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Kinderbespaßung Daheim – Tipps für Indoor-Abenteuer

9. April 2020
Tipps und Tricks

Kitas geschlossen! Schulen geschlossen! Sport-, Musik- und sonstige Vereine geschlossen! Schwimmbad geschlossen! Kino geschlossen! Spielplätze geschlossen!

Die Liste aller Einrichtungen und Läden, die in Zeiten von #stayathome und #flattenthecurve noch geöffnet haben, fällt leider wesentlich kürzer aus, als die Liste der vorhandenen und leider nötigen Einschränkungen. Viele Eltern sind deshalb dabei, sich gleichzeitig an ihr eigenes Arbeitsleben im Homeoffice und ihre Kinder an Homeschooling zu gewöhnen. Da zu Oma und Opa vorsichtshalber Abstand gehalten werden sollte und selbst Kita- und Kindergartenkinder meistens nicht außerhalb der Familie betreut werden können, fällt es manchen Eltern nicht immer leicht, die neuen Familienverhältnisse optimal zu koordinieren.

Während der 13-jährige Malte am liebsten die Internetleitung mit Video-Gruppenchats und Online-Computerspielen überlastet, versteht die 8-jährige Emma ihre Mathe-Aufgaben nicht so richtig und möchte, dass Papa ihr dabei hilft. Der versucht allerdings im Homeoffice via Skype mit seinem Kunden in einer Videokonferenz zu telefonieren und wundert sich, warum die Datenübertragung so dermaßen schlecht ist. Mama Gabi braucht an Arbeit kaum zu denken, denn die 3-jährige Anna-Lena ist ein echter Wirbelwind und verkündet auf ihre Art lautstark, wenn sie sich zu wenig beachtet fühlt. Eine natürlich absolut fiktives Szenario, das sich aber vermutlich in der einen oder anderen Ausprägung derzeit in vielen Familien abspielt. 

Wir Bergfreunde sind vielleicht nicht die Supernanny und auch mehr auf Bergführer, als auf Erziehungsratgeber, spezialisiert. Angesichts der Umstände möchten wir dennoch versuchen ein paar Ideen, Tipps und Anregungen zu bieten, mit denen sich die nächsten Tage und Wochen so angenehm und abwechslungsreich wie möglich gestalten lassen.

Spiele und Aktivitäten, die (fast) keine Vorbereitung benötigen:

Ich sehe was, was du nicht siehst…

Das Kinderspiel „Ich sehe was, was du nicht siehst … und das ist …“ ist so simpel, wie unterhaltsam. Man sucht sich einen Gegenstand in Sichtweite aus und nennt nur die Farbe. Andere Spieler müssen so den Gegenstand raten. Ein Riesenspaß für kleinere Kinder.

Basteln & Malen

Ob mit Papier, Schere, Klebstoff oder Glitter. Das Internet quillt geradezu über mit Bastelideen für alle Altersgruppen. Manche davon sind erzieherisch wertvoll, und helfen Kindern zum Beispiel dabei ihre Schuhe selbst zu binden, andere haben mehr spielerischen Charakter. Egal ob Fensterbild, Fingerfarbe, Salzteig, Wasserfarben, Papierflieger oder Origami – Basteln fördert Kreativität und motorische Fähigkeiten.

Stille Post“ und „Ich packe meinen Koffer“

Während bei der stillen Post ein ausgedachter Satz ins Ohr geflüstert wird und am Ende meist ein komplett anderer Satz entsteht, schult das Kofferspiel Gedächtnis und Fantasie. Es beginnt mit einem einzelnen Gestand („Ich packe in meinen Koffer eine Zahnbürste“) und wird mit jedem weiteren Spieler der Reihe nach ergänzt. Es müssen aber immer alle aufgezählten Gegenstände in der richtigen Reihenfolge genannt werden. „Ich packe meinen Koffer“ ist auch ideal für Videochats geeignet.

Stadt, Land, Fluss 2.0

Das bekannte Stadt – Land – Fluss ist für viele Kinder nicht so spannend. In der Version 2.0 legt jeder Mitspieler der Reihe nach eine oder mehrere individuell Kategorien fest. Bei Stadt – Land – Tier – You-Tuber – Computerspiel – Musiker – Süßigkeiten, werden die Karten für Kinder und Erwachsene komplett neu gemischt.

