Besser Bouldern
Artikelserie für maximalen Grip:
Tipps zum besseren Bouldern
Tipps zum besseren Bouldern
Der Start der Artikelserie
Anni auf dem Nordkalottleden
Die Bergfreunde unterwegs...
Anni erwandert den Nordkalottleden
Die Bergfreunde unterwegs...
Anni erwandert den Nordkalottleden
Kleine Frau, großer Fels - Ulligundes Bergkolumne
Kleine Frau, großer Fels:
Ulligundes Bergkolumne
Kleine Frau, großer Fels
Ulligundes Bergkolumne
Bergfreunde.de Kletterkalkulatoren
Calc your climb
Die Bergfreunde Kletterkalkulatoren
Calc your climb
Kalkulatoren für Kletterer
goretex-water-drop

Gore-Tex und Greenpeace einigen sich…

24. Februar 2017
Ausrüstung

Am Rande der ISPO fand relativ unbemerkt ein nicht uninteressanter Presse-Termin statt. Die Firma Gore und Greenpeace hatten zur gemeinsamen Verlautbarung geladen, um über das jahrelange Streitthema PTFE, PFC und die generellen Auswirkung von Outdoor-Bekleidung auf die Umwelt zu sprechen. Das Ergebnis: Bis 2023 will Gore sämtliche bedenklichen PFCs aus der seinen Produkten verbannen.

PTFE, PFC – was ist das überhaupt?

PTFE ist die Abkürzung für Polytetrafluorethan, einem Polymer aus Fluor und Kohlenstoff. PTFE sorgt für Antihafteigenschaften von Pfannen, wird aber auch in Membransystemen wie Gore-Tex eingesetzt. PFC steht für polyfluorierte Chemikalien und ist der Oberbegriff für mehrere Verbindungen, unter die auch PTFE fällt. Auch diverse DWR-Imprägnierungen enthalten PFCs. Der Vorteil: Sie sind wasserabweisend und luftdurchlässig und eignen sich dadurch natürlich optimal für den Einsatz beim Outdoor-Sport.

Warum sind PFCs ein Problem?

Unter den PFCs gibt es solche, die als schädlich für die Umwelt angesehen werden. Entsprechende Verbindungen (PFC of environmental concern) haben die Eigenschaft, sich in der Umwelt abzulagern. Sie sind überaus persistent und bauen sich kaum ab. Dabei handelt es sich vor allem um solche PFCs, die über das Tensid Perfluoroctansäure gewonnen wurden.
Die Kritik an der Verwendung von Perfluoroctansäure wurde in den letzten Jahren so laut, dass der Stoff inzwischen aus vielen Herstellungprozessen verbannt wurde. Zum Beispiel auch bei Gore. Aber eben nicht komplett.

Keine ökologisch bedenklichen PFCs bis 2023

Greenpeace setzt sich schon seit Jahren dafür ein, dass ökologisch bedenkliche PFCs durch andere, umweltfreundliche Verbindungen ersetzt werden. Dieses Engagement gipfelte jetzt in der Übereinkunft mit Gore, einem der größten Hersteller für Membransystem und Imprägnierungen, bedenkliche PFCs bis zum Jahre 2023 komplett aus der Produktionskette zu verbannen.
Konsens herrscht darüber, dass das von Gore eingesetzte PTFE gesundheitlich unbedenklich ist, da es, im Gegensatz zu anderen PFCs, sehr stabil ist und dadurch nicht in die Umwelt gelangt.

In speziellen Recyclinganlagen kann so schon heute ein Großteil solcher PFCs wiederverwertet werden. Greenpeace erkennt an, dass PTFE keine Quelle von bedenklichen PFCs darstellt.
Da Gore-Tex allerdings Zulieferer für viele große Outdoor-Marken ist, hat diese Umstellung natürlich einen großen Impact, wodurch ein großer Teil des Outdoor-Segments idealerweise schnell von bedenklichen PFCs befreit werden kann. Gore-Tex ist zudem seit dem Jahr 2010 bluesign-Systempartner und stellt seine Produkte gemäß dem Öko-Tex® Standard 100 her. Dadurch verpflichtet sich das Unternehmen der Einhaltung ökologischer und sozialethischer Standards.

Weitere Informationen:

Pressemeldung Gore
Presseerklärung Greenpeace

Titelbild-Pulverschnee

Der Traum vom Pulverschnee – Skitourenrunde um die Saarbrücker Hütte, Silvretta

23. Februar 2017
Die Bergfreunde

Die meisten behaupten ja, es gäbe nichts Schöneres als Frühjahrs-Skitouren und schwärmen gleich weiter, von „aufgefirnten Hängen und traumhaften Abfahrten“… Seid mir nicht böse, jedem das Seine, aber ich stehe einfach auf Pulverschnee. Zugegeben, die letzten Jahre gab es nicht viel davon, aber ein paar versteckte Ecken haben sich noch immer gefunden. So wie rund um die Saarbrücker Hütte, die ohnehin nur zwei Wochen um Ostern geöffnet ist und damit eher zum ruhigeren Gebiet der Silvretta gehört. Wie ein Adlerhorst thront sie am felsigen Sockel des Kleinlitzner, hoch über dem glitzernden Vermunt-Stausee. Ein traumhafter Stützpunkt für Skitouren in die einsame Bergwelt der Litzner-Seehorn-Gruppe. Man könnte fast behauten, mit Pulverschnee-Garantie.

Neue alte Bekannte

Neugierig blättern wir im Panico Skitourenführer Silvretta, tatsächlich haben wir die Namen der zahlreichen Gipfel im Litzner-Seehorn-Gebiet noch nie gehört. Die Finger huschen wild über die Karte, während wir eine schöne Runde für das Wochenende zusammen suchen. Am besten den ersten Gipfel schon im Zustieg zur Hütte einheimsen, wenn wir anstatt dem Normalweg durch das Kromertal folgend, durch das Klostertal kommen.

Über den steilen Verhupfgletscher zum Glöttnergletscher hinauf und auf den Gipfel der Sonntagspitze, von wo sich mit Sicherheit ein schöner Blick zu den Spitzen rund um die Wiesbadener Hütte auftut. Der kurze Gegenanstieg in den Litzner Sattel sieht Höhenmeter-technisch harmlos aus, zumindest auf der Karte. „Das geht dann schon“, wenn der Einkehrschwung in die Saarbrücker Hütte, als urigste aller Silvretta-Hütten, so nah ist. Für den zweiten Tag lassen wir uns von den Experten vor Ort beraten, wie sich die schönsten Abfahrten am besten verbinden lassen.

Traum und Wirklichkeit

Pläne sind super, die Realität sieht manchmal anders aus. Das letzte Wort hat in diesem Fall das Wetter. Im dichten Schneegestöber stehen wir an der Busstation Bielerehöhe, irgendwo dort unten müsste der Silvretta-Stausee sein. „Wer von euch hat denn gerade für heute Schnee bestellt?!“ Statt Klostertal und Sonntagspitze also doch „nur“ der normale Hütten-Zustieg durch das Kromertal. Zunächst heißt es abwarten und Tee trinken, bis sich der schlimmste Schneefall legt.

Um die Mittagszeit beruhigt sich das Wetter dann und wir können aufbrechen. Gemütlich steigen wir den flachen Anstieg durch das Kromertal hinauf, wo der Nebel langsam einen formschönen Felsgipfel nach dem Anderen frei gibt. Hochmaderer, Valgraggesspitzen und die Gipfel der Plattenspitzen zur Rechten, die Felstürme der Lobspitzen, Verhupftspitze und Glötterspitze zur Linken. Langsam kämpfen sich kleine Flecken blau durch die dichte Wolkendecke und mit der Farbe kommen die Gipfelträume. Wie gern würden wir noch schnell in den Lobsattel aufsteigen, um den imposanten Lobturm näher zu betrachten, aber die Zeit drängt und die Hütte ruft. Als hätten wir geahnt, dass wir gleich ein Stamperl „Spenling“ spendiert bekommen.

Der Wildpflaumenbrand bleibt nicht die einzige Tiroler Spezialität, die wir kosten dürfen. Am Abend folgt ein Vier-Gänge Menü, das fünf Sterne verdient. Auch das Wetter ist jetzt auf unserer Seite, der purpurrote Abendhimmel kündigt einen wunderschönen Tag an – inklusive frischem Neuschnee!

Ein Berg ohne Gipfel…

Tatsächlich begrüßt uns am Morgen ein strahlend blauer Himmel, die Silvretta zeigt sich heute von ihrer schönsten Seite. Die Eiskristalle funkeln in der zarten Morgensonne, während wir durch lockeren Tiefschnee in Richtung Seelücke hinauf spuren. Vorbei an den imposanten Nordwänden von Großlitzner und Großem Seehorn, über den schmalen Grat hinein in den riesigen Kessel des Seegletschers. Nicht nur der eisige Wind lässt uns hier im Schatten des Großen Seehorns die Haare zu Berge stehen. Der Weg auf seinen Gipfel führt einen steilen Schneekegel hinauf zur Scharte im Nordwestgrat, zuletzt bei 45° Neigung. Zu steil für die heutige Verhältnisse.

Die Gipfelkletterei im zweiten Grad ist ein weiterer Grund, warum dieser imposante Gipfel im Winter eher selten begangen wird. Auch wir queren stattdessen herüber in die Seehorn Lücke, wo sich uns mit einem Mal das berühmte Silvretta Panorama eröffnet. Leuchtende Schneegipfel soweit das Auge reicht. Mitten im Staunen bringt uns Georg wieder auf den Boden der Tatsachen. „Mädls, wollt ihr lieber einen Gipfel besteigen oder zwei Pulverschneeabfahrten?“

Was für eine Frage, das Kleine Seehorn steht auch nächste Woche noch, aber zwei Mal unverspurten Pulverschnee kriegen wir so schnell nicht mehr. So lassen wir den frischen Wattflausch so richtig stauben und malen schwungvoll unsere Spuren in den langen Hang des Seegletschers. Im Talboden fellen wir erneut auf und steigen in steilen Spitzkehren zur Kromer Scharte hinauf. Durch ein Felsloch schlupfen wir auf die Nordseite des Kamms, wo unsere Mühe mit einer langen Abfahrt durch schönsten Pulverschnee belohnt wird. Lässig schwingen wir über sanfte Hügel die lange, lange Abfahrt bis hinunter zum Vermunt-Stausee.

Wer sucht, der findet

Nach dieser schönen Portion Winter und tollem Pulverschnee steht uns ein breites Grinsen ins Gesicht geschrieben. Am liebsten gleich umdrehen und wieder zur Hütte aufsteigen, wenn es zuhause nicht diese lästigen Pflichten gäbe, die uns rufen. Für jetzt müssen wir uns somit vom Schnee verabschieden, im schlimmsten Fall bis zum nächsten Jahr. Der kurze Ausflug in die Silvretta war es trotzdem wert und wir fühlen uns wieder einmal bestätigt: Firn hin oder her, die Suche nach verborgenen Pulverschnee-Fleckchen hat sich bis jetzt immer gelohnt.

INFOS:

  • Anreise mit dem Auto über die Inntal- oder Rheintal. Autobahn bis zur Abfahrt Montafon bei Bludenz, weiter auf der Montafonerstraße (L188) nach Partenen.
    Mit der Bahn bis Bludenz, anschließend per Montafonerbahn nach Schruns und mit dem Postbus nach Partenen.
  • BergbahnVermuntbahn, Vermuntwerk, 6794 Gaschurn. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist im Winter gesperrt, daher geht es ab Partenen mit der Vermuntbahn zur Bergstation Trominier (1.731 m) und per Minibus hinauf zum Vermuntstausee (1748m) oder Bielerhöhe (2032m). Die Bahn verkehrt täglich von 8:30-12:00 Uhr und 13:00-16:00 Uhr, letzte Talfahrt ab Bielerhöhe um 16:00 Uhr.
  • Hütte: Saarbrücker Hütte, 2538 m, DAV Sektion ASS Saarbrücken, Hüttenwirte Bruno und Sabine Falch, Tel. +43 5442 64234 (Tal), Tel. +43 5558 4235 (Hütte), www.saarbrueckerhuette.com, im Winter 14 Tage über Ostern geöffnet, 37 Zimmerlager, 51 Matratzenlager, 12 Winterlager (immer offen, ungeheizt)

MATERIALEMPFEHLUNGEN:

DYNAFIT Neo CR WS und DYNAFIT TLT7
DYNAFIT Manaslu 2.0 mit Speedskin Manaslu und TLT Radical ST 2.0
LEKI Tourstick Aergon 2 und Aergon 2 V
LVS Gerät Ortovox 3+, Schaufel & Sonde
Rucksack Thule Stir
Julbo Eclipse und Julbo Whoops Multilayer

Kaufberatung Skitourenstiefel

Fuß sucht… Von der schwiergen Wahl des passenden Skitourenstiefels?

21. Februar 2017
Kaufberatung

Gerade beim Skitourengehen ist mir persönlich das Gewicht der Ausrüstung wichtig. Deshalb habe ich letztes Jahr eine sehr effektive Gewichtseinsparung an meinem Skitourenskistiefel vorgenommen: ich habe eine Schnalle entfernt. Zugegeben, nicht freiwillig. Es war eher ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass ich meine alte Ausrüstung gegen neue tauschen sollte. Der Kauf neuer Skitourenstiefel zählt für mich allerdings nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen.

Als sich mitten in einer wunderschönen Tiefschnee-Abfahrt mein Fangriemen mit einem Baumstumpf grüß Gott sagte und mich aus voller Fahrt aus den Ski katapultierte, dachte ich kurz, meine Skitourensaison ist sowieso gelaufen. Dabei habe ich noch einmal Glück gehabt. Und ich bin ohnehin der Meinung, dass ein guter Skifahrer sowieso auf allem herunter kommt, aber ich will in Zukunft einfacher und auch ein Stück weit sicherer abfahren.

Die Frage lautet also: werde ich für meinen breiten Spreiz-Hohlfuß überhaupt einen passenden Schuh finden? Wahrscheinlich bin ich aber auch nicht die Einzige, die keinen perfekten Fuß hat und kann so durch die gesammelten Erfahrungen auf meiner Odyssee auch anderen bei ihrer Suche behilflich sein.

