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Peak Performance Vertical K (c) Eric Mulder Photography

Jenseits von Lönneberga – Nachbericht zum Vertikal K in Åre

25. September 2016
Die Bergfreunde

Folköl – die schwedische Bezeichnung für Bier mit mittlerem Alkoholgehalt – läuft uns kühl durch den Hals, als wir wartend am Außengelände des Flughafens Arlanda in Stockholm sitzen. Dennis und ich haben gerade den Anschlussflug nach Östersund verpasst, nachdem der Flug ab Berlin mit eineinhalbstündiger Verspätung gestartet war. Beunruhigt schauen wir auf die Uhr und denken daran, dass unsere Gruppenkollegen wahrscheinlich schon mit dem Shuttle nach Åre unterwegs sind und bald beim Barbecue im Peak Performance Mountain House sitzen werden. Der Magen knurrt.

Was sich erst mal nicht so überzeugend anhört – Dünnbier, Flug verpasst und zwölfstündige Anreise zum Feriendomizil – lässt sich aber leicht ertragen, da wir immerhin bei Sonnenschein mitten in Schweden sitzen und uns auf drei ereignisreiche Tage in Jämtland freuen! Grund für die Reise ist eine Einladung von Peak Performance: Die Bergfreunde dürfen einen Gewinnspielteilnehmer plus einen Mitarbeiter in die Heimat des Outdoor-Ausrüsters schicken, inklusive Teilnahme am Vertical K, einem Berglauf, bei dem die schwedische Firma als Hauptsponsor auftritt. Die Teilnahme an diesem Lauf ist schließlich der Höhepunkt unseres Kurztrips nach Skandinavien, jedoch nicht der einzige Programmpunkt. Damit das Verhältnis zwischen Strapazen und Erholung im urlaubskonformen Bereich liegt, haben Mareen und Hannah von Peak Performance ein Verwöhnprogramm mit Raften, Besuch des Peak Performance – Stores, Training mit Andre Jonsson und – was für hungrige Sportler besonders wichtig ist – viel leckerem Essen organisiert.

Eher zufällig hat es sich währenddessen ergeben, dass ich bei meiner Zwischenlandung in Berlin auf Dennis, den glücklichen Gewinner unseres Preisausschreibens, gestoßen bin. Während des unfreiwilligen Aufenthalts am Flughafen war genügend Zeit, um die anderen Fluggäste des Fluges nach Stockholm zu sondieren und zu überlegen, wer denn jetzt in das Raster Läufer/ Bergfreund passen könnte. Nur durch überragende Menschenkenntnis haben wir uns dann auch zielstrebig gefunden und die Hürden der erschwerten Anreise perfekt gemeistert!

Entspannte Urlaubsstimmung setzt schließlich ein, als wir in Östersund von einem vorher organisierten Taxi abgeholt und direkt in den Wintersportort gekarrt werden. So einen Luxus genießt man nicht alle Tage und wir lassen begeistert die skandinavische Landschaft an uns vorüberziehen. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass ich Schweden bisher hauptsächlich nur durch die Michel-aus-Lönneberga-Filme gekannt habe und wirklich gerührt war, als kurz nach dem Flughafen die ersten roten Holzhäuser auftauchen, die scheinbar gleichmäßig in die Landschaft aus Wälder, Wiesen und Seen gepflanzt sind. Wir befinden uns zu diesem Zeitpunkt jedoch noch etwa 800 km nördlich von Lönneberga und werden kurze Zeit später überaus nett von der Peak-Performance-Crew und den anderen Reiseteilnehmern empfangen.

Realität oder Reiseprospekt?

Diese sitzen schon entspannt bei Bier und Wein im Dachgeschoss des mondänen Peak-Performance-Stützpunkts, der direkt oberhalb vom Åresee liegt. Der Blick auf den See selbst, die schicke Einrichtung und eine riesige Terrasse mit Grill bilden hier ein Ambiente, welches ich nur aus Reiseprospekten für hippe Skiurlaube kenne. Also muss zunächst einmal von der ‚Michel-Holzhüttenromantik‘ auf ‚moderne Welt-Modus‘ umgeschaltet werden. Dies gelingt umso besser, als ich zufrieden mit einem 3-Gänge-Menü und kühlem Bier am Tisch sitze und locker mit den anderen Teilnehmern plaudere. Außer Dennis und mir sind noch drei weitere Teams angereist: Die Fast-Namenskollegen von Bergzeit, ein Sport-Conrad Frauenteam sowie ein Mixed-Team von Nora Sports aus Wien. Obwohl wir ein ziemlich bunt zusammengewürfelter Haufen sind und nur knapp drei Tage miteinander verbringen dürfen, gewöhnen wir uns recht schnell aneinander und fiebern gemeinsam dem Lauf entgegen.

Viel intakte Natur gibt es am nächsten Morgen zu bestaunen. Von Åre aus starten wir einen Ausflug in den etwa 30 Kilometer entfernten Nationalpark Vålådalen. Dort soll eine erste große Herausforderung auf mich warten: Als wasserscheuer Läufer und Bergsportler muss ich mich in ein Raftingboot setzen. Mental bereite ich mich also auf panisches Festklammern und Luft anhalten vor – bloß nicht ins Wasser fallen ;)

Davor hab ich jedoch noch genügend Zeit zum Atmen und kann entspannt in die skandinavische Wildnis eintauchen. Gemeinsam mit den Guides sowie dem Fotografen Eric fahren wir auf der kleinen Straße durch pralle Natur: Links der rauschende Bach, rechts Seen und Wälder. Und wenn man die Verstecke der Tiere wüsste, könnte man Polarfüchse, Elche und sogar Bären beobachten. Rentiere hingegen leben hier selten in freier Wildbahn. In Vålådalen sind noch einige Samen angesiedelt, die von der Rentierwirtschaft leben und die Herden auf ihren Wanderungen begleiten. Würde man der Straße bis zu ihrem Ende folgen, käme man wiederum zur Vålådalens Fjällstation. Dieser Ort erfuhr Mitte des letzten Jahrhunderts einen ziemlichen Boom. Auslöser dafür war die schwedische Trainerlegende Gösta Olander, der hier ein Trainingszentrum für Mittel- und Langstreckenläufer aufgebaut hat, aus dem zahlreiche Weltrekordler hervorgehen sollten.

Unsere Gruppe biegt jedoch schon ein paar Kilometer vorher in einen Waldweg ein, der uns direkt zum Wildbach führt. Was nun folgt, beeindruckt selbst Landratten wie mich: Glasklares Wasser bahnt sich seinen eigenen Weg durch die Wälder, hin und wieder stürzt es über Steilstufen hinab und kräuselt sich – alles in absoluter Trinkwasserqualität! Ein Flip mit dem Boot wäre also nur halb so schlimm, denke ich mir, bin aber trotzdem froh, dass es soweit gar nicht erst kommt. Die gefühlt senkrechte Schlüsselstelle der Raftingtour ist nichts desto trotz für uns alle sehr beeindruckend (siehe Beweisfoto). Nach dem Ausstieg begrüßt uns schließlich der skandinavische Sommer mit moderaten 15°C und einem spontanen Blitzeinschlag neben unserem Rastplatz. Die Dramaturgie könnte kaum besser sein und wir sind gespannt, welche Überraschungen das Wetter noch so für uns und den bevorstehenden Berglauf bereithält.

Rennen statt reden

André Jonsson scheint kein Sprücheklopfer zu sein. Abends treffen wir uns im Peak-Performance-Store in Are auf ein kurzes Kennenlernen. Zügig hakt er die Eckdaten seiner Sportkarriere ab: Die Jugendzeit ist von Langlauftraining und Wettkämpfen geprägt, danach folgt ein kurzer Abschnitt sportlicher Abstinenz. Doch schon nach einem halben Jahr bemerkt er, dass etwas fehlt. Der Körper sehnt sich nach Belastung, worauf hin er sich aufs Rennrad schwingt und die schwedischen Landstraßen erkundet. Diese sind allerdings in der Provinz um Åre so spärlich gesät, dass ihm dieser Sport schnell langweilig wird. Er entschließt sich also für das Naheliegende und trainiert im Winter auf Skitourenrennen hin. Im Sommer nutzt er die unzähligen Trails für das Lauftraining. Inzwischen kann er sich dank dem Sponsoring von Peak Performance voll auf das Laufen konzentrieren, ein Zubrot verdient er sich als Trainer in einem Hochseilgarten. Obwohl er einige Erfolge vorzuweisen hat, bleibt er bei diesem Thema eher wortkarg. Hier scheint jemand Sport zu treiben, weil er diese Strapazen und Erlebnisse braucht – keine Spur von Profilierungssucht. Sehr sympathisch!

Ein Kilometer vertikal

„Extremely steep“ dachte ich, als ich einen matschigen Pfad durch ein kleines Waldstück nach oben krabbele. Wir haben von André zuvor eine treffende Streckenbeschreibung bekommen, in der er sämtliche Steigerungsformen von „steep“ herhalten mussten. Jeder von uns versucht somit, die angegebene Renntaktik („Nach dem Startschuss Vollgas geben!“) so gut wie möglich umzusetzen.

Der Vertical K ist kein gewöhnlicher Berglauf. Im mittleren Abschnitt der Strecke muss eine Steilstufe mit etwa 200 Höhenmetern überwunden werden, die mit kurzen Leitern und Fixseilen gespickt ist. Insgesamt sind damit auf 5 Kilometern Wegstrecke rund 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Nach dem Start im Ortskern von Åre, erreicht man bald die ersten Skipisten, über die man ziemlich direkt in Richtung Gipfel des 1420 Meter hohen Åreskutans geleitet wird. Mein Plan ist es, an dieser Stelle erstmal die Lage zu sondieren und nicht gleich am „Anschlag“ zu laufen. In der oberen Hälfte der Strecke wartet technisch anspruchsvolles Gelände auf uns. Ein sicheres setzen der Schritte ist hier Pflicht, kraftloses Torkeln würde früher oder später zum Sturz führen.
Ungewöhnliches Laufgelände führt zu ungewöhnlichen Wettkampfsituationen: Aufgrund der Steilheit gibt es schwingende Beine auf Nasenhöhe und das Fixseil peitscht teils knapp an den unterschiedlichsten Körperstellen vorbei. Ab dem Mittelplateau des Berges ändert sich das Terrain abermals. Die Landschaft gleicht in kurzen Momenten einer Hochebene bevor der nächste Anstieg aus dem Nebel auftaucht. Die Wege führen über kompakte Felsplatten, durchsetzt von Wiesen und Mooren – alles wunderschön. Wären meine Oberschenkel nicht schon „blau“, könnte hier durchaus richtiges Laufvergnügen aufkommen.

Je näher der Gipfel kommt, umso garstiger wird auch das Wetter. Inzwischen stürmt und graupelt es. Gefühlt liegt die Temperatur im einstelligen Bereich. Trotzdem stehen noch einige gut gelaunte Zuschauer am Wegesrand und feuern uns an. Die Schweden sind anscheinend ein sportbegeistertes Volk, das sich nicht so schnell von miesem Wetter abschrecken lässt! Derartig angespornt, werden die letzten Kräfte mobilisiert. Mein ausgekühlter Körper stellt auf Notstromversorgung um und ermöglicht mir einen Laufstil, der haarscharf an der „Torkelgrenze liegt. Beim Zieleinlauf freue ich mich deshalb nicht nur über meinen 34. Platz, sondern auch über die gemütliche Berghütte auf dem Gipfel, in der jeder Läufer direkt eine Våffla (Waffel) gereicht bekommt. Der Blutzuckerspiegel schießt schnell wieder in den grünen Bereich und die Süßigkeit liefert genügend Energie, die Teamkollegen zu suchen. Dennis kommt schließlich souverän als sechzigster ins Ziel und ist vermutlich der beste Flachländer im ganzen Teilnehmerfeld. Dass wir uns letzten Endes perfekt ergänzt haben, zeigt auch die Addition unserer Laufzeiten: Auf die Sekunde genau hat das Bergfreunde-Team exakt zwei Stunden gebraucht.

