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Portrait Phunjo Lama

In 38 Stunden auf den höchsten Gipfel der Welt

19. Juli 2018
Die Bergfreunde

Ich,  Phunjo Jhangmu Lama, 33 Jahre alt, startete meine Mount Everest Expedition am 13. April 2018, beginnend von Kathmandu nach Lukla, per Helikopter. Lukla ist der höchste Flughafen der Welt, auf 3500 Meter gelegen. Von Lukla aus ging meine Tour zu Fuß weiter nach Namche, von Namche nach Dingboche, dann nach Lobuche, wo ich am 18. April 2018 im Mount Everest Base Camp ankam. Mein ambitioniertes Vorhaben war in maximal 20 Stunden vom Base Camp aus den Gipfel des höchsten Berges der Welt über die Südroute zu erreichen…

Jedes Abenteuer beginnt mit dem ersten Schritt

Wie es unsere buddhistische Tradition vorgibt, hielten wir zunächst eine religiöse Puja-Zeromonie ab, bevor wir in die gefährliche Route über den „Icefall“ aufbrachen. Sie wird von buddhistischen Mönchen abgehalten und dient dazu, die Götter gnädig zu stimmen und für einen sicheren Aufstieg zu bitten.

Nach Beendigung stieg ich zum Camp 2 auf und erreichte es nach ein paar Stunden. Am selben Tag stieg ich wieder zum Base Camp ab und verblieb eine Weile dort, um mich zu akklimatisieren. Die Höhenkrankheit wollte ich natürlich vermeiden.

Am 28. April ging es wieder zum Camp 2 und einen Tag später zum Camp 3. Dort angekommen machte ich mich nach einer Pause wieder an den Abstieg zum Camp 2, da das Wetter im Camp 3 keinen weiteren Aufstieg erlaubte.

Portrait Phunjo LamaAm darauffolgenden Tag entschied ich mich, ins Base Camp zurück zu kehren, um danach nach Kalopathar Pumari aufzubrechen. Dort gibt es ein alternatives Hochcamp, mit einer hoffentlich besseren Wetterlage. Und ich sollte Glück haben.

Das Wetter besserte sich tatsächlich, sodass ich am 15. Mai 2018 doch wieder ins eigentliche Everest Base Camp zurückkehrte.

Es wird ernst…

Dort waren an diesem Tag bereits ein Beauftragter der internationalen „Mountain Guide“ Vereinigung und ein nepalesischer Regierungsbeamter anwesend, um ganz offiziell meine Zeit zu stoppen. Als Begleiter wurde wurde mir Passang Lama zugeteilt, ebenfalls ein Bergsteiger aus dem Volk der Sherpas. Seit ein paar Jahren sind Solobesteigungen nicht mehr erlaubt, da sich die Todesfälle bei Alleingängen häuften, nicht zuletzt auch, wegen der meist nicht vorhandenen Möglichkeit einen Notruf abzusetzen, wenn der Bergsteiger alleine unterwegs war.

Um 15:31 Uhr Ortszeit startete ich meinen Versuch. Mein erstes Ziel war es, das Camp 2 in fünf Stunden zu erreichen. Auf dem Weg zu Camp 1 fiel mein Begleiter Passang Lama unglücklicherweise von einer zu überquerenden Leiter.

Er trug zum Glück keine Verletzungen davon, aber bis ich ihn aus der misslichen Lage befreien konnte, dauerte es ca. 20 Minuten bevor wir unseren Aufstieg zum Camp 2 fortsetzen konnten. Das Zeitlimit, das ich zu erfüllen gehabt hätte, war somit um schon um knapp 15 Minuten überschritten. Wir erreichten das Camp 2 um 18.45 Uhr Ortszeit und nicht wie geplant um 18.30 Uhr Ortszeit.

Im Camp 2 erhielten wir während unserer Pause ein Nachtessen, danach wechselten wir unsere Bekleidung und gingen um 21.40 Uhr Ortszeit Richtung Camp 3.

An der Westflanke des Lhotse, der sogenannten „Lhotse Face“, starteten wir mit dem Zuführen von Sauerstoff, da das Atmen immer schwerer wurde. Unglücklicherweise stellte sich heraus, dass die Sauerstoffmaske meines Begleiters defekt war. Ohne diesen benötigten Sauerstoff, war es ihm fast unmöglich weiter zu gehen, da jeder Schritt zur Qual wurde.

Natürlich ließ ich ihn immer wieder von meinem Sauerstoff atmen, was jedoch das Problem des weiteren Aufstieg nicht löste. Darum versuchte ich alles, um seine Maske zu reparieren, leider ohne Erfolg. Es war ca. 22.30 Uhr Ortszeit und schon tiefe Nacht.

Wie geht es weiter?

Wir hatten in diesem Moment keine Möglichkeit Hilfe anzufordern, wir waren ganz alleine und auf uns gestellt. Meine Gedanken waren konfus und ich war unsicher, wie ich für das weitere Vorgehen entscheiden sollte, vor allem in Anbetracht der Gefahr für meinen Begleiter und mich.

Auf der einen Seite wollte ich meinen Rekordversuch natürlich nicht aufgeben, auf der anderen Seite wollte ich Passang nicht alleine lassen.

In einer solchen Höhe – wir befanden wir uns knapp bei 7000 Meter – ist das Denken trotz zugeführtem Sauerstoff enorm eingeschränkt. Es erfordert eine enorme Willenskraft, Entscheidungen überhaupt treffen zu können.

Wir sprachen uns ab und wir entschieden uns zunächst dafür, dass ich alleine weitergehe und er langsam nachkommt – so wie es ihm ohne zusätzlichen Sauerstoff möglich ist.

Doch das schlechte Gewissen plagte mich. Während meines Aufstiegs fühlte ich mich so schlecht, dass meine Gedanken Karussell fuhren. Was könnte alles mit ihm passieren, jetzt wo er alleine unterwegs ist. Ich konnte zu dem Zeitpunkt nicht mehr unterscheiden, was richtig oder falsch war. Sollte ich weiter versuchen, mein Ziel zu erreichen oder meinen Begleiter in ein sicheres Umfeld bringen?

Der läuft nicht weg!

Während des weiteren Aufstiegs klärten sich meine Gedanken und ich kann zu dem Entschluss, dass der Mount Everest auch noch in vielen Jahren da stünde, aber das Leben meines Begleiters im Zweifel nicht und dass dies eine Schuld wäre, die ich nicht tragen wollte.

So entschloss ich mich, auf ihn zu warten und eventuell einen Notruf abzusetzen, falls er es nicht bis zu mir schaffte. Meine „Gebete“ wurden erhört und er kam langsam seines Weges – bei guter Gesundheit.

Nach einer Pause stiegen wir gemeinsam langsam ab Richtung Camp 3. Als es in Sicht kam, ließ ich ihn nochmals zurück um Hilfe zu holen – diesmal ohne schlechtes Gewissen.

Ich weckte meine zwei befreundeten Sherpas Dorje und Pemba auf, um ihnen die Situation zu erklären und um Hilfe zu bitten. Beide machten sich sofort mit einer intakten Sauerstoffmaske auf den Weg zu meinem Begleiter Passang Lama.

Bange Stunden

Nachdem die zwei aufgebrochen waren, hielt ich telefonische Rücksprache mit dem Vorgesetzten meiner Expeditionsfirma. Er riet mir, eine Schweizer Bergsteigerin an meine Seite zu holen, welche mich bei meinem weiteren Unterfangen begleiten sollte. Es schien mir aber zu dem Zeitpunkt nicht die beste Lösung, ich kam mir egoistisch vor sie von ihrer eigenen Tour und Route abzubringen, also entschied ich mich dagegen.

Rat und Hilfe fand ich bei dann bei Dorje (ein anderer Dorje), einem bedachten und erfahrenen Bergführer. Die erklärte Mission, den Gipfel von Camp 3 in fünf Stunden zu erreichen, befand er als möglich und trotz aller vorangegangenen Probleme als durchführbar.

Er bot mir an, mich am nächsten Tag zum Gipfel zu begleiten, falls Passang Lama nicht mehr in der Verfassung wäre an meiner Seite aufzusteigen. Für sein Angebot und seine emotionale Unterstützung war ich ihm sehr dankbar, war er doch auch der Erfahrene und ich die „Erstbesteigende“.

Drei Stunden, nach meiner Ankunft in Camp 3 brachten meine zwei Sherpa-Freunde meinen erschöpften Begleiter Passang Lama ins Camp 3. Seine Sauerstoff Maske war nach wie vor unbrauchbar und es war kein Ersatz im Camp 3 vorhanden.

Somit entschied ich, dass er so schnell wie möglich ins Camp 2 gebracht werden sollte, da dort natürlich mehr Sauerstoff in der Luft vorhanden ist und es zweitens funktionierende Sauerstoffmasken gibt. So könnte er sich optimal für einen weiteren Gipfelversuch erholen.

Frühmorgens am nächsten Tag,  spielten meine Gedanken wieder einmal verrückt und ich war mir nicht sicher, was nun die richtige Entscheidung war: Auf meinen Begleiter Passang zu warten oder den ganzen Aufstieg nochmals vom Start aus in Angriff zu nehmen.

So erhoffte ich mir Hilfe, indem ich meine Familie per Satelliten Telefon kontaktierte. Meine Familie hat zwar nicht viel Erfahrung in Sachen Extrembergsteigen, aber ich fragte sie um Trost und emotionale Unterstützung. Meine Familie war sehr besorgt um mich und sie rieten mir, nicht noch einmal die ganze Tour neu zu starten.

Als einzige weibliche Sherpa meine Heimatdorfs ist meine Familie ohnehin sehr stolz, dass ich es überhaupt versuche – ganz abseits von Rekorden und dem Durchbrechen von irgendwelchen Grenzen.

Die Stunden, die ich darauffolgend auf Passang wartete, kamen mir wie eine Ewigkeit vor. Die Entscheidung auf ihn zu warten oder doch meinen Weg, zusammen mit Dorje zu gehen, lasteten schwer auf meiner Seele. Die Zeit verging mit zähen Gedanken, Ängsten und Panik. Aber meine Ängste waren alle unbegründet, denn Passang kam in Begleitung anderer Bergsteiger gegen 14.00 Uhr Ortszeit wohlbehalten und ausgeruht im Camp 3 an.

Der nächste Versuch

Im Nachhinein fiel mir auf, dass das größte Problem bei der ganzen Sache die Kommunikation war, denn es gab schlicht und ergreifend keine. Kein Funkgerät, kein Satellitentelefon mit dem ich mich mit Passang hätte verständigen können um eben jene Zweifel und Ängste zu zerstreuen.

Ich schwor mir das zu ändern, sollte ich je wieder eine solche Tour in Angriff zu nehmen. Das und natürlich für jeden Begleiter eine Ersatzsauerstoffmaske im Gepäck zu haben.

Nun da Passang wieder anwesend war, starteten wir zusammen um 16:00 Uhr Ortszeit vom Camp 3 Richtung Camp 4, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. Dort wurden wir mit heißem Tee versorgt und um Mitternacht nahmen wir den weiteren Aufstieg in Richtung Gipfel in Angriff. Passangs neue Sauerstoffmaske war Gott sei Dank in Ordnung und er konnte gut mit meinem Tempo mithalten, da er nun auch  genügend Zusatzsauerstoff einatmen konnte.

Am „Balcony“ auf knapp 8400 m trafen wir weitere Bergsteigerkollegen, die bereits einige Stunden vor uns aufgebrochen waren. Wir waren also recht zügig unterwegs und mein Begleiter Passang zum Glück nach wie vor in guter Verfassung.

Auf dem Dach der Welt

Um 06.26 Uhr Ortszeit erreichten wir dann endlich den Gipfel des Mounts Everest über die Südroute, mit einer Gesamtzeit von 38 Stunden 51 Minuten. Ohne etwas auf die Tube zu drücken benötigt man dafür eigentlich drei bis vier Tage. Wir waren die zwei Einzigen, die den Gipfel an dem Tag von der Südroute aus erreichten, von der tibetischen Seite aus aufgestiegen, waren zwei andere Gruppen, die fast zeitgleich mit uns auf dem Gipfel eintrafen.

Wir verbrachten alle zusammen zwei Stunden auf dem höchsten Gipfel der Welt, bis wir uns wieder an den Abstieg zum Camp 4 aufmachten. Die Freude, als wir wohlbehalten im Camp eintrafen, war groß, ist doch gerade der Abstieg sehr gefährlich und keinesfalls zu unterschätzen. Meine sehr guten Freunde Samantha McMoun und Sherpa Gesman waren vor Freude gerührt, uns wohlbehalten im Camp 4 zu begrüßen. Die Zeit danach verbrachten wir gemeinsam, um über unsere emotionalen Momente der Freude, der Verzweiflung und der Hoffnung zu sprechen.

Samantha und Gesman würden einen Tag später auch in Richtung Gipfel aufbrechen.

Was bleibt…

Die Belastungen, die man während einer solchen Expedition erlebt, gehen weit über das körperliche hinaus. Sie erfordert auch emotionale und psychische Höchstleistungen. Es gibt viele Momente der Ohnmacht, man fühlt sich der Natur ausgeliefert und weiß fast zu keiner Zeit, ob man sein Ziel überhaupt erreichen wird. Zu viele tote Körper sind nach wie vor am Wegesrand zu finden, erzählen von tragischen Geschichten und Schicksalen. Keiner von uns Bergsteigern möchte sich dazu gesellen, keiner möchte in Einsamkeit und Kälte seine letzten Atemzüge tun, jeder möchte wieder

gesund nach Hause kommen und seine Liebsten in die Arme schließen.

Ich hatte viel Glück und Hilfe auf meiner Expedition, konnte mein gesetztes Ziel, den Gipfel des Everest zu erklimmen, erreichen. Es gab viele Momente, in denen ich drauf und dran war abzubrechen, Momente der Angst, der Verzweiflung, dann wieder Momente der Hoffnung und schließlich der Willen, es zu schaffen.

Dies nehme ich zum Anlass, mein Erfolg all denen zu widmen, denen es nicht gelungen ist, wieder heil und gesund zuhause anzukommen und all denen die nie die Möglichkeit hatten oder haben, eine solche Tour machen zu dürfen.

Mein Erfolg und meine Durchhaltekraft soll auch denen dienen, die sich nicht zutrauen eigene Grenzen zu durchbrechen. Nichts ist unmöglich, man muss sich nur trauen es zu versuchen.

Oft ist es nicht das Ziel, dass vermeintlich zu hoch gesteckt ist. Man hat einfach noch nicht den richtigen Weg gefunden.

Phunjo Jhangmu Lama

Anm. der Red.: Phunjo ist die erste nepalesische Frau aus dem Tsum Valley zwischen Manaslu und Ganesh Himal, die den Gipfel des Mount Everest bestieg. Dafür wurde sie vom Tsum Wellfare Commitee, der Nepalesischen Bergsteigervereinigung und dem Ministerium für Kultur, Tourismus und zivile Angelegenheiten im Nachgang ihrer Expedition geehrt.

Wandern, Hiking, Trekking und Co.: der kleine Sprachverwirrungs-Reiseführer

17. Juli 2018
Tipps und Tricks

Wandern, Bergwandern, Fernwandern, Weitwandern, Walking, Trekking, Hüttentrekking, Hiking, Speedhiking, Backpacking, Fastpacking, Pilgern: das alles sind Begriffe, die mehr oder weniger das Gehen in der Landschaft umschreiben. Warum so viele Worte um diese simple und schöne Aktivitätzu beschreiben, bei der man irgendwo da draußen einfach nur einen Fuß vor den anderen setzt? Worin unterscheiden sich all diese „Disziplinen“? Gibt es überhaupt nennenswerte Unterschiede? Genau diese Fragen wollen wir beantworten und schauen uns deshalb die verschiedenen Disziplinen mal genauer an. Dabei beschränken wir uns aber auf die Fortbewegung im Gehtempo und ohne Ausrüstung an den Füßen (wie Schneeschuhe oder Skier).

Gehen ist nicht gleich gehen

Eine erste Antwort auf die Fragen könnte sein: Outdooraktivitäten per pedes werden immer beliebter und dabei diversifizieren sie sich eben immer mehr. Die Bandbreite reicht von einfachen Tagestouren im Sauerland bis zu mehrwöchigen Unternehmungen im Karakorum. Die Varianten unterscheiden sich in ihrer Dauer, in der geografischen Lage und hinsichtlich Anstrengung und Anspruch. Ein weiteres Unterscheidungskriterium für die Kategorisierung der Outdoor-Geh-Aktivitäten ist die verwendete Ausrüstung. Auch die Beweggründe des Losziehens können als Unterscheidungsmerkmal dienen. Die einen wollen genießen, die anderen sportliche Ziele erreichen und wieder andere wollen sich selbst oder einen höheren Sinn finden. Letztere religiös-spirituelle Beweggründe sind mit dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zum Massenphänomen geworden.

Sperriges Deutsch und coole Anglizismen

Dass heutzutage jede Variation des Gehens in der Natur mit einem eigenen Oberbegriff versehen wird, hängt wohl damit zusammen, dass wir Menschen gern kategorisieren. Sicherlich ist auch das Marketing der Tourismus- und Outdoorbranche nicht ganz unschuldig, denn zu einem großen Spektrum an Aktivitäten passt natürlich auch ein großes Spektrum an Ausrüstung und Produkten. Die vielen Anglizismen sind dabei sehr praktisch, lassen sie das Ganze doch auch noch sexy klingen. Zumindest im Vergleich zu manch deutscher Variante, die teils etwas sperrig und angestaubt daherkommt. So macht „Speedhiking“ sicher mehr her als „Hochgeschwindigkeitswandern“ oder kommt „Fastpacking“ lässiger als „Leichtgepäckschnellwandern“.