Die Nadel im Heuhaufen

Was für eine riesige Auswahl an Tourenstiefeln es gibt, es wird eine Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Also erst einmal die gängigen Kaufberater im Internet wälzen. Ich möchte einen Schuh, der genau zu meinen Bedürfnissen passt, stehe nach einigem Lesen aber nur vor noch mehr Fragezeichen. Wahnsinn, was Schuhe heutzutage alles können, nur selbständig aufsteigen können sie wohl noch nicht. Beeindruckt durch die vielen Features starte ich gleich in die erste Anprobe und falle gewaltig auf die Schnauze.

In die meisten Modelle passe ich gar nicht hinein, ich kann meinen viel zu hohen Rist nicht um die Ecke drücken! Was hilft mir da die „tolle Handhabung“ und die „super Abfahrtsperformance“? Genauso wurscht ist mir in diesem Moment, ob die Innenschuhe zum Schnüren sind oder nicht, mit diesen Stiefeln komme ich ohnehin auf keine Hütte, um sie dort als Hausschuhe zu verwenden.

Alles bis dahin gelesene war somit für die Katz. Die tollsten Modelle fallen für mich flach, sie sind, so scheint es, für schmale Plattfüße gemacht. Stramme „Wadeln“ passen auch nicht so recht ins moderne Konzept. „Carbon statt Kondition“ kann ich mir also abschminken. Am besten gleich die Füße abschneiden… Ich versuche den ersten Fehlschlag mit Humor zu nehmen, meine Füße sind speziell und haben eben „Charakter“. Wollen wir doch mal sehen, wie weit ich mit einer auf mich zugeschnittenen Internet- Recherche komme und wie gut meine Favoriten am Ende passen.

Trockene Zahlen

Die erste wichtige Erkenntnis: Skitourenstiefel müssen vor allem passen! Alles andere ist zweitrangig. Dabei helfen leider nur trockene Zahlen weiter: Länge, Breite und Co. Aufgrund meiner Fußfehlstellung sind mir die meisten Schuhe zu eng, daher neige ich dazu, Schuhe zu groß zu kaufen. Bei einer guten Passform darf aber ruhig die echte Schuhgröße her, heißt es! Als erstes messe ich also meinen Fuß aus, altmodisch aber effektiv mit einem Blatt Papier und Stift.

Papier am Boden festkleben, den Stift gerade halten (also im 90 Grad- Winkel zum Boden) und los. Die Länge zwischen den äußersten Punkten ist eure gesuchte Skischuhgröße (Mondopoint-Größe), ggf. noch einen Zentimeter dazu rechnen: in meinem Fall 23,5cm + 1 cm= 24,5. Die Länge in Millimetern ist allerdings auch sehr hilfreich, da auch dieses Maß manchmal in den Informationen der jeweiligen Modelle steht. Man muss wissen, dass Schuhgrößen der verschiedenen Hersteller unterschiedlich ausfallen. Die Schuhgrößen sind nicht genormt!

Eine weitere wichtige Zahl ist die Breite des Fußes – sie sollte zum Stiefel passen. Es gibt Modelle mit schmalen, mittleren und breiten Leisten. Meist steht diese Information beim Kleingedruckten des jeweiligen Modells. Am wichtigsten wäre für mich die Risthöhe, aber leider gibt es hierzu keine Zahlen. In diesem Punkt muss ich darauf achten, dass sich der Stiefel ordentlich öffnen lässt, sodass man selbst mit hohem Rist gut hinein schlüpfen kann. Aussagen darüber finde ich oft in der Beschreibung. All das zusammen genommen sitze ich nach geraumer Zeit vor einer Liste von etwa 20 Skitourenstiefeln verschiedener Marken. Soweit so gut.

Aufstieg oder Abfahrt

Jetzt gilt es, diese Liste weiter einzuschränken. Dafür muss ich entscheiden, ob ich eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert bin… sowohl als auch, aber ich bevorzuge eher bequeme Stiefel. Für den Aufstieg sind leichte und bewegliche Modelle besser, für die Abfahrt dafür stabilere. Wobei sich Beweglichkeit und Stabilität lang nicht mehr ausschließen müssen.

Anhand der Flexibilitätswerte und dem Rotationswinkel kann man die Beweglichkeit ein wenig abschätzen. Danach geht es darum, welche Bindungen ich mit dem Schuh fahren möchte. „Bindungskompatibilität“ ist hier das Stichwort. Für meinen leichten, teuren Tourenski mit Pin-Bindung (den ich zwar noch nicht habe) möchte ich einen schönen leichten Schuh. Aber wenn schneearme Verhältnisse herrschen, wie das bei uns leider oft der Fall ist, möchte ich lieber die alten Bretter mit konventioneller Bindung verkratzen.

Und damit sind wir auch schon beim Gewicht der Skistiefel, denn meist sind die Modelle für reine Pin-Bindungen viel leichter als die klobigeren Allrounder. Auch beim Gewicht sollte man sich gut überlegen, für was der Skitourenstiefel wirklich verwendet werden soll. Will ich mit den Skitourenstiefeln auch im Fels klettern? Ein leichter Schuh ist hier natürlich klar im Vorteil, aber wie oft mache ich das tatsächlich? Sollen ab und zu auch Steigeisen angebracht werden, sollte zusätzlich geprüft werden, ob bei dem Modell nicht spezielle Steigeisen nötig sind. Am Ende wird es doch ein Kompromiss, denn die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht.

Frauen und Schuhe

Jetzt werdet ihr euch wahrscheinlich auch langsam fragen, welche Skitourenstiefel ich mir nun überhaupt angeschaut habe und welche sich für einen breiten Spreiz-Hohlfuß im Endeffekt eignen. Die Dynafit Radical und Neo sind eine gute Option, ebenso wie der Fischer Transalp TS Light. Skitourengeher mit schmalen Füßen können hingegen den Dynafit TLT6 sowie den Atomic Backland probieren.

Ich stehe hier also mit meinem Top-Kandidaten und der Moment der Wahrheit ist gekommen: ich schlüpfe in den Dynafit Neo CR WS und er passt (wie könnte es anders sein!). Ob es Druckstellen gibt, wird sich natürlich erst auf Tour zeigen. Aber selbst dafür gibt es noch eine Lösung: die äußere Plastikhülle könnte an speziellen Punkten vom Spezialisten (!) notfalls mittels Hitze noch etwas geweitet werden. Wenn ich jetzt allerdings zufrieden wäre, dann wäre ich keine Frau.

Inzwischen war ich nämlich auf der ISPO und ich kann berichten, dass für die nächste Saison sehr interessante Modelle von Dynafit, Atomic als auch Fischer Sports kommen werden, die ich mir definitiv anschauen möchte. Schließlich muss ich mich ja gar nicht auf ein Paar Skitourenstiefel beschränken – wir Frauen sind doch dafür bekannt, viele Schuhe zu besitzen. Und wer sagt, dass es Manolo Blahnik oder Gucci sein müssen…?

Allgäu-Titelbild

Skitouren im Allgäu – die „Must Do’s“

17. Februar 2017
Die Bergfreunde

Kaum ein anderes Gebiet bietet so viel Auswahl an schönen Touren wie die Allgäuer Alpen! Hier kommen entspannte Skitourengeher, die schön zu fahrende Abfahrten genießen wollen genauso auf ihre Kosten, wie ambitionierte Skibergsteiger, denen es gar nicht technisch genug sein kann. Die Gipfel der flacheren Vorberge eignen sich ideal für Skitouren mit Einsteigern, die das Aufsteigen und Abfahren außerhalb der präparierten Pisten einmal ausprobieren wollen. Am wilden Hauptkamm befinden sich fast ausschließlich anspruchsvolle Touren, die den erfahren Alpinisten vorbehalten sind. Hier gilt es, im Vorfeld zusätzliche Infos über die Verhältnisse einzuholen und lieber auf alternative Touren auszuweichen, wenn die Lawinenlage dies erfordert. Viele der optimal zu erreichenden Routen bieten darüber hinaus wunderschöne Abfahrten in unberührter Natur und müssen sich keinesfalls hinter den großen und steilen Linien des Hauptkamms verstecken!

Sonnenkopf

Der Sonnenkopf ist eine der beliebtesten Skitouren im Allgäu – und das völlig zu Recht! Die schnelle Erreichbarkeit sowie zahlreiche Parkplätze am Ausgangspunkt der Tour sorgen für eine unkomplizierte Anreise. Der mäßig steile Westhang ist meistens sofort nach dem nächsten Schneefall gespurt und erleichtert die Wegfindung. Bei der hindernislos zu fahrenden Abfahrt vom Gipfel kommen sowohl Anfänger als auch erfahrene Skitourengeher auf ihre Kosten.

AusgangspunktBerggasthof Sonnenklause oberhalb von Hinang. Bei viel Schnee kann direkt an der Brücke in Hinang gestartet werden, über welche die Straße zur Sonnenklause führt. Bei viel Schnee oder Eis sind Schneeketten bei der Anfahrt zur Sonnenklause notwendig.
Schwierigkeiteinfach, ideale Anfängertour oder als Alternative bei schlechtem Wetter
HangrichtungWesten
Höhenunterschied700hm
AufstiegVom Parkplatz bei der Sonnenklause geht es etwa 200m gerade empor, anschließend wird rechts auf einer Brücke ein Bach überquert. Hier befindet sich ein Schild des Alpenvereins, bitte nur den eingezeichneten Routen über einen der beiden freien Hänge folgen. Am Grat angekommen geht es südlich über einen breiten Rücken bis zum Gipfel.
Abfahrtwie Aufstieg

Rangiswanger Horn

Das Rangiswanger Horn gehört ebenso wie der Sonnenkopf zu den meist begangenen Routen im Illertal. Auch dieser Berg bietet sich besonders bei unsicheren Lawinenverhältnissen am Hauptkamm und viel Neuschnee als schöne Skitour an. Mehrere Aufstiegs- und Abfahrtsvarianten bieten zahlreiche Möglichkeiten und ermöglichen weiterhin Überschreitungen wie die klassische „Hörnertour“. Besonders schön bei frischem Pulverschnee.

AusgangspunktDer Ort Sigiswang an der Straße zwischen Bolsterlang und Ofterschwang
Schwierigkeiteinfach, mäßig steil und gut zu fahrende Hänge. Auch ideal als erste Skitour mit Anfängern oder bei schlechten Verhältnissen
HangrichtungOsten
Höhenunterschied750hm
AufstiegVon Sigiswang aus der Forststraße folgend in Richtung des Freizeitheim „Kahlrückenalpe“. Entweder der Forststraße folgen oder in den Wiesen daneben aufsteigen, bis man die Alpe erreicht. Weiter linkshaltend empor über die „Sigiswanger Alpe“ und über den mäßig steilen Osthang direkt hinauf zum Gipfel des Rangiswanger Horn.
Abfahrtwie Aufstieg oder Abfahrt nach Norden ins Ostertal. Hier bietet sich eine schöne Route in Richtung des Parkplatzes Ostertal an. Ebenso kann der große Ochsenkopf bestiegen und anschließend wieder zurück zum Rangiswanger Horn gequert werden.

Schochen

Der Schochen liegt ganz am Ende des oft besonders schneereichen Ostrachtales. Unter den Locals gelten viele der hier liegenden Berge als die idealen Skiberge des Allgäus. Ideal zu fahrende Abfahrten, wenig Leute – und der Pulverschnee hält sich in den nordseitigen Hängen sehr lange. Der 800hm lange Hang hinunter ins Obertal gehört ohne Zweifel zu den schönsten Abfahrten im Allgäu. Aber auch Langschläfer und entspanntere Tourengeher müssen auf diesen Gipfel nicht verzichten – er kann problemlos und schnell vom Skigebiet am Nebelhorn aus erreicht werden!

AusgangspunktGiebelhaus am Ende des Ostrachtals, hierher nur mit Bus (Firma Wechs) oder Rad (8km) ab Parkplatz in Hinterstein. Vom Skigebiet am Nebelhorn aus mit der Bahn bis zur Station Höfatsblick
Schwierigkeitmittel, mäßig steil. Gipfelhang kurz, sehr steil
HangrichtungNord/Ost/Nordost
Höhenunterschiedab Giebelhaus 1000hm, ab Skigebiet Höfatsblick 450hm
AufstiegVom Giebelhaus aus nach rechts über den Fahrweg ins Obertal bis zur „Kuhplattenalp“. Von hier aus geht es nun in gleichmäßiger Steigung über optimal gestufte Hänge zum Schochen empor. Der Gipfelaufbau ist kurz einmal etwas steiler.
Vom Skigebiet aus auf dem Winterwanderweg zum Zeigersattel queren. Nun folgt eine kleine Abfahrt nach Osten unterhalb der Steilwand des großen Seekopfes. Der Grat kann in ca. 1750M Höhe überschritten werden. Weiter leicht fallend queren in Richtung der südlich gelegenen „Breitengehren“ Hütte auf 1700m. Ab hier wie Aufstiegsroute vom Giebelhaus.
Abfahrtwie Aufstieg

Großer Daumen

Der große Daumen ist einer der besten Aussichtsberge des gesamten Allgäus! Fernblicke bis zur Zugspitze im Osten, dem gesamten Allgäuer Hauptkamm mit Lechtaler Alpen im Süden und schließlich dem Bodensee im Westen. Die Aussicht entschädigt für den schweißtreibenden Aufstieg und belohnt Frühaufsteher mit tollen Sonnenaufgängen über den Allgäuer Alpen. Auch dieser Berg bietet mehrere interessante Aufstiegsmöglichkeiten und kann ebenso wie der Schochen bequem aus dem Skigebiet am Nebelhorn erreicht werden. Auf der Aufstiegs-/Abfahrtsroute vom Giebelhaus kann unterwegs auf der ganzjährlich bewirtschafteten Schwarzenberghütte (Übernachtung möglich) eingekehrt werden.

