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Kleine Frau, großer Fels - Ulligundes Bergkolumne
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Rissklettern in Indian Creek

Caro North in Indian Creek – das Paradies der Risse

7. Dezember 2016
Die Bergfreunde

Indian Creek ist das Mekka des Risskletterns schlechthin! Der rote Sandstein scheint wie mit dem Messer durchschnitten, und nicht nur einmal, sondern überall. Denn es ragt hier eine Linie neben der anderen empor in den blauen Himmel. Dadurch findet man alles was das Risskletter-Herz begehrt: vom Fingerriss über den perfekten Faustriss bis hin zum Offwidth, den gefürchteten großen Schlünden. Das spezielle daran ist, es gibt wirklich nur Risse und keine andere Kletterei. Und die Risse sind obligatorisch, denn nebendran ist der Fels glatt und ohne Struktur. Das heißt Füße und Hände müssen irgendwie in diesen Spalten verklemmt werden. Dazu kommen ganz spezielle Techniken ins Spiel und so manch europäischer Kletterer ist daran bereits verzweifelt…

Rissklettern in Indian CreekAber wo befindet sich nun eigentlich Indian Creek?

Indian Creek ist ein Canyon im Süden von Moab im Staat Utah der USA. Am besten fliegt man nach Salt Lake City oder Denver, mietet sich dort ein Auto und fährt dann nach Moab (etwa eine Stunde Fahrt von Denver). Um die Kletterfelsen zu erreichen, ist zudem ein geländegängiges Auto (SUV) von großem Vorteil. Noch besser ein Allrad-Fahrzeug, aber nicht zwingend. Ohne ein solches muss man zu manchen Sektoren dann schlichtweg einfach etwas länger laufen.

Es lohnt sich außerdem, bereits im Vorfeld einen Großeinkauf in einem der Supermärkte in SLC oder Denver zu machen, was definitiv günstiger kommt, als in Moab selbst. Die meisten Supermärkte sind rund um die Uhr offen und mit Jetlag kann man so problemlos auch mitten in der Nacht einkaufen gehen! Moab selbst ist nur ein kleines Städtchen. Für amerikanische Verhältnisse echt ganz nett, denn es gibt zahlreiche kleine Cafés. Besonders zu empfehlen: Eklektika (auf der linken Seite in der Main Street, ziemlich am Anfang, wenn man reinkommt) und die Red Rock Bakery mit ihren Monster Cookies (etwas weiter hinten auf der rechten Seite). Bei beiden gibt es auch guten Kaffee, der sonst in den USA eher rar gesät ist. Gute Curries gibt’s zudem beim Thailänder: Bangkok House Too (an der McStiffPlaza).

Rissklettern in Indian CreekZum Lebensmitteleinkauf gibt es den City Market am Ende der Main Street auf der linken Seite und den Moon Flower Health Store, ein absolutes Muss für alle, die durch Moab kommen. Mein Tipp, den Chai aus dem Kühlregal probieren! Der gibt Power für Durchstiege. Kletterläden gibt es hier zwei: Gearheads und Pagan Mountaineering. Wobei Gearheads sicherlich der größere ist. Außerdem kann man hier sein Wasser im Laden auffüllen, was man vor der nächsten Tour auf jeden Fall machen sollte! Denn in Indian Creek gibt es kein Wasser. Also heißt es: ordentlich Wasserkanister füllen! Und auch den Tank des Autos, denn die Distanzen sind oft länger als gedacht (Tankstellen gibt es einige in Moab).

Voll beladen geht es somit nach Indian Creek, um dort das Lager aufzuschlagen. Die meisten Kletterer tun dies entweder auf dem Super Bowl oder Creek Pasture Campground. Beide sind mit Trockentoiletten und Feuerstellen ausgestattet und man zahlt 5$ pro Campsite. Die sind wiederum riesengroß und der Betrag splittet sich dann auf alle auf, egal wie viele Zelte oder Autos man dabei hat. In der Hochsaison, also im Frühling und Herbst, können die Campingplätze – vor allem jedoch an den Feiertagen – ziemlich voll sein. Ein wahres meet and greet um neue Kletterer kennenzulernen und neue Ideen für Projekte zu sammeln. Oder die teils verrückten Riten der Amis zu beobachten!

Vom Campingplatz muss man immer zu den verschiedenen Sektoren fahren, die sich über das ganze Tal auf beiden Seiten ausstrecken. Man kann also entscheiden, ob man in der Sonne oder im Schatten klettern möchte und dann die entsprechende Exposition wählen. Die Sonne in der trockenen Wüste ist allerdings ziemlich heftig, sodass wir uns oft ein eher schattiges Plätzchen zum Klettern suchen. Die Schattenwand schlechthin ist etwa die Reservoir Wall mit dem Super Klassiker: Pente, 5.11-. Ein absolutes Muss!

Rissklettern in Indian CreekDie typischer Indian Creek Zustieg beläuft sich vom Parkplatz aus, auf round about 20-30 min. Fußmarsch bergauf. Die Wege starten stets von den im Führer genannten Parkplätzen und sind dann mit Steinmännern markiert. Manchmal muss man den Einstieg zwar etwas suchen, aber es lohnt sich auch definitiv nicht, wild Querfeldein zu laufen – denn die Wege sind überall ziemlich ausgetreten und definitiv die beste Lösung, um den jeweiligen Wandfuss zu finden!

Zum Klettern selbst empfiehlt es sich zuallererst, so viele Cams wie möglich und ein 80m Einfachseil dabei zu haben – auch wenn selbst das für manche Routen noch zu kurz ist. Aus diesem Grund haben wir zusätzlich eine Rapline dabei. Auch ein zweites Einfachseil ist empfehlenswert, falls man im Toprope etwas ausbouldern möchte oder eine Tour für die Kletterpartner einfach hängen lässt… denn nicht jeder traut sich in Indian Creek direkt in den Vorstieg…

Material:

Rissklettern in Indian CreekDas klingt nach extrem vielen Klemmgeräten – sind es auch! Aber erfahrungsgemäß ist es besser, lieber zu viel dabei zu haben und jede Tour nach Belieben klettern zu können, als sich Material irgendwo leihen zu müssen, weil ausgerechnet in der aktuellen Tour nicht genug Cams in der richtigen Größe verfügbar sind. Am besten ist es gar, zu viert mit dem oben genannten Material unterwegs zu sein! So hat man definitiv immer genug Gerödel dabei und kann sich ganz einfach bei der Routenwahl absprechen und entsprechend ausrüsten.

Kletterschuhe geeignet fürs Rissklettern:

Wichtig ist, dass die Zehen möglichst wenig aufgestellt sind, damit es in den Rissen nicht zu stark schmerzt. Von Vorteil ist auch, wenn zusätzlich Strümpfe in die Schuhe mit reinpassen – so kann man seine Knöchel besser schützen. Alternativ gibt es den überknöchel-hohen Rissschuh schlechthin: den TC-Pro von La Sportiva. Dieser ist besonders für Offwidth-Kletterei sehr empfehlenswert, da kann er gerne auch mal größer ausfallen. Ansonsten ist er mir für filigrane Risse aber zu unpräzise. Mein Tipp hier: der Scarpa Instinct Velcro, einfach eine Nummer grösser als beim Sportklettern wählen und schon habe ich den für mich idealen Schuh.

Risse erfordern weiterhin viel Kraft, beanspruchen die Haut und somit auch die Schmerzresistenz. Dies führt dazu, dass man meist zwei Tage klettert und dann einen Ruhetag macht. Dieser Rhythmus hat sich super bewährt, vor allem wenn man bis zum Ende noch schwer klettern will!

Rissklettern in Indian CreekAlso dann, was machen an Ruhetagen in Indian Creek?

1. Wasser auffüllen
in Moab: im Gearheads oder am Wasserhahn vor Pagan Mountaineering
in Monticello: am Caravan Campingplatz auf der linken Seite beim Reinfahren. Doch Achtung: Je nach Jahreszeit schmeckt das Wasser hier sehr nach Chlor.

2. Essen einkaufen
in Moab: Supermarkt oder MoonFlower Health Store
in Monticello: Supermärkte

3. Duschen
in Moab: Lazy Lizard Hostel für 3$ (wenn man von Indian Creek aus reinfährt, ziemlich am Anfang auf der rechten Seite, gelbes Schild), hat auch Internet
in Monticello: Caravan Campingplatz 5$

4. Essen und Kaffee
in Moab: Eklektika, RedRock Bakery
in Monticello: Peace Tree

5. Internet
in Moab: WiFi gibt’s überall, in jedem Kaffee, Hostel, …
in Monticello: Bücherei hat kostenloses Internet, im PeaceTree gibt’s keins!
im Canyonlands Visitor Center: das Nächste von Indian Creek aus – hier gibt es kostenloses WiFi. Man muss allerdings entweder den Pass für die National Parks haben oder Eintritt in den National Park zahlen

6. Wäsche waschen
in Moab: neben Gearheads gibt’s einen Waschsalon, der sogar freies WiFi zum Überbrücken der Wartezeit hat
in Monticello: Hinter der Bibliothek links und dann auf der rechten Straßenseite

Rissklettern in Indian Creek7. und was dann…?
Zum Beispiel Mountainbiken rund um Moab. Ganz berühmt ist der Slick Rock Trail. Fahrräder kann man sich fast überall mieten, wir haben gute Erfahrung mit Moab Cyclery gemacht. Ein Mountainbike leihen kostet ca. 60$ pro Tag. Aber Achtung: oft ist man nach dem Biken ziemlich platt. Ansonsten einen der Nationalparks anschauen, wie z.B. Arches … und meist gehen die Ruhetag doch ohnehin schneller rum als gedacht!

Dann noch die große Frage: Wann geht’s idealerweise nach Indian Creek?

Die besten Saisons sind Frühling und Herbst. Wobei im Frühling der Vorteil besteht, dass die Tage länger sind. Dafür ist es aber eher auch etwas wärmer. Im Herbst wiederum sind wir kein einziges Mal ohne Stirnlampen vom Fels abgestiegen. Da dies gleichzeitig die guten Monate zum Klettern sind, ist auch dementsprechend viel los. Allerdings gibt es so viele Routen dort, dass sich die Leute gut verteilen. Und wenn man nicht auf die Klassiker fixiert ist, muss man auch nicht Schlange stehen! Der Super Crack beispielsweise, der Oberklassiker schlechthin, lässt sich zudem auch gut mit Stirnlampen klettern. Aber das nur am Rande ;)!

Und noch ein abschließender wichtiger Tipp:
Starkes Desinfektionsmittel mitnehmen und bei Wunden sofort verwenden! Denn in der trockenen Umgebung entzünden sich Verletzungen rasend schnell und heilen dann überhaupt nicht mehr richtig zu. Deswegen ist zusätzlich eine antibiotische Creme im Gepäck definitiv von Vorteil.

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Geschenke für Bergfreunde, die schon alles haben

2. Dezember 2016
Ausrüstung

Jeder hat so einen in der Familie. Der Typ, der vermeintlich schon alles hat. Meistens Mama oder Papa. Und jedes Jahr stellt sich die große Frage: Was schenkt man diesen Personen zu Weihnachten? Eine Fleecejacke? Das wäre dann Nummer 127. Eine neue Hardshell? Die komplette Gore-Tex-Palette ist eh schon da. Kletter-, Wander- und Bergstiefel haben sie noch und nöcher und sogar ein paar Laufschuhe stehen da jetzt rum. Gut, dass es die Bergfreunde gibt, denn wir haben für Dich Geschenke-Tipps für Outdoor-Leute, die definitiv nicht alltäglich sind.

Ein Gürtel aus Kork

bleed-cork-belt-men-guertel„Guter Mann, ich seh’s sofort, Ihnen steht am besten Kork“. Der Klassiker unter den 90er-Jahre-Bodenbelägen, gibt es jetzt als genialen Gürtel. Was er kann? Er sieht ziemlich cool aus, ist immerhin GOTS-zertifiziert und besteht aus einem nachwachsenden Material für das keine Bäume gefällt werden müssen. Ein absolutes Must-Have!

Bürstenset für Biker

Eine wahre Wonne für jeden Zweiradfan, der sein Bike regelmäßig putzt (oder putzen sollte). Oft hat man ja das Problem, dass man nicht unbedingt in alle kleinen Ecken reinkommt. Mit dem fünfteiligen Bürstenset von Muc Off ist das jetzt absolut kein Problem mehr. Vor allem die Ritzel-Bürste, mit der sich hartnäckiger Schmutz aus Ritzeln, Kettenblättern und Schaltröllchen entfernen lässt, ist richtig praktisch! Liegt mit gerade einmal 29,95€ auch perfekt im Budget. Zum Produkt bitte hier entlang.

