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Zwischen Eiger, Mönch und Jungfrau – das Millet Base Camp 2017

23. Juni 2017
Die Bergfreunde

Ein Biwak in der Station Eigerwand? Eine Kollektionsvorstellung im Herzen des Eiger? Mit den Bergführern von grindelwaldSPORTS zum geschichtsträchtigen Stollenloch der Nordwand? Ja, diese und weitere Punkte standen auf dem diesjährigen Eventplan des französischen Bergsportausrüsters Millet. Kein Wunder also, dass wir zwei Bergfreunde am Morgen des 11. Juni voller Vorfreude ins beschauliche Grindelwald zum Millet Base Camp 2017 aufgebrochen sind.

Eine Fahrt mit der Jungfraubahn

Was für die meisten asiatischen Touristen vermutlich zum elementaren Bestandteil ihrer persönlichen Grand Tour d’Europe gehört, ist für uns „Jungfrau-Jungfrauen“ doch ein Highlight der besonderen Art. Kaum vorzustellen, unter welch immensen Entbehrungen und Herausforderung die Arbeiter von einst mit dem Bau dieser ingenieurstechnischen Meisterleistung im Jahr 1896 begonnen haben.

Über gut 9,3 km erstreckt sich der Stollen der Jungfraubahn heute von der kleinen Scheidegg über die weltbekannte Station Eigerwand bis hinaus auf’s Jungfraujoch auf 3.454m über dem Meer. Dass die Station Eigerwand selbst mittlerweile nicht mehr im offiziellen Fahrplan der Zahnradbahn angesteuert wird, ist hingegen gar nicht mal so vielen Leuten bekannt. Umso exklusiver gestaltet sich also unser Aufenthalt in eben diesem Stollen – fernab der sardinenartig vorbeiziehenden Touristenströme.

Vom Biwak im Stollen zur Kollektionsvorstellung Sommer ’18

Dass das Herz von Millet nicht nur für die Berge schlägt, sondern seinen ganzen Spirit, seine eigene DNA aus dem Bergsport zieht, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass hier keine Mühen gescheut werden, uns die angehende Sommerkollektion an diesem ganz besonderen Ort zu präsentieren. Bevor es jedoch soweit ist, geht es nach einer reichhaltigen Stärkung zunächst einmal dem absoluten Highlight des Events entgegen: ein zehn-minütiger Abstieg mit den Bergführern von grindelwaldSPORTS durch den Stollen der Bahn hinab zum in der Geschichte des Alpinismus bekannt gewordenen Notausstieg in der Eiger Nordwand.

Viel kann man über dieses Stollenloch im unteren Drittel der Wand lesen, viel darüber im Fernsehen und im Internet sehen – selbst einmal dort zustehen, ist allerdings nicht nur für uns als Kletterer und Tourengeher, sondern vermutlich auch für jeden anderen Menschen, der eine nicht so stark ausgeprägte Passion für den Bergsport besitzt, ein schlichtweg atemberaubendes Erlebnis. Am Seilgeländer gesichert, hängen wir uns also für ein paar Augenblicke in diese beeindruckende Wand und genießen den Sonnenuntergang am Horizont…

Spät am Abend folgt bei einem gut gekühlten Bier im etwa 0 Grad angenehm temperierten Stollen die bereits angekündigte Vorstellung der neuen Kollektion. Soviel sei an dieser Stelle bereits verraten: sowohl in den Segmenten Alpinismus, Trekking und Bergwandern bis hin zum Trailrunning lassen die Produkte so gut wie keine Wünsche in puncto Funktionalität, Style und Design übrig. Kein Wunder, so arbeiten die Jungs und Mädels von Millet doch seit Jahren eng mit den renommierten Bergschulen von Chamonix und Grindelwald zusammen.

Stippvisite auf der Mönchsjochhütte

Tags drauf steht nach dem Abbau des Base Camps die Fahrt zum Jungfraujoch auf dem Plan. Wenn uns das Wetter nun keinen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, wären wir in mehreren Gruppen zum Schneeschuhwandern bzw. zum Spaltenrettungstraining aufgebrochen.

So heißt es stattdessen, schnell und organisiert umzudisponieren, ein Materiallager einzurichten, uns durch die Ströme besagter asiatischer Touristen zu kämpfen und nach dem Frühstück zu einer wenn auch sehr kurzen, aber dennoch schönen Tour zur Mönchsjochhütte aufzubrechen. Die gelegentlich durchbrechende Sonne sorgt hier immerhin ansatzweise für den Eindruck, wie weitläufig dieses Gebiet rund um den großen Aletschgletscher, Mönch und Jungfrau sein muss.

Safety first

Nach einer warmen Suppe auf der Hütte, viel Small Talk und dem einen oder anderen Meet and Greet geht es schließlich wieder hinab ins Tal. Und das auch nur, weil uns am Nachmittag gleich das nächste Highlight zum Abschluss des Events erwartet. Im Klettergarten Gletscherschlucht kurz außerhalb von Grindelwald landen die beiden angeforderten Rettungshelikopter von Air Glaciers auf einer Grünfläche wenig unterhalb der Sportkletterrouten.

Im Rahmen einer Übung demonstrieren uns Piloten sowie Bergretter hier die Bergung zweier Kletterer mit Hilfe der Long Line aus der Wand. Und das Ganze mit einer verdammt beeindruckenden Präzision und Perfektion. Nicht zuletzt erfordert die Absprache zwischen dem Piloten, seinem Einweiser an der Winde und dem Bergretter 60 Meter unterhalb des Helis einiges an Absprache, Erfahrung und Koordination. So kommen unsere beiden „Verunfallten“ wenige Minuten später wieder wohlbehalten im Kreise der Gruppe an. Die zweite Crew steht derweil auf Abruf bereit, um im Falle einer echten Alarmierung direkt losfliegen zu können. Da diese glücklicherweise ausbleibt, verbringen wir den Rest des Nachmittages mit Fragen und Antworten an die Besatzungen sowie dem einen oder anderen Blick in die Helis.

So bleiben am Ende des Millet Base Camps 2017 viele einmalige und unvergessliche alpine Eindrücke bestehen – nicht nur von den Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten der Bergretter, nein, das ganze Event war ein voller Erfolg. Eiger, Mönch und Jungfrau haben hier ebenso ihren Teil dazu beigetragen, wie das gesamte an der Organisation beteiligte Team von Millet, grindelwaldSPORTS und Air Glaciers. An dieser Stelle nochmals vielen Dank dafür und ein allseitiges Berg Heil!

Gear-Check für Kletterausrüstung

Mach den Kletter-Gear-Check!

22. Juni 2017
Ausrüstung

Kletterausrüstung muss zwangsläufig irgendwann ersetzt werden. Das ist so sicher wie die Tatsache, dass mindestens einmal pro Woche Kuchen in der Bergfreunde-Küche steht. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt für einen neuen Klettergurt? Wann hat der Helm ausgedient und woran erkennt man, wann andere Ausrüstung wie Seile, Exen oder Karabiner ausgetauscht werden müssen? Wir haben für euch eine kurze Checkliste zusammengestellt, die euch dabei hilft zu erkennen, wann es Zeit für neues Gear ist!

Bei all den Tipps gilt: Habt ihr  Zweifel an der Sicherheit der Ausrüstung, lieber weg damit und erneuern. Das sagen wir nicht, weil wir euch das Zeug verkaufen wollen, sondern weil es im Zweifel lebenswichtig ist!

Der Klettergurt

Auf die Lebensdauer des Klettergurts wirken erfahrungsgemäß viele Parameter ein: Nutzungshäufigkeit, gekletterter Schwierigkeitsgrad, Kletterstile und natürlich wo geklettert wird. Daher ist es schwer, pauschale Aussagen zu treffen. Dennoch geben viele Hersteller eine Lebensdauer für den Gurt an (Infos sind den Produkten beigelegt oder Online einsehbar). Es gibt allerdings ein paar eindeutige Anzeichen dafür, wann man zumindest mal über einen neuen Gurt nachdenken sollte:

  • Tiefe Schnitte und Einkerbungen an den Anseilpunkten sind kritisch zu bewerten.
  • Auch Ausdünnungen im Material sind mit Vorsicht zu genießen. Hersteller wie Petzl und Black Diamond verarbeiten dafür extra farbige Sicherheitsfasern. Werden diese sichtbar, dann weg mit dem Gurt!
  • Materialschlaufen, Gurtbänder, Beinschlaufen, Riegel-/Kontrastnähte sollten selbstverständlich auch im Blick behalten werden. Erhebliche Einkerbungen, Schnitte, starke Verschmutzungen oder Abrieberscheinungen sind auch an diesen Stellen nicht ohne.
  • Funktionieren die Schnallen noch tadellos?

Weitere Infos zur Lebensdauer von Klettergurten findest du in diesem Basislager-Artikel.

Der Kletterhelm

Ähnlich wie bei den Gurten ist es auch bei Helmen schwierig, eine generelle Lebensdauer festzulegen. Pi mal Daumen gilt für Hartschalenhelme eine längere Lebensdauer als für Schaumhelme. Infos dazu gibt es ebenfalls – in aller Regel – direkt am Produkt. Der DAV empfiehlt, den Helm alle fünf Jahre zu wechseln.

  • Kunst- und Schaumstoffe werden mit der Zeit spröde und porös. Dadurch büßen sie natürlich an Sicherheit ein, was die Lebensdauer eines Helms begrenzt.
  • Nach einem erfolgreich abgefangenen Steinschlag, einem Sturz oder selbst beim Fallen lassen des Helms aus großer Höhe kann die Integrität beeinträchtigt sein, auch ohne dass man es sieht. Eine Neuanschaffung wäre daher zu empfehlen. Sicher ist sicher!

Hier gibts weitere Infos und alles Wissenswerte zu Kletterhelmen!

Das Kletterseil

Seile sind beim Klettern unzählig vielen Einflüssen ausgesetzt und werden natürlich zum Teil extrem belastet. Daher sollte besonders auf diesem Ausrüstungsstück besonderes Augenmerk liegen. Bei guter Behandlung und wenig Belastung halten sie locker drei bis sechs Jahre. Manche Hersteller geben sogar bis zu 10 Jahre an – aber nur, wenn die Seile wenig benutzt werden. Ausgetauscht werden sollten Seile vor allem wenn:

  • sie in Kontakt mit Chemikalien kommen – speziell Säuren.
  • Mantelbeschädigungen vorliegen oder der Kern sichtbar wird.
  • der Mantel extrem abgenutzt oder außergewöhnlich pelzig ist.
  • der Mantel extrem verschoben ist.
  • das Seil stark deformiert ist.
  • extreme Belastungen (Sturzfaktor 1, Sturz über Kante, Steinschlag, Treffer mit Eisgerät) eingewirkt haben.
  • das Seil extrem verschmutzt ist, z.B. durch Teer, Öl, Fett.
  • durch Hitze oder Reibung entstandene Schmelzverbrennungen auftreten.
  • Kein Austauschgrund, aber wichtig: Ist die Mittelmarkierung noch mittig?

Eine (sehr) ausführliche Pflegeanleitung für Kletterseile findet ihr natürlich bei uns im Basislager.

Karabiner und Express-Sets

Surprise, surprise – natürlich sind auch Karabiner und Express-Sets nicht unzerstörbar. Besonders das Bandmaterial der Exen, aber natürlich auch die Karabiner selbst werden durch Fels und Seil stark belastet. Karabiner aus Stahl sind dabei deutlich robuster als solche aus Aluminium – aber eben auch schwerer. Auf folgende Dinge solltet ihr ein Auge haben:

  • Das Bandmaterial der Exe darf max. 10 Jahre verwendet werden. Regelmäßige Kontrollen auf Risse oder Abrieberscheinungen sind dennoch angebracht, da ein schnellerer Verschleiß natürlich möglich ist.
  • Der Karabiner wird vor allem durch das Seil belastet. Es entsteht Reibung, die natürlich irgendwann für einen nicht unerheblichen Materialschwund sorgen kann. Spätestens, wenn ein scharfer Grat entsteht, sollte der Karabiner schnurstracks ausgetauscht werden.
  • Hängt die Exe während eines Sturzes in einer Bohrhakenlasche („Plättchen“), können sich am wandseitigen Karabiner scharfe Kanten bilden. Damit das Seil nicht leidet, sollte man wandseitige und seilseitige Karabiner nie tauschen, sondern immer nur „für ihre Seite“ verwenden.

Noch mehr Wissenswertes zu Karabinern und Exen gibt es hier und hier!

Das Klettersteigsets

Klettersteige oder Via Ferrata, wie die Sportart zwischen Wandern und Klettern im englischen Sprachgebrauch genannt wird, erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Dabei geht natürlich nichts ohne das sogenannte Klettersteigset. Auch hier gibt es von Herstellerseite Empfehlungen zur Lebensdauer. Edelrid zum Beispiel sagt, dass ein Set nach 10 Jahren ausgetauscht werden sollte – wohlgemerkt bei Nichtbenutzung! Edelrid verbaut außerdem ein rotes Markierungsband im Bandfalldämpfer. Ist dieses gerissen, sollte der Gurt ausgetauscht werden. Generell gelten natürlich ähnliche Regeln wie für den Klettergurt und die Karabiner:

  • Einkerbungen, Risse und Schnitte im Gurtmaterial sind kritisch zu bewerten.
  • Materialschwund am Karabiner im Augen behalten.
  • Nach einem Sturz sollte das Set ebenfalls ausgetauscht werden. Selbst wenn der Bandfalldämpfer nicht ausgelöst hat.

Noch mehr lesenswerte Infos rund um Klettersteigssets haben wir hier für euch zusammengefasst.

Wie schon eingangs erwähnt: Im Zweifel solltet ihr eure Ausrüstung ersetzen, wenn ihr nicht sicher seid, ob wirklich alles Startklar für die nächste Bergfahrt ist. Bei Fragen könnt ihr euch selbstverständlich an unseren Kundenservice wenden. Ihr erreicht die Kollegen per Mail an info@bergfreunde.de oder telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0. Oder ihr besucht die Webseiten der Hersteller, dort findet ihr ebenfalls viele Informationen zur Wartung und Pflege von Kletterausrüstung. Haltet außerdem die Augen nach Rückrufen offen. Die sind zwar selten, kommen aber vor! Damit ihr immer gut informiert seid, schaut einfach regelmäßig im Basislager-Blog oder auf unserer Facebook-Seite vorbei!