Tusen Tack!

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die Leute von Peak Performance, insbesondere Mareen und Hannah. Kein Wunder also, dass die unzähligen schöne Eindrücke dazu führen, dass die ganze Gruppe sichtlich gerührt ist, als wir uns am Flughafen verabschieden. Nicht nur einmal stehe ich andächtig und stumm da und freue mich, dass ich dabei sein durfte. Hört sich jetzt schnulzig an, ist aber wirklich so!

Titelbild

„Crazy Germans“ in Afrika: Kletter- Erkundungsreise durch Namibia

24. September 2016
Die Bergfreunde

Verletzungen sind unangenehm, blöd nur wenn man (oder besser Frau) sich deshalb eine Kletterreise entgehen lassen muss. Einziger Trost für Klara, die diesmal zuhause bleiben muss, ist dass die Felsen auch nächstes Jahr noch stehen. So breche ich diesmal zusammen mit meinem Kumpel Toni auf. Nur Wahnsinnige würden im Februar in die namibische Hitze flüchten, weshalb wir dort gleich das Prädikat „crazy germans“ ernten. Für Einheimische ist völlig unverständlich, warum wir uns in der Bullenhitze freiwillig bewegen.

Leuchtröhren und Lederstiefel

Seit Stunden sitzen Toni und ich schon in den harten Plastiksitzen der Grenzstation zwischen Namibia und Südafrika, wo uns der Übernachtbus von Windhoek ausgespuckt hat. Hinter dem verglasten Schalter vor uns sitzen zwei Grenzbeamte, sonst ist hier niemand. Warum auch, es ist 3 Uhr Nachts und die Zeit dehnt sich wie Kaugummi. Nur widerwillig tickt die Uhr in der aseptischen Halle langsam dahin. Das Neonlicht flackert über uns, immer wieder schwirren übergroße, libellenartige Insekten gegen die Leuchtröhren. Über das Internet habe ich Antonie kennen gelernt, der eine riesige Esstrauben-Plantage in Aussenkehr an der Grenze zu Südafrika leitet. Nur wenige Kilometer weiter liegen die drei Klettergebiete Kings Throne Canyon, Chamkap Canyon und Quivertree Canyon. Wir warten hier, weil er uns eingeladen hat, ihn zu besuchen und kletternd die Gegend zu erforschen, was wir uns nur schwer entgehen lassen können. Hoffentlich hat er uns nicht vergessen, hoffentlich gibt es ihn wirklich? Ein paar Lederstiefel reißen mich aus dem monotonen Starren auf den Boden. Da steht er plötzlich lächelnd da, unser Gastgeber für die nächsten zwei Wochen.

Felsen soweit das Auge reicht

Schnell flüchten wir hinaus, werfen unser Gepäck in seinen Allrad-Wagen und fliegen kurz darauf mit 120 km/h über sandige Schotterpisten. In den Kurven driftet Antonie gekonnt, so hoffen wir zumindest. Noch ist es stock dunkel und wir sehen nichts, bis auf den schmalen Lichtkegel vor uns. In Aussenkehr ankommend wird es langsam hell. Direkt vor uns liegt der endlose Fluß Oranje – ein grüner Streifen Leben, der sich eindrucksvoll durch die Halbwüste schlängelt. Ein schöner Anblick, aber eigentlich brennen wir darauf, die Felsen zu sehen. Wir bitten Antonie uns gleich zum Hauptklettergebiet im Kings Throne Canyon zu bringen, anstatt unser Lager im Norotshama Resort aufzuschlagen. Dafür ist später noch Zeit genug. Über eine holprige Sandpiste geht es in ein Trockental, das links und rechts von 60 bis 80 Meter hohen Steintürmen gesäumt ist. Die Straße schlängelt sich durch die Hügel, ein Meer von Felsen soweit das Auge reicht. Das Herz geht uns auf bei so viel Potential für neue Routen! Die Sportlinien sind klasse, ebenso die Felsqualität. Hier können wir es lange aushalten!

Spuren im Fels

Am nächsten Tag nehmen wir uns gleich die Sportkletterrouten im Gamkap Canyon vor. Erst seit 2005 wird hier in Aussenkehr geklettert, die meisten Linien sind von den namibischen Kletterern Antonie van Heerden gemeinsam mit Tony Lourens und Keith James erschlossen worden. Alles wunderschöne Linien, die auch uns ermutigen, Spuren zu hinterlassen. In den nächsten Tagen erkunden wir die Seitentäler und finden super strukturierte Felsen, um unsere Cams und Keile zu verschlingen. Unter genauester Aufsicht der Paviane als Klettermeister im Canyon, gelingen uns zahlreiche neue Linien im Quiver Tree Canyon, als erstem Trad- Gebiet in der Region. Das ist Urlaub genau nach unserem Geschmack, wilde Erstbegehungen zum Frühstück und danach genügend Zeit die intensiven Momente gebührend zu feiern: mit Kaltgetränk in der Hand am Pool liegend. An etwas Anderes ist ab mittags auch nicht zu denken, wer sich nachmittags in die Sonne begibt, wird mit Sicherheit rückstandslos verbrennen. Selbst abends um neun Uhr hat es immer noch unglaubliche 40 Grad Celsius…

The biggest failure is low aim

Nach gut zwei Wochen sind Fingerkraft und mentale Stärke wieder auf voller Höhe, Aussenkehr war für uns ein hervorragender Auftakt in die junge Klettersaison. Jetzt wird es Zeit für unser eigentliches Ziel, die berühmte Spitzkoppe. Zurück in Windhoek kommt unser Reisefluss jedoch gewaltig ins Stocken, denn es gibt keine Mietautos mehr. Wir laufen von einer Station zur Nächsten, jeder kennt noch jemanden der jemanden kennt… erst als unsere Nerven fast blank liegen, bekommen wir einen blauen 2er Golf vermietet, der uns endlich aus dieser Stadt herausbringt. In Usakos machen wir das Auto mit Lebensmitteln voll und starten in die Wildnis. Nach vielen, vielen Stunden auf der Straße wechseln wir endlich auf eine lange Schotterpiste. Am Horizont erhebt sich die markante Spitzkoppe als eine riesige Kuppe, die immer mächtiger in den Himmel ragt, je näher wir kommen. Wenig später errichten wir unser Lager direkt unter der etwa 500 Meter hohen Wand. Es gibt viele Routen an diesem formschönen Granitfelsen. Mich interessiert vor allem die legendäre Süd-West Wand, die 1982 von Eckhardt Haber erstbegangen wurde und im steilen Plattengelände den 8ten Grad verlangt. Nach dem Motto „the biggest failure is low aim“, frei übersetzt „der größte Fehler ist eine zu geringe Herausforderung“, starten wir tags drauf in diese Paradetour.

Nervenkrimi 2.0

Die extrem glatte, durchaus steile erste Seillänge wirkt nicht gerade einladend. Ich schwindle mich vorsichtig an winzigen Strukturen nach oben, es ist wie ein Tanz auf rohen Eiern. Die folgenden Seillängen sind fast ausschließlich selbst abzusichern, nur hin und wieder finden wir so etwas wie „Bohrhaken“ – es sind verrostete, dünne Bolzen mit einer Beilag-Scheibe – nicht gerade vertrauenerweckend. Mit der Öse der Klemmkeile klippen wir diese moralischen Stützen, zumindest halten sie das Gewicht von Expresse und Seil. Darüber hinaus gehende Belastungstests versuchen wir lieber zu vermeiden. Im nicht enden wollenden, furchterregenden Kamin ergeht es uns mit der Absicherung nicht besser. Es gibt so gut wie keine Placements, meist klettern wir ungesichert von Stand zu Stand ohne nach unten zu schauen. Einziger Trost sind die angenehmen Temperaturen in diesem dunklen Tunnel, der uns nach ein paar intensiven, nervenzerreißenden Stunden auf das Gipfel-Plateau entlässt. Ein gigantisches Panorama liegt vor uns, Wüste soweit das Auge reicht. Nur hier und da ein paar Sträucher als grüne Farbtupfer. Noch viele Stunden später zeichnet sich ein breites Grinsen über unsere Gesichter. Die Tour wird uns mit Sicherheit für lange Zeit in Erinnerung bleiben, was für ein Abenteuer!

Die neue Leistungsdiät

Erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir das Lager, wo wir zu unserer Überraschung mit einem Bier von unserem Zeltnachbarn begrüßt werden. Als Dankeschön nehmen wir Stephane am nächsten Tag über den Normalweg auf die Spitzkoppe mit. Die große Schwierigkeit liegt hier in der reichlich komplexen Wegfindung. Eine tolle Abwechslung, den einfachsten Weg durch das Fels-Labyrinth zu finden! Beeindruckend ist vor allem die erste Kletterlänge aus einem Tunnel heraus in die senkrechte Wand. Mäßig schwer geht es daraufhin weiter bis uns nur noch ein einzelner Offwidth-Riss den Weg zum Gipfel versperrt. Ich klemme vorsichtig hinauf, nach der gestrigen Übung eigentlich kein Problem. Wieder liegt uns von hier oben die gesamte Savanne zu Füßen und es wird nicht das letzte Mal sein. Als kriegten wir nicht genug von dieser Aussicht, stürzen wir uns auf weitere Routen, ob in die Platten und Risse von „to bolt or not to be“ oder in die berühmte „Herero Arch“ am Rhino Horn. Zuletzt gelingt sogar die erste Wiederholung der „active side of infinity„. Ein Grund dafür ist sicherlich unsere unbeabsichtigte Diät – schon nach einer Woche müssen wir das Essen rationieren, seither muss uns trotz aller Anstrengungen eine Packung Nudeln täglich reichen. Wir werden immer dünner und fitter. Gerade als wir merken, wie die Urinstinkte in uns erwachen, besucht uns sogar ein Leopard am Lagerplatz. Auf der Jagd nach Kaninchen kommt er bis auf 30 Meter an uns heran, bevor er im Gewirr der Steinblöcke verschwindet. Er ist für uns jedoch keine Bedrohung, sondern wir spüren, wie sehr wir durch unsere „Askese“ ein Teil der Natur geworden sind.

Unsere Wunschliste für die Spitzkoppe ist schließlich mehr als erfüllt, der Abschied fällt trotz knurrenden Mägen schwer. Wie immer ist die Rückkehr in die Zivilisation ein kleiner Schock, denn die Zeit draußen hat uns wieder einmal gezeigt, was wirklich wichtig ist im Leben. Freundschaft, Ausdauer und eine Vision. Und Nudeln, vielleicht sollten wir in Zukunft etwas mehr davon einkaufen…

Infos:

Reisezeit: Aussenkehr ist eine Steinwüste mit hohen Plusgraden im Sommer, daher bietet sich die Zeit zwischen April und September an, wobei im King Canyon immer einige Routen im Schatten liegen, zumindest für ein paar Stunden.

Unterkunft/ Essen: Die beste Unterkunft ist unserer Meinung nach das Norotshama River Resort, keine 15 Auto- Minuten von den Kletterfelsen entfernt. Hier gibt es entweder die bequemen Chalet’s, wobei auch gezeltet werden darf. Das Resort bietet im Restaurant alles was das Herz begehrt, wer hingegen selbst kochen will, muss sich in den Großstädten auf der Anfahrt eindecken. Im „Dorfladen“ gibt es nur das Nötigste.