Pimp my Bike

shaman-racing-bullet-for-valve-pair-ventilaufsatz-detail-2Wer erinnert sich nicht mit Freude an die Serie „Pimp my ride“ zurück, in der der Rapper Xzibit abgehalfterte Karren zu wahren Designer-Glanzstücken umfunktionierte, die dann auch schon mal ne Playstation mitsamt Fernseher im Kofferraum hatten. Nun, soweit kann man es mit den Bullets von Shaman Racing nicht treiben, aber eine Ventilkappe in Form einer Gewehrkugel hebt den Coolnesfaktor des Gefährts durchaus auf ein völlig neues Level. Die bunten Dinger gibt’s hier.

Abheben mit dem Helicopter-Hoodie

Ein Hoodie mit nem‘ Propeller an der Kapuze? Ihr denkt jetzt vielleicht: „Haha, der Jörn hat wohl mal wieder etwas zu viel Höhenluft geschnuppert. So ein Schmarrn“. Aber nein, ich kann euch sagen: Das Teil gibt es wirklich. Der Propeller Hoodie von Degree ist DAS lässige Teil für unter den Weihnachtsbaum. Und wer keinen Bock auf den Propeller aus Holz oder gerade keine Möglichkeit zum Abheben hat, kann ihn einfach in der am Pullover angebrachten Tasche verstauen. Wenn das mal nicht total abgedreht ist! Und hier gibts das gute Stück!

Geruchshemmende Bananen

Jeder mag Bananen. Jeder. Sie schmecken gut, haben eine lustige Form und sind darüber hinaus auch noch gesund. Aber wusstet Ihr, dass sie auch als Schuherfrischer herhalten können? Also zumindest die Boot Bananas bekommen das ziemlich gut hin. Sie werden einfach nach der Berg- oder Klettertour in die Schuhe gesteckt und sorgen dank des Mix aus Aktivkohle, Soda, vulkanischen Mineralien sowie diversen pflanzlichen Ölen für Frische. Aber Obacht: Sie helfen leider nicht gegen schlechten Atem.

Ultraleicht und ultralöchrig

klymit-inertia-o-zone-isomatteGerade einmal 350 g für eine aufblasbare Isomatte. Nicht schlecht, oder? Wie das geht? Man haut einfach überall Löcher rein. Und dann ist das Ding sogar noch mega klein. Nur 9 x 15 cm Packmaß sprechen eine deutliche Sprache. Die Zaubermatte stammt aus dem Hause Klymit und ist ein echtes Schmankerl für alle Ultraleicht-Trekker. Durch das integrierte Kopfkissen ist gleichzeitig für soliden Schlafkomfort gesorgt. Der Hammer kommt aber ganz zum Schluss: Das Teil legt man direkt IN den Schlafsack. Ich dreh‘ durch. Du auch? Dann gleich zugreifen.

Nie mehr zerdepperte Eier

Jeder hat ja so ein Gipfelritual. Sei es die Gipfelhalbe, das Gipfel-Snickers (Empfehlung von Bergfreund Janpeter) oder das Gipfel-Ei. Ja, richtig. Ich kenne Menschen, die futtern am Gipfel traditionell ein hartgekochtes Ei. Und für genau solche Menschen – vermutlich aber auch einfach für Camper und Trekker – hat Coghlans eine Eierbox entworfen, in der man die empfindlichen Leckerbissen sicher verpacken kann. Praktischerweise ist die Box für zwei Eier ausgelegt – Anspielungen könnt ihr euch an dieser Stelle gerne sparen. Und hier gibts das gute Stück!

Energie!

powertraveller-crankmonkey-usb-ladegeraetDie Berge. Unendliche Weiten. Dies sind die Abenteuer von allen, die mit ihrem Smartphone unterwegs sind und keine Bilder machen können, weil der Akku schon wieder leer ist. Der Captain auf der Brücke empfiehlt hier: Das Crankmonkey USB-Ladegerät. Warum? Nun, es wird mit einer Kurbel betrieben und erzeugt damit Strom in Hülle und Fülle. Man muss lediglich ein wenig Kraft investieren und das Glück des richtigen Anschlusses haben. Ums jedoch gleich vorweg  zu nehmen: Liebe Apfel-Jünger, ihr seid leider raus. Micro-USB only! Wer das Teil haben will: Bitte hier entlang.

Bitte recht warm

Ihr dachtet immer, Heizdecken seien nur was für alte Leute? Ganz, ganz weit gefehlt. Denn mit der faltbaren und akkubetriebenen Heizmatte von Brunton kommt wohlige Wärme jetzt auch unterwegs fast wie von allein von unten. Das Teil kann einfach unter den Schlafsack gelegt werden und der integrierte Akku läuft bis zu zwölf Stunden. Nach Gebrauch wird das gute Stück zusammengefaltet und kann platzsparend verstaut werden. Am besten gleich zugreifen!

Das wird ein Fest

Wir wollen doch stark hoffen, dass hier schon was Schönes für euch und eure Liebsten dabei war. Wenn nicht, könnt ihr euch auch gerne in unserem Geschenkeshop umsehen. Dort haben wir für euch weitere schicke Präsente ausgewählt, an denen sich Wanderer, Kletterer, Tourengeher und Biker gleichermaßen erfreuen würden. Die sind zwar nicht so fesch, wie die im hiesigen Artikel, aber auch Klassiker kommen als Geschenk immer gut an!

Klettern am Brauneck

Auf der Sonnenseite – Klettern am Brauneck

30. November 2016
Die Bergfreunde

Letztens habe ich wieder für Aufruhr gesorgt, als ich felsenfest behauptet habe, die letzten Jahre sei der November ein wunderschöner Kletter-Monat gewesen. Für uns war es so, aber niemand sonst war meiner Meinung. Erst lange danach ist mir klar geworden, warum die Meisten den November hassen: ich sitze selbst in der Nebelsuppe und frage mich, ob es die Sonne überhaupt noch gibt. Dabei müsste ich es eigentlich besser wissen, denn an solch trüben Tagen muss man zum Klettern hinauf auf den Berg! Doch gerade in der Übergangszeit sind die Anforderungen an ein Klettergebiet besonders hoch: südseitig sollte es sein, mit guter Felsqualität und abwechslungsreichen Routen, wenn möglich schnell erreichbar und gut abgesichert. Und dabei möchte man natürlich nicht ständig die gleichen Routen klettern. Am besten weit oben, um über den Wolken und mit schöner Aussicht einen Hauch von alpiner Freiheit zu spüren. Die „eierlegende Woll- Milch- Sau“, wohin also?

Liebe auf den zweiten Blick

„Sportklettern am Brauneck, dem alten Lenggrieser Hausberg? Gibt es dort überhaupt Felsen?“ Auch wir wollten lange Zeit nicht glauben, dass es direkt vor unserer Haustür ein südseitiges Klettergebiet mit alpiner Kulisse gibt. Aber manche Erfahrungen muss man eben selbst machen. „In einem zweijährigen Erschließungsrausch wachgeküsst“, heißt es poetisch im Kletterführer, der über 250 abwechslungsreiche Routen verspricht. Genügend Linien für viele, viele Herbst- und Wintertage.

Die Landschaft im Isarwinkel ist geprägt von bewaldeten Hügeln, grünen Almwiesen und vergleichsweise lieblichen Gipfeln. An Klettermöglichkeiten mangelt es deshalb trotzdem nicht. Am Bergkamm zwischen den Gipfeln von Brauneck, Latschenkopf und Achselköpfen liegen verstreut zahlreiche, kleine Felsen. Abseits der Hauptwege, teils etwas versteckt, bieten sie die von vielen ersehnte Ruhe und Einsamkeit. Der beeindruckende Weitblick reicht vom Mangfallgebirge über das Rofan und Karwendel bis herüber zum Wetterstein. Am Brauneck ist man in erster Reihe für das gesamte Alpenpanorama. Es vereint alle wichtigen Vorzüge: kurze Anfahrt, interessante Linien, geniale Aussicht und Einkehrmöglichkeiten auf urigen Berghütten. Was will man mehr?

Willkommen bei den Stie’s

Erst einmal die Finger aufwärmen. Vielleicht dort anfangen, wo auch die jüngere Erschließungsgeschichte des Klettergebietes begann, nämlich im Stie-Alm Kessel. Direkt hinter der bewirtschafteten Alm beginnt der Hauptsektor Wilderland mit einer Vielzahl an Routen aller Schwierigkeitsgrade im geneigten bis senkrechten Kalk. Nach ein paar leichten Routen steht fest: der Fels bietet gute Strukturen, griffige Leisten und hat eine super Reibung. Also auf zum nächsten Level! Ein Dach mit großen Griffen wie in Arakis (7+) dürfte ja kein Problem sein…oder? Danach der harmlos wirkende, aber ganz schön verzwickte Erste Ameisenweg (7-) und gleich daneben in Same same but different (8-) der Test für Fingerkraft und Ausdauer. Die Hauptwand und die umliegenden, kleinen Sektoren können leicht zu einer tagesfüllenden Klettereinheit werden.

Auf dem Weg zum Zirkuskessel steht unübersehbar der Gamskopf, eine kleine Felsnadel mit Gipfel-Steinbock aus Beton. Geschmack hin oder her, der athletische Dach-Ausstieg von Laminator (7) vor dem Panorama der bayerischen Voralpen ergibt ganz nebenbei auch schöne Kletterfotos. Dieses feine Schmankerl kann man auf dem Zustieg oder Rückweg noch gut einbauen.

Ab in den Zirkus

Nicht nur für Geologen sehr interessant ist die grau-orange Felsformation der Zirkuswand. Was aus der Ferne (wenn man einmal ehrlich ist) eher nach Bruch aussieht, entpuppt sich nach klettertechnischer Erkundung als purer Spaß an Seitgriffen und Schuppen. Ausgesprochen „interessante“ Linien. Der außergewöhnliche Felsriegel aus senkrecht gestuften, aufeinander liegenden Felsschichten ist eine super Übung für die Fußtechnik und die Koordination. Von wegen Schuppenterror (6)! Selbst der lange Schneesturm (7) ist bei solch positiven Griffen ein Genuss, zumindest wenn man sich darauf einlässt.

Ein kleines Stück weiter im Sektor Balkon wartet gleich die nächste Überraschung: leichte Plattenkletterei an riesigen Wasserlöchern. Die Wand ist auf der linken Seite wie ein Schweizer Käse und bietet wunderschöne Henkelparaden – wie zum Klettern gemacht. Nur nach rechts hin wird sie etwas kompakter und auch schwerer. So richtig Dampf im Kessel macht Chilli (8-), mit einem Piaz, der es in sich hat. Und wo wir schon beim Piaz sind, ist es auch bis zum Riss nicht mehr weit.

Hand im Löwenkäfig

Risse lassen zwar nicht jedes Kletterer-Herz höher schlagen, aber das könnte sich hier vielleicht ändern? Im Kalk sind schöne Risse eigentlich sehr selten. Umso erstaunlicher, dass die Wände am Brauneck gleich mehrere tolle Riss-Verschneidungen zu bieten haben. „An Zirkusriss (7-) müsst‘s unbedingt maha…“, das lassen wir uns nicht zwei Mal sagen. Wer es über die abdrängenden ersten Meter schafft, kann sich an traumhaften Kletterei erfreuen – ob in Piaz- oder Klemmtechnik. Echte Riss-Fans finden etwas westlich der Stie-Alm ein weiteres Highlight; den Devil’s Crack (7) an der Felsnadel Herr Nilson im Sektor Taka Tuka Land. Und ich wette diese Liste könnte man noch fortsetzen.

Langsam tasten wir uns also an etwas wildere Linien mit einem Hauch von Abenteuer heran. „Nichts für Plastikkletterer, muss man gemacht haben“, stichelt der Kletterführer bei der Beschreibung zur Route Furchtfurche (7/7+). Dass uns der Autor hier in ein kleines Test-Piece lockt, liegt auf der Hand. Dennoch, die Neugier siegt: was hat es damit wohl auf sich?! Der Einstiegskamin und der hängende Offwidth-Riss fordern vom Kletterer bewegungstechnisch Kreativität und Mut zur Lücke. Die kritische Frage lautet immer wieder aufs Neue: innen oder außen klettern? Eine Entscheidung zwischen schmerzender Enge und unangenehmer Leere, oder einfach eine Frage der Technik. Es wäre wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass die Route auch für Kletterer höherer Schwierigkeitsgrade eine Herausforderung darstellt. Die Tour ist dennoch oder gerade deshalb absolut empfehlenswert. Wer sich Schwierigkeitstechnisch noch steigern möchte, dem sei Gula (9-) im Sektor Raubtierkäfig ans Herz gelegt. Die überhängende Riss-Verschneidung kann ganz schön einheizen.