Wanderschuhe richtig einlaufen

Drückt der Schuh? Wanderschuhe richtig einlaufen

20. Juni 2017
Ausrüstung

Auch die besten Wanderschuhe müssen vor der ersten großen Tour richtig eingelaufen werden, damit sie sich perfekt an die Füße anpassen. Bevor Wanderer ihre neuen Wanderschuhe einlaufen können, müssen sie allerdings aus dem riesigen Angebot an Wanderschuhen das optimale Paar Schuhe suchen. Je nach Einsatzgebiet und Fußform findet jeder Wandersmann und jede Wandersfrau den individuell perfekten Wanderschuh, denn so unterschiedlich wie die Füße der Wanderer, so unterschiedlich sind auch die Leisten der Schuhhersteller. Manche Schuhe sind vorne etwas weiter geschnitten, andere an der Ferse etwas schmaler geformt – manche Wanderschuhe bieten viel Platz für die Zehen und andere sind etwas spitzer und kompakter geformt. Einen grundlegenden Überblick über die verschiedenen Arten von Wanderschuhen und ihre wichtigsten Eigenschaften und Einsatzbereiche findest du in diesem Blogartikel.

Ob aus Leder oder aus synthetischen Materialien, mit knöchelhohem Schaft oder niedriger geschnitten, mit fester oder flexibler Sohle – nicht jeder Schuh hat die gleichen Eigenschaften und passt zu jedem Wanderer. Wenn die Entscheidung gefallen ist, ob es eher ein Leichtwanderschuh, ein Trekkingstiefel oder doch lieber ein steigeisenfester Bergstiefel sein soll und die wichtigen Funktionen und Features abgeklärt sind, geht die Schuhsuche ans Eingemachte.

Den perfekten Wanderschuh finden – die optimale Schuhgröße, Schuhbreite und Schuhform

Nur ein Wanderschuh, der die richtige Schuhgröße hat und außerdem in Form und Breite zum eigenen Fuß passt, kann auch richtig eingelaufen werden. Für Wanderer ist zu empfehlen, ihre Wanderstiefel mit den Socken anzuprobieren, die auch später auf Tour als Wandersocken und zum Einlaufen verwendet werden sollen. Die Wandersocken gibt es in vielen verschieden Ausführungen aus Merinowolle, Kunstfaser und Mischgewebe und sollten bequem und rutschfest sitzen und die Feuchtigkeit zuverlässig vom Fuß abtransportieren. Der beste und richtig eingelaufene Wanderschuh ist nur so gut wie die Wandersocke, die darin steht.

Mit den entsprechenden Wandersocken ausgerüstet, kann man sich an die Anprobe der Wanderschuhe wagen. Je nach Hersteller fallen die Wanderschuhe nicht nur unterschiedlich breit sondern auch unterschiedlich groß aus. Diese Abweichungen sind zwar nicht so riesig, aber oft hilft es auch eine halbe Schuhgröße kleiner oder größer anzuprobieren, um sich an die optimale Größe heranzutasten. Ein direkter Vergleich hilft bei schwierigen Entscheidungen, indem man zum Beispiel am rechten Fuß eine Größe 42 und gleichzeitig am linken Fuß eine Größe 41,5 für eine Weile anprobiert.

Wichtig ist es auch, den Wanderschuh bei der ersten Anprobe richtig zu schnüren, also mit einer mittig platzierten Lasche und mit mäßigem Zug. Die Frage wann Wanderschuhe richtig sitzen und wie groß Wanderschuhe sein müssen, kann natürlich jeder Wanderer nur selber individuell beantworten, aber hier sind ein paar wichtige Checkpunkte für die Entscheidung:

  • Hat der Wanderschuh die richtige Länge? – Die Zehen dürfen nicht vorne anstoßen, aber es darf auch nicht so viel Platz im Wanderschuh sein, dass man nach vorne rutscht und keinen richtigen Halt hat.
  • Hat der Wanderschuh die richtige Breite? – An der Seiten darf nicht so viel Platz sein, dass der Fuß im Schuh „schwimmt“, aber drücken sollten sie an den Fußseiten auch nicht.
  • Sitzt die Ferse richtig im Wanderschuh? – Bei normaler Schnürung sollte die Ferse im Wanderschuh weder seitlich noch nach oben rutschen. Es darf aber auch nicht übermäßig drücken.
  • Sitzt der Schaft bequem? – Voraussetzung ist natürlich eine Socke, die über den Schaftrand reicht. Ein Schaft, der anfangs etwas fester wirkt, kann in der Regel gut eingelaufen werden. Wenn sich allerdings schon von Anfang an Druckstellen abzeichnen, sollten Wanderer lieber zu einem anderen Modell greifen.

Den Wanderschuh richtig einlaufen

Wenn die Wahl für den neuen Wanderschuh gefallen ist, geht es darum, Wanderer und Wanderschuh auf die ersten Einsätze im Gelände vorzubereiten. Wichtig ist es dabei, immer die passenden Wandersocken zu tragen, die nachher auch bei Wanderungen und Bergtouren zum Einsatz kommen, und dass die Wanderschuhe normal geschnürt werden. Die Schnürung muss nicht von Anfang an extrem fest sein, aber die Füße und Beine sollen beim Einlaufen das Material der Wanderschuhe flexibler und geschmeidiger machen, und das geht eben nur mit geschnürten Schuhen.

Für die ersten Schritte mit den nagelneuen Wanderschuhen trägt man sie am besten ein paar Stunden in den heimischen vier Wänden. Wenn die Füße sich schon ein wenig an die neuen Schuhe gewöhnt haben, folgen leichte Spaziergänge in der Stadt, im Park oder im einfachen und ebenen Gelände. Die kleinen Ausflüge werden dann zu größeren Spaziergängen und kleineren Wanderungen, wobei die Wege langsam auch steiler und unebener werden dürfen. Danach sind die Schuhe bereit für ganztägige Touren und den Einsatz im Gebirge.

Wanderschuhe aus Leder oder Synthetik einlaufen

Wanderschuhe aus synthetischen Materialien passen sich nicht so umfassend an die individuelle Fußform an, wie das bei Modellen aus Leder der Fall ist. Deswegen sind die Schuhe, die nicht aus Leder bestehen, meist auch schneller eingelaufen. Die Lederschuhe brauchen eine gewisse Zeit, um flexibler zu werden und sich optimal an die Füße anzuschmiegen. Um diesen Vorgang zu erleichtern, helfen Wanderungen im Regen oder im nassen Tau. Durch das Wasser wird das Leder weich und kann sich so schneller und leichter an den Fuß anpassen. Natürlich muss man dafür in den nassen Wanderschuhen auch eine Weile laufen. Bei wasserdichten Wanderschuhen ist das aber zum Glück gar kein Problem.

Grundsätzlich besteht auch die Möglichkeit, einen Wanderschuh aus Leder zu weiten. Diese Möglichkeit kommt in Betracht, wenn der Schuh nach dem Einlaufen noch immer zu eng sein sollte. In der Regel weiten sich Wanderschuhe aus Leder aber von alleine etwas. Wenn man beim Kauf der Wanderschuhe darauf achtet, den Schuh nicht zu schmal zu wählen, ist das definitiv einfacher als ihn später breiter zu machen. Ein professioneller Schuster kann die Lederwanderschuhe in der Regel um wenige Millimeter weiten.

Richtig bequeme und super eingelaufene Wanderschuhe sind durch nichts zu ersetzen. Keine Blasen oder Druckstellen beim stundenlangen Wandern und ein super Tragegefühl sind für Wanderer die Basis für alle Unternehmungen. Deswegen gilt es, die „guten Treter“ auch gut zu pflegen, damit man möglichst lange Freude an den Wanderschuhen hat. Die richtige Pflege mit der entsprechenden Reinigung, etwas Imprägnierung und etwas Schuhwachs leisten dabei tolle Dienste. Ein paar wichtige Fakten zur Pflege von Wanderschuhen aus Leder und aus Synthetik findest du hier!

Die Bergfreunde auf der OutDoor-Messe 2017

OutDoor Messe 2017

16. Juni 2017
Ausrüstung

Leute, es ist wieder soweit! Die OutDoor-Messe in Friedrichshafen öffnet am Sonntagmorgen ihre Tore und eröffnet eine Welt voll mit genialem Gear, bunten Farben und jeder Menge Leute, die das Draußensein genauso lieben wie wir.

Wie jedes Jahr stürzen wir uns für euch in den Trubel und schauen uns nach dem ganz heißen Kram um, den die inzwischen sehr zahlreichen Hersteller auf den Markt bringen wollen – irgendwann. Ein paar kleine Infos sind schon durchgesickert, die wir für euch an dieser Stelle zusammengefasst haben!

Black Diamond mit eigenen Kletterschuhen

Mit die interessanteste Information kommt aus dem Hause Black Diamond: Man baut jetzt Kletterschuhe – aber vielmehr wissen wir an dieser Stelle auch noch nicht. Das bisher einzig vorgestellte Modell ist der Momentum, ein Einsteiger-Schuh für Damen, der eher auf Komfort ausgelegt ist. Definitiv einer der ersten Besuche, die am Sonntag auf dem Plan stehen! Außerdem werden die Seil- und Bekleidungslinien noch weiter ausgebaut.

Arc’teryx erweitert das Trailrunning-Sortiment

Nachdem die zur letzten Saison vorgestellten Trailrunningschuhe von Arc’teryx (Norvan-Serie) ziemlich gut ankamen, war es eine relativ logische Konsequenz, dass diese Kollektion erweitert werden würde. Auf der OutDoor werden nun ein weiterer Schuh, der Norvan LD als Variante für längere Distanz wie Ultra-Trails, sowie eine Laufweste, die Norvan 14 Hydration Vest mit Trinkblase, präsentiert.

Sympatex und die Funktionsjacke 4.0

Zahlreiche Superlative finden sich in der Pressemitteilung von Sympatex. Vor kurzem hat man zusammen mit 20 Outdoor-Bloggern in einem Wochenendworkshops die Funktionsjacke 4.0 erdacht. Nichts geringeres als die „ultimative und nachhaltigste“ Jacke soll dabei entstanden sein. Am Sonntag wird das gute Stück wird auf der Messer präsentiert und wir sind natürlich schwer gespannt, ob die vollmundigen Versprechen gehalten werden.

Terra Nova macht es sich leicht

… und zwar wortwörtlich. Mit dem Laser Pulse Ultra Ein-Personen-Zelt präsentiert Terra Nova das „leichteste doppelwandige Zelt der Welt“ mit nur 450 g und einem Packgewicht von 490 g. Jap, das ist ziemlich leicht für ein Zelt, aber dennoch gibt es ausreichend Platz zum Sitzen, denn der Innenraum ist immerhin 82 cm hoch. Beim Gewicht übertrumpft es seinen Vorgänger, das Laser Ultra 1, nochmal um rund 100 g beim Packgewicht.

GSI mit leichtem Flachmann

Wir wollen hier wirklich nicht zum Alkoholkonsum aufrufen, aber einen Flachmann kann man ja auch für andere Dinge nutzen. Und wenn er so schön leicht ist, wie die neue Boulder Flask von GSI hat man ihn doch gerne im Gepäck. Dazu ist er noch durchsichtig, so dass man stets erkennen kann, ob noch genug Schna… ähm, Wasser verfügbar ist.

Er hat eine Silikonummantelung für zusätzliche Stoßfestigkeit sowie eine vergrößerte Trinköffnung. Wir sagen Cheers! PS: Ja, wir wissen auch, dass das keine revolutionäre Neuerung ist, aber immerhin wird er als Weltpremiere gehandelt!

Welche Produkte erhalten den OutDoor-Award?

Sicherlich wie immer eine der spannendsten Fragen. Präsentiert werden die diesjährigen Award-Gewinner dann zum Messe-Start. Die Erfahrung zeigt, dass auch hier ein paar Gear-Perlen dabei sein werden. Wir sind jedenfalls schon mächtig gespannt. Und ihr? Habt ihr Fragen? Dann immer her damit, wir versuchen die Hersteller so lange zu nerven, bis wir alles aus ihnen heraus gekitzelt haben!

Wildcampen in Europa

Hotel Europa – Wo ist Wildcampen wie erlaubt?

14. Juni 2017
Tipps und Tricks

Einfach mal mit dem Zelt losziehen und dort, wo es gerade schön ist, ein Lager aufschlagen, das wär schon was… und ist nicht so einfach wie man sich das vielleicht vorstellt. Denn in vielen europäischen Ländern ist das Wildcampen untersagt oder unterliegt einer starken Reglementierung. Da es aber in Europa keine einheitliche Regelung gibt, läuft man schnell Gefahr, Ärger mit den örtlichen Ordnungshütern zu bekommen. Aus diesem Grund haben wir hier einmal die erweiterten Nachbarländer Deutschlands ein wenig näher betrachtet und geben euch ein paar Tipps, wie das Wildcampen in den einzelnen Ländern geregelt ist.

Teilweise ist die Rechtslage jedoch sehr undurchsichtig und ohne ein Jurastudium hat man kaum eine Chance, den Überblick zu behalten. Hinzu kommt, dass innerhalb einzelner Länder verschiedene Gemeinden, Kommunen oder Regionen nochmals andere Regelungen haben. So wird im Extremfall das, was klipp und klar erlaubt war, doch auf den Tod verboten und umgekehrt. Unsere Liste beruht daher keinesfalls auf Vollständigkeit. Wer also keine Lust hat, seine Urlaubskasse mit einem saftigen Bußgeld zu ruinieren oder für eine Nacht eingebunkert zu werden, der sollte sich unbedingt vor der Reise über die genaue Regelung am Urlaubsort informieren.

Campen oder Biwakieren?

Nicht selten ist genau diese Frage der Knackpunkt. Wie die Kollegin Anni in ihrem Artikel zum Wildcampen in Deutschland bereits ausgeführt hat, liegt darin oft ein beträchtlicher Unterschied. Am Beispiel von Deutschland heißt das, ein Zelt für eine Nacht in Feld, Wald oder Wiese aufzustellen ist in Deutschland (mit Ausnahmen) verboten. Hingegen ein (Not-)Biwak zu errichten, also nur mit Schlafsack, Isomatte und ggf. Tarp zu übernachten, ist in Deutschland nicht ausdrücklich per Gesetz geregelt. Somit bewegt man sich in einer rechtlichen Grauzone, die das Biwakieren weder erlaubt noch verbietet. Aber eben nur das Biwakieren, nicht das Zelten!

Die gelobten Länder – hier ist Wildcampen erlaubt

Ja und hurra, es gibt sie noch: Länder, in denen das Wildcampen generell erlaubt ist. Doch auch hier ist es, wie es nunmal immer ist, es gibt keine Regel ohne Ausnahme. Darum gilt auch für diese Länder der Grundsatz, dass man sich vor der Reise eingehend über die Besonderheiten vor Ort informieren sollte.