Allerdings kreiert diese sprachliche Vielfalt unscharfe Begriffe, die man nicht immer Eins zu eins übersetzen kann. Versucht man es doch, kann durchaus mal ein Durcheinander entstehen. So wird beispielsweise das englische „Hiking“ schlicht mit „Wandern“ übersetzt, während „Hiking trousers“ dann aber mit „Trekkinghose“ übersetzt wird. Demnach muss „Trekking“ also etwas anderes sein als Wandern, oder? Ja, so scheint es zu sein. Nur warum wird dann wiederum der „Trekking pole“ als „Wanderstock“ übersetzt?

Als ob das alles also nicht schon genug Verwirrung wäre, kommt nun nach „Trekking“, „Hiking“ und „Walking“ auch noch das „Backpacking“ und „Fastpacking“ hinzu. Während Ersteres auch das Unterwegssein mit Verkehrsmitteln einschließt, ist Letzteres ebenfalls nichts anderes als „gehen“, nur eben mit Rucksack. Aber Moment, beim Wandern hat man doch auch den Rucksack auf dem Buckel. Also ist letztlich doch alles Quatsch? Nein, eher eine Frage von regions- und länderspezifischen Begriffsverwendungen.

Immerhin ist bis hierhin schonmal geklärt, dass die Begriffe Hiking und Wandern identisch sind. Sie werden auch stets Eins zu eins übersetzt, wenn zum Beispiel auf mehrsprachigen Webseiten von Tourismusgemeinden die Wandermöglichkeiten gepriesen werden. Beide beschreiben laut Outdoor Magazin „Tagestouren, bei denen ein Tagesrucksack/Daypack mit 20 bis 30 Liter Volumen zum Einsatz kommt“. Und bei beiden kehrt man in der Regel abends wieder zu einem festen Schlafplatz zurück. Touren mit einer (Hütten)Übernachtungen können somit als Hikingtouren definiert werden.

Die vielen anderen Begriffe für das Gehen in der Landschaft überschneiden sich nicht so stark, sind aber auch nicht immer „sauber“ zu trennen. Vielleicht sollte man deshalb gar nicht so viel vergleichen, sondern einfach der Reihe nach alle Begriffe aufdröseln – dann ergeben sich die Vergleiche bestimmt von selbst:

Wandern

Dauert ein Spaziergang mehrere Stunden, kann man ihn als Wanderung bezeichnen. Der Deutsche Wanderverband setzt hier die mehr oder weniger beliebige Grenze von einer Stunde fest. Außerdem gehört für den DWV zur Klassifizierung des Wanderns eine „entsprechende Planung, Nutzung spezifischer Infrastruktur (…) (und) angepasste Ausrüstung“ dazu.

Keine Rolle spielt, ob es beim Wandern durch Wald und Wiese, Hügel und Berge oder entlang von Flüssen, Küsten und Stränden geht. Der Schwierigkeitsgrad hält sich in Grenzen, denn „es werden markierte, gute Wege begangen, die keinerlei alpine Schwierigkeiten aufweisen“. Das Gelände lässt sich ohne oder mit minimalen Hilfsmitteln wie einem Wanderstock begehen. Letzterer gehört aber schon nicht mehr zur Standardausrüstung, die sich auf robustes, passendes Schuhwerk und eine dem örtlichen Klima angemessene Kleidung beschränkt.

Das war es auch schon mit der Definition, die hier so schön unkompliziert ist, wie das Wandern selbst.

Bergwandern

Hier steckt die Definition schon im Wort: es handelt sich um das Wandern in bergigem Gelände. Meist werden hier markierte oder zumindest gut erkennbare Wege und Pfade benutzt, die normalerweise ohne Klettereinlagen zu begehen sind. Ausgesetzte Stellen sind hier oft gesichert und weglose Passagen meist kurz.

Die Grenzen zwischen Wandern und Bergwandern sind genauso wenig scharf definiert wie die zwischen Bergwandern und Bergsteigen. Festlegungsversuche nach einzelnen Kriterien wie Höhenlage und Höhenunterschiede wären auch schlicht Unsinn, denn sie könnten niemals der Vielfalt an Landschaften und Möglichkeiten der Tourengestaltung gerecht werden. Es müssten dann auch sehr viele Kriterien wie Ausrüstungsbedarf, Zeitdauer, Planungsaufwand oder die Ansprüche an Fitness, Orientierungsfähigkeit, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit einbezogen und verglichen werden. Hier kann man nur sagen, dass all diese Kriterien „einen Tick höher anzusetzen“ sind, als wenn man „nur wandert“.

Die Bandbreite des Bergwanderns ist sehr groß und reicht vom Begehen breiter Forstwege zu einer bewirtschafteten Alm im Alpenvorland bis zur Besteigung eines eisfreien 3000ers im Alpenhauptkamm. Es gibt auch viele Spielarten wie die Höhenwanderung, die in größerer Höhe ohne starke Höhenunterschiede verläuft; oder die Durchquerung, die meist von einer Schutzhütte zur nächsten führt.

Trekking

Das englische Wort „trek“ steht für „Marsch“, „Wanderung“ und diverse Arten von Reisen zu Fuß. Das Wort „trekking“ wird vom Cambridge Dictionary wie folgt definiert„Die Aktivität, eine lange Distanz zum Vergnügen zu Fuß zurückzulegen.“

Damit wäre das englische „Trekking“ nichts anderes als das deutsche „Wandern“ und Trekking, Wandern und Hiking folglich austauschbare Synonyme. Also letztendlich doch wieder alles Quatsch? Nein, natürlich nicht, denn beim Trekking wird eine längere Strecke mit mehr Gepäck zurückgelegt. Der Unterschied liegt also mindestens in den Kriterien der Dauer und Ausrüstung. Laut Trekkingguide.de kommen noch weitere Unterschiede in Sachen Fortbewegung und „Verkehrsmittel“ hinzu:

„Trekking ist für uns das Reisen über mehrere Tage zu Fuß oder mit einfachen, muskelbetriebenen Fahrzeugen wie Kanu oder Fahrrad, in der Regel mit Gepäck. Man könnte das ganze natürlich auch ‚Mehrtageswandern‘, ‚Mehrtageswasserwandern‘ und ‚Mehrtagesradwandern‘ nennen.“

Als weiteres Abgrenzungsmerkmal kann auch das Ziel dienen:

„Abgelegene, gering erschlossene Gebiete mit wenig berührter Natur und traditioneller Kultur sind daher die bevorzugten Ziele des Trekking.“

Das entspricht auch der klassischen Vorstellung von Trekking als einer Art Vorstufe zur Expedition in abgelegene und oft auch kulturell „ursprüngliche“ Gebiete. Neben dem Schlafplatz (in Form des Zelts) wird hier auch eine größere Menge an Proviant mittransportiert.

Das Outdoor Magazin, das durchaus eine Stimme mit Gewicht ist, hat allerdings seine ganz eigene Sicht. Hier heißt es:

Sobald man übernachtet – egal ob in einer Hütte, Pension oder dem Zelt –, spricht outdoor von »Trekking«.

Ein etwas exklusiver Standpunkt, doch durchaus legitim. Einigen wir uns deshalb doch hier darauf, dass Trekking oft in alpenferne Länder wie Nepal oder Kanada führt und weiter von der „Zivilisation“ entfernt stattfindet, als das klassische Wandern. Und darauf, dass man wesentlich mehr Gepäck dabei hat und auch mal echte Wildnis durchkreuzt.

Weit- und Fernwandern

Weit- und Fernwandern könnte so viel heißen wie große Strecken über mehrere Tage oder gar Wochen zurückzulegen – wieder eines dieser  Phänomene, die sich gerade wie ein Popup-Fenster ins öffentliche Blickfeld drängen. Wirft man einen Blick auf Social Media und in die Blogosphäre, scheint alle Welt gerade irgendwo auf Alpenüber- oder Längsdurchquerung unterwegs zu sein. Warum sind alle so erpicht darauf, tage- und wochenlang durch die Gegend zu marschieren? Das Portal Wandern.com hat vielleicht eine Antwort:

Hat man einen längeren Marsch hinter sich und 30 Kilometer oder sogar mehr am Tag bewältigt, erreicht mit brennenden Füßen und schmerzendem Rücken am Ende seiner Kräfte die Herberge, dann jubiliert die Seele und lacht das Herz. Man erlebt dank des Erfolgs – und nicht zuletzt auch aufgrund der hohen Dosierung an Sauerstoff im Blut – einen wahren Glücksrausch.

Die Herberge ist auch das entscheidende Stichwort, um das Fern- und Weitwandern vom Trekking zu unterscheiden, denn der Weitwanderer bewegt sich, anders als der Trekker, nie in gänzlich unerschlossenem Terrain. Und wenn der Weitwanderer nicht mehr zu seiner Ausgangsherberge zurückkehrt, wird er zum Fernwanderer umbenannt.

Das Wegehandbuch der Alpenvereine trifft die Unterscheidung auch der Länge nach: Fernwanderwege sind über 500 km lang und führen durch mindestens drei Staaten. Weitwanderwege sind über 300 km lang und verlaufen durch mindestens drei Bundesländer. Diese akkuraten Festlegungen hindern natürlich niemanden daran beliebig viele nationale und auch regionale Weit- und Fernwanderwege einzurichten.

Durch ihre Gebundenheit an lokale Ressourcen und Infrastrukturen, sind Weit- und Fernwanderer ein weit wichtigerer Wirtschaftsfaktor, als die Trekker. Dementsprechend werden erstere auch stärker umworben. Diese wirtschaftliche Komponente ist auch eine der weniger romantischen Erklärungen des Weitwanderbooms. Im Rahmen dessen werden immer mehr Wege zu Fernwanderwegen verbunden, markiert, ausgebaut und vermarktet.

Pilgern

„Fernwandern mit spiritueller Motivation“ – so könnte die Kurzformel für das Pilgern lauten. Vor allem die spanischen Jakobswege, mit ihren stimmungsvollen Landschaften und dem dichten Netz an Herbergen, ziehen Fernwanderer aus aller Welt an. Der bekannteste unter ihnen führt von den Pyrenäen zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.

Speedhiking

Dem „Wandern im Turbogang“ haben wir hier kürzlich einen ganzen Artikel gewidmet. Diese verschärfte Art des Wanderns führt oft mit kräftigem Stockeinsatz und leichter Ausrüstung in anspruchsvolles Gelände. Die Stöcke dienen zur Stabilisierung des Körpers und zur Stärkung der Oberkörpermuskulatur.

Zunächst wurde Speedhiking hauptsächlich als Ausgleichssport oder Trainingsmethode für andere Bergsportarten wie Skitouren oder Trailrunning betrieben. In den letzten Jahren zeigt es sich jedoch zunehmend als eigene Sportart, mit der man sehr gut konditionelle und koordinativen Fähigkeiten entwickeln kann. Außerdem passt Speedhiking in den aktuellen Ultraleicht-Trend. Selbstverständlich gibt es mittlerweile auch eigene Wettbewerbe, mit verschiedenen Distanzen und Schwierigkeitsgraden für die wachsende Zahl der Sportler unterschiedlichen Niveaus.

(Nordic) Walking

Auf den ersten Blick scheint das flotte Gehen mit dem betonten Stockeinsatz das Gleiche wie Speedhiking zu sein, denn auch hier werden Stöcke geschwungen und das Gehtempo gesteigert. Allerdings werden beim Nordic Walking eher selten viele Höhenmeter oder besonders lange Distanzen abgerissen. Auch das begangene Gelände und das Tempo erweisen sich bei näherer Betrachtung als deutlich gemütlicher. Nordic Walking dürfte also irgendwo zwischen spazieren, wandern und joggen anzusiedeln sein.

Die auch als Powerwalking bezeichnete Wandervariante hat, im Gegensatz zum Speedhiking, ein leicht betuliches Image, sodass man in Wald und Flur eher selten auf junge (Nordic) Walker trifft. Als Bergsport spielt Nordic Walking kaum eine Rolle. Ihre Anhänger sehen eher die Gesundheitsaspekte und den Geselligkeitsfaktor im Vordergrund.

Fastpacking

Genau wie Speedhiking schwimmt auch das Fastpacking im Fahrwasser des Ultraleicht-GedankensFastpacking ist eine Mischung aus (Speed)Hiking, Trekking und Berglauf. Das Motto hier heißt „schnell und lang“. Das bedeutet, dass es mehrere Tage zu Fuß durch abgelegenes Bergterrain, über schroffe Gipfel und unerschlossene Bergketten hinweg geht. Übernachtet wird idealerweise im Biwaksack oder ganz puristisch im Freien.

Fastpacking ist nichts für in den Bergen Ungeübte, da der Minimalismus einen fortgeschrittenen Trainingsstand und einen routinierten, sowie kreativen Umgang mit der Ausrüstung erfordert. Die leicht-und-schnell-Einstellung des Fastpacking ist an den Alpinstil-Gedanken der Bergsteigerei angelehnt. Bei aller Ambition geht es hier aber auch darum den Gesamtaufwand zu minimieren, ohne allerdings die Sicherheit und den Komfort zu vernachlässigen.

Kreative und exotische Spielformen

Geocaching ist die Schatzsuche und Schnitzeljagd für junge und junggebliebene Freizeitabenteurer. Durch etwas technische Spielerei mit dem GPS-Gerät entsteht ein kleiner Extrakick, der auch die weniger Naturbegeisterten nach draußen locken kann. Das GPS-Gerät hilft beim Aufspüren der „Caches“ (Schätze), die mittlerweile auch in den Bergen überall versteckt sind. Mit Geocaching wird das (Berg)Wandern also auch für junge Zocker etwas weniger abschreckend.

Barfußwandern fügt dem Wandern nichts hinzu, sondern nimmt etwas weg – nämlich die Schuhe. Was Horrorvorstellung für die einen ist, bedeutet Befreiung von Zwängen für die Anderen. Anfänger gehen am Besten erstmal nur eine kurze Strecken auf geeignetem Untergrund (Gras, Sand oder Erde) und tasten sich auf diese Weise sprichwörtlich an die Sache heran. Zudem besteht natürlich immer die Möglichkeit die mitgeführten Schuhe anzuziehen.

Ihr seht, die Liste der „wanderartigen Aktivitäten“ wird lang und länger. Und da wir Menschen beim Erfinden neuer Outdooraktivitäten unermüdlich sind, dürfen wir gespannt sein, welche ausgefallene Wanderdisziplin die Liste als Nächstes erweitern wird. Deshalb, Fortsetzung folgt…

Rucksackapotheke für die Erste Hilfe

12. Juli 2018
Tipps und Tricks

Kann man dieses Thema nicht schnell abhaken? Man braucht doch schließlich nur eines der vielen fertig gepackten Erste-Hilfe-Sets zu kaufen und gut ist. Meistens ist da ja sogar noch eine Bedienungsanleitung drin, die ich mir im Notfall immer noch schnell durchlesen kann. Und überhaupt, diese Notfälle sind doch eher Theorie, bei mir wird sowas eh nie eintreten. Oder?

„Ich hab das voll im Griff und bin eh vorsichtig“

Als sehr junger Bergfreund habe ich selbst so gedacht (bzw. darüber überhaupt nicht nachgedacht) und Erste-Hilfe-Sets eher immer für ein optionales Extra gehalten. Das hat sich dann allerdings schnurstracks geändert als ich binnen weniger Jahre viermal Situationen am Berg erlebt habe, in denen Erste-Hilfe-Zeug zum Einsatz kam – davon einmal an mir selbst. Das hat mich von der Notwendigkeit des Ganzen ziemlich überzeugt.

Außerdem lernte ich von da an, dass es immer besser ist wenn man lieber zu viel als zu wenig Material dabei hat. So hat bei meinem eigenen Unfall zum Beispiel ein zufällig in der Nähe befindlicher Rettungssanitäter mehrere Rollen Verband als Blutstiller in meinem offenen Schienbein verschwinden lassen, bevor er das Ganze mit einem weiteren Verband umwickelte und (zu meinem Leidwesen) kräftig zusammendrückte. Womöglich war es jedoch gerade dieser kreative Einsatz an reichlichem Material, der mir die eigentlich vorprogrammierte Infektion, der über eineinhalb Stunden unbehandelten Wunde, erspart hat. Die paar Gramm Zusatzgewicht für Verbandsmaterial können sich also durchaus lohnen!

Und noch eine Lektion habe ich gelernt: auf schnelle oder gar sofortige Hilfe per Handyanruf sollte man sich NICHT verlassen – nicht einmal im deutschen Alpenraum. Auch heutzutage gibt es im Gebirge überall Zonen und Winkel, die ohne Netzabdeckung sind.

Befindet sich in solch einer Zone mal ein Verletzter, der sich nicht bewegen kann und von keinem weiteren Gruppenteilnehmer umgeben ist, der Hilfe holen kann, bleibt nur noch das alpine Notsignal. Dieses besteht aus sechs akustischen und/oder optischen Hilferufs-Signalen, die pro Minute ausgesendet werden. Diese Signale verlaufen dabei so, dass eine Minute lang die sechs Signale erzeugt werden, dann eine Minute Pause folgt und danach für eine Minute weitere sechs Signale einsetzen. Eine eventuelle Antwort besteht dabei aus drei Signalen pro Minute.

