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Eine Kaufberatung für Biwaksäcke

Der Biwaksack – die wahrscheinlich schönste Plastiktüte der Welt

12. Oktober 2017
Kaufberatung

Der Begriff ‚Biwak‘ ist abgeleitet von dem französischen Wort bivouac, das Feldlager oder Nachtlager bedeutet. Das Biwakieren ist neben dem Zelten oder einer Hüttenübernachtung ein weiterer gebräuchlicher Weg, seine Nächte in der Natur zu verbringen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Varianten hat man dabei aber in aller Regel kein Dach über dem Kopf, es sei denn man schläft in einer der sehr spartanisch ausgestatteten Unterkünfte, die auch als Biwakschachtel bekannt sind. Hat man diesen Luxus nicht und ist trotzdem auf einen wetterfesten Schlafplatz angewiesen, führt wohl erstmal kein Weg an einem Biwaksack vorbei. Was die können und worauf beim Kauf zu achten ist, verraten wir Dir im folgenden Artikel.

Was genau versteht man unter biwakieren im Biwaksack?

Um es möglichst kurz zu machen: biwakieren mit Biwasack ist in etwa sowas wie zelten, nur eben in einer Tüte. Nur dass man in dieser Tüte nicht unbedingt immer übernachtet, sondern manchmal auch bloß kurz drinsitzt, um schlechtes Wetter vorbeiziehen zu lassen. Oder um nach einem Unfall die Wartezeit auf die (hoffentlich eintreffende) Rettung besser zu überstehen.

Wenn möglich sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, für was der Biwaksack auf der Tour dienen soll. Vor allem bei kürzeren Pausen darf der Sack etwas atmungsaktiver sein, sonst sammelt sich das Kondenswasser recht schnell an der Innenseite und tropft von dort munter auf Klamotten oder Schlafsack.

Das klingt zugegebenermaßen nicht sehr einladend und ist es auch nicht immer. Das Biwakieren hat viele Gesichter, hier zwei davon:

Das nette Gesicht:

Hoch oben auf diesem malerischen Bergvorsprung liegt ihr windgeschützt unter dem irren Sternenhimmel in dieser gemütlichen, leichten und atmungsaktiven Zweipersonen-Wundertüte. Zusammen mit der oder dem an dich gekuschelten Liebsten genießt du ein entspanntes Hochgefühl. Du bist fasziniert von der Erhabenheit deiner Gedanken, bis du irgendwann friedlich davon schlummerst…

Das launische Gesicht:

Hoch oben auf diesem abgelegenen Bergvorsprung holen euch die aus dem Nichts aufgezogenen Wolkentürme ein und schlagartig schüttet es aus Eimern. Der Einstieg in den Biwaksack, der natürlich ganz unten im Rucksack liegt, dauert wegen der heftigen Windböen sowie der verschwitzten und jetzt auch ruckzuck nassen Klamotten etwas länger. Das Innere des Biwaksacks wird dabei fast so nass wie die Außenseite.

Nachdem ihr endlich beide drin seid, müsst ihr den Reißverschluss komplett zuziehen und euch so zusammenkauern, dass euch der wild flatternde Stoff nicht ständig ins Gesicht klatscht. Das Aneinanderkuscheln war schonmal angenehmer. Es scheint trotz Schutzhülle schnell kälter zu werden und die Luftqualität hier drinnen wird auch nicht besser. Ihr müsst ständig das Material des Sacks auf Abstand halten, denn bei direktem Kontakt kühlt das klamme Zeug eher aus als zu wärmen. Ihr habt keine Ahnung, ob das Unwetter in einer halben Stunde oder erst in einem halben Tag durch sein wird. Höchste Zeit für ein paar erhabene Gedanken …

Die meisten Biwakaufenthalte pendeln sich irgendwo zwischen diesen beiden Versionen ein. Der Sternenhimmel wird es eher selten sein, denn wenn man den sehen und genießen kann, braucht man den Biwaksack eigentlich nicht. Dann tut es meist der Schlafsack allein, vor allem wenn er neben kuscheliger Wärme auch ein bisschen Windschutz bietet und Feuchtigkeit fernhält. Das können heutzutage sehr viele Schlafsäcke.

Auch der überraschende Wettersturz wird es angesichts flächendeckender Netzabdeckung mit allzeit verfügbarer Wetterprognose und Echtzeit-Tourenplanung nur noch selten sein. Zumindest für gemäßigte Bergfreunde in den Alpen und Mitteleuropa. So lange es allerdings noch unvorhersehbare Wetterlagen und abgelegene Gebiete gibt und so lange Menschen mehrtägige und anspruchsvolle Touren machen, wird der Biwaksack seine Existenzberechtigung behalten.

Was ist der Biwaksack und wofür brauche ich den eigentlich?

Um es möglichst kurz zu machen: der Biwaksack ist die Tüte, in der man beim Biwakieren sitzt oder liegt.

Das Teil besteht im einfachsten Fall aus einer zusammengenähten, mehr oder weniger wasserdichten Ober- und Unterseite aus Kunstfasern. In der Oberseite befindet sich ein Schlitz, der das Reinschlüpfen ermöglicht und das Gesicht frei lässt. Es gibt Säcke für eine Person oder für zwei, letztere mit dem Vorteil der größeren Wärmeerzeugung und dem Nachteil der umständlicheren Handhabung.

Ein Biwaksack ist leichter und billiger als ein Zelt und ermöglicht es (zumindest theoretisch), jederzeit und überall einen wettergeschützten Unterschlupf aufzubauen. Funktionskleidung allein reicht dafür nicht immer, denn wenn schlechtes Wetter lang genug anhält, findet Nässe in der Regel immer einen Weg hinein. Der Biwaksack kann dann zum sprichwörtlichen Lebensretter werden.

Grundlegende Eigenschaften eines Biwaksacks

Kurzzeitig bieten auch günstigere Biwaksäcke einen passablen Wind- und Nässeschutz. Allerdings halten sie den Belastungen von heftigen Böen, ruppigen Bewegungen der Biwakierenden oder Kontakten mit Schuhen und anderem Equipment nicht allzu lange stand. Die Druckbelastung durch das Sitzen oder Liegen auf dem Material kann überraschend schnell zur Durchfeuchtung führen.

Hier solltest Du darauf achten, dass das Bodenmaterial eine Wassersäule von mindestens 2.000 mm aufweist (besser deutlich mehr, denn beim Hocken auf dem Biwaksackboden kann die Belastung noch viel höher werden).

Für alle Modelle eher schwierig einzuschätzen ist der erreichbare Wärmegewinn. Dieser hängt mindestens so stark von der Situation wie vom Modell und individuellen physiologischen Faktoren ab. Daher lässt sich hier leider keine pauschale Aussage treffen. Entscheidender, als die Stärke des Materials, ist hier die Luftschicht, die man idealerweise als Isolation zwischen dem eigenen Körper und dem Biwaksack hat.

So weit so einfach. Komplizierter wird es, wenn die viel beschworene Atmungsaktivität ins Spiel kommt, und mit ihr die Beschichtungen, Membranen und Laminate, die sich je nach gewünschten Eigenschaften entweder an der Ober- oder Unterseite oder beidseitig befinden.

Dann kommt von komplett verschließbaren 3D-Kapuzen mit Moskitonetz, über anatomische Fußboxen bis zu zeltartigen Gestängebögen noch eine Menge möglicher Zusatzausstattung hinzu, die ebenfalls die Eigenschaften bestimmt.

Worin unterscheiden sich Biwaksäcke?

Aus den obigen Überlegungen wird klar, welche unterschiedlichen Anforderungen der perfekte Biwaksack erfüllen muss. Oder besser gesagt müsste, denn diesen eierlegenden Wollmilchsack gibt es leider (noch) nicht.

Bis dieses Wunderding kommt, müssen wir uns bei der Entscheidung für ein Modell zwischen folgenden drei Schwerpunkten bewegen:

  1. Komfort (Atmungsaktivität, Platz, Ausstattung)
  2. Geringer Gewicht und Packmaß
  3. Wetterschutzfaktor (Materialqualität und -robustheit, komplett dichte Verschließbarkeit)

Einen Biwaksack, der alle drei Kriterien in hohem Maße erfüllt, gibt es nicht. Es ist wie beim Autokauf, wo du ebenfalls trotz aller Hightech-Euphorie nach wie vor keinen Rennwagen bekommst, der zugleich auch familientauglicher Großtransporter und Umweltfreund mit Minimalverbrauch ist.

Immerhin lassen sich beim Biwaksack zwei der drei Schwerpunkte gut unter einen Hut bekommen, sprich 1) und 2) oder 1) und 3). Bei 2) und 3) wird es schon schwieriger bzw. deutlich teurer, aber immer noch machbar.

Welche Materialien kommen bei Biwaksäcken zu Einsatz?

Die gewünschten Kriterien entscheiden über die Zusammensetzung des Materials und über die Konstruktion des Biwaksacks. Zählen wir zuerst die Materialien auf:

Hauptbestandteil der meisten Ultraleicht-Modelle ist eine stabile, oft mit Aluminium bedampfte Folie. Derartige Biwaksäcke können im ungünstigen Fall schon nach einfachem Gebrauch beschädigt oder unbrauchbar sein, sind aber auch ausdrücklich nur als Notfallreserve, ähnlich wie eine Rettungsdecke, gedacht.

Bei den robusteren Basic-Modellen kommt ein zeltähnliches Nylon- oder Polyestergewebe mit Polyurethanbeschichtung (PU-Beschichtung) zum Einsatz. Nylon-, Polyester- und Baumwoll-Mischgewebe sind ohne eine solche Beschichtung nicht wasserdicht. PU verleiht dem Trägermaterial aufgrund seiner hohen Dichte bei gleichzeitiger Flexibilität seine funktionellen Eigenschaften.

Neben PU kommt auch das zumeist als höherwertig eingestufte Silikon zum Einsatz. Silikonbeschichtungen sind elastischer, langlebiger und teurer als andere Beschichtungen. Sie erhöhen nicht nur die Reißfestigkeit, sondern auch die UV-Stabilität des Trägermaterials. Zudem sind sie deutlich leichter als PU-Beschichtungen mit vergleichbarer Wasserdichtigkeit.

Biwaksäcke mit Membran

Bei aufwändigeren Biwaksäcken kommen auch Membranen zum Einsatz. Wie diese genau funktionieren und wo die Vorteile gegenüber einer Beschichtung liegen, kannst Du hier nachlesen.

Wenn Du auf eine Membran Wert legst, sei zunächst gesagt: Im praktischen Einsatz wirst Du in Sachen Atmungsaktivität eher geringe Unterschiede zwischen den bekannten Markenmembranen wahrnehmen. In der Regel kommen alle Technologien ab einer bestimmten Feuchtigkeitsmenge und/oder Temperaturverteilung an ihre Grenzen.

Für alle Beschichtungen, Laminate und Co. gilt, dass sie Gewicht und Packmaß in die Höhe schrauben, genauso wie jedes andere zusätzliche Detail auch. Je mehr Schutz, Vielseitigkeit und Funktionalität der Materialmix bietet, desto mehr Gewicht und Packmaß muss getragen werden. Auch jedes Komfort-Plus, z.B. durch mehr Platzangebot oder praktische Details wie abgedeckte Reißverschlüsse wiegt extra.

Konstruktionsformen des Biwaksacks

Die meisten Biwaksäcke sind schlicht und einfach wie ein leicht vergrößerter Schlafsack geschnitten und liegen flach wie eine Decke auf dem Boden. Das Volumen kommt nur durch den eigenen Körper oder durch Extras wie Versteifungen, Abspannmöglichkeiten oder kleine Gestänge zustande.

Letztere bieten vor allem bei häufigeren Übernachtungen ein sehr angenehmes Plus an Kopffreiheit. Allerdings sollte man bei Modellen mit einfachem Gestängebogen, dessen Standfestigkeit nicht überschätzen. Einige bleiben nur stehen, wenn der Reißverschluss komplett zugezogen ist, andere neigen sich schon bei kleineren Windböen in Richtung Gesicht. Definitiv zuverlässig halten die aufwändigeren Konstruktionen, wie das Kreuzgestänge beim Carinthia Observer. Solch hundertprozentiger Komfort und Wetterschutz ist allerdings weder leicht noch billig.

Eine wichtige Frage ist, ob sich der Biwaksack vollständig verschließen lassen soll. Umfassenden Wetterschutz gibt es nur, wenn der Innenraum mit einem robusten Reißverschluss lückenlos dicht zu machen ist. Kordelzüge, Klettverschlüsse und Belüftungsgitter lassen immer kleine Lücken und Restöffnungen, die im Extremfall auf der wetterabgewandten Seite gehalten werden müssen.

Das ist bisweilen schwieriger als es klingt. Ein unbedingtes Muss ist diese Vollverschließbarkeit allerdings nur für ambitionierte Tourenvorhaben in größeren Höhen oder kälteren Zonen. Die meisten Notsituationen sowie viele „normale“ Übernachtungssituationen lassen sich durchaus mit Biwaksäcken bewältigen, die „nur“ mit Knöpfen, Kordelzügen o.ä. verschließbar sind.

Fazit

Biwakieren ist mehr als nur eine Notlösung bei widrigen Bedingungen am Berg. Es kann ein ursprüngliches und ehrliches Naturerlebnis verschaffen und bietet eine flexible Option zwischen dem Zelten und dem „völlig ungeschützten“ Übernachten an der frischen Luft.

Allerdings ist das Biwakieren  auch bei guten äußeren Bedingungen nichts für Leute mit Ängsten vor unmittelbaren Boden-, Material- und Körperkontakten. Wer aber die Lust am draußen sein entdeckt, kann solche Hemmschuhe schnell ablegen und wird das rustikale Element am Ende womöglich gar lieben statt fürchten. Spätestens dann wird man sich auch etwas weiter „raus“ in die Natur und in die Berge wagen und auf die Suche nach dem richtigen Biwaksack begeben. Wir hoffen, dass dieser Artikel dabei hilfreich ist.

GORE Garantie Header

Die GORE-TEX-Garantie

10. Oktober 2017
Ausrüstung

GUARANTEED TO KEEP YOU DRY™ – so prangert es am Hängeschild einer jeden Jacke, in der ein Laminat der Firma GORE verbaut ist. Liest man auf der Firmen-Webseite nach so steht dort wörtlich:

„Falls Sie mit der Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit oder Atmungsaktivität Ihres GORE-TEX® Produkts nicht zufrieden sind, werden wir das Produkt reparieren, ersetzen oder den Kaufpreis zurückerstatten.“

Große Worte, die gerne mal für Verwirrung sorgen, bevorzugt bei Endkunden. Deshalb wollen wir das Ganze mal aufdröseln und schauen, wie das Versprechen ganz genau aussieht.

Woher stammt das GORE-TEX-Versprechen?

Es mutet zunächst tatsächlich erstmal komisch an, wenn ein Unternehmen pauschal verspricht, das Produkt zu reparieren, zu ersetzen oder den Kaufpreis zurück zu erstatten. Vor allem, wenn das Unternehmen in den meisten Fällen nur die Technologie, nicht aber das eigentliche Endprodukt liefert und das alles, ohne die gesetzliche Gewährleistung zu touchieren.