Estland, Lettland, Litauen

In den baltischen Staaten ist das Wildcampen erlaubt. Außerhalb von Nationalparks, Naturschutzgebieten und Privatgrundstücken darf hier gezeltet werden. Allerdings gibt es dabei ein paar Verhaltensgrundsätze zu beachten. Lärm ist tabu, da die artenreiche Tierwelt nicht gestört werden soll. Auch muss man generell darauf achten, der Natur keinen Schaden zuzufügen. Auch wenn Wildcampen im gesamten Baltikum grundsätzlich erlaubt ist, kann es zu regionalen oder temporären Einschränkungen kommen. Auch darf in Nationalparks und Naturschutzgebieten nicht gezeltet oder biwakiert werden.

Finnland, Norwegen, Schweden

Skandinavien ist wahrscheinlich das Paradies für Wildcamper. Durch das Jedermannsrecht ist dort das Biwakieren und Zelten erlaubt. Dies gilt in der Regel auch für Privatgrund, jedoch nicht für landwirtschaftlich genutzte Flächen. Auch sollte man darauf achten, dass man die Zeltstadt nicht in der Nähe von Siedlungen oder einzelnen Häusern aufstellt. Auf Privatgrund ist es z.B. in Norwegen erlaubt, sein Zelt bis zu zwei Tage lang und in gebührendem Abstand von min. 150 m zu bewohnten Häusern aufzustellen. In Naturschutzgebieten und Nationalparks können jedoch auch strengere Regeln gelten. In allen Gebieten, die aber unter die Regelung des Jedermannsrechts fallen, ist das Campen für bis zu zwei Nächte erlaubt. Jedoch gilt auch hier, wie überall anders: Nix kaputt machen und den Müll wieder mitnehmen. Weitere Informationen gibt es hier: Finnland, Norwegen, Schweden.

Schottland

In Großbritannien gibt es keine einheitliche Regelung zum Thema Wildcampen. So haben England, Wales und Schottland gänzlich unterschiedliche Gesetze. Richtig erlaubt ist das Wildcampen jedoch nur in Schottland. Dort ist das Verhalten in der freien und wilden Natur durch den Scottish outdoor access code geregelt. Hierbei handelt es sich um eine Art verbindlichen Verhaltenskodex mit allen wichtigen Do’s und Dont’s. Selbstverständlich gibt es auch hier Orte wie Naturschutzgebiete oder Privatgrund, die gesonderten Regelungen unterliegen, außerhalb dieser Gebiete ist das Zelten und Biwakieren jedoch für eine Nacht erlaubt.

Ja, nein, vielleicht – hier wird das Wildcampen teilweise geduldet

In Ländern wie beispielsweise Deutschland oder Frankreich ist das Wildcampen eigentlich verboten und kann theoretisch mit Strafe geahndet werden. Teilweise gibt es aber Wege, diese Verbote legal (!) zu umgehen.

Dänemark

Auch hier ist das Wildcampen erst einmal verboten. Gerade in touristischen Gebieten muss diesbezüglich mit Kontrollen gerechnet werden, auch Geldstrafen sind hier möglich. Es gibt aber auch Orte, an denen das Zelten außerhalb eines typischen Campingplatzes problemlos möglich ist. In Dänemark gibt es unzählige Wälder, in denen legal gezeltet werden darf. Wichtig ist dabei jedoch, dass man sich an die dort geltenden Regeln hält. Hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Nur eine Nacht am gleichen Ort bleiben
  • Es dürfen maximal zwei kleine Zelte (bis je max. 3 Personen) am gleichen Ort aufgestellt werden
  • Die Zelte müssen außerhalb der Sichtweite von Häusern, Straßen etc. aufgestellt werden.
  • Wenn überhaupt, darf offenes Feuer nur an dafür vorgesehenen Feuerstellen gemacht werden.
  • Aus Gründen der Waldbrandgefahr sind nur sehr sichere Sturmkocher erlaubt. Zusätzlich können einzelne Gebiete bei hoher Waldbrandgefahr gesperrt werden.

Ebenso verfügt Dänemark über ausgewiesene Naturlagerplätze mit (gelegentlich) fließend Wasser, einer einfachen Toilette oder z.B. auch Feuerstellen. Diese Karte zeigt Euch, wo diese liegen  (nur auf Dänisch). Weitere Informationen zu diesem Thema gibt es auch (leider ebenfalls nur auf Dänisch) bei der dänischen Naturschutzbehörde. Hier findet Ihr außerdem einen Link zur Liste/Karte der freigegebenen Waldgebiete.

Belgien und Niederlande

In Belgien und den Niederlanden verhält es sich mit dem Wildcampen ähnlich wie in Dänemark. Auch hier darf nicht einfach irgendwo in der Pampa gezeltet werden und Geldstrafen sind durchaus möglich. Dennoch gibt es gerade in den Niederlanden, aber auch in Teilen Belgiens eins ganz legale Methode seine Zeltstadt in freier Natur zu errichten: das Paalkamperen, wörtlich „Pfahlcampen“. Das hat jetzt allerdings recht wenig damit zu tun, dass das Zelt oder Biwak auf einem Pfahl oder dergleichen errichtet werden muss. Es sagt vielmehr etwas über die legalen Zeltplätze an sich aus. Überall, wo nämlich fernab von kommerziellen Campingplätzen gezeltet werden darf, steht diesbezüglich ein Pfahl mit Hinweisschild. Um diesen Pfahl herum darf gezeltet werden, meist in einem Radius von ca. 10 Metern. Darüber hinaus gibt es noch ein paar andere wichtige Regeln, die wir hier verkürzt wiedergeben:

  • Der Aufenthalt darf nicht länger als drei Tage bzw. 72 Stunden dauern. In manchen Gebieten ist nur der Aufenthalt für eine Nacht erlaubt.
  • Es dürfen maximal drei kleine Zelte gleichzeitig aufgestellt werden.
  • Abfälle müssen wieder mitgenommen werden.
  • Offenes Feuer ist absolut verboten. Gaskocher sind aber zugelassen.

Bei den genannten Regeln handelt es sich um verallgemeinernde Grundregeln. Welche Bestimmungen jeweils vor Ort gelten, steht auf dem jeweiligen Schild am Pfahl. Hier gibt es außerdem Übersichtskarten für Belgien und die Niederlande.

Deutschland

Wie bereits erwähnt, ist in Deutschland die Rechtslage sehr unübersichtlich. Wer aber nur biwakiert (also ohne Zelt übernachtet) verstößt hier in der Regel nicht gegen geltendes Recht. Trotzdem sollte man sich vorab über die genaue Regelung im jeweiligen Bundesland informieren. Nähere Informationen liefert hier auch unser Blogbeitrag zum Thema Wildcampen in Deutschland.

Frankreich

In Frankreich gestaltet sich die Lage ähnlich unübersichtlich wie in Deutschland. Grundsätzlich ist hier Wildcampen erst einmal verboten. Gerade auch in touristischen Ballungszentren und an den Küsten wird diesbezüglich auch stark kontrolliert, hohe Geldbußen sind hier keine Seltenheit. Es gibt aber auch Gemeinden, die gewisse Areale zum Wildcampen freigegeben haben. Hinweisschilder mit der Aufschrift „Camping reglementé – s’adresser à la mairie“ weißen darauf hin. Man soll sich also an das Rathaus/Bürgermeisteramt wenden, um weitere Informationen bzgl. Wildcampen zu bekommen. Tut man dies, erhält man in der Regel eine Liste oder einen kleinen Plan mit Informationen, wo man für eine Nacht im erweiterten Stadtgebiet sein Zelt aufstellen darf. Anders gestaltet sich die Lage in Nationalparks, hier ist das Zelten absolut verboten. Ähnlich wie in Deutschland aber nicht das Biwakieren. Das heißt konkret, dass in der Zeit von 19-9 Uhr das Biwakieren in ausreichender Entfernung zum Ausgang des Nationalparks (mindestens eine Stunde zu Fuß) geduldet wird. Auch gibt es an den Eingängen der Nationalparks in der Regel eine Liste mit Informationen zum Biwakieren.

Österreich

In Österreich ist das Wildcampen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich geregelt und kann theoretisch mit extrem hohen Geldstrafen belegt werden. Auch die Konfiszierung des Zeltes wäre theoretisch möglich. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Regeln vor Ort zu kennen. Grundsätzlich gilt dabei: In Waldgebieten darf nie nicht, gar niemals nicht und zu keiner Zeit gezeltet werden. Auch auf Privatgrund ist das Zelten ohne die Zustimmung des Eigentümers untersagt. Gerade im alpinen Ödland oberhalb der Waldgrenze gibt es diesbezüglich aber Ausnahmen. Einige Bundesländer wie beispielsweise das Burgenland erlauben das Zelten für kleine Gruppen bis zu drei Tage, in Bundesländern wie Niederösterreich ist das Aufstellen von Zelten außerhalb ausgewiesener Campingplätze jedoch strikt verboten. Hier noch ein Hinweis: ein ungeplantes Notbiwak (beispielsweise bei Verletzung oder Schlechtwetter) wird überall geduldet, vorsätzliches Biwakieren kann ebenso wie Zelten mit teuren Strafen belegt werden. Eine genaue Übersicht mit Angaben zu wo, wie, was findet Ihr auf der Seite des österreichischen Alpenvereins.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist das Wildcampen nicht einheitlich geregelt, sodass von Kanton zu Kanton unterschiedliche Einschränkungen gelten. Für einzelne Gebiete gelten darüber hinaus Betretungsverbote oder verschärfte Naturschutzgesetze, die das Campen automatisch ausschließen. Verallgemeinernd lässt sich aber sagen, dass das Zelten und Biwakieren mit der Höhe des Standorts unproblematischer wird, eine grobe Orientierung ist diesbezüglich nach folgender Faustregel möglich:

  • In diesen Naturschutzgebieten ist das Zelten und Biwakieren grundsätzlich verboten: Schweizerischer Nationalpark, Eidgenössische Jagdbanngebiete (Wildschutzgebiete), diverse Naturschutzgebiete, Wildruhezonen (während der Schutzzeit).
  • Diese Gebiete sollten gemieden werden: Wälder, Auen und Feuchtgebiete.
  • In diesen Gebieten ist besondere Rücksichtnahme geboten: In der Nähe von Berghütten (Absprache mit dem Eigentümer erforderlich), in der Nähe von Klettergebieten (Vogelbrutzeit felsbrütender Vögel beachten).
  • Hier ist das Wildcampen unbedenklich: oberhalb der Waldgrenze, alpine Weiden, felsiges Gelände.

Wichtige Informationen zum Wildcampen in der Schweiz sowie zur richtigen Verhaltensweise findet ihr auch auf der Homepage des SAC.

Achtung bei der Platzwahl – Wildcampen verboten

Vielerorts in Europa gilt ein grundsätzliches Wildcampingverbot. In manchen Ländern muss man nur an den Küsten sowie in den touristischen Zentren mit Strafen rechnen, andernorts wird strenger kontrolliert. Generell kann hier die Aussage getroffen werden, dass in den meisten Ländern das Zelten etc. außerhalb ausgewiesener Campingplätze nicht erlaubt ist. Eine Besonderheit stellt dabei Privatgrund dar. Also zum Beispiel die Wiese eines Landwirts. In vielen Ländern darf dort in Absprache mit dem Besitzer gezeltet werden. Kleiner Tipp hierzu: Ein paar Wörter in der Landessprache oder eine gute Flasche Wein als Gastgeschenk können hier wahre Wunder wirken. Sollte der Bauer Selbstvermarkter sein, ist es oft praktisch und hilfreich zugleich ihm ein wenig Milch, Eier, Obst etc. abzukaufen. So taut in vielen Fällen schnell das Eis und man hat obendrein was Leckeres zum Essen erworben.

Hier noch zwei Beispiele, wie mit den Verboten umgegangen wird.

Italien

In Italien ist das Wildcampen sowie das Biwakieren streng verboten und wird mit satten Bußgeldern belegt. Gerade in touristischen Ballungsgebieten sowie an den Küsten wird diesbezüglich auch stark kontrolliert. Wer sich hier mit einem Zelt oder Biwak häuslich niederlässt, muss mit Strafen rechnen, die nicht selten dem Preis eines Hotelzimmers gehobenen Standards entsprechen. Im Hinterland wird es mit dieser Regelung schon lockerer gesehen, was aber nicht heißt, dass es dort nicht auch verboten ist. Wer jedoch auch nur zwei Wörter Italienisch spricht und das Geld für eine gute Flasche Wein übrig hat, sollte einfach mal beim nächsten Landwirt anfragen. Hier hat man nicht selten gute Aussichten auf Erfolg und kann dann legal kampieren.

Polen

Auch hier ist das Wildzelten per Gesetz verboten und kann mit einer Strafe von umgerechnet bis zu 150 € geahndet werden. Gerade in Nationalparks wird dieses Verbot sehr ernst genommen, es finden diesbezüglich auch regelmäßige Kontrollen statt. Außerhalb dieser Gebiete sieht das schon ein wenig anders aus. Hier ist das Wildcampen per Gesetz zwar auch verboten, jedoch zeigt es sich in der Praxis, dass es damit vielerorts nicht zu ernst genommen wird. Sofern man nur eine Nacht irgendwo in der Wildnis kampieren möchte, sollte es hier kaum zu Problemen kommen. Auch unter Einheimischen ist das Wildcampen weit verbreitet. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich aber auch an den jeweiligen Landbesitzer wenden und um Erlaubnis Fragen. Gerade außerhalb touristischer Ballungsräume zeigen sich die Landwirte zumeist sehr hilfsbereit.

Fazit

Ja, Gott seis getrommelt und gepfiffen: Es ist noch möglich loszuziehen und irgendwo in Europas Wildnis zu übernachten. Über das „Irgendwo“ sollte man sich aber vorab eingehend informieren. Teilweise ist die tatsächliche Gesetzeslage sehr undurchsichtig. Dieser Blogbeitrag hat aus diesem Grund auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Interessant ist aber für uns die Frage: Wie ist Eure Erfahrung mit Wildcamping in Europa? Was habt Ihr vielleicht zu ergänzen? Schreibt doch einfach einmal einen Kommentar…

Die Bergfreunde in der Ortovox Safety Academy

Die Bergfreunde in der ORTOVOX Safety Academy

13. Juni 2017
Die Bergfreunde

Am Pfingstwochenende 2017 sollte es endlich soweit sein. Eine Gruppe Bergfreunde macht sich auf in die Tannheimer Berge/Tirol, um sich in der ORTOVOX Safety Academy die grundlegenden Kenntnisse des alpinen Mehrseillängenkletterns vermitteln zu lassen.