Über den Wolken

Dies sind nur einige wenige Kletter-Schmankerl, die über dem Isartal auf euch warten. Gemütlich von Fels zu Fels ziehend die schönsten Linien abgrasen, das geht nicht nur im Herbst, sondern auch im frühen Winter und teils bis tief in den Dezember hinein. Das Brauneck ist ein Gebiet mit vielen kleinen Herausforderungen, in dem sich Felssüchtige ganz wunderbar den Winter verkürzen können. Es ist ein wahres Privileg, hoch über der trüben Nebeldecke noch einmal im T-Shirt kletternd die Sonne zu genießen, während im Tal auf den Weihnachtsmärkten schon Glühwein ausgeschenkt wird.

Kletterführer:
„Bayerische Alpen Band III“ von Markus Stadler, Panico Verlag, 2015

Material:
Für die Mehrzahl der Routen reicht ein 60m Einfachseil und 12 Express- Schlingen. Manche Routen sind jedoch über 35m lang, sodass man nur mit einem 70m Einfachseil auf der sicheren Seite ist. Trotz Sportkletter-Ambiente ist ein Kletterhelm ratsam.
Tendon Hattrick 10.2mm (Einfachseil)
Klettergurt Onyx und Garnet, Helm Penta
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger

Anfahrt:
Mit dem Auto: über die A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Holzkirchen oder A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen bis zur Ausfahrt 9 Sindelsdorf, weiter nach Bad Tölz und über die B13 nach Lenggries bis zur Ausfahrt Lenggries/Wegscheid. Über die Isarbrücke in Richtung Brauneckbahn.
Mit Öffis: die Bayerische Oberlandbahn (BOB) verkehrt im Stundentakt zwischen München und Lenggries, ab Lenggries Bahnhof in 7 Minuten mit der RVO (Linie 9564 oder 9595) zur Brauneckbahn.

Bergbahn:
Brauneck Bergbahn, Gilgenhöfe 28, D-83661 Lenggries, Tel. 08042 503940, Betriebszeiten 8:15 Uhr – 16:30 Uhr (bis 17 Uhr im Sommer), Revisionszeit der Bergbahn (14 Tage nach Ostern und 14 Tage im November), www.brauneck-bergbahn.de

Zustieg:
Von der Brauneckbahn Bergstation mühelos über gut beschilderten, fast ebenen Panoramaweg in 35 Minuten zur Stie-Alm bzw. je nach Sektor vorher abbiegen.

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Phishing-Mails erkennen – passt auf eure Daten auf!

28. November 2016
Tipps und Tricks

Im Internet lauern viele Tücken. Tücken, vor denen weder wir noch ihr gefeit seid. Phishing-Mails sind z.B. eine solche. Gut getarnt landen sie in unserem Postfach und sagen uns, dass wir noch eine Rechnung zu bezahlen hätten oder unser Konto wieder freigeschaltet werden muss. Das Ziel dieser Nachrichten: Sensible Daten abgreifen.

Stand 28. November 2016: Wir wissen, dass aktuell Fake-Nachrichten unterwegs sind, in denen wir – nebst anderen Rechnungsstellern – auftauchen. Es gibt bei uns kein Datenleck, sondern es handelt sich um zufälligen Spam.

Was sind Phishing-Mails?

Das Wort Phishing entstammt dem Hacker-Jargon und ist vom englischen Wort fishing (fischen, angeln) abgeleitet – so zumindest sagt es die allwissende Wikipedia. Bildlich gesprochen beschreibt Phishing also das Angeln von Passwörtern oder anderen Zugangsdaten. Dabei legen die Hacker täuschend echte Köder aus. Zum Beispiel Mails, die von Bezahldiensten wie Paypal stammen und in der Aufmachung kaum von den Originalnachrichten zu unterscheiden sind. In den Mails wird man dann aufgefordert, sich über einen Link mit seinen Zugangsdaten einzuloggen.

Folgt man diesem Link, wir man ebenfalls auf eine täuschend echte Kopie der Originalseite geleitet, auf der man – immer noch nichts böses ahnend – seine Daten eingibt. Spätestens hier haben die Hacker dann ihr Ziel erreicht und können frei schalten und walten. Wenn man den Betrug erkennt, ist es oft schon zu spät. Woran ihr die Fälschung vom Original erkennt, wollen wir euch kurz erläutern.

Hier finden sich zwei Nachrichten die vermeintlich von Paypal stammen. Eine ist echt, eine ist eine Phishing-Mail. Auf den ersten Blick sind Farbgebung, Aufmachung und alles andere gleich. Schaut man allerdings genauer hin, lässt sich die Fälschung recht schnell erkennen. Nämlich beim Blick auf die Kontaktdaten des Unternehmens. Die passen bei der Fälschung nicht. Weder Hotline, noch Emailadresse sind korrekt.

Was tun, wenn ich eine verdächtige Mail im Postfach habe

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Leider sind die Zeiten vorbei, in denen man betrügerische Emails allein an schlechter Rechtschreibung erkennen kann. Erscheint in eurer Email-Box eine Nachricht, bei der ihr erstmal stutzig werdet, ist das oft schon der erste, richtige Impuls. Jetzt solltet ihr erstmal überlegen:

  • Habt ihr überhaupt etwas bei uns bestellt?
  • Wenn ja, stimmt der angegebene Betrag mit der Bestellsumme überein?
  • Passt die Bezahlart (Paypal etc.)
  • Stimmen die Daten in der Email?
    • Du erhältst von uns in der Bestellbestätigung eine Bestellnummer, die sich normalerweise auf dem Paypal-Beleg wiederfindet.
  • Stimmen die Kontakt-Daten in der Email

Wenn ihr mindestens einen dieser Punkte verneinen könnt, ist Vorsicht geboten. Bitte keine Links anklicken und die Mail am besten gleich löschen. Weitere Informationen und Hinweise zum Vorgehen bei Spam-Verdacht gibt es auch auf der Seite von Paypal

Solltet ihr euch trotz allem nicht sicher sein, dann könnt ihr euch natürlich auch gerne direkt an uns wenden. Unser Kundenservice steht unter 07121/70120 von 10 – 17 Uhr zur Verfügung oder ihr versucht es über Facebook, Twitter und Co. Wir können schnell herausfinden, ob wir noch eine Rechnung mit euch offen haben ;)

 

Tipps fürs Eisklettern

Profi-Tipps zum Eis- und Mixedklettern: Tricks und Technik

25. November 2016
Tipps und Tricks

Nachdem es im ersten Teil meines Beitrags um die technische Ausrüstung zum Eis- und Mixedklettern ging, widme ich mich nun ein paar allgemeinen Themen. Klar, dass es sich wieder nur um eine kleine Auswahl handeln kann (das Feld des Winterkletterns ist weit…) und es sich dabei um meine Erfahrungen und Einschätzungen handelt, die natürlich nicht jeder uneingeschränkt teilen wird. Aber ich hoffe, dass ihr dennoch von diesem Text profitiert und ein paar Anregungen mitnehmen könnt – und, dass die Vorfreunde auf den Winter weiter wächst!

Zustieg und die Challenge „Trocken bleiben“

Warm werden aber nicht zu sehr schwitzen, ist die Devise. Bei langen, anstrengenden Zustiegen mit schwerem Rucksack wird man aber zwangsläufig verschwitzt ankommen. Die richtige Antwort darauf: ein frisches Shirt (z.B. Merinowolle oder eine Kunstfaser-Merino-Mischung), ein trockener Pulli, eine trockene Mütze, trockene Handschuhe! Oder, wenn man am Einstieg nichts zurücklassen kann, weil man ganz anders absteigt: Gas geben und auf die unbeliebte „Körpertrocknung“ vertrauen. Feuchte Socken trocknen allerdings schlecht im ebenfalls feuchten Stiefel… Stöcke sind fast immer hilfreich. Wird später alles durch die Wand getragen, sind leichte Faltstöcke perfekt, die selbst in kleine Rucksäcke passen (Empfehlung: Leki Micro Stick Carbon mit etwas größerem Teller).

Die Lücke zwischen Hose und Stiefel

Schnee im Stiefel ist nicht lustig, deshalb ein paar Worte zum Thema Gamaschen. Gehen wir davon aus, dass wir mit einer Hardshellhose unterwegs sind. Lange Gamaschen, die bis unters Knie reichen, würden die genannte Lücke natürlich schließen. Gleichzeitig wäre ein Teil der Hose geschützt. Aber: Zwei Lagen Hardshell über den Unterschenkeln sind doch etwas übertrieben und man würde mehr schwitzen. Hat man eine Hardshellhose ohne (funktionierende) Innengamasche und will ordentlich im Schnee wühlen, ist die beschriebene Variante dennoch zu empfehlen. Für gemäßigtere Einsätze reicht eine kürzere Gamasche, solange die Hose beim Klettern nicht aus der Gamasche rutschen kann. Es gibt aber eine noch bessere Lösung, sofern man eine Hose mit ausreichender Beinlänge und brauchbaren Innengamaschen besitzt.

Die Innengamaschen sollten recht lang, idealerweise etwas elastisch und mit einem kleinen Haken zum Einhängen am Stiefel ausgestattet sein (bei einigen Modellen ist der Haken falsch angebracht, so dass er sich von alleine aushängen wird). Nun also die Gamasche mittels besagtem Haken an der Schnürung des Stiefels einhängen (ist die Hose zu kurz, wird dies die Bewegungsfreiheit einschränken). Die Innengamasche allein reicht aber nicht aus. Sie wird mit einer zweiten Gamasche kombiniert, die über der Innengamasche angelegt wird und diese fixiert. Bei herkömmlichen Bergstiefeln verwendet man am besten eine Softshell-Kurzgamasche, bei modernen Bergstiefeln mit integrierter Gamasche natürlich die Gamasche des Stiefels (gemeint sind jene Bergstiefel, bei denen die Gamasche die ganze Schnürung bedeckt – es gibt auch andere Ausführungen, die andere Lösungen verlangen).

Stiefel richtig Schnüren

Beim Zustieg sollte man seine Stiefel nicht zu fest schnüren. Bevor es ans Klettern geht, wird die Schnürung dann nochmals angepasst. Bei technisch schwierigen Routen und bei kaltem, hartem Eis muss der Stiefel satt am Fuß sitzen, was durch ein festes Schnüren im Bereich des Spanns erreicht wird. Klar, dass die Durchblutung darunter leiden kann – es braucht etwas Erfahrung, um einen guten Kompromiss zu finden. Werden die Zehen nicht mehr warm, sollte man die Schnürung lockern (evtl. kann man an einem geschützten Platz auch kurz raus aus den Stiefeln und die Zehen massieren). Vor dem Einstieg in eine lange, alpine Route sollte man sicherstellen, dass sich die Schleife der Schnürsenkel nicht auflösen kann. Es kann durchaus unangenehm sein, wenn dies im heiklen Gelände und/oder bei schlechtem Wetter passiert (ich erinnere mich an eine Situation am Fitz Roy – von oben kam ein Schneerutsch nach dem anderen…). Zumal man dann ja erstmal den Riemen des Steigeisens und die Gamasche öffnen muss. Die Schleife also richtig festziehen und dann einen Knoten drauf (sofern der Stiefel kein alternatives Schnürsystem hat)!

Taktik und Sicherungstechnik

Einen langen Eisfall oder eine alpine Mixedroute klettert man sinnvollerweise nicht überschlagend, sondern teilt den Vorstieg in Blöcke ein, sofern beide Kletterpartner vorsteigen wollen. Bei einer 7-SL-Route könnte das dann so aussehen: Uschi führt die ersten vier Seillängen und Rolf-Dieter die verbleibenden drei. Gewechselt wird idealerweise im leichten Gelände oder an einem bequemen Stand vor/nach einer kurzen Länge. Viele Eiskletterer schwören auf die Halbseiltechnik, die natürlich in gewissen Situationen vorteilhaft ist. Realistisch betrachtet ist die korrekte Anwendung der Halbseiltechnik im Mehrseillängengelände aber so schwierig und aufwändig, dass sie uns schnell überfordert.

Deshalb meine Empfehlung für eine Zweierseilschaft: Zwillingsseile verwenden, oder dünne Halbseile, die dann standardmäßig wie Zwillingsseile eingesetzt werden. Oder, wenn es die Route erlaubt, mit Einfachseil klettern. Standplätze baut man besser nicht mit dem Kletterseil auf (man würde sich eine ganze Reihe von Nachteilen einhandeln), sondern mit einer Standplatzschlinge mit zuvor abgeknotetem Auge (doppelter Bulin). Mehr und mehr setzt sich hierfür Rundmaterial durch, also zur 120er-Schlinge vernähte 6-mm-Kevlar- oder Dyneemareepschnur. Das Handling ist verglichen mit Bandmaterial um Welten besser (und es gibt weitere Vorteile). Mir sind zwei Hersteller bekannt: Edelrid (Kevlar) und Skylotec (Dyneema). Nachgesichert wird mit der „Plate“, so hat man als Sicherer zwischendurch die Hände frei und kann sich z. B. ums eingeholte Seil kümmern.

