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Auf Biegen und Brechen - Carbon im Materialcheck

Auf Biegen und Brechen – Carbon im Materialcheck

14. Dezember 2017
Ausrüstung, Gear-Tipp!

Carbon dürfte so ziemlich jedem Bergfreund schon mal zu Ohren gekommen sein. Denn das Material steckt in allerlei Sportgeräten und wird auf Grund von besonderen Eigenschaften, wie Leichtigkeit und Steifigkeit (nicht Festigkeit!) in vielerlei Hinsicht von so manchem Gearhead gefeiert.

Wenn sich bei euch schon allein wegen dieser Unterscheidung ein Fragezeichen auftut, solltet ihr unbedingt weiterlesen. Denn wir haben in diesem Artikel das Material Carbon etwas genauer unter die Lupe genommen und wissen jetzt ganz genau Bescheid, was die Eigenschaften, Zusammensetzung oder auch Vor- und Nachteile gegenüber oftmals günstigeren Materialien, wie Aluminium betrifft.

Carbon, was ist das eigentlich?

Das bruchfeste und leichte Carbon wird als Material für allerlei Sportgerät immer populärer. Sein Name ist ein Kunstwort aus dem lateinischen Begriff für Holzkohle und bezieht sich auf das chemische Element Kohlenstoff. Im Grunde eine sehr natürliche Sache, denn ohne Kohlenstoff wäre die Erde nicht viel mehr als ein Stein ohne biologische Strukturen – also auch ohne Menschen. Da könnte man Carbon doch eigentlich als Naturmaterial preisen, zumindest wenn man es mal großzügig über eine lange Verwandlungskette hinweg betrachtet. Denn für Carbon wird der Kohlenstoff verwendet, der einst in verrottenden Pflanzen in der Erde eingeschlossen wurde, woraus das heute geförderte Erdöl entstand. Jenes Erdöl, das der Träger vieler Kohlenwasserstoffe ist, die heute als Ausgangsstoffe für die Kunststoffproduktion dienen.

Zugegeben, das war jetzt eine arg gedehnte Deutung und auch nur die halbe Wahrheit. Denn das, was umgangssprachlich als Carbon bezeichnet wird, besteht nur zum Teil aus den hauchdünnen Kohlenstofffasern. Deshalb lautet die korrekte Bezeichnung eigentlich auch: carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK). Das wiederum erklärt immer noch nicht, was Carbon jetzt genau ist. Deshalb heißt es noch genauer: kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff. Letzteres legt den logischen Schluss nahe, dass Carbon nichts anderes als Kohlenstoff ist. Nur passt es leider nicht mit der handelsüblichen Abkürzung CFK zusammen. Wieder mal ein schönes Beispiel, wie einfache Dinge mit komplexem Sprachgewirr überzogen werden.

Woraus besteht Carbon?

Halten wir für den Anfang fest, dass bei dem landläufig als Carbon bezeichneten Gemisch eigentlich nur der Faseranteil aus Carbon/Kohlenstoff besteht und der Rest der Materialfläche beziehungsweise Masse durch andere Chemikalien aufgefüllt wird. Es handelt sich also um einen Verbundwerkstoff. Um es noch ein wenig komplizierter zu machen, werden auch Verbindungen aus CFK und GFK als Carbon gehandelt, wobei GFK für „glasfaserverstärkter Kunststoff“ steht.

Die Kohlenstoffasern/Glasfasern liegen also in ihrem „Bett“ aus einer Kunststoffmatrix. Die Matrix verbindet als Gitterstruktur die Fasern und füllt Zwischenräume aus. Sie wird zumeist aus Epoxidharz gebildet, einem sogenannten Duroplast, das alle möglichen chemischen Elemente enthält, aber keine Kohlenstofffasern. Duroplaste sind vereinfacht gesagt Kunststoffe, die nach dem Aushärten nicht mehr durch Hitze verformbar sind und hohe mechanische Belastungen aushalten.

Carbon, steif aber nicht unbedingt fest

Keine Sorge, wir wollen das hier nicht zu einer Vorlesung in Werkstoffkunde auswalzen – nur eben tief genug durchdringen, um die Eigenschaften von Carbon-Equipment verstehen und mit anderen Materialien wie Aluminium vergleichen zu können. Wichtig zu wissen ist, dass der Materialverbund von der hohen Zugfestigkeit und Steifigkeit der Kohlenstofffasern profitiert. Die Matrix wiederum verhindert, dass sich die Fasern bei Belastung gegeneinander verschieben. Da das Verbundmaterial nur in Faserrichtung wirklich stabil ist, werden die Fasern meist in verschiedenen Richtungen verlegt.

Aufgrund dieser komplexen Verbindungsmuster erreicht Carbon die besondere Steifigkeit, für die es bekannt ist. Steifigkeit ist übrigens nicht mit Festigkeit gleichzusetzen. Sie beschreibt eine hohe Widerstandskraft gegen (elastische) Verformung – das Material schwingt und bewegt sich unter wachsender Belastung nicht, bricht dann aber bei Überlastung unvermittelt auseinander.

Festigkeit bezeichnet hingegen die Bruch-Resistenz gegen mechanische Belastung. Ein Stoff der sehr steif ist, muss also nicht unbedingt fest sein, sondern kann durchaus leicht zu brechen sein. Umgekehrt muss ein sehr fester Stoff nicht unbedingt steif sein, er kann durchaus elastisch nachgeben. Klassische Carbon-Sportgeräte wie Angelruten oder Sportpfeile müssen sehr steif, aber nicht unbedingt sehr fest sein.

Carbon ist nicht gleich Carbon 

Die oben genannten Matrizen bilden Fasermatten (Carbon- oder Glasfaser), die für die Verarbeitung zu einem Carbonrohr in bestimmten Winkeln zueinander verwoben werden. Da es diverse Carbonmischungen und Faseranordnungen gibt, die allesamt verschiedene Zug-, Druck-, Schlag- und Bruchfestigkeiten sowie verschiedene Steifigkeiten und Dämpfungen erzeugen, ist es sehr schwer, sich unabhängig von den Herstellerangaben ein genaues Bild von der Konstruktionsweise und den Eigenschaften des verwendeten Carbons zu machen.

Der komplizierte Aufbau macht Carbon nicht nur „undurchsichtiger“, sondern auch teurer als ähnlich belastbare Metalle. Warum nimmt man dann überhaupt Carbon statt Aluminium, welches vordergründig ja auch alle gewünschten Eigenschaften aufweist? Nun, bei Sportgeräten wie Wanderstöcken, Rennrädern oder Angelruten ist eine enorm hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht gefragt. Und hierin ist hochwertiges Carbon unschlagbar. Moment, hochwertiges Carbon? Gibt es etwa auch Minderwertiges?

Minderwertiges Carbon trifft es wohl nur in seltenen Fällen, doch der Begriff kann in der Regel sehr breit ausgelegt werden. Hochwertiges Carbon hat, anders als häufig angenommen, nicht unbedingt den höchsten Carbonfaseranteil, sondern die beste Mischung in der besten Matrix. Es kann durchaus zu viel des Guten sein, wenn ein Stock mit der Bezeichnung „100% Carbon“ zwar ultraleicht und steif ist, dafür aber aufgrund der höheren Sprödigkeit auch schnell bricht.

Anteile von 80-90% Carbon gelten als idealer Kompromiss, der sowohl gute Steifigkeit als auch Dämpfung und Bruchfestigkeit ermöglicht. 60-70% Carbon bedeutet i.d.R. etwas mehr Gewicht, aber auch nochmals mehr Stabilität und günstigere Preise. Bei weniger als 60% Anteil sehen Fachleute keine Vorteile mehr gegenüber gleich teuren/billigen Aluminiumstöcken.

Allerdings reicht auch die Prozentangabe als Kriterium zur Qualitätsbestimmung allein nicht aus. Die weiteren Faktoren sind nur mit weiterem Informationsbackground und nicht ohne Expertise erkennbar. Aber: man kann sich bei renommierten Herstellern wie Leki oder Komperdell durchaus auf die Verwendung hochwertiger Ausgangsmaterialien bzw. -Kompositionen verlassen. Kauft man nicht gerade ein Billigmodell vom Discounter, kann man bei normaler Bergwander-Beanspruchung in aller Regel mit einer zuverlässigen Performance rechnen. Man muss schon „mit Schmackes“ zwischen Blöcken oder Wurzeln hängen bleiben, um einen Nicht-Discounter-Trekkingstock zum Brechen zu bringen.

Carbon vs. Aluminium

Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Aluminium ist eher fest, während Carbon eher steif ist. Das heißt im Klartext:

Aliminium schwingt bei Stoßbelastungen und verbiegt sich mehr oder weniger bei Überbelastung. Carbon reagiert kaum auf mechanische Impulse, bricht jedoch bei Überlastung mit scharfen Abbruchkanten.

Das langsamere Nachgeben von Aluminium ist im Falle eines Sturzes theoretisch weniger gefährlich. Allerdings sprechen wir hier von Situationen, wo das volle Körpergewicht eines durchschnittlich schweren Erwachsenen ruckartig auf den Stock einwirkt. Hier sollte man sich keine unnötigen Befürchtungen heranzüchten, denn sofern die Wander- und Trekkingstöcke nicht gerade aus dem Discounter stammen, sind sie eigentlich nur durch unglückliche Querbelastungen bei unkontrollierten Bewegungen auf losem Untergrund zu brechen.

Etwas Vorsicht ist tatsächlich angeraten, wenn die Stöcke sehr lang ausgefahren sind. Dann kann es besonders bei Aluminium Probleme mit der Stabilität geben. Deshalb und wegen der besseren Stoßabsorption werden vor allem beim Nordic Walking, das bekanntlich auch bei fülligeren Bergfreunden beliebt ist, hochwertige Carbonstöcke empfohlen. Generell gilt für groß gewachsene oder schwerere Personen die Empfehlung stabiler, qualitativ hochwertiger und ruhig auch etwas schwererer Stöcke in besonderem Maße.

Nicht besser oder schlechter, sondern anders

Bei etwa gleicher Bruchfestigkeit und Stabilität haben die Carbonmodelle gegenüber den Aluminium-Artgenossen einen Leichtigkeitsvorteil von etwa 10% des Gewichts. Ein Vorteil, der sich in einem entsprechend höheren Preisniveau recht genau widerspiegelt. Bei Basismodellen für Einsteiger oder für geringere Beanspruchungen fällt der Preisvorteil deutlicher zugunsten von Aluminium aus. Diese Angaben sind allerdings nur Schätzungen, die sich auf meine nicht repräsentative Stichprobe kreuz und quer durch das Bergfreunde-Angebot stützen. Wie viele Prozentpunkte es auch genau sein mögen – das eingesparte Gewicht bringt weitere Vorteile wie eine bequemere Handhabung und langsamere Ermüdung des Benutzers mit sich.

Nimmt man jetzt noch hinzu, dass Alustöcke auf Feuchtigkeit mit Korrosion reagieren können und deshalb nach Regentouren auseinandergenommen und getrocknet werden sollten, könnte man meinen, das Pendel schlage eindeutig zugunsten von Carbon aus. Doch dem ist nicht unbedingt so, man kann nicht sagen, Carbon sei besser als Aluminium. Für Alpinisten beispielsweise, die häufig auf grobem Block- und Schottergelände unterwegs sind, dürften (gute) Aluminiumstöcke die bessere Wahl sein.

Da sich die Vorteile von Carbon und Alu bei Stöcken auch nicht ausschließen, mischen Hersteller wie Leki oder Black Diamond bei einigen Modellen die Materialien, um die Abstimmung zwischen Eigenschaften wie Schwungverhalten, Steifigkeit und Robustheit zu perfektionieren.

Die Balance aus Vor- und Nachteilen des Carbons variiert natürlich je nach Sportgerät. Als stabilisierende Zwischenlage in der Sohle von Ski- und Skitourenstiefeln oder als Außenmaterial bei Rennradschuhen kommen die Vorteile von (dünnem) Carbon viel deutlicher zum Tragen, während Aluminium hier mit seiner Verformbarkeit offensichtlich weniger geeignet ist.

Body Mapping - die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

Body Mapping – die Landkarte des Körpers oder wie ich schlau schwitze

12. Dezember 2017
Ausrüstung

Man kennt das. Auf Tour hat man schon gefühlt jede Lagen-Kombination probiert, doch so richtig will das mit dem Zwiebelprinzip nicht funktionieren. Irgendwie gibt es immer eine Stelle an der man entweder schwitzt, oder einem zu kalt ist. Toll ist das nicht und trübt im Zweifel den Genuss am Draußensein. Doch die Outdoor-Industrie wäre nicht die Outdoor-Industrie, wenn sie dieses Problem nicht schon längst erkannt und eine entsprechende Idee dazu entwickelt hätte. In diesem Zusammenhang geistert immer mal der Begriff des „Body Mappings“ über die Artikelseiten und Kataloge. Was sich darunter verbirgt, wollen wir euch in diesem Beitrag näherbringen.

Body Mapping – was ist das?

Zumeist sieht man einer Jacke, einer Hose oder einem anderen beliebigen Kleidungsstück nicht an, welche Technologie darin steckt. Nebulöse Begriffe tummeln sich da in der Produktbeschreibung und beim Nachlesen der Materialzusammensetzung wird einem fast schwindelig. Was soll man damit anfangen ohne gleich den Kundenservice anrufen zu müssen? In dem Falle ist die Antwort relativ einfach: Sie findet sich in diesem Beitrag.

Body Mapping heißt frei übersetzt „Körper-Vermessung“ oder wenn man es etwas plastischer braucht „Körper-Kartografie“. Wie auf einer Landkarte, auf der auch nicht alles gleich aussieht, gleicht so manches Produkt mit Body-Mapping-System einem Puzzle. Es werden dreidimensionale Körperzonendiagramme erstellt, die dabei helfen, die Körperstellen zu identifizieren, die am meisten Hitze produzieren und somit anfälliger für eine übermäßige Schweißproduktion sind.

Hier wird der Stoff dementsprechend anders gewebt, als an Stellen, die gewärmt werden müssen. Ein klassisches Beispiel kennt man von vielen Laufjacken. Hier sind die Bereiche unter den Achseln oftmals deutlich luftiger gestaltet, damit die Hitze schneller abtransportiert werden kann und man weniger schwitzt. Oder aber Hybridjacken wie die Women’s Endeavor Thermoball Jacket von The North Face, die am Oberkörper und Halsbereich mit Thermoball-Kunstfaser gefüttert ist und an den Armen aus einem atmungsaktiveren Fleece-Material besteht.

Ein Kleidungstück, das nach dem Body-Mapping-Prinzip konstruiert wurde, ist quasi ein intelligentes Produkt, das auf die individuellen Bedürfnisse der verschiedenen Körperstellen eingeht.

Wie funktioniert die Konstruktion von Body-Mapping-Textilien?

Das Prinzip Body-Mapping klingt erstmal ziemlich simpel, erfordert aber in der Realität viele Einzelschritte: Zunächst werden mit den erwähnten dreidimensionalen Körperzonendiagrammen verschiedene Muster der Wärme- und Feuchtigkeitsabgabe identifiziert. Danach wird weiter differenziert: Für welches Geschlecht wird das Kleidungsstück gefertigt, welchen Wetterbedingungen muss es standhalten und für welche Aktivität soll es herhalten.

Mit Hilfe dieser Informationen ermöglicht man dem Sportler eine Bekleidung, die perfekt auf die spezifischen umweltbedingten Anforderungen der jeweiligen Sportart zugeschnitten ist.

Welche Vorteile bringt mir das Body Mapping System?

Menschen können selbst in extremen Temperaturen überleben und auch trainieren, denn der menschliche Körper ist sehr widerstandsfähig und kann sich vielen verschiedenen Klimabedingungen anpassen. Aber wenn körperliche Leistung bei sportlichen Herausforderungen gefragt ist, sollte die Funktionsbekleidung den Körper soweit entlasten, dass man sich voll und ganz auf seine Tätigkeit konzentrieren kann.

Um die Körpertemperatur in den Griff zu bekommen ist das eingangs erwähnte Zwiebelprinzip weit verbreitet. Hinter dem Begriff verbirgt sich schlicht, dass man statt einer dicken Kleidungsschicht, mehrere dünne Schichten tragen soll. Vor allem die unterste Schicht hat beim Zwiebelprinzip den schwersten Job von allen. Sie muss bei Wärme kühlen, bei Kälte wärmen, den Schweiß ableiten und möglichst schnell wieder trocknen, damit man nicht unangenehm friert. Eine wahre Härteprobe! Über das Body-Mapping-System versucht man, dieses Problem noch besser in den Griff zu bekommen und den Tragekomfort und die Funktion eines – in diesem Beispiel – Baselayers zu optimieren.

Vor allem bei sehr aktiven und somit anstrengenden Sportarten, wie zum Beispiel Skitour, Berglauf, Radtour, Langlauf oder Joggen, bei denen der Körper sehr stark ins Schwitzen kommt, bringt Body Mapping erhebliche Vorteile mit sich. Da faktisch weniger Kleidungsstücke nötig sind, um perfekt ausgerüstet zu sein, spart man sich eine Menge Gewicht und Ballast.

