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Getestet: Hanwag Ferrata II GTX Bergstiefel

12. August 2020
Kaufberatung

Der Markt für technische Bergstiefel ist überschwemmt mit Bergen (haha) von unterschiedlichen Modellen – könnt ihr uns glauben, ist ja schließlich unser Job! Wenn man sich auf die langwierige Suche nach einem geeigneten Modell für einen selbst begibt, ist dies vor allem die Suche nach der eigenen Motivation – Wie viel will ich wandern, wie viel klettern? Was, wenn man beides möchte, oder besser gesagt sich einen Weg am felsigen Abgrund entlang bahnen oder eine Klettersteig mit Kabelbrücken überqueren will? Wird man einen Gletscher queren? Auf rutschigen Felsplatten balancieren? Hanwag schickt in dieses Rennen den Ferrata II GTX.

DAS EINFÜHRUNG

Der aktualisierte Ferrata ist Hanwags neuster Beitrag im großen Markt der traditionellen Bergstiefel. Normalerweise bekannt für ihre klare Formen und klassischen Schnitte, fühlt sich die Welt des immer schnelleren und leichteren Alpinimus meilenweit entfernt an von Stiefel wie z.B. dem Tatra Top GTX mit seinem Voll-Leder-Schaft, dem steifen Knöchelbereich und dem traditionellen Leder-Design.

Der Ferrata kommt einem da hingegen vor wie der Hecht im Karpfenteich. Beste traditionelle Werte werden hier mit neuen Technologien zu einem roten Flitzer kombiniert. Klassisches Leder wird ohne Saum mit synthetischem Material zusammengefügt, wodurch ein schützender Oberschuh entsteht, ohne, dass man auf Atmungsaktivität verzichten muss. Der obere Schaft wird mit dem Rest des Schuhs durch eine Mikrofaserbrücke verbunden, was ihm erlaubt sich um den Knöchel herum zu biegen. Dies erlaubt einen einzigartigen Halt und Kontrolle auf rutschigem Untergrund und schwierigem Gelände. Die Zehenbox ist großflächig von Gummi geschützt, um es zu ermöglichen hier und da einen Riss, oder sogar eine leichte Einstiegsroute zu klettern ohne, dass der Schuh danach in Fetzen hängt.

DAS TECHNISCHE ZEUG

Die Liste der in diesem Stiefel verbauten Features liest sich mit feuchten Augen. Der Stiefel hat eine C-Wertung und ist bedingt Steigeisenfest durch die Lippe an der Ferse. Die Sohle kommt mit tiefen, weit auseinanderliegenden Stollen um einen guten Grip auf losen Steinen zu gewährleisten. Durch den vorderen, flachen Bereich können aber auch einige Klettermeter gemacht werden. Die Schnürung ist in zwei „Zonen“ aufgeteilt. Sobald man am Fuß die richtige Festigkeit erreicht hat, klippt man die Senkel einfach ein, und kann somit in Ruhe fertig Schnüren ohne, dass einem der untere Bereich wieder davon rutscht. Mit 1440g pro Paar (in Größe 42), positioniert sich der Stiefel klar für Sommertouren – im Winter wird es dann doch zu frisch um die Zehen.

DER TEST-ORT

Ah, die Alpen… schroffes Gelände, riesige Steinmassive, herrliche Routen, die das Auge des Betrachters in die Ferne… ah, Mist! Nachdem die Berge uns mit zu viel Wasser (von oben) den Aufenthalt vermiesen wollten, haben wir es den Zugvögeln gleichgetan und uns mal die herrlichen Mehrseillängen in mediterran gemäßigteren Gebieten angeschaut.Im Umkehrschluss heißt dies auch leider, dass wir bisher nicht dazu kamen die Stiefel im schneegeküssten Gelände mit Steigeisen zu testen, weshalb sich diese Bewertung mehr auf die wander- und kletterischen Fähigkeiten bezieht.

Zuerst aber eine allgemeine Ansage über Sardinien: Man, muss man da laufen! Obwohl eigentlich zum Klettern da, brachten wir es in den zwei Wochen Aufenthalt auf über 30 Stunden wandern um von und zu den Routen zu kommen. Das perfekte Testgelände für den Ferrata II war die legendäre Gorropu-Schlucht mit ihren technischen Boulderfeldern über, und manchmal auch unter, die man Kraxeln muss um zum Einstieg der verborgenen 500m hohen Wände zu kommen.

 BEEINDRUCKENDES

Kletterfähigkeit: Als großes Plus – im Gegensatz zu vielen Konkurrenten – kann der Ferrate mit einer großen, seitwärts weiter geführten, Kletterfläche an der Spitze aufwarten. Das klingt vielleicht erstmal nach nicht viel, aber die Fußspitze auf einem kleinen Tritt drehen zu können, ohne sofort abzurutschen macht den notwendigen Unterschied bei einfachen Klettereien aus.

Der beste Stiefel ist der, den man für einige Seillängen anbehalten kann, bevor man in die technischeren (aber weniger bequemen) Kletterschuhe schlüpft. Überraschend für so einen steifen Stiefel ist auch, dass der Ferrata einen guten Gripp auf stark abgerundeten Flächen behält, etwas, was wir nach Herzenslust an den glatt geschliffenen Steinen am Bachbett testen durften.

Höchster Komfort: Diese Stiefel wanderten aus dem Karton, auf den Trail und blickten nie zurück. Während man doch erwartet, dass jetzt erst einmal der lange Prozess des Einlaufens beginnt, zeigten sich die Ferratas vom ersten Tag an von ihrer gemütlichsten Seite. Obwohl die Steifheit der Bergstiefel nicht fehlt, waren sie auch noch nach Kilometerlängen Wegen mit einem schweren Kletterrucksack sehr bequem.

Haltbarkeit: Auf diesem Gebiet haben sich die Entwickler wirklich etwas gedacht, um dem Stiefel ein möglichst langes Leben zu bieten. Die wenigen Nähte auf dem Oberschuh bieten so wenig wie möglich Angriffsfläche und das Gummi an der Spitze und den Seiten schützt das Material vor gar zu spitzen Steinen.

WO’S HACKELT

Nicht schwer, aber auch kein Leichtgewicht: Auch wenn man sich alle Mühe gegeben hat das Gewicht des Schuhs so einzigartig wie möglich für seine Klasse zu machen, hat der Ferrata II immer noch eine Schokotafel zu viel auf den Rippen.

Im Direktvergleich mit den nächstliegenden Konkurrenten, wie z.B. dem federleichten Scarpa Ribelle Tech (1240g) erscheint der Ferrata doch eher wie ein kleiner Brummer, vor allem wenn man bedenkt, dass er für größere Füße auch mehr Gewicht mitbringt.

Packmaß: Seien wir ehrlich: An einem bestimmten Punkt werdet ihr den Stiefel in einen Rucksack packen wollen, spätestens dann, wenn die Klettergrade in die Höhe wandern. Genau dann seid ihr an dem Punkt angekommen, wo euch das Packmaß vermutlich ärgern wird.

Der faltbare Schaft erlaubt zwar etwas mehr Spielraum als ein normaler Stiefel, ist aber keine Konkurrenz zu einen luftig leichten Zustiegsschuh – diese können inzwischen, flexiblen Steigeisen wie dem Petzl Leopard sei Dank, auch als Konkurrenz an Routen mit kurzen Schneequerungen angesehen werden.

TAUGT‘S WAS?

Abgesehen von den kleinen, mäkeligen Punkten des höheren Gewichts und des kniffeliges Packmaßes tut der Ferrata II GTX genau das, was er soll. Reinschlüpfen und ewig lange Zustiege bezwingen, technische Kraxeleien, einfaches Felsklettern – alles möglich. Steigeisen an und der Gletscher gehört euch, auf geht’s über die Schneefelder, durch die Bäche und (wir vermuten) sogar über mit den Vorderzacken über kleinere Eishügel. Wenn ihr einen (ziemlich) leichten Stiefel sucht, den man am Berg ohne Rücksicht auf Verluste einsetzen kann, dann sollte der Ferrata II auf jeden Fall auf der Liste stehen.

Wir präsentieren: Die Bergfreunde Nachhaltigkeits-Taskforce!

7. August 2020
Die Bergfreunde

“Fünf Bergfreunde sollt ihr sein!” so steht es geschrieben! Wo genau? Keine Ahnung, aber ich brauchte eine Einleitung für den Artikel und da kam mir dieses abgewandelte Fußballzitat irgendwie gerade recht ;)

Aber hier soll es nicht weiter um das runde Leder gehen. Wir wollen heute mal wieder das Thema Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden auf den Plan bringen und euch erzählen, wie es bei uns nach unserer großen Ankündigung Ende letzten Jahres weiterging…

Wo fangen wir an?

Die Entscheidung für mehr Nachhaltigkeit bei den Bergfreunden fiel einstimmig und ohne zögern, wohlwissend, dass ihr ein konsequenter Wandel nachfolgen musste. Als erstes mutiges Statement einigten wir uns darauf, als gesamtes Unternehmen klimaneutral zu werden, was dank der Möglichkeit der Klimakompensation schnell erreicht wurde. 

Doch wie sollte es weitergehen? Mit dieser Frage darf sich Bergfreundin Johanna seit dem Frühjahr des Jahres 2020 beschäftigen. Sie kümmert sich hauptamtlich um das Thema Nachhaltigkeit.

Nach den ersten Meetings und Gesprächen war aber relativ schnell klar: Bei der großen Anzahl an Ideen und den zahlreichen Möglichkeiten, reicht ein Kopf nicht aus. Ein runder Tisch muss her, es muss priorisiert und diskutiert werden: Unsere Taskforce war geboren.

Wohin geht die Reise?

Das erste Meeting unserer Taskforce fand Anfang Juli statt. Mit dabei: Lisa von Vaude, die uns ein paar Einsichten in das Nachhaltigkeitsmanagement von Vaude gewährte und uns dabei half, erste Anknüpfungspunkte an die sogenannten SDGs (Sustainable Development Goals) zu finden. Bei den SDGs handelt es sich um 17 globale Ziele für nachhaltige Entwicklung, die von der UN definiert wurden. Für uns ebenfalls wichtig: Die Science Based Targets, also vor allem Klimaziele, die auf Basis wissenschaftlicher Daten vom WWF und weiteren Organisationen definiert wurden.

Daraus resultierend wollen wir uns die folgenden Grundsätze auf die Fahne schreiben:

  1. Wir wollen den negativen Einfluss unseres Unternehmens auf die Umwelt verringern.
  2. Für viele Bergfreunde-Kollegen ist Nachhaltigkeit wichtig – das soll auch im Arbeitsleben spürbar werden.
  3. Wir wollen unsere Kunden motivieren, nachhaltiger zu handeln.
  4. Wir wollen unsere Geschäftspartner zu Diskussionen anregen und inspirieren, ebenfalls nachhaltiger zu werden.

In Bezug auf die Sustainable Development Goals, wollen wir uns zunächst auf zwei Ziele näher fokussieren:

SDG Nr. 12: Maßnahmen zum Klimaschutz 

In Teilen haben wir hier schon vorgearbeitet und haben eine Klimabilanz erstellen lassen (die stellen wir euch in einem zukünftigen Beitrag vor), wir vermeiden Emissionen und kompensieren, wo das nicht geht. Was aktuell noch fehlt sind ganz konkrete Zahlen, z.B. inwieweit wir unseren CO2-Verbrauch oder den CO2-Fußabdruck pro Paket senken wollen. Die haben wir zwar schon im Hinterkopf, müssen sie aber noch mit der Klimabilanz abgleichen.

SDG Nr. 13: Verantwortungsvolle Konsum- und Produktionsmuster

Hier gibt es zahlreiche Anknüpfungspunkte, die von einem geringeren Plastikeinsatz im Versand, über Recyclingprozesse bis zum Umgang mit Produktreklamationen reichen, die aber zum Beispiel auch eine Prüfung der Lebensmittel und Büromaterialien die wir im Office verwenden umfassen. Als Beispiel: Wir verzichten schon lange auf PET- und Einwegflaschen im Büro und sind seit einigen Monaten Teil der Dopper Wave.

Klingt gut, oder?

Klingt vor allem ziemlich allgemein und unspezifisch – gibt uns aber einen konkreten Rahmen, in dem wir uns bewegen. Erster konkrete Ableitungen sehen dann wie folgt aus:

  • Wir wollen uns anschauen, wie wir noch besser mit Reklamationen umgehen können – zwar vermeiden wir jetzt schon wo es geht, reklamierte Produkte zu entsorgen, aber wir glauben, dass wir hier noch einen Hebel haben. Was können wir reparieren, was können wir einer weiteren Verwendung, z.B. in Form von Kleiderspenden zuführen?
  • Energienutzung am Arbeitsplatz: Wir beziehen schon zu 100% Ökostrom und haben eine Solaranlage auf dem Dach unserer Verwaltung, sehen aber beim Thema Wärme noch deutlich Luft nach oben.
  • Nachhaltiges Bergfreunde-Office: Wie können wir Büro-Ausstattung nachhaltiger gestalten? 
  • Wie sieht unser Carpool in Zukunft aus?
  • Muss jede Geschäftsreise zwangsläufig stattfinden und können wir dafür nicht eher mal den Zug, als das Auto nehmen?

Den Fokus wollen wir zunächst bewusst auf interne Firmenaspekte legen, denn wir denken, dass wir nur dann glaubhaft über Nachhaltigkeit reden können, wenn wir das Thema auch nach innen mit noch mehr Nachdruck verfolgen.

Unser Versprechen: Wir lassen von uns hören!

Und damit ihr auch immer genau wisst, was bei uns in Sachen Nachhaltigkeit so abgeht, wollen wir euch regelmäßig davon berichten. Ihr findet hier im Blog und in den sozialen Medien in Zukunft immer wieder Updates und Neuigkeiten. Wir wollen uns zudem volle Transparenz auf die Fahne schreiben und euch auch von Rückschlägen und Problemen berichten – denn eines dürfte klar sein: den einen oder anderen Konflikt werden wir austragen müssen. 

Wir hoffen, ihr geht diesen Weg mit uns und lasst euch vielleicht auch von der einen oder anderen Maßnahme inspirieren. Und auch wir wollen uns gerne inspirieren lassen, daher zum Schluss die Frage an euch: 

Welche Maßnahmen würdet ihr gerne umgesetzt haben? Wo können wir eurer Meinung nach besser werden!?

Wir freuen uns über Input!

Ein Schirm beim Wandern – Modesünde oder echte Hilfe?

4. August 2020
Ausrüstung

Ein Sonnenschirm für unterwegs? Na, ich weiß nicht, das passt doch eher zu Picknick und Sommerfrische im 19. Jahrhundert als zu Bergtouren im 21. Jahrhundert. Anno dazumal passte es allerdings umso besser, denn es war auch am Berg durchaus üblich, ausgefallene Accessoires mitzuführen. Während der Herr in Frack und Gehrock noch relativ schlicht den Hang erklomm, balancierte die Dame nicht selten im gestützten Reifrock durchs Geröll.

Den Sonnenschirm und den ebenso unverzichtbaren Fächer trugen die mit etwas Glück vorhandenen Bediensteten. Nicht fehlen durfte auch die lange Alpenstange, die man heute eher zu Dekorationszwecken als zur Fortbewegung in Eis und Fels nehmen würde. Alles in allem: der Coolnessfaktor eines Sonnenschirms beim Wandern ist nicht berauschend. Doch wie sieht es mit der praktischen Relevanz aus? Kann der Sonnenschirm da punkten? 

Der Sonnenschirm im Praxistest

Da ich selbst leider keine Sonnenschirm-Outdoorerfahrung vorweisen kann, muss ich mich auf die Expertise der UserInnen des USA-Reiseforums verlassen. Die sind gern auch im Südwesten des Landes unterwegs, wo die Sonne bekanntlich brutal brutzeln kann. Hier einige Statements zum Sonnenschirm im Wilden Westen:

Seitdem mir im vorigen August der (leichte) Sommerhut ständig weg wehte und der neu gekaufte Stetson (mit Kordel) aufgrund meiner sehr dicken, langen Haare so richtig für Schweißbäche sorgte, bin ich zum Zabriskie Point mit Schirm marschiert – und was soll ich sagen? Das war einfach super!