Topos der Erstbegehungen findet ihr auf www.d-on-r.de

Material Empfehlungen

Tendon Master 7.8mm (Halbseile)

Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen

Totem Cams und Basic Totem Cams

Triop Tiger Kletterschuhe

Optimus Polaris Kocher (Benzin und Gas) mit Optimus Terra Lite HE Cook Set Töpfen

LEKI Micro Vario Carbon

Sven Kopf im Bergfreunde-Interview

Aufräumen am Mont Blanc – Sven Kopf im Bergfreunde-Interview

22. September 2016
Die Bergfreunde

Einfach aufs Rad steigen und losfahren. Ohne ein wirkliches Ziel – einfach treiben lassen. Berge genießen, den einen oder anderen Wettkampf bestreiten und nächtigen wo es gerade passt. Hört sich doch verdammt gut an, oder? Sven Kopf heißt der Mann, der sich diesen Traum verwirklicht hat. Mit seinem eigens angefertigten Rad und einem Lastenanhänger ist er gerade unterwegs in den Alpen und hat mit seiner Aufräumaktion im Refuge de Vallot am Mont Blanc einiges an Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wir haben Sven zum Interview gebeten und ihn gefragt, wie er auf die Idee für die Aktion gekommen ist und wie es ihm auf Tour so ergeht…

Hallo Sven, schön, dass du unsere Einladung zum Interview angenommen hast. Wenn ich die Informationen auf deiner Facebook-Seite richtig gelesen habe, bist du seit Juni mit Mountainbike und Lastenanhänger unterwegs und tingelst durch die Lande. Was hat dich zu dieser Reise inspiriert?

Inspiriert haben mich wohl meine Reisen, die ich schon gemacht habe. Wenn man mit dem Reisen einmal angefangen hat, ist es schwer wieder davon los zu kommen. Mit Reisen meine ich auch wirklich Reisen und eben keinen Urlaub. Ich denke, wenn man so 6-12 Monate unterwegs war packt es einen erst so richtig!

Du schreibst, dass du in jedem Alpenland den höchsten Berg besteigen und an möglichst vielen sportlichen Wettkämpfen teilnehmen willst. Zugspitze, Großglockner und Mont Blanc sind ja schon im Sack – wohin geht es als nächstes?

Ich hab meinen Hänger in Österreich gelassen und wollte eigentlich nur für eine Woche zum Mont Blanc, da ich jemand gefunden hatte, der auch auf die Budget-Variante hoch wollte. Auf dem Rückweg war das Wallis so nahe, dass ich mich spontan dazu entschlossen habe, noch in Zermatt einzukehren. Fürs Matterhorn war es einfach jemanden zu finden, für die Dufourspitze via Cresta Rey hingegen nicht. Ich hab es dann aufgegeben und nach langem hin und her zumindest jemand für den Normalweg gefunden. Danach ging es wetterbedingt direkt ins Aostatal um den Gran Paradiso auch noch mitzunehmen. Ich denke, die meisten wissen jetzt, was ich noch vor habe für diesen Spätsommer, zwei der 7 Summits der Alpen stehen schließlich noch aus.

Sven Kopf im Bergfreunde-InterviewAber eigentlich bin ich kein Freund von sturen Plänen. Wenn mir jemand eine andere nette Tour vorschlägt, bin ich auch nicht abgeneigt und ich hab natürlich auch noch andere Berge außer Zugspitze, Großglockner und Mont Blanc besucht, jedoch haben diese Priorität und alles andere ist für mich Bonus. Ab und zu bereue ich die Sache mit den 7 Summits aber auch, da hier meistens sehr viel los ist und ich kein Freund von Massentourismus bin. Vielleicht werde ich meinen Plan von „dem höchsten Berg“ auf „einen der höchsten Berge“ abwandeln um da ein bisschen flexibler zu sein.

Wie viele Wettkämpfe hast du schon bestreiten können?

Übermäßig viel hab ich bis jetzt noch nicht zusammen bekommen. Ich hab meinen Abschied von Zuhause beim Sonnwendlauf in Seelbach gefeiert, wo ich über die 10 Kilometer nur knapp an meiner fünf Jahre alten Bestzeit vorbei geschrammt bin. Danach war ich gerade pünktlich zum Nebelhorn Berglauf in Oberstdorf. Auf dem Rad hab ich nahe Garmisch ein kleines Bergsprintrennen gefunden und ebenfalls in Flachau im Salzburger Land Rennkilometer gesammelt. Auf der Abfahrt, die auf der 30% steilen Weltcupskipiste stattfindet, bin ich in der letzten Runde und durchs zweitletzten Gate leider noch weggerutscht und hab seit dem ein bisschen Probleme im Daumen und versuche mich deshalb ein etwas zu schonen.

Schonen ist ein gutes Stichwort. Wie steckt dein Körper die Belastung weg? Immerhin ratterst du zwischendurch noch einige Radkilometer ab. Hast du ein bestimmtes Regenerationsprogramm?

Naja, da ich ja für meine Reise kein Zeitlimit habe, kann ich es meistens gemütlich angehen lassen. Ein bestimmtes Regenerationsprogramm gibt es nicht, ich versuche so gut wie möglich Blockweise zu fahren und zu trainieren mit einem bis drei Tagen Pause zwischendrin. Meistens klappt das ganz gut und wenn nicht ist es auch kein Weltuntergang.

Ab und zu gibt es aber Situationen, in denen ich wetterbedingt oder wegen eines wichtigen Termins ein bisschen aufs Gas drücken muss und immer wieder erstaunt bin, was mein Körper zu leisten im Stande ist. Bestes Beispiel war die Woche mit der Dufourspitze und dem Gran Paradiso. Montagabend – nach einem Regenschauer – ging es drei Stunden mit dem Rad hoch zur Zahnradbahnstation Rotenboden, wo mein Tourenpartner und ich bei Dämmerung ankamen.

Nach ca. zwei Stunden Schlaf ging es um 2:00 Uhr wieder mit dem Rad zum Gornergletscher und ab dort zur Monte Rosa Hütte. Leider war die Orientierung im Dunkeln nicht so gut und wir kannten den Weg nicht, mein GPS-Track war auch noch der alte, weshalb wir erst gegen 7:00 Uhr bei der Hütte waren – nach rund 4 Stunden Gehzeit. Für mich war das viel zu spät und ich war auch nicht gerade schnell unterwegs an dem Tag, mein Mitstreiter ging dann allein auf den ungespurten Gletscher und ich hab es mir auf der oberen Plattje gemütlich gemacht. Leider war dort nur eine Dreier-Seilschaft, die mich nicht mitnehmen wollte (sie waren zu langsam für vier mit nur einem Seil). Ich habe mich dann wieder um 2:00 Uhr aus den Träumen verabschiedet und bin solo hinter ihnen her um sicher über die Spalten zu kommen. Mit nur 55 kg Eigengewicht konnte ich sicher sein, dass die Schneebrücken mich halten.

Auf dem Sattel war dann aber Schluss. Ich hätte mich noch den steilen Hang hinauf getraut, aber allein ohne Sicherung wieder runter war mir zu heiß, besonders da es teilweise Blankeis war. Also bin ich nach acht Stunden wieder ohne Gipfel am Biwak angekommen. Am selben Tag hab ich dann noch ne Zweier-Seilschaft gefunden, die mich mitgenommen hat. Es hieß also zum dritten Mal um 2 Uhr aufzubrechen, nur diesmal kam ich zu meinem wolkenlosen Ausblick vom Gipfel und war nach elf Stunden Gehzeit wieder zurück am Biwak. Am Freitag konnte ich dann das erste Mal ausschlafen und bin danach noch drei Stunden zu Fuß und zwei Stunden mit dem Rad zurück nach Zermatt.

Bis dahin war es eine harte, aber vertretbare Woche und eigentlich Zeit für ein paar Tage Pause. Da der Wetterbericht für den Gran Paradiso aber nur für den Sonntag einen perfekten Gipfeltag voraussagte, musste ich die Regeneration noch ein paar Tage aufschieben. Am Samstagnachmittag bin ich dann von Zermatt nach Täsch gefahren und von dort bis ins Aostatal getrampt (mit Fahrrad). Leider hat das Ganze etwas länger gedauert als geplant und ich bin erst gegen 22:30 Uhr angekommen. Von hier – auf ca. 600 m – bin ich dann aufs Rad gestiegen um nach Pont auf fahren. Immerhin auch 1900 m und 30 km. Glücklicherweise hat mich jemand 12 km vor Pont eingesammelt, sodass ich um 2 Uhr oben war.

Es war leider weder Zeit zum Schlafen, noch zum Kochen. Ich hab den Rucksack gepackt, das Rad versteckt und bin Richtung Gipfel marschiert wo ich nach 4:45 Stunden als Erster ankam. Nach dem Frühstück auf dem Gipfel ging es langsam wieder zurück nach Pont, wo ich versucht habe jemanden zu finden, der mich Richtung Schweiz mitnehmen würde. Nach einer Stunde hab ich es aufgegeben und bin noch 40 km mit dem Rad nach Aosta gefahren, wo ich wieder getrampt bin. Kurz vor Aosta war ich dann soweit, dass ich fast Sekundenschlaf bekommen hatte, konnte mich aber gerade noch retten und hab mir dann zur Belohnung ein Eis gegönnt.

Die Erholung sah dann so aus, dass ich bei der Swiss Epic geholfen habe. Montag beim Bikewash, am Dienstag dann zuerst als Streckenposten und danach beim Abjalonieren (Einsammeln der Wegmarkierung, Anm. d. Red.). Am Dienstag noch auf meinem eigenen Bike und den Rest der Woche auf dem E-Bike mit Shuttleunterstützung von unserem Fahrzeug, wenn möglich. Bestimmt keine perfekte Regeneration, aber die geilen Trails und die coole Stimmung waren es allemal wert!

Deine große Aufräumaktion am Mont Blanc hat ja große Wellen geschlagen. Kam dir die Idee eigentlich spontan?

Nein, nicht wirklich. Als ich mir ein paar Tourenberichte angeschaut habe, wurde der Zustand des Vallot selten verschwiegen. Ich habe mir damals schon vorgenommen, einen Müllsack mit hoch zu nehmen und ein bisschen aufzuräumen. Natürlich hab ich im Tal aber nicht dran gedacht – geklappt hat es aber auch so. Ich hab das Ganze dann in den Facebook-Gruppen geteilt wo ich normal Tourenpartner suche, aber dass das Ganze so große Wellen schlägt hab ich auch nicht gedacht…

Was dachtest du, als du die Tür am Refuge Vallot geöffnet und das Chaos gesehen hast?

Der ursprüngliche Plan war eigentlich irgendwo dort oben zu biwakieren, als ich mich umgesehen habe, hat jemand schon gesagt, dass es im Vallot ganz in Ordnung ist. Gemeint war der Geruch und es war echt noch in Ordnung, am Eingang hat es nett nach Urin gestunken, drin war mehr oder weniger nur die Sauerei. Ich hab’s mir ehrlich gesagt auch schlimmer vorgestellt, in einem der Berichte stand auch was von Erbrochenem. Das blieb uns zum Glück erspart.

Dein Rucksack und die behelfsmäßig angebrachten Taschen waren bis zum Rand voll mit Müll, wie man auf den Bildern sehen kann. Hast du mal nachgewogen, wie viel du letztlich mitgenommen hast?