Lesen & Vorlesen

Bücher lesen. Geschichten ausdenken. Hörbücher hören. Ob selbst gelesen oder vorgelesen – für eine gute Geschichte ist immer der richtige Zeitpunkt.

Wahrheit oder Pflicht

Entweder reihum oder per Los (z.B. Flaschendrehen) muss der Auserwählte entweder ein unangenehme Frage beantworten oder in die Pflicht gehen und eine lustige Aufgabe erfüllen. Je nach kreativen Ideen der Mitspieler ist das ein sehr unterhaltsames Spiel.

Wer-bin-ich-Spiel

Der Klassiker unter den Party-Spielen ist für alle Generationen geeignet. Auf einen Klebezettel werden Namen einer (prominenten) Person geschrieben (die am besten alle Mitspieler kennen). Danach werden die Zettel bei anderen Spieler auf die Stirn geklebt. Ziel ist es den Namen auf der eigenen Stirn durch Fragen zu erraten, die von den anderen Mitspielern durch „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können. Bei „Ja“ darf weiter gefragt werden, bei „Nein“ ist der nächste in der Reihe dran.

Aktivitäten und Spiele, die sich mit wenig Aufwand realisieren lassen

Picknick im Wohnzimmer

Selbst wenn es draußen regnet, lässt sich ein gemütliche Picknick auch prima im Wohnzimmer genießen. Einfach das Vesper in den Picknickkorb packen, eine Decke auf dem Wohnzimmerboden ausbreiten und schon kann das gemütliche Familienpicknick beginnen.

Improvisiertes Balance Board

Größere Kinder lassen sich durch ein selbstgebautes Balance Board begeistern. Ein rundes Stück Holz (Durchmesser ca. 10 – 15 cm, Länge ca. 40 cm) dient als Mittelstück. Darüber wird ein stabileres Brett gelegt und schon kann das Balancieren beginnen. Anfänger sollten dabei mit Hilfestellung beginnen, denn die ersten Minuten auf dem Brett sind oft sehr wackelig.

Videochat-Konferenz

Soziale Kontakte zu meiden, bedeutet zwar oft, dass Kinder weder Oma und Opa besuchen dürfen, noch mit ihren besten Freunden spielen können. Zum Glück gibt es eine große Auswahl an Videochat Programmen auf PC, Smartphone oder Tablet. Damit lassen sich Freunde wenigstens virtuell besuchen und sogar manche Spiele kann man so gut zusammen spielen (z.B. Schiffe versenken).

Zaubertricks lernen

Es muss ja nicht gleich Houdini oder die Ehrlich Brothers sein. Zaubertricks gibt es viele und einige funktionieren auch ohne zusätzliche Spezialausrüstung. Oft reichen ein paar Karten und viel Übung. Zum Üben ist jetzt viel Zeit und später kann man die Tricks in einer kleinen Zaubershow der Familie präsentieren.

Höhle bauen

Eine große Decke, ein Tisch oder zwei Klappböcke, fertig ist die Spielhöhle. Sie lässt sich im Haus und im Garten schnell einrichten und bietet Kindern einen tollen Spiel- und Rückzugsort von Homeschooling und Alltag.

Spiele & Puzzle

Kartenspiele, Brettspiele, Gesellschaftsspiele und Puzzle sind immer eine gute Gelegenheit, um die Familie für ein bis zwei Stunden spielerisch zusammen zu bringen. Ob Mau Mau, Schiffe versenken, Kniffel oder Mensch ärgere dich nicht – die Auswahl an Spielen ist riesig.

Kochen & Backen

Selbst wenn manche Zutaten teilweise knapp sind, ist kochen mit Kindern immer ein besonderer Spaß. Dabei kommt es auch nicht immer auf das leckerste Ergebnis an, sondern auf viel Spaß beim Ausprobieren. Also ruhig mal die Kinder kreativ werden lassen und probieren, wie ein Gummibärengulasch oder Spaghetti mit Schokostreuseln schmecken. Natürlich sind auch etwas seriösere Gerichte erlaubt.

Knöpfe schnipsen

Auch bekannt als Flohüpfen werden durch Schnipsen mit einem Knopf alle anderen Knöpfe einer bestimmten Farbe in ein Gefäß geschnipst. Je kleiner und höher das Gefäß, desto schwieriger und interessanter wird das Spiel.