Pünktlich um 8 Uhr stehen acht mehr und weniger erfahrene Kletterer am Parkplatz des Gimpelhauses im Tannheimer Tal. Diese acht Kletterer und Bergfreunde sind der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer Rudi Müller von der Alpinschule Augsburg, Viola Goldhofer, eine fachkundige und erfahrene Bergfreundin von ORTOVOX, zwei Angestellte der Bergfreunde GmbH und vier Bergfreunde.de-Kunden. Im Frühling 2017 hatten diese vier an einem Bergfreunde-Gewinnspiel teilgenommen, und wurden von unserer Glücksfee zu den glücklichen Gewinnern erkoren. Der Preis: ein zweitägiger „Alpinklettern Basic“-Kurs in der ORTOVOX Safety Academy mit Übernachtung und  Halbpension im Gimpelhaus.

Grundlagentraining

Nachdem wir unser Gepäck in die Materialseilbahn des Gimpelhauses geladen haben, geht es mit zügigem Tempo 700 Höhenmeter bergauf an den Klettergarten Thomaswändle. Hier wärmen wir uns zuerst in der Felswand etwas auf, um ein Gefühl für den Kalkfels zu bekommen und zu schauen, auf welchem Niveau die einzelnen Teilnehmer unterwegs sind. Danach gibt es von Bergführer Rudi eine Unterweisung am Wandfuß.

Dabei werden die ersten Kenntnisse im Standplatzbau vermittelt: Selbstsicherung, Fixpunktsicherung, Körpersicherung, Nachsichern, Kommandos. Die einzelnen Prozesse und Schritte werden in aller Ernsthaftigkeit, aber ohne Druck geübt und mehrmals durchgegangen. Unweigerlich auftretende Fragen werden kompetent beantwortet und ausführlich erklärt. Nach dieser theoretisch-praktischen Übung und einer kurzen Stärkungspause geht es weiter an die nächste Felswand – den Hochwiesler-Ostsporn.

Hier erwartet uns die erste Mehrseillängenroute des Tages. „s‘ Bienchen“, ist ihr netter Name und sie stellt für drei Teilnehmer und mich unsere Mehrseillängen-Premiere dar. Eine 6+ mit sauber gebohrten Haken und einer erhabenen Aussicht. Geklettert wird in zwei Dreier-Seilschaften und einer Zweier-Seilschaft. Unsere erste Route dieser Art besteht zwar aus lediglich drei Seillängen mit einer Wandhöhe von 50 Metern, aber angesichts dessen, dass einige alpine Greenhorns dabei sind, das Gestein teilweise sehr brüchig ist und die Gruppe aus acht Personen besteht, ist „s’Bienchen“ völlig ausreichend und hat uns allen Lust auf mehr gemacht.

Nach der dritten Seillänge wurde über die Abseilpiste an einem Stück abgeseilt. Mit großem Hunger und schönen Eindrücken machen wir uns an den Abstieg zum Gimpelhaus, schließlich ist der Tag schon weit voran geschritten und der Magen verlangt nach etwas „Ordentlichem“ zu essen. Am Gimpelhaus erwartet uns eine ausgelassene, fröhliche Stimmung und ein wohlverdientes, umfangreiches Abendessen. Hier finden wir endlich auch Zeit, uns miteinander auszutauschen, zu lachen und zu reden oder eine warme Dusche zu nehmen und diesen ereignisreichen Tag sacken zu lassen. Spät am Abend zieht dann zu unserem Unmut schlechtes Wetter auf. Kühler, nasser Regen vertreibt uns und die so angenehme Abendwärme von der Terrasse des Gimpelhauses.

Planänderung

Der nächste Morgen offenbart uns das, was wir befürchtet hatten: Höhere Gewalt, in Form von unbeständigen Regenfällen scheint uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Denn eigentlich sollen wir an diesem Sonntag den „Hüttengrat“ durchsteigen und unser gestern erlerntes Wissen festigen. Der Einstieg in den Hüttengrat liegt keine halbe Stunde vom Gimpelhaus entfernt und hätte sich vor allem für uns Anfänger herausragend gut geeignet. Bewegt sich der Kletterer hier doch auf insgesamt fünf Seillängen stets im III-IV Schwierigkeitsgrad.

Das ließe für Mehrseillängen-Greenhorns noch die nötigen Reserven, um sich ohne Stress und hohe Anspannung auf das Wesentliche zu konzentrieren: die korrekte Eigensicherung und Sicherung des Partners. Da der nasse Fels sicheres Klettern aber unmöglich macht, müssen wir etwas umdisponieren: Das Frühstück wurde etwas nach hinten verlagert und das restliche Tagesprogramm muss wohl oder übel „indoor“ ablaufen- ausgenommen der Abstieg ins Tal.

Nach einem ausgiebigen Frühstück packen wir unsere sieben Sachen, sodass wir um 9.30 Uhr bereit für die nächsten Programmpunkte sind. Bergführer Rudi gibt eine Einweisung in die Materialwahl- und pflege beim alpinen Klettern. Im Boulderraum des Gimpelhauses zeigen er und Viola nochmals den Standplatzbau, das richtige und sichere Einrichten, die Körper- und Fixpunktsicherung sowie das Abseilen mit Einfach- und Halbseil. Wir Teilnehmer dürfen dabei natürlich nochmals selbst aktiv werden, während uns die erfahrenen Augen von Rudi und Viola auf die Finger schauen. Da das Wetter nicht den geringsten Anschein macht sich zu bessern, kosten wir die Zeit aus und klären noch einige fachliche Detailfragen, bezüglich bestimmter Knoten, Techniken, Tipps und Tricks.

Die Bergfreunde in der Ortovox Safety AcademyGegen 13 Uhr setzen wir uns nochmal in den Gastraum des Gimpelhauses. Bei einer Tasse heißem Kaffee hören wir Bergführer Rudi zu, der uns allgemeine Dinge zur Routenplanung und wichtige Hinweise zur Verwendung topographischer Karten vermittelt. Nach einer offenen und ehrlichen Feedbackrunde machen wir uns geschlossen auf den Weg ins Tal. Dort verabschieden wir uns herzlich voneinander und verteilen uns wieder im Lande. Was bleibt, sind schöne Erfahrungen, neue Bekanntschaften, Lust auf weitere Mehrseillängentouren und vor allem das theoretische und praktische Grundlagenwissen, um selbstständig Mehrseillängen durchzuführen.

Jetzt liegt es nur noch an uns, konsequent dranzubleiben, damit das erlernte Wissen aus dem „Alpinklettern Basic“-Kurs der ORTOVOX Safety Academy in Fleisch und Blut über- und nicht „verschütt“ geht.

Was ist die ORTOVOX Safety Academy?

Der bayerische Outdoorausrüster ORTOVOX hat es sich vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, Bergsportler über die Gefahren des Alpinsports theoretisch aufzuklären, aber vor allem auch praktische Kenntnisse und Fähigkeiten zu vermitteln. Resultat dieses Grundgedankens ist die ORTOVOX Safety Academy. Sie bietet für die theoretische Unterweisung von Bergsportlern frei zugängliche (interaktive) Tutorials im Internet an. Videos, Literatur und Quizfragen helfen so, das eigene Wissen zu vertiefen, zu wiederholen und zu festigen. Da Theorie und Praxis gerade im Bergsport Hand in Hand gehen, bietet die ORTOVOX Safety Academy zusätzliche Praxiskurse und Fortbildungen in Kooperation mit ausgewählten Berg- und Alpinschulen an. Was so vor ein paar Jahren klein begann und sich vor allem auf Skitouren bezog, hat sich inzwischen auf über 400 (100 Sommer– und 300 Winterkurse), größtenteils mehrtägige, Kurse pro Jahr in den Bereichen LVS-Training, Lawinenkunde für Freerider und Skitourengeher und inzwischen auch Alpinklettern ausgeweitet.

GOTS-Title

Umfassend ökologisch – der Global Organic Textile Standard

9. Juni 2017
Tipps und Tricks

Dass Umweltschutz und soziale Verträglichkeit bei der Herstellung von Textilien eine immer größere Bedeutung erlangen, ist den meisten Herstellern und Kunden bewusst. Einige Menschen fühlen sich allerdings verunsichert, da sie nicht genau wissen, was die verschiedenen Labels und Zertifikate im Textilbereich bedeuten und ob die Hersteller auch wirklich die Vorgaben zur Einhaltung der ökologischen Standards erfüllen. Ein sehr umfassendes und weitreichendes Siegel ist das weiße Hemd auf grünem Untergrund – das begehrte Zeichen für den Global Organic Textile Standard.

Wofür steht das GOTS Label?

Der Global Organic Textile Standard garantiert eine umfassende umweltverträgliche und sozialverantwortliche Textilproduktion in allen einzelnen Teilbereichen, die mit der Herstellung von Textilien verknüpft sind. Dafür wird die gesamte Kette der Zulieferer unter die Lupe genommen und nach strengen Kriterien überprüft. Um nach dem GOT-Standard zertifiziert zu werden, müssen Textilien zu mindestens 70% Fasern aus kontrolliertem biologischen Anbau bestehen. In der Herstellung, Verarbeitung, Verpackung und im Vertrieb gelten genaue Vorschriften in Sachen Umweltschutz und sozialer Standards. Dank umfangreicher Kontrollmechanismen ist das GOTS-Zertifikat mittlerweile in der Version GOTS 5.0 in einer beständigen
Weiterentwicklung weltweit auf Erfolgskurs und gilt als echter Garant für nachhaltige Bio-Textilien.

Was müssen Textilien leisten, um nach dem GOTS zertifiziert zu werden?

Die Liste der Kriterien, die für die begehrte Auszeichnung mit dem Bio-Label nachgewiesen werden müssen, ist lang. Sehr lang. Deshalb gibt die folgende Zusammenfassung auch nur einen Überblick über die wichtigsten Vorgaben und führt nicht jede einzelne Anforderung auf. Trotz der übersichtlichen Stichpunkte wird klar, dass für die Vergabe des GOTS Labels kein einziger Teil der Lieferkette ausgeklammert wird und eine Zertifizierung ist auch nur dann möglich, wenn alle Anforderungen erfüllt werden.

  • Produktion der Fasern für die Textilien
    Es werden nur Fasern anerkannt, die nach bestimmten Bioanbaustandards produziert werden. Dafür kommen mehrere nationale und internationale Verfahren in Betracht. In Europa ist beispielsweise die EU Bio-Verordnung maßgebend für die Produktionskriterien von Bio-Baumwolle und Bio-Wolle . Darin sind beispielsweise der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz und Düngemittel, artgerechte Tierhaltung und Verbot von Gentechnik gesetzlich geregelt. Für die Auszeichnung mit der GOTS Kennzeichnung „Bio“ müssen über 95% der Fasern diese Vorgaben erfüllen. Für eine generelle GOTS Zertifizierung müssen es immer mindestens 70% sein.
  • Herstellung der Garne und Stoffe
    Bei der Herstellung der Stoffe dürfen Rohstoffe aus biologisch kontrolliertem Anbau und herkömmliche Fasern nicht vermischt werden und müssen jederzeit identifizierbar bleiben. Beim Färben und bei der Weiterverarbeitung der Fasern zu Garnen und Stoffen müssen alle Zusatzstoffe auf ihre Umweltverträglichkeit, Toxizität und biologische Abbaubarkeit hin überprüft werden. Viele Chemikalien in der herkömmlichen Produktion von Textilien enthalten zum Beispiel Schwermetalle, Lösungsmittel oder Formaldehyd und sind für die Herstellung nach dem GOT-Standard nicht erlaubt.
  • Produktion und Konfektion der Bekleidung und anderer Textilien
    Bei der Weiterverarbeitung der Stoffe und Garne zu fertigen T-Shirts, Hosen und Sweatshirts dürfen keine Drucke mit Phthalaten oder PVC verwendet werden. Abfälle und Abwässer müssen minimiert und fachgerecht entsorgt oder aufbereitet werden und sogar das Öl der Produktions- und Nähmaschinen hat die GOTS-Prüfung im Visier: die Verwendung von Ölen mit Schwermetallzusätzen ist absolut tabu.
  • Umweltfreundliche Verpackung
    Bekleidung die nach dem Global Organic Textile Standard zertifiziert ist, muss in einer PVC-freien Verpackung ausgeliefert werden und auch Etiketten oder Banderolen, die dem Produkt beiliegen, müssen aus zertifizierten oder recycelten Materialien bestehen.

Zu den umfangreichen Vorgaben in Sachen Ökologie und Umweltschutz kommen weitere Anforderungen im sozialen Bereich. Ähnlich wie bei den Kriterien der Fair Wear Foundation legt der GOTS grundlegende Rechte für die Beschäftigung der Mitarbeiter in der Textilindustrie fest. Dazu gehören Verbot von Zwangsarbeit, Verbot von Kinderarbeit, Verbot von unmenschlicher oder diskriminierender Behandlung am Arbeitsplatz und eine klare Regelung von Arbeitszeit und angemessenem Lohn. Was sich anhört, wie ganz normale Arbeitsbedingungen ist leider in den Produktionsländern der Textilindustrie noch immer eher die Ausnahme als die Regel. Dank des Engagements von GOTS und der Fair Wear Foundation haben Kunden mittlerweile immerhin die Wahl und die Möglichkeit ihre Bekleidung nachhaltig und fair produziert zu kaufen.

Wie garantiert die GOTS die Einhaltung der Vorgaben?

Aus den vier Mitgliedsorganisationen der Global Organic Textile Standard International Working Group (kurz: GOTS IWG) in Deutschland, England, Japan und den USA, ging 2008 die gemeinnützige Global Standard GmbH hervor. Durch dieses Unternehmen wird auf internationaler Ebene die Qualitätssicherung und das Lizenzierungssystem mit dem GOTS-Label verwaltet und geleitet. Auch über die Markenrechte des eingetragenen und auf allen internationalen Märkten geschützten Labels mit dem weißen Hemd auf grünem Grund wacht die Organisation. So stellt sie sicher, dass keine Firma das Bio-Label zu unrecht verwendet.

Weit mehr als 3000 Firmen sind bereits nach dem internationalen GOT-Standard zertifiziert. Firmen können sich für die Aufnahme zum Lizenzierungssystem anmelden und werden daraufhin überprüft, ob sie die Richtlinien für die Kennzeichnung erfüllen. Betriebe, die eine Zertifizierung erhalten und alle Kriterien erfüllen, dürfen ihre Produkte dementsprechend kennzeichnen. Damit aber ein Endprodukt mit dem GOTS-Label im Laden verkauft werden darf, müssen alle Betriebe in der Zulieferungskette GOTS-zertifiziert sein. Wenn nun also der Stofflieferant nach GOTS zugelassen ist und der Betrieb zur Weiterverarbeitung nicht zugelassen sein sollte, darf das Endprodukt auch nicht mit dem GOTS-Logo gekennzeichnet werden.