Nein, leider nicht. Da ich die zweite Hälfte am Morgen recht früh aufgeräumt habe, war ich eh spät dran. Ich wollte vor Mittag wieder auf der anderen Seite des Grand Couloir sein. Ich kann da nur schätzen. Ich denke, dass es mindestens 6 kg waren. Ich hatte je Seite vier aufgeschnittene 1,5 L-Flaschen und hinten nochmal drei randvolle Plastiktüten.

Wir würden Dir für die Aktion gerne einen Orden verleihen – wenn wir einen hätten. Stattdessen bekommst du von uns einen Rucksack, der dir hoffentlich gute Dienste leisten wird.

Danke für das Angebot, aber ich bin mit meinem 55l und 30l Rucksack perfekt abgedeckt, deshalb würde der Rucksack nur zuhause irgendwo herumliegen und das ist es nicht wert. Ich muss das Angebot also leider ablehnen oder vielleicht ist der Orden auch mit etwas anderem ersetzbar, ich bin aber so ziemlich mit allem ausgerüstet was ich normalerweise brauche, wenn ich nicht gerade wieder was unterwegs verliere.

Dann werden wir deinem Wunsch natürlich gerne entsprechen. Würdest du uns noch einen Blick in deine Ausrüstung gewähren? Was hast du in deinen Taschen und deinem Anhänger dabei?

Da Geld leider die Welt regiert, ist der einzig wirksame Stimmzettel dein Kassenzettel. Deshalb achte ich darauf nur Firmen zu unterstützen, die eine gewisse ethische und nachhaltige Linie fahren, oder, um es konkret zu machen, fast ausschließlich Sachen von Vaude und Patagonia – wenn möglich. Da ich neben dem Radfahren auch noch klettere, wandere, bergsteige und renne kommt da einiges an Material zusammen. Ich habe versucht mit so wenig Material wie möglich, möglichst viel abzudecken. Ein Beispiel wäre mein Salewa Xenon Helm, der einzige den ich gefunden habe der sowohl eine Zulassung als Rad- als auch Kletter-/Bergsteighelm besitzt. Bei den Schuhen geht es auch ins Extreme. Ich habe ein paar alte Keen Click-Sandalen für die warmen Tage, ein paar Shimano MT91 für die kalten und nassen Tage und ebenfalls zum Bergsteigen. Da die Schuhe nicht wirklich für Hochtouren geeignet sind, ich aber keine extra Bergschuhe mitschleppen wollte, musste ich bei den Socken ans Limit gehen. Ich hab ein paar wasserdichte Sealskinz und ein paar Lorpen mit Fleece und Primaloft, es war nicht optimal, hat aber super funktioniert – auch über 4000 m.

Sven Kopf im Bergfreunde-InterviewWeiterhin habe ich noch meine alten ausgerissenen Nike Free dabei. Ich nutze sie, bis sie komplett auseinander fliegen oder ich soweit bin auf festem Untergrund Barfuß zu rennen. Fürs Gelände und längere Wanderungen hab ich noch ein paar Paleos Barfußschuhe komplett aus Edelstahlringgewebe, die nehmen fast keinen Platz weg und schützen die Füße vor fast allem was weh tut. Ein weiteres Highlight ist mein Scrubber Drybag, die kleinste Waschmaschine der Welt, die gleichzeitig als Packsack dient.

Zum Übernachten habe ich meinen Sea to Summit Micro II immer dabei, seit ich 2013 mein halbes Neuseeland-Reise-Budget dafür ausgegeben hab. Super warm und super klein und falls es mal unter die Null Grad geht hab ich noch einen Sea to Summit Reactor Inlet, bis jetzt hat das immer gereicht. Neu für diese Reise ist meine Thermarest NeoAir Xtherm, 200g leichter und doppelt so klein wie meine alte Thermarest. Es ist keine billige Anschaffung gewesen, aber die Matte ist jeden Cent wert, perfekt für alle Jahreszeiten und wohl eher zu warm als zu kalt, ich hab damit auch schon auf einem Gletscher übernachtet und keine Kälte von unten gespürt. Abgerundet wird das Ganze von meinem Vaude Powerlizard 1-2p Zelt, aber meistens schlafe ich im Freien, unter irgendwelchen Dachvorsprüngen, anderen trockenen Plätzchen oder unter meinem Tarp, dass über meine Fizan Compact Stöcke oder übers Rad gespannt wird.

Gezogen wird alles von einem Stahlrahmen der extra von Kai Bendixen aus Freiburg für mich geschweißt wurde und die meisten Anbauteile sind auch lokal, Vorbau, Sattelstütze und Laufräder von Tune und bremsen tut die neue Trickstuff Direttissima und zwar phänomenal. Der Hänger kommt sogar aus demselben Gebäude wie mein Rahmen, jedoch von Toutterrain. Bei der Schaltung kommt man in allen Belangen wohl nicht an Shimano vorbei, ich hab mich jedoch für 3×9-fach mit 20z als kleines Kettenblatt entschieden.

Hast du auch etwas dabei, was nostalgischen Wert hat? Ein Maskottchen vielleicht?

Ne, ich schleppe sowieso schon zu viel mit mir herum. Das einzige mit nostalgischem Wert ist wahrscheinlich mein Schweizer Taschenmesser, das mich bis jetzt überall hin begleitet hat, fast täglich im Einsatz ist und schon um die 15 Jahre auf dem Buckel hat.

Wie fest steht deine Route? Tatsächlich zum Nordkap, wie du im Juni gepostet hast oder lässt du dich doch eher treiben?

Der Zug ist schon lang abgefahren…

Bis ich meine sieben Sachen zusammen hatte, lag ich schon knapp zwei Monate hinter meinem geplanten Abreisedatum. Dazu kommt, dass ich auf dem Weg zur Zugspitze schon sehr lange gebraucht habe, weil es einfach so viel zu sehen gab. Ich hab mich dann dazu entschlossen den restlichen Sommer in den Alpenländern zu verbringen und die Idee mit dem Nordkap um ein paar Monate oder Jahre nach hinten zu verschieben. Treiben lasse ich mich eh immer, ich plane nicht viel und überlasse viel dem Zufall, so ist das Leben am einfachsten.

Wenn du mal irgendwann im schönen Kirchentellinsfurt vorbei kommst, dann sag Bescheid. Wir haben bestimmt noch ein Crashpad zum Übernachten für dich frei. Ansonsten bleibt mir nur, dir weiterhin alles Gute zu wünschen. Ich werde deine Reise auf jeden Fall verfolgen.

Danke für die Einladung, ein Crashpad wäre fast schon zu viel Luxus! ;)

Solltest Du dennoch mal da sein, melde dich! Ansonsten wünschen dir die Bergfreunde für deine Reise weiterhin alles Gute. Wenn ihr Sven auf seiner Reise begleiten wollt, dann schaut doch mal auf seinem Facebook-Channel Challenging the World vorbei – er wird sich über ein Like sicher freuen!

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Winterbergsteigen in Schottland – und generell

20. September 2016
Die Bergfreunde

Es war kein guter Winter für Eiskletterer in den Alpen. Vielleicht der schlechteste, seit Alpinisten die Pickel schwingen. Und dennoch darf ich wieder einmal auf einige großartige Klettertage in den Bayerischen und Tiroler Alpen zurückblicken. Jetzt, gerade zurück von einer faszinierenden und sehr eindrücklichen Kletterwoche in den Schottischen Highlands, möchte ich ein paar Zeilen zum Winterbergsteigen in Schottland und auch in den Alpen schreiben. Schottland hat mich sehr beeindruckt: zum einen wegen seiner faszinierenden Bergwelt, zum anderen wegen des Ansehens, welches das Winterbergsteigen hier genießt. Die Schottischen Highlands gelten bekanntermaßen als Wiege des modernen Eis- und Mixedkletterns. Winterbergsteigen hat hier also Tradition, Skitourengehen hingegen ist aufgrund der oft schlechten Schneelage und starken Winde weniger das Thema. Also schnallen sich die Schotten Steigeisen an und besteigen ihre Berge kletternd oder wandernd. Dabei gilt: Ein Tag draußen in den winterlichen Bergen, abseits der Pisten, ist einfach unschlagbar – ganz unabhängig von den technischen Schwierigkeiten des Anstiegs. Dichter Nebel, Schneefall und Stürme tragen zur Unterhaltung bei…

Von den Schotten lernen

Ja, die Winter in den Alpen schwächeln. Speziell die Bedingungen zum Eisfallklettern haben sich in den letzten Jahren drastisch verschlechtert. Aber ich bin mir sicher, Winterbergsteigen hat Zukunft. Warum? Weil es jedem Alpinisten die Chance bietet, besondere Tage in den Bergen zu erleben – solche, die in Erinnerung bleiben. Sicher werden wieder kältere Winter kommen, auch wenn die Kälteperioden nicht mehr so lang sind wie noch vor zehn Jahren. Aber das ist nicht entscheidend. Gefragt ist Kreativität. Wir müssen von den Schotten lernen und unsere Spielplätze selbst definieren. Skitouren und Eisfallklettern sind dabei längst nicht alles. Höher gelegene Nordwände und alpine Grate weisen bei milderem Wetter oft passable Bedingungen für Winterklettereien auf. Und im Spätherbst, bevor allzuviel Schnee liegt, können felsige Anstiege, z. B. in den Dolomiten, oder auch Hochtouren bleibende Eindrücke hinterlassen. Die Auseinandersetzung mit Kälte, Einsamkeit und Gefahren wird uns motivieren, fordern und erfüllen. Lange, kalte Nächte bieten Raum für eine Reflexion unseres Treibens.

Winteralpinismus ist kein Ponyhof

Wir (Martin Birkmann, Vlada Savcenko, Eric Smolski und ich) haben ein paar Bilder aus Schottland mitgebracht: Schnappschüsse mit einer kleinen Knipse vom Einklettern in den Cairngorms, von langen Routen am Ben Nevis und vom Ravens Gully, einem tief eingeschnittenen Couloir im Gebiet Glen Coe. Ich denke, man kann auf den Bildern erkennen oder zumindest erahnen, welche Anforderungen der Winteralpinismus stellt. Die Orientierung ist wesentlich anspruchsvoller als im Sommer, hinzu kommt oft die Lawinengefahr, die eine überlegte Routenwahl nötig macht. Beim Klettern selbst ist zudem die Absicherung bzw. eher nicht vorhandene Absicherung immer ein großes Thema. Selbst wenn irgendwo Haken im Fels stecken: unter Schnee und Eis wird man sie kaum finden. Für Eisschrauben taugt das Eis oft nicht und Cams halten schlecht in vereisten Rissen. Auch bei der Sicherungstechnik sind also Kreativität und frisches Denken gefragt. Ein paar Beispiele: die Eisgeräte geben gute Anker ab, Peckers (Beaks) halten, wo kein Haken mehr funktioniert und Spectres funktionieren nicht nur im gefrorenen Gras, sondern auch in tiefen, brüchigen Felsrissen. Während in unregelmäßigen Kalkrissen Tricams funktionieren, machen sich in Schottland Offsetkeile und Hexentrics gut, die vorzugsweise mit dem Hammer festgeklopft werden. Eine gewisse handwerkliche Komponente lässt sich dabei nicht leugnen… Zurück zum Ravens Gully: Anders als am Ben Nevis fanden Martin und ich miese Bedingungen vor – viel Schnee, kaum Eis, schlechte Sicherungsmöglichkeiten. Am Abend erreichten wir den Gipfel des Buchaille Etive Mor. Ein paar Seillängen waren grenzwertig und ich hatte mir beim Hakenschlagen ordentlich auf den Finger geprügelt. Winteralpinismus ist eben kein Ponyhof, aber das ist auch gut so.