Der Hintergrund aber ist relativ simpel: Weil GORE Anfang der 1990er-Jahre Probleme mit seinen Produkten hatte, ging man einen radikalen Schritt: Um das Vertrauen der Kunden zurück zu gewinnen, gab man das hier thematisierte Versprechen ab – natürlich nicht ohne auch sämtliche GORE-TEX-Laminate auf Vordermann zu bringen.

Heute wissen wir: Die Maßnahme war ein voller Erfolg. GORE-TEX ist nach wie vor in aller Munde, respektive Jacke, und kaum mehr aus der Outdoor-Welt wegzudenken. Wie genau sieht aber die hauseigene Garantie aus und wann greift sie?

Was fällt unter die Garantie von GORE-TEX?

Zunächst mal alle Produkte, in denen GORE-TEX Pro, Active, Paclite, Shakedry, C-Knit, Windstopper und jede andere GORE-Technologie verbaut wurde. Die Garantie gilt nicht nur für die Wind- und Wasserdichtigkeit, sondern auch, wenn die Atmungsaktivität nicht das einhält, was sie verspricht. GORE garantiert wörtlich:

„Wenn ein Bekleidungsstück den GORE-TEX® Markennamen trägt, ist seine Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität für den vorgesehenen Einsatzbereich garantiert.“

Klingt doch super. Ich kann also jederzeit meine Jacke an GORE schicken und bekomme Ersatz, Reparatur oder mein Geld zurück. Da muss ich doch gleich mal schauen, ob meine zehn Jahre alte, stark durchlöcherte Hardshell noch irgendwo rumfliegt… Nun, ganz so einfach ist es dann auch nicht.

Wann greift die GORE-TEX-Garantie nicht?

Wie aus der zitierten Formulierung deutlich wird, greift das Garantieversprechen nicht, wenn ich das Ausrüstungsteil außerhalb seines vorgesehenen Einsatzbereichs nutze. Man könnte auch von unsachgemäßem Gebrauch sprechen. Wenn ich also meine leichte Active-Shell, die nicht rucksacktauglich ist, regelmäßig mit einem schweren Trekkingrucksack belaste, dann ist es nicht verwunderlich, wenn das Produkt schneller nachgibt als erwartet.

Ebenfalls legt GORE Wert darauf, dass das Produkt stets gut gepflegt und gewartet wird, Tipps dazu gibt’s natürlich bei uns, einfach mal in den Pflegeanleitungen stöbern. Auch hier noch ein konkretes Beispiel: Wasche ich meine Hardshell häufig mit Weichspülern kann die Membran verstopfen und die Atmungsaktivität ist dahin. Aber auch kleine Schmutzpartikel können die Membran stören. Die richtige Pflege umfasst hier auch ausdrücklich die Imprägnierung der Außenseite und nicht nur das Waschen.

Zu guter letzt: Leider, leider sind auch Beschädigungen der Laminate von der Garantie ausgeschlossen. Wer sich also seine Jacke an einer scharfen Kante aufreißt, für den greift das GORE-Versprechen ebenfalls nicht. Damit ist auch meine durchlöcherte Hardshell aus dem Spiel. :(

Was bedeutet das in der Praxis und wie lange greift die Garantie jetzt eigentlich?

Nehmen wir mal an, ihr seid mit eurem GORE-TEX-Produkt unzufrieden. Was natürlich nie passiert… ;) Nur rein hypothetisch: Welche Schritte müsst ihr gehen, um einen Anspruch geltend zu machen?

Was jedenfalls schon mal ziemlich cool ist: GORE gibt das freiwillige (sic!) Versprechen über die gesetzliche Gewährleistung hinaus. Heißt konkret: Ist die zweijährige gesetzliche Gewährleistungsfrist verstrichen, ist der Händler, bei dem das Produkt gekauft wurde sehr weit weg oder gibt es ihn gar nicht mehr, könnt ihr euch immer noch an GORE wenden.

Das heißt aber auch, dass ihr euch während der gesetzlichen Gewährleistungsfrist nach wie vor erstmal an den Händler (z.B. uns) wenden solltet, bei dem ihr eure GORE-Jacke gekauft habt. Die Reklamation wird dann einfach wie jede andere behandelt.

Wenn es um den Zeitraum der freiwilligen Gewährleistung geht, steht geschrieben:

„Sie (die Garantie, Anm. d. Red.) gilt für Wasserdichtigkeit, Winddichtigkeit und Atmungsaktivität über die gesamte Nutzungsdauer des Produkts.“

Und jetzt die große Preisfrage: Was meint der Begriff „Nutzungsdauer“? Unter Nutzungsdauer versteht GORE die Lebenszeit der Produkts bei sachgemäßem Gebrauch und richtiger Pflege. Wenn also meiner robusten Pro-Shell nach zehn Jahren am Berg mit schwerem Gepäck langsam der Saft ausgeht, kann sie am Ende ihrer Nutzungsdauer angelangt sein. Hatte ich sie in den zehn Jahren aber nur drei mal an, habe sie gut gepflegt und immer wieder imprägniert, könnte die Garantie noch greifen, da die Laminate von GORE prinzipiell kein Verfallsdatum haben.

Die Frage, wann ein GORE-Produkt am Ende seiner Nutzungsdauer angelangt ist, ist dementsprechend schwer zu beantworten. GORE appelliert hier an den gesunden Menschenverstand. Im Zweifel kann es aber immer gut sein, mit den Kollegen Kontakt aufzunehmen.

Gecheckt?

Falls nicht, könnt ihr eure Fragen natürlich gerne hier oder bei unserem Kundenservice loswerden. Ihr erreicht die Kollegen unter der Woche täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail. Außerdem gibt es auf der GORE-Website noch ausführliche FAQs zum Thema.

Handpflege für Kletterer

Futter für geschundene Finger: Handpflege für Kletterer

5. Oktober 2017
Tipps und Tricks

Sie sind die wichtigsten Utensilien, um beim Klettern vorwärts zu kommen: Die Hände. Und eben weil sie so wichtig sind, sollten wir uns gut um sie kümmern. Mit Schwielen, Hornhaut, Rissen und Blasen hat wohl jeder Kletterer schon so seine Erfahrungen gemacht – in aller Regel schmerzhafte. Doch was kann man tun, um Verletzungen vorzubeugen und wie pflegt man seine Finger am besten nach einem harten Tag am Fels oder an der Kletterwand? Genau für solche Fragen sind wir da!

Welche Verletzungen entstehen beim Klettern?

Die wohl am häufigsten auftretenden Verletzungen an den Händen sind Blasen und Risse. Wie Blasen entstehen, haben wir in einem separaten Artikel schon ausführlich erörtert. Wie kommt es aber dazu, dass Haut beim Klettern einfach aufreißt? Das hat – Du hast es vermutlich schon erraten – vor allem mit der lieben Hornhaut zutun.

Hornhaut (oder auch Hornschwiele) ist genau genommen eine Vernarbung der Haut mit einer Verdickung der beanspruchten Stelle. Was erstmal unschön klingt, ist beim Klettern erwünscht. Denn die verhornte Haut ist robuster und bietet natürlich erhöhten Schutz für die darunterliegenden Hautschichten.

Nicht so vorteilhaft: Verhornte Haut ist weniger flexibel, trocknet dank Chalk meist noch schneller aus und neigt bei fehlender Pflege dazu, zu reißen. Und wenn der Riss erstmal da ist und es am Ende noch blutig wird, ist erstmal Kletterpause angesagt, denn die Haut braucht einige Zeit, um sich wieder zu regenerieren. Besonders die Fingerbeugen sind hier gefährdete Stellen, da die Hornhaut durch den Druck und die Bewegung oft zusammengeschoben wird. Diese Erhöhungen sind dann besonders anfällig für Risse, denn es bildet sich eine Art Sollbruchstelle.

Verletzungen an den Händen vorbeugen

Eines ist klar: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Das gilt auch für Hautverletzungen, denn – wie schon gesagt – sie brauchen relativ lange zum Heilen und mehrere Tage aufs Klettern verzichten – das will niemand wirklich, oder?

Ganz generell sollte man also immer darauf achten, seine Hornhaut im Griff zu haben. Das geht am besten, in dem man die schon erwähnten Erhöhungen, bspw. in den Fingerbeugen, im Zaum hält und ggf. mit einer Feile oder einem Hornhauthobel flach feilt. Angerissene Stellen können – sofern noch kein Blut zu sehen ist – ebenfalls abgeflacht werden, damit die Sollbruchstelle verschwindet. Das alles kann man übrigens auch zwischendurch machen, einfach immer ein Stück Schmirgelpapier dabei haben, um die betroffene Stelle zu behandeln.

Erste Anzeichen für eine Blase sind ein brennender Schmerz und eine leichte Rötung an der gleichen Stelle. Hier hilft vor allem, den Druck wegzunehmen, was in der Praxis nichts anderes heißt, als das Klettern für den Moment sein zu lassen und seiner Haut einen Tag Pause zu gönnen. Das Abheilen von Blasen kann deutlich länger dauern.

Bei all dem spielt natürlich auch die Hautpflege eine entscheidende Rolle. Viele Hersteller, wie zum Beispiel Climb On, Metolius, Joshua Tree oder KletterRetter bieten genau auf die Bedürfnisse von Kletterern abgestimmte Cremes, die die Haut optimal mit Feuchtigkeit und/oder Fett versorgen und sie so geschmeidig halten.

Nicht zuletzt kann man aber auch durch die richtige Grifftechnik Verletzungen an den Händen vermeiden. Heißt also: Wann immer möglich formschlüssig greifen, das heißt die Hand so am Griff positionieren, dass aktiv gehalten werden kann und man nicht nur auf die Reibung hoffen muss.

Was tun, wenn es passiert ist

Nun ist man im Eifer des Gefechts ja selten mit einem kühlen Kopf gesegnet und wer opfert schon gerne den letzten Griff der hart erkämpften Route, nur weil sich gerade eventuell eine Blase oder ein Riss bildet?

Daher kommt es in der Regel immer wieder dazu, dass Hautverletzungen beim Klettern auftreten – selbst bei optimaler Vorbeugung. Bei der Nachsorge sollte man Geduld haben und je nach Verletzung agieren:

  • Blasen: Ist die Blase erstmal da, solltet ihr sie ungeöffnet abheilen lassen. Ja richtig: Nicht aufstechen, denn darunter liegt die empfindliche Unterhaut, die sich im schlimmsten Fall entzünden kann. Ist die Blase dennoch offen, sollte die Stelle desinfiziert und verbunden werden. Ausführliche Tipps gibt es ebenfalls in unserem Blasen-Beitrag.
  • Risse und Schnitte: Egal ob es sich um einen Riss durch verhornte, trockene Haut oder einen Schnitt durch scharfe Griffe handelt – wird es blutig, ist abzuraten weiter zu klettern. Denn: Mit jeder Belastung können beide Verletzungsarten weiter aufreisen, was die Pause nur noch verlängert. Wenn man dennoch nicht ums Klettern herumkommt, hilft ein starkes Tape, dass die Wunde zusammenhält. In jedem Fall sollte aber auch hier vor gesäubert und nach Möglichkeit desinfiziert werden.
  • Löcher: Sie können durch spitze Griffe entstehen, meist dann, wenn plötzlich viel Druck auf die Hand kommt. Die Wunden sind in der Regel sehr einfach zu behandeln. Säubern, desinfizieren, tapen und weiter klettern. Die Gefahr, dass sie aufreißen, ist durch fehlende Risskanten sehr unwahrscheinlich.

Egal, was für eine Verletzung man sich zugezogen hat: Eine Pause ist in den meisten Fälle eine sinnvolle Sache. Gerade tiefe Risse und Schnitte brauchen gerne mal mehrere Tage, bis sie vollständig abgeheilt sind. Außerdem ist bei ihnen die Gefahr groß, dass sie wieder aufreißen, wenn man zu früh einsteigt.

Die richtige Nachsorge

Der erste Gang nach der Klettersession sollte zum Waschbecken gehen. Ok, vielleicht erst noch auf ein Bier oder einen Kaffee an die Theke, aber dann gleich zum Waschbecken. Denn das liebe Chalk sorgt in aller Regel dafür, dass die Haut austrocknet und sollte deshalb zeitnah wieder runter. Danach darf gecremt werden, gerne auch mit Fett, denn fetthaltige Cremes helfen, die Feuchtigkeit in der Haut zu binden.

Wer eher dazu neigt, stärker zu schwitzen, muss nicht so viel cremen, sondern im Gegenteil darauf achten, dass die Haut vor dem Klettern trocken ist, denn in dem Fall weicht der Schweiß die Haut auf und macht sie anfälliger für Verletzungen.

Und jetzt ab an die Kletterwand mit euch! Ihr wart doch bestimmt heute noch nicht!?

Wie funktioniert eine Membran?

Wie funktioniert eigentlich eine Membran?

2. Oktober 2017
Ausrüstung

„Insane in the membrane, Insane in the brain!“

Ob sich die Rapper Sen Dog und B-Real der Gruppe Cypress Hill ihrem 1993er Hit „Insane in the Brain“ auf Membrantechnologien in Outdoorklamotten beziehen ist fraglich. Mit einem haben die beiden aber zweifellos recht, das Thema Membrane kann den geneigten Outdoorenthusiasten durchaus verrückt machen.

Zahllose futuristisch anmutende Namen geistern durch die Produktbeschreibungen der gängigen Hersteller, unzählige Technologien buhlen um die Gunst schwitzender Freiluftfans. Klar, wir, die sich mit dem Sporteln in der freien Natur beschäftigen, wissen ungefähr was eine Membran ist. Die hält die Klamotte von außen dicht und lässt den Schweiß trotzdem raus. Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff? Unsere Membranen-Kunde bringt Licht ins Dunkel, startet bei den Membranen-Basics, um dann richtig tief in die Materie vorzudringen und hilft hoffentlich auch den zwei verzweifelten Rappern weiter.

Was ist eine Membran?

Okay, für viele von euch dürfte dieser Abschnitt eine olle Kamelle sein, aber es schadet nie, nochmal auf Grundlegendes einzugehen: Was ist eine Membran überhaupt? Im einfachsten Wortsinne ist eine Membran eine dünne Trennschicht. So weit, so simpel aber längst nicht alles. Diese Trennschicht beeinflusst den Stofftransport durch selbige, was bedeutet, dass entweder nichts oder nur das was soll durchkommt.

In jeder Zelle eines jeden Lebewesens gibt es welche, Lautsprecher und Mikros kommen nicht ohne aus und auch unsere Funktionskleidung profitiert von den Membranen. Immer mit einem ähnlichen Prinzip, aber auch immer mit einem anderen Nutzen. Während die Zellmembran das Zellinnere schützt und für den Flüssigkeitshaushalt essentiell ist, sorgt die Textilmembran in unserer Kleidung für Nässeschutz, Atmungsaktivität und eine natürliche Temperaturregulierung des Körpers. Eine Membran ermöglicht also zum einen die Passage von Stoffen, Flüssigkeiten oder Gasen, zum anderen hindert sie andere am Eindringen. Aber wie funktioniert das?

Welche Membranarten gibt es und wie funktionieren sie?

