Besser Bouldern
Artikelserie für maximalen Grip:
Tipps zum besseren Bouldern
Tipps zum besseren Bouldern
Der Start der Artikelserie
Anni auf dem Nordkalottleden
Die Bergfreunde unterwegs...
Anni erwandert den Nordkalottleden
Die Bergfreunde unterwegs...
Anni erwandert den Nordkalottleden
Kleine Frau, großer Fels - Ulligundes Bergkolumne
Kleine Frau, großer Fels:
Ulligundes Bergkolumne
Kleine Frau, großer Fels
Ulligundes Bergkolumne
Bergfreunde.de Kletterkalkulatoren
Calc your climb
Die Bergfreunde Kletterkalkulatoren
Calc your climb
Kalkulatoren für Kletterer
Höhentraining - wie es funktioniert und was es bringt

Höhentraining – Grundlagen, Tipps und für wen es sich lohnt

23. März 2017
Die Bergfreunde

Jeder der bereits einmal in den Bergen unterwegs war, kennt den Satz: „Puh, die Luft wird aber ganz schön dünn hier oben …“ Was einem beim Wandern oder Klettersteiggehen vielleicht noch nicht so vorkommen mag, verdeutlicht sich jedoch spätestens auf einer klassischen Hochtour zwischen 3.000 und 4.000 Metern. Dabei wird weniger die Luft als solche „dünn“, sondern vielmehr sinkt mit zunehmender Höhe die Anzahl der Sauerstoffmoleküle pro Liter Luftvolumen. Die Folge: abnehmender Luftdruck. Als direkte Gegenmaßnahme reagiert unser Organismus mit einer beschleunigten Atmung und einem erhöhten Puls. Um sich jedoch langfristig auf Bergtouren, Expeditionen oder längere Aufenthalte in großer Höhe vorzubereiten, empfiehlt sich ein prophylaktisches Höhentraining. Dabei kommt es ganz allgemein gesprochen zu einer Steigerung der Anzahl roter (sauerstofftransportierender) Blutkörperchen.

Was versteht man unter dem Begriff „Höhentraining“?

Die Definition lautet wie folgt: „Unter Höhentraining versteht man den gezielten Einsatz einer Unterversorgung des Organismus mit Sauerstoff (Hypoxie) als Stimulus zur Steigerung der Leistungsfähigkeit.“

Ab wann beginnt Höhentraining? Und ab wann wirkt Höhentraining?

Egal ob auf den Kilimanjaro, Denali oder Mount Everest im Himalaya – eine Tour in besonders große Höhe sollte stets sorgsam geplant und vorbereitet werden. Sowohl die Ausrüstung als auch die körperliche Fitness spielen dabei eine bedeutende Rolle. Um den Organismus bestmöglich auf die besonderen Bedingungen in der Höhe vorzubereiten, empfiehlt sich daher ein Höhentraining, bevor es auf die Tour geht. Die Effekte der „dünnen Luft“ stellen sich dabei überaus vielfältig dar. Im Bereich des Ausdauersports ist das gezielte Höhentraining schon lange Zeit für die Steigerung der Leistungsfähigkeit ein Begriff. Und auch im Bergsport ist dieser Effekt zur Akklimatisierung für große Höhen schon lange bekannt.

Ab einer Höhe von 2.000 m beginnt die „dünnere Luft“ auf den menschlichen Organismus zu wirken. Sensible oder vorerkrankte Personen können bereits in dieser Höhe erste Anzeichen der Höhenkrankheit spüren. Wie schlimm die Symptome der sogenannten akuten Höhenkrankheit (AMS – acute mountain sickness) auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab. Wie steht es um die körperliche Fitness? Wie gut ist der allgemeine Gesundheitszustand des Bergsteigers? Genetisch akklimatisieren sich manche Menschen schneller als andere, obwohl sie körperlich gleich fit sind. Hier können Erfahrungen aus der Vergangenheit hilfreich sein. Beim Aufstieg am Berg oder beim Trekking in großen Höhen sollte sowohl die Aufstiegsgeschwindigkeit, als auch notwendigen zusätzlichen Akklimatisierungstagen besondere Beachtung geschenkt werden.

Der Sauerstoffgehalt der Luft ist mit 20,9% überall auf der Welt gleich, unabhängig von der Höhe. Der Luftdruck sinkt jedoch mit zunehmender Höhe, wodurch gleichzeitig der Sauerstoffpartialdruck der Umgebungsluft abnimmt. Dieser Faktor führt somit zu einer Unterversorgung unseres Körpers mit Sauerstoff (Hypoxie). Alle wichtigen Infos zur Höhenkrankheit, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Wirkt Höhentraining wirklich leistungssteigernd?

Ein Aufenthalt in der Höhe führt im menschlichen Organismus durch das verringerte Sauerstoffangebot zu einer Reihe von Anpassungsprozessen. Dazu zählt eine Sensibilisierung der Atemtätigkeit, sprich der Ventilation bei Belastung des Körpers. Ebenso wird die Ausschüttung des körpereigenen Hormons Erythropoetin (EPO) stimuliert. EPO wird in den Nieren produziert und sorgt im Knochenmark für die Neubildung roter Blutkörperchen. Gleichzeitig wird im Körper vermehrt Hämoglobin bereitgestellt. Das Hämoglobin bindet den Sauerstoff und hat dadurch eine positive Auswirkung auf die Ausdauerleistungsfähigkeit, indem sich die Sauerstofftransportkapazität im arteriellen Blut erhöht.

Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass körperliche Belastungen unter Hypoxie zu Veränderungen auf muskulärer Ebene, wie einer erhöhten Aktivität von Enzymen des Energiestoffwechsels führen. Ebenso konnte eine Zunahme des muskulären Sauerstoffspeichers, dem Myoglobin, beobachtet werden.

Ein Training in der Höhe bietet sich somit grundsätzlich für leistungsorientierte Sportler an, die ihre Ausdauer unter kontrollierten Bedingungen verbessern möchte. Speziell in Ausdauersportarten, dem Langstreckenlauf, Triathlon oder im Radsport wird das Höhentraining bereits seit längerer Zeit in den Trainingsplan mit aufgenommen. Aber auch ambitionierte Bergsteiger, die sich auf die Begehung hoher Berge vorbereiten möchten, können ihre Leistungsfähigkeit durch Hypoxie-Training verbessern.

Welche Form des Höhentrainings ist effektiv und sinnvoll?

Um einen tatsächlichen Trainingseffekt für die Ausdauerleistungsfähigkeit zu erzielen ist es wichtig, dass der Trainingsreiz unter Höhenbedingungen gesetzt wird. Ein alleiniger Aufenthalt in der Höhe ohne spezifischen Trainingsreiz bringt keine nennenswerten Vorteile für die Leistungsentwicklung. Es nutzt also nichts, ein paar Tage in einer Hütte in den Alpen zu verbringen und den ganzen Tag Karten zu spielen. Laufen, Wandern oder Klettern in der Höhe sind absolut notwendig, um eine positive Anpassung zu erzielen.

Gibt es eine Mindestdauer für das Höhentraining?

Hierbei sind viele Experten und Mediziner unterschiedlicher Meinung. Ein Mindestaufenthalt von einer Woche bis zu zehn Tagen ist jedoch erforderlich, um nach einer ausreichenden Anpassung ein effizientes, d.h. leistungssteigerndes Training durchführen zu können. Optimal geeignet wären Aufenthalte von drei bis vier Wochen. Hochleistungssportler führen oft mehrmals im Jahr spezifische Höhentrainingslager durch. Dies ist für einen Hobbysportler hingegen schon schlicht aus Zeitgründen überhaupt nicht praktikabel, noch notwendig. Generell kann jedoch ein gezieltes Höhentraining mit hohen Umfängen über sieben bis zehn Tage bei vielen Sportler bereits zu den besagten positiven Effekten führen. Inzwischen gibt es gar spezielle Anbieter, die professionell organisierte Höhentrainingscamps veranstalten, die Teilnehmer vor Ort medizinisch betreuen und beraten.

Wie lange hält die Wirkung eines Höhentrainings an?

Die Wirkungsdauer des Trainings und der Anpassungseffekte in der Höhe ist in der Wissenschaft weiterhin umstritten. In den ersten Tagen nach einem längeren Aufenthalt in großer Höhe sollte auf jeden Fall eine Regenerationsphase mit reduziertem Trainingsumfang und geringer Intensität eingelegt werden. Oft kann es vorkommen, dass es erst einmal zu einem Leistungseinbruch kommt. Hier kann eine kleine Pause helfen, wieder auf die Beine zu kommen. Verschiedene Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Wirkung eines guten Höhentrainings zwischen drei bis fünf Wochen anhält, vermutlich sogar länger. Die biologische Lebensdauer der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im menschlichen Körper ist mit nur 120 Tagen begrenzt. Somit kann eine Wirkung von über vier Monaten ausgeschlossen werden.

Höhentraining mit Maske und im Zelt

Mit technischen Hilfsmitteln lässt sich ein Höhentraining auch ohne Berge in der Stadt und daheim realisieren. Auf dem Markt gibt es mehrere Produkte, um mithilfe eines Maskensystems oder eines Zeltes eine „künstliche Hypoxie“ für das Training zu simulieren. Die Personen fahren auf dem Radergometer und atmen durch eine spezielle Atemmaske unter reduzierten Sauerstoffbedingungen. Zudem gibt es Zelte, die über dem Bett aufgebaut werden können und das Schlafen unter Hypoxie-Bedingungen in großer Höhe simulieren. In einigen Städten gibt es inzwischen ganze Höhentrainingszentren, die spezielle Trainingsräume unter Hypoxiebedingungen zur Verfügung stellen und somit ein Höhentraining simulieren können.

Da zudem jeder Mensch anders auf Höhe reagiert und manche Personen gar an einer „Höhenunverträglichkeit“ leiden, macht eine Überprüfung der Verträglichkeit im Vorfeld einer Berg- oder Hochtour sehr wohl Sinn. Ein medizinischer Check sollte ohnehin vor dem Start einer längeren Reise in größere Höhen, ebenso wie vor einem simulierten Höhentrainings erfolgen. Zur spezifischen Vorbereitung auf eine Expedition oder ein Höhen-Trekking kann ein solches Training in speziellen Hypoxiekammern also durchaus sinnvoll sein.

Ist Höhentraining schädlich? Ist das Doping?

Ein langer Aufenthalt in großen Höhen sorgt für uns, die wir nicht unbedingt in Regionen jenseits der 4000 Meter geboren und aufgewachsen sind, stets für eine körperliche Belastung des Organismus. Daher sollte ein Höhentrainingslager in jedem Fall sinnvoll geplant und durchgeführt werden. Andernfalls bestünde die Gefahr, den Körper tendenziell eher auszulaugen, als auf ein höheres Fitnessniveau zu hieven. Höhentraining gilt dabei nicht als Doping und ist auch vor Wettkämpfen erlaubt. Im Gegensatz zum Doping mit Medikamenten oder verbotenen Substanzen macht sich der Sportler beim Höhentraining einzig und allein die natürlichen Effekte der Höhe zu Nutze. Dadurch werden körpereigene Prozesse und Anpassungen angestrengt, die nicht durch Hilfe von außen zustande kommen.

Ist ein Höhentraining auch für Freizeitsportler sinnvoll?

Ein gut geplantes Höhentraining kann auch für Freizeitsportler und Hobbyalpinisten sinnvoll sein. Dabei ist es wichtig, seine individuelle Ausdauerleistungsfähigkeit schon im Vorfeld auf einem ordentlichen Niveau zu konsolidieren. Das heißt, man sollte schon einige Jahre regelmäßig Sport treiben, laufen gehen oder in den Bergen wandern, bevor man ein Höhentrainingslager in Betracht zieht. Ein guter Gesundheitszustand sowie eine gewisse Erfahrung in der Trainingssteuerung sind auf jeden Fall von Nöten, um einen positiven Effekt zu erzielen.

Für Hobbysportler empfiehlt es sich zusätzlich, ihr Training in der Höhe vor allem am Anfang eher defensiv zu gestalten, und nicht gleich mit maximalen Intensitäten zu arbeiten. Erst mit steigender Erfahrung ist man in der Lage, sich und seinen Körper einschätzen zu können, und so sukzessive neue Trainingsimpulse zu setzen.

Zusammenfassung zum Höhentraining

Abschließend ist festzustellen, dass ein Höhentraining auch im Breitensport unter bestimmten Voraussetzungen denkbar ist. Für Trekkingtouren in große Höhen wie in den Anden, Besteigungen von Bergen im Himalaya oder selbst auf den 4000ern in den Alpen hingegen macht es deutlich mehr Sinn, um die Symptome der akuten Höhenkrankheit zu mindern oder gar im Vorfeld mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auszuschalten. Gleichfalls sollte jedwedes Training spezifisch und strategisch erfolgen; ein einfacher Aufenthalt in der Höhe reicht hier nicht aus, um sinnvolle Anpassungserscheinungen zu erzielen.

Seidenschlafsack vs. Seidenschlafsack

Seidenschlafsäcke vs. Baumwollschlafsäcke – Wo liegt der Unterschied?

21. März 2017
Kaufberatung

Wir kennen sie alle, die großen Grabenkämpfe dieser Welt. Batman gegen den Joker, Messi gegen Ronaldo, die Rebellen gegen das Imperium, Godzilla gegen Tokio und das wohl härteste Duell: der Baumwollschlafsack gegen den Seidenschlafsack. Okay, so hart sieht der Konkurrenzkampf unter Hüttenschlafsäcken nicht aus. Aber dennoch, auf den meisten Berghütten sind sie Pflicht und sind fester Gepäckbestandteil, wenn es auf Bergtour geht. Auch als Innenschlafsack, Sommerschlafsack oder als Schlafmöglichkeit für den Wochenendbesuch machen sie einen prima Job. Doch was macht den Unterschied zwischen den beiden Hüttenschlafsack-Gegenspielern aus? Was sind die jeweiligen Vor- und Nachteile? Oder ist es letzten Endes einfach eine reine Geschmackssache?

Gemütlich, weich, strapazierfähig, fast wie daheim – der Baumwollschlafsack

Starten wir ohne Umschweife mit den Baumwollschlafsäcken. Ein Baumwollgewebe ist strapazierfähig, zeigt sich in der Pflege angenehm unkompliziert und fühlt sich gut auf der Haut an. Ein Hüttenschlafsack aus Baumwolle kann genau in diesen Punkten überzeugen. Wer ein Schlafgefühl wie im heimischen Bettzeug sucht ist hier an der richtigen Adresse. Gleichzeitig ist das Gewebe schön belastbar. Wenn ihr nicht gerade mit angelegten Steigeisen schlaft oder den Schlafsack nahe einer Mottenzucht lagert, ist der Baumwollkamerad fast nicht kaputtzukriegen.

Gewaschen wird der Baumwollschlafsack in der Maschine. Achtet darauf, dass das nicht zu heiß geschieht und ihr kein aggressives Waschmittel verwendet. Sogar euren Lieblingsweichspüler könnt ihr mit in die Wäsche geben. Ein weiterer nicht zu verachtender Faktor ist der Preis. Einen guten Bauwollschlafsack könnt ihr bereits zwischen 15-30€ bekommen, was bei schmalen Geldbeuteln sicherlich gut ankommt.

Auf funktioneller Ebene haben Baumwollschlafsäcke auch was zu bieten. Das Baumwollgewebe ist auf natürliche Art und Weise atmungsaktiv und schafft ein angenehmes Schlafklima. Zugleich hält das Material angenehm warm. Gerade wenn ihr den Baumwollschlafsack als Inlett verwendet ist – je nach Webverfahren – ein nicht zu unterschätzender Zugewinn der Isolationsleistung möglich.

Etwas schwer ist er ja schon – die Nachteile vom Baumwollschlafsack

Aber – wie so oft – ist nicht alles Gold was glänzt. Ein Baumwollschlafsack ist vergleichsweise schwer. Mit einem Gewicht, das in der Regel zwischen 300 und 500 Gramm liegt, ist er gerade auf Touren bei denen es auf jedes Grämmchen ankommt eine zusätzliche Belastung. In Sachen Platzbedarf sind Baumwollschlafsäcke auch nicht gerade die sparsamsten. Also in etwa so, als würdet ihr euren Bettbezug in den Rucksack packen. Ein weiteres Manko: der Baumwoll-Hüttenschlafsack trocknet nicht besonders schnell. Wenn er unterwegs gereinigt werden muss oder durch Schweiß oder andere Flüssigkeiten Nässe abbekommen hat, braucht es eine ganze Weile bis ihr ihn wieder einsetzen könnt.

Temperaturregulierend, leicht, seidiger Schlafkomfort – der Seidenschlafsack

Kommen wir als nächstes zur Seide. Was im ersten Moment nach purem Luxus klingt, ist in Wahrheit ein Material, das sich hervorragend für Hüttenschlafsäcke eignet. Genauso wie die Baumwolle, ist die Seide zu 100% ein natürlicher Rohstoff, kommt aber mit ein paar Assen im Ärmel ins Spiel. Seidenschlafsäcke sind aus extrem feinen Fasern gefertigt, was für ein softes Hautgefühl sorgt – die perfekte Möglichkeit, um sich richtig schön einzukuscheln.