Dieser berühmte und im Sommer unglaublich heiße Aussichtspunkt im Death Valley ist eine eher kurze Exkursion. Doch die Lösung für längere Wanderungen ist ebenfalls nicht schwer, wie eine andere Userin feststellt: „Schaun mer mal, ob’s nicht zu lästig wird – sonst wandert er eben in den Rucksack.“

Die besser sitzende Frisur und die allgemeine Kopffreiheit ohne enge Mützen und Kapuzen sind auf jeden Fall schonmal erste Pluspunkte für den Sonnenschirm. Wobei die Annehmlichkeit des freien Kopfes, der nicht durch zugezogene Jacken und Kapuzen in den Schwitzkasten genommen wird, für jede Art von Schirm gilt. Auch das unbeeinträchtigt freie Blickfeld ist ein netter Vorteil.

Viel Kritik, aber auch einen, nun ja, praktischen Verwendungszweck hat eine dritte Userin des Forums parat:

Abgesehen davon stelle ich mir einen Schirm bei Wind noch viel ekliger vor. Und bei uns hat es im April im Südwesten, auch zur Wave rauf, ständig mehr oder weniger stark gewindet. Und wenn ich mal strauchle, habe ich gern die Hände frei, um mich aufzufangen/abzustützen. Aber OK, mit dem Schirm hätten wir uns gegen die Klapperschlange verteidigen können  :lol:

Als „winddicht“ kann man den Sonnenschirm also nicht gerade bezeichnen. Schützt er denn wenigstens tatsächlich vor UV-Strahlung? Leider nur bedingt, es kommt hier wie bei der Bekleidung auf die Dichte des Gewebes an. Unter handelsüblichen Sonnenschirmen sind  empfindliche Hauttypen nur dürftig vor Sonnenbrand geschützt.

Weitere Kritikpunkte sind die fehlende Handfreiheit und das Zusatzgewicht:

Bei längeren Wanderungen über verschiedene Untergründe würde ich es eher lästig finden ständig etwas in der Hand zu haben. Ab und an braucht da schon mal ne Hand um sich abzustützen und im Rucksack bin ich froh wenn ich so wenig Balast wie möglich mit mit mir rumschleppe.

Fassen wir zusammen: der praktische Nutzen des Sonnenschirms ist eher strittig und auch bei der Haltungsnote, sprich Coolness und Vorzeigbarkeit, gibt es empfindliche Abzüge. Alles in allem scheint er eher für Nostalgiker mit Romantik-Einschlag als für Outdoorer und Bergsportler interessant.

Der Schirm an sich

Doch wie sieht es mit dem Schirm an sich unterwegs aus – also dem ganz normalen Regenschirm? Kann man den nicht auch so nebenbei als Sonnenschutz benutzen? Ja, kann man, denn es gibt UV-resistente Regenschirme. Das ist der herkömmliche Regenschirm natürlich nicht, abgesehen davon, dass er so schwer und unhandlich ist, dass ihn wohl kaum jemand freiwillig in den Rucksack packt. Deshalb wurden die Wander(regen)schirme bzw. Trekking(regen)schirme erfunden.

Trekkingschirme

Trekkingschirme sind kompakter und robuster konstruiert als Alltagsschirme. Doch auch bei diesen vielseitigen Sonnen- und Regenschirmen bleibt die Frage nach dem Mehrwert im Vergleich zum Standardwetterschutz durch die (Funktions)kleidung. Die Autorin des Blogs Etappen-wandern.de hat hierzu ein paar Erfahrungen gesammelt und interessante Überlegungen parat:

Meine gute, aber mit etwa 150 € nur mittelpreisige Regenjacke macht jedoch irgendwann, so nach vier Stunden Dauerregen, schlapp. Wenn man mitten in der Pampa unterwegs ist, gibt es für gewöhnlich kein Dach unter dem man sich mal unterstellen kann und nach sechs Stunden Regen etwas essen oder sich etwas Trockenes anziehen kann. Auf Mallorca sind wir daher immer durchmarschiert, klitschnass, ohne Pause und ohne etwas zu essen. Ein Regenschirm hätte uns da sehr geholfen. Gerade, wenn er groß ist und sich in den Baum hängen lässt.

Hier könnte man einwenden, dass sie sich halt mal ne gescheite Hardshelljacke kaufen soll. Doch selbst wenn das Kleingeld dafür übrig ist, bleibt ein Problem laut Autorin „immer gleich: Denn egal wie atmungsaktiv das gute Stück auch sein soll, Dichtigkeit und Atmungsaktivität schließen sich für mich nach logischem Menschenverstand einfach aus. Überhaupt kann es nur bei einem deutlichen Temperaturgefälle ein bisschen funktionieren. Am Ende bleibt, dass man – vor allem bei sommerlichen Temperaturen oder bei einem Aufstieg – unter einer Regenjacke einfach schwitzt. Und dann ist man trotzdem nass, auch wenn die Regenjacke das Wasser von außen abhält.

Da ist was dran, auch wenn sich Dichtigkeit und Atmungsaktivität durchaus nicht ausschließen und auch gewiss nicht alle Hardshelljacken ein derart schwaches Bild abgeben. Was dran ist auch an folgendem Komfortargument:

Während sich zwei andere Mitwanderer in ihre Regenjacken zwängten, spannte ich – sogar ein bisschen freudig – meinen Regenschirm auf. Und wirklich! Ich blieb trocken, kam überhaupt nicht ins Schwitzen und war heilfroh nicht in meine Regenjacke zu müssen. Ein Regencape oder Regenponcho kommt für mich übrigens ebenfalls nicht in Frage. Wenn man beim Bergwandern doch mal die Hände braucht, sind die mir einfach zu gefährlich. Zudem versperren sie bei Wind auch noch die Sicht auf den Untergrund.

Hände frei? Und was ist bei Wind?

Das Problem mit den Händen taucht doch bei Schirmen ebenfalls auf“, könnte hier der nächste Einwand lauten. Ja und nein, bei handelsüblichen Schirmen ist tatsächlich immer eine Hand belegt. Doch unter den Wander/Trekkingschirmen gibt es auch eine Handsfree-Variante. Zumindest bei den ausgewiesenen Spezialisten von Euroschirm, die wander- und bergtaugliche Regenschirme produzieren, von denen viele mit einem Handsfree-Befestigunsclip für den Rucksack geliefert werden. Diese Schirme schützen nebenbei auch zuverlässig vor UV-Strahlung.

Trekkingschirme haben im Unterschied zu herkömmlichen Regenschirmen ein flexibleres und bruchfestes Gestell, meist aus Glasfasern, sowie einen stabileren Schaft. Werden diese Schirme von starken Windböen erfasst, lassen sie sich einfach wieder zurückklappen, ohne beschädigt zu werden. Hochwertige Modelle schaffen all das bei einem Gesamtgewicht von nur 200 bis 400 Gramm. Auch Details wie Schieber, die mit Handschuhen bedient werden können oder Griffe mit starker Reibung machen den Unterschied zwischen Trekking- und Alltagsschirmen.

Und selbst wenn man den Schirm die ganze Zeit tragen muss – ist das wirklich ein so großes Problem? Denn abgesehen davon, dass es nicht immer stundenlang regnet, ist das Gewicht eines Trekkingschirms durchaus auch mal länger „stemmbar“. Und falls es doch ermüdend wird, kann man immer noch die Hand wechseln.

Und da wir jetzt den Regenschirm liebgewonnen haben, können wir ihn auch gleich als Sonnenschirm benutzen. Dafür gibt es zum Schluss nochmal ein paar richtig gute Argumente aus dem USA-Forum:

Das klingt zuerst vielleicht komisch, aber so ein Regenschirm hat unter heißer Sonne so viele Vorteile wie im Regen. Im Sommer wandern, das bedeutet oftmals stundenlang einer sengenden Sonne ausgesetzt zu sein. Das (…) hat vor allem Konsequenzen bezüglich der eigenen Leistungsfähigkeit, denn die ist auf jeden Fall eingeschränkt. Für den Wanderer ebenfalls negativ, der Wasserverbrauch. Das muss man mitschleppen und man hat nie genug davon. (…)

Der Regenschirm schützt zuverlässig vor dem Aufheizen des eigenen Körpers durch die Sonne. Ein beachtlicher Vorteil und der Grund, warum z.B. erfahrene Langstreckenwanderer in Nordamerika einen Schirm mittlerweile für unverzichtbar erachten. Er schützt, erhöht die Leistungsfähigkeit und spart Wasser. Favorisiert werden Regenschirme mit einer silbernen Beschichtung. (…) Man will ja jeden Vorteil nutzen, oder?

Im Bergfreunde-Test: Die Osprey Poco Plus Kinderkraxe

2. August 2020
Kaufberatung

Hach ja, mit Kind und Kegel auf Tour gehen. Was kann es schöneres geben? Vielleicht allerhöchstens herauszufinden, woher der „Kegel“ in der Redewendung kommt? Weiß das jemand? Ok, ok, ganz anderes Thema. Ihr seid ja schließlich hier um einen Testbericht zu lesen!

Daher lautet die spannendere Fragen: Wenn man mit der ganzen Truppe ins Freie will, aber der Nachwuchs noch nicht lange auf den Beinen sein kann (oder will), wie schafft man es da eine ausgedehnte Wandertour zu nehmen? Die Lösung ist einfach und lautet: Mit einer Kraxe bzw. Kindertrage. Kollege John aus unserem Planning-Team durfte die Poco Plus Kindertrage von Osprey testen. Hier kommt sein Erfahrungsbericht:

Mein erster Eindruck

Da es uns als Familie wichtig ist, viel Zeit in der Natur zu verbringen und gerne etwas abseits der offiziellen asphaltierten „Buggy-konformen“-Wege auf Wanderschaft zu gehen, bleiben letztlich nicht viele Optionen – und so eine Trage kommt da gerade recht. 

Da unsere Tochter zum Zeitpunkt des Kaufs bereits 2 Jahre alt war, kam die Poco Plus dank der maximalen Körpergewichtsangabe von ganzen 22 Kilogramm für uns am ehesten in Frage, denn durch die höhere Gewichtskapazität ist sie auch für Kinder bis 3,5 Jahren nutzbar.

Als die Trage bei uns ankommt, ist der erste Eindruck von der gesamten Familie durchweg positiv. Unsere Kleine will sofort Probesitzen. Wir haben uns dann einige Minuten Zeit genommen und die Trage individuell auf Kind und Träger passend eingestellt. Das ist dank beigefügter Anleitung leicht verständlich und schnell machbar. Die Poco Plus lässt sich einfach (auch alleine), ähnlich wie ein Rucksack anziehen und das Gewicht verteilt sich super auf Rücken und Hüfte.

Der erste Ausflug

Wir haben mit guten Freunden und deren Kind einen schönen Ausflug gemacht und die Trage wurde stolz präsentiert. Unsere Freunde waren mit Buggy und wir mit Trage unterwegs, wir stellten schnell die Vorteile der Trage gegenüber dem Buggy fest. Wenn man spontan Querfeldein oder durch den Wald laufen möchte ist das damit natürlich problemlos möglich. 

Was für mich als Träger sehr angenehm war, war die Handfreiheit.  Diese ermöglichte mir während des Wanderns zu trinken, dem Kind etwas zu essen zu geben und es abzulenken ohne anzuhalten. Unsere Kleine fühlte sich so wohl, dass sie sogar ihren Mittagschlaf in der Trage machte – sonnengeschützt durch das leicht ausklappbare Sonnensegel.

Das integrierte Regencape kam bei unserem Ausflug zwar nicht zum Einsatz, ist aber sehr praktisch, da es wirklich den gesamten Körper des Kindes bedeckt – mehr dazu gleich noch.

Technische Daten im Überblick: 

  • Die Trage/Kraxe wiegt 3,6 Kg,
  • Maße in cm: H 73 x L 40 x P48/ gefaltet: H 76 x L 40 x P 29
  • Maximale Tragelast: 22 Kg (Gesamtgewicht von Kind, Ausrüstung und Rucksack) 
  • Hauptsächliches verwendetes Material ist Nylon
  • bluesign Label (Aus zugelassenen chemischen Produkten und Rohstoffen hergestellt)

Meine persönlichen Highlights der Osprey Poco Plus:

Das ausziehbare Sonnensegel versteckt sich in der Rücklehne des Kindersitzes und ist dort sehr platzsparend verstaut. Es lässt sich spielend leicht aufziehen und mit einem Hakensystem fixieren. Da braucht man noch nicht einmal die Bedienungsanleitung zu lesen.

Das Regencape findet man zusammengefaltet im unteren Staufach unterhalb des Sitzbereichs. Um es anzubringen muss zunächst das Sonnensegel aufgespannt sein. Der Rest geht dann aber ganz easy: Das Cape wird einfach über die gesamte Rückseite gezogen, mit Kletterverschlüssen und Ösen fixiert. Der kleine Passagier wird dadurch komplett vor Regen geschützt und hat sogar noch genug Platz, um weiter mit seinen Spielsachen zu spielen.

Besonders gut gefallen hat mir auch das Tragesystem. Die Polsterungen sind stark ausgeprägt und liegen sehr angenehm auf – das drückt definitiv nichts! Der Hüftgurt lässt sich auch unterwegs ganz leicht anpassen und ist mit kleinen Taschen bestückt. Hier wurde meiner Meinung sehr darauf geachtet, dass nicht nur der Passagier sondern auch der Träger oder die Trägerin besonders bequem unterwegs sind.

Was die Sicherheitsgurte angeht: da dürfte sich wohl jedes Kind pudelwohl fühlen. Sie sind – genauso wie alle anderen Teile in Greifnähe – angenehm gepolstert und schneiden nicht ein. Durch den breiten Nackenbereich steht gemütlichen Mittagsschläfchen nichts im Wege!

Und hier nochmal alle Features der Poco Plus im Überblick

  • Sonnenschutz (mit Sonnenlichtschutzfaktor 50 & UV-Faktor 22)
  • Integrierte Regenhülle
  • Spielzeugschlaufen und seitliche Netztaschen
  • Deluxe Kindercockpit
  • Höhen verstellbares Rückensystem
  • Verstellbarer Sicherheitsschultergurt
  • Einstellbare Bügel
  • Leichter Klapprahmen aus Aluminium
  • Reißverschluss-Aufbewahrungstasche
  • Dual Haltegriff
  • Einstellbarer Torso
  • Unteres Reißverschlussfach (17 L)
  • Hüftgurttaschen
  • Verstellbarer Fit on the Fly Hüftgurt (66cm-122cm)
  • Torso Dimensionierung: 38 cm-53cm
  • Seitliche Zugangstaschen aus Strech-Netzstoff
  • Großes Vorderseitenfach
  • Abnehmbarer „Sabberschutz“
  • Und alles Zusammen sehr gut und ausführlich mit Bildern und Handlungsanweisungen in der Bedienungsanweisung erklärt ( Auf der letzten Seite  des Handbuchs ist zudem eine „7 Jahre Allumfassende Garantie POCO Kindertransporter und Zubehör“ vermerkt

Fazit

Ohne jetzt in zu große Begeisterungsstürme verfallen zu wollen, aber die Trage hält was sie Verspricht. Besonders der hohe Tragekomfort und das ziemlich unkomplizierte Handling haben uns gut gefallen.

Das schon mehrfach erwähnte Sonnendach, der Regenschutz und ausreichend Stauraum runden das Gesamtpaket ab. Unterm Strich haben wir es bei der Poco Plus Kinderkraxe mit einem ziemlich durchdachten Teil zutun, dass zwar nicht gerade zu den günstigeren Modellen gehört, aber meiner Meinung jeden Cent Wert ist. Unser Kind fühlte sich jederzeit sehr wohl und sitzt sehr sicher und gerne über längere Zeit in der Trage,

Falls ihr euch für das gute Stück interessiert, könnt ihr es natürlich bei uns im Bergfreunde-Shop erstehen.