Auch Signalraketen könnten hier sinnvoll sein und das selbst in alpinen Gebieten, die nicht abgelegen oder einsam sind.Warum? Auch viel frequentierte Bergmassive haben Routen in unübersichtlichem Gelände, mit versteckten Ecken und Winkeln. Im Falle eines Unfalls kann das laute Leuchtgeschoss der entscheidende Hinweis für suchende Retter sein.

„Ab wann“ wird das Erste-Hilfe-Set zur Pflicht?

Mittlerweile habe ich selbst bei leichten Wanderungen, meist auch beim Ausflug zum Klettergarten, das Erste-Hilfe-Set im Rucksack dabei – quasi fest installiert in der Deckeltasche.

Und apropos Klettergarten: erstaunlicherweise scheint es als normal zu gelten, beim Sportklettern KEIN Erste-Hilfe-Set dabei zu haben, obwohl das Verletzungsrisiko dort sicher nicht geringer ist als bei Bergwanderungen. Viele verlassen sich hier wohl darauf, dass im Notfall schon irgendjemand irgendwas dabei haben wird.

Andererseits: klar, wenn man wirklich auf Nummer sicher gehen wollte, müsste man wohl auch beim Radeln in der Innenstadt ein Set dabei haben. Das wäre vielleicht übertrieben, doch bei allen „kleineren“ Unternehmungen ist die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets eben eine individuelle, subjektive Entscheidung.

Ein wirkliches Argument gegen die Mitnahme eines Erste-Hilfe-Sets gibt es jedenfalls nicht. Nicht einmal der Gewichtseinwand, da die allermeisten Artikel im Erste-Hilfe-Set so wenig wiegen, dass die meisten Bergfreunde den Unterschied, ob sie dabei sind oder nicht, kaum merken.

Bei „richtigen“ Bergtouren und Klettereien, die über einen ganzen Tag und länger hinweg dauern, ist die Sache hingegen klar: kein Erste-Hilfe-Set = fahrlässige Dummheit. Den unverzichtbaren Erste-Hilfe-Bedarf für solche Zwecke schauen wir uns nun einmal gemeinsam näher an:

Der Inhalt der Rucksackapotheke

Die meisten der folgend aufgezählten Dinge sind schon in den kleineren Basic-Sets enthalten. Die etwas größeren Sets hingegen enthalten oftmals viel zusätzliches Material zur Wundbehandlung, an dem man für kleine, einfache Touren durchaus abspecken kann. An anderen Dinge (vor allem an Medikamenten) wird man hingegen aufstocken müssen.

Meist empfiehlt es sich deshalb das gekaufte Set an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen und mit einem Einkauf in der Drogerie und Apotheke zu vervollständigen. Manche der entsprechenden Artikel gibt es auch hier im Bergfreunde Shop – neben zahlreichen verschiedenen Erste-Hilfe-Sets für unterschiedliche Bedürfnisse und Reisearten.

Für den Umfang gibt es eine simple Regel: je länger, abgelegener und riskanter/verletzungsträchtiger die Unternehmung, desto umfangreicher die Apotheke. Ihre Zusammensetzung ist vor allem vom Reiseziel abhängig. Wir befassen uns in der folgenden Auflistung „nur“ mit der Ausstattung für Bergwanderungen und alpine Touren. Fernreisen in Dschungel, Wüsten und andere exotische Destinationen erfordern jeweils andere spezielle Zusammensetzungen. Ähnliches gilt für Familienausflüge, bei denen man zwar vermutlich weniger mit großen Wunden, mehr dafür aber mit anderen Dingen wie allergischen Reaktionen oder kleineren Verbrennungen rechnen muss.

Dies wäre eine Auflistung unserer Must-Have-Utensilien, die in der Erste-Hilfe-Tasche nicht fehlen sollten:

  • Verbandsschere: Sie sollte scharf aber nicht spitz sein, denn es kann auch schon mal vorkommen, dass es schnell gehen muss. Die Schere am Taschenmesser oder die Nagelschere im Kulturbeutel kann natürlich auch benutzt werden. Sicherlich ist diese aber nicht steril.
  • Pinzette: Sie eignet sich u.a. zum Entfernen von Splittern. Bei Touren durch viel Wald, Gebüsch und Unterholz lohnt es sich zusätzlich eine Zeckenzange mitzunehmen.
  • Rettungsdecke: Zum Schutz vor Kälte oder UV-Strahlung während des Wartens auf Rettung.
  • Signalpfeife: Für das alpine Notsignal.
  • Sortiment Pflaster (Wundschnellverband): Diese sollte man sortiert in mindestens zwei verschiedenen Größen einpacken.
  • Blasenpflaster: Für kleinere Touren sollten 2-3 Pflaster reichen. Für längere Touren lohnt es sich nochmals an 2-3 weiteren Pflastern aufzustocken.
  • Sterile Wundauflagen/Kompressen: Auch hier reichen für kleinere Touren 2-3 Wundauflagen zum Abdecken größerer Wunden/Verletzungen. Für ernstere Touren sollten jedoch wieder 2-3 mehr eingepackt werden.
  • Tape: 1 Rolle Tape ist perfekt! Tape ist vor allem unentbehrlich, da es auch für Notreparaturen an der Outdoorausrüstung einsetzbar ist.

  • Verbandspäckchen: Für einfache Touren sollte 1 großes und 1 kleines Verbandspäckchen (am besten mit fixierter Wundauflage/Kompresse) im Gepäck sein. Bei größeren Touren sollten zusätzlich 2 elastische Verbandsrollen (möglichst selbstklebend, um leicht fixierbar zu sein und besseren Halt bei beispielsweise verstauchten Knöcheln zu geben) in die Erste-Hilfe-Tasche wandern.
  • Dreiecktuch: Bei einfachen Touren genügt 1 Dreiecktuch zum Stabilisieren von Gelenken und Schienen bei Brüchen. Bei größeren Touren sollte zusätzlich an einem Verbandtuch (Maße 40 x 60 cm) zum Abdecken großflächiger Verletzungen aufgestockt werden.
  • Einmalhandschuhe: und/oder 2-3 Reinigungstücher.
  • Wunddesinfektionsmittel: (Zum Beispiel Alkoholgel oder Alkoholtücher)
  • Kühlmittel: (Voltaren, Biofreeze, o.a.)
  • Schmerzmittel: (Paracetamol, Ibuprofen (wirkt auch gegen Höhenkopfschmerzen))

Extras für große Touren in abgelegenem Terrain:

  • Wundnahtstreifen/Klammerstreifen: Zum Verschließen klaffender (Platz)Wunden, die man ohne Nadel und Faden behandeln muss. Allerdings rollt sich das Gewebe bei größeren Wunden zur Verhinderung von Blutverlust an den Wundrändern ein, sodass sie, wenn überhaupt, nur direkt nach der Verletzung zusammengehalten werden können.
  • Sam Splint Schiene: Zum Schienen von Brüchen. Eine leicht gepolsterte Leichtmetallschiene ist empfehlenswert, da sie sich in fast alle Richtungen biegen lässt.
  • Fieberthermometer: Dieses sollte robust sein, sodass es während der Tour möglichst nicht kaputt gehen kann.
  • Kohletabletten: Besonders hilfreich, wann immer einen Montezumas Rache ereilt. Und das kann bei fremdländischer Küche schneller der Fall sein, als man denkt.
  • Wasseraufbereiter oder -Desinfektion: Hilft, die vorherige Problematik zu umschiffen. Die Tabletten oder Tropfen passen ebenfalls ganz easy ins Erste-Hilfe-Pack.

Für wochenlange Trekkings oder Expeditionen empfiehlt das Bergsteiger-Magazin die Nutzung weiterer Taschen als variablen Stauraum. Dort „finden diverse Medikamente, Hydratationspulver, Wundspülungen (Care Plus) etc. [ihren] Platz.

Optional/Spezialbedarf:

  • Brand- und Wundsalbe
  • Medikament gegen Höhenkrankheit
  • individuell benötigte Medikamente wie zum Beispiel Antihistaminika für Allergiker

Auf den ersten Blick sieht die Liste vermutlich nach ziemlich viel Ballast aus. Wenn man all das allerdings einmal zusammenpackt, dürfte man kaum über 500 g Gewicht kommen. Und zum Vergleich: die größten, für mehrere Verletzte befüllten Sets, in denen weitere Dinge wie Beatmungstuch, Lippenbalsam und Blutlanzetten integriert sind, wiegen um die 850 Gramm.

Rucksackapotheke für größere Gruppen

Der eben genannte Bedarf reicht in aller Regel für kleinere Gruppen bis etwa 4 Personen aus. Einen Unfall trifft oftmals „nur“ ein Gruppenmitglied. Doch man weiß nie, ob der Steinschlag oder der Seilschaftssturz nicht auch mal mehrere Bergfreunde zugleich erwischt.

Meistens ist das Erste-Hilfe-Set auch dann greifbar, selbst wenn derjenige, der es im Rucksack hat, selbst der Verunglückte ist. Natürlich kann man aber auch hier nicht darauf zählen, weshalb man für Gruppen eigentlich nur eine Empfehlung geben kann: je mehr Erste-Hilfe-Sets dabei sind, desto besser. Es dürfte auch besser sein, wenn mehrere Teilnehmer ein kleineres Set bei sich tragen, als wenn einer ein Riesen-Set mit sich trägt.

Last but not least: die Erste-Hilfe-Tasche

Nicht nur der Inhalt, sondern auch die Hülle der Bergapotheke sollte passen. Bei kleinen Sets ist der Nachteil, dass der Inhalt oft in einen Beutel „gestopft“ ist, den man dann im Fall eines Unfalls durchwühlen muss. Die allermeisten Outdoor-Erste-Hilfe-Taschen sind jedoch entsprechend durchdacht. Sie bestehen aus robustem Nylon und sind dank Rundumreißverschluss, wie ein Mini-Koffer, aufklappbar. Die besten Taschen lassen sich mehrfach aufklappen, haben durchsichtige Innentaschen und Fächer, und sind übersichtlich geordnet. Viele Sets lassen sich zudem außen am Rucksack oder am Gurt befestigen, wodurch sie immer gut sichtbar und schnell greifbar sind.

Fazit

Der Überblick soll euch hoffentlich gezeigt haben, dass die Erste-Hilfe-Tasche ein absolut Muss im Outdoor-Gepäck ist. Bevor man an ihr einspart, sollte lieber auf ein anderes Outdoor-Gadget verzichtet werden. Mit gutem Gewissen kann man so auf jeden Fall das bisschen Gramm des Erste-Hilfe-Sets auf seinem Rücken tragen und in einer Notfallsituation entsprechend agieren. Trotz allem Risiko und aller Vorsichtsmaßnahme hoffen wir jedoch natürlich, dass das Erste-Hilfe-Set bei euch nie in einen ernsteren Einsatz kommen muss.

Falls ihr noch Fragen habt, könnt ihr uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen.

DWR Imprägnierung – Fluch oder Segen?

10. Juli 2018
Pflegetipps

DWR steht im Englischen für „Durable Water Repellency“, was wörtlich als „dauerhafte Wasserabweisung“ übersetzt werden kann. Es handelt sich hierbei um eine unsichtbare Imprägnierung des textilen Gewebes von Funktionsbekleidung oder Schuhen. Folglich ist DWR kein Name für ein bestimmtes Material oder System, sondern im Grunde nur die Beschreibung einer Eigenschaft. Doch der DWR-Effekt erzeugt sich nicht von alleine, sondern wird durch verschiedene Chemikalien und Technologien herbeigeführt, die sich von Hersteller zu Hersteller etwas unterscheiden.

Welche Eigenschaften hat DWR?

Lange Zeit dachte ich, dass die als wasserdicht und atmungsaktiv verkaufte Kleidung quasi automatisch eine dauerhaft wasserabweisende Oberfläche hätte. Der Realität begegnete ich dann allerdings ziemlich schnell, als die Außenseite meiner Gore-Tex Jacke schon nach nur relativ wenigen Einsätzen nicht mehr dauerhaft trocken blieb, sich unter Regenaussetzung mit Wasser voll sog und sich zunehmend klamm und kalt anfühlte. Ich fragte mich schon, ob die Membran beschädigt und die Jacke „nicht mehr dicht“ sei.

Die Jacke war aber noch dicht und auch sonst vollkommen in Ordnung. Es war nur die DWR-Imprägnierung, die nachgelassen hatte. Beim Großteil aller Funktionsbekleidungen ist sie der erste, äußere Schutzwall gege­n Nässe. Laminate und Membranen halten das Wasser zwar draußen; schaffen es aber nicht es vom Eindringen in die äußere Textilschicht abzuhalten. Wenn das Wasser dann dort einen geschlossenen Film bildet, ist das Gewebe nicht nur klamm, sondern verliert auch seine Dampfdurchlässigkeit und damit Atmungsaktivität. Man spricht dann vom „Wetting out“.

Die DWR Behandlung verhindert genau dieses Zusammenfließen des Wassers, indem es die Fasern und die Textiloberfläche sehr glatt hält. Das Wasser perlt dann in Form vieler Tropfen ab, anstatt vom Oberstoff aufgenommen zu werden. Das kann wie gesagt auf verschiedene Weisen erreicht werden. Beispielsweise dringt bei den Gore-Tex-Materialien die Imprägnierung in die Fasern ein und verringert die Oberflächenspannung des Oberstoffs.

Allerdings lässt der perlende „Lotusblüteneffekt“ mit zunehmendem Verschleiß der DWR-Behandlung nach. Bei häufigem Tragen, Verschmutzungen und dem Kontakt mit Waschmitteln kann das relativ schnell geschehen. Der Begriff „dauerhaft“ sollte also recht dehnbar aufgefasst werden. Die gute Nachricht ist jedoch, dass man die DWR-Behandlung schnell und einfach reaktivieren oder erneuern kann. Dazu gleich noch mehr im Detail.

Zuvor ist noch zu erwähnen, dass DWR-Imprägnierungen nicht „wasserdicht“, sondern lediglich „wasserabweisend“ sind. Dem Stark- oder Dauerregen hält sie alleine nicht stand; dazu braucht sie schon zusätzliche Unterstützung wie eine Membran und getapte Nähte.

Was genau ist eine DWR Imprägnierung?

Man liest zwar überall darüber wie DWR funktioniert, doch nur selten wird erklärt was für Substanzen und Technologien genau dahinter stecken. Vielleicht liegt das daran, dass man hierfür ziemlich tief in die Welt der industriellen Verfahren und Verarbeitungstechniken eintauchen und sich mit einer großen Zahl chemischer Wirkstoffe auseinandersetzen muss:

Je nach den Anforderungen an die Wasch-, Reinigungs- und Wetterbeständigkeit werden als Imprägnierungsmittel Paraffin- und Wachsemulsionen, aber auch filmbildende Silikone und Fluorcarbone, die einen guten permanenten Schutz bilden, eingesetzt. (…)

Die imprägnierenden Wirkstoffe sind bislang hauptsächlich Fluorcarbone (PFC), die auch als polyfluorierte Tenside bekannt sind. Im Outdoorbereich sind deren wichtigsten verwendeten Unterarten Perflouroktansulfonsäure (PFOS) und Perfluoroktansäure (PFOA). Da mittlerweile nicht mehr nur PFOA und PFOS, sondern auch sämtliche Fluorcarbone als gesundheitlich und umwelttechnisch bedenklich gelten, suchen immer mehr Hersteller nach Alternativen. Einige solcher alternativen Imprägniermittel funktionieren – vereinfacht gesagt – auf Basis von Wasser- und Fettsäure (aliphatische Kohlensäuren). Mehr zum Thema PFC und der Suche nach Alternativen folgt gleich noch im Umwelt-Abschnitt.

Für das Einarbeiten der imprägnierenden Substanzen in das textile Gewebe gibt es abermals verschiedene Verfahren. Das Bekannteste ist das Tauchverfahren, bei dem die Gewebe durch ein DWR-Flüssigkeitsbad gezogen werden. Ein neueres und präziseres Verfahren ist das Auftragen über Spritzdüsen.

Die DWR Imprägnierung auffrischen oder erneuern

Wie schon erwähnt, bedeutet „durable“ nicht „ewig“. Daher muss die Imprägnierung nach mehr oder weniger häufigem Einsatz aufgefrischt oder komplett erneuert werden. Was genau zu tun ist oder ob überhaupt etwas zu tun ist lässt sich ganz einfach testen: man lässt einfach ein paar Wassertropfen über das Kleidungsstück laufen und schaut, ob diese in den Oberstoff einziehen. Tun sie das nicht, ist die Imprägnierung noch in Ordnung.

Zieht das Wasser teilweise ein, sollte man zunächst versuchen, die alte Imprägnierung aufzufrischen. Nach einer Wäsche gemäß der Pflegeanleitung des Herstellers, darf dem Material nur warme Luft zugeführt werden. Das geht entweder mit dem Wäschetrockner (Schongang 60°C), mit einem Bügeleisen (kein Dampf; keinen direkten Kontakt mit dem Kleidungsstück, sondern eine Stoffschicht dazwischen legen) oder mit einem Föhn. Die Wärme sollte etwa 20 – 30 Minuten einwirken. Anschließend führt man einen erneuten Wassertropfentest durch. Verläuft dieser erfolgreich, hat das Reaktivieren der DWR Imprägnierung bis zur nächsten Wäsche funktioniert.