In unseren wetterfesten Outdoorklamotten kommen in der Regel zwei unterschiedliche Membranarten zum Einsatz. Zum einen die mikroporöse und zum anderen die geschlossenzellige Membran. In ihrer Wirkungsweise ähneln sie sich – beide halten Nässe draußen und verhindern, dass innen saunaartige Verhältnisse herrschen – jedoch sind sie in ihrem Aufbau und ihrem Wirkungsprinzip grundverschieden.

Die mikroporöse Membran besteht meist aus dem kompliziert klingenden Polytetrafluorethylen (kurz PTFE), was den allermeisten unter dem Namen Teflon bekannt sein dürfte. Was in der Pfanne dafür sorgt, dass das Spiegelei nicht anpappt, kommt in veränderter Form auch in unserer Kleidung vor.

Inwiefern verändert? PTFE ist ein aus Fluor und Kohlenstoff bestehendes Polymer. Für alle, die die Begrifflichkeiten aus dem Chemieunterricht aufgefrischt haben möchten, anbei die Übersetzung: ein Polymer beschreibt einen aus sich wiederholenden gleichen Einheiten aufgebauten Stoff. Das trifft auf unser Polytetrafluorethylen ebenfalls zu.

Unter dem Elektronenmikroskop betrachtet besteht das PTFE nämlich aus fast parallel laufenden, über Molekülketten miteinander verwobenen Knäulen. Diese Struktureinheit wird in einem speziellen Verfahren in einer bestimmten Anordnung formiert und bei einer bestimmten Temperatur auseinander gezogen. Dabei entsteht aus dem Antirutschmaterial in der Bratpfanne eben jene feste, aber mit feinen mikroporösen Öffnungen versehene Membran, wie wir sie aus unseren Klamotten kennen.

Genannt wird das ganze ePTFE, wobei das „e“ für das englische Wort expanded – ausgedehnt steht. Das Verfahren ist dabei so flexibel und das Ausgangsmaterial so individuell verarbeitbar, dass der Funktionalitätsgrad der Membran nach Bedarf festgelegt werden kann.

Aber Moment, die Membran ist mikroporös, also von lauter winzigen Löchern übersät. Wie soll das bitte trocken halten? Polytetrafluorethylen ist in seiner Grundform stark hydrophob, also wassermeidend oder wasserabstoßend.

Das bleibt auch in seiner gestreckten, mikroporösen Form so. Die Oberflächenspannung von PTFE ist extrem gering – geringer noch als die von Wasser. Kommt das kühle Nass in Kontakt mit der Membranoberfläche, rafft sich das Element förmlich zusammen. Es erfolgt eine Tropfenbildung und die Nässe perlt von der Oberfläche ab.

Gleichzeitig sind die Poren in der Membran so winzig, dass die Wassertropfen nicht durchpassen, obwohl die feinen Öffnungen einen Großteil der Membranoberfläche ausfüllen. Die Tropfen sind schlicht zu groß. Der Schweiß, der in Form von Wasserdampf von der Innenseite anklopft, ist in seinem gasförmigen Aggregatszustand (nicht zu verwechseln mit Wassergas einem Gasgemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid) allerdings so schlank, dass es problemlos passieren kann.  

Zum Schutz der ePTFE-Membran wird sie meist durch eine hauchdünne Polyurethanbeschichtung vor Hautfetten, Schweiß und anderen Verschmutzungen, die die Trennschicht angreifen könnten, geschützt und fertig ist die Laube.

Bei der porenlosen Membran wird es etwas komplizierter. Die geschlossenzellige oder porenlose Membran kommt – wie der Name es vermuten lässt – ohne Poren aus. Beinahe zumindest. Aber der Reihe nach.

Eine solche Membran besteht aus einem hydrophoben Polyester- und einem hydrophilen Polyetheranteil. Soll heißen: sie ist aus einem wasserabweisenden und einem wasseranziehenden Bestandteil. Die Wasser- und Winddichtheit der Membran ergibt sich aus eben jenen wassermeidenden Bestandteilen und der porenlosen Beschaffenheit.

Doch ganz geschlossen ist die Oberfläche nicht. Die unterschiedlichen Stofftypen, aus denen sich die Membran zusammensetzt, bilden ein dichtes Geflecht aus unregelmäßig angeordneten Molekülketten. Innerhalb dieses Wirrwars entstehen winzig kleine Öffnungen, die noch um einiges kleiner als die Poren der mikroporösen Membran sind.

Eine perfekte Fluchtmöglichkeit, die der triefende Schweiß in Form von Wasserdampf zu nutzen weiß. Die Feuchtigkeit lagert sich von innen an den hydrophilen Bestandteilen der Membran an und wird durch einen Diffusionsprozess per Kapillarkraft durch die hydrophoben Ketten nach außen getrieben.

Was bedeuten die Lagen bei Membranen?

Eine lose Membran kann man noch nicht anziehen. Erstens hält das nicht warm und zweitens würde es ziemlich merkwürdig aussehen. Also muss die wasserdichte und funktionelle Wundertrennschicht in einem Laminat verarbeitet werden. Diese Laminate kommen in unserer Kleidung – je nach Einsatzzweck und Leistungsanforderung – als zwei, zweieinhalb, oder dreilagige Ausführung zum Einsatz.

Was haben diese „Lagen“ zu bedeuten? Ganz einfach! Damit die Membran nicht lose unter der Jacke oder der Hose herumbollert, wird sie durch Hitzeeinfluss dauerhaft auf einen Oberstoff laminiert. Das wären schon mal zwei Lagen. Und der Rest? Das 3-lagige Laminat bekommt neben Oberstoff und Membran ein zusätzliches Innenfutter spendiert. Die 2,5-Lagen Variante kommt ohne richtiges Innenfutter aus. Stattdessen ist eine dünne Schutzschicht unter der Membran verarbeitet.

Und was können die? Die Zweilagen-Laminate sind die in freier Wildbahn am häufigsten verbreiteten Vertreter der Membranenzunft. Das Innenfutter ist hier losgelöst vom Oberstoff mit der laminierten Membran. Zweilagige Hardshells sind in der Regel relativ preisgünstig zu haben. Wenn ihr auf leichten bis anspruchsvollen Wandertouren unterwegs seid und nicht unbedingt extremer Dauerregen auf dem Programm steht, sind diese Gesellen eine gute Wahl.

Textilien mit einem 2,5-Lagen Laminat sind schön leicht und lassen sich prima auf ein geringes Packmaß schrumpfen. Der Nachteil ist hier ganz klar in ihrer Belastbarkeit zu suchen. Da anstatt Innenfutter nur eine dünne Schicht zum Einsatz kommt, sind 2,5-lagige Jacken nicht unbedingt rucksacktauglich. Die Schutzschicht kann sich unter dauernder Belastung durchrubbeln, was mit der Zeit der Membran schadet. Seid ihr allerdings auf Touren mit leichtem Last unterwegs oder habt die Regenjacke als Notfallhelfer im Gepäck, sind sie eine gute Alternative.

Die dreilagigen Vertreter sind ebenfalls schön leicht, aber vor allem mächtig robust, jedoch meist auch teurer in der Anschaffung. Geht es für euch auf richtig anspruchsvolle Touren mit viel Gepäck, folglich schwerem Rucksack und zu erwartendem miesen Wetter, sind die dreilagigen Kraftpakete der richtige Ansprechpartner.

Temperaturgradient und Osmose

Ob offen oder geschlossen, damit der Feuchtigkeitstransport so funktioniert, wie wir uns das vorstellen, spielt ein Faktor eine entscheidende Rolle: der sogenannte Temperaturgradient. Dafür muss etwas ausgeholt werden.

Damit die Wassermoleküle von innen nach außen durch die Membran wandern, lässt ein alter Bekannter aus dem Biologieunterricht seinen Einfluss spielen, der osmotische Druck. Wie wir uns alle noch aus unserer Schulbankdrückzeit erinnern können, beschreibt die Osmose den gerichteten Fluss von Teilchen durch eine semipermeable Membran. Zumindest mir hat sich dieser Satz komischerweise eingebrannt, was mir mein damaliger Biologielehrer allerdings aus unerfindlichen Gründen nicht abnehmen wollte, quittierte er doch meine stolze und durchaus seltene Antwort im Unterricht seinerzeit mit einem spöttischen „Aus dem Buch ablesen kann ja jeder!“.

Aber zurück zum Thema. Semipermeabel bedeutet selektiv durchlässig. Im Falle unserer Textilmembran meint die Osmose also einen einseitig gerichteten Feuchtigkeitsfluss durch eine Trennschicht, die nur die winzigen Wassermoleküle durchlässt und nichts anderes. Die Kraft, mit der dies geschieht nennt sich naheliegenderweise der osmotische Druck oder auch Diffusionsdruck.

Die Voraussetzung, dass dieser Druck entsteht, ist ein ausreichendes Temperaturgefälle zwischen Temperatur innerhalb der Jacke und der Außentemperatur, namentlich der Temperaturgradient. Je größer das Gefälle zwischen der Temperatur innerhalb der Jacke (oder der Hose) und dem Klima draußen ist, desto besser funktioniert der Durchmarsch der Feuchtigkeit. Durch den Temperaturunterschied – innen warm, außen kühl – entsteht ein Druckgefälle, dass den Wasserdampf förmlich nach außen zieht.

Der Vorteil daran: wird viel geschwitzt wird es innen richtig warm und der Schweißtransport funktioniert besser. Der Nachteil liegt ebenso auf der Hand. Ist es draußen tropisch warm, wird die Membran zur Schwitzfalle.

Und die Umweltbedenken?

Bei all ihren Vorzügen schwingt bei dem Gedanken an Membran-Bekleidung das ungute Gefühl an, sie wären schädlich für die Umwelt. Ist da was dran?

Bei der Herstellung von PTFE kann ein umwelt- und gesundheitsschädliches Nebenprodukt entstehen, die sogenannte Perfluoroctansäure. Dieser Stoff baut sich extrem langsam ab. Zudem hat er die unangenehme Eigenschaft sich in Organismen anzureichern, gilt als krebserregend und ist nach der EU-Chemiekalienverordnung als besonders besorgniserregend eingestuft.

Klingt unkommod, aber die meisten Markenhersteller haben mittlerweile Herstellungsverfahren entwickelt, bei denen jener schädliche Stoff nicht entsteht. Wollt ihr wirklich sicher sein, checkt beim Kauf, ob bei dem entsprechenden Produkt der Hinweis „PFOA-frei“ oder „PFC-frei“ vermerkt ist. Einige Hersteller bauen zudem auf Membrane aus anderen unbedenklichen Kunststoffen.

Unterschiedliche Membransysteme

Abschließend noch ein kleiner Blick auf die unterschiedlichen Membransysteme, die sich auf dem hart umkämpften Outdoor-Markt tummeln.

Gore-Tex

Beginnen wir mit den mikroporösen Membrantechnologien. Den Anfang macht schlicht DER Platzhirsch in Sachen Bekanntheit und für den Laien fast ein Synonym für Wasserdichtheit: die Gore-Tex-MembranDas Unternehmen Gore setzt in der Regel auf dreilagige und zweilagige Laminate, bietet spezielle Technologien für unterschiedliche Einsatzgebiete wie Gore Windstopper, Gore Active, Gore Pro oder Gore Thermium und ist nebenbei noch der Erfinder der ePTFE Membran an sich. Mit ihren ca. 1,4 Milliarden Poren pro Quadratzentimeter ist die Membran extrem wasserdampfdurchlässig bei gleichzeitig gnadenloser Wind- und Wasserdichtheit.

Die eVent-Membran

Ein weiterer, unbekannterer Kandidat aus der mikroporösen Zunft ist die eVent-Membran. Die eVent-Membran ist ebenfalls aus gestrecktem Polytetrafluorethylen gefertigt. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenzprodukten ist die Membran hier aber nicht durch eine dünne PU-Schicht vor Verschmutzung geschützt. Stattdessen kommt eine Schutzschicht aus Polyester, die jede einzelne Faser umhüllt, zum Einsatz. So kann der Wasserdampf direkt hindurch diffundieren ohne sich vorher an einer zusätzlichen PU-Schicht kondensieren zu müssen, was der Atmungsaktivität durchaus zu Gute kommt.  

Sympatex

Die bekannteste geschlossene Membrantechnologie ist Sympatex. Diesen atmungsaktive Nässestopper gibt’s in allen Laminatvarianten, sogar bis hin zur vierlagigen Version mit einer zusätzlichen Textilschicht zwischen Membran und Futterstoff. Die Membran ist absolut wasser- und winddicht, ist dehnbar und läuft bei gesteigerter körperlicher Aktivität zur Höchstform auf. Sympatex gilt als besonders umweltfreundlich, da das Polyetherester, aus dem die Membran besteht voll recycelbar und gesundheitlich unbedenklich ist. Gleichzeitig sind die Sympatex Systeme pflegeleicht, da sie porenlos sind. Die Membran wird also nicht durch etwaige Waschmittel oder Weichspülerrückstände beeinträchtigt.

Dermizax

Dermizax ist wie Sympatex porenlos, allerdings aus Polyurethan gefertigt. In ihrer Funktionsweise und auch in ihrem Aufbau ähnelt sie aber ihrem bekannteren Membran-Verwandten. Obwohl die Dermizax-Membran extrem weich und dehnbar ist, kann sie mit einer ähnlichen Leistungsfähigkeit punkten.

NeoShell

Softshell trifft Hardshell – mit der NeoShell verbindet Polartec die Vorteile beider Welten. Es wird zu den mikroporösen Membranystemen gezählt. Es punktet durch eine deutlich höhere Atmungsaktivität und natürlich ihre Dehnbarkeit, die NeoShell von seinem soften Elternteil erhalten hat. Es ist dreilagig aufgebaut und punktet auch durch seine robuste Außenseite. Mit einer 10.000 mm Wassersäule bietet sie einen ausreichenden Schutz vor allen Widrigkeiten des Outdoor-Alltags.

Weitere herstellereigene Membran-Systeme

Powertex aus dem Hause Salewa ist auch als geschlossene Membran einzuordnen und besteht ebenfalls aus Polyurethan. Das Besondere an diesem Produkt ist, dass durch eine effizientere Feuchtigkeitsverteilung auf der Innenseite die Kondensierung verringert wird, was für einen direkteren Feuchtigkeitstransport sorgt. Ein weitere geschlossene PU-Membran ist Drytech der Firma Mammut. Auch hier gibt’s wieder eine guten Stretch für vollen Bewegungsspielraum bei ähnlicher Leistung wie bei ihren Membrangeschwistern.

Puh! Es gibt also jede Menge zum Thema Membran zu sagen. Ich hoffe ihr habt es bis hier hin ausgehalten und konntet euch einen Einblick in die Welt der Klimatrennschichten verschaffen, obwohl das gesamte Feld im Prinzip nur angerissen wurde. Wer weiß, vielleicht hilft’s ja auch den Jung von Cypress Hill weiter!

Gore-Tex Nachhaltigkeit

Gore-Tex – Wie stehts um die Nachhaltigkeit?

