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Wo bitte geht’s zum Fettnapf? – Zehn Tourentypen, die man kennen sollte…

19. Februar 2019
Tipps und Tricks

Guten Abend, meine lieben Freunde, ich habe Ihnen heute aus der freien Wildbahn ein paar besondere Gattungsvertreter mitgebracht, die in der Gegend anzutreffen sind, mit der wir uns heute beschäftigen wollen. Es sind die Stereotype, die einem gerade bei längeren und alpinen Touren unterwegs zur Last fallen, will sagen, sogar belästigend oder gefährdend auf den geneigten Bergsteiger einwirken können. Die Angehörigen der einzelnen Gruppen können ja zuweilen für eine gewisse Heiterkeit sorgen, dennoch sollte man nicht verkennen, dass in so manchem possierlichen Tierchen dennoch immer auch etwas Unbeherrschtes stecken kann.

So oder so ähnlich hätte wahrscheinlich Bernhard Grzimek den Einstieg in unser heutiges Thema formuliert. Kurz und gut: Es geht in diesem Beitrag um die Top-Ten jener Tourengeher, die so gar kein Fettnäppfchen auslassen und typische Verhaltensweisen an den Tag legen, die bei Hoch- und Skitouren oft auftreten und so den Mitmenschen am Berg mitunter ganz schön das Leben schwer machen können…

Der Zweckoptimist

Lebensmotto: „Das passt schon!“

Der Zweckoptimist ist einer, der sich wirklich alles schön reden kann. Das fängt oft schon bei der Wahl des Tourenziels an. Denn wenn der Zweckoptimist sich erst einmal einen Berg ausgesucht hat, dann muss der auch bestiegen werden. Dabei werden Tatsachen und Fakten oft so lange verdreht und schöngeredet, bis sie dann schon irgendwie passen.

Wie, die Route über den Hörnligrat zum Matterhorngipfel ist im Führer mit ZS+ bewertet? Wie, eine alpine III sollte man schon drauf haben? Der Zweckoptimist packt das, denn er war ja erst vor zwei Wochen abends mal in der Kletterhalle und hat da diesen tollen Sechser im Nachstieg gemacht und das ist immerhin doppelt so schwer wie eine Drei. Das bisschen Vorstieg und so macht sich dann ja praktisch von allein.

Ok, schön und gut, das Tourenziel steht und der Zweckoptimist hat sogar einen Mitstreiter gefunden. Nun zeichnet sich allerdings in den Tagen vor der Tour ab, dass das Wetter vielleicht ein wenig problematisch sein könnte. Doch auch hier weiß der Zweckoptimist Abhilfe. Denn: Auf die meisten Wetterberichte darf man ohnehin nicht so ganz vertrauen. Die schreiben da immer viel wirres Zeug, das sie dann hinterher zurücknehmen. Nach eingehender Prüfung diverser Wetterdienste hat der Zweckoptimist dann doch noch in den Untiefen des Internets einen gefunden, der den fraglichen Zeitraum zumindest nicht ganz verheerend schlecht ansagt und genau diesem Bericht wird dann geglaubt.

Der Lastesel

Lebensmotto: „Lieber zu viel, als zu wenig!“

Der Lastesel ist einer, der sich das Leben im wahrsten Sinn des Wortes gerne schwer macht. Denn er sieht es als Teil einer guten Tourenvorbereitung an, einfach alles was man vielleicht, eventuell und unter ganz bestimmten Umständen unterwegs brauchen könnte in seinen Rucksack zu packen.

Es wäre ja beispielsweise möglich, dass man während man in eine Gletscherspalte gestürzt ist und von den Kameraden wieder geborgen wird, dabei aber den Aufbau eines Flaschenzugs abwarten muss, plötzlich das unumstößliche Bedürfnis verspürt, einen Espresso zu trinken und dabei einen Karl-May-Roman zu lesen. Also rein damit ins Gepäck.

Außerdem wäre es ja möglich, dass einem der Kameraden während der Bergung der linke Handschuh in die Gletscherspalte fällt. Da aber Thomas und Anja bei dieser Tour dabei sind und die beiden gänzlich unterschiedliche Handgrößen vorweisen, nimmt der Lastesel lieber mal zwei zusätzliche Paar Handschuhe in unterschiedlichen Größen mit.

Der Retrofetischist

Lebensmotto: „Das ist noch pfenniggut!“

Retro wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Kult. Und bei einem orangenen Toaster oder einer psychodelischen Tapete aus den 70ern kann ich das ja auch gelten lassen. Nur am Berg hat veraltetes Material nichts zu suchen. Sätze wie: „Dieses Seil habe ich mir damals von meinem ersten Lohn in DM gekauft.“ oder „Dieses Lawinensuchgerät stammt noch aus dem letzten Jahrtausend, funktioniert aber noch wie eine Eins.“ will ich weder vor noch während einer Tour hören. Es geht ja nicht darum, dass man immer nur das Neueste haben soll und sich jedes Jahr eine neue Hardshelljacke, Steigeisen, Skifelle oder sonstwas kaufen muss, aber sicherheitsrelevante Ausrüstungsgegenstände gehören von Zeit zu Zeit ausgetauscht.

Der Retrofetischist sieht das freilich anders: Denn das hat damals alles viel Geld gekostet und muss daher noch immer gut sein. Außerdem erzählt uns die Industrie ja immer nur was vom Materialzerfall, dass wir immer schön was Neues kaufen und denen unser hart verdientes Geld in den Rachen schmeißen. Nee, das Prinzip hat er schon lange durchschaut und deshalb ist der Ein-Antennen-Pieps auch heute noch ein super zeitgemäßes und vertrauenswürdiges Gerät, das im Ernstfall sicher treue Dienste leistet.

Das Problem ist halt nur, dass diese Uneinsichtigkeit nicht nur den Retrofetischisten triff, sondern nicht selten auch seine Tourenpartner. Wird er beispielsweise bei einem Lawinenabgang verschüttet und die Retter können ihn aufgrund seines veralteten Geräts nicht finden, kann man das ja vielleicht noch als persönliches Pech abtun. Es hat ja immerhin den getroffen, der uneinsichtig war. Andersrum wird es allerdings schon deutlich schwieriger. Nun ist der Kollege verschüttet. Dieser hat die aktuellste Technik bei sich und somit eigentlich gute Chancen gefunden zu werden. Aber der Retrofetischist steht da mit der alten Möhre und findet nichts. In diesem Fall trifft es einen eigentlich Unschuldigen, dessen Überlebenschancen mit einer besseren Ausrüstung seines Partners sicherlich deutlich höher gewesen wären.

Ach ja: Wer veraltetes Material beispielsweise an Anfänger verleiht, ist übrigens auch nicht viel besser als der Retrofetischist.

Der Technikjünger

Lebensmotto: „Ich hab da so ne App!“

Keine Frage, Technik ist was Tolles und in vielen Bereichen des Lebens ermöglicht sie Dinge, die anders nicht möglich wären. Auch bei Ski- und Hochtouren kann man sich das Leben durch ein gewisses Maß an Technik durchaus erleichtern bzw. verlängern. Aber man darf sich eben nicht alleine auf das jeweilige Gerät verlassen. Genau das ist das Problem des Technikjüngers. Er ist nicht nur der, der für alles im Leben eine App hat, nein er kennt sich auch mit den neuesten Features des neuesten Lawinenrucksacks oder -geräts aus und weiß genau, dass man durch das letzte Update des GPS-Geräts im Ernstfall mindestens einen Tag länger in der Wildnis überleben kann. Das Problem ist nur, dass der Technikjünger sich zu einem Großteil abhängig von diesen Produkten macht und ihnen schon fast hörig ist.

Was soll er sich auch um den aktuellen Lawinenlagebericht kümmern. Im Zweifelsfall geht halt eine Lawine ab. Macht ja nichts, er hat ja den Airbag dabei. Und wenn der wider Erwarten nichts bringt, dann ist er ja noch immer mit dem neuesten 4-Antennen-Gerät ausgestattet und hat 15 Recco-Reflektoren in der Skikleidung und Handyempfang wirds ja unterm Schnee wohl sicher auch noch geben. Ergo, so schnell wie er in einer Lawine drin ist, ist er auch wieder draußen. Triebschneehang bei Lawinenstufe 4, easy.

Von der Theorie her mag das ja vielleicht noch gut funktionieren, nur leider hat jede Technologie und ihre Grenzen und wird menschliches Versagen oder Fehlverhalten nie hundertprozentig ausgleichen können. Dass die Realität anders aussieht als sich das so manch einer ausmalt zeigt leider nahezu jeder Winter.

Der Polarforscher und der Turnschuhtourist

Lebensmotto: „Ich weiß schon wie ich mich richtig kleide!“

Sich der Witterung entsprechend zu kleiden ist einer der Grundsätze beim Berg- und Outdoorsport. Zwei extreme Vertreter dieser Gattung sind der Polarforscher und der Turnschuhtourist: Während der Turnschuhtourist einfach einmal drauf los wandert und auch noch in Sandalen auf dem Gornergletscher anzutreffen ist, stellt der Polarforscher das genaue Gegenteil dar.

Der Turnschuhtourist ist im besten Fall sehr unbedarft und weiß es einfach nicht besser. Es soll aber auch Vertreter dieser Art geben, die ähnlich wie der Retrofetischist von ihrem Handeln durchaus überzeugt sind. Für eine Tour in den Bergen braucht es ja auch nicht viel mehr, als für den Sonntagsspaziergang mit Tante Lisbeth. Vielleicht noch einen wärmeren Pullover, aber dann muss auch gut sein. Die alte Jeans und so, das tuts schon. Und außerdem kann man ja Riemensteigeisen im Zweifelsfall auch an Laufschuhen anbringen. Läuft…

Der Polarforscher hingegen hat im Zweifelsfall wirklich alles an, was der Outdoorkleiderschrank hergibt. Dass gerade Hochsommer ist und selbst in 3000 m Höhe noch annehmbare Temperaturen herrschen wird dabei geflissentlich ignoriert. Er fürchtet außerdem selbst bei stabilster Großwetterlage einen plötzlichen Wettersturz und hat daher rein vorsorglich schon einmal die Daunenjacke im Gepäck. Ach ja, den Polarforscher erkennt man stets am hochroten Kopf.

Das Rennpferdchen

Lebensmotto: „Die Gehzeit unterbieten wir!“

Kaum ist man am Parkplatz angekommen und die Autotür geöffnet, da galoppiert das Rennpferdchen auch schon los. Wie, die anderen müssen sich noch die Bergschuhe anziehen? Und einer will vielleicht noch kurz was essen? Nix da, los gehts! Der Berg will jetzt bestiegen werden und im Führer ist angegeben, dass die Gehzeit zum Gipfel ca. drei Stunden beträgt. Das Rennpferdchen hat sich aber vorgenommen, diese Zeit um mindestens eine halbe Stunde zu unterbieten und geht die Tour daher schon einmal rein vorsorglich mit strammem Schritt an. Gemütliche Tour am Arsch.

Das Problem ist nur, dass das Rennpferdchen oft nicht besonders konditionsstark ist und gerade im Bereich der Ausdauer deutliche Defizite aufweist. Schon nach einer vergleichsweise kurzen Zeit erfolgt dann das, was jeder bereits am Parkplatz wusste: das Rennpferdchen wird langsamer und schließlich wieder von der restlichen Gruppe eingesammelt. Da es aber bereits auf den ersten 100 Höhenmetern einen Großteil seiner Energie gelassen hat, ist es nun deutlich langsamer als die Gruppe und hält diese nun für den Rest des Tages mehrheitlich auf.

Der Kruschtler

Lebensmotto: „Warte mal, das machen wir da rein!“

Für alle, die jenseits des Weißwurstäquators leben, hier eine kurze Begriffsklärung: Krusteln bedeutet soviel wie „etwas in einem Haufen wühlend suchen“. Und genau darin liegen auch die grundsätzlichen Wesenszüge des Kruschtlers. Er ist generell einer, der viel dabei hat, nützliche wie unnütze Dinge. Er hat sie gleichzeitig aber auch so verstaut, dass sie unterwegs erst einmal ausgiebig gesucht werden müssen.

Denn wo kämen wir auch hin, wenn man alles einfach so in den Rucksack packen würde. Nein, da muss deutlich mehr Ordnung her. Es gibt ja schließlich für so ziemlich alles ein Packsäckchen und dann sollte man das auch nutzen. Und wenn es doch mal nichts Geeignetes geben sollte, dann kann man den Kram immer noch in diese tollen Zip-Tüten packen. Das ist so schön praktisch.

In der Realität sieht das aber leider deutlich anders aus, denn der Kruschtler weiß vor lauter Ordnung irgendwann selbst nicht mehr wo er die einzelnen Sachen hingepackt hat. So wird dann die Suche nach den Harscheisen, dem Müsliriegel oder der Mütze schnell zu einem längeren Unterfangen und so spätestens bei der zweiten unfreiwillig langen Pause für alle Beteiligten zur Zerreißprobe.

Der Egoist

Lebensmotto: „No friends on powder days.“

Egoisten gibt es nahezu überall und daher sind sie auch bei Ski- und Hochtouren keine Seltenheit. Gerade an Tagen mit besonders guten Bedingungen wird der Egoist zum Tier. Denn da draußen warten ja beispielsweise zahlreiche unverspurte Tiefschneehänge. Da muss er hin: Jetzt, sofort und koste es was es wolle. Wie? Du hast deine Skischuhe noch nicht an oder würdest vielleicht noch kurz eine Brotzeit einpacken? Nix gibts, los geht’s! Im Stechschritt den Berg rauf. Komm mach schon, wir haben nicht den ganzen Tag Zeit! Ach was ich laufe dir zu schnell? Nee, komm mir nicht so, jetzt streng dich halt mal an! Ich muss jetzt da hoch… Ach weißt du was, wir treffen uns einfach am Gipfel. Oder besser so: Ich felle am Gipfel schon einmal ab und schaue mal ob du dann da bist, wenn nicht fahr ich dir einfach entgegen. Das passt doch!?! Ja, jetzt mach halt kein so Gesicht, kannst ja schließlich auch schneller laufen! Ich bin jedenfalls mal weg. Ciao!

Dass man in den Bergen nicht einfach jemanden zurücklässt, ist dem Egoisten in diesem Moment schlicht egal. Dass das einfach nur der Anstand gebietet, sollte eigentlich schon selbstverständlich sein. Aber spätestens wenn es um die Sicherheit geht, mögliche Lawinenabgänge, die Gefahr von Spaltenstürzen etc., hat hier der Spaß definitiv ein Loch.

Der Oberlehrer

Lebensmotto: „Das muss man dem doch mal sagen.“

Der Oberlehrer weiß wirklich immer alles besser und das nicht nur wenn es wirklich offensichtliche Diskussionspunkte gibt. Auch anderen völlig unbekannten Personen drückt der Oberlehrer gerne mal seine Meinung auf und da Diplomatie nicht zu seinen Stärken gehört, wird das nicht selten für seine Tourenpartner recht peinlich. Da wird dann beispielsweise so laut über andere Tourengänger gelästert, dass die es aber auf jeden Fall hören müssen. Jener ist doof und der da auch und schau mal wie bescheuert dieser dort das und das doch macht. Der Oberlehrer ist immer der Schlauste, Klügste und Erfahrenste und lässt im Zweifelsfall keine andere Meinung gelten.

Viel schlimmer wird es nur noch, wenn der Oberlehrer zu der Überzeugung kommt jetzt sofort selbst eingreifen zu müssen. Denn sogar wenn jedwede Gefahr ausgeschlossen ist und sich die betreffende Person vielleicht einfach nur ungeschickt verhält, sieht sich der Oberlehrer nicht selten gezwungen seine volle Kompetenz auszuspielen.

Gerne in einem besonders forschen oder leicht beleidigenden Ton werden dann Anfänger belehrt, dass sie das so und so zu machen haben und dass dies und das falsch ist. Überhaupt was wollen eigentlich die Deppen da am Berg. Das ist hier ja schließlich kein Kindergeburtstag. Das geht doch nicht, dass man so langsam läuft, die Spitzkehre nicht nach Lehrbuch macht oder vielleicht nicht die beste Skitechnik drauf hat.

Die Umweltsau

Lebensmotto: „Ist mir doch wurscht.“

Naja, was soll man dazu noch großartig sagen. Der Umweltsau ist halt alles wurscht. Wie, wegen einer besonderen Skiabfahrt 500 km mit dem Auto anreisen? Kein Ding! Oder unterwegs mal schnell die Alufolie vom Wurstbrot in die Gletscherspalte geschmissen. Das passt schon, die Archäologen der Zukunft wollen ja auch noch was finden. Und wie? Wilde Skiabfahrten durchs Wild- und Waldschutzgebiet sind doof für Fauna und Flora? Ist mir doch egal.

Kurz und gut, die Umweltsau kapiert es einfach nicht. Sie ist durch und durch uneinsichtig. Ob es sich nun um vermeintliche Lappalien wie eine weggeworfene Kippe oder größeres geht, sie wird nie verstehen, dass sie seinen Müll nicht gerade da abladen kann wo dieser anfällt. Von Nachhaltigkeit und dergleichen hat sie außerdem auch noch nie was gehört und will von dem Quatsch ohnehin nichts wissen, denn das ist alles ja nur wilde Propaganda.

Hand aufs Herz

Nach dieser Faktenlage frage ich mich natürlich, wo ich mich in dieser Liste einreihen würde. Und das ist sicherlich nicht so leicht zu sagen. Denn einerseits sieht man sich immer positiver als man vielleicht ist und andererseits ist es sicherlich oft auch eine Kombination aus mehreren Charakteren. Ich würde mich daher am ehesten irgendwo zwischen Polarforscher und Rennpferdchen einordnen. Also jemand, der sich gerade im Winter gerne mal zu warm anzieht und vor lauter Vorfreude auf die Tour auch mal zu schnell losrennt.

Jetzt zu euch. In welche Schublade lasst ihr euch stecken? Oder kennt ihr vielleicht noch einen Charakter, der uns bei dieser Aufzählung durch die Lappen gegangen ist? Schreibt uns doch einfach mal einen Kommentar!

Gratwanderung und Gipfelsturm – Hochtouren für Fortgeschrittene

14. Februar 2019
Tipps und Tricks

Bergsteigen ist wie jedes andere Spiel auch: nach diversen Wiederholungen ist das Einsteigerlevel zwar nach wie vor ganz nett, bietet aber nicht mehr so wirklich die volle Dosis an Intensität, Spaß, Anregung und Befriedigung. Deshalb bekommen viele Hochtoureneinsteiger nach den ersten erfolgreichen Premieretouren Lust auf mehr. Sie haben sich in das Gehen mit den Eisen auf Eis ebenso hineingefühlt wie in das zunächst etwas dumpfe Antreten mit steifen Vibramsohlen auf dem Fels. Deshalb dürfen die Gletscherhänge ebenso wie die Felspassagen jetzt auch mal ein bisschen steiler, länger und ausgesetzter sein. All das bieten viele Hochtouren im Schwierigkeitsgrad ZS bzw. AD nach der SAC-Berg- und Hochtourenskala.

Ein Vorteil dieses Levels, im Vergleich zu Einsteigertouren im Bereich L/F und WS/PD, ist die oft deutlich höhere Intensität an Landschafts- und Naturerlebnis. Ein weiterer und damit zusammenhängender Vorteil ist die geringere Zahl an Mitbewerbern. Wirklichen Massenandrang mit all seinen Abstrichen in puncto Erlebnis und Sicherheit gibt es hier nur in den superberühmten Prestigetouren wie dem Hörnligrat am Matterhorn. Solche Touren finden sich hier ebenso wenig als Empfehlungen wieder wie die ebenfalls berühmten Highlights a la Biancograt und Stüdlgrat. Diese findet man ohnehin in jeder anderen x-beliebigen Aufzählung von „Toptouren“ und „Schönsten Routen“.

Von West nach Ost

Die folgende kleine aber feine Tourenauswahl ist räumlich geordnet und arbeitet sich von West nach Ost vor. Tendenziell gelten Touren in den Ostalpen zwar als nicht ganz so lang und ernsthaft wie in den durchschnittlich höheren Westalpen, doch von dieser Regel gibt es reichlich Ausnahmen. Wer gerade die ersten Einsteigertouren hinter sich hat und den nächsten Entwicklungsschritt machen will, sollte auf eine geringere Höhenmeterzahl achten, um besser an den technischen „Skills“ (wie sauberes Treten, effizientes Steigen und Gewöhnung an Ausgesetztheit) zu feilen.

Wenn man ständig „gepumpt“ ist, weil unzählige Höhenmeter „gefressen“ werden müssen, funktioniert solche Feinkoordination eher suboptimal. Deshalb habe ich für jede der folgenden Touren die aus eigener Kraft zu überwindende Höhenmeterzahl zwischen Talort/ Ausgangspunkt und Gipfel angegeben. Also, auf geht’s:

Bec d’Epicoune (3529 m, Walliser Alpen) – Nordgrat

Der erste Tipp ist der „Gemütlichste“ in dieser Auswahl und er dürfte auch der Unbekannteste sein. Der Berg bietet mit seinem markanten Firngrat und dem kecken Gipfelturm einen fast schon ikonenhaften Anblick. Allerdings bemerkt das kaum jemand, denn er befindet sich im hintersten Winkel des Wallis, inmitten einer weitläufigen Arena aus Gletschern und Berggiganten.

Der verfirnte Nordgrat wird gelegentlich als ein „Mini-Biancograt“ bezeichnet und kommt dem „Original“ am Piz Bernina zumindest optisch auch wirklich nahe. Hier ist aber alles eine Stufe kürzer und einfacher. Und auch entspannter, denn trotz der geringeren Schwierigkeiten ist es hier  wesentlich ruhiger. Unterschätzen sollte man die Tour trotz der Bewertung mit WS/PD nicht, denn zum Gipfel hin steilt das Gelände ziemlich auf und kann mit Blankeis und brüchigem Fels aufwarten. Deshalb ist die Tour nur bei guter Schneeauflage (wie meist im Frühsommer) zu empfehlen.

Anreise

Via Bern und Montreux ins Wallis nach Martigny. Von dort am berühmten Skiort Verbier vorbei nach Mauvoisin am gleichnamigen Stausee.

Tiefster Ausgangspunkt

Mauvoisin (1841 m)

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 1687 Hm.

Schwierigkeit

Fels II, Eis bis 45°, WS+/PD+

Dauer

Mauvoisin – Cabane de Chanrion (2462 m) ca. 3 Std., Cab. de Chanrion – Gipfel ca. 4 Std.

Wegbeschreibung

Von der Chanrionhütte dem markierten Weg zum Otemmagletscher um die Pointe de Otemma herum folgen. Kurz nach der Linksbiegung des Tals Richtung Nordosten zweigt man nach rechts zur Nordwestflanke der Bec d’Epicoune ab. Diese durchsteigt man am linken Rand des Epicoune-Gletscherschliffs in Richtung der vom Nordgrat herabziehenden Firnrinnen. Über diese erreicht man den Nordgrat und schließlich über je nach Verhältnissen heiklen Fels den Gipfel.