Fernseher mit Nachrichtensendung

Ein großer Karton mit Öffnung nach vorne und nach unten oder ein größerer Bilderrahmen aus Holz, schon ist der selbstgebaute Fernseher fertig. Die ausgedachten Nachrichten können News, Interviews, Wettervorhersage und die Ziehung der Lottozahlen enthalten. Nur umschalten dürfen die Eltern dabei nicht.

Silhouetten malen

Mit einer lichtstarken Lampe kann man tolle Silhouettenbilder malen. Das Malpapier wird dabei hinter der Person oder dem Objekt, dass man malen möchte, aufgehängt. So kann man die Außenlinie gut nachzeichnen und das Bild später farbig ausmalen.

Spiele mit Luftballons

Luftballon fliegen lassen, Luftballon Volleyball, Luftballon bemalen, Luftballon Tennis – die Liste aller Spiele mit Luftballons ist so lang.

Curling

Für die eigene Curling-Bahn eignet sich ein glatter Fußboden perfekt. Darauf wird mit Klebeband der Zielbereich kreisförmig abgeklebt. Gespielt wird mit allem was gut rutscht oder rollt. Im kleinen Format kann das Spiel auch super auf dem Küchentisch mit Münzen oder Kronkorken gespielt werden. 

Ostereier bemalen

Ostern steht vor der Tür. Ob klassische Hühnereier ausblasen und bemalen oder in anderer Form Osterschmuck herstellen, um damit Haus, Balkon und Garten zu dekorieren.

Bowling

Fürs Kegeln oder Bowling daheim benötigt man nicht mehr als ein paar improvisierte Kegel, einen Ball und etwas Platz. Leere Chipsdosen oder Plastikflaschen sind als Kegel ideal.

Jonglieren lernen

Es gibt viele Anleitungen und Tipps, um gut jonglieren zu lernen. Richtige Jonglierbälle sind dafür natürlich ideal, aber man kann mit fast allen Gegenständen jonglieren.

Dosenwerfen

Wenn das Volksfest oder der Jahrmarkt nicht stattfinden können, kommen die Klassiker eben in die eigenen vier Wände. Ein Turm aus leeren Dosen oder anderen (nicht zerbrechlichen) Gefäßen sind das Ziel, dass es mit ein paar Würfen abzuräumen gilt.

Indoor Ballsport

Mit etwas Pappe lässt sich super ein kleiner Basketballkorb oder zwei Mini-Fußballtore basteln. Zwei mittelgroße Bergfreunde Kartons werden zu den Toren und das Kinderzimmer zum Spielfeld. Ein kleiner weicher Ball oder ein leichter Ball aus einem Bällebad sorgen für Bewegung und Spielvergnügen. Und dabei sind sogar die Kleinen den Erwachsenen oft überlegen.

Aufwändigere Spiele und Aktivitäten, die mehr Vorbereitung und extra Materialien benötigen

Schmuck basteln

Ob Armband, Halskette oder Diadem. Hübscher Schmuck lässt sich aus den verschiedensten Materialien anfertigen und ist auch ein tolles Geschenk für Omas, Tanten und Geschwister.

Fitness Parcour

Um sich auch Indoor so richtig auszutoben verwandelt sich die Wohnung mit etwas Einsatz in einen aufregenden Hindernisparcour im Ninja Stil. Erst wird das querliegende Sofa überklettert, dann geht es unter dem Tisch durch, an dem zusätzlich Schnüre zwischen den Tischbeinen gespannt sind. Danach wird über ein Brett balanciert, das auf zwei Stühlen liegt und zu guter Letzt muss von abgeklebtem Feld zu Feld gehüpft werden, denn der Boden ist Lava. Der Fantasie sind dabei nur wenig Grenzen gesetzt und bei mehreren Kindern kann daraus ein kleiner Wettbewerb entstehen.

Theaterstück vorführen

Mit etwas Hilfe lässt sich schnell eine kleine Theaterbühne improvisieren. Zusammen mit ein paar abgelegten Faschingskostümen und anderen Accessoires können Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen und ein kleines Theaterstück einstudieren. Danach erfolgt die Vorstellung mit Mama und Papa als Zuschauer. Eventuell lassen sich auch Oma und Opa per Videochat dazuschalten.