Ein Bergfreund wird DIMB MTB-Guide

28. Juli 2020
Die Bergfreunde

Tag 1 – 05.03.2020

Ankunft im Landhaus Felsengarten gegen 8 Uhr, nachdem ich mich mit einem Teilnehmer aus Bissingen an einem Parkplatz getroffen hab und wir als Fahrgemeinschaft angereist sind. Wegen nachhaltig und so….
Hier soll ich also die kommenden Tage die ersten Schritte in Richtung MTB Guide machen und ich habe keine Ahnung was da auf mich so alles zu kommen wird.

Nach einem kurzen Hallo bei der Ankunft, geht es dann auch schon um 9 Uhr im großen Kreis mit den Ausbildern Stephan, Patrick und Ingmar (der den Lehrgang von der DIMB aus fotografisch begleitet) und der ersten Theorieeinheit los.

Bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer ist schnell klar, es sind viele interessante Charaktere mit ganz unterschiedlicher Motivation gekommen. So gibt es einen Hotelier, der für seine Gäste einen Mehrwert schaffen und MTB Touren anbieten möchte. Oder einen evangelischen Pfarrer, der Jugendgruppen guiden will und bspw. Erik aus Hamburg, der auf Rafting-Touren das Mountainbike mitnehmen und dazu eben auch geführte Touren anbieten möchte.

Unterschiedlichste Intentionen, aber alle mit großem Engagement im Lehrgang und in ihrem ehrenamtlichen Einsatz zu Hause.

Ausbilder Stephan stellt uns die DIMB – Deutsche Initiative Mountainbike näher vor und erklärt was diese eigentlich so macht: ausbilden, vermitteln, unterstützen.

Ausbilden von Guides in den Bereichen Guiding und Fahrtechnik. Vermitteln zwischen Initiativen, Behörden und Interessengemeinschaften und unterstützen bei Vorhaben zu Wegebaumaßnahmen.

Beim nächsten Step in Stephans Ausführungen geht es um das Thema Sozial- und Naturverträglichkeit und was zeichnet diese aus. In einem Brainstorming tragen wir diverse Schlagwörter zusammen, bspw. Respekt und Werte, Ressourcen schonen, usw.

Sehr schnell kommen wir dann bei den DIMB-Trailrules an:
1. Fahre nur auf Wegen
2. Hinterlasse keine Spuren
3. Halte dein Mountainbike unter Kontrolle
4. Respektiere andere Naturnutzer
5. Nimm Rücksicht auf Tiere
6. Plane im Voraus

Beim Thema Karten und Strecke ist es dann schon etwas konkreter. Ausbilder Patrick, der im Pfälzerwald die Bikeschule Trailrock betreibt, erklärt uns sehr anschaulich und mit viel Humor wie essentiell Ortskenntnis und die richtige Orientierung im Gelände sind.
Warum? Ganz einfach, hat man einen Notfall irgendwo in der Pampa, muss man in der Lage sein so schnell wie möglich Hilfe zu organisieren. Wichtig auch, um auf unvorhersehbare Probleme (bspw. Wegsperrungen) reagieren und die Route spontan anpassen zu können. Daher ist es unbedingt notwendig sich in dem Gelände, in dem man sich bewegt auch auszukennen. 

Und raus geht‘s auf die Trails rund um den Sportpark Bundenthal. Das dortige Gelände ist für die kommenden Tage unsere „Spielwiese“.
Und das Wetter? Sagen wir es mal so….bäh bäh bäh! Regen den ganzen Tag. Hier sollte ich einen DIRTLEJ – Core Edition Dirtsuit – Radeinteiler dabei haben. Trotzdem ist der erste Tag unglaublich spaßig und weckt die Neugier auf die kommenden Tage. 

Tag 2 – 06.03.2020

Ein neuer Tag, 7 Uhr Frühstück und gegen 8.30 Uhr in legerer Kleidung wieder im Lehrgangsraum zur Theorie.

Heute ist das Thema in erster Linie Tourvorbereitung, Planung und Nachbereitung der Tour.
Warum kann eine Nachbereitung einer Tour für einen Guide sehr wichtig werden?
Nun, wenn es im schlimmsten Fall zu einer Notfallsituation auf der Tour kommt, ist es für einen Guide sehr wichtig, anhand eines Protokolls nachzuweisen wie die Sache aus seiner Sicht abgelaufen ist. Somit kann er sich aus haftungstechnischer Sicht besser absichern.

Als Kernstück der Tourvorbereitung ist hier sicher die Ausschreibung der Tour zu nennen. Über diese kann der Guide „steuern“ für welche Teilnehmer die Tour gedacht ist und so unschöne Überraschungen vermeiden. Anforderungen an Kondition und Fahrtechnik korrekt und deutlich zu kommunizieren sind essentiell wichtig, um die Teilnehmer nicht zu über- oder unterfordern.

Welche weiteren Tools hab ich zur Planung noch zur Verfügung?
Apps, Internetseiten der Fremdenverkehrsbüros, Foren oder natürlich die gute alte Papierkarte. Alle Tools haben ihre Berechtigung und sollten vom Guide auch genutzt werden. Die Papierkarte sollte im Übrigen auch in Zeiten von Smartphone immer im Rucksack sein!

An der Stelle ein kleiner App-Tipp:

Es gibt in Deutschland sogenannte Rettungspunkte in Wald und Forst. Diese Punkte sind eigentlich für Waldarbeiter gedacht, damit Rettungsmaßnahmen schnell und definiert an einen Punkt, an welchem Handyempfang besteht, navigiert werden können.
Diese Punkte sind wie kleine Rettungsinseln im gesamten Wald verteilt.
Die App „Resq Map“ zeigt diese Punkte in einer Karte an und man kann die Nummer des Punktes im Fall der Fälle angeben. Die App ist für Android und Apple erhältlich.

Theorie für heute abgehakt und damit raus auf die Trails. Glücklicherweise ist Petrus gnädig und es regnet nicht die ganze Zeit  :-P

Heute sollen wir Teilnehmer dann die ersten Meter selbst „guiden“.
Bikecheck, fahren im öffentlichen Verkehr, Einstieg ins Gelände, Kommunikation vor und mit der Gruppe, also das ganze Paket muss von jeden von uns Teilnehmern einmal übernommen werden.
Jeder Teilnehmer darf ein gewisses Teilstück die Gruppe führen und beim Wechsel zum Nächsten gibt es direkt ein Feedback vom Ausbilder und den anderen Gruppenmitgliedern.
Dieses Prinzip des sogenannten“360 Grad“-Feedbacks soll uns von da an ständig begleiten und stellt eine Kernmethode der Guide-Ausbildung bei der DIMB dar.

Wie bekomme ich „Flow“ in eine Gruppe und wie kann ich maximalen Spaß und Genuss als Guide erzeugen ohne dabei den Sicherheitsaspekt zu vernachlässigen? Das ist an diesem Tag der erste Kontakt mit solchen Themen, die, ist man sonst nur für sich selbst unterwegs, eigentlich ganz selbstverständlich sind. Hier wird mir das erste Mal bewusst, wieviel das Thema Guiding auch mit Psychologie zu tun hat. Sehr spannend!

Tag 3 – 07.03.2020

Same same, but different….Frühstück um 7 und dann in legerer Kleidung in den Seminarraum.

Der sicherlich interessanteste und auch stressigste Tag steht uns bevor – Notfallmanagement!

In der recht trockenen, aber durchaus wichtigen Theorie geht es heute zunächst um Haftungsfragen und spezielle Versicherungen für MTB Guides. Die normale Haftpflicht, die man so kennt, deckt nämlich meist im Falle eines Falles nicht ausreichend unmittelbare Schäden und Folgeschäden ab.

Aber wie verhalte ich mich als Guide richtig in kritischen Situationen, wie schließe ich Gefahrenquellen bestmöglich aus und wie agiere ich in einer emotional sehr stressigen Notfallsituation?

Hierzu geht es für uns dann wieder auf die Wege und Trails. Erneut übernehmen wir Teilnehmer etappenweise das Guiding. Unsere Ausbilder Stephan und Patrick haben sich für uns die eine oder andere „Gemeinheit“ ausgedacht. So hat einer der Jungs plötzlich „ganz große Probleme“ einen Anstieg hoch zu kommen. Patrick lässt sich dazu Luft aus dem Hinterrad und simuliert so quasi einen technischen Defekt.


An anderer Stelle stellt er einen Sturz nach, indem er kontrolliert über den Lenker geht (Respekt an dieser Stelle an seine Fahrtechnik. Ich fahre in diesem Moment direkt hinter ihm und erschrecke mich zu Tode). Er ist nicht verletzt, daher kann es recht schnell weiter gehen.
Tja, dann bin ich dran und darf ein Teilstück auf einem schönen, flowigen Trail führen, als es plötzlich hinten in der Gruppe knallt, kracht und schreit…


Ingmar liegt flach auf einem Felsenteppich und klagt über sehr starke Schmerzen in der Schulter. So, nun stehst du da, hast eine Gruppe mit 7-8 Leuten, die sich in der Gegend nicht auskennen und du musst schauen wie du diese Situation am effektivsten meisterst.

Man kann sich ja darauf einstellen, dass irgendwas kommt und dass es nur simuliert ist, aber trotzdem schießt einem das Adrenalin ins Blut. Dabei ist es wirklich interessant, was man in einer solchen Situation über sich selbst lernen kann. 

Dazu kommt bei dieser Übungstour das Thema Sorgfalt. Also wie verhalte ich mich als Guide bestmöglich natur- und sozialverträglich und wie werde ich meinem Vorbildcharakter am besten gerecht. Im Kern geht es auch hier wieder um die DIMB Trailrules, ihr erinnert euch?

Wie an jedem Tag bekomme ich direkt nach meiner Etappe das Feedback und kann so für mich das Maximum an Erfahrung rausziehen. An der Stelle sei erwähnt, dass es hier wirklich wichtig ist Fehler zu machen, da man aus diesen definitiv am meisten lernen kann.

Tatsächlich sehen wir an diesem Lehrgangstag sogar etwas die Sonne und da alle Ausbilder und Teilnehmer ohne Verletzung wieder an der Unterkunft ankommen, wird es am Abend auch Zeit für eine Belohnung….die ausgezeichnete pfälzische Küche!

Packliste Bergsport in der Stadt

26. Juli 2020
Packlisten

Urbaner Bergsport – klingt zunächst nach Widerspruch in sich, entpuppt sich aber gerade als Megatrend, den auch der Alpenverein fördert. Denn in den Städten werden immer häufiger Wände erklettert, Downhills gefahren, Hindernisse überwunden und Grenzen ausgetestet. Mehr über die Urbanisierung des Bergsports erfahrt ihr in unserem Basislager-Artikel zu diesem Thema. Hier nun präsentieren wir euch Unentbehrliches, Nützliches und nicht ganz so Nützliches für eure Outdoor- und Indoorabenteuer in der urbanen Sphäre.

Für’s städtische Allroundabenteuer











Zusätzlich fürs Baden und den Strand

Ob Münchner Isarufer oder Berliner Müggelsee – Großstadtbergfreunde tauchen auch gern mal ab ins kühle Nass. Dabei sollte man neben Handtuch und Badehose/ Badeanzug Folgendes nicht vergessen:




Zusätzlich/alternativ für Städtereisen









Zusätzlich für den Winter




Last but not least

Zum Abschluss präsentieren wir noch ein wenig Sonderausstattung – sozusagen die Heckspoiler und Alufelgen des urbanen Bergsports:



Slackline für Einsteiger – so gelingt der Balanceakt

24. Juli 2020
Tipps und Tricks

„Ihr naht euch wieder wankenden Gestalten“, warum mir gerade jetzt Goethes Faust in den Sinn kommt während ich hier im Park sitze und meinen Freunden beim Slacklinegehen zuschaue, kann ich nicht sagen. Irgendwie komme ich mir ein wenig wie früher beim Sportunterricht vor. Turnen. Nicht meins. Schwebebalken. Katastrophe. Und während ich innerlich mit meiner Befindlichkeit schon eher bei „Heinrich! Mir graut‘s vor dir“ angekommen bin: „Lisa du bist dran.“ Mein Hinweis, dass ich ein generelles Gleichgewicht wie ein Besoffener habe, ist wohl irgendwo kenntnislos verraucht. Nun also doch. Das erste Mal Slackline. Aber wie? Fangen wir an:

Akt 1: Vorbereitung

Zum Slacklinegehen braucht es nur wenig Equipment. Auch spezielle Slacklines für Anfänger gibt es eigentlich nicht. Es macht aber durchaus Sinn, bei der Auswahl der Line auf die Breite zu schauen, 3-5 cm sind für den Einstieg ideal. Außerdem braucht ihr noch entsprechendes Befestigungsmaterial. Wer eine solide Erstausrüstung sucht, greift daher am einfachsten auf ein gut ausgestattetes Komplettset zurück. 

Spannt man eine Slackline für Anfänger sollte man ein paar Dinge beachten: Idealerweise findet man hierzu zwei Bäume als Fixpunkte, die etwa 5 Meter von einander entfernt stehen. Der Untergrund sollte möglichst eben sein, ideal eignet sich eine Rasenfläche. Keinesfalls sollte man die Zugkraft, die durch eine Slackline entsteht unterschätzen, es braucht daher ausreichend starke Bäume. Alles was frisch gepflanzt oder besonders jung aussieht, taugt nicht. Es gibt darüber hinaus auch zahlreiche Möglichkeiten eine Slackline ohne Bäume aufzuspannen, das haben wir aber in einem eigenen Blogbeitrag für euch festgehalten.

Hat man die geeignete Location gefunden, spannt man die Slackline ca. 50 cm über dem Boden. Diese Höhe ist absolut ausreichend um nicht bis auf den Boden durchzuhängen, gleichzeitig ist sie aber auch nieder genug um die Verletzungsgefahr bei einem unkontrollierten Absprung gering zu halten.

Immer wieder taucht darüber hinaus die Frage auf, ob man nun lieber barfuß oder mit Schuhen auf die Slackline geht. Und wenn schon mit Schuhen, mit welchen? Fragt man fünf Personen bekommt man mindestens sieben Meinungen. Mein Kollege Sebastian hat daher einmal ein paar weiterführende Gedanken angestellt: Welche Schuhe für die Slackline?

Akt 2: Aufsteigen

Ist die Slackline fachgerecht installiert, kann es auch schon losgehen. Das erste Ziel ist es, den sicheren Stand auf der Slackleine zu erlernen. Hierzu übt man idealerweise mit einem Partner, der bei Bedarf beim Stützen und Stabilisieren hilft. Das ‚Aufsteigen‘ auf die Line ist gerade am Anfang nicht ganz einfach. Jeder Mensch hat aber eine ‚Schokoladenseite‘ mit der es ein wenig besser geht. Bei mir ist es das rechte Bein. Um auf die Slackline zu kommen startet man in einem der äußeren Drittel der Line. Hier schwingt sie nämlich deutlich weniger, als in der Mitte. Gerade Anfänger werden das auch bei kurzen Lines wahrnehmen. Ein Fuß wird zum Start längs auf die Line gestellt, also so, dass er von den Zehen bis zur Ferse Kontakt mit dem Band hat. Gerade am Anfang kann es schon bei diesem Schritt dazu kommen, dass die Slackline stark zu schwingen beginnt, ohne dass sie eine wirkliche Belastung erfährt. Hier hilft nur mit Schwung schnell aufstehen und das Bein auf der Line durchdrücken. Eine aufrechte Haltung einnehmen.

Akt 3 Körperhaltung

Am Anfang ist das Stehen auf der Slackline schwierig. Einfacher ist es da schon, wenn man mit der Hilfestellung eines Partners versucht eine gute Körperhaltung einzunehmen. Denn das ist der wichtigste Baustein zu einem sicheren Stand auf der Slackline. 