Und sollte man mal eine Pause machen oder etwas langsamer weiter laufen als zuvor, kühlen empfindliche Körperstellen wie der Rücken und die Schulterpartie nicht sofort aus. An verschwitzte Stellen, wie der Achsel- oder Brust- und Oberbauchbereich wird der Schweiß dagegen zuverlässig abgeleitet. So muss man sich nicht zuerst dick einpacken nur um während des Laufens eine Schicht nach der anderen wieder auszuziehen und zu überlegen wo man denn jetzt die Klamotten hinsteckt.

Genauso vorteilhaft ist das Body Mapping für den Radsport, wo es immer eine logistische Herausforderung sein wird, das nötige Gepäck beziehungsweise die Kleidung so platzsparend wie möglich unterzubringen. Auf dem Rennrad fördert ein geringes Gewicht und ein geringer Luftwiderstand durch anliegende Kleidung zusätzlich die Geschwindigkeit. So kann sich der Athlet komplett auf seine Performance konzentrieren.

Aber auch im Mehrschichtsystem, wie man es auf Hoch- oder Skitour am Körper hat, spielt die Technik ihre Vorteile optimal aus. Gerade wenn man mehrere Body-Mapping-Teile kombiniert kann beispielsweise der Schweißtransport sehr schnell von statten gehen und hängt sich nicht an einer Schicht auf.

Wo stößt das Prinzip an seine Grenzen?

Die Body Mapping Produkte sind darauf ausgelegt ein angenehm trockenes und bequemes Körpergefühl zu vermitteln. Das Ziel ist, viele Kleidungsschichten auf möglichst wenige einzudampfen. Das führt dazu, dass Hybridprodukte entstehen, die z.B. Soft- und Hardshellkonzepte vereinen. Solche Jacken sind dann ebenfalls relativ strickt mit Sportarten assoziiert, bei denen sie ihre Vorteile bestmöglich ausspielen.

Dementsprechend können sie in anderen Bereichen aber an ihre Grenzen stoßen. Geht man mit besagter Hybridjacke beispielsweise stundenlang durch strömenden Regen, dürfte das deutlich unangenehmer sein, als mit einer reinrassigen Hardshelljacke.

Auf Grundlage dessen sollte man sich beim Kauf eines Body-Mapping-Produkts gut überlegen, wo es zum Einsatz kommt. Hält man sich einigermaßen an den vorgesehenen Einsatzzweck, kann man sich auf ein großartiges Produkt freuen, dass das Draußensein noch angenehmer macht.

Unser Versandversprechen zu WEihnachten 2017

Unser Versandversprechen zum Fest

8. Dezember 2017
Die Bergfreunde

Guten Morgen! Ja, ich meine Dich, Du Schlafmütze. Weihnachten steht vor der Tür und wenn Du Deinen Lieben etwas Gutes tun willst, dann wird es langsam Zeit, sich um Geschenke zu kümmern. Damit das auch alles rechtzeitig zum Fest klappt, haben wir noch ein paar Infos für Dich, was Du beachten solltest, wenn Dein Geschenk bergfreundig sein soll.

Garantierter Versand bis…

Die erste und wichtigste Frage: Bis wann muss ich eigentlich bestellen, damit die Sendung noch rechtzeitig da ist? Nun, die Antwort ist relativ leicht: Am besten gleich! Solltest Du Dir trotzdem noch etwas Zeit lassen wollen, können wir Dir versprechen, dass wir Bestellungen aus Deutschland, die bis zum 22.12. um 6 Uhr morgens bei uns einlaufen noch fristgerecht an DHL übergeben. Bei Bestellungen aus der Schweiz und Österreich gehen Bestellungen bis zum 18.12.2017 um 12 Uhr fristgerecht in den Versand.

Wichtig zu erwähnen: Wir können Dir zwar versprechen, die Pakete rechtzeitig an die DHL zu übergeben, die Zustellung liegt allerdings in deren Händen und dafür können wir leider keine Garantie übernehmen.

Weil wir hier immer von fristgerecht sprechen: DHL gibt uns einen „letzten Abgabezeitpunkt für eine vorweihnachtliche Zustellung“, dem wir mit unserem Versandversprechen gerecht werden.

Die zweite Frage: Gilt das für alle Bestellungen? Auch hier gibt’s eine klare Antwort: Leider nicht. Ausgenommen sind:

  • Bestellungen per Vorauskasse, da hier natürlich noch die Tage bis zum Geldeingang hinzu kommen
  • Sperrgut-Bestellungen. Diese können unter Umständen länger dauern, da Sperrgut nicht automatisiert versandt wird.

Passt nicht, gefällt nicht! Bis wann kann ich Geschenke zurückgeben?

Es liegt in der Natur der Sache, dass Geschenke auch mal nicht gefallen – gerade wenn der oder die Beschenkte keine eigenen Wünsche äußert (an dieser Stelle einen schönen Gruß an meine Eltern). Aber natürlich kann auch die Passform nicht stimmen oder ein anderer Grund ist dafür verantwortlich, dass Geschenke wieder den Weg zurück in unser Lager finden.

Natürlich hast Du – wie bei allen anderen Bestellungen auch – 30 Tage Zeit, alles ausgiebig anzuprobieren und zu begutachten. In unseren AGBs findest Du unter Paragraph §8 alle weiteren Infos zum Rückgaberecht. Oder du besuchst unsere Retouren-Infoseite, wo alle wichtigen Infos zusammengefasst sind.

Gut zu wissen: Kommentare verzögern den Versand

Noch eine nicht ganz unwichtige Info zum Schluss: Zwar freuen wir uns, wenn Du uns einen schönen Gruß im Notizfeld der Bestellungen hinterlässt, Deine Bestellung verzögert das aber, weil wir jede Notiz von einem Kundenservice-Mitarbeiter überprüfen lassen. Wenn also wirklich pressiert, verzichte lieber auf ein paar nett gemeinte Worte und schicke uns lieber direkt eine Email. Oder gleich ein Paket mit Schokolade. Die mögen wir hier sehr! ;)

Sodale, ich hoffe, nach der Lektüre dieses Beitrags bist Du ausreichend informiert. Falls Du dennoch Fragen haben solltest, zögere bitte nicht uns zu kontaktieren.

Antagonistentraining für Boulderer und Kletterer

Antagonistentraining – Übungen für Boulderer und Kletterer

7. Dezember 2017
Tipps und Tricks

Es nervt, ist lästig, sieht nicht cool aus und ist häufig sowas von unspannend…Das Training der Antagonisten. Ich spreche da aus leidlicher Erfahrung. Ich persönlich liebe beim Bouldern die Bewegungsvielfalt, die Herausforderung, das Knobeln und Projektieren. Eben die Abwechslung. Und ich denke, dass ich da vielen aus der Seele spreche. Ich muss allerdings auch eingestehen, dass das Antagonistentraining es nicht verdient hat, so schändlich verschmäht zu werden, denn es hat einen unverzichtbaren Nutzen für diejenigen, die sehr lange stark, effizient und vor allem verletzungsfrei bouldern möchten.

Ein weiterer wichtiger Punkt für diese Art von Training ist das Einschleichen von Haltungsfehlern, die das Verletzungsrisiko erhöhen können. Ein berühmtes Beispiel dafür sind die beeindruckenden Gorillas, die sich häufig in Boulderhallen tummeln, oder anders gesagt: Man sieht viele starke Boulderer mit extrem nach vorne gekippten Schultern und Rundrücken: dem Klettererrundrücken. Im Kern haben also selbst diese Muskelberge Defizite oder Dysbalancen bei ihrem Muskelaufbau. Wer hätte das gedacht?!

Was bedeutet Antagonistentraining überhaupt?

Einige von euch können vielleicht mit dem Begriff „Antagonist“ nicht besonders viel anfangen, darum hier erstmal ein Erklärungsversuch: Wo Antagonisten sind, sind natürlich auch Agonisten. Man könnte beide Gruppen als Spieler und Gegenspieler bezeichnen. Auch wenn man in punkto Muskelbewegungen eigentlich nicht das Wort „simpel“ verwenden kann, hier ein einfaches Beispiel:

Zum Beugen des Arms wir der Spieler Musculus biceps brachii benötigt. Ein wirklicher Hingucker, der Bizeps. Zum Strecken des Arms wird der Gegenspieler, der Musculus triceps brachii benötigt. In diesem Falle wäre also der Bizeps unser Agonist und der Trizeps unser Antagonist. Ist es jetzt festgelegt, welcher Muskel was ist? Nein, denn jeder Muskel kann sowohl Spieler, als auch Gegenspieler sein. Wenn zum Beispiel ein Boulder mit einem Mantle abschließt, ist es genau umgekehrt. Der Trizeps ist der Spieler, der den Körper hochdrücken muss und der Bizeps der Gegenspieler.

Beim Bouldern werden nun bestimmte Muskeln besonders häufig und intensiver benötigt, sie sind also die Agonisten. Ihre Gegenspieler müssen in den meisten Fällen ein Leben ohne viel Aufmerksamkeit fristen und irgendwann rächt sich diese Nachlässigkeit.

Ignoranz hilft hier also nicht, es kann wirklich jeden treffen. Das geht von ständig verspannten Muskeln, bis hin zu schwereren Verletzungen, die im schlimmsten Fall eine wochen- bis monatelange Trainingspause einfordern. Und das möchte wirklich niemand von uns. Also lieber Vorsorgen, anstatt eine gefühlte Ewigkeit in die Halle zu schlurfen und die Boulder nur aus der Ferne anzuschmachten!

Ich habe mich in den 10 Jahren, die ich nun klettere und bouldere glücklicherweise noch nie richtig schlimm verletzt, aber auch ich hatte schon das unfreiwillige Vergnügen mit Überbelastungen und Zerrungen. Ich musste zwar nie vollständig aussetzen, aber es ist schon ärgerlich genug, nicht alle Züge mit Volldampf durchziehen zu können. Einige meiner „Unglücksfälle“ möchte ich hier vorstellen und Tipps geben, wie man sie vermeiden kann. Dabei liegt der Fokus eindeutig auf den Schultern, denn gerade hier können durch muskuläre Dysbalancen schwere Verletzungen auftreten.

Fall 1: Stärkung der Schulterstabilität

Ich war auf einem Quali-Wettkampf für die Deutsche Meisterschaft und wollte natürlich unbedingt ins Finale kommen. Ich wusste nicht, wie der Stand der Dinge ist und wollte in der wenigen verbliebenen Zeit noch holen, was zu holen ging. Unter anderem war das ein Bonusgriff, ein recht dynamischer Zug an einer ziemlich kleine Leiste, die man mit ordentlich Schmackes festhalten musste.

Das habe ich auch gemacht, nur hat dann leider irgendetwas in meinem rechten Oberarm mit einem recht lauten knirschen protestiert. Den Bonus hätte ich dann letztendlich nicht einmal gebraucht fürs Finale… aber naja. An dem Tag ging alles noch ganz gut, aber am nächsten konnte ich meinen Arm kein Stück mehr ohne heftige Schmerzen bewegen. Das Schlimmste hatte ich glücklicherweise nach einigen Besuchen beim Physio hinter mir, aber es hat etliche Monate gedauert, bis ich meiner Schulter wieder vollkommen vertraut habe.

Der Verdacht war eine Überbelastung und darauffolgend eine Entzündung der Bizepssehne. Es gibt natürlich mehrere Möglichkeiten, wie so etwas passieren kann. In meinem Fall waren vermutlich besagte schwächelnde Antagonisten ein Grund.

Denn wenn die einen Muskeln stärker sind als die anderen, gerät die Schulter nachvollziehbarer Weise aus ihrer natürlichen Position. Dadurch werden bestimmte Bereiche stärker belastet als sie eigentlich sollten und das Zusammenspiel der Muskulatur hakt im übertragenen Sinne.

Hier eine Auflistung wichtiger, für die Schulterstabilität zuständiger, Muskeln oder Muskelgruppen, die beim Bouldern vernachlässigt werden:

  • Rotatorenmanschette (RM): Diese Muskeln sorgen dafür, dass der Kopf des Oberarmknochens in der Gelenkpfanne gehalten wird. Die RM besteht aus vier Muskeln. Außer den beiden aufgeführten auch dem Musculus supraspinatus und dem Musculus subscapularis.
    • Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus)
      Funktion: Außenrotation des Arms (Abduktion, Adduktion)
    • Kleiner Rundmuskel (Musculus teres minor)
      Funktion: Außenrotation des Arms (Abduktion, Reversion)
  • Trapezmuskel: Der Musculus trapezius ist u.A. für viel Drehbewegungen des Schulterblatts zuständig.
  • Kleiner und großer Rautenmuskel: Musculus rhomboideus minor und major sind zuständig für das Zurückziehen des Schulterblatts.
  • Deltamuskel: Musculus deltoideus ist zuständig für das Anheben des Oberarms und für die Stabilität des Schultergelenks. Er besteht aus mehreren Teilen.

Wenn man die Funktionen der jeweiligen Muskeln betrachtet, ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Schultern bei einer Dysbalance nach vorne kippen. Was kann man nun aber dagegen tun? Hier einige Übungen, die ich regelmäßig durchführe:

Übungen für die Rotatorenmanschette:

Ich verwende immer ein gelbes Theraband, die Stärke der Belastung reicht erstmal vollkommen aus. Die Ausgangsposition (AP) ist im linken Bild zu sehen. Der Arm wird nach außen geführt (rechtes Bild) und langsam wieder in die Ausgangsposition.

Wichtig:

  • Schultern unten halten
  • Ellbogen bleibt am Körper
  • Gerade stehen
  • Die Hand „aktiv“ und stabil halten, also Finger spreizen und das Theraband möglichst so wickeln, dass es nicht festgehalten werden muss.

Übungen für die Adduktoren und Schulterstabilität:

Auch hier reicht wieder ein leichtes Theraband. Es wird etwas oberhalb der eigenen Schulterhöhe angebracht. Auch gerne noch etwas höher, als im Bild zu sehen ist. Ausgangsposition siehe linkes und rechtes Bild. Bitte gerade stehen. Der Arm ist ausgestreckt, aber nicht höher, als schulterhoch!

Endposition siehe linkes Bild unten. Die Hand wird bis zum Oberschenkel geführt, der Handrücken zeigt zur Wand. Den Arm langsam wieder zur Ausgangsposition zurückführen.

Weitere Positionen, in denen diese Übung ausgeführt werden kann sind auf den kleinen Bildern rechts zu sehen. Auch hier zeigt der Handrücken immer zur Wand.

Wichtig:

  • Schultern bleiben unten
  • Die Hand führt nur bis zur Mitte des Oberschenkels, ansonsten kippt die Schulter wieder vor.

Für den Trapezius, die Deltas und die Rautenmuskulatur

Der „Trapezius Block“ ist, wie der Name schon sagt, sehr spezifische für die Kräftigung des Trapezmuskels geeignet. Man kann diese Übung mit oder ohne Wand durchführen. Je schräger die Wand ist, desto schwieriger wird es. Die Intensität steigt mit der Höhe der Ellbogen an der Wand. Das Maximum ist hierbei Schulterhöhe. Die Füße stehen ein Stück vor der Wand. Nun von der Wand abdrücken, sodass die Schulterblätter jene nicht mehr berühren (grüner Pfeil). Dann langsam zurück in die Ausgangsposition. Das ist nur eine winzig kleine Bewegung, die es aber nach einigen Wiederholungen ordentlich in sich hat!

Wichtig:

  • Schultern bleiben natürlich unten
  • Kein Hohlkreuz machen
  • Handflächen zeigen flach nach unten

Der „Reverse Butterfly“ ist super geeignet um die hinteren Deltas und den unteren Teil des Trapezius zu trainieren. Die Ausgangsposition ist links, bzw. unten links (Rudern) zu sehen. Die Arme werden dann zur Seite in eine T-Form gebracht, dabei sind die Ellbogen nicht komplett durchgedrückt. Kurz blockieren und langsam in die Ausgangsposition zurückkommen. Möglich ist es auch in einem Satz die T-Form mit der V- und der H-Form zu ergänzen. Je schräger man steht, desto schwieriger wird es.

Wichtig:

  • Keinen Schwung aus dem Rücken holen, diese Übung wird von anderen Muskeln gerockt!
  • Körperspannung! Nicht durchhängen oder ein Hohlkreuz machen.

Rudern am Slingtrainer (oder an Ringen) trainiert den inneren Rücken, also den mittleren und unteren Trapezius. Außerdem die hinteren Deltas und die Rautenmuskeln. Die Ausgangsposition ist wie beim Reverse Butterfly, allerdings werden hier die Arme dicht an den Körper herangezogen, wie im mittleren Bild zu sehen ist.

Auch hier kurz blockieren und langsam zurück in die Ausgangsposition. Eine Variation der Übung: Oberarme auf Schulterhöhe bringen. Die Unterarme stehen im rechten Winkel zu den Oberarmen. Auch hier gilt: je schräger man steht, desto schwieriger wirds. Wenn man die Intensität ganz hoch haben möchte, kann man die Füße z.B. auf eine Kiste oder noch besser auf einen Gymnastikball legen oder versuchen, die Füße gegen eine Wand zu pressen.

Wichtig:

  • Keinen Schwung aus dem Rücken holen, diese Übung wird von anderen Muskeln gerockt!
  • Körperspannung! Nicht durchhängen oder ein Hohlkreuz machen.