Sichern am Eisgerät

Im ersten Teil dieses Beitrags wurde das Thema „Sichern am Eisgerät“ bereits angeschnitten und ich vermute, dass ein paar Erklärungen dazu nicht schaden können. Natürlich bevorzugen wir den Stand nach Lehrbuch – zwei Eisschrauben im guten Eis oder gerne auch zwei ordentliche Bohrhaken – allerdings interessiert das eine alpine Route recht wenig. Eis kann schlecht oder gar nicht erst vorhanden sein, Bohrhaken sind womöglich zugeschneit. Oder wir haben schlicht zu wenig Eisschrauben dabei, um am Standplatz mehrere zu verbauen. In solchen Fällen heißt es improvisieren, wobei die Eisgeräte ins Spiel kommen können.

Doch was halten Eisgeräte, wenn sie als Anker eingesetzt werden? Pit Schubert hat 1999/2000 neun verschiedene Steileisgeräte auf deren Auszugsfestigkeit im Eis getestet (siehe DAV Panorama 1/2000 u. 6/2000), also den Dorn belastet, bis das Gerät brach oder ausbrach. Bei den 102 Versuchen lagen die Werte zwischen 0,6 und 10,4 kN, bei einem Mittelwert von 3,84 kN. Allerdings wurden die Geräte mit nur einem Schlag gesetzt, was dazu geführt hat, dass ein paar Geräte bei sehr niedrigen Werten ausgebrochen sind. Bei weiteren Versuchen wurden die Geräte mit einem zweiten Gerät nachgeschlagen. Die Auszugswerte lagen dann im Bereich 7,7 bis 9,0 kN.

Wichtig ist also, dass die Hauen möglichst weit versenkt werden, was zumindest bei einem der beiden Eisgeräte durch nachschlagen erreicht werden kann. Eine Schaufel am Gerätekopf ist dabei hinderlich, ein Hammer von Vorteil. Außerdem muss die Belastung des eingeschlagenen Geräts in der vorgesehenen Richtung erfolgen (es darf nicht zur Seite oder nach oben belastet werden) und der Dorn ausreichend fest sein. Letzteres sollte selbstverständlich sein, ist es aber nicht. Beispielsweise darf der von Grivel bei manchen Modellen verbaute Kunststoff-Dorn nach meinen Informationen nur mit Körpergewicht belastet werden.

Bei den aktuellen Steileisgeräten von Edelrid (Riot, Rage) liegt die Festigkeit des Dorns hingegen bei 8 bis 10 kN (Herstellerinformation). Achtung, die hier angegebenen Werte dienen nur der groben Orientierung und dürfen nicht auf gewöhnliche Eispickel für den Hochtoureneinsatz übertragen werden! Praxistipps fürs Abenteuergelände: Eisgeräte können auch in gefrorene Erde, in vereisten Felsrissen oder neben verkeilten, eingefrorenen Felsblöcken eingeschlagen werden. Die Beurteilung solcher Anker ist natürlich schwierig, deshalb mehrere Fixpunkte zu einem soliden Zentralpunkt zusammenfassen!

Warm bleiben

Der Vorstieg einer langen, schwierigen Seillänge dauert schon mal etwas. Auch mit trockenen Klamotten kann es dem Sicherer kalt werden. Dagegen hilft ein „Belay-Jacket“ – in trockenen Nordwandrouten eine Daunenjacke, wenn im Eisfall viel Wasser nachläuft besser eine Primaloft-Jacke. Außerdem wohltuend: eine Thermosflasche mit heißem, gezuckertem Tee und einem Schuss Rum – wobei es dagegen wahrscheinlich irgendwelche Einwände gibt.

Das beste Rezept gegen Kälte ist aber Bewegung! Gegen kalte Finger und die heftigen Schmerzen beim Warmwerden helfen „Windmühlen“. Also die Arme engagiert kreisen lassen, bis sich die Finger warm und gut durchblutet anfühlen. Und das schon vor dem Einstieg in die erste Seillänge! In den einfachen, oft eingeschneiten Seillängen sollte man eher dicke Handschuhe tragen, in den Schlüsselseillängen eher dünne, in harten Routen ganz dünne. Oder auch mal gar keine, was aber schnell zu Hautverletzungen führt. Ich hänge meine Reservehandschuhe nicht an den Gurt, sondern trage sie am Körper, damit sie nicht gefrieren, wenn sie einmal etwas feucht sind. Wenn man in einer längeren Route mit Rucksack unterwegs ist, kann man speziell fürs Abseilen noch ein paar alte Handschuhe einstecken. Hochwertige Eiskletterhandschuhe, deren Obermaterial nicht zu dick sein darf, gehen beim Abseilen recht schnell kaputt.

Das beste Training: Drytooling

Das beste Training fürs Eisklettern – abgesehen vom Eisklettern – ist Drytooling. Leider gibt es wenige „richtige“ Drytoolingspots. In normalen Klettergärten sollte man dennoch nicht drytoolen, erst recht nicht in beliebten Sektoren! Sicher gibt es einen gewissen Ermessensspielraum, aber es muss klar sein, dass es sich um ein sehr sensibles Thema handelt! Vereinzelt gibt es in den Kletterhallen Trainingsmöglichkeiten. Die, die ich kenne, sind leider eher dürftig. Aber ok, vielleicht müsste man auch selbst aktiv werden anstatt zu maulen…

Wie auch immer, wer kreativ ist findet schon irgendwo ein paar Trainingsmöglichkeiten: Klimmzüge, Hänge- und Blockierübungen an den Eisgeräten (die Hauen können z.B. in alte Seilschlingen eingehängt werden, die irgendwo fixiert sind), Hangeln mit den Eisgeräten (Hauen ggf. komplett abpolstern, z. B. mit Schlauchstücken und Tape), … Egal wie das Training an den Eisgeräten aussieht, man sollte eher zurückhaltend beginnen. Fehlt es an der richtigen Selbsteinschätzung bezüglich der muskulären und koordinativen Möglichkeiten, sind Überlastungsschäden an Schulter oder Ellbogen vorprogrammiert!

Kurse und weiterführende Informationen

Gibt es noch Unsicherheiten bei der Sicherungstechnik, beim Seilhandling am Standplatz, beim Beurteilen der Bedingungen und alpinen Gefahren? Oder wären ein paar Korrekturen der Klettertechnik hilfreich? Niemandem bricht ein Zacken aus der Krone, wenn er einen Kurs besucht. Das Kursniveau muss natürlich passen, weshalb sich fortgeschrittene Eiskletterer am besten direkt an einen spezialisierten Bergführer wenden. Außerdem folgende Literaturempfehlung: Eisklettern, Will Gadd, Panico Alpinverlag.  Das Buch ist spitze, hier und da, beispielsweise beim Thema Sicherungstechnik, sollten aber gewisse – sagen wir mal kulturelle Unterschiede – beachtet werden…

Open-Window-Effekt

Open-Window-Effekt oder „Wie werde ich zuverlässig krank“

22. November 2016
Tipps und Tricks

Die Nase trieft, das Hirn hämmert heftig gegen die Innenseite des Schädelknochens und man bekommt dank der kratzigen Stimme kein richtiges Wort aus der Kehle. Die heilige Dreifaltigkeit der winterlichen Erkältung ist wohl jedem gut bekannt. Kaum sind die Temperaturen im Keller, schon schnieft und hustet jeder im näheren Umkreis und man hält lieber einen guten Meter Sicherheitsabstand zu allem was atmet. Schafft man es dann endlich nach Hause und schält sich in die winterlichen Sportklamotten um eine Runde laufen zu gehen, ist man trotzdem am nächsten Tag krank. Ist so. Immer. Da haben dann aber weder Freunde, noch Familie oder Arbeitskollegen etwas mit zutun – zumindest nicht direkt. Man ist vermutlich einfach Opfer des sogenannten Open-Window-Effekts geworden.

Mach das Fenster zu. Es zieht!

Man kennt das: Der Kollege nebenan meint, dass es doch mal wieder Zeit für Frischluft sei und wenige Sekunden später sitzt man laut mit den Zähnen klappernd auf dem Bürostuhl. Das ist eine lustige Anekdote aus dem Bergfreunde-Büro, hat aber mit dem besagten Open-Window-Effekt erstmal nichts zu tun. Bis auf die Benennung. Denn das „Window“ im Namen beschreibt bei besagtem Effekt eher ein Zeitfenster, nämlich jenes, während dessen das Immunsystem direkt nach dem Sport oder einer anderen Belastung geschwächt ist.

Treiben wir also Sport – sei es Wandern, Fahrradfahren, Laufen, Klettern oder Skitourengehen – beanspruchen wir unseren Körper damit. Mal mehr, mal weniger. Und gerade nach intensiven Belastungen, bleibt auch unser Immunsystem davon nicht unbeeindruckt. Während wir uns Betätigen, ist das Immunsystem erstmal happy und ganz euphorisch. Sämtliche Parameter steigen. Erreichen wir danach die Entspannungsphase, rasseln unsere Immunparameter schier in den Keller und sinken sogar unter das Ausgangsniveau, welches vor dem Sport herrschte. Es dauert je nach Stärke der Belastung mehrere Stunden oder sogar Tage (etwa nach einem Marathon), bis sich die Werte wieder normalisieren. Dieser Zeitraum ist das besagte Fenster beim Open-Window-Effekt, währenddessen der Eintritt von Krankheitserregern deutlich erleichtert ist.

Warum der Open-Window-Effekt besonders im Winter relevant ist

Zwar findet die Schwächung des Immunsystems nach physischen und psychischen Belastungen immer statt, allerdings kommen in der kalten Jahreszeit noch andere belastende Faktoren hinzu: Unserem Immunsystem gefällt Kälte nämlich nicht so wirklich und wenn wir dazu noch schwitzen, kühlt der Körper noch schneller aus. Hier spielt der Windchill-Effekt eine nicht unwesentliche Rolle. Und wenn ohnehin ein paar mehr Keime unterwegs sind, ist die Erkältung nicht mehr weit und man liegt nach einer eigentlich ziemlich genialen Tour oder einer anstrengenden Trainingseinheit am nächsten Tag flach. Die Frage ist also, was tut man am besten, um den Open-Window-Effekt möglichst klein zu halten?

Zieh‘ dich warm an!

Was meine Mama immer sagte, nachdem ich mal wieder was angestellt hatte, gilt im gleichen Maße als probates Mittel gegen das Immunfenster – gerade im Winter. Denn wer sich nach dem Sport gleich dick einpackt, der verhindert eine zusätzliche Belastung durch niedrige Temperaturen. Noch besser: Falls möglich gleich auch was warmes Trinken. Wärme von außen und von innen tut gleichermaßen gut.

Mein persönlicher Tipp: Ein Tee aus frischem Ingwer, Zitrone und Honig!

Außerdem empfiehlt es sich, direkt warme Räumlichkeiten aufzusuchen und sich erstmal wieder auf Temperatur zu bringen, bevor es unter die warme Dusche geht. Hinterher am besten gleich auf die Couch und unter die Decke verschwinden. Klingt nach einem großartigen Abschluss für einen winterlichen Sporttag? Absolut! :)

Hilf deinem Immunsystem

Es gibt darüber hinaus einige Tricks, wie man seinem Immunsystem etwas auf die Sprünge helfen kann. Klassiker sind Vitamin C und Zink. Ersteres befindet sich bekanntermaßen in Zitrusfrüchten, aber auch Paprika und Sauerkraut weisen hohe Gehälter an Vitamin C auf. Zinkhaltige Lebensmittel sind vor allem Leber, Weizenkeime, Saaten und Nüsse. Eventuell kann man auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgreifen, das sollte aber im Zweifel mit dem Hausarzt abgestimmt werden.

Ansonsten helfen natürlich auch so wunderbare Dinge wie Sauna, heiße Bäder und sämtliche anderen entspannenden Maßnahmen dabei, unserem Körper und unserem Immunsystem eine Verschnaufpause zu geben. Außerdem wird die Regeneration dabei ordentlich angekurbelt. Ein Grund mehr, im Winter nicht nur möglichst häufig mit den Skiern auf dem Berg zu sein, sondern sich eben auch mal eine ordentliche Prise Entspannung zu gönnen – machen wir hier genauso ;-)

Und was ist mit euch? Wie haltet ihr euch im Winter gesund?

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Mein bester Bergfreund: Auf zwölf Pfoten zum Nordkap

19. November 2016
Die Bergfreunde

Der eine oder andere hält uns für verrückt. Sehr oft werden wir gefragt, wie genau wir das machen wollen. Zu Fuß zum Nordkap, 4000 km und nur knapp über 4 Monate Zeit – so der Plan.
Nichts Neues… haben schon andere gemacht. In gewisser Weise ja, denn es gibt schon viele Berichte über ähnliche Wanderungen. Zuletzt waren ja auch zwei Frauen von Basel aus zum Nordkap unterwegs. Dennoch ist unser Projekt einmalig, denn wir nehmen unsere Hunde Ellie, Kacy und Cajou mit. Auf 12 Pfoten und 4 Füßen zum Nordkap.