Slackline fürs Kinderzimmer

Mit einer Slackrack Halterung oder entsprechenden Befestigungsmöglichkeiten lässt sich im Kinderzimmer schnell eine niedrige und anfängerfreundliche Slackline installieren. Selbst kleine Kinder können darauf mit Hilfestellung ihre ersten Schritte machen.

Kinder gegen Eltern Duell

Bekannte TV-Formate wie „Klein gegen Groß“ oder „Schlag den Star“ machen es vor und sind leicht daheim zu imitieren. Zusammen werden einige Spiele bestimmt, die nacheinander einzeln oder im Team zu absolvieren sind. Ratespiele, Geschicklichkeitsspiele und sportliche Spiele lassen sich so super verbinden und versprechen einen abwechslungsreichen Nachmittag.

Kugelbahn bauen

Ob mit Murmeln, Tennisbällen, Golfbällen oder sogar Fußbällen. Kugelbahnen lassen sich aus allen möglichen Alltagsgegenständen bauen. Das Ziel ist, dass die Kugel oder der Ball ohne Unterbrechung durch die Bahn läuft. Diese kann aus Brettern, Kartons anderen Spielzeugen, Skateboards oder Küchenbrettern bestehen.

T-Shirts bemalen oder batiken

Mit Stofffarben oder Batikfarben können neue und gebrauchte T-Shirts individuell verziert werden. Am besten eignen sich Farben, die nachher fixiert werden können und natürlich helle Stoffe als Basis.

Selbstgemachtes Memory

Memory spielen ist immer ein Spaß für Kinder. Mit etwas Geschick beim Basteln und einem Drucker können Familien ein individuelles Memory mit Pappkarten und aufgeklebten Bildern herstellen. Ob die Gesichter von Familienangehörigen, Urlaubsbilder oder Tierbilder – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Domino Tag

Beim Domino Day werden riesige und aufwändige Bilder aus Domino-Steinen aufgestellt und zu Fall gebracht. Der Domino Tag daheim greift auf fast alles zurück, was sich gegenseitig umwirft. Das können Kinderbücher, Bauklötze oder Lego-Steine sein.

Musikstück einüben und Konzert veranstalten

Wer ein Instrument spielt, hat endlich viel Zeit zum Üben. Wer noch keines spielt, findet im Haushalt sicher ein paar Gegenstände, die den Grundstein für eine Karriere als Musiker legen könnten. Ob Schlagzeug mit Kochtöpfen oder Eimern, Didgeridoo aus einem Holz- oder Papprohr oder die Mundharmonika mit Kamm und Butterbrotpapier. Ein kleines Konzert für die Eltern darf da natürlich nicht fehlen. Vielleicht lässt sich ja auch eine Band gründen und gemeinsam musizieren.

Indoor Mini-Golf

Mit einer Klorolle oder einem Becher als Loch und einem schrägen Stück Karton wird eine kleine Minigolf Bahn gebaut. Ein Tischtennisball oder kleiner Gummiball sind von der Größe ideal und können mit einem improvisierten Schläger (z.B. aus aufgerollter und zusammengeklebter Zeitung) bespielt werden.

Geisterbahn bauen

Wem das Bauen der Höhle zu simpel geworden ist, überlegt im nächsten Schritt vielleicht eine kleine Geisterbahn zu bauen. Mit Decken, die über Stühle und Tische gehängt werden, wird es in der Geisterbahn schön dunkel. Dann kann man überlegen, was man so alles im Inneren platziert, damit es die Geschwister so richtig schön gruselt.

Flohmarkt veranstalten

Schnell wird der Kindertisch zum Warentisch. Schnell noch ein paar Preise überlegen und schon kann die Feilscherei am Flohmarktstand beginnen. Vor allem für kleinere Kinder ein riesiger Spaß.

Indoor Kletterwand 

Wer den nötigen Platz daheim hat, kann mit einer stabilen Holztafel einem Set Klettergriffen von Bergfreunde.de und ein paar Einschlagmuttern eine tolle Kletterwand für Kinder bauen. In der stabileren Ausführung taugt diese auch für Erwachsene sehr gut.

Schach spielen lernen

Ob Online oder klassisch am Schachbrett. Ältere Kinder lernen Schach oft erstaunlich schnell und sind eine ernsthafte Herausforderung für ältere Generationen.