Fall 2: Stärkung der Finger- und Handgelenksstrecker

Schmerzen in den Ellbogen sind leider für einige Boulderer an der Tagesordnung. Für mich ist das tatsächlich ganz akut eine Beschwerde, mit der ich mich noch nie zuvor herumschlagen musste. Genauer gesagt geht es in meinem Falle um die Überlastung der Ansätze der schwächeren Fingerstrecker oder Handgelenksstrecker, die bei vielen Kletterern zum, vom Namen her eher unpassenden, Tennisarm führen kann. Diese Muskeln stehen den Fingerbeugern gegenüber, sind also deren Antagonisten. Klar, dass die Beuger stark sind, man muss sich ja festhalten können.

Wenn die Schmerzen, oftmals durch Entzündungen ausgelöst erstmal da sind, sollte man tunlichst dafür sorgen, dass sie nicht chronisch werden. In der ganz akuten Phase, die bei mir glücklicherweise nur ca. eine Woche anhielt, habe ich meinen Ellbogen tapen lassen, vorsichtig gedehnt, massiert und vor allem geschont(!). Zum jetzigen Zeitpunkt bin ich wieder so gut wie schmerzfrei. Da ich nun meinen armen Finger- und Handgelenksstreckern mehr Aufmerksamkeit schenke und sie mit folgenden Übungen stärke:

Für die Handgelenksstrecker und Fingerstrecker

Hier ist eine Hantel als Werkzeug recht nützlich. Wie man sieht nehme ich nur eine 1kg schwere Hantel, man kann das Gewicht also durchaus noch etwas steigern. Es muss aber nicht besonders hoch sein, sonst überlastet man sich gleich wieder. Man kann den Ellbogen auf dem Bein ablegen oder irgendwo drauf, wo sich das Handgelenk frei bewegen kann. In der Ausgangsposition wird das Handgelenk gerade gehalten und dann nach oben gezogen. Langsam wieder nach unten führen. Fertig! Sehr unkompliziert und dennoch recht effektiv, wie man nach einigen Wiederholungen merken wird.

Wie ihr seht, hat das Theraband einen sehr wichtigen Platz in meinem Antagonistentraining. Bei dieser Übung verwende ich wieder ein leichtes. Es wird so um die Hände gewickelt, dass diese es nicht festhalten müssen. Die Finger sind gespannt und gespreizt. Die Ausgangsposition ist im oberen Bild zu sehen. Jetzt werden nur die Handgelenke nach außen geklappt und dann langsam wieder zurückgeführt. Auch in diesem Falle sind mehrere Wiederholungen nicht ohne.

Auch für die Fingerstrecker nehme man zum Beispiel ein gelbes Theraband oder eines der vielen anderen Utensilien, die es für diese Übung gibt. Die Bewegung ist im unteren rechten Bild gezeigt. Man glaubt gar nicht, wie wenig Kraft man mit den Fingerstreckern zustande bringt.

Fall 3: Mehr Aufmerksamkeit für die Beine

Den Beinen kommt beim Bouldern ganz besonders wenig Aufmerksamkeit zugute. Allerdings gilt das im Prinzip für alle Muskelgruppen, also werden hier vermutlich auch am wenigsten Dysbalancen auftauchen. Deshalb passt dieser Fall auch nicht ganz zum großen Thema. Ich halte es dennoch für wichtig die Aufmerksamkeit auf ein Gelenk zu richten, das sich nun mal in den Beinen befindet und nicht gerade von geringer Wichtigkeit für unseren Lieblingssport ist. Das Knie.

Vor allem beim Hooken, ob Heel- oder Toehook, wird das Knie großen Belastungen ausgesetzt. Wenn man sich nun ein äußerst hartnäckiges Projekt auserwählt hat und immer und immer wieder an derselben Stelle einen Mörderhook setzen muss, kann es gut sein, dass das Knie irgendwann sagt: „Jetzt reichts mir! Auf sowas hättest du mich besser vorbereiten sollen, ich streike“!

Wenn man Glück hat, ist es „nur“ eine kleine Macke im Außenmeniskus, wenn man Pech hat, ist es ein Riss desselben oder eine andere Verletzung. Was heißt das nun also alles? Stabilisation für das Knie muss her! Die erreicht man durch eine Vielzahl an Übungen, die tatsächlich richtig viel Spaß machen können.

Ich liebe diese Übung! Sie stabilisiert das Knie auf der Rückseite und ist irgendwie unheimlich amüsant. Man braucht dafür nicht zwingend einen Partner, sondern kann die Füße auch unterhaken. Auch dieser Ablauf ist relativ simpel. Die Ausgangsposition ist unten links zu sehen. Hieraus fängt man an, sich mit Oberkörper und Oberschenkeln in einer Linie nach vorne zu beugen, bis man einfach umkippt. Das Ganze wird dann mit den Armen (unten rechts) abgefangen und man stößt sich dynamisch (oder statisch) zurück in die Ausgangsposition. Ich bin hierbei noch nie ohne Muskelkater davongekommen.

Weitere Übungen für die Kniestabilität sind zum Beispiel Kniebeugen, sowohl beidbeinig als auch einbeinig. Man glaubt gar nicht, wie kompliziert eine perfekt ausgeführte Kniebeuge ist, also bitte vorher informieren. Außerdem eigenen sich allem möglichen Formen von Wackelbrettern und ganz besonders toll finde ich Slacklinen. Das ist nicht nur gut für die Knie, sondern für das gesamte Körpergefühl.

So! Nun ist aber erstmal Schluss. Denkt immer an folgende Weisheit: Nur wer sich nicht verletzt, kann lange und stark und immer stärker bouldern! Antagonistentraining ist zwar keine Garantie für Verletzungsfreiheit, aber mit Sicherheit kann man damit einer Vielzahl von Verletzungen vorbeugen.

Unterschiedliche Schuhleisten – worauf ist zu achten?

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5. Dezember 2017
Ausrüstung

Dass es verschiedene Schuhgrößen gibt, dürfte allgemein bekannt sein. Ebenso wie die Tatsache, dass damit in aller Regel die Schuhlänge gemeint ist, welche wiederum der Fußlänge plus einem gewissen Abstand zur Schuhinnenseite entspricht. Dieser Abstand soll bei Bergschuhen 1 bis 2 cm betragen, da sonst bei längeren Abstiegen die mehr oder weniger geschwollenen Füße früher oder später meist schmerzhaft gegen die Schuhvorderseiten stoßen.

Im Grunde könnte das schon ausreichend Grundwissen für einen erfolgreichen Kauf eines passenden Schuhs sein. Aber nur, wenn man zufällig gerade die Fußform hat, die der Hersteller des Wunsch-Schuhs für den Standard hält. Denn der Fußtyp wird bekanntlich nicht nur durch die Länge bestimmt – und der eigene Fußtyp weicht in der Regel etwas von der Norm ab (was auch daran liegen könnte, dass es diese statistische Größe nur auf dem Papier gibt). Man sollte also noch ein paar mehr Dinge als nur die eigene Schuhgröße kennen, wenn man den passenden Sitz nicht dem Zufall überlassen will.

Fußform = Leistenform = Schuhform

Da der Leisten manchmal unter den Produktmerkmalen eines Schuhs angegeben wird, könnte man meinen er sei ein Bestandteil. Doch er befindet sich keineswegs im Schuh, sondern nur in den Werkstätten der Hersteller und der immer selteneren Schustereien, wo er als Blaupause und Formgeber für Schuhschaft und -Sohle dient. Das er nur eine vergröberte Kopie des Fußes ist, ohne die Zehen, Ecken, Kerben und anderen Feinheiten, reicht völlig aus, denn die mehr oder weniger weiche Schuhinnenseite muss den Fuß nicht komplett millimetergenau abbilden.

Dieser fußförmige Klotz besteht im oft handgeschnitzten Original meist aus Holz und bei den Kopien für die Massenproduktion meist aus Kunststoff. Die meisten Hersteller verwenden einen Standardleisten als Vorlage für ihre Schuhserien und versuchen abweichende Fußformen vor allem mit ergänzenden Schuheinlagen zu bedienen. Manchmal wird der Standardleisten noch in einer breiteren und einer schmaleren Version gefertigt, doch allein das macht die Produktion schon deutlich aufwändiger und teurer. Nur Wenige nehmen die Mühe in Kauf, mehrere Leisten für spezielle Fußformen vorzuhalten. Da der Leisten im Grunde gar nichts anderes ist als die Fußform ist, sollte man auch den Fuß etwas genauer kennen lernen. Auch weil die Leistenformen sowieso meist nach den Fußformen oder Details der Fußanatomie benannt sind.

Fußtypen und Anatomie

Es gibt zwei Kriterien, nach denen Fußtypen meist eingeordnet werden: der Zehenform und der Gesamtfußform. Aus der Zehenform hat man drei Typen abgeleitet, aus der Fußform vier.

Nach Zehenform unterscheidet man Ägyptische Füße, Römische und Griechische Füße:

  • Beim Ägyptischen Fuß ist der Große Zeh auch der Längste, während die Zehen 2 bis 5 von oben betrachtet mehr oder weniger steil und mehr oder weniger geschwungen nach hinten zur Seite ziehen.

  • Beim Römischen Fuß hat der zweite und bisweilen auch der dritte/mittlere Zeh die gleiche Länge wie der Große, während der Rest in bekannter Weise nach hinten zur Seite zieht.

  • Beim Griechischen Fuß ist der zweite Zeh länger als der Große und der Mittlere gleich lang oder kürzer als der Große.

Diese Unterteilung ist schon mal präziser als nur die Länge, sagt aber über den nicht ganz unwichtigen Rest des Fußes (also die Fußform) noch nicht viel aus. Die Typisierung hat hierfür vier Haupttypen ausgemacht, Romanisch, Angelsächsisch, Germanisch und Baltisch:

  • Der angelsächsische Fuß ist relativ gerade, schmal und länglich, mit einem langen dominanten großen Zeh.

  • Der germanische Fuß ist sichelförmig und in der Ferse schmaler als im Vorfuß.

  • Der romanische Typus ist deutlich gerader, als der Germanische und insgesamt breit und voluminös.

  • Der baltische Fußtyp ist die breite Variante des Angelsächsischen, wobei der große Zeh noch dominanter ist und die Ferse in der Breite dem Vorfuß gleich kommt.

Ob diese Typenlehre mit ihren europäischen Bezeichnungen für die ganze Welt zutrifft? Zumindest in Europa wird man damit die gängigen Formen gut abgedeckt haben.

Ab wann ist ein Fuß breit oder schmal?

Breit oder schmal sind die zwei simpelsten Grundausprägungen des Fußes. Doch welche Proportion zur Länge ist schmal oder breit? Das wird keineswegs immer angegeben und muss oftmals per Augenmaß eingeschätzt werden. Einen Umrechnungsfaktor kann man sich nur ungefähr aus Länge-Breite-Tabellen wie der Bont Tabelle ableiten. Hier ein Beispiel für Schuhgröße 45:

Länge: 28,5 cm. Die Breite eines „Normalfuß“ in Größe 45 wäre dann zwischen 10,6 und 11 cm. Die eines „Schmalfußes“ kleiner als 10,6 cm und die eines „Breitfußes“ größer als 11 cm. Man könnte jetzt einen Umrechnungsfaktor daraus ableiten, doch das macht wenig Sinn: er ändert sich nämlich von Schuhgröße zu Schuhgröße. Da ist der Blick in die Tabelle letztlich einfacher.

Würde man das Kriterium der Breite samt seiner Ausprägungen schmal, normal und weit mit den vier Zehentypen kombinieren, hätte man schon zwölf mögliche Fußtypen. Kombiniert man sie dann noch mit den vier Formtypen, käme man auf 48 mögliche Fußtypen, die den passenden Leisten und Schuh suchen. Da es außerdem noch viele weitere, vielfältig geformte „Fußabschnitte“ wie: Zehen, Ballen, Ferse, Innen- und Außenrist, Spann, Quergewölbe, Längsgewölbe gibt, die alle in verschiedenen Proportionen zueinander aufgebaut sein können, kommen unendliche weitere Kombinations- und Differenzierungsmöglichkeiten hinzu.

Hier ahnt man langsam, wie komplex die Erfassung des Fußes und seine „Übersetzung“ in passende Schuhe wirklich ist. Bei der Anatomie wird es ohnehin unübersichtlich, da der Fuß wirklich eine Menge „Bauteile“ hat. Die wohl einfachste anatomische Gliederung ist die Dreiteilung in drei etwa gleich lange Segmente von vorn nach hinten: Vorderfuß, Mittelfuß, Rückfuß. Zwar nicht sehr präzise, aber sehr praktikabel, da man hier immer unmissverständlich weiß, wo man sich ungefähr befindet.

Für mehr Volumen: der Spann

Mit der Länge und der Breite sind zwei Dimensionen abgedeckt, doch der Fuß hat bekanntlich drei. Es fehlt also noch die Höhe, die hauptsächlich durch den Spann „erzeugt“ wird. Der Spann beginnt bei den Zehen und erstreckt sich bis zum Knöchelgelenk und unteren Schienbein. Er kann flach oder steil verlaufen, was die Fußform erheblich beeinflusst.

Für einen „steilen“ Spann passt natürlich nur ein Schuh mit einem genügend geräumigen Schaft. Die Schafthöhe und -Weite kann aber normalerweise dank Schuhzunge und Schnürzug genügend angepasst werden, um die meisten Spann-Formen abzudecken. Ergänzend werden oft auch Einlegesohlen als Möglichkeit der Volumenverkleinerung genannt. Das sollte meiner Meinung nach nur die letzte Möglichkeit sein, falls sich wirklich partout kein passender Schuh finden lässt.

Spezialfälle

Hallux Valgus: klingt wie etwas, das aus dem Magen hochsteigt, ist aber eine Fehlstellung des großen Zehs, meist ein Knick in Richtung des Nachbarzehs mitsamt einer bei Schuhkontakt früher oder später schmerzenden Ausbeulung des Zehengrundgelenks. Meist entsteht Hallux Valgus durch häufiges Tragen von unpassendem Schuhwerk in Verbindung mit einer unnatürlich veränderten Art des Fußgebrauchs beim Gehen. Einige Hersteller bieten spezielle Leisten für diesen Spezialfall an, dazu gleich mehr.

Senkfuß und Plattfuß: Auch dieser Fall ist so häufig, dass einige Hersteller spezielle Leisten dafür verwenden. Hier lässt die geschwächte Muskulatur im Längsgewölbe die Knochen in Richtung Boden absinken, anstatt sie in der vorgesehenen Position zu halten. Wenn der Fußabdruck noch halbwegs sichelförmig ist, spricht man vom Senkfuß, wenn er komplett aufliegt, vom Plattfuß. Der Plattfuß kann sich durch die verstärkte Belastung der Fußinnenseite zu einem Knickfuß „weiterentwickeln“. Ab diesem Stadium hat man größere Probleme als die Wahl des optimalen Wanderschuhs.

Zu guter Letzt gehört noch der Spreizfuß in die Liste der beliebtesten Fußspezialitäten. Beim Spreizfuß ist die Muskulatur im Quergewölbe geschwächt, jenem leicht nach oben gewölbten Bogen, den der Fuß knapp hinter und parallel zu den Zehen beschreibt. Die Zehen werden durch das Absinken des Quergewölbes konzentrisch nach außen gedrückt und auseinandergespreizt.

Die genannten Fehlstellungen treten natürlich auch gern kombiniert auf und wirken tendenziell gegenseitig verstärkend aufeinander. Doch Diagnosen und Symptomverläufe sollen hier nicht das Thema sein, es geht hier mehr um Überblick und Einordnung als um Details und Spezialfälle.

So vielfältig wie der Fuß: verschiedene Hersteller und ihre Leisten

Es braucht also eine gewisse Palette an verschiedenen Standardleisten, damit die Vielfalt der Fußformen von Seiten der Hersteller einigermaßen abgedeckt ist. Die meisten Hersteller verwenden zwischen zwei und sechs verschiedene Leisten, die sie auf verschiedene Modelle und Serien verteilen. Nur selten gibt es verschiedene Ausführungen wie besonders weit und besonders schmal für ein und dasselbe Schuhmodell. Dennoch ist das Spektrum an Größen und Formen bei den meisten Produzenten groß, sodass es auch eine entsprechend große Zahl an verschiedenen Leisten als Vorlage braucht. Schauen wir uns einige Beispiele an.

Bei Lowa lässt sich die Modellsuche (hier in der Beispielsuche nach Backpackingschuhen) nicht nur nach Standardkriterien wie Schuhgröße, Geschlecht oder Schuhtypen filtern, sondern auch nach breiten und schmalen Leisten.