Was für Hape Kerkeling der Jakobsweg, und damit sein persönliches „Ich bin dann mal Weg“-Abenteuer war, das wird für uns zum größten Teil der Fernwanderweg E1, der Weg zum Nordkap sein. Angefangen hat alles mit Hundewanderungen, wo wir uns auch kennengelernt haben. Hundewanderungen, also Langstreckengassigehen mit Hund als Sportart findet man in Wikipedia unter dem Begriff Dogtrekking. So entstand während der Vorbereitung auf eine Dogtrekking-Veranstaltung im Elbsandsteingebirge die Idee, gemeinsam mit den Hunden ein richtiges Abenteuer zu erleben und über mehrere Wochen gemeinsam zu wandern.

Der Traum vom Nordkap

Viele Menschen haben ja die Vorstellung, sich einmal im Leben den einen oder anderen Traum zu erfüllen, sich eine Auszeit zu nehmen, um etwas Besonderes, etwas Verrücktes zu erleben. Viel zu oft bleibt dies leider ein Traum. Das wollten wir jedoch nicht – und so starten wir am 08. April 2017 zu Fuß in Richtung Nordkap. Natürlich mag es gewagt klingen, für 4-5 Monate der Arbeit und damit auch dem Alltag den Rücken zuzukehren und einfach los zu wandern – aber hey, man lebt nur einmal. Für uns ist es das Abenteuer, das wir gemeinsam mit unseren Hunden erleben wollen.

Warum also zum Nordkap? Nun ja, ein Ziel ist wichtig und in Richtung Süden (Stichwort Jakobsweg) wäre für die Hunde vermutlich zu warm geworden. So bleibt der nördlichste Punkt des europäischen Kontinents die für uns logische Antwort… und wie wir finden, gleichzeitig das schönste Ziel, das man vor Augen haben kann. Was die Routenplanung und Ausrüstung als solche betrifft, so können wir natürlich auf Erfahrungsberichte zurückgreifen. Was allerdings die Mitnahme von Hunden betrifft, da betreten wir gewissermaßen Neuland.

Die Erfahrungen, die wir bei der Teilnahme an verschiedenen Dogtrekking-Veranstaltungen in Österreich und Deutschland sowie bei einem Trainingsurlaub in der Schweiz sammeln konnten zeigen, dass es durchaus machbar ist, diese Distanz gemeinsam mit unseren Hunden zurückzulegen. Diese werden, neben einem speziellen Geschirr mit Leine und Ruckdämpfer, ebenfalls eigene Rucksäcke tragen, denn schließlich muss neben der Verpflegung für uns selbst, zusätzlich das Hundefutter mitgenommen werden. Und das ist nach wie vor die größte Herausforderung, vor der wir stehen – denn Nahrung für Menschen ist unterwegs schlichtweg einfacher zu beschaffen, als hochwertige Tiernahrung.

Die Routenplanung gestaltet sich daher auch so, dass wir einige festgelegte Stationen anlaufen, um die Ausrüstung zu wechseln, zu ergänzen und Proviant aufzufüllen. Hierbei können wir nicht nur auf die Adressen von Familien und Freunden in Deutschland zurückgreifen – nein, auch ein Stopp bei dem Verein Nothilfe Polarhund Nord e.V. bei Lüneburg ist geplant. Das ist der Verein, über den die zwei Huskys Kacy und Cajou an uns vermittelt wurden. Ebenso werden wir noch vor dem Start der Tour einige Nachschub-Pakete nach Schweden und Norwegen versenden. Auf 4000 Kilometern braucht man schließlich mehr als nur ein Paar Schuhe und auch andere Kleidungsstücke werden vermutlich auszutauschen sein. Schließlich starten wir in Deutschland im Frühling und wandern sozusagen in den nordischen Sommer hinein. Hier bietet Skandinavien zur Midsommerzeit, in der es nie richtig dunkel wird, natürlich ideale Voraussetzungen, um auch bei Nacht zu wandern.

Unsere Ausrüstung

Gepäcktechnisch werden wir zwei Rucksäcke mit jeweils 50 Litern Fassungsvermögen für den Transport nutzen. Die Hunde tragen ihrerseits jeweils einen eigenen Hunderucksack mit ca. je 15 Litern Volumen. Darüber hinaus nehmen wir ein Zelt, Isomatten, Kochutensilien und die notwendige Bekleidung sowie alles, was für eine bebilderte Berichterstattung während der Tour so notwendig ist mit. Auch hier können wir auf die zahlreichen Erfahrungsberichte zurückgreifen, die im Internet zu finden sind. Ebenso haben sich bisher einige Bücher zum Thema Weitwandern in Skandinavien als überaus nützlich erwiesen. Übernachtet wird letztlich überwiegend im Zelt oder unter freiem Himmel, wobei uns hier das sogenannte Jedermannsrecht in Skandinavien vielfältige Möglichkeiten bietet.

Die Routenplanung haben wir für den Deutschen Teil zunächst über Fuß- und Radwege von Leipzig in Richtung Harzvorland und weiter durch die Lüneburger Heide bis nach Hamburg und weiter nach Travemünde geplant. Von dort geht es mit der Fähre nach Trelleborg und dann entlang der schwedischen Südwestküste bis nach Göteborg. Von dort verläuft der Fernwanderweg E1, von der Adria kommend – durch Deutschland und Dänemark – weiter in Richtung Nordkap… hieran wollen wir uns orientieren, wobei die letztendliche Detailplanung natürlich von den lokalen Gegebenheiten vor Ort abhängen wird.

Soweit der Plan. Wie die Realität dann tatsächlich aussieht, sehen wir ab dem 08. April 2017. Auf unserer Webseite werden wir, ebenso wie in den sozialen Medien, regelmäßig über den Stand der Dinge berichten und freuen uns natürlich über jegliche Unterstützung und “virtuelle” Begleitung der Tour. Weitere Informationen über uns, unsere Hunde und die Vorbereitungen gibt es auf Facebook unter www.facebook.com/ontwelvepaws sowie im Internet unter www.on12paws.com.

DU HAST AUCH EINE aufregende GESCHICHTE, DIE DU MIT DEINEM BESTEN BERGFREUND ERLEBT HAST?

Dann immer raus damit, wir belohnen die Teilnahme mit einem kleinen Bergfreunde-Paket! Sendet einfach eine kurze Zusammenfassung eures Vorschlags an mbbf@bergfreunde.de und wir melden uns bei euch, falls ihr dabei seid.

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Profi-Tipps zum Eis- und Mixedklettern – Die Ausrüstung

17. November 2016
Tipps und Tricks

Besonders beliebt ist das herbstliche Schmuddelwetter nicht, aber es bietet uns Kletterern und Alpinisten eine große Chance: Wir können in Ruhe vom kommenden Winter träumen, von Herausforderungen und Abenteuern. Und – etwas weniger romantisch – es bietet uns die Möglichkeit, uns um die passende Ausrüstung dafür zu kümmern. Besonders für Eiskletterer gibt es hier einiges zu tun. Denn sobald die Bedingungen passen, will man ja schließlich bereit sein!

Deshalb widme ich mich zunächst dem Thema „Ausrüstung“, bzw. speziell der technischen Ausrüstung zum Eis- und Mixedklettern. Nehmt das Thema ernst: Beim Eis- und Mixedklettern sind wir mehr als bei anderen Bergsport-Disziplinen von unserer Ausrüstung abhängig. Mit gutem Material klappt’s nicht nur besser, man ist auch deutlich sicherer unterwegs! Im zweiten Teil wird es um ein paar allgemeine Themen gehen, die unter der Überschrift „Tipps, Tricks, Technik“ zusammengefasst sind. Dabei muss klar sein, dass Eisklettern eine recht komplexe Angelegenheit ist und ich in beiden Beiträgen nur auf ausgewählte Punkte eingehen kann, die mir besonders wichtig erscheinen. Und, dass es sich dabei um meine persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen handelt, die natürlich nicht jeder teilen wird.

Die Eisgeräte

Austauschbare Hauen, ein gekrümmtes Rohr sowie ein guter Griff mit Fingerschutz gehören bei Eisgeräten längst zum Standard. Beim Eisfallklettern und in anspruchsvollen Mixedrouten bringt ein Doppelgriff klare Vorteile. Allerdings passt nicht jeder Griff für jede Hand – hier muss man ausprobieren. Für klassische alpine Einsätze bevorzuge ich nach wie vor Eisgeräte ohne Doppelgriff und entferne ggf. auch die Fingerauflagen für eine zweite Griffposition am Schaft. Stattdessen wird das Rohr über dem Griff (für mehr Grip beim Umgreifen und Hämmern) und unter dem Eisgeräte-Kopf mit vulkanisierendem Griptape umwickelt. In alpinen Routen greift man das Eisgerät häufig direkt unterm Kopf – das Tape verhindert wirkungsvoll, dass hier zu viel Wärme abgeleitet wird.

Im Abenteuergelände sollte zudem ein funktionierender Hammer montiert sein, kein „Nothämmerchen“, um z. B. Haken zu schlagen oder Keile festzuklopfen. Eine Schaufel am Gerätekopf macht hingegen zwar im hochalpinen Gelände Sinn, fürs Wasserfallklettern und Mixedklettern entfernt man sie jedoch besser (Verletzungsgefahr). Außerdem sollte das Eisgerät dafür ausgelegt sein, am Standplatz in die Sicherungskette integriert zu werden (mehr zu dieser „Spezialanwendung“ im zweiten Teil). Dafür braucht es einen ausreichend dimensionierten Dorn oder zumindest ein Loch im Griff, an dem man sichern kann. Leider sind jedoch nicht alle Eisgeräte für diesen oft so wichtigen Einsatz ausgelegt, da die dazugehörige Norm (EN 13089, Stand 06/2015) diesbezüglich eine Lücke aufweist. Die nicht verpflichtende UIAA-Norm schreibt zudem gerade einmal magere 2 kN vor, aber auch nur, sofern der Dorn/das Loch im Griff zum „Selbstsichern vorgesehen“ sind. Man sollte sich also bereits vor dem Kauf gründlich informieren, wenn man später für alle Situationen gewappnet sein will! Zuletzt und nur der Vollständigkeit halber: Das Thema Eisgeräte-Hauen ist eine Wissenschaft für sich, wobei es durchaus sehr unterschiedliche Meinungen dazu gibt.

Die Steigeisen

Beim Klettern sind Steigeisen mit nur einem Frontalzacken fast immer anderen Typen überlegen. Denn ein einzelner Frontalzacken dringt besser und auch weiter ins Eis ein (die Sekundärzacken stabilisieren dann den Fuß), im Fels kann man präziser antreten. Bewegen wir uns überwiegend im Schnee, Firn, Reif, oder ganz allgemein in weichem „Material“, sind zwei Frontalzacken tendenziell besser. Je nach Art und Schwierigkeit der Unternehmung sind diese vertikal oder horizontal ausgerichtet. Gute Antistollplatten sollten bei alpinen Klettereien zudem selbstverständlich sein.

Für manche Modelle, z.B. den Petzl Dart (Vorderteile), kann man sich Letztere mit etwas Duct Tape/Panzertape auch selbst basteln – funktioniert erstaunlich gut, hält aber nicht ewig. Wenn es der Bergstiefel erlaubt, sollte man weiterhin zur Automatik-Bindung greifen (vorne Bügel, hinten Kipphebel). Bei anderen Bindungen sitzt das Eisen meist nicht so satt am Stiefel. Für schwierige Eisfälle feilt man seine Zacken am besten scharf, zumindest die Frontal- und Sekundärzacken. Für alpine Mixedklettereien sollten sie hingegen nicht so scharf sein, nicht zuletzt wegen der hohen Verletzungsgefahr.

Weitere Tuningtipps:

  • Blechstreifen am Bügel der Bindung entfernen (braucht man nicht, manche Hersteller lassen ihn auch weg)
  • Riemen und Steg kürzen (an eine mögliche Verwendung mit Skistiefeln denken)
  • Alu-Heel montieren. Dabei daran denken, dass sich Gewicht am Fuß viel stärker auswirkt als Gewicht am Rücken!

Die Eisschrauben

Die Standardlängen betragen 16-17 cm sowie 12-14 cm. Ein oder zwei 19er-Schrauben pro Seilschaft empfehlen sich außerdem fürs Bohren der Abalakov-Eissanduhren. Schrauben mit über 20 cm Länge können zwar das Bohren solcher Eissanduhren erleichtern, man braucht sie aber in aller Regel nicht. Ganz kurze Schrauben (10 cm oder weniger) können hingegen bei schwierigen Unternehmungen vorteilhaft sein. Meine Empfehlungen: Black Diamond Express Ice Screw (bestens bewährt, solide, fairer Preis).