Hat der Wassertropfentest nicht funktioniert, muss die Imprägnierung erneuert werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Einsprühen oder Einwaschen. Bei beiden Methoden sollte das Kleidungsstück auf jeden Fall trocken und sauber sein.

Beim Einwaschen ist zunächst wichtig, dass die Einspülkammer der Waschmaschine sauber ist.  Dann wird die vom Hersteller empfohlene Dosis des Imprägnier-Waschmittels eingefüllt und die Kleidung im Schonwaschgang bei 40°C gewaschen. Anschließend wird sie je nach Pflegeempfehlung (siehe Etikett) entweder zum Trocknen aufgehängt oder im Trockner auf der niedrigsten Stufe getrocknet.

Das Problem bei der Waschmethode ist, dass der Imprägnierfilm auch auf die Innenseite der Kleidung gelegt wird, wodurch die Atmungsaktivität spürbar nachlassen kann. Je nach  Textilgemisch und Membran gibt es hier unterschiedliche Reaktionen. Bisweilen wird auch die Nachimprägnierung durch eine professionelle Reinigung empfohlen. Das bringt zwar den Vorteil, dass nicht mit den Chemikalien herum hantiert werden muss und sorgt unter Umständen für eine haltbare Neuimprägnierung, ändert aber auch leider wenig an dem genannten Problem.

Das Nachsprühen bringt zwar mehr Chemikalienkontakt mit sich, hat aber auch den Vorteil, dass die Imprägnierung wie gewünscht verteilt werden kann. So kann man mit dem Imprägnierspray gezielt die Außenseite und besonders die sensiblen Stellen wie Nähte, Bündchen und Schultern bearbeiten. In der Welt der Imprägniersprays gibt es auch fast nur noch Pump-Sprays, die ohne schädliche Aerosole als Sprühhilfen auskommen. Trotzdem sollten natürlich auch diese Sprays nur im Freien bei guter Durchlüftung verwendet und so wenig wie möglich eingeatmet werden.

Auch Soft­shells haben meist eine DWR Behandlung, die von Zeit zu Zeit erneuert werden muss. Dafür gibt es von Toko und Nikwax spezielle Imprägniermittel und -sprays, die sich wie ein wasserabstoßender Schlauch um die Fasern legen und die Bewegung der Softhsell-Fasern aufrechterhalten.

Mehr über das Nachimprägnieren und den Vergleich zwischen Einwaschen und Einsprühen erfährst du in der Bergfreunde-Anleitung zum richtigen imprägnieren von Regenjacken.

Bei Schuhen, die mit der DWR Imprägnierung ausgerüstet sind, kommt eigentlich nur das Sprühen infrage. Einfetten, Einölen und Einwachsen führt fast immer zur Zerstörung der Atmungsaktivität. Dennoch ist auch nicht jedes Imprägnierspray für jeden Schuh geeignet. Ein Grund also mehr beim Schuhkauf die Pflegeempfehlungen des Herstellers aufzubewahren und möglichst genau zu befolgen.

Abschließend noch ein Tipp: Man sollte keine zu hohen Erwartungen hegen, denn kaum eine nachträgliche Imprägnierung reicht je an die Güte der Originalbehandlung heran. Auch dann nicht, wenn man die Kleidung nach dem Motto „viel hilft viel“ zwar hochseetauglich imprägniert, damit aber auch die Atmungsaktivität des Gewebes ruiniert.

Sind DWR Imprägnierungen umweltschädlich?

Sagen wir mal so: die DWR Imprägnierungen fügen sich bislang noch nicht allzu harmonisch in das Ökosystem ein. Brennpunkt der Umweltdiskussion sind die PFC-Verbindungen, die, vereinfacht zusammengefasst, jahrelang in Organismen verweilen und sich in der Natur nicht abbauen. PFC-Spuren sind in den entlegensten Winkeln der Erde nachweisbar. Bislang ging man davon aus, dass keine direkten gesundheitlichen Risiken bestehen würden und „nur“ Produktion, Wäsche und Entsorgung von Outdoorprodukten die Probleme seien. Doch eine wachsende Zahl an Human- und Tierstudien deuten auf gesundheitliche Probleme durch PFC im Körper hin – und zwar in vielen lebenswichtigen Bereichen wie Immunsystem, Hormonhaushalt und Fortpflanzung.

Wie groß diese Risiken einzuschätzen sind wird heftig diskutiert. Lange Zeit gab es diverse Spekulationen darüber, welche PFC-Verbindung sich wie stark wo ansammelt und welche sich wie schnell wo abbaut. Zeitweise galten deshalb Imprägniermitteln auf Basis von C6-kettigem PFC, anstelle von C8, als sicher. Doch Kritiker, wie der Nikwax-Firmengründer Nick Brown, bezeichneten dies als „Märchen“. Brown ist der Ansicht, dass nur der vollständige Verzicht auf PFC die Umwelt- und Gesundheitsrisiken wirklich senkt.

Nikwax war damit auch die erste Firma, die konsequent auf PFC verzichtete und dies bis heute treu umsetzt. Da Forschungen immer mehr darauf hindeuten, dass wirklich alle PFC-Verbindungen schädlich für Umwelt und Gesundheit sind, ziehen immer mehr Anbieter nach. Neben Nikwax hat auch Toko PFC-freie Imprägnierwaschmittel und -Sprays im Angebot. Das tun sie allerdings eher wegen des gestiegenen Interesses der Kundschaft, anstatt als Druck auf den Gesetzgeber. Dieser sieht nämlich weiterhin nicht vor PFC zu deklarieren.

Bislang galt es als „technisch fast unmöglich, eine gleichwertig leistungsfähige Imprägnierung ohne PFC herzustellen“. Sprich eine Imprägnierung, die nicht nur Wasser, sondern auch Schmutz abweist und somit die Atmungsaktivität erhält. Imprägnierungen aus PU oder Silikon waren bzw. sind zwar umweltfreundlicher, fallen aber in Sachen Funktionalität deutlich hinter PFC-basierte Imprägnierungen zurück.

Doch wie der Umweltpionier Vaude in seinem Nachhaltigkeitsbericht von 2016 schreibt, ist das dank innovativer Technologien „inzwischen kein Problem mehr.“ Als letzter „Nachteil“ bleibt nur noch, das PFC-freie DWR Imprägnierungen nicht öl- und fettabweisend sind. Dazu merkt Vaude an, dass diese Funktion auch nicht wirklich benötigt wird. Und in der Tat: wann hat man draußen im Wald oder am Berg je mal Probleme mit Fett und Öl auf der Funktionskleidung? Vermutlich eher selten.

Wie in so vielen Bereichen ist Vaude mit seinem DWR Eco-Finish ein Vorreiter. Weitere umweltfreundliche Alternativen ohne jede Funktionalitätseinbuße befinden sich derzeit in der Forschungs- und Entwicklungsphase und dürften früher oder später zur Marktreife gelange.

Bis 2020 plant Vaude sämtliche Produkte PFC-frei anzubieten. Und auch viele andere Hersteller haben bereits eine oder mehrere PFC-freie Kollektionen. Einen wirklichen Meilenstein könnte bald auch Gore-Tex erreichen, deren Materialien bekanntlich als Vorprodukte in sehr vielen Kleidungsstücken zahlreicher Outdoormarken verabreitet sind. Bis Ende 2023 hat Gore-Tex einen PFC-Verzicht angekündigt.

Bis dahin kann man auf folgende PFC-freie und umweltfreundliche Imprägnier-Alternativen zurückgreifen:

  • Bionic-Finish Eco basiert auf hochverzweigten Polymeren mit einer hohen Dichte an hydrophoben (wasserabweisenden) Elementen. Diese Verbindung weist Wasser und wässrige Schmutzsubstanzen sehr gut ab, ist waschbeständig und abriebfest. Zudem behindert das Biofinish Eco nicht die Atmungsaktivität. Eco Finish ist die aus wieder abbaubaren Inhaltsstoffen bestehende DWR-Ausrüstung von Vaude.
  • Auch Ceplex und Dermizax kann man als Alternativen betrachten, die nach anderen Prinzipien als die DWR Imprägnierung funktionieren. Ceplex ist eine PU-Beschichtung, Dermizax eine Art PU-Membran mit beweglichen Molekülen.

Imprägnierung ist auf jeden Fall wichtig, soweit man zumindest bei einem heftigen Regenguss nicht triefend umher laufen möchte. Und wie man sieht tut sich momentan einiges auf dem Markt der Imprägnierungen. Wir sind gespannt, wie sich die Outdoorwelt weiterhin ins positive für Mensch und Umwelt entwickelt.

Der ideale Standort fürs Zelt

5. Juli 2018
Tipps und Tricks

In diesem Artikel geht es nicht um die Standortsuche auf dem überfüllten Campingplatz, sondern um Standorte beim sogenannten „Wildcampen“, also in der „freien Natur“. Einen schönen Standort selber zu finden, kann ein richtiges Erfolgserlebnis sein, vor allem wenn die Suche danach langwierig und schwierig war.

Um jedoch im Zelt keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte man eine Reihe potenzieller Szenarien und Schwierigkeiten beachten. Diese möchte ich hier einmal möglichst vollständig durchleuchten. Einige davon mögen gerade erfahrenen Campern trivial erscheinen und manche lassen sich allein durch einfaches Nachdenken vor Ort erschließen. Doch ich möchte fast wetten, dass niemand wirklich alle der folgenden Aspekte schon auf dem Schirm hat. Schaue es dir am besten mal der Reihe nach an:

Hausaufgaben machen und vorsondieren

Die beste Standortwahl nützt nichts, wenn der Aufbau des Zelts nicht klappt. Führe deshalb bei neuen Zelten immer zuerst einen Probeaufbau daheim durch. Dabei wird dann auch gecheckt, ob der Lieferumfang wirklich vollständig enthalten und unbeschädigt ist. Bei älteren, bereits erprobten Zelten kann sich die Mitnahme von ein oder zwei Ersatzheringen und Reparaturmaterial lohnen. Letzteres muss nichts Kompliziertes sein, schon ein bisschen Tape (auch Duct Tape, Panzerband oder Gafferband genannt) kann zum Flicken und Kleben vollauf genügen.

Ein etwas ausgefallenerer, aber brauchbarer Tipp ist die Mitnahme von einigen Felshaken. Diese eigenen sich bei steinigem Untergrund, wo normale Heringe schwer einzutreiben sind.

Die Art des Untergrunds kann man übrigens durchaus beeinflussen, indem man nicht erst bei Sonnenuntergang mit der Zeltplatzsuche beginnt, sondern mindestens 2 Stunden vorher. Gut, das war jetzt einer dieser Tipps, auf die du bestimmt auch selbst gekommen wärst. Dafür kommen aber jetzt ein paar Aspekte, die du nur dann selbstverständlich findest, wenn du ein(e) wirklich smarte(r) Bergfreund(in) bist:

Bürokratie und Outdoor-Knigge

Spontane Freiheit ist schön, doch es kann vorteilhaft sein, geeignete Zeltplätze auf der geplanten Tour schon von zu Hause aus zu recherchieren. In viel besuchten Nationalparks gibt es ohnehin diverse Beschränkungen und die Zeltplätze sind oft vorgegeben. Manchmal muss die Zeltplatzwahl sogar im Voraus mit den Rangern abgesprochen werden. Die jeweiligen nationalen und lokalen Zelt- und Campingregeln sollte man, egal ob Nationalpark oder nicht, sowieso im Voraus recherchieren und unbedingt respektieren. Man wird dabei oft feststellen, dass Zelten in der freien Natur nicht wirklich erlaubt ist, aber auch nicht streng abgehandelt und unter allen Umständen verboten wird. Hier bewegt man sich in einer Grauzone und wird meist geduldet, sofern man außerhalb von Privatgrund und außer Sichtweite von Ortschaften und Wegen sein Zelt aufschlägt.

Da man auch in der „Wildnis“ nicht immer wirklich allein ist, kommt man um die eine oder andere Benimmregel nach guter alter Knigge-Art nicht umhin. Dazu gehört, dass man sich nicht direkt in die Panoramaaussicht anderer Camper pflanzt und generell eher versucht, sich in die Szenerie einzufügen statt reinzuplatzen. Das kann dann beispielsweise bedeuten, dass man einen bereits eingeebneten Platz von Vorgängern benutzt, anstatt weitere Quadratmeter unberührter Naturwiese plattzuwalzen. Wenn man sich selbst an einer schönen und unberührten Umgebung erfreut hat, will man den Nachfolgenden keine umgepflügte Müllkippe hinterlassen.

Oder etwa doch? Leider gibt es „Pragmatiker“, die mit solchen Überlegungen nichts anfangen können. Diesen Zeitgenossen sei gesagt, dass die Anstandsregeln im eigenen Interesse liegen. Warum? Ganz einfach: Je mehr Ärger es durch achtloses Kreuz-und-quer-Zelten gibt, desto mehr Regulierungen und Beschränkungen wird es künftig geben.

Damit aber genug mit der „Pädagogik“, jetzt geht es endlich zu den knallhart praktischen Erwägungen.

Bodenbeschaffenheit

Knallhart ist oft schon der Boden der Tatsachen, auf dem wir das Zelt aufstellen. Das ist allerdings kein Problem, solange er flach und waagerecht ist. Ist er das nicht, genügt schon eine leichte Neigung, um den Schläfer Nachts auf der Isomatte (oder die Isomatte auf dem glatten Zeltboden) rutschen zu lassen. Wenn eine leichte Neigung unvermeidlich ist, sollte man Zelt oder Isomatte so positionieren, dass man mit dem Kopf höher liegt als mit den Füßen. Das kann sogar recht bequem sein, umgekehrt ist es das eher weniger.

Allererste Platzwahl für das Zelt ist natürlich eine Grasfläche. Solange das Wetter trocken bleibt, ist auch eine Sandfläche sehr angenehm. Diese Idealflächen sind frei von herumliegenden oder im Boden steckenden Steinen, Wurzeln, Baumzapfen und von Dornengestrüpp. Weiche Materialien wie Tannennadeln, Blätter, Moos oder Sand dürfen natürlich auch gerne den Boden bedecken. Die „harten Sachen“ sollten nicht nur wegen des Schlafkomforts, sondern auch zum Schutz des Zeltbodens möglichst entfernt werden. Wenn das Zusatzgewicht keine große Rolle spielt, kann man den Zeltboden mit einer Plane schützen.

Befindet sich der weiche, angenehme Boden jedoch in einer Senke, ist der erhöht gelegene härtere und unebene Boden die bessere Wahl. Denn der weiche Untergrund ist deshalb so weich, weil sich hier gern Wasser sammelt.

Im Winter gilt generell die „lieber oben Regel“. Das heißt, dass das Zelt lieber auf höher liegenden Plätzen aufgeschlagen werden sollte, da sich kalte Luft bevorzugt in Senken und Tälern sammelt.

Bevor das Zelt fixiert wird und man müde auf die Matte sinkt, sollte man erst noch Probe liegen, denn oft verbirgt sich doch noch irgendwo ein feststeckendes Steinchen oder eine kleine Bodenwelle. Da das Zelt noch nicht verankert ist, kann man es jetzt noch ein paar Zentimeter umherschieben.

Die Bodenverhältnisse geklärt, ist es nun Zeit die Zeltumgebung zu bekundschaften. Je nachdem wie es hier aussieht, muss eventuell weitergesucht werden.

Gefahrenquellen ausschließen

In Sachen Untergrund und Komfort hat jeder Mensch andere „Schmerzgrenzen“. Deshalb gibt es in dieser Kategorie auch viel Spielraum für Kompromisse. Bei den folgenden Platzwahl-Kriterien gilt dies jedoch nicht.

Wasser

Wasser will man gern in der Nähe haben, aber auch nicht zu nah. Auf jeden Fall ist ein Wasserzugang wichtiger als die schöne Aussicht. Ohne Wasser wird es nix mit Trinken, Kochen und Waschen. Doch wenn wir nicht gerade in der Wüste oder Steppe unterwegs sind, ist der Wasserzugang eigentlich eher selten ein Problem. Im Gebirge gibt es fast immer ein fließendes und schön sauberes Gewässer in der Nähe. Hier sollte man sogar eher darauf achten, genügend Abstand zu den Wasserquellen zu halten. Ideal ist eine Entfernung von 50 bis 100 Metern, in einer Position oberhalb des Gewässers und möglichst nicht auf einem zum Wasser führenden Wildtierpfad.

Gewässer im Gebirge können überraschend schnell und stark anschwellen – und zwar nicht nur bei Unwettern, sondern auch, wenn oberhalb eine (in vielen Alpentälern vorhandene) Staustufe geöffnet wird. Außerdem kann es am rauschenden Gebirgsbach auf Dauer ziemlich laut werden. Deshalb können Ohrenstöpsel durchaus in der himmlischen Ruh der Berge vorteilhaft sein.

Flussbetten und enge Schluchten sind die denkbar schlechtesten Optionen für den Zeltplatz – auch wenn sie noch so trocken aussehen. Selbst wenn der Himmel wolkenlos ist, kann es flussaufwärts wie aus Eimern gießen. Irgendwann kann „aus dem Nichts“ eine Flutwelle heran schießen, bei der man, wenn überhaupt, nur noch die eigene Haut retten kann.

Am Meeresstrand findet man hingegen durchaus gute Standplätze. Natürlich muss man hier oberhalb der Gezeiten- bzw. Hochwasserlinie stehen, aber diese kann man oft an einem Streifen aus angeschwemmten Muschelschalen, Algenresten, Holzstücken und Zivilisationsmüll erkennen. Zusätzlich sollte man noch einen Sicherheitsabstand für hohe Wellen einrechnen.