Darüber hinaus werden unter dem Menüpunkt „Passform und Qualität“ auch die verschiedenen Leisten erklärt. Für jeden Schuhtyp hat Lowa spezielle Leisten nach den jeweils besonderen Anforderungen und Erfahrungswerten modelliert. Für die Damenmodelle verwendet Lowa spezielle Leistenformen. Die Unterscheidung der Leistenformen richtet sich quasi selbsterklärend nach der Fußform:

  • Standard Leisten: normale Leistenform
  • S-Leisten (schmal): weniger Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • W-Leisten (weit): mehr Platz um den Vorfuß/Ballenbereich
  • WXL-Leisten: erweiterter Zehenbereich kombiniert mit mehr Volumen im Ballen

Bei Hanwag weichen nicht nur die Formen und Bezeichnungen leicht ab, sondern es gibt auch so viele verschiedene Leisten wie bei kaum einem anderen Hersteller. Neben den geschlechterspezifische Leisten wären da die Leisten nach Einsatzbereichen (z.B. etwas weiter für die Linien Trek und Trek Light, enger für die Rock-Serie). Zusätzlich gibt es sechs Spezialleisten für Leute, die keinen „Standardfuß“ haben:

  • Wide-Leisten: Der Fersenbereich ist normal konstruiert, allerdings bietet der Schuh im Vorfuß- und im Ballenbereich mehr Platz. Wide-Modelle sind für Menschen, denen ein „normales“ Modell vorne zu eng ist.
  • Narrow-Leisten: Narrow ist das englische Wort für Schmal. Dieser Leisten passt all jenen, denen ein normal geschnittener Schuh zu weit ist. Der Hanwag Tatra ist bspw. in einer entsprechenden Variante erhältlich.
  • Bunion-Leisten: Hallux Vagus, also der Schiefstand der Großzehe in Verbindung mit einer Versteifung des Großzehengrundgelenks, ist vor allem für Frauen, aber auch viele Boulderer und Sportkletterer ein bekanntes Problem. Hanwag verwendet deshalb den bisher einmaligen Bunion-Leisten. Er bietet im Bereich des Großzehengrundgelenks deutlich mehr Platz.
  • Straightfit-Leisten: Dieser Leisten brilliert vor allem durch eine geräumige Zehenbox und ist gedacht für Menschen mit breitem Vorfuß.
  • Alpin-Wide-Leisten: Der normale Alpine-Leisten ist eher schmaler konstruiert, damit er eine bessere Performance lifern kann. Wer hier gerne dennoch etwas mehr Platz braucht, greift zur Alpin-Wide-Leiste. Hier besteht auch die Möglichkeit, mit dickeren Socken zu arbeiten.
  • Naturalfit Leisten: Durch die NaturalFit Technologie wird die natürliche Haltung des Fußes unterstützt und das Barfußgehen immitiert. Großartig auf Reisen und im Alltag.

Der italienische Produzent Aku verwendet für seine Outdoor-Schuhe ebenfalls sechs verschiedene Leisten, die mit anderen Begriffen bezeichnet ein sehr ähnliches Formenspektrum abdecken wie  Hanwag. Unter der Überschrift „Formenstudium sind sie jeweils kurz beschrieben.

Bei anderen Herstellern wie Meindl gibt es zwar keine Beschreibungen der Leisten, doch dafür lässt sich die Modellsuche nach Fußform und diversen anderen Filtern vornehmen.

Die Firma Dachstein hat die Schuhweite ebenfalls im Filter der Modellsuche eingebaut. Allerdings erfasst die Spezifizierung hier wie da mit der Breite nur eine der vielen möglichen Formen und Eigenschaften eines Fußes/Leistens/Schuhs.

Fazit

Ein wirklich präziser Filter, der mehrere Formenmerkmale umfasst und kombiniert, wäre noch viel aufwändiger, da man so jedes Schuhmodell einzeln möglichst detailliert erfassen müsste. Das ist für einen einzelnen Hersteller durchaus noch zu leisten, wird für einen Reseller mit X-Marken im Angebot aber zu einer Herkulesaufgabe. Zumal das zuverlässige Erkennen der Formen und spezifischen Merkmale nicht mal eben im Vorbeigehen zu machen ist, sondern einen genauen Blick mit geschultem Auge braucht. Ganz abgesehen davon, dass die Serien und Modelle ständig wechseln.

Man muss sich also bis auf weiteres die (überschaubare) Mühe machen, die eigenen Fuß-Maße und -Formen herauszufinden (Habe ich einen baltischen Fuß? Ist mein Fuß relativ schmal oder breit? …) und die Werte einzuordnen. Letzteres kann man anhand von Schuhgrößentabellen, die es im Netz an jeder Ecke gibt. Allerdings gibt es nur wenige, die über die Fußlängen hinausgehen – so wie die oben erwähnte Bont-Tabelle, die auch die Fußbreite einbezieht.

Es gibt also viele gute Ansätze, doch bislang noch kein Gesamtpaket, um Füße, Leisten und Schuhe wirklich genau passend zusammenzuführen. Wer den wirklich passenden Leisten sucht, muss in der Regel bei den einzelnen Herstellern auf die Suche nach Informationen gehen. Ich hoffe dass dieser Artikel dazu beiträgt, das Ganze künftig stressarm und effizient abzuwickeln.

Wie pflege ich meinen Rucksack?

Wie reinige und pflege ich meinen Rucksack?

1. Dezember 2017
Pflegetipps

Den Wanderrucksack, Trekkingrucksack oder Tourenrucksack mal einer gründlichen Reinigung zu unterziehen, dafür gibt es zahlreiche Gründe: Angefangen von müffelnden Schulterträgern, die nach der zehnten sommerlichen Wandertour in den Bergen schon etliche Male mit Schweiß und Sonnencreme vollgesogen und wieder getrocknet sind, über verdreckte Trekking- und Reiserucksäcke an denen so viel Staub hängt, dass man die ursprüngliche Farbe nur noch erahnen kann, bis hin zur ausgelaufenen Trinkflasche und undichter Müsli-Box.

Je nach Verunreinigung kommen bei der Rucksackpflege unterschiedlich aufwändige Maßnahmen zum Einsatz. Empfehlenswert ist vor allem eine regelmäßige Grundpflege, denn dadurch wird das aufwändige Waschen und Trocknen des Rucksacks eher zur Ausnahme.

Darf der Rucksack in der Waschmaschine gewaschen werden?

Um eine immer wieder auftauchende Frage in Bezug auf verschmutzte Rucksäcke vorab zu beantworten: Nein! Auf keinen Fall! Ein Wanderrucksack oder Trekkingrucksack gehört niemals nicht in die Waschmaschine. Auch nicht bei 30°C Wäsche, auch nicht mit Kaltwäsche und auch nicht mit Feinwaschmittel. Zwar scheint es immer wieder „Spezialisten“ zu geben, die in Outdoorforen solche Tipps verbreiten, aber davon ist dringend abzuraten. Im besten Fall gehen nur die Beschichtung oder Teile des Rucksacks dabei kaputt. Im schlimmsten Fall gibt die Waschmaschine gleich mit den Geist auf. Dasselbe gilt übrigens auch fürs Trocknen: Rucksäcke im Trockner sind ebenfalls tabu.

Komplette Handwäsche von Rucksäcken

Bei starker Verunreinigung durch Matsch beim Radfahren, oder nach einer langen Trekkingtour lässt sich die Komplettwäsche kaum vermeiden. Nachdem der Rucksack getrocknet ist, wird zunächst mit einer großen Bürste der grobe Schmutz entfernt. Angetrocknete Erde lässt sich so zu einem Großteil gut entfernen. Wenn das nicht ausreicht, kann die Bürste auch etwas angefeuchtet werden, um den Schmutz zu lösen. Der normal verschmutzte Innenraum wird zunächst einfach mit der Öffnung nach unten ausgeklopft und ausgeschüttelt oder mit einem Staubsauger ausgesaugt. Hartnäckigeren Schmutz danach einfach mit einem feuchten Schwammtuch auswischen.

Falls das Abbürsten nicht den gewünschten Grad an Sauberkeit bringt, oder der Rucksack zu lange Zeit gar nicht gereinigt wurde, lässt sich der Einsatz von speziellen Textilwaschmitteln nicht vermeiden. Haushaltsübliche Waschmittel sind in der Regel zu aggressiv für die Reinigung der Rucksäcke und können das Material angreifen. Das spezielle Textilwaschmittel lässt sich auf zwei verschiedene Arten anwenden: Entweder zur Reinigung einzelner Partien – dazu das Waschmittel mit lauwarmem Wasser nach Dosierungsanleitung mischen und per Schwamm oder Bürste die betroffenen Partien reinigen, oder in einer Wasch- oder Badewanne den Rucksack komplett einweichen und per Handwäsche mit Bürste die stark verschmutzen Stelle säubern. Falls der Rucksack über ein herausnehmbares Tragegestell verfügt, sollte dieses vor der Wäsche entfernt werden.

Bei ausgelaufenen Trinkflaschen gilt es möglichst zügig zu reagieren und die Flüssigkeit so gut es geht mit einem Schwamm oder Tuch aufzunehmen und zu reinigen. Je nach Flüssigkeit können unschöne Flecken auf dem Rucksack zurückbleiben. Deswegen sollte man den Rucksack danach so schnell wie möglich, wie oben beschrieben, mit Textilwaschmittel einweichen und putzen. Wenn der Inhalt der Thermosflasche mit Tee oder Kaffee erst richtig eingetrocknet ist, kann die Reinigung sehr schwierig werden. Gleiches gilt auch für Säfte und andere „klebrige“ Erfrischungsgetränke.

Trocknen von Rucksäcken nach der Handwäsche

Nach dem Einweichen und Abbürsten muss der Rucksack zunächst gründlich ausgespült werden. Am besten geht das in der Badewanne oder Dusche mit der Handbrause und lauwarmem Wasser. Jegliche Schmutz- und Seifenreste müssen auf jeden Fall sehr gründlich ausgespült werden und vor allem die Schaumstoffteile sollte man mehrfach ausdrücken, damit keine Waschmittelreste im Schaumstoff zurückbleiben.

Danach wird der Rucksack kopfüber zum Trocknen aufgehängt. Am besten bleiben dafür alle Taschen und Reißverschlüsse geöffnet, damit das Wasser überall abfließen und abtropfen kann. Damit der Rucksack optimal trocknen kann, sollte er nach Möglichkeit an der frischen Luft im Schatten aufgehängt werden. So riecht er danach besonders frisch und wird beim Trocknen nicht durch die UV-Strahlung beschädigt.

Je nach Rucksack und Außentemperatur kann der Trockenvorgang einige Zeit dauern. Falls kleine Taschen oder andere schwer erreichbare Stellen so gar nicht trocknen wollen, kann man sich mit mit saugfähigen Tüchern behelfen. Die entsprechenden Stellen werden für ein paar Stunden ausgestopft und saugen dabei einen Großteil der Flüssigkeit auf. Einen Föhn zur Trocknung in Erwägung zu ziehen, ist ebenso wenig ratsam, wie den Rucksack auf die aufgedrehte Heizung zu legen. Beides kann das Material beschädigen und im schlimmsten Fall den Rucksack unbrauchbar machen.

Die Pflege nach der Wäsche

Je nachdem wie intensiv die Rucksackreinigung ausgefallen ist, hilft es die Reißverschlüsse mit Silikonspray zu schmieren und gängiger zu machen. Außerdem sollte der Rucksack von Zeit zu Zeit von außen imprägniert werden, damit Wassertropfen beziehungsweise Schmutzpartikel an der Oberfläche abperlen und man nicht immer gleich das Raincover überziehen muss. So saugt sich das Material auch nicht mit Wasser voll und der Rucksack wird nicht schwerer.

Außerdem hält der Rucksack länger und der Schmutz bleibt nicht am Rucksack hängen – was wiederum dazu führt, dass der Rucksack seltener gewaschen werden muss. Nachdem ja schon ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass Waschmaschinen und Trockner tabu sind für die Reinigung von Rucksäcken, noch ein weiterer wichtiger Hinweis: bitte den Rucksack auch auf keinen Fall nach der Wäsche bügeln (ja, auch das soll es geben)! Das verträgt das Material überhaupt nicht.

Bei der Kontrolle der Reißverschlüsse und der Auffrischung der Imprägnierung sollte man den Rucksack außerdem auf kleine Beschädigungen an den Nähten und am Material untersuchen. Je früher man eine kleine Beschädigung an einer Naht erkennt, desto schneller und einfacher lässt sie sich beheben. Auf großer Tour ist es dann meist etwas schwieriger.

Komplettwäsche oder teilweise reinigen?

Viele Wanderer waschen ihre Rucksäcke nie, andere ein Mal im Jahr und wieder andere reinigen je nach Bedarf. Je nach Einsatzbereich und Intensität der Nutzung kann es bei Wanderern zum Beispiel öfters zu verunreinigten Schulterträgern, Hüftflossen und Rückenpartien kommen. Die durch Schweiß und Sonnencreme verschmutzen Partien sind oft fleckig und fangen an unangenehm zu riechen. Dabei hilft es beispielsweise schon in regelmäßigen Abständen die Träger und den Rücken mit dem milden Waschmittel zu reinigen und gut auszuspülen.

Trekkingrucksäcke oder Fahrradrucksäcke werden zusätzlich durch Staub und aufgewirbelten Dreck verunreinigt. Da hilft regelmäßiges Bürsten von außen am Besten. Mindestens einmal im Jahr ist ein Vollbad und eine intensive Reinigung doch sehr empfehlenswert. Bei saisonaler Nutzung ist auch die richtige Lagerung wichtig: Der Rucksack sollte vollkommen trocken sein und an einem trockenen und gut belüfteten Ort gelagert werden. Bei Lagerung in modrigen Kellerräumen oder halbfeuchten Rucksäcken drohen ansonsten Stockflecken, Schimmelbefall und Modergeruch.

Im schlimmsten Fall – der ausgelaufenen Suppe und den meisten anderen Flüssigkeiten – gilt es zunächst an Ort und Stelle das gröbste aufzuwischen und den Rucksack provisorisch mit Hilfe von Taschentüchern oder einem zusätzlichen T-Shirt zu trocknen. Bei einer Tagestour sollte der Rucksack noch am selben Abend eingeweicht und gereinigt werden. Bei mehrtägigen Touren lässt sich mit einer milden Seife und Wasser improvisieren. Die gründliche Wäsche erfolgt dann nach der Tour.

Speed - schnell unterwegs am Berg

Speed – schnell unterwegs am Berg

28. November 2017
Die Bergfreunde

Die im Führer angegebene Gehzeit unterschreiten – um vieles. An einer langen Schlange von aufsteigenden Wanderern oder Skitourengehern im schnellen, aber gleichmäßigen Rhythmus vorbeiziehen. Stehend abfahren im Geröll mit langen Schlittschuhschritten, während sich daneben eine Gruppe langsam und vorsichtig über den steilen Schotterweg hinabmüht. Der beeindruckende Zeitunterschied vom ersten mühsamen Aufstieg ins Hochlager an einem hohen Berg bis zum raschen Aufstieg mit guter Akklimatisation dank häufiger Auf- und Abstiege mit Gepäcklast.  Im spielerischen Wettlauf gegen die Seilgefährten von einem Block zum anderen springen und die beste und schnellste Abstiegsroute finden durch die chaotisch ineinander verkeilten Granitblöcke …

Es gibt viele Arten des schnellen Unterwegsseins in den Bergen, bei denen man viel Spaß haben kann, ohne direkt an Bergläufen, Ultra Trails oder Skitouren-Rennen teilzunehmen.

Geschwindigkeit als Sicherheitsaspekt

Schnell in den Bergen unterwegs zu sein macht viel Spaß, vor allem, wenn man top trainiert ist und noch keine Knieprobleme kennt. Man fühlt sich stark, bei schnellem Klettern im Fels oder bei technisch schwierigen Abstiegen in Rekordzeit sieht man sich fast schon als Artist und freut sich über seine Leistungsfähigkeit. Darauf darf man stolz sein.

Vor allem wenn man sich zusätzlich die Aufgabe stellt, im steilen Geröll beim raschen Auf- oder Abstieg keinen einzigen Stein loszutreten. Schnelle Auf- und Abstiege stehen für gutes Training, viel Erfahrung und jenes wunderbare Gefühl von Leichtigkeit am Berg, das einen manchmal fast besoffen machen kann vor Glück. Der Fachbegriff dafür heißt Flow.

Dies umso mehr, weil wirklich jeder die schlechten und zähen Tage am Berg kennt, wenn man sich – mangels Training, mangels Akklimatisation, wegen einer nicht auskurierten Erkältung, wegen Stress im Beruf oder was auch immer – „auffi quälen“ muss. Wenn nichts vorangeht, wenn man erstmals an einer Route abschmiert, die man schon x-mal vorgestiegen ist oder wenn man auf einer Skitour heftig keuchend in den Stöcken hängt, obwohl man langsam aufgestiegen und noch nicht lange unterwegs ist. Oder wenn man bei einer ganz normalen Wanderung mit knallroter Birne hinterher hechelt. Dann, ja dann, hat man wirklich keinen guten Tag erwischt!

Hinzu kommt, dass Zeit ein wichtiger Sicherheitsfaktor in den Bergen ist. Die Gehzeit spielt eine wesentliche Rolle bei allen Aktivitäten am Berg. Zum einen bietet die Gehzeitangabe im Führer eine wichtige Information zur persönlichen Tourenplanung daheim. Zum anderen ist sie ein Indiz für die eigene Leistungsfähigkeit und darüber, was man sich zutrauen darf oder nicht.