Abstieg

Über den Aufstiegsweg.

Mehr Infos zur Hütte 

Über www.chanrion.ch

Und zur Tour

Über www.hikr.org

Zinalrothorn (4221 m, Walliser Alpen) – Südostgrat

Das schlanke Felshorn sieht von allen Seiten elegant aus und bietet spektakuläre Kletterrouten in einem hochalpinen Ambiente der Superlative. Der Rothorngrat, dessen oberen Teil der hier beschriebene Normalweg begeht, gilt hier wiederum als besondere Schönheit mit bombenfestem Gestein. Der Normalweg bietet vom Firngrat über eine brüchige Rinne bis zur luftigen Felskanzel alles was das Bergsteigerherz begehrt.

Anreise

Von Norden via Bern und Montreux, via Lötschbergtunnel oder via Grimselpass ins Wallis nach Visp. Von dort ins Mattertal nach Täsch, wo das Auto abgestellt und der Rest des Weges nach Zermatt zu Fuß oder per ÖPNV fortgesetzt wird.

Tiefster Ausgangspunkt

Zermatt (1608 m)

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 2613 Hm.

Schwierigkeit

Fels bis III, AD-

Dauer

Zermatt – Rothornhütte (3198 m) ca. 4-5 Std., Rothornhütte – Gipfel ca. 5 Std.

Wegbeschreibung

Hütte: Vom Bahnhof Zermatt dem markierten Weg Richtung Trifthotel folgen. Von dort aus über sumpfige Wiesen und steile Moränen in traumhafter Landschaft auf markiertem Weg zur Rothornhütte.

Gipfel: Von der Hütte nördlich am Gletscherrand zum schrofigen und blockigen Rücken des Eseltschuggen hinauf. Über Geröll- und Firnhänge geht es zu dem Grat, der zum Gipfelaufbau des Zinalrothorns führt. Diesen schräg links nach oben bis in die Scharte rechts der „Gabel“ queren. Der Helm ist hier wegen der Steinschlaggefahr ein absolutes Muss. Über die „Binerplatte“ geht es anschließend hinauf zum luftigen Nordostgrat, der in wunderbar festem Gestein zum Gipfel führt.

Abstieg

Über den Normalweg, ca. 3 Std.

Mehr Infos zur Hütte

Über www.sac-oberaargau.ch

Und zur Tour

Über www.zermattportal.de

Bietschhorn (3934m, Berner Alpen) – Westgrat

„Formschöne Pyramide“, „einsamer Berg mit Ausstrahlungskraft“ und andere Attribute liest man, wenn vom Bietschhorn die Rede ist. In der Tat macht der „Wächter des Lötschentals“ von allen Seiten eine ziemlich gute Figur. Einer seiner eleganten Grate über steilen und hohen Flanken ist der Westgrat. Er bietet den leichtesten Anstieg, der aber dennoch lang ist und wegen des gelegentlich brüchigen Felses stetige Konzentration fordert. Deshalb und wegen der 66 Meter, die ihm zum Viertausender fehlen, ist der Berg trotz seiner herausragenden Schönheit nie überlaufen.

Anreise

Von Norden via Bern und Kandersteg durch den Lötschbergtunnel ins Lötschental. Alternativ ist das Lötschental aus dem Wallis erreichbar – entweder von Martigny im Westen oder vom Grimselpass im Osten kommend.

Tiefster Ausgangspunkt

Wiler oder Blatten im Lötschental (1420 m)

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 2514 Hm.

Schwierigkeit

Im Fels III, oft leichter aber mit unangenehmen Brösel- und Gerölleinlagen, bei ungünstiger Routenwahl im unübersichtlichen Gelände u.U. auch IVer Stellen, ZS/AD

Dauer

Wiler/Blatten – Bietschhornhütte (2565 m) ca. 2-3 Std., Bietschhornhütte – Gipfel ca. 5-7 Std.

Wegbeschreibung

Hütte: Von Wiler oder Blatten aus auf markiertem Wanderweg durch schönen Hochwald und steiles aber unschwieriges Moränengelände zur Bietschhornhütte. Die kleine, ursprünglich gebliebene Hütte lohnt sich für einen Besuch, denn neben toller Landschaft und viel urigem Charme gibt es hier einen sehr netten Umgangston.

Gipfel: Direkt hinter der Hütte setzt ein gut markierter Pfad zum Schafbärg an, der im Grunde ein steiler Hang aus Sand, Kies und Geröll ist. Oben angekommen quert man das (ehemalige) Gletscherbecken in einem Linksbogen über viel losen Schutt zum Beginn des Westgrats. Pickel und Steigeisen braucht es hier in der Regel nicht. Auf der Gratkante geht es dann oft steil und stellenweise ziemlich luftig aufwärts. Kurz vorm Gipfel steilt der „Rote Turm“ auf, den man eher auf der linken (nördlichen) Seite angeht. Spätestens hier dürften auch die routinierten Kletterer das Seil auspacken. Nach dem Turm geht es flach auf stellenweise schmalem Grat zum Gipfel.

Abstieg

Über den Aufstiegsweg. Am Roten Turm befindet sich ein Abseilring. Der Abstieg dauert in der Regel mindestens genauso lang wie der Aufstieg!

Mehr Infos zur Hütte

Über aacb.ch

Und zur Tour

Über www.gipfelbuch.ch

Lauterbrunner Breithorn (3780m, Berner Alpen) – Westgrat

Von allen Seiten erscheint das Breithorn als mächtiger, etwas gedrungener Felsklotz. Besonders von Norden macht auch der Westgrat mächtig Eindruck. Er bietet eine abwechslungsreiche Tour mit wildem Ambiente und großer Aussicht.

Oft wird er unterschätzt, da es von der Mutthornhütte „nur“ 880 Höhenmeter zum Gipfel sind und der Weg trotz maximal mit III angegebener Felsschwierigkeit mit diversen Bohrhaken, Sicherungsstangen und sogar einem Drahtseil ausgestattet ist. Das Terrain zieht sich aber in die Länge, wird nach oben hin wirklich luftig und beim „Schlüssel-Kletterzug“ darf man bezweifeln, ob er ohne Griff in die Schlinge wirklich nur ein Dreier ist. Alles in allem ein sattes alpines Erlebnispaket!

Anreise

Von Deutschland aus geht es via Bern und Thun nach Kandersteg. Von dort aus fährt man per Bus (Reservierung per Telefon obligatorisch) oder PKW (mautpflichtig) in das wilde, urtümliche Gasterntal bis zum Parkplatz beim Gasthof Selden.

Tiefster Ausgangspunkt

Selden (1.537 Meter) im Kandertal.

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 2243 Hm.

Alternativ kann auch von Stechelberg aus gestartet werden, was rund 600 Hm mehr Aufstieg bedeutet.

Schwierigkeit

Fels bis III, Firn/Eis bis 35°, ZS/AD

Dauer

Selden – Mutthornhütte (2901 m) ca. 5 Std., Mutthornhütte – Gipfel ca. 5 Std.

Wegbeschreibung

Hütte: Ab Selden führt der Wanderweg entlang der Kander und über steiles Moränengelände hinauf zum Kanderfirn. Über den im Sommer großteils aperen und allgemein recht freundlichen Gletscher geht es in einmaligem Hochgebirgsambiente weiter zur Mutthornhütte.

Gipfel: Von der Hütte geht es über den vergletscherten Rücken des Petersgrats in einem weiten Rechtsbogen um das Tschingelhorn herum zur Wetterlücke, wo der Westgrat ansetzt. Je nach Verhältnissen geht es direkt oder über eine Schneerampe auf den Grat, der zum Vermessungspunkt auf 3403 m führt. Schwierige Stellen können meist auf der rechten (südlichen) Seite umgangen werden. Anschließend sind zwei Felsriegel, die sich durch die Südwestflanke ziehen, zu überklettern, bevor ein Couloir und eine Linksquerung zurück zum Grat und in die Gipfelflanke leiten. Über diese geht es unschwierig aber ausgesetzt zum Gipfel.

Abstieg

Über den Aufstiegsweg, der im Abstieg kaum weniger Zeit braucht und mit Orientierungsproblemen aufwarten kann.

Mehr Infos zur Hütte

Über www.mutthornhuette.ch

Und zur Tour

Über www.gipfelbuch.ch

Piz Roseg (3934 m, Berninagruppe) – Eselsgrat

Das Bernina-Massiv wurde einst als „Festsaal der Alpen“ betitelt. Der Piz Roseg wiederum gilt als einer der schönsten Berge des Bernina-Massivs. Kurz: schöner geht’s kaum noch. Auch der hier vorgeschlagene Anstieg über den Normalweg steht auf der Ästhetikskala ganz oben. Vielseitig ist er auch: vom beeindruckenden Gletscherbecken über einen schön geschwungenen Felsgrat und einer ebenmäßigen Firnpyramide bis zum wächtenüberzuckerten Gipfelgrat ist alles dabei.

Der Weg führt über den Nordostgrat, auch Eselsgrat genannt. Heißt er so, weil man hier auch einen Esel rauftreiben könnte? Eher nicht, auch wenn die Schwierigkeiten nie den moderaten dritten Grad übersteigen. Allerdings sind Esel konditionsstark und das muss man auch für diese Tour sein.

Anreise

Von Osten aus dem Inntal oder von Norden über den Julierpass nach Pontresina.

Tiefster Ausgangspunkt

Bahnstation Pontresina, 1773 m

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt  2161 Hm.

Schwierigkeit

Fels bis III, Eis bis max. 50°, ZS/AD

Dauer

Pontresina – Tschervahütte (2583 m) ca. 3-4 Std.; Tschiervahütte – Gipfel ca. 6-8 Std.

Wegbeschreibung

Hütte: Ab Pontresina breiter markierter Wanderweg, der bis zum Hotel Roseg (1999m) auch per Fahrrad oder Pferdekutsche zurückgelegt werden kann. Ohne nennenswerte Schwierigkeiten oder große Anstrengungen geht es dann entlang des Tals und der Moräne des Tschiervagletschers zur Hütte.

Gipfel: Von der Hütte über die Seitenmoräne auf den Tschiervagletscher und dort bis zur Felsinsel des Piz Umur. An deren Fuß gelangt man ins obere Gletscherbecken, das zum Fuß des Eselsgrats führt. Über diesen geht es in Fels und kombiniertem Gelände zur steilen Nordflanke, die in den Gipfelgrat mündet.

Alternativ kann der Piz Roseg über die West-Nordwestflanke von der Coazhütte aus angegangen werden.

Abstieg

Wie Aufstieg. Am Grat können eingerichtete Abseilstände benutzt werden. Vorsicht bei sehr warmem Wetter: die aufgeweichten Spalten im Tschiervagletscher können dann unüberwindlich sein. In diesem Falle muss man die Westflanke in Richtung Coazhütte absteigen.

Mehr Infos zur Hütte

Über www.tschierva.ch

Und zur Tour

Über www.outdooractive.com

Wilde Leck (3361m, Stubaier Alpen) – Ostgrat

Eine knackige Route in „naturbelassenem“ Fels mit anhaltend grandiosem Ausblick auf die Stubaier Gletscherwelt: all das verspricht und hält der Ostgrat der Wilden Leck. Die als Ausgangspunkt dienende Amberger Hütte ist zwar oft voll, doch die vielen Besucher verstreuen sich auf viele Touren. Dafür, dass die Wilde Leck ein Ambiente bietet, wie es ihr Name verspricht und dennoch relativ einfach zugänglich ist, hält sich der Andrang am Ostgrat in angenehmen Grenzen.

Anreise

Von Westen aus erreicht man das Inntal via Arlbergpass, von Norden und Osten aus via München, Garmisch oder Rosenheim. Von der Inntalautobahn aus zweigt man ins Ötztal ab, wo es nach Längenfeld und ins Griestal geht.

Tiefster Ausgangspunkt

Gries (1569 m)

Der aus eigener Kraft zu bewältigende Höhenunterschied beträgt 1792 Hm.

Schwierigkeit

Im Fels III bis IV (je nachdem welche Varianten man sich aussucht)

Dauer

Gries – Amberger Hütte (2136 m) ca. 2 Std., Amberger Hütte – Gipfel ca. 5-6 Std.

Wegbeschreibung

Hütte: Vom Parkplatz in Gries folgt man völlig problemlos der auch per Mountainbike zu bewältigenden Fahrstraße zur Amberger Hütte.

Gipfel: Hinter der Hütte geht es weiter talaufwärts bis zum Sulztalferner, den man über eine steile Talstufe erreicht. Man folgt dabei der Beschilderung zur Hochstubaihütte bis hinter die Ausläufer des Ostgrats. Der eigentliche Grat macht nur die letzten 250 Höhenmeter aus und der Zustieg, der kurz vor der Gratkante auch mal brüchig sein kann, zieht sich entsprechend in die Länge. Die Mühe ist es aber allemal wert, denn die abwechslungsreiche Kletterei im festen Granit ist erste Sahne. Die schwierigsten Stellen können oft links umgangen werden.

Abstieg

Über den Südwestgrat, der in einen markanten Sattel führt, der mit Bohrhaken zum Abseilen aufwartet (2 x 60 m auf den Wilde Leck Ferner, Bergschrund kann Schwierigkeiten bereiten).

Mehr Infos zur Hütte

Über www.ambergerhuette.at

Und zur Tour

Über www.bergtour-online.de

Anmerkungen

Die Touren konnten hier nur „angeteasert“ werden – für die konkrete Planung braucht es je nach eigenem Leistungsstand noch mehr oder weniger zusätzliche Routendetails, die hier den Rahmen sprengen würden. Die besten Planungsgrundlagen für die Schweizer Alpen sind die Clubführer des SAC, für Österreich und die Ostalpen sind es die AV-Führer.

Wer nicht nur trocken planen, sondern sich auch richtig „in Stimmung bringen“ will, sollte unbedingt mal einen Blick in den grandiosen Bildband Himmelsleitern„* von Ralf Gantzhorn und Moritz Attenberger werfen. Diesem Buch habe ich zwei der Tourentipps hier entnommen (Piz Roseg und Wilde Leck) und mit weiterer Internetrecherche angereichert. Die anderen Tipps habe ich selber begangen und dazu einen Mix aus Erinnerung und Internetrecherche zusammengetragen.

*Es gibt zwei Bücher dieses Namens, das Andere von Mario Colonel ist sicher auch toll :-)

Neue Mixedroute am Aggenstein: „Morbus Brexit“ (300 m, M7)

12. Februar 2019
Die Bergfreunde

Januar 2019. Es schneit, und schneit, und schneit, zumindest in weiten Teilen der Alpen. Dort haben die Leute mitunter ganz andere Probleme, als dass sie nicht draußen klettern könnten – eh klar. Dennoch bin ich im Kopf in den Wänden. Während in den Dolomiten gute Eiskletterbedingungen herrschen, geht im Allgäu, meinem Lieblingsgebiet fürs alpine Mixedklettern, nicht viel. In den Wänden hängen Unmengen Schnee, es sei denn, sie sind durchgängig sehr steil…

Träume und Erinnerungen

Eine solche, ordentlich steile Wand, ist die Nordostwand des Aggensteins. Und wieder, obwohl der Herbst so trocken war, hat sich diese kühne Eisspur gebildet, die herausfordernd in der Mitte der Wand klebt und auf direktem Wege zu einem Dachriegel führt. Es sind die besten Zutaten für ein weiteres Abenteuer am Aggenstein, dem Berg mit den vielen Gesichtern und unzähligen Möglichkeiten. Im Winter im Hochgebirge zu klettern, klingt nicht unbedingt erstrebenswert, aber mich fasziniert es, seit ich begonnen habe, die Berge eigenständig zu erkunden.

„Jung stirbt, wen die Götter lieben“, so heißt die Route, die Finn Koch und ich im Winter 2016/17 am Ostgipfel eröffneten – mit gemischten Gefühlen, denn es war klar, dass wir diese Route Lorenz, unserem verunglückten Freund widmen würden. Ich wusste, dass ich allein aus diesem Grund nicht weniger als mein Bestes geben durfte und sah mich immer der Fragestellung ausgesetzt, ob unsere Route erfüllen kann, was ich von ihr erwartete, nämlich zu einer würdigen Erinnerung an einen herausragenden jungen Alpinisten zu werden.

Diesmal nähern wir, Michaela Schuster und ich, uns ganz unbeschwert unserem Ziel. Einfach mal sehen, was die geplante Linie hergibt. Nach einer gutmütigen ersten Länge führt ein exponierter Quergang in den zentralen Teil der Wand, wo auch die „Direkte Nordwand“ aus dem Jahr 1965 verläuft. Besonders beliebt war diese Route im steilen, brüchig-grasigen und oft nassen Gemäuer nie. Wahrscheinlich wurde sie auch länger nicht mehr geklettert, denn ein paar der alten Schlaghaken lassen sich praktisch von Hand aus dem Fels ziehen. Eineinhalb Seillängen folgen wir der historischen Route, bis sich die Wege wieder trennen. Ich bohre einen weiteren Standplatz auf einer ausgesetzten Kanzel. Die Seile hängen hier ins Leere, was den nächsten Metern spannender Mixedkletterei zusätzliche Würze verleiht.

Kategorie „steil und wild“

Etwas Eis, dünn und mit Schneeeinschlüssen, mitten in einer steilen Felswand – so sieht das Objekt der Begierde aus, das jetzt erreicht ist. Indem wir daran klettern wird aus der gefrorenen Materie die beste Seillänge dieser neuen Route. Es folgt ein bequemer Stand auf einem Band. Von hier können wir das Felsdach einsehen, das uns vom darüberliegenden leichteren Gelände trennt. Im Dach lässt sich noch ein Cam legen, bevor es ernst wird… Später werden wir diese Länge mit M7 bewerten, was vielleicht nach nicht viel klingt. Aber hier oben und schwer beladen muss man schon schauen, wo man bleibt. Im Stil einer Schneefräße arbeite ich mich weiter über ein schmales Band, und grabe schließlich einen Standplatz der Route „Morbus Flattermann“ aus, die wir hier zum zweiten Mal kreuzen. Nach einer weiteren Mixed-Seillänge ist der Ausstieg zum Greifen nah. Die letzte Seillänge verläuft schließlich nordwestseitig in einer kompakten Felsplatte. Wegen der oft starken Winde liegt hier kaum Schnee. So können wir die fürs Allgäu typischen Graspolster – im gefrorenen Zustand allerbestes Material, um daran zu klettern – gut erkennen. Über leichtes Gelände erreichen wir den letzten Stand von „Morbus Flattermann“, wo auch unsere neue Route endet.

Zusammen sind wir stark

Insgesamt vier Tage waren wir mit dem Einrichten unserer Route beschäftigt. Während dieser Zeit und auch danach dachten wir auf der Suche nach einem passenden Routennamen in alle Richtungen. Schließlich kam Michaela, inspiriert vom Namen der benachbarten Route, auf „Morbus Brexit“. Es ist kein klingender Name und es gibt keinen direkten Bezug zu unserer Linie. „Morbus Brexit“ ist vielmehr ein Statement: Zusammen sind wir stark!

Text: Fritz Miller

Daten und Infos zu „Morbus Brexit“

  1. Begehung: Fritz Miller und Michaela Schuster nach dreitägigen Vorarbeiten am 27.01.19
  2. Wiederholung und erste Rotpunkt-Begehung: Fritz Miller mit Hannes Neubert am 31.01.19

Charakter:

Absolut herausragende und sehr anspruchsvolle alpine Mixedkletterei durch die steile Nordostwand des Aggensteins. Wiederholer erwartet die ganze Bandbreite des Winterkletterns, inklusiv der am Aggenstein typischen Graskletterei.  Alle Standplätze und Abseilstellen sind mit zwei Bohrhaken ausgerüstet, wobei es sich teilweise um Stände der Sportkletterroute „Morbus Flattermann“ handelt. Gebohrte Zwischenhaken gibt es nur in der zweiten Seillänge sowie in der letzten, wo ein einzelner Bohrhaken vorgefunden wurde. In der dritten und vierten Seillänge verläuft die Route im Bereich der „Direkten Nordostwand“ von 1965 (6 A3), um schließlich die zentrale Eisspur zu erreichen, welche im oberen Teil der Wand von einem Felsdach unterbrochen wird. Danach wird das Gelände etwas flacher, allerdings erfordert eine kompakte Platte am Ende der Route noch einmal volle Konzentration.

Zustieg:

Vom Skigebiet Breitenberg mit Tourenski zum Einstieg. Der Hang steilt zur Wand hin immer weiter auf, zuletzt sind es knapp 40 Grad. Mit Blick auf die Lawinengefahr im Zweifelsfall besser in Falllinie des Einstiegs aufsteigen (etwas weiter aber günstigeres Gelände) anstatt den ganzen Hang unter der Wand von rechts her zu queren.

Routenbeschreibung:

SL 35 m M4

Schnee- und Graskletterei auf breiter Rampe. Stand rechts in Gufel.

  1. SL 35 m M5+

Exponierte, leicht ansteigende Querung (4 BH mit Markierungsschlingen) zu Abseilstand von „Morbus Flattermann“.

  1. SL 45 m M6+

Vom Stand links haltend zu rinnenartiger Risspur, direkt links der NH der „Direkten Nordostwand“. Dort brauchbare Sicherungsmöglichkeiten. Weiter über die „Direkte Nordostwand“ bis zu Schnee-/Eisfeld nach 30 m. Hier Zwischenstand möglich an 3 NH + FK. Besser aber 15 m weiter klettern zu Stand unter steiler, gelber Wand (2 NH, dann schwer absicherbare Graskletterei, M5+).

  1. SL 20 m M6+

Kurze, steile Länge. Überwiegend Drytooling oder bei wenig Schnee teilweise mit den Händen klettern. Zunächst Querung nach rechts zu steilem Riss (mehrere NH). Diesem folgen, bis man nach knapp 15 m die Linie der „Direkten Nordostwand“ nach links verlässt. Exponierter Stand auf einer Kanzel.

  1. SL 50 m M6 WI4+

Leicht links haltend, erreicht man nach 45 m spektakulärer Eis- und Mixedklettererei ein offensichtliches Band. Diesem nach rechts zum Stand vor der Kerze folgen (dort auch Wandbuch).

  1. SL 25 m M7 WI4-

Wasserfalleis, offensichtliches Felsdach, zuletzt lange Rechtsquerung über ein schmales Band, das bei viel Schnee unangenehm sein kann (mehrere NH mit Markierungsschlingen). Der folgende Stand, er gehört zur Route „Morbus Flattermann“, muss evtl. freigelegt werden. Man orientiert sich dabei an den darüberliegenden BH.

  1. SL 30 m M4+ WI4-

Weiter rechtshaltend über kurze Säule in moderates, kombiniertes Gelände. Nach 20 m FK mit Markierungsschlinge. Dem logischen Weg folgend zu Stand knapp links einer markanten Kante.

