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Die Bergfreunde zu Besuch bei DMM Wales: Trad Climbing mit Hindernissen

20. September 2018
Die Bergfreunde

Da stehen wir nun. Am Ufer des Llyn Padarn, in der kleinen Ortschaft Llanberis, im Reich der unaussprechlichen Worte und Namen. Wenige Minuten später: im lokalen Klettershop begrüßt man uns mit einem Grinsen im Gesicht. „Hey team ‚no shoes‘. How are you doin‘?“ Gut dass wir schon wieder lachen können. Kurz darauf hocken wir mit drei Paar neuen Kletterschuhen bei unserem Kumpel Ben von DMM vor der Haustür, futtern Fish & Chips, als Hazel Findlay vorbeischlendert. Ein paar Pommes wechseln den Besitzer, bevor auch wir unsere Rucksäcke packen und für ein paar entspannte Seillängen in den Abend stiefeln.

Doch was genau machen wir eigentlich hier? Wenige Stunden zuvor: Euphorisch erklären wir den Sicherheitsbeamten am Flughafen Stuttgart, dass der Klumpen Metall in unseren Dufflebags zum Klettern benötigt wird. Ungläubige Blicke. Achja, und das weiße Pulver in den kleinen Taschen ist weder Koks noch Sprengstoff. So sitzen wir nun also entspannt im Flieger nach Manchester und blättern freudig in unserem Selective Guide für Nord-Wales. Schiefer-Platten, Trad climbing, ein Besuch bei DMM und super Wetter – rosige Aussichten für die nächsten 4 Tage.

Vor Ort angekommen, dann jedoch die große Ernüchterung. Keines unserer drei aufgegebenen Gepäckstücke hat die Reise je angetreten. Am Schalter tummeln sich die Reisenden, denn scheinbar wurde eine ganze Fuhre Gepäck schlichtweg vergessen.

Auf unseren Hinweis, dass es sich dabei um Kletter-Equipment im Wert von mehreren Tausend Euro handelt, versichert man uns, dass wir uns mit dem Nötigsten eindecken können (selbstverständlich alles auf Kosten einer nicht näher genannten irischen Billig-Airline), und man unser Zeug so schnell wie möglich nachschicken wird. Soweit, so gut. Also schnappen wir uns unseren Leihwagen, brausen nach Wales und kaufen uns erstmal das Wichtigste: Kletterschuhe und Schlafsäcke. Versteht sich doch von selbst, oder?

Die ersten Klettererfahrungen an den walisischen Felsen

Glücklicherweise sind wir offiziell mit einer kleinen Delegation Bergfreunde zu Besuch bei DMM, sodass es uns zumindest an Exen, Cams und Keilen nicht weiter mangeln sollte. Klettergurte, Halbseile, Helme und Co. bekommen wir ebenfalls leihweise vor Ort, Ben sei Dank. Dieser hat uns bereits einen Discount herausgehandelt und den örtlichen Kletterladen von unserer bevorstehenden Ankunft berichtet. Praktisch. Frisch ausgestattet machen wir uns also auf den Weg, endlich selbst Handanzulegen, an diesen wunderbaren walisischen Felsen…

Für mich persönlich waren die ersten vier Seillängen die Entjungferung im Trad climbing, ein großartiges Gefühl – keine Bohrhaken, keine Stände, keine Regeln. Nur eine Linie unter Hunderten, soweit einen die natürliche Struktur führt. Einzig meinen nigelnagelneuen Schuhen von Scarpa vertraue ich noch nicht so ganz, aber das kommt noch. So stehen wir erstmal im Sonnenuntergang am Rande des Tals und genießen die wahrhaft wildromantische Aussicht.

Ein Glücksmoment folgt dem anderen

Tags drauf, ein herrlicher Sonntag. Schon früh morgens klettert das Thermometer auf über 20°C und wir suchen uns einige der wenigen schattigen Plätzchen zum Klettern. Meine erste Trad Tour im Vorstieg – Yes! Und das noch vor dem Frühstück.

So gibt es zur Belohnung erstmal ein English Breakfast mit Speck, Bohnen, Eiern und Würstchen unter freiem Himmel. Nicht jedermanns Sache, aber ich liebe es! Die herrliche Kulisse mit dem unweit entfernten Snowdon (1.085 m) im Hintergrund tut ihr Übriges. Und ganz generell zeigt sich der Norden Wales als wahres El Dorado für Outdoorsportler… Wir sehen Mountainbiker, Rennradfahrer und Backpacker. Über uns zieht ein einzelner Gleitschirmflieger seine Bahnen in der Thermik des Steinbruchs, ach, und der Atlantik ist auch nicht weit. Sogar eine künstliche Welle soll es hier in einem der Baggerseen geben.

Daraufhin gestaltet sich die Suche nach einem der Witterung angemessenem Kletterspot nicht ganz so leicht. In den bekannten Slate Quarries mit ihrem dunklen Schiefer fühlt man sich bei dem wolkenlosen Himmel wie ein Fisch im Backofen. Und doch scheint hier die Zeit irgendwie stehengeblieben zu sein. Verlassene Bauten der ehemaligen Minenarbeiter, verrostete Schienen- und Seilzugsysteme, sengende, flimmernde Hitze – eine beeindruckende Reise in die Vergangenheit, wenn man bedenkt, dass der Dinorwic-Steinbruch (der ehemals zweitgrößte Schiefersteinbruch der Welt) seit 1969 stillgelegt ist.

Zum Glück haben wir jedoch ausgewiesene Kenner des Gebietes dabei, welche uns nicht nur die kletterhistorische Bedeutung des Gebietes näher bringen, sondern auch eines der wenigen schattigen Plätzchen ausfindig machen: die Serengeti. Hier verbringen wir den Rest des Tages mit einigen der rar gesäten, gebohrten Sportkletterrouten sowie schönen Rissverschneidungen, in denen wir die nahezu gesamte Palette der mitgebrachten DMM Dragon Cams, Wallnuts, Offset Nuts, Brass Offsets, Peenuts sowie I.M.P.‘s ausgiebig testen können. Das nenne ich mal ’ne Materialschulung vom Feinsten!

Werkbesichtigung in Llanberis

Pünktlich zum Wochenstart finden wir uns nun in den Büroräumen von DMM in Llanberis ein. Es folgen Gespräche mit verschiedenen Mitarbeitern sowie Produktentwicklern, bevor wir uns das Herzstück der walisischen Handwerkskunst aus nächster Nähe anschauen: die Produktionshallen. Dort, wo aus Aluminiumrohlingen Karabiner, Sicherungsgeräte und Seilrollen geformt, gepresst und geschmiedet werden, mitsamt eigener CNC-Fräse sowie Inhouse-Qualitätskontrolle.

Die Produkte von DMM durchlaufen den gesamten Produktionszyklus hier an Ort und Stelle. Einzig die Eloxierung findet aus umweltschutzrechtlichen Gründen an einem separaten Standort statt. Ein wirklich faszinierender Einblick, den wir hier bekommen, immerhin handelt es sich bei all diesen Produkten um sicherheitsrelevantes Material. Zeug, dem wir unser Leben anvertrauen!

Peek a boo, Gepäck wo bist du!?

Inzwischen am Flughafen Manchester: Unser Gepäck ist scheinbar auf dem Weg. Wie oder wo genau – die Antwort bleibt man uns schuldig. Also gehe ich meine einzige Unterhose kurzerhand im See waschen. Ob das so gut für die indigene Fauna ist? Ich wage es zu bezweifeln ;-) Da wir aber ohnehin den ganzen Tag auf Achse sind, macht es jetzt auch keinen großen Unterschied mehr, ob es noch ein T-Shirt zum Wechseln gibt oder nicht.

Vielmehr vermisse ich jedoch gescheite Zustiegsschuhe. Meine Sneaker sind zwar bequem, zum Wandern jedoch weniger geeignet. Denn am Nachmittag geht es zu den Idwall Slabs – ideales Gelände für einige richtig schöne Seillängen in gemäßigten Schwierigkeitsgraden (VD – HVS). Perfekt, um auch das Bauen verschiedener Standtypen mit mobilen Sicherungsgeräten zu üben. So vergehen die Stunden bis in den frühen Abend.

Erst das Donnern einer zweipropellerigen Royal Air Force Maschine lässt uns an den Horizont schielen, an welchem rasant und feuerrot die Dämmerung heraufzieht. Zeit für uns einzupacken und heimzufahren.

Mit eigens hergestellten Karabinern zur Rainbow Slab Area

Der letzte Tag vor dem Abflug, von unserem Gepäck immer noch keine Spur, aber inzwischen ist es uns auch egal. Vormittags geht es nochmal zu DMM. Als besonderes Highlight dürfen wir uns heute unter den wachsamen Augen der Mitarbeiter pro Person ein halbes Dutzend Karabiner selbst zusammensetzen, inklusive offizieller Abnahme, Laser-Gravur und stichprobenartigen Tests der Bruchlastwerte. Schon beeindruckend unter welchen Kräften Karabiner und Schlingen zerbersten – und wie diese Werte durch äußere Einflüsse wie Alterung, UV-Strahlung sowie Korrosion herabgesetzt werden.

Auf jeden Fall geht es im Anschluss mit jeder Menge Vertrauen in unser neu erworbenes Material, na klar, erstmal ’ne Runde klettern. Unser Ziel heute: Die Rainbow Slab Area. Dort angekommen zeigt ein markanter Riss im zentralen Wandteil den Weg nach oben. Mit „Bela Lugosi is Dead“ (E1 5b) klettern wir eine richtig schöne Vorzeigetour, in der von Cams und mittelgroßen Keilen, bis hin zu den richtig kleinen Brass Offsets wieder so ziemlich alles an Material gebraucht wird, das wir uns an die Gurte hängen können.

Spätestens jetzt sind alle von uns im Trad Fieber. Oder um es mit den Worten des Kletterführers zu sagen: „The Rainbow Slab itself is mostly old-school trad classics with minimal or no bolting giving run-out and technical routes requiring deft footwork, strong fingers and a very steady head“. Besser könnte man die großen Unterschiede zum klassischen Sportklettern, wie wir es hierzulande kennen, nicht umschreiben. So verlassen wir das Gebiet erst wieder mit dem Einbruch der Dunkelheit und gönnen uns zur Feier des Tages reichlich Guiness, Cider sowie Fish & Chips – so viel Zeit muss sein!

Wales, wir kommen wieder

Bevor nun unser Flug in Richtung Deutschland geht, testen wir noch schnell den einen oder anderen Boulder, um uns anschließend zu verabschieden und mit einem richtig dicken Dankeschön an Ben und DMM (nicht zuletzt für das ganze Leihmaterial) auf den Heimweg zu machen. So kümmern wir uns im Auto erstmal um unser bis dato verschollenes Gepäck, nur um mitgeteilt zu bekommen, dass sich dieses gerade eben per Kurier auf dem Weg nach Wales befindet. In diesem Sinne, Danke für nichts liebe Billigfluglinie aus Irland, dessen Namen ich hier lieber nicht nenne. Schließlich dauert es jetzt noch eine ganze weitere Woche, bis wir unsere geliebten Halbseile, Kletterschuhe sowie mehrere komplette Racks an Trad Gear wieder in Händen halten.

Zurück bleiben jedoch ausschließlich die positiven Erinnerungen und Eindrücke. So kann ich für das gesamte Team der mitgereisten Kolleginnen und Kollegen sprechen, wenn ich sage, dass es ein richtig gelungener Trip gewesen ist, der für die meisten von uns extrem lehrreich war. Wales, wir kommen definitiv wieder!

Klettern an der Adria – Istrien, ein Paradies für Sportkletterer

18. September 2018
Tipps und Tricks

Wenn man Kroatien oder Istrien hört, denkt man zunächst nur an Badeurlaub, viel Sonne, schöne Strände, warmes Wasser und fantastische Wände. Moment, Wände? Ganz richtig, denn neben all diesen touristisch attraktiven Zielen mausert sich Kroatien gerade zu einem sehr beliebten Kletterspot. Vor allem im Frühjahr und im Herbst, wenn es bei uns noch zu kalt oder schon wieder zu ungemütlich ist, liefert Kroatien die besten Bedingungen zum Klettern am Fels. Doch es locken nicht nur aussichtsreiche Felsen in bester Qualität, auch das Rahmenprogramm kann überzeugen.

Kroatiens Vorteil ist, dass es hier zum Einen zahlreiche junge Gebiete gibt, die sportklettermäßig sehr gut abgesichert sind und zum Anderen, dass man die Vorzüge des entspannten Lebensgefühls an der Adriaküste voll und ganz genießen kann. Da Kroatien gerade einmal acht Millionen Einwohner hat, kann man sich denken, dass die Klettergebiete nicht sonderlich überlaufen sind und man somit auch die Ruhe eines beschaulichen Dorfes genießen kann.

Kleine Dörfer und ganz viel Wald

Als ich zum ersten Mal istrischen Boden betrete bin ich regelrecht in die kleinen malerischen Ortschaften verliebt. Jede Örtlichkeit besitzt eine kleine Kirche aus Stein, deren Kirchtürme man Kilometer weit auf den sanften Hügeln sieht. Und zudem sieht man Wald, viel Wald.

Wer sich jetzt Gedanken darüber macht, wo und wie man hier Klettermeter sammeln soll, wo hier doch alles so flach erscheint, der kann beruhigt werden: die Felsen kommen.

Wir beginnen mit unserem Ausgangspunkt der Kleinstadt Roc. Roc ist etwa 50 Kilometer südöstlich von der italienischen Großstadt Triest entfernt und in unmittelbarer Nähe von Buzet, einer Stadt mit etwa 6100 Einwohnern, die sich eignet, um seinen Vorrat an Lebensmitteln aufzustocken. Obwohl Roc ein Stadtrecht besitzt, wohnen nur knapp 180 Menschen in dem kleinen Ort. Mit ihren kleinen Appartements und Ferienwohnungen ist die Stadt perfekt, um dort sein Basecamp aufzuschlagen.

Kompanj bei Roc

Von unseren Vermietern werden wir mit Sliwowitz und heimischem Obst begrüßt und fühlt sich direkt wohl. Schaut man sich etwas genauer um, sieht man nach wie vor eine Menge Wald. Doch etwas weiter im Hinterland erheben sich ein paar unscheinbare Hügel mit Wänden. Unser erstes Ziel steht fest: die wollen wir uns ansehen.

Über holprige Straßen erreichen wir nach einer Viertelstunde das Klettergebiet Kompanj, das eines der schönsten und größten Klettergebiete in ganz Istrien ist. Besonders schön ist hier, dass man fast den ganzen Tag in der Sonne klettern kann, man eine grandiose Aussicht über Istrien hat und sogar ein kleines Eck vom Meer sieht.

Unser Auto parken wir an dem Parkplatz, den man dank der Beschilderung nicht verfehlen kann. Wer mit dem Campingbus oder Zelt unterwegs ist, kann auf dem Parkplatz auch direkt nächtigen. Voraussetzung ist hierfür jedoch sich (wie immer) ruhig zu verhalten und keinen Müll zu hinterlassen.

Vom Parkplatz ausgehend, erreicht man, mittels den Holztafeln, innerhalb von 15 Minuten das südlich ausgerichtete und familienfreundliche Klettergebiet. Ab hier muss man sich jetzt nur noch für einen der vier Sektoren entscheiden. Routen vom Schwierigkeitsgrad 5 bis 10 sind hier alle dabei und sowohl Kraftpakete als auch Plattenschleicher kommen hier auf ihre Kosten. Selbst ein paar Sinterschmankerl sind hier zu finden.

Da sich die meisten Routen im 20 bis 30 Meter Bereich einordnen lassen, ist man an den Felsen mit einem 70 Meter Seil gut unterwegs. Zudem sind die Routen sportklettermäßig perfekt abgesichert. Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen, bei denen ein paar Bolts schon Rost angesetzt haben. Eine Routenempfehlung kann man hier wohl kaum abgeben, da jeder Sektor seine eigenen Vorzüge hat.

Kamena vrata bei Buzet

Wenn man noch eine Alternative in der Nähe von Buzet sucht, ist man mit dem Gebiet Kamena vrata bestens beraten. Der Felsen liegt im Randgebiet der Stadt in einem kleinen Canyon und ist vor allem am Nachmittag schön schattig und nicht zu heiß.

Der Parkplatz ist direkt neben der Straße und an einem Fluß. Das Campen eignet sich auch hier wieder gut. Um an den Felsen zu gelangen, überquert man einfach die Straße und ist in 5 Minuten schon dort.

Vier Sektoren locken mit anfängertauglichen bis hin zu sehr sportlichen Routen und einer perfekten Absicherung. Auch für Genusskletterer, die lange und gemütliche Touren suchen, ist hier etwas dabei.

Die Route „Gucci Gucci“ im Sektor Botanicus checkt zwar „nur“ bei 5a UIAA ein, ist aber ein richtiges Schmankerl für Anfänger oder zum Aufwärmen. Am Umlenker angekommen, hat man einen schönen Blick auf die Stadt Buzet und den kleinen Canyon.

Vela Draga im Ucka Nationalpark

Uns zieht es weiter in Landesinnere, beziehungsweise Richtung Rijeka, in den östlichen Teil Istriens. Hier landet man geradewegs im Ucka Nationalpark, dessen Felstürme man direkt neben der Autobahn definitiv nicht übersieht.

Seit 1963 steht die Vela Draga Schlucht unter Naturschutz und wird seit 1998 auch vom Staat als geomorphologisches Naturdenkmal geschützt. Im Nordwesten der Schlucht stehen bis zu 100 Meter hohe Steinsäulen, die durch Erosion des Kalksteingebirges entstanden sind. Im Osten wird die Schlucht durch eine imposante Felswand begrenzt. Allerdings wird an der Schlucht auch schon seit 1930 an den Türmen geklettert. Doch Naturschutz und Kletterer haben sich bisher nicht negativ beeinflusst. Ein friedliches und rücksichtsvolles Miteinander zwischen Natur und Sportler ist hier bestens organisiert.