Fingerfarben & Stoffmalerei

Mit Fingerfarben Fensterbilder malen oder sich kreativ auf einem T-Shirt oder alten Bettlaken austoben. Am besten danach das Händewaschen nicht vergessen.

Quiz-Show veranstalten

Das Quiz kann mit Hilfe eines Spiels (z.B. Wer wird Millionär Spiel) oder mit eigenen Fragen gespielt werden. Ein Quizmaster und ein paar Kandidaten haben so eine Menge Spaß.

Küchen- oder Balkon-Kräutergarten anlegen

Lehrreich und nützlich zugleich. Ein paar Pflanzkübel, etwas Erde und die passenden Pflanzensamen – schon bald können die Kids die ersten Sprösslinge bewundern und freuen sich, wenn ihr kleiner Garten wächst und gedeiht. Besonders schnell geht das mit Kressesamen auf der Fensterbank!

Roboter-Kostüm basteln

Mit einem großen Karton als Körper und einem kleineren Karton als Kopf wird mit etwas Geschick und Aufwand ein tolles Roboterkostüm. Es kann von außen individuell beklebt und bemalt werden. Zusätzlich aufgeklebte „Anzeigen“ und „Antennen“ sorgen für echtes R2D2 Feeling.

Nähen, Stricken, Häkeln

Vorhang fürs Kinderzimmer, Mütze, Schal oder Handtasche aus einer alten Jeans. Die Möglichkeiten für kreatives Arbeiten mit Wolle und Stoffen sind unerschöpflich und bieten Raum für jedes Alter und jeder Erfahrungsstufe.

Was es außerdem außerhalb der eigenen vier Wände für Möglichkeiten gibt, erfahrt ihr im zweiten Teil über die Outdooraktivitäten mit Kindern.

Problemfall Mückenstiche – wie kann man sich schützen?

7. April 2020
Tipps und Tricks

Mückenstiche sind nicht nur lästig und jucken, sondern stellen je nach Reisegebiet ein sehr ernstes Gesundheitsrisiko dar. Mehr als 400000 Menschen sterben jedes Jahr an der durch Stechmücken übertragenen Malaria. Dengue-Fieber, Gelbfieber, Zika-Virus, Flussblindheit und West-Nil-Fieber sind weitere schwere Krankheiten, die ernste körperliche Schäden oder sogar den Tod zur Folge haben können. Spätestens jetzt ist klar: mit stechenden Mücken ist keinesfalls zu spaßen!

Warum stechen Mücken und wieso kann man davon krank werden?

Mücke ist nicht gleich Mücke. Mehr als 3600 verschiedene Mückenarten sind weltweit bekannt. Sie sind unterschiedlich groß, haben ein unterschiedliches Aussehen und sind teilweise nachts, am Tag oder in der Dämmerung aktiv. Besonders unbeliebte Exemplare (aus menschlicher Sicht) sind die asiatische Tigermücke, die Gelbfiebermücke oder die asiatische Buschmücke.

Gut zu wissen, dass nur etwa die Hälfte aller Stechmücken überhaupt sticht, nämlich die weibliche Hälfte. Die weiblichen Mücken sind aktiv auf der Suche nach Blut, um sich dadurch mit wertvollen Nährstoffen zu versorgen. Ist die Mücke satt, kann sie in etwa drei Wochen ihre Eier ausbilden und ablegen. Danach beginnt die Blutsuche von vorne.

Mücken orientieren sich am ausgeatmeten Kohlenstoffdioxid und verschiedenen Körperdüften von Menschen, um einen geeigneten „Spender“ zu finden. Je nach „Angebot“ können Mücken dabei recht wählerisch sein und einzelne Personen bevorzugen. Wird die „Auswahl“ an Opfern kleiner, ist die Mücke auch nicht mehr so wählerisch und sticht zu, wo sie satt werden kann.

Schon beim Stich in die Haut betäubt die Mücke mit ihrem Speichel die Wunde. So bemerkt der Gestochene den Stich im ersten Moment nicht und die Mücke hat genügend Zeit für ihr ausgedehntes Festmahl.

Leider liegt das Problem für den Menschen genau in diesem Speichel. Durch ihn können Krankheitserreger, wie Viren, Bakterien und Parasiten, in den menschlichen Körper gelangen und dort in Folge schwere Krankheiten auslösen. Je nach Mücke und Reisegebiet kann die Liste der potenziell übertragbaren Erreger ziemlich lang sein.