  1. SL 58 m M4+ und Gehgelände

Kompakte Platte rechts der Kante (nordwestseitig). Graskletterei mit heikler, schwer absicherbarer Einzelstelle (frühzeitig Grasanker setzen). Nach knapp 20 m BH (vorgefunden). Dort möglicher Zwischenstand bei Verwendung von 50-m-Seilen. Zuletzt entlang des Nordgrates zum letzten Stand von „Morbus Flattermann“ (schwach ausgeprägter Felskopf).

Abstieg am besten durch Abseilen:

  • Vom letzten Stand von Morbus Flattermann 20 m über Rampe zu vorletztem Stand von Morbus Flattermann
  • 20 m erst links haltend, dann überhängend zu Abseilstand auf Band
  • 35 m überhängend zu Stand vor der M7-Länge (Wandbuch)
  • 58 m oder 45 m (5. SL) + 15 m (4. SL)
  • 45 m (3. SL)
  • Zuletzt knapp 40 m zum Wandfuß

Empfohlenes Material:

  • 60-m-Halbseile oder 50-m-Halbseile (dann Zwischenstand in der letzten SL)
  • 10-12 Expressschlingen
  • Bandschlingen
  • Cams #0.3-3 + #4 (für 3. SL empfehlenswert)
  • Tricam Gr. 1, Gr. 1,5, Gr. 2
  • 6-7 Eisschrauben (eher kurze)
  • 1-2 Ice-Hooks als Grasanker
  • 2 Pecker (1x mittel, 1x groß)
  • Kleines Sortiment Schlaghaken für evtl. zusätzlich benötigte Zwischensicherungen

Was machen sommeraffine Bergfreunde im Winter?

31. Januar 2019
Tipps und Tricks

Das neue Jahr ist da und der Winter legt so richtig los – zumindest in der Bergwelt, wo es kürzlich wie verrückt schneite und die kalte Jahreszeit auch locker noch drei Monate regieren wird. Tiefschneejünger und Powderanbeter sind jetzt sämtlich in Ekstase und schmettern ein Halleluja nach dem anderen. Die Sommerfrischler hingegen schicken erste Stoßgebete zum Herrn, dass er die Zeit schneller verstreichen lasse.

Im vorigen Winter hat Bergwelten.com das „Team Winter“ und das „Team Sommer“ unter der Überschrift „Langer Winter: Fluch oder Segen?“ gegenübergestellt. Die zwei befragten Redaktionsmitglieder aus je einem der „verfeindeten“ Lager liefern für beide Seiten unterhaltsame Argumente.

Da ich selbst eher ins Dr. Sommer Team gehöre, habe ich mal angestrengt nachgedacht, wie wir den Winter ab sofort mehr genießen und endlich auch bergtechnisch konstruktiver verbringen können. Und zwar:

  • ohne Fernflug-Ausflucht in den Süden!
  • ohne teure Materialschlachten mit viel Zeit- und Planungsaufwand!
  • und auch ohne Wohnsitz in den Bergen!

Denn das kann ja jeder…

Vor der Lösung des Problems prokrastinierte ich erstmal eine Weile auf Facebook, um die Winterfreaks nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es bestätigte sich wieder mal mein Eindruck, dass diese zwischen Dezember und März grundsätzlich nichts anderes machen, als an irgendwelchen weißen Steilhängen unter blauem Berghimmel ihre Lines zu ziehen. Also die gecarvten, geboardeten und getourten Spuren im Tiefschnee meine ich.

Die Wintermuffel hauen derweil entweder Strand- und Sonnefotos von der Südhalbkugel raus oder gehen, nur die üblichen Katzenfotos postend, einem etwas unglamouröseren Alltag unter der grauen Dunstglocke der Städte nach. Soweit die soziokulturelle Grundlagenforschung, jetzt zu den Ergebnissen.

Dr. Sommer Team ab sofort auch winterfest

Die erste und naheliegendste Antwort heißt: trotzdem einfach rausgehen und machen. Klingt erstmal ernüchternd fantasiearm, doch angesichts all der aufwändigen und equipmentlastigen Trendsports hat so mancher längst vergessen, dass man auch im Winter einfach so draußen herumlaufen und -rennen kann.

Winterwandern

Ganz ohne spezielles Fortbewegungsequipment und mit relativ normalem Schuhwerk funktioniert das zum Beispiel beim Winterwandern. Einfach nur solide beschuht und eingekleidet geht es dabei durch die weiße – oder im Tiefland und städtischen Umfeld auch braune – Pracht. Bei den Bergnews gibt es einen schönen Einstiegstext, bei dem der Autor auch gewisse finanzielle Aspekte anspricht:

„In einer festen, ausgetretenen Spur geht es dem Ziel, einer schön gelegenen Hütte, einer Alm oder einem aussichtsreichen Gipfel entgegen, einzige Hilfsmittel sind Wanderstöcke und gute Schuhe – in Zeiten unleistbar gewordener Skiausrüstung und Pistenkarten ein geradezu idealer Sport, und mit Abstand der gesündeste! Ohne Gefahr, sich die Knochen zu brechen, tankt man auf, belebt Körper, Geist und Seele (…).“

Der Artikel geht auch auf die benötigte oder zumindest empfehlenswerte Ausrüstung ein, die neben den eher steifen, wasser- und kältefesten Schuhen im Idealfall auch Gamaschen und Grödeln (Ministeigeisen mit wenigen Zacken) umfasst. Hinzu kommen weitere Bekleidungs- und Ausrüstungstipps, die man in der konsequenten Form aber eigentlich nur für richtig kaltes und schneereiches Winterwetter braucht. Und das hat es – wie eben schon festgestellt – bei uns Flachländern direkt vor der Haustür ja nicht mehr so wahnsinnig oft. Man sollte sich eben soweit vorbereiten und ausrüsten, dass man beim Gang durch die Winterlandschaft nicht schon nach ein bis zwei Stunden komplett durchnässt und verfroren ist.

Da das Winterwandern auch schon wieder so etwas wie ein (Gegen)Trend geworden ist, wundert es nicht, dass die ersten Hersteller auch schon spezielle Winterwanderschuhe mit integrierten Spikes und anderen technischen Gimmicks anbieten.

Auch die Tourismusanbieter sehen offensichtlich einen Trend, denn es werden an immer mehr Orten eigens Wege fürs Winterwandern ausgeschildert und präpariert – und zwar nicht nur in den Alpen, sondern auch in deutschen Mittelgebirgs- und Wanderregionen. Mancherorts geht das schon so weit, dass Winterwanderwege ähnlich wie Langlaufloipen präpariert und kontrolliert, Vereisungen mit Sägemehl bestreut, sowie Ruhebänke von Eis und Schnee freigehalten werden. Das sind dann natürlich eher Angebote von Touristenorten, die mehr Wintergäste anziehen wollen. Doch auch „nichttouristische“ Outdoorer finden so gut wie überall reichlich Möglichkeiten für weniger oder gar nicht präparierte Touren.

Dem Trend entsprechend erscheint auch immer mehr Führerliteratur in Buchform und digital. Ein Beispiel unter vielen sind die „Münchner Winterwanderungen“, die oft ins direkte Umfeld der Millionenstadt führen und damit auch den „festhängenden Großstädtern“ Möglichkeiten eröffnen. Im weltweiten Netz hat Bergwelten.com gerade frisch einen Artikel mit 7 Winterwandertipps veröffentlicht – allerdings alle im Alpenraum und mit Lawinen-Vorsichtsmaßnahmen sowie LVS-Equipment als notwendigen Voraussetzungen.

Rennen hilft gegen Kälte…

Wir haben also erfreut festgestellt, dass es völlig in Ordnung und auch möglich ist, auch im Winter „einfach so“ draußen herumzuwandern. Und wo gewandert werden kann, kann auch gerannt werden. Joggen, Trailrunning, Speedhiken – all das geht ebenfalls im Winter.

Auch bei (nicht allzu tiefem) Schnee und Eis, sofern man sich ein paar Spikes oder die schon erwähnten Grödeln an die Schuhe heftet. Aber bei der mittlerweile auch im Mittelgebirge eher üblichen milden, leicht verregneten Winterwetterlage ist die Sache ebenfalls meist „nur ein Kopfproblem“. Die unzähligen Wege und Pfade sind zwar rutschig und teils matschig, aber mithilfe von robusten, optional mit Spikes/Grödeln versehenen Tretern genauso begehbar wie zu anderen Jahreszeiten. Eine kleine aber feine Auswahl an wintertauglichen Trailrunningschuhen mit integrierten oder montierbaren Spikes gibt es auch im Bergfreunde-Shop.

Zum Thema Training: wenn man dem großen Läufer-Jetset a la Kilian Jornet nacheifern will, hat man wieder das Zeit-Geld-Ressourcen-Problem. Dass es zum Glück trotzdem möglich ist, den Winter über auch in der Heimat ohne große Substanzverluste draußen zu trainieren, bezeugen zwei nicht ganz so bekannte Laufprofis in diesem Interview mit sportalpen.com. Jonathan Wyatt und Markus Kröll geben hier einige gute Tipps für Winterläufe – nicht nur in Bezug auf Kleidung und Schuhe, sondern auch auf das Laufen selbst. Dazu gehören u.a. längeres Aufwärmen, kürzere Schritte und langsameres um-die-Kurve-ziehen. Und als Alternative bei richtig schlechtem Wetter zieht Wyatt einfach einen Schlitten die Rodelbahn rauf und schlittert dann runter. Keine schlechte Idee, denn als Rodelbahn taugt jeder noch so kurze Hang…

…Langlaufen auch…

Das rhythmische Dahingleiten auf den schlanken Brettern kann eine schonende Ergänzung oder gar Alternative zum winterlichen Gerenne sein. Allerdings sind wir hier schon im Bereich des klassischen Wintersports, für den es halt g‘scheiten Schnee braucht. Die Ausrüstung und das organisatorische Drumherum sind beim Langlauf immerhin schonmal deutlich kleiner als bei Skitouren, Freeriding und anderen angesagten Winterfreuden.

Dennoch haben die nord- und tieflanddeutschen Bergfreunde mit dem Schietwetter nicht viel davon, wenn ich ihnen jetzt von märchenhaften Loipen im winterlichen Schwarzwald und den vielen gesundheitlichen Langlauf-Vorteilen vorschwärme. Was nebenbei gesagt auch nicht wirklich authentisch wäre, denn ich stand gerade erst einmal auf den Dingern und bin in alle möglichen Richtungen gerutscht, nur nicht vorwärts. Doch ich bin zuversichtlich, dass die richtige Grundtechnik in einem Kurs binnen ein bis zwei Tagen solide sitzt. Und dass es auch weiterhin in alpenfernen Lagen ab und zu genügend Schnee hat, um die Loipen zu spuren…

…Zügiges Klettern ebenfalls!

Es klingt nicht allzu verlockend, aber: Wenn man für gut durchblutete Finger sorgen kann, warum sollte man dann nicht an trockenen, sonnigen (und dann meist eiskalten) Wintertagen auch Sportklettern? Mit Thermoskanne, Wärmflasche, Handschuhen (evtl. fingerfrei) und als kleinen Luxus einem Taschenofen lässt sich das durchaus angenehm gestalten. Fast schon luxuriös wird es, wenn man auch den Kocher noch mitschleppt.

Es sollte aber auch wirklich ein Felsen sein, der Sonne abbekommt. Oder man sorgt durch eine leichtere Routenauswahl dafür, dass niemand stundenlang im eiskalten Schatten sichern muss. Am besten sind natürlich Felsen mit Südausrichtung und wenig schattigen Bäumen am Einstieg (auch wenn durch die fehlenden Blätter mehr Sonne als im Sommer durchkommt).

Und wenn der Winter ab Ende Februar nochmal so kalt wird wie er früher war, ist vielleicht auch im deutschen Mittelgebirge die eine oder andere Runde Eisklettern möglich. Doch damit sind wir erneut bei den „klassischen“ Winterdisziplinen, die einen erhöhten Aufwand fordern und für die es ohnehin schon genügend Ratgeberartikel gibt. Auch Skitouren gehören zu diesen klassischen Disziplinen, die nicht unbedingt in diesem Artikel erneut gepriesen werden müssen.

Und wenn das Wetter dauerhaft schiete ist? Motivation!

Wenn das wirklich miese Nieselwetter das Kommando übernimmt, ist es zu warm für Winterromantik und zu nass für alles Andere. Dann erscheint das gerade erwähnte „Kopfproblem“ besonders gern auf der Bildfläche: die tagelang tiefhängenden Wolken scheinen sich irgendwann irgendwie im Kopf abzusetzen, der einen dann wiederum glauben lässt, die Glieder seien tonnenschwer. Hier spielt der Faktor Motivation dann eindeutig die Hauptrolle.

Um die Motivation oben zu halten, gibt es viele Wege. Der einfachste und zugleich auch bequemste ist das Input sammeln: Bergblogs surfen, Führer wälzen, Bildbände schmökern, usw. Mit den richtigen Bildern im Hirn fällt es auch nach viel zu langer Feiertagspause wieder leicht(er), den Kampf gegen Schwerkraft und graue Suppe aufzunehmen. Eine ganze Stange an teils sehr effektiven Motivationstipps findet sich bei den veganen Läufern von bevegt.de. Keine Sorge, die sind auch anwendbar für ovo-, lacto-, omni-, paläo- und sonstwas essende Bergfreunde.

Einer der vielen Tipp ist, sich Sportpartner und Gruppen zu suchen, weil das neben mehr Spaß auch mehr Verbindlichkeit in die Sache bringt. Dank Facebook, Whatsapp, Couchsurfing, Meetup u. Co. gibt es dazu ja mittlerweile jede Menge Möglichkeiten. Auch in der eigenen Nachbarschaft kann man mithilfe von Initiativen (wie nebenan.de) Partner und Freunde für alles (Un)Mögliche finden. Und wenn keine passende Gruppe zu finden ist? Dann ist es nicht verboten, selbst eine zu gründen…

Der etwas andere Wintertipp…

Falls das mit der Motivation partout nicht klappen will, könnte es vielleicht doch an körperlichen Gründen liegen. Einer dieser Gründe könnte ein Mangel an Vitamin D3 sein. Viele Sportler achten im Winter speziell auf ihre Vitamin D3-Versorgung, da dieses wichtige Vitamin über Sonnenbestrahlung der Haut gebildet wird und im Winter häufig eine Unterversorgung vorliegt. Manche beheben den Mangel mit Nahrungsergänzungsmitteln, die aber nicht immer eine gute Bioverfügbarkeit aufweisen. Da Vitamin D zu jenen Vitaminen gehört, die man überdosieren kann, empfehlen wir im Zweifel des D3-Status beim Arzt abklären zu lassen.

Oder ihr nehmt unseren streng geheimen Proletentipp zum Vitamin-D-nachlegen, der nebenbei durch simulierte Sonnenstrahlung auch noch die Grundstimmung hebt: ab auf die Sonnenbank! Ja genau, der „Asitoaster“ ist zwar imagemäßig eher pfui, aber im richtigen Maß konsumiert bestimmt besser als gar kein Sonnenlicht oder zweifelhafte Präparate. Laut Ärztezeitung funktioniert die Sache durchaus mit einer kurzen(!) UVB-Bestrahlung alle zwei Wochen. Klar ist: wer krampfhaft braun werden will, um in der Fußgängerzone als weltreisender Bergheld aufzufallen, gefährdet eher seine Gesundheit statt die Wintermotivation zu steigern.

Ist‘s drinnen etwa doch am schönsten?

Neben den bisherigen teils wohl etwas ausgefallenen Winterbeschäftigungen gibt es natürlich noch das „voll normale“ Schlechtwetterprogramm. Dazu gehören alle Indoor-Aktivitäten, die in irgendeiner Weise mit Klettern, Laufen, Ausdauer, Kraft, Sport und im Idealfall auch Spaß zu tun haben. Abgesehen vom Training daheim sind diese allerdings auch wieder mit Kosten verbunden. Wer zweimal wöchentlich in die Kletter- oder Boulderhalle will, darf schon mal bis zu 80 € im Monat hinblättern.

Wenn man sich allerdings ein wenig in der „Szene“ umhört, wird man in manchen Städten auf „inoffizielle“ Boulder- und Kletterclubs stoßen, die nicht kommerziell und damit deutlich günstiger sind. Besonders dort, wo es viele Studenten gibt, haben oftmals ein paar Freunde irgendwann mal einen Dachboden oder Keller ausgebaut, der dann nach und nach „gewachsen“ ist. Das „Umhören“ und Auffinden solcher Gruppen und Vereine ist dank digitaler Vernetzung heute relativ leicht geworden. Doch die wirklich entscheidenden Schritte und Handlungen werden zum Glück auch heute noch analog vollzogen…

Gute Ökobilanz beim Skifahren – So wird der Winterurlaub nachhaltig

29. Januar 2019
Tipps und Tricks

Über Schneearmut muss sich aktuell im nördlichen und östlichen Alpenraum niemand beklagen. Pünktlich zum neuen Jahr schneit es ohne Unterlass. Die Skigebiete sind mit den Neuschneemassen teilweise sogar überfordert und müssen vorübergehend schließen. Die Grundlage für die Saison ist gelegt.

Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass auf den ersten Blick Nachhaltigkeit und Skitourismus schwierig zu vereinen sind. Aktuell gelten allein in Bayern nur 50 Prozent der Skigebiete in mittlerer Höhe als naturschneesicher, in Österreich werden knapp 70 Prozent aller Flächen beschneit. Laut Deutschem Alpenverein wird die Abhängigkeit der hiesigen Gebiete von künstlicher Beschneiung zunehmen. Auch der Alpenraum bleibt vom Klimawandel nicht verschont. Viele Gemeinden bemühen sich daher um mehr Nachhaltigkeit durch sanften Tourismus und alternative Freizeitangebote für Wintersportler.

Keine Sorge, es geht beim Thema Nachhaltigkeit nicht darum den Skisport abzuschaffen, sondern ein größeres ökologisches Bewusstsein im Wintersport anzuregen. Wir haben uns dem Thema angenähert und festgestellt: Ein nachhaltiger Winterurlaub ist möglich! Und mit den folgenden vier Tipps kann jeder einen Beitrag dazu leisten!

1. Selektive Auswahl von Skigebieten: Mehr Natur- als Kunstschnee

Ein nachhaltiger Urlaub beginnt schon bei der Auswahl des Skigebietes. Meiden sollte man solche, die aktiv an einer Expansion arbeiten. Das umfasst den Bau von Skischaukeln (also eine Verbindung zwischen zwei Skigebieten, die in verschiedenen Tälern liegen), unnötige Modernisierungen und vor allem die Neuerschließung von Gebieten. Einige Skigebiete werben mit sehr langen, garantierten Saisonzeiten von bis zu 200 Tagen. Das können eigentlich nur Gletscherskigebiete leisten. In niedrigeren Lagen wird das durch zusätzliche Beschneiung und Snowfarming, also die Aufbewahrung von Schnee aus der alten Saison, erreicht. Das ist ökologisch bedenklich.

Vielmehr sollte man in Alpenregionen fahren, die Sommer- und Wintertourismus betreiben. Wintersportgebiete, die nur im Winter genutzt werden, offenbaren im Sommer die Auswirkungen des Massentourismus. Die starken Eingriffe in die Natur werden sichtbar, sobald die Schneedecke geschmolzen ist. Ein nachhaltiges Skigebiet sorgt sich auch im Sommer um den Zustand der Pisten. Bei guter Pflege erholen sich die Wiesen bis zur nächsten Saison. Sie sollten entweder gemäht oder beweidet werden, um Erosion vorzubeugen. Zusätzliche Einnahmequellen im Sommer motivieren Betreiber auch auf den Weiterbau von Anlagen zu verzichten: Sommertouristen erfreuen sich eher unberührter Natur als brach liegender Skiinfrastruktur.

Außerdem sollte man Skigebiete meiden, die mit mehr als 60 Prozent beschneiten Pistenkilometern werben. Auskunft darüber erhält man beim jeweiligen Tourismusverband. Die Beschneiung ist sehr teuer, kostet viel Energie und Wasser. Obwohl es sich auf Kunstschnee ähnlich gut fahren lässt, wie auf Naturschnee, ist die Technik zumindest noch nicht soweit, Pulverschnee zu produzieren. Außerdem vereisen die Pisten bei Sonneneinstrahlung schneller, weil Kunstschnee einen höheren Wasseranteil besitzt.

Exkurs Kunstschnee

Damit überhaupt Kunstschnee produziert werden kann, muss es über einen längeren Zeitraum hinweg mindestens -2 Grad kalt sein. Außerdem bedeutet die Errichtung von Speicherteichen und Rohrleitungen einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur, der Erosion fördern kann. Kunstschnee bleibt zudem länger liegen. Die Regenerationszeit der Wiesenflächen wird dadurch verkürzt. Die Gefahr von Vegetationsschäden ist auf Kunstschneepisten deutlich höher als auf Naturschnee.

Nachhaltige Formen der Beschneiung sind noch rar. Die Schneewolke ist eine der neueren Methoden, die im Tiroler Skigebiet Obergurgel-Hochgurgel ausprobiert wurde. Dabei wird mit geringem Strom- und Wasserverbrauch eine Wolke simuliert, aus der es schneit. Einige Skigebiete nutzen auch Wasserkraftwerke, um Strom zu erzeugen.

2. Sanfter Tourismus mit Ökolabel und alternativer Anreise

Zwischen 70 und 80 Prozent des CO2-Ausstoßes verursachen Skifahrer bei der An- und Abreise sowie bei Fahrten während des Urlaubs mit dem Auto. Statt Tages- und Wochenendausflüge ins Skigebiet zu unternehmen, sollte man gleich mehrere Tagen wegfahren – und das im vollbesetzten Auto.

Wirklich nachhaltig wäre es aber, mit dem Zug ins Skigebiet zu fahren. Die Skiausrüstung kann mit der Bahn schon vorausgeschickt werden. Das erspart das lästige Schleppen der Skiausrüstung. Shuttlebusse, der örtliche Nahverkehr oder Elektroautos ermöglichen Mobilität im Ort. Die Deutsche Bahn bietet auch günstige Kombitickets in Skigebiete an, die den Skipass beinhalten. Um die Anreise möglichst kurz zu halten, wählt man Skigebiete in der Nähe aus. Auch wenn Fernziele wie Japan, Beaver Creek oder Kamtschatka verlockend sind, belastet die Anreise mit dem Flugzeug die Umwelt zusätzlich.

Auch die Auswahl der Unterkunft kann nachhaltig sein. Einige Gemeinden setzen ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept um, das Hotelanlagen, Transportsysteme und das Skigebiet mit einschließt. Über Internetportale, wie beispielsweise Alpine Pearls oder Bergsteigerdörfer, kann man sich konkret über Regionen im Alpenraum informieren, die aktiv ökologischen Tourismus fördern. Es muss nicht immer das riesige Luxushotel sein. Auch kleine Hotels oder Berggasthöfe stellen sich auf Skitouristen ein. Sie beziehen ihre Produkte von Höfen, Käsereien und Metzgern aus der Nähe. Damit unterstützt man die Wirtschaft vor Ort.