Um in die Schlucht zu gelangen, parkt man an dem beschilderten Parkplatz, der sich direkt an der Autobahn befindet. Von dort aus folgt man dem Themenpfad mit den entsprechenden Infoschildern. An diesen kann man sich auch gleichzeitig über die Entstehung der Steintürme umfassen informieren.

Nach etwa 600 Metern folgt der steile Abstieg in die Schlucht. Hier sollte man unbedingt trittsicher unterwegs sein und darauf achten keine Steine loszutreten, da sich häufig ein Klettergarten unterhalb des Weges befindet.

Nach gut 20 Minuten hat man das Zentrum der Türme erreicht und schnell fällt auf, was Vela Draga alles zu bieten hat. 11 (teilweise auch kleine) Sektoren mit über 60 Routen, die wiederum kleine Leisten, Überhänge und Platten haben, zeichnen die Schlucht aus. Eins ist sicher: Anfänger wie auch Profis werden hier glücklich. Vor allem die Ausgesetztheit an den Türmen ist reizvoll. Allerdings hat man dann doch ganz schön viel Luft unter dem Hintern und muss seine Psyche zu dem ein oder anderen Zug erst mal überreden. Doch die Aussicht über die Schlucht ist eine würdige Belohnung.

Après Climbing Programm

Wer nach dem Klettern eine Abkühlung sucht, oder den Flair des Mittelmeeres erleben möchte, der ist in Opatija genau richtig. Vor allem außerhalb der Hauptreisezeiten ist der Charme der Stadt ganz besonders. Den Strand hat man fast für sich alleine und zahlreiche Lokale laden dazu ein die kroatische Küche zu entdecken.

Quer durch Istrien

Weiter geht es quer durch ganz Istrien an die westliche Küste, an den bekannten Limski Kanal. Von vielen wird der Kanal oft fälschlicherweise als Fjord bezeichnet (aber ein Fjord entsteht durch einen Gletscher, der hier definitiv fehlt um von einem Fjord sprechen zu können). Der Limski Kanal ist vielmehr eine sogenannte Ria – eine schmale, lange und weit ins Landesinnere reichende Meeresbucht, die aus Flusstälern hervorgegangen ist. Nichts desto trotz erinnert der Kanal an einen Fjord.

Wie bei den vorherigen Örtlichkeiten, gibt es auch auch hier einen Campingplatz. Dieser befindet sich direkt am Kanal. Wer sich allerdings gegen das Campen entscheidet, kann auf eine der zahlreichen, günstigen Appartements zurückgreifen, die sich entweder Richtung Ronvinj im Süden oder Porec im Norden befinden.

Wir halten uns an das nördliche Ufer des Kanals und parken kurz vor einem großen Aussichtsturm mit Souvenirladen. Kurz an der Straße entlang und am Turm vorbei gelaufen, führt ein schmaler Pfad abwärts in den Wald. Da sich einige Wege bereits im Wald trennen, ist es hier am besten schon im Vorhinein entschlossen darüber zu sein, welcher der fünf Sektoren besucht wird. Schilder gibt es hier keine, aber mit ein wenig Orientierung ist man sicher unterwegs.

Nach etwa 20 Minuten erreicht man das Klettergebiet und hat einen wunderschönen Ausblick über den Fjord, nein sorry über die Ria, mit einigen Fischfarmen und dem bewaldeten Umland. Der Fels ist grau-gelb, schön kompakt und wieder findet man von sehr gemütlichen Touren bis hin zu technischen oder kräftigen Herausforderungen alles was das Herz begehrt. Die meisten Routen sind jedoch senkrecht bis leicht überhängend mit Slopern und guten Griffen.

Für die leichteren Touren sollte man beachten, dass die Absicherung zwar nach wie vor gut ist, aber die Hakenabstände teilweise etwas weitersind. Nicht jedermanns Sache aber auf jeden Fall noch vertretbar.

Da der Fels komplett südlich ausgerichtet ist, ist dieses Gebiet eher was zwischen Herbst und Frühjahr oder für späte Abendstunden mit Sonnenuntergang über dem Limski Kanal. Auch Familien können hier einen entspannten Klettertag genießen. Dabei sollte die Sonnencreme jedoch nicht vergessen werden. Ein wenig ungewohnt ist am Ende des Klettertages, dass man nicht entspannt zum Auto runterlaufen kann, sondern noch den kleinen Anstieg bewältigen muss. Aber nach so vielen schönen Eindrücken nimmt man diese Anstrengung eigentlich gar nicht mehr wahr.

Der besondere Charme Kroatiens

Um den Klettertag angemessen ausklingen zu lassen gibt es in Istrien dutzende Möglichkeiten. Ob größere Stadt an der Küste oder verschlafenes Dorf im Landesinneren, überall begegnet man herzlichen und freundlichen Menschen, bei denen man sich direkt zu Hause fühlt.

Wenn man die Nähe zum Meer sucht, sind vor allem Novigrad im Westen und Opatija im Osten empfehlenswert. Bezaubernde Gassen, kleine Cafés und ausgedehnte Strände mit kleinen Häfen laden zum Seele baumeln und entspannen ein.

Nach einem anstrengenden Klettertag die Füße in das noch laue Meer hängen lassen oder noch direkt am Klettergarten den Sonnenuntergang genießen, die Farben, die der kroatische Horizont zu bieten hat, sind einzigartig und genauso ist das Klettererlebnis in diesem kleinen Land.

Nur die selbstgebrannten Schnäpse der Kroaten sind definitiv mit Vorsicht zu genießen. Denn hier ist der Alkoholgehalt teilweise so hoch, dass man auch am nächsten Tag noch meint, man hat ein Zwillingsseil statt dem eigentlichen Einfachseil dabei. Doch auch eine solche Erfahrung bereichert einen Klettertrip enorm.

Ein paar Fakten zur Orientierung

Kompanj Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz bei Klobasi
  • Zustieg: 15 Minuten, gut beschildert
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: Sinter-, Platten-, Überhang-, Wandkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 5c bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Kamena vrata Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz am Fluss kurz nach Buzet
  • Zustieg: 5 Minuten, nicht zu verfehlen
  • Ausrichtung: Südöstlich
  • Charakter: Platten-, Wand-, Sinterkletterei
  • 4 Sektoren mit etwa 50 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4c bis 8a+
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Familienfreundlich und perfekt abgesichert

Vela Draga Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz „Vela Draga“ direkt an der Autobahn
  • Zustieg: über Themenpfad, gut beschildert
  • Ausrichtung: Nordöstlich
  • Charakter: Leisten-, Überhang-, Plattenkletterei
  • 11 große und kleine Sektoren mit etwa 60 Routen
  • Schwierigkeit: 4a bis 7b
  • Ausrüstung: Sportklettern, 70 Meter Seil
  • Bedingt familienfreundlich (steiles Gelände im Zustieg), gute Absicherung

Limski Kanal Fakten

  • Ausgangspunkt: Parkplatz kurz vor dem Aussichtsturm direkt an der Straße
  • Zustieg: nach dem Aussichtsturm Pfad abwärts in den Wald
  • Ausrichtung: südlich
  • Charakter: senkrechte und überhängende Klettereien
  • 5 Sektoren mit etwa 100 Routen insgesamt
  • Schwierigkeit: 4b bis 8c
  • Ausrüstung: Sportklettern, 80 Meter Seil
  • Familienfreundlich, gute Absicherung

Alpine Gefahren und wie man sie bestmöglich umgeht

13. September 2018
Tipps und Tricks

Letztens im Klettergarten ist doch diesem Typen der Bart in den Abseilachter geraten. Und wo war das nochmal mit dem in den Oberschenkel gehauenen Eispickel? Ich glaub in Chamonix, da ist ja auch letztens einer von seinen über die Schulter gelegten Seilschlingen erdrosselt worden. Und wie war das nochmal mit der Frau, die auf einem angeschmolzenen Schneefeld ertrunken ist? Denkt man genauer drüber nach, auf welche Arten man am Berg eigentlich zu Schaden kommen kann, ist man geneigt, kurzfristig die geplante Tour mit den Kollegen abzusagen. Doch das ist gar nicht nötig, immerhin muss man es mit der Vorsicht auch nicht total übertreiben :-)

Einerseits ist es wichtig, die hier im Artikel porträtierten Gefahren der Berge zu kennen, aber andererseits sollte man diese auch nicht zu sehr in den Vordergrund stellen. Als gesunden Mittelweg empfehlen wir, sich sorgfältig zu informieren, um möglichst alle realistischen Gefahrenquellen zu kennen (ohne sich davon verrückt zu machen). Mindestens genauso vergegenwärtigen sollte man sich die schönen Seiten der Berge und sich die Vorfreude auf kommende Touren nicht schmälern lassen.

Allerdings ist die Grenze zwischen diesem gesunden Optimismus und dem puren Leichtsinn fließend und nicht immer einfach zu erkennen. Die meisten Bergunfälle resultieren aus einer falschen Einschätzung dieser Grenze. Deshalb sollte man besonders als Einsteiger die Schwierigkeit und den Anspruch der geplanten Tour im Zweifel herunterschrauben – und während einer Tour besser umkehren, wenn Unsicherheiten und Verzögerungen (zum Beispiel Wetterentwicklung, Tempo der Gruppenteilnehmer, …) auftreten.

Gefahrenquellen

In den Bergen gibt es fast nichts, was nicht zur Gefahrenquelle werden kann. Der rutschige und lockere Untergrund, das falsche Schuhwerk, die hinterm Berg versteckt heraufziehenden Wolken oder die sich im Geröll verlierende Wegspur. Vor kurzem wurden sogar Kühe als alpine Gefahr entdeckt – es hatte eine Reihe kurioser Kuhattacken gegeben, die Zweifel an der unerschütterlichen Harmlosigkeit des Wiederkäuers weckten. Doch alles in allem dürfte sich das Risiko vom wahnsinnig gewordenen Alpenrind gehörnt zu werden in Grenzen halten. Schauen wir stattdessen auf die „klassischen“, regelmäßig auftretenden Gefahren der Berge.

Der Berg und seine Umwelt

Früher galt schon die bloße Nähe eines Bergs als gefährlich. Neben Lawinen und Eis waren dort Drachen und böse Geister zu fürchten. Obwohl die übernatürlichen Bedrohungen heute nicht mehr allzu bedeutend sind, haben die Berge noch immer einiges an Gefahr zu bieten.

Gelände

Hohe Wände, schmale Grate und Felsbänder, auf denen sich der Weg entlangschlängelt. Der Absturz aus eisigen Höhen dürfte spätestens seit dem Matterhorn-Erstbesteigungsdrama die sinnbildliche Berggefahr Nummer 1 sein. Und in der Tat, wo es hoch hinaus geht ergeben sich viele Möglichkeiten tief zu fallen. Dafür muss es gar nicht mal dramatisch steil zugehen, denn auf hart gefrorenem Gletschereis reicht schon ein geringes Gefälle aus, um im Falle eines Falles eine nicht mehr zu bremsende Fahrt aufzunehmen.

Gefahrenvermeidung: Die Tour passend zum Können planen und im Absturzgelände stets konzentriert bleiben. Wenn gesichert werden soll, müssen die entsprechenden Handgriffe und der Umgang mit dem Material wirklich „sitzen“. Ansonsten ist umkehren die bessere Alternative.

Steine

Verwitterung, Erosion und Permafrost bestimmen die Stabilität der Felsen und Berge. Überall dort wo der steinerne Zusammenhalt bröckelt lösen sich Steine, Blöcke oder manchmal ganze Felsstrukturen. In ersterem Fall spricht man von Steinschlag, bei letzterem von einem Felssturz. Ein Felssturz von großem Ausmaß wird Bergsturz genannt. In solchen Fällen nützt natürlich auch der Steinschlaghelm nichts mehr. Doch das Risiko, solch große Gesteinsmassen abzubekommen, ist eher gering.

In den meisten Alpenregionen gibt es ein geologisches Monitoring, durch welches viele Fels- und Bergstürze vorhergesagt und entsprechende Bereiche abgesperrt werden. Eine Garantie gegen solche Naturgewalten gibt es dennoch nicht.

Gefahrenvermeidung: Gegen Verletzungen durch kleine Geschosse und auch gegen schmerzhafte Kopfstöße beim Klettern hilft das Tragen eines Steinschlaghelms. Zusätzlich sollte man in steinschlaggefährdetem Gelände stets wachsam und reaktionsbereit sein. Wenn Steine geflogen kommen, begibt man sich so schnell und so nah wie möglich an den Hang bzw. die Felswand (möglichst unter einen Vorsprung, Gesicht zum Hang gewendet) und schützt den Kopf am besten mit dem Rucksack, notfalls mit den Armen.

Beim Klettern kommt das Risiko von Griff- und Trittausbruch sowie des Ausbruchs von (Zwischen)Sicherungen hinzu. Hier schützt man sich am besten, indem man den Fels durch abklopfen auf Festigkeit prüft. Ein sattes, leises Geräusch weist auf Festigkeit hin. Ein hallender, hohler und lauter Klang mahnt hingegen zur Vorsicht.

Eis

Auch Eis kommt gerne mal von oben angeflogen. Wanderer betrifft das kaum, Hochtourengeher im Gegensatz durchaus. Hochtourengeher passieren an den großen Bergen öfter Gletscherbüche, Eisbalkone oder gar Hängegletscher. Der Grad des Risikos hängt hauptsächlich von der Temperatur und der Stabilität der Eisformation ab. Grundsätzlich gilt: je fester das Eis gefroren ist, desto geringer ist die Gefahr, dass sich etwas löst.

Die Gefahrenvermeidung funktioniert mehr oder weniger gleich wie beiden fliegenden Steinen. Allerdings ist der Zeit- und Planungsfaktor hier noch wichtiger.  Eisschlaggefährdete Stellen sollte man möglichst früh am Tag hinter sich gebracht haben.

Schnee

Schneemassen als Gefahrenquelle betreffen vor allem Skitourengeher, Schneeschuhgeher, Freerider und andere Winter-Bergsportler. Hier gilt es sich mit dem Lawinenlagebericht auseinanderzusetzen und sich mit der Materie theoretisch und praktisch fit zu machen. Ein Anfang dafür kann beispielsweise der Basislager-Artikel zum Thema Skitourenplanung sein.

Abgeschiedenheit – Infrastruktur – Versorgung

Trotz dichter Erschließung der Alpen findet man sich beim Bergwandern und -steigen gelegentlich in Bereichen wieder, in denen der nächste Latte Macchiato weit weg ist. Um stets genügend Energie für alle Herausforderungen zu haben, gehört ausreichend Treibstoff in Form von Proviant in den Rucksack. Zudem kann oberhalb der Schneegrenze auch das Wasser sehr knapp werden.

Gefahrenvermeidung: Mit vorausschauender, zurückhaltender und wenn möglich flexibler Tourenplanung lassen sich die allermeisten Notlagen von vornherein vermeiden.

Höhensonne

Nicht nur die stärkere UV-Strahlung, sondern auch die Hitze gehört zu den sonnenbedingten Risikofaktoren im Gebirge. Die aggressive Strahlung wird in der Höhe aufgrund der geringeren Atmosphärendichte weniger reflektiert, absorbiert und kommt stattdessen direkt auf der menschlichen Haut an. Die Hitze wird in der alpinen Höhe aufgrund der trockenen Luft und der oft anstrengenden Bewegungen viel schneller als im Tal zur Belastung. Dazu kann das grelle und vom Schnee extrem stark reflektierte Sonnenlicht die Augen stark belasten und zu Kopfschmerzen oder gar Schneeblindheit führen.

Gefahrenvermeidung: Die ziemlich einfachen und effizienten Schutzmaßnahmen dürften allgemein bekannt sein: einen gut sitzenden Sonnenhut tragen, eine gute Sonnencreme benutzen und eine gute Sonnen- bzw. Gletscherbrille auf der Nase. Trinkt man dann noch regelmäßig, vor dem großen Durstgefühl, in kleinen Schlückchen ausreichend Wasser, sollte man mit der Höhensonne keine Probleme bekommen.

Luftdruck – Sauerstoffgehalt

Steigt der Mensch in die Höhe, machen sich diverse vorübergehende körperliche Veränderungen bemerkbar. Je nach Aufstiegshöhe und -geschwindigkeit sind diese Veränderungen mehr oder weniger intensiv und unangenehm. Ab etwa 2000m Höhe bemerken die meisten Menschen Unterschiede zum Befinden in Meereshöhe. Schnelle Müdigkeitserscheinungen, Kopfschmerzen und leichte Schwindelgefühle können sich einstellen.

Steigt man zu schnell zu hoch, kann auch die lebensbedrohliche Höhenkrankheit auftreten. Deren Symptome resultieren aus der geringeren Sauerstoffmenge, die der Körper jetzt noch aus der Luft ziehen kann. Der Sauerstoffanteil ist zwar in jeder Höhe der Gleiche, doch mit zunehmender Höhe und „dünnerer“ Luft gibt es weniger verfügbare Luftmoleküle und damit auch weniger Sauerstoffmoleküle.

Die Gefahrenvermeidung ist auch hier ganz einfach und besteht darin, dem Körper genügend Zeit zu geben. Er kann sich nämlich problemlos auf das verringerte Sauerstoffangebot einstellen, indem er vermehrt rote Blutkörperchen produziert. Dieser Prozess dauert je nach Höhe und Aufstiegsgeschwindigkeit einige Stunden bis Tage (oder auch Wochen, wenn es auf die richtig großen Berge der Welt geht). Während der Umstellung ist der Körper weniger belastbar und hat einen erhöhten Flüssigkeitsbedarf, sodass auf reichlich Wasser- und Mineralstoffzufuhr zu achten ist.