Neben der ständigen Bearbeitung und Weiterentwicklung des Lizenzsystems und der Anpassung der Vorgaben, kontrolliert die Global Standard GmbH sowohl die einzelnen Betriebe, als auch die Produkte am Markt. Die einzelnen Betriebe müssen jederzeit mit angemeldeten und unangemeldeten Kontrollen in ihren Produktionsstätten rechnen. Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, doch Kontrolle ist besser“ überwachen unabhängige Institute im Auftrag der Global Standard GmbH die zertifizierten Produkte zusätzlich durch stichprobenartige Tests, Analysen und Kontrollen im Labor. Dabei werden die Fasern beispielsweise auf unerlaubte Pestizide oder Rückstände von verbotenen Färbemitteln überprüft.

Durch diese ständige Präsenz einer Betriebskontrolle wird eine absichtliche oder unabsichtliche Nichteinhaltung der Lizenzbestimmungen effizient entgegengewirkt. Für den Kunden ist so eine bestmögliche Sicherheit gewährleistet, dass auf den Produkten die das GOTS-Label tragen auch wirklich einwandfreie ökologische Ware angeboten wird. Deshalb ist ein weiterer wichtiger Teil der Arbeit bei der Global Standard GmbH die Überwachung der internationalen Märkte und die Identifizierung von Herstellern, die ihre Produkte ohne entsprechende Lizenzierung mit dem Öko-Label kennzeichnen. Da aber auch in diesem Bereich sehr gründlich geprüft wird, ist der Global Organic Textil Standard tatsächlich eine Kennzeichnung, die dem Kunden ein Höchstmaß an Transparenz und Sicherheit garantieren kann.

Trekking auf Madeira

Madeira – Trekking auf der Blumeninsel

8. Juni 2017
Pro Team

Nachdem wir im Frühjahr im Allgäu mit reichlich Sonnenschein verwöhnt wurden meldet sich der Winter Ende April zurück. Bei 1° Grad und Schneeregen packe ich kurze Hosen und ärmellose Laufshirts in meine Reisetasche – denn auf dieser Insel im Atlantik ist das ganze Jahr über Frühling! Madeira ist ein Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Die immergrüne Insel lockt mit einem milden Klima besonders in den Wintermonaten die sonnenhungrigen Europäer an. Gemeinsam mit der Nachbarinsel Porto Santo gehört Madeira zur Inselgruppe „Ilhas Desertas“ vor der marokkanischen Küste. Madeira gehört zu Portugal und der Name der Insel bedeutet auf Portugiesisch „Holz“. Zwanzig Prozent der Insel sind vom „Laurisilva“, dem Lorbeerwald, bedeckt. Nachdem die Insel im Gegensatz zu Mitteleuropa von der Eiszeit verschont wurde konnten sich auf der Insel eine einzigartige Pflanzenvielfalt behaupten.

Neben dem Lorbeerwald besiedeln Heidewald, Wacholder und unzählige Blumen die steile Landschaft. Auch wilde Orchideen wachsen am Rand der Wanderwege. Das pflücken der wunderschönen Pflanzen sollte man allerdings tunlichst vermeiden – die Insel gehört nicht ohne Grund zum Unesco-Kulturerbe. Die gesamte Insel hat Mittel- bis Hochgebirgscharakter. Die Küste Madeiras fällt steil ins Meer ab und mit dem Cabo Girao befindet sich eine der höchsten Steilklippen in direkter Nähe zur Hauptstadt Funchal. In der Mitte der Insel ragen die höchsten Gipfel empor. Der höchste Berg ist der Pico Ruivo mit 1862 m. Madeira verfügt über mehrere Mesoklimata. Im Norden der Insel regnet es häufig, der Süden ist dagegen subtropisch warm.

Die Levadas – Lebensadern der Insel

Levada – ein Begriff, der untrennbar mit Madeira verbunden ist. Hierbei handelt es sich um künstlich angelegte Wasserkanäle, mit denen das Wasser aus den niederschlagsreichen Regionen im Norden und im Zentrum der Insel zu den landwirtschaftlichen Anbaugebieten im trockeneren Süden geleitet wird – ein äußerst effizientes Bewässerungssystem. Eine Levada-Wanderung sollte jeder Besucher der Insel auf jeden Fall in Erwägung ziehen.

In der regenarmen Zeit von April bis Oktober wird so gut wie jedes Feld der Insel über das Wasser des Levadas bewässert. Heute werden diese Kanäle neben dem Wassertransport vor allem auch touristisch genutzt. Die beliebtesten Wanderwege sind Pfade entlang der Levadas, die in einem ca. 2.000 km langen Netz die ganze Insel durchziehen. Die Orientierung ist meist sehr einfach, man muss nur dem Wasserkanal folgen. Da die Kanäle immer entsprechend der Landschaft verlaufen, gibt es hinter jeder Biegung etwas Neues zu entdecken. Die alten Behausungen der Levadeiros, Wasserfälle und eine vielfältige Pflanzenwelt laden zum Erkunden ein.

Historisches zu den Levadas auf Madeira

Bereits im 15. Jahrhundert wurden auf Madeira die ersten Bewässerungskanäle angelegt. 40 Jahre nach Besiedlung der Insel (1461) bestimmte Prinz Ferdinando zwei Männer, die mit der Verteilung des Wassers beauftragt wurden. Das Ziel war, die großen Wassermengen aus den Quellen auf den steilen Bergen in der Inselmitte an die Hänge und die Täler hinabzuleiten. Ab 1650 wurde das Kanalsystem ausgebaut, um den Zuckerrohranbau und die Wassermühlen mit Wasser zu versorgen.

Zur damaligen Zeit war Madeira einer der größten Produzenten von Zuckerrohr. Afrikanische Sklaven mussten die anstrengenden Bauarbeiten in schwindelerregender Höhe verrichten. Wer heute an den Kanälen entlang wandert, die teilweise aus dem blanken Fels gehauen wurden, kann sich vorstellen unter welchen schwierigen Bedingungen diese entstanden sind. Das Wissen der Mauren war für die Entwicklung und den effizienten Bau der Kanäle auf Madeira entscheidend, da sie bereits über viel Erfahrung im Bau der Bewässerungskanäle verfügten.

Die Levadas heute – Wandern, Bewässerung und Energieerzeugung

Heutzutage werden drei Elektrizitätswerke mit dem Strom der Levadas betrieben, bevor das Wasser wieder dem ursprünglichen Zweck der Bewässerung den Kanälen zugeführt wird. Die Levadas werden von den „Levadeiros“ gewartet und gereinigt, denn das Wasser muss stets gleichmäßig fließen. Deshalb sind alle Wasserkanäle auf einem Pfad neben dem Kanal oder auf der Levadamauer begehbar. Durch die äußerst geringe Steigung von nur einem Meter pro Kilometer sind es meist gemütliche Wanderungen, die für jeden geeignet sind. Über die Fußwege entlang der Levadas gelangt man schnell in die tief eingeschnittenen Täler der Insel und entdeckt dabei die unberührte Landschaft Madeiras. Über insgesamt 70 Kilometer verlaufen die Levadas durch Tunnel. Einige davon sind auf Wanderungen zu begehen. Hier auf jeden Fall eine kleine Stirn- oder Taschenlampe einpacken. In den Tunneln ist es häufig rutschig und feucht.

Wandern auf Madeira

Auf Madeira gibt es ein sehr großes offizielles Wanderwegenetz, beschildert mit PR1 bis PR20. Die Routen zeigen die Vielfalt Madeiras und sind teilweise auch in den Touren der gängigen Wanderführer enthalten. Es handelt es sich meist um Streckenwanderungen und nicht um Rundwanderungen. Insgesamt 5 verschiedene Busunternehmen auf der Insel erleichtern das zurück kommen zum Ausgangspunkt der Wanderung. Am Startpunkt findet sich immer ein ausführliches Schild mit einer Übersichtskarte des Weges und nützlichen Informationen. Die Wege sind mit kleinen Holzwegweisern mit Wegnummer und Name der Strecke eindeutig gekennzeichnet.

Auf Madeira kommen sowohl Wanderer, Trailrunner als auch Mountainbiker voll auf ihre Kosten. Selbst ein paar alpine Touren mit kleinen Kletterpassagen (zum Beispiel am Pico Grande) lassen sich auf der nur 57 km langen und 22 km breiten Insel finden. Wer nicht alleine losziehen möchte, kann zwischen einer großen Zahl an geführten Touren auswählen oder sich direkt einen lokalen Wanderführer organisieren. Als eines der Highlights zählt die mehrtägige Inselüberquerung von Norden nach Süden. Auf dieser Route findet auch jedes Jahr der „Madeira Island Ultra Trail“ statt. Über 800 Läufer nehmen die 115 km lange Strecke mit 7.500 Höhenmetern und unzähligen Treppenstufen unter die Füße. Treppen finden sich hier nicht nur im Einkaufszentrum. Aufgrund des steilen Geländes und zur Vermeidung von Erosion sind auf vielen Wanderwegen Stufen angelegt. Diese erleichtern das Wandern im abschüssigen Gelände im Helfen besonders bei Nässe beim Auf- und Abstieg.

Die Top-Touren auf Madeira

Bei der Vielzahl der rassigen Gipfel, einsamen Levadas und den romantischen Lorbeerwäldern fällt es schwer, die absoluten Highlights zu finden. Dennoch gibt es meiner Meinung nach ein paar Touren, die sich auf jeden Fall lohnen. Bei allen Bergtouren empfiehlt es sich generell, möglichst früh zu starten. Gegen Mittag ziehen die Wolken häufig von der Küste nach oben in die Berge und bleiben dort den Rest des Tages hängen. Die Touren sind dann natürlich trotzdem begehbar, nur leider ohne Aussicht.

  • Trekking auf MadeiraBocca do Risco – 12 km, 300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Dieser abenteuerliche Küstensteig führt vom alten Canical-Tunnel bei Machico bis nach Porto da Cruz. Der Wanderweg war früher die schnellste Verbindung zwischen beiden Städten. Die „Borracheiros“ trugen den jungen Wein in Schläuchen aus Ziegenhaut zu Fuß an der Küste entlang. Dabei mussten sie die so genannte „Bocca do Risco,“ die gefährliche Öffnung, überwinden. Wanderwege direkt an der Küste sind auf Madeira rar. Dieser hier begeistert mit Tiefblicken zur Ostküste und hat auch heute nichts von seinem Charme verloren. Bis zur Bocca do Risco verläuft der Weg an einer problemlos zu begehbaren Levada entlang. Ab der Scharte sind Trittsicherheit und Schwindelfreiheit notwendig. Einige wenigStellen sind mit Seilen versichert. Nicht bei stürmischem Wetter und Regen begehen!
  • Vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo – 11 km, gut 1300 Höhenmeter im Auf- und Abstieg
    Der spektakuläre Höhenweg zwischen den höchsten Gipfeln der Insel bietet atemberaubende Tiefblicke über die gesamte Insel. Die drei wunderschönen Gipfel auf dieser Tour wurden über einen extra angelegten Steig bereits vor 50 Jahren erschlossen. Die sehr anspruchsvolle Bergtour sollte ebenfalls nur bei gutem Wetter begangen werden. Auf dem Weg werden mehrere Tunnel durchquert. Für die zahlreichen An- und Abstiege sollte man genügend Kondition mitbringen. Der Weg windet sich auf spektakuläre Weise über, durch und an den Gipfeln entlang. Leider ist die Hütte auf dem Pico Ruivo im Moment (Stand: Juni 2017) geschlossen. Zum Ausgangspunkt der Tour kommt man bequem mit dem Mietwagen und man kann direkt an der Radarkuppel auf dem Pico do Arieiro parken. Am besten versuchen, möglichst früh am Berg zu sein bevor die Wolken von der Küste heraufziehen. Besonders zum Sonnenaufgang eine wunderschöne Tour!

  • Die Halbinsel Sao Lourenco – 8 km, 400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg

    Diese steile Felsküste im östlichsten Teil der Insel unterscheidet sich sehr von der restlichen Vegetation auf Madeira. Kakteen wachsen empor und die Palmen an der einsamen Hütte am Umkehrpunkt der Tour lassen etwas Wüstenflair aufkommen. Die wildromantische Küste lässt sich über einen gut ausgebauten Wanderweg optimal begehen. Ein paar ausgesetzte Stellen sind mit Seilen gesichert. Der kurze, doch lohnenswerte Anstieg zum Morro do Furado ist etwas anstrengend. Nach Regenfällen überzieht grünes Gras die Halbinsel. Mehrere Aussichtpunkte auf beiden Seiten sorgen dafür, dass bei dieser Wanderung die meisten Wanderer stets mit Kamera unterwegs sind. Es lohnt sich auf jeden Fall, diese gar nicht erst aus der Hand zu legen. Unterwegs bieten sich zwei kleine Buchten mit Kiesstrand zum Baden im Atlantik an, beide sind über einen kurzen Abstieg einfach erreichbar. Durch den häufig starken Wind auf jeden Fall eine Jacke in den Wanderrucksack packen!

  • Caldeirao Verde – die „grüne Hölle“ – 13 km, überwiegend flache Levadawanderung

    Der verwinkelte Wanderweg entlang der „Levada do Caldeirao Verde“ führt hinein in den grünen Kessel und zu einem spektakulären Wasserfall. In einer der ursprünglichsten Regionen der Insel durchquert man mehrere Tunnel, wandert vorbei an rauschenden Wasserfällen und staunt über die Tiefblicke ins Tal. Die Levada ist größtenteils in eine Felswand geschlagen und hier kann sich besonders gut vorstellen, wie aufwändig und anstrengend der Bau der Kanäle im 17. Jahrhundert gewesen sein muss. Der anfangs gut ausgebaute und breite Wanderweg verengt sich im weiteren Verlauf des Weges. Teilweise geht man auf der Mauer entlang der Levada, es ist aber stets ein Geländer vorhanden. Für die dunklen Tunnel sollte die Stirnlampe auf jeden Fall wieder dabei sein. Die dschungelartige Vegetation entlang des Weges begeistert nicht nur Botaniker und es gibt allerhand exotische Pflanzen wie wildwachsende Orchideen zu entdecken. Im Anschluss kann weiter der Levada bis in den „Höllenkessel“ gefolgt werden. Auch hier gibt es einen großen Wasserfall der noch sich noch enger zwischen den Felswänden breit macht.

Die wunderschöne und vielfältige Insel Madeira im Atlantik kann ganzjährlich allen wanderbegeisterten, wärmesuchenden Bergfreunden ans Herz gelegt werden. Neben einer großen Vielfalt an wilden Gipfeltouren, entspannten Levadawanderungen und ausgiebigen Exkursionen durch den Lorbeerwald kann man die Insel auch mit dem Fahrrad erkunden. Und wenn es mal nicht die Berge sein sollen: man kann auch surfen gehen, den vorzüglichen Madeirawein genießen oder durch die botanischen Gärten der Hauptstadt Funchal bummeln.
Sonnenbrille und kurze Hose gehören auf jeden Fall ins Gepäck!