In der Nähe von stehenden oder trägen Gewässern sind meist viele Mücken und andere Plagegeister unterwegs. Hier kann es hilfreich sein, sich eine etwas luftigere Stelle mit Winddurchzug zu suchen.

Im Sommer kann die kühlere Luft in Senken angenehm sein, der feuchtere Boden in unmittelbarer Gewässernähe ist es jedoch nie. Nasser oder feuchter Untergrund entzieht dem Zeltinneren Wärme und kann am Zeltboden (vor allem bei unzureichender Belüftung und längerer Aufbewahrung) zu Stockflecken oder gar Schimmelbildungen führen. Entscheidet man sich dennoch für diesen Untergrund, kann das nasse Zelt für ein paar Stunden oder einen Tag eingepackt werden, sollte aber so schnell wie möglich getrocknet werden.

Wasser von oben

Normalerweise sind Regenschauer kein Problem – dafür ist das Zelt ja schließlich auch als Schutz da. Doch wenn der Schauer zum Dauerregen wird und man nicht für immer an dem Platz verweilen möchte, muss man womöglich irgendwann das Zelt im Regen abbauen. Hier sind natürlich die Zelte klar im Vorteil, bei denen sich das Innenzelt zuerst abbauen lässt (wie zum Beispiel bei Hilleberg-Zelten).

Wer sich von vornherein auf längere Regenperioden einstellen muss, kann rund um das Zelt einen Regenabflussgraben ziehen. Am schnellsten geht das mit einem stabilen Stock. Der Graben kann den Unterschied machen, ob sich das Wasser unter dem Zeltboden sammelt oder nicht, und ob der Zeltplatz unter Wasser steht oder nicht. Schon wenige Zentimeter Tiefe und Breite können das verhindern. Zieht man den Graben direkt am Zelt-Außenrand, wird auch das vom Zeltdach herabfließende Wasser abgeleitet. Allerdings sollte diese Maßnahme sehr genau auf Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Auf Campingplätzen ist das Herumgraben normalerweise verboten und auch sinnlos, da es dort Unterstände oder Aufenthaltsräume gibt.

Starker Wind und Sturm

Den Schutz vor starkem Wind und Sturm zu beachten ist immer und überall eine gute Idee. Ideal ist es, wenn er durch große Felsblöcke, Felsvorsprünge oder kleine Felswände geboten wird. Bäume und Büsche in Windrichtung sind zunächst auch nicht schlecht, vor allem wenn sie nicht nur den Wind brechen, sondern mit ihren Blätterdächern auch das nächtliche Auskühlen verhindern. Nah ran sollte man aber nur bei jungen und wirklich stabilen Bäumen gehen. Ansonsten ist es besser genügend Abstand zu halten. Wenn die Möglichkeit besteht, dass der Baum bei Sturm umknicken oder ausgerissen werden könnte, sollte der Abstand mindestens dessen Baumlänge sein.

Die nächste Windschutzmaßnahme sollte die richtige Ausrichtung des Zelts sein: das Zelt muss so stehen, dass der Wind möglichst wenig Angriffsfläche hat. Bei Tunnelzelten bedeutet das, dass die Schmalseite dem Wind zugewandt wird. Der Eingang kommt auf die windabgewandte Seite. An der Seite, die dem Wind und Wetter zugewandt ist, muss das Zelt straff und sicher fixiert sein.

Sehr starke Windböen können das Zeltgestänge (vor allem leichtes Alugestänge) brechen lassen . Wohl sei dem, der für diesen Fall Reparaturhülsen dabei hat. Mit solch einem passgenauen Aluröhrchen, dass über die Bruchstelle geschoben wird, kann die beschädigte Stange „geschient“ werden. Falls die Hülsen nicht im Lieferumfang beinhaltet oder verloren gegangen sind, sollte man das Gestänge in den Baumarkt mitnehmen und sich dort ein Leichtmetall/Aluröhrchen mit einem möglichst eng darüber passendem Durchmesser aussuchen. Das Röhrchen kann man sich dann auch gleich im Baumarkt zu passenden „Schienenstücken“ zurecht sägen lassen. Für gekrümmte Zeltstangen sollten diese Stücke sehr kurz sein, da man sie ansonsten nicht verschieben kann.

Im Winter gibt es die Möglichkeit Windmuster an der Schneetextur abzulesen. Hat die Schneedecke eine harte, spröde Textur, während andere Oberflächen in der Umgebung weicher sind, ist das ein Hinweis auf häufige starke Windböen. Ist dies der Fall, sollte das Zelt besser woanders aufgestellt werden.

Gewitter

Zum Thema Zelten und Gewitter gibt es bereits einen umfassenden Bergfreunde-Artikel. Dort findet ihr auch Informationen dazu, was man bei der Auswahl des Standorts im Hinblick auf Gewitter beachten muss. Das ist alles andere als nebensächlich, denn das Zelt ist keineswegs ein vor Blitzen geschützter Faradayscher Käfig. Schlägt ein Blitz in das Zelt ein, bleibt nur noch Asche übrig.

Die Urlaubsbehausung darf bei Gewittergefahr also niemals allein auf einer Anhöhe oder anderen bevorzugten Blitzeinschlagpunkten wie der unmittelbaren Nähe von (Strom)Masten, Hochspannungsleitungen, Stangen, Waldrändern oder einzelnen Bäumen stehen. Zwischen sehr vielen Bäumen oder hohen Büschen ist es hingegen relativ sicher – mit den im Abschnitt zu Wind und Sturm genannten Einschränkungen. Ebenfalls gelten die zuvor genannten Risiken von plötzlich auftretenden Wassermassen mit dem Auftreten von Gewittern.

Einige weitere wichtige Verhaltensmaßnahmen, sowie einen für Gewitter ausgetüftelten Entfernungsrechner findet ihr in diesem Bergfreunde-Artikel.

Beschuss durch Funken, Steine und Lawinen

Was assoziert man mit einem (Lager-)Feuer? Klar, Knistern und Funken. Während beides eine wohlige Atmosphäre schafft, kann die Situation jedoch auch ziemlich brenzlich sein, denn die Funken aus der Feuerstelle können durchaus mal ein paar Meter weit fliegen. Wenn sich dann das Zelt im Weg befindet, gibt es ruckzuck Löcher in der Wand.

Steine können weit mehr als nur Löcher in die Zeltwand machen. Deshalb sollte man von allem, das Steine in die Tiefe schicken kann, gebührenden Abstand halten.

Dazu gehören alle Felswände, die höher als eine handvoll Meter sind. Auch bei steilen Hängen können sich kleine Steinchen lösen, die bei genügend Fallhöhe großen Schaden anrichten können. Das Gute ist, dass Stellen mit häufigem Steinschlag wegen ihrer Einschlagspuren einfach zu erkennen sind. Vor allem im Gebirge bilden sich deshalb vielerorts Schneisen, an deren unteren Ende sich die Steine sammeln. Auch häufiger Wasser-, Schlamm, oder Schneefall sind Kennzeichen für das Bilden der Schneisen. Im Winter sind gerade auch Schneeansammlungen unter Steilhängen, „ausgefegte“ Geländeareale und geknickte Bäume deutliche Hinweise auf Lawinenschneisen.

Den Bäumen muss man im Hinblick auf „Beschuss“ leider noch drei Minuspunkte vorwerfen: erstens tröpfeln sie mit Harz herum, welches die Zelthülle verkleben kann, zweitens lassen sie gelegentlich ohne Vorwarnung Äste fallen, und drittens tropfen sie nach Regengüssen teils noch stundenlang auf das Zelt.

Sonne oder Schatten?

Die Präferenzen hängen hier hauptsächlich von der geografischen Lage und der Jahreszeit ab. In einer heißen Gegend wird man vermutlich jeden Schatten begrüßen. Doch ist mal kein „natürlicher“ Schatten in Sicht, kann man ihn auch mit einem Tuch, Tarp oder Segel jederzeit selbst schaffen.

Doch selbst in der Wüste kann es, während der sommerlichen Jahreszeit und am frühen Morgen, knackig kühl sein, sodass man dort sogar etwas Morgensonne bevorzugen wird. Wenn Bäume oder Büsche in der Nähe sind, kann man durch eine geschickte Platzwahl beeinflussen, ob das Zelt morgens oder nachmittags aufgeheizt wird. Dabei sollte auch an das Zelt selbst gedacht werden, denn anhaltende direkte UV-Strahlung setzt den Polyester- und Nylongeweben zu. Besonders bei längeren Touren und stationären Camp-Aufenthalten ist diese Überlegung wichtig.

Tierische Besucher

In beliebten Outdoor-Regionen, wie zum Beispiel dem Südwesten der USA, kann es überall zu Begegnungen mit Schlangen und anderen wehrhaften Einwohnern kommen. In subtropischen und tropischen Regionen, sowie Steppen und Wüsten ist damit generell zu rechnen. Wenn man jedoch keine Lebensmittel und stark riechende Stoffe und Substanzen offen im Zelt liegen lässt, sollten sich die Probleme in Grenzen halten. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will sollte darauf achten, dass das Zelt nicht offen steht.

Je nach Weltgegend gibt es natürlich auch noch größere Raubtiere. Tatsächlich (und erfreulicherweise) erweist sich hier die dünne Zelthülle als Schutz. Es soll nämlich bisher nur äußerst selten vorgekommen sein, dass Raubtiere Zelte einfach einreißen. Auch vor Bären besteht dieser Schutz, obwohl Bären sehr wohl schon Zelte eingerissen haben. Das geschah jedoch wiederum nur, weil sie an das leckere Essen kommen wollten, dass die Camper unklugerweise im Zelt hatten.

Last but not least: Schönheit und Aussicht

Nach Schönheit und Aussicht kann man den Lagerplatz aussuchen, wenn alle anderen hier zuvor genannten Kriterien „abgehakt“ sind. Einen Platz, der sämtliche Risiken ausschließt und zudem komfortabel und filmreif schön ist, wird man damit nicht immer finden. Das ist aber auch gut so, denn einer der Reize der Natur ist ja gerade, das nicht alles berechenbar ist. Solange man morgens einigermaßen ausgeruht aufwacht und den Tag mit Tatendrang angehen kann, ist doch alles bestens, oder!? :-)

Im Test: Patagonia Micro Puff

3. Juli 2018
Kaufberatung

Hast du dich schon mal gefragt was hinter Patagonias Micro Puff Technologie steckt? Und inwieweit sie effizient ist? Dann ist dieser Artikel etwas für dich! Unter kritischem Auge haben wir (Alexandra und Felix) die Technologie an den unterschiedlichsten Orten der Welt unter den Prüfstand gestellt. Alexandra packte dafür den Micro Puff Hoody für einen Skilanglauf am Titisee ins Gepäck, während sich die Micro Puff Jacke bei Felix an dem rauen Wind und der gefühlten Gefrierpunkttemperatur beweisen durfte. Wie unser Urteil wohl ausfiel?

Erstmal die Eckdaten

Patagonia sagt, dass die Micro Puff Jacke die „in Relation zum Gewicht wärmste Jacke [ist], die […] [sie] je entwickelt haben“. Damit macht Patagonia eine starke Aussage. Gilt doch die bessere Wärmeleistung im Verhältnis zum Gewicht bisher immer als eines DER Argumente Daunen statt Kunstfaser als Isolationsmaterial zu wählen.

Dafür hat Patagonia die PlumaFill Isolierung entwickelt. Die Idee dahinter ist nicht neu: Mithilfe von Synthetikfasern wird die Struktur von Daune imitiert. Allerdings kommen die Synthetikfasen in Form von Endlosfasern daher, sodass sie, anders als die klassischen Fasern oder Federn, mit weniger Nähten an Ort und Stelle gehalten werden können. Diese Steppkonstruktion unterscheidet die Micro Puff auch optisch von der Konkurrenz.

Kombiniert wird die Isolierung mit einem ultraleichten, winddichten und wasserabweisenden Außenmaterial aus Pertex Quantum Ripstopnylon mit DWR Beschichtung.

Und auch das Gewicht kann sich durchaus sehen lassen. Bei unserer Messung bringt die  Damenvariante in Größe S insgesamt 230 g und die Männervariante in Größe M 236 g auf die Waage. Unsere Ergebnisse entsprechen damit ziemlich genau den Herstellerangaben.

Der erste Eindruck

Als erstes fällt uns unweigerlich die Farbe auf. Bei der Damenvariante haben wir ein knalliges, glänzendes Rot (Maraschino), kombiniert mit einem blauen Reißverschluss und blauen Elastikbündchen. Bei den Herren ist alles unicolor Orange (Paintbrush Red) – also quasi Knallorange. Mit diesen Farben wird man auf jeden Fall nicht so schnell übersehen. Für all diejenigen, die jedoch nicht ganz so auffällig unterwegs sein möchten, gibt es die Jacken natürlich auch in gedeckteren Farben.

Die Haptik der Jacke ist glatt, sodass sich eine Hardshelljacke ohne Probleme drüber ziehen lässt. Das Material ist sehr dünn und wirkt sogar fast durchsichtig. Aber trotzdem knistert die Jacke mit den Windböen nicht vor sich hin, sondern ist relativ leise.

Der lockere Schnitt lässt viel Raum für Bewegung, aber auch für weitere Schichten unter der Jacke. Die Ausstattung ist schlicht: es gibt eine Kapuze (bei der Hoody Variant), zwei Reißverschlusstaschen außen und zwei große Innentaschen. Der von hinten abgedeckte Reißverschluss schließt hoch. Elastische Bündchen und ein elastischer Saum schließen die Jacke ab. Praktisch ist, dass sich die Jacke kompakt in der linken Jackentasche verpacken lässt.

Die Praxis – der Micro Puff Hoody (w)

(Alexandra) Bevor mich die Micro Puff bei meinem ersten Langlaufausflug am Titisee begleiten darf, muss sie sich erstmal auf dem täglichen Weg zur Arbeit beweisen. Bei Temperaturen zwischen Plus und Minus 8 Grad Celsius pendele ich knapp eine halbe Stunde mit dem Fahrrad. Da ich generell schnell friere bin ich besonders auf die Wärmeleistung gespannt – und ich muss sagen, dass ich dabei nicht enttäuscht werde.

Auch bei Temperaturen unter null Grad reicht mir für die Strecke ein langes Merinoshirt als Baselayer aus. Die Kapuze passt problemlos unter den Helm. Auch vom Gegenwind spüre ich kaum etwas, lediglich am Reißverschluss offenbaren sich kleine Schwächen. Die Abdeckung von innen scheint an dieser Stelle recht knapp bemessen zu sein.

Belüftungsmöglichkeiten gibt es abgesehen vom Frontreißverschluss keine und zugegebenermaßen fehlen mir diese bei wärmeren Temperaturen etwas. Auch weitere Verstellmöglichkeiten mittels Kordelzüge oder Klettverschlüsse sucht man vergeblich. Dies stört mich allerdings weniger, denn es spart Gewicht und man bleibt ohne sie nirgendwo hängen. Außerdem wird das sehr dünne Material nicht unnötig durch Klettverschlüsse strapaziert. Die Kapuze sitzt auch bei meinem kleinen Kopf sicher genug, sodass ich keine Angst vor dem nächsten Windstoß habe. Allerdings hat sich das Wetter in der Testphase vornehm zurückgehalten, sodass ich weder Regenschauer noch starke Winde in den Bericht mit einbeziehen kann.

Auch bei meinem Langlaufausflug in den nahen Schwarzwald zeigt sich der Himmel von seiner sonnigen Seite. Bei 10 Grad minus schichte ich zunächst ein langes Merinoshirt, ein kurzes Funktionshirt und eine Fleecejacke unter die Micro Puff. Nach gut 200 m in der Loipe verschwindet die Fleecejacke aber bis zur Pause wieder im Rucksack. Bei Bewegungen schränkt die Jacke nicht ein und, dadurch dass sie so dünn und leicht ist, fühlt man sich auch nicht wie ein Schneemann.

Die Taschen der Micro Puff sind leicht höher angesetzt, sodass es kein Problem ist, sie bei geschlossenem Hüftgurt des Rucksacks zu benutzen. Geräumig sind sie allemal. Handy, Portemonnaie, Kompaktkamera und die obligatorische Packung Taschentücher passen ohne Probleme hinein. In den Innentaschen könnte man sogar eine Literflasche unterbringen. Allerdings nutzen die Innentaschen den gleichen Platz wie die Außentaschen aus. Da die Taschen bis zum Saum der Jacke gehen, muss man eventuell erst den Rucksack schließen, bevor man sie befüllt. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Außentaschen auch prima als Handwärmer dienen.

Die Praxis – die Micro Puff Jacket (m)

(Felix) Mit der Micro Puff Jacke mache ich einen echten Kaltstart. Einmal im Büro anprobiert, kommt die Jacke ungetestet ins Urlaubsgepäck und wird so zum ersten Mal im argentischen Städchen El Chalten nahe des Fitz Roy eingesetzt. Auf der Reise hatte sie bis dahin mit ihren Maßen gepunktet, denn Volumen und Gewicht machen die Patagonia Micro Puff Jacket zum idealen Reisebegleiter.