In den Alpen kann man die höchsten Gipfel nach ein bis zwei Akklimatisierungstouren auf kleinere Berge von 2500 – 3500m Höhe, nach einigen Tagen Aufenthalt in 2000m Höhe, oder mehr, ansteuern. Es gibt zwar auch den, an manchen Viertausendern durchaus funktionierenden, „Trick“ so schnell auf- und abzusteigen, dass der Körper die Höhenänderung „gar nicht mitbekommt“, doch das ist eine ziemlich belastende und auch nicht ganz ungefährliche Strategie. Man sollte hier besser nicht irgendwo hoch oben „steckenbleiben“ …

Wetter

Je höher es hinaus geht, desto stärker ist man dem Wind und den Wetterlementen ausgesetzt. Das liegt vor allem daran, dass der Wind mit zunehmender Höhe auf weniger Reibungswiderstand und Hindernisse durch den Erdboden und das Gelände trifft. Auch andere Wetterelemente wie  Niederschlag und Temperatur schlagen dort heftiger aus, da die Berge eine Barriere bilden an welcher sich die Wolken stauen, auftürmen und abregnen. Deshalb gehen in den Bergen Wetterumschwünge und Gewitter meist schneller und heftiger vonstatten als im Flachland.

Gefahrenvermeidung: Auch hier ist es kein großes Geheimnis wie man sich am besten schützt. Zunächst holt man sich möglichst genaue Wetterprognosen ein, um daran die (eher vorsichtige/defensive) Tourenplanung auszurichten. Während der Tour beobachtet man möglichst fortlaufend die Wetterentwicklung und gleicht sie mit der Prognose ab. Darüber hinaus hat man am Berg auch bei schönstem Sommerwetter immer eine Isolationsjacke bzw. ein wärmeisolierenden Pulli und eine Regenjacke/Hardshelljacke dabei.

Die komplexeste Gefahr: der Mensch

Achtung, jetzt wird’s philosophisch: der Mensch ist auch am Berg ein komplexes Wesen mit sehr vielen Verhaltensoptionen und Möglichkeiten, Fehler zu machen. Außerdem neigt der Mensch zur Unvernunft und handelt aus extremen inneren und äußeren Zuständen heraus: von hundemüde bis hellwach, von angenervt bis euphorisch, von resigniert bis inspiriert, von panisch bis tollkühn. All diese Zustände können die Gefährdung sowohl erhöhen als auch verringern – je nachdem ob sie zur rechtzeitigen Verkürzung oder zum Abbruch der Tour führen, oder zu riskanten Aktionen verleiten.

Eine tolle Fitness kann zum Beispiel das Risiko verringern, wenn man schneller und sicherer unterwegs ist. Gleichzeitig kann sie aber auch die Gefahr erhöhen, indem man sich durch sie zu viel vornimmt.

Körperliche Verfassung 

Wenn keine Möglichkeit zur Umkehr besteht oder man sich hoch oben an einem anspruchsvollen Berg befindet, wird die (vorschnelle) Ermüdung zum größten Risikofaktor. Das subjektive Müdigkeitsgefühl kann einen manchmal ganz schön täuschen, weshalb die äußeren Anzeichen wahrgenommen werden sollten. Langsamere Reaktionen, eine nachlassende Konzentration und Koordination sind verlässliche Marker für eine körperliche Ermüdung.

Je geringer die körperliche Fitness ist, desto schneller setzt die Ermüdung ein. Klingt trivial, ist aber in der Praxis gar nicht so leicht zu handhaben, denn man muss den eigenen Körper recht gut kennen, um das eigene Leistungsvermögen mit den Zahlen und Daten einer geplanten Bergtour abgleichen zu können. Gelingt dieser Abgleich, hat man eine realistische Selbsteinschätzung bewiesen und wird sich auf der Bergtour weder unter- noch überfordert fühlen.

Normalerweise benötigt man Erfahrung (inklusive einiger Touren-Fehlschläge), um zu einer realistischen Selbsteinschätzung zu kommen. Die wachsende Erfahrung geht im Idealfall mit wachsender Fitness durch Training und wachsendem technischen Können (bessere Steig- und Klettertechnik, effizienterer Umgang mit dem Material, usw.) einher.

Das körperliche Leistungsvermögen wird von sehr vielen physischen und psychischen, äußeren und inneren Faktoren wie Orientierungsfähigkeit, Ausrüstung oder auch der Taktik beeinflusst. Je mehr man von diesen Faktoren kennt, bewusst einbezieht und durch Training positiv beeinflusst, desto geringer ist das Risiko einer geplanten Tour.

Noch komplexer wird es, wenn mehrere Menschen gemeinsam unterwegs sind. Dann gewinnt der psychologische Faktor an Bedeutung und die Gruppendynamik treibt ihre bunten Blüten.

Ausrüstung

Je anspruchsvoller die Bergtouren, desto mehr Gefahrenquellen gibt es und desto mehr wird die Ausrüstung zum Risikofaktor. Pickel, Steigeisen, Seil, Karabiner und Co. bieten unendliche Möglichkeiten sich durch Anwendungsfehler in Teufels Küche zu bringen. Welch absurde Pannen und Unfälle dabei möglich sind, klärt seit vielen Jahren die Buchreihe „Sicherheit und Risiko in Fels und Eis“ von Pit Schubert auf.

Gibt es subjektive und objektive Gefahren?

Das klassische Darstellungsschema der Gefahren am Berg trifft eine Unterscheidung zwischen subjektiven und objektiven Gefahren. Als subjektive Gefahren gelten jene, die „von innen kommen“, also aus dem Menschen heraus entstehen. Als objektive Gefahren gelten jene, die „von außen kommen“, also „vom Gebirge ausgehen“. Diese Unterscheidung suggeriert, dass nur ein Teil der Gefahren beeinflusst werden kann, während der Rest der objektiven Gefahren „nicht beeinflussbar“ und demnach als „Restrisiko“ hinzunehmen ist.

Mittlerweile gilt jedoch eher der Standpunkt, dass es keine objektiven Gefahren gibt, da sämtliche Gefahren überhaupt erst durch die subjektiven Entscheidungen entstehen. Auch die Gefahr von Steinschlag und Lawinen entsteht letztendlich erst durch die subjektive Entscheidung, die Bergtour anzutreten. Mit dieser Entscheidung begibt man sich immer bereitwillig ein Stück weit in Gefahr – so ähnlich wie man sich bereitwillig in eine gewisse Gefahr begibt; zum Beispiel wenn man in ein Auto steigt.

Fazit

Ja, es „lauern“ viele Gefahren im Gebirge, soweit die schlechte Nachricht. Doch die Gute folgt sogleich: die allermeisten dieser Gefahren lassen sich auf erfreulich einfache Weise eliminieren bzw. minimieren. Mit einer den Voraussetzungen der Tourenteilnehmer und der erwartenden Wetterlage angepassten Tourenplanung hat man hier schon mehr als die halbe Miete! Und  je mehr Touren du vorsichtig angehst, desto mehr Erfahrung gewinnst du – und Erfahrung ist eine der wertvollsten Ressourcen am Berg überhaupt. Aus ihr kann ein Gefühl für den Berg („Mountain Sense“) entstehen, „eine Art sechster Sinn, der als Radar arbeitet um alpine Gefahren zu erkennen. Du entwickelst dieses Gefühl durch viel Erfahrung und die Art und Weise wie du deine Erfahrungen reflektierst.“ In diesem Sinne passt auf euch auf und habt eine tolle Bergerfahrung!

Die Wahl der Zeltfarbe – mehr als eine Geschmacksfrage

11. September 2018
Tipps und Tricks

„Nein, wir nehmen auf unsere Tour nicht den aufgeblasenen Goldfisch mit, den sieht man ja auf hundert Kilometer!“ So oder so ähnlich enden bei uns zu Hause oft Diskussionen zur Auswahl des geeigneten Zelts bzw. der optimalen Zeltfarbe. Grün, rot, weiß, blau, gelb, schwarz und alle anderen Farben auch, bei Zelten gibt es fast nichts, das es nicht gibt. Unterschiedliche Farben haben dabei nicht selten auch unterschiedliche Eigenschaften und Funktionen, die mal mehr oder weniger wichtig sein können.

Warum die Zeltfarbe aber so wichtig ist, um darüber lange Diskussionen zu führen, was außer „gefällt mir“ oder „gefällt mir nicht“ noch dahinter steckt und warum wir den fetten Goldfisch (ein knallorangenes Zwei-Mann-Zelt) trotzdem lieb haben, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Atmosphäre

Wer kennt das nicht, ein Zimmer kann noch so gemütlich eingerichtet sein, hängt man aber eine kaltweiße Neonröhre an die Decke ist das ganze Ambiente futsch. Ähnlich verhält es sich mit einem Zelt. Zeltplanen sind in der Regel nicht lichtdicht und lassen daher Restlicht durch. Wie stark die Lichtintensität jedoch ist, hängt mitunter von der Farbe des Zelts ab. Auch die Lichtfarbe im Inneren des Zelts steht in Abhängigkeit zur Farbe der Außenhaut. Daher macht es durchaus Sinn einmal darüber nachzudenken, welche Ansprüche man an das natürliche Licht innerhalb eines Zelts hat.

Es gibt Menschen, die können nur dann schlafen, wenn es absolut dunkel ist. Heller Mondschein, Straßenlaternen oder auch nur die frühmorgendliche Dämmerung stellen somit ein definiertes Feindbild dar. Diesem Problem kann man mit der gezielten Wahl der Zeltfarbe problemlos entgegenwirken. Wenn ihr euch also auch schon bei Aussprüchen wie: „Schatz ich kann nicht schlafen, der große Wagen leuchtet heute wieder so hell!“, ertappt habt, solltet ihr darauf achten ein Zelt zu wählen, das möglichst wenig Licht nach innen durchlässt. Dunkle Farben wie schwarz, dunkelgrün, blau und grau sind hierzu bestens geeignet.

Ist es im Zelt schön dunkel kann man vielleicht besser und länger schlafen. Jedoch kann dieser Segen auch schnell zum Fluch werden, wenn man sich tagsüber im Zelt aufhalten möchte bzw. muss. Da ist es dann nämlich auch vergleichsweise finster.

Regentage können so zu einer echten Zerreißprobe werden, denn gerade an trüben Tagen sieht die Welt in dunklen Zelten noch trüber aus, als sie es eigentlich ist. In farbenfroheren und vor allem helleren Zelten gestaltet sich das schon ganz anders. Selbst wenn draußen beinahe die Welt untergeht, ist es meist noch ausreichend hell um Karten zu spielen oder ein Buch zu lesen. Auch wirken sich ein strahlendes Gelb, Hellgrün oder Orange positiv aufs Gemüt aus und helfen dabei den Lagerkoller ein wenig hinauszuzögern.

Lichtabsorbtion

Jeder der schon einmal im Hochsommer in einem schwarzen Auto gesessen hat kann mitreden. Alles was dunkel ist heizt sich im Sonnenlicht stark auf. Davon sind selbstverständlich auch Zelte nicht ausgenommen. Vor etwa zehn Jahren verbrachte ich meinen Sommerurlaub in Griechenland; mit dabei war auch mein dunkelgrünes Zelt, damals das Einzige, das ich besaß. Dieses Zelt hatte die Eigenschaft sich in der Sonne dermaßen aufzuheizen, dass ich oft bereits in den frühen Morgenstunden aus dem Schlaf gerissen wurde.

Selbst an Tagen, die eigentlich zum Entspannen und Erholen vorgesehen waren, wurde ich einige Male zum unfreiwilligen Frühaufsteher.

Klar kann man auch versuchen sein Zelt in den Schatten zu stellen, allerdings ist das je nach Zeltplatz schwierig bis hin zu unmöglich. Auch kann der Verlauf der Sonne dazu führen, dass man nur zu einer bestimmten Tageszeit Schatten hat. In Solchen Fällen ist es also definitiv von Vorteil wenn das Zelt eine Farbe aufweist, die das Licht schlechter absorbieren und sich somit auch weniger stark aufheizen kann. Hierzu sind helle Farben wie Weiß, Gelb oder Hellgrau bestens geeignet.

Wer jedoch gerne im Winter oder in kalten Regionen zeltet, wird sich vielleicht über ein sich stärker aufheizendes Zelt freuen und sollte somit eher ein Zelt mit dunkler Plane wählen. Wenn man es dann noch schafft, das Zelt so zu platzieren, dass es schon in dem Morgenstunden Sonne abbekommt, steigt die Temperatur bis zum Aufstehen nicht selten auf ein halbwegs angenehmes Maß. Das Verlassen des warmen Schlafsacks sollte daraufhin nicht mehr all zu schwer fallen.

Sichtbarkeit

Betrachtet man einen Zeltplatz von oben, sieht der komplett chaotisch und kunterbunt aus. Klar, Zelte gibt es ja auch in allen erdenklichen Farben. Das ist zum einen sehr praktisch um dem persönlichen Geschmack gerecht zu werden, andererseits kann es aber auch helfen das eigene Zelt schneller zu finden. Stellen wir uns doch einfach einmal einen Zeltplatz in der Ferienzeit vor. Dort reihen sich die Zelte nicht selten dicht an dicht. Hätten jetzt alle Zelte die exakt gleiche Farbe, würde das Unterscheiden bzw. Auffinden des eigenen Zelts deutlich schwieriger werden. Auch der Satz: „Kannst du mir bitte meinen Pullover mitbringen, der liegt in dem roten Zelt da drüben.“, würde deutlich an Bedeutung verlieren.

Doch während unterschiedliche Zeltfarben auf dem Zeltplatz zunächst nur der Unterscheidung dienen, spielen sie in der freien Natur eine wesentlich bedeutendere Rolle. Hier stellt sich gleich zu Anfang eine bedeutende Glaubensfrage: „Will ich gesehen werden oder nicht?“. Diese Entscheidung zu treffen ist nicht nur wichtig, sondern auch gar nicht so einfach, wie es zunächst erscheint. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle mal zwei Denkansätze aufführen:

  • Minimal Impact und Homogenität mit der Landschaft

Es klingt wie eine Binsenweisheit, ist aber genau die Kernaussage dieses Arguments. „Was man nicht sieht, ist auch nicht da.“ Ein Zelt, das sich also mehr oder weniger perfekt in die Landschaft einpasst wird zunächst einmal nicht gesehen. Dies kann beispielsweise beim Wildcampen (ich weiß, keiner von uns würde das jemals verbotenerweise tun…) von Vorteil sein. Andere Personen sehen zumindest auf den ersten Blick nicht, dass da irgendwo ein Zelt in der Landschaft steht und fühlen sich somit auch nicht belästigt. Außerdem „verfilmen“ sich grüne, braune oder beige Zelte ganz gut mit der Umgebung und stören somit auch keine Fotomotive oder Panoramasichten.

  • Gut gefunden werden und „instagrammability“

Klar doch, wer beispielsweise sein Camp inmitten atemberaubender Natur fotografisch festhalten möchte, freut sich darüber, dass das Zelt besonders heraussticht. Sieht ja irgendwie auch cool aus… Eine gute Sichtbarkeit des Zelts kann aber noch wesentlich wichtigere Vorteile haben: Man kann es auch noch aus der Ferne sehen. Dies ist gerade bei Notfällen wichtig. Wer also beispielsweise auf fremde Hilfe angewiesen ist und einen Notruf absetzen muss wird voraussichtlich schneller gefunden werden, wenn er in einem krachbunten Zelt ausharrt. Aber auch in weniger dramatischen Situationen kann sich eine Signalfarbe beim Zelt bezahlt machen. Durch ein strahlendes Gelb, Orange oder Rot bleiben Zelte auch noch in dichtem Nebel halbwegs gut sichtbar und können so beispielsweise auf der Rückkehr von einer Tagestour schneller gefunden werden.

Insekten

Zum Thema wie sich die Zeltfarbe auf Insekte auswirkt gehen die Meinungen teilweise weit auseinander. Die einen raten von gelben Zelten ab, weil diese mehrheitlich Käfer anziehen sollen. Die anderen sehen das Problem eher bei der Farbe Orange. Und wieder andere behaupten, dass die Zeltfarbe kaum etwas mit der Anlockung von Insekten zu tun hat.

Auch kann es stark von der jeweiligen Gegend und den jeweiligen Insekten abhängen, welche Farbe eventuell bevorzugt wird. Somit ist es wahrscheinlich sinnvoller darauf zu achten, dass das Zelt über ausreichend engmaschige Insektennetze verfügt, sodass es hier für Krabbeltiere aller Art (egal wovon sie angezogen werden) kein Durchkommen gibt.

Welche ist nun die richtige Zeltfarbe?

Das ist so einfach nicht zu sagen. Wer sein Zelt überwiegend auf Zeltplätzen aufstellt und das auch noch in Regionen mit einem angenehmen Klima und ggf. unter einen Baum, der kann die Zeltfarbe einfach nach Lust und Laune wählen. Wer aber in der freien Wildbahn campen möchte, für den werden die oben genannten Punkte schon wesentlich wichtiger. Hierzu noch zwei Fallbeispiele:

Zelte ich auf einem Gletscher oder in hochalpinem Gebiet, ist es mir wichtig, dass ich im Fall eines Wetterumbruchs schnell wieder zu meinem Zelt zurückfinde. Gerade bei Nebel ist hier mit einem grauen oder weißen Zelt schnell der Ofen aus. Somit tendiere ich hier dazu das bereits erwähnte knallorangene Zelt mitzunehmen. Ein schnelles Auffinden des Zelts ist mir dabei wesentlich wichtiger, als dass es sich besonders gut in die Landschaft einpasst. Außerdem müsste ein Zelt, das auf Gletschern etc. optisch mit der Landschaft verschmilzt weiß oder hellgrau sein und das besitze ich ohnehin nicht. (Wird mir zu schnell schmutzig.)