  • Standbein: Wie bereits erwähnt, steht der Fuß längs auf der Slackline. Das Bein ist im Knie leicht gebeugt und ermöglicht so das präzise Ausgleichen der Schwingungen. Ein bisschen ähnlich wie beim Skifahren oder vergleichbaren Sportarten.
  • Freies Bein: Das freie Bein wird zum Ausbalancieren verwendet. Es hängt also locker nach unten oder wird gezielt zum Ausgleichen eingesetzt.
  • Oberkörper: Der Oberköper bringt im Vergleich zu den anderen Körperteilen die größte Masse mit. Deshalb ist es wichtig, hier relativ stabil zu bleiben. Also aufrecht halten und nur langsam und sporadisch bewegen. Wer versucht durch übermäßiges Bewegen des Oberkörpers Ungleichgewicht auszugleichen, erreicht oft genau das Gegenteil.
  • Arme: Die Aufgabe der Arme ist es das Gleichgewicht zu wahren. Eine gute Armstellung sieht in etwa so aus: Die Oberarme werden an der Schulter waagrecht vom Körper abgestellt, die Unterarme zeigen mehr oder weniger senkrecht nach oben. Diese Position darf aber keineswegs als starr angesehen werden, sondern vielmehr als Ausgangsposition. Bewegt man die (Unter-)Arme zielgerichtet in die jeweils notwendige Richtung, kann man vergleichsweise leicht das Gleichgewicht halten.
  • Kopf: Der Kopf stellt die Verlängerung des Oberkörpers dar. Auch hier ist eine aufrechte Haltung angesagt. Der Blick zeigt nach vorne, am besten auf einen Fixpunkt, der sich nicht bewegt. Keinesfalls sollte man auf die Slackline selbst schauen, da sich diese permanent bewegt, was das Balancehalten erheblich erschwert.

Akt 4 Stehen

Wie auch im richtigen Leben, ist das Stehen die Grundlage für das spätere Gehen. Auf eine Slackline bezogen heißt das Einbeinstand üben. Also immer wieder den Versuch starten die oben beschriebene Körperhaltung einzunehmen und sich selbst für etwa 5-10 Sekunden auf einem Bein stehend auf der Line zu halten. Dies muss zwangsläufig mit beiden Beinen geübt werden, da nur so eine gute Basis für das Gehen und spätere Tricks geschaffen wird. Gerade auch das Trainieren der „schwächeren“ Seite ist dabei äußerst wichtig, wenngleich das anfangs nicht leicht fällt. 

Akt 5 Gehen

Striktes Prinzip: nicht auf die Slackline schauen. Nie nach unten blicken, am besten einen Fixpunkt in mittelbarer Umgebung fest im Blick haben. Stichwort peripheres Sehen. Langsame Bewegungen sind hier außerdem das Gebot der Stunde, schon alleine um unnötiges Aufschwingen zu vermeiden. Die Fußspitze des freien Fußes ertastet sich langsam die richtige Position auf der Slackline. Der Fuß setzt dann vollflächig auf das Band auf, das Gewicht wird nach vorne verlagert, und das hintere Bein zügig angehoben, sodass zuletzt wieder nur ein Bein die Slackline belastet. 

Sobald man auf diese Art das Bein gewechselt, also den ersten Schritt gemacht hat, ist es wichtig, den Köper wieder so gut es geht ins Gleichgewicht zu bringen. Je nach Situation kann auch ein zügiges Weitergehen die Situation retten. Nie, aber wirklich nie, hilft es auch nur irgendwie wild und auf gut Glück über die Line zu rennen. So kommt man in der Regel zwar einige Schritte weit, das hat aber letztendlich nichts mit dem ‚richtigen‘ Slacklinegehen zu tun.

Akt 6 Drehungen und Tricks

Hat man es geschafft sich halbwegs sicher über die Line zu bewegen, kommt man irgendwann an deren Ende an. Einer der ersten ‚Tricks‘ ist daher eine Drehung auf der Line, die es ermöglicht einfach wieder zurückzugehen. Danach kommen weitere Moves, die irgendwann aus reinem Gehen schon fast eine Choreografie machen. 

Epilog

Mein Erstkontakt mit der Slackline liegt inzwischen schon ein paar Jahre zurück. Noch immer bin ich kein Gleichgewichtsgenie und werde auch nie zur ‚Primaballerina‘ werden. Dennoch ist das Slacklinegehen für mich allemal ein toller Freizeitspaß und ich habe den Eindruck, dass es sich positiv auf meine Trittsicherheit auswirkt. Wenn also auch ihr überlegt, ob ihr euch auf die Slackline wagen sollt, macht das auf jeden Fall. Schnappt euch dazu noch ein paar Freunde, ein Picknick und ab raus in den Park! Es lohnt sich.

Trendsportart Buildering – Urbanes Klettern oder”Wo eine Wand ist, kann auch geklettert werden!”

22. Juli 2020
Tipps und Tricks

Zur Zeit schießt eine Kletterhalle nach der anderen aus der Erde. Zwar hat der Klettersport seinen Ursprung am Berg, aber in den letzten Jahren hat er sich immer mehr im städtischen Raum ausgebreitet. So haben sich auch die unterschiedlichen Spielformen des Kletterns gewandelt. War früher nur der verwegene Alpinist der wahre Kletterer, so ist die Sportart heute viel breiter aufgestellt. Eine vermeintlich junger Neuzugang im Reigen der verschiedenen Kletterarten ist das sogenannte „Buildering“. Was das genau ist, welche Ausrüstung man dazu benötigt, wer für diese Sportart geeignet ist und wo Buildering an seine Grenzen stößt, wird im Folgenden erklärt. 

Am Anfang steht? – Die Definition!

Während sich „Bouldern“ vom englischen Wort „Boulder“ (Steinblock) ableitet, leitet sich „Buildering“ vom englischen Wort „Building“ (Gebäude) ab. Und das erklärt dann auch schon, worum es geht. Builderer bewegen sich kletternd an von Menschen geschaffenen Objekten und Bauten. Im Gegensatz zum Klettern und Bouldern,geht es hier also ausschließlich darum, an künstlichen Strukturen, wie Steinmauern, Brücken, Säulen und Gebäuden hochzuklettern. 

Eintagsfliege für Hipster oder Sport mit Geschichte?

Wer meint, dass das Buildering aus der Langeweile ein paar Jugendlicher entstanden ist, der irrt. Da den Kletterfans früher nicht dutzende Hallen zum Trainieren zur Verfügung standen, mussten sie sich was einfallen lassen und wurden erfinderisch. 

Bereits vor 120 Jahren erklomm der Student und Kletterer Geoffrey Winthorp Young das Dach seiner Universität in Cambrigde. Ob er nun wusste, dass er der erste Builderer war, sei mal dahingestellt. 

Einen höheren Bekanntheitsgrad genießt der französische Freikletterer und Builderer Alain Robert. Er kletterte bereits an mehr als 70 Wolkenkratzern dieser Welt, wie dem Eiffelturm, dem Empire State Building oder dem Taipei 101. Dabei bewegte er sich nicht nur einmal in der illegalen und lebensgefährlichen Zone und brachte die Sportart ziemlich in Verruf. 

Nachdem die Sportart etwas in Vergessenheit geraten war, beweist die aktuell stark wachsende Szene der Builderer, dass sie keineswegs an Attraktivität verloren hat. Beispielsweise finden in Österreich und in Italien regelmäßig Buildering-Cups statt. Im Ruhrpott wurden von 2006-2008 sogar Buildering-Weltmeisterschaften ausgerichtet. Builderer aus ganz Europa nahmen an den Wettkämpfen teil, bei denen es hauptsächlich um das Miteinander, den Austausch und um den Spaß am urbanen Klettern ging. Für hohe Preisgelder hat es noch nicht gereicht.

“Du kannst doch nicht einfach an der Brücke da klettern!” Do’s and Don’ts beim Buildering

Bevor man seine Kletterschuhe und den Chalkbag auspackt und die nächste Brücke oder ein Haus erklimmt, sollte man sich genau darüber informieren, was erlaubt ist und wo es Grenzen gibt. 

Rein theoretisch ist Klettern an Gebäuden nicht verboten. Die Umsetzung in der Praxis ist aber etwas komplizierter. Zuallererst gilt es zu unterscheiden, ob das Gebäude privat oder öffentlich ist und wie die örtlichen Gegebenheiten und Vorschriften sind. 

So sind weiße Wände oder Wände mit Pflanzen an öffentlichen Gebäuden tabu. Der Gummiabrieb der Sohlen und das Chalk hinterlassen Spuren, die man hier nicht möchte. Auch muss man auf die eigene Sicherheit achten, da moosige, lockere Tritte zu einem Sturz führen können. 

Gebäude, Brücken oder Unterführungen an Hauptverkehrslinien sind ebenfalls auszulassen, da man Autofahrer ablenken könnte. Dass Denkmal geschützte Gebäude tabu sind, dürfte sowieso klar sein. Vorsichtshalber sollte man die Finger von belebten Innenstädten mit alten Häusern lassen, da man hier nicht nur Gehwege blockiert, sondern auch ungewolltes Aufsehen erregt. Es ist grundsätzlich praktischer an Orten zu buildern, die weniger frequentiert sind, als eine Fußgängerzone. 

Es ist wichtig, das Umfeld stets im Blick zu haben, damit man keine anderen Personen gefährdet. Sollte man auf einem Privatgrundstück buildern, so ist das nur mit der ausdrücklichen Erlaubnis des Besitzers möglich. 

Und sollte man trotz allen Vorsichtsmaßnahmen darum gebeten werden, hier nicht zu klettern, ist es diplomatischer sich freundlich und rücksichtsvoll zu verhalten und lieber den Standort zu wechseln. Denn nur so kann das Buildering auf längere Sicht von allen Seiten geduldet werden.

Zusammengefasst heißt das, dass Buildern an öffentlichen Gebäuden, Uferbefestigungen, Unterführungen, Mauern und Brücken erlaubt ist. Die örtlichen Gegebenheiten müssen jedoch stets berücksichtigt werden. Verboten ist es an privaten Gebäuden, ohne die vorherige Erlaubnis, an stark befahrenen Straßen und an Denkmalgeschützten Gebäuden. 

Spielregeln verstanden – es kann losgehen

Da nun die Regeln abgesteckt sind, sind der Kreativität bei der Wahl des Buildering-Spots keine Grenzen mehr gesetzt. Mit ein bisschen Fantasie entdeckt man schon in der nächsten Brücke eine schöne Route. 

Ähnlich wie beim Bouldern, sind die Routen meist relativ kurz, also in Absprunghöhe und sehr kraftintensiv. Gerade Steinmauern mit verschiedenen Strukturen und Uferbefestigungen bieten ein herrliches Gelände mit reichlich Schwierigkeitsgraden. 

Wer gerne höher hinaus will, erklimmt Brückenbögen oder Unterführungen. Dabei schadet es nicht, wenn man Kletter- oder Bouldererfahrung mitbringt.

Grundsätzlich sollte man als Buildering-Anfänger nicht alleine losziehen und die Stadt unsicher machen. Erfahrene Builderer kennen nicht nur gute Spots zum Klettern, sondern sind auch ein praktischer Spotter und Ratgeber im neuen Gelände. 

Um Gleichgesinnte zu finden, ist der DAV eine gute Anlaufstelle. Regelmäßig organisieren Jugendgruppen Buildering-Treffen in den Städten. Lokale Gruppen in den sozialen Medien sind ideal, um sich Tipps zu holen und sich einer Gruppe anzuschließen. Die Buildering-Szene hat auch schon Kletterführer veröffentlicht, die Straßennamen enthalten, wo sich ein lohnenswertes Ziel befindet. 

Buildering ist gut für die Umwelt

Oft muss man als Städter weit fahren, um den nächsten Felsen zu erreichen. Auch die Kletterhalle ist nicht immer unbedingt direkt vor der Haustüre. Daher empfiehlt es sich, seine nähere Umgebung mal intensiver zu erkunden und eine Vielzahl von neuen Klettermöglichkeiten zu entdecken. Das erweitert nicht nur den eigenen Horizont, sondern ist auch gut für die Umwelt

Dresscode Buildering – Casual Safety 

Nun juckt es schon in den Fingern und man möchte am liebsten sofort die nächste Brücke hinauf rasen. Doch ganz ohne Ausrüstung sollte man nicht losziehen. Für die eigene Sicherheit ist ein Crashpad absolut notwendig. 

Sollte man fallen, vermeidet die Matte einen harten Aufprall und Verletzungen. Kletterschuhe sorgen für einen guten Grip an den Strukturen und ermöglichen ein präzises Antreten. Je nach Gelände sind auch Turnschuhe geeignet. Gegen feuchte, rutschige Hände hilft Chalk. Jedoch sollte man darauf achten, keine Spuren zu hinterlassen. Also am besten auch eine kleine Bürste mit einpacken. 

Wer gerne mit mehr Sicherheit unterwegs ist, nimmt Schlingen und Expressen mit, die er um ein Brückengeländer legen und ohne Beschädigungen zu verursachen, wieder entfernen kann. Bei gesicherten Routen sind ein Kletterpartner mit Sicherungsgerät, ein Klettergurt und ein Seil nützlich. Komfortable, atmungsaktive Kleidung rundet die Ausrüstung ab. Damit kann man sich ohne Einschränkungen bewegen und genießt ein gutes Körperklima.  

Kein Auto, wenig Ausrüstung und das Kletterparadies direkt vor der Haustüre, Buildering ist eine Sportart, mit der sich die zukünftige Klettergeneration noch intensiver beschäftigen wird!

Urbanisierung im Bergsport

20. Juli 2020
Die Bergfreunde

In Sachen Kleidung und Mode ist „Urban Outdoor“ längst kein Trend mehr, sondern eine langjährig etablierte Sparte. Etwas anders sieht es beim tatsächlich ausgeübten „urbanen Bergsport“ aus. Dieses Phänomen macht sich erst seit wenigen Jahren bemerkbar, drängt dafür aber nun mit Macht in den Vordergrund. Neben Klettern und Bouldern in den immer zahlreicheren Hallen umfasst der urbane Bergsport alles, was findige Marketingwortschöpfer unter „Vertical Fitness“ zusammenfassen. Hierbei werden weitere Trendsportarten wie Crossfit und Parcours als Zusatzelemente in den Bergsport eingebaut – teils ganz konkret in Form von Zusatzanlagen in Kletter- und Boulderhallen.

Diese Entwicklung ist natürlich auch beim wichtigsten Bergsportverband, dem Deutschen Alpenverein angekommen. Der DAV ist laut eigener Aussage „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie.

Urban, Bergsport, Outdoor: unscharfe Begriffe

Legt man jedoch die Wikipedia-Definition des Begriffs „Bergsport“ zugrunde, gibt es da eigentlich nichts zu fördern, denn eine „Urbanisierung des Bergsports“ kann es ihr zufolge nicht geben. Der Begriff Bergsport umfasst nämlich „mehrere, im Gebirge ausgeübte Sportarten.“ Und im Gebirge gibt es schließlich keine Städte und keine Urbanität. Naja, fast keine, Innsbruck oder Bozen liegen schon irgendwie im Gebirge. Aber nach dieser Lagedefinition wäre wiederum alles, was dort an Sport stattfindet, automatisch Bergsport. Also nicht nur die Turnerei an den bunten Synthetikgriffen der Kletterhalle, sondern auch die Kickerei auf dem Bolzplatz nebenan …

Doch damit genug der nicht ganz ernst gemeinten Sprachspitzfindigkeiten. Sie sollten auch nur zeigen, dass weder der Bergsport noch die Urbanität begrifflich scharf abzugrenzen sind. Wir haben es hier mit Begriffen zu tun, aus denen man sich die Bedeutung fast schon nach Gusto rauspicken kann. Ich mache das mal beispielhaft:

Urbaner Bergsport umfasst Sportarten, die mit Bergen in Bezug stehen. Und, seien wir mal großzügig, mit Felsen und schönen Landschaften. Zum „urbanen Bergsport“ zählt damit alles, was dem Training und dem Erhalt der Berg-und-Fels-Fitness dient. Und von mir aus auch alles, bei dem man sehnsüchtig an die nächsten Bergeroberungen denkt.“

Und noch mehr Durcheinander: während sich „Bergsport“ normalerweise problemlos vom weiter gefassten Begriff „Outdoor“ (der auch Aktivitäten auf dem platten Land und dem Meer umfasst) abgrenzen lässt, verschmelzen in der urbanen Sphäre auch diese Beiden. Man kann im Grunde also den urbanen Bergsport so weit dehnen, dass noch die Yogasession im hippen Berliner Studio dazu zählt. Denn wenn sie der Beweglichkeit für diesen einen krassen Spreizmove in der geplanten Elbsandstein-Tradroute dient – warum nicht?