29. September 2017
Ausrüstung

Neben den Fragen nach Qualität, Verarbeitung, funktionellen Materialien, angenehmer Passform und raffinierten Features, betrachten die meisten Kunden auch das Thema einer nachhaltigen Herstellung immer genauer und kritischer. Moderne Outdoorbekleidung muss nicht nur gut vor Wind und Regen schützen, sondern sollte auch aus umweltfreundlichen Materialien bestehen, mit hohen ökologischen Vorgaben und sozialverantwortlicher Herstellung produziert werden und nach einer hohen Lebensdauer, möglichst vollständig recycelbar sein.

Dass diese Ziele auch in der Outdoorbranche mit Sicherheit noch nicht in allen Punkten erreicht werden, hat vielschichtige Gründe, die hier unmöglich alle erörtert werden können. Fakt ist allerdings, dass die Entwicklung in Richtung einer nachhaltigeren Produktion voll im Gange, voll im Trend und auch in hohem Maße erfolgreich und zukunftsweisend ist.

Der Erfolg von Kennzeichnungen für umweltfreundliche und sozialverantwortliche Produktion wie bluesign, Öko-Tex 100 oder Fair Wear Foundation setzen dabei ebenso markante Meilensteine, wie die starke Nachfrage der Kunden, die sich immer bewusster mit der nachhaltigen Herstellung ihrer Outdoorbekleidung auseinandersetzen.

Auf einem langen Weg zu noch mehr Umweltschutz und Nachhaltigkeit

Als Marktführer für wasserdichte und atmungsaktive Bekleidung steht Gore schon seit langem unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit. Bei der Herstellung von Gore-Tex Membranen wird dabei vor allem PFC immer wieder kritisiert. Diese „per- und polyfluorierten Chemikalien“ (PFC) sind derzeit die Grundsubstanz für die Herstellung von PTFE und damit auch von wasserdichten Gore-Tex Laminaten. Sie gelten als umweltbelastend und können gesundheitsgefährdend sein. In der Regel landen solche Produkte am Ende ihrer Nutzungsdauer auf der Mülldeponie oder werden verbrannt.

Gore ist sich der Problematik mit PFCs durchaus bewusst. In einem zweistufigen Plan wird Gore deshalb zunächst 85% aller Gore-Tex Laminate bis zum Jahr 2020 auf eine PFC-freie Produktion umstellen und bis 2023 alle ökologisch bedenklichen PFCs aus ihrer Herstellung verbannen. Die Funktionstextilien dürfen dabei laut Gore natürlich keinerlei Kompromisse in Bezug auf ihre Qualität, Langlebigkeit und Performance eingehen.

Maßnahmen zur Verbesserung von umweltfreundlichen Produktion und fairen Arbeitsbedingungen in den Herstellungsländern gibt es bei Gore allerdings schon fast so lange, wie das wasserdichte Laminat selbst.

Bereits 1986 ersetzt Gore die Klebstoffe seiner Laminate durch lösungsmittelfreie Alternativen und galt schon damals als innovativer Pionier. Die meisten Produkte von Gore sind heute nach dem bluesign-Standard zertifiziert oder erfüllen den Öko-Tex 100 Standard. Unabhängige Prüfungen garantieren so die Vermeidung von umweltbelastenden Materialien und Verfahren in der textilen Wertschöpfungskette.

Darüber hinaus investiert Gore etliche Millionen Dollar in die Suche nach alternativen DWR-Beschichtungen und Systemen, um die ganzheitliche Umweltbelastung in der Herstellung von Bekleidung und Schuhen besser sichtbar und vergleichbar machen zu können. Als Gründungsmitglied der Substainable Apparel Coalition (SAC) rief Gore in Zusammenarbeit mit anderen Firmen, Zulieferern, Rohstofflieferanten und zahlreichen staatlichen und nicht staatlichen Organisationen den Higg-Index ins Leben. Durch diesen Index soll eine ganzheitliche Betrachtung und Bewertung aller umweltbeeinflussenden Faktoren auf einfache und transparente Weise abgebildet werden können.

Gore übernimmt nicht nur in seinen Produktionsstätten in Asien soziale Verantwortung mit klaren und verbindlichen Grundsätzen, die gesunde Arbeitsbedingungen und faire Entlohnung garantieren sollen, sondern bringt sich darüber hinaus weltweit in zahlreichen sozialen Projekten ein.

Ob in der nachhaltigen Sensibilisierung und Umwelterziehung in Nordamerika, der Unterstützung von Schul- und Hilfsprojekten in der Nähe ihrer chinesischen Produktionsstätten oder bei Aufforstungsprojekten in den bayerischen Alpen – Gore unterstützt also soziale und umweltfördernde Projekte im großen und kleinen Maßstab.

Der Ansatz des Life Cycle Assessments (LCA)

Trotz aller Bemühungen und technischen Fortschritte, wird die Produktion von Bekleidung und Schuhen auch in Zukunft mit dem Verbrauch von Rohstoffen und Energie verbunden sein und auch in Zukunft werden dabei CO² freigesetzt und Abfälle entstehen. Selbst wenn die Umweltbelastung in der Produktion auf ein Minimum reduziert werden kann, ist jede weitere Jacke und jedes weitere Paar Schuhe auch automatisch eine weitere Belastung unserer Umwelt.

Das Prinzip des LCA, das Gore dieser Entwicklung entgegen setzt, ist denkbar einfach und effektiv: der Anspruch und das Ziel beim Design und bei der Herstellung der Gore-Tex-Produkte ist eine maximale Lebensdauer jedes einzelnen Schuhs, jeder Hose und jeder Jacke. Mit seinem Grundsatz „Guaranteed to keep you dry“ verspricht Gore seinen Nutzern bereits eine lebenslange Garantie in Bezug auf die Wasserdichtigkeit.

Aber auch das Obermaterial, das Design, hochwertige Reißverschlüsse und stabil versiegelte Nähte, zählen zu den Markenzeichen der Gore-Tex-Outdoorbekleidung. Durch die hohe Qualität verlängert sich die Nutzungsdauer der Gore-Tex-Produkte und bei kleinen Beschädigungen durch Risse oder Schnitte können die Reparaturen mit den Reparaturtapes für Gore-Tex ganz einfach von jedermann selbst und auch unterwegs durchgeführt werden. Die so gepflegte Gore-Tex-Bekleidung hat beste Chancen ihre lebenslange Garantie auf die Membran in Anspruch zu nehmen.

Weitere Infos zu den Bestrebungen von Gore-Tex könnt ihr auf ihrer Webseite nachlesen.

Was ist eigentlich Cyclocross?

Was ist eigentlich… Cyclocross?

28. September 2017
Tipps und Tricks

Die Tage werden kürzer, das Wetter rauer. Die Rennradler unter uns putzen ihre Drahtesel (ja, Mehrzahl) für die Überwinterung und die Mountainbiker freuen sich schon diebisch auf spritzenden Matsch. Doch spätestens seit letztem Winter finden sich gerade unter der Bergfreunde-Belegschaft zahlreiche Mischwesen aus beiden Welten. Denn auch hier bei uns in Deutschland setzt sich langsam eine Nischensportart durch, die bei den Franzosen, Belgiern und Niederländern schon lange bekannt ist – wie so oft, wenn es um den Radsport geht. Wer es noch nicht erraten hat, die Rede ist vom sogenannten Cyclocross. Für alle, die nicht wissen von was wir sprechen, folgt hier eine kleine Aufklärung:

Als Abkürzen noch erlaubt war

Das Entstehen der Sportart Cyclocross (auch Querfeldeinrennen oder Radcross) kann nicht genau datiert werden, man vermutet aber, dass sie im frühen zwanzigsten Jahrhundert in Frankreich das Licht der Welt erblickte. Eine populäre Theorie geht davon aus, dass die sogenannten Steeplechases (Kirchturmjagd) den Grundstein legten. Die Herausforderung: Mit dem Rad den nächsten Ort – meist markiert durch den Kirchturm – erreichen. Der Weg: Egal. Also jagten die Radfahrer ihre Drahtesel über Stock und Stein, trugen sie zwischenzeitlich und versuchten, auf dem kürzesten Weg das Ziel zu erreichen. Bestmöglich abkürzen war angesagt.

Mit der Zeit stellte sich heraus, dass das Handling des Rads auf unbefestigtem Untergrund und die somit gänzlich unterschiedliche Belastung, sich positiv auf die Leistung beim Rennradfahren auswirkte und das Querfeldeinfahren begann sich als eigenständige Sportart zu entwickeln. Der Franzose Daniel Gousseau organisierte dann im Jahre 1902 die erste französische Meisterschaft. Bis in die 1930er Jahre hatte sich der Sport auch in Belgien, der Schweiz, Luxemburg, Italien und Spanien breit gemacht und ist seitdem fester Bestandteil der hiesigen Szene. Deutschland zog erst 1954 mit einer eigenen nationalen Meisterschaft nach, allerdings fristete das „Crossen“ bei uns eher ein Schattendasein zwischen Moutainbike und Rennrad.

Wo liegen die wichtigsten Unterschiede?

Tatsächlich kann man die Cyclocross-Fahrräder relativ platt als Hybriden zwischen Moutainbike und Rennrad bezeichnen, mit einer Tendenz in Richtung Rennrad. Rahmen, Lenker und Komponenten gleichen auf den ersten Blick einem Renner. Schaut man auf Reifen und Bremssystem, wird der Mountainbike-Einfluss deutlich.

Die bestollten Reifen, die in der Regel über 3 cm in der Breite messen, sind notwendig, um sich auf weichem Untergrund besser bewegen zu können und Scheibenbremsen haben den Vorteil, dass sich um sie herum nicht so viel Schmutz sammeln kann. Außerdem ist die Bremsperformance bei Feuchtigkeit und Dreck gegenüber Flegenbremsen deutlich besser. Dennoch gibt es auch Modelle, die noch auf Cantilever-Bremsen setzen – meist die etwas günstigeren. Diese sind im Vergleich zu Rennradbremsen allerdings deutlich offener gestaltet, damit sich auch hier möglichst wenig Schmutz festsetzen kann.

Wirft man einen genaueren Blick auf den Rahmen werden noch weitere Unterschiede deutlich. Die Gabel ist breiter und robuster gebaut, genauso wie der Hinterbau. Der Grund ist relativ einfach: Zum einen ist die Belastung im Gelände deutlich höher als auf Asphalt und da man mit dem Crossr oft auf matschigen Untergründen unterwegs ist, setzt sich so weniger Dreck fest.

Apropos Gabel: Wer hier auf Dämpfung hofft hat weit gefehlt. Cyclocrosser kommen in der Regel mit einer Starrgabel aus. Das erfordert erstmal etwas Eingewöhnung, denn wenn man bei unebenem Untergrund die Arme nicht locker lässt, dann wird man ganz schön durchgeschüttelt. Außerdem muss man mit Hindernissen ganz anders umgehen. Die Profis überspringen diese, im Zweifel steigt man aber ab, schultert das Rad und übersteigt das Hindernis.

Welche Ausrüstung brauche ich?

Auch bei der Schuhwahl sieht man den Einfluss des Mountainbikes. Da es – wie schon erwähnt – immer wieder dazu kommt, dass das Rad getragen werden muss, setzt man beim Crossen auf Mountainbikeschuhe, die durch ihr Profil und die flexiblere Sohle besser zum Laufen geeignet sind als Rennradschuhe.

Bei der Bekleidung sind wir aber wieder schnell beim Rennrad. Eine eng anliegende Bib-Shorts mit einem bequemen (!) Polster, ein aerodynamische Radtrikot und schon kann der Spaß beginnen – sofern das Wetter mitspielt. Einen Ersatzschlauch solltet ihr aber sicherheitshalber immer dabei haben, gerade wenn ihr euch mit dem Crosser auch mal in schwierigeres Gelände wagt. Zwar kann man mit dem Reifendruck noch etwas spielen, man hat aber bei weitem nicht die Möglichkeiten wie bei fetten Mountainbike-Reifen. Und da kann dann ein fester Stoß durch einen spitzen Stein schon das Aus für den Schlauch bedeuten!

Sonderfall Gravel-Bike

Wer sich für das Thema ‚Cyclocross‘ interessiert, wird zwangsläufig irgendwann über den Begriff Gravel-Bike stolpern. Gravel-Bikes sind eine Erfindung der US-amerikanische Fahrradindustrie und am ehesten zwischen Cyclocross und sogenannten Endurance-Rennradrädern (Rennräder mit tourenlastiger Geometrie) anzusiedeln. Einsatzzweck ist vor allem das Fahren auf befestigten Wegen mit Schotter-Anteil (Gravel = Schotter). Der große Unterschied liegt aber fast ausschließlich im Reifen, diese sind breit und haben ein weniger ausgeprägtes Profil als Cyclocross-Reifen.

Diese Kategorie Fahrrad ist besonders bei Radpendlern und Bikepackern, bzw. Radreisenden beliebt, da es inzwischen auch zahlreiche Wege gibt, Rennräder oder rennradähnliche Drahtesel mit Taschen zu bestücken.

Warum überhaupt Cyclocross?

Die Frage sollte eher lauten: Warum nicht? Schließlich lautet eine goldene Regel unter Radfahrern, dass die richtige Anzahl an zu besitzenden Fahrrädern N+1 beträgt. Und in der Sammlung sollte ein Crosser definitiv nicht fehlen.

Spaß beiseite. Ob ein neues Rad Sinn macht oder nicht, darf freilich jeder selbst entscheiden. Ein Cyclocrosser kann aber vor allem im Herbst und Winter eine durchaus gelungene Abwechslung sein – vor allem natürlich für all jene, die ihre geliebte Rennradhaltung beibehalten wollen oder einfach lieber über Waldwege als Asphalt flitzen. Aber auch Mountainbiker, die schon länger mit einem Rennrad liebäugeln, aber nicht wirklich Lust auf die Straße haben, dürfen gerne mal einen Blick auf die geländegängigen Rennmaschinen werfen.

Noch eine persönliche Empfehlung zum Schluss: Am besten besorgt ihr euch ein möglichst weiches Lenkerband, das sorgt für einen deutlichen Komfortgewinn!

Wie stehts mit euch? Habt ihr auch schon einen Crosser zuhause und Spaß damit? Ich freue mich auf eure Erfahrungen!

Fjällräven Bergtagen im Test

Fjällräven: Der neuen Bergtagen-Kollektion auf den Zahn gefühlt

26. September 2017
Ausrüstung

Bergtagen ist ein alter schwedischer Ausdruck der Menschen beschreibt, die von den Bergen „genommen“ und von ihnen in besonderem Maße verändert wurden. Verzaubert, wenn man es so will. Das hat wohl jeder von uns schon mal so oder so ähnlich erlebt. Fjällräven hat diesen alten Begriff nun wieder herausgekramt und seine neue Bergsteiger-Kollektion danach benannt. Treffender geht es wohl nicht.

Bergfreund Benedikt Bombeiter – intern nur „Bombi“ genannt – hatte die einmalige Gelegenheit, die neuen Sachen zu testen und durfte ein verlängertes Wochenende in der schwedischen Wildnis verbringen. Wir haben ihn zum Interview gebeten und wollten wissen, wie es war und was er zur Bergtagen-Serie zu sagen hat.