Reparieren statt Wegschmeissen – Das Patagonia Worn Wear Programm

Reparieren statt wegschmeißen – das Patagonia Worn Wear Programm

6. Juni 2017
Tipps und Tricks

Wie können wir als Menschen, als Kunden und Konsumenten die Entstehung von Emissionen, Abfällen und Abwässern reduzieren? Wie können wir Ressourcen schonen und die Verschmutzung und Zerstörung unserer Umwelt möglichst gering halten?

Die Antworten auf diese Fragen sind vielfältig, teilweise sehr komplex und miteinander vernetzt: Ausbau regenerativer Energiegewinnung, effiziente Filtertechnologien, intelligente Verkehrskonzepte und gesetzliche Rahmenbedingungen, die Grenzwerte für Schadstoffe festlegen, sind dabei nur ein Bruchteil aller Maßnahmen.

Ein ganz anderer Ansatz wird in Sachen Umweltschutz allerdings von der kalifornischen Outdoor- und Bergsportfirma Patagonia verfolgt. Auf die Festlegung gesetzlicher Richtwerte und den Aufbau eines Windparks zur Stromerzeugung haben die meisten Bürger wenig Einfluss. Als Konsument und Kunde in einer „Wegwerfgesellschaft“ ist ihr Wirken dagegen unmittelbar verbunden mit Umweltschutz und Umweltzerstörung. Das bedeutet ganz einfach: wer viel kauft und viel wegschmeißt und dann wieder neu einkauft, zerstört die Umwelt in höherem Maß. Um diese „Müllspirale“ zu durchbrechen, gibt es zwei Lösungen: entweder nichts mehr zu kaufen, was in der täglichen Praxis wohl eher unmöglich ist oder die Dinge die man kauft möglichst lange zu nutzen. Das wiederum bedeutet, die Waren, die man kauft, sollen langlebig, haltbar und von hoher Qualität sein. Damit man sie lange benutzen kann, müssen sie gut zu pflegen und einfach zu reparieren sein.

Die Neuentdeckung der Reparatur im Patagonia Worn Wear Program

Kein Mensch würde ein Auto wegen einer Reifenpanne in der Schrottpresse entsorgen. Bei einem kaputten Reißverschluss an der Regenjacke ist bei vielen Käufern die Entscheidung zugunsten eines Neukaufs schnell gefallen. Und genau an diesem Punkt setzt Patagonia mit seinem Worn Wear Program an, um Funktionstextilien zu reparieren, anstatt sie wegzuschmeißen. Da Patagonia nun mal Outdoorbekleidung herstellt und keine Küchenmaschinen oder Rasenmäher, liegt der Schwerpunkt des Programms auf ihren Funktionstextilien. Der grundsätzlichen Ansatz von Patagonia geht allerdings weit über ihren eigenen Tellerrand hinaus – die Idee des Reparierens soll in allen Bereichen der Menschen wieder neu Fuß fassen. Die erste Frage bei einem defekten Gegenstand sollte daher nicht sein „wo bekomme ich einen Neuen?“, sondern „wie lässt sich das denn reparieren?“.

Um die Lebensdauer der Patagonia Produkte zu verlängern und den ökologischen Fußabdruck jedes Einzelnen zu verkleinern, haben die Macher von Patagonia das Worn Wear Programm ins Leben gerufen. Dabei geht es nicht primär um die möglichst umweltfreundliche Herstellung und die Verwendung recycelter Rohstoffe (diese spielt bei Patagonia ohnehin eine elementare Rolle), sondern konkret um die Reparatur beschädigter Patagonia Artikel. Über 45 festangestellte Mitarbeiter reparieren allein in Nordamerika über 30.000 Jacken, Rucksäcke und Hosen. In Europa findet jedes Jahr eine Reparatur-Tour statt, bei der Patagonia Mitarbeiter mit mobilen Industrienähmaschinen kostenlose Reparaturen an beschädigter Outdoorbekleidung vornehmen. Die Marke der kaputten Regenjacken und Trekkinghosen spielt dabei übrigens keine Rolle.

Die Reparatur-Events sind natürlich auch eine gute Möglichkeit, um auf das Worn Wear Projekt aufmerksam zu machen, Pflegetipps und Reparaturratschläge zu geben und sich mit anderen Outdoorenthusiasten auszutauschen. Deshalb finden die Events auch immer in Zusammenarbeit mit lokalen Outdoorhändlern oder Kletterhallen statt und sind so in Europa gestreut, dass möglichst viele Kunden den Service in Anspruch nehmen können. Wem dagegen nur die Reparatur seiner Naht oder seines Knopfes am Herzen liegt, kann sich auch einfach an den Patagonia Reparaturservice wenden, der in Portugal eine eigene Filiale für die Kunden in Europa betreibt. Oft hilft es aber auch zunächst beim nächsten Patagonia Händler nachzufragen, da viele für die Ausführung von kleineren Reparaturen speziell geschult werden und kleine Schäden direkt vor Ort beheben können.

Beschädigte Outdoorbekleidung selber reparieren

Viele Reparaturen an gerissenen Nähten oder aufgeschlitzten Ärmeln sind gar nicht so schwer durchzuführen – wenn man weiß wie es geht. Deswegen bietet Patagonia im Rahmen seines Worn Wear Programms wertvolle Ratschläge, Tipps und Tutorials für häufig auftretende Reparaturen, die jeder mit einfachen Mitteln selbst erledigen kann. Dazu gehört beispielsweise eine einfache Anleitung, um ein gerissenes Hemd zu nähen, wie ein Kordelzug im Jackensaum ersetzt wird oder wie man ein Rad an seinem Rollkoffer austauscht. Mit genauen Pflegeanleitungen sorgt Patagonia außerdem für eine lange Lebensdauer der Outdoortextilien. Optimale Imprägnierung gehört dazu genauso, wie Tipps zur idealen Benutzung von Bügeleisen und Waschmitteln.

Re-use und Recycling im Worn Wear Programm

In Nordamerika können die Besitzer von gut erhaltener oder reparabler Patagonia Bekleidung ihre gebrauchten Jacken und Hosen an Patagonia zurück verkaufen. Die Ware wird daraufhin überprüft, gegebenenfalls repariert und auf jeden Fall gründlich gereinigt. Danach können die Artikel im Worn Wear Onlineshop von anderen Kunden wieder gekauft werden. Die wiederum dürfen ihre Second Hand Textilien gerne einige Zeit wieder an den Second Hand Onlinestore zurück verkaufen, und so weiter, und so weiter,… – bis irgendwann tatsächlich der Punkt erreicht ist, an dem eine Reparatur keinen Sinn mehr macht oder in manchen Fällen einfach nicht mehr möglich ist.

Aber selbst dann wird ein Patagonia Produkt nicht einfach auf einer Mülldeponie landen. Stattdessen können alle Patagonia Artikel bei den entsprechenden Händlern oder bei Patagonia direkt zum Recycling abgegeben werden. Schon beim Design und bei der Auswahl der Materialien berücksichtigen die kreativen Entwickler bei Patagonia die möglichst einfache Recyclebarkeit ihrer Produkte. Dadurch kann zum Beispiel aus einem alten und total zerschlissenen Fleecepulli ein nagelneuer Fleece entstehen. Recycling ist natürlich kein ganz neues Thema, aber der Unterschied zu anderen Firmen liegt darin, dass Patagonia in seinem Recyclingprozess auch tatsächlich die eigene Ware selbst recycelt und nicht weitergibt und aus anderem recycelten Material neue Artikel herstellt.

Wie viele Tonnen Rohstoffe, wie viel Energie und wie viele Kubikmeter Wasser durch die Worn Wear Initiative bereits eingespart werden konnten, lässt sich nicht genau berechnen. Allein die Reparatur von mehreren hunderttausend Produkten in den Reparaturzentren, die dadurch nicht im Müll gelandet sind, ergibt ein gigantisches Volumen. Durch die Öffentlichkeitsarbeit und den Appell des Worn Wear Programms, die Lust am Reparieren zu erwecken, geht das Ganze weit über den Rahmen der Outdoortextilien und Bergsportbekleidung hinaus. Mit jedem Menschen, dem Patagonia mit seinem Worn Wear Program ein wenig die Augen öffnen kann und zu einem veränderten Blickwinkel auf die „Wegwerfgesellschaft“ verhilft, sind die engagierten Kalifornier ihrem Ziel, unseren gemeinsamen ökologischen Fußabdruck auf der Erde zu minimieren, ein großes Stück näher gekommen.

Fair Wear Foundation Titel

Was ist eigentlich die Fair Wear Foundation?

2. Juni 2017
Tipps und Tricks

Eines vorab: die Fair Wear Foundation ist kein Ökolabel für umweltfreundliche Stoffe, organisch angebaute Baumwolle oder artgerechte Tierhaltung. Die Ziele der Fair Wear Foundation richten sich stattdessen zu 100% auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Ländern, in denen die Bekleidung für den europäischen Markt konfektioniert wird, aus. Zu diesen Ländern gehören unter anderem Bangladesch, Bulgarien, China, Indien, Polen, Rumänien, Thailand, Tunesien, Türkei und Vietnam.

Um den teilweise unmenschlichen Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie entgegen zu wirken, setzt die Fair Wear Foundation (FWF) seit ihrer Gründung 1999 auf einen strengen Kodex mit einigen unumstößlichen Richtlinien für Arbeitspraktiken und für Rechte der Arbeitnehmer in den Textilfabriken. Abgeleitet aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und Grundlagen der internationalen Arbeitsorganisation sind die folgenden acht Bestimmungen elementar für eine Zertifizierung durch die FWF:

  1. Die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit muss geregelt und begrenzt sein.
  2. Der Arbeitsplatz muss vom Arbeitnehmer frei gewählt werden können.
  3. Die Ausbeutung durch Kinderarbeit ist streng verboten.
  4. Arbeitnehmer dürfen am Arbeitsplatz nicht diskriminiert werden.
  5. Das Arbeitsverhältnis ist durch einen rechtsverbindlichen Arbeitsvertrag abgesichert.
  6. Der Arbeitgeber sorgt durch gezielte Maßnahmen für Sicherheit am Arbeitsplatz und gesunde Arbeitsbedingungen.
  7. Für die Arbeitnehmer besteht Versammlungsfreiheit und sie haben das Recht auf Tarifverhandlungen.
  8. Der Lohn muss mindestens die Sicherung der Existenz gewährleisten.

Umsetzung und Einhaltung der Richtlinien in den Produktionsländern

So einfach und klar die Grundsätze der FWF formuliert sind, so schwierig scheint es auch, sie in der Produktion umzusetzen und die Einhaltung der Vorgaben in den produzierenden Ländern dauerhaft zu kontrollieren. In der Organisation der FWF beraten daher Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden über die notwendigen Mittel, Strategien und Lösungen.

Für die direkte Kontrolle vor Ort stehen lokale Gruppen aus spezialisierten Organisationen bereit, die sich um die Einhaltung der FWF Vorgaben in den jeweiligen Betrieben kümmern. Sie verstehen sich aber nicht als reine Kontrolleure, sondern gestalten aktiv die Verbesserung der betrieblichen Arbeitsbedingungen mit und begleiten und beraten die Unternehmen auf ihrem Weg. Durch diese Prüfung und Betreuung können Abweichungen zügig korrigiert werden und die Garantie für die Einhaltung der FWF Grundsätze aufrechterhalten werden.

Um eine zweite Kontrollinstanz zu schaffen, ist es Arbeitern in den produzierenden Betrieben und Außenstehenden möglich, sich bei der FWF über eventuell auftretende Probleme zu beschweren oder auch auf Schwierigkeiten hinzuweisen. Spezialisten der FWF werden dann bei Bedarf vor Ort mit der Prüfung der Missstände beauftragt. Ziel ist es dabei immer eine konstruktive Lösung zu entwickeln, denn die Verbesserung der Arbeitsbedingungen steht klar im Fokus. Durch die Beendigung der Zusammenarbeit mit einzelnen Produzenten würde sich die Situation der Arbeitnehmer eher wieder verschlechtern. Da sich die Firmen, die der FWF beitreten, zur Einhaltung der Richtlinien in ihrer Produktion und ihrer Lieferkette verpflichten, ist die Wahrscheinlichkeit auch sehr hoch, dass alle Beteiligten an einer langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit interessiert sind.

Das Fair Wear Label in der Outdoorbekleidung

Einige bekannte Hersteller von Outdoor- und Skibekleidung sind Mitglieder der Fair Wear Foundation. Dazu gehören beispielsweise Mammut, Odlo, Dynafit, Jack Wolfskin, Ortovox, Pyua, Salewa, Schöffel und Vaude.

Als Kunde erkennt man die Zertifizierung durch die FWF durch das Label mit dem roten Kleiderbügel in gesticktem Design und dem Fair Wear Foundation Schriftzug darunter.

Bei all dem Engagement der Hersteller kann man beim Kauf der Bekleidung leider nicht erkennen, in welcher Entwicklungsstufe sich der Produzent und der Auftraggeber in Bezug auf die FWF befinden. Das bedeutet konkret, dass eine Firma bereits seit vielen Jahren Mitglied in der FWF ist und in seinen Produktionsstätten für die Einhaltung der Richtlinien zu fast 100% garantieren kann und die andere Firma sich erst in der Anfangsphase befindet und um die Umsetzung bemüht. Beide sind allerdings mit dem gleichen Label gekennzeichnet. Aber auch wenn das zunächst verwirrend klingen mag, entspricht es dennoch dem Ansatz der FWF, die Arbeitsbedingungen in den textilverarbeitenden Betrieben langfristig zu verbessern. Die geplanten und angestrebten Verbesserungen sind in jedem Fall wertvoller, als die sozialen Missstände einfach zu ignorieren.

Vaude beispielsweise ist seit 2010 Mitglied der FWF und beschäftigt in Asien ein eigenes Team, das in den Vaude Produktionsstätten in China, Vietnam und Myanmar mit den produzierenden Betrieben zusammenarbeitet und auch vor Ort die Qualitätskontrollen durchführt. Als Mitglied der FWF werden außerdem nicht nur die Produktionsstätten unter die Lupe genommen, sondern auch Vaude selbst muss sich jedes Jahr in seinem „Brand Performance Check“ gegenüber der FWF verantworten. Dabei wird geprüft, inwieweit das Mitglied seine Anforderungen an die Mitgliedschaft erfüllt und seinen Verpflichtungen zur Einhaltung und Verbesserung der Arbeitsbedingungen nachkommt.