Urbane Bergsportarten

Mit dieser breiten Definition hat man eine Menge urbaner, alter und neuer, Trend und Nicht-Trend-Sportarten unter dem Label „urbaner Bergsport“ vereint. Man hat damit auch nicht nur einen Trend, sondern einen Megatrend, denn die Zahl der so definierten urbanen Bergsportler dürfte in die Millionen gehen. Man bemerkt das auch in den „echten Bergen“, denn der Zulauf wächst dort beständig. Immer mehr Menschen wollen ihre in der Stadt trainierten Kräfte und Fähigkeiten im Bergurlaub austesten und ausleben. Sie profitieren dabei von den immer vielfältigeren Sport- und  Trainingsmöglichkeiten. Welche das sind, schauen wir uns im Folgenden mal genauer an.

Kletterhallen

„Urbaner Bergsport“ Nummer 1 ist ohne Zweifel das Hallenklettern. Auch mit Eintrittspreisen von um die 10 Euro sind die meisten der etwa 500 deutschen Klettertempel (mit mehr als 100 Quadratmetern Kletterfläche) meist gut gefüllt. Zu den großen Hallen kommen noch unzählige kleinere Wände in Fitnesscentern, Schulen, Universitäten oder Reha-Einrichtungen hinzu. Selbst im Sommer und bei schönem Wetter sind viele Indoor-Kletteranlagen bemerkenswert gut besucht. Vor allem für junge Nachwuchsathleten ist das Klettern immer weniger an das Erlebnis von Natur und Draußen-sein gekoppelt.

Die schnelle Erreichbarkeit der Hallen und der vergleichsweise geringe Aufwand für ein intensives sportliches Erlebnis dürften wichtige Gründe für den Indoor-Kletterboom sein. Der Technik- und Wartungsaufwand der Hallenbetreiber ist hingegen recht groß, die Investitions- und Betriebskosten gehen schnell mal in die Millionen. Deshalb auch die nicht ganz günstigen Eintrittspreise. Im Fitnessstudio zahlt man allerdings ähnlich viel für Training an Maschinen, die zwar oft aufwändig sind, aber eher wenig Erlebniswert bieten.

Bouldern

Das Handelsblatt beschreibt das Bouldern in einem Artikel über den „umkämpften Boulderhallenmarkt“ als „ultimative Urbanisierung des Abenteuers“. Und das Magazin hat recht, denn einfacher und schneller als mit dem Klettern in Absprunghöhe lässt sich „Nervenkitzel, Freiheit, Muskelaufbau“ inklusive Vertikalfeeling nicht mehr in die Städte bringen. Die Nachfrage nach diesem Erlebnismix lässt die Zahl an Boulderhallen und innerstädtischen Boulderspots rasant wachsen. Sie dürfte in die Hunderte gehen – genaue Angaben sind schwierig, da die Vielfalt der Anlagen schwer zu erfassen und abzugrenzen ist.

Das Bouldern kann in vielen Städten auch „outdoor“ an Brücken, Mauern und Gebäuden betrieben werden. Diese Spielart hört dann auf den Namen „Buildering“. Allerdings ist „dank“ zunehmender Verbots- und Regulierungsdichte im öffentlichen Raum auch hier ein Trend weg von den kostenlosen und „natürlichen“ Strukturen hin zu künstlichen und kommerziellen Anlagen erkennbar. Immerhin sind Ausstattung und Infrastruktur in Letzteren oft vom Feinsten.

Slackline

Die zwischen Bäumen aufgespannten Gurtbänder mit fröhlich darauf balancierenden Menschen sind in Parks und an Uferpromenaden mittlerweile ein gewohnter Anblick. Hier werden Koordination und Gleichgewicht auf spielerische Weise geschult. Die große Mehrheit der Freizeitsportler übt den Seiltanz im Stadtpark und in Absprunghöhe. Selbstverständlich gibt es auch beim „Slacklinen“ immer mehr Spielarten und Extremformen. Die Königsdisziplin ist die „Highline“, bei der man auf dem Seil in einer Höhe balanciert, aus der ein Sturz zu schweren Verletzungen oder zum Tod führt.

Moment, dabei ist man doch gesichert, oder? Ja, keine Sorge, die meisten Highliner tragen einen Gurt, der über eine Schlinge mit Karabiner die Verbindung zum Seil herstellt. Doch es gibt auch hier wie im Sportklettern die Spielart des „Free Solo“, bei der ohne Sicherung hunderte Meter über Schluchten und Abgründen „geslackt“ wird. Und all jene, denen das „normale Slacken“ nicht genug, das Free-Solo-Highlinen aber zu haarsträubend ist, können es ja mal mit „Slackdecken“ probieren: mit dem Longboard auf dem Seil herumrutschen …

Crossfit

„Das härteste Training der Welt“, liest und hört man im Zusammenhang mit Crossfit öfter. Und natürlich sind sich Crossfitter einig, dass ihr Training auch das Beste ist. So weit so normal, mit ähnlichen Superlativen lockt von Bodyweight über Calisthenics bis zu Freeletics quasi jedes trendige Workout. Triathleten wiederum, die für den Ultraman trainieren, werden allen widersprechen und klarstellen, dass ihr Training das Härteste und Beste der Welt ist.

Unbestreitbar ist, dass Crossfit viele Fitnessaspekte enthält, die auch Bergsportler gut gebrauchen können. Das Ganzkörpertraining bringt nämlich nicht nur Kondition und Kraft nach vorn, sondern auch Beweglichkeit, Koordination und Schnelligkeit.

Die Besonderheit an Crossfit ist die Bedeutung der Anwesenheit eines Trainers: „Um Verletzungen vorzubeugen, ist es wichtig, das Level dem Können des Athleten anzupassen und nicht an seinen Vorstellungen. Deswegen gibt es CrossFit nur mit einem geschulten Trainer an der Seite. Es liegt in seiner Verantwortung, die Trainingsintensität, die Schwere der Gewichte, die Wiederholungen und die Geschwindigkeit der Übungsausführung an die Fähigkeiten des Trainierenden anzupassen.

Yoga

Für das Bergsteiger-Magazin sind Yoga und Bergsteigen „die perfekte Kombination.“ So weit würde ich jetzt nicht gehen, denn auf engen Hütten und in steilen Wänden lassen sich Asanas eher nicht so gut einüben. Doch vor und nach dem Gang in die Berge hat man mit Yoga tatsächlich ein hervorragendes Hilfsmittel für vielseitige Entwicklung. Und dass man die Fitnesseffekte des Yoga für den Bergsport gebrauchen kann, daran besteht kein Zweifel. Natürlich sollte man sich unter den unzähligen Yogaarten die Passenden aussuchen. Vielleicht gibt es ja am Berg Situationen, in denen die liebende Hingabe des Bhakti Yoga gefragt ist, doch normalerweise sind eher kraftbetonte Wege wie Iyengar oder Ashtanga für den Bergsport interessant.

Die Berg-Bloggerin Stefanie Dehler ist tausendprozentig überzeugt von den positiven Yoga-Wirkungen. Für ihren sehr informativen Artikel hat sie eine populäre Yogalehrerin nach möglicher „Bergrelevanz“ des Fernost-Imports befragt. Deren Antwort:

Yoga schafft eine wundervolle Verbindung von Körper und Geist; schult Konzentration, Gleichgewicht und Koordination und sorgt gleichermaßen für Kraft und Beweglichkeit.

Alles Eigenschaften, die einem Bergsportler mit Sicherheit zu Gute kommen. Zudem bietet die Asanapraxis im Yoga ein großes Repertoire an Übungen zur Stärkung der Körpermitte und Schulter Rückenpartie. Ich hör den Berg schon rufen ;)

Man kann darüber streiten, ob die „Zweckentfremdung“ von Yoga unter Weglassung des spirituellen Aspekts überhaupt als Yoga bezeichnet werden kann. Doch selbst wenn es nur eine ausgefeilte Gymnastik mit wohlklingendem „Label“ sein sollte, verdient Yoga definitiv die Aufmerksamkeit der urbanen Bergfreunde.

Bikeparks

Das Bergauf und Bergab mit dem Fahrrad hätte man früher wohl zum Radsport gezählt und diesen sauber vom Bergsport getrennt. Seit aber immer steilere Pisten und ruppigere Wege mit immer geländegängigeren Bikes befahren werden, ist der Zweiradsport irgendwie beim Bergsport mit reingerutscht. Und ja, wenn man es anhand der Reviere betrachtet, die sich Bergwanderer und Mountainbiker oft (und nicht immer ganz freiwillig) teilen, dann ist Mountainbiken definitiv Bergsport.

Steile Hänge und Downhills können aber auch kurz sein – vielen Bikern geht es vor allem um die Intensität der Abfahrt. Und sollte es mal an Steigungen und Gefälle mangeln, schaffen immer mehr Dirtparks mit ihren Hügeln und Hindernissen Abhilfe. Diese sorgen dafür, dass auf kleiner Fläche Sprünge geübt und Techniken verfeinert werden können. Viele der etwa 40 bei Googlemaps in Deutschland angezeigten Bikeparks befinden sich dort, wo den Bikern von der landschaftlichen Umgebung viele Möglichkeiten geboten werden. Allerdings sind diese oft mit langen Anfahrten und vielen Höhenmetern verbunden. Der Vorteil der Parkanlagen ist sicherlich die konzentrierte Vielfalt an teils neuartigen Möglichkeiten für Fahrerlebnis und Training. Dann wundert es nicht mehr, dass diese „Spielplätze“ gerade auch fortgeschrittene, routinierte und „verwöhnte“ Biker ansprechen.
Die Mountainbiker haben konzentrierten Spaß und können ihren Spielraum im Gebirge mächtig erweitern. Doch angesichts der aufwändigen und materialintensiven Umgestaltung von Landschaftsarealen kommt die Frage auf, in welchem Kosten-Nutzen-Verhältnis das Ganze steht. Und wie sieht es mit der Nachhaltigkeit aus?
Die letztgenannten Fragen stellen sich umso mehr, je größer und aufwändiger Freizeitanlagen werden. Beim urbanen Freizeitspaß mit Bergbezug sind wohl die Skihallen, von denen es in Deutschland derzeit sechs gibt, der Gipfel der fragwürdigen Entwicklungen.

Fazit

Ob man die Urbanisierung des Bergsports gut oder schlecht findet, spielt keine Rolle, denn aufzuhalten ist sie nicht. Die Nachfrage nach Sport, Bergerlebnis und Outdoorfeeling in der Stadt wird weiter steigen, denn nach wie vor zieht es mehr Menschen vom Land in die Städte als umgekehrt.

Laut Dr. Wolfgang Wabel, Geschäftsbereichsleiter Bergsport im DAV, ist der Bergsport „in den Städten angekommen.“ Der Verein führt deshalb mittlerweile auch die Mehrheit seiner Sektionsangebote „im urbanen Bereich“ durch. Seine Bemerkung „der Name Alpenverein passt eigentlich nicht mehr“ versieht er in seinem Vortrag „Bergsport hinterm Horizont“ mit einem Zwinkersmiley. Dabei ist das womöglich eine gar nicht so unzutreffende Feststellung. Denn wie gesagt, der DAV ist „offen für die Urbanisierung des Bergsports und fördert sie“. Und er „ist sich damit bewusst, dass neue gesellschaftliche Gruppen zum Bergsport und zum DAV kommen und den Verband damit verändern.“ Die Frage ist, wann diese Veränderung in Identitätsverlust übergeht und der Alpenverein zu einem austauschbaren Service- und Sportverband wird. Das Kernthema Berg und der im Namen verankerte Bezug zu den Alpen wäre jedenfalls erhaltenswert – ebenso wie die einstmals alleinigen Ziele, den „Erlebnisraum Berg“ zu erschließen und zugleich für ihn zu sensibilisieren. Das wäre natürlich einem anderen gesellschaftlichen Megatrend entgegengerichtet: dem ständigen Wachstum mit immer neuen einverleibten Themen und Kompetenzen. Der urbanisierte Bergsport wird sich jedenfalls mit oder ohne Breitband-Alpenverein gut entwickeln.

Ausrüstung

Das sollte halten – Knotenkunde für Berg- und Outdoorfreunde

7. Juli 2020
Tipps und Tricks

Unglaublich, was man mit biegsamem Textil so alles anfangen kann. Die richtigen Schlingen und Windungen an den richtigen Stellen machen so vieles möglich. Nicht selten retten sie sogar Leben. Lebenswichtig sind die Knoten vor allem beim Klettern und Bergsteigen. Deshalb stellen wir hier in erster Linie die Knoten vor, die es für den sicheren Auf- und Abstieg an all den schönen Wänden und Flanken braucht. Ihre Zahl ist recht überschaubar und die meisten dieser eher wenigen Knoten können für mehrere Zwecke verwendet werden.

In der „Disziplin Outdoor“ sieht es eher umgekehrt aus: hier gibt es sehr viele Knoten, die aber oft nur für einen einzigen Zweck brauchbar sind. Wie zum Beispiel die Knoten zum Abspannen von Zeltleinen oder Die zum Aufhängen einer Hängematte. Solche Knoten sind wertvoll und praktisch, doch nur in den seltensten Fällen überlebenswichtig. Es besteht nicht gleich Lebensgefahr, wenn beim Knüpfen eine Schlaufe nicht zurückgefädelt wurde.

DISCLAIMER: Das Gesamt-Handling an den beschriebenen Stationen einer Tour kann hier natürlich nur angedeutet werden. Selbstverständlich reicht es nicht, nur isoliert die Knoten zu kennen, ohne den dahinter stehenden Kontext der Techniken und Situationen zu erfassen. Das Knotenlernen hat nur dann einen Sinn, wenn all das mitberücksichtigt wird. Dieser Artikel kann nur als möglicher Einstieg oder als Auffrischung dienen und im Idealfall dazu anregen, sich in Kursen und Lehrbüchern weiter schlau zu machen.

Grundbegriffe und Knotenanatomie

Apropos Schlaufe, wir sollten kurz die Definitionen der Bestandteile eines Knotens klären, um Beschreibungen zum Knotenknüpfen eindeutig zu verstehen. In der sperrigen aber präzisen Wikipedia-Sprache ist die Schlaufe im Sinne der Knotenkunde „ein feststehendes Auge (O-förmiges Stück) in Tau- und Bandwerk, das sich nicht löst, und nicht zuzieht.“

Der alte Bergfreund mischt sich ein: „Konten können mit vielerlei Dingen geknüpft werden. Seil, Wolle, Telefonkabel, Schlingen, Schnüre, die Liste ist endlos. Im folgenden geht es bei uns aber um Seile, Schlingen und Reepschnüre, wie sie für den Bergsport verwendet werden.“

Als Schlinge bezeichnet man fachsprachlich „nur die zulaufende (zuziehende) Seilschlinge, wie die am Henkerknoten: Zieht man ein freies Ende durch die Schlaufe am Tau, erhält man die einfachste Schlinge – die Umgangssprache trifft diese Unterscheidung nicht.“

Der alte Bergfreund erklärt: „Eine einfache Eselsbrücke ist hier die Redensart ‚die Schlinge zieht sich zu‘. Eigentlich bedeutet der Spruch ja, dass sich eine Situation zuspitzt, kann hier aber trotzdem helfen.“

Dann gäbe es da noch die Bucht, ein „U-förmiges Seilstück“, das, wenn es um ein festes Stück läuft, als (halber) Schlag bezeichnet wird. Also nicht als „Windung“, wie ich es oben getan habe, um nicht zu früh mit Fachchinesisch zuzuschlagen. Davon kommt nämlich jetzt noch genug.