3. Kaufe nachhaltige Ausrüstung und Skikleidung

Diverse Labels und Zertifikate wie die Fair Wear Foundation, bluesign, Responsible Down Standard und der Zusatz „PFC-frei“ helfen bei der Auswahl von umwelt- und sozialverträglichen Produkten. Einige Marken verwenden auch recyceltes Material in der Produktion von Outdoorbekleidung und Ausrüstung. Zudem gibt es eine breite „Reuse“-Initiative: Anstatt sich eine neue Jacke zu kaufen, repariert man die alte. Gleiches gilt für die Ausrüstung. Schon beim Kauf sollte man auf bestmögliche Qualität achten, weil das auf Langlebigkeit der Produkte schließen lässt. Je länger man Material nutzen kann, umso besser ist dessen Ökobilanz

Wer nur einmal im Jahr in den Skiurlaub fährt oder nur sehr sporadisch auf die Piste geht, muss gar nicht erst eine komplette Ausrüstung kaufen. Ausrüstungsverleihe im Skiort haben meistens die aktuellsten Modelle im Angebot. Das ist eine kostengünstige und umweltschonende Alternative. Richtige Outdoormenschen scheuen auch nicht davor zurück, ihre Skijacke beim Einkaufen in der Stadt oder auf dem Weg zur Arbeit anzuziehen. Produkte mehrfach zu nutzen, hilft Ressourcen zu sparen.

4. Winterurlaub vielseitig gestalten: Das sind Alternativen zum Skifahren

Der Winterurlaub muss nicht nur aus Skifahren bestehen. Mehr Unabhängigkeit von schneesicheren Pisten erlangt man, indem man seinen Winterurlaub vielseitig gestaltet.

Winterwanderungen machen Spaß, wenn man sich eine abwechslungsreiche Route raussucht. Bei moderaten Steigungen und auf präparierten Wegen kann man mühelos mit festem Schuhwerk und Teleskopstöcken losmarschieren. Ein besonderes Schmankerl sind Wanderungen durch eine Klamm. Im Winter gefrieren die Wasserfälle zu spektakulären Eisgebilden und die Stromschnellen der wilden Bäche, die sich im Sommer noch tosend durch die Schluchten winden, blitzen nur zeitweise unter einer Eisschicht hervor.

Mitte Februar findet zum Beispiel die deutsche Meisterschaft im Hundeschlittenrennen in Wallgau im Karwendelgebirge  statt. Über 100 Gespanne mit rund 1000 Hunden rennen in verschiedenen Distanzen um den Sieg.

Einmal die Winterlandschaft aus der Vogelperspektive betrachten? Das geht im Winter bei einer Heißluftballonfahrt. Der Brenner, der den Ballon zum Steigen bringt, sondert viel Hitze ab und sorgt für eine wohlige Wärme an Bord. Ein besonderes Angebot ist die Alpenüberquerung im Ballon. Durch die besondere Wetterlage und Thermik ist die kalte Jahreszeit perfekt fürs Paragliding geeignet.

Außerdem bieten viele Wintersportgebiete Schneeschuhtouren, Ski-Langlauf auf natürlichen Loipen, Rodeln, Skitouren und Schlittschuhlaufen an. Um sportlich aktiv zu sein, muss es also nicht immer die künstlich beschneite Piste sein. Abseits der gesicherten Wege sollte man aber besonders vorsichtig sein. Sicherheitsausrüstung wie LVS-Gerät, Sonde und Schaufel sind bei Skitouren Pflicht. Ebenso ein Blick in den Lawinenlagebericht.

Der Sonne hinterher – Sportklettern auf Mallorca

25. Januar 2019
Tipps und Tricks

Während Deutschland im Frühjahr 2019 unter Schneemassen versinkt – naja, zumindest große Teile von Deutschland – scheint auf Mallorca bei lauschigen 15 Grad die Sonne. Perfekt für alle, die Sehnsucht nach Fels haben. Und so wollten auch wir diese Saison dem Winter-Blues erst gar keine Chance geben und entflohen kurzerhand der Kälte, um noch ein bisschen Felsen unter die Finger zu bekommen.

Schon am Flughafen in Palma wurde uns der Temperaturunterschied bewusst: eingepackt in Daunenjacken, war’s dann gleich zu warm. Ganz unkompliziert konnten wir unser Mietauto in Besitz nehmen und machten uns auf den Weg Richtung Santanyi, im Südosten der Insel. In der Nähe davon befindet sich Cales de Mallorca, ein Ortsteil der Gemeinde, in der sich unsere Unterkunft befindet. Der Ort liegt strategisch günstig, wenn man bei wärmeren Temperaturen in den Genuss der besten DWS-Spots (Deep Water Soloing) kommen möchte, als auch für zahlreiche Klettergebiete direkt am Meer an der südöstlichen Küste.

Cala Santanyi – Tijuana

Da so eine Anreise immer etwas ermüdet, entschieden wir uns den ersten Klettertag direkt in der Nähe zu verbringen. Die Cala Santanyi (Cala bedeutet soviel wie Bucht) oder auch Tijuana liegt südlich von Cales de Mallorca und ist in einer halben Stunde mit dem Auto zu erreichen. Parken lässt es sich problemlos in der kleinen Ortschaft und der Klettergarten ist deutlich beschildert. Man erreicht die Felsen durch einen fünfminütigen Zustieg, der mehr ein Abstieg Richtung Meer ist. Vom Leuchtturm wandert man auf dem rechten Pfad, der direkt zum Meer hinunterführt und durch welchen man schon im ersten Sektor landet.

Das Klettergebiet ist einfach traumhaft gelegen! Die südliche Ausrichtung verspricht auch im November und Dezember noch hervorragende Temperaturen und dank viel Sonneneinstrahlung tankt man genug Vitamin D. Im Winter kann man getrost auf den Sonnenhut verzichten, im Sommer sollte er aber definitiv auf die Rübe. Im Hintergrund rauscht unentwegt die Brandung – richtig romantisch.

Direkt am Felsvorsprung sind viele Routen zu finden: angefangen von Einsteiger- und Genusstouren am linken Rand des Gebietes über plattige Herausforderungen im mittleren Sektor bis hin zu überhängenden Routen am rechten Eck. Obwohl das Gebiet direkt am Meer liegt, ist die Felsqualität hervorragend, kaum speckig und auch die Absicherung erfreut sich solider Qualität. Trotzdem schadet es nicht wenn man vorsichtshalber ein paar Keile dabei hat. Ab und zu tut sich ein Riss im Kalkstein auf, den man wunderbar selbst absichern kann.

Zum Sichern kann man jeder Zeit sehr bequem stehen, doch durch die steil abfallenden Klippen ist das Gebiet nur bedingt familienfreundlich. Die Routen sind zwar maximal nur 30 Meter lang, bieten aber abwechslungsreiche Klettereien mit viel Bewegungsvielfalt.

Ein besonderer Hingucker ist der DWS-Spot direkt gegenüber. Der Torbogen ist nicht nur beeindruckend anzusehen, sondern beherbergt auch eine der härtesten DWS-Klettertouren der Welt. „Es Pontas“ checkt bei 9a+/b ein und wurde bisher nur selten wiederholt. Mir wurde beim bloßen Anblick schon schlecht. Diese Linie werde ich wohl nicht klettern, zumindest nicht in diesem Urlaub ;-)

Urlaubsfeeling in der Cala Magraner

Für Familien ist das Klettergebiet in der Cala Magraner perfekt geeignet. Der Parkplatz zur Bucht liegt direkt vor Cales de Mallorca und ist deutlich zu sehen. Man folgt der Straße bis zur Steinmauer, übersteigt diese und geht nun gemütlich für zwanzig Minuten auf einem flachen Weg durch Weidegebiete und Wälder, bis man den ersten und schwersten Sektor des Gebietes erreicht.

Doch die eigentlichen Schmankerl findet man eine Station weiter und direkt am Meer. Die malerische Bucht ist außerhalb der Saison einsam und verlassen und man kann sich an der südlich ausgerichteten Wand austoben. Selbst im November ist hier ein Sonnenschutz empfehlenswert. Der Kalkstein ist vielseitig, von Sintern bis Platten findet jeder was und die Routen sind gut abgesichert. Je nachdem wie hoch gerade das Meer steht, kommen noch ein paar tolle Routen hinzu, die man ganz rechts im Gebiet findet. Bei Flut muss man leider verzichten. Das kleine Paradies mag man gar nicht mehr verlassen, zumal man bei wärmeren Temperaturen auch gleich Baden gehen kann.

Ein Spielplatz für Abenteurer

Einen etwas anderen Charakter weist das Gebiet El Calo del Betlem auf. Man erreicht es bequem, indem man nach Betlem fährt, im Ort parkt und dem großen Wanderweg folgt. Der Felsen kommt nach etwa zwanzig Minuten, direkt neben dem Weg.

Das kleine Gebiet beinhaltet rund 22 Routen von 5 bis 7b, jedoch sollte man eine solide 6b klettern können, um hier auf seine Kosten zu kommen. Charakteristisch für dieses Gebiet ist die Plattenkletterei, die nicht jedem liegt. Kurz und knackig ist hier das Motto, denn länger als 20 Meter klettert man nicht. Die Absicherung ist im großen und ganzen okay, doch sollte man trotzdem die Augen offen halten, da einige der Haken ziemlich verrostet sind und auch die Umlenker sollte man genau checken.

Ein Abenteuergebiet mit fantastischer Aussicht bis zum nördlichsten Punkt der Insel. Für Familien ist das Gebiet tauglich, zum Meer muss man aber noch einige Meter absteigen.

Lochkletterei in den Bergen von Mallorca

Doch Mallorca hat nicht nur Buchten und türkises Meer zu bieten, sondern in der bergigen Region auch romantische Olivenhänge mit spannenden Klettergebieten.

Das Gebiet Caimari liegt neben der Autoroute nach Soller (den Parkplatz kann man kaum verpassen). Es besteht aus insgesamt drei Sektoren, die relativ nah beieinander liegen:

Der Sektor „Hairpin Wall“ wird zu Unrecht als nicht lohnend beschrieben. Zum Einen ist er bequem über den Wanderweg zu erreichen und zum Anderen sehr familienfreundlich, da viele leichtere Touren, die gut abgesichert sind, vorhanden sind. Umgeben ist man von bezaubernder Natur, mitten in den Bergen. Der Sektor „Cueva“ lockt mit harten, überhangenden Touren von 7a+ bis 8c. Auch ein paar Boulder sind hier zu finden.

Für die Freunde des Lochkletterns ist jedoch der Sektor „Muro de Caimari“ am besten, da man hier von 6a bis 7b alles findet und die Absicherung fantastisch ist. In „Muro de Caimari“fühlen sich Kinder aber nicht sehr wohl, da das bewaldete Gebiet sehr abschüssig ist. Jeder der Sektoren erreicht man bequem zu Fuß.

Damit ist nur ein kleiner Auszug, der scheinbar unendlich vielen Gebiete beschrieben, ganz zu schweigen von den überragenden Möglichkeiten im Sommer einige DWS-Linien in Angriff zu nehmen.

Das wilde Ende der Insel – Kap Formentor

Da der Winter auch Mallorca erreicht, muss man zwar nicht mit Schnee rechnen, aber man sollte sich genug Alternativen für regnerische Tage bereithalten, um die Insel mit all ihren Facetten kennenzulernen.

Die Vielseitigkeit der Insel lädt zu einer kleinen Rundreise ein und so lockt das nordöstlichste Ende der Insel mit spektakulären Ausblicken. Nicht umsonst wird das Kap Formentor auch „Treffpunkt der Winde“ genannt, denn windig ist es hier fast immer. Auf 384 Metern über dem Meer steht der Far de Formentor – ein Leuchtturm, der 1860 erbaut wurde. An guten Tagen kann man bis zur 40 Kilometer entfernten Insel Menorca sehen. Das raue Klima am nördlichen Ende der Insel formte die Felsen zu bizzaren Landschaften und eindrucksvollen Buchten.

Um zum Leuchtturm zu kommen, fährt man nach Port de Pollenca und durchquert die Halbinsel Formentor über eine serpentinenreiche Straße, deren Ende auch das Ende der Insel ist. Neben der Straße grasen zahlreiche Ziegen und Schafe, die hier ihr freies Leben genießen dürfen und immer wieder lädt eine Aussichtsplattform zum Anhalten und staunen ein.

Kloster Lluc in den Bergen Mallorcas

Weiter geht’s durch die Serra de Tramuntana (dem Gebirgszug im Nordwesten), vorbei am Santuari de Santa Maria de Lluc (dem spirituellen Zentrum der gesamten Insel).

Das große Kloster beherbergt ein Gymnasium mit Internat, eine Wallfahrtskirche, ein Langhaus mit Unterkünften und einen ausgedehnten botanischen Garten. Jährlich zählt das Kloster knapp eine Millionen Besucher – darunter viele Pilger, denn das Heiligtum von Lluc liegt direkt am Fernwanderweg GR 221. Es lohnt sich nicht nur die reich geschmückte Basilika zu besichtigen, sondern auch einen Blick in den gepflegten Garten zu werfen.

Obst aus Soller

Folgt man der bergigen Straße, erreicht man den bekannten Ort Soller. Neben einem gemütlichen Hafen und einer historischen Eisenbahn, findet man am Rand von Soller einen weiteren botanischen Garten mit über 400 heimischen Pflanzenarten.

Die Obstplantagen, für die Soller bekannt ist, sind gleich außerhalb des Stadtkerns zu finden. Im Laden „Fet a Soller“, am Placa des Mercat im Zentrum, findet man sämtliches heimisches Obst, spezielle Olivenöle und mediterrane Lebensmittel. Ob Mitbringsel oder Eigenbedarf, Spezialitäten aus Mallorca gibt es in Hülle und Fülle.

Gemütliches Palma und ein leerer Ballermann

Auf dem Rückweg kommt man fast immer an Palma de Mallorca vorbei – der Hauptstadt von Mallorca, die nicht nur mit ihrer großen Kathedrale sehenswert ist. Palma ist Versorgungszentrum der Insel, mit dem größten Hafen, Flughafen und dem Regierungssitz.

Hauptsehenswürdigkeit ist die große, gotische Kirche „La Seu“, die sich in der Altstadt an der Küste befindet. Neben ihr liegt der Palast, der dem König von Spanien als Residenz dient. Im eigentlichen Zentrum findet man, neben Cafés und Restaurants, Unmengen an Shops und Boutiquen. Durch die engen Gassen erlebt man Palma eher wie ein Dorf als eine große Stadt.

Doch Mallorca wäre nicht Mallorca ohne die Ortschaft S’Arenal oder zu deutsch dem Ballermann. Neben der Saison ist der Strand herrlich leer, was bedeutet dass man nur vereinzelt ein paar Freunde des Alkohols findet.

Hotels en masse – Campen eher weniger

Grundsätzlich strotzt Mallorca vor Appartements und Hotels, die im Sommer allesamt geöffnet sind. Falls man jedoch außerhalb der Saison fährt, wird die Suche etwas erschwert, aber dennoch möglich in fast jedem Ort eine nette Unterkunft zu finden.

Wer die Abgeschiedenheit sucht und lieber zum Campen geht, steht vor größeren Herausforderungen. Einerseits ist es in Mallorca nicht gerne gesehen überall sein Zelt aufzuschlagen, andererseits findet man nur selten Wohnmobile auf der Insel (nicht zuletzt durch die Kosten für die Überfahrt mit der Fähre). Vor allem Hoteliers wehren sich gegen die Erschaffung von Campingplätzen, die ihnen das Geschäft vermiesen könnten.

Doch es gibt einige extra dafür ausgewiesene Stellplätze für Camper, beispielsweise in Inca. Das ist aber auch der einzige „Campingplatz“ für Mobile. Besser beraten ist man in der Cala Murada im Hipocampo, dem einzigen offiziellen Platz für faltbare Unterkünfte auf der Insel. Alles was ein Zeltlerherz begehrt, wird er hier finden. Falls man doch in der wilden Natur schlafen möchte, ist man mit einer Hängematte gut bedient, denn im Gegensatz zum Zelten werden hier keine Strafen verhängt. Schönes Wetter ist hier natürlich Voraussetzung im November ist der Luxus eines festen Daches über dem Kopf nicht zu verachten.

Wer Ruhe am Felsen, in der Stadt und am Strand sucht, ist mit der winterlichen Jahreszeit bestens beraten. Für Party-Tiger und Badefreunde ist klar der Sommer vorzuziehen, wobei

Wer Ruhe am Felsen, in der Stadt und am Strand sucht, ist mit der winterlichen Jahreszeit bestens beraten. Für Party-Tiger und Badefreunde ist klar der Sommer vorzuziehen, wobei die beste Zeit für DWS-Klettereien definitv der September ist. Angenehme Wassertemperatur und keine erdrückende Hitze mehr in der Hängematte. Der Spätherbst ist auch prima um die Insel zu Fuß zu erleben, nicht umsonst gibt es viele Wander- und Pilgerwege.

Zurück in Deutschland durften wir erstmal das Auto von Eis befreien und uns wieder mit der Kälte anfreunden. Der ein oder andere Glühwein wird nun behilflich sein müssen, um eine angenehme Körpertemperatur zu erreichen…

Ein paar Fakten zur Orientierung

Cala Santanyi – Tijuana

  • Routen: über 60 Touren von 4a bis 8a
  • Wandhöhe: maximal 30 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (nach Belieben auch Keile)
  • Zustieg: 5 Minuten vom Parkplatz zum Leuchtturm, rechter Pfad direkt ans Meer
  • Exposition: Süd/Südwest
  • Nur bedingt familienfreundlich wegen steil abfallenden Klippen

Cala Magraner

  • Routen: über 70 Touren von 3 bis 8a
  • Wandhöhe: maximal 23 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken
  • Zustieg: 20 Minuten vom Parkplatz; nach Steinmauer dem breiten und einzigen Weg folgen
  • Exposition: Süd
  • Familienfreundlich mit direktem Zugang zum Meer

El Calo del Betlem

  • Routen: knapp 22 Touren von 5 bis 7b
  • Wandhöhe: maximal 20 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (Achtung bei Umlenker, teilweise verrostet)
  • Zustieg: 20 Minuten vom Parkplatz in Betlem; breiter Wanderweg direkt zum Felsen
  • Exposition: Südost/Südwest
  • Familienfreundlich, kein direkter Zugang zum Meer

Caimari

  • Routen: etwa 50 Routen verteilt auf 3 Sektoren von 4 bis 8c
  • Wandhöhe: maximal 30 Meter
  • Absicherung: Bohrhaken (viele saniert)
  • Zustieg: 5 – 10 Minuten, je nach Sektor, gut sichtbare Wege
  • Exposition: West
  • Bedingt familienfreundlich, je nach Sektor; Sektor Hairpin Wall absolut kindertauglich

Behindertenskilauf – Alles ist möglich

23. Januar 2019
Die Bergfreunde

9 Uhr morgens, Skigebiet Cardrona, Neuseeland. Ich sitze in einem der ersten Sessel gen Gipfel, als ich unter mir einen Sitzskifahrer in seinem Mono-Ski mit unglaublichem Tempo Richtung Talstation schießen sehe. Wahnsinn, wie ist es möglich, dass man sein Skigerät mit reiner Arm- und etwas Rumpfkraft so beherrschen kann? Mein Interesse ist geweckt, noch nie war mir eine querschnittsgelähmte Person auf der Piste begegnet. Dass es sowas wie Paralympics und sitzenden Skilauf gibt, war mir unterschwellig bekannt, aber nie wirklich in meinen Bewusstseinskreis vorgedrungen.

Wenig später sitze ich Tereza gegenüber, der Koordinatorin des Cardrona Adaptive Snow Sports Programme. Die ehrenamtliche Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Skifahrer mit und ohne Behinderung zusammen zu bringen. Ziel ist es, Skifahrern mit Handicap eine Begleitperson zur Seite zu stellen, die auf der Piste und beim Liftfahren unterstützt, als auch beim Skiunterricht assistiert. Was dabei rausspringt, ist jede Menge gemeinsamer Skispaß und ein intensiver Erfahrungsaustausch.

Unkompliziert werde ich in die Truppe an Ehrenamtlichen aufgenommen. Nach ein paar grundlegenden Trainings darf ich zum ersten Mal ran. Im Laufe der Saison werde ich mit den erstaunlichsten Menschen und unterschiedlichsten Schicksalen konfrontiert. Es verbindet uns alle – die Liebe zum Schnee, den Bergen und diesem genialen Gefühl, auf Skiern den Hang herunterzugleiten.

Geschichte des Behindertenskilaufs: Deutschland und Österreich in der Pionierrolle

Der Skilauf hat im Behindertensport eine lange Tradition. Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland und Österreich zahlreiche Kriegsversehrte, die ehemals gute Skifahrer waren und sich von ihrem erlittenen Handicap – sei es Amputationen oder Blindheit – nicht vom Wintersport abhalten ließen.

Sie fanden Mittel und Wege, ihre Skiausrüstung an die entsprechende Verletzung oder Behinderung anzupassen – der Kreativität waren hier keine Grenzen gesetzt. Oberschenkelamputierte versuchten es mit drei Skiern: Einen am verbliebenen Bein und zwei kurze an Krücken – der Krückenskilauf war geboren!

Vom Nischenplatz zum Breitensport

War der Skisport damals nur einem kleinen Kreis an beeinträchtigten Sportlern zugänglich, so wird er heute bei Menschen mit Handicap immer beliebter und auf allen Niveaus ausgeübt. Für die breite Masse ist er ein Genusssport und bietet ein Gefühl von Freiheit, das eine willkommene Abwechslung zum (sicher nicht immer leichten) Alltag darstellt. Für andere bietet er eine Möglichkeit, Sport auf Spitzenniveau zu betreiben und an ihre Grenzen zu gehen. Mit Sicherheit aber ist er für alle ein tolles Mittel, ungeahnte Möglichkeiten auszuloten und ein positives Körpergefühl zu erlangen.

Je nach Behinderungsart haben die Betroffenen in ihrem Alltag ganz unterschiedliche Hürden zu überwinden. Diese übertragen sich natürlich auch auf den Skihang. Ganz abgesehen von der mentalen Herausforderung, sich auf Skiern den Berg hinunter zu stürzen, stellt der Skisport auch technische Anforderungen: Jede Behinderung erfordert eine spezifische Skiausrüstung. Und die hat es meist in sich – preislich. Wer jedoch nicht gleich mehrere tausend Euro hinlegen will (und kann), kann die meisten Skigeräte in ausgewählten Wintersportorten leihen.