In den windigen Abendstunden kommt die sehr schön verarbeitete Jacke so also vorerst beim Flanieren zum Einsatz. Doch ihre wahren Werte darf sie dann schon 24 Stunden später unter Beweis stellen. Am Fuße des südlichen patagonischen Eisfelds ist die Sonne selten, der Wind stark und der Regen waagrecht. Die Jacke habe ich hier, je nach Bedingungen (und diese wechseln sehr oft), mit Softshell darunter oder Hardshell darüber kombiniert. Am meisten fiel mir dabei die wasserabweisende DWR Beschichtung positiv auf. Trotz mehrerer Schauer wurde die Jacke nicht nass.

Allerdings ist mir persönlich die Jacke bei größerer körperlicher Anstrengung zu wenig atmungsaktiv und zu warm. Klar hat sie mich so bei jeder Pause und, noch wichtiger, bei jedem Feierabend vor dem Auskühlen bewahrt, aber ich bin eben lieber zu leicht angezogen und friere auch allgemein nicht so schnell wie eventuell andere. Diese Beurteilung damit sehr subjektiv.

Technisch gesehen gefallen mir viele der einfachen Details sehr gut. Bei meiner Armlänge und meinem Umfang sind zum Beispiel die elastischen Armbändchen optimal. Dank ihnen bleibt der Ärmel auch bei größeren Bewegungen dort wo er sein soll.

Die großen Außentaschen haben entweder meine Hände gewärmt, oder meine 1 Liter Trinkflasche verstaut (was dank ihrer Position auch bei einem breiten angelegten Rucksack-Hüftgurt möglich ist). Der einzige Wehrmutstropfen ist dabei jedoch, dass bereits nach kurzer Zeit an einer angesteppten Stelle das PlumaFill nach außen durchdrang.

Trotz dem leichtem Material, habe ich die Jacke aber als robust wahrgenommen. Und ich bin mir sicher: für mich wird sie nun ein fester Begleiter bei Wind und Wetter sein. Mich hat die Patagonia Micro Puff Jacket vor allem mit ihren einfachen Details und dem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt.

Kurz und knapp können wir Patagonia’s Micro Puff Kleidungsstücke also guten Herzens weiterempfehlen. Und jede Outdoor-Aktivität kann durch die Technologie nun ganz neue, leichte und praktische Züge annehmen.

Eine Kaufberatung zu Biwakzelten

28. Juni 2018
Kaufberatung

Es ist schon merkwürdig: das Ding heißt Biwakzelt, ist aber weder ein Biwaksack noch ein Zelt. Die Bezeichnung passt aber trotzdem, denn es steht ziemlich genau in der Mitte zwischen diesen Beiden – es ist mehr als ein Biwaksack und weniger als ein Zelt. Obwohl die Lücke zwischen Biwaksack und Zelt ziemlich groß ist und die Lösung für deren Schließung auf der Hand liegt, haben sich die Outdoor-Produzenten sehr lange Zeit genommen, bevor sie hier aktiv wurden. Erst seit etwa zehn Jahren gibt es Biwakzelte überhaupt zu kaufen und die Auswahl ist bis heute überschaubar geblieben. Die große Biwak-Zelt-Lücke ist also trotz des Outdoor-Booms offenbar keine große Marktlücke.

Mit welchen baulichen Maßnahmen haben die Biwakzeltproduzenten die Lücke geschlossen? Nun, zu den Biwaksäcken fügten sie ein Gestänge, sowie die Aufstell- und Fixiermöglichkeit hinzu; von den Zelten zogen sie hingegen den Vorraum (Apsis) und die Doppelwand ab. Erscheint ganz einfach oder? Naja, aber ganz so eindeutig ist die Sache trotzdem nicht immer, denn die Übergänge zwischen „luxuriösem“ Biwaksack, oder Biwakzelt und spartanischem 1-Personen-Zelt sind oft fließend.

Standardkonstruktion Biwakzelt

Die klassische Konstruktion eines aufgestellten Biwakzelts besteht aus einem Kunstfasergewebe, das ähnlich wie ein Biwaksack geschnitten ist, an der Bodenseite jedoch robuster verarbeitet ist. Außerdem wird bei dem Biwakzelt sowohl am Kopfende als auch am Fußende ein Gestängebogen durchzogen. Diese Gestängebögen machen auch den Hauptunterschied zum Biwaksack aus. Der Bogen am Fußende ist kleiner als der am Kopfende und die beiden Bögen sind wiederum deutlich kleiner als bei einem herkömmlichen 1-Personen Zelt. Während man beim Zelt genug Platz zum Sitzen hat, hängt einem das Gewebe im Biwakzelt schon beim Liegen relativ dicht über der Nase. Die Menge der Abspannpunkte ist im Vergleich zum „richtigen“ Zelt etwas geringer, während die Art ihrer Fixierung mit Leinen und Heringen gleich ist.

Für wen ist ein Biwakzelt geeignet?

Die Antwort darauf hängt von den vielen verschiedenen Tourenplänen, Neigungen und Bedürfnissen der Berg- und Outdoorfreunde ab. Okay, das kann man bei fast jedem Outdoorprodukt sagen – also etwas konkreter: Die Hauptzielgruppe der Biwakzelte sind definitiv Sologänger, die gern höher und weiter hinausgehen und dabei schnell und flexibel unterwegs sein wollen. Ihre Komfortansprüche können sie dabei also auch mal vorübergehend zurückschrauben.

Vor einigen Jahren war ich mit dem (leider nicht mehr verfügbaren) Vaude Bivi in Patagonien unterwegs und fühlte mich damit ziemlich gut ausgestattet (vor allem, wenn ich an das Preis-Leistungs-Verhältnis denke). Allerdings war ich sehr glücklich darüber, da ungewöhnlich gutes Wetter viele Nächte an der frischen Luft ermöglichte und deshalb den Einsatz des ziemlich beengten Schlafabteils nicht allzu häufig nötig machte. Andererseits kann man diesen „Minuspunkt“ keinem Biwakzelt wirklich ankreiden – ihre Aufgabe besteht schließlich nicht darin, besonders einladend zu sein.

Zweierteams dürften bei Trekking-, Wander- und Biketouren mit einem „richtigen“ Zelt besser bedient sein. Das knallenge Biwakzelt mit Tourenpartnern zu teilen, die fast so schlimm müffeln wie man selbst, ist ganz sicher nicht das Gelbe vom Ei – selbst wenn man mehr als freundschaftlich miteinander verbunden ist. Und wenn alle Tourenteilnehmer je ein 1-Personen-Biwakzelt einpacken, bringt das in Sachen Gewicht und Packmaß keinen Vorteil gegenüber einem komfortablen Zwei- oder Mehrpersonenzelt mit. Eine Ausnahme können Touren in steilem, hochalpinem Gelände sein, wo man eher mehrere kleine Schlafnischen findet als eine große Fläche für ein Zelt.

Für Gruppen von mehr als zwei Personen gilt ähnliches. Zusätzlich wird hier noch eine dritte Alternative interessant: Gruppenbiwaksäcke mit Trekkingstöcken als improvisiertes Gestänge. Der britische Hersteller Rab bietet hier mit dem Group Shelter 2 eine qualitativ hochwertige Möglichkeit an. Dieser mit Vorbereitungen für ein Trekking-Gestänge versehener Biwaksack ist zwar auch nur für zwei Personen ausgelegt, dafür aber so leicht und kompakt, dass eine Gruppe problemlos mehrere Exemplare davon mitnehmen kann.

Vor der ersten Biwakzeltnacht: Was ist zu beachten?

Den schon zuvor erwähnten geringen Abstand des einwandigen Gewebes zum Körper sollte man besonders im Hinblick auf den Schlafsack bedenken: ist der Schlafsack zu dick, hat er direkte Tuchfühlung mit der Zeltwand. Und da diese einlagig ist, „zieht es“ die Nässe von draußen nach drinnen und per direkter Berührung in den Schlafsack. Bei Wind wird die Zeltwand noch fester gegen den Schlafsack gedrückt (zumindest wenn es wie in meinem erlebten Fall patagonischer Wind kombiniert mit prasselndem Dauerregen ist). Man sollte also nur mit wasserabweisenden oder besser wasserfesten Schlafsäcken in Biwakzelten übernachten. Die Klamotten sollten ebenfalls entsprechend nässeresistent sein. All das sollte man möglichst nicht erst während einer Tour auschecken, sondern bei einem vorherigen Test in sicherer Umgebung.

Wichtige Details beim Biwakzelt sind hochwertige, atmungsaktive Kunstfasergewebe aus  Markenmaterial, sowie gut laufende und robuste Reißverschlüsse (möglichst YKK). Längere Reißverschlüsse bieten mehr Komfort beim Ein- und Ausstieg, sind aber auch größere Schwachstellen bei extremen Wetterverhältnissen und erhöhen zudem ein wenig das Gewicht. Auch bei den Ösen zum Abspannen und deren Vernähung sollte man genauer auf die Robustheit achten. Sehr angenehm sind Biwakzelte mit einem gekreuzten Kopfgestänge, die man zur Not auch ohne Abspannung aufstellen kann.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Zelt

Pluspunkte Biwakzelt

  • Weniger Gewicht und Packmaß.
  • Etwas weniger Flächenbedarf und damit größere Auswahl an potenziellen Übernachtungsplätzen.
  • Schnellerer Auf- und Abbau, somit auch schnellere Ortswechsel bei unvorhergesehenen Komplikationen (z.B. wenn der Übernachtungsplatz geflutet oder zu kalt wird).
  • Man kann das Biwakzelt ohne große Mühe und Aufwand bis ganz oben auf den Berg mitnehmen und damit für plötzliche Wetterwechsel gerüstet sein. Besonders bei längeren Touren mit Überschreitungen und Durchquerungen ist dies ein großer Vorteil!

Minuspunkte Biwakzelt

  • Bei Schlechtwetter besteht keine Möglichkeit zum Kochen (außer man nimmt ein Tarp o.ä. mit – doch das erhöht Gewicht und Packmaß derart, dass man so auch gleich ein „richtiges“ Zelt mitnehmen kann).
  • Auch andere Verrichtungen werden bei schlechtem Wetter ungemütlich (so ist z.B. Essen im Biwakzelt nur im Liegen möglich). Toilettengang, Kleidung wechseln oder benötigte Sachen aus dem Gepäck herauskramen wird zur umständlichen und wenig angenehmen Verrichtung. Immerhin kann man in dieser Hinsicht aber auch relativ komfortabel lesen und Tourenplanung betreiben.
  • Der Rucksack muss draußen bleiben – außer wenn er wirklich klein ist und das Gleiche auch für die Person im Biwakzelt gilt. Dasselbe Verfahren wie mit dem Rucksack gilt auch für für die nassen Bergschuhe.

Unterschiede zwischen Biwakzelt und Biwaksack

Pluspunkte Biwakzelt

  •  Mehr Platz und Komfort; dadurch auch bessere Karten bei Unfällen und Notsituationen (besonders in unwirtlichem hochalpinem Gelände).
  •  Deutlich besserer Wind- und Nässeschutz, da die Schutzhülle auf Abstand zum Körper ist.

Minuspunkte Biwakzelt

  •  Größerer Platzbedarf. Den Biwaksack kann man überall ausbreiten. Bei dem Biwakzelt geht das nicht.
  •  Mehr Gewicht und Packmaß.

Soweit ist hoffentlich deutlich geworden, was das Biwakzelt ist, wozu es gut ist und worauf man beim Kauf achten sollte. Wer das Biwakzelt noch genauer einordnen möchte, sollte sich dazu möglichst noch die Basislager-Artikel zum Thema Biwaksack und Zelt zur Brust nehmen.

Mit Sonnenstrom auf Tour – Mobile Solarpanels

26. Juni 2018
Kaufberatung

Ob Notebook zur Tourenvorbereitung, Navigations App auf dem Smartphone, Fotoapparat oder GPS-Gerät – sie alle haben eine Sache gemeinsam: ohne Strom taugen sie nicht viel mehr, als ein Briefbeschwerer. Trotz immer leistungsfähigerer Akkus müssen die meisten der Geräte, auf die wir bei unseren Touren im Gelände nur ungern verzichten, nach einigen Stunden oder Tagen wieder neu aufgeladen werden.

Je nach Reisegebiet gestaltet sich die Suche nach einer Steckdose von schwierig bis hin zu schlichtweg unmöglich. Sei es mitten im Fjell Norwegens, in der mongolischen Steppe oder auf einer Bergtour in den Alpen. Sobald man den eigenen Aktionsradius über feste Campingplätze und bewirtete Hütten ausweitet, wird das Thema der mobilen Stromversorgung eine echte Herausforderung für alle Outdoor-Enthusiasten.

Für Tagestouren und Wochenendrouten reicht der Strom einer Akkuladung oft aus oder lässt sich mit Ersatzakku und Powerbank erweitern. Mit der Powerbank können beispielsweise Geräte mit USB Anschluss (wie Smartphone oder Tablet) prima aufgeladen werden. Ein Notebook damit zu betreiben oder andere Geräte mit einem höheren Strombedarf anzuschließen, ist mit einer Powerbank allerding nicht möglich.

Auch mobile Solaranlagen sind für sehr unterschiedliche Leistungsstufen konzipiert und dementsprechend groß und schwer, beziehungsweise leicht und kompakt. Je nachdem, ob man mit den Solarpanels ein komplettes Basecamp mit Strom versorgen möchte oder nur die Powerbank nachladen muss, um regelmäßig das Smartphone aufzuladen, gibt es die verschiedensten Arten von leistungsfähigen Solarpanels.

Mobile Solaranlagen für Wohnmobile und Camping

Im Gegensatz zu fest verbauten Solarpanelen auf dem Dach, bieten mobile Solarpanels maximale Flexibilität beim Campen abseits von Campingplätzen mit Stromversorgung aus der Steckdose. Wer nicht auf Packmaß und Gewicht achten muss, weil die Panels in erster Linie mit dem Auto von Stellplatz zu Stellplatz transportiert werden, ist mit einem großen, faltbaren Solarmodul oder einem Solarkoffer bestens beraten.

Die zwei, beziehungsweise drei Solarmodule sind bereits mit Solarregler und Kabelanschluss ausgestattet und können ohne großen Aufwand direkt in Betrieb genommen werden. Da sie nicht fest montiert werden, lassen sie sich immer optimal auf die Sonne ausrichten. Schäden durch Hagel oder Sturm, die bei fest montierten Panelen entstehen können, brauchen Camper mit den mobilen Solaranlagen nicht zu fürchten. Eine Kombination beider Systeme ist natürlich ebenfalls denkbar.

Ein durchschnittlicher Solarkoffer kommt auf eine Ladeleistung von etwa 100 Watt. An einem sonnigen Tag und mit einer optimalen Ausrichtung von 90° zur Sonne erzeugt ein solches mobiles Panel zirka 50Ah. Damit können entweder 12V Blei Batterien im Auto oder spezielle Lithium Akkus geladen werden. Die Geräte werden dann wiederum über die Batterien mit Strom versorgt.

Direktes Anschließen von Stromverbrauchern an die Solarpanels ist eher ungünstig, da es dabei zu Leistungsschwankungen kommt. Mit einer 100Ah Batterie, die unter optimalen Bedingungen voll geladen ist, könnte ein Campingbus oder Wohnmobil mit normalem Stromverbrauch für einige Tage komplett autark versorgt werden. Für schnelleres Laden oder bei ungünstigeren Bedingungen kann der Solarkoffer oder das Solarmodul durch einen zweiten Koffer ergänzt werden.

Je nach Strombedarf durch Anzahl und Art der Geräte, Wetter und Reisegebiet, lässt sich die optimale Größe und Leistung der mobilen Solaranlage individuell auf die persönlichen Bedürfnisse anpassen. Bei Reisefahrzeugen und Wohnmobilen sind Solarpanele auch oft fest auf dem Dach montiert. So sind sie jederzeit einsatzbereit und müssen nicht extra aufgestellt und angeschlossen werden. Dagegen sind mobile Solarpanele weniger der Witterung ausgesetzt. Sie lassen sich vom Winkel so ausrichten, dass sie so effizient wie möglich arbeiten. Praktisch ist damit, dass während die Panele in praller Sonne Strom erzeugt, das Reisemobil in einiger Entfernung im Schatten geparkt werden kann.

Kompakte Solarpanels für Rucksackreisen und Trekking

Um auf mehrtägigen Wanderungen abseits der Zivilisation genügend Strom für GPS-Gerät und Smartphone zur Verfügung zu haben, sind kompakte Solaranlagen ideal. Die faltbaren Module sind sehr leicht und dazu noch wetterfest in ihrer Außenhülle verbaut. Ausgestattet mit USB und Micro USB Anschlüssen lassen sich die meisten Powerbanks, Smartphone oder Stirnlampen mit USB Anschluss direkt am Panel laden.

Die Solarpanele für Rucksackreisende sind oft so konstruiert, dass sie sich beim Wandern am Rucksack befestigen lassen. Die Geräte werden bei ausreichender Sonneneinstrahlung auf diese Weise den ganzen Tag geladen.

Für den Einsatz beim Trekking ist, neben dem geringen Gewicht, eine kompakte und gut geschützte Bauform zu empfehlen. Bei faltbaren Panels (wie zum Beispiel von Goal Zero) sind die Zellen beim Transport im Rucksack sehr gut geschützt. Etwa 500 bis 1000g sollten Traveller für die mobile Stromversorgung als zusätzliches Gewicht einplanen. Die mobilen Panele sind in der Regel gut vor Regen und Schmutz geschützt. Eine wasserdichte oder spritzwassergeschützte Powerbank ist beim Einsatz im Gelände ebenfalls sehr hilfreich, denn ansonsten kann der Akku beim nächsten Regenguss schnell Schaden nehmen. Manche Hersteller von Powerbanks integrieren die gängigen Anschlüsse bereits so in ihre Ladestationen, dass Wanderer und Reisende keine zusätzlichen Kabel benötigen. Somit kann auch kein Kabel vergessen, verlegt oder verloren werden.