Für die Tourenplanung ist allerdings immer die aktuelle oder durchschnittliche Leistungsfähigkeit des Langsamsten der Gruppe ausschlaggebend – und nicht die eigene Bestleistung.
Das Einhalten der angegebenen Gehzeit und der eigenen Zeitplanung mit Puffer ist wichtig – vor allem im Hochgebirge. Nachmittags sind die Gletscher, Eiswände oder Mixed-Routen bei intensiver Sonneneinstrahlung wesentlich gefährlicher als frühmorgens, wenn Schnee und Eis noch beinhart gefroren sind.

Gewitter kommen wesentlich häufiger am Nachmittag vor, als am frühen Morgen. Und ein Abstieg im Dunkeln mit Stirnlampe macht weniger Spaß als bei Tageslicht. Wenn der nächtliche Abstieg dann trotz Stirnlampe zu schwierig oder schwer zu finden ist, dann muss man ungeplant biwakieren. Das kann trotz Biwaksack – je nach Witterungsverhältnissen und Exposition – ziemlich unangenehm werden.

Schnelligkeit am Berg ist also normalerweise ein Plus an Sicherheit. Sie kann aber auch lebensgefährlich werden, beispielsweise wenn man sich als Normalbergsteiger für die Akklimatisation an einem höheren Berg nicht genügend Zeit nimmt. Oder wenn das Tempomachen unterwegs auf Kosten der Trittsicherheit geht und derjenige abstürzt. Oder wenn im direkten Wettrennen zweier gestresster Bergsteiger der eine nicht mehr mithalten kann, stürzt oder kollabiert.

Speed-Bergsteigen

Schnelligkeit ist zudem ein leicht nachvollziehbarer Gradmesser, mit dem man die eigene Leistung besser verdeutlichen kann. Speed-Besteigungen von berühmten Bergen oder Wänden sind und waren daher schon immer in: Top-Athleten demonstrierten so auf berühmten Routen oder an hohen Bergen im Himalaya ihre sonst oft kaum mehr vermittelbare Überlegenheit gegenüber anderen Bergsteigern. Es sind die Superlative, die die Menschen interessieren. Ob Kilian Jornet am Everest, Kilimandscharo oder beim Ultra Trail du Mont Blanc, die Huber-Buam mit ihren herausragenden Speedbegehungen im Yosemite – immer geht und ging es um Rekordzeiten.

Die Eiger-Nordwand als Maßstab

Wenn einer wie der Schweizer Ueli Steck den Geschwindigkeitsrekord auf der klassischen Heckmair-Route in der Eiger Nordwand pulverisierte, dann verstand auch die breite Öffentlichkeit, was die modernen Profis heutzutage leisten können. Den Mythos der 1800 m langen Eiger Nordwand und die Geschichte(n) und Tragödien um ihre Erstbesteigung kennen sehr viele Nichtbergsteiger.

Schwerer Riss, Hinterstoißer-Quergang, Todesbiwak, Götterquergang, Spinne, Ausstiegsrisse … – das sind Begriffe, die auch Nichtbergsteigern vertraut sind, wenn sie sich für die Berge interessieren. Zwar müssten diese auch wissen, dass die Ausrüstung inzwischen viel leichter und wesentlich besser geworden ist als früher, und es stark auf die Verhältnisse in der Wand ankommt. Dennoch ist der unfaire Vergleich viel beeindruckender, wenn man weiß, dass die Erstbegeher 1938 für die Route zwei Biwaks, (Anderl Heckmair, Ludwig Vörg), also drei lange Tage, und die andere Seilschaft drei Biwaks, also insgesamt vier Tage zur Routenfindung und Begehung der Route im vereisten V. Grad brauchten.

Das langsamere österreichische Team aus Fritz Kasparek und Heinrich Harrer hatte bereits einmal biwakiert, bevor sich alle vier zu einer Seilschaft zusammenschlossen. Wegen der vielen Quergänge beträgt die reale Kletterstrecke der Heckmair Route rund vier Kilometer im oft vereisten brüchigen Fels und den Eisfeldern.

Reinhold Messner und Peter Habeler zeigten bereits 1974 ihre Klasse und durchstiegen die lange berühmte Nordwand in knapp zehn Stunden. Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider schafften es 1983 jeweils allein in unter fünf Stunden und 2003 brauchte der Südtiroler Bergführer Christoph Hainz im Alleingang nur noch 4,5 Stunden. Und dann kam Ueli Steck: Bereits im Alter von 18 Jahren stieg Ueli Steck zum ersten Mal durch die Eiger Nordwand und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem der besten und schnellsten Bergsteiger der Welt.

Ab 2007 jagten Ueli Steck und sein Freund, der Extrembergsteiger Dani Arnold, einander als Alleingeher jeweils den Durchsteigungsrekord ab. Für die beiden war die Heckmair-Route eher eine Joggingtour an ihrem Hausberg als eine heikle Kletterei wie Steck einmal in einem Interview sagte.

Ende 2015 rannte Ueli Steck, der am 30. April 2017 bei einer Akklimatisationstour am Lhotse tödlich verunglückte, in 2 Stunden 22 Minuten durch die Wand und holte sich seinen Rekord wieder zurück. Am Beispiel der Begehungszeiten der Heckmair Route versteht jeder, was damit verdeutlicht und erklärt werden soll. Die Route Young Spider in der Nordwand (1800 Hm bis zu 7a/A2 im Fels, WI 6 im Eis und M7 im Kombi-Gelände), die Ueli Steck an fünf eisigen Tagen in der Wand als zweite Begehung überhaupt und als Winter-Soloerstbegehung gelungen war, dürften nur extreme Alpinisten kennen oder Spezialisten, die sich zumindest vorstellen können was diese Schwierigkeitsbewertungen „in natura“ bedeuten. Die breite Öffentlichkeit kann mit solchen Beschreibungen der Schwierigkeitsgrade nichts anfangen.

Wer als normaler Kletterer oder Bergsteiger ohne das immense Trainingspensum und die Erfahrung eines Profibergsteigers „light and fast“ und womöglich als Solokletterer im Absturzgelände unterwegs sein will, der muss schon wissen, was er tut und sich darüber im Klaren sein, dass selbst Profis abrutschen können. Schnell unterwegs zu sein macht mächtig Spaß, kann aber auch zur Droge werden. Man muss selbst das richtige Maß finden und viel trainieren.

Kompression beim Sport

Kompression beim Sport – Wirkt das wirklich?

24. November 2017
Ausrüstung

Wahrscheinlich kommt dir das irgendwie bekannt vor: du fühlst dich topfit und startest zu deiner Trainingsrunde. Zuerst bist du noch ziemlich sportlich unterwegs, aber irgendwann ist dann „Ende Gelände“ – nichts geht mehr! Wenn man einigen Herstellern glauben darf, gibt es dagegen ein effektives Mittel: das Tragen von Kompressionskleidung. Mir stellt sich da unweigerlich die Frage, ob die Versprechungen der Hersteller wirklich stimmen. Grund genug also das Thema einmal genauer anzuschauen.

Was genau versteht man unter Kompressionsbekleidung?

Den Trend zur Kompressionskleidung im Sport gibt es schon seit einigen Jahren. Man sieht die Sachen nicht nur an Trailrunnern, Kletterern und Wintersportlern, die in den Bergen unterwegs sind. Auch auf dem flachen Land und in den Städten tummeln sich Läufer, Radsportler, Triathleten und Teamsportler, die auf Kompression schwören. Und auch in zahlreichen Fitnessstudios kommen Shirts und Shorts mit Kompression ebenfalls zum Einsatz.

Kompressionskleidung ist in der Regel aus einem atmungsaktiven Funktionsmaterial hergestellt, das eine 360°-Rundumfestigkeit bietet, die für eine gleichmäßige Kompression der Muskulatur sorgt. Die Festigkeit des Gewebes wird durch eine Art Rundumstrickverfahren erreicht, jeweils mit verschieden starken Fasern für die verschiedenen Körperpartien. Teilweise werden bei der Kompressionskleidung auch Fasern verwendet, die antibakteriell wirken und/oder einen UV-Schutz bieten.

Kompressionskleidung kennt man vor allem aus dem medizinischen Bereich und irgendwie haben die Teile so ein leicht angestaubtes Image. War das nicht immer der Kram, den Oma angezogen hat? Tatsächlich werden Kompressionsstrümpfe eingesetzt, um die Venen zu entlasten oder um eine Thrombose, also das Entstehen von Blutgerinseln, zu verhindern oder zu lindern. Medizinische Kompressionsprodukte werden in verschiedene Kompressionsklassen eingestuft. Die Skala reicht von I – IV, wobei die Stärke der Kompression mit der Höhe der Zahl zunimmt. Bei den Varianten für Sportler findet man eine solche Skala meist nicht, weshalb ein Vergleich schwer fällt. Eine grobe Auskunft gibt es zumindest bei X-Bionic, die ihre Produkte in Low, Medium und High unterteilen.

Welche Funktion hat Kompression beim Sport?

Kurz gesagt soll Kompression hier die Versorgung der Muskulatur mit Sauerstoff verbessern und die Durchblutung fördern. Ein wichtiges Thema, nicht nur für Berg- und Ausdauersportler. Die Kompression ist durch die verschieden starken Fasern in der Regel abgestuft, d.h. die unterschiedlichen Kompressionsstärken unterstützen den Rückfluss des venösen Blutes zum Herzen hin. Durch diesen Effekt soll z.B. Laktat rascher abtransportiert werden.

Laktat ist ein Stoffwechselprodukt, das jederzeit im Körper anfällt. Betätigen wir uns sportlich oder belasten wir unseren Körper auf eine andere Weise, fällt durch die höhere Muskelarbeit mehr Laktat an. Das kann bei längerer Akkumulation bewirken, dass es zum Leistungsabbruch kommt – der Muskel kann schlicht seine Arbeit nicht mehr verrichten, weil er voller Laktat ist.

Aus diesem Grund ist es Sportlern wichtig, dass ihr Laktatwert beim Ausdauersport in einem gewissen Rahmen bleibt und dass das gebildete Stoffwechselprodukt in ihrem Körper so schnell wie möglich wieder abgebaut wird. Darauf zielt Ausdauertraining und v.a. das Intervalltraining ab. Und es gibt Sportler, die in der Kompressionskleidung eine Unterstützung in diesem Punkt sehen – in Bezug auf ihr Training als auch auf ihren Wettkampf.

Unabhängig davon soll Kompressionskleidung auch Muskelvibrationen während des Sports verringern, die Bewegungen also stabiler machen, und sogar die Regeneration nach dem Sport unterstützen – und nicht zuletzt dem guten alten Muskelkater schneller den Garaus machen. Wir haben es also scheinbar mit einer echten Wunderwaffe zutun. Aber was ist wirklich dran?

Wirkt Kompressionskleidung beim Sport tatsächlich?

Bei der Frage, ob Kompressionskleidung tatsächlich eine Wirkung hat, und ob sich der Effekt eindeutig positiv auf die sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine Studie, die 2016 in der Sports Medicine (1.) veröffentlicht wurde, kam zu dem Ergebnis, dass Läufer, die Socken, Stulpen, Shorts und Tights mit Kompression trugen,  bei sportlichen Leistungen nicht schneller waren als Läufer ohne Kompression. Untersucht wurden Läufer, die auf den Distanzen 5km, 10km, 15km und Halbmarathon gestartet sind. Auch Sprinter auf der 400-Meter-Distanz konnten ihr Tempo durch Kompressionskleidung laut der Studie nicht steigern.

Allerdings gab es Forscher, die auch positive Wirkungen herausgefunden haben – ebenfalls im Bereich Running. So fanden sie bei Läufern (2.) weniger Muskelverletzungen und niedrigere Entzündungswerte, wenn diese Kompressionsstrümpfe oder -hosen getragen hatten. Bei weiteren Meta-Analysen wurde festgestellt, dass sich Sportler tendenziell rascher erholten (3.) und insgesamt ein etwas längeres Durchhaltevermögen bei ihren sportlichen Leistungen hatten (4.).

Die Frage ist nun, wie auch bei vielen anderen Sport- und Outdoor-Themen, wer denn nun eigentlich Recht hat. Die Befürworter oder die Skeptiker? Tatsache ist jedenfalls, dass es eine nicht geringe Zahl an Sportlern gibt, sowohl im Profi- als auch im Amateurbereich, die auf ihre Kompressionskleidung schwört und nicht darauf verzichten möchte.

Aus diesem Grund: warum z.B. Kompressionsstrümpfe oder Kompressionssocken nicht einfach mal ausprobieren und selbst testen? Denn wie heißt es so schön: probieren geht über studieren!

Kompression: welche Kleidung und welche Hersteller gibt es?

Bekannt sich vor allem die Kompressionsstrümpfe und Kompressionssocken, entweder in der knielangen oder in der kurzen Variante. Auch sogenannte Sleeves, also Armlinge und Beinlinge (Arm-/Beinstulpen) in kurz oder lang werden angeboten. Und gerade die Arm-Sleeves kann man z.B. in einem Wettkampf auch mal schnell ausziehen. Zudem gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Funktionswäsche, sowohl Shirts als auch Hosen, in unterschiedlichen Arm- und Beinlängen auf dem Markt. Eingesetzt wird Kompressionskleidung vor allem im Ausdauersport, bspw. beim Running, Radsport, Triathlon, Wintersport, Klettern, Bergsport sowie auch im Fitnessbereich. Zu den Herstellern gehören bspw. adidas, Alé, CEP, Craft, Falke, Ortovox und X-Socks .

Quellen:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27106555
  2. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/kompressionskleidung-macht-nicht-schneller-a-1150304.html
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26522739
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28434152
Das A-Z des Transalpine Runs4

Das A-Z des Transalpine Runs – Teil 2

21. November 2017
Die Bergfreunde

Wer sieben Tage über die Alpen läuft, hat viel zu erzählen. Und wenn man das Erzählte bisweilen so gut zu „Papier“ bringen kann, wie unser Bergfreund Johannes, kommt dabei eben ein fast 4000 Wörter langer Artikel raus. Damit das Ganze etwas verdaulicher daherkommt, haben wir sein ausführliches Transalpine-Run-ABC in zwei Teile gesplittet. Wer gerne die Buchstaben A-M nachlesen möchte, findet den entsprechenden Beitrag hier. Allen anderen wünschen wir viel Spaß mit den Buchstaben N-Z!

N wie Nudelparty

Am Abend einer jeden Etappe hat sie stattgefunden, die ominöse Nudelparty, auch Pastaparty genannt. Abend für Abend sammelten sich hier die Transalpine Run Teilnehmer, um die leeren Kohlenhydratspeicher wieder aufzufüllen. Es wurde über die letzte Etappe kontrovers diskutiert, es wurde sich gegenseitig wegen diverser Wehwehchen bedauert und es wurde über das Wetter geschimpft – Small Talk eben.

Nudeln konnte ich nach dieser Woche nicht mehr sehen. Sie wurden uns mit unterschiedlichen Saucen serviert, die eine etwas leckerer, die andere eher an rotes, dickes Wasser erinnernd und nicht ganz so lecker. Der nicht nur im übertragenen Sinne Höhepunkt war die Nudelparty in Samnaun. Mir der Seilbahn sind wir direkt ins Herz der Samnauner Bergwelt gebracht worden. Bei bestem Wetter eine Traumaussicht. Und dann erst das Essen. „Nudelparty“ wird dem nicht gerecht. Es war ein Dinner, was uns hier im Gipfelrestaurant serviert wurde – WOW.

O wie Ochsenscharte

Darüber hüllen wir den Mantel des Schweigens. Nur so viel, es war der Höhepunkt des Tiefpunktes – siehe K wie Königsetappe.

P wie Parallelkosmos

Aufstehen – Frühstücken – Laufen – Regenerieren – (Fr)Essen – Schlafen. Sieben Tage am Stück. Jeden Tag der gleiche Ablauf. Man taucht ein in einen Parallelkosmos, steigt vollkommen aus dem Alltag aus. In diesen Tagen hätte Trump Nordkorea zerstören, der BV 09 Borussia Dortmund nachträglich zum Deutschen Meister erklärt werden oder die Bergfreunde aus Kirchentellinsfurt nach China expandieren können. Ich hätte das nicht mitbekommen. Dieser Parallelkosmos hat sich angefühlt wie eine Entgiftungskur für die all die Sorgen, für all die dunklen Gedanken, die einen im Alltag belasten.

Q wie Qualen

Udo Bölts schrie einmal Jan Ullrich an „Quäl Dich, Du Sau!“. Am Ende stand der Sieg bei der Tour de France. Nun, wir wollen jetzt nicht über die Dopingpraktiken diskutieren, die unter anderem zu diesem Sieg führten. Viel wichtiger ist doch, dass in diesem Satz viel Wahrheit steckt. Sich zu quälen heißt, seine eigenen Grenzen zu überwinden, diese zu verschieben. Über sich hinauszuwachsen. Es mag beim Transalpine Run Läufer geben, die diesen Lauf auf der linken Arschbacke durchlaufen. Ich nicht, definitiv nicht. Ich musste mich quälen, nicht nur einmal, nicht nur zweimal, oft, sehr oft. Ich musste jeden Tag über meine Grenzen gehen. Mit jedem Tag, den der Transalpine Run dauerte ein wenig mehr. Aber die Qualen haben sich ausgezahlt – mehr dazu unter Z wie Ziel.