 

Bilder: Fritz Miller, Martin Birkmann

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Skál: zu Besuch in Island – bei 66° NORTH

19. September 2016
Die Bergfreunde

Vor rund zehn Jahren war ich das letzte Mal in Island – ein toller Urlaub mit vielen Wanderkilometern in einer genialen Natur. Irgendwann habe ich mir irgendwo eine Fleecejacke von 66°NORTH gekauft. Damals eine Marke, die es nur in Island gab und damit für die nächsten Jahre quasi ein Island-Urlauber-Radar war: wer die Marke erkannte war selbst schon in Island und sprach mich darauf an. Die Mitarbeiter von 66°NORTH schmunzelten hingegen schon beim ersten Treffen vor einigen Jahren darüber, dass ich eine ziemliche Old-School-Jacke im Outlet ergattert hätte.

Gemeinsam mit Daniela und Benedikt aus dem Einkaufsteam war ich nun wieder auf der Insel aus Feuer und Eis. Dabei musste ich feststellen, dass sich einiges geändert hat – allen voran die Anzahl der Mensch, die auf dieser Insel Urlaub machen. Eines hat sich jedoch nicht verändert: der Stolz der Isländer auf „ihre“ Marke 66°NORTH, die es mittlerweile auch europaweit zu kaufen gibt. Und so war es uns eine Freude, dass wir im Headquarter der Macher zu Besuch sein durften.

Ein Besuch bei isländischen Freunden

Die Menschen hinter 66°NORTH sind für uns keine Unbekannten. Immer wieder haben wir sie auf Messen oder bei anderen Gelegenheiten getroffen. Und jedes Mal haben sie uns eingeladen, sie doch mal zu besuchen – und uns versprochen zusammen in wilder Natur ein Bier im Hotpot zu schlürfen. Wer lässt sich da lange bitten?

Der Hauptsitz von 66°NORTH wurde vor einigen Jahren aus Súgandafjörður in den Westfjorden in die Hauptstadt Reykjavík verlegt. Ein typisch isländischer Alu-Wellblech-Bau steht da in einem kleinen Gewerbegebiet und beherbergt auch gleich einen der vielen Brandstores.

Die Geschichte von 66°NORTH

Wer sich in Richtung Büros und Werkstätten in den ersten Stock vorwagt, findet die Geschichte von 66°NORTH direkt vor sich. Eine aufwändige Collage zeigt unter anderem Hans Kristjánsson. Er gründete 1926 die „Sjóklæðagerð Íslands“ (isländisch für „Isländische Fabrik für Fischerbekleidung“) – die Firma, die später in 66°NORTH umbenannt wurde. Der aktuelle Name ist übrigens eine Hommage an den Gründungsort, der den 66. Breitengrad – also den Polarkreis – streift.

Hans verlor seinen Bruder, als dieser beim Fischen auf dem isländischen Meer in seinem manövrierunfähigen Boot erfror – ein damals nicht unüblicher Tod isländischer Fischer. Mit einer Schneiderausbildung in der Tasche war es fortan sein Ziel Bekleidung zu produzieren, die den harten Anforderungen der Fischer stand hielt und deren Beruf sicherer machte. Seine Überzeugung: hätte der Bruder gute Kleidung gehabt, hätte er die nasskalte Nacht auf See überlebt.

Arbeitskleidung, Outdoortextilien und dazu eine Portion Style

Bis heute produziert 66°NORTH Arbeitsbekleidung für Fischer und Seefahrer – aber auch für die Polizei, für Krankenschwestern und viele weitere Berufsgruppen. Mit den Öl-getränkten Stoffen aus den ersten Jahren haben diese aber nichts mehr gemeinsam – moderne Materialien haben sie abgelöst. Zu sehen sind z.B. die knallorangen Overalls aber weiterhin auf mindestens jedem zweiten Schiffskutter im Hafen.

Unter anderem die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit dem isländischen „search and rescue team“ (welches bereits seit 1928 von 66°NORTH ausgestattet wird) ebneten den Weg, auch funktionale Outdoor-Sport-Bekleidung zu entwickeln. Längst ist 66°NORTH auch für isländische Bergführer zum Standard geworden, die z.B. die Snæfell Jacket sehr schätzen.

Das isländische Wetter ist aber auch im Alltag fordernd: Wer im Winter nicht frieren möchte, braucht einen dicken Parka und schon im Sommer macht eine winddichte Fleecejacke spätestens gegen Abend Sinn. Da man auf der Insel aber auch gerne mal schick gekleidet sein möchte, entstanden über die Jahre immer mehr Teile, die sehr funktional aber ebenso modisch sind. Und so finden sich auch in der aktuellen Kollektion Teile wie die funktionale und elegant-schlichte Oxi Powerstretch Prima Jacket oder die angesagten Snæfell Parkas für Mädels.

Isländer müssen auch arbeiten…

Zurück zu unserem Island-Trip. Auch wenn draußen die Natur lockte – erst mal hieß es einen Tag im Besprechungsraum zu verbringen. Immerhin werden die Bergfreunde ab dieser Saison als einziger Händler in Deutschland das volle Sortiment von 66°NORTH führen und unsere beiden Einkäufer wollten sich durch die neue Kollektion für nächsten Sommer wühlen.

Zudem war es auch die perfekte Gelegenheit mal einen Eindruck zu bekommen, wo diese denn entsteht. Im Hauptsitz sind rund 60 Leute beschäftigt, die neben dem Verwaltungsteam eben auch die Schöpfer der einzelnen Produkte sind. Im internen Design- und Entwicklungsteam wurde bereits über neue Produkte für den Winter 2017/2018 gebrütet – ein Foto davon zu machen habe ich aber nicht gewagt. Direkt nebenan ist eine kleine Fertigungshalle mit allerlei interessanten Näh- und Spezialmaschinen. Dort werden Sonderanfertigungen realisiert, Produkte repariert oder einfach das richtige Abzeichen auf die Polizei-Jacke aufgebracht. Die eigentliche Produktion ist nicht mehr in Island, sondern mehrheitlich in Lettland – die Produktionskapazitäten in Island reichten nicht mehr aus.

Jetzt aber raus aus der Stadt: Fjorde, Gletscher und warmes Wasser

Was wir uns bei 66°NORTH außerdem noch mitgenommen haben: eine Liste von Tipps, was wir auf jeden Fall in den nächsten Tagen noch auf der Insel anstellen sollten. Da Benedikt das erste Mal die Insel besuchte, war ein Schnelldurchgang des „Golden Circle“ natürlich Pflicht: der Geysir Strokkur, der gigantische Wasserfall Gullfoss sowie der Thingvellir-Nationalpark, wo man glaubt den Kontinentalplatten beim Auseinandertriften zusehen zu können. Für mich heißt das Erinnerungen von vor 10 Jahren aufzufrischen – und zu realisieren, dass die Besucherzahlen explodiert sind.

Trotz Besucheransturm gilt aber weiterhin: wer die Wanderschuhe schnürt und 20 Minuten läuft, findet auch 2016 noch Ruhe. Beispielsweise auf einem der Gletscher – zumindest wenn man nicht da ist, wo die Touristen mit Ski-Doos auch hinkommen. Auch am Strand der Südküste standen wir einsam und alleine – bis auf zwei Möwen die uns schief anschielten.

Und Island ist das einzige (mir bekannte) Land, in dem man auch beim Zelten in der Wildnis auf fließend warmes Wasser hoffen kann: überall sprudelt aus der Vulkaninsel heißes Wasser und schickt beeindruckende Dampfschwaden über die Landschaft.

Auch wir Bergfreunde konnten uns das natürlich nicht entgehen lassen: nach einer einsamen Tageswanderung in Reykjadalur lagen wir tatsächlich bei gerade so zweistelligen Außentemperaturen in einem heißen Fluss und ließen es uns gut gehen.

Downtown: Party, Burger und Bier in stylischen Locations

Dass unsere airbnb-Unterkunft ziemlich zentral in Reykjavík gelegen war, soll nicht unerwähnt bleiben. Denn es lohnt sich gerade in den Abendstunden in der Hauptstadt unterwegs zu sein – auch wenn sie mit rund 200.000 Einwohnern keine Großstadt ist. Dafür ist sie voll mit genialen Locations in denen man vorzüglich futtern kann. Egal ob der Burger im legendären Kex-Hostel (eine ehemalige Keksfabrik gab den Namen), Fisch in der kleinen Bude im Hafen oder eines der vielen lokalen Biere im Laundromat – alles ist megalecker und jeder Innenarchitekt wird anerkennend das Interieur begutachten. Ach ja, und man erkennt schnell, wann 66°NORTH dann doch nicht das präferierte Outfit ist: Samstagabend, wenn Heerscharen junger Leute in kurzen Röcken und schicken Anzügen vor angesagten Clubs den frischen Temperaturen trotzen.

Vielen Dank an all die Mitarbeiter von 66°NORTH die uns so freundlich empfangen haben und ganz besonders Stephan Ottoson, der uns auch die folgenden Tage mit lokaler Expertise begleitete.

Bergfreunde Gear Tipp! (c) bergfreunde.de

Gear-Tipp: Ozone Lady Kletterschuhe

17. September 2016
Gear-Tipp!

Wie jeder Kletterer weiß, ist der Kletterschuh der wichtigste Gegenstand beim Klettern. Ohne Schuh geht nix! Deshalb muss der Schuh perfekt passen und man will keine Kompromisse eingehen. Der heutige Gear-Tipp von Bergfreundin Sina widmet sich diesem Thema und beleuchtet ihre neuen Lieblingsschlappen:

Ich habe unzählige Paar Schuhe anprobiert, bis ich endlich eines Tages den perfekten Schuh gefunden habe. Es war der Ocun Ozone in der Lady Variante. Der Schuh passte vom ersten Tag und daran hat sich bis jetzt nichts geändert.

Meine Erfahrung mit dem Schuh

Die Ocun Ozone ist seit Oktober mehrmals wöchentlich im Einsatz. Meist in der Halle, aber wenn das Wetter mitspielt auch mal draußen am Fels. Da ich in Westschweden wohne, wird vor allem an Granit geklettert. Heißt, er wird in Rissen gequält und auf Reibung geprüft. In schmalen Rissen tut sich der Schuh ein bisschen schwer, dafür hält er sich sehr gut auf kleinen Tritten und auf Reibung. Auch Heelhocks fühlen sich sicher an. Am Plastik traut man sich dank der Vorspannung auch auf kleinsten Tritten Druck zu geben. Das tolle am Schuh ist, dass ich ihn nicht nach einer Route ausziehen muss, sondern er so bequem ist, dass er meist ein komplettes Training am Fuß bleibt.

Was ist eigentlich so besonders am Ozone Lady?

Im Test: Die Ocun Ozone Lady KletterschuheDank des 3- Force-Systems sitzt der Schuh wie angegossen an meinem Fuß. Die Zehenbox ist im Gegensatz zu anderen Schuhen höher als normal. Dadurch hat man keine Druckstellen und trotzdem besten Halt im Schuh. Die Besonderheit des 3-Force-Systems ist, dass die Zehenbox von einem Gummistück komplett überzogen ist. Dadurch hält sich die Spannung besser. Auch die Ferse hat eine sehr hoch gezogene Gummisohle und Heelhocks fühlen sich sicher an.
Dazu stimmt die Optik. Mit den weißen Klettverschlüssen aus Leder, die mit Blumenmuster versehen sind und dem roten Kunstleder sind sie unauffällig auffällig.