Solaranlagen für Expeditionen und extreme Bedingungen

Mobile Solaranlagen für extreme Einsätze sind im Grunde eine Mischung aus den leistungsstarken Panelen für Reisemobile und Camping, sowie den leichten, strapazierfähigen Modulen für Trekking und Backpacking. Um den Strombedarf eines kleinen Basecamps zu decken, ist bereits ein hoher Aufwand nötig. Die Solarpanele sollten unter sehr heißen und sehr kalten Witterungsbedingungen einwandfrei funktionieren. Für den Fall längerer Schlechtwetterphasen stehen große Powerstations und Powerbanks bereit, die mit ihren leistungsfähigen Akkus den Strombedarf für mehrere Tage gewährleisten.

Wie auch bei Solarkoffern, lassen sich die Panele für Expeditionen falten und dadurch sehr gut transportieren. Im Vergleich zu den Camping-Panels sind sie jedoch dünner, leichter und außerdem robuster. Die aufwändige Bauweise spiegelt sich natürlich auch im Preis wieder, denn die Solaranlagen für Expeditionen sind mit Abstand die teuersten.

Praktische Stative können in unwegsamen Gegenden als Halterung für die Panele aufgebaut werden. So stehen sie sicher, lassen sich optimal auf die Sonne ausrichten und sind besser vor Nässe, Schmutz und Schnee geschützt.

Für Expeditionen ohne großes Basecamp und ohne zusätzliche Versorgung eignen sich die kompakten Panels, die auch auf Trekkingreisen für volle Smartphone-Akkus sorgen. Mit ihrem geringen Gewicht sind sie eine prima Ergänzung im Tourengepäck und versorgen überall die wichtigsten Stromabnehmer – ob in der Portaledge im Yosemite, der Pulka-Tour durch Lapland oder beim Mountainbiken durch West-Nepal.

Fazit

Heutzutage gibt es vermutlich kaum jemanden, der oder die ohne elektronische Geräte Draußen unterwegs ist. Wie der Beitrag euch hoffentlich zeigen konnte, können mobile Solarpanels für das Camping abseits von Stromzugängen, Rucksackreisen, als auch Trekking können mobile Solarpanels eine Investition sein, die sich auszahlt. So oder so, wir wünschen euch eine schöne Outdoor-Erfahrung!

Gegessen wird, was auf den Tisch kommt! – Trekkingmahlzeiten im Überblick

21. Juni 2018
Die Bergfreunde

Ohne Mampf keinen Kampf! Das ist wahrscheinlich das Motto vieler Mehrtagestouren. Ob beim Wandern, Klettern oder Radfahren, wer längere Zeit unterwegs ist und sich körperlich fordert, der muss auch was Anständiges essen. Gerade jedoch wenn es darum geht die komplette Verpflegung von Anfang an mitzunehmen, wird schnell am Gewicht und somit leider oft auch an der kulinarischen Vielfalt gespart. Eine abwechslungsreiche Auswahl an Trekkingmahlzeiten kann diesbezüglich Abhilfe schaffen.

Um herauszufinden, welche Gerichte gut ankommen und wo die jeweiligen Highlights liegen, haben wir einmal ein großes Testessen veranstaltet und uns durch die unterschiedlichsten Gerichte gefuttert. Heute auf dem Speiseplan: die Highlights von Bla Band bis Voyager.

Bla Band

Bekannt wurde der schwedische Hersteller Bla Band in den 50er und 60er Jahren. Zu den ersten Produkten zählten damals vor allem Tütensuppen, Puddingpulver und Co. Seit gut 10 Jahren bringt Bla Band nun aber auch Trekkingmahlzeiten auf den Markt und überzeugt dabei durch eine gute Qualität, sowie eine große Produktvielfalt.

Das Besondere: Viele Gerichte von Bla Band gibt es sowohl gefriergetrocknet, als auch bereits fertig mit Wasser versetzt. Ebenfalls umfasst das Sortiment vegetarische und gluten- und/oder laktosefreie Gerichte. Hier sollte also jeder fündig werden.

Auch bei unserem Testessen zeigt sich das Ergebnis äußerst positiv, denn alle verkosteten Gerichte kamen durchweg gut an. Die beste Bewertung des gesamten Tests räumte das Couscous mit Chili gewürztem Gemüse bei uns ab.

Des Weiteren ist uns bei Bla Band das leichte Handling der Gerichte aufgefallen. Die bereits mit Wasser versetzten Mahlzeiten müssen nur erhitzt werden. Bei den gefriergetrockneten Produkten erfolgt das Erhitzen durch Zugabe von kochendem Wasser. Zudem verfügen alle Tüten über einen praktischen Zipper, mit welchem sie problemlos und jederzeit verschließbar sind.

Expedition Foods

Die Marke Expetition Foods kommt aus Großbritannien und stellt seit 1995 gefriergetrocknete Mahlzeiten her. Das Sortiment besteht aus einer Bandbreite von herzhaften und süßen Gerichten, die unterwegs für die notwendige Energie und eine abwechslungsreiche Ernährung sorgen.

Die unterschiedlichen Gerichte gibt es in verschiedenen Verpackungsgrößen, die sich jeweils nach der jeweiligen Kalorienzahl richten:

  • Die Verpackungsgröße ‚Regular‘ umfasst ca. 450 kcal.
  • ‚High Energy‘ beinhaltet mehr als 800 kcal,
  • ‚Extreme Energy‘ oder ‚Regular For Two‘ ca. 1000 kcal.

Darüber hinaus sind auch bereits komplett zusammengestellte Tagesrationen (Hauptgericht, Frühstück und Snacks) erhältlich.

Auch Vegetarier oder Personen mit bestimmten Lebensmittelunverträglichkeiten kommen bei Expedition Foods nicht zur kurz. Abgestimmt auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse, gibt es auch hier keinen Verzicht, sondern eine Auswahl an zahlreichen Mahlzeiten.

In unserem Test erreichten die Gerichte von Expedition Foods das vordere Mittelfeld. Abzüge gab es vor allem bei der Zubereitung und der Optik der Gerichte. Geschmacklich wurden jedoch durch die Bank gute Noten erzielt. Besonders beliebt war bei uns das Thai Green Chicken Curry/Rice. Platz zwei belegte eine süße Nascherei: Porridge With Strawberries.

Summit to Eat

Die Portionspackungen von Summit to Eat sind kaum zu übersehen. Dies ist vor allem ihrer gelb-leuchtenden Verpackung, sowie den an der Vorderseite gut leserlich und strukturiert angebrachten Nährwertinformationen zuzuschreiben.

Die Verpackungen der Trekkingmahlzeiten sind aus einem hitzebeständigen Material gefertigt, was die Zubereitung der Mahlzeit in der Packung erlaubt. Zudem kommen auch diese Tüten mit einer Art Zipper, der das nachträgliche Verschließen ermöglicht.

Alle der Summit to Eat Mahlzeiten wurden mittels Gefriertrocknung haltbar und leicht transportabel gemacht. Sie können daher problemlos durch die Zugabe von heißem Wasser zubereitet werden, fallen aber beim Transport im Rucksack nicht sonderlich ins Gewicht. Von süß bis herzhaft bietet Summit to Eat ein breites Sortiment, das auch wieder in Form von kompletten Rationen für Mehrtagestouren erhältlich ist.

Unsere Testesser waren bei Summit to Eat in erster Linie von den süßen Nachspeisen überzeugt. Gerade der Reispudding mit Erdbeeren, sowie das Schokoladen Mousse mit Granola und Kirschen sorgten für strahlende Gesichter. Knapp dahinter lagen Hauptspeisen wie das Würzige Curryhühnchen (Tikka) mit Reis.

Travellunch

Von Travellunch kamen bei unserem Testessen vergleichsweise wenige Gerichte auf den Tisch. Die folgenden Ergebnisse sind daher wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ. Hinter den Produkten von Travellunch verbirgt sich die in Augsburg sitzende Simpert Reiter GmbH. Alle Produkte von Travellunch werden in Deutschland produziert und sind je nach Verpackung und Lagerart drei bis fünf Jahre haltbar.

Travellunch bietet dabei vom Frühstück, dem kleinen Snack für zwischendurch, bis hin zur Hauptmahlzeit alles an, was das Herz begehrt. Die unterschiedlichen Produkte gibt es aber nicht nur einzeln, sondern können auch in Kombination als komplette Tagesration erworben werden. Von fleischhaltig bis vegetarisch, von süß bis herzhaft – hier ist alles dabei, das kulinarisch zu einer gelungenen Tour beiträgt.

In unserem Test wurde vor allem das Chili con Carne mit Rindfleisch sehr gelobt, aber auch vegetarische Gerichte wie das Gemüserisotto kamen gut an.

Voyager

Voyager ist eine Marke des französischen Lebensmittelherstellers Falièrs Nutrition. Schaut man sich das Nahrungsangebot von Voyager einmal genauer an, stellt man auch hier schnell fest, dass es an nichts fehlt. Neben den üblichen Gerichten mit und ohne Fleisch, gibt es auch Mahlzeiten, die mit dem Biosiegel des französischen Agrarministeriums, sowie mit dem Biosiegel der EU ausgezeichnet sind.

Besonders praktisch: Alle Tüten sind farblich gekennzeichnet, sodass man bereits auf den ersten Blick erkennen kann, um welche Art von Gericht es sich handelt.

Hier eine schnelle Übersicht:

  • rot = Fleischgerichte
  • grün = vegetarische Gerichte
  • blau = Gerichte mit Fisch oder Meeresfrüchten
  • weiß = Gerichte in Bioqualität
  • gelb = Frühstück
  • rosa = Nachtisch/Süßspeisen

In unserem Test belegten die Mahlzeiten von Voyager allesamt Mittelfeldplätze. Wie so oft war es mal wieder das Aussehen der fertigen Gerichte, das für Abzug sorgte. Geschmacklich fiel unserem Testteam vor allem das Rindfleisch mit Reis und Sauce positiv auf.

Fazit

Wer auch bei langen Touren in entlegenen Gebieten lecker essen möchte, der sollte sich vorab gut überlegen, was er mitnimmt. Denn Essen sollte nicht nur satt, sondern auch zufrieden und glücklich machen. Wer hier bewusst kombiniert und auch auf Abwechslung setzt, hat sicherlich schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gesetzt.

Richtige Ausreiser nach unten gab es bei unserem Test nicht, doch stellten sich klare Favoriten heraus. Aber ob das letzten Endes auch eurem Geschmack entspricht, müsst ihr natürlich selbst herausfinden :-) Schreibt uns gerne mal in die Kommentare, was unterwegs zu euren Favoriten zählt.

Weit mehr als eine Daunendecke – von den Vorzügen eines Quilts

19. Juni 2018
Kaufberatung

Ihr wollt auf Eurer nächsten Trekkingtour einmal wirklich aufs Gewicht achten und wisst nicht so richtig womit ihr beim Grammjagen anfangen sollt? Dann könnte dieser Beitrag vielleicht Abhilfe schaffen. Die schwersten Ausrüstungsgegenstände stammen immer aus den so genannten großen Drei: also Schlafsack, Rucksack und Zelt.

Ein vernünftiger Drei-Jahreszeiten-Schlafsack bringt in der Regel mindestens 700-800 Gramm auf die Waage, eher sogar mehr. Dieses Gewicht könnt ihr reduzieren, wenn ihr statt auf einen „klassischen“ Schlafsack auf einen Quilt setzt. Der Quilt schafft es, die 3-Jahreszeiten-Temperaturen mit 400-500 Gramm, also so gut wie der Hälfte des Gewichts des Schlafsackes, abzudecken.

Was ist ein Quilt?

Ein Quilt ist quasi ein Schlafsack, dem allerdings ein Teil seiner Füllung fehlt. Zudem hat ein Quilt keinen Reißverschluss, sondern einen Kordelzug als Verschlußmechanismus. Beides sind die Voraussetzungen dafür, dass ein Quilt in einem ähnlichen Temperaturbereich leichter ist als ein Schlafsack. Neben dem Gewicht,  sorgt die geringere Füllmenge des Quilts für ein sehr geringes Packmaß – ein weiterer Vorzug für den gewichtsorientierten Wanderer.

Nun wird natürlich schnell die Frage auftauchen, ob die geringere Füllmenge nicht auch für eine geringere Wärmeleistung des Quilts sorgt. Die Antwort lautet nein. Da ein Schlafsack quasi rundum mit Füllmaterial (Kunstfaser oder Daune) versehen ist, kommt man nicht umhin auf einem Teil der wärmeisolierenden Füllung zu liegen. Dadurch komprimiert man die Füllung mit seinem Körpergewicht und sorgt (insbesondere bei Daunen) dafür, dass die wärmeisolierende Eigenschaft vollständig verloren geht. Das heißt die Wärme in diesem Teil des Schlafsacks kommt nicht von dem Schlafsack selber, sondern von der entsprechenden Isomatte, die die Bildung einer Kältebrücke verhindert. Aus diesem Grund ist die fehlende Füllung eines Quilt kein Nachteil, wenn es um die Wärmeleistung in einem bestimmten Temperaturbereich geht.

Auch die fehlende Kapuze kann ganz einfach durch die Kapuze der Daunenjacke oder den Einsatz einer Mütze überbrückt werden.

Einsatzbereiche eines Quilt

Ein weiterer Vorteil eines Quilts gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack liegt in dessen Flexibilität. Der Kordelzug lässt sich sehr viel besser regulieren als ein Reißverschluss. Durch diesen Kordelzug kann der Quilt in wärmeren Bedingungen im Handumdrehen zu einer Decke umfunktioniert werden. So kommt ihr nicht in die Verlegenheit, bei wärmeren Temperaturbedingungen euren Schlafsack mit Schweiß zu tränken und in kälteren Nächten frieren zu müssen. Diese Eigenschaft sorgt auch ganz generell für eine bessere Ventilation als man es in einem geschlossenen Schlafsack hätte.

Was sind also klassische Einsatzbereiche für einen Quilt? Längere Touren, die einen durch unterschiedliche Temperaturbereiche führen sind ein Beispiel. Seien es die großen amerikanischen Trails wie der Pacific Crest, Appalachian Trail oder der El Camino und andere europäische Fernwanderwege, hier werdet ihr mit verschiedenen Bedingungen konfrontiert, aber habt kaum die Möglichkeit eure Ausrüstung anzupassen. Genau deshalb eignet sich der Quilt für diese Touren. Aber auch kleinere Touren, die sich in einem Temperaturbereich bis knapp unter den Gefrierpunkt bewegen, sind sehr gut geeignet einem Quilt den Vorzug vor einem Schlafsack zu geben.

Den richtigen Quilt finden

Bevor ihr den für euch geeigneten Quilt aussucht, ist es wichtig zu beachten, dass zu einem Quilt eine entsprechende 3-Jahreszeiten Isomatte gehört, die einen R-Wert von mindestens drei haben sollte. An der Isomatte kann der Quilt dann auch mit Hilfe des Kordelzuges befestigt werden, um eine optimale Nutzung der Wärmeleistung zu garantieren.

Jetzt kann es losgehen mit der Quiltauswahl. Sehr gute und vor allem extrem leichte Quilts macht der amerikanische Schlafsackspezialist Western Mountaineering. Aufgrund der Nutzung sehr hochwertiger Daunen mit 850 cuin Bauschkraft ist dieser Hersteller immer einen Blick wert.

Ein Modell wie die Nanolite Daunendecke von just genanntem Hersteller ist für den Einsatz bis knapp unter den Gefrierpunkt gemacht und bringt dabei gerade einmal 360 Gramm auf die Waage. Bis ungefähr minus fünf Grad könnt ihr euch mit der Western Mountaineering Australite Daunendecke warmhalten. Mit einem Gewicht von 480 Gramm ist diese nur schwer zu unterbieten.

Quilts im Winter

Kommen wir nun noch zu den Einschränkungen. Quilts sind nicht dafür geeignet unter dauerhaft kalten Bedingungen genutzt zu werden. Der oben genannte Temperaturbereich ist das Maximum was aus einem Quilt herausgeholt werden kann und ihr werdet auch nur 3-Jahreszeiten-Quilts für Frühjahr, Sommer und Herbst finden. Zwar könnt ihr durch die Nutzung einer Winterisomatte den Bereich noch etwas dehnen, aber für dauerhaften Wintereinsatz ist ein Quilt schlicht nicht gemacht.

Da ein Schlafsack ja generell nichts anderes macht, als die eigene Körperwärme durch das entsprechende Füllmaterial zu isolieren und zu speichern, ist es unter kalten Bedingungen wichtig den Raum möglichst klein und geschlossen zu halten. Dies kann ein Quilt wiederum nicht in der gleichen Form wie ein Schlafsack leisten.

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: wenn ihr Touren plant, die euch in unterschiedliche Temperaturbereiche führen, aber nicht durch hohe Minusgrade charakterisiert sind, ist einer der besten Wege Gewicht bei eurer Ausrüstung einzusparen die Nutzung eines Quilts. Diese Schlafsackvariante schafft es durch das Weglassen von normalerweise nutzlosem Füllmaterial wertvolle Gramm einzusparen. Zudem ermöglicht diese Konstruktionsweise in der Nutzung eine sehr hohe Flexibilität. Ihr werdet in warmen Sommernächten nicht schwitzen und unter kälteren Bedingungen trotzdem nicht frieren – was will man mehr?