Bei Gewicht und Packmaß kann der Hüttenschlafsack aus Seide ebenfalls vorlegen. Besonders im Vergleich mit einem gängigen Baumwollschlafsack bringt sein seidener Kollege verschwindend wenig auf die Waage. Je nach Modell könnt ihr hier bis zu einem Viertel des Gewichts einsparen. Kompakt verschnürt und im Packbeutel verpackt nimmt der Seidenschlafsack ebenfalls angenehm wenig Rucksackplatz in Anspruch. Wenn ihr jetzt denkt, solch ein dünner und leichter Stoff taugt nichts für den rauen Outdooreinsatz, liegt ihr meilenweit daneben. Seidenfasern halten trotz ihrer feinen Struktur gehörig was aus und sind bei weitem nicht aus Zucker!

Ein weiterer Pluspunkt für den Seidenschlafsack sind seine temperaturregulierenden Eigenschaften. Bei frostig kalten Temperaturen überzeugt das Seidengewebe mit einer sehr guten Isolationsleistung. In heißen, schwülen Nächten wirkt der Stoff kühlend und schafft ein angenehmes Schlafklima anstatt zum Schwitzkasten zu mutieren. Kommt ihr doch mal ins Schwitzen, kann der Seidenschlafsack bis zu 30% seines eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass ihr euch fühlt, als hättet ihr euch in einen nassen Waschlappen gewickelt. Apropos nass, Seidenschlafsäcke trocknen schnell und sind ruckizucki wieder bereit für den nächsten Einsatz.

Kein Licht ohne Schatten – die Nachteile der Seidenschlafsäcke

Trotz aller Lobpreisung der Seidenschlafsäcke gibt’s auch hier einige Nachteile zu vermelden. Als erstes wäre der relativ hohe Anschaffungspreis anzuführen. Seide ist ein preisintensives Ausgangsmaterial, was sich naturgemäß zuallererst im Geldbeutel bemerkbar macht. Hochwertige Seidenschlafsäcke kosten zum Teil das drei- bis vierfache ihrer Baumwollkollegen. Nächster Malus: die Pflege. Eine Seidenfaser besteht zu einem großen Teil aus Eiweiß, dem die gängigen Waschmittel auf alkalischer Basis nicht sonderlich gut bekommen.

Sprich, ein normales Waschmittel schadet der Seidenfaser. Ebenso bekommt die Waschmaschine dem Seidenschlafsack eher schlecht als recht. Wollt ihr euren liebgewonnen, seidenen Hüttenschlafsack reinigen, macht ihr das am besten von Hand und mit einem milden, für Seide geeigneten Waschmittel. Gleichzeitig solltet ihr nicht zu grob mit dem Gewebe umgehen und bei der Handwäsche auf starkes Reiben, Kneten oder Rubbeln verzichten. Mein letzter Minuspunkt ist eher kosmetischer Natur: Seide knittert schnell und diese feinen Falten sind nur durch vorsichtiges Bügeln wieder herauszubekommen. Aber mal ehrlich, wen interessiert schon wie der Schlafsack aussieht?

Und welcher Schlafsack ist der richtige?

Jetzt, da ich beide Schlafsack-Recken mit ihren Vor- und Nachteilen vorgestellt habe, kommen wir zum heiß erwarteten Fazit. Welcher Schlafsack ist der bessere? Wer gewinnt die epische Schlacht zwischen der Seiden- und der Baumwollfront? Die klare und einzige Antwort lautet: das kommt auf eure Bedürfnisse an!

Baumwollschlafsäcke punkten klar mit ihrem günstigen Preis, dem unkomplizierten Handling und dem „Wie-im-heimischen-Bett-Gefühl“. Gleichzeitig sind sie recht schwer und nehmen viel Platz im Rucksack ein. Seidenschlafsäcke fühlen sich prima an, sind temperaturregulierend, federleicht und sind kompakt verpackbar. Andererseits sind sie teuer und schwer zu reinigen. Keiner von beiden ist der eierlegende Wollmilch-Schlafsack.

Ist euch ein günstiger Preis wichtig und ihr könnt im Umkehrschluss mit relativ hohem Volumen und Gewicht leben? Dann ist die Baumwollvariante euer Hüttenschlafsack to go. Seid ihr bereit etwas mehr zu investieren, gleichzeitig ein leichtes, superbequemes Funktionalitätskraftpaket zu erhalten? Dann ist Seide euer Ding!
Ganz egal ob ihr euch für Team Baumwolle oder Team Seide entscheidet, beide Schlafsäcke haben ihre Vor- und Nachteile. Ihre stärkste Gemeinsamkeit ist, dass ihr in beiden bestens gebettet einschlummern könnt. Dann gute Nacht!

Skitouren am Piz Buin

Die ultimative Buin Reib’n – Skitourenvergnügen rund um die Wiesbadener Hütte

17. März 2017
Die Bergfreunde

Und plötzlich ist März. Der Winter hat eigentlich gerade erst angefangen und schon klopft der Frühling wieder an die Tür. Beim Anblick der ersten Schokoostereier schrillen nicht nur bei mir die Alarmglocken: die neuen Skitourenstiefel sind doch gerade erst eingelaufen und wo sind eigentlich die vielen erträumten Pulverschneeabfahrten geblieben? Es ist noch viel zu früh für „klassische“ Frühjahrstouren! Jetzt heißt es ab in die Berge, auch wenn es zeitlich wieder nur für einen Wochenendausflug reicht.

Kaum ein anderes Gebiet entspricht den Erwartungen an das Skitourengehen, wie die Silvretta: konditionell fordernde Anstiege, je nach Gipfelziel technische und mentale Herausforderungen sowie lange, schöne Abfahrten. Die perfekte Mischung aus Anspruch und Vergnügen inmitten einer ungezähmt wilden Bergwelt.

Filmschnitt

Der enge, dunkle Vermunt-Tunnel wirkt bei der Anreise wie ein radikaler Filmschnitt. Aus dem bunten Frühling im Tal landen wir an der Bielerhöhe völlig unverhofft in einer malerischen Winterlandschaft. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel und spiegelt sich in der majestätischen Weite der Silvretta. Einzige Konturen in der weißen Bergwelt sind die felsigen Flanken der umliegenden Gipfel. Dahinter leuchten bläulich schimmernde Spitzen und Zacken, ein Lockruf aus dem Herz der Silvretta.

Einkehrschwung

Ab auf den gefrorenen Silvrettastausee. „Wird schon halten…“, trotz glühender Mittagssonne lässt sich leicht scherzen, denn die Dicke des Eises wird durch Bohrungen regelmäßig überprüft. Dennoch ist die Eisüberquerung ein außergewöhnlicher Auftakt für den zweistündigen Aufstieg zur Wiesbadener Hütte. Während sich auf dem Eis noch vereinzelt Touristen im Schnee vergnügen, steigen wir bald einsam das Ochseltal hinauf, zwischen Egghorn und Hohem Rad hindurch in die hochalpine Kulisse von Silvrettahorn, Piz Buin und Dreiländerspitze. Eine schweißtreibende Angelegenheit bei solchen Frühlingstemperaturen.

„Was wollt ihr trinken“, grüßt schon von Weitem Andrejka, Bedienung von der Wiesbadener Hütte. Jeder gute Vorsatz auf einen Abstecher in Richtung Ochsenkopf oder Rauher Kopf ist sofort im Keime erstickt. Die sonnige Terrasse mit Ausblick auf zukünftige Skitourenabenteuer ist so überzeugend, dass bald nur noch unsere Finger über die Gipfel der Landkarte wandern.

Qual der Wahl

Hier oben herrscht reger Betrieb, wir sind nicht die Einzigen schneesüchtigen Abenteurer. Abseits der beiden Hauptattraktionen Piz Buin und Dreiländerspitze ist der Tiefschneesuchende im Tourengebiet der Wiesbadener Hütte dennoch zuweilen recht einsam unterwegs. Als Einstiegstour bietet sich beispielsweise die Tiroler Scharte mit Ochsenkopf an. Wer etwas Anspruchsvolleres sucht, wird an den etwas steileren Hängen am Silvrettahorn fündig. Und dennoch dreht sich für die meisten alles um den Piz Buin, als höchsten Gipfel von Vorarlberg. Auch für uns, weil wir uns den Paradeberg auf einer „Buin Reib’n“ einmal von allen Seiten anschauen wollen. Eine etwas ungewöhnliche Tour, die uns hoffentlich ein paar unverspurte Abfahrten beschert. Vielleicht können wir unterwegs noch den Gipfel der Piz Fliana „mitnehmen“…

Runde Sache

Wolkenverhangen und trüb beginnt der Tag, als wir von der Wiesbadener Hütte in Richtung Ochsentaler Gletscher ziehen. Aus der sanft gewölbten Schneedecke ragen bedrohlich die eisigen Zähne des Gletscherbruchs und lassen die Tiefe ihrer Spalten nur erahnen. Es gibt viel zu sehen während wir in steilen Spitzkehren die schmale Flanke zwischen Felsen und Eis empor steigen. Weit hinten am oberen Gletscherbecken lässt ein heller Fleck am Himmel eine Wetterbesserung erhoffen, doch selbst an der Grenzscharte Fuorcla dal Cunfin macht die Wolkendecke nicht die leisesten Anstalten sich zu heben.

Großer Vorteil: wir haben alle Zeit der Welt um in Ruhe unsere Runde zu drehen, ohne uns über Erwärmung oder Nassschneelawinen Sorgen zu machen. Die kurze, schwungvolle Abfahrt zur Mittagsplatte bringt uns an den Fuß des Piz Fliana. Durch lockeren Tiefschnee spuren wir den steilen Nordhang empor, während uns ein zunehmend stürmischer Wind erste Graupel ins Gesicht peitscht. Die Steilflanke oberhalb des Gletscherabbruchs am Plan Rai queren wir bei minimaler Sichtweite.

Am Skidepot geraten wir vollends in die Windseite, heftige Böen zwingen uns in die Knie. Auf den Gipfel müssen wir heute verzichten, dafür ernten wir eine Traumabfahrt durch knietiefen Pulverschnee. Ein wilder Ritt über die Steilflanke, der das Skifahrerherz zum Jauchzen bringt. Nach kurzer Verschnaufpause an der Chamonna Tuoi meistern wir den Gegenanstieg zum Vermuntpass, bevor es auf einer frischen Schicht Neuschnee geschmeidig zur Wiesbadener Hütte zurück geht.

Im Schnee versumpft

Voller Tatendrang diskutieren wir die Möglichkeiten für den nächsten Tag. Idealerweise haben wir morgen früh eine Schicht frischen Pulverschnee, bereit um unsere Spuren aufzunehmen. Als gute Abschlusstour eignet sich hervorragend der Rauher Kopf mit seiner wunderschönen Nordabfahrt über den Bieltalferner und durch das optimal geneigte Bieltal. Kein Schieben, kein Skaten über den Silvrettastausee, einfach bis zur Bielerhöhe heraus schwingen.

Nicht für uns, nicht diesmal. Über Nacht gibt es einen halben Meter Neuschnee, am Morgen schneit es noch immer in dicken Flocken. Welch Ironie des Schicksals, noch vor ein paar Tagen hatten wir den Winter so gut wie abgeschrieben und jetzt sitzen wir aufgrund der Neuschneemenge fest. Das von Lucie liebevoll servierte, üppige Frühstück auf der Wiesbadener Hütte können wir also in aller Ruhe genießen. Einziger Trost, bei so viel Schnee wird selbst die Abfahrt durchs Ochsental zur Freude. Bis über die Ohren tauchen wir in frischen Pulverschnee. Die Beine pumpen den Körper bei jedem Schwung aus dem Schnee, elegant rauschen wir durch die weiße Pracht. Innerlich jubelnd, wer hätte solch traumhafte Schneeverhältnisse erwartet. Wieder einmal bleibt es nur bei vielen schönen Abfahrten, anstatt der zugehörigen Gipfel. Aber das kann man sich nicht immer aussuchen. Alles in allem ist es doch nur ein weiterer Grund, um bald wieder zu kommen.

INFOS:

ANREISE: Mit dem Auto über die Inntal- oder Rheintal Autobahn bis zur Abfahrt Montafon bei Bludenz, weiter auf der Montafonerstraße (L188) nach Partenen. Mit der Bahn bis Bludenz, anschließend per Montafonerbahn nach Schruns (www.montafonerbahn.at) und mit dem Postbus nach Partenen (www.postbus.at).

BERGBAHN: Vermuntbahn, Vermuntwerk, 6794 Gaschurn. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist im Winter gesperrt, daher geht es ab Partenen mit der Vermuntbahn zur Bergstation Trominier (1.731 m) und per Minibus hinauf zur Bielerhöhe (2032m). Die Bahn verkehrt täglich von 8:30-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr, letzte Talfahrt ab Bielerhöhe um 16:00 Uhr.

HÜTTE: Wiesbadener Hütte, 2443 m, DAV Sektion Wiesbaden, Hüttenwirt Heinrich Lorenz, Tel. +43 5558 4233, wiesbadener@gmx.net, im Winter geöffnet von Mitte Februar bis Anfang Mai, 80 Betten, 100 Lager, Gepäcktransport auf Anfrage

MATERIALEMPFEHLUNGEN:

DYNAFIT Neo CR WS und DYNAFIT TLT7

DYNAFIT Manaslu 2.0 mit Speedskin Manaslu und TLT Radical ST 2.0

LEKI Tourstick Aergon 2 und Aergon 2 V

LVS Gerät Ortovox 3+, Schaufel & Sonde

Rucksack Thule Stir

Julbo Eclipse und Julbo Whoops Multilayer

yukonarcticultra-title

Montane Yukon Arctic Ultra – 700 km durch die Eiswüste

16. März 2017
Die Bergfreunde

Am 18. Februar habe ich den Yukon Arctic Ultra gefinisht. 436 Meilen sind ein langer Weg, besonders wenn man es dabei mit krassen Minustemperaturen zu tun bekommt. Und seit diesem Tag träume ich von nichts anderem mehr: Laufen, laufen, laufen… Uwe Paschke aus Berlin ist erfahrener Langstrecken- und Etappenläufer und wagte sich dieses Jahr an seine bisher größte Herausforderung. 436 Meilen durch das Yukon. Was das bedeutet, haben wir bereits in einem Vorbericht für euch zusammengefasst.

Die Landschaft im Yukon ist faszinierend schön – eine weiße Winterwunderwelt, die sich ständig verändert. Doch das Yukon kann auch unerbittlich sein und verzeiht keine Fehler. Daher ist dieser Lauf auch unglaublich hart. Das wusste ich natürlich, aber dass es so unglaublich hart werden würde, das hat mich überrascht. Ich bin Uwe, 53 Jahre, aus Berlin und ein durchaus erfahrener Läufer. Ich habe in den letzten Jahren ein Dutzend Etappenläufe über 250 km und mehr gemacht. Ich wusste, dass 430 Meilen/700 km etwas ganz Anderes sind. Wobei „ganz anders“ stark untertrieben ist.

Magda, meine Lebensgefährtin, startet mit mir im Team. Wir haben uns vor drei Jahren in der Wüste Jordaniens bei einem Rennen getroffen und wollen nach vielen gemeinsamen Läufen im Sommer heiraten. Unser Plan: Wenn wir diesen Lauf gemeinsam finishen, dann sind wir bereit für die Ehe.

Trotz monatelanger Vorbereitungen bleiben viele konkrete Fragen unbeantwortet und wir starten sehr aufgeregt in unser viertägiges Survival-Training in Braeburn (CA) unmittelbar vor dem Rennen. Wir sind 14 Teilnehmer und lernen alles über Kleidung, Schuhe, Ernährung, Feuer machen, Biwak bauen und vieles mehr. Wir laufen mit der Pulka, wir schwitzen, wir frieren, wir laufen tags und nachts, wir machen Feuer, essen, trinken und übernachten draußen und wir laufen durch einen Fluss, um zu trainieren, was wir tun, wenn wir nachts alleine draußen an einem Overflow einbrechen.

Eine nette Erfahrung: 25 Meter durch knietiefes Wasser bei -25° C laufen und dann barfuß im Schnee umziehen. Alles andere als angenehm. Aber dafür waren wir ja hier. Ich sage am Ende zu Stewart, dem Seminarleiter, dass die Chance ins Ziel zu kommen nun um 300% gestiegen ist und damit bei 50% liegt.

Wir kommen zurück nach Whitehorse (CA) und stürmen sofort los um unsere Ausrüstung zu optimieren. Einige Stunden später und 2000$ ärmer, haben wir neue Schuhe sowie zahlreiche zusätzliche Kleidung und Ausrüstung. Wir fühlen uns besser und trotzdem sind wir sehr aufgeregt, haben Angst und großen Respekt. Heidewitzka, -35° C sind halt einfach schweinekalt.