Bin ich irgendwo im bewaldeten Gebiet unterwegs und komme vielleicht auch mal in die Verlegenheit, halblegal mein Lager aufzuschlagen oder will schlichtweg nicht gesehen werden, damit keiner dumme Fragen stellt, nehme ich hier in der Regel ein grünes Zelt mit. Für mich hat sich dabei hellgrün als perfekt herausgestellt. Diese Farbe passt sich meist gut in die Landschaft ein, bietet aber auch im Inneren des Zelts ein großartiges Licht. Ein Tipp noch für alle, die eher auf Tarnung setzen: Oft werden die Abspannleinen mit reflektierenden Fäden versehen. Wer also auch nachts nicht auffallen möchte, sollte diese tauschen.

Nun zu euch: Worauf kommt es euch bei der Zeltfarbe an? Nach welchen Kriterien wählt ihr aus? Schreibt uns doch mal einen Kommentar!

Gore-Tex Infinium – Schwarz zu Weiß

6. September 2018
Ausrüstung

Seit mittlerweile über 40 Jahren gilt die Firma Gore als eine Art Benchmark in Sachen Funktionsbekleidung. Die Marke ist in den Köpfen der Bergfreunde mit dauerhaft wasserdichter, winddichter und atmungsaktiver Bekleidung fest assoziiert und im klassischen Outdoorsport nicht weg zu denken.

Ab dem Herbst 2018 müssen wir uns aber auf eine kleine Umstellung gefasst machen, denn Gore-Tex Infinium betritt die Bühne. Was sich hinter dem blumigen Begriff verbirgt, wollen wir euch nun verraten.

Gore-Tex Infinium: Was ist das? Was kann das? Wer braucht das?

Bisher haben sich Gore-Tex Produkte ganz einfach einordnen lassen: Ob Jacke oder Hose, sobald man mit widrigen Bedingungen zu kämpfen hatte, war Gore-Tex die Lösung. Am markanten schwarzen Logo erkannte man (und erkennt man auch heute noch) die wasserdichte, winddichte und atmungsaktive Eigenschaft des Bekleidungsstücks.

Da der Begriff „Outdoorsport“ im Hause Gore lange ganz klassisch definiert wurde, hat man sich vor allem auf die Funktionalität der Produkte konzentriert, um Bergsteigern, Kletterern und Entdeckern den optimalen Schutz vor den Elementen zu liefern. Die Ästhetik war nicht immer die größtmögliche, aber der Sportler konnte sich ohne jegliche Einschränkungen auf seine Aktivität fokussieren. Seid beruhigt: auch weiterhin wird Gore-Tex diesen Ansatz verfolgen und neue Produkte in dieser Sparte auf den Markt bringen.

Urbanisierung und Veränderung der Bedürfnisse der Nutzer

Doch die Grenzen zwischen Berg und Stadt verschwimmen letzthin immer mehr. Der ambitionierte Bergsportler will auch beim Radfahren zur Arbeit oder Joggen in der Mittagspause größtmögliche Funktion – ach und gut aussehen darf es natürlich auch noch.

Die Nutzungsgewohnheiten der Menschen haben sich verändert und mit ihnen natürlich auch der Markt. So wird nicht mehr die Wasserdichtigkeit eines Produktes in den Vordergrund gestellt, vielmehr wird der Fokus auf die zusätzlichen Aspekte wie Flexibilität und Vielseitigkeit gelegt. Dadurch, dass der Sport mittlerweile bei vielen in den Alltag integriert und ein aktiver Lebensstil angestrebt wird, braucht der Sportler Kleidung, die man überall einsetzen kann und auf Augenhöhe mit dem jeweiligen Lifestyle ist.

Und was passiert, wenn sich Kundenbedürfnisse ändern? Richtig, der Markt ändert sich ebenfalls. Und hier kommt Gore-Tex Infinium ins Spiel. Die grundsätzliche Wasser- und Winddichtigkeit wird aufgeweicht um zusätzlichen Funktionen, wie zum Beispiel einer dünnen Isolierung in Alltagsschuhen, Platz zu machen. Die Ästhetik des Produkts soll erhalten bleiben und ein funktioneller Aspekt aufaddiert werden. Gore-Tex Infinium ordnet sich also jenseits der wasserdichten Produkte ein und gibt Komfort und Design einen wichtigen Platz im Produktdesign.

Viel hilft nicht immer viel…

Bei Gore-Tex Infinium geht es also nicht um die Erfindung der Eierlegenden-Outdoor-Wollmilchsau, sondern vielmehr darum, die bekannten Funktionen der Membran-Systeme in Alltagsprodukte zu verpacken. So finden sich in der Infinium-Linie in Zukunft Schuhe, die gleichzeitig schick, aber auch funktionell sind. Um es mal zu konkretisieren: Wir reden hier tatsächlich von isolierten Pumps für den frierenden Damenfuß!

Gore-Tex Infinium ist nicht mehr per se wasserdicht. So viel haben wir schon gelernt. Aber wie soll das der geneigte Konsument in Zukunft unterscheiden, ohne den Wust an Produktinformationen zu durchstöbern? Auch darüber haben sich die Kollegen selbstverständlich Gedanken gemacht: Alle Produkte mit Gore-Tex Infinium werden mit einem weißen Produktlabel verkauft, das so ähnlich aussieht, wie das bekannte schwarze Gore-Tex-Logo.

Gore-Tex Infinium lernt schnell zu laufen

Im ersten Schritt werden ab Herbst 2018, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Handelspartnern, Gore-Tex Infinium Produkte in vier unterschiedlichen Bereichen angeboten. Dazu gehören:

  • Gore-Tex Infinium Thermium Schuhe (bequem und isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Soft-Lined Shells (winddicht, atmungsaktiv, schnelltrocknend)
  • Gore-Tex Infinium Insulated Garments (winddicht, atmungsaktiv, isolierend)
  • Gore-Tex Infinium Stretch Handschuhe (tastempfindlich, anatomisch geformt, winddicht, elastisch

Unter den bereits bekannten Handelspartnern befinden sich namhafte Firmen wie zum Beispiel The North Face, Mammut, Gore Wear, Montura, Arc’teryx, Black Yak. Für die Zukunft strebt Gore-Tex an diese Liste zu erweitern und Sport- und Lifestyle-Marken wie Adidas und Nike mit ins Boot zu holen.

Wenn man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht…

Durch die klare Abgrenzung von wasserdicht und eben nicht, stellt sich natürlich auch die Frage was mit den bisherigen Technologien wie Gore-Tex Windstopper passiert. Und wenn man den Gedanken kurz weiter spinnt, kommt man auch recht schnell auf die Lösung: Das schöne Wörtchen Infinium wird einfach noch mit rein gedrückt. Aus Gore-Tex Windstopper wird Gore-Tex Infinium Windstopper.

Wir hoffen, ihr habt jetzt den vollen Durchblick, was die Zukunft von Gore-Tex-Infinium angeht. Wir sind jedenfalls sehr gespannt, wie sich die neue Produktpalette schlägt!

Materialinfo: Was ist Modal?

4. September 2018
Ausrüstung

Modal. Diese Begriffsschöpfung ist irgendwie treffend, denn klingt das Wort doch tatsächlich nach dem, was es beschreibt: einen Hybriden aus Synthetik und Natur.

Und hat das Wort nicht auch ein wenig 60er Jahre Charme? Das würde jedenfalls passen, denn in jener Dekade wurde das Material erstmals kreiert, als man sich verstärkt nach Textilmaterialien umschaute, deren Rohstoffe in Mitteleuropa angebaut werden konnten.

Lange Zeit führten die daraufhin entstandenen Textilien eher ein Nischendasein, doch seit dem Zusammentreffen von Outdoorboom und Nachhaltigkeitsinteresse wächst der Bedarf an Materialien (wie Modal) sprunghaft.

Synthetik oder Natur?

Bei Modal handelt es sich um eine Faser, die aus dem Holz der Buche gewonnen und in einem chemischen Prozess verarbeitet wird. Damit ist Modal eine von derzeit etwa neun auf dem Weltmarkt vertriebenen Regeneratfasern, die aus natürlich nachwachsenden („regenerierenden“) Rohstoffen bestehen. Andere bekannte Regeneratfasern, die auch im Outdoorbereich zum Einsatz kommen, sind Viskose und Tencel. Da bei all diesen Fasern Holz und dessen Zellulose das Grundmaterial bilden, nennt man sie, in Abgrenzung zu reinen Naturfasern und synthetischen Chemiefasern, „chemischen Naturfasern“.

Modalfasern sind „strukturmodifizierte Viskosefasern mit einem höheren Polymerisationsgrad (über 400 bis 700) als die normale Viskosefaser“. Durch dieses molekulare „Update“ hat Modal einige funktionale Vorteile gegenüber der Viskose und wird deshalb manchmal auch „die bessere Viskose“ genannt. Einer der für den Outdooreinsatz relevanten Vorteile ist die höhere Dehnfestigkeit in nassem Zustand. Außerdem ist Modal haltbarer, abriebfester und neigt weniger zum Einschrumpfen als Viskose.

Zwei Arten von Modalfasern mit leicht abweichenden Funktionsschwerpunkten wurden entwickelt: während die Polynosic (PN)-Typen optimal mit Baumwolle zu mischen sind, besitzen die HWM-Typen (High Wet Modulus) eine höhere Bruch- und Dehnfestigkeit. Mehr dazu folgt gleich im Abschnitt Eigenschaften.

Wie wird es hergestellt?

Wie zuvor erwähnt dient Buchenholz als Rohstoff für Modal. Während die artverwandte Viskose aus verschiedenen Grundstoffen hergestellt werden kann, kommt für Modal ausschließlich Buchenholz zum Einsatz. Das Holz wird zunächst entrindet und in kleine Späne zerlegt. Diese werden in einem mehrstufigen chemischen Lösungsprozess zu einer Zellulose-Masse aufbereitet und anschließend maschinell mit Spinndüsen zu einem Fasermaterial zusammengesponnen. Dabei entstehen reine Zellulose-Fasern.

Eigenschaften

Die große Besonderheit von Modal liegt in der Vereinigung von Vorteilen der Natur- und Synthetikfasern, ohne die jeweiligen Nachteile zu übernehmen. So ist Modal deutlich haltbarer und „ausdauernder“ als Baumwolle und bietet dennoch einen gleichwertigen Tragekomfort. Im Vergleich zu Kunstfasern wie Polyester bietet es ein ähnlich gutes Feuchtigkeitsmanagement, ist jedoch zugleich wesentlich hautfreundlicher.

Gutes Tragegefühl und Trageklima gelten als Haupt-Vorteile von Modal, denn der Stoff hat ein hervorragendes Wasseraufnahmevermögen und leitet Feuchtigkeit zudem schnell ab. Dabei ist die Feuchtigkeitsabsorption bei Modal sogar um etwa 50% höher als bei Baumwolle. In engem Zusammenhang damit steht die gute Atmungsaktivität. Damit sind wir schon bei der Funktionalität, bei der man eine ganze Reihe an Vorteile aufzählen kann. So ist Modal sehr elastisch, strapazierfähig, formbeständig, unempfindlich gegen Hitze und pflegeleicht. Man kann es in der Waschmaschine waschen und mechanisch trocknen, ohne Beschädigungen, Verformungen oder Farbänderungen befürchten zu müssen. Die lange Lebensdauer von Modal wird auch durch häufige Nässe nicht verkürzt.

Bislang wird Modal vor allem in Fasermischungen verarbeitet, in welchen es sich oft positiv auf die Eigenschaften der anderen Fasern auswirkt. Durch sie wird Baumwolle weicher, Seide stabiler und Leinen elastischer.

Haptik und Tragegefühl

Auch auf der „Gefühlsebene“ macht Modal eine ziemlich gute Figur. Da seine Fasern eine sehr glatte Oberfläche aufweisen, ist das Material äußerst weich, fällt locker und besitzt einen mattseidigen Glanz. Die Haptik erinnert stark an Seide.

Da wundert es also kaum, dass Modal als sehr hautfreundlich gilt und auch von Allergikern und Menschen mit empfindlicher Haut als angenehm empfunden wird. Modal wird deshalb vorzugsweise für Unterwäsche und körpernah getragene Kleidung verwendet. Trotz der Weichheit sind Kleidungsstücke aus Modal und Modalmischungen keineswegs „schlaff hängend“, sondern zeichnen sich im Gegenteil gerade durch eine gute Passform aus. Denn das Gewebe ist wie erwähnt elastisch, formbeständig und auch nach vielen Waschgängen angenehm tragbar.

Eignung im Outdoorbereich

Meistens wird Modal in Mischungen für Unterwäsche, Shirts und Longsleeves verarbeitet. Dass es dabei nicht nur unter „ferner liefen“, sondern durchaus auch als Material mit dem höchsten prozentualen Anteil enthalten ist, zeigt seine Funktionstauglichkeit.

Da Modal eher kühlend als wärmend wirkt, kann es nicht mit Wind- und Wetterfestigkeit punkten. Seine Vorteile spielt es hauptsächlich bei schweißtreibender Aktivität und höheren Temperaturen aus. In Kombination mit Merinowolle kommt Modal aber auch in warmer Outdoor-Unterwäsche zum Einsatz, wo es (wie eine Klimaanlage) für den flexiblen Temperaturausgleich sorgt.

Einordnung und Vergleich

Egal ob man es mit Naturfasern wie Baumwolle oder mit Kunstfasern wie Polyester vergleicht: Modal steht sowohl in Sachen Funktionalität als auch in puncto Umweltfreundlichkeit sehr gut da. Auch im Feld der synthetisch-natürlichen Regeneratfasern mischt Modal ganz vorne mit und wird wohl nur noch von Tencel-Lyocell überboten. Letzterer Stoff wird allerdings nur exklusiv von einer Firma (die österreichische Lenzing AG) produziert, weshalb Modal auf Dauer leichter verfügbar und auch einen Tick preiswerter sein dürfte. Allerdings stellt diese Firma neben Tencel-Lyocell noch eine besonders umweltfreundliche Modalfaser unter dem Namen „Modal Edelweiß“ her.

Generell schneidet Modal in Sachen Umweltfreundlichkeit (Wasserverbrauch, Energieverbrauch, Flächenbedarf, Pestizid- und Schadstoff-Einsatz, Abfallprodukte) im Vergleich aller Natur- und Kunstfasern überdurchschnittlich ab. Anders als bei echten Synthetikfasern kommt die Produktion hier ohne den Einsatz fossiler Rohstoffe wie Erdöl oder Erdgas aus. Auch im Vergleich zu reinen Naturmaterialien wie Baumwolle gilt Modal als nachhaltiger. Bei der Herstellung und Verarbeitung von Modal werden weniger Wasser und Energie verbraucht als bei Baumwolle. Das eben erwähnte „Modal Edelweiß“ von Lenzing wird sogar in einem geschlossenen Kreislauf unter Rückgewinnung der eingesetzten Chemikalien zu 95 % hergestellt.

Pflege

Wie immer gilt, dass man beim Neukauf eines Modal-Kleidungsstücks natürlich das Etikett mit den Pflegehinweisen beachten und aufbewahren sollte. Auch wenn Modal pflegeleicht ist, kann man mit der richtigen Pflege ihr Maximum in Sachen Lebensdauer herausholen. Das gilt auch für die hier abschließenden, einfachen Tipps:

  • Die Wäsche im Kurzwaschprogramm verhindert unnötige Beanspruchungen.
  • Dasselbe gilt für die Reduzierung der Schleuderzahl auf maximal 600 Umdrehungen.
  • Man kann Modal zwar auf niedriger und mittlerer Stufe bügeln. Da der Stoff allredings ein wenig knittert, ist das in aller Regel überflüssig.

Zwei Wanderstiefel und vier Pfoten – Wandern mit Hund

30. August 2018
Tipps und Tricks

Ob im Flachland, an der Küste oder im Gebirge – Wanderungen mit Hund sind für Mensch und Tier ein tolles Erlebnis und eine echte Bereicherung. Damit sowohl Hund, als auch Herrchen oder Frauchen, ihre Wanderungen unbeschwert genießen können, sind einige Vorüberlegungen und Vorbereitungen sinnvoll, bevor Hundebesitzer mit ihrem vierbeinigen Liebling in die Berge aufbrechen.

Was es beim Wandern mit Hund zu beachten und bedenken gilt, zeigen die folgenden zehn Fragen, die von outdooraffinen Hundehaltern und Wanderern häufig gestellt werden:

Wie alt muss mein Hund für Wanderungen im Gebirge sein?

Welches Alter Hunde zum Wandern in den Bergen haben sollten lässt sich nicht für jeden Hund pauschal beantworten. Für besonders junge Hunde und Welpen können längere Wanderungen zu erhöhter Belastung von Gelenken und Knochen führen. Bei  älteren Hunden entscheiden die allgemeine Fitness sowie eventuelle Erkrankungen über Art und Länge der Wanderungen. Besonders ältere Hunde mit Rücken- oder Hüftproblemen sollten in dieser Hinsicht lieber geschont werden.

Natürlich spielen nicht nur Alter und gesundheitlicher Zustand eine wichtige Rolle, sondern auch Rasse und Veranlagung des vierbeinigen Gefährten.

Welche Rasse eignet sich am besten zum Wandern in den Bergen?

Manche Hunderassen sind generell aktiver, als andere. Auch bezogen auf Körperbau, Größe und Konstitution unterscheiden sich Hunde und sind daher nicht alle als Wanderbegleitung geeignet. Insofern ist ein Dackel, Mops oder Chihuahua nicht unbedingt für die anstehende Hüttentour oder Alpenüberquerung als Begleiter zu empfehlen.

Hüte- oder Jagdhunde haben dagegen bessere Voraussetzung. Sie werden auch auf Bergalmen gerne als Unterstützung bei der Arbeit mit Schafen, Ziegen und Kühen eingesetzt. Andere unterstützen die Menschen als ausgebildete Rettungshunde, Suchhunde oder Lawinenhunde.