Die zwei Arten des Knotenknüpfens sollte man ebenfalls kennen: legen und stecken. Ein gelegter Knoten entsteht, wenn man ein Seil doppelt in die Hand nimmt und daraus einen Knoten knüpft. So ergibt eine Sackstichschlinge, die irgendwo im Seil geknüpft wird, einen gelegten Sackstich. Ein gesteckter Knoten entsteht hingegen, wenn man das Endstück von Seil, Bandschlinge oder Reepschnur als Einzelstrang fädelt und verknotet.

Dann ist noch die Unterscheidung zwischen einfachen und doppelten Knoten wichtig: Das bloße Stecken erzeugt zuerst immer einen einfachen Knoten (einfacher Achter, einfacher Sackstich, etc.), welcher in vielen Fällen durch das gegenläufig Zurückfädeln einen zweiten Strang bekommt und damit zu einem doppelten Knoten (doppelter Achter, etc.) wird.

Kleine Komplikationen

Da viele Knoten mehrfach in verschiedenen Orten und Zeiten für verschiedene Zwecke entwickelt wurden, entstand bei deren Bezeichnung eine babylonische Sprachverwirrung. So kann ein und derselbe Knoten so viele verschiedene Namen haben, wie es Einsatzbereiche und Sportarten gibt, in denen er benutzt wird. Der Bulin der Bergsteiger ist beispielsweise der Palstek der Segler. Bei den Feuerwehrleuten ist er wiederum ein Pfahlstich und bei den Pfadfindern eine Rettungsschlinge. Beim Technischen Hilfswerk hingegen hört er auf den Namen Einfacher Ankerstich. Fragt man wiederum einen Kletterer nach einem einfachen Ankerstich, knüpft der etwas völlig anderes zusammen. Fragt man den Kletterer anschließend nach dem Spierenstich, knüpft er etwas anderes als ein Seefahrer. Die Namensverwirrung funktioniert also auch umgekehrt: ein Name für verschiedene Knoten.

Der alte Bergfreund mischt sich ein: „Wir sollten uns an dieser Stelle einfach kurz verständigen. Wir reden hier nur von Knoten für den Bergsport. Klettern, Hochtouren und so weiter. Daher verwenden wir auch nur die dafür gebräuchlichen Namen.“

Wichtige Knüpf-Regeln

Dass Knoten abseits des sicheren Bodens fehlerfrei sein müssen, kann jeder Laie nachvollziehen. Beim Knüpfen darf man sich nicht ablenken lassen, auch nicht von Müdigkeit, Stress und Zeitdruck. Auch kalte Finger und Dunkelheit zählen nicht als Entschuldigung. Entweder man macht es richtig oder man begibt sich und andere in Gefahr.

Die Knoten sollten immer kräftig festgezogen und abschließend nochmals geprüft werden (Partnercheck)! Die überstehenden Seil-, Bandschlingen oder Reepschnurenden müssen immer lang genug sein, um nicht durch den Knoten rutschen zu können: 10 cm gelten als Minimum. Bei manchen Knoten wie dem doppelten Bulin als Anseilknoten oder dem Schleifknoten als Fixierknoten sollte man stets mit dem Seilende noch einen Sackstich als Sicherungsschlag um den gegenläufigen Seilstrang knüpfen, um ein versehentliches Lösen sicher auszuschließen.

Tipp vom alten Bergfreund: „Wer sich 10 cm schlecht vorstellen kann, für den gilt ab sofort das Maß gut eine Hand breit.“

Knoten für Berg und Fels

Wer selbständig in den Bergen und am Fels unterwegs ist, muss eine gute handvoll Knoten kennen und können. Für eine Tour, bei der alles glatt läuft, reichen im Grunde nur ganz wenige. Sobald es aber zu außerplanmäßigen Schwierigkeiten oder gar Unfällen kommt, werden schnell mal weitere Knotenkenntnisse unerlässlich.

Für den Fall, dass ein Vorsteiger in einer Mehrseillängentour stürzt und sich nicht mehr selbst bewegen kann, sollte man zum Beispiel wissen, wie man ihn fixiert. Auch das arme Schwein, das gerade in die Gletscherspalte gerauscht ist, sollte man fixieren können, bevor es einen da mit reinzieht. Für eine Spaltenbergung braucht es zwar keine Extraknoten zusätzlich zu der handvoll Standards, doch man sollte dann wissen, wie man einen Prusikknoten steckt. Standardmäßig wird er nämlich immer nur gelegt. Man kann das Stecken natürlich auch aus dem Knotenbild ableiten, doch in Stresssituationen wird das höchstwahrscheinlich viel zu lang dauern oder ganz in die Hose gehen. Also besser üben.

Welche Knoten braucht es während der Tour?

Die Knoten nach Arten und Verwendungszwecken zu ordnen ist wegen der vielen Überschneidungen nicht nur schwierig, sondern auch unübersichtlich. Für das Grundverständnis ist es gewiss nützlich und korrekt, zwischen Anseilknoten, Verbindungsknoten, Knoten zur Selbst- und Gefährtensicherung sowie Klemmknoten zu unterscheiden. Es verhindert aber nicht, dass die Auswahl der Knoten und die Reihenfolge ihrer Präsentation dann trotzdem oft zufällig wirken.

Als einprägsame Alternative bietet sich hier wieder einmal die chronologische Betrachtung an – vom Einstieg bis zum Ausklang einer Tour.

So ist die Knotenreihenfolge und -auswahl am Einstieg von Berg und Felswand sonnenklar: den ersten Knoten braucht man zum Anseilen. Als Anseilknoten verwendet man beim Klettern einen gesteckten, doppelten Achter oder einen (gesteckten) doppelten Bulin. Der Achter ist übersichtlicher und damit im Partnercheck leichter zu überprüfen, und er ist schneller zu knüpfen. Bei Belastungen durch ziehen und hängen am Seil zieht er sich allerdings fest zusammen und ist dann nur mühsam wieder zu lösen.

Der einfache Bulin wurde in den Siebziger Jahren aus dem Klettern verbannt, da er sich bei Ringbelastungen aufziehen konnte. Der doppelte Bulin hingegen ist bombenfest, zieht sich auch bei heftigster Belastung nicht zusammen und lässt sich somit jederzeit leicht öffnen (aber nicht ungewollt!). Außerdem lässt sich die durch den Bulin gebildete Schlinge leichter in der Größe verändern.

Kurzanleitung Einbinde-Achter: Das Seil wird etwa 1m vom Seilende entfernt zu einer Bucht umgeklappt und dann an dieser Stelle zweimal um den gegenläufigen Strang gedreht. Dann wird das Ende zwischen den entstandenen Augen durchgeführt und herausgezogen. Man erhält einen einfachen Achter mit einem verbleibenden Seilrest von ca. 60-70cm. Diesen führt man durch die Anseilschlaufe des Klettergurts (im Bild ein Karabiner) und führt ihn dann gegenläufig parallel dem einfachen Achter entlang zurück. Der entstandene Doppelachter muss gut festgezogen werden, wobei der Seilrest zum Seilende hin mindestens 10 cm lang sein sollte.

Tipp vom alten Bergfreund: „Bindet man sich mit dem Achter ein, ist es wichtig, dass dieser nicht zu groß geknüpft wird. Auch die Schlaufe sollte möglichst klein sein. Ist das nicht der Fall, kann der Knoten beim Sturz ins Gesicht schlagen. Dann kommts recht schnell mal zu einer blutigen Nase oder zu einem blauen Auge.“

Kurzanleitung gesteckter Einbinde-Bulin: Das Seil wird von oben durch die beiden Gurtschlaufen, die den Anseilring halten (hier ein Karabiner), hindurchgeführt, bis man das Seilende etwa auf Höhe unterhalb der Knie hat. Nun greift man das Seil oberhalb des Gurts und legt eine Schlaufe hinein. Durch diese Schlaufe führt man das unten bei den Knien baumelnde Seilende hindurch, dreht es dann einmal um den zur Seilmitte führenden Strang herum und führt es durch die Schlaufe wieder zurück nach unten. Von hier aus folgt man einfach gegenläufig parallel dem Verlauf des bisher entstandenen Knotens, bis das freie Seilende genau neben dem zur Seilmitte verlaufenden Strang verläuft.

Exkurs Hochtour: Bei Gletschertouren befestigte man sich früher per Sackstich und Schraubkarabiner am Seil. Heute knüpft man einen Achterknoten in den Schraubkarabiner (welcher kein Twistlock sein darf, da dieser sich aufdrehen kann!). Als Provisorium bei Materialverlust oder wenn die eigene Position am Seil schnell verschiebbar sein soll, kann das Einbinden auch direkt in das als Ankerstich um die Anseilschlaufe des Gurts gelegte Seil erfolgen. Dafür wird das Seil in einer Bewegung wie beim Seilhüpfen einmal um den eigenen Körper geschwungen. Auch bei Klettersteigen dient der Ankerstich zum Einbinden bzw. Befestigen des Klettersteigsets am Gurt.

Tipp vom alten Bergfreund: „Für das Thema Klettersteiggehen haben wir einen eigenen Blogbeitrag im Basislager. Dort erklären wir euch auch, wie ihr euch ins Klettersteigset einbindet.“

Kurzanleitung Sackstich: Wer sich selbständig die Schuhe zubinden kann, beherrscht auch den Sackstich. Man drehe eine Schlaufe ins Seil und ziehe das freie Ende durch sie hindurch. Der Sackstich ist sehr vielseitig verwendbar (Anseilen, Seilverbindung, Befestigungen, …), nach Belastung aber oft schwer zu öffnen. Und er kann sich ungewollt lockern. Wird der Sackstich beispielsweise zum Anseilen verwendet, wird er noch dem gleichen Prinzip wie der Achter doppelt geknüpft.

Der alte Bergfreund weiß: „Der Sackstich hat im Volksmund viele Namen „Brezel- oder „Hausfrauenknoten“ sind da nur zwei Varianten. Jedenfalls ist der Sackstich der Standardknoten in unserem Alltag und jeder hat ihn schon zigfach gemacht ohne zu wissen, dass es sich dabei um den Sackstich handelt.“

Ab den ersten Metern nach dem Einstieg kommt die Gefährtensicherung zum Einsatz. Hierfür wird der Halbmastwurf-Sicherungsknoten (HMS) verwendet. Er kann zwar mittlerweile komplett durch diverse Bremsgeräte ersetzt werden, doch man sollte ihn dennoch drauf haben, da er sehr vielseitig einsetzbar ist. Und wenn mal jemand gerettet/geborgen werden muss, oder falls das Bremsgerät versehentlich die Wand hinunterpurzelt, steht man ohne Kenntnis des HMS nicht besonders gut da. Der HMS sollte nur in Verbindung mit HMS-Karabinern verwendet werden, da ansonsten das Handling mühselig und das Seil stark verdreht werden kann.

Kurzanleitung gelegter HMS: Man drehe zwei Schlaufen „spiegelverkehrt“ ins Seil und klappe diese dann umeinander. In diese beiden Schlaufen wird dann der HMS-Karabiner eingehängt. Wichtig ist, dass der Knoten beim Verschieben den Seils umklappen kann. Hierdurch lässt sich sowohl Seil ausgeben (z. B. beim Vorstieg), als auch Seil einziehen (z. B. beim Nachstieg).

Zusatzinfos vom alten Bergfreund: „Den HMS-Knoten kann man sicherlich auf zehn verschiedene Arten machen. Jeder hat da so seinen eigenen Trick. Außerdem sollte man darauf achten, ob man beim Sichern das Bremsseil lieber in der linken oder in der rechten Hand hält. Dementsprechend muss auch der Knoten andersherum geknüpft werden. Wichtig ist auch noch, dass das Bremsseil immer über den starren Schenkel des Karabiners läuft, nicht über den Schnapper. Dieser könnte sich sonst trotz Schraubmechanismus unbeabsichtigt öffnen.“

Früher oder später kommt der Vorsteiger an der ersten Zwischensicherung an. Falls die nicht aus einem komfortablen Bohrhaken besteht, kann man mit einem Ankerstich Bandschlingen und Reepschnüre an einem festen Metallring, einer Felssanduhr oder einer nicht zu öffnenden Materialschlaufe befestigen. Außerdem kann man mit ihm aus dem Fels ragende Haken „abbinden“. Man hängt das Kletterseil dann in die abbindende Bandschlinge statt in die Hakenöse und vermeidet so bei einem eventuellen Sturz die ungünstige Hebelwirkung.

Kurzanleitung gelegter Ankerstich: Die vernähte Bandschlinge oder zum Ring gebundene Reepschnurschlinge wird um eine Felssanduhr (oder einen kleinen Baum, oder…) herumgelegt (hier mal wieder ein Karabiner). Dann zieht man ein Ende der Bandschlinge durch die Schlaufe der anderen Seite und zieht soweit, bis der Ankerstich fest liegt.

Der alte Bergfreund ist Experte: „Wird der Ankerstich mit einer vernähten Bandschlinge gemacht, muss man darauf achten, dass die Naht nicht im Bereich des Knotens liegt, da sich dieser sonst nicht richtig zuziehen kann. Die Naht ist dazu einfach zu starr und zu sperrig. Auch sollte sie nicht auf der gegenüberliegenden Seite der Schlinge sein, denn dort würde sie beim Einhängen eines Karabiners stören. Ideal ist es, wenn die Naht wie bei unserer Bilderserie an der Seite liegt.“

Beim Legen von Zwischensicherungen kann es auch sein, dass man einen Verbindungsknoten braucht. Hat man zum Beispiel gerade nur offene Schlauchbänder zur Hand und will diese zu Bandschlingen machen, muss man ihre Enden per Bandschlingenknoten verbinden. Dieser ist nichts anderes als zwei gegenläufig parallel gesteckte, einfache Sackstiche.

Praxistipp vom alten Bergfreund: „Der Sackstich als Verbindungsknoten wird unter Kletterern auch Bandschlingenkonten genannt. Unter ungünstigen Bedingungen (beispielsweise wenn er sich am Fels verhängt) kann sich der Sackstich aufziehen. Wer es da gerne sicherer hat, stellt die Verbindung mittels Achterkonten her.“

Nach diversen Zwischensicherungen ist irgendwann der Stand erreicht. Hier sichert man sich entweder mit einer per Ankerstich am Gurt befestigten Bandschlinge, oder mit dem ins Seil gelegten und mit dem Sicherungspunkt verbundenen Mastwurf. Immer häufiger werden Standplätze heute „in Reihenschaltung“ gebaut und dabei vorbereitete Stand-Bandschlingen mit einem vorgeknüpften „weichen Auge“ verwendet. Ähnlich wie beim Anseilen bildet hier der doppelte Bulin das Auge – wobei er hier gelegt wird anstatt gesteckt wie beim Anseilen. Der Bulin bietet dabei wie erwähnt den Vorteil einer variablen und dennoch rutschfesten Größe des Auges.

Kurzanleitung gelegter Mastwurf: Man drehe genau wie beim HMS die zwei in Gegenrichtung führenden Schlaufen, doch klappe sie diesmal nicht um, sondern verschiebe sie ineinander.

Wenn der Stand fertig ist, holt man den Nachsteiger am Bremsgerät oder HMS-Knoten gesichert nach. Sollte er dabei einmal nicht weiterkommen oder sich verletzt haben, benötigt man unter Umständen einen Fixierknoten, um die Hände für eine Hilfsaktion frei zu bekommen. Deshalb gehört der Schleifknoten ins Portfolio selbständiger Kletterer und Alpinisten. Der Schleifknoten kann sowohl Nach- als auch Vorsteiger fixieren und auch unter Belastung wieder geöffnet werden.

Kurzanleitung Schleifknoten: Von der Sicherung aus führt ein belasteter Seilstrang zum Kletterer und ein unbelasteter Seilstrang zum Seilende. Man nimmt den unbelasteten Seilstrang und bildet daraus verdreht „hinter“ dem belasteten Strang eine große Schlaufe. Dann nimmt man noch mehr von dem unbelasteten Strang und zieht daraus eine zweite, sehr lange Schlaufe durch die erste Schlaufe hindurch. Die lange freie Schlaufe wird abschließend zu einem Sicherungsschlag um den belasteten Seilstrang gelegt, oder per Karabiner mit diesem verbunden. Lässt man nun den unbelasteten Seilstrang los, wird der Schleifknoten bis zur Sicherung gezogen und blockiert dort. Deshalb sollte man den Schleifknoten so nah wie möglich an der Sicherung knüpfen und nur langsam loslassen.