R wie Runner’s High

Kennt ihr das? Ihr grinst grenzdebil über das ganze Gesicht, Endorphine sprühen durch euren ganzen Körper, der Schweiß fliest, die Muskeln arbeiten am Anschlag. Ihr seid high, eine innere Wärme breitet sich aus. Warum? Weil ihr lauft, einfach nur lauft. Aber irgendwas macht diesen Laufmoment magisch. Ich hatte beim Transalpine Run mehrere Male ein Runner’s High.

Das macht diesen Wettbewerb aus. Man quält sich, erträgt Schmerzen und Frust – aber immer wieder setzt man dann sein grenzdebiles Grinsen auf und freut sich einfach, dass man hier laufen darf. Gründe können so mannigfaltig wie individuell sein. Für mich war das größte Runner’s High wohl der Downhill nach und die Zielankunft in Scuol.

S wie Scuol

In Samnaun stand ich noch grübelnd und unsicher im Startblock. Die Schmerzen in meinen Fersen hatten ihren Höhepunkt erreicht. „No gain, no gain“ – also los. Ich biss mich immer mehr in diese Etappe rein, konnte die Schmerzen ausblenden. Und es lief mit jedem Kilometer besser. Dann war die Fuorcla Campatsch erreicht. Jetzt ging es nur noch bergab, aber nur topografisch gesehen. Denn als ich da oben ankam und mit dem Streckenchef abgeklatscht hatte, machte sich in mir eine Gewissheit breit: „Du schaffst das Ding!“

Also, Kopf aus, Herz ein, Endorphine Marsch. Selten hatte ich so einen grandiosen Downhill – 1.600 Höhenmeter runter, teils steil, teils technisch, teils einfach. Egal, drüber gebügelt und ab ins Ziel nach Scuol. Es fühlte sich an wie ein Triumphzug ins Glück, ein Runner’s High von oben bis unten. Die Gewissheit, den Transalpine Run zu finishen hatte ich spätestens jetzt. Daher war die Zielankunft in Scuol für mich eine ganz besondere. Ich glaube, ich bin wie ein stolzer Hahn durch den Zielbereich stolziert. Heute war ich der King, mein ganz eigener und Scuol war mein Schloss.

T wie Team

Das Besondere am Transalpine Run ist, dass man als Team antritt. Mein Teampartner war Basti. Wir haben uns sehr gewissenhaft vorbereitet. Unzählige Trainingsläufe haben wir gemeinsam in den Allgäuer Alpen gemacht – wir haben uns läuferisch und menschlich kennen und schätzen gelernt. Die Ergebnisse im Vorfeld waren gut, die Motivation hoch und die Ansprüche nicht minder. Doch schon auf der ersten Etappe steckte Basti mir, dass er seit Wochen mit einer leichten Erkältung kämpft; im Alltag kein Problem, bei einer Grenzerfahrung wie dem Transalpine Run allerdings schon.

So brach er auf der 2. Etappe von Lech nach St. Anton am Arlberg komplett ein. Früh keimte in mir die Erkenntnis, dass unser Team bereits auf der 3. Etappe Geschichte sein sollte. Ich lief fortan als Einzelläufer weiter. Aber Basti reiste weiter mit, unterstütze und motivierte mich wo er konnte. Und einer der magischsten Momente war, als ich im allerletzten Downhill des Transalpine Run von der Tabarettascharte runter nach Sulden hinter dem führenden Mixed-Team herballerte und ca. 4 Kilometer vor dem Ziel Basti auf mich wartete. Gemeinsam jagten wir weiter den Berg runter und hinter den Beiden her. Zusammen liefen wir in Sulden über die Ziellinie. Als Team sind wir in Fischen gestartet, als Freunde sind wir in Sulden angekommen. Danke Dir, Basti!!

U wie Uinaschlucht

Beim Transalpine Run erlebte ich traumhaft schöne Landschaften. Der Höhepunkt war die wildromantische Uina-Schlucht. Aus dem lieblichen Engadin rannten wir durch die immer wilder werdende Landschaft auf einem Forstweg hinauf durch das Val d’Uina. Die Szenerie wurde immer dramatischer. Da, einen Blick auf die Schlucht hatte ich durch die Bäume durch erhaschen können, dann versteckte sie sich wieder.

Irgendwann – die erste Labestation des Tages hatten wir gerade passiert – spuckte uns der Wald aus und sie lag vor uns. Links in der Felswand haben arme Schweine Anfang das 20. Jahrhunderts einen Weg in und durch den Felsen gehauen. Davor war die Uina-Schlucht unpassierbar. Unten hüpfte die Uina von einer Kaskade zur anderen. Gähnend war neben uns der Abgrund, der keinen Fehltritt verzeiht. Dessen ungeachtet zogen wir Läufer unsere Spur, verharrten den ein oder anderen Moment in Demut und waren dankbar dafür, diesen Moment bei bestem Wetter erleben zu dürfen. Oben öffnete sich die Szenerie, der Schlinigpass breitete sich vor uns aus; aus dem Dunkel der Schlucht direkt ins Licht einer gleisend schönen und gleichzeitig lieblichen Bergwelt. Welch ein Moment, welch ein Privileg.

V wie Versuche

Ich habe ihn schonmal versucht, den Transalpine Run. 2014 stand ich gemeinsam mit Markus, einem lieben Kollegen, an der Startlinie. Die Vorbereitung damals lief alles andere als gut. Zugegebenermaßen hatte ich kaum Erfahrung, die eine Teilnahme am Transalpine Run rechtfertigen hätte können. So kam nach der 6. Etappe das Aus. Das war bitter, ich habe damals geheult wie ein Schlosshund, war ein Häufchen Elend. Doch es war mir Ansporn genug, mich diesmal gewissenhaft drauf vorzubereiten. Ich wusste, was auf mich und meinen Körper zukommt. Ich wusste, dass ich es diesmal schaffen werde, allen Widrigkeiten zum Trotz – der zweite Versuch durfte schließlich nicht schiefgehen.

W – weiter

Eigentlich gehört das ja ans Ende. Aber W kommt nun mal vor Z. Ja, wie geht’s weiter? Mein Plan für das nächste Jahr steht schon. Allerdings kommt gerade eine kleinere Verletzung nach der anderen. Daher bin ich nach dem Transalpine Run noch nicht so recht in Schwung gekommen. Es wird sich zeigen, wie ich jetzt dann alles auskuriere. Darauf steht jetzt erstmal der Fokus. Und der Transalpine Run wird in drei Jahren noch mal angegangen. Dann aber in der Mixed Kategorie mit Blick auf das Podium. Mädels, Bewerbungen werden ab jetzt in Empfang genommen.

X – Xtreme

Xtreme ist Neuhochdeutsch für Extreme. Und das ist der Transalpine Run definitiv, ein Lauf der Extreme. Nicht umsonst wird die Schlange vor dem Zelt der Medical Crew jeden Tag länger. Bilder von knochentiefen Blasen machen die Runde. Ein rotglühendes Schienbeinkantensyndrom hier, eine entzündete Achillessehne da oder ein dickes Knie dort. Extremes fordert seinen Tribut.

Der eine ist bereit mehr zu zahlen, der andere weniger. Manche müssen am Weiterlaufen gehindert werden. Die einzelnen Tagesetappen sind jetzt nichts, was einen Ultraläufer wirklich umhaut. Extrem wird der Transalpine Run dadurch, dass man das sieben Tage am Stück läuft. Der Körper schafft es nicht mehr, sich bis zum nächsten Startschuss zu regenerieren. Tag für Tag kämpft und quält man sich über topografische und mentale Höhen und Tiefen, meist am Limit, manchmal darüber. Die Anforderungen an Geist und Körper sind extrem. Schon die Vorbereitung ist extrem, sonst steht man das nicht durch. Die Logistik, die für den Veranstalter PlanB dahintersteckt, ist extrem. Und die Pastaparty in Samnaun war extrem lecker.

Y – Yvonne

Training ist das Eine, das Rennen das Andere. Man investiert Zeit, Schweiß und Geld im Vorfeld. Beim Transalpine Run brauch man den Rücken frei. Am besten, man muss sich nur um sich selber kümmern. Aufstehen, Trailrunningrucksack packen, frühstücken und ab zum Start. Hinterher zum Hotel kommen, regenerieren, essen und schlafen. Das alles kannst Du nur, wenn Du den richtigen Menschen an Deiner Seite hast.

Meine Frau war Logistikmanager, Reiseleiter, Chauffeur, Physiotherapeut, Sportpsychologin und Cateringservice in einem. Sie war mein Fels in der Brandung, hat mich aufgebaut, als ich Schmerzen und Zweifel hatte und hat mich mit meiner eigenen Freude alleine gelassen, wenn es nötig war. Sie hat meine ganzen Eskapaden im Vorfeld ertragen, hat mich aber auch das ein oder anderen Mal wieder auf den Boden geholt. Lange Rede kurzer Sinn, ich muss meiner Frau danken, dass ich sie an meiner Seite haben darf.

Z – Ziel

„Der Weg ist das Ziel“ – selten zuvor hat dieser Spruch besser gepasst als auf den Transalpine Run. Es gibt zwar dieses eine Ziel in Sulden, welches alle Läufer erreichen wollen. Dennoch dachte ich da nicht dran, als Basti und ich uns in Fischen auf den Weg machten. Man steckt sich Zwischenziele – der nächste Pass, die nächste Labestation, die nächste Fankurve oder das Tagesziel.

Dennoch spielten sich in meinem Kopf Szenarien ab, als wir durch den Allgäuer Regen in die Alpen hinein liefen. Ich sah mich in Sulden emotional, weinend, aufgelöst vor Freude im Zielbereich liegen. Das Ziel in Sulden habe ich erreicht. Der emotionale Ausbruch blieb allerdings aus. Zu sicher war ich mir seit dem Zieleinlauf in Scuol, den Transalpine Run zu finishen. Ich saß einfach nur still da, die Finishermedaille hing um meinen Hals und grinste in mich hinein. Ich war unheimlich stolz auf meine Leistung. Ich habe mich meinem inneren Schweinehund gestellt und ihn besiegt. Ich habe Zweifel niedergerungen. Ich war 5. Individual Finisher, gehörte zur erweiterten Spitzengruppe. Eine grandiose Woche ging hier zu Ende, die sich im Nachhinein wie ein Traum anfühlt.

Aber, ich habe meinen Traum gelebt und durchlitten. Ich habe mein Ziel erreicht – und das doch nur, um mir neue Ziele zu setzen.

Titelfoto: Sportograf

Skitouren: Ohne Plan geht nix

Skitouren: Ohne Plan geht nix

17. November 2017
Die Bergfreunde

Skitouren sind ein erstaunlicher Trend, denn sie passen eigentlich gar nicht in den Zeitgeist. Sie sind in vielerlei Hinsicht mit gesteigertem Aufwand verbunden und lassen sich damit kaum als einer unter vielen Sidekicks im Erlebnis-Multitasking unterbringen. Okay, da wären noch die Pistenskitouren, bei denen man im Skigebiet oft direkt neben dem Lift aufsteigt und dann die Piste abfährt.

Das ist natürlich nicht ganz so aufwändig, dafür aber auch schon mal mit einem Betrieb wie Samstags in der Kletterhalle verbunden. Aber es gibt tatsächlich auch immer mehr Menschen, die abseits der Pisten nach ursprünglichen Erfahrungen von Stille und Abgeschiedenheit suchen – und zwar nicht erst im reifen Alter.

Wir leben eben in Zeiten der Kontraste. Insofern passt es, dass man sich in der tief verschneiten Landschaft manchmal schon nach wenigen Metern weg vom Trubel in eine andere Welt versetzt fühlt. Doch dann kommt man ohne Planung und Know-how nicht mehr sehr weit. Zumindest nicht auf verantwortbare Weise.

Da man sich mit Ahnungslosigkeit und Unbedarftheit selbst gefährden und umbringen kann – gilt ja auch in anderen Bergdisziplinen. Bei Skitouren allerdings spielt auch der Einfluss auf andere Tourengeher eine große Rolle: wenn jemand aus Unkenntnis und Leichtfertigkeit eine Lawine auslöst, dann kann das auch für andere böse Folgen haben.

Know-how: Nicht alle Theorie ist grau

In aller Kürze gesagt beruht die ganze Tourenplanung auf der Einschätzung der drei Faktoren Verhältnisse, Gelände und Mensch. Diese werden dann auf drei räumlichen Ebenen wiederholt, bis zuletzt der genaue Tourenverlauf gefunden ist. Mit dieser vom Schweizer Bergführer und „Lawinenpapst“ Werner Munter entwickelten 3 x 3 Reduktionsmethode lässt sich Ordnung in das Planungschaos bringen.

Falls dieser kurze Zusammenfassungsversuch jetzt unkompliziert klang: super! Doch leider bleibt es nicht so einfach. Denn für das selbstständige Skitourengehen kommt man um eine fundiertere Theoriebasis nicht herum, sieht man schon daran, dass die Kapitel über Schnee- und Lawinenkunde im Alpinlehrplan Skitouren des Deutschen Alpenvereins satte 30 textlastige Seiten einnehmen. Dann kommen nochmal rund 20 Seiten über das Risikomanagement.

Damit ist auch klar, dass ein Artikel wie dieser, eine fundierte Einführung weder ersetzen kann noch soll. Wir beziehen uns hier nur auf die Auswahl und Planung einer konkreten Tour, während das Wissen um die Benutzung der Ausrüstung und die Grundzüge der Lawinen- und Schneekunde vorausgesetzt werden muss, bzw. hier nur an einigen Stellen angerissen werden kann. Wenn hier noch keine Basis vorhanden ist, sollte man sich zunächst mit den Grundpfeilern der Skitouren-Theorie vertraut machen, über die wir hier im Blog schon das eine oder andere mal berichtet haben (Lawinengefahr und ihre Einflussfaktoren oder auch der richtige Umgang mit LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schaufel).

Das ist auf den ersten Blick eine Menge Stoff, der sich zudem auch nicht so einfach in die Praxis übertragen lässt. Deshalb schließt man sich für die entsprechende Übung und Erfahrung am besten einem Kurs oder einer geführten Anfängertour an. Dafür gibt es bei den Alpenvereinssektionen, der Alpenvereinszentrale und bei kommerziellen Anbietern jede Menge Möglichkeiten. Die Initiative SAAC bietet hier mit ihren Basic Camps sogar eine kostenlose Möglichkeit: „SAAC Basic Camps – das sind 2-tägige Lawinencamps mit Backgroundinfo und Praxis für Off-piste Freaks. Bergführer und Snowboardpros informieren über alpine Gefahren abseits der gesicherten Pisten.

Der Tourenplanung erster Schritt: das grobe Raster

Die „Grobauswahl“ des Tourenziels wird von den Verhältnissen bestimmt, die man dem Wetterbericht und dem (richtig zu lesenden) Lawinenlagebericht (LLB) entnimmt. Dieser gibt anhand der Schneedeckenstabilität und der Auslösewahrscheinlichkeit von Lawinen eine Gefahrenstufe an.

Die entsprechende fünfstufige Gefahrenskala gilt einheitlich für alle Alpenländer. Zur vollständigen Risikoanalyse gehören außerdem die vergangene und zu erwartenden Schneefallmengen sowie Windsärke und -Richtungen und der Temperaturverlauf mitsamt all der Auswirkungen auf die Schneedecke. Auch Aussagen über besonders lawinengefährdete Höhenlagen, Hangexpositionen oder Geländeformen sind ausschlaggebend für die Wahl des Tourenziels.

Wie gesagt erfolgt die Risikoeinschätzung nicht Pi mal Daumen, sondern möglichst exakt mithilfe diverser Indikatoren in einem mehrstufigen Filtersystem. Dabei gibt es verschiedene, sich ergänzende Werkzeuge:

  • Das schon erwähnte 3 x 3 System ist mittlerweile die Grundlage fast aller Entscheidungs- und Auswahlstrategien. Die 3 Faktoren Verhältnisse (Wetter, Schnee, Lawinenlage), Gelände (Höhe, Steilheit, Hangform, etc.) und Mensch (Kondition, Technik, Kompetenz, Erfahrung) werden dabei in 3 Stufen (regional, lokal, zonal) analysiert, wobei jede Stufe die in Frage kommende Tour samt ihres Verlaufs näher eingrenzt. Munters Reduktionsmethode ist durch ihrem ganzheitlichen Einbezug des menschlichen Subjektivitätsfaktors zurecht State of the Art. Sie ermöglicht ein systematisches, gezieltes Vermeiden gefährlicher Hänge und bietet eine sinnvolle Grundstruktur für die Entscheidungsfindung vor und während der Tour.
  • Die Snowcard ist ein praktisches Werkzeug, dass sich sehr gut in das Munter‘sche 3 x 3 einbauen lässt. Sie ermöglicht auf allen 3 Stufen schnelle Erkenntnisse über die Faktoren Gelände und Verhältnisse und besticht in der Handhabung durch Einfachheit und Übersichtlichkeit. Vor allem kann man mit ihrer Hilfe sehr schön die Steilheit von Hängen direkt ablesen, indem man die entsprechende Skala auf die Stelle in der topographischen Karte hält (die, wie wir gleich noch sehen werden, auch im digitalen Zeitalter keineswegs ausgedient hat).
  • Der Lawinenlagebericht liefert mit seinen Gefahrenstufen in erster Linie Infos zum Faktor Verhältnisse, spielt aber auch bei der Geländebeurteilung eine wichtige Rolle. Denn auf Grundlage des LLB kann man eine Anstiegslinie der in Frage kommenden Tour in die Karte einzeichnen und dabei mit Hilfe der Snowcard die Steilheiten der Hänge messen. Bis Gefahrenstufe 2 bezieht man dabei nur Hänge ein, die man begeht, ab Stufe 3 werden auch die Hänge wichtig, unter denen man durchläuft.
  • Das Kartenstudium ist bei Skitouren also nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil. Man ermittelt und markiert damit auch die „Schlüsselstellen“: steile Passagen und potentielle Gefahrenstellen wie Kammlagen, Rinnen, Mulden und steile Hänge oberhalb der Route. Zusätzlich sucht man nach  „Checkpunkten“, die während der Tour eine gute Übersicht über den weiteren Routenverlauf bieten sollen. Das erfordert allerdings eine gewisse „dreidimensionale Lesefähigkeit“ der Höhenliniendarstellung.