Hunderassen mit einer mittleren bis höheren Schulterhöhe und einer guten Kondition sind ideale Gefährten für anstrengende Bergtouren. Ob Australian Sheperd, Sibirischer Husky, Berner Sennenhund oder Labrador Retriever – viele Rassehunde und Mischlinge bieten sich als ausdauernde und intelligente Wanderhunde an.

Wie bereite ich meinen Hund für längere Wanderungen vor?

Mit ausgedehnten Spaziergängen und kurzen Wanderungen bekommen Hundehalter schnell einen ersten Eindruck wie bewegungsfreudig und fit der eigene Hund ist. Dabei ist es natürlich wichtig den Hund nicht zu überfordern und vor allem am Anfang für genügend Pausen mit ausreichend frischem Wasser zu sorgen. Auch große Hitze sollte möglichst gemieden werden, damit der angehende Wanderhund nicht in ungesundem Maße überfordert wird.

Wie lange Wanderungen man Wanderungen mit seinem Hund machen kann, hängt somit von vielen verschiedenen und sehr individuellen Faktoren ab.

Welche Wanderungen sind für Hunde gut geeignet?

Hundebesitzer müssen ihre Wanderungen an die Kondition ihrer Hunde anpassen, um deren Gesundheit nicht zu gefährden. Außerdem verlangt die Tourenplanung immer etwas Umsicht und Feingefühl, denn zu schmale Passagen mit Absturzgefahr oder gar Klettersteige müssen selbstverständlich gemieden werden.

Steile und steinige Wanderwege sind für viele Hunde kein Problem. Natürlich sind steile Anstiege für Hunde ebenso anstrengend wie für menschliche Wanderer, aber sie sind machbar.

Zusätzlich sind im Sommer Wanderungen mit schattigen Passagen und Wasserläufen für Abkühlung und zum Trinken optimal.

Welches Futter eignet sich für Wanderungen?

Wegen der Haltbarkeit eignet sich für längere oder mehrtägige Wanderungen Trockenfutter besser als Nassfutter. Der Hund sollte sein Futter in üblicher Menge und in seinem bekannten Rhythmus bekommen.

Allerdings ist es besser Hunde nicht direkt vor einer anstrengenden Wanderung in den Bergen zu füttern. Mindestens eine Stunde Pause für Verdauung und Regeneration sollten wandernde Hundehalter für ihre vierbeinigen Freunde einplanen.

Ausreichend Flüssigkeit ist bei der erhöhten Anstrengung extrem wichtig. Genügend Wasser für den Hund, ein Wassernapf im Wanderrucksack und regelmäßige Trinkpausen sind daher zwingend notwendig. Besonders bei der sommerlichen Hitze laufen Hunde schnell Gefahr einen Hitzschlag zu erleiden. Für manche Wanderungen sind daher Frühjahr oder Herbst besser geeignet.

Was gehört zur wichtigen Ausrüstung beim Wandern mit Hund?

Auf steinigen Pfaden können spitze Steine zu unangenehmen Verletzungen und Schnittwunden an den Pfoten führen. Ein Erste-Hilfe-Set für Hunde beinhaltet daher immer ein Desinfektionsmittel, das wichtigste Verbandsmaterial und eine Pinzette. Auch eine Zeckenzange und ein extra Handtuch, um den Hund bei Bedarf trocknen zu können, gehören bei jeder längeren Wanderung in den Rucksack. Microfaserhandtücher eignen sich mit ihrem geringen Gewicht und Packmaß besonders gut für Hunde und Menschen.

Futter, Trinknapf und genügend Flüssigkeit sind ebenfalls unverzichtbar beim Wandern mit Hund. Hundespielzeug und eventuell eine leichte Hundedecke sind bei längeren Touren natürlich auch mit im Gepäck.

Manche Kleinigkeiten können Hunde mit den entsprechenden Hundepacktaschen sogar selbst transportieren. Ob der Hund sich beim Wandern durch die Packtasche gestört fühlt und wie viel Gewicht er tragen kann, ist allerdings von Hund zu Hund sehr verschieden.

Eine Hundeleine und ein bequemes Tragegeschirr oder Halsband sind für Hunde beim Wandern ebenfalls wichtig.

Welche Leine eignet sich zum Wandern mit Hund?

In vielen Fällen ist eine Hundeleine beim Wandern sehr hilfreich und in manchen Regionen sogar vorgeschrieben. Naturschutzgebiete und Kuhweiden sind dabei besonders sensible Gebiete in den Bergen.

Ob der Hund generell beim Wandern frei laufen kann oder soll, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Dafür muss der Hund sehr folgsam und zuverlässig sein. Je nach Rasse und Charakter sind manche Hunde eher vorausschauend und andere eher etwas tolpatschig. Auch Trittsicherheit und die Fähigkeit Gefahren zu erkennen und richtig einzuschätzen, sind nicht bei jedem Hund in gleichem Maß gegeben.

Hundebesitzer haben beim Wandern die Wahl zwischen Schleppleinen und Flexileinen. Schleppleinen eignen sich nur bedingt für Wanderungen in den Bergen, denn das Handling ist auf Dauer nicht sehr komfortabel und die Leine neigt zum Verheddern und Hängenbleiben.

Damit die Hände beim Wandern mit Hund frei bleiben und beispielsweise Trekkingstöcke verwendet werden können, lässt sich die Flexileine gut am Hüftgurt des Rucksacks befestigen. Dafür sollten Hund und Wanderer aber gleichermaßen trittsicher und erfahren sein.

An gefährlichen Stellen lösen Wanderer die am besten die feste Verbindung zum Hüftgurt, um Unfälle zu vermeiden.

Was ist bei der Begegnung von Hunden und Kühen zu beachten?

Immer wieder wird von Vorfällen berichtet, bei denen Kühe Hunde angegriffen haben. Falls Wanderwege durch Kuhweiden führen ist besonders im Frühjahr Vorsicht geboten. In dieser Zeit bringen die Mutterkühe ihre Kälber zur Welt und sorgen sich sehr um die Sicherheit ihres Nachwuchses. Ein Hund stellt aus Sicht der Kuh eine Bedrohung für den Nachwuchs dar, den es mit allen Mitteln zu schützen gilt.

Beim Durchqueren von Kuhweiden sollten Wanderer ihren Hund an der kurzen Leine führen und zügig die Weide durchqueren. Dabei sollten die Wanderer weder rennen, noch die Mutterkühe aus den Augen verlieren (ihnen aber gleichzeitig auch nicht direkt in die Augen starren, um sie nicht weiter zu beunruhigen). Wenn es möglich ist, können weidende Kühe weiträumig umwandert werden.

Falls eine Kuh Wanderer und Hund attackiert, muss der Hund sofort abgeleint werden. Mensch und Tier haben so viel bessere Möglichkeiten, um schnell die Flucht zu ergreifen.

Ist eine Hüttenübernachtung mit Hund möglich?

In der Regel sind die Übernachtungen der Hunde im Schlaflager oder in den Zimmern der Hütten nicht gestattet. Möchten Hund und Hundehalter allerdings auch auf der Berghütte nicht voneinander weichen, sollten sich Hundehalter im Vorfeld mit den Hüttenwirten in Verbindung setzen. Auf diese Weise kann angefragt werden, ob auch entsprechende Schlafplätze für Hundebesitzer zur Verfügung stehen. Gerade in der Nebensaison können gute gemeinsame Lösungen gefunden werden.

Was ist beim Bergwandern mit Hund zusätzlich zu beachten?

Gezieltes Training und bestimmte Kommandos helfen dem Team, bestehend aus Wanderer und Hund, sich in den Bergen möglichst sicher und effizient fortzubewegen. Beim bergauf wandern läuft der Hund meistens voraus. An unübersichtlichen oder gefährlichen Stellen wird der Hund eng am Halsband, Tragegeschirr oder an der kurzen Leine gesichert.

Im bergab steigen ist es oft hilfreich, wenn der Hund hinter dem Wanderer geht. So lassen sich auch schwierige Passagen gemeinsam bewältigen und die Belastung auf die Gelenke des Hundes sind nicht so hoch, wie beim schnellen Rennen und Springen.

Fazit

Ob Tagesausflug, Wanderwochenende oder Wanderurlaub mit Hund. Mit der richtigen Ausrüstung und etwas Training und Vorbereitung werden die Tage in den Bergen zum unvergesslichen Erlebnis für Wanderer und Hund. Viele Campingplätze und Vermieter von Ferienwohnungen sind speziell auf die Bedürfnisse von Hundebesitzern eingestellt.

Zusätzliche Auskünfte über geeignete Wanderungen mit Hund, sowie geltende Regelungen, bieten die örtlichen Fremdenverkehrsämter, Tourist-Infos oder Gemeindeämter.

Falls sich Hundebesitzer nicht sicher sind, ob ihr Liebling fit genug für eine längere Wanderung ist, sollte vorher sicherheitshalber Rücksprache mit einem Tierarzt gehalten werden. Denn nur wenn Hund und Mensch gesundheitlich fit und motiviert sind, macht das Wandern in den Bergen auch Spaß!

Caro North in Juneau, South East Alaska

28. August 2018
Bergfreunde Pro-Team

Rund um mich herum ist nur weiß – so weit das Auge reicht. Nichts als weiß. Wir befinden uns in einer riesigen, weiten Gletscherlandschaft im Südosten Alaskas. Es ist einsam hier, denn über viele Kilometer sind wir die einzigen Lebewesen in dieser Eiswüste. Wir, das sind ich, Caro, und meine Freundin Brette Harrington. Was wir hier machen? Klettern natürlich…

Wie alles begann

Etwas skurril ist es schon. Eigentlich war ich zu einem Rocktrip nach Nordamerika aufgebrochen um zwei Monate lang hohe Felswände und cleane Risse zu klettern. Mal keine Handschuhe und dicke Daunenjacken tragen, wie ich es schon die letzten 6 Monate in Patagonien getan hatte. Aber wie es eben immer so läuft: am Ende kommt doch alles anders.

Meine Freundin Brette Harrington hatte mich gefragt, ob ich sie auf das Eisfeld nach Juneau, South East Alaska begleite. Für mich klang es spannend und ich war sofort motiviert. Fortan hieß es also für mich Gletscher-, Eis- und Skimaterial zu besorgen. Zum Glück unterstützte mich Mammut USA, sowie einige von Brettes Freunden dabei, mich mit allerlei an Ausstattung zu versorgen.

Neben der Planung bin ich noch schnell eine Tour am Chief in Squamish geklettert (Freeway 5.11, onsight) und ehe ich mich versah, ging auch schon unser Flieger von Vancouver nach Juneau.

In Juneau, South East Alaska

Spätabends kamen wir in Juneau an. Doch wir verloren nicht viel Zeit, da das Wetter gut war. Deshalb ging es für uns auch schon am nächsten Mittag mit dem Helikopter raus auf das Eisfeld, das sich nicht weit von der kleinen Hafenstadt erstreckt.

Der Helikopter setzte uns in einer weiten Landschaft aus riesigen Gletschern ab. Überall um uns herum ragten die Gipfel aus Fels, Schnee und Eis hervor.

Nachdem wir unser Basislager auf einem flachen Stück Gletscher etablierten, erkundeten wir auch schon die nahen Wände. Allerdings zog sich auf dem Rückweg das Wetter zusammen, dass wir fast unsere Zelt wiederfinden konnten. Wir bekamen damit also schon einmal einen ersten Vorgeschmack davon, wie schnell sich das Wetter hier verändern konnte. Ohne Sicht hatten wir kaum Anhaltspunkte zur Orientierung und es fiel schwer uns überhaupt vorwärts zu bewegen.

Die Gipfel rufen

Am nächsten Morgen klingelte unser Wecker schon früh. Aber mit einem Blick aus dem Zelt erkannten wir sofort, dass unser Aufbruch erstmal nach hinten verschoben werden musste – wir befanden uns nämlich komplett im Whiteout. So gingen wir also erst um 10 Uhr mittags los in Richtung Dukes. Dukes war unser Ziel, da wir dort auf der Westseite eine interessante Mixedline gesehen hatten.

Allerdings merkten wir schnell, dass der Eisschlauch, den wir anvisiert hatten, leider nur noch aus schlechtem Eis und warmen Schnee bestand. So begannen wir zu queren und durch die Wand zu klettern. Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf kamen über den Eisschlauch ziemliche Massen an Schnee herunter.

Wir kletterten anspruchsvolle Längen durch Fels und Schnee. Wir versuchten immer achtsam zu sein, verwendeten auch mal Moos zum hooken unserer Pickel, um keine lockeren Steine loszutreten.

Weiter oben angekommen, gelangten wir in ein Schneecouloir. Wir mussten dies also schnell erklimmen, um nur möglichst kurz unter der Gifelwächte exponiert zu sein. Danach folgten noch zwei Seillängen im Fels. Brette stieg sie mit ihren Kletterschuhen vor, während ich mit den Bergschuhen hinterher kam. Am Abend zuvor hatte ich bei Schere-Stein-Papier verloren, weshalb wir nur ihre Kletterschuhe dabei hatten. Zwei Paar Kleeterschuhe wären zu viel Gewicht gewesen.

Zwölf Stunden später standen wir dann endlich auf dem Gipfel. Es war immer noch hell und das Sonnenlicht beleuchtete die Mendenhall Towers in der Ferne. Dort waren Marc-André Leclerc und Ryan Johnson vor einigen Monaten im Abstieg ums Leben gekommen. Marc-André war Brettes Freund und auch ein guter Kumpel von mir. Unsere Erstbegehungen widmen wir diesen beiden inspirierenden Menschen, die leider viel zu früh von uns gehen mussten.

Nach kurzem inne halten machten wir uns an den Abstieg. Hier in Alaska wird es fast nicht dunkel, weshalb wir unsere Stirnlampe nur für eine gute Stunde auspacken mussten. So etwas habe ich bisher noch nie erlebt, aber es ist wirklich der Wahnsinn!

Das nächste Abenteuer wartet

Als nächste Tour wählten wir die Nordostseite des südlichen Dukes (sie ist 10b, M5+, 85°, 500m). Am nächsten Tag befuhren wir einige Gipfel mit Ski, bevor wir dann, wegen schlechtem Wetter, einen Ruhetag im Zelt einlegten. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Devils Paw, wo wir das Süd-Ost Couloir mit Ski befahren wollten. Doch die Distanzen hier sind enorm und so bedeutete die Route für uns, dass wir über 20 Meilen hin- und das ganze wieder zurück laufen mussten.

2 Tage lang liefen wir auf flachen Gletschern, erklimmten dann in anstrengender Spurarbeit das Couloir, um schließlich feststellen zu müssen, dass die Bedingungen zum befahren dort nicht gerade gut sind. Aber Schnee oder Lawinenlageberichte gibt es dort nicht und so mussten wir es ausprobieren, um die Bedingungen kennenzulernen.

Wir konnten ein paar Kurven fahren, mussten dann aber das 40-45° steile Couloir mit Pickel in der Hand abrutschen, da es so hart gefroren war. Aber immerhin konnten wir die Skier komplett anlassen und wir waren uns einig, dass es trotzdem ein gutes Abenteuer war.

Danach mussten wir erneut zwei Tage bis zu unserem Basislager zurücklaufen. Die Füße schmerzten und auch unsere Rücken, Schultern und Hütten hatten unter dem Gewicht der Rucksäcke zu leiden. Und auch das Wetter wechselte schnell zwischen Sonne, Schneefall und Hagel. Dementsprechend waren wir froh, als wir endlich wieder bei unseren Zelten ankamen.

Vom Eis in die Sonne

Da wir wohl nochmal ein gutes Wetterfest erwarten durften, entschieden wir uns noch eine Woche länger auf dem Eisfeld zu bleiben. Doch trotz der erwartungsvoll positiven Prognosen, saßen wir wegen eines Schneesturm, erst einmal drei Tage in unserem Zelt fest. Unsere Hoffnung noch etwas zu klettern, schwand damit jeden Tag mehr.

Doch dann klärte sich das Wetter tatsächlich auf und wir konnten an den Takku Towers noch eine Felslinie erstbegehen. Durch seine verrückten Formationen ist dieser Fels zum Klettern wirklich genial. Teilweise ist er auch so kompakt, dass es er ziemlich runout und ausgesetzt ist. Wir waren auf jeden Fall überglücklich, auch weil wir nach so langem Warten im T-Shirt klettern konnten.

Unseren letzten Abend auf dem Eisfeld verbrachten wir in wundervollem Lichtspiel, an dem sich auch die Mendenhall Towers beteiligten. In Gedanken verabschiedeten wir uns von Marc-André und Ryan, die noch immer am Fuße der Mendenhalls liegen und auch der Grund für unsere Expedition waren.

Am nächstem Tag ging unser Flieger wieder zurück in die Zivilisation. Ein starker Kontrast nach 13 Tagen Einsamkeit.

Microadventures – das Abenteuer vor der Haustüre

23. August 2018
Tipps und Tricks

Wer kennt das nicht, die Woche war stressig, auf der Arbeit hat es nicht so geklappt wie es sollte, dazu kamen noch ein Dutzend Privattermine und überhaupt reicht es gerade einfach allgemein. Doch nun ist ja zum Glück Wochenende und man kann den ganzen Stress hinter sich lassen, einfach mal was machen, was Cooles, was Spontanes, was in der Nähe ist und auch nicht viel kostet. Ja aber was denn eigentlich genau?

Die Antwort auf diese Frage lautet „Microadventures“.

Microadventures, was ist das denn?