AusgangspunktGiebelhaus am Ende des Ostrachtals, hierher nur mit Bus (Firma Wechs) oder Rad (8km) ab Parkplatz in Hinterstein. Vom Skigebiet am Nebelhorn aus mit der Bahn bis zur Station Höfatsblick oder bis zum Gipfel
Schwierigkeitmittel, meist mäßig steil, kürzere Stellen steil
HangrichtungSüd/Südost
Höhenunterschiedab Giebelhaus 1250hm, ab Skigebiet Nebelhorn 350hm
AufstiegVom Giebelhaus aus dem Alpweg ins Obertal bis zum „Engeratsgundhof“ folgen. Ab hier geht es über optimal geneigte Skihänge über die Käseralpe und die Gündleshütte empor bis auf 1700m Höhe. Der Felsriegel wird links unterhalb der „Laufbichler Kirche“ umgangen. Weiter zum Gipfel über die Laufbichelseen wie auf Route vom Nebelhorn. Von der Station Höfatsblick der Bergbahn aus auf der Piste „Gipfelmulde“ bis zur Bergstation des Koblat Sesseliftes. Nun in Richtung Nordosten das „Koblat“ genannte Plateau queren. Nach dem Erreichen der „Laufbichelseen“ ist ein bequemer Aufstieg über die Südhänge des großen Daumens bis zum Gipfel möglich.
Abfahrtwie Aufstieg, Kombination mit kleiner Daumen möglich

Karlstor

Als Karlstor wird die Scharte zwischen Großem und Kleinen Widderstein im Kleinwalsertal bezeichnet. Hier wird zwar kein Gipfel bestiegen aber die sportliche Abfahrt hinunter ins Gemsteltal entschädigt dafür mindestens doppelt. Durch die nordseitige Lage hält sich der Schnee hier meistens besonders lange und die Verhältnisse sind oft besser, als an manchen sonnigeren Hängen. Die Überschreitung der Scharte zwischen den schattigen Steilwänden der Walsertaler Berge kann jedem Skitourengeher im Allgäu ans Herz gelegt werden!

AusgangspunktBaad am Ende des Kleinwalsertals. Kostenpflichtiger Parkplatz direkt am Beginn der Tour. Erreichbar per PKW oder per Bus von Oberstdorf.
Schwierigkeitmittel bis schwer, steiler bis sehr steiler Anstieg und Abfahrt
HangrichtungNord/Nordost
Höhenunterschied900hm
AufstiegVom Parkplatz in Baad dem Sommerweg ins Bärgundeletal folgen. Stets auf der linken Talseite halten bis die „Widdersteinalpe“ in ca. 1300M Höhe erreicht wird. Nun einem Bach nach Südosten folgend in das Kar unterhalb der steilen Nordwand des großen Widderstein. Aufstieg im steiler werdenden Kar bis zur Karlstor genannten Scharte.
Abfahrtwie Aufstieg oder Abfahrt ins Gemsteltal. Dieser 800m hohe Hang ist ein nahezu idealer Skihang ohne Latschen, Wald und Steilstufen. An der „Hintergemstelalpe“ vorbei durchs Tal runter nach Bödmen. Zurück nach Baad per Bus oder 2km entlang der „Steinbockloipe“.

Wildenfeldscharte / Großer Wilder

Auf den ersten Blick wirkt das Oytal bei Oberstdorf nicht wie ein lohnenswertes Revier für Skitourengeher. Steile Felswände ringsum sowie ein flaches Tal sind nicht unbedingt das beste Gelände für die Skifahrer. Dennoch verstecken sich besonders am Ende des Tales einige wirklich lohnenswerte Touren. Die Abfahrt von der Wildenfeldscharte bis zum „Stuibenfall“ begeistert bei der Abfahrt im Pulverschnee garantiert jeden und entschädigt für den langen Zustieg durch das Oytal. Der Weg von der Wildenfeldscharte zum Gipfel des Großen Wilden bleibt fest in der Hand erfahrener Skialpinisten und wartet mit einer sehr steilen Querung sowie einer häufig großen Wechte auf. Die gesamte Tour in diesem einsamen Gebiet bietet spektakuläre Blicke zur Höfats und dem Himmelhorngrat.

AusgangspunktOberstdorf. Es empfiehlt sich, mit dem Fahrrad bis zum Berggasthof „Oytalhaus“ oder wenn es die Schneeverhältnisse zulassen, bis zur Brücke unterhalb des Stuibenfalls zu radeln.
Im Frühjahr kann mit dem Rad bis zur Käseralpe gefahren werden.
Schwierigkeitmittel (Wildenfeldscharte), schwer (Großer Wilder) langer Talanstieg, danach mäßig bis steil. Großer Wilder stellenweise extrem steil und ausgesetzt
HangrichtungWildenfeldscharte Nord/West; Großer Wilder alle
HöhenunterschiedWildenfeldscharte: 1300hm, Großer Wilder 1600hm
AufstiegVon der Brücke unterhalb des Stuibenfalls auf dem Sommerfahrweg hinauf bis zur Käseralpe im Talkessel unter der Höfats. Von der Alpe über gut zu gehende Westhänge hinauf zur „Wildenfeldhütte“ direkt unterhalb der Scharte. Ab hier direkt nach oben in die Scharte. Wer zum großen Wilden möchte, überschreitet die Scharte und steigt eine Steilrinne (ggf. Pickel und Steigeisen nötig) nach Osten ab. Die Scharte kann in die Richtung überwechtet sein und stellt die Schlüsselstelle dieser Tour dar. Nach der Steilrinne leicht ansteigend zur der in 2200m Höhe gelegen Ostschulter des großen Wilden. Ab hier sanft ansteigende Hänge auf dem Plateau des Gipfels.
Abfahrtwie Aufstieg, vom Gipfel des großen Wilden auch Abfahrt über die „Gamswanne“ zum Giebelhaus möglich. Auch diese Abfahrt ist eine schwierige Route und sollte nicht unterschätzt werden. Eventuell Pickel und Steigeisen beim Ausstieg aus der Gamswanne notwendig.

Als Karten für die hier beschrieben Touren empfehlen sich die beiden DAV Karten „Allgäuer Alpen“ West 2/1 und Ost 2/2 im Maßstab 1:25.000 – ebenso der Skitourenführer „Allgäu mit Kleinwalsertal und Tannheimer Tal“ von Kristian Rath aus dem Panico Alpinverlag.

Wichtig: Vor einer jeden Tour sollte stets der aktuelle Lagebericht des jeweiligen Lawinenwarndienstes zu Rate gezogen werden. Dieser wird jeden Morgen gegen 7.30 Uhr auf deren Website veröffentlicht (zum Lawinenwarndienst Bayern / zum Lawinenwarndienst Vorarlberg). Seit dieser Saison wird zusätzlich jeden Tag um 17.30 eine Prognose für den Folgetag herausgegeben. Bei einer hohen Lawinenwarnstufe, schlechtem Wetter mit viel Wind oder diffusen Sichtverhältnissen empfiehlt es sich, auf leichte und relativ lawinensichere Skitouren wie den oben beschrieben Sonnenkopf oder das Rangiswanger Horn auszuweichen. Die Orientierung ist hier einfacher und bei vernünftiger Spuranlage können Lawinenabgänge weitestgehend ausgeschlossen werden. Die letztendliche Verantwortung sich und anderen gegenüber Tragen jedoch immer noch die Tourengeher selbst!

 

Alles wissenswerte zu Merinowolle

Merinowolle – die Funktionsfaser im Detail

15. Februar 2017
Ausrüstung

Ende der 1980er Jahr hielten viele Outdoor-Fans Funktionskleidung aus Kunstfaser für das Nonplusultra – nachdem „normale“ Wolle und Baumwolle wegen „Unbrauchbarkeit“ ausgedient hatten. Damals setzten nur einige wenige Pionier-Firmen im Outdoor-Bereich wie Icebreaker, Smartwool, Woolpower und Ortovox auf Merinowolle. Inzwischen haben jedoch fast alle Outdoor-Bekleidungshersteller Produkte aus dieser „neuen Wolle“ im Angebot. Das Merinoschaf ist sozusagen zum Lieblingstier vieler Sport- und Outdoor-Begeisterter geworden. Wer einmal ein Kleidungsstück aus Merinowolle anhatte, wird darauf nicht mehr verzichten wollen. Doch was hat es mit dieser High-Tech-Faser aus der Natur auf sich? Im Folgenden wollen wir uns die Merinowolle und ihre Eigenschaften einmal genauer anschauen:

Woher kommt Merinowolle?

Merinowolle ist ein Naturprodukt, das aus der Wolle von Schafen gewonnen wird – und zwar aus der Wolle der Merinoschafe. Die Tiere stammen ursprünglich aus den nordafrikanischen Hochebenen des Atlas-Gebirges und zählen heute zu den ältesten und widerstandsfähigsten Schafrassen der Welt. Merinoschafe lebten dort unter extremen, oft widrigen Wetterbedingungen, wie man sie nur im Gebirge vorfindet, wenn man dort alle vier Jahreszeiten am Stück verbringt. So mussten sie – und müssen dies etwa in den neuseeländischen Südalpen auch heute noch – extreme Temperaturschwankungen von minus 20 bis plus 35 Grad aushalten. Deshalb besitzen sie ein Fell, das an solche harschen Bedingungen perfekt angepasst ist. Im Mittelalter gelangten die Schafe schließlich nach Spanien, wo ihre Wolle als wertvolle „spanische Wolle“ verkauft wurde. Im 18. Jahrhundert wurden die ersten Merinoschafe daraufhin nach Australien exportiert, welches sich mittlerweile neben anderen Wolle-produzierenden Ländern wie Neuseeland, Südafrika und Südamerika zum größten weltweiten Exporteur dieses kostbaren Guts entwickelt hat.

Was sind die Eigenschaften von Merinowolle?

Merinowolle besitzt von Natur aus einige sehr vorteilhafte Eigenschaften:

  • Sie kratzt nicht.
  • Sie wärmt, wenn es kalt ist.
  • Sie kühlt, wenn es warm ist.
  • Sie wärmt in feuchtem Zustand.
  • Sie entwickelt auch nach mehrmaligem Tragen keine unangenehmen Gerüche.
  • Sie ist wasser- und schmutzabweisend.
  • Sie ist besonders leicht bei hoher Wärmeleistung.
  • Sie verfügt über einen natürlichen UV-Schutz.
  • Sie lädt sich nicht elektrostatisch auf.
  • Sie ist schwer entflammbar.
  • Sie knittert nicht.

Natürlich sind alle diese Eigenschaften optimal, wenn es darum geht, Funktionskleidung für Outdoor-Aktivitäten herzustellen. Zunächst wollen wir uns aber die wichtigsten Eigenschaften im Detail anschauen und ergründen, warum Merinowolle diese eigentlich besitzt.

Warum kratzt Merinowolle nicht?

Merinoschafe gehören zur Rasse der Feinwoll-Schafe. Das Fell dieser Schafe besteht aus besonders feinen, weichen und stark gekräuselten Haaren mit einer Faserstärke von lediglich 16,5 bis 24 Mikron (die Faserstärke von Wollfasern wird in der Einheit Mikron angegeben; 1 Mikron entspricht 1 Mikrometer, d.h. 1 Tausendstel Millimeter). Damit sind die Fasern der Merinowolle in etwa nur halb so dick wie „normale“ Wollfasern und nur ein Viertel so dick wie ein menschliches Haar. Je feiner Wollfasern nun sind, desto stärker krümmen sie sich, wenn sie die Haut berühren. Während sich dickere Wollfasern kaum krümmen, kräuseln sich Merinofasern mit bis zu 40 Richtungsänderungen pro Zentimeter. Dadurch werden die Nervenenden der Haut deutlich weniger gereizt, und es entsteht kein unangenehmes Jucken. Die menschliche Empfindlichkeitsgrenze, ab der Fasern als kratzend empfunden werden, liegt bei etwa 25 Mikron. Deshalb wird normale Wolle als kratzend empfunden, während Merinowolle sich angenehm weich auf der Haut anfühlt.

Warum wärmt Merinowolle, wenn es kalt ist?

Merinowolle besitzt eine hervorragende Isolationsfähigkeit bei Kälte. Dies liegt in der genialen Struktur der Merinofasern begründet. Die Fasern der Merinowolle bestehen – bezogen auf ihr Gesamtvolumen – bis zu 85% aus Luft. Die feinen und wellenartigen Fasern liegen dabei so locker aufeinander, dass sich zwischen ihnen Luftkammern bilden können. Und da Luft ein schlechter Wärmeleiter ist, isoliert sie hervorragend – sowohl gegen Kälte als auch gegen Wärme.

Der Effekt ist vergleichbar mit einem Fenster, das eine Doppelglasscheibe besitzt. Die zwischen den beiden Scheiben liegende Luft wirkt isolierend – sowohl im Winter als auch im Sommer. Merinowolle wärmt also nicht von sich aus, aber sie verhindert durch den Einschluss isolierender Luftpolster, dass die eigene Körperwärme entweichen kann. Sie hält die Wärme unseres Körpers dort, wo wir sie brauchen, wenn die Umgebungstemperatur kalt ist. Zusätzlich besitzen die Merinofasern aufgrund ihrer starken Kräuselung weniger Kontaktpunkte mit der Haut und leiten dadurch weniger Wärme ab. Zusammengefasst: Der Vorteil der gekräuselten Fasern der Merinowolle besteht darin, dass mehr isolierende Luft gebunden und weniger Wärme abgegeben wird.

Warum kühlt Merinowolle, wenn es warm ist?

Unser menschlicher Körper besitzt eine natürliche Klimaanlage. Bei warmen Umgebungstemperaturen oder bei intensiver körperlicher Aktivität fangen wir an zu schwitzen. Der Körper sondert Feuchtigkeit in Form von Schweiß ab, um sich abzukühlen und die Körpertemperatur auf einem konstanten Niveau zu halten.

Merinowolle kann diese körpereigene Funktion auf optimale Weise unterstützen. Sie funktioniert wie eine zweite Haut, die die Kühlwirkung noch verstärkt. Denn einerseits isolieren die Luftpolster der Merinofasern nicht nur gegen kalte, sondern auch gegen warme Umgebungsluft. Und andererseits verhalten sich die Fasern Feuchtigkeit gegenüber einzigartig. Ihr Feuchtigkeitsmanagement ist bisher von keiner künstlich entwickelten Textil-Faser je erreicht worden. Die Fasern der Merinowolle können bis zu einem Drittel ihres eigenen Trockengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen – bei Kunstfasern liegt der Wert unter zehn Prozent. Ihr hohes Feuchtigkeitsaufnahmevermögen verdanken die Fasern ihrer chemischen Struktur. Sie sind hygroskopisch – das heißt, sie können Feuchtigkeit in Form von Wasserdampf binden, und zwar besonders viel und besonders schnell. Schweiß oder Regennässe werden über ein Fasernetzwerk kleinster Kanäle schnell ins Faserinnere transportiert.