Tourenplanung zweiter Schritt: Einkreisen und Details checken

Wenn wir mit dem „Grobfilter“ soweit sind, haben wir die möglichen Zielgebiet eingekreist und suchen nun die konkrete Tour. Auch hier gilt die Devise „Safety First“. Vor allem Einsteiger-Skitouren werden von A bis Z an der Gefahrenvermeidung ausgerichtet. Das geht am besten, indem man das eigene Können (und das der Partner, die man idealerweise kennen sollte) sehr zurückhaltend einschätzt und die Tourenwahl bestmöglich an den ermittelten Wetter- und Schneeverhältnisse ausrichtet. Zudem sollte man von vornherein ein Ausweichziel einplanen und sich nicht zu sehr auf das unbedingte Erreichen des ersten Wunschziels fixieren.

Besonders im Frühjahr weichen die Schneeverhältnisse oft stark von dem ab, was man vom „normalen“ Skifahren im Hochwinter her kennt. Deshalb sollte man das Anforderungslevel als Anfänger wirklich sehr tief ansetzen. Auch bei Touren, denen man auf dem Papier locker gewachsen zu sein glaubt, können neben ständig wechselnden Schneearten mit viel Bruchharsch so manche Überraschungen lauern. Deshalb auch bei der Tourenlänge besondere Zurückhaltung üben.

Ideal ist ein realistischer Zeitplan, der nicht nur Start und Rückkehr, sondern auch Pausen beinhaltet und bestimmte Zwischenziele festlegt. Die Tage sind bekanntlich nicht so lang wie im Hochsommer und besonders in Gruppen mit mehreren, nicht aufeinander eingespielten Anfängern geht es in der Regel alles andere als schnell voran. Bei verschiedenen Könnensstufen kommen unter Umständen noch diverse Stimmungen und Dynamiken hinzu, die, sofern nicht erkannt und angesprochen, zu falschen/riskanten Entscheidungen führen können. Hier kann ein Ausweichziel sehr hilfreich sein um Frust zu vermeiden.

Unterwegs vor Ort wird das daheim erarbeitete Tourenprofil natürlich gegengecheckt und falls erforderlich nachgebessert. Letzte Unklarheiten können sowieso nur durch den echten Blick ins Gelände beseitigt werden, vor allem wenn während der Anreise Schnee gefallen ist oder die Sonne einige Stunden richtig geknallt hat. Dann haben sich die Tourenverhältnisse womöglich schon wieder geändert.

Das klingt alles recht umständlich und zeitaufwändig, je nach Vielfalt des Geländes, kann es das auch durchaus sein. Vor allem wenn an mehreren heiklen Stelle eine wohl durchdachte Entscheidung für oder gegen die Fortsetzung der Tour erforderlich ist.

Planungswerkzeuge On- und Offline

Unsere Vorfahren benutzten einst Bücher für die Tourenplanung. Diese schweren, viereckigen Objekte aus Papier schleppte man mühsam aus Geschäften oder der Alpenvereinsbibliothek nach Hause, um sie dann einzeln durchzuforsten. Im heutigen digitalen Zeitalter nutzt „man“ hingegen raffinierte Onlinetools, die die perfekte Tour binnen weniger Minuten ausspucken können. Aber: auch wenn man damit die Tourenauswahl mittlerweile komplett online angehen und sich die Beschreibungen abspeichern oder abfotografieren kann, sind die Bücher dennoch nicht verdrängt worden.

Vielleicht liegt das auch daran, dass bei all der digitalen Eleganz die Frage bleibt, ob das Smartphone bei Schneetreiben auf Tour zuverlässig seinen Dienst tut und ob das Touchscreen-Gewische mit kältesteifen Handschuhen bei gleißendem Licht und wirbelndem Schnee wirklich praktikabel ist. Da kann so ein Büchlein plötzlich wieder sehr zeitgemäß wirken. Gleiches gilt für die topographische Karte im Maßstab 1:50.000 oder besser 1:25.000, die man auf jeden Fall in Papierform mitnehmen sollte.

Die Bibliotheken der örtlichen Alpenvereinssektionen sind oft sehr gut mit AV-Karten bestückt (deren Mitnahme auf Tour offiziell nicht erlaubt ist …). Geliehene Karten sollten selbstverständlich nicht mit dem Verlauf der geplante(n) Route(n) und Markierungen potentiell gefährlicher Hänge bemalt werden. Genau diese Möglichkeit ist jedoch ein entscheidender Vorteil der Papierkarte – ebenso wie die im Vergleich zum kleinen Screen bessere Lesbarkeit, Übersicht und Detailfülle.

Hier drei Beispiele bekannter Tourenportale, die die Suche mit einer interaktiven Karte ermöglichen:

  • https://www.alpenvereinaktiv.com – viele Optionen und Filter zum Verfeinern der Suche, man kann auch Hütten suchen und die aktuellen Bedingungen, inklusive Wetter und Lawinenlage abfragen. Besonders praktisch und leicht wird das Handling nicht nur durch die interaktive Landkarte, sondern auch durch die vielen Möglichkeiten unter dem Button „Suche verfeinern“. Dort lassen sich Suchkriterien wie Anstieg, Höhenmeter, Strecken und Dauer der Tour festlegen.
  • https://www.outdooractive.com/de/ – sehr ähnlich aufgebaut wie alpenvereinaktiv, mit ähnlichem Funktionsumfang und vielen überschneidenden Tourenvorschlägen – allerdings mit wesentlich mehr Touren außerhalb des Alpenraums
  • http://www.hikr.org/ – oft gute und genaue Beschreibungen mit schönen Fotos, doch nur wenigen Filtermöglichkeiten der Suche

Tourenpartner finden

Da nicht jeder die passenden Skitourengeher schon fertig im Freundeskreis eingebaut hat, stellt sich oft die Frage, wie man solche findet. Am besten helfen hier natürlich Kurse und geführte Touren, wo man gleich einen echten und lebendigen Eindruck der möglichen künftigen Tourenbuddies gewinnt. Etwas weniger Aufwand macht die Internetrecherche. Der übliche Tipp ist hier natürlich Facebook, wo es bekanntlich keine Gruppe gibt, die es nicht gibt. Der Vorteil bei Facebook ist die Quantität, sprich, dass es an Interessenten selten mangelt. Zweifelhaft ist dann leider oft die Qualität, denn Stichworte wie „verlässlich“, „ernsthaft“ oder „langfristig“ gelten nicht gerade als Hauptmerkmale der schnellen Facebookwelt.

Dann gibt es natürlich den Alpenverein mit seiner DAV-Community samt Tourenpartnersuche und die Tourenforen vieler Sektionen. Dort liegt das Problem dann eher umgekehrt: es finden sich zwar leichter Partner, die nicht nur heiße Luft produzieren, doch die Auswahl für die passende Bergsportdisziplin zum passenden Zeitraum scheint manchmal etwas dünn.

Ein dritter Weg sind die Onlinebörsen von kommerziellen Anbietern wie Mountix.com. Bei Mountix kann man dank mobiler App auch kurzfristig vor Ort noch Touren „klarmachen“. Die Zahl der Gesuche im Bereich Skitouren ist im Moment zwar auch hier eher dünn, aber das könnte auch einfach daran liegen, dass zurzeit (Mitte November) noch nicht wirklich Saison ist. Außerdem kann man ja auch selbst das Heft in die Hand nehmen und ein aussagekräftiges Gesuch einstellen. Und etwas Glück gehört sowieso immer dazu …

Die Tour steht: letzte Schritte vor der Abfahrt

Oft wird es kurz vor der Tour hektisch, da sehr viele Kleinigkeiten in sehr kurzer Zeit erledigt werden wollen. Deshalb hier eine kurze Übersicht:

  1. Ausrüstung: Man kann natürlich am Abend vor der Tour anfangen, das Material zusammenzusuchen und zu packen. Doch wenn dann irgendetwas fehlt, was letztens noch ganz sicher da unten im Kellerregal lag, oder irgendetwas nicht funktioniert (klassischerweise die Stirnlampe mangels Batterieladung), werden die Besorgungen stressig. Also lieber rechtzeitig die Packliste Skitour durchgehen und abhaken.
  1. Notrufnummern speichern, am besten die lokale Nummer auf die Kurzwahltaste. Eine Übersicht über die Notrufnummern in den Alpenländern gibt es hier: https://www.alpenverein.de/dav-services/alpine-auskunft/alpine-telefonnummern_aid_10705.html
  1. Wenn die Tour steigt, Angehörige über den spät möglichsten Rückkehrzeitpunkt informieren. Warum nicht die Skitour nutzen, um endlich mal wieder Mama anzurufen? Im Notfall kommt es dann schneller zu einer Vermisstenmeldung.
  1. Unmittelbar vor Abmarsch: LVS-Geräte checken. Die Tourenteilnehmer müssen im Partnercheck prüfen, ob ihre LVS auch wirklich „auf Sendung“ sind. Hierfür stellt ein „Tester“ sein Gerät in den Sendemodus und alle Teilnehmer prüfen den Signalempfang. Anschließend stellt der „Tester“ sein Gerät in den Empfangsmodus und prüft nacheinander den Empfang des Signals der anderen Teilnehmer, die in den Sendemodus umgeschaltet haben. Zuletzt aktivieren alle den Sendemodus und die Tour startet.

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat findet bei uns im Basislager noch ein paar tolle Artikel über Skitouren, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet. Hier geht´s zu unseren Favoriten im Allgäu und Mittelgebirge. Hautnah berichtet Bergfreundin Klara von ihrem Ausflug zur Wiesbadener Hütte (Silvretta) und der Saarbrücker Hütte (Silvretta).

Der Reiz der Solo Tour

Der Reiz der Solo Tour

16. November 2017
Die Bergfreunde

Es ist ein echtes Abenteuer – und das jedes Mal aufs neue. Alleine unterwegs zu sein, hat für viele Wanderer und Bergsteiger einen ganz besonderen Reiz. Dennoch ist es für den einen oder anderen schwer nachzuvollziehen, was an einer Solo Tour so fasziniert. Vielleicht könnte ein Einblick in mein letztes Abenteuer etwas mehr Klarheit schaffen. Gerade, wenn ich mich an den vorwurfsvollen und zu gleich besorgten Blick meiner Mutter zurückerinnere…

„Musst du das denn alleine machen?“, fragt sie mich, als ich Rucksack, Schlafsack und Bergschuhe ins Auto packe. Aber meine Antwort steht fest – mein Ziel sind die drei Zinnen in den Sextener DolomitenDas wird großartig, denke ich mir während der Fahrt. In meiner Magengegend macht sich Vorfreude breit aber auch Skepsis. Was erwartet mich? Erreiche ich das was ich mir vorgenommen habe?

Der Weg zu sich selbst

Obwohl es bei meiner Ankunft am Startpunkt schon etwas spät geworden ist, packt mich mein Entdeckergeist. Sofort ist klar, ich muss heute noch raus. Voller Enthusiasmus verlasse ich mein Auto, mein heutiges Schlafquartier und wandere los. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich nicht mehr viel Zeit habe, um mein Ziel zu erreichen – die Nordwand der westlichen Zinne aus der Nähe zu betrachten. Es dämmert bereits und der Aufstieg über das Geröllfeld steht noch bevor. Keine Menschenseele weit und breit, um diese Zeit ist hier niemand mehr unterwegs.

Wenn man jetzt im Team unterwegs wäre, würde man sich absprechen. Geht man noch hoch oder lässt man es sein. Vier Augen sehen mehr als zwei, vielleicht hat mein Partner ja mehr Erfahrung und ich kann mich auf seine Einschätzung verlassen. Vor allem in einem unbekannten Gebiet ist das sehr beruhigend und angenehm. Doch hier ist niemand, den ich fragen könnte. So muss ich mich auf meine eigene Erfahrung verlassen, vielmehr jedoch auf mein Bauchgefühl. Also steige ich weiter auf. Ich weiß, dass ich gut ausgerüstet bin und wenn es sein muss, im Abstieg noch mal Gas geben kann. Ungern würde ich in die Finsternis kommen und mich auf einem der vielen kleinen Pfade im Geröll verlaufen. Ich ziehe mein Tempo noch mal an und komme durchgeschwitzt am Wandfuß an.

Ich lehne mich an die mächtige Nordwand und atme tief durch. Der Blick der sich mir jetzt bietet ist umwerfend. Über mir thront der ausladende Überhang, unter mir die Zinnenseen, vor mir ein Bergpanorama, das im Moment nicht zu übertreffen ist. Die abendliche Sonne beleuchtet die drei Zinnen in einem warmen Rot wie auch die umliegenden Gipfel. Ich halte diesen Moment mit meiner Kamera fest, setze mich hin und lausche. Ich höre nur den kalten Wind und mein eigenen Atmen.

Es ist so ruhig, dass ich die Stille förmlich hören kann. So als wäre sie greifbar und ich würde Teil von ihr werden. In diesem Moment bin ich eins mit mir selbst und meinem Umfeld, völlige Zufriedenheit erfüllt mich und ich bin frei. Die Zeit jedoch drängt mich zum Umkehren. Ich reiße mich von dem wundervollen Anblick los und beginne mit dem Abstieg. Ein paar Wolken haben sich vor die untergehende Sonne geschoben und beschleunigen die Dämmerung.

Es wird verdammt schnell dunkel und ich bin noch nicht auf dem richtigen Weg. Meine Schritte werden zwar schneller, jedoch bleibe ich ruhig und gelassen. Ich bin Herr der Lage und habe alles im Griff. Im letzten Funken Tageslicht erreiche ich den Weg und nun hüllt mich die Nacht komplett ein. Die Berge um mich rum werden zu großen schwarzen Ungeheuern, die nun bedrohlich auf mich wirken.

Mein Geist ist absolut wach und nimmt jede kleine Bewegung, jedes Geräusch in meinem Umfeld wahr. Wenn man sich komplett darauf einlässt, sich anpasst und dementsprechend handelt, wird man eins mit der Umwelt. Dann gibt es nur noch das Hier und Jetzt. Dieses Gefühl erlebt man auf Solo Tour oft noch viel intensiver. So ist jeder Weg, den ich alleine gehe, auch immer ein Weg zu mir selbst.

Ich lerne mich und meine eigenen Fähigkeiten intensiv kennen, stoße an Grenzen und muss Verantwortung für mich übernehmen. Zu wissen, dass ich meinen eigenen Fähigkeiten vertrauen kann, beflügelt mich regelrecht und gibt mir gleichzeitig die innere Ausgeglichenheit, die heutzutage oft vielen Menschen fehlt. Ganz nah bei mir selbst zu sein, durch nichts abgelenkt und vollkommen im Moment zu leben. Am Auto angekommen bin, wärmt mich ein Tee, bevor ich mich in den Schlafsack einrolle. Ich habe die leise Befürchtung, dass es eine kalte und somit sehr lange, einsame Nacht wird, denn der Himmel hat aufgeklart und die Sterne funkeln.

Die eigenen Kräfte richtig einschätzen und Risiken vermeiden

Als ich am frühen Morgen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen spüre, ist die unangenehme Nacht mit wenig Schlaf sofort vergessen. Ich freue mich, dass das Wetter besser ist als vorhergesagt. Ich mache mich direkt auf den Weg, um heute das komplette Gebirgsmassiv zu umrunden. Um mich herum zieht Nebel vom Tal herauf, als ich das erste Etappenziel der Tour erreiche, die Dreizinnenhütte.

Es geht alles ganz schnell: von einer Sekunde auf die andere haben mich dicke Nebelwolken eingehüllt und obwohl es erst September ist, beginnt es wenig später zu schneien. Zuerst freue ich mich wie ein kleines Kind über den Schnee, dann denke ich an meine Tour. Ein Partner, der mich im Zweifelsfall bremst, fehlt. Einerseits ist dieses Gefühl, zu handeln wie ich es will befreiend, andererseits kann das auch schnell gefährlich werden. Da ich das Risiko für mich ganz alleine trage, lehren mich Solo Touren wachsam zu sein muss und meine Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, um Gefahren zu vermeiden.