Für nahezu jede Art von Behinderung, von der Querschnittslähmung über Sehbehinderungen bis hin zu mentalen Einschränkungen, gibt es Anpassungen in Skiausrüstung und Ausübungsform, die den Sport für ein breites Spektrum an Menschen zugänglich machen. Doch wie genau sehen die Anpassungen aus und wie organisiert sich der Sport auf Wettkampfniveau?

Vom Rollstuhl auf die Piste – Skifahren mit Mono- und Bi-Ski

Rollstuhlfahrer auf Schnee – wie zum Teufel soll das denn funktionieren? Ganz einfach – mit besagtem Mono-Ski! Ein gefederter Rahmen mit Sitzschale wird auf einem Carvingski angebracht und der Skifahrer in der Sitzschale festgeschnallt. Das Gleichgewicht wird mit Hilfe von Krückenskiern gehalten, die der Skifahrer links und rechts von sich durch den Schnee gleiten lässt.

Wer beim Gebrauch seines Unterkörpers stark beeinträchtigt ist, findet im Mono-Ski das geeignete Gerät für verschneite Berghänge. Betroffen sind Menschen mit Querschnittslähmung, Spina Bifida, Multipler Sklerose, doppelter Oberschenkelamputation oder auch einer Cerebralparese. Was mit einem Mono-Ski alles möglich ist, hat Josh Dueck 2012 spektakulär bewiesen: Der nach einem Skiunfall querschnittsgelähmte ehemalige Freeskier stand den ersten Back Flip in einem Sit-Ski!

Für die Benutzung eines Mono-Skis sind allerdings ein relativ stabiler Rumpf und funktionsfähige obere Extremitäten plus Hände nötig. Die stabilere Alternative ist der Bi-Ski, der auf zwei Skiern thront und meist von einer Begleitperson gestützt und mitgelenkt wird. Der Bi-Skifahrer selbst kann sich hier so weit einbringen, wie es ihm möglich ist! Das macht den Bi-Ski zu einem äußerst vielseitigen Gerät, das bei diversen neurologischen und motorischen Einschränkungen eingesetzt werden kann.

Ähnlich dem Alpinskifahren mit Mono-Ski, kann auch beim Langlaufen ein Sitzski verwendet werden. Der Skifahrer bindet sich mit Hilfe von Gurten an einer Art Skischlitten fest. Auch hier sind ein funktionsfähiger Rumpf und eine kräftige Armmuskulatur Voraussetzung.

Stehend Skifahren mit Hilfsmitteln

Wie beim sitzenden Skilauf gibt es auch hier eine Vielzahl von Beeinträchtigungen, für die diese Art von Skifahren geeignet ist. Voraussetzung: Einigermaßen stabil auf einem oder beiden Beinen stehen können.

Für Menschen mit Unterschenkelamputation ist, mit Hilfe von Prothesen, sogar oftmals ein klassisches Skifahren oder Snowboarden möglich. Wer mit einer kompletten Beinamputation lebt, fährt auf einem Bein Ski und hilft sich mit unterstützenden Krückenskiern. Auch für Cerebralparetiker oder Menschen mit spastischer Lähmung ist Skilauf mit Hilfe von Krückenski eine Möglichkeit.

Wer auf zwei Skiern stehen, seine Beine aber schwer kontrollieren kann, dem kann mit einer Skispitzenhalterung geholfen werden. Die Halterung hält die Ski in einer festen Position und macht das Abfahren in einem kontrollierten Pflug möglich.

Blindes Vertrauen – Skifahren mit sehender Begleitung

Wer mit einer Sehbeeinträchtigung lebt, dem steht zumindest schon mal bei der Verwendung einer normalen Skiausrüstung nichts im Weg. Allerdings braucht der Skifahrer einen Begleitläufer, der das „Sehen“ übernimmt und ihn über die Piste leitet. Das funktioniert anfangs über simples An-die-Hand-Nehmen und viel Erklären, später über Zurufe, Headset, Klopfgeräusche – kurz mit jedem denkbaren Hilfsmittel, auf das sich Begleitfahrer und Sehbehinderter einigen können.

Skifahren mit geistigen Beeinträchtigungen

Skifahren mit mentalen Einschränkungen lässt sich weniger leicht in Kategorien einteilen. Möglich ist es aber definitiv auch für Menschen mit Trisomie 21, Autismus, ADS oder anderen Lernbehinderungen. Im Mittelpunkt stehen hier allerdings weniger technische Hilfsmittel, als vielmehr die Frage, wie der Bewegungsablauf beim Skifahren vermittelt und erlernt werden kann. Mit etwas psychologischem Fingerspitzengefühl und speziellen Techniken lässt sich hier viel erreichen.

Da mentale Behinderungen sehr häufig auch mit motorischen Einschränkungen einhergehen, wählt man hier das Hilfsmittel, das am geeignetsten erscheint. Krückenski, Skispitzenklemmen, Bänder und Seile – alles, was dem Betroffenen hilft, auf Skiern zu stehen und den Hang hinunter zu gleiten, ist erlaubt. Und wo kein kein selbstständiges Skifahren möglich ist, bietet ein von einem Begleiter gelenkter Bi-Ski eine tolle Alternative. Das Gefühl des Gleitens bleibt das gleiche und bereitet dem Passagier unvergleichliches Vergnügen. Vereine wie Freizeit-PSO in Schladming bieten Skiunterricht für Menschen mit den verschiedensten mentalen Behinderungen an und finden für jeden die passende Art, über den Schnee zu gleiten.

Behindertenskilauf als Wettkampfsport

Der Behindertenskilauf ist mittlerweile weit mehr als nur spaßige Freizeitbeschäftigung: Paralympische Winterspiele, Weltcuprennen, Special Olympics, Winter X-Games – um nur einige internationale Wettkämpfe für Skifahrer mit Behinderungen zu nennen.

Der Sport organisiert sich in verschiedenen alpinen und nordischen Disziplinen, wobei das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Regeln vorgibt, an die sich die meisten nationalen Verbände auch größtenteils halten. Das IPC wiederum orientiert sich am FIS-Regelwerk, das unter anderem die Kurssetzung, Torabstände oder die Skilänge für die verschiedenen Disziplinen vorgibt. Man sieht – beim Behindertenskilauf auf professioneller Ebene wird nichts dem Zufall überlassen.

Das Klassifizierungssystem: Welche Behinderungsgruppen gibt es im Wettkampf?

Wie aber wird sichergestellt, dass die Wettkampfbedingungen fair sind? Schließlich geht ein von der Brust ab gelähmter Rollstuhlfahrer mit ganz anderen Voraussetzungen an den Start eines Abfahrtsrennens als ein Skifahrer mit Sehbeeinträchtigung oder ein Oberschenkelamputierter. Die Lösung des Problems: Das Klassifizierungssystem.

Im internationalen Wettkampfsport wird in drei Arten von Behinderungen unterteilt:

  • B1 – B3: Blinde und Sehbehinderte
  • LW 1 – 9: Stehende Klassen (Amputationen, Cerebralparese, Les Autres)
  • LW 10 – 12: Sitzende Klassen (Querschnittslähmung, Spina Bifida, Cerebralparese, Amputationen…)

Vor allem in der sitzenden und stehenden Kategorie wird noch einmal präzise in Klassen unterteilt. Es besteht eben ein massiver Unterschied zwischen einem stehenden Skifahrer mit zwei amputierten Beinen und einem, dem lediglich ein Unterarm fehlt. Auch beim Querschnitt gibt es erhebliche Differenzen: Je höher die Schädigung der Wirbelsäule liegt, desto schwieriger ist es für den Skifahrer, die Kontrolle über seinen Mono-Ski zu bewahren.

Ein Faktorsystem macht die Leistungen vergleichbar

Damit in jeder der drei Kategorien eine faire Wertung möglich ist und nicht in jeder einzelnen Klasse Medaillen vergeben werden müssen, wurde zusätzlich ein Faktorsystem entwickelt. Jede Klasse wird mit einem bestimmten Faktor versehen, der am Ende alle Klassen innerhalb einer Behinderungsgruppe vergleichbar macht.

Man kann sich das im Prinzip so vorstellen, dass die Uhr während der Zeitnahme für einen stärker behinderten Skifahrer langsamer läuft als für einen geringer beeinträchtigten. So werden die Zeiten vergleichbar und am Ende kann ein Sieger ermittelt werden.

So praktisch das Faktorsystem ist, so schwierig ist es dennoch die verschiedenen Behinderungen angemessen zu kategorisieren und so sorgt das Faktorsystem immer wieder für Kontroversen.

Highlight im 4-Jahres-Takt: Die Paralympischen Winterspiele

Der bekannteste Wettbewerb im Behindertenskilaufs sind ganz klar die Paralympischen Winterspiele. Seit 1976 wird das internationale Event abgehalten. Ursprünglich waren nur alpiner und nordischer Skilauf vertreten, aber im Laufe der Jahre wurde die Liste an Sportarten und Disziplinen beständig erweitert. 2018 waren in Pyeongchang, Südkorea allein im alpinen Skilauf fünf Disziplinen vertreten: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom und Super-Kombination. Bei den nordischen Disziplinen waren beeinträchtigte Biathleten und Langläufer am Start.

Auch Snowboarder sind übrigens mittlerweile dabei: Die relativ jungen Disziplinen Boarder Cross und Banked Slalom vermischen Elemente aus klassischem alpinem Skilauf und Freestyle und sind definitiv cool anzusehen!

„Adaptive“ Outdoorsport

Nicht nur im Skilauf hat der Behindertensport mittlerweile ein festes Standbein. Auch viele andere Outdoorsportarten öffnen sich immer mehr für eine „adaptive“ Ausübung, wie es der englische Begriff so schön treffend und politisch unverfänglich umschreibt. Meisterschaften im Paraclimbing werden abgehalten, man liest von Menschen, die einbeinig Gipfel erklimmen und – für mich persönlich besonders faszinierend – auch Wellenreiten wird für Behinderte immer besser erschlossen.

Grund für diese Entwicklung ist zum einen ein immer größeres Interesse bei Menschen mit Behinderung, ihre Grenzen auszuloten. Zum anderen gibt es stärker werdende Bestrebungen in der Gesellschaft aktiv Inklusion zu betreiben und diese vor allem auch auf Bereiche auszuweiten, die als nicht zugänglich für Behinderte angesehen waren.

Die High Fives Foundation in den USA beispielsweise fördert Extremsportler, die nach einem Unfall in der Ausübung ihres Sports eingeschränkt sind, sich davon aber nicht abschrecken lassen. Kitesurfen, Wellenreiten, Paragliden, Klettern – alles ist möglich, solange man Equipment und Ausübungsform an die körperlichen Möglichkeiten anpasst.

Regeneration – Wie man den Körper dabei unterstützen kann

14. Januar 2019
Tipps und Tricks

Während im ersten Teil der Regenerationsserie beschrieben wurde, warum Regeneration im Training notwendig ist, werden in diesem Teil Maßnahmen beschrieben, die den Regenerationsprozess unterstützen.

Wie lange der Körper zur Erholung benötigt, ist hauptsächlich von individuellen Faktoren (Alter, Trainingsniveau, Ernährungs- und Ermüdungszustand) und der Art der Trainingsbelastung abhängig. Je nach Einfluss dieser Faktoren benötigt der Körper 24 bis 72 Stunden Erholung, bevor ein Training wiederholt werden sollte. Diese Zeit kann durch gezielte Maßnahmen reduziert werden. Doch welche ist die Beste?

Auch wenn es einen Durchschnitt gibt, der für viele funktioniert, so sind alle Menschen unterschiedlich und damit haben verschiedene Maßnahmen auch unterschiedlich (gute) Wirkungen. Selbst Experten sind sich mit den erforschten Regenerationsmaßnahmen und deren Wirksamkeit uneinig.

Lassen wir die Experten in ihrem Elfenbeinturm mal ruhig weiter diskutieren und machen wir uns mal daran herauszufinden, welche Methode für uns selbst die beste ist. Denn ob eine Maßnahme gut ist oder nicht, lässt sich allein über eine längere Gewöhnungsphase eruieren, eine einmalige Anwendung wird sich in der Regel weder positiv noch negativ auswirken.

Wie, was, wann, wo?

Unterschieden wird zwischen aktiver und inaktiver Regeneration. Dabei ist die aktive Regeneration zum Beispiel eine aktiv durchgeführte leichte sportliche Betätigung und die inaktive Art eine entspannende Massage. Im Folgenden nenne ich praktische und einfach durchzuführende Maßnahmen und erkläre, warum sie sinnvoll sind.

Auf jeden Fall gilt es den Zeitpunkt, an dem man die Maßnahmen durchführt, zu beachten, denn dieser ist nicht unwichtig für die etwaigen Maßnahmen:

  • direkt nach der sportlichen Belastung.
  • für den Zeitraum von etwa 24h bis 72h nach der Belastung.

Die wichtigsten Faktoren für eine effiziente Regeneration sind:

  • Cool-Down nach dem Training
  • Ausgleichen des Flüssigkeits- und Mineralverlustes
  • Wiederauffüllen der Glykogenspeicher der Muskulatur
  • Mentale und körperliche Entspannung
  • Eine gute Grundlagenausdauer
  • Ausreichend Schlaf

Aktive Regeneration direkt nach der Belastung

Sportartspezifisches „Ausklettern“

Um den Abbau von Stoffwechselprodukten zu unterstützen, die Muskeln zu lockern und um psychisch ein wenig zu entspannen, bietet es sich an nach dem Training „auszuklettern“. Hierzu kannst du zwei bis drei sehr leichte Kletterrouten machen, die nur sehr wenig anstrengend sind. Wenn du in der Boulderhalle bist, machst du 5 bis 6 leichte Boulderprobleme. So bewegst du die Muskelgruppen, welche davor belastet wurden und förderst lokal die Durchblutung. Das hilft nicht nur die Abbaustoffe weg zu schaffen, sondern auch neue Nährstoffe zur Zellregeneration zum Muskel zu transportieren.

Tipp: Zieh dir direkt nach dem Sport etwas Warmes über, um ein Auskühlen zu verhindern.

Ausdehnen

Dass das Dehnen ein viel diskutiertes Thema in der Wissenschaft ist, habe ich bereits im Artikel über das richtige Aufwärmen erwähnt. Bisher gibt es Ergebnisse, die zeigen, dass das Aufwärmen einen kleinen regenerativen Effekt haben kann, andere Methoden aber eventuell besser wirken.

Bezogen auf die Regeneration ist Ziel des Dehnens, die Muskelermüdung zu reduzieren und die Beweglichkeit wiederherzustellen. Diese Effekte sind messbar, haben meistens aber nur eine kleine Wirkung oder sind nur von kurzer Dauer. Ein sanftes Dehnen hat allerdings auch einen meditativen Effekt, der beruhigend auf das autonome Nervensystem wirkt und somit die Aktivität des Sympathikus senkt. Da es keine schädigenden Effekte gibt, liegt es an dir selbst, es in dein Cool-Down einzubauen. Wenn es durchgeführt wird, sollten die Bewegungen leicht dynamisch und schmerzfrei ablaufen.

Foamrolling

In den letzten Jahren hat die Behandlung der Muskelfaszien durch Faszien Rollen an Bekanntheit gewonnen. Aufgrund der Einfachheit und der Mobilität der Faszienrolle ist dieses Hilfsmittel sinnvoll.

Die manuelle Therapie ist vor und nach der Belastung anwendbar und kann die Leistungsfähigkeit, als auch die Regeneration fördern. Als regenerative Maßnahme hat sie eine Wirkung auf die Muskelermüdung, doch die aktuelle Studienlage zeigt, dass nicht jeder von dieser Behandlung profitiert. Wichtiger ist auch hier, dass keine nachteiligen Effekte der sportlichen Leistungsfähigkeit durch diese Behandlung bekannt sind. Die Wirkung dieser Massagemethode auf Faszien gilt als gesichert.

Ein gut funktionierendes Faszien Gewebe unterstützt die Muskulatur bei der Kraftentwicklung und erlaubt den Muskelfasern besser zu gleiten. Somit ist eine Behandlung in diesem Zusammenhang äußerst sinnvoll. So kann jeder für sich selbst herausfinden, ob diese Methode funktioniert.

Aktive Regeneration am Restday

Sportartunspezifische Ausdauerbelastung

So ein Tag ganz ohne Aktivität ist doch langweilig, oder? Das schöne ist, dass du mit anderen Sportarten deine Regeneration unterstützen kannst. Hierzu empfiehlt sich eine leichte Ausdauerbelastung, wie zum Beispiel Schwimmen, Laufen oder Radfahren. Alternativ sind auch leichte Belastungen mit Übungen aus dem Bereich des Yoga oder der Gymnastik sinnvoll. Durch diese Aktivität steigerst du die Stoffwechselaktivität und die Muskeldurchblutung. Gleichzeitig gibt dir eine andere Sportart auch etwas Abwechslung zur gewohnten Kletterbewegung.

Eine Regenerationseinheit sollte mindestens 20 Minuten bis maximal 60 Minuten dauern und eine geringe Intensität aufweisen (z. B. nur so schnell Laufen, dass du dich noch unterhalten kannst).

Eine Geheimwaffe zur Regeneration ist das Schwimmen, denn hier treffen, durch den Wasserdruck und die meist niedrige Wassertemperatur, die zwei Effekte aufeinander. Durch den externen Druck, der auf den Körper ausgeübt wird, werden Abbaustoffe besser abtransportiert und die Schädigung der Muskulatur reduziert. Gleichzeitig hat die Reduktion der Hauttemperatur eine schmerzlindernde Wirkung und hilft bei der Regeneration der Muskelfunktionen.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Ein Vorteil von Ausdauersportarten ist, dass sie die Grundlagenausdauer verbessern. Auch wenn wir Kletterer keinen Marathon laufen, ist eine gut ausgebildete Grundlagenausdauer förderlich. Denn sie ist ein Zeichen für ein gut ausgebildetes Herz-Kreislaufsystem und eine optimierte Blutversorgung der Muskulatur. Damit verbessert sich die Regenerationsfähigkeit des Körpers nicht nur zwischen den Trainingseinheiten, sondern auch in Rastpositionen einer Route oder zwischen den einzelnen Versuchen.

Ob du eine gute Grundlagenausdauer hast lässt sich an sich nur durch eine sportmedizinische Leistungsdiagnostik ermitteln, aber ein niedriger Ruhepuls (unter 60 Schlägen pro Minute) ist ein Indikator.

Passive Regenerationsmaßnahmen

Wechselbäder/-duschen

Im Profisport sind Eisbäder und die Kryotherapie gängige Methoden. Da aber nicht jeder eine Regentonne voll Eis oder eine Kältekammer mit bis zu -50 °C zu Hause hat, muss man zur Alternative greifen. Dazu eignet sich eine kalte Dusche oder die etwas angenehmere Wechseldusche. Durch warmes Wasser erhöht sich die Gewebetemperatur, erweitern sich die Gefäße und steigt schließlich der Blutfluss an.

Aufgrund der geweiteten Blutgefäße kommt es bei etwaigen Hämatomen zu einer Verstärkung der Problematik: es sammelt sich mehr Blut im Gewebe und Entzündungen können sich verstärken. Bei kaltem Wasser sinkt die Hämatomneigung, denn es wirkt gefäßverengend. Eine Kombination der beiden Methoden sorgt für eine Wechsel zwischen einer Weitung und Verengung der Blutgefäße.

Bei der Anwendung der Wechseldusche solltest du 1 bis 2 Minuten bei einer niedrigen Wassertemperatur (8 – 15 °C) und darauffolgend 1 bis 2 Minuten bei einer hohen Temperatur (38 – 42 °C, etwa handwarm) duschen. Dabei kannst du das Procedere mit zwei bis vier Wiederholungen lokal oder über den ganzen Körper durchführen. Für eine Behandlung des gesamten Körpers ist es sinnvoll von den Beinen beginnend über den Körper zu brausen und dann erst Nacken-/Schulterbereich zu behandeln.

Tipp: Wenn du die Behandlung am Abend durchführst, kann dir eine niedrige Temperatur zum Abschluss dabei helfen besser einzuschlafen. Angst vor der Kälte? Weitere Informationen zum Thema Kälteempfinden/-training findest du im Artikel Zelten im Winter – Das umfassende Kältetuning.

Kälte:

  • wirkt gefäßverengend und reduziert so Hämatome.
  • reduziert die neuromuskuläre Leitfähigkeit und hat somit eine schmerzlindernde Wirkung.
  • erhöht die Stoffwechselaktivität und fördert somit den Abtransport von Stoffwechselprodukten in der Muskulatur.

Wärme:

  • wirkt gefäßerweiternd und fördert so die Durchblutung und die Stoffwechselaktivität.
  • entspannt die Muskulatur.
  • fördert die psychische Entspannung.

Kalte Handbäder

Wem die Wechseldusche dann doch zu extrem ist, kann zumindest einen der am meisten belasteten Körperteile im Klettern lokal behandeln. Dazu kannst du einfach eine Schüssel mit Wasser und Eiswürfeln füllen, sodass ungefähr eine Temperatur zwischen 8 °C und 15 °C entsteht. Die Temperatur hast du ungefähr getroffen, wenn der Zeitraum im Wasser nicht als schmerzhaft empfunden wird. Es wird empfohlen 4-Mal hintereinander über 4 Minuten die Arme/Hände ins Wasser zu halten und dazwischen eine Pause von 2 Minuten einzuhalten.

Sauna

Wer nach 10 Minuten die Sauna verlässt, hat meist eine ziemlich rote Färbung. Das liegt an der gefäßerweiternden Wirkung der Wärmebehandlung. Dabei öffnen sich nicht nur die Gefäße der Haut, sondern auch die in der Muskulatur. Durch den verstärkten Blutfluss gelangen mehr Nährstoffe und Sauerstoff in die Muskelzellen und fördern damit die Zellerneuerung. Gleichzeitig erhöht sich die Atem- und Herzfrequenz, was diesen Effekt durch einen verbesserten Sauerstofftransport positiv beeinflusst.

Wie auch schon bei der Wechseldusche erwähnt, hilft die Wärme die Muskulatur zu entspannen – was wir auch psychisch als entspannend wahrnehmen. Wer danach noch in das Eisbad „hüpft“ sorgt für einen kleinen Gefäße schnell verschließen lässt und trainiert die kleine Muskulatur unserer Gefäße.

Wer bis vor kurzem noch krank war, sollte die Sauna jedoch meiden.

Kompressionskleidung

Der Kompressionseffekt übt einen Druck aus, der dem des Wasserdrucks ähnlich ist und somit eine vergleichbare Erholung bewirkt. Um diesen Effekt zu erreichen, sollte die Kompressionskleidung allerdings für mindestens 12 Stunden getragen werden.

So entspannt es klingt, Kompressionskleidung zu tragen, erweist sich diese Regenerationsmaßnahme allein nicht als ausreichend und sollte nur als Ergänzung zu anderen Maßnahmen genutzt werden. Neben der Kompressionskleidung gäbe es noch die etwas extremere Variante des Flossing. Hier werden Körperteile mit starken Kompressionsbandagen für kurze Zeit so stark abgeschnürt, dass der Blutfluss für einen kurzen Zeitraum vollständig unterbrochen wird. Sobald die Bandage wieder abgelegt wird, wird das Gewebe sozusagen mit „frischem“ Blut und Flüssigkeit geflutet und für einen kurzen Zeitraum besser durchblutet.