Gleichzeitig bleibt die Faseroberfläche trocken, da sie wasserabstoßend ist. Deshalb fühlt sich Merinowolle auch dann noch trocken an, wenn sie viel Feuchtigkeit in ihr Faserinneres aufgenommen hat. Genial, oder? Die hygroskopischen Fasern funktionieren wie ein Speicher, der dazu dient, die Feuchtigkeitsschwankungen in der Umgebung optimal ausgleichen zu können.

Warme Umgebungsluft sorgt nun dafür, dass die ins Faserinnere aufgenommene Feuchtigkeit an der Außenseite des Kleidungsstücks verdunstet. Für den Prozess der Verdunstung – also den Übergang vom flüssigen in den gasförmigen Zustand – benötigen die Wassermoleküle jedoch Energie. Und diese entziehen sie dem nächstgelegenen „Körper“ – also den Merinofasern – in Form von Wärme. Die Fasern kühlen ab, mit ihnen dann auch die Haut und der eigene Körper. Dieser Prozess nennt sich Verdunstungskälte, und er bewirkt ein angenehm kühlendes Gefühl auf der Haut.

Kunstfasern dagegen können – wie bereits angedeutet – fast keine Feuchtigkeit in ihrem Faserinneren speichern. Dies hat einen besonders schnellen Abtransport der Feuchtigkeit nach außen zur Folge. Dadurch entsteht ein Wärmestau, und der Körper reagiert mit einer Erhöhung der Schweißproduktion, um eine Abkühlung zu bewirken. Dies kostet natürlich entsprechend mehr Energie, die dann für die Leistungsfähigkeit – beispielsweise bei sportlichen Aktivitäten – nicht mehr zur Verfügung steht. Studien der Universität Graz konnten bereits einen höheren Laktat-Anstieg bei Sportlern nachweisen, die Kunstfaser-Textilien trugen. Alles in allem trägt die natürliche Funktion der Merinowolle also auch zu einer höheren Leistungsfähigkeit des Körpers bei – was will man mehr?

Warum wärmt Merinowolle auch in feuchtem Zustand?

Im Vergleich zu Baumwolle oder Kunstfasern behält Merinowolle ihre guten Materialeigenschaften auch im feuchten Zustand bei. Anders als ein Baumwoll-Shirt klebt ein Merino-Shirt nicht unangenehm auf der Haut, wenn es feucht wird. Und in einem verschwitzen Kleidungsstück aus Merinowolle erlebt man auch kein unangenehmes Frösteln, wie dies bei der Gipfelpause in einem Synthetik-Shirt der Fall ist. Aber womit hängt das zusammen?

Letztlich liegt auch dieser wärmenden Wirkung in feuchtem Zustand die Fähigkeit der Merinofasern zu Grunde, Feuchtigkeit absorbieren zu können. Bei der Feuchtigkeitsaufnahme läuft ein sogenannter exothermer Prozess ab, bei dem Absorptionswärme entsteht. Das heißt, die Fasern erwärmen sich bei der Aufnahme von Feuchtigkeit. Klingt unglaublich? Ist aber wahr! Merinowolle wärmt aktiv, solange sie Feuchtigkeit aufnimmt. Denn die Eiweißmoleküle der Merinofasern setzen beim Aufeinandertreffen mit Wassermolekülen Energie in Form von Wärme frei – und zwar so viel, dass die Temperaturerhöhung, je nach Faserqualität, bis zu zehn Grad betragen kann.

Dieser Prozess vollzieht sich solange, bis die Wollfasern mit Wassermolekülen gesättigt sind. Ein leicht feuchtes Merino-Baselayer kann also Wärme erzeugen, ein völlig vom Regen durchnässtes natürlich nicht mehr. Aber selbst dann hält das Merino-Teil noch warm – bedingt durch die bei Bewegung mechanisch entstehende Reibungswärme der Fasern. Aber: Bei leichtem, einsetzenden Regen macht es tatsächlich Sinn, kurz mit dem Anziehen einer Regenjacke zu warten. Denn ein leichtes Nasswerden des Merino-Shirts sorgt ja dafür, dass dieses mit der Produktion von angenehmer Wärme beginnt.

Am besten funktioniert der wärmende Prozess natürlich, wenn die Funktionskleidung aus Merinowolle vorher vollkommen trocken ist, denn dann können die Fasern ihr Potential der Feuchtigkeitsaufnahme am besten ausschöpfen. Deshalb macht es Sinn, die Kleidungsstücke vor dem Beginn einer Outdoor-Unternehmung vollständig zu trocknen – vor allem, wenn die Unternehmung im Winter stattfinden soll. Am besten geht das natürlich in einem warmen Raum mit möglichst niedriger Luftfeuchtigkeit, wie dies in einem mit Ofen oder Heizungsluft erwärmten Raum der Fall ist. Wechselkleidung aus Merinowolle packt man dann möglichst vor der Tour in einen wasserdichten Packsack oder eine Plastiktüte, damit die Wollfasern nicht schon während der Tour Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft aufnehmen können. Schließlich sollen sie ja erst dann anfangen zu wärmen, wenn man das Kleidungsstück anzieht!

Warum riecht Merinowolle auch nach mehrmaligem Tragen nicht unangenehm?

Der unangenehme Geruch, den wir oft nach dem Schwitzen an uns und unseren Kleidungsstücken wahrnehmen, entsteht nicht durch den Schweiß selbst. Frisch gebildeter Schweiß ist geruchslos. Wir fangen erst dann an zu stinken, wenn die Hautbakterien beginnen, den Schweiß in seine Einzelteile zu zersetzen. Schweiß dient ihnen als Nahrungsgrundlage, und sie vermehren sich besonders gerne in warmen und feuchten Regionen – beispielsweise in den Achselhöhlen. Natürlich setzen sich Schweiß und Hautbakterien auch in unseren Kleidungsstücken ab, sodass diese – zumindest, wenn sie aus Kunstfasern bestehen und keine geruchshemmende Behandlung besitzen – irgendwann auch anfangen, unangenehm zu riechen. Warum sollte das also bei Kleidungsstücken aus Merinowolle anders sein?

Kunstfasern besitzen eine glatte Oberfläche, auf der sich Schweiß und Bakterien besonders gut anhaften können. Merinofasern hingegen verfügen über eine schuppige Oberfläche, die man sich wie ein Dach mit Ziegeln vorstellen kann. Darauf haben die Bakterien keine Chance. Außerdem nehmen die Fasern die Feuchtigkeit des Schweißes so schnell auf, dass die Bakterien gar nicht erst dazu kommen, den Schweiß abzubauen. Die wasserabweisende Faseroberfläche lässt es auch nicht zu, dass ein feuchtes Klima entsteht, welches die Bakterien für ihr Wachstum benötigen würden.

Und schließlich verfügen die Wollfasern über ein bestimmtes Faserprotein (wie alle tierischen Haare) – das Keratin –, das die für den üblen Geruch verantwortlichen Bakterien einfach abbaut. Merinowolle wirkt also auf natürliche Weise antibakteriell – und zwar dauerhaft, denn die Wirkung lässt nicht nach. An diese geniale biologische Funktion kommen selbst die in Kunstfasern eingearbeiteten Silberionen, die der Geruchshemmung dienen sollen, nicht heran. Damit aber nicht genug! Um diese Wirkungsweise zu perfektionieren, verfügen Merinofasern außerdem über einen mechanischen Selbstreinigungseffekt. Denn der Kern der Fasern besteht aus zwei verschiedenen Zelltypen, die unterschiedliche Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen können. Bei der Feuchtigkeitsabsorption schwellen sie deshalb ungleich stark an. Dadurch entsteht ein konstanter Reibungsprozess, durch den sich die Faser immer wieder von selbst reinigt.

Warum ist Merinowolle wasser- und schmutzabweisend?

Auch wenn Merinofasern in ihr Faserinneres relativ große Mengen an Feuchtigkeit aufnehmen können, ist ihre Faseroberfläche wasser- und schmutzabweisend. Denn dort besitzt die Faser das Wollfett Lanolin. Bei der Verarbeitung der Wolle wird zwar ein großer Teil davon herausgewaschen, ein Rest verbleibt jedoch auf den Fasern. Das Wollfett wirkt wie eine Schutzschicht. Dreck und Gerüche bleiben an der Faseroberfläche hängen und dringen nicht in sie ein. Lanolin kann außerdem schmerzlindernd bei rheumatischen Gelenkbeschwerden wirken, weshalb Menschen mit dieser Problematik ebenfalls gerne zu Wollkleidung greifen. Durch die starke Kräuselung der Fasern haben Wassertropfen zudem nur eine sehr geringe Angriffsfläche und perlen aufgrund ihrer Oberflächenspannung einfach ab. Dies funktioniert genauso wie bei bestimmten Pflanzen, die mit ihren feinen Härchen an der Oberfläche dafür sorgen, dass Wassertropfen abperlen.

Merinowolle im Outdoor-Bereich – Gibt es nur Vorteile? Oder auch Nachteile?

Über die Vorteile von Merinowolle im Outdoor-Bereich brauchen wir uns wohl nicht mehr viele Gedanken machen. Aus den oben genannten Gründen dürfte einleuchtend hervorgehen, dass sich diese „High-Tech-Wolle“ insbesondere für den Outdoor-Bereich hervorragend nutzen lässt. Zusammenfassend sind Merinofasern also wahre Multitalente, die in jeder Situation das tun, was gerade benötigt wird – sie wärmen bei Kälte, sie kühlen bei Wärme, sie wärmen im nassen Zustand, sie entwickeln keine unangenehmen Gerüche, und zu guter Letzt fühlen sie sich auch noch angenehm auf der Haut an. Mit dieser Flexibilität sind Kleidungsstücke aus Merinowolle natürlich perfekt für Outdoor-Unternehmungen geeignet. Denn egal, ob es draußen warm, kalt, nass oder trocken ist – wer in der Natur unterwegs ist, braucht flexible Kleidung, die genauso flexibel ist, wie das Wetter, dem wir uns aussetzen.

Vor allem die temperatur- und klimaregulierenden Eigenschaften der Merinowolle sind in vielen Outdoor-Situationen von großem Vorteil. Die Körpertemperatur bleibt trotz unterschiedlicher Temperaturbedingungen und unterschiedlicher Aktivitätslevel immer auf einem angenehmen Niveau. Und diese Bedingungen hat man oft – gerade bei alpinen Unternehmungen. Wetterumschwünge oder Temperaturschwankungen spielen eine große Rolle, wenn man viele Höhenmeter zurücklegt. Schwitzt man im Tal womöglich noch, beginnt man auf dem luftigen Grat vielleicht schon leicht zu frösteln. Und wenn dann noch die Pause am Gipfel dazu kommt, ist ein Material, was auch in feuchtem Zustand wärmen kann, von unschätzbarem Wert. Auch für Aktivitäten wie Radfahren, Skitourengehen oder Skifahren, bei denen man bergauf und bergab sehr unterschiedliche Aktivitätslevel und Temperaturbedingungen vorfindet, eignet sich die temperaturausgleichende Wolle vorzüglich.

Die geruchshemmende Eigenschaft von Merinowolle ist besonders dann von Vorteil, wenn man länger unterwegs ist und keine Möglichkeit zum Waschen hat. Gerade auf einer Trekkingtour oder Backpacking-Reise, bei der man mit möglichst leichtem Gepäck unterwegs ist, möchte man Merino-Kleidung dabei haben, die man oft unbegrenzt lange anziehen kann. Es dauert schließlich seine Zeit, bis diese so stark riechen, dass man das Bedürfnis hat, sie zu waschen. Außerdem knittert der Stoff eines Merino-Shirts dank der elastischen Fasern auch dann nicht stark, wenn man es tagelang in einen Rucksack quetscht.

Grundsätzlich gibt es für die Verwendung von Kleidungsstücken aus Merinowolle im Outdoor-Bereich fast keine Grenzen. Egal ob man beim Trailrunning, Klettern, Yoga oder auch im Alltag unterwegs ist – das Material ist einfach überall toll. Ein paar Nachteile sollen aber dennoch nicht unerwähnt bleiben. Die Merinofasern sind nicht ganz so mechanisch belastbar, robust und reißfest wie andere Natur- oder Kunstfasern.

Gerade wenn man ein Shirt aus reiner Merinowolle direkt unter einem schweren Rucksack trägt, kann es zu Beschädigungen am Stoff kommen. Wenn Gewicht und Packmaß eines Kleidungsstücks die wichtigsten Kriterien für die Auswahl sind, schneiden Textilien aus Kunstfasern meist besser ab. Und auch die Trocknungszeiten sind in der Regel schneller. Manchmal werden Kleidungsstücke aus reiner Merinowolle trotz ihrer kühlenden Eigenschaften im Sommer als zu warm empfunden. Und zu guter Letzt gibt es besonders empfindliche Menschen, die auch Merinowolle als kratzend empfinden.

Die Textil-Industrie im Outdoor-Bereich hat jedoch mittlerweile Lösungsmöglichkeiten gefunden, um die genannten Nachteile von Textilien aus Merinowolle zu beseitigen – und zwar mit der Verwendung von sogenanntem Mischgewebe.

Welche Arten von Mischgewebe gibt es?

Der aktuelle Trend im Outdoor-Bereich geht dahin, Merinofasern mit anderen Naturfasern wie Seide oder mit Kunstfasern zu kombinieren. Bei den Kunstfasern werden einerseits synthetische Fasern wie Polyamid und Polyester verwendet, neuerdings aber auch Kunstfasern, die aus natürlichen Zellstoffen künstlich hergestellt werden – wie Lyocell oder Modal. Auf diese Weise sollen die Stärken der einzelnen Natur- und Kunstfasern vereint werden, um das Beste aus beiden Welten herauszuholen. Je nach Hersteller und Einsatzgebiet kommen dabei unterschiedliche Materialien zum Einsatz.