Gesundheitsrisiken für verschiedene Regionen abschätzen

Je nach Reiseziel müssen Urlauber, Wanderer, Kletterer und Bergsportler mit unterschiedlichen Mückenarten und Krankheitserregern rechnen. Eine sehr detaillierte Übersicht und sogenannte Mosquito Maps sind beispielsweise auf der Homepage des Robert-Koch-Institituts zu finden. Auch Tropenkliniken und andere Reisemediziner können über die aktuelle Lage und Risiken informieren. Während Reisende im Amazonas zum Beispiel ein hohes Risiko eingehen, mit Dengue Fieber infiziert zu werden, taucht das Zika Virus in dieser Region praktisch fast nie auf.

Schutz vor bestimmten Erkrankungen können durch bestimmte Impfungen und Medikamente erzielt werden. Kommt es zum Mückenstich und zur Infektion lässt sich der Krankheitsverlauf dadurch positiv beeinflussen. Bekannte Maßnahmen zur Prävention sind unter anderem die Impfung gegen Gelbfieber, gegen Dengue-Fieber oder eine Malariaprophylaxe.

Welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, müssen allerdings individuell mit einem kompetenten Arzt abgeklärt werden. Da eine Impfung einen entsprechenden Vorlauf benötigt, bis Antikörper gebildet werden und der Impfschutz wirksam wird, ist es besser sich frühzeitig mit den Gesundheitsrisiken in der ausgewählten Region zu beschäftigen.

Schutz vor Mückenstichen

Das beste Mittel, um sich weder über juckende Stiche, noch über unangenehme Krankheiten ärgern zu müssen, klingt simpel und ist gleichzeitig schwierig umzusetzen: „Man darf sich einfach nicht von Mücken stechen lassen!“

Dafür gibt es ganz verschiedene Mittel und Methoden, die sich auch prima kombinieren lassen, um bestmöglichen Schutz zu garantieren.

Mückenschutz zum Auftragen auf die Haut

Besonders effizient vor stechenden Insekten schützt der Wirkstoff DEET. Das Diethyltoluamid wird als Spray oder Gel auf die Haut aufgetragen und schützt vor stechenden Mücken, Zecken, Bremsen, Läusen, Milben und sogar Tsetsefliegen. Der Geruch von DEET in einer ausreichend hohen Konzentration führt dazu, dass stechende Plagegeister nicht einmal mehr in unmittelbare Nähe der behandelten Körperpartien fliegen und krabbeln. Es stößt sie regelrecht ab. Dafür sollten allerdings alle relevanten Hautpartien gut eingeschmiert oder eingesprüht werden.

Nicht jeder Mensch ist bei Mücken gleichermaßen beliebt, weswegen manche Leute auch mit geringerer Konzentration in ihrer Mückenlotion ausreichend geschützt sind. Aus persönlicher Erfahrung empfehle ich eine DEET Konzentration von 50%. Selbst bei Mückenschwärmen an der finnischen Seenplatte, die eher an eine schwarze, blutsaugende Wolke erinnern, prallen die Mücken wie an einem unsichtbaren Schutzschild ab. Auch die Einheimischen schützen sich dagegen übrigens erfolgreich mit einer 50% DEET Mixtur.

Je nach Präparat sollte der Mückenschutz nach etwa 7 bis 14 Stunden immer wieder aufgefrischt werden. Da es bei manchen Menschen zu leichten Hautreizungen führen kann, sollte DEET nicht bei kleinen Kindern (unter 2 Jahren) und Babys angewandt werden. Auch im Gesicht ist Vorsicht geboten, denn wenn man sich aus Versehen den Schweiß vom Gesicht und die Mixtur in die Augen reibt, kann es etwas reizend wirken und ein Brennen in den Augen zur Folge haben.

Es gibt verschiedene Alternativen zu DEET, die teilweise hautfreundlicher sind und auf andere Wirkstoffe setzen. In Gebieten, in denen es Outdoorsportler mit „normalen“ Mücken zu tun haben, die zwar stechen, aber keine schlimmen Erreger transportieren, ist das eine gute und hautfreundliche Option. Bei 50% DEET kann man sich allerdings sehr gut auf den Schutz verlassen und dank guter Abwehr von Zecken sind Wanderer, Camper und Kletterer doppelt gut geschützt.