Bombi, du hattest das Vergnügen, bereits im Mai zusammen mit zwölf anderen Outdoor-Enthusiasten die neue Bergtagen-Kollektion von Fjällräven testen zu dürfen. Wie genau lief das ab?

Nachdem die Einladung bei mir im Postfach landete, war relativ schnell klar, dass ich da hin muss. Ein verlängertes Wochenende in der Abisko-Region in Schweden mit Skitouren, gutem Essen und einem exklusiven Vorabblick auf die neue Fjällräven-Kollektion konnte ich mir schwer verkneifen.

Von der Abisko Mountain Lodge ging es per Hubschrauber zur Nallo-Hütte am Kebnekaise. Die Hütte ist eine klassische Wanderhütte mit Winterraum und liegt am bekannten Fernwanderweg Kungsleden. Dort mussten wir erstmal Schnee schmelzen, damit wir die Truppe mit Wasser versorgen konnten. Wir haben den Hubschrauber ausgeladen und uns dann für die erste Tour in Schale geschmissen.

Und wohin ging es?

Da nicht mehr all zu viel Zeit war, sind wir mit Skiern zum nächstgelegenen Gipfel aufgestiegen und abgefahren. Am zweiten Tag waren wir von morgens früh bis spät abends draußen. Wobei das sehr relativ ist, da es um diese Zeit ja nicht wirklich dunkel wird. Wir haben zwei Besteigungen gemacht und dabei eine geniale Abfahrt über 700 Höhenmeter unter die Skier genommen. Am dritten Tag gab es eine weitere kurze Skitour, bevor uns der Helikopter wieder abgeholt hat.

Fjällräven Bergtagen im TestWas ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Beeindruckend war vor allem die pure Einsamkeit. Das kennt man in unseren Breitengerade einfach nicht. In den Alpen trifft man ja doch irgendwann mal jemanden. Hier allerdings ist man ganz für sich alleine – wenn man nicht gerade mit einer großen Gruppe unterwegs ist.

Kurios war außerdem das Wegeschild an der Hütte. Dort war doch tatsächlich Tübingen (Anm. d. Red.: Unser Firmensitz ist quasi direkt bei Tübingen) ausgeschildert. Leider konnte mir niemand sagen, wie es die schwäbische „Metropole“ da rauf geschafft hat.

Jetzt aber zum Eingemachten: Wie hat sich die Bergtagen-Kollektion geschlagen? Welche Produkte durftest du testen?

Sowohl die Hardshell-Produkte (Hose und Jacke), die G-1000-Jacke als auch die Unterwäsche haben den Weg an meinen Körper gefunden und sich in der freien Natur auch ziemlich gut gemacht. Vor allem die Funktionsunterwäsche, die zusammen mit Aclima entwickelt wurde, hat mich ziemlich überzeugt. Aber auch die G-1000-Jacke war eine schöne Abwechslung zu klassischen Softshell-Materialien.

Was genau fandest du gut?

Bei der Bergtagen Jacket kommt G-1000-Lite zum Einsatz. Das ist etwas luftiger als das klassische G-1000 und synthetische Softshells, die ich bisher testen durfte. Dadurch hat man einfach mehr Möglichkeiten mit verschiedenen Layern zu arbeiten und kann sich meiner Ansicht nach besser auf die äußeren Gegebeneinheiten einstellen. Das ist aber natürlich nur meine subjektive Wahrnehmung. Weiterer Pluspunkt: Wenn es doch mal zu luftig wird oder mit schlechtem Wetter zu rechnen ist, kann man die Jacke immer noch mit Wachs bearbeiten, was die Jacke stark wasser- und windabweisend macht.

Bei der Unterwäsche merkt man das große Knowhow von Aclima. Die Mesh-Einsätze sind optimal gesetzt und sowohl Atmungsaktivität als auch Tragekomfort haben für mich perfekt gestimmt.

Du bist ja voll des Lobes. Gibt es auch Kritik?

Tatsächlich sind die Sachen ziemlich gut durchdacht. Allerdings fehlt mir zum Beispiel an der Hose ein Riemen am Beinsaum, um die Weite anzupassen. Das sind aber freilich nur Details. Wem das nicht so wichtig ist, kann getrost zugreifen.

Für wen ist die Bergtagen-Kollektion eigentlich genau gedacht?

Fjällräven richtet sich hier ganz klar an Ski- und Hochtourengeher. Durchdachte Materialauswahl, gute Konstruktion und natürlich auch die Passform sprechen eine deutliche Sprache. Wen es in den Schnee und ins Hochgebirge zieht und wer dazu noch riesen Fan von Fjällräven ist, der ist mit der Bergtagen-Kollektion bestens ausgestattet.

Apropos Material: Wie steht es bei Bergtagen ins Sachen Nachhaltigkeit

Guter und natürlich berechtiger Einwand: Fjällräven ist ja schon seit Jahren als einer der Musterknaben in Sachen Nachhaltigkeit, was unter anderem auch schon von Greenpeace gewürdigt wurde. Bei der Bergtagen-Kollektion setzt sich dieses Thema natürlich nahtlos fort. Verwendet werden Eco-Shell, Re-Wool und das auf Baumwolle basierende G-1000. Allesamt aus recycelten oder ökologisch angebauten Materialien. Das Down-Promise – also das Daunen-Versprechen -von Fjällräven garantiert, dass auch die Federn aus ethisch vertretbaren Quellen stammt und ist zudem zu 100% zurückverfolgbar.

Jetzt aber zur Frage, die mir schon die ganze Zeit unter den Nägeln brennt. Was gab es zu essen?

(Lacht) Puh, gute Frage. Das kann ich so ad hoc nicht beantworten. Wir hatten einen Koch dabei, mit dem wir zusammen ziemlich geniale Sachen gezaubert haben. Ich kann mich noch an eine leckere Fischsuppe erinnern und die großartigen Bratwürste sind mir auch im Gedächtnis geblieben.

Wir wollen mal hoffen, dass die Erinnerungslücken nicht auf den ausufernden Konsum von Bier zurückzuführen sind. An dieser Stelle jedenfalls vielen Dank, dass Du uns Rede und Antwort gestanden hast. Man sieht sich an der Kaffeemaschine!

Und wenn Du jetzt richtig Bock auf die neuen Bergtagen-Klamotten bekommen hast, schaust Du am besten gleich mal im Shop vorbei!

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

Local Hero Felix: Mein Weg an den Fels

22. September 2017
Die Bergfreunde

Wie viele Neueinsteiger habe ich das Klettern in der Halle begonnen – vor fast 10 Jahren. Nicht sehr häufig, wohlgemerkt. Sich mit Freunden in der Halle zu treffen um ein paar Routen im Toprope zu versuchen, war damals ein Highlight. Jemals im achten Grad zu klettern, schien schier unerreichbar.

Dann gab es eine längere Pause. Erst mit dem Beginn des Studiums vor fünf Jahren, habe ich mein altes Interesse wieder wecken können. In der Studienzeit habe ich dann erste Erfahrungen mit dem Felsklettern machen können und habe mir das Ziel gesetzt, besser zu werden. Und auch heute, nachdem ich bereits viele schwierige Routen bewältigt habe, ist dieses Ziel noch immer präsent. Natürlich gab es zwischenzeitlich auch einige Rückschläge und die waren nicht gerade von schlechten Eltern…

Nicht alles läuft glatt

Hier in Karlsruhe, mit den zwei Kletterhallen und den Felsen im Schwarzwald vor der Nase, habe ich ziemlich gute Bedingungen um meinen Sport zu trainieren und voranzubringen. Vor zirka zweieinhalb Jahren kam dann aber der erste „Rückschlag“: ich wollte meine erste 8 in der Halle im Vorstieg durchsteigen.

Mit ein wenig Sturztraining habe ich mir die Angst vor dem Fallen abgewöhnt und fühlte mich auch körperlich bereit für den nächsten Schritt. Also stieg ich selbstbewusst in die Route ein. An der vorletzten Exe ging mir dann aber doch der Saft aus. Ich wollte allerdings nicht aufgeben. Die Exe war noch nicht geklippt und meine Position eher unsicher. Das hielt mich aber nicht davon ab, das Seil nach oben zu ziehen und zur Exe zu führen.

Dann ging alles ganz schnell. Die Hand ließ den Griff los und ich sauste nach unten. Aber irgendwie wurde der Sturz nicht so schnell gestoppt wie gewohnt. Das passierte erst zwei Meter vor dem Boden. Meine Sicherungspartnerin hatte mit einem Tuber gesichert und der Ruck der durch meinen Sturz entstand war so fest, dass ihr beim Ausgeben das Seil der Hand gezogen wurde.

Für mich hieß es: freier Fall. Glücklicherweise hat meine Sicherungspartnerin schnellstmöglich reagiert und das Seil in letzter Sekunde nochmal zu fassen bekommen um den Bremsmechanismus auszulösen. Ich hatte einen Schock und sie verbrannte sich ihre Hände. Zum Glück ist mir nicht mehr passiert. Seither besitze ich ein Smart von Mammut. Auf diesen Fall hat unter anderem auch der DAV hingewiesen und empfiehlt seit letztem Jahr nur mit Sicherungsgeräten mit Bremskraftunterstützung zu Sichern.

Trügerische Sicherheit

Nach diesem Erlebnis brauchte ich gut ein Jahr, um wieder vollständig sicher im Vorstieg zu klettern. Die Halle hat mir immer ein gutes Gefühl gegeben und ich habe mich wohl ein wenig davon täuschen lassen. Auch wenn alle Griffe mit einer M10 Schraube befestig sind, der Kletterer augenscheinlich entspannt klettert und die Abstände der Zwischensicherungen sehr klein sind, es kann immer etwas schiefgehen.

Wenn man nicht mit einem Sturz rechnet oder sich ablenken lässt verkürzt sich die Reaktionszeit und somit wird der Sturz für den Sicherer härter oder länger. Deshalb sollte immer die volle Konzentration auf den Kletternden gerichtet werden. Mir hat sich dieser Spruch des DAV eingeprägt: „Wer nicht mit einem Sturz rechnet, sichert nicht!“.

Die gilt besonders in den ersten Metern einer Kletterroute, denn hier kann es ganz leicht zu einem Bodensturz kommen. Mir ist das schon einmal in einer Sechser-Route im Frankenjura passiert. Durch die häufigen Begehungen wird der Kalkstein dort wirklich glatt. In diesem Fall ist mir kurz nach der ersten Exe der Fuß weggerutscht und innerhalb des Bruchteils einer Sekunde hing ich im Seil. Ich pendelte 30 cm über dem Boden und war froh, dass mein Sicherungspartner aufmerksam war und mich sicher gehalten hat.

Auf ein Neues

Mich wieder nach Draußen an den Fels zu wagen, war nach meinem großen Sturz nicht mehr so leicht. Irgendwann ging es dann mit dem Uni-Kurs an den Battert bei Baden-Baden. Ich hatte eher ein mulmiges Gefühl. Das Abseilen zu Beginn war kein großes Problem. Danach suchte ich mir ein paar leichte Routen zum Vorsteigen. Eine nette 4 war schnell gefunden und eigentlich eher unter meinem physischen Niveau.

Trotzdem ging der Versuch, die Route im Vorstieg zu toppen, so richtig in die Hose. Mit fiel es schwer die richtigen Griffe zu finden. Wo war da nur der tolle neonpinke Griff, wie ich ihn aus der Halle kenne? Und irgendwie stand ich auch nicht so richtig sicher auf den Tritten.

Da die Hakenabstände in diesem Gebiet auch mal sechs Meter betragen können, haben wir ein paar Keile in Risse gelegt. Wenn man das Legen der Keile aber noch nicht so oft gemacht hat, dann kann das ganz schön Angst einflößend sein. Ich entschied mich, an einem dieser Keile abzubrechen. Naja, keine schöne erste Erfahrung. Ich hatte den Fels falsch „gelesen“, konnte mit den Hakenabständen nichts anfangen und dem Routenverlauf nicht wirklich folgen.

In den weiteren Monaten arbeitete ich regelmäßig an meiner Sturzangst. Regelmäßig musste ich Routen abbrechen, um mich wieder auf den sicheren Boden abzulassen. Aber mit einem guten Sturztraining schaffte ich es dann nach gut einem Jahr wieder mit einem freieren Kopf zu klettern und mich alleine auf die Bewegungen zu konzentrieren. Ein großartiges Gefühl. Übrigens gibt es auch hier im Basislager-Blog eine schöne Anleitung dazu.

Es geht wieder aufwärts

Mittlerweile habe ich es geschafft, Routen bis 8+/9- in der Halle zu klettern und habe auch draußen am Fels schon eine 8+ und mehrere 8er auf der „Scorecard“. Das Projekt der ersten 9 ist eröffnet und wird höchstwahrscheinlich beim nächsten Mal getoppt. In der Kletterhalle bin ich nur mit 9- ein wenig stärker. Mein maximaler Klettergrad von Halle und Fels liegt also nicht so weit auseinander.

Da stellt sich die Frage, ob der Spruch „Draußen klettert man mindestens zwei Grade schlechter“ pauschale Gültigkeit hat. Ich sehe das ungefähr so: Die Felsen an denen ich den achten Grad geklettert habe, kenne ich mittlerweile ziemlich gut und das Lesen des Routenverlaufs, sowie das Erkennen von Tritten und Griffen fällt mir leichter als in fremden Gebieten.

Wenn ich zum Beispiel in die plattigen Gebiete des Donautals oder im Basler Jura unterwegs bin, dann schaffe ich bisher nur den sechsten oder siebten Grad zu klettern. Einfach weil die Anforderungen an Klettertechnik und -taktik ganz andere sind, als ich gewohnt bin. In den beiden genannten Gebieten muss man auf Tritten stehen, die viel kleiner sind als Tritte in der Halle. Auf diesen winzigen Hervorhebungen muss man seinen Füßen voll vertrauen.

Man muss sich aber „nur“ bewusstmachen, dass das wirklich hält, auch wenn man sich das anfangs schwer vorstellen kann. Dass mir so diese Art des Kletterns schwer fällt, liegt wahrscheinlich daran, dass die Routen in der Halle sehr viel fingerlastiger geschraubt ist, aber mit vergleichsweise großen Tritten.

So habe ich zwar gelernt, athletischer zu klettern, allerdings fehlt mir die Technik die ich benötige, um in anderen Gebieten eine 6 oder 7 im ersten Versuch durchzusteigen. Im Vergleich dazu fällt mir ein Gebiet wie das Frankenjura zu manchen Teilen viel leichter und da ist dann bei einer 8- mit einer kurzen Boulderkrux auch mal ein Onsight möglich.

Je regelmäßiger ich an einem Felsen geklettert bin, desto leichter fällt es mir, in schwerere Routen einzusteigen. Das ist einfach eine Frage der Gewöhnung. So ähnlich kann einem das auch in der Kletterhalle ergehen. Dort kommt es zwar seltener vor, aber manchmal habe ich mit speziellen Schraubstilen meine Probleme auf Anhieb die richtige Lösung zu finden.

Am Ende eines Klettertages ist es für mich aber immer noch am wichtigsten Spaß zu haben. Für mich lohnen sich nicht nur die schweren Routen, sondern auch die schönen Leichten. Das Klettern ist ein schönes Hobby das Spaß macht. Natürlich sollte man auch auf seine Sicherheit achten und den Knoten oder Karabinier zweimal kontrollieren, dann folgen auch ganz bestimmt weitere schöne Klettertage.

Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

Von Spionen und Eroberern: Die Entwicklung der Hochtourenausrüstung

21. September 2017
Ausrüstung

In unserer kleinen Geschichtsstunde haben wir bisher die Schuhe und das Seil unter die historische Lupe genommen. Nun wollen wir den noch fehlenden Basics der Bergausrüstung in die Vergangenheit folgen. Doch dabei tauchen mindestens zwei Komplikationen auf:

In den Bergen wohnt die Anarchie

Erstens stellt sich die Frage, was hier dazugehört und was nicht. Wenn wir sämtliches Zubehör und Geklimper am Gurt berücksichtigen, landen wir am Ende bei Klemmkeilentfernern und Eissanduhr-Fädlern. Und wenn wir Outdoor-Produkte wie Zelt und Schlafsack mit hineinnehmen, bekommen wir ein Buch so dick wie der Quelle-Katalog. Und dann noch die unendliche Vielfalt der Klamotten…

Zweitens ist der Bergsport von der (schon in den beiden vorherigen Artikeln erwähnten) Unschärfe in der Geschichte und Entwicklung des Materials geprägt. Man kann es als den anarchistischen Freigeist der Berge deuten, dass bisweilen niemand wirklich weiß, was wann wo erfunden und erstmals benutzt wurde. Es trat nämlich nur in den seltensten Fällen ein neuer Gegenstand mit einem Geistesblitz eines Erfinders in die Welt und revolutionierte ab dem nächsten Tag das Bergsteigen. Oder wie es der Kollege von Bergwelten ausdrückt:

Die Fortschritte im klassischen Alpinismus sind aber keineswegs durch die Entwicklung immer neuer und „besserer“ Ausrüstungsgegenstände geprägt oder vorangetrieben worden. Die Frauen und Männer jeder Generation waren es, die Schwierigkeiten und Exponiertheit der Anstiege gepusht haben. Spät setzte auf dem Ausrüstungssektor eine Entwicklung ein, die mit den technischen Fortschritten auf anderen Gebieten mitzog.

Die Bergwelt bleibt eben länger als andere Gebiete eine wenig regulierte Zone. Das ist gut so, macht aber den Chronisten die Arbeit nicht leichter. Konzentrieren wir uns in der kleinen Ausrüstungschronik also auf das, was Alpinisten unmittelbar brauchen, um in Fels und Eis höher zu kommen. Die Schuhe haben wir ja schon angezogen, das Seil haben wir auch dabei. Jetzt, da wir den Gletscher betreten, müssen die Steigeisen ran. Für das Gleichgewicht in der steilen Eisflanke braucht es den Pickel, zum Einbinden ins Seil am messerscharfen Gipfelgrat muss ein Gurt her und ohne Karabiner nützt das ganze andere Zeug so gut wie nichts.

Ein paar Worte zur „Software“

Bevor es losgeht, sollen unsere geliebten Outdoorklamotten doch noch eine kurze Erwähnung bekommen. Die Beschreibung ihrer Entwicklung lässt sich nämlich mit einem kleinen Trick abkürzen: man nehme einfach die Entwicklung des Bergseils und übertrage sie auf alles andere, was hauptsächlich aus Nylon-, Polyester- und anderen Kunstfasern besteht.

Also auch das Band- und Schnurmaterial, die Zelte, Rucksäcke, Isomatten und Schlafsackhüllen. Denn der Durchbruch, der erdölbasierten Synthetikfasern, in den 40er- und 50er Jahren hat neben dem Seil auch all diese Dinge funktional gemacht. Bei einfachen Tools wie Reepschnüren und Bandschlingen ging es schneller als bei komplizierten Teilen wie den Schuhen.

Mischwesen: Klettergurt und Karabiner

Ausnahmen bilden hier der Klettergurt und der Karabiner. Die sind als Bindeglieder zwischen Mensch und Material nämlich so etwas wie Mischwesen aus Soft- und Hardware. Ihre Entwicklungsgeschichte ist komplizierter und beginnt später als bei anderen „Basistools“. Kein Wunder, denn wenn du draußen in der Wildnis frierst, kommt dir die Erfindung eines künstlichen Fells wohl recht anschaulich in den Sinn.

Das gleiche gilt auch für Schuhe, wenn sich der raue, spitze Untergrund durch die Hornhäute der Füße bohrt. Und wenn du dann auf hart gefrorenem Schnee herumrutschst, liegt die Idee von Zacken und Nägeln an den Schuhen wohl ebenfalls recht nahe. Die flexible Verbindung von Seilen mit Fixpunkten und dem menschlichen Körper ist hingegen ein deutlich abstrakterer Schritt. Hier ist das Prinzip nicht unbedingt sinnlich greifbar.

Die ersten Erwähnungen von Karabinern finden sich dann auch anders als bei den Seilen oder Schuhen nicht vor Jahrtausenden, sondern erst im 17. und 18. Jahrhundert. Damals kamen Metallringe mit Federverschluss in der Schiffahrt, der Viehwirtschaft und beim Militär zum Einsatz. Dort halfen sie den Kavalleristen, „den Karabiner schnell am Bandelier zu befestigen.“ Der Begriff Karabiner ist also vom Schießeisen zum Fixier-Ring gewandert. Um Verwechslungen auszuschließen, spricht man formal vom Karabinerhaken.

Karabiner am Berg

Im Bergsport kamen die ersten Karabiner um das Jahr 1910 zum Einsatz. Hermann Huber, der Alpinchronist und Insider einer noch kleinen Berg-Szene, beschreibt das sehr anschaulich:

Da kam, wie bekannt, unserem Extrem-Pionier Otto Herzog alias „Rambo“ um 1910 die eigentlich einfache Idee zur Lösung des Problems, als er Münchner Maurern zusah, wie sie ihre Mörtelkübel am Aufziehseil mit einem Feuerwehr-Karabiner verbanden: EUREKA!

Diese Karabiner prägten das Klettern und Bergsteigen der Zwischenkriegszeit vor allem in den Ostalpen. Sie bestachen mit ihrer unpraktische Form ebenso wie mit ihrem hohen Gewicht. Leichtmetallkarabiner wurden etwa zeitgleich um 1940 in Kalifornien und Frankreich erfunden, waren aber wegen der Kriegs- und Nachkriegszeit noch Ende der Fünfziger Jahre „nur sporadisch zu sehen“.

Ihre Bruchlast steigerte sich in dieser Zeit von zunächst 8 Kilonewton bis auf 28 KN. Letzteres entspricht in etwa dem noch heute gültigen Standard, wobei das Gewicht zwischenzeitlich deutlich reduziert wurde. Eine wohlverdiente, ausführliche Würdigung hat der Karabiner übrigens auch hier im Basislager-Blog schon bekommen.

Klettergurte

Der Gurt ist ebenfalls ein bescheidener Gesell, den wir nur allzu oft für selbstverständlich nehmen. Und auch er ist ein Spätzünder, der vor dem 20. Jahrhundert weder für das Klettern noch für andere Einsatzbereiche wie Höhlenforschung, Feuerwehr oder Bergrettung bekannt war.

Man band sich bis vor wenigen Jahrzehnten einfach die Seil-Endschlaufe direkt um die Hüfte oder – ganz fortschrittlich mit Zusatzschlaufe – um die Schultern. Auch das Abseilen ging mit direktem Körper-Seil-Kontakt und entsprechend aufreibenden Gefühlen vonstatten.

Die wenig komfortable Standardmethode war der Dülfersitz: Seil von vorne oben zwischen die Beine nehmen, dann hinter der (je nach bevorzugter Abseilhand) rechten oder linken Gesäßhälfte wieder nach vorne ziehen und quer über dem Bauch hoch damit zur linken oder rechten Schulter. Von da wieder nach hinten auf den Rücken und auf Oberschenkelhöhe mit der rechten oder linken Hand gepackt. Das ist die Bremshand. Jetzt reinsetzen und ab die Post.

Wie Hermann Huber berichtet, kamen erst in den 60ern separate Brustgurte aus verknüpften 9mm-Seilstücken auf den Markt. Und bis zur Serienreife des ersten Sitzgurts dauerte es noch bis 1970. Huber weist darauf hin, dass es in der Bergrettung schon seit den 30er Jahren Gurtkonstrukte für den Hüftbereich gab, doch die waren so schwer und unhandlich, dass sie den Bergvagabunden, deren Rucksäcke auch so schon schwer genug waren, wenig einladend schienen. So stiegen sie eben einfach ohne Gurt in die großen Nordwände ein:

Die Lösung der seinerzeit „drei letzten Probleme der Alpen“, die Nordwände von Matterhorn, Grandes Jorasses und Eiger, sowie sämtliche Klettereien aller Schwierigkeitsgrade wurden ohne derartiges Ausrüstungsstück (Hüft-Sitzgurt mit Beinschlaufen, Anm.) durchgeführt, bis in die 1960er Jahre.“

Neben den eigentlichen Aufprallverletzungen durfte man hier im Sturzfall zusätzlich mit schweren inneren Verletzungen durch Seilquetschungen und -einschnitte rechnen. Allerdings ist beim Erschaudern über die Bedingungen früherer Bergunternehmungen zu berücksichtigen, dass die Anzahl solcher Heroen in den damaligen High-End-Touren sehr gering war und sie zur sportlichen Creme de la Creme der Gesellschaft zählten.

Heutzutage wären diese Herrschaften wohl unter den  hochprofessionellen 11er-Kletterern und 8000er-im-Winter-Sammlern. Und sie würden sich im heutigen Auswahl-Dschungel der Gurte wohl eher verirren als in den Spaltenlabyrinthen ihrer abenteuerlichen Gletschertraversen. Gut, dass auch der Gurt in all seiner Pracht und Vielfalt hier ebenfalls schon eine ausführliche Würdigung bekommen hat.

Ab ins Eis: Steigeisen

Nach den Universaltools kommen wir jetzt zu den Spezialisten für hartes Eis und weichen Firn. Die ersten Steigeisen-Vorläufer sollen schon von Spionen des alten Roms erfunden worden sein. Offenbar lagen deren Arbeitsplätze ganz wie beim jüngeren Kollegen James Bond öfter mal in schwierigem Gelände.

Erneute Erwähnung findet die gezackte Steighilfe dann wieder in der Zeit der Renaissance. Holzarbeiter, Jäger, Bergbauern und Mineraliensucher schnallten sich eiserne Dreizacker nach dem Vorbild von Hufeisen unter die Schuhe. Sie dienten eher für steiles Gras, Schrofen und Waldboden als für Eis.

Erst 200 Jahre später erschienen mit der groß angelegten Alpenerschließung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschmiedete Steigeisen, die in ihrer Grundform den heute Gebräuchlichen ähnelten. Verstellbar waren sie noch nicht, sie mussten für jede Schuhgröße einzeln gefertigt werden.

In der zweiten Jahrhunderthälfte wurden die Eisen zunehmend auch für die Bergsteigerei genutzt. Dabei wurden immer mehr Zacken an den Rahmen geschmiedet, der meist die gesamte Schuhsohle umfasste. Der Zehnzacker kristallisierte sich als Standard heraus. Unter den Alpinisten kam der erste jener alpin-ethischen Dispute auf, die sich später bei den Bohrhaken, dem Flaschensauerstoff  und anderen künstlichen Hilfsmitteln wiederholen sollten:

Die Bergsteiger jener Zeit konnte man grob in zwei Fraktionen aufteilen: Die Tiroler, die Steigeisen grundsätzlich akzeptierten, und die Engländer, die sich als Puristen gegen das neue Gerät als „künstliche Hilfen“ stellten. Edward Whymper, einer der Erstersteiger des Matterhorns, nannte sie „[…] artificial aids on which one cannot depend on dangerous slopes“. Emil Zsigmondy meinte hingegen sinngemäß, die Bergführer in Zermatt würden deswegen keine Steigeisen verwenden, weil das Stufenschlagen damit überflüssig wäre und ihrem Ansehen bei den Kunden Schaden erleide.

Letztlich hat sich diese „künstliche Hilfe“ voll und ganz durchgesetzt. Nachdem sich die Grundform eingependelt hatte, wurde an den Feinheiten geschliffen. Die wichtigsten Innovationen waren die Zweiteilung des Eisens durch ein Gelenk (um 1910) sowie die Erfindung der horizontal aus dem Rahmen ragenden Frontalzacken (um 1935).

Ersteres verbesserte den Halt am Schuh und das Gehverhalten, letzteres ermöglichte die Überwindung steiler, hart gefrorener Eishänge ohne den bis dato hohen Aufwand an Kraft und Zeit.

Der Zwölfzacker mit zwei Frontalzacken ist laut Hermann Huber der „bis heute gültige, bedeutende Entwicklungssprung – für den mehr als Einer gern das gedankliche „Urpatent“ hätte. Grivel schrieb, schon Mitte der Dreißiger Jahre das Eisen mit Frontalzacken erfunden und auch produziert zu haben. Ersteres kann wohl kaum sein, eine frühe (Klein?-)Serien-Produktion sicher schon.

Hier sehen wir erneut die schon erwähnte „Unschärfe“ der Bergausrüstungsentwicklungsgeschichte. Genauer, die Unschärfe ihrer Dokumentation. Da können sich selbst fundierte Kenner wie Hermann Huber manchmal nur auf Vermutungen stützen. Bisweilen setzt sich auch in der Bergwelt wie im Fall Edison und der Glühbirne einfach der geschickteste Selbstvermarkter als „offizeller“ Erfinder für die Geschichtsbücher durch.

Eispickel

Mit seiner Vielseitigkeit ist der Eispickel im vergletscherten Hochgebirge ebenso unentbehrlich wie die Steigeisen. Laut Wikipedia handelt es sich hier um ein Kind, das einst aus einem Gehstock und einem Küchenbeil geboren wurde.

Tatsächlich gibt es ja auch ein gleichnamiges Küchengerät, mit dem man ebenfalls auf hartes Eis einprügeln kann. Das war es aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn Bergsteiger setzen ihre Stöße und Schläge nicht, um das Eis für einen Drink zu zerkleinern, sondern um sich darauf fortzubewegen.

Die längeren Pickel dienen als Gleichgewichtsstütze und Sturzbremse, die mit dem kurzen Schaft werden Eisgeräte genannt und mit der Haue ins Steileis getrieben, um so als Klettergriffe zu dienen. Manchmal wird der Pickel auch vergraben, um ihn als Fixpunkt für eine Sicherung zu benutzen (was freilich nur im weicheren Firn funktioniert).

Der frühere Haupteinsatzzweck, das Schlagen von Stufen in steilen Firn- und Eisflanken, spielt seit dem Vorhandensein brauchbarer Steigeisen kaum noch eine Rolle.

Für die ersten Hochgebirgs-Eispickel wurde ein Stahlstück mit Haue vorn und Schaufel hinten auf einen langen Holzschaft mit Stahlspitze am anderen Ende montiert. Mittlerweile ist das Holz wegen der steigenden Sicherheitsansprüche durch Aluminium ersetzt, der Stahl wurde um Chrom-Molybdän- und andere Legierungen ergänzt.