Icebreaker setzt beispielsweise seinen Merino-Baselayern einen kleinen Anteil Elasthan hinzu. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Mischgewebe, sondern eine Sandwich-Konstruktion, die erlaubt, dass auf der Haut nur reine Merinowolle aufliegt. Durch den Elasthan-Zusatz werden die Stoffe reißfester und widerstandsfähiger, da sich der Stoff bei mechanischer Belastung stärker dehnen kann, anstatt zu reißen. Da auf diese Weise noch feinere Wollfasern verwendet werden können, fühlt sich der Stoff gerade für empfindliche Personen angenehmer an, als Stoffe aus reiner Merinowolle. Gleichzeitig besitzt der Stoff einen angenehmen Stretch-Effekt sowie eine meist körpernahe Passform.

Von Ortovox und Icebreaker gibt es außerdem Kollektionen, in denen Lyocell-Fasern gemeinsam mit Merinowolle verwendet werden. Lyocell ist die generische Faserbezeichnung für eine Faser, die aus Bambusholz hergestellt wird. Von dem österreichischen Faserhersteller Lenzing AG wird sie unter der Markenbezeichnung Tencel vertrieben. Durch die Zugabe von Lyocell bzw. Tencel besitzt der Stoff einen angenehm kühlenden Effekt auf der Haut, was natürlich besonders im Sommer von Vorteil ist. Die Lyocell-Fasern haben eine besonders hohe Grundfeuchte, die sich aber nicht nass, sondern kühlend auf der Haut anfühlt. Außerdem ist das Material strapazierfähiger und langlebiger.

Modal wird beispielsweise von Ortovox in Ergänzung zur Merinowolle verwendet. Modal wird aus Buchenholzzellulose hergestellt und besitzt eine besonders glatte Oberfläche. Dadurch fühlen sich Stoffe mit Modal sehr weich an und besitzen eine seidenartige Haptik. Besonders empfindliche Menschen haben daran ihre Freude.

Falke und Engel produzieren Outdoor-Kleidungsstücke mit einem Mix aus Merinowolle und Seide. Auch diese Textilien fühlen sich sehr weich und angenehm auf der Haut an. Außerdem verleiht Seide den Kleidungsstücken einen schimmernden Glanz.

Wenn man Kleidungsstücke aus Mischfaser wählt, sollte man jedoch genau hinschauen: Denn Mischfasern können aus zwei Gründen verwendet werden: entweder, um die Funktionalität des Materials zu verbessern, oder um die Kosten zu senken, indem man ein billigeres Material verwendet. Wenn der Anteil an Merinowolle zu niedrig ist, gehen außerdem die guten Eigenschaften der Merinowoll-Fasern Stück für Stück verloren.

Wie nachhaltig ist Merinowolle?

Auch beim Thema Nachhaltigkeit lohnt es sich, beim Produktkauf genauer hinzuschauen. Denn auf der einen Seite ist Merinowolle zwar von Natur aus ein besonders nachhaltiges Material. Auf der anderen Seite gibt es jedoch auch bestimmte Probleme im Bereich der Tierhaltung, die zu den unschönen Seiten der Woll-Produktion gehören. Zunächst aber zu den Vorteilen von Merinowolle, was den Aspekt der Nachhaltigkeit betrifft.

Merinowolle ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff. Merinoschafe können bis zu zweimal im Jahr geschoren werden und geben bis zu zehn Kilogramm Wolle pro Tier. Außerdem ist die Herstellung und Verarbeitung im Vergleich zu der Herstellung von Kunstfasern besonders ressourcenschonend und umweltfreundlich. Kunstfasern werden auf der Basis von Erdöl hergestellt, wozu es eine Vielzahl von Chemikalien und den Einsatz großer Energiemengen benötigt. Außerdem sind Kunstfasern fast unverrottbar. Synthetik-Kleidung benötigt 30 Jahre oder mehr, bis sie sich zersetzt.

Sie muss deshalb zwangläufig nach ihrer Verwendung auf der Müllkippe landen. Produkte aus reiner Merinowolle sind dagegen ohne Rückstände biologisch abbaubar. Sie können ohne Bedenken auf den Komposthaufen geworfen werden. Ein in die Erde eingegrabenes Merino-Shirt lässt sich innerhalb von 90 Tagen vollständig kompostieren und kann dann im Garten als Dünger verwendet werden. Außerdem besitzt Merinowolle von Natur aus Eigenschaften wie ihren UV-Schutz oder die Geruchshemmung und kommt so ohne umweltschädliche chemische Zusätze aus. Denn die „Technologie“ ist ja bereits in der Faser enthalten. Zu guter Letzt schont auch die Selbstreinigungsfunktion der Merinofasern die Umwelt, da man die Kleidungsstücke nicht so häufig waschen muss.

Nicht immer steht jedoch in der Merinowoll-Produktion der Tierschutz an erster Stelle. In Australien und Neuseeland gibt es bei der Haltung der Merinoschafe das Problem des Fliegenmadenbefalls, der in der tödlichen Krankheit Myasis endet. Dabei werden die Tiere quasi von innen aufgefressen. Insbesondere bei warmen Temperaturen, wie man sie im australischen Sommer vorfindet, legen die Fliegen in den schlecht belüfteten und von Kot und Urin verschmierten Hautfalten am After ihre Eier ab. Vor allem in Australien – dem Land mit den meisten Merinowoll-Produzenten – wird leider eine brutale Methode verwendet, um den Fliegenmadenbefall zu verhindern – das sogenannte Mulesing.

Dabei wird den Lämmern im Alter von bis zu acht Wochen in einer operativen Methode ein tellergroßes Teil der Hautfalten rund um den After, den Schwanz und die Vulva herum abgeschnitten. Dies geschieht in der Regel mit einem heißen Schnittgerät, und zwar ohne Betäubung und bei vollem Bewusstsein! Die Wunden werden nicht weiter behandelt, sondern müssen von alleine heilen und vernarben.

Den Tieren werden also große Schmerzen bei dieser blutigen und verstümmelnden Prozedur zugefügt. Studien zeigen, dass die Schafe noch 113 Tage nach einem solchen Eingriff vor ihren Peinigern flüchten – so traumatisierend ist dieses Erlebnis. Bisher gibt es kaum unumstrittene Alternativen zur Lösung des Problems des Fliegenmadenbefalls. Zumal die Fliegenmaden vermutlich – ebenso wie die Merinoschafe – erst in der Kolonialzeit nach Australien und Neuseeland mit importiert wurden. Aufwändigere und teurere Methoden sind das regelmäßige Scheren der Hautfalten um den After herum, regelmäßige Kontrollen der Schafe sowie das rechtzeitige medizinische Eingreifen bei einem Befall. Tierschützer fordern daher die gezielte Zucht von Schafen mit weniger Hautfalten am Hintern. Tatsächlich wurden die australischen Merinoschafe aber bewusst so gezüchtet, dass sie mehr Hautfalten besitzen und so einen höheren Ertrag an Wolle einbringen.

Beim Kauf eines Merino-Produktes sollte man also angesichts dieser grausamen Tatsachen bewusst darauf achten, dass nur Mulesing-freie Merinowolle verwendet wurde. Dies wird beispielsweise durch das ZQUE-Siegel der neuseeländischen Merino-Industrie garantiert. Viele Hersteller wie Icebreaker oder Ortovox geben zudem sehr genau und zurückverfolgbar an, woher sie ihre Wolle beziehen. Merinowolle, die nicht aus Australien oder Neuseeland stammt, ist immer Mulesing-frei, da dort das Problem des Fliegenmadenbefalls schlicht nicht existiert.

Die meisten Hersteller von Outdoor-Produkten wie Icebreaker, Ortovox, Bergans, Woolpower, Smartwool, Rewoolution, Devold und viele andere verwenden überhaupt keine Wolle, bei der das Mulesing angewandt wurde. Wenn man sich jedoch unsicher ist, sollte man im Zweifelsfall beim Hersteller direkt oder den entsprechenden Händlern nachfragen. Auch ein sehr günstiger Preis eines Merino-Kleidungsstücks ist manchmal auf den Einsatz der Mulesing-Praktik zurückzuführen. Meistens lohnt es sich ohnehin, genau hinzuschauen und lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Dafür bekommt man in der Regel aber auch einwandfreie Qualität geliefert und unterstützt nicht zuletzt die artgerechte Haltung der Merinoschafe.

Du hast noch Fragen?

Auch wenn das durch die schiere Informationsflut fast ausgeschlossen ist: Fragen entstehen. Und da es immer wichtig ist zu Fragen, kannst Du Dich natürlich gerne an unsere Experten im Kundenservice wenden. Du erreichst sie unter der Woche telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail. Alternativ kannst Du natürlich gerne auch einen Kommentar unter dem Beitrag hinterlassen.

Markenvorstellung Helly Hansen

Helly Hansen – von voluminösen Daunenjacken und Hightech-Outdoorbekleidung

14. Februar 2017
Ausrüstung

Kinder der 90er-Jahre können sich vermutlich noch gut an die wuchtigen Daunenjacken mit dem knallgelben Logo erinnern. Wann immer es kalt wurde, ging kein Weg an Helly Hansen Jacken vorbei – auch wenn man damit aussah wie ein aufgeplusterter Hahn. Damals musste das so sein. Die 90er lassen wir aber mal lieber schnell hinter uns – modetechnisch ohnehin eine schlimme Zeit. Darum soll es in diesem Beitrag aber auch gar nicht gehen, stattdessen wollen wir uns lieber mal ansehen, was aus Helly Hansen geworden ist.

Helly Hansen – Aye, Captain!

Schon lange bevor die fetzigen Jacken zur fragwürdigen Modeerscheinung wurden, startete die Geschichte der norwegischen Marke – und zwar im Jahre 1877, als Captain Helly Juell Hansen die Idee hatte, seine Jacke aus Baumwollplane mit Leinöl zu behandeln und somit eine wasserdichte Oberbekleidung erschuf, die dem harschen nordischen Wetter trotzte. Die Idee brachte ihm dann prompt ein Jahr später einen Preis auf der Weltausstellung in Paris ein.

Lange Zeit war es danach ruhig, bis schließlich Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts die nächste Innovation anstand: Mit dem Aufkommen der chemischen Industrie und immer neuer Beschichtungsmethoden, wurden die ehemals geölten Jacken, nun mit einer Schicht aus dünnem PVC überzogen, welche die Wetterbeständigkeit nochmals verbesserte. 1961 folgte die erste Fleecejacke, in den 70iger Jahren fanden technische Baselayer den Weg in die Produktpalette und wie schon erwähnt – spätestens seit den 90iger Jahren ist die norwegische Marke mit den Daunenjacken auch international bekannt.

Doch Mode ändert sich – zum Glück – und irgendwann verschwanden die zwei großen H’s wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung. Nicht aber aus der Outdoor-Szene, denn dort hatte sich Helly Hansen längst einen festen Platz erkämpft. Vor allem im Segelsport, aber auch am Berg überzeugen die Produkte nicht mehr nur durch auffällige Optik sondern doch optimierte Performance und erstklassige Materialauswahl.

Gekommen, um zu bleiben

Egal ob Bergsteiger, Segler oder Winterwanderer – Helly Hansen bietet für viele Spielarten des Outdoorlebens passende Ausrüstung. Dafür wurden unterschiedliche Technologien entwickelt, aus denen Bekleidung für verschiedene Bereiche optimal angepasst werden kann:

  • Helly Tech Professional: Die klassische 3-Lagen-Membran. Robust mit hoher Atmungsaktivität und hoher Witterungsbeständigkeit
  • Helly Tech Performance: Ebenfalls absolut wasserdicht und gleichzeitig extrem atmungsaktiv.
  • Helly Tech Protection: Wasser- und winddichtes Material für alle Herausforderungen des Alltags.
  • Spray Tech Protection: Eine wasserdichte Beschichtung ideal für leichtes Schmuddelwetter
  • H2Flow: Eine spezielle Belüftungstechnologie, dank der der Körper noch zuverlässiger herunter gekühlt aber auch isoliert werden kann. Sie beinhaltet eine Kombination aus Lufttaschen, Ventilationsreißverschlüssen und Body-Mapping

Kombiniert werden die Eigengewächse mit bestehenden Technologien wie Primaloft oder Polartec, um das Beste für den Sportler rauszuholen. Schließlich muss man das Rad ja nicht komplett neu erfinden.

Die Briten und Helly Hansen

Die Briten haben ein besonderes Verhältnis zu der Marke Helly Hansen. Denn auf der Insel sind die funktionellen Baselayer bekannt als „Smelly Hellys“. Allerdings keineswegs im negativen Sinne. Ganz im Gegenteil, die Unterwäsche ist in der Outdoor-Community sehr beliebt, auch wenn der Name zunächst anderes vermuten lässt. Ich habe nicht näher recherchiert, wann und unter welchen Umständen der Spitzname entstanden ist. Ich denke jedoch, mit ein wenig Phantasie kann man sich das selbst ganz gut herleiten.

Wenn ihr jetzt auch heiß auf eure eigenen Smelly Hellys seid oder einfach zuverlässige Outdoor-Bekleidung für Berg- und Wassersport sucht, dann schaut mal in unseren Helly Hansen Markenshop rein. Zur Info vorab: Leider (oder zum Glück) sind keine 90er-Jahre-Daunenjacken mehr im Sortiment dabei.

Eisklettern-Averstal-Titel

Eiskletter-Action im Averstal

10. Februar 2017
Die Bergfreunde

Der Eiskletterstammtisch ist eine der größten Eiskletterinteressengruppen auf Facebook. Über 4000 Mitglieder tauschen sich dort regelmäßig über ihr Lieblingshobby, über Ausrüstung und Eisqualität aus. Einmal im Jahr findet zudem ein Stammtischtreff statt. Dieses Mal ging es ins Averstal und Dennis vom Eiskletterstammtisch war für uns als eiskletternder Reporter am Start. Viel Spaß mit seinen Erzählungen und stimmungsvollen Bildern!

Ende Januar sollte es also endlich soweit sein – der Eiskletterstammtisch hatte ein Treffen im Avers angekündigt. Und weil ich das Avers liebe, ist das natürlich ein Pflichttermin. Lange im Voraus habe ich ein paar meiner Seilpartner motiviert – wobei, das musste ich eigentlich gar nicht. Denn nach der schleppend beginnenden Eisklettersaison dieses Jahr ist jeder hoch motiviert und hat richtig Bock.