Schließlich weiß ich, was zu tun ist und breche ohne groß zu überlegen ab. Man sieht keine 50 Meter weit, obwohl es immer wieder kurze Lichtblicke gibt, bleibt das Wetter unberechenbar. Es fällt mir nicht schwer umzukehren, ohne mein Ziel erreicht zu haben. Im Gegenteil, ich bin vielmehr stolz darauf diese Entscheidung getroffen zu haben.

Allein oder doch lieber zu zweit?

Des Öfteren werde ich gefragt, warum ich alleine auf Tour gehe. Ist alleine Bergsteigen nicht langweilig, einsam oder sogar gefährlich? Zu zweit oder in der Gruppe zu wandern macht unglaublich viel Spaß. Denn eigentlich bin ich ein geselliger Mensch, der sich gern mit Gleichgesinnten umgibt, Erfahrungen austauscht und von Stärkeren lernt.

Ich bin somit kein Einzelgänger der egoistisch und rücksichtslos sein Ding durchziehen muss, um zufrieden zu sein. Vielmehr treibt mich mein unbändiger Freiheitsdrang dazu an, die komfortable Zone einer Gruppe zu verlassen. Alleine am Berg unterwegs zu sein bedeutet für mich absolut fokussiert zu sein, denn schließlich bin ich komplett für mich selbst verantwortlich. Denn dann gibt es niemanden, der neben mir steht und sagt, das ist zu gefährlich, kehr um oder du befindest dich auf dem falschen Weg. Ich muss alle Entscheidungen alleine treffen und auch die Konsequenzen in vollem Umfang tragen.

Es gibt niemanden, der mich aus einer misslichen Lage befreit. Mit diesem Wissen, unterwegs zu sein schärft meine Sinne und lehrt mich auf mein Bauchgefühl zu hören. Jemanden neben dir zu haben der im Ernstfall weiß, was zu tun ist, ist durchaus sehr beruhigend. Aber zu wissen, dass meine eigene Einschätzung vertrauenswürdig ist und dass mein Körper funktioniert wie es die Situation verlangt, ist für mich die ultimative Freiheit. Bei jeder Tour, die ich alleine gehe, sammle ich mehr Erfahrungen, die mich reifen lassen und mir die Sicherheit geben mir selbst zu vertrauen.

Als ich mal wieder alleine auf Tour war und den Gipfel erreiche, treffe ich zwei ältere Herren, die gerade ihre Brotzeit genießen. Als auch nach einer viertel Stunde niemand hinter mir auftaucht, fragen sie mich verdutzt: „Ja Mädel, jetzt musst uns aber schon sagen, warum du des alleine machst?! Hast wohl einen greisligen Partner?“ Die Direktheit überrascht mich und bringt mich zum Lachen. „Nein, daran liegt es nicht. Ich mach das allein weil es mir ab und an gut tut, etwas für mich selbst zu tun und vielleicht auch einfach weil ich es kann.“

Die beiden nicken sich zu und geben mir Recht: „Mein Kumpel hier, der konnte den ganzen Weg nicht den Mund halten, ständig muss er reden.“, wird sogar noch nachgelegt. Es folgt eine hitzige Diskussion darüber wer nun mehr beim Aufstieg geredet hat, ob es eine Einigung gab, werde ich wohl nicht erfahren. Beim Abstieg denke ich aber noch lange über ihre Frage nach. So sehr ich die Zweisamkeit oder Geselligkeit auch liebe, so sehr liebe ich es meine Eigenständigkeit zu fördern und mich selbst herauszufordern.

Kaufberatung Hängematte5

Einfach lässig: Kaufberatung Hängematte

14. November 2017
Kaufberatung

Leben wie Gott in Frankreich! Leider weiß man bis heute nicht, wer diese berühmte Redewendung geprägt hat. Allerdings muss derjenige dabei gerade genüsslich in einer Hängematte rumgelegen sein. Und auch ihr werdet erfreut sein, wie angenehm dieses unverschämte Genießen sein kann. Vielleicht bleibt ihr ja gleich dauerhaft, nun ja, hängen, denn an die Matte kann man sich schon echt gewöhnen. Allein schon diese Entspannung durch das leichte Schaukeln und das Wohlgefühl durch diese massageartigen Berührungen. Herrlich. Doch so richtig entspannt und subversiv wird das Ganze erst, wenn ihr ein wenig über die verschiedenen Hängemattentypen, Materialien und Alternativen Bescheid wisst.

Hängematte statt Zelt u. Co.?

Fassen wir zuerst kurz zusammen, was wir unter dem Thema Alternativen zum Zelten bereits zu den praktischen bzw. unpraktischen Seiten der Hängematte geschrieben haben:

Praktisch:

  • sehr leicht und kompakt, vor allem wenn die Isomatte weggelassen werden kann

  • sehr leicht aufzuhängen, wenn Bäume vorhanden sind
  • vergleichsweise angenehm bei schlammigem, steinigem oder feuchtem Untergrund
  • mit der richtigen „Liegetechnik“ angenehmer Schlaf an der frischen Luft, ohne Beengtheit oder Zeltplanengeflattere

Unpraktisch:

  • erfordert Bäume, Pfähle oder eine ähnlich stabile Hängevorrichtung im richtigen Abstand
  • Schutz vor Insekten nur bei Spezialmodellen mit integriertem Moskitonetz
  • wenig Schutz vor dem Wetter (ein Tarp über der Hängematte schützt vor Regen, aber nicht vor Wind)

Outdoor- und Reisetauglichkeit der Hängematte

Das Problem der Kälte bzw. mangelnden Isolation wird oft angeführt, lässt sich jedoch durchaus elegant entschärfen. So kann eine möglichst passende, mumien- oder trapezförmige Isomatte (die man oft sowieso dabei hat) recht passabel vor Kälte von unten schützen. Eine weitere Möglichkeit ist ein sogenanntes Underquilt, das außen herum befestigt wird. Es kann zwar guten rundum-Kälteschutz bieten, egalisiert dann aber mit seinem Gewicht und Packmaß wiederum den besonderen Leichtigkeitsvorteil der Hängematte. Ein guter Kompromiss, wenn es nicht allzu viel Wärmeleistung sein muss, sind ungefütterte und damit sehr leichte Hängemattenwärmer, die nach dem Rettungsdeckenprinzip funktionieren.

Dennoch: wer sich auf Bergsteigen oder Trekking festgelegt hat, wird eher selten über die Mitnahme einer Hängematte nachdenken. Die Höhe, die Kälte und das Wetter erfordern meist schwerere Geschütze. Eine leichte Hängematte ist vor allem für „gemäßigte“ Rucksackreisende, Allround-Traveller und Festivalgänger eine echte Alternative zum (schwer)gängigen Übernachtungsmodell aus Zelt, Schlafsack und Isomatte. Denn diese Reisenden werden vor allem in urbanen und ländlichen Zonen unterwegs sein, während sie „richtige“ Wildnis oder hochalpine Zonen eher selten und nur am Rande streifen. In aller Regel wird man auch zu saisonal „passenden“ Reisezeiten mit gemäßigten Wetterbedingungen unterwegs sein. In diesem Falle hat man mit dem Set aus Tarp, Hängematte und Isomatte oder Underquilt schon ein ziemlich breites Spektrum an Möglichkeiten. Bleibt noch die Frage, welcher Typ Matte wofür geeignet ist …

Welche Hängematten-Typen gibt es?

In der großen Vielfalt kann man 5 Grundtypen aufgrund verschiedener Kriterien wie Material und Form unterschieden:

  1. Reisehängematte: der Bergfreunde-Normalfall

Dieser Typus ist der für unsere Zwecke Interessanteste, denn nur hier steht neben Gemütlichkeit, Verarbeitung und schöner Optik auch die Funktionalität im Vordergrund. So zeichnen sich Reisehängematten vor allem durch ihr vergleichsweise geringes Packmaß, weniger Gewicht und oft auch einen moderaten Preis aus. Außerdem sind sie pflegeleichter und weniger empfindlich gegen Nässe, dafür aber auch meist nicht ganz so robust und langlebig wie Hängematten aus Baumwolle. Sie bestehen meist aus „Fallschirmseide“, die heutzutage nur noch dem Namen nach eine Seide ist und stattdessen ein sehr dicht gewebtes Polyamid, besser bekannt als Nylon, bezeichnet.

Die Funktionalität hat mit ihrer Entscheidung für Synthetik aber auch einen Preis: wenn es wirklich warm ist, kann das Liegen im Kunststoff durchaus schweißtreibend und unangenehm werden. Nur wirklich gute und entsprechend teurere Fallschirmseide verbindet eine passable Ventilation mit einem angenehmen Griff. Bei vielen Modellen der klassischen Outdoor-Marken ist besonders reißfestes Ripstop-Nylon verarbeitet.

  1. Tuchhängematte

Die Tuch- oder auch Stoffhängematte hat eine Liegefläche aus festem Kunststoff- oder Baumwollgewebe. Der Komfort resultiert hier aus dem im Vergleich zu anderen Typen hohen Geborgenheitsgefühl. Das wiederum ist umso größer, je größer bzw. breiter die Liegefläche ist, denn hier kann die rückengerechte Diagonallage (genaue Beschreibung am Ende des Artikels) ohne Schwierigkeiten eingenommen werden.

  1. Netzhängematte

Hier besteht die Liegefläche aus einem Netz aus Baumwolle oder synthetischem Material. Der Vorteil ist die Möglichkeit der Luftzirkulation, die Hitzestau und Schwitzorgien im Hochsommer vermeidet. Das Netz kann grob- oder feinmaschig sein, wobei Letzteres komfortabler, allerdings auch aufwändiger und teurer ist. Topmodelle sind häufig die sehr feinmaschigen mexikanischen Netzhängematten aus Baumwolle, die sich dem Körper und jeder Bewegung anpassen. Sie vermitteln ein Liegegefühl, das dem schwerelosen Schweben nahe kommt.

  1. Stabhängematte

Hier haben wir eine spezielle Bauform: am Kopf- und Fußende sind feste Querstäbe eingearbeitet, welche die Liegefläche zu einem Viereck auseinanderspreizen. Stabhängematten sind damit für die Längslage konzipiert (im Gegensatz zur Diagonal- oder Querlage). Die Nachteile des größeren Gewichts und der Sperrigkeit sind hier sofort offensichtlich. Auch sonst ist dieser Typus eher etwas für kurze Aufenthalte oder spezielle Vorlieben, denn als weitere Nachteile wären die meist wenig komfortable, straffe Spannung mit in die Haut kneifendem Netz oder Gewebe sowie die wackelige Instabilität zu nennen.

  1. Gathered-End-Hängematte

Im Grunde kann man alle Nicht-Stabhängematten als Gathered-End-Hängematten oder auch „Schlauchhängematten“ klassifizieren. Die beiden Enden der Liegefläche werden bei dieser klassischen Bauweise zusammengerafft (gathered). Dazu werden sie umgefaltet und die Falte dann schlauchförmig zugenäht. Durch die zwei „Schläuche“ wird dann eine Schnur oder ein Ring gezogen, der als Aufhängung dient. Es gibt auch andere Konstruktionsweisen, das Grundprinzip ist jedoch immer das Zusammenlaufen von Kopf- und Fußende zu einer Schlauchform. Aus dieser entstehen die charakteristischen Falten, die sich beim Platz nehmen in der Hängematte auseinanderziehen. Reise- und outdoortaugliche Hängematten sind so gut wie immer „Schlauchhängematten“.

All die genannten Typen gibt es auch in Baby- und Kinderversionen. Diese weisen aber abgesehen von geringerem Gewicht und Packmaß keine funktionellen Unterschiede oder Vorteile auf. Spezielle Typen wie Hängesessel oder Hängesitze sind eher nicht für den Gebrauch auf Reisen gedacht und werden deshalb an dieser Stelle nicht näher behandelt.

Wetterfeste Hängematten

Hier kann es eventuell zu Missverständnissen kommen: während das Outdoorvolk eher den Wetterschutz für die Hängematten-Insassen im Sinn hat, beziehen sich die Hersteller damit meist auf die Matten selbst und meinen deren Sonnen-, Wind- und Wetterbeständigkeit, wenn sie dauerhaft im Garten aufgehängt werden. Die meisten Reisehängematten aus Kunstfaser sind in letzterer Hinsicht auf jeden Fall „wetterfest“, müssen aber für den umfassenden Wetterschutz der Insassen noch ordentlich „gepimpt“ werden (siehe Beschreibung oben).

Zusammenfassend erkennt man, dass die Unterscheidungen nicht immer trennscharf sind und eine bestimmte Matte auch mehreren Typen zugehörig sein kann. Wenn man weiß, welche Kombination an Kriterien für den eigenen Bedarf am passendsten ist, wird man ohne große Schwierigkeiten eine gute Wahl aus dem riesigen Angebot treffen.

Was sonst noch zu beachten ist: Länge und Breite vs. Gewicht und Packmaß

Manche Spitzenreiter unter den ultraleichten Hängematten haben heutzutage auf Fliegengewichte zwischen 100 und 200 Gramm abgespeckt. Da macht sich die Übernachtungsmöglichkeit im Rucksack kaum noch bemerkbar. Ob man sie allerdings als groß und komfortabel genug für eine ganze Nacht oder womöglich gar viele Nächte erachtet, ist eine sehr subjektive Angelegenheit mit großer Schwankungsbreite an Meinungen. Man kann deshalb im Hinblick auf die „richtige“ Länge der Liegefläche nur grobe Richtwerte angeben: je nach Komfortbedürfnis liegt sie zwischen 1 1/2-facher Körperlänge (knapp bemessen) und 2-facher Körperlänge (großzügig bemessen). Hier gilt es zu bedenken, dass es für das Einnehmen der optimalen diagonalen Schlaflage (siehe unten) eine ausreichende Platzreserve braucht.

Die optimale Breite hängt ebenfalls vom subjektiven Empfinden sowie von der individuellen Körperfülle ab. Die Standardbreiten der Hersteller sind jedenfalls mit ihren etwa 120 – 140 cm für 1-Personen-Hängematten allemal ausreichend für das figurtechnische „Normalspektrum“.

Last but not least: Knoten und „Technik“

Wegen der Knoten braucht man sich nicht allzu viele Gedanken machen. Meist ist das Hängemattenset schon „vorgeknotet“ und oft liegt auch eine Anleitung bei. Zudem ist beim Aufbau meist genug Platz vorhanden, um alles entspannt und ohne irgendwelche ausgefeilten Tricks zu bewältigen. Falls einmal nur die Matte mit ihren Aufhängelaschen sowie die Schnüre vorhanden sind, werden diese einfach mit einer gegenläufig geknüpften Sackstich- oder Achterschlinge verbunden.

Viele Autoren empfehlen den extra zu lernenden Hängemattenknoten, der bei mehrtägig aufgehängten Matten etwas fester halten dürfte. Schnur und Baum werden dann am einfachsten mit dem leicht zu lernenden und vielseitigen Mastwurf verbunden (sofern nicht Anderes in der eventuell vorhandenen Anleitung beschrieben ist). Der Mastwurf zieht sich bekanntlich unter Belastung zusammen, während das Eigengewicht und die entsprechende Eigenspannung der Hängematte dafür sorgen, dass er sich nicht ungewollt öffnet (eine unbelegte Superleicht-Matte kann man mit einem dicken Reiseführer oder Politiklehrbuch beschweren).

Warum unter Gear-Nerds gern erwähnt wird, dass die Knoten auch unter Belastung verschiebbar oder zu öffnen sein sollten? Keine Ahnung. Oder … in welchem plausiblen Szenario könnte es unmöglich werden, sich zum Entlasten der Knoten aus der Hängematte zu erheben? Na klar, bei Lähmungserscheinungen nach Hexenschuss, Schlangenbiss oder diesem selbstgepanschten Fusel letztens in Rumänien. Kommt ja alles mal vor auf Reisen. Aber dann helfen (zumindest wenn grad keine Retter in der Nähe sind) auch die besonders pfiffigen Knoten nicht weiter …

Auch die richtige Art zu liegen kann sicher dazu beitragen, Lähmungserscheinungen zu vermeiden. Diese wäre bei allen Hängemattentypen außer den Stabhängematten die Diagonallage, die je nach Breite der Liegefläche bis zur Querlage variieren kann. Am besten legt man sich zuerst mittig gerade in die Hängematte, wo man feststellen wird, dass der Unterleib ziemlich tief durchhängt. Um jetzt in die „richtige“ Position zu kommen, schiebt man den Oberkörper langsam nach rechts und den Unterkörper/die Beine langsam nach links (oder umgekehrt). Dreh- und Angelpunkt dieser Bewegung ist die Körpermitte, die sich je nach Körperbau mehr oder weniger unterhalb des Bauchnabels befindet. Auf diese Weise hängt der Rücken nicht durch, so dass auch das Schlafen in Seitenlage möglich ist.

Damit sollte alles Wichtige beisammen sein, was es für den angenehmen Aufenthalt in der passenden Hängematte braucht. Und wer weiß: vielleicht steigst ihr jetzt mit eurer leichten, überall platzierbaren Reisehängematte komplett aus dem Hamsterrad aus und zieht als postmoderne Vagabunden durch die Welt …

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