Tag X.

Leicht verschwitzt drehe ich mich in meinem Bett von einer Seite auf die andere, denn in meinem Traum blicke ich in die „falsche“ Richtung.  Im Halbschlaf dringen mir Roberts Worte aus dem Briefing in den Kopf: „Wenn Ihr auf der Suche nach einem Biwakplatz seid, dann stellte die Pulka in Eure Laufrichtung. Es ist schon vorgekommen, dass Läufer nach wenigen Stunden Schlaf desorientiert zurückgelaufen sind, weil der Schlitten falschrum stand und da draußen allein im Yukon erkennt man nicht, wohin der Trail führt.“

Einen Tag nach dem eindrucksvollen Start des Yukon Quest 1000 Meilen Schlittenhunderennens starten wir auf dessen Spuren um 10:30 Uhr morgens bei herrlichem Sonnenschein. Es ist schwer, das richtige Tempo zu finden, denn die Marathonis stürmen los und Du weißt bei niemandem da vorne, ob er oder sie 100 Meilen, 200, 300 oder 430 vor sich hat.

Nach neun Stunden erreichen wir den ersten Kontrollpunkt in Rivendell bei Kilometer 42. Es ist längst finstere Nacht. Hier stehen ein paar Zelte und Hütten: Zutritt verboten, du darfst die Thermosflasche reinreichen und Dir im Schnee Dein Trekkingfood zubereiten, dich an ein kleines Feuer hocken und anfangen zu frieren. Ich treffe Robert, den Organisator, er lacht mich an und sagt: „Das ist der Yukon hier.“ Und ich denke: „Scheiße, ist das hart. Scheiße ist das kalt.“

Also schnell weiter laufen. Um Mitternacht beschließen wir zu biwakieren. Zelt aufbauen, Matten aufblasen, Schlafsack raus, wir rein. Das ist alles kein wirklicher Spaß und trotz Training fällt uns alles schwer. Im riesigen Schlafsack will es einfach nicht warm werden – draußen sind es -41° C.

Nach vier Stunden vergeblicher Schlafversuche geht es weiter. Jetzt ist es kuschelig im Schlafsack und draußen ist es immer noch so lausig kalt und dunkel. Alles muss jetzt schnell gehen. Pulka packen und zügig in Bewegung kommen. Nach zehn Minuten wird mir warm, ich beginne zu schwitzen und mir fallen Stewarts Worte ein: „If you begin to sweat, you can´t ignore that.“ Also Schlittengurt abnehmen, Jacke aus, verstauen und weiter.

Um 7 Uhr wird es langsam hell, um 8 Uhr müssen wir etwas essen. Die Benzinkocher ausgepackt und angeworfen. Eine mühselige und stinkige Prozedur, Schnee schmelzen wird noch mühseliger und das Warten, bis das Travellunch fertig ist, lässt die Füße immer kälter werden.

Essen reinschaufeln – das tut gut. Es kommt uns wie der pure Luxus vor. Das Spiel beginnt von Neuem: Alles einpacken, schnell raus aus der Expeditionsjacke. Wow, ist das wieder kalt, und weiter geht es, nach wenigen Minuten laufen wird es wärmer.

Meine neuen Schuhe quälen mich immer mehr. Klar, weiß doch jeder Läufer: Niemals mit neuen Schuhen einen Wettkampf laufen. Aber was blieb mir übrig? Meine Laufschuhe waren zu klein und nicht ausreichend isoliert. Und außerdem nur drei Nummern größer als die Füße. Jetzt habe ich Wanderstiefel, fünf Nummern größer, Winterproof, Waterproof. Meine Füße sind warm, aber der Schaft bereitet mir bei jedem Schritt Schmerzen. „You can´t ignore that.“ Also wieder anhalten. Der Kabelbinder kommt zum Einsatz. Mist, der bricht bei den Temperaturen einfach durch. Nach diversen Versuchen klappt die Notlösung. Dann schmerzt die andere Seite.

Ungeplant.

Wir sind auf dem Weg zu Kontrollpunkt 2 und haben heute ca. 50 km vor uns. Wir haben uns ziemlich weit hinten eingeordnet. Die beiden Läufer neben uns haben seit zwölf Stunden nichts getrunken, weil die Trinkblasen komplett eingefroren sind und sie keine Lust auf Schnee Schmelzen haben. Nach 14 Stunden und einigen knackigen Anstiegen erreichen wir Dog Grave Lake. 500 m vorher teilt Magda mir mit, dass sie starke Schmerzen hat, eine Blasenentzündung, und dass sie aufgeben muss. Sie liegt im Erste-Hilfe-Zelt und ist todunglücklich. Sie wird mit einem Ski-Doo evakuiert. Ich sitze draußen am Feuer, esse meinen Tütenfraß, baue das Zelt auf und bin irgendwie nicht ganz bei mir.

Nach einer erneut sehr kalten Nacht und fünf Stunden Schlaf geht es 56 km weiter nach Braeburn, dem 100 Meilen Ziel. Ich muss die Schuhe wechseln, denn meine neuen bringen mich um.

Nach 5 km treffe ich auf Gillian. Sie liegt im Schnee, ist völlig erschöpft. Ich spreche Sie an. Sie ist müde und hungrig. Sie lehnt meine Hilfe ab und schleppt sich weiter. 10 km weiter treffe ich Glen und Spencer auf den Ski-Doos. Wie immer halten Sie an und fragen, wie es Dir geht, ob Du warme Hände hast. Mit mir ist alles ok, aber ich schicke Sie zu Gillian.

Den ganzen Tag habe ich überlegt, ob ich nun weiter mache oder abbrechen soll ohne meinen Teampartner. So war das nicht geplant. Ich wusste, Magda will, dass ich weiter mache und es versuche. In Braeburn endlich das erste Mal wieder richtig aufwärmen. Ich warte auf den legendären Riesen-Burger und schaue derweil auf die Tafel an der Wand: Hugh Neff, Ankunft 100 Meilen nach 11 h – mit 14 Hunden. Matt, ein anderer Starter, kommt in den warmen Raum und wird gleich von den Ärzten unter Protest aussortiert: ernster Frostbite an den Händen.

Ich sortiere meine Ausrüstung und trenne mich von Dingen, die nicht funktionieren. Meine Wurst- und Käsehappen sind nicht zu gebrauchen, weil Sie zu riesigen Klumpen gefrieren, die ich nicht im Handschuh antauen kann. Also weg damit. Gut, dass eine Säge zur Pflichtausrüstung gehört. Ich säge von jedem Schuh den halben Stiefelschaft ab in der Hoffnung, dass das die Probleme beseitigt, und genieße dann das warme Bett.

Routine.

Ich schlafe sechs Stunden und bekomme morgens ein riesiges Omelette. Ich treffe Robert wieder und frage nach der nächsten Cut-Off-Zeit: Carmacks in 44 h. Ich mache mich sofort auf den Weg. Anpassungsschwierigkeiten, Schuhe, Magdas Ausfall. Das alles hat viel Zeit gekostet. Ich bin zu langsam unterwegs. Heute sind es 71 km nach Ken Lake. Ich muss traben, viele Seen, überwältigende Landschaft, Hunger – „You can´t ignore that.“ – Riegel reinstopfen, jede halbe Stunde Trinken, Anziehen, Ausziehen, zu warm, zu kalt, sechs Paar Handschuhe rotieren, ohne permanenten Einsatz der Heatpads geht es nicht. Nach 13 h komme ich in Ken Lake an.

Das winzige Zelt ist voller Leute und 100 Klamotten hängen überall zum Trocknen rum. Es gibt zwei Scheiben Brot, eine heiße Suppe und eine Orange. Ich liebe all diese warmherzigen Volunteers, die sich liebevoll um uns kümmern.

Nach der Suppe muss ich eine Stunde meine Füße versorgen. Riesige Blasen müssen aufgestochen und getrocknet werden. Die Füße sehen aus wie nach 100 h Badewanne – ist halt kein Wüstenklima hier.

Ich schlafe draußen vier Stunden  – ohne Zelt. Mit Zelt ist es genauso kalt, aber ich spare mir das Auf- und Abbauen. Aufstehen, Essen, Füße tapen und los geht es. 56 km nach Carmacks. Ich muss mich beeilen und renne los. Vier Stunden vor Cut Off erreiche ich Carmacks und wir werden dort in einer Turnhalle herzlich empfangen und versorgt. Ich bin zu schlapp für die Dusche.

Ich schaue in den Spiegel und sehe 20 Jahre älter aus. Ich muss mir das Gesicht tapen, damit die Tränensäcke nicht einfrieren. Ich überlege, ob ich nach 300 Meilen nicht besser aufhören soll. 6 Stunden Schlaf.

Auf nach McCabe – 63 km. Bergauf, bergab. Ein weißes Wintermärchen. Yukon Crossing. Gefrorenes Packeis, anstrengend mit der 30 kg Pulka, die ständig zieht und schiebt. Und dieses blöde McCabe kommt und kommt nicht. Kein Schild, kein Hinweis, keine Ahnung wie weit es noch ist. Da hat Jemand einen Hinweis in den Schnee geschrieben: McCabe 8 km. Ach Du Kacke, denke ich, dass sind ja nochmal 1,5 bis 2 Stunden. Ich renne und komme erschöpft in einer kleinen Garage an. 5 Leute schlafen, einige essen, manche kommen, manche gehen. Essen, Fußpflege, Pennen. Weiter.

Pelly Crossing will nicht kommen. Der Zeitdruck ist etwas gewichen. Ein Schwarzbär taucht vor mir auf und passiert in 50 Metern Entfernung meinen Weg. Nein, es war keine Halluzination und kein Wolf und kein Hase. Der Brocken war größer als ich und ich konnte ihn auf freier Lichtung lange genug sehen. Da kommt mir etwas später jemand entgegengerannt. Meine Magda! Wir lassen ein paar Freudentränen auf unserer Haut gefrieren. Sie hat sich mit Antibiotika erholt und ist nun Helferin. Sie erzählt mir, wie viele Läufer schon ausgeschieden sind und Marcelo gibt gerade auf, weil er als letzter Läufer immer wieder ein paar Wölfe hinter sich entdeckt.

Magda begleitet mich am nächsten Morgen nach Pelly Farm. Die 53 km fallen mir sehr schwer. Es gab 15 cm Neuschnee, wodurch sich die Pulka viel schwerer zieht und dann hat da irgendein Blödmann gewaltige Hügel in den Weg gestellt. Erschöpfung, Schlafmangel und Hunger sind nun meine ständigen Begleiter. Schlecht gelaunt sehe ich das Schild: „You made it“ und fluche, dass diese Farm wahrscheinlich 15 Mio. Hektar groß ist. Ich sollte Recht behalten. Gefühlte 3 km später kommen wir endlich am Eingang der uralten Farm an und die Herzlichkeit der Familie, der warme Tee und die fantastische Bison-Lasagne bereiten mir schnell gute Laune. Acht Stunden Pflichtpause! Freude. Warmes Bett, morgens frische Pancakes und zum Abschied ein Sandwich. Schön, dass es solche Menschen wie Sue und ihre Familie gibt.

Beißen.

Nun wird es nochmal hart. Ja, jetzt will ich das Ding finishen, aber: bis Scroogie Creek sind es 110 km und danach kommt Dawson mit nochmal 160 km. Die längsten Etappen. Wie immer: Das Beste kommt zum Schluss. Scott, Jesse, Jon, Tom und ich bestreiten diese letzten 270 km gemeinsam, wobei plötzlich immer mal wieder einer von uns auf seiner Pulka liegt oder neben dem Trail, um noch ein paar Minuten oder Stunden Schlaf nachzuholen. Es geht einfach nicht anders. Die Augen fallen beim Laufen immer wieder zu und wir torkeln mehr als das wir laufen.

Wir laufen in zwei Etappen nach Scroogie, übernachten in der winzigen Hütte gemeinsam und machen uns auf nach Dawson. Statt meiner geplanten 60/60/40 km mit zwei Übernachtungen werden es in der Gruppendynamik zweimal 80 km mit einer Übernachtung und der Überquerung von zwei über 1000 Meter hohen Bergen. Insbesondere der King Solomon Dome mit 1300 m verlangt einem bei dem dreistündigen Anstieg noch einmal alles ab. Nun laufe ich den anderen hinterher, denn ich habe meinen Wecker nicht gehört und einfach mal 3 Stunden verschlafen. Egal, bei diesem Rennen ist tatsächlich Ankommen das Ziel und ich lache über den Spruch meines Laufkumpels: „Das Ziel ist das Ziel. Alles andere ist Esoterik.“

Nach den 18 Stunden nonstop Laufen vom Vortag bin ich fest entschlossen, an diesem Tag zu finishen und die letzten 80 km ebenfalls in einem Stück durchzulaufen.

Der Aufstieg zum King Solomon schafft mich. Als ich endlich oben angekommen bin habe ich eine fantastische Rundumsicht und ein wunderschöner Sonnenuntergang zaubert ein nie zuvor gesehenes Farbenmeer über den Horizont.

Es geht an den Abstieg. Dunkelheit und zunehmende Kälte setzen mir zu. Die letzten 15 km nach Dawson werden endlos, aber ein großartiges grünviolettes Farbenspiel am Himmel baut mich auf. Mein erstes Polarlicht. Großartig.

Magda kommt mir entgegen. Die Freude ist riesig. „Wie weit noch?“ frage ich. „ca. eine Stunde.“ Es werden zwei endlose Stunden und wie immer kurz vor dem Ziel, schaltet der Körper langsam ab und Erschöpfung wird das alles dominierende Gefühl.

Als Robert mir um 2 Uhr morgens die riesige und schöne Medaille umhängt und mich umarmt bin ich unendlich glücklich. Zusätzlich erhalte ich von den Volunteers die „Red Lantern“ für den letzten Finisher. Ein alter Brauch vom Yukon Quest und nie zuvor war ich so glücklich, Letzter geworden zu sein. 51 Starter haben sich auf den langen Distanzen versucht und nur 16 sind ins Ziel gekommen. Frostbite, Unterkühlung, Erschöpfung und Verletzungen haben das Läuferfeld sukzessive verkleinert.

Das war das härteste, kälteste und längste Rennen und das größte und schönste Abenteuer meines Lebens.

Magda hat mit dem Yukon eine Rechnung offen und will es in zwei Jahren erneut versuchen. Ich werde Sie begleiten – im Wohnmobil als Supporter. Ich habe 8 kg und viel Muskelmasse verloren. Knapp vier Wochen später fühle ich mich immer noch recht schlapp und brauche noch einige Wochen oder Monate Regeneration. Geheiratet wird übrigens trotzdem. Und die Flitterwochen möchten wir auf dem GR 20 auf Korsika verbringen.

Montane Yukon Arctic Ultra 2017 1080p – VIDEO 7 from Montane on Vimeo.

trekkingsandalen-titel

Zeigt her eure Füße – Trekkingsandalen, eine Kaufberatung

14. März 2017
Ausrüstung

Sandalen sind seit jeher sehr beliebt. Von den klassischen Jesus-Christus-Gedächtnislatschen bis hin zu modernen Outdoorsandalen gibt es am Markt zahlreiche Modelle, die in der warmen Jahreszeit für einen schlanken Fuß sorgen. Was aber unterscheidet nun eine Wandersandale von einer Outdoorsandale und wo lassen sich in diesem Ranking die Trekkingsandalen einordnen? Gibt es da grundlegende Unterschiede und wenn ja, wo?

Es gibt Modelle, die zwar optisch den Touch einer Outdoor- oder Trekkingsandale versprühen, aufgrund ihrer Konstruktion jedoch überwiegend für den urbanen Einsatz geeignet sind. Wieder andere Modelle sind auf den Einsatz beim Wassersport ausgelegt und bestechen beim Segeln oder Kanufahren. Generell fallen Sandalen dieser Art natürlich auch in die Kategorie der Outdoorsandalen, sollen aber bei dieser Betrachtung nicht näher mit einfließen. Um also ein wenig Licht in den Dschungel der Sandalen zu bringen, haben wir uns die Gattung der Trekkingsandalen herausgegriffen und wollen uns diese einmal näher ansehen.

Was also sind Trekkingsandalen genau?

Trekkingsandalen sind gerade an warmen Tagen eine gute Alternative zu Approach- und Leichtwanderschuhen. Sie überzeugen nicht nur durch einen angenehmen Tragekomfort, sondern sorgen auch für eine gute Trittsicherheit und Grip im Gelände. Gerade für ausgedehnte Spaziergänge oder kürzere Wanderungen an heißen Tagen sind sie somit bestens geeignet. Auch der Zustieg zu Sportkletterfelsen ist mit Trekkingsandalen meist problemlos zu bewältigen.

Doch nicht nur im heimischen Mittelgebirge können Trekkingsandalen punkten. Wer seinen Urlaub gerne in wärmeren Gefilden verbringt, ist mit einem paar Sandalen gut beraten. Je nach Art des Urlaubs und Aktivität können gute Trekkingsandalen gleich mehrere Arten von Schuhen ersetzen und somit das Gepäck erheblich verschlanken.