Immer wieder hielten wir mit Thomas vom Gasthaus Edelweiß Rücksprache über die örtlichen Bedingungen. Die zunehmend positiven Rückmeldungen seinerseits steigerten die Vorfreude dann ungemein. Also schnell noch Urlaub eingereicht. Schließlich wollen wir auch den Freitag komplett nutzen. Wenn schon denn schon.

Direkt in der Woche vor dem Stammtisch liegen dann die Fakten auf dem Tisch. Wir sind drei von insgesamt 33 Teilnehmern. Christian, Arne und ich. Jeder hat am Freitag Urlaub und für alle war klar, dass wir Donnerstagnachmittag unsere Sachen ins Auto werfen und anreisen. Doch was machen wir dann am Freitag? Irgendeiner wirft den Begriff „Thron“ in die Runde. Man merkte förmlich wie bei jedem die Glocken klingeln. Der Thron, einer der Klassiker schlechthin in der Schweiz und steht wohl bei jedem von uns auf der Wunschliste. Eine wahre Traumtour. Es war auf Anhieb klar: das Ding wird angegangen!

Endlich ist es soweit!

Donnerstagabend – es geht los. Feierabend, duschen und ab ins Auto. Von Sigmaringen geht es Richtung Konstanz. Arne aufgabeln. Knappe dreieinhalb Stunden später kommen wir im Gasthaus Edelweiß an. Wir sind die ersten. Aber wen wundert es. Arne ist Student und ich habe Urlaub – da kommt man eben früh los.

Herzlich – wie eigentlich immer – werden wir von Thomas in Empfang genommen. Nach kurzem Informationsaustausch beziehen wir unser Zimmer. Wir haben die freie Auswahl – Jippie. Zirka zwei Stunden später treffen dann weitere Teilnehmer ein. Und dann steht da plötzlich Simon, ganz neu in unserer Runde und sofort Feuer und Flamme für unsere Thron-Aktion. Um ehrlich zu sein sind wir erstmal etwas überrumpelt. Denn schlagartig sind wir sozusagen zu viert, kennen uns nicht und waren darauf eingestellt den Thron zu dritt zu klettern.

Ich bin sowieso eher vorsichtig, was die Partnerwahl angeht. Da wir alle jedoch erwachsen sind – zumindest mehr oder weniger – reden wir mit offenen Karten und legen die Tatsachen auf den Tisch. Denn wer redet hat weniger Probleme. Egal in welcher Hinsicht. Die Sache steht!

Freitag ist Thron-Tag!

Morgens um 06:00 Uhr klingelt der Wecker. Voller Tatendrang wuseln wir alle durchs Zimmer. Packen unsere Rucksäcke, ziehen uns an… außer Neuzugang Simon. Der Langschläfer nutzt noch jede weitere Minute aus. Aber warum auch nicht. Mit drei Männern ist das Bad ohnehin schon dauerhaft belegt. Ein ausgiebiges Frühstück, drei Kaffee und eine Stunde später stehen wir am Einstieg vom Thron. Was für ein mächtiges Ding. Wow.

Ausrüstung anlegen, fertig machen und los geht’s. Aber hier muss ich Euch leider enttäuschen. Ich will eigentlich nicht auf die einzelnen Klettermomente eingehen, denn das würde den Rahmen definitiv sprengen. Fakt ist aber: Es war der Hammer und ich kann jedem nur empfehlen, dieses Teil mal zu klettern.

Nach dem Abseilen ist schnell klar, das klettertechnische Wochenendziel ist bereits erreicht. Und Simon passt gut in unsere Gruppe. Ab jetzt wird es stressfrei und gemütlich. Zurück im Gasthaus Edelweiß feiern wir unseren Erfolg. Immerhin ist JEDER Eisfall ein Erfolg. Den Freitagabend lassen wir dann noch ganz gemütlich mit anderen Eiskletterern im Gasthaus ausklingen.

Echter Augenöffner

Samstag früh, die Wecker klingeln fast zwei Stunden später als am Freitag. In behäbiger Langsamkeit stehen wir auf und richten uns für das Frühstück. Wir haben noch nicht mal einen richtigen Plan für heute. Gestärkt vom Müsli kommt uns dann die Idee, den Brückenfall zu klettern. Denn dieser ist schlicht und ergreifend richtig schön, egal welche Variante man wählt. Und die anderen Teilnehmer wollen sowieso woanders hin. Der linke Ausstieg am Brückenfall gilt als schöner Vorhang. Vorfreude. Doch als wir ankommen, stellt sich schnell Enttäuschung ein. Den linken Ausstieg gibt es nicht und der rechte schaut mehr nach einem Dreckrinnsal aus. Was nun?

Wir einigen uns darauf nach Cresta zu fahren, ein kleines, wirklich schönes Tal oberhalb von Cröt. Hier gibt es in wundervollem Ambiente ganz schnörkelloses Eis. Es soll also ein entspannter Tag werden. Wir wechseln uns ab. Arne, Chris, Simon, ich. Jeweils in Zweierteams. Die Routen werden durchgewechselt und die Eisgeräte werden eifrig rumgereicht. Durch die ganze Gerätetauscherei ist Chris bei den Cassin X-Dream von Simon angelangt. Er klettern, er grinst, er schwärmt. Was ein geiles Gerät. Nach dieser Aussage kann es sich auch unser zweiter Nomic-Besitzer nicht nehmen lassen. Arne greift also zu und klettert los. Hier ebenfalls derselbe Ablauf, Arne klettert, er grinst und der schwärmt. Das Cassin-Teil muss eine Waffe sein. So überwinde ich mich und greif zu.

Ditsch… das Ding sitzt – und wie. Sprengwirkung? Nie gehört! Schlag auf Schlag arbeite ich mich nach oben. Zweimal schlagen? Ne, nicht mit dem Cassin. Echt krass das Teil. Wir drei sind also echt erleuchtet, was die Steileistauglichkeit betrifft. Simon freut sich spitzbübisch. Die Geräte sind nagelneu und offensichtlich alles andere als ein Fehlkauf. Wir sehen das als Erleuchtung. Die Marktführer müssen nicht immer zwangsläufig an der Spitze stehen. Dennoch bleibe ich, in Hinsicht auf ein paar Kleinigkeiten, doch meinen Black Diamond Fusion treu. Pünktlich zum Kaffee trudeln wir mittags bei Tom ein und helfen noch beim Aufbau für den Vortrag von Klettertalent Alex Luger, der heute im Anschluss zum Abendessen stattfinden sollte.

Wohlgenährt sitzen wir im Aufenthaltsraum des Hostel Genereso und lauschen den Ausführungen von Alex‘ Vortrag „Exponiert“, der von Anfang an fesselt und richtig Spaß macht. Besonders nett fand ich, dass er als Fast-Local seinen Vortrag etwas abändert und uns von seinen Erstbegehungen hier erzählt. Man braucht ja schließlich Projekte für die Zukunft. Im Anschluss zum Vortrag geht es wieder ins Gasthaus Edelweiß.

In gemütlicher Runde versuchen wir uns an einem Quiz mit Fragen rund ums Eis. Wie hieß Abalakov mit Vornamen? Welche Formklassen Eis gibt es? Und so weiter. Mitmachen lohnte sich, immerhin gab es vom T-Shirt bis hin zum Bergfreunde-Gutschein einiges zu gewinnen. Wer jetzt noch fit war, schließt sich der „Blockier“-Challenge an. Zwei Eisgeräte voll auf Zug so lange blockieren, wie es geht. Öffnen sich die Arme auf über 90° ist es vorbei. Komisch, dass nur die Jungs mitgemacht haben. Und mit über 1:40 min hat sich der Sieger seine Petzl-Stirnlampe zurecht verdient. Denn: wo Strom fließt, kann man eine Lampe anschließen.

Gemütlicher Abschluss und kurze Rage

Für den letzten Tag entscheiden wir uns für den oberen Sektor in Campsut. Dort gibt es kurze, spaßige Mixed-Dinger und die kleinen Säulen sind eigentlich absolut stressfrei. Aber über dem Hauptsektor hängt – ziemlich bedrohlich – ein riesiger Eiszapfen. Ich habe einmal erlebt, wie so ein Ding bei leichten Plusgraden abbricht und Richtung Boden rauscht. Da herrscht für ein paar Sekunden Krieg. Aber wirklich. Umso erschreckender, dass sich hier viele Anfänger und auch Fortgeschrittene tummeln, die sich der Gefahr nicht bewusst sind oder diese gar ignorieren.

Schon beim Aufstieg machen wir die Anwesenden auf den Zapfen aufmerksam. Wie so oft kommt als Antwort: „Ja, Ja, wir stehen ja nicht direkt drunter. Der hält heute schon noch.“
Ich weiß nicht warum, doch bei solchen Sachen werde ich dann doch etwas wütend. Man meint es gut. Ich denke mir meinen Teil und laufe weiter. Zwei weitere aus unserer Gruppe sind geduldiger und machen nochmal ganz direkt auf die Gefahr aufmerksam. Immerhin hat es bereits Plusgrade und der Hang über dem Zapfen wird direkt von der Sonne bestrahlt.

Einen kurzen Moment fahre ich aus der Haut. Ich erlaube es mir: „Leute … DIESER ZAPFEN IST SAUGEFÄHRLICH!! Er bricht ohne Vorwarnung ab und zerspringt beim Aufprall in 1000 Teile. Die Splitter streuen sehr weit. Es wäre nicht das erste Mal, dass dabei jemand stirbt.“ Ich beruhige mich wieder und trotz alle dem, hatten wir einen weiteren großartigen Tag in Campsut. Spielerisches Klettern, ohne große objektive Gefahren, ohne Leistungs- und Zeitdruck. Einfach Spaß. Fast schon sportklettermäßig.

Danach geht es zum Abschluss wiedermal ins Gasthaus Edelweiß zu Kaffee und Kuchen. Und was war das für ein leckerer Kuchen. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich dort ewig sitzen können, um ein Stück nach dem anderen zu essen – bis es keinen Kuchen mehr gibt! Leider ruft aber die Autobahn und damit die Heimfahrt. Wir hatten – um es kurz und direkt zu sagen – ein geniales Stammtischwochenende im Averstal. Danke an alle die dabei waren und bis zum nächsten Jahr!

Skitouren in den deutschen Mittelgebirgen

Deutschland aufs Dach gestiegen – Skitouren in den Mittelgebirgen

9. Februar 2017
Tipps und Tricks

Winterzeit ist immer auch Skitourenzeit. Was könnte man sich wohl auch besseres vorstellen, als ein paar Stunden in einer großartigen Winterlandschaft zu verbringen, Berge zu erklimmen und dann über unverspurte Hänge durch feinen Pulverschnee wieder ab zu fahren. Je nach Wohnort ist ein solches Vorhaben aber oft mit einer nicht unerheblichen Anreise verbunden. Aus diesem Grund schauen wir heute einmal über den Tellerrand des Alpenhauptkamms hinaus und nehmen uns ganz gezielt die bekanntesten und beliebtesten Skitourenreviere in deutschen Mittelgebirgen vor.

Mittelgebirgsskitouren – Vor- und Nachteile

Skitouren in den deutschen MittelgebirgenWer nun ungläubig schaut und sich fragt, ob Skitouren in deutschen Mittelgebirgen wie dem Schwarzwald, Fichtelgebirge oder dem Bayerischen Wald überhaupt Spaß machen, dem sei ein großes „Jawohl!“ entgegen geschmettert. Freilich sieht eine Skitour am Feldberg anders aus als am Silvrettahorn, ist ja klar. Aber dennoch haben die Touren in den Mittelgebirgen ihren ganz eigenen Reiz. Einer der größten Vorteile liegt darin, dass Mittelgebirgsskitouren deutlich variabler sind als Touren im Hochgebirge. Während man in den Alpen in aller Regel einmal aufsteigt und dann direkt wieder ins Tal abfährt, sieht das in den Mittelgebirgen ein wenig anders aus.

Hier sind die Aufsteige und somit auch die Abfahrten meist deutlich kürzer als in den Alpen. Somit ergibt sich zum einen die Möglichkeit, deutlich kürzere Touren zu machen und trotzdem ein Gipfelerlebnis mit nach Hause zu nehmen. Zum anderen kann man die Tour auch beliebig verlängern, indem man in ein anderes Tal abfährt und den Berg gleich noch einmal erklimmt. Dies ist gerade auch für Gruppen interessant. Denn während schwächere Personen bereits zum gemütlichen Beisammensein in der Hütte übergegangen sind, können Leistungsstärkere problemlos nochmals einen Aufstieg dranhängen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass die Erhebungen in den Mittelgebirgen nicht selten zu weiten Teilen bewaldet sind. Auch die Hangneigungen sind in der Regel weniger extrem als in den Alpen. Hierdurch ergibt sich zumeist eine stabil niedrige Lawinengefährdungsstufe. Das heißt natürlich nicht, dass man die Lawinenlage in den Mittelgebirgen völlig außer Acht lassen sollte. Auch hier gehört eine anständige Tourenplanung ebenso dazu, wie eine komplette Lawinenausrüstung. Aber dennoch ist die Gefährdung durch Lawinen in Erzgebirge, Bayrischem Wald und Co. deutlich geringer als in den Alpen. Wo macht es am meisten Spaß und wie sind die Eigenheiten der jeweiligen Region? Wir haben hierzu einmal vier Mittelgebirge ausgesucht, in denen der Begriff Skitour schon lange kein Fremdwort mehr ist.

Bayerischer Wald – „dreiviertel Jahr Winter, viertel Jahr kalt“

Auch wenn dieser Spruch aus dem Volksmund vielleicht ein wenig verallgemeinernd ist, gibt er trotzdem Aufschluss über das, was man im Bayerischen Wald erwarten kann. Viel Winter und viel Schnee. Der Bayerische Wald ist ca. 100 Kilometer lang und liegt zu weiten Teilen im Regierungsbezirk Niederbayern.

