Kultur hautnah zu erleben. Mit Kindern unterwegs zu sein, öffnet selbstverständlich in der Beziehung auch viele Türen.

Auch ohne Guide kann man die langen Wanderwege in schwedisch Lappland entdecken. Der Padjelantaleden oder der Kungsleden sind gute Beispiele für Wanderwege, die man auch abschnittsweise bewältigen kann. Die Hütten des schwedischen Jugendherbergsverbandes STF bieten eine einfache Unterkunft auf den Wegen. Dank des Jedermannsrechts kann man auch überall im Fjell sein Zelt aufschlagen. Das Wasser aus den Quellen im Fjell kann man trinken, Fische kann man angeln und Beeren pflücken.

Wenn man gerne mit einem Guide im Laponia Naturerbe unterwegs sein möchte, kann man in der Bergstation Stora Sjöfallet Mountaincenter im Stora Sjöfallet Nationalpark nachfragen oder man besucht einfach deren Webseite. Hier gibt es Angebote, die individuell zugeschneidert werden oder Gruppenausflüge zu den Wasserfällen, zu samischen Kunsthandwerkern oder gar einem Schamanen.