Geprägt wurde der Begriff der Microadventures durch den britischen Abenteurer und Blogger Alastair Humphreys. Es geht hierbei im Wesentlichen darum, vergleichsweise kurze, günstige und einfach zu realisierende Aktivitäten zu finden. Also Kurzabenteuer vor der eigenen Haustüre. Hierbei sind der Kreativität beinahe keine Grenzen gesetzt. Ob ihr dabei zu Fuß, mit dem Rad oder vielleicht sogar mit dem Boot unterwegs seid, spielt keine Rolle. Wichtig ist lediglich, dass Ihr Spaß dabei habt und die Hektik des Alltags hinter euch lasst. Wie das genau aussehen kann und worauf ihr dabei achten solltet, erfahrt ihr im Folgenden.

Biwakieren und Sternegucken

Gerade in warmen Sommernächten ist ein Biwak im Freien eine gute Möglichkeit für eine Auszeit. Wenn man sich dann auch noch eine passende Location aussucht und das Biwakieren mit einem Picknick verbindet, wird die Unternehmung perfekt. Laut der Schätzung von Experten gibt es in Deutschland weit über 25.000 Burgen (die genaue Zahl ist derzeit noch nicht bekannt). Davon sind viele Ruinen, die irgendwo im Wald stehen und von touristischer Seite nur wenig Beachtung finden. Genau solche Burgen eignen sich jedoch optimal für unser Microadventure. Hier ist man in der Regel ungestört und läuft nicht Gefahr, jemand anderen zu belästigen. Außerdem sind alte Burgen ein großartiger Ort für eine Nacht im Freien.

Allerdings solltet ihr darauf achten, ob für die jeweilige Ruine besondere Ge- und Verbote gelten. Hier kann auch ein Blick in eine gute Wanderkarte nicht schaden. Führt ein beliebter Wanderweg direkt an der Burg vorbei, muss man damit rechnen, dass schon in den frühen Morgenstunden der eine oder andere Wandersmann vorbeischaut. Außerdem sollte man es tunlichst vermeiden, ein Zelt oder zu großes Lager aufzuschlagen, da Wildcampen in Deutschland nicht erlaubt ist.

Habt ihr die perfekte Burg gefunden und alle wichtigen Dinge im Gepäck, heißt es nichts wie raus! Wer außerdem Lust auf Sterne und Sternschnuppen gucken hat kann diesbezüglich auf Prognosen zurückgreifen, die voraussagen was, wann und wo zu sehen sein wird.

Tipp: Ist gerade keine Burg zur Verfügung eignen sich auch idyllisch gelegene Aussichtspunkte oder Schutzhütten. Letztere sind gerade auch mit kleineren Kindern eine gute Anlaufstelle.

Feuer machen

Feuer zu machen ist seit jeher eine Faszination und eigentlich mit Streichhölzern, Feuerzeug und Co. auch keine große Sache. Genau darin liegt jedoch bei unserem Microadventure Vorschlag Nummero 2 der Knackpunkt: Das Feuer soll ohne die üblichen Hilfsmittel entstehen. Der beste Ort hierfür ist ein offizieller Grillplatz. Am besten einer, den man nur mit einer Wanderung erreichen kann, denn hier ist man nicht selten ungestört. Außerdem seid ihr ja an einem Grillplatz und könnt nach getaner Arbeit den Tag bei ein paar Würstchen, Kartoffeln etc. gemütlich ausklingen lassen. Für mich war als Kind immer auch Stockbrot ein absolutes Highlight. Wie ihr das auch unterwegs selber machen könnt und wo dabei die Raffinessen liegen, wir im Blogbeitrag „Bannock-Brot – der Klassiker in der Outdoorküche“.

Nun aber zum Thema Feuer machen. Hier könnt Ihr euch langsam herantasten. Mit einem Feuerstahl geht das sicherlich ganz gut, wenn ihr es aber wirklich auf Steinzeitart (also Feuer bohren oder sägen) versucht, seid ihr sicherlich eine Weile beschäftigt.

Achtung: Gerade in heißen und trockenen Sommern herrscht eine erhöhte Brandgefahr. An solchen Tagen ist das Feuermachen auch an Grillplätzen absolut tabu. Für Deutschland gibt es hierzu zwei wichtige Indizes, den Waldbrand-Gefahrindex und den Grasland-Feuerindex. Beide Indizes sind in fünf Warnstufen unterteilt:

  • Warnstufe 1 sehr geringe Gefahr: Das Benutzen einer geeigneten Grillstelle ist mit den üblichen Sicherheitsvorkehrungen kein Problem.
  • Warnstufe 2 geringe Gefahr: Auch bei dieser Stufe ist das Feuermachen an einer geeigneten Grillstelle noch erlaubt, es ist jedoch erhöhte Achtsamkeit geboten.
  • Warnstufe 3 mittlere Gefahr: Ab dieser Warnstufe werden erste besonders gefährdete Grillstellen geschlossen. Wer bei dieser Gefährdungslage ein Feuer entfachen will, muss sich gut informieren ob bzw. wo dies möglich ist.
  • Warnstufe 4 hohe Gefahr: Der aktive Schutz des Waldes /der Grasflächen beginnt. Öffentliche Straßen und Wege sollten nicht verlassen werden. Besonders gefährdete Gebiete können außerdem von den Behörden gesperrt werden. Feuer ist absolut tabu.
  • Warnstufe 5 sehr hohe Gefahr: Maximaler Schutz von Wald und Grasflächen. Wälder werden zeitweilig gesperrt, betreten und befahren ist strengstens untersagt. An ein Lagerfeuer sollte nicht einmal gedacht werden.

Sammler werden

Gerade im Sommer und im Herbst bietet die Natur so einiges. Zahlreiche Früchte sind nun reif und warten auf die Ernte und je nach Wetterlage sprießen auch die Pilze (naja förmlich wie Pilze) aus dem Boden. Was bietet sich da besser an, als auf große Sammeltour zu gehen und daraus dann ein leckeres Essen zu zaubern. Wer sich ein wenig auskennt, kommt so schnell mit allerlei Leckerem wieder nach Hause.

Pilze

Ob Frühjahr, Sommer oder Herbst, essbare Pilze gibt es je nach Region eigentlich immer. Während die Speisemorchel beispielsweise vergleichsweise früh, in den Monaten April bis Juni zu finden ist, gibt es Steinpilze nicht selten bis Ende Oktober. Das Problem bei vielen Pilzsorten ist jedoch, dass sie nicht gerade leicht zu erkennen sind und dass es zu nahezu jedem essbaren Pilz einen giftigen Kollegen gibt. Wer sich hier also nicht auskennt, läuft Gefahr etwas Falsches zu erwischen. Fachliteratur, wie der Naturführer Pilze vom Kompass-Verlag, können bei der Bestimmung helfen. Außerdem gibt es zahlreiche Pilzvereine, die Seminare zu diesem Thema anbieten.

Nüsse

Ende September ist es so weit: die Hasel- und Walnüsse sind reif. Hier kann nach Herzenslust gesammelt werden. Reife Nüsse werden vom Baum bzw. Strauch abgeworfen und können bequem aufgesammelt werden. Vorsicht ist jedoch mit den grünen Schalen der unreifen Walnuss geboten. Schneidet man die Schalen auf, sondern sie eine Flüssigkeit ab, die hartnäckige braune Flecke auf der Kleidung hinterlassen kann.

Kastanien

Edelkastanien oder auch Esskastanien sind wie der Name schon sagt essbar und können wunderbar als Beilage zu deftigen Gerichten gereicht werden. Außerdem kann man sie als Maroni auch problemlos im Backofen rösten und zwischendurch als Snack verzehren.

Beeren

Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Walderdbeeren lassen sich problemlos in den heimischen Wäldern pflücken. Heidelbeeren und Himbeeren kann man bereits ab Juni finden, Brombeeren kommen im August dazu. Ob als Dessert, Marmelade oder einfach als Frucht, Beeren sind eine super Ergänzung zum Speiseplan.

Kräuter und Grünzeug

Von Giersch bis Bärlauch unsere Wälder geben mehr her, als wir gemeinhin für möglich halten. Aus Bärlauch lässt sich so beispielsweise ein sehr aromatisches Pesto machen, Giersch eignet sich ideal als Ergänzung zu herkömmlichen Salatkräutern und aus Brennnesseln lässt sich mit dem nötigen Know-how problemlos eine leckere Suppe zaubern.

Die Heimatstadt umrunden

Hier mal ein Microadventure, das sich eher an die urbanen Bevölkerungsgruppen unter uns richtet. Denn bei diesem Microadventure geht es darum, einmal die Stadt in der man lebt mit dem Fahrrad zu umrunden.

Alle, die eine Kleinstadt ihre Heimat nennen, werden damit vergleichsweise schnell fertigt sein (ihr könnt es ja vielleicht mit dem Landkreis ausprobieren). Versucht man aber Städte wie beispielsweise Berlin zu umrunden, sollte man ein bisschen mehr Zeit einplanen. Auf rund 250 Kilometern führt hier ein beschilderter Radweg vorbei an geschichtsträchtigen Orten und durch beeindruckende Landstriche. Aber auch andere Städte lassen sich problemlos umrunden.

Wo es keinen ausgeschilderten Radweg gibt, braucht es allerdings eine gute Vorplanung für die Tour. Am besten bastelt ihr euch einen GPS-Track, sodass ihr diesem während der Tour folgen könnt. Legt dabei die Streckenführung so fest, dass ihr immer mal wieder an einem Bahnhof oder einer Haltestelle vorbeikommt. So habt ihr im Fall einer Panne, schlechtem Wetter oder konditionellen Problemen die Möglichkeit eure Tour problemlos abzubrechen.

Einen Gewaltmarsch machen

„Soweit die Füße tragen“, ist das Motto dieses Microadventures. Das Prinzip eines Gewaltmarsches ist eigentlich leicht erklärt: an einem Tag so weit Laufen, bis nichts mehr geht.

Nehmt euch hierzu eine vergleichsweise lange Wanderstrecke vor. 70 bis 100 Kilometer dürfen es schon sein. Wie viele Höhenmeter ihr dabei machen wollt, bleibt euch überlassen, jedoch sollte euch klar sein, dass sich weite Strecken und viele Höhenmeter nicht unbedingt gut vertragen. Wenn möglich legt eure Tour so an, dass ihr immer wieder die Chance zum problemlosen Abbruch der Tour habt, denn nur so könnt ihr in Sachen zurückgelegte Kilometer ans Limit gehen. Auch eignen sich Rundwanderwege, die oft eigentlich für mehrere Tage ausgelegt sind, perfekt für eine solche Unternehmung.

Sorgt dafür, dass ihr mit leichtem Gepäck unterwegs seid. Der große Trekkingrucksack kann hier getrost zu Hause bleiben. Ein kleiner Tagesrucksack mit Regenjacke, Getränk und Verpflegung reicht hier völlig aus.

Tipp: Es gib Tage, an denen wandert es sich besser, als an anderen. Wer beispielsweise am 1. Mai oder am Vatertag unterwegs ist, der kann seine Tour so planen, dass er an zahlreichen Festen und Veranstaltungen vorbeikommt. Da dort eigentlich immer für das leibliche Wohl gesorgt ist, kann man so problemlos auf die Brotzeit im Rucksack verzichten und spart damit nochmals an Gewicht. Gleichzeitig sind an solchen Tagen mehr Wanderer unterwegs und man trifft immer wieder auf Gleichgesinnte.

Höhenmeter-Challenge mit dem Rad

Bei der Höhenmeter-Challenge oder auch dem Everesting geht es darum an einem Tag eine vorgesehene Anzahl an Höhenmetern mit dem Rad zu fahren. Gleichzeitig ist damit ein spielerischer Ansatz verbunden, der für die nötige Motivation sorgt.

Als erstes solltet ihr euch überlegen, welches virtuelle Ziel ihr erklimmen wollt. Berge wie die Zugspitze (2962 m), den Säntis (2502 m) oder Watzmann (2713 m) eignen sich hierzu sehr gut. Einsteiger können sich beispielsweise auch Wolkenkratzer, wie den Burj Khalifa (828 m), vornehmen. Allen die es sich derber geben wollen sind selbstverständlich keine Grenzen nach oben gesetzt.

Nehmen wir also als Beispiel die Zugspitze: Mittels Fahrrad gilt es 2962 Höhenmeter zu erklimmen. Da diese mit mehreren Anstiegen erklommen werden müssen ergeben sich hierzu zwei Möglichkeiten.

  1. Man sucht sich einen Anstieg heraus, den man für geeignet hält und fährt diesen so oft bis die gewünschten Höhenmeter erreicht sind.

Beispiel: Im Schwarzwald ist gibt es eine beliebte Rennradstrecke, die auf den Kandel führt. Der gesamte Anstieg beträgt rund 1200 Höhenmeter. Also müsste man diese Strecke ca. zweieinhalbmal fahren um auf die virtuelle Höhe der Zugspitze zu kommen. Will man das gleiche an der Großen Kalmit machen, schlägt ein Anstieg mit 673 Höhenmetern zu Buche. Folglich müsste die Strecke also knapp viereinhalbmal gefahren werden.

  1. Man plant eine Radtour mit möglichst vielen unterschiedlichen Pässen. Die Kunst liegt hierbei darin, die Strecke zwischen den einzelnen Pässen so kurz wie möglich zu halten. Außerdem kann es durchaus knifflig sein, die verschiedenen Anstiege so auszusuchen, dass man möglichst genau auf die gewünschte Anzahl an Höhenmetern kommt.

Fazit

Ein kleines Abenteuer muss nicht immer von langer Hand geplant werden. Mit ein bisschen Kreativität gibt es bereits vor der eigenen Haustür zahlreiche Aktivitäten, die bestens als Flucht aus dem Alltag funktionieren. Plant ihr ein Microadventure aus unserer Liste auszuprobieren oder habt ihr bereits eines ausprobiert? Welche Microadventures habt ihr außerdem schon unternommen oder auch selbst ausgedacht? Lass es uns mal wissen, wir freuen uns über eure Kommentare!

Paraclimbing – kein Platz für Schubladen

21. August 2018
Die Bergfreunde

Wenn jemand mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung klettern geht, dann nennt man das Paraclimbing. Die Einschränkungen, mit denen Paraclimber konfrontiert werden, können sehr unterschiedliche Ursachen haben, wie etwa Amputationen, Lähmungen oder extreme Sehschwächen, bis hin zur absoluten Blindheit. In den Kletterhallen sieht man bisher nur selten Kletterer mit Handicap und nur wenige wissen, dass man in der Vertikalen trotz allem sehr gut zurechtkommen kann.

In Deutschland ist das Klettern für Behinderte noch unterrepräsentiert, doch es gibt ein wachsendes Engagement in Form von Kletterkursen und Wettkämpfen, die explizit für Kletterer mit Handicap ausgelegt sind.

Viele Paraclimber berichten von einem neuen Lebensgefühl, das ihnen das Klettern gegeben hat. Sie haben Spaß daran, sich mit den Routen auseinanderzusetzen und entwickeln einen großen Ehrgeiz, um neue Ziele aus eigener Kraft zu erreichen. Diese gewonnene Erfahrung lässt sich für die Kletterer dann auch häufig in den Alltag übertragen.

Ein Wettkampf mit sich selbst

Wer in unserer Gesellschaft mit einer Behinderung lebt, trifft auf Hindernisse – unweigerlich. Eigentlich eine Art Analogie zum Klettern, denn an der Wand ist man ja auch permanent damit beschäftigt, Hindernisse zu überwinden. Ist der Klettersport am Ende ein großer Gleichermacher?

Man könnte fast darauf kommen, denn im Gegensatz zu anderen Behindertensportarten werden beim Paraclimbing keine zusätzlichen – und oft sehr teuren – Hilfsmittel benötig. Deshalb besteht die größte Hürde meist darin, sich zu überwinden und den ersten Schritt zu wagen. Schön ist es, wenn Vorbilder im Paraclimbing zeigen, dass man mit ein wenig Training und Willenskraft die ersten Züge oder Routen schaffen kann und auf die eigene Leistung stolz sein darf.

Davon berichtet beispielsweise die Paraclimbing Weltmeisterin Melinda Vigh in einem Interview mit der Tageszeitung TAZ: „Klettern hilft mir, die Perspektive zu wechseln. Weil man das für schwere Routen braucht. Das kann ich auf das Leben außerhalb der Kletterhalle übertragen“.

Durch die ständige Anpassung an die wechselnden Ansprüche im Klettern steht man jedes Mal vor einer neuen Hürde, die es zu überwinden gilt. Doch ist diese gemeistert, kommt der Gedanke „Ich kann‘s ja doch, geil!“. Mit der wachsenden Erfahrung entwickelt man ein neues Körpergefühl und Selbstbild. Damit gehen die Paraclimber dann in den Alltag zurück und versuchen, eigenständig Lösungen für aufkommende Probleme zu finden (und das finden sie auch). Ebenfalls gibt ihnen das verbesserte Körpergefühl Sicherheit – sich im Alltag zu bewegen und ihrem Körper zu vertrauen.

Umso besser ist es, wenn es für die Betroffenen die Möglichkeit gibt, das Klettern mit Behinderung genauer kennen zu lernen. Dazu gehören zum Beispiel Inklusionsgruppen in den Kletterhallen und Wettkämpfe, wie der erste nationale Paraclimbing Cup in der DAV Kletterhalle in Karlsruhe.

Erster nationaler Paraclimbing Cup Deutschland

Dieses Jahr hat der erste nationale Paraclimbing Cup in der Kletterhalle der DAV Sektion Karlsruhe stattgefunden. Schon bei der Planung ihrer Kletterhalle hat die Sektion das Thema Inklusion berücksichtigt und die gesamte Halle barrierefrei gestaltet. So kann sich die Inklusionsgruppe der Sektion wöchentlich zum Klettern treffen und in ihrer Teilnehmerzahl wachsen. Durch den Erfolg dieses Angebots fühlten sich die Betreiber motiviert, den ersten nationalen Paraclimbing Cup in Karlsruhe zu veranstalten.