Der Große Arber ist mit 1456 m. ü. M. der Höchste Berg des Mittelgebirges. Gerade in kalten Wintern kann das Thermometer hier schon einmal -30 °C zeigen. Auch Schneehöhen von 3 Metern sind hier keine Seltenheit. Für den Wintersport sind das selbstverständlich beste Voraussetzungen. Kein Wunder also, dass neben dem alpinen Skifahren und Langlaufen auch das Skitourengehen immer beliebter wird.

Der Bayerische Wald ist im Sommer ein stark frequentiertes Wandergebiet. Doch auch im Winter gibt es zahlreiche Gipfel, die problemlos mit Tourenskiern erklommen werden können. Die Schwierigkeit variiert von Tour zu Tour. Dabei ist es egal, ob man selbst eher aufstiegs- oder abfahrtsorientiert ist, wählt man nur die richtige Tour, kommt jeder voll auf seine Kosten. Gerade die Regionen um Großen Arber, Rachel und Dreisesselberg sind beliebte und lohnenswerte Skitourenziele.

Da der Bayerische Wald generell ein beliebtes Urlaubs- und Ferienziel ist, kann man sich auch abseits des Wintersports auf zahlreiche Freizeitmöglichkeiten freuen. Meist ist der Weg zur nächsten Therme nicht weit und man kann nach einem gelungenen Skitag die Seele baumeln lassen und im warmen Wasser entspannen.

  • Region: Niederbayern
  • Höchster Berg: Großer Arber 1456 m. ü. M
  • Alternativer Wintersport: Ski Alpin und Langlaufen

Erzgebirge – Skispaß zwischen Deutschland und Tschechien

Das Erzgebirge liegt an der deutsch-tschechischen Grenze. Die Staatsgrenze verläuft nördlich der Kammlinie, wodurch der Keilberg, der höchste Gipfel des Erzgebirges, mit seinen 1244 m. ü. M. in Tschechien liegt. Der höchste deutsche Gipfel des Erzgebirges ist der Fichtelberg mit 1215 m. ü M.

Das Erzgebirge gilt als verhältnismäßig schneesicher und so ist es kaum verwunderlich, dass auch dort in den Höhenlagen mehrere Wintersportgebiete zu finden sind. Gerade in der Region Fichtelberg / Keilberg gibt es zahlreiche Liftanlagen und Langlaufloipen. Außerdem gewinnt auch das Skitourengehen immer mehr an Bedeutung.

Oberwiesenthal ist dabei sicherlich einer der wichtigsten Anlaufpunkte auf der deutschen Seite. Von hier aus gibt es mehrere lohnende Touren mit unterschiedlicher Länge und in den verschiedensten Schwierigkeitsgraden. Nicht selten überschreitet man bei diesen Touren die grüne Grenze zu Tschechien. Je nach Tour ist man mal in Deutschland, mal in Tschechien, wer weiß das schon immer so genau. Auf jeden Fall ist man aber auch in einer großartigen Landschaft unterwegs und kann sich Zeit nehmen die (internationale) Bergwelt zu genießen. Darüber hinaus sind auch die Skitourenreviere um Johanngeorgenstadt ein lohnendes Ziel.

  • Region: Sachsen / Böhmen
  • Höchster Berg: Keilberg (Klínovec), Teschechien (1244 m. ü. M.)
  • Höchster Gipfel auf dt. Seite: Fichtelberg (1215 m. ü M.)

Fichtelgebirge – von Schneeberg bis Ochsenkopf

Skitouren in den deutschen MittelgebirgenIm Nordosten Bayerns gelegen, überschreitet das Fichtelgebirge ebenfalls die Grenze von Deutschland und Tschechien. Der höchste Berg ist der Schneeberg (1051 m. ü. M.), dessen Namen bereits Aufschluss über seine gute Wintersporttauglichkeit gibt.

Mit einer Fläche von rund 1600 Quadratkilometern ist das Fichtelgebirge die kleinste Region in unserer Liste. Dies sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei um eine ausgezeichnete Wintersportregion handelt. Neben mehreren Skigebieten und Loipen gibt es auch hier zahlreiche Skitouren, die eine nähere Betrachtung wert sind –
ein sehr beliebtes Ziel ist der Ochsenkopf.

Mit seinen 1024 Metern kann der Berg problemlos von Bischofsgrün aus bestiegen werden. Wer auf dem Gipfel noch nicht ausgelastet ist, für den ist zusätzlich auch Abfahrt und Aufstieg auf der Südseite zu empfehlen. Doch auch die anderen Erhebungen des Fichtelgebirges sind ein lohnendes Skitourenziel und so ist es kein Problem je nach Trainingsgrad und Können eine geeignete Skitour zu finden.

  • Region: Bayern / Tschechien
  • Höchster Berg: Schneeberg (1051 m. ü. M.)
  • Skitourenziel: Ochsenkopf (1051 m. ü. M.)

Schwarzwald – mit Bollenhut und Skihelm

Der Schwarzwald ist das größte zusammenhängende Mittelgebirge Deutschlands. Darüber hinaus hat es mit dem Feldberg (1493 m. ü. M.) gleichzeitig den höchsten deutschen Mittelgebirgsgipfel zu verzeichnen. Gerade die Höhenlagen des Schwarzwalds können in guten Wintern stattliche Schneemengen verzeichnen und gelten daher als relativ schneesicher.

Seit jeher ist der Schwarzwald eine sehr beliebte Ferienregion und dementsprechend auch touristisch gut erschlossen. Der klassische Wintersport im Schwarzwald ist das Langlaufen sowie der alpine Skilauf. Seit gut zehn Jahren nimmt jedoch auch hier die Zahl der Skitourengänger deutlich zu, wodurch sich vor allem die Feldbergregion zu einem beliebten und viel besuchten Skitourengebiet entwickelt hat.

Im Schwarzwald gibt es zahlreiche lohnende Skitouren. Von einfachen und vergleichsweise kurzen Touren mit wenigen Höhenmetern und gemäßigten Hängen, bis hin zu steilen Abfahrten und anspruchsvollen Aufstiegen ist hier alles dabei, was das Herz des Tourenskigängers höher schlagen lässt. Die höchsten Erhebungen befinden sich im Südschwarzwald und so ist es kaum verwunderlich, dass auch hier die bekanntesten und beliebtesten Skitouren zu finden sind. Gerade die Gipfel Feldberg, Belchen, Herzogenhorn und Kandel werden regelmäßig von Skitourengängern besucht. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Runden und sogar eine mehrtägige Schwarzwalddurchquerung.

  • Region: Baden-Württemberg
  • Höchster Berg: Feldberg (1493 m. ü. M.)
  • Alternativer Wintersport: Langlaufen, Ski Alpin

Unterm Strich…

Auch in deutschen Mittelgebirgen kann man zahlreiche schöne und interessante Skitouren machen. Je nach Gebiet und Tour sollte hier für nahezu jeden Anspruch das Richtige dabei sein. Mit der Literatur für Skitouren sieht es leider für manche Gebiete recht dürftig aus. Sofern vorhanden können die Skitouren- und Wanderführer von Rother, die Karten von Kompass sowie die Karten der jeweiligen Landesvermessungsämter zur Tourenplanung hergenommen werden.

Darüber hinaus hat dieser Artikel nicht den Anspruch vollständig zu sein. Auch auf genaue Tourenbeschreibungen haben wir zugunsten eines weit gefassten Überblicks verzichtet. Wenn ihr also euren bevorzugten Skitourenspot vermisst, dann hinterlasst und doch einfach einen Kommentar, wo es euch an Tiefschneetagen hinzieht. Wir sind gespannt, was ihr so zu berichten habt!

Bergfreunde Gear Tipp! (c) bergfreunde.de

Gear-Tipp: MSR – Dromedary Bag – Wasserbeutel

7. Februar 2017
Gear-Tipp!

Bergfreund Johannes gibt sich nicht mit halben Sachen zufrieden. Wenn er in die Natur geht, erwartet er, dass seine Ausrüstung mit ihm mithalten kann. Egal ob bei Wanderungen, beim Bergsteigen oder Camping – robust und widerstandsfähig muss sie sein. In seinem Gear Tipp erklärt er, warum der MSR – Dromedary Bag – Wasserbeutel seine Erwartungen sogar übertroffen hat.

Ich persönlich habe eine klare Schwäche für Ausrüstungsstücke, bei denen man einfach sicher weiß, dass man sie in fast jeder erdenklichen Situation schinden und auch bei extremsten Bedingungen verwenden kann und sie einem trotz allem den Dienst niemals versagen. Also Ausrüstung, für die man sich entscheiden würde, wenn man damit bis zum Ende seiner Tage in die Wildnis gehen würde.

Nein… dies ist kein Gear Tipp für einen Klappspaten oder eine Axt. MSR hat es tatsächlich geschafft einen Wassersack zu entwerfen, der der obigen Beschreibung erstaunlich nahe kommt: Der Dromedary Bag.

Er kommt in den Größen 2, 4, 6 und 10 Liter. Ich persönlich habe den 10 Liter Sack seit vielen Jahren im Gebrauch und benutze ihn als kompaktes Wasserreservoir welches ich, für optimale Gewichtsverteilung an der Rückenseite meines Rucksackes tragen kann und welcher mich – unverwüstlich wie er ist – zuverlässig mit viel, viel Wasser versorgt.

Die technischen Features sind einfach: extrem robust, von Grund auf gut durchdacht und funktionell, sodass für mich kein Wunsch zur Verbesserung offen bleibt:

1. Das Cordura Nylon Außenmaterial ist reiß- und abriebfest und kommt mir unverwüstlich vor. Man kann den Sack bedenkenlos gefüllt als Sitzkissen benutzen oder mehrere Meter tief fallen lassen. Spitze Steine und Dergleichen können dem Material allem Anschein nach nichts anheben. Wer’s nicht glaubt, findet im Internet Testvideos, in denen der Sack vor laufender Kamera malträtiert wird und dabei unbeschadet bleibt.

2. Der Trinkverschluss hat drei verschiedene Dosierungsmöglichkeiten: einen dünnen, sparsamen Strahl, den man auch als direktes Trinkventil benutzen kann; einen flaschenhalsgroßen Schraubverschluss zum Gießen; sowie einen Breiten auffüll- und reinigungstauglichen Verschluss. Das ganze wird von einem Henkel direkt an den Öffnungen unterstützt, welcher das Auffüllen und das Gießen ziemlich erleichtert.

3. Seitlich befinden sich am Sack robuste Metallösen, durch die eine Schlinge gezogen ist. Somit kann man den Wassersack beliebig aufhängen, zusammenschnüren, als kleinen Rucksack tragen oder eben kräftig anpacken. Einfach und genial.

4. Der Dromedary lässt sich mit einem dazugehörigen Duschkit und einem Trinkschlauch erweitern und erfüllt somit zugleich mehrere Funktionen als Dusche, Kanister und Hydration System; so wie er eben gerade gebraucht wird. Das spart wiederum Gewicht, da man nicht drei verschiedene Behälter braucht, sondern nur einen, der dafür alle Funktionen erfüllt.

5. Der Wassersack ist mit seiner flachen Form perfekt im Rucksack verstaubar. Wie ein Trinksystem lässt er sich direkt am Rückenteil des Rucksackes fixieren, wo er als meist schwerstes Gepäckstück auch sitzen soll. Durch die Schnürung kann man den Sack komprimieren, wenn er nicht mehr ganz voll ist, um damit lästiges Hin- und Herschwappen beim Tragen zu verhindern.

6. Das dreiteilige Verschlusssystem gibt es auch als Ersatzteil zu kaufen – das ist einfach super und nachhaltig!

Fazit:

Wer einen robusten und extrem vielseitigen Wasserbehälter zum Camping, Trekking, Bigwall-Klettern, für Hochtouren und andere Aktivitäten braucht, bei denen es gilt, zuverlässig und praktisch Wasser zu transportieren, der macht mit dem Dromedary Bag definitiv nichts verkehrt. Wichtig ist, ihn nach der Benutzung zu trocknen, um so einer Keim- und Schimmelbildung vorzubeugen.

Du möchtest auch Deinen Ausrüstungsfavoriten hier vorstellen? Wir belohnen Dein Engagement mit 25 €!

Du hast Deinen persönlichen Gear-Tipp und Lust, diesen mit einem kleinen Beitrag & Foto von Dir hier im Basislager zu veröffentlichen? Hier Deinen Vorschlag einreichen

Windiger Aufstieg zum Monte Sarmiento. Foto Ralf Gantzhorn

Fritz Miller in Feuerland – der Traumberg am Ende der Welt

3. Februar 2017
Bergfreunde Pro-Team

Es war irgendwann 2014, als mich Ralf (Gantzhorn) fragte, ob ich ihn nach Feuerland begleiten würde, zum Monte Sarmiento. Es gibt viele gute Gründe, nicht nach Feuerland zu reisen, schon gar nicht zum Bergsteigen: das miese Wetter, die weite Reise, die komplizierte Logistik, viel Bürokratie, hohe Kosten, kaum zugängliche und gefährliche Berge. Aber Ralf hatte schon einen Plan und VAUDE, unser beider Partner, sagte eine finanzielle Unterstützung zu.

Es gab also keinen Grund zu zögern. Im Frühjahr 2015 sollte es losgehen. Doch zwei Tage vor Abflug stellte sich heraus, dass unser kleines Segelschiff nicht in Punta Arenas, Chile, auf uns warten würde. Und dass sich auch so einfach kein Ersatz organisieren lassen würde. Ich kann nicht genau sagen, wo das Problem lag, aber ohne Boot kein Vorankommen in einer wilden Welt, die man praktisch nur übers Wasser erreicht.

Uns blieb nichts übrig, als die ganze Aktion abzublasen. Fürs Erste zumindest. Auf dem Weg in die entlegensten Winkel der Erde kann eben viel schiefgehen – sogar, bevor man die eigenen vier Wände verlassen hat.

Der zweite Anlauf – oder einfach ein Weiterer

Im Frühjahr 2016 wollten wir es erneut probieren. Ralf war schon öfters am südlichsten Zipfel des amerikanischen Kontinents unterwegs und dort auch durchaus alpinistisch erfolgreich. Zusammen mit Robert Jasper und Jörn Heller glückte ihm der Westgipfel des Monte Sarmiento (2010) sowie eine Besteigung des Monte Giordano (2012) – jeweils über schwierige Neutouren! Doch das große Ziel hieß noch immer Monte Sarmiento Hauptgipfel (Ostgipfel).