Das Gewicht des Revos.

Was lange währt, wird endlich Revo

15. Juni 2018
Ausrüstung

Vor ein paar Wochen ist bei uns das neue REVO des Traditionsherstellers Wild Country eingetrudelt. Da das nunmehr seit Sommer 2016 auf der OutDoor in Friedrichshafen angekündigte Sicherungsgerät auf die Veröffentlichung zusteuert, ließen wir es uns nicht nehmen, das Teil im Vorfeld auf Herz und Nieren zu prüfen.

Ist es ein Tuber? Ist es ein Halbautomat? Es ist ein REVO!

Das REVO ist ein bidirektionales Sicherungsgerät auf der Funktionsbasis eines Tubers mit einer zusätzlichen, paniksicheren Backupfunktion in Form einer Fliehkraftbremse, die im Falle eines Versagens des Sichernden das Seil blockiert. Das REVO stellt somit das erste Sicherungsgerät seit 1991 (Grigri) dar, welches mit einer komplett neuen Technik daherkommt. Freigegeben ist das REVO für Kletterseile mit einem Durchmesser von 8,5-11,0 mm und soll mit allen gängigen Karabinern funktionieren. Gefertigt ist das Ganze aus Aluminium und Edelstahl und wird in Italien produziert. Auch das Design erinnert eher an ein Bauteil eines italienischen Supersportlers; andere böse Zungen behaupten an einen Dynamo, als an ein Sicherungsgerät – aber gerade das weiß durch seine Ausgefallenheit zu gefallen.

Nicht nur das Design und die Größe beeindrucken, sondern auch das Gewicht. Allerdings sind sich hierbei der Hersteller, andere Rezensenten und die heimische Küchen – äh Ausrüstungswaage alles andere als einig. Der Hersteller gibt 245 gr. an, anderswo steht 275 gr. und die Waage sagt wiederum 285 gr. Einigkeit besteht allein bei allen darin, dass es ein schwerer Brocken ist, der die Haltekraft des Klettergurts in Bodenrichtung auf harte Proben stellt. Für den angeschlagenen Verkaufspreis von knapp 130 € bekommt man aber so zumindest noch etwas für sein Geld.

Hands on oder REVO, ick hör dir klacken

Auf den ersten Blick hat das REVO sehr viele bewegliche Teile. Recht schnell merkt man aber, dass für den Sichernden nur der Schließmechanismus (in Form eines kleinen schwarzen Hebels) und die Seilrolle relevant sind. Alles andere erledigt das REVO von selbst.

Das erste Seileinlegen erfordert dennoch einiges an genauer Beobachtung, da auf den ersten Blick nicht intuitiv klar ist, wie das Seil verlaufen soll. Es ist immer noch möglich, das Seil falsch einzulegen, auch wenn man es nicht mehr verkehrt herum einlegen kann. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist dies aber komfortabel zu bewerkstelligen.

Getestet haben wir das REVO mit Kletterseilen verschiedener Stärke und unterschiedlichen Karabinern. In den meisten Fällen nimmt das REVO die diversen Setups klaglos hin. Bei dicken und durch häufige Benutzung speckig gewordenen Seilen (der Toprope-Bereich lässt grüßen) in Kombination mit einem stark gebogenen Karabiner kann es jedoch zu einem ungewollten Schleifen des Seils am Karabiner kommen. Ein wenig problematisch waren in unserem Test zudem Twingate-Karabiner. Durch die knapp bemessene Einhängeöffnung am REVO war bei einigen Vertretern dieser Art etwas Überzeugungsarbeit nötig, andere passten gar nicht.

Wenn alles eingelegt ist, ist das Handling wirklich fantastisch. Das Ausgeben und Einholen des Seils, sowie der schnelle Wechsel zwischen beidem geht so leicht von der Hand, wie bei kaum einem anderen Sicherungsgerät. Das Seil läuft in beide Richtungen ohne zu hackeln (und das unabhängig von der Position der Bremshand!). Zudem kann das Seilausgeben sehr Präzise dosiert werden, sodass weder ein Schlappseil entsteht oder der Kletterer um die letzten Zentimeter Seil bis zur nächsten Exe kämpfen muss.

Diese Leichtläufigkeit macht sich allerdings auch beim Ablassen und Halten des Kletternden bemerkbar. Da die Blockierfunktion nur im Notfall greifen soll, beschränkt sich die native Bremswirkung lediglich auf die oben und unten angebrachten Lamellen, die Fliehkraftbremse dreht sich munter weiter. Dies hat zur Folge, dass eine relativ große Last auf der Bremshand liegt, auch weil, im Gegensatz zu anderen Tubern, der Karabiner konstruktionsbedingt nicht beim Bremsen des Seils mithelfen kann. Gerade bei schweren Kletterern hat der Sichernde daher alle Hände voll zu tun.

Sollte der Sichernde das Seil einmal nicht bremsen, sei es aus Unachtsamkeit, Ohnmacht oder sonstigen Szenarios, blockiert das REVO sehr zuverlässig. Freundlicherweise wird man selbst, und der Rest der Halle, auf etwaige Sicherungsfehler durch ein lautes Klacken der Blockierfunktion auf eben diese aufmerksam gemacht.

Das Backup löst bei einer Fallgeschwindigkeit von 4 m/s aus, also etwa nach 0,4 Sekunden, was ca. einem Meter Fallhöhe entspricht. Gefühlt blockiert es aber schon wesentlich früher. So kann man (auch wenn dies wahrscheinlich nicht im Sinne des Erfinders ist) die Arretierung absichtlich auslösen, um beispielsweise bei einer längeren Pause des Kletternden die Bremshand zu entlasten. Dazu muss man sich lediglich ins Seil setzen und das Bremsseil kurz anheben. Schon nach wenigen Zentimetern können es sich alle Beteiligten in ihren Klettergurten bequem machen. Gelöst wird das Seil wieder durch einen Ruck mit der Bremshand nach unten, was hervorragend funktioniert.

Beim Ablassen mit dickeren Kletterseilen schien sich das REVO hin und wieder nicht ganz sicher zu sein, ob es nun blockieren soll oder nicht (auch fernab von einer Ablassgeschwindigkeit von 4 m/s). Gleiches gilt für sehr schnelle Manöver beim Seilausgeben und -einholen. Auch hier blockiert das REVO bei hohen Geschwindigkeiten, was aber selten ein Problem darstellt, da die Selbstblockade ebenso schnell wieder zu lösen ist wie sie eintritt.

Ein paar Einschränkungen zur Arretierung gibt es allerdings, wie der Designer des REVO Egon Resch in einem Interview mit bergsteigen.com offenlegt. Bei sehr leichten Personen und wenig Seilreibung blockiert das REVO gar nicht. Gleiches gilt, wenn sehr viel Seilreibung auftritt. In unseren Tests, mit Kletterern von 64 bis 85 kg ist dieses Problem jedoch nie aufgetreten. Leider wurden keinerlei Angaben dazu gemacht, ab welchem Gewicht es zu einem Aussetzen kommen kann, oder ob zusätzlich andere Faktoren (Schlappseil o.ä.) eine maßgebliche Rolle bei diesem Phänomen spielen könnten.

Ähnlich wie bei Halbautomaten erfordert das REVO ein wenig Übung, wenn es darum geht den Kletterer weich zu sichern. Zwar lässt es sich wie ein Tuber bedienen, aber es lässt die dynamischen Eigenschaften solcher Sicherungsgeräte missen (wenn auch nicht in dem Maße wie bei anderen Halbautomaten). Somit ist ein körperdynamisches Sichern das Mittel der Wahl, insbesondere wenn der Sichernde ein paar Kilo mehr auf den Rippen hat.

Fazit

Das REVO macht vieles richtig und vor allem das Klettern sicherer. Ob es nun wie versprochen „the safest belay device available“ ist, möchte ich an dieser Stelle nicht beurteilen. Auch kann ich nichts über die Langlebigkeit dieses doch aus sehr vielen Einzelteilen bestehenden Sicherungsgeräts sagen, die erst in ihrem Zusammenspiel das zusätzliche Maß an Sicherheit gewährleisten.

Die lange Entwicklungszeit lässt allerdings darauf schließen, dass Wild Country das REVO lange genug getestet hat, um Kinderkrankheiten auszumerzen. Die Entwickler haben sich dankenswerterweise einiger verbreiteter Sicherungsprobleme angenommen und diese auf innovative Weise gelöst. Wer also gerne mit einem Tuber sichert, aber sich bei diesem mehr Sicherheit wünscht und sich nicht umgewöhnen möchte, kann beim REVO getrost zugreifen. Man bekommt für einen sicherlich stolzen Preis ein Sicherungsgerät, das durch ein klasse Handling, ein interessantes Design und eine maschinelle Arretierung glänzt – falls der Faktor Mensch versagt.

Auf einen Blick

  • Hersteller: Wild Country
  • Maße (hxbxt): ca. 104 x 87 x 38 mm
  • Gewicht: ca. 285 gr
  • Seildurchmesser: 8,5 -11,0 mm
  • Karabiner: alle, mit wenigen Einschränkungen

Tschüss Käsefüße – Outdoor Socken waschen leicht gemacht

14. Juni 2018
Pflegetipps

„Pfui Teufel! Bleib mir bloß weg mit deinen Käsemauken!“ Das oder etwas Ähnliches haben wir sicher alle schon des Öfteren nach einem langen Fußmarsch zu hören bekommen. Ganz klar, der natürliche Fußschweiß, die Feuchtigkeit und Bakterien haben über den Tourentag ganze Arbeit geleistet und die Socken in eine pestilenzartige Muffeloase verwandelt. Aber auch Matsch, Laub und ähnlicher Unrat, der sich in die Schuhe verirrt hat, haben den Fußklamotten zu schaffen gemacht. Die Socken müssen in die Wäsche! Aber was gibt’s beim Waschen der Outdoor Socken zu beachten? Gute Frage, drum hier eine kleine Sockenwaschberatung.

Allgemeine Tipps zum Waschen der Outdoorsocken

Keine Angst, die Sockenwaschkunde ist kein Hexenwerk! Dennoch gibt es ein paar wichtige Dinge, die ihr beachten müsst. Starten wir mit ein paar allgemeinen Tipps zur richtigen Sockenwäsche. Der Leitgedanke des Sockenwaschens: achtet in jedem Fall auf die Herstellerangaben! Gerade funktionelle Gewebe sind echte Hochleistungsmaterialien und haben oft ihre ganz eigenen Pflege Dos und Don’ts.

Dreht die Socken vor dem Waschen auf links. Warum? Ganz einfach, der wahre Schmutz lagert sich nicht außen an, sondern durch Schweiß und Hautpartikeln am Inneren der Socke. In Sachen Waschprogramm könnt ihr, wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, dem Schongang vertrauen. Der normale Waschgang wird eure Socken jedoch sicherlich auch nicht umbringen. Achtet aber in jedem Fall auf die Angaben des Herstellers.

Ein weiterer Tipp für das seit frühesten Waschmaschinentagen bekannte Sockenmysterium – der auf Nimmerwiedersehen verschwundene Sockenpartner. Ob die Socken von einem Dimensionsloch in der Trommel verschluckt oder von Kobolden entwendet werden, wie sie verschwinden wird sich wohl niemals vollständig aufklären, aber ein Mittel gegen den plötzlichen Sockenschwund gibt es allemal.

Nehmt zum Sockenwaschen ein herkömmliches BH-Netz oder ein Wäschenetz zur Hand. Das hält zum einen die Socken beisammen und schont zum anderen empfindliche Funktionssocken (oder feine Merinosocken) vor dem Abrieb durch die Trommel. Zudem schützt es vor Schäden durch Reißverschlüsse, Knöpfen oder Nieten anderer Kleidungsstücke.

Welche Socke wird wie gewaschen?

Nun geht’s ans Eingemachte. Welche Socke wird wie gewaschen? Egal ob aus Wolle, Kunstfaser, Baumwolle oder Merinowolle, um eure Socken sauber zu bekommen, müsst ihr keine hohen Temperaturkaliber auffahren. Zwar ist die Waschtemperatur nach wie vor materialabhängig, jedoch reichen 30 bei Merinowollgeweben bis maximal 40 Grad bei funktionellen Kunstfasermaterialien in aller Regel aus.

Moderne Waschmittel sorgen auch bei niedrigen Temperaturen für eine umfassende Reinigung und waschen eure Socken wie im bekannten Werbeslogan porentief rein. Temperaturen über der 40 Grad Grenze sind nicht nur unnötig, sie können empfindliche Gewebe sogar nachhaltig schädigen. Umwelt und Geldbeutel freuen sich über den Niedrigtemperaturwaschgang ebenfalls. Weniger ist also wiedermal Trumpf.

Wie sieht es an der Waschmittelfront aus?  Hier gibt es mehrere Möglichkeiten. Hauptsache ist, dass ihr auf Zusätze wie Bleiche, Chlor, optische Aufheller oder Weichspüler verzichtet. Ein Vollwaschmittel scheidet von vornherein aus, da es mit vielen aggressiven Zusätzen und Aufhellern für ein strahlendes Weiß daherkommt. Die schonendste Alternative ist das Feinwaschmittel. Hier wird eine besonders schonende Waschlauge mit einem feinporigen Schaum erzeugt, die wie ein Polster für empfindliche Materialien wirkt – sozusagen eine Art schaumiger Airbag, der die Socken beim Schleudergang schützt.

Feinwaschmittel ist vor allem für Funktionstextilien zu empfehlen, da es sehr gewebeschonend ist und keine Zusätze enthält, die die Funktionalität beeinträchtigen oder das Gewebe schädigen. Ich persönlich nehme ab und an ein übliches Colorwaschmittel. Das ist zwar nicht ganz so schonend wie ein Feinwaschmittel, kommt aber ebenfalls ohne Bleiche und ähnliche Zusätze aus und verhindert gleichzeitig ein Abfärben, beziehungsweise ein Ausbluten der Farben. Aber Achtung: Colorwaschmittel eignet sich nicht für Wolle oder Seide!

Merinosocken sind in der Regel herrlich pflegeleicht. Ihr solltet nur darauf achten, dass ihr bei 30 Grad bleibt und wenn möglich den Schongang einstellt. Als Waschmittelkandidaten bietet sich ein Fein- oder ein Wollwaschmittel an. Letzteres sollte in jedem Fall für Socken aus „normaler“ Wolle verwendet werden, da das Wollwaschmittel ohne Protease auskommt. Protease ist ein eiweißspaltendes Enzym, dass auf Dauer die Wollfasern schädigt.

Liegt bei euch eine Pilzerkrankung am Fuß vor, gibt es spezielle medizinische oder fungizide Waschmittel und Spüler, die dem Fußpilz auf der Socke an den Kragen gehen. Temperaturmäßig solltet ihr hier auf mindestens 60 Grad gehen, da ansonsten bei einem Waschgang unterhalb dieser Temperatur circa 10 bis 15% der Sporen überstehen. Hier sollte allerdings auch wieder die Herstellerangaben beachtet werden!

Die große Wäschekontroverse – Warum kein Weichspüler?

Das keine Bleiche, kein Chlor oder ähnliches an die geliebte Outdoorsocke sollte, lässt sich locker nachvollziehen. Aber warum kein Weichspüler? Schließlich riecht das Zeug (meistens) prima und die Wäsche fühlt sich hinterher kuschelig weich an. Der Grund liegt an den sogenannten kationischen Tensiden, die im Weichspüler enthalten sind. Diese Tenside legen sich als Film auf die einzelnen Fasern, lassen die Faseroberfläche glatter wirken und sorgen so für eine softe Haptik. Hört sich toll an? Naja!

Die Krux liegt gerade an diesem Film, denn er vermindert die Feuchtigkeitsaufnahmefähigkeit von Geweben, was bei Funktionstextilien eher hinderlich ist. Eure Socken sind dann nämlich weich, eure Füße aber leider schwitzig und stinkig. Gleichzeitig schadet Weichspüler elastischen Kunstfasern. Sie verlieren ihre Dehnbarkeit, leiern aus oder werden brüchig. Das ist vor allem für die Sockenbünde pures Gift.

Der Nutzen, den Weichspüler auf die Wäsche hat, ist folglich fraglich und zudem enthalten einige dieser weichmachenden Produkte Zusätze wie Silikone, Lösungsmittel, Farbstoffe oder Formaldehyd, die sich schädlich auf die Umwelt auswirken.

Kann die Socke in den Trockner?

Bei der Trocknerfrage gilt wieder der altbekannte Hinweis auf die Angaben des Herstellers zu achten. In den meisten Fällen können die Socken jedoch bei niedriger Temperatur und im Schonprogramm durchaus die eine oder andere Runde im Wäschetrockner drehen. Ich würde dem allerdings immer die Trocknungsvariante in der frischen Luft vorziehen: auf der Leine an der oder auf einem gut belüfteten Wäscheständer. Auf diese Weise bleibt die Socke in jedem Fall in Takt und der Bund verliert auch nicht an Elastizität.

Ihr seht, die Outdoor Socken richtig zu waschen ist kein großes Ding. Wenn ihr auf ein paar Kleinigkeiten achtet, hat selbst der fieseste Schmutz und der übelste Geruch keine Chance und eure Socken sind schnell wieder für den nächsten Einsatz bereit!

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