Was aber macht eine Sandale zur Trekkingsandale?

Trekkingsandalen sind in zahlreichen Terrains beheimatet. Dementsprechend unterschiedlich können die einzelnen Modelle aussehen. Generell zeichnen sich aber Trekkingsandalen durch ihre gute Geländegängigkeit aus. Hierzu verfügen sie über eine Sohle mit einem vergleichsweise groben Profil. Dieses sorgt auch bei anspruchsvollerem Gelände für einen guten Grip. Außerdem werden in der Regel besonders robuste Materialien verwendet. Gerade die Riemen sind bei Trekkingsandalen meist hohen Belastungen ausgesetzt und werden daher aus langlebigen synthetischen Materialien oder Leder gefertigt. Einige Modelle verfügen zusätzlich auch über einen Zehenschutz und eignen sich somit besonders gut für unwegsames Gelände.

Welche Art von Trekkingsandale sollte ich wählen?

Die Wahl der richtigen Sandale hängt immer auch davon ab, was man später damit machen möchte. Hierzu sollten folgende Fragen beantwortet werden:

  • Werde ich längere Strecken in der Sandale zurücklegen?
  • In welchem Terrain werde ich mich überwiegend mit den Sandalen bewegen?
  • Was ist mir wichtiger; Komfort oder Funktionalität?
  • Muss die Trekkingsandale auch wassertauglich sein?

Gerade wenn eine Trekkingsandale als Alternative zum Wanderschuh hergenommen werden soll, ist es wichtig, einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Funktionalität zu finden. So gibt es beispielsweise Sandalen, die den Füßen zwar maximale Freiheit, dafür aber nur eine dünne, feinfühlige Sohle bieten. Das andere Extrem stellen Sandalen mit Zehenschutz dar. Diese gleichen je nach Ausführung eher einem Halbschuh mit zahlreichen Lüftungsschlitzen und beeinträchtigen somit schon eher das „Frischluftgefühl“ an den Füßen. Der Vorteil ist aber, dass sie auch bei verblocktem Gelände oder gelegentlichen Stolperern für einen guten Schutz von Zehen und Fußrücken sorgen.

Sandalen bestehen meist aus Leder oder synthetischen Materialien, doch auch ein Materialmix kommt bei Herstellern wie beispielsweise Keen und Teva zum Einsatz. Die Sohlen sind in der Regel aus Gummi, bei manchen Modellen wurde ein Fußbett aus Leder verarbeitet. Was die jeweils optimalen Materialien sind, richtet sich auch hier stark nach dem Einsatzgebiet und den persönlichen Vorlieben. Leder bietet zumeist einen höheren Komfort. Gerade bei längeren Touren passen sich Lederriemen immer auch ein wenig der persönlichen Fußform an. Die Gefahr von Druck- und Scheuerstellen wird hierdurch vermindert.

Auch ein Fußbett aus Leder hat seine Vorteile. Hier ist an erster Stelle der Tragekomfort zu nennen. Gerade an heißen Tagen kann die Bildung von Schweißfüßen eher verhindert werden, was letztlich auch die Geruchsbildung mindert. Leder bringt aber auch Nachteile mit sich. Um die Langlebigkeit der Sandale sicherzustellen, sollte das Leder in regelmäßigen Abständen gepflegt werden. Auch sind Trekkingsandalen mit Leder meist nicht oder nur bedingt wassertauglich.

Wer also bei seinen Touren Bäche und Flüsse durchqueren will oder Sandalen für den Einsatz im Wassersport sucht, ist mit Modellen aus Gummi und Synthetik deutlich besser beraten. Sandalen aus synthetischen Materialien eigenen sich durch die Bank für den Einsatz im und am Wasser. Viele Materialien sind darüber hinaus schnelltrocknend, was letztendlich auch deren Pflege deutlich leichter gestaltet. Hier genügt es, ab und an grobe Verschmutzungen mittels Bürste oder lauwarmem Wasser zu entfernen. In der Waschmaschine haben alle Sandalen grundsätzlich jedoch nichts verloren. Hierdurch kann das Gummi der Sohle irreparabel beschädigt werden.

Worauf sollte ich beim Kauf von Trekkingsandalen achten?

Wie bei allen anderen Schuhen auch, ist es bei Trekkingsandalen wichtig, dass sie gut passen. Das mag jetzt wie eine Binsenweisheit klingen, ist es aber nicht. Problemzonen, die vielleicht bei anderen Schuhen noch ein wenig durch gepolsterte Socken kaschiert werden können, fallen bei Sandalen meist mehr ins Gewicht.

Gerade die Knöchel sind Punkte, an denen es schnell zu Scheuerstellen kommen kann. Aus diesem Grund ist es wichtig darauf zu achten, dass hier die Sandale gut sitzt. Drückt die Sandale bereits bei der ersten Anprobe, sollte sie auf keinen Fall in die engere Wahl miteinbezogen werden. Dies führt später nur zu Problemen. Generell lassen sich Sandalen durch ihre Riemen gut an die individuelle Fußform anpassen. Dabei darf man jedoch nicht außer Acht lassen, dass es hier gerade bei besonders breiten oder besonders schmalen Füßen Problemen geben kann. Gerade für Frauen mit zierlichen Füßen können daher Damenmodelle interessant sein.

Ein weiterer Punkt ist die richtige Größe der Sandalen. Diese sollten keinesfalls zu klein sein. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, offene Sandalen eine halbe Nummer größer zu kaufen. Generell ist es bei Sandalen ohne Zehenschutz wichtig, dass die Sohle ein kleines Stück länger als der Fuß ist. Der Grund hierfür liegt darin, dass der Fuß bei Strecken die bergab führen in der Sandale nach vorne rutscht. Ist die Sohle in diesem Fall nicht lang genug, gleiten die Zehen nach vorne aus der Sandale. Dies verhindert nicht nur ein angenehmes Gehen, sondern erhöht auch die Verletzungsgefahr.

Trekkingsandalen für Kinder, darauf kommt’s an

Was bringen die schönsten Trekkingsandalen für Kinder, wenn sie nach dem Kauf nur unter Protest oder erst gar nicht getragen werden. Was also macht eine gute Sandale für Kinder aus?

Neben einer guten Passform und Funktionalität, kommt es bei Kindern stark darauf an, dass die Sandalen optisch gefallen. Nahezu alle namhaften Hersteller bieten hierzu kindgerechte Farben und Modelle an. Das Wichtigste jedoch ist, dass die Kid’s mit ihren Sandalen auch umgehen können. Gerade bei kleineren Kindern ist es daher wichtig, das Aus- und Anziehen bereits bei der Anprobe zu testen. Kommen Kinder mit dem Handling eines Modells nicht klar, sollten diese Sandalen auch nicht in die engere Wahl genommen werden.

Ach ja, Kinder sind längst noch keine kleinen Erwachsenen, sodass spezielle Kinder- und Jugendmodelle auch bei Sandalen durchaus Sinn ergeben. Gerade Mädchen haben, bei gleicher Schuhgröße, zumeist einen deutlich schmaleren Fuß als ausgewachsene Frauen. Um hier Problemen bei der Passform entgegenzuwirken, empfiehlt es sich auf kindgerechte Modelle zurückzugreifen. Auch sind die Dämpfungseigenschaften von Kindersandalen auf ein geringeres Personengewicht ausgelegt. Tragen nun vergleichsweise leichte Kinder Sandalen, die für deutlich schwerere, ausgewachsene Personen konzipiert wurden, ist die Dämpfung schlichtweg zu hart. Dies wirkt sich zumeist erheblich auf den Gehkomfort aus und kann bis zu ungewollten Ermüdungserscheinungen führen.

Fazit

Auch im Bereich der Trekkingsandalen gibt es einige Punkte, die man vor einem Kauf beachten sollte. Hersteller wie Teva, Keen oder Source bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen. Je nach Anwendungsgebiet kommen diverse Materialien zum Einsatz. Welcher Materialmix beziehungsweise welches Modell jeweils geeignet ist, hängt dabei stark von den persönlichen Bedürfnissen sowie der bevorzugten Geländebeschaffenheit ab.

Wer sich also zu seinen neuen Sandalen ein paar Gedanken macht und für die Anprobe etwas Zeit mitbringt, der kann beschwingten Fußes in die Freiluftsaison starten. In diesem Sinne: Socken runter! Und zeigt her eure Füße!

HW-111215-halle-tivoli-mamm

Werde Mammut Local Hero!

10. März 2017
Die Bergfreunde

Ab an die Wand und klettern bis die Arme blau sind? Wenn Deine Lieblingsbeschäftigung etwa genau so aussieht, dann solltest Du Dir folgenden Zeilen aufmerksam durchlesen, denn wir suchen zwei echte Boulder-Helden: Die Mammut Local Heroes! Wie das aussieht, was für Dich drin ist und was du dafür tun musst wollen wir Dir gerne erklären:

Zusammen mit Mammut suchen wir zwei leidenschaftliche Boulderer, die ihr Hobby lieben, Chalk in den Adern haben und am liebsten raue Klettergriffe unter den Fingern spüren. Als Mammut Local Hero wirst Du mit der brandneuen Boulder-Kollektion ausgestattet und kannst Dich auf ein Athletentraining am 13.05.2017 mit dem Mammut Pro-Athleten Jan Hojer freuen. Außerdem schicken wir Dich am 15. Juli ins schöne Frankenland zum Bouldercup Frankenjura, wo ein Freistart sowie ein VIP-Paket inkl. Übernachtung und Verpflegung winken. Direkt vor dem Wettkampfstart könnt ihr euch zudem noch Tipps und Tricks von Juror Guido Köstermeyer abholen.

Zeig’s uns!

Jetzt fragst Du Dich sicher, was genau Du dafür tun musst? Zu allererst: Du musst nur Du selbst sein! In einem regelmäßigen Videotagebuch erzählst Du von Dir und Deinem Training und von dem, was Du am Fels und in der Halle erlebst. Damit Du dafür gerüstet bist, stellen wir Dir für den Aktionszeitraum eine GoPro-Kamera zur Verfügung, mit der Du deine Abenteuer optimal festhalten kannst. Ganz konkret heißt das:

  • Nach der Bewerbungsphase präsentieren wir Dich in den sozialen Medien sowie auf unserem Blog als Mammut Local Hero!
  • Während des Aktionszeitraums erscheint monatlich ein Videotagebuch – du filmst, den Schnitt übernehmen wir. Natürlich in Abstimmung mit dir!
  • Wir begleiten Dich mit der Kamera beim Athleten-Training und beim Bouldercup Frankenjura.

Wie Du Dich bewerben kannst…

Erzähle uns einfach, warum gerade Du ein Local Hero bist und wie sehr Du Dein Hobby, das Bouldern, liebst. Warum reizt Dich die Teilnahme am Bouldercup Frankenjura? (Und jetzt kommt uns nicht mit altfränkischem Bauernbier als Begründung!) Natürlich würden wir auch gerne sehen, wer sich bewirbt. Daher freuen wir uns auf aussagekräftige Bilder von Dir – am besten natürlich beim Bouldern! Und wenn Du auch noch ein paar kurze Videoschnipsel von Dir am Start hast – umso besser!

Zum Formular geht es hier entlang – wir freuen uns auf deine Bewerbung!


Mammut Local Heroes

Die richtige Outdoor-Ausrüstung für Kinder

Die richtige Outdoorbekleidung für Kinder

9. März 2017
Ausrüstung

Als Familie draußen zu sein, ist einfach herrlich. Es ist gesund und die meisten Abenteuer an der frischen Luft schweißen die Familie zusammen. Vorausgesetzt, es gibt keine Quengelei über nicht passendes Schuhwerk, undichte Regenjacken oder unbequeme Hosen. Die Basis jeder gelungenen Outdoor Unternehmung ist die richtige Ausrüstung, damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt.
Jetzt im Frühling findet meist ein Wechsel in den Kleiderschränken statt und neue Ausrüstung muss angeschafft oder umsortiert werden.

Besonders bei den kleinen Abenteurern gibt es einiges zu beachten. Manch einer ist durch den Waldkindergarten schon vorgeprägt und ordentlich ausgerüstet. Einsteigern und frisch gebackenen Eltern sei gesagt, dass man sich in jedem Jahr wieder neu mit der Ausrüstung beschäftigen wird, weil die alte wahrscheinlich zu klein geworden ist. Dabei gibt es dann auch jährlich neue Entwicklungen, tolle Materialien, Formen, Farben und Muster. Einige Grundregeln bei der Auswahl der richtigen Kinder Outdoor Ausrüstung möchte ich somit in diesem Beitrag erläutern.

Zu mindestens drei Jahreszeiten ist das altbewährte Zwiebelschalenprinzip das Allerbeste. Warum? Gerade Kinder sind bei Aktivitäten an der frischen Luft mal durch und durch erwärmt, sie haben sich viel bewegt – oder kühlen während der Pausen, gerade in den frühen Abendstunden, relativ schnell aus. Deshalb lässt sich mit verschiedenen Schichten angemessen auf bestimmte Aktivitäten und Wetterlagen reagieren.

Der Baselayer für die Kleinen

Die Schicht, die direkt auf der nackten Kinderhaut liegt, sollte besonders weich und angenehm sein. Hier ist es wichtig, dass die Nähte nicht kratzen und stören, sondern schön flach gearbeitet sind. Natürliche Materialien sind hier meist die Besten, da sie gut auf Temperaturschwankungen reagieren können. Vor allem Wollmischgewebe (Merino und Co) seien hier erwähnt.

Sind Kunstfasern mit beigemischt, trägt dies meist dazu bei, dass die Kleidungsstücke leicht und dehnbar werden. Zur Funktionsbekleidung in der kühlen Jahreszeit gehört beispielsweise ein Longsleeve und eine lange Unterhose aus einem Materialmix mit Merinowolle. Diese kann die Körperfeuchtigkeit bei hoher Aktivität nach außen leiten und die Wärme gut speichern, wenn es draußen mal etwas kühler wird. Das heißt, die Atmungsaktivität steht hier an vorderster Stelle. So können kurzärmelige T-Shirts aus Merinowolle im Sommer wie Winter in verschiedenen Stärken getragen werden. Für die Basisschicht sind somit die folgenden drei Fragen wichtig:

  • Aus welchem Material ist die Schicht, die die Kinder direkt auf der Haut tragen?
  • Wie ist das Material besonders an den Nähten verarbeitet?
  • Schützt das Material auch vor UV-Strahlung im Sommer?

Die zweite Schicht

Je nach Jahreszeit kann die zweite Schicht etwas dünner oder dicker ausfallen. Viele Kids fühlen sich mit einer kuschligen Kapuzenjacke oder einem leichten Pullover pudelwohl. Auch hier soll die Atmungsaktivität natürlich nicht enden. Es gibt Oberteile mit einem Gemisch aus Merinowolle und Polyester, die Feuchtigkeit gut transportieren. Da Hoodies nicht nur gut aussehen, sondern auch schön funktional sein können, sollte man zusätzlich auf die Passform der Kapuze achten. Kinder lieben es, sich in eine Kapuze hinein zu kuscheln. Wenn man diese noch dazu gut an den Kopf anpassen kann, sind die Kleinen bestens vor Wind und Wetter geschützt. In den wärmeren Monaten kann die Kapuzenjacke dann auch schon die finale Außenhaut darstellen. Dazu ist es besonders vorteilhaft, wenn das Material winddicht und wasserabweisend ist. Hier steht man einzig vor der Herausforderung, einen vernünftigen Kompromiss zwischen Funktion und Gewicht zu finden. Die Ausrüstungsteile der Kleinen sollten natürlich immer schön leicht bleiben und viel Bewegungsfreiheit ermöglichen.

Für Bewegungsfreiheit am Oberkörper sind auch Woll- oder Daunenwesten eine tolle Ergänzung. Der Rumpf der Kinder wird schön gewärmt, ohne dass die Beweglichkeit der Arme dabei behindert wird.

Nicht zu unterschätzen ist in der kälteren Jahreszeit zudem der sogenannte Windchill Faktor. Durch Aktivitäten wie Fahrrad- oder Schlittenfahren wird die gefühlte Temperatur durch den Wind je nach Geschwindigkeit viel kälter wahrgenommen als sie ohne Bewegung wäre. Für solche Aktivitäten ist es von Vorteil, wenn die Kleidung winddicht ist. Zwei Fragen stehen damit im Fokus der zweiten Schicht:

  • Aus welchem Material ist die zweite Schicht hergestellt?
  • Gibt es weitere Eigenschaften wie eine Kapuze, die den Funktionsumfang der zweiten Schicht erweitern? (Wind-, Wasserdicht, Sonnenschutz)

Die dritte Schicht für Schmuddelwetter

Wenn es Draußen richtig ungemütlich wird, kommen auch kleine Helden nicht um eine wind- und wasserdichte bzw. stark wind- und wasserabweisende Außenjacke herum. Denn eins ist klar: ist man einmal durchnässt, macht selbst das aufregendste Outdoor-Abenteuer keinen Spaß mehr. Außerdem kühlen die kleinen Körper noch schneller aus und das Risiko für eine ausgewachsene Erkältung steigt erheblich.