Sehr guter Ansatz mit nur wenig Verbesserungspotential

Die Ansätze zur Verbesserung sozialer Standards in der Bekleidungsbranche durch die Fair Wear Foundation betrifft Millionen von Menschen. Mit zunehmender Bekanntheit und einem gesteigerten Bewusstsein der Kunden für die Arbeit der FWF ist mit einer steigenden Bedeutung des Zertifikats und der kontinuierlichen Erhöhung der Mitgliederzahlen und einer Ausweitung der sozialen Arbeitsbedingungen auf neue Betriebe zu rechnen. In den letzten Jahren konnten in Sachen umweltfreundliche Produktion, organisch angebaute Baumwolle und zertifizierte Daune bereits allgemein große Erfolge erzielt werden, die zu einem regelrechten Trend in Richtung ökologisch verträglicher Bekleidung geführt hat. Es besteht nun die Hoffnung, dass auch das Fair Wear Label zu einem echten Trend zur Schaffung und Einhaltung von fairen Arbeitsbedingungen und Arbeitnehmerrechten in den Produktionsländern führen wird.

Einzig das Kontrollsystem und die Überprüfung der Betriebe durch die FWF könnten eventuell noch engmaschiger und für den Kunden transparenter erfolgen, damit die Glaubwürdigkeit des sehr guten Ansatzes nicht untergraben werden kann. Dann kann der rote Kleiderbügel der FWF seinen Bekanntheitsgrad und seine Akzeptanz bei den Kunden weiter festigen und dazu beitragen die Arbeitsbedingungen von unzähligen Menschen zu verbessern.

Klean Kanteen marke

Klean Kanteen: für eine gesunde Alternative zu Plastik

1. Juni 2017
Ausrüstung

„Volle Kraft voraus, für Natur, Umwelt und Mensch.“ Wenn man die Firmengeschichte und das Engagement der Flaschen-Manufakteure von Klean Kanteen auf einen Satz herunterbrechen würde, wäre es wohl der eingangs erwähnte. Liest man die zahlreichen Texte auf der Homepage des amerikanischen Unternehmens, kommt man regelmäßig in’s Staunen, wie viele Gedanken man sich über vermeintlich profane Dinge wie Flaschen und Trinkbehälter machen kann. Zumindest ging es mir so, als ich für diesen Artikel recherchiert habe. Doch beginnen wir von vorne…

Edel und Stahl

Plastik hilft uns in vielen Lebenslagen und ist nach wie vor ein wichtiges Material, nicht nur in der Outdoor-Industrie. Es ist allerdings ebenso klar, dass Plastik unsere Umwelt in einem nicht geringen Maße belastet. Die Maßnahmen, dem entgegen zu wirken, sind zahlreich und Recycling ein wichtiges Thema unserer Zeit. Doch man kann freilich auch einfach auf Kunststoff verzichten. Nämlich dann, wenn es gute Alternativen gibt! Und die heißt bei Klean Kanteen: 18/8 Lebensmittel-Edelstahl.

Sämtliche Produkte bestehen aus dem robusten Metall und sind an der Außenseite mit bleifreiem Acryllack beschichtet. Die Innenseite wurde lediglich elektropoliert. Dabei handelt es sich um einen Prozess, bei dem die Oberfläche mit einem elektrochemischen Verfahren veredelt wird. Dadurch nimmt sie keine Geschmäcker an und die Flüssigkeiten bleiben geschmacksneutral.

Es sei der Fairness halber erwähnt, dass auch Klean Kanteen nicht zu 100% auf Plastik verzichtet bzw. verzichten kann. Einige Verschlüsse sind aus Polypropylen #5 gefertigt, das aber natürlich komplett ohne BPA auskommt und gut recyclebar ist.

Ohne Schnörkel – aber mit runden Ecken

Simplizität ist das große Stichwort, wenn es um das Design der Klean Kanteen-Flaschen geht. Sie sind schnörkellos und einfarbig. Aber auch das hat seinen Grund: Durch das bewusste Vermeiden von bunten Designs muss man keine aufwendigen Fertigungstechniken anwenden und kann sich auf wenige, umweltfreundliche Techniken konzentrieren.

Sämtliche Ecken sind abgerundet, das erleichtert nicht nur die Reinigung, sondern auch den Umgang mit der Flasche. Stößt man sich, tut es weniger weh – besonders wenn Kinder damit hantieren ein toller Bonus. Apropos Reinigung: natürlich sind die Flaschen und Verschlüsse spülmaschinenfest.

Bis ins kleinste Detail

Respektable Leistung. Schon hier könnte man anerkennend nicken und feststellen, dass die Mitarbeiter von Klean Kanteen sich offenbar sehr viele Gedanken um ihre Produkte machen. Aaaaaaber… es geht noch weiter. Wie groß muss die Öffnung für welchen Trinkbehälter sein? Wie lässt sich die Flasche noch leichter reinigen? Was kann man tun, um die Produkte noch nachhaltiger zu gestalten? All das sind Überlegungen, die immer wieder aufs Neue auf die Agenda gebracht werden.

So sind zum Beispiel die Verpackungen aus Karton und FSC-zertifiziert und auch sonst legt man bei Klean Kanteen viel Wert auf Umwelt und Natur. Das Unternehmen ist Teil der Initiative „1% for the Planet“ und spendet 1% seines Umsatzes an Umweltorganisationen. Außerdem sind sie eine sogenannte „B-Cooperation“ und gehören damit einem Kreis von Firmen an, die besonderen Wert auf Nachhaltigkeit legen, sowohl aus ökologischer, als auch sozialer und ökonomischer Sicht.

Und was gibt es alles?

Flaschen. Logisch. Nice job, Sherlock! Warte, warte. Es gibt ja nicht nur eine Flasche! Klean Kanteen bietet sowohl klassische Edelstahl-Trinkflaschen an, als auch vakkuumisolierte Flaschen für heiße oder kalte Getränke. Beide Flaschen gibt es mit weitem oder schmalem Trinkverschluss. Die Growler-Flaschen sind mit einem Schnappverschluss ausgestattet – ideal für Bier oder andere kohlensäurehaltige Getränke. Es werden zudem verschiedene Verschlüsse angeboten. Neben – natürlich – Edelstahl, kommen hier auch Holz oder Kunststoff zum Einsatz und es gibt Kappen mit einem Trinkventil – ideal fürs Bike oder wenn man keine Zeit zum Zielen hat!

Das gefällt euch? Dann nichts wie rein in den Bergfreunde-Shop uns den Warenkorb voll machen! Wir sind auf jeden Fall auch schwer begeistert von den coolen Flaschen und haben deshalb erstmal 200 Stück unter der Belegschaft verteilt.

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs Felsklettern

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs Felsklettern

29. Mai 2017
Ausrüstung

Die Erfindung der Klemmgeräte vom Typ Friend war eine der bahnbrechenden Neuerungen im Klettersport. Das war Ende der 60er- oder Anfang der 70er-Jahre, je nach Sichtweise. Es gab längst Kernmantelseile, außerdem die ersten Hüftgurte und Reibungskletterschuhe. In den USA wurde Cleanklettern populär. Allerdings war die Absicherung paralleler Felsrisse mit den verfügbaren Klemmkeilen und Hexentrics äußerst problematisch. Für diesen Einsatzzweck musste ein neues Gerät her. Der britische Hardware-Hersteller Wild Country brachte es 1978 unter dem Namen Friend auf dem Markt. Trotz aller anfänglicher Skepsis konnten sich die Friends schnell etablieren und wurden in der Folge immer weiter optimiert. 1987 war mit dem Camalot der kalifornischen Firma Chouinard Equipment (später Black Diamond) das erste 2-achsige Klemmgerät erhältlich. Basierend auf diesen Entwicklungen, deren Patente irgendwann ausgelaufen sind, stellen mittlerweile gut zehn Unternehmen eine insgesamt große Bandbreite an Klemmgeräten her.

Ein Erfahrungsbericht

Für uns Kletterer ist das große Angebot natürlich perfekt. Gleichzeitig ist es nicht leicht, sich auf ein Modell festzulegen – besonders, wenn dieses erst kürzlich auf den Markt kam oder bisher weniger verbreitet ist. Mit diesem Text will ich euch von meinen Erfahrungen mit verschiedenen Klemmgeräten – nennen wir sie besser Cams, das ist nicht so sperrig – berichten. Das kann euch bei einer Kaufentscheidung helfen, oder einfach beim Fachsimpeln. Seien wir ehrlich: das macht mindestens genauso viel Spaß wie das Legen der Cams! Damit der Text nicht vollkommen ausufert, muss ich meine Ausführungen etwas beschränken. Weitere Informationen zu den beschriebenen Produkten findet ihr im Shop und in den beiden Tabellen, die wir einem gerissenen Ringband und der damit verbundenen Kletterpause zu verdanken haben. Wenn ihr darüber hinaus noch etwas beitragen wollt, eigene Erfahrungen zum Beispiel, wäre das natürlich… awesome! Nützt die Kommentarfunktion!

Links zu den Übersichtstabellen (PDF) mit Spannweiten, Gewichten und Preise aller erwähnter Cams:

Tabelle Cams Camalot Gr. 0.3 – 6

Tabelle Microcams und Cams bis Camalot Gr. 2

Inhaltsverzeichnis

Was macht einen guten Cam aus? Und was darf er kosten?

Zur ersten Fragestellung gäbe es viel zu erzählen. Um es kurz zu machen: Schaut euch den Black Diamond Camalot (C4) an. Warum? Weil er rundum gelungen ist, weil er verkörpert, was die allermeisten Kletterer von einem Cam erwarten. Es gibt aber durchaus auch Argumente für andere Modelle. Dies können technische Merkmale sein oder einfach der Preis. Cams sind teuer, die Preisunterschiede enorm. Günstige Varianten bekommt man ab ca. € 40,- pro Stück, die erwähnten Camalots kosten € 65,- und mehr, je nach Größe. Viele andere Geräte sind nochmals deutlich teurer. Die gute Nachricht ist: Auch die günstigen Modelle, beispielsweise vom tschechischen Hersteller Rock Empire, sind in aller Regel gut und werden in den meisten Situationen genauso halten wie die Top-Produkte. Andererseits: Bei kritischen Platzierungen können feine Unterschiede dann doch ausschlaggebend sein. Ich sehe die Sache so: Es ist keine Vernunftentscheidung, schlecht gesicherte Routen zu klettern – will ich einfach machen. Dafür will ich Ausrüstung, die mir das beste Gefühl vermittelt. Und außerdem will ich die besten Cams, weil ich sie einfach haben will. Die aus meiner Sicht interessantesten Modelle stelle ich euch im Folgenden vor.

Black Diamond Camalot (C4) und Camalot Ultralight

Wie bereits erwähnt, handelt es sich beim Camalot um ein Top-Produkt. Dass es vom selben Hersteller weitere Modelle gibt, hat aber dennoch seine Gründe: Die 2-achsige Konstruktion erlaubt keine ganz kleinen Größen, außerdem sind die Köpfe bei den vier kleinsten Größen (0.3 – 0.75) recht breit. In tiefen Rissen ist das gut, in seichten Rissen, in solchen, die nach außen aufgehen und in Löchern ist es nachteilig. Die Ultralight Camalots sind sensationell leicht, dank neuer Köpfe und eines Stegs mit Dyneema-Kern, der nur leider etwas steif ausfällt. Es sind die Klemmgeräte für High-End-Alpinismus bzw. für Leute, die besonderen Wert auf leichtes Material legen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Ich verwende sie für schwierige Hochtouren oder ähnliches, wo ein paar wenige Cams ausreichen.

Für mich ist es aber kein Teil für den täglichen Einsatz, unter anderem, weil hin und wieder Cams verloren- oder kaputtgehen. Mit Blick auf einen möglichen Verschleiß im Dauereinsatz vermute ich den Schwachpunkt bei den vergleichsweise dünnen Trigger-Zügen und den nur knapp 14 mm breiten und sehr dünnen Dyneema-Schlingen. Ein Erneuern dieser Teile durch den Hersteller ist zwar möglich, dafür müssen die betroffenen Cams allerdings in die USA geschickt werden. Alle anderen Modelle von BD haben deutlich massivere Schlingen, die nach meinen Erfahrungen sehr langlebig sind.

Black Diamond X4

Schmale Köpfe, sehr flexible und lange Stege sowie zwei kleinere Größen (Gr. 0.1 und 0.2) machen diese Variante der BD Cams interessant für schwierige Trad-Routen und Bigwalls, insbesondere im magmatischen/vulkanischen Gestein. Größe 0.4 bis 0.75 eignen sich auch perfekt für Felslöcher und unregelmäßige Risse im Kalk. Achtung: Die Größen 0.1 bis 0.3 mit „Stacked-Axle“-Achse dürfen nicht offen/passiv gelegt werden. Gr. 0.1 und 0.2 sind wie alle kleinen Cams bezüglich Bruchlast und Platzierungsmöglichkeiten mit Vorsicht zu genießen. Nach meinen Erfahrungen werden die X4-Cams im Vergleich zu anderen Cams schneller schwergängig, was bedeutet, dass sie öfters gereinigt und geschmiert werden müssen. Ansonsten sind die Cams sehr robust und langlebiger als z. B. Alien Cams – die dafür deutlich leichter sind.

Bei Cam Gr. 0.4 bis 0.75 sind die Züge aus einer dünnen Kevlar-Reepschnur, was mit Blick auf die Haltbarkeit teilweise kritisch betrachtet wurde. Meines Wissens gibt es damit aber kaum Probleme, bzw. nicht mehr als mit Stahlzügen. Was bei dieser Konstruktion allerdings nicht so toll ist: Sind zwei Segmente geschlossen, sagen wir einmal die linken beiden, öffnen sich die rechten nur noch eingeschränkt. Bei etwas spezielleren Rissformen kann das relevant sein. Bei anderen Modellen, beispielsweise den Alien Revolution Cams, klappt dies bestens, wobei die Alien Evolution Cams die gleiche Schwäche aufweisen… Abschließend noch der Hinweis, dass es auch X4 Offset-Cams gibt, speziell für Risse, die sich nach außen öffnen. Ich hatte solche bisher nicht im Einsatz. Manche Bigwall-Kletterer schwören aber darauf.

Black Diamond Camalot C3

Aktuell stellen nur BD und Metolius (Ultralight TCU, Ultralight Power Cam und Ultralight Master Cam) ganz, ganz kleine Cams her, für Rissbreiten unter 9 mm. Die kleinsten Größen sind dabei primär zur Fortbewegung gedacht. Wird weich gesichert, können sie aber auch kleinere Stürze halten. Die Ultralight Master Cams sehen gut aus: Für sie spricht der flexiblere Steg und die Konstruktion mit vier Segmenten. Cams mit vier Segmenten liegen im allgemeinen stabiler. Ich verwende dennoch die Black Diamond C3 Cams – hat sich irgendwie so ergeben. Sie sind jedenfalls sehr robust, haben äußerst schmale Köpfe und zudem höhere Bruchlastwerte als andere Modelle. Man muss nur penibel darauf achten, dass sie sich nicht asymmetrisch öffnen, also sich keines der äußeren Segmente ganz öffnet.