Für wen eignet sich der Schuh

Wer Probleme hat, den großen Zeh in einen Kletterschuh zu bekommen, der sollte den Ocun Ozone auf jeden Fall ausprobieren. Die Schuhe habe ich eine Größe größer als Straßenschuhgröße gekauft. Er weitet sich durch die Gummieinfassung nicht. Die Frauen Variante ist schmaler geschnitten und an die weiblichen Füße angepasst.
Die Verarbeitung ist toll. Nach sechs Monaten sieht man Spuren an der Zehenspitze, aber man kann noch lange nicht von durchgekletterten Schuhen reden. Der restliche Gummi und das Leder macht immer noch einen soliden Eindruck und der Schuh wird auf jeden Fall noch ein paar Monate in Gebrauch sein.

Mein Fazit

Im Test: Die Ocun Ozone Lady KletterschuheIch habe meinen perfekten Kletterschuh gefunden! Wer immer Probleme damit hatte, seine Zehen in einen Schuh zu bringen, der sollte diesen Schuh auf jeden Fall mal anprobieren. Der Preis liegt bei 114,95 €. Jeder Cent, den man in diesen Schuh steckt, lohnt sich.

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Johanna, unser Neuzugang im Marketing

Johanna, unser Neuzugang im Marketing

16. September 2016
Die Bergfreunde

Es passiert letzthin viel bei den Bergfreunden: ein riesiges neues Lager ist am Start, wir feiern unser zehnjähriges Jubiläum und nebenbei wachsen wir ziemlich rasant. Es vergeht fast kein Monat, in dem nicht mindestens ein neuer Bergfreund bei uns aufschlägt. Ganz frisch im Team dabei ist Johanna, die sich als Vendor-Managerin vor allem um unsere Lieferanten kümmert. Was genau sie da macht, erzählt sich euch am besten selbst.

Hallo Johanna, herzlich Willkommen bei den Bergfreunden. Es ist gute Sitte, dass sich die neuen Kollegen erst einmal selbst vorstellen. Gib uns doch mal drei Sätze, die dich beschreiben:

Ich mag es turbulent und abwechslungsreich. Ich bin ein Frischluftfanatiker und habe regelmäßig Fernweh! In meiner Freizeit arbeite ich bei gemeinnützigen Projekten hier in der Region mit, das liegt mir einfach am Herzen und macht unglaublich viel Spaß.

Du bist jetzt noch ganz frisch bei den Bergfreunden, was genau ist deine Aufgabe?

Bei den Bergfreunden arbeite ich im Marketing, genauer gesagt im Kooperations-Marketing für unsere Lieferanten. Dort planen wir zum Beispiel welche Themen wir für euch mit den Marken genauer unter die Lupe nehmen wollen. Das könnte ein neues Material oder eine neue Kollektion sein, die im Shop erklärt werden. Oder: wenn das neue Edelrid Ohm bald im Newsletter präsentiert wird, dann habe ich da sicher irgendwie mitgesprochen. Außerdem arbeite ich am nächsten Magalog mit – das ist unser neues Print-Mailing, das ihr zum 10-jährigen Jubiläum in den Paketen gefunden habt. Also ein sehr spannender Bereich, in dem man durchs ganze Unternehmen vernetzt arbeitet.

Hier laufen ja jede Menge schräge Typen rum. Wie ist dein erster Eindruck vom Team?

Die schrägen hab ich bisher verpasst ;-)
Ganz ohne Lobhudelei: ich hab selten ein so aufgeschlossenes Team erlebt. Man wird von allen direkt aufgenommen und fühlt sich dazugehörig.

Wo kommst du eigentlich her? Ich schaffe es einfach nicht, bei dir einen Akzent rauszuhören!

Jetzt schmeichelst du mir aber! Ich bin wenige Kilometer entfernt vom Bergfreunde-Standort in Kirchentellinsfurt aufgewachsen. Wenn ich mich unbeobachtet fühle, blitzen meine schwäbischen Wurzeln sprachlich immer mal wieder hervor.

Lieblingsessen?

Eier mit Senfsoße, von meiner Mutter gekocht.

Wo trifft man dich in deiner Freizeit am ehesten? In welche Kategorie Bergfreund lässt du dich verorten?

Draußen. Und am liebsten direkt vor der Haustüre, im Schönbuch oder auf der Schwäbischen Alb. Und viel zu selten, aber liebend gern, mit einem dicken Roman auf dem Sofa.

Ich gehöre wohl zu den Multisportlern bei den Bergfreunden ;-)
Je nach Ort, Wetter und Laune bin ich für wandern, Fahrrad fahren, joggen oder schnorcheln zu haben. Ab und zu wage ich mich auch in die Boulderhalle.

Nehmen wir an, du könntest Dir drei Produkte aus dem Sortiment herausgrabschen – welche wären das?

Oh, das ist schwer! Meine Merkliste ist ziemlich lang.

Im Haushalt fehlt uns auf jeden Fall ein Zelt, da käme das Reinsfjell von Helsport gerade recht.

Was ich grade wirklich dringend brauche, sind neue Wanderschuhe. Am liebsten hätte ich den Trango TRK Evo von La Sportiva.

Und für den Winter fehlt mir noch die richtige Jacke. Da steht die Women’s Light Piz Bial von Ortovox auf dem Wunschzettel.

Hast du noch eine Nachricht, die die Leute da draußen hören sollten?

Da bediene ich mich gerne bei Oscar Wilde. Der hat mal geschrieben: „Reisen veredelt wunderbar den Geist und räumt mit all unseren Vorurteilen auf.“

Titelbild

Klettern im Kängurustyle Teil 3: Tasmanien

15. September 2016
Die Bergfreunde

Es gibt Fotos, die lassen dich nie wieder los. So ging es Georg, als er das Bild vom Totem Pole auf Tasmanien gesehen hat. Der Traum, diese dünne Nadel einmal zu klettern, blieb immer in seinem Kopf und letztendlich war sie der eigentliche Grund für unsere Australienreise. Jetzt, wo wir im Flugzeug in Richtung Tasmanien sitzen, ist sie wieder ganz präsent. Vielleicht wird dieser langersehnte Traum in ein paar Tagen erfüllt und Georgs Wunschliste um einen Gipfel kürzer?

Epic oder marvel

Über 1000 Kletterrouten gibt es allein in Launceston, doch uns zieht es aus vielerlei Gründen in Richtung Süden. Natürlich wegen dem Totem Pole, aber auch, weil es für unseren Geschmack zu viel Stadt, zu viele Menschen, zu viel Zivilisation ist. „Many climbs are only a 10 minute walk away from the city center and the weather is generally better here“ zu einfach und zu bequem, da suchen wir lieber das Abenteuer. Auf einer Insel, die fast nur aus unberührter Natur besteht macht das in unseren Augen mehr Sinn. Unsere erste Station heißt deshalb Ben Lomond: eine 30 Kilometer lange Dolerite Mauer, wie der Führer verspricht. „A place of epics and marvels“, das ist schon eher nach unserem Geschmack. Wie Orgelpfeifen stehen die Säulen dicht nebeneinander und bilden einen perfekten Riss neben dem anderen. Hunderte Linien von bis zu 200 Metern Höhe sind nur einen Katzensprung vom Parkplatz entfernt. Die einzige Unannehmlichkeit ist unsere Ausrüstung, denn wir haben nur wenige Friend-Größen doppelt dabei. In den nächsten Tagen geben wir uns deshalb fröhlichem Leap-froggen und wilder Seilführung hin, um wieder und wieder auf den Gipfel des Felsriegels zu klettern. Von der Local Loser buttress bis zu den Frew’s Flutes, wo wir in Routen wie Rajah, Barbe di Vendetta und Defender of the faith unsere Leidenschaft für Risse wiederentdecken. Und das in völliger Einsamkeit – wir sind nicht nur die einzigen Kletterer hier, sondern die einzigen Besucher weit und breit. In der „primitive camping area“ können wir es uns richtig gemütlich machen, in der Hängematte chillen und Wein schlürfen, den Abend verbringen wir philosophierend am Lagerfeuer. Könnte das Leben schöner sein?

Freycinet

Nicht der Sekt, sondern schneeweiße Strände vor türkis- und smaragdgrünem Meer. Die Ostküste Tasmaniens ist ein beliebte Urlaubsregion für Einheimische und Australier. Uns interessieren zudem die zahlreichen, kleinen Klettergebiete entlang der Küste. Vom Klippenklettern, bei dem man 30 bis 50 Meter zum Meer abseilen muss, bis zu kleinen Granitblöcken, die entlang der Felsküste verteilt sind. Orange leuchtende Flechten bilden einen einzigartigen Farbkontrast zu der wunderschönen Küste. Nur die kühle Brise und das unbeständige Wetter machen uns hier und da einen Strich durch unsere Rechnung, sodass es bei ein paar vereinzelten Routen hier und da bleibt. Nicht weiter schlimm, denn noch ist das unbeständige Wetter eine willkommene Abwechslung zur Hitze des australischen Festlandes und eigentlich sind wir ja nur auf der Durchreise in Richtung Süd-Osten, unterwegs zur Tasman Peninsula. Liebhaber von Traversen sollten aber eine Klettertour nicht auslassen: die zwei Kilometer lange Hazard Sea-level Traverse ist sicherlich ein Abenteuer für sich…

Klettern nach dem Mondkalender

Während auf „Mainland“ beim Autoverleih deutlich betont wurde, dass wir nicht auf ungeteerten Straßen fahren dürfen, gab es auf Tasmanien nur den kurzen Hinweis, dort bitte vorsichtig zu fahren. Der Grund ist bald klar, wer auf Tasmanien nur auf Teer unterwegs sein will, wird nicht weit kommen. Schon über Stunden brettern wir auf staubigen Schotterpisten dahin, immer tiefer hinein in die schattigen Eukalyptuswälder. Die Straße endet in der idyllischen Fortescue Bay, dem Ausgangspunkt für die hiesigen Sea-Stacks. Wie es scheint vor allem ein guter Platz zum Angeln, denn es wimmelt nur so von Fischern. Wanderer und Kletterer verirren sich zumindest zu dieser Jahreszeit vergleichsweise selten hierher. Wir reißen unsere Rucksäcke aus dem Auto und sind schon unterwegs in Richtung Cape Huay. Über Holzstege durch unberührte Natur erreichen wir keine Stunde später den Klippenrand und recken neugierig unsere Hälse in Richtung Abgrund. Noch nichts zu sehen. Ein schmaler Pfad führt durch die steile Böschung abwärts und in einer Querung um die Kante herüber zum Abseilstand. Erst hier kommt vom Klippenrand die dünne Felsnadel in Sicht: wie eine zerbrechliche Kerze aus Stein steht der Totem Pole zwischen den hohen Wänden von tasmanischer Küste und dem Nachbarfels des Candle Stick. Allein dieser Anblick war die ganze Reise wert, doch wir wollen mehr. Wir wollen hinauf und dazu müssen wir erst einmal hinunter zur Basis. Vom unteren Stand wollen wir einer nach dem anderen zwischen zwei Wellen zum Stand am Totem Pole überwechseln. Doch der Tidenhub ist gewaltig! Der Wasserspiegel steigt bei jeder Welle um mindestens 1,5 Meter und fegt uns fast vom Stand- keine Chance um da herüber zu kommen! Wir müssten zum Totem Pole schwimmen. Die ernüchternde Einsicht: ohne Ebbe-Phase geht hier gar nichts.