Daher macht es Sinn, auch für den Notfall gerüstet zu sein und eine Hardshell- bzw. Regenjacke im Gepäck zu haben. Dabei kann man an sich nicht so viel falsch machen. Vom alltagstauglichen Modell für den Weg zu Schule bis hin zur Regenjacke für die Berge gibt es auch für Kinder eine große Auswahl. Fast allen gemein sind ihre reflektierenden Elemente. Das ist vor allem immer dann hilfreich, wenn die Jacken für den Schulweg genutzt werden. Definitiv ein Gewinn für die Sicherheit. Ein besonderes Augenmerk sollte zusätzlich auf der Passform liegen. Da Hardshelljacken, wie der Name schon verrät, nicht sonderlich stretchig sind, sollte die Jacke gut sitzen, damit die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt wird. Wieder sind es drei Fragen, die uns interessieren:

  • Ist die Jacke wind- und wasserdicht?
  • Hat sie eine Kapuze?
  • Sind reflektierende Elemente vorhanden?

Outdoorhosen

Nicht jede Kinderhose ist auch eine Outdoorhose für Kinder. Obwohl sie es eigentlich sein sollte, damit die Kinder gut geschützt und komfortabel die Natur entdecken können. Eine Hose soll vorrangig schützen und bequem sein. Deshalb ist es bei Outdoorhosen für Kinder besonders ratsam, zunächst auf den Schnitt zu schauen. Ist sie bequem genug und lässt sich der Hosenbund am besten ohne Gürtel so eng stellen, dass die Hose nicht rutscht? Sind die Knie eventuell vorgeformt, so dass die Hose beim Klettern oder Herumtollen nicht einengt?

Eine Verstärkung an Gesäß und Knien ist oft sehr wertvoll, wenn die Kleinen auch mal über Felsen klettern, einen Berg hinunterrutschen oder auf Baumstämmen umherreiten. Außerdem finden sich bei Ausflügen tausend kleine Dinge, die unbedingt gesammelt werden müssen. Dazu ist es wunderbar, viele kleine Taschen an der Hose zu haben.

Ebenso kann es nie schaden, eine leichte Regenhose zum Drüberziehen dabei zu haben – oder, gerade in der Übergangszeit, diese von Anfang an mit anzuziehen. Auch hier steht wieder die Atmungsaktivität im Zentrum des Interesses.

Jede noch so funktionale Hose bringt schließlich nichts, wenn die Kinder sie nicht gerne anziehen. Somit ist das Aussehen, wie bei fast allen Ausrüstungsgegenständen, auch bei den Hosen nicht ganz unwichtig.

  • Sitzen die Hosen locker genug und rutscht der Hosenbund nicht?
  • Ist die Hose an wichtigen Stellen verstärkt?
  • Ist sie wasserabweisend, mückendicht oder schützt sie vor Sonne?

Outdoorschuhe

Draußen unterwegs zu sein, bedeutet aktiv die Natur wahrzunehmen, alle Sinne wachzurütteln und zu spüren. Bei Bewegung aller Art spielen die Füße eine zentrale Rolle. Kinderfüße wachsen noch und benötigen deshalb besondere Beachtung. Viele Kinder sind oft draußen unterwegs und haben gesunde Muskeln, Sehnen und Knochen, die alle Funktionen übernehmen. Damit das auch so bleibt und das Wachstum der Füße nicht beeinträchtigt wird, sollte man bei der Schuhauswahl einige Kriterien beachten.

Selbstverständlich sollte genügend Platz im Schuh zum Abrollen vorhanden sein. Die meisten Kinderschuhe werden heutzutage leider zu klein und zu eng gekauft. Kinder laufen nicht immer nur auf den ausgewiesenen breiten Wanderwegen, sondern kraxeln auch gerne mal über Stock und Stein. Für unebenes Gelände sind knöchelhohe Schuhe empfehlenswert. Dabei soll die Sohle flexibel genug sein, damit der Fuß abrollen kann, aber auch noch stabil und profiliert genug, dass sicherer Halt geboten wird und keine spitzen Steine durch die Sohle pieken.

Manchmal stellt man sich die Frage, ob die Kids nicht besser den ganzen Tag mit Gummistiefeln herumlaufen könnten. Oder einfacher gesagt, eigentlich kann es in jeder Jahreszeit Pfützen geben. Membranen im Material machen die Outdoorschuhe wasserdicht. Es macht einfach zu viel Spaß in den Pfützen herumzuspringen, als dass man die Kinder davon abhalten möchte. Die Membranen sorgen neben der Wasserdichtigkeit auch für Atmungsaktivität. Denn auch, oder vielleicht besonders Kinderfüße schwitzen bei Aktivitäten.

Im Winter kommt hinzu, dass das Schuhwerk der Kleinen gegen Kälte schützen soll. Gefütterte Stiefel müssen besonders atmungsaktiv sein. Der Thermoinnenschuh sollte am besten zum Herausnehmen sein, damit man ihn nach dem Toben im Schnee einzeln trocknen kann und jede Restfeuchtigkeit entweichen kann. Denn beim erneuten Aufenthalt in der Kälte ist es die Feuchtigkeit im Schuh, die gefriert und kalte Zehen macht.

Sollte man sich bei Schuhen für den Übergang über die Isolierung nicht so sicher sein, kann man die Größe der Schuhe auf jeden Fall so wählen, dass sie auch mit zwei Paar Strümpfen oder ganz dicken Wollsocken noch gut passen.

  • Passt der Schuh richtig? (Zehen-Druckprobe im Schuhladen und ein Probelaufen vor Ort). Vor längeren Wanderungen sollten die Schuhe bei kürzeren Spaziergängen ausprobiert werden.
  • Ist der Schuh für das Gelände geeignet?
  • In welcher Jahreszeit oder in welcher Wettersituation soll der Schuh genutzt werden?

Barfuß laufen

Kinder sollten möglichst viel barfuß laufen. Für die Entwicklung der Fußmuskulatur, der Sehnen und Knochen ist es durchaus förderlich, bei geeigneten Temperaturen draußen barfuß zu laufen. Das stimuliert die Nervenenden in der Fußsohle und massiert gleichzeitig die Füße.

Dort wo das nicht möglich ist, können zum Beispiel Barfußschuhe mit extrem dünner Sohle getragen werden, so dass der natürliche Abfedermechanismus des Körpers greift. Solche dünnen Sohlen schützen an den wichtigen Stellen und sind manchmal einer Fuchspfote nachempfunden.

Und in den Schuhen?

Damit die Luft ordentlich zirkulieren kann, dürfen die Schuhe nicht zu eng sein. Wo wir als Erwachsene auf funktionelle Fasern achten, sollten wir bei den Kleinen nicht sparen. Auch für Kinder gibt es dünnere oder dickere Socken aus Fasergemischen mit Merinowolle. Diese ist meist schön kuschlig weich und transportiert auf jeden Fall die Feuchtigkeit weg von der Haut, so dass der Fuß schön trocken bleibt.

Weiterhin gibt es verschiedene Einlegesohlen, zum Beispiel mit Schafswolle, falls es mal in den richtig tiefen Winter geht. Solche Einlagen sind auch für ganz kleine Kinder geeignet, die sich noch nicht so viel bewegen. Weiterhin gibt es allerlei Aktivitäten wie Eisangeln oder Hundeschlittentouren, wo man die Natur draußen genießt, sich aber nicht so viel bewegt und wo sich gefütterte Einlagen durchweg anbieten.

Das kostet ja ein Vermögen!

Wenn man sich als Eltern jetzt fragt, wie viel Geld man für die richtige Outdoorausrüstung denn ausgeben muss, sollte man folgendes bedenken: Gut verarbeitete Kleidung aus einem robusten Material hält wahrscheinlich für mehrere Kindergenerationen. Den hochwertigen Materialien haben wir es zu verdanken, dass man sie ohne Bedenken waschen kann, ohne dass sie ihre Funktion verlieren. Außerdem sind die Jacken und Hosen vieler Hersteller verlängerbar. Im Futter oder Saum verstecken sind oft noch einige Zentimeter an Arm- und Beinlänge, die man herauslassen kann.

So passen die Kleidungsstücke noch eine Saison länger. Wenn kein Geschwisterkind zum Weitergeben der Ausrüstung mehr da ist, haben auch getragene Ausrüstungsteile einen guten Wiederverkaufspreis, da sie aufgrund der hohen Qualität noch nicht so verschlissen sind und ihre Funktionalität behalten. Selbst bei Schuhen kann man auf gebrauchte Modelle zurückgreifen, sollte nur darauf achten, dass sie nicht einseitig abgelaufen sind.

Nachhaltigkeit

Wenn man nicht andauernd neue Dinge kauft, ist man gleichzeitig umweltbewusster und nachhaltiger unterwegs. Vielerorts gibt es Reparaturwerkstätten, die sich auf Outdoorkleidung spezialisiert haben und diese wieder bis zu ihrer vollen Funktionalität reparieren können. Dies lohnt sich auch bei Kindersachen.

Wenn man weiterhin schauen möchte, wie nachhaltig bestimmte Ausrüstungsteile sind, sollte man sein Augenmerk auf die Materialzusammensetzung und Herstellungsbedingungen legen. Genauso wichtig ist es zu wissen, ob das Material recycelt werden kann oder für Jahrzehnte als Plastikmüll vor sich hin verrottet.

Wie bei der Ausrüstung für uns selbst, ist es auch und gerade bei Kindersachen wichtig zu schauen, dass keine Gifte aus den Materialien ausdünsten, die die Gesundheit der Kleinen gefährden würden. Dafür gibt es wiederum besondere Richtlinien, die sich die Hersteller selbst auferlegen und solche, die die EU herausgibt. Letztlich können giftige Chemikalien nicht nur umweltschädlich sein, sondern womöglich auch unsere Gesundheit negativ beeinflussen. Wer also bewusst und nachhaltig konsumieren möchte und seinen Kindern hochwertige Ausrüstung für das Leben draußen in der Natur zur Verfügung stellen möchte, der sollte auf eine ganze Reihe an Dingen achten.

Gleichzeitig werden alle bekannten Marken und Materialien immer fortschrittlicher, was deren Funktionalität sowie die Herstellung von umweltfreundlichen Produkten angeht. Ganz zuletzt sei schließlich angemerkt, dass weder wir, noch unsere Kinder aus Zucker sind. Es kann also auch mal durch und durch erfrischend sein, bis auf die Haut nass geregnet zu werden, um sich zu Hause anschließend eine heiße Dusche und einen leckeren Tee zu gönnen. Das Immunsystem wird’s einem auf lange Sicht mit Sicherheit danken!

Bergfreunde Gear Tipp! (c) bergfreunde.de

Gear-Tipp: Black Diamond Vapor Helmet

7. März 2017
Gear-Tipp!

Wenn Bergfreund Philip im frischen Neuschnee seine Bahnen zieht, dann gehört der Helm ebenso dazu, wie ein LVS-Gerät und die Lawinenschaufel. Sicherheit geht vor – und das zählt am Berg genauso, wie im Straßenverkehr oder auf dem Mountainbike. Warum er sich dabei auf den Black Diamond Vapor Helm verlässt, erfahrt ihr in seinem Gear-Tipp:

Vorgedanken

Seit geraumer Zeit hat sich im Skisport ein Trend durchgesetzt. Eigentlich ist es traurig, dass man in diesem Zusammenhang überhaupt von einem Trend sprechen muss, denn dieser Trend nennt sich Helm und sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Nicht zuletzt auf Grund namhafter Unfälle im freizeitmäßigen Skifahren, wie die Beispiele Althaus und Schuhmacher zeigen, tragen inzwischen rund 90% der Skifahrer auf Österreichs Pisten einen Helm. Vielfach wird gar über eine absolute Helmpflicht gesprochen und im Lift der Kopf über diejenigen geschüttelt, die noch ohne fahren.
Dabei frage ich mich, wann sich dieser Trend auf andere Bereiche des Lebens übertragen wird. Beim städtischen Fahrradfahren etwa oder beim Skitourengehen sieht man nahezu niemanden, der einen Helm zur Abfahrt trägt.

Mit der Zeit beschlich mich also mehr und mehr das Gefühl, dass ein Helm auch für mich hier sinnvoll ist und so machte ich mich auf die Suche. Da ich zur selben Zeit einen neuen und anständigen Kletterhelm benötigte, beschloss ich beides miteinander zu verbinden: Also einen neuen Kletterhelm zu suchen, den ich ebenfalls für meine Skitouren tragen konnte.

Die Wahl eines Kletterhelms fürs Skitourengehen hat verschiedene Vorteile:
Zum einen spart man eine Menge Gewicht, Geld und kann ihn gleich für beide Sportarten nutzen.

Während meiner Suche begegnete mir unterdessen immer häufiger der Vapor Helmet von Black Diamond.

Die Marke

Black Diamond ist ein Hersteller von Kletter- und Skiausrüstung aus Utah in den USA. In den USA bezeichnet sich das Unternehmen als führender Hersteller für Innovationen in diesem Bereich und ist in der Szene reichlich bekannt. Mit der Black Diamond Avalung gelang es ihnen beispielsweise, die große Alternative zum Lawinenairbag auf den Markt zu bringen.
Im Jahr 2010 wurde Black Diamond von Clarus Corporation übernommen, einem Ausrüstungs-Auftragnehmer des US-Militärs. Seit 2016 möchte Black Diamond seinen europäischen Hauptsitz aus der Schweiz nach Innsbruck verlegen.

Der Helm

Nach dem Kauf war ich zunächst einmal erstaunt, wie leicht der Helm bei gleichzeitig gutem Aussehen war. Ich hatte mir zusätzlich den Petzl Sirocco bestellt, der leider im Vergleich bei mir wirklich bescheuert auf dem Kopf saß, auch wenn er nochmal 30 Gramm leichter war. Da es mir bei der Wahl dieses Helmes sehr auf geringes Gewicht ankam, hatte ich mich in meiner Vorauswahl somit auf diese beiden Modelle beschränkt.

Allerdings hat die Leichtigkeit auch ihre Tücken, denn natürlich geht bei einem solchen Helm das geringere Gewicht auf den ersten Blick mit geringerer Sicherheit einher. Genauer hingeschaut wurde bei diesem Helm wirklich an jedem einzelnen Gramm gespart.
Um die nötige Sicherheit zum Klettern und für’s Skifahren dennoch zu gewährleisten, nutzt Black Diamond bei dem Vapor Helmet kleine Carbondrähte, die durch die Hartschale des Helmes gezogen sind, um ihm, bei gleichzeitig sehr dünner innerer Schaumschale, mehr Stabilität zu verleihen. Neben der Leichtigkeit fiel mir besonders positiv auf, dass der Vapor Helmet am Hinterkopf vergleichsweise tief runter gezogen ist, was einen verbesserten Schutz im Nackenbereich bietet.

Der Umstand, dass Black Diamond was das Gewicht betrifft, an der Grenze des Möglichen kratzt, zeigt sich auch in dem Fakt, dass der Helm nur der CE Norm entspricht. Die UIAA hat diesem Helm nicht Ihre Normkennzeichnung verliehen, da er die nötigen Schutzstandards nicht erfüllt. Allerdings sind diese höher angesetzt, als die der CE Norm – und lediglich die Letztere ist für den Verkauf als Kletterhelm in Europa erforderlich.

Da die CE Norm schließlich vollkommen ausreichend ist, überwog bei mir unter dem Strich ein sehr positiver Gesamteindruck.

Der Praxistest

Bisher hatte ich die Möglichkeit, den Helm auf einer Skitour und einem Kletterausflug auszuprobieren. Wie bereits oben erwähnt, ist der Helm ziemlich dünn und man kann ihn nicht, wie andere Helme, achtlos in den Rucksack stopfen. Darauf gilt es in der Praxis zu achten.

Sofern man bereit ist diesen Umstand zu akzeptieren, erhält man einen Helm, der sehr angenehm sitzt, den man kaum auf dem Kopf spürt und der hervorragend belüftet ist. Selbst auf einer Frühlingsskitour Anfang April ist mir darunter nicht zu warm geworden und ich hätte nahezu vergessen, dass ich ihn auf dem Kopf trage.
Das Verstell-System ist, im Anbetracht des geringen Gewichts, hervorragend gelungen. Angelehnt an das Drehrädchen-System, kann man die zwei kleinen Ratschennasen schnell und leicht verstellen – der Helm sitzt angenehm fest auf dem Kopf.

Darüber hinaus kann man nicht häufig genug betonen, dass dieser Helm im Gegensatz zu vergleichbaren Produkten immer noch ziemlich gut aussieht. Bei den meisten anderen Helmen hat man häufig das Gefühl, sich irgendeine unförmige Haube auf den Kopf zu setzen – nicht so beim Vapor Helmet, wenngleich Schönheit natürlich stets im Auge des Betrachters liegt.