Mit knapp 75 Teilnehmern war die Halle prall gefüllt. Mitmachen durfte natürlich jeder: vom Anfänger bis hin zum Leistungssportler. Sogar die Athleten des DAV Paraclimbing Nationalkaders waren dabei. Das führte zu einer schönen Mischung aus Hobby- und Leistungssportlern und erfüllte den Tag ganz nach dem Motto „Bei uns ist jeder ein Gewinner“.

Denn das Ziel der Veranstaltung war es nicht, den besten Paraclimber Deutschlands ausfindig zu machen, sondern eine Kulisse zu bieten, in der sich die Kletterer mit Handicap kennen lernen und austauschen konnten – und natürlich weniger erfahrenen Paraclimbern einen Rahmen zu geben, um sich weiter auszuprobieren.

Letztendlich entwickelte sich eine lockere Atmosphäre, in der die Teilnehmer großen Spaß hatten, was sich in diversen offenen Gesprächen zeigte. So erzählte eine Teilnehmerin, es sei echt super, so viele starke Kletterer zu sehen von denen sie lernen könne. Am Ende stand auch sie grinsend auf dem Treppchen.

Wenn diese positiven Erlebnisse nun Andere dazu motivieren, solche Events zu planen, wäre das genau der Erfolg, den sich die Veranstalter wünschen. Sie möchten nämlich diese kleine Sparte unseres Sports vorantreiben. In diesem Sinne: Danke an die Helfer der DAV Sektion Karlsruhe für das große Engagement!

Paraclimbing als Wettkampfformat

Wie in vielen anderen Sportarten, gibt es natürlich auch im Paraclimbing ganz offizielle Weltmeisterschaften. Es kommt unweigerlich die Frage auf, wie viele unterschiedliche Wertungsgruppen es wohl geben wird. Schließlich hat ein erblindeter Sportler ganz andere Hindernisse zu überwinden, wie ein amputierter. Wie kann da ein fairer Wettkampf stattfinden? Wir schauen uns das mal an…

Wie wird geklettert?

Selbst wenn viele Teilnehmer den Vorstieg sicher beherrschen, wird in den Wettkämpfen generell im Toprope geklettert. Wie bei den anderen Weltmeisterschaften gewinnt dann die Person, welche die meisten Züge in der Finalroute schafft. Wenn mehrere Kletterer die gleiche Anzahl an Zügen schaffen, gewinnt der schnellste. Wer sich das einmal genauer anschauen möchte, kann sich die Replays der Paraclimbing Weltmeisterschaft von diesem Jahr auf YouTube anschauen – es lohnt sich!

(Un)Fair?

Paraclimbing ist eine vergleichsweise junge Kletterdisziplin, die erst seit 2011 vom International Federation of Sportclimbing (iFSC) veranstaltet wird. Seither gibt es regelmäßig Weltmeisterschaften im Paraclimbing, an denen unter anderem auch schon deutsche Kletterer auf dem Podium standen.

Durch die großen Unterschiede in Bezug auf die jeweiligen Einschränkungen fällt eine faire Einteilung in Leistungsklassen allerdings schwer.

Um die Leistungen der Kletterer mit Behinderung dennoch so objektiv wie möglich zu vergleichen, gibt es offizielle Regelungen der iFSC. Hier werden die Kletterer abhängig vom Handicap in verschiedene Kategorien eingeteilt. Je nach Wettkampfgröße gibt es dann auch eine Unterteilung in die jeweiligen Schweregrade der Einschränkung (1 bis 3).

Daraus ergeben sich bei den internationalen Wettkämpfen folgende Klassen:

  • „B“ – Blinde Athleten (1 bis 3)
  • „AL“ – Athleten mit Beinamputation (1 bis 3)
  • „AU“ – Athleten mit Armamputation (1 bis 3)
  • „RP“ – Athleten mit neurologischer Beeinträchtigung (1 bis 3)

Auf einer WM wird eine Kategorie jedoch nur gebildet, wenn mindestens 6 Athleten aus 4 verschiedenen Nationen teilnehmen. So kommt es dann doch vor, dass es zu nicht ganz „fairen“ Zusammensetzungen kommt. So kletterte zum Beispiel eine amerikanische Teilnehmerin mit nur einem Arm in einer Kategorie mit Teilnehmern, denen lediglich die Hand fehlt. Durch den Mangel an Mitstreitern war es nicht anders möglich. Wenn sie teilnehmen wollte, musste sie das Klettern unter ungleichen Voraussetzungen akzeptieren.

Die Paraclimber hoffen, dass mit steigender Bekanntheit und der damit verbundenen höheren Teilnehmerzahl die Kategorien stärker ausdifferenziert werden können, um faire Bedingungen zu schaffen. Solange gilt immer noch: „Dabei sein ist alles!“

Fest steht: Es ist war und ist sehr beeindruckend, welche Leistungen Paraclimber an die Wand bringen und wieder einmal ein guter Grund, etwaige Vorurteile in der Schublade zu lassen.

Aufwärmen, aber richtig!

16. August 2018
Tipps und Tricks

In den bisherigen Artikeln habe ich dir erzählt, wie du mit spezifischem Training die Kletterleistung schrittweise verbessern kannst. Dabei habe ich jeweils erwähnt, dass ein angemessenes Erwärmen notwendig ist, bin aber nicht genauer darauf eingegangen, wie es aussehen soll. Warum du ein Warm-up als essenziellen Bestandteil deines Trainings sehen solltest und nach welchen Prinzipien es strukturiert werden sollte, beschreibe ich dir in diesem Artikel. Aber Achtung: Mein Ziel ist es nicht, dir hundert verschiedene Übungen zu zeigen, sondern, dich für das Thema Warm-up zu sensibilisieren, einige empfehlenswerte Übungen dazu werden in den kommenden Wochen auf dem Bergfreunde YouTube-Kanal folgen.

„Kaffee ist integraler Bestandteil des Kletterns“ Wolfgang Güllich

„Aufwärmen ist integraler Bestandteil des Kletterns“ Ich ;)

Warum aufwärmen?

Dass das Aufwärmen vor dem Sport wichtig ist, wissen viele, aber nur selten wird es konsequent durchgeführt. Vielleicht kennst du das miese Seitenstechen, wenn du deine Joggingrunde zu früh mit einer hohen Geschwindigkeit begonnen hast. Oder wenn du beim Klettern zu früh in anspruchsvolle Touren gehst und die Unterarme sofort anfangen zu brennen – dann spürst du den sogenannten Flash-Pump.

Ein angemessenes Warm-up reduziert nicht nur die Wahrscheinlichkeit für diesen Flash-Pump oder das Seitenstechen, sondern bereitet auch Körper und Psyche auf die kommende Belastung vor und reduziert so zum Beispiel das Verletzungsrisiko.

Mit einem guten Warm-up erhöht sich die generelle Leistungsbereitschaft des Körpers erheblich. Dadurch ermöglicht es ein effizientes Training beziehungsweise die optimale Leistungsbereitschaft für dein aktuelles Projekt. Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, währenddessen in deinen Körper hineinzuhören: Reicht deine aktuelle Tagesform für eine intensive Session aus, oder solltest du dich doch lieber ein bisschen schonen?

Ein gutes Warm-up führt zur:

  • Aktivierung der Muskulatur
  • Erhöhten körperlichen Leistungsfähigkeit
  • Reduzierten Verletzungsanfälligkeit
  • Verbesserten Koordination
  • Erhöhten Aufmerksamkeit

Was passiert, wenn ich mich nicht aufwärme?

Wenn du kein Warm-up vor dem Training durchführst, wirst du schneller ermüden. Da dein Körper noch im Ruhezustand ist, werden der Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem nicht in der Lage sein, aufkommende Stoffwechsel-Produkte zu verarbeiten. Folglich wird sich das Laktat in der Muskulatur schneller anhäufen. Laktat ist eine der Ursachen für das Brennen der Muskulatur, das du bei erhöhter Anstrengung spürst. Dann kommt es zum Flash-Pump, bei dem die Unterarme von Beginn an „zu“ gehen. Aber nicht nur das, du bist auch anfälliger für Verletzungen.

Der Verzicht auf ein Warm-up führt zu:

  • Schneller Ermüdung
  • Flash-Pump
  • Höherer Verletzungs-Wahrscheinlichkeit

Welche Auswirkungen hat ein Warm-up?

Erhöhen der Körpertemperatur

Die größte Rolle im Warm-up spielen die Körperkerntemperatur, sowie die Temperatur der Arbeitsmuskulatur. Im aufgewärmten Zustand arbeiten der gesamte Stoffwechsel und der Bewegungsapparat wesentlich effizienter.

Ganz allgemein wird durch ein angemessenes Aufwärmen das gesamte Gewebe in deinem Körper auf die kommende Belastung vorbereitet. Es wird durch die höhere Temperatur elastischer und folglich weniger anfällig für Zerrungen oder ähnliche Verletzungen.

Verbesserte Körperwahrnehmung und Koordination

Bei der richtigen Temperatur können Nervenfasern die ankommenden Bewegungssignale schneller an die Muskulatur leiten, gleichzeitig erreichen sensorische Signale schneller das Gehirn. Dadurch verbessern sich deine Körperwahrnehmung und deine Reflexe, um auf mögliche Ausrutscher beim Klettern schneller reagieren zu können.

Vorbereitung der Gelenke auf die kommende Belastung

Je wärmer die Gelenke sind, umso flüssiger wird die „Gelenkschmiere“, sodass die Gelenke sozusagen besser geölt sind. Zusammen mit der besser arbeitenden Muskulatur hast du dann auch eine verbesserte Beweglichkeit. Außerdem sind aufgewärmte Gelenkknorpel weniger anfällig auf Druck- und Reibungskräfte, wodurch Knorpelschäden unwahrscheinlicher werden.

Aktivierung des Herz-Kreislauf-Systems

Die erhöhte Temperatur aktiviert zusätzlich die Herz-Kreislauf-Funktionen. Das Herz erhöht die Anzahl der Pulsschläge und die Blutgefäße erweitern sich. So kann mehr Blut vom Herzen zur Muskelzelle fließen. Gleichzeitig können die einzelnen Blutzellen mehr Sauerstoff aufnehmen. So gelangt mehr Blut und Sauerstoff in die Zellen. Dadurch verbessern sich die Nährstoffzufuhr und der Abtransport von Abbaustoffen.

Verbesserte Konzentrationsfähigkeit

Da nicht nur die Muskulatur stärker durchblutet wird, sondern auch das Gehirn, kannst du dich besser konzentrieren.

Reduzierung von Nervosität und Ängsten

Falls du vor bestimmten Leistungssituationen Nervosität an den Tag legst oder gar Angst hast, kannst du sogar diese negativen Effekte durch ein Aufwärmtraining besser in den Griff bekommen.

Worauf ist bei einem Warm-up fürs Klettern oder Bouldern zu achten?

Wie lange ein Warm-up dauern sollte, wird von sehr vielen Einflussfaktoren bestimmt. Wie schnell der Körper seine Leistungsbereitschaft entwickelt, ist von Person zu Person unterschiedlich. Manch einer benötigt eine ganze Stunde spezifischen Aufwärmens um richtig warm zu werden, ein Anderer ist nach der ersten Aufwärmroute schon in seinem Langzeitprojekt. Deine eigene Aufwärmzeit und -struktur kannst du nur feststellen, indem du ein paar Erfahrungen mit verschiedenen Aufwärmeinheiten hast.

Generell gilt: Nimm‘ dir lieber etwas zu viel Zeit als zu wenig.

Um zu entscheiden, wie du dich am besten aufwärmst, solltest du dir zunächst die Frage stellen: Welche sportlichen Ziele habe ich heute? Dabei solltest du die Art der Belastung und deine aktuelle Tagesform berücksichtigen. Ein Warm-up kann dir sogar helfen aus einem schlappen Tag einen Leistungstag zu machen. Erfahrungsgemäß dauert das Aufwärmen dann länger als sonst. Ohne dich zu kennen und zu wissen was du so trainieren oder projektieren möchtest, empfiehlt sich generell gesagt ein Warm-up von mindestens 20 Minuten. Dabei solltest du folgende Bausteine einbeziehen, die du individuell an deine Bedürfnisse und Ziele anpassen kannst:

  • Generelles Aufwärmen zur Aktivierung des Herz-Kreislaufsystems
  • Spezifisches Aufwärmen zur Vorbereitung des Muskel-Skelett-Apparats

Generelles Aufwärmen

Das Ziel eines generellen Aufwärmens ist es, die Gewebetemperatur zu erhöhen. Hierzu empfiehlt sich eine moderate Ausdauerbelastung (so dass du dich ohne Probleme unterhalten könntest) von 5 bis 15 min. Hier kannst du Übungen wie Laufen, Radfahren (z.B. auf dem Weg in die Kletterhalle), Seilspringen oder Hampelmänner anwenden. Während der ersten 5 Minuten erhöht sich die Körpertemperatur am stärksten. Daher solltest du dem generellen Aufwärmen mindestens 5 Minuten widmen.

Zur Verletzungsvermeidung ist die Erhöhung der Muskeltemperatur der wichtigste Bestandteil des Warm-ups. Falls du einmal weniger Zeit haben solltest, führe vor der Belastung zumindest ein generelles Warm-up durch!

Spezifisches Aufwärmen

Der spezifische Teil des Aufwärmens soll deine Muskeln auf die kommende Bewegung vorbereiten. Je intensiver deine Trainingssession oder das noch offene Projekt ist, desto länger solltest du dich mit der richtigen Vorbereitung befassen.

Berücksichtige hier ebenfalls deine Tagesform und persönlichen Stärken bzw. Schwächen. Folgende Punkte solltest du in ein spezifisches Warm-up einbauen:

Kletterspezifische Muskulatur

Hierzu gehören natürlich die Arm- und Schultermuskulatur. Aber auch die Core-Muskulatur sollte ausreichend vorbereitet werden. Sind in deinem aktuellen Projekt zum Beispiel auch anspruchsvolle Heelhooks, dann sollte natürlich auch die hintere Beinmuskulatur vorbereitet werden.

Die schlafenden Muskeln wecken

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des Menschen und wird daher von verschiedenen großen und kleinen Muskeln stabilisiert. Diese Eigenschaft ist wichtig, um einen großen Bewegungsraum zu ermöglichen. Dadurch erhöht sich allerdings auch die Verletzungsgefahr.

Die großen Muskeln formen den typischen Kletterrücken und bei vielen Bewegungen nehmen sie den kleinen Muskeln die Arbeit ab. So kann es sein, dass die kleinen Muskeln bei einem Warm-up nicht richtig aktiviert werden, obwohl sie zur Stabilisation der Schulter einen großen Beitrag leisten. Achte darauf, auch diese in dein Warm-up miteinzubeziehen.

Dynamisches Dehnen

…ein viel diskutiertes Thema in den letzten Jahren und es gibt vermutlich noch für eine Weile keinen wahren Konsens.

State of the Art ist es, sich vor der Belastung alleine dynamisch und nur kurz zu dehnen (max. 30 sec). Damit ist ein Dehnen gemeint, bei dem man immer nur leicht in die Dehnung hineinwippt. Es hat sich nämlich gezeigt, dass sich die Kraftfähigkeit nach einem langen statischen Dehnen verringert. Solche Dehnübungen kannst du nach deinem Training oder an einem separaten Tag durchführen.

Klettern mit steigendem Schwierigkeitsgrad

Zum Abschluss kannst du dich auch noch auf die eigentlichen Kletterbewegungen einstimmen. Ziel dieses Warm-up-Bausteins ist es, dich auf die Bewegungen und die gegebenen Bedingungen vorzubereiten, sowie die Durchblutung der Armmuskulatur nochmals anzuregen. Dazu beginnst du in leichten Routen (etwa drei Grade die deutlich unter deinem maximalen Kletterniveau liegen). Ist dir das zu langweilig, kannst du währenddessen spielend verschiedene Techniken ausprobieren.

WICHTIG: Hier geht es nicht darum, anderen zu zeigen, dass du dich in harten Routen aufwärmen kannst, sondern darum, sich passend aufzuwärmen. Nach ca. 5 bis 10 Minuten leichter Kletterei beginnst du damit, schwierigere Routen zu klettern, um perfekt auf dein Projekt vorbereitet zu sein. Denke dabei auch daran angemessene Pausen einzubauen.

Falls du an diesem Tag kein Klettertraining beabsichtigt hast, sondern ein Fingertraining oder Ähnliches, kannst du dich auch hier mit einem steigenden Schwierigkeitsverlauf der Übungen auf die kommende Belastung vorbereiten.

Das waren jetzt die Basics, auf die du achten solltest. Falls du individuelle Problemzonen hast (Finger, Schulter, etc.) spreche bitte mit einem Sportorthopäden oder Physiotherapeuten, der dir genaue Auskunft darüber geben kann worauf du im Speziellen achten solltest.

Nach dem Warm-up

Hast du dich für dein Projekt aufgewärmt, kann es Sinn machen, dir etwas Warmes überzuziehen und dir einige Minuten Beruhigungszeit zu geben. So kannst du dich mental auf die kommende Leistung vorbereiten und beispielsweise nochmals die Crux Sequenzer im Gedanken durchgehen.

Hast du noch Fragen, kannst du uns diese gerne in den Kommentaren hinterlassen. Und ansonsten wünschen wir dir gutes Aufwärmen und ein tolles Kletterprojekt!

How to Hochtour: Was du vor dem ersten Mal beachten musst

14. August 2018
Tipps und Tricks

Der Wecker klingelt um einiges früher als zur Arbeitszeit. Es ist klirrend kalt und das obwohl wir mitten im Hochsommer sind. Mit den anderen schlaftrunkenen Tourengehern ziehst du quasi mitten in der Nacht dein Gurtzeug an und stolperst mit steifen Gliedern über steile Pfade und lockeres Geröll. Kälte und Dunkelheit umgeben dich und alles was du siehst, begrenzt sich auf das was der Lichtkegel deiner Stirnlampe beleuchtet.