Übung macht den Meister

Der Totem Pole hat bei uns schon nach dieser kurzen Erkundungstour seine Spuren hinterlassen. Eingeschüchtert durch die Naturgewalten schleichen wir ins Camp zurück, in den Köpfen schwirren lauter Fragezeichen. Wie soll das gehen, auch bei der größten Ebbe schwappen uns doch die Wellen weg, und wie funktioniert die Tiroler Traverse ganz konkret?! Einstimmig ziehen wir uns in ein etwas gemäßigteres Übungsgelände zurück, am Cape Raoul gibt es eine Vielzahl kleinerer Nadeln die man trockenen Fußes erreichen kann. Dafür müssen wir allerdings eine lange Wanderung auf uns nehmen. Wie Orgelpfeifen stehen die dünnen Felsnadeln nebeneinander, dahinter leuchtet blau das Meer. Die Basaltsäule Finger of Blame passt irgendwie zu unserer Situation und ist mit drei Sternen bewertet. Zudem ist es die dünnste Nadel, ein bisschen Adrenalin muss sein. Aufgrund der angekündigten „terrible exit pitch“ fixieren wir beim Abseilen in die Schlucht eines unserer Halbseile, um später daran hinauf zu prusiken. Ab hier geht es also mit einem Strang weiter. Über eine lange Traverse erreichen wir seine benachbarte Felsnadel, wo uns eine drei Meter breite und 30 Meter tiefe Schlucht vom Finger of Blame trennt. Kein Problem für Georg, der beim Abseilen kurz herüber schwingt, aber jetzt soll ich folgen. „Nimm deine Sicherung heraus und spring!“ Mein Zeigefinger wandert zur Schläfe, das hat er doch nicht ernst gemeint, oder? Wir wollten doch die Tiroler Traverse üben?! Ich fixiere das Seilende und schwebe gesichert zu Georg herüber, der jetzt über die glatte Mauer zum Gipfel hinauf tanzen darf – eine schlappe 8-. Im Nachstieg schrubbt das 7.8 mm Tendon Master über die scharfe Kante des Gipfels. „Vielleicht solltest du das Seil nicht unbedingt zu sehr belasten“… Georg versteht es die Motivation beim Klettern aufrecht zu erhalten. Ein Blick in die Tiefe gibt mir die nötige Kraft um den winzigen Gipfel zu erreichen, von dem wir über unsere „Tyrolean“ elegant zum Ausgangspunkt herüber seilen. Genauso machen wir das am Totem Pole, auf zum Cape Hauy!

Klettern nach dem Mondkalender

Mondkalender sind nicht unbedingt unser Ding, weder beim Haareschneiden noch beim Blumengießen. Aber hier am Pole ist er das Ass im Ärmel. Es geht um Nippfluten und den Stand von Sonne, Mond und Erde. Ganz abgesehen von Windstärken und Hoch- und Tiefdruckgebieten, denn neben Tide ist das Wetter momentan unser größter Feind. „Four seasons a day is typical Tassie weather„, lacht der Ranger auf die Frage nach einem Wetterbericht. Gute Bedingungen am Pole sind unvorhersehbar, für uns wie ein Sechser im Lotto. Nach einigem Abwarten beschließen wir, es einfach zu versuchen. Wo ein Wille ist, da gibt es auch einen Weg…

 

Material

Tendon Master 7.8mm (Halbseile) und Tendon Hattrick 10.2mm (Einfachseil)

Singing Rock Onyx und Garnet, Helm Penta, Karabiner, Expressen und Risskletterhandschuhe Chocky

Totem Cams und Basic Totem Cams von Totem

Kletterschuhe Tenaya RA und Triop Tiger

Optimus Polaris Kocher (Benzin und Gas) mit Optimus Terra Lite HE Cook Set Töpfen

LEKI Micro Vario Carbon

ENO Doublenest Reisehängematte

Kaufberatung MTB-Reifen

MTB-Reifen: Immer der richtige Grip

14. September 2016
Kaufberatung

Trocken, matschig, steinig, schneereich, voll mit Laub – die Trails dieser Welt kommen schon manchmal sehr unterschiedlich daher. Da ist es relativ schnell klar, dass die Wahl der passenden Mountainbike-Reifen kein triviales Thema ist. Das geht sogar so weit, dass sich Profis im Vorfeld eines Rennens die Reifen mit Schleife und Schere anpassen. Soweit wollen an dieser Stelle nicht gehen. Stattdessen geben wir euch einen Überblick darüber, welche Reifen für welche Situation geeignet sind und was es bei den einzelnen Modellen zu beachten gibt. Viel Spaß!

MTB-Reifen: Falt oder Schlauch?

Wie bei jeder anderen Raddisziplin stellt sich auch beim Mountainbiken zunächst die Frage, ob die Wahl auf Falt- oder Schlauchreifen fällt. Faltreifen haben den Vorteil, dass man sie nicht austauschen muss, wenn man einen Platten hat, denn sie sind nicht direkt mit dem Schlauch verbunden. Faltreifen sind eine Form der Drahtreifen, bei denen ein Bündel aus Aramidfäden eingearbeitet ist, das eine Wulst bildet, die sich in die Felge setzte. Dem gegenüber stehen Schlauchreifen. Bei dieser Bauart ist der Mantel direkt mit dem Schlauch verbunden. Der Reifen wird dann mit Reifenkitt oder Felgenklebeband auf die Felge geklebt. Der Vorteil: Sie sind leichter und haben einen geringeren Rollwiderstand. Die Reparaturen sind allerdings aufwendiger. Kleinere Löcher können mit Pannenmilch gedichtet werden, bei größeren Beschädigungen muss der Reifen aber komplett ersetzt werden.

Griffige Schulter, leichtrollende Basis

Die Wahl des passenden Profils ist eine kleine Wissenschaft für sich. Ähnlich wie bei Schuhen gibt es auch bei MTB-Reifen große Unterschiede, die sich natürlich am zu befahrenden Untergrund festmachen lassen. Neben Allroundern, wie zum Beispiel dem Hans Dampf von Schwalbe, der ein sehr gleichmäßiges Stollenprofil aufweist, gibt es auch Spezialisten, wie den Rock Razor. Er hat feinere Stollen an der Lauffläche und gröbere Stollen an der Schulter, so dass er sich prima bei eher trockenen Bedingungen fährt und vor allem einen geringen Rollwiderstand mitbringt.

Gib Gummi

Der heilige Kral aller Reifenhersteller ist natürlich ihre Gummimischung. Die ist je nach Einsatzbereich ebenfalls unterschiedlich und hört auf so fulminante Namen wie Black-Chili oder TrailStar. Wie bei  allen anderen Reifen gilt auch hier: Je weicher der Gummi, desto griffiger ist er. Allerdings nutzt der Reifen sich dadurch auch schneller ab. Je härter die Gummimischung ist, umso weniger Rollwiderstand hat man, was allerdings zu Lasten des Grips geht. Auch ist ein Allrounder für den Hobbyfahrer die passende Lösung. Für Profis kann die richtige Wahl mitunter rennentscheidend sein.

Robust oder doch eher leicht?

Wer gerne technische Trails unter die Räder nimmt, der weiß um den Wert eines robusten Reifens. So haben z.B. Modelle wie der Trail King von Continental einen Rund-um-Pannenschutz, damit er besser vor Beschädigungen vor Steinen geschützt ist. Das geht natürlich zu Lasten des Gewichts und könnte daher für sportlichere Crosscountry- oder Marathon-Fahrer unattraktiv sein. Sie bevorzugen eher leichtere Reifen, die dafür etwas pannenanfälliger sind. Dazwischen gibt es aber auch Modelle die nur verstärkte Seiten oder eine verstärkte Lauffläche haben und so einen guten Kompromiss zwischen Schutz und geringem Gewicht bieten.

Last but not least: Der richtige Luftdruck

Jetzt wird es richtig kompliziert – denn die Wahl des passenden Luftdrucks im MTB-Reifen ist unter Mountainbikern immer wieder ein heiß diskutiertes Thema. Klar ist: Je weniger Druck im Reifen, desto besser der Grip. Allerdings muss man natürlich genau aufpassen, dass man nicht so wenig Luft hat, denn sonst wird die Felge durch Durchschläge malträtiert. Daher bewegen sich vor allem abfahrtsorientierte Biker eher am unteren Rand des empfohlenen Luftdrucks, während sportlichere Fahrer eher mehr Luft auf den Reifen geben, damit der Rollwiderstand verringert wird. Weitere Tipps zur richtigen Wahl des Luftdrucks beim Mountainbike gibt’s hier.

Bergfreund Jan auf dem Beacons Way

Bergfreund Jan auf dem Beacons Way in Wales

12. September 2016
Die Bergfreunde

„It is a strenuous walk with plenty of ascents and descents. Parts of the route across open moorland can be difficult to navigate in poor weather – this and the isolation of these sections can make following parts of the route hazardous. The Beacons Way can be walked in its entirety in about 8 days but could easily take twice as long as there is so much to explore and enjoy en route”(en.wikipedia.org).

Warum ich hier mit einem englischen Zitat aus Wikipedia beginne, hat gleich zweierlei Gründe: Einerseits gibt es zu dem malerisch gelegenen Weitwanderweg kaum Informationen auf deutscher Sprache, andererseits könnten diese wenigen Zeilen kaum treffender beschreiben, was Bergfreund Jan im August 2012 selbst erlebt hat. (mehr …)

Höhenangst begegnen (c) Erika Spengler ulligunde.com

Kleine Frau, großer Fels – Ulligundes Bergkolumne: Höhenangst begegnen

7. September 2016
Ulligundes Bergkolumne

Ein klammes Gefühl, zitternde Knie, schwitzende Finger. Im Kopf beginnt sich alles zu drehen, Panik macht sich breit: Viele Menschen leiden unter Höhenangst. Einige davon möchten sie aber losbekommen. Daher die gute Nachricht gleich vorweg: Es gibt kaum eine Angststörung, der man durch gezieltes Training besser entgegentreten kann!

Kleine Schritte, große Erfolge

Um die Angst vor der Höhe erfolgreich zu bekämpfen, braucht es zwei Zutaten: Das vorsichtige Verlassen der Komfortzone und Erfolg. Jedes Mal, wenn wir uns unserer Angst stellen, muss diese Herausforderung von einem kleinen Erfolgserlebnis gekrönt sein. Hat man hingegen danach das Gefühl, nur knapp dem Tod entronnen zu sein und eindeutig zu viel riskiert zu haben, wirkt sich die Aktion negativ in unserem Gedächtnis aus und die Angst wird nur vergrößert. Der Kopf denkt sich dann quasi: „Hab ich doch gleich gesagt, ist gefährlich!“ und macht das nächste Mal noch früher zu.

Was im Kopf geschieht

Bei einem echten Anfall von Höhenangst schaltet der Kopf komplett ab. Betroffene reagieren jeweils ganz unterschiedlich – manche werden stumm, andere aggressiv, wieder andere beginnen zu weinen. Diese Reaktionen können kaum beeinflusst werden, auch eine pampige Antwort ist letztendlich nicht so gemeint. Es herrscht Alarm im Kopf, die Person mit Worten noch zu erreichen, ist häufig schwer. Das müssen sich vor allem die Tourenpartner bewusst machen. Hier zählen Geduld, Verständnis und präzise Anweisungen.

Wenn die Angst kommt

Höhenangst begegnenWichtig ist, dass man schnell reagiert. Speziell wenn Du bereits weißt, dass Dir exponierte Stellen Probleme bereiten, solltest Du Deinen Tourenpartner rechtzeitig vorwarnen. Schleicht sich dann die Angst ein, solltest Du zunächst einmal anhalten und den Augen einen nahen Fixpunkt geben, sodass etwaiger Schwindel wieder abflacht. Setze Dich kurz hin oder geh zumindest in die Knie, damit der Boden näher und die Angst „umzufallen“ kleiner ist.