Fazit

Wer einen Helm sucht, der seinem Kopf in allen nur erdenklichen Fällen das absolute Maximum an Sicherheit bietet, der ist mit dem Vapor Helmet falsch beraten, auch wenn ich persönlich der Meinung bin, dass die CE Norm an dieser Stelle völlig ausreichend ist.

Wer aber einen Helm sucht, der unglaublich leicht ist, der gut aussieht, da er flach am Kopf sitzt, und der einen hervorragenden Kompromiss zwischen Sicherheit und Gewicht bietet, der liegt mit dem Vapor Helmet goldrichtig.

Du möchtest auch Deinen Ausrüstungsfavoriten hier vorstellen? Wir belohnen Dein Engagement mit 25 €!

Du hast Deinen persönlichen Gear-Tipp und Lust, diesen mit einem kleinen Beitrag & Foto von Dir hier im Basislager zu veröffentlichen? Hier Deinen Vorschlag einreichen

Kaufberatung Klettergriffe

Zieh dir mal die Finger lang – Kaufberatung Klettergriffe

3. März 2017
Kaufberatung

Jeder der schon einmal in einer Kletter- oder Boulderhalle war, wird es bestätigen: Kaum hat man die Halle betreten, wird der Blick auf die bunte Farbvielfalt der Griffe gezogen. Klettergriffe in allen nur erdenklichen Farben und Formen sind ein wesentlicher Bestandteil des Trainings an künstlichen Kletterwänden. Was aber unterscheidet einen blauen Sloper von einer grünen Leiste? Woraus bestehen eigentlich Klettergriffe und wie werden sie hergestellt? Und was sollte man beachten, wenn man die heimische Kletterwand mit Griffen und Tritten bestücken möchte? Diesen und zahlreichen anderen Fragen haben wir uns einmal näher angenommen. Tauchen wir also ein in die bunte Welt der Klettergriffe…

Klettergriffe – Herstellung und Materialien

Fangen wir doch einmal ganz von vorne an. Wie werden Klettergriffe hergestellt und woraus bestehen sie?

Klettergriffe können aus den unterschiedlichsten Materialien bestehen. Neben Modellen aus Holz, die überwiegend zum Griff- und Fingertraining hergenommen werden, gibt es vereinzelt auch Modelle aus Stein. Die Mehrzahl aller Klettergriffe und –tritte besteht jedoch aus Kunststoff. Je nach Einsatzgebiet, Form und Verarbeitungstechnik kommen hier überwiegend Verbundmaterialien wie Polyurethan und Polyethylen zum Einsatz. Die genaue Materialzusammensetzung weicht jedoch von Hersteller zu Hersteller mitunter stark ab. Ein gutes Beispiel hierfür ist Wataaah. Griffe dieses Herstellers werden aus einem speziell für die Firma entwickelten Verbundwerkstoff gefertigt und bestehen zu 30% aus nachwachsenden Rohstoffen.

Vereinfacht lässt sich jedoch sagen: Klettergriffe bestehen in der Regel aus Quarzsand, Kunstharz und Farbe. Dieses Gemisch wird im flüssigen Zustand in Formen gepresst. Nach der Aushärtung werden die Griffe entnommen und sind theoretisch sofort einsatzfähig. Wer ein wenig handwerkliches Geschick und Geduld mitbringt, kann sich so mit ein bisschen Fleiß auch eigene Klettergriffe für die heimische Boulderwand basteln. Wie das geht und worauf ihr dabei achten müsst, verraten wir euch demnächst in einem Artikel zum Thema Griffherstellung im Eigenbau.

Dabei sollte man sich jedoch bewusst sein, dass in Eigenregie entworfene Klettergriffe sowohl konstruktive also auch qualitative Schwachstellen aufweisen können. Professionell hergestellte Klettergriffe hingegen unterliegen seit 2009 der DIN EN 12572. Darin sind dezidierte Sicherheitsstandards für künstliche Kletteranlagen festgelegt. Wer also auf der Suche nach Klettergriffen für die Vereinswand, den Kindergarten und die Schule ist oder auch zuhause auf Nummer sicher gehen möchte, sollte beim Kauf darauf achten, dass die Griffe nach dieser Norm produziert wurden. Außerdem gilt für Kindergärten, Schulen, Kitas und Spielplätze die EN1176. Die Marke Entres Prises fertigt entsprechende Griffe.

Klettergriffe – Formen und Eignung

Klettergriffe gibt es in unzähligen Farben, Formen und Beschaffenheiten. Im Großen und Ganzen lassen sich Klettergriffe jedoch in drei Gruppen unterscheiden: Henkel, Sloper und Leisten.

  • Henkel
    • Henkelklettergriffe gibt es in vielen Größen und Formen. Vom Minijug über den klassischen „Bierhenkel“ bis hin zu extrem großen Dachklettergriffen ist hier alles dabei. Henkel kommen in vielen Touren zum Einsatz. Besonders beliebt sind sie aber bei Einsteigern und für gemäßigte Touren im Überhang sowie in Dächern.
  • Sloper
    • Slopergriffe sind abgerundete Griffe, die kaum oder keine Kanten aufweisen. Touren mit Slopern gelten als sehr fingerschonende Klettertouren, erfordern aber auch einiges an Können und Technik. Die Kletterei an Slopern hat immer auch viel mit Beweglichkeit und Körperspannung zu tun. Gerade Anfängern und Kindern fällt diese Art der Kletterei tendenziell eher schwerer.
  • Leisten und Zangen
    • Leisten und Zangen sind Griffe, die einiges an Fingerkraft erfordern. Nicht selten werden diese Griffe aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Größe auch als zusätzliche Tritte verbaut. Durch das Klettern an Zangen und Leisten werden die Hände und Finger stark beansprucht. Gerade bei ungeübten Personen kann dies schnell zu Schmerzen und Verletzungen führen, weshalb das Training in diesem Bereich eher langsam gesteigert werden sollte.

Die Wahl der richtigen Griffe richtet sich stark nach der Art und Neigung der Wand, sowie dem Kletterkönnen der Zielgruppe. Auch persönliche Vorlieben sollten in die Wahl der Klettergriffe einfließen. Grundsätzlich lebt das Klettern jedoch auch von Abwechslung, schon aus diesem Grund empfiehlt es sich, mehrere verschiedene Griffformen miteinander zu mischen oder nach Möglichkeit Routen mit einem besonderen Charakter zu schrauben. So macht das Klettern nicht nur auf Dauer mehr Spaß, sondern auch das Training ist vielseitiger und effektiver.

Praxistipp Griffsets!

Gerade wenn man eine selber gebaute Wand neu
bestücken möchte, ist es oft schwierig, die geeigneten Griffe auszumachen. In
diesem Fall kann es sich lohnen, komplette Startersets wie beispielsweise das
Mega Pack 30 von Metolius zu erwerben. So erhält man auf einen Schlag eine
komplette Palette an Klettergriffen mit unterschiedlicher Größe und Charakter.
Darüber hinaus sind in solchen Komplettsets meist auch Schrauben und
Gewindeösen enthalten, sodass man die Griffe auch gleich an der Wand befestigen kann.

Hat man dann einmal herausgefunden, welche Griffe für die heimische Boulderwand am besten funktionieren, kann man die Wand gezielt mit den entsprechenden Griffen erweitern. Auch hier gibt es oft Griffsets mit fünf bis zehn Griffen, die jedoch alle die gleiche Farbe und auch eine ähnliche Größe haben.

Klettergriffe für Kind und Kinderzimmer

Klettern liegt voll im Trend und frei nach dem Motto „früh übt sich…“ werden die kleinen Nachwuchskletterer neben Schaukel oder Sandkasten auch mit einer kleinen Boulderwand im heimischen Kinderzimmer oder Garten ausgestattet. Dabei gibt es jedoch sowohl Indoor wie Outdoor einiges zu beachten.

Soll eine Kletterwand im Kinderzimmer oder in einem Bereich des Hauses aufgestellt werden, wo auch anderweitig gespielt und getobt wird, sollte man auf jeden Fall darauf achten, dass von der Kletterwand keine erhöhte Verletzungsgefahr ausgehen kann. Aus diesem Grund sollten hier weder scharfkantige noch spitze Griffe zum Einsatz kommen. Auch auf weit hervorstehende Griffe sollte man möglichst verzichten oder diese bei Nichtgebrauch entsprechend polstern. Beispielsweise mit einer vorgestellten Matte.

Für den Outdoorbereich ergeben sich ganz andere Anforderungen. Hier geht es in erster Linie um Wetterfestigkeit. Nicht alle Klettergriffe sind UV- und wetterbeständig. So kann es sein, dass die Griffe mit der Zeit an Struktur und Farbe verlieren. Auch bei der Verankerung muss darauf geachtet werden, dass diese wetterbeständig ist. Metallteile wie Schrauben und Gewindeösen müssen korrosionsbeständig sein. Material der Wahl ist hier definitiv Edelstahl.

Egal wo man jedoch eine Kletterwand für den Sprössling aufstellt, wichtig ist vor allem, dass die Griffe auch kindgerecht sind. Große Sloper und kleine Leisten sind für Kinder zumeist nicht geeignet. Hier empfiehlt es sich, auf mittelgroße Henkel oder spezielle Kinderklerttergriffe zurückzugreifen. Darüber hinaus gibt es oft Griffsets, die aus Tierfiguren oder Buchstaben bestehen. Diese Griffe sind auch für kleine Kinderhände gut geeignet und setzen obendrein einen optischen Akzent im Kinderzimmer.

Klettergriffe – Schrauben und Befestigungen

Die richtige Befestigung der Klettergriffe an der Kletter- bzw. Boulderwand ist ein Punkt, der stark zur Sicherheit beiträgt. Sich drehende oder gar lose Griffe können gerade an größeren Wänden zu einer nicht unerheblichen Gefahr für den Kletterer und andere Personen werden. Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, empfiehlt es sich ein paar Dinge zu beachten.
Grundsätzlich sind Kletterwände mit Gewindeösen versehen. Diese halten von hinten an der Wand und ermöglichen das Anschrauben eines Griffes mittels einer Inbusschraube Größe M10.

Doch Schraube ist nicht gleich Schraube. Je nach Einsatzort und Griff müssen diese verschiedenen Anforderungen gerecht werden. Wie bereits erwähnt, sollten im Outdoorbereich nichtrostende Edelstahlschrauben verwendet werden. Sind verzinkte Schrauben lange Zeit der Witterung ausgesetzt, setzen diese nicht selten Rost an. Dies wiederum kann dazu führen, dass die Schraube im Gewinde regelrecht fest rostet und auch an Belastungsfähigkeit einbüßt.

Klettergriffe werden in der Regel mit Innensechskantschrauben (Inbusschrauben) an der Kletterwand befestigt. Die Schrauben verfügen dabei entweder über einen Zylinderkopf oder einen Senkkopf. Welcher Schraubentyp im jeweiligen Fall verwendet wird, richtet sich nach dem Griff, der angeschraubt werden soll. Es gibt Griffe, die speziell auf die Verwendung von Senkkopfschrauben ausgelegt sind, andere erfordern Schrauben mit Zylinderkopf. Keinesfalls sollte man Griffe mit falschen oder nicht richtig passenden Schrauben anschrauben. Gerade an der Stelle um die Schraube unterliegen Klettergriffe einer erheblichen Belastung. Wird diese durch einen falschen Schraubentyp nicht flächig oder gleichmäßig belastet, kann der Griff an dieser Stelle brechen.

Große Griffe und Volumen verfügen außerdem meist zusätzlich über kleinere Schraubenlöcher, durch die der Griff mittels Spanplattenschrauben gegen das Verdrehen gesichert werden. Da diese Schrauben direkt ins Holz der Kletterwand geschraubt werden, müssen hierzu vorab keine Gewinde gesetzt werden. Allerdings hinterlassen sie nach der Demontage des Griffs ein kleines Loch in der Wand. Zudem werden extrem kleine Tritte und Griffe zumeist nur mittels Spanplattenschrauben befestigt, da eine Gewindeschraube der Größe M10 schlicht keinen Platz im Griff finden würde.

Je nach Produkt sind Schrauben und Gewindeösen auch im Lieferumfang der Klettergriffe enthalten. Wenn man also gerade dabei ist, seine eigene Boulderwand zu bauen, kann dies ziemlich praktisch sein.

Fazit

Wer sich in der glücklichen Lage wähnt und zuhause eine Boulder- oder Kletterwand besitzt, sollte sich für die Auswahl der geeigneten Klettergriffe ein wenig Zeit nehmen. Formen, Farben und Typen gibt es im Bereich der Klettergriffe wie Sand am Meer. Ob nun eine senkrechte, geneigte oder überhängende Wand bestückt werden soll, hier ist immer was Passendes dabei. Gerade für die Erstausstattung einer Boulderwand eignen sich Griffsets besonders gut. Nicht selten werden hier auch Befestigungsmaterialien wie Schrauben und Einschlagösen mitgeliefert.

Lawinen-Titelbild

Lawinen – Vom Untier zum Naturphänomen

2. März 2017
Tipps und Tricks

Bruce Hendricks weiß, dass er keine Chance hat: „Ich höre das tiefe Grummeln, mit dem eine lange gefrorene Kreatur aus Eis zum Leben erwacht… Knietief im Schnee wühlend, schaue ich nach oben… Mit beängstigender Geschwindigkeit schießt eine weiße Welle in Sicht, eckige, durch die Luft schleudernde Eisbrocken leuchten wunderschön im warmen Licht der Morgensonne… Der erste gewalttätige Treffer presst die Luft aus meinen Lungen und wirbelt mich herum. Kreischende Eismeteore schlagen auf meinen Rucksack und meine zerbrechlichen Glieder ein. In einem Adrenalinrausch verliere ich jedes Gefühl – ein letzter, süßer Rausch vor dem Nichts. Selbst mit aller Kraft und allem Willen gelingt es mir nicht, meinen Brustkorb auszudehnen. Finsternis – totale Finsternis. Das ist also das Ende.“

Bruce Hendricks, nordamerikanischer Bergsteiger und Autor dieser Zeilen, hat diese Lawine aus Eis und Schnee überlebt, sogar ohne größere Verletzungen. Die meisten, die in eine Lawine geraten, haben nicht so viel Glück: Jedes Jahr sterben weltweit durchschnittlich 200 Menschen in einer Lawine, davon rund 100 in den Alpen. Allein 25 Opfer gibt es jährlich in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Es gibt aber auch ganz andere Dimensionen des eisigen Grauens: Die weltweit größte Zahl von Opfern forderte eine Lawinenkatastrophe im Jahre 1970 am 6763 Meter hohen Huascaran in Peru, dem zweithöchsten Gipfel Südamerikas. Dort löste sich nach einem Erdbeben ein Teil der Gipfeleiskappe, donnerte innerhalb von 15 Minuten 4000 Höhenmeter hinab und schoss durch ein 16 Kilometer langes Tal.

Mehrere Dörfer wurden dabei unter einer kilometerdicken Schicht aus Geröll, Schlamm und Eis begraben, 18.000 Menschen starben. Eine der schlimmsten Katastrophen im Alpenraum ereignete sich nach vorausgegangenen enormen Schneefällen vom 2. bis 4. Februar 1689 im österreichischen Montafon: Laut Lawinen-Chronik starben in sieben Dörfern 120 Menschen, 326 Rinder und 584 Schafe in den Schneemassen. 119 Häuser, selbst solche, die 300 Jahre ohne Lawinenschaden überstanden hatten, wurden zerstört, ferner 692 Speicher und Ställe.

Laut Chronik müssen Elend und Not unbeschreiblich gewesen sein: Viele Menschen hatten keine Unterkunft und keine Kleider mehr und verkrochen sich in halb zerstörten Kellern und Löchern. „Die Nacht hörte man die armen Verwundeten auf den Lawinen, oder halb verschüttet von diesen, um Hilfe rufen. Oft konnte man nicht helfen wegen zu großen Schneemengen oder größter Lawinengefahr. Grausam war es auch, wie man hernach die Menschen aufgesucht und ausgegraben hat, zum Teil erst nach sechs, acht und zehn Wochen, blutig und schrecklich zugerichtet, manchen Arme und Beine weggerissen und der Leib greulich zerschunden.“

Der weiße Tod

Seit Menschen die Hochgebirgstäler besiedeln oder auf Reisen Gebirgspässe überqueren müssen, fürchten sie die katastrophale Macht der Lawinen, die alles mit sich reißen, was sich in ihrem Weg befindet. Lange Zeit galten Lawinen als Geißel der Bergbevölkerung. Der „weiße Tod“ war einst mindestens ebenso gefürchtet wie der „schwarze Tod“, die Pest. Wie bei der Pest glaubten viele, bei Lawinen handle es sich um eine Strafe Gottes, da niemand erklären konnte, warum die Schnee- und Eismassen in manchen Jahren plötzlich von den Bergen herabrauschen, in anderen nicht. Warum sie manche Häuser mit sich reißen und andere, gleich daneben, verschonen. Und warum Verschüttete manchmal auf wundersame Weise gerettet werden, obwohl sonst alle starben.