Jetzt wird man sich wohl fragen: Hat das irgendwas mit Urlaub und Spaß zu tun!? Man glaubt es nicht aber: Ja, hat es! Denn es handelt sich hier nicht nur um irgendeine Erzählung, sondern um die Umstände, die einem bei einer Hochtour begegnen.

Da der aufweichende Schnee auf dem Gletscher über den Spalten immer weniger trägt und man deshalb idealerweise schon am frühen Nachmittag wieder von der Tour zurück sein sollte, ist ausschlafen bei den Hochtouren zwar leider nicht der Fall, aber das frühe Aufstehen lohnt sich. Vor dem Morgengrauen in absoluter Stille voranzuschreiten, unter Mond und Milchstraße, die von pechschwarzen Bergzacken eingerahmt werden – das hat was! Mit der aufsteigenden Sonne dann immer klareres Licht, klarere Luft, den Himmel, die Wolken in allen Farben und Stimmungen zu betrachten – das ist eine unbezahlbare Erfahrung. Gut, Letzteres kann man auch in Bodennähe haben, aber an hohen Bergen ist das alles intensiver und kombiniert mit einer 3D-Optik, die du im Cinemaxx nicht bekommst. Und als ob das nicht genug ist, sind Hochtouren ein riesen Spaß!

Dazu kommt noch die Selbsterfahrung (vor allem, wenn es gewisse Hürden und Schwierigkeiten zu überwinden gilt). Konzentration, Flow, Meditation, totale Entspannung, intensive Emotion: all das ist möglich, und zwar in kürzester Zeit. Beim Strandurlaub bekommt man das so bestimmt nicht geboten …

Haben wir dein Interesse geweckt? Gut, aber wenn du bislang eher Meeresanbeter oder Flachländer warst und jetzt gleich mal eine Tour auf einen „richtigen Berg“ probieren willst, solltest du erst noch einige Zwischenschritte einlegen. Der erste davon wäre, sich zu erkundigen, was eine Hochtour überhaupt ist.

Was ist eine Hochtour?

Das die Tour irgendwo hoch geht steckt im Wort schon drin. Allerdings begeben sich auch Wanderungen oder Spaziergänge oftmals in diese Sphäre. Deshalb kommt es darauf an wo es hoch geht. Grundsätzlich gilt das Aufwärtsgehen dann als Hochtour, wenn es auf einen Berggipfel oder anderen Punkt im Hochgebirge führt, der durch bloßes Wandern allein nicht zu erreichen ist. Es „muss“ also etwas Fels oder Eis oder beides zu überwinden sein. Je nachdem, wie viel davon kommt und wie lang, steil und schwer die Fels- und Eispassagen sind, wird der Schwierigkeitsgrad festgelegt. Dafür gibt es eine eigene, in mehreren Sprachen der Alpenländer geführte Schwierigkeitsskala, die bei L für „leicht“ anfängt, über WS und ZS („wenig schwierig“ und „ziemlich schwierig“) ansteigt und bei AS und ES („äußerst schwierig“ und „extrem schwierig“) endet. Dabei bezieht diese Skala mehr Faktoren ein als die UIAA-Felskletterskala, die Passagen mit ihren Graden von I bis mittlerweile XII- markiert.

Neben der Kletterschwierigkeit werden noch die Steilheit der Firn- und Gletscherhänge sowie die „Hilfskriterien“ Orientierungsschwierigkeit, Felsqualität, Sicherungsmöglichkeiten und Abgeschiedenheit/Rückzugsmöglichkeiten hinzugezogen.

Die absolute Meereshöhe spielt bei der Einordnung als Hochtour keine Rolle, denn je nach Klimazone kann ein Gipfel von 4000 Metern ein grüner Wanderhügel sein, während ein Gipfel von 2000 Metern eine eisgepanzerte Felsburg sein kann.

Im weiteren Sinne kann auch eine reine Felstour eine Hochtour sein, doch als „klassische Hochtour“ betrachtet man eher Gletscheranstiege und Gipfeltouren mit viel Schnee und Eis. Da letztere immer weiter zurückschmelzen, gibt es in den Alpen immer weniger Gipfel, die das ganze Jahr über klassische Hochtourenziele abgeben. Die meisten Alpengipfel unter 3500 m sind im Spätsommer mittlerweile eher von ausgeschmolzenen Felsen, Schotter und Geröll geprägt und weisen nur grau und braun getönte Reste ihrer vor 30 Jahren noch üppigen Gletscher und Eisflanken auf.

Tendenziell wird so die Auswahl an Eistouren und kombinierten Touren (= Fels- und Eistouren) kleiner und die verbleibenden Touren werden mühsamer (und aufgrund der Permafrostschmelze auch gefährlicher). Wahrscheinlich werden sich die sommerlichen Hochtourengeher, ähnlich wie die Alpinskifahrer im Winter, immer weiter nach oben begeben. Oder die Saison wird früher begonnen, wie es mittlerweile häufig der Fall ist.

Touren mit hohem Anteil an Gletscher, Firn und Eis weisen oft schon ab Mitte Juni gute sommerliche Bedingungen auf. Die Hochsaison beginnt mittlerweile ab Anfang Juli und endet im August, wenn viele Eistouren und kombinierte Touren durch die starke Schmelze eine wachsende Steinschlaggefahr aufweisen. In den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren hat sich die Hochtouren-Hauptsaison schätzungsweise um einen Monat nach vorn verschoben.

Anforderungen und persönliche Voraussetzungen

Je mehr Voraussetzungen man erfüllt, desto höhere Anforderungen darf man in Angriff nehmen. Warum sollte man sich jedoch eigentlich überhaupt fordern? Gute Frage, vielleicht weil mit wachsender Schwierigkeit meist die landschaftlichen Eindrücke spektakulärer werden und gleichzeitig das innere Erleben intensiver wird. Außerdem sind die Hütten, Biwaks und Touren nicht überlaufen, wodurch es weniger aber dafür interessantere Begegnungen gibt. Doch bleiben wir zunächst bei den Mindestvoraussetzungen, um überhaupt in irgendeine Hochtour einsteigen zu können.

Der Weg hinauf führt wie gesagt oft über Fels und Eis, kann sich ziemlich in die Länge ziehen und ist auch nicht immer wirklich sichtbar. Deshalb erfordert eine Hochtour deutlich mehr Anforderungen als das Wandern. Im vergletscherten Gelände erfordern auch einfache Hänge den (kompetenten) Gebrauch von Seil, Steigeisen und Eispickel sowie Kenntnisse in Sicherungs- und Bergungstechniken.“

Hinzu kommen eine solide Grundkondition, eine je nach Gipfelhöhe mehr oder weniger ausgiebige Höhenanpassung sowie ein jederzeit abrufbares theoretisches Wissen (dazu mehr im nächsten Abschnitt). Auch auf die Qualität der Ausrüstung und der Verpflegung sollte geachtet werden.

Kletterfertigkeiten sind auch bei nominell sehr einfachen Felspassagen gefragt. Diese werden nämlich wie beim Hallen- und Sportklettern bewertet – also ohne die Bergstiefel, den Rucksack, die kalten Finger, die vielen Höhenmetern in den Beinen und manchmal die viele Luft unter den Füßen zu berücksichtigen. Hinzu kommen teils schnell wechselndes Wetter und ebenso schnell wechselnde Verhältnisse. Je nach Schnee- und Eisauflage sind dann auch in gemäßigten Touren schnell mal Grundfertigkeiten in Eis- und Mixed-Klettern mit dem Pickel und/oder Eisgerät gefragt. Aus diesen Gründen kann man jederzeit an Touren scheitern, die man laut der Zahlen auf dem Papier eigentlich „locker drauf haben müsste“.

Zu den Fertigkeiten gehört nicht nur, wie man hoch kommt, sondern auch wie man im Fall der Fälle den Sturz bremst. Zumindest auf Eis und Schnee kann man hier Schadensbegrenzung betreiben, indem man möglichst schnell die richtige Körperhaltung einnimmt und den Pickel richtig einsetzt. Die Pickelbremse hilft nämlich nicht gegen Akne, aber möglicherweise gegen einen tödlichen Absturz.

Eine durch Bergwanderungen geschulte Trittsicherheit sollte ebenfalls vorhanden sein und man sollte nicht schon beim Besteigen einer Leiter Schwindelgefühle bekommen (Schwindelfreiheit lässt sich aber trainieren).

Was sollte man wissen?

Will man eigenständig und verantwortungsbewusst Hochtouren durchführen, gibt es eine ganze Menge an theoretischem Lernstoff. Doch dessen Aneignung ist weder langweilig noch sonderliche schwierig. Für den Anfang braucht es Basiswissen über Berge und Gletscher, über Grundlagen der Seiltechnik, der Spaltenbergung und den Umgang mit Ausrüstung wie Steigeisen und Pickel. Hinzu kommen:

  • Knotenkunde
  • Kenntnisse über alpine Gefahren
  • Orientierung
  • Wetterkunde

Es reicht nicht, sich ein paar passend aussehende Apps herunterzuladen und sich darin einzulesen; ein echter Umgang mit echten Dingen wie Papierkarte, mechanischer Kompass und das Wetter der Umgebung ist hier gefragt.

Das umfangreiche theoretische Know-how kann man sich natürlich nicht immer komplett merken. Das ist aber kein Problem, sofern man ein gutes Lehrbuch zum Nachschlagen und Dazulernen zur Hand hat. Hier gibt es eine große Auswahl. Mein persönlicher Favorit ist zurzeit das Lehrbuch Bergsport Sommer – Technik, Taktik, Sicherheit des Schweizer Alpen-Clubs. Die Schweizer Präzision gilt hier auch in Sachen Details und Anschaulichkeit, weshalb auch kompliziertere Manöver (wie der Flaschenzug) klar nachvollziehbar und erlernbar sind.

Echtes Interesse und etwas Zeit? Kurse!

Da die bisher genannten Anforderungen und Voraussetzungen nicht mal eben im Handumdrehen zu erfüllen sind, ist ein mehrtägiger Hochtourengrundkurs die ideale Herangehensweise für die „richtigen Berge“. So ein Kurs sollte mindestens fünf Tage dauern, denn ein langes Wochenende reicht nicht, um alle wichtigen Inhalte wirklich aufzunehmen. Wirklich effektiv ist das Ganze, wenn es direkt im Anschluss auf einer ersten leichten(!) Tour praktisch angewendet und durch baldige und regelmäßige Wiederholung und Auffrischung vertieft wird.

Kurse kann man bei einer der vielen privaten Bergschulen oder beim Alpenverein belegen. Letztere sind wesentlich preiswerter, da sie ehrenamtlich durchgeführt werden, aber lassen sich meistens nicht spontan buchen. Außerdem sind sie verbunden mit einer Vereinsmitgliedschaft, die aber ebenfalls nicht teuer ist und bei längerfristigem Interesse an den Bergen zahlreiche Vorteile mit sich bringt.

Man muss sich auch keineswegs gleich alle Ausrüstung zusammenkaufen. Die fehlenden Teile kann man sich in aller Regel sowohl bei privaten Anbietern als auch beim DAV gegen geringe Gebühren ausleihen.

Null Erfahrung und wenig Zeit? Bergführer oder Finger weg!

Halbwissen ist bei Hochtouren mindestens so gefährlich wie nix wissen. Kommen dann noch Selbstüberschätzung und falscher Ehrgeiz hinzu, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Dennoch gehen viele Aspiranten mit genau diesen ungünstigen Voraussetzungen auf eine Hochtour. Sie sind dann mit der falschen Ausrüstung, den falschen Seilabständen oder im falschen Tempo unterwegs. Manche greifen auch bei der Tourenauswahl viel zu hoch und suchen sich für ihre „Premiere“ Berge wie den Montblanc aus, der als „technisch einfach“ gilt und dennoch Prestige verspricht.

Doch nicht nur „Ahnungslose“ verhalten sich so, sondern manchmal auch „Quereinsteiger“ aus dem Alpinwandern oder dem Sportklettern. Sie schätzen die Unterschiede zwischen „ihrer Disziplin“ und dem Hochtourengehen falsch ein. So ist beispielsweise der Umgang mit dem Seil auf Hochtouren trotz gleicher Prinzipien und Techniken ein völlig anderer als beim Sportklettern. Einen guten Einblick zum Hochtouren-Seilhandling gibt es hier bei den Bergfreunden.

Kurz und bündig: wer keine Erfahrung und wenig Zeit hat, sollte auch für „leichte Einsteiger-Hochtouren“ nicht ohne sehr erfahrene Begleiter bzw. einen Bergführer aufbrechen.

Ist Training nötig?

Ob und wie viel man trainieren sollte, hängt davon ab, welchen körperlichen Zustand man „mitbringt“ und welche Touren man plant. Wer im Sitzen arbeitet und Sport nur aus dem Fernsehen kennt, wird auch für die kürzesten und leichtesten Hochtouren nicht fit genug sein.

An hohen Bergen ist der Körper ungewohnten Belastungen ausgesetzt, die nicht nur aus der Anstrengung, sondern auch aus der Höhe, den Temperaturen, der trockenen Luft und anderen Umweltfaktoren resultieren. Da ist eine mindestens solide Grundfitness unabdingbar. Doch wie definiert man diese? Nun, Sportwissenschaftler können hier sicher präzise antworten, ich versuche es mal mit einer groben persönlichen Einschätzung, bzw. einem Beispiel:

Du bist ausreichend fit für eine Einsteiger-Hochtour, wenn du mit einem 10 Kilo Rucksack auf dem Rücken auf einer Mittelgebirgswanderung mit etwa 500 Bergauf-Höhenmetern ein flottes Gehtempo von 5 km/h über etwa 10 Kilometer halten kannst, ohne anschließend völlig ausgepumpt zu sein.

Das Erreichen solch einer Grundfitness ist weder schwierig noch zeitaufwändig. Schon wenige Stunden Lauftraining pro Woche können binnen weniger Monate deutliche Konditionsfortschritte bringen. Brauchbare Trainingspläne und Kurzanleitungen wie hier auf Alpin.de findet man im Netz zuhauf. Ein konkretes Trainingsplan-Beispiel, welches Einsteiger in 6 Monaten und 6 Schritten auf den Großglockner führen kann, findet man bei Bergwelten.de. Hier wird neben der Ausdauer auch auf die Kraft und auf weitere Komponenten eingegangen.

Mit Köpfchen: das Mindset

Je länger und schwieriger die Hochtour, desto wichtiger werden neben der körperlichen Verfassung auch der Zustand und die Ausrichtung der Psyche. Eine passende Einstellung mit positiven Gedanken ist je nach Anspruch der Tour hilfreich bis wichtig. Im besten Fall kann man damit viel körperliche Kraft mobilisieren. Umgekehrt kann eine „lasche innere Haltung“ ganz schnell auch zum körperlichen Durchhänger führen.

Zu positiven Grundhaltung gehört ein stabiler Wille, ein wirkliches „da hoch wollen“, auch wenn es sich zwischenzeitlich mal widerspenstig anfühlt. Und dennoch sollte man das Ganze nicht zu ernst nehmen. Klingt widersprüchlich, kann aber klappen, wenn die Freude an der Tour und der Tätigkeit im Vordergrund steht. Dann benutzt man sie nicht als Mittel zum Zweck, um sich oder irgendwem irgendetwas zu beweisen und kann somit unverkrampft an sie herangehen. Etwas Klarheit über die eigenen Motive kann sowieso nie schaden.

Wenn es in den persönlichen Grenzbereich geht, wird auch die mentale Vorbereitung auf die Tour zur wichtigen Säule. Manche Spitzenbergsteiger gehen ihre geplanten Touren vorher sehr detailliert und mit allen möglichen Situationen mental durch, um sich in vollständige Bereitschaft für den wirklichen Auf- und Abstieg zu versetzen.

Welche Ausrüstung benötigt man für eine Hochtour?

Es dürfte klar sein, dass ohne die richtige Kleidung als Grundlage am Berg nichts geht. Grundsätzlich kann man für Hochtouren die gleichen atmungsaktiven Funktionsklamotten im gleichen Zwiebelschalenprinzip verwenden, wie sie auch beim Bergwandern zum Einsatz kommen. Nur sollte das Ganze in größerer Höhe noch etwas mehr Wind, tiefere Temperaturen und heftigere Niederschläge aushalten. Die mittlere Isolationsschicht sollte also etwas dicker und die äußere Hardshell etwas robuster sein. Auch Handschuhe und Mütze sollten wärmer sein. Die Kunst ist nun, dass die Kleidungsstücke auch dann die Bewegungsfreiheit nicht einschränken sollten, wenn sie alle zugleich getragen werden. Deshalb sollte auf gute Abstimmung und guten Sitz geachtet sowie Stretchmaterial bevorzugt werden.

An den Füßen sollten es mindestens „bedingt steigeisenfeste Bergstiefel“ sein, denn alles was weniger steif ist, wird zu Problemen mit schlecht sitzenden Steigeisen führen. Sich lockernde oder gar lösende Steigeisen auf steilen Schneefeldern oder Blankeis haben schon so manchen Mitreißunfall und Seilschaftsabsturz ausgelöst. Alles Wissenswerte über Hochtourenkleidung findet ihr in diesem Artikel hier auf Bergfreunde.de.

Hinzu kommen zahlreiche weitere Ausrüstungsgegenstände wie Steigeisen, Pickel, Karabiner, Bandschlinge und Prusikschnüre und gegebenenfalls Eisschrauben. Mehr Infos dazu gibt es in der Packliste für Hochtouren.

Soweit einmal die erste Einführung in die Welt der Hochtouren – die werden wir jedoch demnächst um ein paar sehr schöne Einsteigertouren mit Tipps und Infos zur Durchführung erweitern. Also seid gespannt!

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