Häufig beschleunigt sich bei Angst die Atmung, wodurch dem Kopf ein Sauerstoffmangel signalisiert wird, was wiederum für ein noch größeres Angstgefühl sorgt. Gleichmäßiges, lautes Atmen ist also die Grundregel in solchen Fällen. Der Tourenpartner braucht Geduld und Verständnis – Sätze wie „jetzt stell dich doch nicht so an“ oder „das ist doch gar nicht schwer!“ sind absolut tabu!

Lässt es das Gelände zu, schüttle Arme und Beine aus. Alternativ kannst du alle Muskeln im Sitzen für wenige Sekunden anspannen. Dadurch lockerst Du Verkrampfungen. Achte jedoch weiterhin auf die tiefe Atmung!

Sich der Angst stellen

Hat sich der Puls wieder normalisiert, ist es Zeit, sich der Herausforderung zunächst mental zu stellen. Schaut Euch gemeinsam die Stelle an und legt Euch einen Schlachtplan zurecht. Sollte der stärkere Partner zuerst oder zuletzt gehen? Wo ist der nächste Rastpunkt? Ist die Stelle besonders lang, kann sie womöglich aufgeteilt werden. Zuerst einmal gilt es, die ersten vier Meter anzutesten und dann wieder zurückzugehen – wenn möglich, diesen Versuch ein- bis zweimal wiederholen. Das ist besonders ratsam, wenn über eine solche Stelle auf dem Rückweg ohnehin auch wieder abgestiegen werden muss!

Mutig sein

Nach einer weiteren kurzen Verschnaufpause wird es dann ernst: Der Tourenpartner gibt während des gesamten Manövers kurze, präzise Anweisungen und atmet am besten ebenfalls laut mit. Die tiefe Atmung ist der Schlüssel zum Erfolg! Der Fokus liegt ausschließlich auf dem jeweils nächsten Griff bzw. Tritt. Am ausgemachten Rastpunkt kannst Du dich wieder hinsetzen, Deinen Augen einen neuen Fixpunkt geben und weiter ruhig atmen. Fehlt es an einem Partner, sage Dir am besten die Anweisungen selbst vor – ruhig auch laut, wenn Du sowieso allein an dieser Stelle bist. Welcher ist der nächste Griff, welcher der nächste Tritt? Wie viele Meter noch? Gleich hab ich’s geschafft, ruhig bleiben! Ich kann das!

Angst verlieren

Ist eine Stelle geschafft, muss dieser Erfolg natürlich auch gebührend gefeiert werden! Für andere mag das ein unspektakulärer Abschnitt gewesen sein, für Dich aber in diesem Moment war es ein fundamentaler Schritt in Richtung Angstbekämpfung! Lass Dich nicht von anderen verunsichern, mach Dein Ding. Mag sein, dass andere besser über Grate tänzeln können, Du kannst dafür wahrscheinlich besser kochen, fotografieren oder singen.

Das richtige Maß

Wenn Du im Nachhinein das Gefühl hast, dass es „ja gar nicht so schwer“ war, dann hast Du alles richtig gemacht und nachhaltig ein kleines Stück Deiner Angst bewältigt. Achte immer darauf, kleine Schritte zu machen und nichts zu riskieren. Verwende lieber einmal mehr ein Seil, anstatt Dich womöglich nie mehr Deiner Angst stellen zu können. Und wenn es doch einmal nicht geht: Keine Bange, die Berge laufen nicht weg. Wenn Du Dich weiterhin immer wieder mal Deiner Angst stellst, wirst Du in ein, zwei Jahren wiederkehren und diese Stelle wahrscheinlich völlig angstfrei begehen können. Glaub mir, ich weiß, wovon ich spreche!

Erika schreibt in ihrem Blog ulligunde.com auf spannende Art über ihre Touren in Fels, Eis und Schnee. Wo sie sich vor wenigen Jahren noch auf normalen Wanderwegen ernsthaft fürchtete, durchsteigt sie inzwischen selbstständig alpine Klassiker.

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Bouldern mit Kindern

7. September 2016
Tipps und Tricks

Wer hätte sich das als Kind nicht gewünscht: Eine Wand an der man Klettern kann und darunter eine dicke weiche Matte, die eigentlich fast jeden Sturz verzeiht. Für Kinder sind Boulderhallen ein Traum.

Aber was sollte man beachten und bedenken, wenn man mit Kindern in eine Boulderhalle geht? Wir beantworten hier die wichtigsten Fragen.

Ab welchem Alter kann ein Kind Bouldern?

Die gute Nachricht: im Grunde ab jedem Alter. Kinder Klettern häufig noch instinktiv und verfügen über eine so gute Technik, dass wir Erwachsene nur neidisch mit den Ohren schlackern können – mal ganz zu Schweigen von der Beweglichkeit.

Allerdings sind die Boulder für die Größe der Erwachsenen geschraubt und die Griffe für Erwachsenenhände gemacht, das kann manchmal für die Kleinen etwas frustrierend sein. Daher haben viele Boulderhallen inzwischen eigene Bereiche oder Räume für Kinder eingerichtet.

Welche Boulderausrüstung brauchen Kinder?

Noch eine gute Nachricht: Beim Bouldern ziemlich wenig. Im Grunde braucht es nur ein Paar Schuhe und eine bequeme Hose. Bei den ersten Besuchen reicht es vollkommen die (sauberen) Schuhe aus dem Sportunterricht zu nehmen oder in der Halle Schuhe zu leihen. Entscheidet sich das Kind dazu, häufiger Bouldern zu gehen, kann man über eigene Schuhe nachdenken.

Diese sollte man nicht zu eng wählen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Kletterschuhe Schmerzen bereiten müssen. Das stimmt schon bei Erwachsenen nicht und bei Kindern schon gar nicht.

Kinderfüße befinden sich im Wachstum und sollten nicht unnötig malträtiert werden. Daher gibt es spezielle Kletterschuhe für Kinder. Diese sehen nicht nur schick aus, sie lassen sich häufig auch in der Größe anpassen.

Mit Kindern in die Boulderhalle

Boulderhallen sind ein kleines Paradies für Kinder. An den Wänden kann man hochklettern und auf dem Boden liegt eine dicke und wunderbar weiche Matte. Diese dämpft nicht nur jeden Sturz, auf denen kann man auch wunderbar herumtollen und rennen und hüpfen und wahnsinnig viel Spaß haben.

Und da auf den ersten Blick in Boulderhallen keine Gefahr zu erkennen ist (der Baum im Garten ist wesentlich höher und hat keine Matte darunter), neigen leider manche Eltern dazu ihre Kinder an der Matte abzugeben und sich auf einen Kaffee an den Tresen zu setzen. Dabei vergessen sie aber ein paar entscheidende Punkte oder wissen sie nicht.

Beim Bouldern klettert der Boulderer an seinem Limit – bis er abfällt. Das Fallen gehört beim Bouldern dazu. Daher auch die dicken Matten. Zwar können geübte Boulderer ihren Sturz einigermaßen steuern, so dass sie sich nicht verletzten, aber sie können nur bedingt darauf reagieren, was unter ihnen geschieht. Daher sollte der Sturzraum unter einem Boulderer immer freigehalten werden!

Ein 70kg schwerer Mann, der aus einer Höhe von 3m fällt, entspricht einem Gewicht von 210 kg – das ist ein ausgewachsenes Gorillamännchen. Das kann für ein Kind gefährlich werden. Also das Gewicht, nicht das Gorillamännchen.

Aber nicht nur für das Kind. Ein Kollege von uns stürzte beim Bouldern. Im Fallen sah er zum Glück noch das Kind unter sich und schaffte es auszuweichen. Durch die ungeplante Flugbahn landete er jedoch so unglücklich auf der Matte, dass er sich den Fuß verletzte. Wäre das Kind nicht dort gestanden, wäre er wie gewohnt gelandet und hätte die kommenden Wochen weiter Bouldern können.

Eltern müssen unbedingt in Boulderhallen darauf achten, dass ihre Kinder nicht unter den Boulderern hindurch laufen oder stehen. Leider hilft es nicht, es den Kindern einmal zu sagen. Viele Hallen haben daher inzwischen Regel geschaffen, die verlangen, dass sich Eltern immer gemeinsam mit ihren Kindern auf der Matte aufhalten und sie beaufsichtigen. In manchen Hallen oder Bereiche für Kinder gesperrt oder für diese reserviert. Einige Hallen verlangen auch, dass Kinder vor der eigenständigen Nutzung einen „Boulderführerschein“ machen.

Wer selbst nachrechnen will welche Kräfte sich bei einem Sturz entwickeln, kann dies mit dem Bergfreunde Aufprallkraft-Rechner tun.

Kindergeburtstag in der Boulderhalle

Viele Boulderhallen bieten die Möglichkeit, dort einen Kindergeburtstag zu feiern. In der Regel steht dann ein Raum zum Kuchenessen und ein Betreuer zur Verfügung. Dieser weiß nicht nur, welche Boulder in der Halle auch für Kinder geeignet sind, er oder sie kennen meist eine Reihe guter Boulderspiele, die den Kleinen den Sport näher bringen und den Nachmittag spannend gestalten. Allerdings variieren die Angebote in den Hallen. Einfach mal in der Halle Umfang und Kosten erfragen.

Gesundes Training

Bouldern und Klettern unterscheiden sind in der Belastung des Bewegungsapparates vom Klettern. Während das Klettern mehr Ausdauerkraft benötigt, ist beim Bouldern eher die Maximalkraft gefordert. Das macht das Bouldern gerade bei Jugendlichen sehr beliebt. Die Belastung der Sehen, Bänder und Gelenke ist jedoch wesentlich höher als beim Klettern.

Wenn Jugendlich anfangen regelmäßig zu trainieren, sollte man darauf achten, dass dies unter fachkundiger Anleitung geschieht um Überbelastungen und einseitige Belastungen zu verhindern.

Inzwischen bieten die meisten Boulderhallen Trainingsgruppen und Kurse für Kinder und Jugendliche an.

Mit Kindern zum Bouldern an den Fels

Noch schöner als in der Halle, ist es natürlich draußen Bouldern zu gehen. Dafür braucht es, im Gegensatz zum Klettern, nicht viel mehr, als in der Halle: Boulderblöcke, trockenes Wetter und ein Crashpad, schließlich liegen im Wald keine Matten herum.

In der freien Natur zu Bouldern ist nicht nur für Erwachsene eine tolle Erfahrung. Für Kinder kann der Wald zu einer wahren Spielwiese werden. Dabei lernen sie, neben dem Bouldern, im besten Fall auch noch die Bewegung an der frischen Luft zu lieben und wie man sich in der Natur bewegt ohne diese zu belasten.

Allerdings sollte man bei der Auswahl des Bouldergebietes die Bedürfnisse der Kinder berücksichtigen. Auf folgendes sollte man achten:

  • Der Zustieg sollte nicht zu lang und mühsam sein
  • Es sollten Boulder vorhanden sein, die in Höhe und Schwierigkeitsgrad für Kinder in Frage kommen
  • Die Boulder sollten sehr gute Landezonen haben
  • Im Sommer sollte das Gebiet ausreichend Schatten bieten

Viele Bouldergebiete geben inzwischen an, welche Gebiete für Kinder geeignet sind. Boulderspiele können helfen, das Bouldern für eine längere Zeit spielerisch interessant zu halten.

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