Warnung vom alten Bergfreund: „Führt man den Schleifknoten, wie er hier beschrieben wird, mit Tubern oder Autotubern aus, würde man diese kurzschließen. Eine Bremswirkung wäre dann vom Gerät her nicht mehr gegeben. Daher ist es notwendig den Schleifknoten anders auszuführen bzw. das Sicherungsgerät abzubinden. Der Schleifknoten geht in Verbindung mit Sicherungsgeräten nicht besonders gut von der Hand, gerade in Verbindung mit Karabinern, die eine Verdrehsicherung haben, ist das nicht selten ein furchtbares Gefummel. Ich zeige euch daher alternativ, wie man einen (Auto-)Tuber fachgerecht abbindet. Hierzu wird das Bremsseil doppelt genommen und als Schlaufe durch den Karabiner des Sicherungsgeräts geführt. Mit dieser Schlaufe knüpft man einen einfachen Sackstich um das belastete Seil und sichert die Schlaufe mittels Karabiner. Schon ist das Gerät perfekt abgebunden.“

Nicht nur für Rettungsaktionen, sondern auch zum Abseilen nach hoffentlich erfolgreicher Tour braucht man unbedingt Klemmknoten-Kenntnisse. Beim Abseilen kann es theoretisch jederzeit passieren, dass man aufgrund von Steinschlag das Seil reflexhaft loslässt. In dem Falle besteht die Gefahr „frei durchzurauschen“. Verhindert wird das durch eine Prusikschlinge als Rückversicherung. Sie wird mit dem Prusikknoten im Seil fixiert und mit der Beinschlaufe des Gurts verbunden. Beim Abseilen läuft sie dann unterhalb des Abseilgeräts durch die Hand mit.

Kurzanleitung Prusikknoten: Zunächst dasselbe Vorgehen wie beim Ankerstich, da der Prusik nichts anderes ist als ein Ankerstich mit einer weiteren Umdrehung. Nach Fertigung eines noch nicht festgezogenen Ankerstichs nimmt man das lange freie Ende der Schlinge oder Reepschnur und führt es ein weiteres Mal durch die lockere Bucht hindurch. Die beiden Stränge der zweiten Umdrehung liegen dabei zwischen denen der Ersten. Wenn die Reibung des Prusikknotens zu gering ist, erweitert man ihn einfach um eine dritte Drehung.

Nicht selten kann der Prusikknoten durch den oft besser handhabbaren Bandklemmknoten, bei dem eine Bandschlinge mehrmals um das Seil gewickelt wird, ersetzt werden. Als Rückversicherung fürs Abseilen dürfte aber aufgrund des geringen Platzangebots der Prusik besser sein.

Kurzanleitung Bandklemmknoten: (Hierbei  handelt es sich um die Version, die auch mit den modernen, dünnen Dyneemaschlingen funktioniert). Zuerst knotet man möglichst nah an der vernähten Stelle eine Sackstichschlaufe in die Bandschlinge. Von dieser Schlaufe aus wickelt man die Bandschlinge dreimal um das Seil (am besten entgegen der gewünschten Blockierrichtung) und zieht das überstehende Ende der Schlinge dann durch das Auge des Sackstichs. Bei sehr glatten und dünnen Seilen kann man auch vier Windungen legen.

Knoten für Outdoorer

Hier gibt es wie erwähnt sehr viele weitere Knoten und auch sehr viele Meinungen, welche „die Wichtigsten“ sind. Die Auswahl wird hauptsächlich durch die Art der Aktivität bestimmt: Für Bushcrafter sind es andere Knoten als für Wüstendurchquerer oder Pfadfinder. Dann hängt die Auswahl auch davon ab, welche Art der Ausrüstung man dabei hat. So sind für Hängemattenschläfer andere Knoten interessant als für Zeltbewohner oder Tarpbenutzer. Manchmal gibt es auch eigene Knoten für das Handling oder den Aufbau von Produkten bestimmter Marken.

Im Grunde kann ich den vielen persönlichen Perspektiven hier nur eine Weitere hinzufügen. Dafür stelle ich mir die Frage: „Welche Knoten habe ich bisher beim Zelten und Trekken gebraucht, die ich nicht schon vom Bergsteigen her kannte?“ Naja, ehrlich gesagt erstmal gar keinen. Eigentlich wurde ich nur durch die Recherche für einen anderen Bergfreunde-Artikel auf eine weitere, praktischere Lösung aufmerksam, die ich definitiv in mein „Knotenportfolio“ einbauen werde. Die Rede ist vom Buckelknoten oder auch Taut Line Hitch, der vom Top-Zeltmacher Hilleberg für das Abspannen von Zelten und Tarps um Bäume herum empfohlen wird.

Und wenn dir noch ein wirklich wichtiger Knoten einfällt, stelle ihn bitte gerne hier im Kommentarfeld vor! :-)

 

Millet im Marken- und Nachhaltigkeitsportrait

2. Juli 2020
Tipps und Tricks

Es gibt diese Firmen und Labels, die sind außerhalb ihrer jeweiligen „Szenen“ so gut wie unbekannt, haben dafür aber innerhalb den Status einer Institution. Millet ist solch eine Firma in der „Szene“ des verschärften Bergsteigens. Diese fühlt sich bekanntermaßen im französischen Chamonix besonders wohl, weshalb der Millet-Schriftzug dort wohl so oft zu sehen ist wie nirgends sonst auf der Welt. Er prangt auf Rucksäcken, Jacken, Schuhen, Schlafsäcken und Chalkbags.

Der Spirit von Chamonix: Firmengeschichte

Angefangen hat das Ehepaar Millet 1921 mit einem etwas bescheideneren Sortiment, nämlich mit Einkaufs- und Proviantbeuteln aus Segeltuch und Stoff. Auch wenn man schon 1928 die Werkstatt in der Nähe von Lyon in Richtung Annecy (und damit Richtung Alpen) verließ, dauerte der Übergang zu Produkten mit Bergbezug bis zur Übernahme des Geschäfts 1945 durch die beiden Söhne. René und Raymond Millet entwickelten die ersten für das Bergsteigen ausgelegten Rucksäcke. Dabei arbeiteten sie mit dem jungen Louis Lachenal zusammen, einem  Spitzenbergsteiger, dem am 3. Juni 1950 die erste Achttausenderbesteigung überhaupt gelang. Begleitet wurde er dabei von Maurice Herzog, der es später noch zum Rennfahrer und zum Bürgermeister von Chamonix bringen sollte. Außerdem dabei war ein Rucksackmodell namens „Annapurna 50“ – das wohl erste „High-End-Produkt“ aus dem Hause Millet.

In den folgenden Jahren brachte Millet solche Produkte immer häufiger auf den Markt. Die Zusammenarbeit mit der Crème de la Crème unter den Bergprofis blieb ein entscheidender Faktor für den Erfolg dieser Entwicklung. 1959 wurde niemand Geringeres als Walter Bonatti zum technischen Berater bestellt, 1978 bestieg Reinhold Messner in Millet-Ausrüstung als erster Mensch den Gipfel des Mount Everest ohne Flaschensauerstoff. In den Achtzigern schiebt Patrick Edlinger in Millet-Equipment die Grenzen des Sportkletterns nach oben. Die fruchtbare Symbiose zwischen Bergsportproduzent und Top-Athleten zeigt sich auch heute noch in der Zusammenarbeit von Millet mit dem Bergführerverband von Chamonix.

Millet entwickelte sich ab den Fünfziger Jahren vom führenden Rucksackhersteller Frankreichs zum Produzenten eines breiten Sortiments an Bergausrüstung. Meilensteine der Innovation auf diesem Weg waren die Erfindung von nahtlosen und gepolsterten Schulterträgern aus Nylon im Jahr 1964 und die ersten Parkas mit GoreTex Membran 1977.

1995 erfolgte die Übernahme durch die Calida-Gruppe, in der mittlerweile auch andere prominente Namen wie Lafuma versammelt sind. Das Markenkennzeichen der überragenden Qualität und Funktionalität konnten die Millet Produkte davon unbeeinflusst erhalten.  Den letzten Innovations-Höhepunkt markierte 2020 die Auszeichnung des Airbag-Rucksacks Trilogy E-1 für sein neuartiges elektrisches Airbagsystem und dem aufstiegsorientierten Bergsportdesign. Seit 2014 rückt außerdem das Thema Nachhaltigkeit noch mehr in den Mittelpunkt.

Millet und das Thema Nachhaltigkeit

In den vergangenen Jahren hat Millet es zahlreichen anderen Bergsportherstellern gleichgetan und das nachhaltige Wirtschaften zum integralen Teil des Unternehmenshandelns gemacht. Den Rahmen für das Millet-Nachhaltigkeitsprogramm setzen die „10 Eckpunkte“, die sich das Unternehmen erstellt hat. Diese umfassen:

1. Entwicklung von nachhaltigen, qualitativ hochwertigen Produkten

Die theoretisch einfachste, in der Praxis aber anspruchsvolle Maßnahme: hochwertige Produkte mit einem langen Lebenszyklus zu schaffen. Das gelingt in der Regel eindrucksvoll, schlägt aber bisweilen auch auf den Preis der Produkte durch.

2. Reduzierung der Umweltbelastung von Produkten und Verpackungen durch Ökodesign

3. Stärkung der eigenen Kundendienst- und Reparaturabteilung

Seit 2005 bietet Millet einen Reparaturservice in der eigenen Werkstatt in Annecy-le-vieux an, wo alle nach dem Verkauf zurückgesendeten Produkte inspiziert und repariert werden. Viele Produkte können so wieder in Schuss gebracht und langlebiger gemacht werden. Dabei werden nicht nur Garantiefälle, sondern auch Beschädigungen und Erschöpfung des Materials durch intensiven Gebrauch bearbeitet. Auch die Pflegeanleitungen für Millet Produkte sind als Hilfestellung zur Verlängerung der Lebensdauer gedacht.

4. Rücknahme und Wiederverwertung der gebrauchten Produkte

Millet bietet an, alle benutzten Produkte zurückzunehmen und zu sammeln, um sie neuen Verwendungen zuzuführen. So wurden seit 2006 unter anderem mehr als 1,5 Millionen Meter Seil recycelt. Hierfür wurden Partnerschaften mit dem Upcycling-Taschen-Produzenten „Outdoor Waste Lab“ (OWL) und mit sozialen Organisationen eingerichtet. Letztere ermöglichen ärmeren Menschen den Zugang zum Bergsport und versorgen sie mit gebrauchter aber intakter Funktionskleidung.

5. Systematische Bevorzugung von zertifizierten Materialien

Wann immer möglich werden recycelte oder organische Materialien eingesetzt. Umweltschonende Gewebe wie Ecoya, Ariaprene, Sorona, Hanf, Tencel/Lyocell oder Leinen eingesetzt. Besonders hervorzuheben ist Edye, eine Faser die neu am Markt ist und bei der Herstellung nur noch 3% des Wasserverbrauchs von herkömmlichen Fasern aufweist. Zu den bei Millet bevorzugt verwendeten Zertifizierungen gehören Bluesign, Oeko-Tex, GOTS (Global Organic Textile Standard) und RDS (Responsible Down Standard).

6. Gewährleistung der Rückverfolgbarkeit der Materialien tierischen Ursprungs

Den letztgenannten RDS-Standard setzt Millet durch die Zusammenarbeit mit der Organisation Textile Exchange um, welche den Standard entwickelt hat. Damit lässt sich eine ethisch vertretbare Herkunft von Federn und Daunen mit großer Sicherheit gewährleisten. Aktuell verwendet Millet ausschließlich RDS zertifizierte Daunen und Federn. Zusätzlich man mit einem weiteren Partner (Allied Feathers) ein System eingerichtet, das es Kunden erlaubt, die Herkunft der Federn und Daunen zu jedem Zeitpunkt zurückzuverfolgen. Dazu müssen Kunden nur den „Track my Down“-Produktcode für ihr gekauftes Produkt scannen und können dann mit wenigen Klicks sehen, woher die Federn und Daunen stammen, die Sie tragen.

7. (Über)Erfüllung der regulatorischen Anforderungen bei der Verwendung von Chemikalien in Rohstoffen und Produkten

Millet strebt nicht nur die Einhaltung von Regeln und Gesetzen an, sondern setzt eigene Maßstäbe und Ziele, die darüber hinaus gehen. So werden bereits seit der Kollektion 2014 alle neu entwickelten Produkte mit wasserabweisenden Behandlungen ohne Perfluorcarbone (PFC) ausgestattet. Die PFC-freien Imprägnierungen sind gleich leistungsstark wie die herkömmlichen Produkte, aber weit weniger umwelt- und gesundheitsschädlich.

8. Förderung der Herstellung in Europa und in eigenen Werken

Millet stellt seine Produktion mitsamt Lieferketten transparent dar. Auf der Firmenhomepage ist eine Weltkarte mit den Produktionsstandorten zu sehen. Eine Legende erklärt, welche Produkte wo hergestellt werden. Dabei wird deutlich, dass die Firma global produziert und somit in Sachen Regionalität sicher „Luft nach oben“ hat. Immerhin stammen derzeit 23 % der Kollektion aus europäischer Produktion, die sich in Ungarn befindet. Die Fabriken in Ungarn, Tunesien und China produzieren ausschließlich für Millet. . Und man ist bestrebt, bei den langen Transportwegen die Alternativen mit der geringsten Umweltbelastung zu nutzen.

9. Analyse und genaue Kenntnis der Lieferketten

2018 konnte Millet in Zusammenarbeit mit der Monitoring-Organisation Acte International ermitteln, dass 89 % der Partner in der Millet-Produktionskette die sozialen Standards der Sedex Smeta Zertifizierung einhalten. Das Zertifikat Sedex Smeta ist eine weltweit sehr häufig verwendete Audit-Methode, die als verlässlich und qualitativ hochwertig gilt. Sie beruht auf den 4 Säulen Arbeitsregulierung, Gesundheit, Sicherheit und Wirtschafts- sowie Umweltethik. Auch die Einhaltung der Menschenrechte in den Lieferketten wird in dem Verfahren geprüft und erfasst.

Die restlichen 11 % der nicht zertifizierten Partner werden unter firmeneigener Aufsicht unterstützt, um den Sedex Smeta Standard ebenfalls zu erreichen.

10. Engagement in gemeinwohlorientierten Organisationen

Zu den Letztgenannten zählt unter anderen die Mitgliedschaft im Verband Outdoor Sport Valley (OSV). Dieser vom französischen Staat anerkannte Verband setzt sich für Nachhaltigkeit bei  Firmen der Sport- und Outdoorindustrie im Alpenraum von Grenoble bis Innsbruck ein.

Das firmeneigene Low Impact Siegel

Das firmeninterne Ökosiegel namens Low Impact soll Kunden und Partnern eine Entscheidungshilfe bieten, indem es die Bündelung der eben genannten Nachhaltigkeitsaktivitäten gut sichtbar anzeigt. Es wurde bereits im Jahr 2005 eingeführt und soll die umweltverträglichsten Produkte anhand von 2 Kriterien hervorheben:

  • Die Verwendung von Materialien mit geringer Umweltbelastung (recycelt, biologisch verträgliche Herkunft, Färbungsprozess ohne Wasser, usw.)
  • Die Verwendung von Materialien mit Gütesiegeln

Man sieht das Low Impact Siegel auch intern als Messlatte und Ansporn, denn „dieser Standard ermöglicht uns, jede Saison weiter voran zu kommen und uns zu verbessern, damit unsere Produkte so nachhaltig wie möglich sind. Heute tragen 75 % unserer Winterkollektion 2018-19 das Low Impact Siegel.“ Aktuelle Werte von diesem Jahr liegen zwar leider noch nicht vor, doch man kann davon ausgehen, dass die auf der Website gezeigte „Low Impact Verlaufskurve“ auch weiterhin nach oben zeigt. Das ambitionierte Ziel hat Millet jedenfalls öffentlich verkündet: „Wir wollen, dass zur Saison 2020-2021, anlässlich zum hundertjährigen Bestehen der Marke Millet, 100 % unserer Produkte das Low Impact Siegel tragen.