Und, wenn auch teurer und nicht ganz so haltbar: Petzl Laser Speed Light. Rohr und Lasche sind hier aus Aluminium, die Zähne aus Stahl. So wird ordentlich Gewicht gespart. Aber Achtung: Das Alurohr sollte nicht zu oft mit Fels in Berührung kommen – was sich im kombinierten Gelände allerdings nur schwer vermeiden lässt. Beide hier erwähnten Modelle sind sehr bissig, lassen sich gut schärfen, haben eine ausklappbare Kurbel und tragen im Ice-Clipper hängend wenig auf. Am besten markiert man seine Eisschrauben, damit sie der Kumpel nicht einsackt. Das geht gut mit Nagellack. Eine schöne Farbe ist zum Beispiel Gold-Glitzer, die Trends der Saison erfährt man im örtlichen Nagelstudio.

Das Rückzugsmaterial/Rettungs-Kit

Ein paar Reepschnüre (Prusikschlingen und Material zum Fädeln der Abalakov-Eissanduhren), ein kleines Messer, Tibloc, Eissanduhr-Fädler. Mein Fädler ist selbstgebaut, aus einer Fahrradspeiche. Ohne muss zwar auch gehen, aber wenn sich die Sanduhr sofort mit Wasser füllt oder das Seil direkt gefädelt werden soll, wird es meist schwierig.

Der Kletterhelm

Bitte kritisch prüfen: Sitzt der Helm auch mit Mütze satt am Kopf? Oder würde er bei einem seitlichen Anprall des Kopfes einfach weggeschoben werden? Viele Helme sitzen zu flach auf dem Kopf und können ihre Funktion als Sturzhelm damit kaum erfüllen.

Der Gurt und die Ice-Clipper

Logischerweise muss der Gurt auch mit warmen Klamotten passen. Das beinhaltet natürlich auch, dass die Materialschlaufen noch gut erreichbar sind und nicht zu weit hinten sitzen! Ein wichtiger Punkt ist die Positionierung der Ice-Clipper, der Kunststoff-Materialkarabiner für den Transport der Eisschrauben und Eisgeräte am Gurt (ich nenne sie Ice-Clipper, jeder Hersteller hat aber einen eigenen Namen dafür). Hierfür sollten am Gurt Durchführungen vorhanden sein, welche die Ice-Clipper gut fixieren (eine zusätzliche oder anderweitige Fixierung ist möglich, aber selten zufriedenstellend).

Zwei Ice-Clipper – einer links und einer rechts – sollten genügen. Sie sitzen außen auf der Hüfte, ungefähr dort, wo bei einer Hose die Naht verläuft. Weiter hinten sind sie nicht mehr einsehbar (häufige Ursache für Eisschraubenverluste) und eine Positionierung weiter vorne führt dazu, dass die Zähne der Eisschrauben beim Klettern in den Oberschenkel stechen! Mein bevorzugter Eisklettergurt ist der Edelrid Atmosphere, nicht zuletzt, weil bei diesem Modell die Ice-Clipper perfekt sitzen.

Die Spinner-Leash

Handschlaufen sind schon lange nicht mehr angesagt. Stattdessen werden bei alpinen Routen gerne Spinner-Leashes (elastische Fangschnüre) verwendet, um einen Verlust der Eisgeräte zu verhindern. Eine häufig gestellte und durchaus sinnvolle Frage lautet hier: Können die Spinner-Leashes auch einen Sturz halten? Ich denke, sie könnten einen kleinen „Rutscher“ schon halten. Allerdings hat ein recht kräftiger Bekannter von mir bei einem Sturz beide Äste seiner BD-Spinner-Leash zerrissen (Bruch des Bands im Karabiner). Wichtig: Wer sich zum Rasten in seine Leash setzen möchte, sollte ein Gerät deutlich über dem anderen einschlagen, um später den Griff des unteren Geräts erreichen zu können!

Die Seile

Für Eis- und Mixedklettergärten sind Einfachseile mit einer Länge zwischen 50 und 80 Metern ideal – je nach Gebiet. Für einfache Eisfälle mit Fußabstieg und einfache, kürzere Nordwandrouten bieten sich ebenfalls Einfachseile an, am besten mit 60 oder 70 Metern Länge und gerne etwas dünner (z.B. 8.9 oder 9,2 mm Durchmesser). Für anspruchsvolleres Gelände kommen meist Halb- oder Zwillingsseile mit 60 Metern Länge zum Einsatz. Meine Empfehlung: 60er Zwillingsseile (oder dünne Halbseile) und diese nur fürs Eisklettern verwenden. Im Felseinsatz geht die Imprägnierung recht schnell kaputt, und eine funktionierende Imprägnierung ist im Eis mehr als angenehm.

Die Notfallaurüstung

Handy, Stirnlampe und ein kleines Erste-Hilfe-Set (ideal: wasserdichte Tasche mit Wickelverschluss) sind mindestens mitzuführen. Ich habe öfters gehört, man könne mit einer Rolle Tape zur Not „alles machen“. Aber immer, wenn ich bei widrigen Bedingungen versucht habe etwas zu „kleben“, hat das Tape nicht gehalten. Oder man konnte es in der Kälte kaum mehr abrollen. Ein stabiler 2-Personen-Biwaksack kann im Notfall natürlich ebenfalls sehr hilfreich sein, ist aber auch schwer. Mit einer Rettungsdecke im EH-Kit und einer Isolationsjacke im Rucksack kann man bei der einen oder anderen Tour darüber nachdenken, ihn zu Hause zu lassen.

LVS-Gerät, Schaufel und Sonde sollte man im Zweifelsfall natürlich mitnehmen bzw. erst mal ins Auto werfen und dann spontan entscheiden, wer was mitnimmt. Sind wir in einer Gruppe (mind. 4 Personen) unterwegs und gehen von langen Zustiegen mit nur kleinräumigen Gefahrenstellen aus, bietet sich evtl. auch folgender Kompromiss an: LVS-Gerät hat jeder, jeder zweite packt eine Schaufel ein, die andere Hälfte eine Sonde. Heikle Bereiche werden dann einzeln oder mit großen Abständen begangen.

Interview Antworks

Mein Holz und ich – Chris von Antworks im Interview

15. November 2016
Ausrüstung

Ihr kennt doch diese kleinen, sympathischen Ein-Mann-Betriebe, die coole Stories zu erzählen haben und richtig geile Sachen bauen. In der Regel betrieben von Menschen, die mit jeder Menge Herzblut an der Sache dran sind und fast ihre gesamte Freizeit für ihr Business opfern. Davon gibt es in der Outdoor-Branche einige! Zum Beispiel Chris, der unter dem Label antworks im Österreichischen Sankt Wolfgang, Trainingsgeräte für Kletterer baut. Hier ist seine Geschichte:

Chris, zunächst einmal vielen Dank, dass Du uns einen kleinen Einblick in Deine coole Klitsche gibst. Was mich brennend interessiert: Wie bist Du auf den Firmennamen gekommen?

Die Frage nach dem Firmennamen ist immer die erste. So genau weiß ich das heute auch nicht mehr, wie ich auf antworks gekommen bin. Vielleicht liegt es daran, dass mein privates Pseudonym Bienenfleiss ist. Bienenfleiss wollte ich aber nicht kommerzialisieren, deswegen habe ich nach einem anderen Gliederfüßer gesucht. Antworks hat mir dann deshalb sehr gut gefallen, weil Ameisen einfach ziemlich viel Power haben, was im übertragenen Sinn fürs Klettern nicht nachteilig ist.

Zudem gefällt mir die Analogie mit der fleißigen Ameise, die einfach immer weiterarbeitet, egal wie hindernisreich der Weg auch sein mag. Das passt in zweierlei Hinsicht. Zum einen ist das Training nur dann effektiv, wenn man es halt mit Fleiß und Kontinuität betreibt. Zum anderen ist es meine persönliche Motivation, alles zu geben, um immer wieder gute Produkte zu entwerfen und zu produzieren, auch wenn es mal Rückschläge oder Hindernisse gibt. (Das kommt nicht so selten vor)

Hattest Du schon vorher mit Holzverarbeitung zu tun oder hast Du dir das alles selbst beigebracht? Wie fing das alles an?

Gebastelt und geschnitzt habe ich schon seit der Grundschulzeit. Zuerst waren es Bögen, dann Armbrüste und noch allerlei Sachen, mit denen ich weit schießen konnte. Aus heutiger Sicht natürlich völlig unverantwortbar. Später habe ich dann E-Gitarren entworfen und gebaut. Einen richtigen Holzberuf habe ich allerdings nie gelernt. Ich bin eigentlich Industriemechaniker für Papiermaschinen. Während der Ausbildung bin ich auch zum Klettern gekommen. Über den Alpenverein war ich Teilnehmer bei einem „Kletterschnuppern“ und da ist der Funke übergesprungen. Teilweise bin ich sechs Tage die Woche von Osnabrück nach Münster in die Kletterhalle oder in den Teutoburger Wald gependelt um nach der Arbeit klettern zu können. Das hat (im Nachhinein) meine Lebensumweltbilanz ziemlich ramponiert. ;-) Jedenfalls habe ich damals, 1999, mein erstens Trainingsboard gebaut. Unmittelbar nach dem Fachabitur bin ich für ein Jahr nach Südamerika aufgebrochen um den Kontinent von Bolivien aus zu entdecken. Dabei konnte ich ein paar höhere Berge besteigen (u.a. den Aconcagua).

Zurück in Europa (2004) bekam ich daraufhin die Möglichkeit an der FH Salzburg Design und Produktmanagement zu studieren, speziell für den Holz- und Möbelbau. Jetzt habe ich aber noch gar nichts zur Gründung von antworks geschrieben: Also, gegründet habe ich die Firma im Herbst 2012, zu der Zeit war ich noch in ein anderes Start Up eingebunden. Der eigentliche Grund der Firmengründung waren 2.500 EUR. Ich hatte dieses Geld aus einer Rückzahlung übrig und wusste nicht was ich damit machen sollte. Anlegen war zudem schon damals nicht wirklich attraktiv. So habe ich von dem Geld die ersten 25 Strong Ant 1 Fingerboards, eine Platte Birkensperrholz und einen Exzenterschleifer gekauft. Die Formalia war schnell erledigt, der Account bei Amazon eingerichtet und im Dezember sind dann auch schon ganze zwei Bestellungen reingekommen. Seitdem arbeite ich nonstop 24/7-1 (also sechs Tage in der Woche) an der Entwicklung von antworks und meiner Selbständigkeit.

Du fertigst jedes Trainingsgerät per Hand, ganz ohne Fräsen. Ist das nicht deutlich aufwendiger?

So ganz stimmt das nicht mehr. Seit diesem April fertige ich einige Boards auf meiner CNC Fräse. Das letzte Jahr war vom Volumen her ordentlich, was allerdings dazu geführt hat, dass ich mich körperlich ziemlich verausgabt habe, um die Boards immer ausliefern zu können. Das Fräsen von Hand mit einer 3PS starken Oberfräse und Schablonen war richtige Knochenarbeit, die so nicht lange durchhaltbar war. Deswegen steht jetzt ein kleiner Fräsautomat in meiner Werkstatt, der einen Großteil der Fräsarbeiten übernimmt.

Die Boards sind seitdem noch besser, präziser und ich bin bei der Entwicklung und Formgebung von neuen Produkten wesentlich flexibler (siehe Climbing Burger). Aber auch wenn die Boards jetzt teilweise per CNC gefräst werden, ist die Qualität nicht schlechter geworden, obgleich der Output deutlich höher ist. Ich nehme mir nach wie vor sehr viel Zeit, die Boards richtig gut zu schleifen. Es ist ein bisschen schade, dass man im Web nicht diese Art der Verarbeitung der Boards fühlen kann. Auf Messen war das immer sehr amüsant zu sehen, welchen positiven Emotionen gut geschliffenes Holz auslösen kann.

Welches Holz nutzt Du für die Produktion?

Ich verarbeite verschiedene Hölzer und Werkstoffe. Für die Pegboards wird Birkenschichtholz verwendet, das ist schön hell und optimal für diese Anwendung. Die Fingerboards werden aus Esche oder Walnuss hergestellt, der Climbing Burger wiederum aus Lindenholz, was dem Ding eine „sakrale“ Komponente gibt. Lindenholz ist ein hervorragendes Schnitzholz, früher (und auch heute noch) wurden Statuen und Altäre daraus hergestellt, weswegen es in Kirchen mitunter auch nach Lindenholz riecht. Ein sehr aromatischer Duft (und nicht zu verwechseln mit Weihrauch).
Das Holz kaufe ich bei einem Händler ein paar Dörfer weiter. Der bezieht das Holz seinerseits bei den umliegenden Bauern und verarbeitet es weiter. Das ist auch der Grund, warum das Holz, das ich verwende kein FSC Siegel hat. Die Lieferkette ist zu kurz, als dass sich diese Zertifizierung für meinen Händler lohnen würde.