Also gute Platzierungen wählen und die Cams eher geschlossen legen, nicht zu weit geöffnet! Für die meisten Kletterer machen wohl nur die Größen 0 (grün, 7 kN) und 1 (rot, 10 kN) Sinn. Gr. 000 und 00 sind doch sehr windig und es ist schwierig, für diese Größen geeignete Placements zu finden. Gr. 2 ist quasi identisch mit Camalot (C4) Gr. 0.3.

DMM Dragon Cam und Dragon II

Bis die erste Generation Dragon Cams auf den Markt kam, hatte ich nur Camalots im Einsatz. Mit Blick auf Unternehmungen in Patagonien und Bigwalls, bei denen man doch immer wieder gut beladen unterwegs ist, bin ich dann auf die leichteren Dragon Cams umgestiegen. Allerdings nur bei den mittleren und großen Größen. Bei den kleinen Cams hat mich das Handling nicht überzeugt. Die Mittelstege fielen etwas kurz aus und die verlängerbare Schlinge machte die Sache auch nicht gerade besser. Ja, mit der verlängerbaren Schlinge kann man Exen sparen, aber sie können auch nerven, wenn mal wieder alles „verwurstelt“ ist.

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs FelskletternBei der Überarbeitung wurden dann die Köpfe neu designed. Die Segmente sind jetzt deutlich breiter. Bringt das Vorteile? Ich denke ja, insbesondere im eher weichen Sandstein, wie man ihn zum Beispiel im Pfälzer Wald oder im Zion Nationalpark (Utah) vorfindet. In diesem Zusammenhang interessant: Von Metolius gibt es mit dem Fatcam ein Klemmgerät speziell für weichen Fels, mit richtig breiten Segmenten. Ausgehend vom Vorgänger sind die Dragon II Cams leider wieder etwas schwerer geworden. Gewichtsmäßig liegen sie jetzt im Mittelfeld. Darüber hinaus wurde die Oberfläche der Segmente für mehr Grip am Fels aufwändig angefräst. Dies halte ich für hilfreich, besonders in Gebieten mit eher glattem Kalk oder glattem Basalt, wo es immer wieder Fälle gibt, in denen an sich gut gelegte Cams nicht greifen.

Sehr gut sind die hohen Bruchlastwerte der kleinen Größen. Aus meiner Sicht weniger toll ist wie bereits erwähnt die Steg- und Schlingen-Konstruktion: Eine „Thumb Loop“, wie man sie beispielsweise bei den Cams von BD findet, ist insgesamt schon besser: Das Handling ist besser, außerdem lässt sich der Steg direkt clippen, ohne Schlinge. Das ist beim Standplatzbau und Techno-Klettern immer wieder praktisch. Und die dünne Dyneema-Schlinge hat auch nicht die längste Lebensdauer. Ein Austausch durch den Hersteller ist aber möglich (aktuell € 12,50 pro Cam, zzgl. Porto nach Großbritannien).

Wild Country New Friends und Technical Friends Gr. 5 und 6

Wild Countrys Technical Friend galt lange Zeit als Standard-Cam. Die darauffolgende Generation hieß Helium Friend, konnte aber nicht mehr mit den 2-achsigen Modellen von Black Diamond und DMM mithalten.

Jetzt ist Wild Country wieder im Rennen. Auf den ersten Blick sehen die New Friends schon sehr nach einem Nachbau der Camalots aus. Wer genau hinschaut, erkennt aber ein paar Optimierungen am Kopf-Design. So vereinen die New Friends die entscheidenden Vorteile von DMM Dragon 2 und BD Ultralight Camalots – womit klar sein dürfte, dass es sich um ein äußerst vielseitiges und sehr leichtes High-End-Klemmgerät handelt. Die New Friends gibt’s von Cam Größe 0.5 (lila) bis Gr. 4 (grau). Darüber hinaus hat Wild Country noch Gr. 5 und 6 der Technical Friends im Programm, für richtig breite Risse und die Selbstverteidigung im Klettergarten.

Omega Pacific Link Cams

Die Joker unter den Klemmgeräten – ein einzelner Link Cam deckt einen Größenbereich von 2,5 bis 3 herkömmlichen Cams ab. Beliebt sind die Link Cams im Hochtoureneinsatz, wenn nur sporadisch mal ein Cam gebraucht wird, und als Ergänzung zu anderen Klemmgeräten. Netterweise haben sie die gleiche Farbcodierung wie die zuvor beschriebenen Modelle von BD, DMM und Wild Country. Allerdings sind Link Cams auch teuer, schwer und nicht in allen Situationen ideal. Man kann sich also überlegen, ob man statt zwei Link Cams lieber drei andere, leichte Cams mitnimmt.

Das kommt gewichtstechnisch aufs Gleiche raus. Abgesehen von einem gerissenen Zug habe ich mit den Link Cams keine schlechten Erfahrungen gemacht. Wenn es ernst wird, wünscht man sich aber vielleicht trotzdem ein Klemmgerät mit einer etwas weniger gelenkigen Konstruktion als Zwischensicherung…

Achtung: Link Cams dürfen nicht offen/passiv gelegt werden und natürlich auch nicht in eine solche Position wandern bzw. gezogen werden. Rutscht ein Link Cam (oder ein anderer Cam ohne Camstops) unter Sturzbelastung in einem unregelmäßigen Riss, kann nämlich folgendes passieren: Der Cam öffnet sich im Riss, wird dann wieder belastet und bricht. Noch ein Hinweis: Im kleinsten Klemmbereich ist das Lösen häufig problematisch, wenn die übrigen Segment-Teile auch noch im Riss liegen und sich irgendwo verhaken.

FIXE hardware Alien Evolution Cam und Alien Revolution Cam, Totem Basic Cam

Aliens zeichnen sich aus durch sehr schmale Köpfe, äußerst flexible Stege und besonders griffige Segmente aus einer vergleichsweise weichen Alu-Legierung. Außerdem sind sie sehr leicht. In Europa sieht man Aliens bisher selten, in den USA sind sie weiter verbreitet und werden besonders von Bigwall-Kletterern geschätzt. Ihre Stärken spielen die Cams bei kritischen Placements aus, beispielsweise bei seichten Rissen, die sich womöglich auch noch nach außen weiten. In den letzten Jahren gab es Aliens vom baskischen Hersteller Totem, unter dem Namen Basic, und vom spanischen Hersteller FIXE.

Die Basic Cams genießen einen sehr guten Ruf, sind allerdings auch recht teuer (82,- pro Stück). FIXE brachte zuletzt zwei Weiterentwicklungen der ursprünglichen CCH Aliens auf den Markt: 2016 die Alien Evolution Cams, die allerdings sehr anfällig für Schäden am gesamten Trigger-Mechanismus waren. Die aktuelle Version, seit Frühjahr 2017 erhältlich, heißt Alien Revolution Cam und macht einen sehr guten Eindruck. Die Schwachstellen wurden behoben und die Stege etwas verlängert, für ein besseres Handling. Erhältlich sind sechs Größen, wahlweise mit einfacher oder verlängerbarer Schlinge. Außerdem gibt es Offset-Varianten. Die beiden kleinsten Größen haben eine angegebene Bruchlast von nur 5 bzw. 6 kN. Vermutlich halten sie aber etwas mehr, wenn sie eng geschlossen gelegt werden.

Weit geöffnete Aliens halten nämlich viel weniger als solche, die eng geschlossen im Riss sitzen – und neigen auch eher zum „Wandern“. Achtung, offen/passiv darf man sie keinesfalls legen, und sie dürfen genauso wenig in eine solche Position wandern oder rutschen! Beschädigte Trigger-Züge und Schlingen können von FIXE im Werk in Spanien ersetzt werden. Speziell beim größten Alien erscheint mir die Federspannung etwas lasch. Mit einer kleinen Flachzange und einem Seitenschneider kann man die Federn mit ein paar wenigen Handgriffen etwas verkürzen und damit stärker vorspannen. Noch ein Hinweis: Wie ich gesehen habe kursieren teils falsche Angaben zur Größe/Reichweite. Die Werte in meiner Tabelle passen weitestgehend, wobei es sich wie bei allen anderen Modellen nicht um den tatsächlich nutzbaren Größenbereich handelt – der ist kleiner!

Totem Cam

Der baskische Hardware-Hersteller Totem verdient besondere Erwähnung. Wenn ich es richtig sehe, stellt diese Firma wirklich nur zwei Typen von Klemmgeräten her, sonst nichts, und diese sind alles andere als weit verbreitet! Doch nicht wenige Dolomiten-Spezialisten, darunter die Profi-Alpinisten Simon Gietl und Hansjörg Auer, schwören auf diese Cams. Der Basic Cam, eine moderne Variante des ursprünglichen Alien Cam, wurde zuvor bereits erwähnt. Also zum Totem Cam: Was macht diesen so besonders? Alles! Es handelt sich um eine neuartige Konstruktionsweise, die unter anderem die Möglichkeit eröffnet, den Cam auf nur zwei Segmenten zu legen, zumindest beim Technischen Klettern. Reichweite und Bruchlastwerte sind ähnlich wie beim BD Camalot (C4), das Gewicht ist im Schnitt etwas niedriger.

Die Köpfe sind deutlich schmaler, wobei die Segmente dennoch eine solide Breite aufweisen und insgesamt sehr griffig erscheinen. Die Stege fallen recht massiv aus, was am Klettergurt eventuell etwas lästig werden kann. Farbcodierung und Größenabstufung passen weitestgehend zu den Cams von BD, DMM und Wild Country. Da ich die Cams selbst nicht verwende, habe ich Hansjörg Auer um ein Statement gebeten: „Der große Vorteil ist, dass die Last direkt auf die Segmente übertragen wird. Somit halten sie besser als andere Modelle, insbesondere im Kalk. Wegen der schmalen Köpfe funktionieren sie perfekt in Löchern! Ich verwende neben den Totem Cams hauptsächlich die Totem Basic Cams. Im verschneiten Fels sind beide Modelle weniger ideal, da sie schneller als andere vereisen.“

Metolius Ultralight Master Cam

Cam Report 2017 – die besten Klemmgeräte fürs FelskletternDer neue Ultralight Master Cam darf in dieser Auflistung nicht fehlen, auch wenn man ihn hierzulande aktuell nur schwer bekommen kann. Metolius hat eine ganze Reihe Cams im Programm, wobei der Ultralight Mastercam eindeutig der beste Allrounder ist. Es handelt sich um einen ausgesprochen leichten, einachsigen Cam. Der Steg ist an sich sehr biegsam, der Triggermechanismus reduziert die Flexibilität aber etwas. Die Köpfe sind relativ schmal, die Segmente haben eine solide Breite und sind mit Camstops ausgestattet. Der Cam-Winkel ist etwas kleiner als bei den meisten anderen Cams, er beträgt nach meinen Informationen 13,25°. Üblich sind 13,75° (Wild Country, DMM) oder 14,5° (Black Diamond).

Je kleiner der Cam-Winkel, desto besser funktioniert das Cam-Prinzip, da die Segmente einen höheren Spreizdruck erzeugen können. Allerdings bedeutet ein kleinerer Cam-Winkel auch weniger Reichweite. Tatsächlich deckt ein Ultralight Master Cam einen vergleichsweise kleinen Größenbereich ab, was allerdings noch einen weiteren Grund hat: die einzelne Achse. Cams mit zwei Achsen schneiden bei der Reichweite allgemein besser ab. Ich habe den sächsischen Bigwall-Freikletterspezialisten Tobias Wolf, der von Metolius gesponsert wird, nach seinen Erfahrungen mit den Ultralight Master Cams befragt, die ich zusammengefasst wiedergebe: „Damit man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht, kann ich nur mit den Ultralight Camalots vergleichen: Bei Qualität und Langlebigkeit sehe ich die Metolius-Cams vorn, beispielsweise wegen der Mischgewebe-Schlingen, die unempfindlicher sind gegen Alterung.

Der Cam-Winkel der Klemmsegmente ist so entwickelt, dass der Anpressdruck auch bei glatten oder nassen Rissen noch ausreicht, um einen Sturz zu halten. Wegen des flexibleren Stegs wandern die Cams weniger als andere. Weniger gut gefällt mir das Handling mit dem Stempel statt der Drahtschlaufe (Thumb Loop) der Vorgängermodelle. Die ist aus Gewichtsgründen weggefallen. Reparaturen der Kevlar-Züge kann man nur schlecht selber machen, weil diese eingeklebt sind. In der USA kann man die Cams aber zur Reparatur zu Metolius schicken. Um den Größenbereich der sechs X4 Camalots abzudecken braucht man zwar sieben Ultralight Mastercams, aber in der Summe sind die trotzdem leichter. Was mich außerdem überzeugt: Metolius fertigt ausschließlich in der USA und im Werk in Bend arbeiten nur Kletterer.“

Fazit und Dank

Alle hier beschriebenen Cams würden von mir die Gesamtnote gut oder sehr gut erhalten, bis auf die Alien Evolution Cams, die ja so aber auch nicht mehr hergestellt werden. Die Frage ist also nicht, welches Gerät das Beste ist, sondern welches Gerät am besten zu den eigenen Aktivitäten passt und wieviel das Budget hergibt. Eine Empfehlung: Wer eher moderat unterwegs ist, ist mit den Camalots (C4) nach wie vor sehr gut beraten. Kaum teurer und noch besser sind die New Friends, von denen es allerdings keine kleinen Größen gibt. Bei Bedarf muss man sie also mit anderen Cams kombinieren, was keine nennenswerten Nachteile mit sich bringt.

Wer beim Trad-, Alpin- oder Technoklettern an die Grenzen geht, kommt um speziellere Cams nicht umhin. Die Camalots C3 und X4 sind qualitativ spitze. Es gibt aber Gründe zur Annahme, dass Aliens (Fixe Revolution und Totem Basic), Totem Cams und Ultralight Master Cams im Zweifelsfall besser halten. Spezialisten werden deshalb vermehrt diese Geräte verwenden, müssen sich aber auch intensiv mit deren Einschränkungen befassen, evtl. eine neue Farbcodierung verinnerlichen und beim Legen besonders gut zielen. Abschließend noch der Hinweis, aber das sollte eh klar sein, dass das beste Material wenig bringt, wenn es falsch eingesetzt wird. Also investiert nicht nur in Hardware, sondern auch in euer Knowhow!

Für ihre Unterstützung beim Schreiben danke ich: Boris und Janpeter vom Bergfreunde.de-Team sowie Tobias Wolf und Hansjörg Auer.

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