Es gibt sehr frühe Zeugnisse von Lawinenunglücken. Eines der ersten stammt vom Chronisten Italicus, der bei Hannibals Alpenüberquerung im Jahre 218 vor Christus berichtet, dass losgelöster Schnee die Männer in den Abgrund ziehe und Schnee, der von den hohen Gipfeln stürze, die lebende Mannschaft verschlinge. Der Schriftsteller und Geograph Strabo beschrieb noch vor Christi Geburt aufgrund eigener Beobachtungen auf Reisen in den Alpen und im Kaukasus Lawinen als übereinander liegende Schneeschichten, die abgleiten. Fast zwei Jahrtausende sollten vergehen, bis Strabos Beobachtungen als richtig erkannt und naturwissenschaftlich begründet wurden.

In all den Jahrhunderten dazwischen gab es Erklärungsversuche für die Verderben bringenden Schneemassen, die meist dem jeweiligen Zeitgeist entsprachen. So glaubte die Bergbevölkerung jahrhundertelang, dass Hexen, Dämonen und böse Geister Lawinen auslösten. Noch 1652 wurde eine Frau auf dem Scheiterhaufen verbrannt, der man vorwarf, sie hätte durch ihre Hexenkünste Lawinen ins Tal geschickt. Eine andere Form von Aberglauben zeigte sich darin, dass Lawinen als wilde Untiere beschrieben wurden, die nur mit dem Läuten der Kirchenglocken oder durch im Schnee versteckte, mit Kreuzen bezeichneten Eiern aufgehalten werden könnten. Und in anderen Regionen der Alpen glaubte man, dass Lawinen riesige Schneekugeln sind, die beim Hinabkollern Häuser, Bäume und Menschen in sich einschließen.

Lawinen als Naturphänomen

Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Lawinen als Naturphänomen betrachtet und wissenschaftlich erforscht. Doch schon viel früher, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, befassten sich berühmte Forscher mit Schneekristallen. Dazu gehörten der deutsche Astronom und Mathematiker Johannes Kepler, der französische Philosoph René Descartes und der englische Forscher Robert Hooke.

Kepler entdeckte, dass jeder Schneekristall ein Hexagon ist, und der Brite Hooke erkannte als erster mit seinem Mikroskop, dass sich die Ästchen der Schneesterne immer in einem Winkel von 60 Grad verzweigen. Auch der Schweizer Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer, der vor allem deswegen heutzutage noch bekannt ist, weil seine 1723 erschienene Abhandlung über die Naturerscheinungen in den Alpen auch eine Liste der dort hausenden Drachen- und Lindwurmarten enthält, erwies sich hinsichtlich der Lawinen als aufmerksamer Naturbeobachter, der seiner Zeit weit voraus war: Scheuchzer unterschied in seinem 1706 erschienen Buch „Beschreibung der Natur-Geschichten des Schweizerlands“ bereits zwischen „Wind- und Grundlawinen“, was gemäß seiner Beschreibungen den heute als Staub- und Grund- oder Fließlawine bezeichneten Lawinenarten entspricht. Er beschrieb ferner ihre Ursachen und empfahl dichte Wälder als Schutz für Gebäude und Siedlungen.

Nachdem in früheren Zeiten die Lawinenopfer fast ausschließlich unter der Bergbevölkerung oder Händlern zu beklagen waren, hat sich dies durch den Winter- und Sommertourismus in den Alpen völlig verändert.

Lawinenopfer heute

Heute handelt es sich bei den Opfern vorwiegend um Ski- und Snowboardfahrer, die den geschützten und überwachten Pistenbereich verlassen; ferner natürlich um Skitourengeher, Bergsteiger oder Frühsommer-Bergwanderer, die von Lawinen erfasst und verschüttet werden. Die Statistik zeigt, dass nur vier von zehn Verschütteten überleben. Sie zeigt auch, dass rund 90 Prozent aller Verschütteten überleben, wenn sie innerhalb der ersten 15 Minuten nach dem Unfall geborgen werden. Anschließend sinken die Chancen ganz drastisch und nach 45 Minuten lebt nur noch ein Viertel.

Wird jemand nach einer Stunde noch lebend geborgen, grenzt das an ein Wunder. Doch Wunder gibt es immer wieder: Den unfreiwilligen Langzeitrekord unter den Lawinenverschütteten halten drei Frauen aus dem Piemont, die 1775 – durch einen zusammengebrochenen Stall vor direktem Schneekontakt geschützt – 37 Tage lang unter den Schneemassen ausharrten, bis sie gerettet wurden. Schier unglaublich ist auch die Rettung eines 13-jährigen aus St. Anton, der im Winter 1807 verschüttet worden war und direkt im Schnee lag. Er wurde nach 52 Stunden fast unversehrt gefunden – seine Eltern hatten bereits einen Sarg anfertigen lassen. Im Januar 2017 ging der Fall in den Abruzzen durch die Medien, wo das Hotel Rigopiano samt 40 Gästen von einer Lawine verschüttet worden war. 29 Personen konnten nur noch tot geborgen werden.

Lawinenforschungsinstitutionen

Schon 1931 wurde in Bern die Schweizerische Lawinenforschungskommission gegründet. Ein Team aus Technikern, Kristallographen, Geologen und Meteorologen nahm die Arbeit zunächst in Davos auf, bezog aber dann Quartier auf dem 2662 Meter hohen Weissfluhjoch im Nordwesten des Dorfes. Dort, wo sich auch heute noch ein kleiner Bereich des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts befindet. 1939 erschien das lange Zeit im In- und Ausland als Standardwerk der Lawinenforschung geltende Buch „Der Schnee und seine Metamorphosen“.

Während des 2. Weltkrieges wurde zur Beratung der Schweizer Armee das Eidgenössische Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) gegründet, das noch heute in der Lawinenforschung weltweit zu den führenden Institutionen zählt. Das Institut gibt unter anderem im Winter täglich das Lawinenbulletin heraus, das alle Regionen der Schweizer Alpen berücksichtigt und zuerst die allgemeine Lawinenlage beschreibt, dann den Schneedeckenaufbau analysiert, schließlich in allen Regionen die Gefahrenstufe nach der fünfteiligen Skala beurteilt und auch die Tendenz für die Entwicklung in den folgenden Tagen angibt. Seit 1993 wird die Lawinengefahr in ganz Europa einheitlich nach dieser fünfstufigen Skala beschrieben

Doch bis dahin war es ein langer Weg: Im Jahre 1966 rief die Redaktion von „Alpinismus“, eine ehemalige deutsche Zeitschrift für Bergsteiger, Wanderer und Skifahrer in ihrer Januar-Ausgabe noch zum Boykott der deutschen Skigebiete auf, weil es dort noch keinen Lawinenwarndienst gab. Und das in einem Land, in dem acht Millionen Skifahrer leben, wetterte die Redaktion. Obwohl die österreichischen Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg damals ihre eigenen Lawinenwarndienste hatten und allein das SLF auf dem Weißfluhjoch 40 Wissenschaftler beschäftigte, waren die deutschen Skigebiete damals noch völlig ohne Kontrolle – außer dem Zugspitzgebiet, das an den Vorarlberger Lawinenwarndienst angeschlossen war.

Dies aber auch erst nach der Lawinenkatastrophe mit zehn Todesopfern, die sich an der Zugspitze im Jahr zuvor Mitte Mai ereignet hatte. Heute hat der Bayerische Lawinenwarndienst einen ausgezeichneten Ruf und gibt im Winter für alle Bergregionen täglich den Lawinenbericht heraus. Längst kann ein detaillierter Lawinenlagebericht über die verschiedenen deutschen Alpengebiete per Internet oder Smartphone abgefragt werden. Zudem kann man sich am Telefon hinsichtlich seiner Tourenziele persönlich beraten lassen.

Lawinen in der Wissenschaft

Viel hat sich inzwischen getan im Kampf gegen den „weißen Tod“. Wissenschaftler haben die Metamorphosen des Schneekristalls verfolgt – vom hexagonalen Stern, Prisma, Stäbchen, Plättchen oder Becherkristall bis hin zur Staublawine, zum Schneebrett, zur Grund- oder Eislawine. Das Spiel der verschiedenen Kräfte in der Schneedecke wurde untersucht, die Bedeutung von Sonne, Kälte, Regen, Wind und Schneeuntergrund für die Lawinengefahr sind genauso bekannt wie die Folgen einer guten oder schlechten Verbindung zwischen den einzelnen Schneeschichten. Man weiß, dass Staublawinen – jene „wunderschön anzusehenden Wolken von enormer Zerstörungskraft“ – eine Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometern erreichen können. Und dass allein ihr Luftdruck ganze Wälder niedermähen und Eisenbahnzüge umzukippen vermag.

Man weiß, dass ein Schneebrett durch Belastung mit einem lauten Knall in einer scharf verlaufenden Kante anreißt, auf einer darunterliegenden schwachen Schicht abgleitet wie auf einer Rutschbahn und dann mit bis zu 80 Stundenkilometern talwärts rauscht. Man weiß auch, dass Eislawinen eine Folge der Gletscherbewegungen sind, und dass es sich bei den meisten Lawinen um Mischformen handelt.

Im Laufe der Zeit wurden Lawinen-Verschütteten-Suchgeräte (LVS-Geräte/Piepser) entwickelt und perfektioniert, mit denen Skitourengeher unterwegs Signale aussenden, im Falle eines Lawinenunglückes damit aber auch die Signale von Verschütteten orten können. Diese kleinen, wunderbaren Begleiter können inzwischen sogar mehrere Verschüttete gleichzeitig orten. Das vereinfacht und beschleunigt die Suche und das Ausgraben durch die Helfer vor Ort.

Es gibt den ABS-Rettungsballon im Rucksack, der sich im Notfall durch Betätigen einer Reißleine aufbläht und dafür sorgt, dass man durch den Ballonauftrieb an der Oberfläche der Lawine bleibt und nicht verschüttet wird.

Werner Munters 3×3 Reduktionsmethode zeigt, wie man das Risiko in kritischen Situationen sogar berechnen kann, um zwischen Stop und Go zu entscheiden. Wie die Methode genau funktioniert kannst Du mit unserem Online-Rechner ausprobieren und lernen. Mit der von den beiden staatlich geprüften Berg- und Skiführern Martin Engler und Jan Mersch entwickelten Snowcard, die unter anderem auf Munters Reduktionsmethode aufbaut, wird den Skitourengehern und Freeridern ein sehr anschauliches Mittel für ihr Risikomanagement an die Hand gegeben. Und dies in drei Beurteilungslevels von der Basiseinschätzung A bis hin zum Beurteilungslevel C für Experten.

Die Entscheidung darüber, welches Risiko die Freunde von Pulver & Co danach bereit sind, einzugehen, bleibt ihnen selbst überlassen. Sie wissen dann aber (hoffentlich), was sie tun.

Wissenschaftliches Schutzschild oder unberechenbarer Faktor Mensch

All dies sind grandiose Fortschritte. Doch selbst die Experten des Eidgenössischen Instituts für Lawinenforschung in Davos oder der Bayerischen und Österreichischen Lawinenwarndienste müssen bekennen, dass nach wie vor nicht genau vorhersagbar ist, ob überhaupt und wenn ja, wann sich bei kritischen bis katastrophalen Verhältnissen eine Lawine oder ein Schneebrett in einem Hang löst.

Abgesehen von den aktuellen Naturkatastrophen, die sich in ihrem schrecklichen Ausmaß jedem rationalen Erklärungsversuch verweigern und bei denen oft nur noch auf historisch tradierte Katastrophen verwiesen wird, die sich vor mehr als 100 oder 200 Jahren an derselben Stelle ereignet haben, gibt es die anderen Lawinenunfälle, deren Ursache vor 80 Jahren dieselbe war wie heutzutage: Als Beispiel dafür eine Stelle aus Leo Maduschka’s Buch „Junger Mensch im Gebirg“, wo Maduschka, ein in den 1930er Jahren bekannter Bergsteiger und Autor, von einer Skitour erzählt, die er mit dem ebenfalls bekannten Bergsteiger und Lawinenexperten Dr. Willo Welzenbach am Gletscher Ducan in der Schweiz unternommen hatte: „Wir rochen förmlich die Gefahr unter den Steilhängen. Sechs Stunden geht alles gut, in der siebten aber, 30 Meter unter der Spitze, reißt plötzlich, wenige Zentimeter hinter mir, dem ersten von uns, der jähe Gipfelhang. Willo, knapp mir auf dem Fuß, kann herausschwimmen, die zwei anderen stecken im Geschiebe der Schollen …“

Das größte Problem im Umgang mit der Lawinengefahr ist das menschliche Verhalten. Sehr deutlich drückt dies die Überschrift eines Zeitungsartikels über Lawinen aus, der in diesem Zusammenhang öfter zitiert wird: „Lockt der Pulverschnee, bockt der Verstand!

Tipps zur Tourenplanung:

Sie beginnt bereits Tage zuvor daheim mit dem Check des Lawinenberichts und der Wetterprognose. Wahl der Region und der Tour nach Schneeverhältnissen, Kondition, Zeitplanung etc.

Routencheck der gewählten Tour anhand des Lawinenlagerberichts nach Höhenlage, Exposition der Hänge, Steilheit der Hänge, potenzielle Lawinengefahr von weiter oben. Check.

Anspruch der Tour: sind alle Teilnehmer den technischen Schwierigkeiten und konditionell der Länge und Steilheit der Route gewachsen?

Bei Skitouren im Gletscherbereich: Wer von der Gruppe beherrscht Spaltenbergung – möglichst einer am Anfang und einer am Ende der Seilschaft.

Briefing der Teilnehmer bezüglich Ausrüstung.

100 Prozent Sicherheit? Die gibt es nicht!

Doch ist es wirklich so einfach? Kann man posthum allen Lawinentoten fahrlässiges Verhalten vorwerfen wegen ihrer Ja-Entscheidung beim Befahren eines Hangs, an dem sich dann ein Schneebrett löste? Das kann man nicht: Zum einen zeigt das die Statistik, die im Zusammenhang mit Verschütteten und Toten aufzeigt, dass der Großteil aller Verschütteten und Lawinentoten in den vergangen Jahren bei der Lawinenwarnstufe zwei (mäßig) erfolgte.

Außerdem sind unter den Lawinenopfern immer mal wieder Profis wie staatlich geprüfte Berg- und Skiführer, die sich teils jahrzehntelang professionell mit der Lawinengefahr befassten und sich bestens auskannten. Zudem sind das oft Gebietsexperten, die in der jeweiligen Region wohnen und den ganzen Winter über die Metamorphosen des Schnees mitverfolgten: starke Winde und dementsprechend starke Windverfrachtungen, selbst bei wenig Schnee im Gebiet. Experten, die in ihrem Gebiet ständig auf Skitour unterwegs sind und den Schneedeckenaufbau in allen Expositionen kennen.

Sie wissen, wenn es zu Reifbildung und der gefährlichen Schicht aus Becherkristallbildung kam oder wenn es labile, nicht miteinander verbundene Schichten im Schneedeckenaufbau gibt. Die Experten wussten, was es zu wissen galt und sie waren alles andere als Hasardeure, die ihr Leben und womöglich das Leben ihrer Schutzbefohlenen mutwillig aufs Spiel gesetzt hätten wegen eines Couloirs mit feinem Pulverschnee…

Selbst das Graben eines Schneeprofils an einem Hang ist nur ein Indiz hinsichtlich der Lawinengefahr – der Schichtaufbau kann in derselben Exposition am selben Hang nur wenige Meter daneben ein „Hot Spot“ sein und bei Belastung auslösen.

Die heute jedem Skitourengeher und Freerider zugänglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse um die Lawinengefahr, die Arbeit der Lawinenwarndienste und die Einschätzung der Experten im Gelände vor Ort retten jeden Winter unzählige Menschenleben – doch das erfährt niemand. Dass es bei diesem starken Boom des Tourenskifahrens oder Freeriding in den letzten Jahren nicht viel mehr Lawinenverschüttete und Tote gibt, gilt zwar als Normalfall – ist es aber nicht.

Diese Tatsache ist der Arbeit der Lawinenwarndienste und der allgemein verständlichen Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Lawinenforschung zu verdanken. Sie sind ein starkes Schutzschild für jeden einzelnen Skitourengeher oder Freerider. Wissen hilft aber nur dann, wenn es in der Praxis auch angewandt und umgesetzt wird. Und das schon bei der Tourenplanung daheim.