Dein Climbing-Burger ist echt große Klasse! Woher nimmst Du deine Ideen?

Wie schon gesagt bin ich diplomierter Produktentwickler, ich kenne also eine ganze Menge Kreativtechniken, wie ich zu meinen Funktionen und Formen komme. Das Initial für ein neues Produkt kommt meist von mir selber, wenn ich bei einem Kletterprojekt kraftmäßig anstehe. Dann überlege ich mir, wie genau man diesen einen Griff oder eine bestimmte Bewegung besser trainieren kann. Auf der anderen Seite bekomme ich aber auch Vorschläge von Freunden. Beim Climbing Burger kam der Luki (Lukas Wöber, einer der sehr guten Kletterer und Routenbauer hier in der Gegend) in meine Werkstatt mit einer riesigen, gedrechselten Holzbirne unterm Arm. Wir haben das Ding aufgehängt, getestet und schon war ich angefixt. Den ersten Prototypen hatte ich noch kurz vor dem Urlaub auf Facebook online gestellt und war überrascht von den vielen Likes und der Reichweite. Der Urlaub war dann für mich nicht mehr so entspannend, es hat sich alles um eine möglichst effektive und kosteneffiziente Produktion gedreht.

Bei der Produktion setzt Du voll auf Strom aus Wasserkraft. Ist Nachhaltigkeit für Dich ein großes Thema?

Interview AntworksIch denke, um den Gedanken der Nachhaltigkeit kommt man heute nicht mehr herum. Der maßvolle Einsatz von Energie in der Produktion ist mir schon aus finanziellen Gründen ein großes Anliegen. Aber ja, ich beziehe meinen Strom von einem der letzten kleinen Stromerzeuger hier direkt aus dem Ort. Die Firma Eisenhuber produziert dabei ausschließlich durch Wasserkraft. Ob der Strom aus meinen Steckdosen nun tatsächlich aus Wasserkraft oder doch Atomkraft produziert wurde weiß ich nicht, die Stromrechnung kommt jedenfalls vom Wasserkrafterzeuger.

Worauf ich bei meinen Produkten so gut wie möglich verzichte, ist der Einsatz von Kunststoff. Klar, in Form von Leim ist er in den Boards vorhanden, aber diese Menge könnte man auch als homöopathisch bezeichnen. Nur für den Ant Bar und das Strong Ant 4 brauche ich zwei kleine Kunststoffdrehteile, ansonsten setze ich ganz auf inerte Materialien wie Edelstahl oder Aluminium, die nach dem Produktlebenszyklus wieder einfach sortenrein getrennt werden können. Die Boards aus Massivholz könnten sogar noch thermisch verwertet werden. Ich zumindest heize meinen Kamin mit Ausschussware.

Kommt man bei der ganzen Arbeit eigentlich selbst noch zum Klettern? Wo kann man dich antreffen, wenn du doch mal am Fels und nicht am Holz hängst?

Selber klettern, das wäre schön. Haha, im Ernst. Ich komme nur mehr selten zum Klettern. Neben der Firma habe ich noch drei kleine Kinder zu Hause und die wollen auch Zeit mit mir verbringen. Deswegen beginnt mein Tag mittlerweile zwischen 3:30 und 4:00 in der Früh, dann habe ich bis zum Nachmittag genug Zeit, meinen Workload abzuarbeiten und es bleibt dann noch ein bisschen Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.
Wenn ich draußen bin, dann im Höllental an der Rax, oder der Hohen Wand, beides schöne Gebiete südlich von Wien. Und hier in Kirchberg gibt es auch ein paar interessante Boulder. Damit ich mein Niveau halten oder verbessern kann, baue ich während der Arbeit öfter mal kurze Trainingseinheiten mit ein. Material dafür hängt in meiner Werkstatt eh genug herum. Und das Training funktioniert wirklich, denn wer trainiert wird besser oder kann zumindest den Status Quo konservieren.

Wann gibt’s den ersten Antido im Bergfreunde-Look? ;)

Gute Idee, darüber sollten wir mal in der Bergfreunde Homebase schnattern. Vor Weihnachten wird sich das aber sicher nicht ausgehen.

Und das werden wir sicher tun. Wir danken Dir für Deine Worte und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft. 

Wenn ihr es jetzt kaum noch abwarten könnt, euren Trainingsraum mit den schicken Geräten von antworks auszustatten, dann schaut doch mal im Shop vorbei. Im antworks-Markenshop gibt es Boards, Pegs und Klimmzugstangen!

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Lawinenschutz in den Alpen

11. November 2016
Die Bergfreunde

Wer schon einmal in den Alpen war, wird die unzähligen Lawinenverbauungen, Galerien und Fangnetze bemerkt haben. Diese reihen sich nicht selten wie eine kaum enden wollende Zahnspange durch die im Winter weißen Zähne des Hochgebirges. Der Grund hierfür liegt klar auf der Hand: Schutz vor Lawinen, Schutz der Bevölkerung und Feriengäste vor möglicherweise todbringenden Schneemassen. Wie aber sieht der Lawinenschutz in den Alpen konkret aus?

Lawinen stellen seit jeher eine ernsthafte Bedrohung in den Alpen dar. Jeden Winter kommt es an den Hängen der Alpenberge zu zahlreichen Lawinen. Gehen diese in einem Gebiet ab, das wenig von Menschen genutzt wird, geht von den Lawinen oft nur eine geringe Gefahr aus. Spätestens wenn aber touristisch erschlossene bzw. besiedelte Gebiete betroffen sind, steigt die Zahl der Toten und Verletzten schlagartig an. Aus diesem Grund ist der Lawinenschutz in den Alpen seit jeher ein großes Thema. Nur mit Hilfe geeigneter Schutzmaßnahmen ist in den Wintermonaten ein sicheres Wohnen und Urlauben möglich.

Generell kann man das große Thema Lawinenschutz in zwei Unterbereiche gliedern: permanente sowie temporäre Schutzmaßnahmen. Zu den permanenten Schutzmaßnahmen zählen bauliche Eingriffe, forstwirtschaftlichen Maßnahmen sowie die Aufklärung und Information betroffener und interessierter Personen. Temporäre Schutzmaßnahmen kommen dann zum Einsatz, wenn eine konkrete Gefahr im Verzug droht oder bereits besteht.

Bauliche Maßnahmen

Ein großer Bereich der permanenten Schutzmaßnahmen sind bauliche Eingriffe in die Natur. Hierdurch können der Entstehung von Lawinen vorgebeugt oder infrastrukturelle Einrichtungen, wie Straßen und Gebäude, bei einem Lawinenabgang geschützt werden.

  • Stützverbauungen. Hierbei handelt es sich vielleicht um die prominentesten Vertreter der baulichen Lawinenschutzmaßnahmen. Man sieht sie in Form von massiven Schneebrücken aus Stahl oder als Netzkonstruktionen an unzähligen Hängen. Losgelöst von der Konstruktion haben alle Stützverbauungen das gleiche Ziel: den großflächigen Schutz für weiter unten liegende Areale. Stützverbauungen verhindern das Anbrechen von Lawinen. Große Schneemassen, die sich unter bestimmten Umständen aus ihrer Umgebung lösen könnten, werden an Ort und Stelle gehalten. Ein schwerwiegender Lawinenabgang wird somit verhindert.
  • Lawinendämme. Neben der klassischen Lawinenverbauung, die den Schnee am Hang hält, gibt es bauliche Maßnahmen, die eine abgehende Lawine ablenken, sodass keine Gefahr für Siedlungen oder Verkehrswege von der Lawine ausgeht. Sollen beispielsweise Gebäude vor einer auslaufenden Lawine geschützt werden, kann dies mit geeigneten Dämmen oder Bremshöckern erfolgen. Diese nehmen die Wucht des Schnees zielgerichtet auf und verlangsamen bzw. stoppen die Lawine. Darüber hinaus gibt es sogenannte Ablenkdämme, die Lawinen an Siedlungen vorbei lenken.
  • Galerien und Tunnels. Führt eine Straße durch ein von Lawinen bedrohtes Gebiet, wird diese in den Alpen nicht selten durch eine geeignete Galerie oder einen Tunnel geschützt. Hierdurch kann die Lawine quasi über das Dach der Straße hinwegfließen, ohne dass der Verkehr beeinträchtigt wird. Somit sind nicht nur die Autofahrer vor den Schneemassen geschützt, vielmehr bleiben wichtige Verkehrsachsen auch nach einem Lawinenabgang passierbar.
  • Objektschutz: Hierbei handelt es sich um Einzelmaßnahmen, die ergriffen werden, um einzelne Objekte zu schützen. Dazu werden Wände verstärkt oder beispielsweise mit einer Art Keil, der die Wucht der Lawine ablenken soll, versehen. Somit können Schäden am Gebäude vermieden oder zumindest eingedämmt werden.

Forstwirtschaftlich-biologischer Lawinenschutz

Wald und aufgeforstete Areale stellen stets einen guten und günstigen Lawinenschutz dar. Dieser kommt abhängig vom Gelände als alleinige Maßnahme oder ergänzend zu Stützverbauungen zum Einsatz. Ein Wald als solcher besitzt dabei viele Vorteile: Durch große Forstgebiete können automatisch auch größere Gebiete effektiv vor Lawinen geschützt werden. Dabei geht es jedoch nicht ausschließlich darum, dass die Schneedecke durch Bäume abgestützt wird. In den Wäldern sind die Schneehöhen zudem geringmächtiger als auf vergleichbaren Freiflächen. Gegen bereits abgegangene Schneemassen können jedoch auch Bäume in der Regel wenig ausrichten; abhängig von der Wucht und Größe einer Lawine, knicken sie wie Zahnstocher ab und verlangsamen die Schneemassen nur unwesentlich. Aus diesem Grund werden die waldbaulichen Maßnahmen vielerorts in Kombination mit Stützverbauungen aus Stahl eingesetzt.

Planerische Maßnahmen

Durch eine gezielte Datenerhebung, Forschung und Planung ist es möglich, besonders gefährdete Gebiete zu erkennen und gezielte Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Hierdurch entstehen beispielsweise Lawinengefährdungskarten, welche die Exposition einzelner Orte und Regionen zeigen. Die mögliche Art und Intensität der Lawinen wird in diese Betrachtung ebenfalls miteinbezogen. Analog dieser Karten und Analysen werden dann weitere Maßnahmen abgestimmt sowie Bebauungs- und Nutzungsrichtlinien festgelegt. Darüber hinaus dienen diese Karten als Grundlage für aktuelle Lawinenberichte, die Einschätzung der Gefährdungsstufen sowie der Festlegung temporärer Maßnahmen.

Temporäre Maßnahmen

Immer dann, wenn die vorhandenen permanenten Schutzmaßnahmen nicht ausreichen oder an Orten, wo diese aus Kostengründen nicht realisierbar sind, kommen temporäre Schutzmaßnahmen zum Einsatz. Darunter versteht man sowohl aktive Maßnahmen, wie beispielsweise die gezielte Lawinensprengung, als auch passive Maßnahmen, wie die Veröffentlichung eines Lawinenlageberichts.

  • Künstliche Lawinenauslösung. Gerade in Skigebieten oder an gefährdeten Verkehrsverbindungen werden in den Wintermonaten immer wieder künstliche Lawinenauslösungen vorgenommen. Der Vorteil dieser Maßnahme ist, dass die Lawine gezielt abgeht und das betroffene Gebiet zuvor gesperrt und evakuiert werden kann. So können Gebiete in denen sich größere Schneemengen angelagert haben, kurzfristig in einem kontrollierten Rahmen gesichert werden. Der Abgang von Großlawinen und die damit verbundenen Schäden und Beeinträchtigungen werden hierdurch ebenfalls eingedämmt. Künstliche Lawinenauslösungen werden in der Regel durch Sprengungen herbeigeführt.
  • Information und Warnung. Die aktuelle Lawinensituation wird in den Alpen fortlaufend ermittelt. Institute wie das schweizerische SLF oder die Lawinenwarndienste in Österreich geben hierzu regelmäßig aktualisierte Berichte heraus. Diese werden unter anderem über das Internet verbreitet und hängen zumeist an öffentlichen Einrichtungen wie Tourismusbüros und Skistationen aus. Ziel ist eine möglichst flächendeckende Information der Bevölkerung sowie der Touristen. Denn nur wer weiß, welche Lawinengefährdungsstufe aktuell besteht, kann sich angemessen verhalten und betroffene Gebiete schon während der Planungsphase einer jeden Tour umgehen.
  • Sperrung und Evakuierung. Abhängig von Lawinenlage, Wetter und Schneemenge kann es erforderlich sein, einzelne Gebiete komplett zu sperren bzw. gar zu evakuieren. Diese Maßnahmen werden immer dann getroffen, wenn die konkrete Gefährdung entweder nicht durch andere Maßnahmen gesenkt werden kann oder die Kosten hierfür in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen.