Schlaf und Power-Naps

Diese schöne Aktivität spielt in unserem Leben eine sehr große Rolle. Wenn wir nicht ausreichend geschlafen haben können verschiedene Konzentrations- und Wahrnehmungsprobleme entstehen, die einem Alkoholrausch ähnlich sind. Während der Schlafenszeit ist der Körper deutlich aktiver als man vermuten würde. Eine Schlüsselrolle spielt die vermehrte Ausschüttung von Wachstumshormonen, welche für Muskelaufbau und -regeneration wichtig sind. Aber auch für die psychische, kognitive und zentralnervöse Regeneration laufen im Schlaf viele Prozesse ab. Diese Gründe machen den Schlaf zu der wichtigsten Regenerationsmaßnahme für jeden Sportler.

Man sollte darauf achten, eine Schlafenszeit von etwa 7 bis 9 Stunden pro Tag einzuhalten. Wie viel Schlaf du brauchst, hängt von Alter, genetischen Einflüssen und der Jahreszeit ab. Dieser sollte dann auch im besten Fall eine hohe Qualität aufweisen. Denn man unterscheidet erholsamen Schlaf von nicht erholsamem Schlaf. Faktoren wie die Raumtemperatur (15 – 18 °C) und absolute Dunkelheit im Schlafbereich haben einen großen Einfluss darauf, ob man gut ein- und durchschlafen kann.

Bei Schlafmangel zeigt sich ein geringerer Wert an Wachstumshormonen und ein erhöhter Wert an katabolen (also „abbauenden“) Hormonen, die dem Muskelwachstum und der Regeneration schaden. Ebenfalls steigen die Entzündungswerte sowie die Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Folgen sind: Schlechtere Kraftentwicklung der Muskulatur, reduzierte Energiespeicher und geminderte kognitive Funktionen.

Neben einer erholsamen Nacht kommt dem viel belasteten Körper ein 20-minütiger Powernap (5 Minuten zum Einschlafen und 15 Minuten Schlafzeit) sehr entgegen.

Die passende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr

Grundsätzlich ein Thema, für einen eigenen Artikel! Die Ernährung stellt allerdings einen essenziellen Beitrag in der Thematik der Regeneration dar, weshalb ich hier ein paar kurze Worte darüber verlieren möchte.

Während dem Training verbraucht der Körper viele verschiedene Ressourcen, um seine Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dazu gehören Flüssigkeit, Energieträger und Nährstoffe, die je nach Art und Dauer der Belastung schon während oder erst nach der Belastung wieder zugeführt werden müssen. Der Wasser- und Mineralverlust sollte schon während langer sportlicher Aktivität ausgeglichen werden. Wichtig ist es schon zu trinken bevor das Durstgefühl aufkommt.

Mit Saftschorlen in einem Verhältnis von einem Teil Saft zu drei Teilen Wasser hat man einen Sportdrink, der den Bedürfnissen des Körpers ganz gut gerecht wird. Softdrinks bringen durch ihren hohen Zuckergehalt nur Energie und können weder den Flüssigkeits- noch den Mineralverlust ausgleichen. Nach dem Sport sind neben der Rehydrierung auch die Füllung der Muskelglykogenspeicher über kohlenhydrathaltige Speisen wichtig – und zwar sehr zeitnah, vor allem nach einer anstrengenden Trainingseinheit. Auch die Proteinzufuhr sollte natürlich nicht außer acht gelassen werden.

Als praktischer Grundsatz zur Wahl der Nahrungsmittel sollten naturbelassene und unverarbeitete Produkte gewählt werden. Allgemein förderlich ist auch die Aufnahme von Lebensmitteln mit einem hohen Antioxidatiengehalt, um dem sogenannten oxidativen Stress entgegenzuwirken. Zu diesen gehören vor allem dunkelrote Früchte wie Sauerkirschen oder Beeren. Aber auch Gewürze wie Zimt, Kurkuma oder Ingwer wirken auf verschiedenste Arten entzündungshemmend und regenerationsfördernd. Wer Nahrungsergänzungsmittel in Erwähnung zieht, sollte bedenken, dass sie niemals eine gute Ernährung ersetzten können.

Alkohol – Das wohlverdiente Feierabendbier!?

Ist das „wohlverdiente“ Bier nun gut (weil „isotonisch“) oder ist die Wirkung des per se Alkohols schlecht? Zwar wirkt Alkohol entspannend, seine Einstufung als Zellgift ist jedoch eher ungünstig für die Regeneration. Denn sobald man Alkohol zu sich nimmt, den der Körper als Gift wahrnimmt, wird alles auf den Abbau dieses Stoffes umgestellt. Das bedeutet, dass andere Systeme zurückstecken müssen. Die Fettverbrennung wird eingestellt, weil Abbauprodukte des Alkohols zur Energiebereitstellung geeignet sind. Gleichzeitig wird durch den Konsum das Stresshormon Cortisol stärker ausgeschüttet und die Testosteronproduktion zurückgestellt. Das stoppt nicht nur den Muskelaufbau, sondern fördert sogar den Abbau von Muskelzellen.

Wenn wir Alkohol am Abend genießen schlafen wir schneller ein, aber…! Der Einfluss von Alkohol auf das zentrale Nervensystem beeinflusst die Abfolge und Dauer der Schlafphasen. Direkt nach dem Einschlafen fallen wir in den Tiefschlaf anstatt in eine kurze REM-Schlafphase, in der sich vor allem das Gehirn am besten regeneriert. Die spätere REM-Phase ist dann auch unruhiger und weniger tief als sie es ohne Alkoholeinfluss wäre. Da Alkohol dem Körper Flüssigkeit entzieht, müssen wir nachts auch häufiger auf die Toilette und können nicht richtig durchschlafen. Somit wirkt sich Alkohol doch sehr störend auf die Regenerationsfähigkeit des Körpers aus. Gegen ein Bier oder ein Glas Wein sollte dennoch nichts sprechen, in Gemeinschaft mit Freunden tut das dann auch der Seele gut.

Das war nun Teil 2 unserer kleinen Regenerationsserie. Wenn du Fragen hast kannst du diese gerne in den Kommentaren hinterlassen! Und falls du den ersten Teil noch nicht gelesen hast, führen wir dich mit einem Klick auch gerne dorthin.

Ein Blick hinter die Kulissen bei Metolius

12. Januar 2019
Die Bergfreunde

Vom Highway biegen wir in ein unscheinbares Industriegebiet der Kleinstadt Bend im US-Bundesstaat Oregon. Irgendwo im Nirgendwo, wäre nicht das Weltklettergebiet Smith Rock gleich um die Ecke. Unterarme und Fingerkuppen brennen schon vom Klettern, da kommt die Firmenführung bei der amerikanischen Kultfirma Metolius wie gerufen.

Nach unzähligen Abzweigungen erreichen wir eine lange, in die Tage gekommene Halle mit hölzernen Dachschindeln. Keine Banner, keine Logos, nur ein kleiner Aufkleber an der Tür zum „Office“ lässt uns wissen, dass wir hier richtig sind. Das „Worldheadquarter“ von Metolius hat irgendwie Charakter. Ein deutliches Understatement, vielleicht eine Aussage… schließlich kommt es (wie beim Kletter-Equipment) auf den Inhalt an, nicht auf die Verpackung.

Von Kletterern für Kletterer

Eine Klingel gibt es nicht, die Tür ist nur angelehnt, also so treten wir ein. In einem kleinen Büro sitzen zwei Mitarbeiter – Marketingabteilung und Verkauf. Auf dem Schreibtisch stehen Hundeleckerlies anstatt einer Box Süßigkeiten wie in unseren Breiten – „um unsere Security bei Laune zu halten.“

In den nächsten 5 Minuten lernen wir mit Doug und Kent zwei der sechs Gründungsmitglieder von Metolius kennen. Die Firma ist nicht nur inhabergeführt, für Amerika völlig untypisch arbeiten die meisten Mitarbeiter seit vielen Jahren (wenn nicht sogar seit der Firmengründung im Jahre ’83) hier.

„Wir sind nur von einer kleinen Garage in eine etwas größere umgezogen“, scherzt Geschäftsführer Chip Miller. An der Wand zeigt er Fotos und Produkte von damals, „slider nuts“ (verstellbare Keile) sowie Friends mit flexiblem Steg. „Es brauchte aber nicht nur innovative Sicherungsmittel,“ erklärt uns Chip die Bedeutung von Metolius in Zusammenhang mit der amerikanischen Geburtsstunde des modernen Sportkletterns im nahegelegenen Smith Rock. „Es gab damals noch nicht einmal vernünftige Klettergurte!“ Und damit viel Potenzial für innovative Produkte: Metolius produzierte was die Kletterer brauchten. Zu 100% von Kletterern für Kletterer. „Jeder in unserer Belegschaft ist oder war Kletterer auf höchstem Niveau“, erzählt Chip, selbst Spitzenkletterer, Steilwandskifahrer und Bikeprofi. Bis heute bewirbt man sich bei Metolius am besten mit einem exzellenten Ruf in der Kletterszene.

Qualität statt Quantität

„Genug Geschichte, auf zur Rundtour.“ Noch nie hatte ich mir Gedanken über die Herstellung von Klemmgeräten gemacht, vielleicht bin ich deshalb so überrascht vor einem Regal mit Aluminiumstangen zu stehen? Schon erblicken die enttäuschten Augen hinter ein paar Fräsmaschinen riesige Wannen voller Klemmsegmente, was sich anfühlt wie Weihnachten.

„Wir sind die Einzigen, die Klemmsegmente fräsen, anstatt sie zu pressen oder zu gießen“, erklärt Chip stolz das Besondere an diesem Fertigungsverfahren. Nur so sei garantiert, dass die Segmente selbst nach vielen Jahren und wiederholtem Einsatz nicht brechen. Danach werden die Rohlinge gerüttelt, geschüttelt und poliert bis sie runde Kanten haben und glänzen.

Wir betreten den Bereich, wo Klemmgeräte zusammengebaut werden. Ein Mitarbeiter sitzt mit Rasierklinge und Kerze an einem Pult, schneidet und verödet Kevlarstücke für den Seilzug. Ein Anderer führt diese durch Klemmsegmente und verklebt sie, immer in einem Batch von 100 Stück. Es wird geschnitten, gezwickt, geklebt, getrocknet. Nirgends Fließbänder, Maschinen oder Roboter – alle Einzelschritte in aufwendiger Handarbeit!? Nach jedem Schritt wird jedes Stück kontrolliert und geprüft. Die Verblüffung ist groß, denn wie kann sich die Herstellung so rentieren? „Qualität über Quantität„, zwinkert Chip mir zu.

Wir klettern am Fels und nicht im Testlabor

Wenn einer weiß, wovon er redet, dann Chip. Mit diesen Worten bewegen wir uns in Richtung Test-Station. Hier wird zerstört, was nebenan gefertigt wird. Es fetzen Schlingen und es krachen Karabiner. Eine Maschine belastet Einzelstücke aus jedem Batch bis zur Zerstörung und kontrolliert die maximal erreichten Kräfte, um den Normen zu entsprechen. Je nach Produkt bedeutet das einen destruktiven Test von je 100 bis 200 Stück.

Mit einem lauten Knall fliegen die Zugarme der Maschine auseinander, ein Karabiner schaut nicht mehr „gesund“ aus. Beruhigend zu wissen, dass selbst im schlimmsten Szenario nie solche Kräfte wirken, wie gerade eben. „Wobei Friends im Fels ohnehin nicht brechen, sondern ausreißen!“ erklärt Chip. Deshalb vertraut man bei Metolius lieber auf einen wohl durchdachten Aufbau der Klemmsegmente: der geringe Winkel und die breite Fläche führen im Sturzfall zu einer deutlich höheren Haltekraft und größeren Auflagefläche und somit zu einer höheren Sicherheit. „Vorausgesetzt der Cam ist gut gelegt!“ Eine Farbskala soll helfen: das Farbschema der Ampel zeigt, ob ein Friend zu offen gelegt und im Sturzfall ausreißen könnte.

Wir stehen mittlerweile vor langen Stangen mit bunten Friends und Keilen aller Größen… und wünschten jetzt dieses Arsenal in unseren Keller herüber beamen zu können.

Leben und leben lassen

Mit dem Satz „Übrigens alles ‚Made in USA‘„, führt uns Chip in den nächsten Raum, wo er stichprobenartig den Aufdruck der Rollen mit Bandmaterial überprüft. „Darauf sind wir sehr stolz.“ Gleich nebenan rattern die Nähmaschinen. Hier entstehen Schlingen, Standplatzschlingen, Steighilfen und vieles mehr. Unter Anderem die berühmten Metolius Portaledges, von denen zwei Exemplare an einer langen Wand lehnen. „Wir könnten viel mehr davon verkaufen, aber sie zu fertigen ist irre aufwendig und uns fehlt schlichtweg die Zeit“ – so erklärt Chip warum die heiß begehrten Metolius ‚Biwaks‘ vergleichsweise schwer zu bekommen sind.

„Dort hinten ist übrigens der Fluss namens Metolius, nach dem die Firma benannt ist“, zeigt Chip in die Ferne. Unsere Blicke fallen über eine Tischtennisplatte zum Horizont und wieder zurück zur Tischtennisplatte. „Manchmal muss man sich zwischendurch einfach mal die Hände lockern.“

Leben und leben lassen. „Leider werden viele unserer Ideen kopiert und dreist als eigene Innovation vermarktet“, schimpft Chip. Die Firmeneigentümer hingegen sehen das lockerer. Wer auf so viele gute Ideen und Produkte zurückblickt, kann gelassen bleiben: den flexiblen Schaft an Klemmgeräten, das Campusboard oder die 45 Grad überlappenden Kanten am Crashpad, um nur einige zu nennen…

Friends forever

Zurück im Office stehen plötzlich zwei Männer in der Tür. „Ich wollte diese alten Cams überholen lassen, aber der Versand wäre teurer gekommen, als sie persönlich vorbei zu bringen…“ In der Hand hält er einen Strauß Klemmgeräte, die in meinen Augen eher ins Museum als an den Klettergurt gehören. Wider erwarten nimmt Kent die „Bestellung“ an – „einmal rundum erneuern mit Austausch der Zugseile, erneuern der Bandschlingen und polieren der Klemmsegmente, kostet 8 Dollar je Stück und ist nächste Woche fertig.“ Nachhaltiger geht es fast nicht. Und wieder fragen wir uns, wie sich das für die Firma rentieren kann – aber wir haben ja bereits gelernt, dass es darum nicht geht.

„Wollt ihr nicht ein paar Hexentrics mitnehmen?“ fragt Kent die beiden Kunden. „Wie wär’s mit einem T-Shirt? Und einem Campusboard?“ Die zwei Männer verlassen mit vollen Händen und einem breiten Lächeln das Metolius Worldheadquarter.

So unscheinbar das Gebäude von außen aussieht, das Innere hat sich als wahre Perle entpuppt. Selten findet man in der heutigen Zeit noch Firmen, bei denen Sport und Mensch derart im Vordergrund stehen. Metolius ist ein Haus mit Seele, eine Mannschaft voller Leidenschaft und Produkte, die auf die Bedürfnisse von Kletterern zugeschnitten sind.

Regeneration – Essenziell für (d)ein perfektes Training

9. Januar 2019
Tipps und Tricks

Eine berühmte Aussage von Wolfgang Güllich lautet: „Genügend Kraft ist ein Zustand, den es gar nicht gibt“. Was hierbei häufig außer Acht gelassen wird, ist die Meinung des Sportkletterpioniers zu einem richtigen Verhältnis von Belastung und Erholung. Schon damals sprach er von Kletterern die „… hoch motiviert wesentlich zu viel trainieren, als zu wenig“.

Auch heute, so scheint mir, ist diese Aussage hoch aktuell und das gilt nicht nur für den Klettersport. Denn Fakt ist, dass wir mit einem Training dem Körper Belastungen aussetzen, von denen er sich wieder erholen muss. Sind diese Belastungen richtig gesetzt kommt es zu einer Leistungssteigerung. Sind die Belastungen zu hoch und die Pausenzeiten zu kurz, sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern es steigt auch die Anfälligkeit für Verletzungen und Infektionen.

Die Regenerationsphase ist für unseren Körper wichtig und sie ist nötig um die Kraftleistung zu verbessern. Warum Regeneration wichtig ist und nicht immer etwas damit zu tun hat die Beine hochzulegen, erfährst du in dieser Serie bestehend aus zwei Artikeln. Teil 1 befasst sich mit dem Zusammenhang von Belastung und Erholung. In Teil 2 erfährst du was du alles tun kannst um deinen Körper bei der Regeneration zu unterstützen.

Der optimale Grat zwischen Belastung und Erholung

Wie ihr aus eigener Erfahrung wisst, erschöpft der Körper während des Trainings. Diese Erschöpfung „zeigt“ unserem Körper, dass es notwendig ist sich in Zukunft für solche Fälle besser „vorzubereiten“. Dem Training folgt eine Phase der verminderten Leistungsfähigkeit, auf die der Körper mit bestimmten Anpassungen reagiert.

Damit diese Anpassungsreaktion ausgelöst wird, ist es notwendig innerhalb des Trainings den richtigen Reiz zu setzen. Erreichen wir einen Reiz, der genau dem Leistungslevel entspricht oder darunter liegt, folgt keine Leistungsverbesserung. Allein ein „überschwelliger“ Reiz sorgt für eine Anpassungsreaktion, die zum Großteil erst nach dem Training, in der Erholungsphase, stattfindet. Der Körper verbessert sich dabei über das vorherige Niveau hinaus, so dass man für einen kurzen Zeitraum leistungsfähiger ist als zuvor. Das nennt sich in der Trainingswissenschaft „Superkompensation“. Nach diesem Prinzip ist es wichtig, kurz vor der vollständig abgeschlossenen Regeneration wieder mit dem Training zu beginnen und die Trainingsintensität über die Zeit zu steigern.

Ist die Pause zu kurz, befindet man sich noch nicht im Bereich der Superkompensation. Zu diesem Zeitpunkt kann nicht mit der gewünschten Intensität trainiert werden, was einen nicht ausreichenden Trainingsreiz bedeutet. Werden nun über einen längeren Zeitraum die Pausenzeiten zu kurz gestaltet oder mit einer zu hohen Intensität trainiert, sinkt nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern es steigt auch das Risiko für eine Überlastung. Dabei kann es auch zu einem Übertrainingssyndrom kommen.

Da der Grat zwischen Unter- und Überlastung sehr schmal ist, ist es wichtig zu wissen wann ein Training zu intensiv und zu häufig durchgeführt wird. Die Belastbarkeit des Körpers ist dabei nicht allein von dem Ermüdungszustand abhängig, sondern wird auch durch Alter, Trainingserfahrung, Alltagsstress und Krankheit bestimmt. Damit das Training häufiger und intensiver gestaltet werden kann, ist es sinnvoll die Erholung mit gezielten Maßnahmen zu unterstützen.

Um sich durch das Training langfristig zu verbessern, ist es notwendig:

  • Den passenden Trainingsreiz zu wählen.
  • Das Training langsam zu steigern.
  • Erholungsphasen einzuhalten.

Ermüdung zeigt sich in

  • einem Empfinden, dass bei gleichem Kraftoutput der Anstrengungsgrad deutlich höher ist.
  • einer reduzierten physischen und psychischen Leistungsfähigkeit.

Darf ich auch trainieren, wenn ich krank bin?

Bei Infektionserkrankungen, besonders mit grippalem Infekt, ist das Training problematisch und wird nicht empfohlen. Denn die Ermüdung, die durch das Training hervorgerufen wird, betrifft auch das Immunsystem. Es ist nach der sportlichen Belastung geschwächt. Die Erreger, die bereits Teile des Körpers befallen haben, haben so ein leichtes Spiel in weitere Teile des Körpers einzudringen, auch noch kurz nach der Genesung.

Als „worst case“ gilt die Herzmuskelentzündung (Myokarditis), welche aufgrund der bereits bestehenden Erkrankung schwerer zu diagnostizieren ist. Je nach Grad der Entzündung kann sie eine Herzschwäche oder schwere Herzrhythmusstörungen auslösen. Dann besteht sogar die Gefahr eines plötzlichen Herztodes. Wenn man das so liest, sitzt man die Erkrankung lieber bei einer Tasse Kaffee und einem leckerem Stück Kuchen aus, oder?

Nicht nur die Muskulatur braucht eine Pause – Ist das Superkompensationsmodell richtig?

Die oben beschriebene Superkompensation ist ein typisches Erklärungsmodell für die Trainingsgestaltung. Doch das Modell ist nicht perfekt, da es sich nur auf die Glykogen-Speicher der Muskulatur bezieht. Damit sind die Belastungs- und Regenerationswerte des Superkompensationsmodells allein auf einen kleinen Teil des Muskelsystems und dessen Belastbarkeit bezogen, das der Dynamik von körperlichen Anpassungsprozessen nicht gerecht wird. Denn das Muskelsystem kann auch nur richtig arbeiten, wenn die weiteren Systeme auch funktionieren. Dazu gehören unter anderem das neuromuskuläre System, das endokrine System (Hormonsystem) und das autonome Nervensystem. Dennoch gibt das grundlegende Prinzip der Superkompensation einen guten Anhaltspunkt zur eigenen Trainingssteuerung.

Damit die nötigen Funktionen den aktuellen Anforderungen von Belastung und Energieverbrauch erhalten bleiben, durchlaufen alle Systeme in unserem Körper einen Zyklus der Belastung und Regeneration, sowie des Gewebeabbaus und -aufbaus. Dieser Zyklus ist bei keinem der Systeme gleich und so kann es schnell zu einem Ungleichgewicht zwischen Belastung und Erholung kommen. In einem starken Ermüdungszustand eines dieser Systeme ist der Körper nicht leistungsfähig. Dann kann nicht mit der nötigen Intensität trainiert werden, die Leistung stagniert und langfristig hat es eben auch den Effekt einer gesundheitlichen Schädigung. Dieser Gesundheitsschaden senkt Lebensqualität und damit auch den Spaß am Sport.

Doch auf welche Weise werden diese Systeme belastet und woran erkenne ich, dass ich von meinem Körper zu viel erwartet habe?

Ermüdung des Muskel-Skelett-Systems

Ein Training ermüdet die Muskulatur. Die Ermüdung kann aufgrund mechanischer (siehe Muskelkater), metabolischer (Anhäufung von Laktat) oder oxidativer (Veränderung des Elektrolythaushalts des Muskels, Freie Radikale) Ursachen entstehen.