Und wann und wo wurde jetzt der erste Bergsteiger-Pickel geschmiedet? Gute Frage, auch hier greift mal wieder die alpinhistorische Unschärferelation. Denn wenn man die unzähligen Hersteller nach der „Geschichte des Eispickels“ fragt, dann antworten die mit der Geschichte ihrer Eispickel.

Vielleicht war es ja eine Schmiede in Chamonix, von der der Schweizer Bergführer Franz Josef Lochmatter laut Wikipedia um 1860 den ersten Pickel ins Mattertal bzw. in die Schweiz brachte. Und die erste Serienfertigung? Die kam vielleicht von dem kleinen Familienbetrieb Bhend aus Grindelwald, der ab 1870 die Alpinisten des „Goldenen Zeitalters“ mit Metallware fürs ewige Eis versorgte.

Die Fortschritte in Sachen Stabilität, Verlässlichkeit, Handling und Vielseitigkeit erfolgten bei den Pickeln etwa im Gleichschritt mit denen der Steigeisen und weisen auch eine ähnliche Kontinuität auf. Die Ausdifferenzierung der Geräte für immer extremere Einsatzzwecke dauert bis heute an.

Keine Zweifel gibt es hingegen darüber, dass es bei den Steigeisen (so wie bei den meisten anderen Ausrüstungsgegenständen auch) vor allem nach überstandener Nachkriegszeit zu einer regelrechten Explosion der Detailinnovationen kam. Dazu gehörten die Anpassbarkeit an verschiedene Schuhgrößen sowie neue Materialien und Formen bei den Bindungen, deren frühere Lederriemen oft für Probleme sorgten. Neue Metalllegierungen reduzierten das Gewicht der Eisen und sorgten für eine Erweiterung und Ausdifferenzierung des Anwendungsbereichs.

Was hat all das mit dem Militär und den Russen zu tun?

Bis hierhin haben wir das Basic-Material für den Aufstieg am Berg historisch mehr oder weniger lückenhaft begutachtet. Zum Abschluss schauen wir uns noch zwei eher ausgefallene aber sicher interessante Aspekte der Equipment-Welt an.

Einer davon ist eher wenig glanzvoll, denn manche der schier unglaublichen Materialfortschritte verdanken wir nicht zuletzt der ständigen Kriegstreiberei auf dem Planeten. Schließlich möchte jedes Militär bei seiner Heimatverteidigung möglichst gute Ausrüstung haben. Und auch im Zeitalter der Drohnen wird fleißig in der Wildnis umhermarschiert und campiert.

So kommt es, dass manch alpine Materialschmiede erst so richtig durchstartete, als das Militär anklopfte. Besonders bei den Steigeisen, den Pickeln und den Karabinern war der militärische Gebrauch eine Triebfeder der Entwicklung. Die Armee war, ist und bleibt (?) ein „guter Kunde“ und Partner der Outdoorbranche.

Doch welche Branche ist schon völlig frei von zweifelhaften Aspekten? Die werfe gerne den ersten Stein. Und immerhin, in Sachen Qualität und Vielfalt kann es am guten Image der Bergsportbranche wohl kaum einen Zweifel geben. Bei fast jedem Gegenstand hat die Entwicklung zu einer Riesenauswahl hochwertiger Varianten geführt, wobei oft auch noch die unterste Preisstufe vielfach getestet und genormt ist.

Allerdings ist diese lobenswerte Entwicklung keineswegs so „global“, wie wir das gerne hätten. Hauptsächlich kommt sie dem Outdoor-Völkchen in den Wohlstandsoasen Mitteleuropas und Nordamerikas zugute. Woanders kommen die alpintechnischen Errungenschaften erst verspätet, nur teilweise oder überhaupt nicht an. So gibt auch heute noch diverse Länder, die weniger konsumverwöhnt sind und trotzdem eine lebendige Outdoor- und Bergsteigerszene aufweisen.

Dort ist dann eine Materialauswahl an der Tagesordnung, die wir hier wohl nicht nur als veraltet, sondern als unzumutbar zurückweisen würde. Das schillerndste Beispiel ist ganz sicher Russlands Bergszene, die hierzulande wegen der vielen unglaublichen Anekdoten aus Robert Steiners Buch „Allein unter Russen“ ein wenig bekannter wurde.

Offensichtlich wird im Reich des Bären noch heute ein Improvisations- und Erfindergeist gepflegt, bei dem sich wohl nie ganz klären wird, ob er allein aus Ressourcen- und Geldmangel oder auch einer gewissen anarchischen Verwegenheit resultiert. Da besteht der Selfmade-Klettergurt schonmal aus alten Anschnallgurten vom Schrottplatz und die „Daunenjacke“ ist aus Muttis alter Steppdecke gefertigt.

Und wenn es  schonmal „richtig“ gekauftes Equipment gibt, wird dies in einer „Effizienz“ genutzt, die den Westalpinisten schon bei der bloßen Vorstellung zusammenzucken lässt. Da machen es sich im Zweimannzelt bei der Eigernordwand-Winterbegehung nicht drei und nicht vier, sondern sieben Kletterer gemütlich.

Es scheint als ob man in Sachen Kreativität und Pragmatismus einiges von der Parallelwelt des Ostens lernen kann. Allerdings soll die Bewunderung nicht darüber hinwegtäuschen, dass solche „Originalität“ an Felsen und Bergen auch gewisse Nachteile hat. Der Größte besteht darin, dass sie  bei unbedarften Nachahmern schnell mal zu schweren Verletzungen und Tod führt. Deshalb ist sie in Sachen Sicherheitsausrüstung ganz gewiss nicht empfehlenswert.

Vielleicht freuen wir uns doch lieber über die ganz unkreativ normierten Errungenschaften und ihre leichte Verfügbarkeit.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017

So war’s beim The North Face Mountain Festival 2017

19. September 2017
Die Bergfreunde

„Jööööhööörn, fahren wir zum Mountain Festival?“ Als meine Kollegin Britta mit dieser lieb vorgetragenen Bitte bei mir vorstellig wurde, war ich ziemlich schnell ziemlich begeistert von der Idee. Schließlich liest sich die Beschreibung des The North Face Mountain Festivals echt gut:

„Klettere Felswände hinauf, wandere und laufe durch atemberaubende Berglandschaften, erlerne die Kunst der Abenteuerfotografie oder der Outdoor-Küche und genieße bei all dem ein völlig neues Gefühl der Zusammengehörigkeit.“

Klingt ein bisschen Meta, aber hey, immerhin findet das Festival in Lauterbrunnen statt. Ja, genau. DAS Lauterbrunnen. Gelegen im Schatten von Eiger, Jungfrau und Mönch – drei Namen, die das Herz jedes Bergliebhabers vor Freude jubilieren lassen. Und so fiel meine Antwort an Britta auch relativ deutlich aus: Klar fahren wir!

Unter Gleichgesinnten

Als dritter Bergfreund in der Runde ergänzt Thomas unser buntes Triplett, als wir uns an einem Donnerstag Mitte September in die Schweiz aufmachen. Die Fahrt verläuft soweit unspektakulär – zumindest bis kurz vor der Einfahrt ins Lauterbrunnental.

Unsere Augen werden immer größer, fast so groß, wie die riesigen Felswände, die das Tal auf beiden Seiten einrahmen. Feine Wasserfälle rieseln wie Sand herunter und sogar die Sonne blickt nach einem sehr trüben Tag endlich durch die Wolken. Gut so, der Wetterbericht für das Wochenende ist ohnehin eher unschön. Aber das Glück sollte auf unserer Seite sein.

Nach der Ankunft beziehen wir erstmal unser Zelt und schaffen uns einen Überblick. Wo bitte geht es zum Essen? Es ist bereits Abend, als wir das – und das ist an dieser Stelle keine Übertreibung – wirklich extrem leckere Abendessen genießen dürfen. Hier sehen wir auch erstmals das wirkliche Ausmaß dieses Festivals:

Hunderte Bergsportler aus der ganzen Welt haben sich hier versammelt. Wir treffen Briten, Franzosen, Italiener, Niederländer, Asiaten, Amerikaner, Australier. Wahnsinn! Nach dem Genuss einer etwas unterkühlten Flasche Rotwein und einem Bier genießen wir noch die Band auf der Festivalbühne und ziehen uns bei Zeiten ins Zelt zurück, um noch ein paar Stunden Schlaf zu ergattern. Thomas muss am nächsten Tag schon um 5 Uhr raus zur Gletschertour. Britta und ich dürfen noch etwas länger im schön warmen Schlafsack bleiben.

Bergsteigen, wandern, knipsen

Von Thomas‘ Abgang bekommen wir nicht viel mit. Zum Glück. Denn die Nacht war etwas unruhig und wir sind um jede Minute Schlaf dankbar. Gegen 7:30 Uhr müssen wir dann aber langsam raus. Es ist kalt. Sehr kalt. Die Sonne erreicht das Tal erst am späteren Morgen und in der Nacht haben wir Temperaturen rund um den Gefrierpunkt.

Dick eingepackt sitzen wir beim Frühstück und genießen den heißen Kaffee. Thomas besteigt heute das Walcherhorn auf knapp 3700 m Höhe und wir haben uns für eine der kürzeren Wanderungen entschieden.

Um 9 Uhr stehen wir also in den Startlöchern und warten darauf, dass es los geht. Und wir warten. Und warten. Die Kälte kriecht langsam unter unsere Jacken und nach etwa einer halben Stunde geht es dann endlich los. Wir fahren mit der Bahn zur Grütschalp und wandern bergan.

Die Tour ist mit 10 km und 600 hm recht entspannt und bietet uns ein großartiges Panorama mit Blick auf die Eiger Nordwand, die sich majestätisch aufbäumt. Schon ein bisschen genial.

Zu Gast beim The North Face Mountain Festival 2017Die Gruppe ist groß und wir spät dran. Daher teilen wir uns auf. Während die etwas gemächlicheren Wanderer bereits absteigen, geben wir ein bisschen mehr Gas.

Bergab wechseln wir zwischen Speedhiking und Trailrunning, wodurch wir recht zügig unterwegs sind und schließlich mit einer halben Stunde Verspätung wieder im Camp ankommen.

Wir haben kurz Zeit für das Mittagessen, bevor wir weiter zum nächsten Termin eilen: Outdoor-Fotoworkshop. Im Angesicht des Mürrenbachfalls geben uns professionelle Fotografen Tipps, wie wir die Natur perfekt in Szene setzen. Nach eher unspektakulären drei Stunden und einigen hundert Fotos in der Tasche sind wir wieder im Lager. Aber wo ist Thomas?

Eigentlich sollte die Bergsteiger-Truppe schon wieder zurück sein. Wir machen uns frisch und warten mit knurrendem Magen auf den Kollegen, der gegen 19 Uhr am Abend mit freudestrahlendem Gesicht eintrifft. Die für ihn eher entspannte, aber landschaftlich äußerst reizvolle Hochtour hat ihm sichtlich gefallen. Britta und ich sind froh darüber, dass wir uns mit endlich aufs Essen stürzen können.

Am Abend lauschen wir noch einem Vortrag von Hansjörg Auer, der vor allem für seine Free-Solo-Begehung der Route Weg durch den Fisch an der Marmolata Südwand bekannt ist. Eine inspirierende Persönlichkeit. Danach folgt das schon bekannte Programm vom Vorabend. Its Partytime – diesmal mit den Bergfreunden! Immerhin halten wir bis Mitternacht durch, als uns die Müdigkeit langsam in Richtung Schlafsack drängt.

Dünne Luft und atemberaubende Panoramen

Heute sind Britta und ich es, die früh rausmüssen. 6 Uhr ist Abfahrt, 5:30 Uhr klingelt der Wecker. Zeitoptimierung ist angesagt. Schnell in die Bergstiefel rein, den bereits gepackten Rucksack auf die Schultern und ab an die Futterluke. Mit Essen im Bauch, aber ohne Kaffee stehen wir pünktlich um 6 Uhr zum Abmarsch bereit. Wir treffen die Bergführer am Lauterbrunner Bahnhof, von wo aus unsere Reise zu Jungfraujoch ihren Anfang nimmt.

Mit der Zahnradbahn fahren wir eine gefühlte Ewigkeit auf und später in den Berg. Die vor über 100 Jahren eröffnete Bahn muss ab der Station Kleine Scheidegg noch knapp 10 km und 1500 Höhenmeter bezwingen, die zum Teil durch einen eigens angelegten Tunnel führen.

Der Weg endet schließlich am höchsten Bahnhof Europas am Jungfraujoch – auf zirka 3500 m. Hier tummeln sich auffällig viele Asiaten und eben wir – eine handvoll Freaks, die mit ihrer Bergsteigerausrüstung unter den ganzen Touristen irgendwie auffallen. Komisch. Sind wir denn nicht am Berg?

Das Wetter ist auch heute auf unserer Seite. Über dem Gletscher strahlt die Sonne, so dass wir kurz nach unserem Aufbruch schon die äußere Jackenschicht ablegen können.

Wir sind zu siebt in der Seilschaft und gehen gemächlich über den Aletschgletscher. Wir begutachten die bedrohlich wirkenden Felsspalten, genießen das großartige Wetter und den nicht minder schönen Ausblick. Mir setzt die Höhe ziemlich zu. Das letzte Mal, dass ich auf über 3000 m unterwegs war ist schon etwas her und ich merke, wie mein Herz kräftiger pumpt und mein Kopf dröhnt.

Zum Glück ist das Tempo sehr angenehm und lediglich die kurzen Anstiege lassen mich etwas außer Atem kommen. Britta steckt das ganze deutlich besser weg und strahlt über beide Ohren – verständlich, bei so einem Panorama.

Nach drei Stunden sitzen wir wieder am Bahnhof und warten auf den Zug ins Tal. Es ist schon irgendwie kurios. In der Regel sind die Berge für mich ein Rückzugsort, an dem ich die Ruhe genießen kann. Hier oben auf dem Jungfraujoch hingegen tummeln sich hunderte Touristen in Sneakers und Jeans. Es gibt einen Laden für Luxusuhren und eine Art Schokoladenmuseum. Der Kommerz hinterlässt ein zwiespältiges Gefühl bei uns.

Ich bin echt kaputt. Das kenne ich sonst gar nicht von mir und hatte eigentlich erwartet, dass ich die Höhe besser wegstecke – so als gut trainierter Trailrunner und Triathlet. Aber hier bewahrheitet sich wohl eine alte Bergsteigerweisheit: Jeder verträgt die Höhe anders. Wir gesellen uns zu zwei Niederländern, mit denen wir uns eine Tafel Schokolade teilen. Der Zucker hilft, mich wieder etwas auf Trab zu bringen.

Allerdings bin ich echt froh, als wir nachmittags wieder im Camp ankommen. Es regnet leicht und wir beschließen, vor dem Abendessen noch eine Mütze Schlaf zu nehmen und dann in den letzten Festival-Abend zu starten. Thomas ist inzwischen auch wieder bei uns und berichtet von einem großartigen Tag am Fels mit herausfordernden Klettereien.