Dieser wurde wohl 1956 (!) von den italienischen Alpinisten Carlo Mauri und Clemente Maffei erstbegangen, was einer unglaublichen, leider nicht dokumentierten Leistung entsprechen würde. Seitdem zog es immer wieder Expeditionen zum Monte Sarmiento, von denen rund 20 scheiterten und eine von Erfolg gekrönt war: 2013 erreichten Camilo Rada (Chile) und Natalia Martinez (Argentinien) im Rahmen einer großen Expedition den höchsten Punkt des Berges. Sie kletterten nachts, um ein kurzes Wetterfenster auszunützen (weshalb es von ihrer Aktion kein Bildmaterial gibt).

Und nun wollten auch wir einen Versuch wagen: Ralf Gantzhorn, Axel Voss und ich. Zum Team gehörte außerdem die Crew unseres kleinen Segelschiffs (Kapitän Eze und Carlos) sowie Jochen Schmoll, unser Filmer.

Ein Film über eine große Reise, die Wildnis und eine Diva

Jochen hatte wahrlich keinen leichten Job. Nässe und Kälte machten der Kamera-Technik zu schaffen, das Laden der Akkus auf dem Boot war problematisch und die Drohne bei den starken Winden permanent gefährdet. Doch irgendwie hat Jochen allen Widrigkeiten getrotzt! Das Ergebnis seiner Arbeit seht ihr hier, und es zeigt Feuerland viel besser als ich es beschreiben könnte. Und ich hoffe, dass auch ein wenig klar wird, was den Reiz einer solchen Reise ausmacht, die zugegebenermaßen etwas verrückt erscheint…

Vorbericht zur ISPO 2017

ISPO 2017 – was wollt ihr wissen?

2. Februar 2017
Ausrüstung

Momentan geht es bei den Bergfreunden wieder ziemlich rund. Die Einkäufer sind schon gar nicht mehr greifbar, unsere Vendor-Manager seit Tagen nur am Termine koordinieren und auch ich habe den Kamera-Akku aufgeladen und auf der Speicherkarte Platz gemacht. Nein, leider fahren wir nicht alle zusammen in die Berge, allerdings wird es nächste Woche nicht minder spannend, denn die ISPO steht ins Haus und damit wieder viele Neuigkeiten, die es zu entdecken und berichten gibt. Ein paar interessante Nominierungen für den ISPO Brand New Award wollen wir im Vorfeld vorstellen und näher beleuchten und euch natürlich bitten, eure Fragen zu stellen, die wir vor Ort versuchen zu beantworten.

Das Integrated Avalanche System

Ein neuer Lawinenrucksack mit einem Hybrid-System aus Airbag und Atmungssystem steht auf der Agenda. Es ist so konstruiert, dass man das ausgeatmete CO2 (etwa in einer Lufthöhle) nicht wieder einatmet. Denn eine zu hohe CO2-Konzentration in der Atemluft führt von der Bewusstlosigkeit bis zum Tod. Daher ist ein solcher Atemfilter wichtig. Das Mundstück ist gleichzeitig der Auslösegriff des Airbags, so dass man es sich direkt nach der Aktivierung in den Mund stecken kann.

Resero Whistle – Panikknopf, LVS und Blackbox

Entwickelt und getestet mit Xavier de Le Rue (immerhin dreifacher Sieger der Freeride World Tour), erfüllt das Resero Whistle wichtige Aufgaben in Sachen Sicherheit am Berg und kann bei jeder Outdoor-Sportart eingesetzt werden. Es wird mit dem Smartphone verbunden und sendet bei Betätigung automatisch eine Nachricht an zuvor definierte Adressaten (z.B. Bergwacht oder Familie und Freunde). Das funktioniert dank der LoRa-Technik auch unabhängig vom Mobilfunknetz. Auf der App können weitere Daten wie z.B. die Blutgruppe gespeichert werden. Wird man von einer Lawine verschüttet, dient es zugleich als Recco-Reflektor und es kann über GPS geortet werden.

Find—me Lawinenschnur

Simpel und effektiv – ein 10 m langes Band, das an Ski und Skischuh befestigt wird und im Falle eines Falles dabei hilft, die Skier im Tiefschnee wieder zu finden. Die Schnur ist in einem kleinen Täschchen untergebracht, das sich öffnet, wenn der Ski abgeht. Clever: Ein Klettverschluss lässt das Band reißen, wenn sich der Ski verkeilt. Außerdem kann das Band helfen, Verschüttete zu lokalisieren und ist mit allen wichtigen Notfallnummern bedruckt. Lediglich in die Tasche zurückstecken muss man es nach der Auslösung selbst wieder.

Bold – Carbon-Mountainbike mit Dämpfer im Rahmeninneren

Zusammen mit DT Swiss hat die Firma Bold Cycles aus der Schweiz ein innenliegendes Dämpfersystem entwickelt. IST (Integrated Suspension Technology) nennt sich das Ganze. Der große Vorteil: Sehr kurze Umlenkhebel, wodurch der Hinterbau noch steifer wird – und natürlich eine saubere Optik. Damit die Wartung nicht zu kompliziert wird, lassen sich Dämpfer und Hebel relativ einfach ausbauen.

Und was gibt’s aus dem Kletterbereich?

Ehrlicherweise nicht viel – zumindest bisher. Die Hersteller halten sich bedeckt und auch die ISPO Award-Gewinner sind noch nicht bekannt gegeben. Wir halten die Augen offen!

Ihr habt Fragen?

Dann immer her damit. Wir spielen für euch den rasende Reporter und versuchen möglichst viele Infos aus den Vertretern vor Ort rauszuquetschen. Stellt eure Fragen einfach hier als Kommentar und wir sehen mal, was sich machen lässt!

Trekkingnahrung-Reisen-Titel

Ohne Mampf kein Kampf – Mit Trekkingnahrung auf Reisen

31. Januar 2017
Ausrüstung

Der „Bund“ wird es mir verzeihen, dass ich mir seinen Spruch als Überschrift ausgeliehen habe. Aber auch für uns Bergsportler zählt: „Ohne Mampf kein Kampf“. Auch wir verlangen unserem Körper so einiges ab und sollten auf eine ausgewogene Ernährung achten. Gerade auf Reisen können wir jedoch nicht immer auf gewohnte Lebensmittel zurückgreifen und müssen oft improvisieren. Ob auf einer langen Trekkingreise, einem persönlichen Höhenrekord oder in der Vertikalen – ohne gutes Essen sind schnell die Akkus leer.

Gefriergetrocknete Fertigmahlzeiten, wie sie von namhaften Herstellern angeboten werden, bieten gerade für diesen Fall deutliche Vorteile. Vor allem, weil sie leicht und schnell zubereitet sind und somit Brennstoff sparen, was nochmals zur Gewichtsersparnis beiträgt. Über das „gute Kalorien-Gewichts-Verhältnis“, die „optimale Nährstoffversorgung“ und den „Geschmack“ kann man zwar streiten, denn Reis, Linsen und Co. können dabei gut mithalten. Aber dank Travellunch, Trek`n Eat oder Adventure Food müssen wir nicht wochenlang nur Beilagen essen, sondern genießen auch weit abseits der Zivilisation ein abwechslungsreiches Menü mit Früchten und Gemüse. Die Frage ist nur, wie bringen wir unsere Spezial-Nahrung auch sicher an den gewünschten Zielort?

Fass ohne Boden

Leider gibt es auf diese Frage nicht nur eine Antwort, sondern dutzende. Fast jedes Land hat seine eigenen Einfuhrbestimmungen, deren Missachtung im schlimmsten Fall zu einer Geldstrafe oder sogar einer Anzeige (!) führen kann. Obwohl mir kein solcher Fall bekannt ist, trotz ausführlicher Selbstversuche in der Recherche, die uns fast ins Gefängnis brachten. Unser schlimmstes Vergehen: ein halbes Salamibrot im Rucksack an der Grenze zu den USA. Als die Beamten kurz nicht hinsahen, verschwand es schnell und spurlos im Mund. „Die Hunde müssen wohl diese nach Salami riechende Frischhaltefolie aufgespürt haben“, schwindelten wir uns aus der Affäre. Auch Hunde können sich ja mal irren.

Wir Europäer sind ja auch ganz schön verwöhnt, denn wir müssen uns über vieles Gedanken machen, nicht aber über die Ein- und Ausfuhr von Lebensmitteln innerhalb Europas. Soweit das mitgebrachte Essen für den eigenen Verbrauch vorgesehen ist, hat man auch in den skandinavischen Ländern sowie Island (Lebensmittel bis zu 3 kg Lebensmittel) und der Schweiz großen Spielraum. Aber Vorsicht, auch hier lauern Tücken: nach Norwegen dürfen beispielsweise keine Kartoffeln eingeführt werden, bzw. nur mit Genehmigung!

Armut und Überfluss

Dagegen sind Länder wie die USA, Canada oder Australien unglaublich strikt. Fleisch und Fisch ist in jeglicher Form tabu, ebenso wie Ei- und Milchprodukte inklusive Milchpulver. Hier müssen die Inhaltsstoffe der ausgewählten Trekkingnahrung vorab genau unter die Lupe genommen werden, denn die Zoll-Beamten am Flughafen verstehen meist keinen Spaß und merken sehr schnell, wenn sie angeflunkert werden. Im Zweifelsfall landet alles im Müll, da hilft auch kein Jammern oder Diskutieren. Eigentlich sind aber auch diese Länder weniger das Problem, da man sich vor Ort mit ähnlichen Produkten versorgen kann. Anders sieht es in den afrikanischen Ländern aus oder bei Reisen nach Südamerika oder Asien. Dort kann einen der Verlust der eingeplanten, gefriergetrockneten Nahrung ganz schön ins Schleudern bringen. In den meisten Fällen sind auch hier Fleisch, Fisch und Milchprodukte verboten, oft sogar auch Honig.

Allgemein ist man also mit vegetarischen Gerichten besser bedient, die benötigten Proteine können mit einheimischen Grundnahrungsmitteln (wie beispielsweise Linsen) ausgeglichen werden. Generell kann ich eine Mischung aus mitgebrachter Nahrung und einheimischen Produkten wärmstens empfehlen. Wir sind damit immer am besten gefahren und haben nebenbei viele wertvolle Nahrungsmittel kennen und lieben gelernt. Ob Quinoa in Ecuador oder Bulgur in der Türkei. Der Einkauf regionaler Produkte unterstützt ja auch die lokale Wirtschaft vor Ort. Eine sehr gute, vielleicht die ursprünglichste Form von Entwicklungshilfe, wie wir finden.

Wie gut kannst du Pokern?

Ob Afrika oder Südamerika, es sind grundsätzlich nur „industriell hergestellte“ Lebensmittel in der Original-Verpackung zugelassen. Alles sollte zudem ordnungsgemäß in den Formularen deklariert werden, denn deklarierte Ware wird nicht entsorgt, sondern nur nochmals überprüft. Nur mit nicht deklarierten Waren, deren Einfuhr verboten ist, macht man sich schließlich strafbar. Die genauen Inhaltsstoffe können die Beamten auf dem Etikett nachvollziehen. Meist können getrocknete, kandierte und gekochte Lebensmittel eingeführt werden.

In Chile sind sogar Fleischprodukte wie Würstel oder Salami erlaubt. Solch liberale Bestimmungen sind allerdings eher die Ausnahme – im Gegenteil gibt es die verrücktesten Regeln. Wie mir berichtet wurde, kommt es in manchen Ländern sogar darauf an, ob die Trekkingnahrung in Plastik oder in Aluminium verpackt ist! Es gibt Dinge, die kann man nicht verstehen, aber Regeln sind nun einmal Regeln. Grundsätzlich fährt man immer besser, wenn man während einer Kontrolle einen kühlen Kopf bewahrt und nicht gleich auf Konfrontation geht. Erklärt man den Beamten in einem freundlichen Ton, was man geplant hat und warum diese Produkte unabdingbar sind, kann sich die Lage schnell entspannen.

Ein paar Tipps am Rande

So standen wir schon einmal am brasilianischen Zoll und wurden plötzlich durchgewunken, weil der Beamte ebenfalls Kletterer war und wusste, dass wir ohne unsere Vorräte in der geplanten Bigwall nicht weit kommen. „Die gehören zu mir“, eskortierte er uns bis zum Ausgang und wünschte uns viel Erfolg. In einem anderen Jahr mussten wir leidend zusehen, wie ein paar Mahlzeiten vor unseren Augen vernichtet wurden. Aber auch dieser Beamte drückte mehr als nur ein Auge zu. Er fragte mich zwar, ob es noch mehr Essen in dem Gepäckstück gibt – meinem verzweifelten Kopfschütteln ging er aber nicht weiter nach und zwinkerte mir zum Abschied zu.

Vielleicht waren es die Waffen einer Frau, aber viele Beamte wissen um die verzwickte Situation und machen Ausnahmen, wenn sie nicht vor den Kopf gestoßen werden. Übrigens: die süßen Beagles, die am Flughafen herumlaufen, sind meistens keine Passagiere sondern Spürhunde. Gegebenenfalls die Tasche erst vom Gepäckband nehmen, wenn sie nicht mehr da sind. Ich will hier keinesfalls zu Straftaten aufrufen, aber in manchen Ländern geht es nicht anders, man muss auf sein Glück hoffen. Wer pokert, muss allerdings auch verlieren können.

Vertrauen ist gut, Wissen ist besser

Da sich die jeweiligen Zoll- und Einfuhrbestimmungen ständig ändern, sollten sich Reisende über die Einfuhr ins Zielland stets vorab informieren. Es gilt leider der Grundsatz: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ und vorbereitet zu sein ist in jedem Fall besser. Das Internet ist schnell befragt, eine Suche nach „Einfuhrbestimmungen“ bzw. „customs“ und dem betreffenden Land ist ein guter Anfang. Oft helfen auch die Erfahrungsberichte aus Foren weiter. Wissen ist Macht! In diesem Sinne wünsche ich einen guten Appetit und viel Erfolg auf Reisen!

Eine große Auswahl an Trekking-Nahrung findet ihr selbstverständlich auch in unserem Sortiment, dazu einfach hier entlang!

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.