Die Ursachen sind jeweils ein Auslöser für verschiedene Schädigungen und somit des Leistungsverlusts im Training; gleichzeitig sind sie Auslöser verschiedener Anpassungsreaktionen in der Muskulatur. Wie stark diese Ermüdung/Schädigung ist, hängt in der Regel von Art und Umfang der Belastung ab.

Was ist Muskelkater?

Muskelkater wird durch mikroskopisch kleine Verletzungen des Muskels verursacht und nicht aufgrund der Laktatanhäufung. Laktat ist ein Nebenprodukt, das entsteht, wenn der Muskel ohne die Hilfe von Sauerstoff Energie aus Kohlenhydraten gewinnt. Die Laktatanhäufung zeigt sich darin, dass der Muskel beginnt zu „brennen“. Die Ursachen für die kleinen Verletzungen der Muskulatur sind ungewohnte Belastungen und exzentrische (nachgebende) Muskelkontraktionen.

Typischerweise spürt man den Muskelkater nicht direkt nach der Belastung/dem Training, sondern erst 24 bis 48 Stunden danach. Der Schmerz verschwindet spätestens nach 4 Tagen wieder, wobei der entzündliche Prozess sogar noch mehrere Wochen anhalten kann, auch wenn wir den Schmerz nicht mehr spüren. Diese Muskelschädigung ist zwar, durch den Muskelkater, etwas schmerzhaft, signalisiert dem Körper aber gleichzeitig die Notwendigkeit der Regeneration, welche dann in Form der Muskelproteinsynthese (Muskelaufbau) stattfindet.

Mit einem sorgfältig durchgeführten Aufwärmprogramm und regenerationsunterstützenden Maßnahmen kann man die Intensität des Muskelkaters eindämmen, jedoch nicht gänzlich verhindern. Somit stellt sich die Frage, ob man mit Muskelkater trotzdem trainieren kann. Die Antwort darauf lautet klar „Ja“ – sofern nicht das Training durchgeführt wird, das zum Muskelkater geführt hat. Gegen eine leichte Belastung anderer Art spricht jedoch nichts.

Zentralnervöse Ermüdung

Wenn wir uns sportlich bewegen erhöht sich die Aktivität unseres sympathischen Nervensystems. Es reguliert Körperfunktionen, die den Körper in eine erhöhte Leistungsbereitschaft versetzen (Kampf- oder Fluchtreaktion), wie beispielsweise die Erhöhung der Herzfrequenz. Das ist auch gut so, denn so sind wir in der Lage sportliche Leistung zu bringen. Da aber das parasympathische Nervensystem (Ruhezustand) die regenerativen Prozesse steuert, ist es notwendig nach der Aktivität wieder „runterzukommen“.

Wie lange das autonome Nervensystem benötigt, um nach der Belastung auf den Normalzustand zurückzukehren, hängt von der Art und der Dauer der Aktivität ab. Die Umstellung von Leistungsbereitschaft in den Ruhezustand dauert nach hoch intensiven Belastungen (Maximalkrafttraining) länger als nach weniger intensiven Belastungen (Ausdauertraining). Mit Entspannungstechniken kann man auf das parasympathische Nervensystem gezielt einwirken.

Psyche und das endokrine System

Wer schon einmal ein schweres Projekt getoppt hat, kennt den Zustand der vollen Euphorie. Man sprüht vor Energie, obwohl man kurz davor noch den Körper bis zur Leistungsgrenze gebracht hat. Dies ist ein Beispiel dafür wie sehr die Hormone unseren Körper beeinflussen. Hormone werden als Reaktion auf bestimmte Situationen ausgeschüttet. Wie stark diese Reaktionen ausfällt ist von der Wahrnehmung und dem Umgang mit der Situation abhängig. So sind Nervosität und Ängste typische Reaktionen, die, durch die eigene Interpretation, unterschiedliche psychische und hormonelle Wirkungen haben. So kann Alex Honold die 1500 m des Half Dome im Free Solo klettern und wir schaffen es, unter höchster Anspannung, gerade so zum ersten Haken.

Doch nicht nur Klettersituationen haben diese Wirkung. Auch in Situation auf der Arbeit, in persönlichen Beziehungen oder durch intensives Lernen werden je nach Stressempfinden Stresshormone (Cortisol, Adrenalin und Co.) ausgeschüttet. So geraten wir häufiger in einen Zustand der erhöhten Leistungsbereitschaft als es uns bewusst ist.

In Bezug auf die Regeneration beeinflussen Stresshormone die Wundheilung negativ. So kann beispielsweise eine Sehne den Stress der Trainingsbelastung kompensieren, jedoch beeinflussen Stresshormone auch im Alltag die Wundheilung dieser Sehne. Irgendwann hält die Sehne diesen Belastungen nicht mehr stand und reißt. Auch wenn Cortisol eine entzündungshemmende Wirkung hat macht allein „die Dosis … das Gift“. Ist der Cortisolspiegel zu hoch so werden zur Energiebereitstellung alle Reserven, auch die Muskulatur, abgebaut. Somit sollten wir uns bewusst machen, dass wir uns von all diesen Situationen erholen müssen.

Die gute Nachricht ist, dass Stress bis zu einem gewissen Grad reine Wahrnehmungssache ist und durch einen proaktiven Umgang (Stresswahrnehmung und -verarbeitung) die individuelle Reaktion darauf gesenkt werden kann.

Was ist das Übertrainingssyndrom?

Wenn die Leistung einmal stagniert, neigt man als Sportler zu einer Erhöhung der Trainingsintensität und -häufigkeit. Meistens folgt darauf eine weitere Senkung der Leistungsfähigkeit und der Teufelskreis ist geboren. Das Training wird weiter gesteigert, um das Leistungsziel zu erreichen. Aufgrund des vielen Trainings bleibt keine Zeit für eine Pause, wodurch am Ende allein der Grad der Erschöpfung steigt.

Wer die nötige Pausenzeit über mehrere Wochen ignoriert wird nicht stärker, sondern gerät höchstwahrscheinlich in das sogenannte Übertrainingssyndrom. Dieser Zustand zeigt sich in einem anhaltenden Erschöpfungszustand, der dann trotz langer Pausenzeiten anhält und häufig auch von psychischen Symptomen begleitet wird. Neben der fehlenden Leistungsfähigkeit ist der Körper deutlich anfälliger für Verletzungen und Infektionskrankheiten. In diesem Fall sollte man sich eine längere Auszeit von der Sportart gönnen und langfristig nach einem Ausgleich und der richtigen Trainingsdosis suchen.

Bei einem Übertraining treten mehrere der folgend aufgezählten Symptome auf:

  • Depressive Verstimmungen
  • Generelle Apathie
  • Emotionale Instabilität
  • Leistungsminderung trotz Training
  • Innere Unruhe
  • Gereiztheit
  • Schlafstörungen
  • Training wird als Stress empfunden
  • Appetitlosigkeit
  • Verstärkung von Krankheit, Kopfschmerz oder Allergien
  • Antriebslosigkeit – Verlust der Trainingsmotivation

Falls ein Verdacht besteht ist eine ärztliche Untersuchung notwendig!

Woran kann ich erkennen ob ich mal eine Pause machen sollte?

Den aktuellen Ermüdungszustand kann man anhand zweier Tests ermitteln. Damit die Daten dieser Tests ausgewertet werden können sollten sie über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden. Nur so kann man per kleiner Selbstdiagnose ermitteln ob man an dem gegebenen Tag ein hartes Maximalkraft-/Kraftausdauertraining machen kann oder vielleicht doch lieber eine der schonenden Regenerationsmethoden durchführt, wie sie im zweiten Teil beschrieben werden.

Beide genannten Messmethoden sind allein Instrumente zur Trainingssteuerung. Sie eignen sich nicht als Grundlage für eine medizinische Diagnose von Überlastungserscheinungen. Falls ernsthafte Probleme bestehen ist der Gang zum Arzt unausweichlich!

Herzfrequenzmessung

Wer jeden Morgen direkt nach dem Aufstehen seine Herzfrequenz misst, bekommt über die Zeit ein Gefühl für seine „normale“ Herzfrequenz, bei der der eigene Körper im ausgeruhten Zustand arbeitet. Nach stärkeren Belastungen, wie einem Maximalkrafttraining oder einem Projekttag, wird man am Morgen danach eine höhere Herzfrequenz als üblich messen. Dies ist dann ein Indikator für eine stärkere körperliche Ermüdung.

Ist der Puls etwa 5 Schläge höher als der Durchschnittswert sollte man sich genauer überlegen wie man sich an diesem Tag belastet. Hilfreich für diese Messung ist eine Handyapp (beispielsweise die HeartRateFree App), die über das Licht und die Kamera den Puls messen kann.

Good to Know: Ob du eine gute Grundlagenausdauer hast, erkennst du an einem niedrigen Ruhepuls.

CNS TAP TEST

Ebenfalls empfiehlt es sich regelmäßig einen Fingertipp Test durchzuführen, denn dieser zeigt die Aktivierung/Ermüdung des zentralen Nervensystems an. Bei dem Test tippt man nach den unten genannten Kriterien in 10 Sekunden so häufig wie möglich mit der Zeigefingerspitze auf einen Tisch. Wenn dieser Test mit einem höheren Messwert als üblich ausfällt, ist die Aktivierung sehr gut und man kann einen intensiven Trainings- oder Projekttag starten. Wenn der Test eher schlecht ausfällt, man also deutlich weniger „Tipper“ hinbekommt als sonst, kann dies ein Indikator für eine Ermüdung des zentralen Nervensystems, für Krankheit, Verletzung oder Übertraining sein.

Wichtig ist es zu beachten, dass in der Anfangsphase der Nutzung ein Lerneffekt den Score verbessern kann. Somit ist erst nach einer gewissen Lernzeit eine stabile Kurve zu erkennen, die sich auch für unsere kleine Diagnose eignet. Der Test sollte an beiden Händen durchgeführt werden und am besten nach dem Aufstehen. Der Test ist ebenfalls am leichtesten mit einer App durchzuführen (zum Beispiel: CNS Tap Test). Dabei sollten folgende Kriterien eingehalten werden:

  • Die gesamte Handfläche sollte auf einer geraden Oberfläche liegen.
  • Der Zeigefinger tippt für 10 Sek auf den Bildschirm/den Tisch.
  • Es zählen allein die Tipps, die in diesen 10 Sekunden geschafft wurden.
  • Der Test sollte an der rechten und an der linken Hand durchgeführt werden.

Wieviel Pause ist nötig, wenn ich verletzt bin?

Bewegung ist Leben! Nach einer Verletzung den betroffenen Körperteil vollständig ruhigzustellen ist in der Regel ein Fehler. Nach dem Prinzip der „adaptation on imposed demands“ (Anpassung an die gegebenen Belastungen) sorgt eine vollständige Ruhigstellung eines Körperteils für einen Abbau des Gewebes. Das bedeutet zum Beispiel, dass der Muskel-Sehnen-Apparat unter anderem an Elastizität verliert. Auch wenn geschädigte Körperteile nur eine geringe Last aushalten, so können kleine Bewegungsreize die Wiederherstellung aller Funktionen fördern.

Bewegung ist Leben, denn sie bringt das Blut in das Gewebe und zeigt dem Körper, dass das Gewebe dieses Körperteils nützlich ist und instandgehalten werden sollte. Somit bleiben die Muskulatur, Bänder und Sehnen flexibel und die Knochen so weit möglich erhalten. Mittlerweile werden Patienten nach einer Operation auch schnellstmöglich mit Hilfe von Physiotherapeuten mobilisiert, um den Heilungsprozess zu unterstützen und die Funktionsfähigkeit zu erhalten. Besonders nach einer Verletzung empfiehlt es sich professionelle Hilfe zu suchen, um den betroffenen Teil bestmöglich zu belasten und nicht zu überlasten.

Sommer- und Winterpause

Nach einer intensiven Saison am Felsen und in der Halle ist es ratsam dem Körper für eine gewisse Zeit vollständig zu schonen. Ein gutes Beispiel sind die Fußballspieler, die in der Sommer- oder Winterpause für kurze Zeit fast vollständig auf den Sport verzichten. In dieser Zeit kann der Körper Regenerationsprozesse starten, welche ohne diese Pause nicht stattfinden könnten. Dazu gehören zum Beispiel kleine Schädigungen, die durch die ständige Belastung nicht richtig heilen konnten.

Am besten plant man mindestens alle 6 Monate einen zweiwöchigen Block. In der ersten Woche sollte dann keinerlei sportliche Aktivität stattfinden und in der zweiten Woche werden weniger intensive Aktivitäten gestartet. Es ist auch kein Problem diese Pause auf 3 Wochen zu verlängern, diese Pause hat man sich wirklich verdient. Erfahrungsgemäß hat solch eine Pause auch noch keinem geschadet und hat sehr wahrscheinlich einen leistungssteigernden Effekt.

Soweit Fragen? Wenn ja kannst du diese gerne in einem Kommentar hinterlassen! Ansonsten geht es mit der Regenerationsserie in Teil 2 weiter, in dem du erfährst welche Maßnahmen du unternehmen kannst, um deinen Körper bei der Regeneration zu unterstützen.

Bären, Schlösser, Gipfel – Wandern in den Karpaten

20. Dezember 2018
Tipps und Tricks

Seid ihr auf der Suche nach einer Wanderalternative zu den Alpen oder den Pyrenäen? Ein Gebirge, in dem man noch unterwegs sein kann, ohne gefühlt in Schlange zu laufen? Dann solltet ihr hier unbedingt weiterlesen, denn das Basislager entführt euch heute in die rumänischen Karpaten.

Die Karpaten

Mit seinen Gipfeln in der Hohen Tatra und dem Fagaras-Massiv ist das rumänische Gebirge, neben den Alpen, das bestimmende Gebirgsmassiv in Zentraleuropa. Bis auf knapp 2700 Meter geht es hier hinauf. Den größten Anteil haben dabei Polen, die Slowakei, die Ukraine und Rumänien.

Die hier folgenden Tipps beziehen sich auf Teile der Karpaten in Rumänien, was aber nicht heißen soll, dass nicht auch andere Abschnitte einen Abstecher wert sind.

Neben den imposanten Schieferwänden, die die Karpaten kennzeichnen, ist vor allem die vielfältige Fauna bemerkenswert. In den Karpaten ist die größte Braunbärenpopulation in Europa beheimatet, und auch Wolf und Luchs können einem hier mit etwas Glück begegnen. Die abwechslungsreiche Natur ist also ein weiterer Aspekt, der eine Karpatenwanderung lohnend macht (vor allem wenn man dies mit den Alpen vergleicht, wo es zunehmend schwieriger wird diesen Naturraum auch noch als solchen zu erleben).

Land und Leute

Rumänien ist ein überaus gastfreundliches Land. Die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Mit Englisch werdet ihr ohne Schwierigkeiten klar kommen. Deutsch wird, trotz des teilweise immer noch spürbaren deutschen Einfluss in Siebenbürgen, kaum noch gesprochen. Wer italienisch oder französisch kann, hat ebenfalls gute Karten in der Verständigung, da Rumänisch zu den romanischen Sprachen gehört und deshalb eine große Ähnlichkeit aufweist.

Stark geprägt wurde Rumänien von den Erfahrungen unter dem stalinistischen Diktator Nicolae Ceaucescu. Der regierte das Land in seiner über 30-jährigen Amtszeit mit einem, selbst für die Verhältnisse des kommunistischen Osteuropa, maßlosen Terrorregime. Für viele Menschen war dies eine sehr prägende Erfahrung, die bis heute nachhallt und einem auch in vielen Gesprächen noch begegnet.

Entscheidet ihr euch zum Wandern für die Karpaten, werdet ihr euch vermutlich überwiegend in Siebenbürgen aufhalten. Die besten Ausgangspunkte für schöne Touren sind Sibiu oder Fagaras; noch besser ist jedoch Brasov.

Tourentipps

Mehrtagestour Zarnesti-Cabana Curmatura-Vf Ascutit-Zarnesti

Von Brasov kommen wir mit einem Regionalzug in das Örtchen Zarnesti, das sowohl für Mehrtagestouren als auch für Eintageswanderungen einen sehr guten Ausgangspunkt bildet.

Am ersten Tag folgen wir der Schotterpiste Richtung Magura, die sich am Ortsausgang befindet. Von hier steigen wir in Richtung der Cabana Curmatura auf. Da es sich hierbei jedoch um eine recht beliebte Eintagestour handelt, kann es hier auch schon einmal etwas belebter zugehen. Auf der Alm Poiana Zanoaga nehmen wir die Abzweigung zur Piatra Mica hinauf und genießen den schönen Ausblick ins Tal. Wir wagen uns an die erste gesicherte Kletterpassage, ehe wir wieder zu der bewirtschafteten Hütte Curmatura absteigen. Neben Verstärkung, kann man hier gegen geringes Entgelt auch das Zelt aufschlagen.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den langen und steilen Aufstieg zur Cf. Ascutit und dann weiter, entlang des Hauptkamms der Piatra Craiului, über den knapp circa 2200 Meter hohen La Om, zur Schutzhütte Refugiul Funduri. Plant hier zwischen acht und neun Stunden Gehzeit ein und nehmt genügend Wasser mit, denn gerade im Sommer wird es hier sehr heiß. An der Schutzhütte hat es auch genügend Platz für Zelte.

Am dritten Tag steigen wir über eine weitere Schutzhütte, die Refugiul Grind II, wieder in Richtung Zarnesti ab. Auf dem Weg kommen wir durch die beeindruckende Schlucht Cheile Pisicii, deren steil aufragende Felswände auch das Klettererherz höher schlagen lässt.

Tagestour Schloß Bran – Magura – Zarnesti

Eines der touristischen Highlights – und deshalb leider auch völlig überlaufen – ist das sagenumwobene „Dracula“-Schloss in Bran. Ausgehend von Brasov oder Zarnesti könnt ihr zu diesem bequem mit Bussen gelangen.

Von Bran kann man hingegen eine schöne Tagestour über das Bergdorf Magura nach Zarnesti machen. Für diese Tagestour folgt man am Ortsausgang der rot-weißen Markierung. Nachdem man den kräftezehrenden Aufstieg hinter sich gebracht hat, wird man immer wieder mit tollen Blicken auf das Schloss und seine malerische Umgebung belohnt. Die gesamte Wanderung nach Zarnesti dauert ungefähr  5-6 Stunden, es gibt währenddessen aber immer wieder schöne Plätzchen für eine ausgiebigere Rast.

Zwei-Tagestour Überschreitung des Bucegi-Massivs Bran-Sinaia

Ebenfalls von Bran steigen wir zur Cabana Omul auf. Der Weg ist hier zunächst durch eine leicht ansteigende Forststraße charakterisiert, zweigt aber nach einigen Kilometern recht steil nach rechts ab (am besten folgt ihr hier immer dem roten Kreuz). An dem schönen Wasserfall Cascada Moara Dracului beginnt dann der schwierigste Abschnitt unserer sieben Stunden langen Tour. Lange, mit Seilen gesicherte Kletterpassagen führen uns auf das Hochplateau, auf dem die bewirtschaftete Hütte Omul liegt. In dieser werden wir auch die Nacht verbringen. Zelten ist im Bucegi-Nationalpark, aufgrund der hohen Bärendichte, nämlich nicht erlaubt.

Am nächsten Tag steigen wir dann Richtung der Seilbahnstation Sinaia ab. Hier kann man entweder in die Gondel ins Tal einsteigen, oder den Rest des Weges noch zu Fuß zurücklegen. Ersteres dauert ca. dreieinhalb Stunden. Der gesamte Weg nimmt sechs bis sieben Stunden in Anspruch.

Ausrüstung

Welche Ausrüstung ihr für euer Karpatenabenteuer braucht, hängt von der Jahreszeit ab. Vom späten Frühjahr bis in den beginnenden Herbst genügt eine „normale“ Wanderausrüstung. Also ausreichend stabiles Schuhwerk (gerne auch aus dem Approachbereich), da die Karpaten häufig recht steil und geröllig daherkommen. Deshalb würde ich auch auf jeden Fall vernünftige Trekkingstöcke mitnehmen, die insbesondere auf den Abstiegen eine große Hilfe sind.

Je nach Länge der Tour würde ich einen Rucksack mit 30-40 Litern wählen, in den dann noch Regenausrüstung hineinkommt. In den Übergangszeiten schadet zudem ein leichtes Fleece oder ein Merinolayer nicht.

Umstritten ist das Thema Wasserreinigung. Es gibt Abschnitte, in denen Trinkwasser ziemlich knapp ist. Ein Beispiel wäre der Hauptkamm im Piatra Craiului-Nationalpark, auf dem es keine natürliche Wasserquelle gibt. Hier kann es sein, dass ihr auf Viehtränken ausweichen müsst, wenn der mitgebrachte Vorrat nicht ausreicht. Aus diesem Grund könnte die Mitnahme eines Wasserfilters oder eines chemischen Reinigungsmittels sinnvoll sein. Letztlich muss das natürlich jeder für sich entscheiden, aber ein kleiner Wasserfilter wie der Filter von Source fällt kam ins Gewichts – damit wäre man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Das entsprechende Kartenmaterial könnt ihr in den Besucherzentren der jeweiligen Nationalparks für wenig Geld kaufen. Die allermeisten Wege sind aber auch so gut markiert und problemlos zu finden.

Mehr braucht ihr nicht, um ein tolles Wandererlebnis in den Karpaten zu haben.

Hinkommen

So und wie kommt man nun am Besten dahin? Natürlich kann man mit dem Auto nach Rumänien fahren, allerdings sollte hier bedacht werden, dass es je nach Region schon eine ziemlich weite Strecke sein kann, die kaum an einem Stück zu bewältigen ist. Deshalb würde ich entweder eine Zugreise oder das Flugzeug wählen. Beide Varianten sind von vielen Ausgangspunkten in Deutschland sehr gut umzusetzen. Zum Beispiel fährt die Deutsche Bahn von den meisten großen deutschen Bahnhöfen täglich über Wien nach Brasov. Wie schon gesagt ist Brasov ein guter Ausgangspunkt für viele Touren.

Lufthansa fliegt von München direkt nach Sibiu. Allerdings leider nur von München aus – von den anderen deutschen Flughäfen müsst ihr umsteigen. Alternativ bieten sich natürlich auch Flüge nach Bukarest an, das von allen großen deutschen Flughäfen angeflogen wurde und ohnehin einen kurzen Abstecher wert ist.

In Rumänien selbst ist es dann erstaunlich unproblematisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Sowohl Bahn als auch Bus sind sehr günstig und alles in allem auch zuverlässig. An die wichtigsten Ausgangspunkte für schöne Touren werdet ihr problemlos mit Bus oder Bahn gelangen.

Wenn ihr noch weitere Infos braucht, könnt ihr in den Kommentaren gerne eure Fragen stellen. Ansonsten hoffe ich den Einen oder Anderen zu einer Karpatenwanderung inspiriert zu haben und wünsche viel Spaß dabei!