Auf ein Tänzchen mit The North Face

Eine Stunde später klingelt der Wecker. Wir springen schnell unter die Dusche und finden uns kurze Zeit später in der Schlange an der Essensausgabe wieder. Heute gibt es Gegrilltes und auch diesmal ist die Qualität des Essens herausragend gut. Und das ist keine Übertreibung. Lediglich der gegrillte Fenchel raubt uns mit seiner Faserigkeit fast den Nerv.

Nach dem Essen geht es gleich weiter in das große Hauptzelt. Vor der Bühne lassen wir uns mit einem Bierchen auf der Isomatte nieder und lauschen zusammen mit vielen anderen Bergenthusiasten der Podiumsdiskussion mit den The-North-Face-Trailrunnern Seb Chaigneau, Lizzy Hawker und Pau Capell, die von ihren Rennen, ihrem Leben und ihrer Motivation berichten.

Das Highlight des Abends sind dann aber zwei andere Akteure. Nach den Trailläufern betreten Simone Moro und Tamara Lunger die Bühne. Sie sprechen über Erfolg, Scheitern, Freundschaft und der Liebe zu den Bergen und der Natur. Ich habe selten so einem inspirierenden und lustigen Vortrag lauschen dürfen. Die beiden sind wirklich überaus sympathisch und haben das Herz am rechten Fleck.

Nach einem langen Applaus ist er angebrochen – der letzte Partyabend des Mountain Festivals. Und er sollte legendär werden. Ohne zuviel zu verraten: Die versammelten The-North-Face-Athleten haben durchaus viel Spaß am Feiern und Pogo tanzen.

Das kleine Finale

Mit noch weniger Schlaf als am Vortag krabbeln Britta, Thomas und ich aus dem Zelt. Ein letztes Frühstück, ein letzter Kaffee und ein letztes Mal an den Berg. Britta geht heute klettern, Thomas und ich drehen eine Runde mit den Trailrunnern. Wieder haben wir tierisch Glück mit dem Wetter.

Unsere Truppe wird angeführt von Seb Chaigneau, der am Abend noch mit auf der Couch saß und von Angesicht zu Angesicht mindestens genauso sympathisch rüber kommt, wie zuvor schon auf der Bühne.

Nach einer eher kurzen, aber durchaus intensiven Runde kommen wir wieder am Camp an. Etwas wehmütig sitzen Thomas und ich auf einer der vielen Holzsitzkonstruktionen und überblicken das Gelände. Wie es immer so ist mit den schönen Dingen im Leben… Sie gehen einfach zu schnell vorbei.

Nachdem wir uns noch eine kleine Stärkung gegönnt haben, packen wir unsere Sachen und beladen das Auto. Ein letzter Streifzug über das zermatschte Grün und wir sagen Adieu zu diesem wunderbaren Ort. Eine halbe Stunde später haben wir auch Britta am Kletter-Spot eingeladen und machen uns schließlich endgültig auf dem Weg ins Schwabenland.

Ein großes Lob gilt zum Schluss natürlich den Organisatoren von The North Face. Ich will nicht untertreiben – wenn man von manch etwas längerer Wartezeit absieht, hatten wir eine extrem schöne Zeit, mit vielen aufregenden, internationalen Begegnungen, guter Musik, gutem Essen, „Stars“ zum Anfassen und natürlich jeder Menge Berge.

Das Mountain Festival solltet ihr euch auf jeden Fall für das nächste Jahr im Hinterkopf behalten, wenn ihr Lust auf ein verlängertes Wochenende mit zahlreichen Aktivitäten in den Bergen habt!

Gore Thermium

Gore Thermium – Warm und winddicht

14. September 2017
Ausrüstung

Warme Funktionsbekleidung für Wintersportler ist in den meisten Fällen mit einer Füllung aus Daunen oder einer Schicht aus wattierten Kunstfasern isoliert. Damit die funktionelle Winterbekleidung optimal wärmt, muss sie allerdings auch vor Wind und Schneefall gut schützen. So bleibt die Isolierung trocken und der kalte Wind führt nicht zu unangenehmer Auskühlung.

Gore‘s Antwort auf diese Herausforderung ist die Gore Thermium Technologie. Der spezielle Aufbau des Laminats garantiert absoluten Windschutz und eine hohe Atmungsaktivität. Gleichzeitig hält er das wärmende Futter im Inneren trocken und sorgt für einen guten Wetterschutz vor leichtem Regen, Nässe und Schneefall. Das macht die Outdoorbekleidung mit der Gore-Thermium-Technologie ideal für den winterlichen Einsatz beim Skifahren, Snowboarden, Winterwandern und Schneeschuhlaufen.

Das warme Futter ist fest integriert

Bei den Winterjacken mit Gore Thermium steht keine komplett wasserdichte Außenhülle wie bei anderen Gore-Tex Produkten im Fokus. Vielmehr geht es darum, zuverlässig vor Wind zu schützen und die isolierende Einlage trocken zu halten, damit diese optimal wärmt. Die Membran des Gore-Thermium-Laminats befindet sich zwischen dem wetterbeständigen Obermaterial und der isolierenden Schicht. Von innen kommt noch ein weiches Futter zu dieser Konstruktion dazu. Dadurch trägt sich die sportliche Winterbekleidung mit Gore-Thermium-Technologie ausgesprochen angenehm.

Auf der Oberfläche schützt Gore seine Winterbekleidung mit einer wasserabweisenden DWR Imprägnierung (Durable Water Repellent). Dadurch perlen kleine Tropfen, Schneeflocken und auch Schmutzpartikel einfach an der Oberfläche des Materials ab. Durch diese Bauweise bleiben Synthetikisolierung und Daune im Inneren jederzeit bestens vor Schnee und Nässe geschützt.

Die richtige Mischung aus Atmungsaktivität und Wärmeleistung

Phasen aus hoher körperlicher Belastung und Ruhephasen wechseln sich beim Skifahren und Snowboarden immer wieder ab. Dabei darf es weder in den Belastungsphasen zur Überhitzung kommen, noch zur Auskühlung in den ruhigeren Abschnitten und Pausen.  Deshalb sorgt die Gore-Thermium-Technologie für eine hervorragende Dampfdurchlässigkeit. Die Feuchtigkeit, die beim Sport am Körper entsteht, wird durch die Funktionsunterwäsche und die über sämtliche Schichten der Jacke oder Hose nach außen abgegeben.

Je nach Einsatz der Gore-Thermium-Technologie verwenden die Hersteller der Outdoorbekleidung unterschiedliche Materialien zur Isolation. Daher wärmen auch nicht alle Funktionstextilien mit Gore Thermium im gleichen Maß und sind teilweise mit Daunen gefüllt und teilweise mit Isolationsschichten aus Kunstfaser ausgestattet. Die Abstimmung der Wärmeleistung zielt jedoch bei allen Isolierungen auf den sportlichen Einsatz im Winter und in kalten Regionen und gewährleistet dabei eine optimale Bewegungsfreiheit und einen tollen Tragekomfort.

Idealer Schutz vor kaltem Wind

Bei einer Außentemperatur von etwa -12°C und einem eher schwachen Wind von 16 km/h fühlt sich durch den Windchill die Temperatur bereits wie eisige -20°C an. Sowohl der Wind im Gebirge, als auch der Fahrtwind beim Skifahren und Snowboarden führen so schnell zu unangenehmer Auskühlung. Da Gore Thermium vollkommen winddicht ist, müssen Skifahrer und Snowboarder sich um die Folgen des Windchills zum Glück keine Gedanken machen.

Ähnlich wie auch die Textilien mit Gore Windstopper hält Gore Thermium den Wind dauerhaft und zuverlässig ab und sorgt dafür, dass die Isolationsschicht ihre volle Wärmeleistung entfalten kann. So bleiben Wintersportler jederzeit angenehm warm und trocken auf der Piste, im Backcountry und beim Freeriding.

Bekleidungstipps für die Übergangszeit

Bekleidungstipps für die Übergangszeit

12. September 2017
Kaufberatung

Da ist sie wieder. Ganz unerwartet kam sie angeschlichen und hat uns im wahrsten Sinne des Wortes kalt erwischt. Die Übergangszeit. Für alle, die sie nicht kennen: das ist die Jahreszeit zwischen Sommer und Winter, in der man – sofern man oft Draußen unterwegs ist – ziemlich alles mitschleppt, was der Kleiderschrank so zu bieten hat, weil man sich morgens auf dem Weg zur Arbeit sonst sämtliche Glieder abfriert. Sind es dann zum Nachmittag wieder muckelige 15-20°C schwitzt man sich auf dem Heimweg die Seele aus dem Leib, weil man ja noch die lange Hose und ein langes Oberteil an hat. Gemeinhin kennt man dieses Jahreszeiten auch als Herbst und Frühling.

Am Berg ist das natürlich ähnlich. Oder wenn man noch die letzten schönen Tag am Fels genießen möchte. Damit ihr nicht mit eurem 70-L-Trekkingrucksack unterwegs sein müsst, gibt’s hier ein paar hilfreiche Tipps für die schwierigste aller Jahreszeiten.

Pack‘ die Zip-Off-Hose ein…

Auch wenn sie vielleicht etwas antiquiert daher kommen mag – in der Übergangszeit ist die Zip-Off-Hose ein echter Bringer. Morgens kalt = Lange Hose, Mittags warm = kurze Hose. Zwei einfache, aber geniale Gleichungen. Und man muss meistens noch nicht mal die Schuhe ausziehen, um die kurzen Hosenbeine abzustreifen. Die sind nämlich oft etwas großzügiger geschnitten oder haben Reißverschlüsse, über die man sie weiten kann.

Hat man die Möglichkeit sich zwischendurch umzuziehen kann es auch ratsam sein, eine lange Laufhose (aka Lauftight) einzupacken. Sie sind deutlich leichter als schwere Trekkinghosen und sehen unter einer Wandershorts gar nicht mal so schlimm aus.

Fahrradfahrer wählen hier selbstverständlich die altbewährten Bein- oder Knielinge, die in Kombination mit der normalen Radhose wahre Wunder bewirken und bei Nichtgebrauch einfach in der Trikottasche untergebracht werden können.

…nimm das leichte Jäcklein.

Finger weg von schweren Hardshells, dicken Fleece-, Daunen- oder Kunstfaserjacken. Damit warten wir noch ein paar Wochen, bis die Temperaturen endgültig in Richtung Gefrierpunkt tendieren. Stattdessen landen die leichten Varianten im Rucksack. Denn gerade in der Übergangszeit ist das berühmte Zwiebelprinzip der beste Freund. Der typische Aufbau der Oberbekleidung könnte z.B. so aussehen: Als Baselayer ein leichtes Merino-T-Shirt, darüber ein leichtes Fleece getoppt von einer leichten Wind- oder Regenjacke.

Wenn die Wärme am Körper gehalten werden kann, was durch wasser- bzw. winddichte Bekleidung bewerkstelligt wird, hat man dem Auskühlen durch den Windchill-Effekt nämlich schon das erste Schnippchen geschlagen.

Wer stärker friert, packt sich noch einen weiteren Fleecepulli in den Rucksack. Geniale Alternative sind hier aber auch sogenannte Hybridjacken. Am Torso bieten sie dank Daunen- oder Kunstfaserfütterung angenehme Wärme und die Ärmel aus Fleece oder Softshell sind nicht so brutal warm, dass man darin eingeht.

Dann noch was für obenrum…

Buffs oder – wenn wir im deutschen Sprachgebrauch bleiben wollen – Multifunktionsschlauchtücher (was für eine großartige Wortschöpfung) sind hier definitiv die richtige Wahl. Die dünnen Schals lassen sich prima als Halstuch, Stirnband oder sogar Mütze tragen und wiegen so gut wie nichts. Packt man zwei davon ins Gepäck, kann man eins als Halstuch verwenden und ist für so ziemlich alle Gegebenheiten gerüstet.

Glück hat hier, wer regelmäßig an organisierten Trailrunning-, Lauf-, Rad- oder Wanderevents teilnimmt. Hier bekommt man die Dinger in der Regel hinterher geschmissen und hat nach einem Jahr einen beachtlichen Fundus aufgebaut, der auch immer mal wieder als Geschenkegrube für die mehr oder weniger lieb gewonnene Verwandschaft dienen kann.

Pro-Tipp für die Radpendler: Wenn der Helm trotz Stirnband oder Mütze zu zugig ist oder ihr vermeiden wollt, am Kopf nass zu werden, schaut euch doch mal die sogenannten Radhelmüberzüge an. Durch die Neonfarben wird man zudem bei Schmuddelwetter besser gesehen. Auch wenn der Look etwas… eigenwillig ist.

…und Accessoires, gar nicht dumm!

Darüber hinaus gibt es einige praktische Accessoires, die uns die Übergangszeit erleichtern können. Handschuhe sind so ein Beispiel. Kennt ihr? Das sind diese Dinger, die man sich über die Hände stülpt. Genau, wie Socken an den Füßen! Spaß beiseite. Ein paar leichte Fleecehandschuhe, eventuell mit winddichten Eigenschaften, können bei kühlen Temperaturen wahre Wunder wirken. Wer noch nicht auf komplette Handschuhe zurückgreifen möchte, kann sich stattdessen Stulpen für die Hände zulegen. Entsprechende Modelle gibt es von Aclima, Sherpa oder Houdini.

Und wer sie noch nicht kennt, sollte spätestens jetzt aufmerksam lesen: Armlinge sind ebenfalls ganz feine Gesellen. Für Radfahrer und Läufer ein alter Hut, sind sie aber auch beim Wandern oder Klettern nicht zu unterschätzen. Dank ihnen macht man aus einem T-Shirt im Handumdrehen ein Longsleeve – ohne viel Zusatzgewicht.

Ein weiterer Tipp, vor allem für Bergfreundinnen: Der Kunstfaserrock. Er schützt Hüft- und Gesäßbereich vor dem Auskühlen und ist in aller Regel ebenfalls kompakt verpackbar. Zugegeben, eher was für den Winter, aber auch an kalten Morgen in der Übergangszeit oder bei Pausen an kühleren Tagen in den Bergen eine lohnenswerte Alternative für mehr Wärme. Natürlich gibt’s die Teile in Shorts-Form auch für die Herren der Schöpfung. Praktisch: Viele Modelle haben einen durchgehenden Reißverschluss, weshalb man sie schnell und einfach an- und ausziehen kann. Leichtere Varianten der Hosen und Röcke gibt es auch in Merino oder Fleece.

Da kann nichts mehr schief gehen

Eines steht jedenfalls mal fest: Reimen müssen wir noch üben! Und was das Thema „Ich-friere-mir-in-der-Übergangszeit-den-Hintern-ab-oder-schwitze-wie-die-Hölle“ angeht: Leider, leider gibt es hier – wie so oft – kein Patentrezept, da das Wetter extrem wechselhaft und das eigene Temperaturempfinden zu unterschiedlich ist, als dass man allgemein gültige Empfehlungen geben könnte. Warum also dieser Beitrag? Ganz einfach: Wer alle Optionen und Möglichkeiten kennt, kann sich auch auf die ungeliebte Übergangszeit bestens einstellen und sich darüber freuen, dass man für einen schönen Sonnenaufgang nicht mehr ganz so früh aufstehen muss.

Und jetzt seid ihr dran! Was sind eure Tipps für die Übergangszeit?