Fazit

Lawinenschutz ist in den Alpen nicht nur sinnvoll, sondern auch notwendig. Durch langjährige Forschung können gezielte Maßnahmen zur Reduzierung der Gefahr durch Lawinen vorgenommen werden. Dies heißt aber nicht, dass die Gefahr durch Lawinen völlig gebannt ist. Großflächige Sicherungsmaßnahmen werden meist nur für Siedlungsräume, Straßen und Wintersportgebiete vorgenommen. Außerhalb dieser Areale sind bauliche Schutzmaßnahmen äußerst selten. Auch künstliche Lawinenauslösungen werden hier meist nicht vorgenommen. Plant man also, die gesicherten Bereiche zu verlassen, ist es wichtig, sich vorab über die Lawinenlage vor Ort zu informieren. Denn nur durch die richtige Interpretation des Lawinenlageberichts sowie einer den Bedingungen angepassten Tourenplanung ist es möglich, bei Ski- und Schneeschuhtouren sicher unterwegs zu sein.

eisklettern

Packliste Eisklettern

10. November 2016
Ausrüstung, Packlisten

Eisklettern wird von Jahr zu Jahr beliebter. Und das, obwohl die Hürde bei dieser Kletterdisziplin eher hoch ist: der Zeitraum kurz, nur an wenigen Orten möglich, und man muss einiges wissen über Eis, Wetter und Sicherung im Eis. Und dann braucht es auch noch die Technik und die Kraft, sich mit Steigeisen und Eisgeräten an der Wand zu halten.

Die folgende Liste dient in diesem Sinne als Grundausstattung, die ein jeder individuell an die Charakteristika der Route anpassen kann:

Bekleidung









Ausrüstung













Das sollte auch immer dabei sein













Je nach Bedarf





Eisklettern sollte nur, wer auch weiß, was er tut und wo er sich bewegt. Fürs sicheres Eisklettern reicht das Wissen über Sportklettern nicht aus.

Beim Eisklettern ist es meist ziemlich frisch. Zumindest der Sichernde bekommt schnell kalte Füße, dem Kletterer hingegen wird schon nach wenigen Metern ziemlich warm. Man sollte sich bei der Auswahl der Kleidung auf die zum Teil deutlichen Minusgrade einstellen und die Tatsache, dass man sich an gefrorenem Wasser bewegt, welches gerne schmilzt, wenn es mit dem Körper in Kontakt kommt. Wasserdichte Hosen und Jacken sind zu empfehlen.

Auch bedenken sollte man, dass man mit spitzen und scharfen Gegenständen hantiert wird. Steigeisen und Eisgeräte sind so gemacht, dass sie sich leicht ins Eis fressen und dort halten. Bei der Auswahl der Kleidung sollte man daher robuste Materialien aussuchen oder sensiblere Schichten (Daunenjacke) unter eine robuste Schicht (Hardshelljacke) packen.

Klettern im Oman

Ramadan für Bolts: Road-Trip durch das Sultanat Oman: Teil 3

8. November 2016
Die Bergfreunde

Was den Oman als Reiseland besonders macht, sind die krassen Gegensätze. Stundenlang fahren wir durch lebensfeindliches Gelände, staubtrockene Steinwüste soweit das Auge reicht und plötzlich stehen wir in einem wasserführenden Tal mit Palmenhainen und fruchtbarem Boden. Nach so viel karger Steinwüste strahlen uns die Farben förmlich entgegen, über den Luxus von türkisblauen Badegumpen können wir immer wieder nur staunen. Natürlich sind wir vor Allem aufgrund der zahlreichen unbestiegenen Felsen hier und leben dieses Abenteuer, neue Linien zu erkunden, in vollen Zügen aus. Am schönsten ist es dort, wo beides ganz nah beieinander liegt – tolle Felsen sowie wunderschöne Badegumpen. So wie im Wadi Bani Khalid…

Lieblings – Wadi

Je weiter wir in das Wadi hinein fahren und laufen, umso heller werden die Felsen und desto stärker der Kontrast zum türkisblauen Wasser. Über Jahrtausende hat sich das Wasser hier seinen Weg in den Kalk gefressen und so wunderschöne, tiefe Becken ausgespült, die zum Baden regelrecht einladen. Spätestens bei den kugelrunden Gumpen, die mit Eisenketten zum Wiederaufstieg im hinteren Teil der Schlucht versehen sind, können wir nicht mehr widerstehen. Eine fast kindliche Freude kommt beim Sprung ins warme Nass auf, wie früher am Badesee.

Und auch die Omani, jung wie alt, zelebrieren dieses Wunder der Natur. Nach einer gewissen Grundreinigung wagen wir also eine Erkundungstour in eines der Seitentäler und entdecken eine schön zergliederte Wand mit guten Chancen auf festen Fels. Den unteren, überhängenden Teil mit zweifelhaftem Gestein umgehen wir noch, indem wir auf einem breiten Felsband auf halber Höhe elegant einqueren. Aber jetzt heißt es erst einmal testen, was der Fels überhaupt hergibt…Klettern vom Feinsten! Wie überall im Oman sind die Strukturen so scharf, dass die Fingerkuppen brennen… und logische Linien an Rissen und Verschneidungen gibt es zuhauf. Durch zwei davon arbeiten wir uns klemmend und quetschend, bald über raue Strukturen turnend hinauf, die grün leuchtenden Palmen von Badah zu unseren Füßen. „Ein absoluter Glücksgriff, dieses Tal!“ Nach vielen Tagen Staub, Hitze und Schweiß erleben wir die Zeit im Wadi Bani Khalid wie einen echten Luxusurlaub. Wir „hinterlassen“ die beiden Routen ‚Anorexie‘ und ‚der verrückte Kaminkehrer‘, wo sich Wiederholer an bestem Fels und schönstem Abenteuerklettern erfreuen können. Wir sind gespannt auf Feedback, war vielleicht schon jemand drin?

Steintore und Steinmänner

Eigentlich ist jedes Wadi im Oman von mehr oder weniger hohen Felswänden gesäumt, die sich fast alle für Klettertouren eignen. Der Muschelkalk ist überall anders, mal etwas brüchiger, mal kompakter, aber fast immer gibt es die unglaublichsten Strukturen und Formen. Im Eingangsbereich des Wadi Tanuf zum Beispiel steht stolz erhaben, hoch über dem Tal, ein riesiges Felsentor, wie im amerikanischen Arches – Nationalpark. Nur der Zustieg hier ist um einiges mühsamer, aufgrund der Temperaturen, vor Allem aber, weil es durch weglosen, steilen Schotter hinauf geht. Etwas tiefer im Tal fällt uns daraufhin ein kleiner Felsturm ins Auge, den wir uns aus der Nähe anschauen wollen. Der Zustieg ist nicht ganz so weit. Drei kurze Seillängen höher stehen wir dann auch schon unter dem fragilen Turm – „der wird ja nicht gerade jetzt zusammen brechen, oder?!“ Auf dem Gipfel ist zumindest nur Platz für einen von uns, sodass wir ihn nacheinander besteigen und dadurch nicht allzu sehr belasten. Nach weiteren zwei Seillängen stehen wir am oberen Rand des Felsriegels, den langen Abstieg vor unseren Augen. Zugegeben, diese Klettertour war etwas „wander-lastig“. Aber längst haben wir eine weitere logische Linie im Visier, denn gegenüber haben wir eine scharfe Kante erblickt…

Tanz auf der Rasierklinge

Mit ‚dancing on razorblades‘ haben wir uns ein wahrlich „scharfes Abenteuer am Fels“ auf die Fahne geschrieben. Wenn eine Tour diesem Namen gerecht werden könnte, dann diese messerscharfe Felskante vor unserer Nase. Ob es wohl Unglück bringt, wenn man schon beim Einstieg einer Tour den Namen vergibt, ohne zu wissen, ob man es auf den Gipfel schafft? Vom Wandfuß aus betrachtet ist die Kante jedenfalls nicht ganz so scharf wie eine Rasierklinge, aber trotzdem wird die Tour vom ersten Kletter-Meter an ihrem Namen mehr als gerecht. Klettern im Oman ist ohnehin wie ein learning-by-doing Seminar mit dem Titel „kreative Sicherungen legen“. Trotz unserer bisherigen Erfahrungen bleibt hier die Absicherung spannend. Im kompakten Fels bringen wir kaum Sicherungen unter – selten versinkt ein Friend oder ein Totem Basic Cam in einem Riss, meist ist höchstens mit Schlaghaken etwas auszurichten.

Vom üblichen, groben Schotter auf den Felsbändern ganz abgesehen, hängen immer wieder Fels-Schuppen wie Damokles-Schwerter in der Wand, bereit ein Seil zu kappen oder Schlimmeres. Wir arbeiten uns daher sehr bedacht und langsam hinauf, stets auf die nächsten paar Kletter-Meter konzentriert. Der Handbohrer und ein paar Not-Bohrhaken sind zwar am Gurt, aber wir wollen soweit wie möglich mit unseren mobilen Sicherungen auskommen. Die Tour wird zu einem Test für unsere Nerven und das gegenseitige Vertrauen in das Können des Anderen. Der scharfe Fels mit seinen schönen Strukturen hat uns voll in seinen Bann gezogen, sodass wir fast nicht bemerken wie die Stunden vergehen. Am späten Nachmittag hängen wir immer noch im oberen Teil der Headwall. An Abseilen ist schon lange nicht mehr zu denken, es gibt nur die Flucht nach oben. Doch immer wieder kommt eine vermeintlich letzte Seillänge, die nur wieder auf ein weiteres Felsband führt. Hat denn diese Wand gar kein Ende?

Hotel der tausend Sterne

Erst bei Sonnenuntergang schwingt sich Georg endlich über die letzte Felskante auf das flache Gipfelplateau und wir können auf dieses wahnsinnige Abenteuer einschlagen. Obwohl, vorbei ist es noch nicht, denn das etwa 500 Meter hohe Felsband erstreckt sich kilometerweit nach links und rechts. „Jetzt müssten wir nur noch irgendwie herunter kommen“… Flotten Schrittes geht es somit im sicheren Abstand zum Abgrund den Felsrand entlang, doch bald ist klar: wir müssen biwakieren. Es gibt keine Chance im Dunkeln einen sicheren Abstiegsweg zu finden. Kein Problem, wir sind ja vorbereitet, wir haben ein Feuerzeug und zwei Rettungsdecken dabei!

An einem großen Felsblock richten wir unser Biwak-Lager vor. Die gemütliche Seil-Unterlage ist vorbereitet und bald lodert ein kleines Feuer. Nur mit der einen Rettungsdecke will es nicht recht klappen – anstatt einer Folie reißt Georg nur silberne und goldene Fetzen aus der Verpackung… „Aus welchem Jahrhundert ist die denn gewesen?!“ Unter der verbleibenden Rettungsdecke trotzen wir also dem eisigen Wind und sagen einfach: „es war kuschelig“. Diese Nächte im Hotel der tausend Sterne sind doch ohnehin unbezahlbar, auch das Frieren gehört irgendwie mit dazu. Im Licht der aufgehenden Sonne sitzen wir so in einem Haufen Silberfolie, als wären wir gerade von einer Mondfahrt gekommen. „Der Adler ist gelandet“ kommentiert Georg, schließlich können wir darüber auch lachen. Bei Tageslicht gestaltet sich der Abstieg dann über den Bergrücken sehr viel einfacher, sodass wir es rechtzeitig zum „Frühstückskaffee“ zurück ins Tal schaffen.

Vier Wochen Urlaub sind verflogen wie im Wind, unsere Kletter-Ziele würden jedoch noch für lange Zeit reichen. Zum Beispiel haben wir am höchsten Fels des Oman noch keine Hand angelegt. Der 1000 Meter hohe Jabal Misht hat zahlreiche Bigwall-Linien zu bieten, die wir uns nur noch von unten anschauen können. Einerseits sind wir wehmütig, weil wir „schon“ wieder nach Hause müssen, andererseits aber auch erleichtert, weil diese riesige Felsmasse unglaublich erdrückend wirkt. Furchterregend, aber gleichzeitig anregend. Genau die richtige Mischung aus Angst und Anziehung, die einen Grund liefert, um bald wieder zu kommen!

Kletterführer:
„Climbing in Oman“ von Jakob Oberhauser, Panico Verlag, 2014

Verwendetes Material:
Tendon Master 7.8mm (Halbseile) und Tendon Hattrick 10.2mm (Einfachseil)
Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen
Totem Cams und Basic Totem Cams
Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger
Optimus Polaris Kocher (Benzin und Gas) mit Optimus Terra Lite HE Cook Set Töpfen
LEKI Micro Vario Carbon