10 Dinge, die in keiner Campküche fehlen sollten

18. Dezember 2018
Tipps und Tricks

„Das wichtigste Geschütz ist und bleibt die Gulaschkanone“, ist eine Weisheit, die mich seit meiner Kindheit verfolgt. Und ich finde, darin liegt sehr viel Wahrheit, denn in Krieg wie in Frieden sinkt und steigt die Moral messbar mit der Qualität der Verpflegung.

Doch gerade bei Unternehmungen, bei denen man die heimische Bettstatt gegen eine Zeltstadt tauscht und auch darauf angewiesen ist am Busen der Natur (oder Arsch der Heide, wie böse Zungen verlauten lassen) was Leckeres auf den Tisch zu bringen, wird es mitunter spannend. Da bekommt man auf die Frage nach Salz fürs Nudelwasser gerne mal die Antwort: „Haben wir keines dabei, aber der Würfelzucker liegt im Kofferraum.“ Dies führt nicht selten zu Kochen unter Extrembedingungen und somit zu einem recht mäßigen Ergebnis.

Wie aber stellt man es an, wenn man unterwegs mindestens genauso gut kochen möchte wie zu Hause?

Wichtig ist hierzu wie immer eine gute Planung, denn die Kochfreude unterwegs steht und fällt mit der vorhandenen Ausrüstung. Deshalb gleich eine Spoilerwarnung vorab: Für alle, die nur mit Rucksack unterwegs sind oder auf kleines Gepäck setzen ist das nichts, denn hier geht es um den Aufbau einer veritablen Feldküche. Es folgen daher 10 Dinge, die in keiner Campküche fehlen dürfen.

1. Küchenkiste

Klingt langweilig, ist aber zentraler Bestandteil einer Campküche. Ohne eine gut ausgestattete Küchenkiste geht nichts, denn in dieser Kiste wird alles transportiert und aufbewahrt, was es für die gelungene Nahrungszubereitung braucht. Messer, Schneidebretter, Geschirr und Co. finden hier Platz und sind so immer griffbereit.

Besonders gut eignen sich Boxen, die im Inneren über eine Unterteilung verfügen, denn nur so lässt sich auf Dauer Ordnung halten. Ich habe in der Vergangenheit hierzu einfach eine große Aufbewahrungsbox aus dem Baumarkt verwendet. Dieser Kiste fehlte leider jegliche Unterteilung, was sich spätestens nach dem ersten Kochen als Problem bemerkbar machte. Was ich noch zu Hause passgenau und mit einer Eselsgeduld sorgfältig in die Kiste gesetzt hatte, flog nun wild durcheinander. Alles wurde nach dem Spülen irgendwie in die Kiste gesetzt, einige Teile kurz darauf wieder entnommen, der Inhalt einmal auf Links gedreht und zum Schluss wusste niemand mehr, wo irgendwas war und der Deckel passte auch nicht mehr auf die Kiste.

Sucht also die Kiste für die Kochutensilien gut aus. Im Idealfall verfügt sie über zahlreiche kleinere Abtrennungen, in denen beispielsweise Teller, Tassen oder Besteck passgenau Platz finden.

Außerdem kommt es selbstverständlich auf den Inhalt an. Je nachdem, was ihr kochen wollt, werdet ihr selbstverständlich auch speziellere Gerätschaften brauchen, weshalb wir hier Dinge wie Spätzlepresse, Schneckenzange und Geflügelschere einmal außer Acht lassen wollen und euch lediglich eine Liste für die absoluten Basics an die Hand geben werden.

Also, ich packe in meine Kiste:

  • Mehrere Töpfe in unterschiedlicher Größe
  • Pfanne
  • Teller, Schüsseln, Becher
  • Besteck
  • Schneidbrett
  • Kochlöffel, Schneebesen, Schöpfkelle
  • Großes Kochmesser
  • Flaschenöffner, Korkenzieher, Dosenöffner
  • Utensilien für die Kaffezubereitung (French Press, Kaffeefilter oder Espressokocher)
  • Gewürze, Salz, Zucker
  • Spülschwamm, Bürste und Spülmittel (gibt es auch ökologisch abbaubar)
  • Spülschüssel
  • Geschirrtuch
  • Tisch- oder Stirnlampe
  • Feuerzeug oder Streichhölzer
  • Kerze (so für Romantik und so…)

2. Kocher

Hier lautet die Devise definitiv „think big“. Vorbei ist die Zeit mit dem Gefummel auf taschengroßen Feststoffbrennern oder wackelig zusammenklappbaren Gaskochern. Hier kommen halbe Herde zum Einsatz. Zweiflammenkocher, wie sie beispielsweise von Primus oder Robens angeboten werden, dürfen es hier schon sein. Am besten gleich noch mit Windschutz und Standfüßen. Je nach Modell lassen sich diese Kocher mit einer vergleichsweise großen Gasflasche betreiben, sodass einem langen und Kochvergnügen nichts im Weg steht. Außerdem bringen große Zweiflammenkocher nicht selten eine Leistung von rund 3000 Watt pro Flamme und helfen so bei der zügigen Zubereitung.

Kleiner Tipp am Rande: Wer einen Gasgrill sein Eigen nennt, der sollte bei der Anschaffung eines großen Kochers darauf achten, dass beide Geräte mit der gleichen Art Gasflasche betrieben werden können. Dies ist gerade bei einem Campingurlaub, bei dem Grill und Kocher zum Einsatz kommen, sehr praktisch.

3. Kühlbox

Gerade im Sommer ist es wichtig, dass Lebensmittel anständig gekühlt werden können, so bleiben sie länger frisch und in einem brauchbaren Aggregatzustand, was sonst bei Butter oder Schokolade schnell nicht mehr der Fall ist. Außerdem schmeckt warmes Bier einfach scheiße.

Kühlboxen und -taschen gibt es in unterschiedlichen Varianten. Herkömmliche Kühltaschen oder auch einfachere Kühlboxen werden mittels Kühlakkus betrieben. Das Prinzip ist so einfach wie simpel und muss eigentlich nicht lange erklärt werden: Die Tasche oder Box isoliert halbwegs gut und wird mit zuvor eingefrorenen Kühlakkus betrieben. Alle Lebensmittel kommen ebenfalls bereits gekühlt in die Tasche und halten so ihre Temperatur über mehrere Stunden. Zwar funktioniert dieses System ohne weitere Energie, dafür hat der Spaß aber auch ein vergleichsweise schnelles Ende. Denn je nach Tasche und Außentemperatur halten Systeme dieser Art im Extremfall nur wenige Stunden.

Eine Alternative hierzu stellen Kühlboxen dar, die Energie in Kälte umwandeln. Hierzu unterscheidet man drei wesentliche Systeme:

Thermoelektrische Kühlboxen

Bei den thermoelektrischen Kühlboxen handelt es sich um kleine, handliche Kühlboxen, die in der Regel über den 12-Volt-Anschluss im Auto oder über einen 220-Volt-Anschluss betrieben werden können. Diese vergleichsweise kompakten und kostengünstigen Geräte sind jedoch leider oft auch nicht sehr leistungsstark und schaffen es lediglich das Innere um rund 15 °C gegenüber der Außentemperatur abzukühlen, was an einem warmen Sommertag nicht besonders viel bringt. Außerdem sind thermoelektrische Kühlboxen aufgrund der eingebauten Lüfter vergleichsweise laut.

Absorberkühlboxen

Absorberkühlboxen haben den schönen Vorteil, dass sie nicht nur mit Strom betrieben werden können, sondern auch mittels Gas funktionieren. Der Vorteil liegt hierbei klar auf der Hand: Nicht immer ist ein Elektroanschluss oder eine Autobatterie mit ausreichender Kapazität vorhanden. Gerade in entlegenere Regionen lässt sich da eine passende Gaskartusche oder –flasche schon wesentlich einfacher mitnehmen. Kühlboxen dieser Art schaffen in der Regel eine Temperaturdifferenz von rund 25 °C zur Außentemperatur.

Kompressorkühlboxen

Die Königsklasse unter den Kühlboxen stellen zweifelsohne Kompressorkühlboxen dar. Diese funktionieren in der Regel wie ein kleiner Kühlschrank und bringen dementsprechend eine gute Kühlleistung mit. Sogar Temperaturen, die unter dem Gefrierpunkt liegen sind hier je nach Modell möglich, sodass auch das Crasheis für die Cocktails am Abend transportiert werden kann.

Ein Tipp noch: Gerade wer mit leistungsschwachen Kühlboxen oder mit Kühltaschen hantiert tut gut daran eine Box für Lebensmittel mitzunehmen und eine weitere um Getränke zu kühlen. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Box für Getränke deutlich öfter geöffnet wird und frei nach dem Motto „Ich hol‘ mir dann noch ein Bier“, mehr und mehr an Kälte verliert.

4. Tisch und Stühle

Zu jeder Küche gehört ein Küchentisch. Hier findet zu Hause wie unterwegs das Leben statt. Außerdem braucht es einen anständigen Tisch um das Essen vorbereiten zu können. Wer sich hier mit einem windigen und viel zu kleinen Teil abmühen muss, der wird schnell die ganze Kochorgie verfluchen. Hersteller wie Relags oder Outwell bieten jedoch Modelle an, die über ein gute Standfestigkeit, die notwendigen Maße und ein kleines Packmaß verfügen.

Ob man sich nun für einen Campingtisch mit ausrollbarer „Aluminiumtischplatte“ oder einen Klapptisch mit starrer Platte entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen und ist reine Geschmackssacke. Wer aber obendrein die passenden und vor allem bequemen Stühle sein eigen nennt, hat eigentlich schon alles richtig gemacht.

5. Dutch Oven aka Feuertopf

Ein Dutch Oven oder auch Feuertopf genannt, ist eine geniale Erfindung. Es handelt sich hierbei um gusseiserne Töpfe oder Bräter, die in direkter Verbindung mit einem Lagerfeuer genutzt werden können. Durch das widerstandsfähige Material halten diese Töpfe selbst direkten Kontakt mit heißer Glut aus. Auch verfügen die Feuertöpfe nicht selten über einen eimerartigen Henkel und sind so beispielsweise die perfekte Ergänzung zu einem Dreibeingrill.

Aber es geht noch besser. Auch der Deckel eines Dutch Oven ist feuer- und hitzebeständig. Hierdurch kann der Topf auch mit Glut belegt werden, was wiederum dazu führt, dass der Inhalt rundum gleichmäßig erwärmt wird und der Feuertopf auch als Miniaturbackofen eingesetzt werden kann. Von der Kartoffelsuppe, über das Gulasch bis hin zu selbstgemachtem Brot bieten daher Feuertöpfe eine optimale Ergänzung zu Grill und Campingkocher.

6. Kaffeekocher

„Ohne Kaffee können wir nicht kämpfen (und ohne Marmelade fangen wir gar nicht erst an)“ ist auch mal wieder so eine Weisheit, die mir seit frühester Kindheit mit auf den Weg gegeben wurde. Und in der Tat fängt der Tag für mich gleich besser an, wenn es einen anständigen Kaffee gibt. Auch so ein kleiner Espresso nach dem Essen empfinde ich als eine wunderbare Annehmlichkeit, die die Zivilisation für uns bereit hält.

Kurz und gut Kaffee rulz. Daher ist es verständlicherweise umso wichtiger auch unterwegs nicht nur irgendeine braune Soße zu brühen, sondern ein Heißgetränk von Geschmack und Bekömmlichkeit. Um dieses hehre Ziel zu erreichen gibt es mehrere Möglichkeiten. Die beiden aus meiner Sicht besten, möchte ich daher hier einmal vorstellen:

Der „klassisch italienische“ Espressokocher oder auch die „Stundentenkaffemaschine“

Diese Geräte sind aus meiner Sicht das Beste, was einem unterwegs passieren kann. Sie kommen mit vergleichsweise wenig Kaffepulver aus, können problemlos auf den (Gas-)Kocher gestellt werden und sind einfach zu reinigen. Außerdem geht die Kaffeezubereitung recht schnell.

Das Prinzip dieser Espressokocher ist dabei so einfach, wie genial: Die Kanne besteht aus drei Teilen. In den untersten Teil kommt das Wasser, das später mittels Kocher oder Herdplatte erhitzt wird. Darüber kommt eine Art Trichter mit Sieb, in den der gemahlene Kaffee eingefüllt und festgedrückt wird. Darüber schraubt man dann den noch leeren oberen Teil auf, in dem später der fertige Kaffee aufgefangen wird. Wird nun das Wasser im unteren Teil erhitzt, entsteht Wasserdampf und Druck, der dafür sorgt, dass das Wasser nach oben durch das Kaffeepulver gedrückt wird, dort dessen Aroma annimmt und im obersten Teil als trinkfertiger Kaffee ankommt.

Die French Press oder Coffee Press

Wer gerne viel Kaffee trinkt ist hier genau richtig. Denn mit einer French Press lassen sich schnell und einfach große Mengen des beliebten Heißgetränks herstellen.

Auch hier ist das Prinzip denkbar simpel und die Reinigung sehr einfach. Wie aber funktionierts? Eine French Press ist zunächst einmal nichts anderes als eine Kaffeekanne. Diese ist zumeist aus Metall oder Glas. Außerdem verfügt sie über einen Deckel, der mit einem Pressfilter verbunden ist. Zur Zubereitung wird einfach die benötigte Menge Kaffeepulver direkt in die Kanne gegeben, darauf kommt dann heißes Wasser, zweimal umrühren, warten. Hat der Kaffee lange genug gezogen wird der Deckel aufgesetzt und der Pressfilter nach unten gedrückt. Das Kaffeepulver sammelt sich so am Boden der Kanne und der Kaffee kann problemlos eingeschenkt werden.

7. Wasser

Ohne Wasser geht nichts. Ob es nun einfach so getrunken wird, oder ob man es zum Kochen verwendet, sauberes Trinkwasser ist wichtig. Gerade unterwegs hat man jedoch nicht immer eine Wasserleitung oder eine Quelle zur Verfügung und ist daher darauf angewiesen eine gewisse Menge Wasser mitnehmen zu können. Außerdem macht es auch das Leben auf dem Campingplatz deutlich einfacher, wenn man nicht wegen jedem Liter zum Waschhaus laufen muss.

Auch hier gibt es unterschiedliche Systeme, die jeweils Vor- und Nachteile haben:

Der Wassersack

Wassersäcke können mitunter sehr praktisch sein. Sie verfügen über ein vergleichsweise großes Volumen für den Transport von Wasser, werden sie aber nicht benötigt überzeugen sie durch ihr kleines Packmaß. Manche Modelle kommen mit einer Art Zapfhahn und stabilen Laschen zum Aufhängen.

Ist also beispielsweise ein Baum in der Nähe, sodass der Sack aufgehängt werden kann ist das Wasserzapfen recht einfach. Kann man den Sack nicht aufhängen ist das Wasserzapfen meist recht umständlich, da der Sack nicht formstabil ist und folglich mit einer Hand gehalten werden muss.

Faltkanister

Faltkanister sind vielleicht der Brückenschlag zwischen starren Kanistern und Wassersäcken. Faltkanister können, wie der Name schon sagt, im Leerzustand gefaltet werden und benötigen so vergleichsweise wenig Platz. Mit Wasser gefüllt, sind diese Kanister allerdings formstabil und können beispielsweise zum Wasserzapfen einfach auf den Campingtisch gestellt werden.

Einen Nachteil haben aber auch Faltkanister: Die Knickstellen gehen nicht selten zu Kosten der Lebensdauer und neigen bei starkem Gebrauch irgendwann zur Undichtigkeit.

Starre Kanister und Fässer

In Sachen Langlebigkeit und Robustheit gibt es nichts Besseres. Allerdings nehmen starre Kanister auch im Leerzustand viel Platz ein und sind nicht selten schwer. Gerade aber, wenn es darum geht größere Wassermengen mitzuführen oder die Behältnisse über einen längeren Zeitraum einzusetzen, liegen starre Kanister oder kleine Fässer mit integriertem Ablasshahn vom Handling her klar vorne.

Egal wofür man sich jedoch entscheidet sollte man einige Dinge beachten:

  • Niemals etwas anderes als Wasser in die Behältnisse füllen. Keinen Wein, keinen Saft, kein Nichts. Der Geschmack bleibt ewig und man schmeckt das später auch beim Trinkwasser.
  • Wassersäcke und Kanister sollte man nach Gebrauch immer komplett austrocknen lassen. Gerade bei Faltkanistern bleibt oft in den Falten Wasser zurück. Kann dieses nicht verdunsten fängt es im Kanister an zu gammeln.
  • Wer darauf angewiesen ist größere Mengen Wasser mitzunehmen, sollte sich überlegen, ob er nicht lieber mehrere mittelgroße Kanister mitnimmt, als ein großes Wasserfass. Denn das Handling kleinerer Kanister, die gefüllt vielleicht maximal 15-25 kg auf die Waage bringen, ist doch deutlich angenehmer als ein Fass mit 70 Litern plus.

8. Licht

Finger hoch! Wer hat schon einmal im Dunkeln gekocht? So mit einem kleinen Teelicht oder einer funzeligen Taschenlampe als einzige Lichtquelle? Das macht doch keinen Spaß und ist obendrein echt unnötig. Denn für den Einsatz auf Campingplatz oder in der freien Wildbahn gibt es richtig coole und innovative Beleuchtungslösungen. Fangen wir an:

LED-Lampen

Die Welt der LED-Lampen ist eine große. Selbst wenn wir bei dieser Betrachtung einmal herkömmliche Stirn- und Taschenlampen nicht in die Betrachtung einbeziehen gibt es hier zahlreiche Modelle, die nahezu keine Wünsche offen lassen.

Für die Campküche würde ich eine oder mehrere LED-Lampen in Laternenform empfehlen. Diese können problemlos auf den Tisch gestellt oder beispielsweise an einer Zeltstange oder einem Baum aufgehängt werden und sorgen so für helles Licht. Außerdem gibt es kleinere Tischleuchten, die perfekt als Kerzenersatz hergenommen werden können.

LED-Leuchten lassen sich auf verschiedene Arten mit Energie versorgen. Es gibt sowohl Modelle, die mit Batterien betrieben werden, als auch Modelle, die über einen integrierten Akku verfügen. Die Akkus können zumeist über einen USB-Anschluss geladen werden. Zusätzlich verfügen einige Lampen über eine Handkurbel.

Gaslampen

Hierbei handelt es sich in der Regel um einen Laternenaufsatz, der auf eine Gaskartusche aufgeschraubt wird.

Gaslaternen bieten ein großartiges Licht. Im Gegensatz zu LED-Lampen ist die Lichtfarbe deutlich wärmer und das Ambiente ein wenig gemütlicher. Allerdings sollte man auch bedenken, dass Gaslampen das Licht durch die Verbrennung von Gas erzeugen und somit warm werden. Daher sind sie gerade für die Verwendung in Zelten nur bedingt geeignet, denn das Betreiben einer solchen Lampe kann im Extremfall außerdem zu einer Kohlenmonoxidvergiftung führen. Dennoch ist die Verwendung von Gaslaternen im Outdoorbetrieb eine gute Alternative zur LED-Beleuchtung.

9. Aufbewahrungsboxen

Von der Brotdose bist hin zur großen Schüssel mit Deckel, Aufbewahrungsboxen und -dosen kann man eigentlich nie genug haben. Ob es sich dabei um Modelle wie die klassisch eckigen Metalldosen (im Volksmund auch UIAA-Haferl genannt) handelt oder um Modelle aus Kunststoff oder Silikon, ist eigentlich gar nicht so wichtig und unterliegt den persönlichen Vorlieben. Wichtig ist jedoch, dass unterwegs auch ausreichend Behältnisse zur Verfügung stehen, denn gerade bei einer größeren Kochorgie bleibt meist etwas übrig.

Besonders praktisch sind komplette Aufbewahrungssysteme, die nach dem „Babuschka-Prinzip“ aufgebaut sind. In einer großen Dosen stecken mehrere kleine und darin vielleicht noch einmal kleinere, sodass man nicht nur die Dosen platzsparend verstauen kann, sondern vielmehr auch ein vielseitiges Lunchboxsystem erhält.

10. Becher, Tassen und Gläser

Wer schon einmal einen schönen Rotwein aus einem Pappbecher getrunken hat oder ein kühles Bier aus einer Plastiktasse, der weiß, dass man sich das Leben auch mit Gewalt versauen kann. Zwar schlägt sich das Behältnis eines Getränks nicht unmittelbar auf dessen Geschmack nieder, aber es fühlt sich mitunter falsch an. Doch auch für dieses Problem gibt es eine Lösung – frei nach dem Motto „Wenn schon saufen, dann aber mit Stil.“

Folglich möchte ich euch ein paar Alternativen zu Pappbecher, Plastiktasse und Co. an die Hand geben.

Biergläser

Bei der deutschen Bierkultur ist wahrscheinlich nichts so wichtig, wie dass das richtige Bier auch in das richtige Behältnis gefüllt wird. Da Weizenbiergläser und Pilstulpen jedoch mitunter zur Zerbrechlichkeit neigen, sind sie beim Camping nur selten anzutreffen. Allerdings gibt es hierfür Alternativen aus Kunststoff, die zumindest die richtige Form haben und ein echtes „Glas-Glas“ in ausreichendem Maß imitieren.

Sektkelche und Weingläser

Lagerfeuer und Rotwein ist meiner Meinung nach das Beste, was man abends in freier Wildbahn erleben kann. Glücklich wer da ein schönes, langstieliges Weinglas sein eigen nennt, denn auch hiervon gibt es campinggeeignete Modelle aus Kunststoff. Damit sich die Gläser besser transportieren lassen, kann der Stiel bei vielen Modellen abgeschraubt werden. Das gleiche gilt übrigens für Sektgläser.

Trinkbecher

Becher gibt es in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Materialien, mit und ohne Henkel. Dabei kann es praktisch sein mehr als nur einen Becher pro Person dabei zu haben. So kann man beispielsweise Wasser, Saft und Süßgetränke aus einem anderen Becher trinken als Heißgetränke wie Tee und Kaffee. Dies erspart mitunter einiges an unnötiger Spülerei und birgt gleichzeitig die Möglichkeit zum nachmittäglichen Kaffee auch noch ein Glas Wasser zu trinken.

Zusammengefasst

Wer sich auch unterwegs einer ordentlichen Kochorgie hingeben will der kann/muss so einiges mitnehmen. Nicht immer werden tatsächlich alle hier aufgeführten Dinge benötigt, aber sie machen das Leben einfacher und komfortabler oder eröffnen zusätzliche Möglichkeiten.

Das A und O ist jedoch, dass man sich vor Antritt einer entsprechenden Unternehmung gut überlegt, was man genau vorhat und was es dazu braucht. Eine gut strukturierte und mit Grips befüllte Küchenkiste macht das Kochen unterwegs definitiv um einiges leichter.

Aber nun zu euch. Was sind eure Küchenhighlights für unterwegs? Worauf könnt oder wollt ihr nicht mehr verzichten? Lasst uns mal einen Kommentar da, wir freuen uns.

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