Man kann angesichts des ambitionierten Teams bei Millet ziemlich sicher davon ausgehen, dass die Erreichung des Ziels demnächst verkündet wird. „Der Gipfel“, wie man das große Nachhaltigkeitsziel bei Millet nennt, ist dann zwar immer noch nicht erreicht, aber man kommt ihm Tag für Tag ein Stückchen näher.

Schlappen fürs Gelände: eine Kaufberatung zu Trailrunningschuhen

25. Juni 2020
Tipps und Tricks

Wer auf seiner Hausrunde nur einmal ein paar Kilometer im Park durch den Wald läuft, braucht dafür wahrscheinlich keinen besonderen Schuh. Sobald es aber von befestigten Wegen auf Wanderwege, die Hausberge vor der Türe oder gar in die Alpen geht, sollte ein gut passender Trailrunningschuh auf jeden Fall im Gepäck sein. Denn mit einem Straßenlaufschuh im Gebirge zu Laufen ist nicht nur gefährlich, es macht auch einfach überhaupt keinen Spaß. 

Dabei sind die Anforderungen an einen Trailrunningschuh recht groß. Er soll bequem sein und gleichzeitig präzise am Fuß sitzen. Etwas Dämpfung ist sicher auch komfortabel, aber den Untergrund sollte man ja auch noch spüren können. Gleichzeitig muss er sowohl auf steinigen Wanderwegen für sicheren Halt sorgen wie auf matschigen Wiesen und nassen Wurzeln im Wald. Gar keine so leichte Aufgabe für einen Schuh. Daher wollen wir dir helfen, für das nächste Laufabenteuer im Gelände den richtigen Trailrunningschuh für dich zu finden.

Was unterscheidet einen Trailrunningschuh vom normalen Laufschuh?

Während ein Straßenlaufschuh sein Leben hauptsächlich auf Asphalt, Beton und einfachen Wegen im Park verbringt, muss der Kollege auf dem Trail doch etwas mehr abkönnen. Besonders in technischem Gelände, Geröllfeldern und bei vielen Wurzeln auf dem Trail kann es im Eifer des Gefechts schnell einmal passieren, dass man einen unachtsamen Schritt macht und sich die Zehen anstößt. Daher sind die meisten Modelle auf dem Markt mit einer robusten Zehenschutzkappe aus Gummi ausgestattet, um die Füße optimal zu schützen.

Modelle für das Laufen in besonders alpinem Gelände wie dem „Skyrunning sind oft mit abriebfesten Verstärkungen versehen, um in felsigem Gelände gegen Abrieb zu schützen. Eine sogenannte „Rockplate“ in der Zwischensohle wirkt als Durchtrittsschutz und verhindert, dass spitze Steine beim Laufen von unten auf die Fußsohle drücken oder sich in den Schuh bohren.

Der größte Unterschied ist aber die Außensohle und deren Konstruktion, aber darauf wollen wir im nächsten Abschnitt etwas genauer eingehen.

Sohle und Profil

Meistens ist die Sohle steifer als bei Laufschuhen für die Stadt. Wenn sich die Außensohle bei jedem Schritt weniger verdrehen kann, bietet sie mehr Sicherheit in anspruchsvollem Gelände. Vom Design her gibt es große Unterschiede. Manche Modelle sind mit besonders langen Stollen ausgestattet und erinnern optisch eher an einen Fußballschuh. Solche Trailrunningschuhe sind ideal für nasses Gelände wie matschige Wiesen und erreichen durch die Stollen auch bei schmierigen Verhältnissen optimalen Grip.

Auf felsigem Untergrund hingegen ist ein grobstolliges Profil eher kontraproduktiv und führt meistens zum Rumrutschen als zu sicherem Halt. Wer also viel auf blankem Fels und in gerölligem Gelände läuft, wählt lieber ein Modell mit weniger tiefem Profil.

Größere Abstände zwischen den einzelnen Noppen sorgen dafür, dass sich das Profil selbst reinigt, indem Dreck und Matsch nicht an der Außensohle kleben bleiben.

Da die meisten Trailläufer auf einer Tour durch sehr unterschiedliches Gelände laufen müssen, kann das Profildesign der meisten Schuhe als vielseitig geeignet bezeichnet werden. Speziell designte Schuhe für alpine Touren und besonders nasses Gelände wie beim englischen Fellrunning runden das Angebot ab.

Bei der Wahl der Gummimischung kommt oftmals Vibram zum Einsatz. Die MegaGrip-Gummimischung vom italienischen Sohlenhersteller kommt aus dem Bergsportbereich, punktet mit viel Griffigkeit und nutzt sich im Gelände nicht so schnell ab. Manche Hersteller setzen aber auch auf ihre eigenen Gummimischungen.

So bietet La Sportiva zum Beispiel unterschiedliche Gummivarianten an ihren Trailschuhen an, die sich für verschiedene Einsatzzwecke eignen. Wer auf dem Weg zum Trail auch regelmäßig über Asphalt läuft, wählt am besten einen sogenannten „Door to Trail“ Schuh. Diese vielseitigen Modelle sind sowohl für das Laufen auf der Straße als auch für Trails konstruiert, funktionieren auf allen Untergründen gut und wirken einem frühzeitigen Abrieb der Stollen entgegen.

Dämpfung: Wieviel Komfort darf es sein?

Ein Großteil der Straßenläufer setzt bei jedem Laufschritt im Fersenbereich mit einer Kraft auf, die einem Vielfachen ihres eigenen Körpergewichts entspricht. Beim Laufen im Gelände sind die wirkenden Kräfte dagegen weniger einseitig. Im Vergleich zum klassischen Straßenlaufschuh sind Trailrunningschuhe im Allgemeinen etwas weniger stark gedämpft. Da der Boden im Gelände abwechslungsreicher ist als harter Asphalt, werden die Füße durch die natürlichen Untergründe zusätzlich entlastet.

Auf weichem Waldboden läuft es sich auch ohne viel Dämpfung schon sehr komfortabel, während auf steinigen Wanderwegen oder in Geröllpassagen etwas mehr Dämpfung durchaus für spürbar höheren Komfort sorgt. 

Generell sollte aber jeder Trailrunner für sich entscheiden, wieviel oder wenig es sein darf. Gerade bei längeren Strecken sowie bei anspruchsvollen Ultra-Trails in den Bergen greifen die meisten Sportler aber doch lieber auf einen Schuh mit etwas mehr Dämpfung zurück, um die Muskeln und Bänder bereits von Anfang an gezielt zu entlasten.

Die Frage des Obermateriales

Das mit dem Obermaterial der Trailrunningschuhe ist so eine Sache. Es muss zu einem atmungsaktiv sein, idealerweise Schmutz sowie Feuchtigkeit auf Abstand halten, den Fuß sicher umschließen und gleichzeitig eine gewisse Flexibilität behalten. Daher gibt es leider kein Material, welches alle diese Punkte mit Bravour erfüllen kann. Gleichzeitig steht den Schuhherstellern heutzutage eine breite Palette von funktionalen Materialien zur Verfügung. 

Wenn die Laufsocken zu viel Feuchtigkeit durch den Schweiß aufnehmen, kann dies bei manchen Läufern zur Bildung von Blasen führen. Vor allem im Sommer, bei Personen die stark schwitzen und bei hohen Temperaturen bietet sich ein Trailschuh mit besonders atmungsaktivem Außenmaterial wie Mesh-Gewebe oder Strickmaterial an. Diese Laufschuhe transportieren Feuchtigkeit besonders effizient vom Fuß nach außen hin ab und sorgen für eine zusätzliche Ventilation. 

Bei nassen Bedingungen sowie in der kälteren Jahreszeit kann hingegen ein Schuh mit einer integrierten Membran die erste Wahl sein. Viele Hersteller setzen hier auf den Marktführer Gore-Tex, manche verbauen aber auch hauseigene Membranen. Ein wasserdichter Schuh schützt zwar gegen das Eindringen von Nässe und Feuchtigkeit, ist gleichzeitig aber weniger atmungsaktiv als ein herkömmliches Modell. 

Idealerweise bietet es sich also an, zwei Paar Trailrunningschuhe im Schuhschrank zu haben. Ein atmungsaktives Modell für den Sommer und ein wasserdichtes Paar für den Herbst und Winter.

Welcher Schuh passt denn nun zu meinem Fuß?

Trailrunner haben heutzutage die Qual der Wahl, denn die meisten Hersteller von Trailrunningschuhen haben sehr viele verschiedene Modelle zur Auswahl. Kein Fuß gleicht dem anderen und nicht jeder Schuh passt für jeden Läufer. Hier gilt es vor allem die Fußstellung zu berücksichtigen. Die sogenannte Pronation ist die Drehung des Fußes nach innen, was bei jedem Laufschritt geschieht. Mit einem Schuh am Fuß ist die maximale Pronation sehr viel höher als Barfuß. Die meisten Laufschuhe erreichen durch breite Sohlen und den durch die Dämpfung erhöhten Stand eine höhere Hebelwirkung im Falle eines Umknickens.

Im Vergleich zu den meisten Straßenlaufschuhen sind Modelle für den Trail meist eher mit einem geringen Support ausgestattet. Durch den unebenen Untergrund ist die Abrollbewegung bei jedem Schritt leicht unterschiedlich und Ungleichheiten können besser ausgeglichen werden. Für Läufer, die einen neutralen Schuh ohne jegliche Unterstützung bevorzugen steht ebenfalls eine große Auswahl bereit.

Inzwischen bieten fast alle Hersteller auch Schuhe an, die über einem speziellen Damenleisten hergestellt werden und auf die individuellen Bedürfnisse der weiblichen Füße abgestimmt sind. Diese sind meist mit einem schlankeren Fersenbereich, etwas höherem Rist und schmaleren Schnitt im Bereich der Ballen ausgestattet.

Bei der Passform ist vor allem ein guter Fersenhalt wichtig. Es ist sehr wichtig, dass der Schuh im Knöchelbereich optimalen Halt ermöglicht. Gleichzeitig darf er aber nicht zu hoch geschnitten sein und die Bewegungsfreiheit einschränken. Ebenso sollten die Zehen genügend Platz haben, ohne vorne anzustoßen. Da es beim Trailrunning in den Bergen nach dem Erreichen des Gipfels zwangsläufig wieder nach unten geht, sollte der Fuß präzise im Schuh sitzen, ohne groß nach vorne zu rutschen. Die Folge eines unpassenden Schuhes sind Blasen an der Ferse oder den Zehen, blaue Zehennägel und schmerzende Zehengelenke. Eine optimale Schnürung sorgt für einen sicheren Sitz.

Sie sollte keine Druckstellen entstehen lassen und die Blutzirkulation im Fuß nicht einschränken. Wenn die Schnürung also bis zum Anschlag zugezogen werden muss, ist der Schuh zu klein oder passt nicht richtig. Desto mehr Ösen für die Schnürung vorhanden sind, desto besser kann der Trailrunningschuh an den eigenen Fuß angepasst werden. Einige Hersteller setzen inzwischen auf Schnellschnürsysteme, mit denen die Schnürung mit nur einem Handgriff angepasst werden kann. Manche Modelle verfügen über kleine Taschen im oberen Bereich der Zunge, um die Schnürsenkel dort verstauen zu können. So wird die Gefahr minimiert, mit den Schnürsenkeln an Wurzeln oder Ästen hängen zu bleiben.

Ein paar spezifische Informationen zu verschiedenen Herstellern

Natürlich hat jeder Hersteller seine eigenen Detaillösungen, die vielleicht am Ende doch zur Kaufentscheidung führen. Denn gut laufen kann man inzwischen mit fast allen am Markt erhältlichen Trailrunningschuhen.

  • Hoka One One überzeugt seit einigen Jahren mit einem ganz eigenen Dämpfungskonzept. Die meisten Modelle des französischen Herstellers sind im Vergleich zur Konkurrenz sehr stark gedämpft. Durch die weiche Zwischensohle aus dickem Schaumstoff wird das Laufen auf den Trails zu einer besonders komfortablen Angelegenheit. Der in manchen Schuhen verbaute Meta Rocker animiert zu einem ergonomischen Laufstil und unterstützt den Fuß in seiner natürlichen Abrollbewegung.
  • Der französische Trailrunningspezialist Salomon hat mit der S-Lab Serie eine breite Palette an unterschiedlichen Modellen im Programm, die in Kooperation mit den verschiedenen Athleten des Trailrunning-Teams entwickelt werden. Ultraleichte Wettkampfschuhe sind ebenso vertreten wie alpine Treter für technisches Gelände. Alle Laufschuhe sind mit dem praktischen Quicklace System ausgestattet. Das Schnellschnürungssystem ermöglicht eine stufenlose Anpassung der Schnürung und lässt sich mit einer Hand in Sekundenschnelle justieren.
  • Inov-8 sind die Spezialisten fürs Laufen im nassen und matschigen Gelände. Die englische Traditionsmarke überzeugt seit jeher mit besonders aggressiver Außensohle, die sich für klassische Fellraces in den britischen Fells ebenso gut eignet wie für matschige Wanderwege in den deutschen Alpen. Die Modelle sind insgesamt eher weniger gedämpft und sehr direkt. In Kombination mit dem hervorragenden Grip eine gute Wahl für technisches sowie rutschiges Gelände.
  • Der traditionsreiche Skitourenspezialist Dynafit hat auch eine breite Auswahl an Trailschuhen im Angebot. Bei den meisten Modellen merkt man auf jeden Fall, das die Marke ursprünglich aus dem Bergsport kommt – sie eignen sich ideal für alpine Touren in technischem Gelände und für anspruchsvolle Skyraces. Ein griffiges Profil mit der Megagrip Gummimischung von Vibram und die robuste Konstruktion sorgen am Berg für maximalen Tragekomfort.
  • Mit Altra werden alle Läufer glücklich, die eher breite Füße haben und mit den meisten Laufschuhen Probleme mit einer zu engen Passform haben. Die Amerikaner setzen auf einen besonders breit geschnittenen Vorfußbereich, um den Zehen ein Maximum an Platz zu bieten. Besonders im Ultrarunning Bereich erfreuen sich die Schuhe großer Beliebtheit. Zudem sind alle Modelle flach und mit 0 mm Sprengung ausgestattet.
  • Auch der deutsche Sportartikelhersteller adidas ist selbstverständlich im Trailrunningbereich vertreten. Die Modelle der „Terrex“ Serie wurden speziell für den Einsatz auf den Trails dieser Welt entwickelt und überzeugen mit komfortabler Passform. Durch die Kooperation mit dem Reifenhersteller Continental lässt der Grip der Außensohle nicht zu wünschen übrig. Einige Schuhe sind auch mit der besonders lauffreudigen Boost Zwischensohle ausgestattet, die sich auch beim Einsatz auf dem Trail bewährt hat.
  • La Sportiva ist einer der alteingesessenen Bergsportartikel-Hersteller Italiens und kann selbstverständlich auch Trailrunning! Die Schuhe sind durch die stabile Konstruktion ideal zum Laufen in alpinem Gelände geeignet und im Vergleich eher schmal geschnitten. Verschiedene Gummimischungen an den unterschiedlichen Modellen lassen keine Wünsche offen und jeder findet bestimmt ein für ihn passendes Modell.

Du hast noch weitere Fragen? Dann nur her damit!

Hoffentlich hast du mit unserer Kaufberatung bereits genügend Informationen gesammelt, um den passenden Begleiter für deinen nächsten Laufurlaub in den Bergen zu finden. Durch das große Angebot ist bestimmt der richtige Schuh für dich dabei, um zukünftig für den maximalen Spaßfaktor beim Trailrunning zu sorgen. In unserem Shop findest du eine breite Auswahl an unterschiedlichen Modellen verschiedener Hersteller. 

Falls du noch weitere Fragen hast – ab in die Kommentare damit!

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