Die europäische Lawinen-Gefahrenskala

GefahrenstufeSchneedeckenstabilitätLawinen Auslösewahrscheinlichkeit
1 – geringDie
Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.
Auslösung ist nur bei großer* Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilhängen möglich.
2 – mäßigDie
Schneedecke ist an einigen Steilhängen** nur mäßig verfestigt, sonst aber gut
verfestigt.
Auslösung ist bei großer* Zusatzbelastung wahrscheinlich, vor allem an den im Lawinenlagebericht angegebenen Steilhängen. Größere Spontanauslösungen von Lawinen sind nicht zu erwarten.
3 – erheblichDie
Schneedecke ist an vielen Steilhängen** mäßig bis schwach verfestigt
Auslösung ist bei geringer* Zusatzbelastung wahrscheinlich, vor allem an den im Lawinenlagebericht benannten Steilhängen. Gegebenenfalls sind durch Spontanauslösung einige mittlere, vereinzelt auch große Lawinen möglich.
4 – großDie
Schneedecke ist an den meisten Steilhängen** schwach verfestigt.
Auslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung* an den meisten Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten.
5 sehr großDie
Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.
Zahlreiche Spontanauslösungen von großen Lawinen sind zu erwarten. Auch im mäßig steilen Gelände.

Erklärungen

* Zusatzbelastungen:

  • groß = größere Gruppe ohne Abstände (Aufschaukeln der Schneedecke)
  • gering = einzelne Skifahrer, Wanderer

** wird im Lawinenlagebericht detailliert beschrieben: Höhenlage, Exposition (Himmelsrichtung), Geländeform etc. Steilhänge sind Hänge mit einer Neigung größer als 30 Grad. Oft sind sie felsdurchsetzt.

Grundsätzliche Regeln für Skitourengeher/Schneeschuhwanderer

  • Bei mäßiger Lawinengefahr (2) Verzicht auf steile Hänge mit mehr als 39°
  • Bei erheblicher Lawinengefahr (3) Verzicht auf steile Hänge mit mehr als 34°, kein felsdurchsetztes Steilgelände
  • Bei großer und sehr großer Lawinengefahr (Stufen 4 und 5) Verzicht auf Touren außerhalb kontrollierter Skipisten

Weiterführende Literatur

Allgemein über die Faszination von Schnee, Eis und Lawinen

  • Lawinen, hg. von Walter Ammann und Othmar Buser vom Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Davos, Birkhäuser Verlag, Basel 1997, ISBN3-7643-5246-9.
  • Schnee & Eis, Entdeckungsreisen im Reich der Kälte, Sylvia Strasser + Wolfgang Würker, Heyne Verlag, ISBN 3-453 – 14315 – 9

Lawinenkunde und Anwendung in der Praxis

  • Lawinenkunde, Harvey S., Rhyner H., Schweizer J., Bruckmann Verlag GmbH, 192 Seiten, München, 2012, ISBN 978-3-7654-5779-1
  • SnowCard, Lawinen-Risiko-Check mit Hangneigungsmesser, Martin Engler und Jan Mersch, hrsg. Deutscher Alpenverein, München
  • Lawine: Das Praxis-Handbuch von Rudi Mair und Patrick Nairz, Die entscheidenden Probleme und Gefahrenmuster erkennen, Tyrolia Verlag, Innsbruck
  • Skibergsteigen und Freeriding, Alpin-Lehrplan des Deutschen Alpenverein, Band 4, Jan Mersch, Peter Geyer, Chris Semmel, BLV-Verlag, 5. Auflage 2016
  • 3×3 Lawinen, Entscheiden in kritischen Situationen, Werner Munter, 5. Auflage 2013, Rother-Verlag, München

 

Höhenkrankheit - Prophylaxe und Behandlung

Höhenkrankheit – Prophylaxe und Behandlung

28. Februar 2017
Tipps und Tricks

Sie kann jeden treffen, egal ob Profi oder Hobbybergsteiger und kommt oft schnell und unerwartet – die akute Höhenkrankheit (AHK), im englischen auch AMS (Acute Mountain Sickness) genannt. Und das nicht nur auf den 8000ern dieser Erde. Selbst auf 3000ern in den Alpen oder bei Passüberfahrten mit dem Rennrad können Sportler hiervon betroffen sein. In diesem Artikel geben wir einen Überblick über Symptomatik, Erkennung und Behandlung der Höhenkrankheit.

Höhenkrankheit: die Symptome

Es wird zwischen der akuten Höhenkrankheit (AHK), einem Höhenhirn- (HHÖ) und Höhenlungenödem (HLÖ) unterschieden. Im Folgenden findet sich eine Einteilung und Unterscheidung der Leitsymptome und Krankheitsbilder.

Allerdings haben alle 3 Krankheitsbilder gemeinsame Faktoren, die das Risiko deutlich erhöhen:

  • die absolute Höhe
  • Aufstiegsgeschwindigkeit
  • unzureichende Akklimatisation
  • individuelle Prädisposition

Um das Risiko für eine der Höhenkrankheiten einzuschätzen ist es wichtig, dass Aufstiegsprofil (wie viele Höhenmeter sind zu bewältigen), die Schlafhöhe und die individuelle Anfälligkeit aus der Vergangenheit zu berücksichtigen.

Symptome der akuten Höhenkrankheit (AHK)

  • Kopfschmerz
  • Übelkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Schlafstörungen
  • Schwindel

Symptome eines Höhenlungenödems (HLÖ)

  • deutlicher Leistungsverlust im Aufstieg
  • trockener Reizhusten
  • Atemnot
  • Zyanose (blaue Färbung von Schleimhaut und Lippen)
  • raschelnde Geräusche beim Atmen

Symptome des Höhenhirnödem (HHÖ)

  • starke Kopfschmerzen
  • Lähmungserscheinungen
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Die häufigste Form der Höhenkrankheit ist die akute Höhenkrankheit (AHK / AMS). Dessen Leitsymptom ist der Kopfschmerz. Daneben kommen meist unspezifische Symptome wie ein allgemeines Krankheitsgefühl, Schwindel, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Schlafstörungen hinzu. Die akute Höhenkrankheit manifestiert sich zudem nach frühestens 4–6 Stunden ab einer Höhe von bereits 2000 bis 2500 m.

Die akute Höhenkrankheit ist nach der ersten Nacht in größerer Höhe häufig am stärksten ausgeprägt. Intensive körperliche Anstrengung wie lange, technische Aufstiege verstärken die Symptome zusätzlich. Bei Verzicht auf einen weiteren Höhengewinn sowie körperlicher Schonung verschwinden die Symptome in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Auftreten wieder. Besonders gefährlich wird es jedoch, wenn trotz vorhandener Symptome weiter aufgestiegen wird – und sich die akute Höhenkrankheit zu einem Höhenhirnödem (HHÖ) weiterentwickelt. Nun gilt es, unverzüglich abzusteigen.

Dabei ist es wichtig, auf seinen Körper zu hören und auf etwaige Veränderungen zu achten. Ebenso bedeutsam ist es, seine Partner zu beobachten, wenn man nicht gerade alleine unterwegs ist. Ist mein langjähriger Bergkamerad einfach nur müde? Oder ist er tatsächlich deutlich langsamer unterwegs als sonst? Ein merklicher Leistungsverlust in der Höhe und erste Anzeichen der akuten Höhenkrankheit werden meist von anderen Bergsteigern in der Gruppe schneller wahrgenommen, sodass hier frühzeitig gegengesteuert werden kann.

Höhenlungenödem

Ein frühes Symptom und Warnzeichen eines Höhenlungenödems (HLÖ, englisch HAPE, „High Altitude Pulmonary Edema“) ist ein übermäßiger Leistungsverlust während des Aufstieges, oft begleitet von Atemnot und zunächst trockenem Husten. Das Höhenlungenödem entwickelt sich nach sehr schnellem Aufstieg in Höhen oberhalb von 4000m in einem Zeitraum von 2-3 Tagen.

Wie kann man der Höhenkrankheit vorbeugen?

Die sinnvollste Maßnahme zur Reduzierung der Risiken einer Höhenkrankheit sind ein langsamer Höhengewinn sowie die richtige, der jeweiligen Tour angemessene, körperliche Fitness. Niedriger gelegene Schlafplätze als das erreichte Tagesmaximum tragen zusätzlich zu einer effektiven Akklimatisierung bei. Bei bekannter Anfälligkeit für die akute Höhenkrankheit werden bis zu 500 hm Höhengewinn pro Tag oberhalb von 2500 m bei Trekkings und (Hütten-)Wanderungen meist gut toleriert. Bei einer Anfälligkeit (z.B. während vorheriger Touren) sollte zusätzlich ein schneller Aufstieg mit Bergbahnen in große Höhen von über 3000m vermieden werden. Die Symptome stellen sich dann oft erst beim Eintreffen auf der Hütte ein. Vor einer Trekkingtour in Gebirgen wie dem Himalaya oder den Anden empfiehlt sich außerdem ein vorhergehender Aufenthalt in den Alpen mit Übernachtung auf den Hütten der Alpenvereine über 3000 m Höhe.

Wie sieht die Therapie der Höhenkrankheit aus? Gibt es Medikamente?

Die wirksamste Therapie zur Behandlung der Symptome ist die Verbesserung der Sauerstoffzufuhr. Erreicht wird dies am einfachsten durch den Abstieg in niedrigere Höhenlagen. Bei Hinweisen auf ein Höhenhirnödem (HHÖ) oder Hirnlungenödem (HLÖ) muss unverzüglich abgestiegen werden! Dazu ist in den meisten Fällen eine Reduzierung der Höhe um 1000 Höhenmetern notwendig, um eine erste signifikante Linderung der Symptomatik zu erzielen. Leichte Symptome der akuten Höhenkrankheit (AHK) verschwinden häufig beim Einlegen eines Ruhetages, körperlicher Schonung und einer symptomatischen Therapie (viel trinken!) innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach dem Auftreten.

Beim Aufenthalt in großen Höhen, in Gebieten mit fehlender Infrastruktur oder in technisch anspruchsvollem Gelände ist ein sofortiger Abstieg oft nicht direkt möglich. Hier kann gegebenenfalls der Einsatz von Medikamenten vorübergehend die Symptomatik lindern und im schlimmsten Falle sogar Leben retten. Allerdings sollten Medikamente nur von Ärzten bzw. höhenmedizinisch ausgebildeten Bergführern verabreicht werden! Aus diesem Grund geht der Artikel an dieser Stelle auch nicht weiter auf die Gabe von Medikamenten zur Höhenkrankheit ein.

Cocatee in den Anden

Die Einheimischen in den Anden schwören seit eh und je auf den Konsum von Cocatee. Dafür werden die Blätter der Coca-Pflanze mit heißem Wasser übergossen. Für die Bergvölker in den Anden spielt das Gewächs als Tee – mit Kalk oder Asche vermengt als eine Art Mischung zwischen Kautabak und Kaugummi – eine zentrale Rolle. Zum einen, weil der Genuss von Coca Hunger, Müdigkeit, Magen- und Kopfschmerzen sowie Kälte vertreibt. Aber auch, weil Coca wirksame Kräfte gegen die Höhenkrankheit zugeschrieben werden. Tatsächlich scheinen die Blätter dabei die Sauerstoffaufnahme im Blut zu erhöhen. Allerdings kann aus den Cocablättern auch das Rauschgift Heroin hergestellt werden, was einer der Gründe ist, warum die Pflanze in Deutschland nicht käuflich zu erwerben ist.

Sauerstoffmangel und die Symptome

Hypoxie lautet der medizinische Begriff für Sauerstoffmangel. Die Hypoxie bezeichnet konkret den Sauerstoffmangel im arteriellen Blut des Körpers. Charakteristische Symptome des Sauerstoffmangels sind Veränderungen der Atmung, Beschleunigung des Pulses und/oder Brustschmerzen. Ebenso können mentale Symptome wie grundlose Euphorie, Delirium und empfundene Leichtigkeit auf einen Sauerstoffmangel hinweisen. Schwindel, Schwächegefühl und allgemeines Unwohlsein gehören ebenso mit zu den häufigsten Symptomen am Berg.

Bei längerer Unterversorgung des Körpergewebes mit Sauerstoff kann eine Schwächung des Kreislaufs bis hin zur Bewusstlosigkeit die Folge sein. Auch Übelkeit ohne tatsächliche Beschwerden des Verdauungssystems gehört zu den Symptomen. Die Ausprägungen eines Sauerstoffmangels können somit in vielfältiger Form zu Tage treten. Besonders tückisch: Bei den typischen Beschwerden handelt es sich meist um unspezifische Symptome, die auch als Folge zahlreicher anderen Erkrankungen auftreten können.

Ein paar abschließende Worte…

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die Höhenkrankheit eine akut lebensbedrohliche Situation darstellen kann. Bei empfindlichen und (gesundheitlich) vorbelasteten Menschen können die ersten Symptome bereits ab einer Höhe von ungefähr 2000 m auftreten. Durch die langsame Anpassung und eine gezielte Vorbereitung des Körpers können das Auftreten sowie etwaige Symptome der Krankheit oftmals abgeschwächt, wenn nicht gar vollständig verhindert werden. Diese Anpassung funktioniert allerdings nur bis zu einem bestimmten Punkt. Daher spricht man an den 7 und 8000ern dieser Welt auch häufig von der sogenannten Todeszone – Bereichen am Berg, in denen der Körper wortwörtlich zu sterben beginnt und in denen keine noch so perfekte Akklimatisierung dies verhindern, lediglich hinauszögern kann. Spezifische Vorbereitung, körperliche Fitness und ein langsamer Aufstieg sind und bleiben auch weiterhin die besten Maßnahmen für ein körperschonendes Trekking und Bergsteigen in großen Höhen. Das Motto „climb high, sleep low“ wir somit zum unwiederbringlichen Mantra aller Alpinisten, die hoch hinaus wollen.

goretex-water-drop

Gore-Tex und Greenpeace einigen sich…

24. Februar 2017
Ausrüstung

Am Rande der ISPO fand relativ unbemerkt ein nicht uninteressanter Presse-Termin statt. Die Firma Gore und Greenpeace hatten zur gemeinsamen Verlautbarung geladen, um über das jahrelange Streitthema PTFE, PFC und die generellen Auswirkung von Outdoor-Bekleidung auf die Umwelt zu sprechen. Das Ergebnis: Bis 2023 will Gore sämtliche bedenklichen PFCs aus der seinen Produkten verbannen.

PTFE, PFC – was ist das überhaupt?

PTFE ist die Abkürzung für Polytetrafluorethan, einem Polymer aus Fluor und Kohlenstoff. PTFE sorgt für Antihafteigenschaften von Pfannen, wird aber auch in Membransystemen wie Gore-Tex eingesetzt. PFC steht für polyfluorierte Chemikalien und ist der Oberbegriff für mehrere Verbindungen, unter die auch PTFE fällt. Auch diverse DWR-Imprägnierungen enthalten PFCs. Der Vorteil: Sie sind wasserabweisend und luftdurchlässig und eignen sich dadurch natürlich optimal für den Einsatz beim Outdoor-Sport.

Warum sind PFCs ein Problem?

Unter den PFCs gibt es solche, die als schädlich für die Umwelt angesehen werden. Entsprechende Verbindungen (PFC of environmental concern) haben die Eigenschaft, sich in der Umwelt abzulagern. Sie sind überaus persistent und bauen sich kaum ab. Dabei handelt es sich vor allem um solche PFCs, die über das Tensid Perfluoroctansäure gewonnen wurden.
Die Kritik an der Verwendung von Perfluoroctansäure wurde in den letzten Jahren so laut, dass der Stoff inzwischen aus vielen Herstellungprozessen verbannt wurde. Zum Beispiel auch bei Gore. Aber eben nicht komplett.

Keine ökologisch bedenklichen PFCs bis 2023

Greenpeace setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass ökologisch bedenkliche PFCs durch andere, umweltfreundliche Verbindungen ersetzt werden. Dieses Engagement gipfelte jetzt in der Übereinkunft mit Gore, einem der größten Hersteller für Membransystem und Imprägnierungen, bedenkliche PFCs bis zum Jahre 2023 komplett aus der Produktionskette zu verbannen.
Konsens herrscht darüber, dass das von Gore eingesetzte PTFE gesundheitlich unbedenklich ist, da es, im Gegensatz zu anderen PFCs, sehr stabil ist und dadurch nicht in die Umwelt gelangt.

In speziellen Recyclinganlagen kann so schon heute ein Großteil solcher PFCs wiederverwertet werden. Greenpeace erkennt an, dass PTFE keine Quelle von bedenklichen PFCs darstellt.
Da Gore-Tex allerdings Zulieferer für viele große Outdoor-Marken ist, hat diese Umstellung natürlich einen großen Impact, wodurch ein großer Teil des Outdoor-Segments idealerweise schnell von bedenklichen PFCs befreit werden kann. Gore-Tex ist zudem seit dem Jahr 2010 bluesign-Systempartner und stellt seine Produkte gemäß dem Öko-Tex® Standard 100 her. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen der Einhaltung ökologischer und sozialethischer Standards.

Weitere Informationen:

Pressemeldung Gore
Presseerklärung Greenpeace
Kampagnenseite und FAQs zu Detox Outdoor

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.