Mückenschutz durch stichfeste Kleidung

Die Auswahl der Garderobe beeinflusst auch die Mücken. Mücken landen gerne auf dunklen Flächen. Durch enganliegende Kleidung stechen sie mühelos bis in die Haut. Wer also auf helle und nicht zu enge Bekleidung mit langen Beinen und Ärmeln setzt, macht es für die Mücken schon schwieriger. Verschiedene Outdoorhersteller bieten stichfeste oder stichdichte Hemden, Hosen, Socken und Shirts an. Spezielle Techniken bei der Verarbeitung der Textilfasern ermöglichen diesen dauerhaft wirksamen Effekt.

Besonders effizient ist die Kombination von stichfester Bekleidung und einem DEET Spray auf Haut und Kleidung. So kommen die Mücken in der Regel gar nicht in die Nähe und falls doch, finden sie nur wenig Fläche zum Stechen.

Kopf, Hals und Hände sind in der Regel die Körperpartien, die sich am schwierigsten gegen Mückenstiche schützen lassen. Ein Tropenhut mit integriertem Moskitonetz, stichfestem Gewebe und zusätzlich etwas DEET Spray ist für Hochrisikogebiete die perfekte Wahl. Stabile und stichdichte Handschuhe sorgen für den nötigen Stichschutz der Hände.

Mückenschutz durch Moskitonetze und Moskitofallen

Ein Moskitonetz über Bett oder Hängematte gehört in tropischen Gebieten zur Standardausstattung und bietet nachts zuverlässigen Schutz vor stechenden Plagegeistern. Auch Moskitogitter an den Fenstern sind sehr praktisch, vor allem für alle, die gerne mit offenem Fenster schlafen.

Außerdem setzen viele in ihren Häusern zusätzlich auf elektrische Moskitolampen, die auch als UV Insektenvernichter oder Moskito Killer angepriesen werden. Tatsächlich orientieren sich die Moskitos aber kaum an der UV Strahlung, sondern an der Atmung, CO2 Konzentration und am Geruch ihrer „Wirte“. Die UV-Lampe „grillt“ stattdessen jedes andere (und oft harmlose) Insekt.

Natürlicher Mückenschutz aus pflanzlichen Rohstoffen

Der vielleicht bekannteste Mückenschutz beim Camping und Outdoor-Abenteuern ist Citronella. Das Citronella-Öl wird aus Zitronengras gewonnen und findet als Spray, Creme, Duftkerze oder Fackel Verwendung. Von Citronella-Fackeln und Kerzen lassen sich vielleicht nicht 100% der Mücken abhalten, aber der Effekt ist deutlich sichtbar und die Anzahl der gierigen Blutsauger nimmt spürbar ab.

Einige andere Pflanzen und daraus gewonnene ätherische Öle, wie Teebaum, Salbei, Lavendel oder Bergamotte werden als Mückenschutz angeboten. Den stärksten nachweisbaren Effekt erzielt jedoch Citronella. Auch wenn manche Menschen mit natürlichem Moskitoschutz individuell gute Resultate erzielen, lässt sich davon keine allgemeine Empfehlung ableiten. In Gebieten mit hohen gesundheitlichen Risiken sollte Citronella deshalb nur als Ergänzung dienen.

Mückenschutz für Kinder, Babys und Schwangere

Leider ist das wirksamste Repellent gegen Mücken auch nicht 100% unbedenklich. Da diese Mittel in der Regel nicht dauerhaft angewandt werden, ist das Risiko für die Haut und durch die aufgenommenen Stoffe allerdings eher überschaubar. Anders sieht es jedoch bei kleinen Kindern, Babys und Schwangeren aus. Deshalb ist es besser in diesen Fällen auf die Anwendung von DEET zu verzichten.

In Regionen ohne hohes Infektionsrisiko schlafen Kinder am besten mit einem Moskitonetz über dem Kinderbett. Auch für den Kinderwagen gibt es oft entsprechende Netze und Abdeckungen. Wenn möglich sollten Risikogebiete während der Schwangerschaft und im Kleinkindalter schlichtweg komplett gemieden werden.

Wem dies absolut unmöglich erscheint, kann eventuell in Absprache mit dem Kinderarzt über die Anwendung mit Citronella oder einer schwächer dosierten DEET Variante nachdenken. Auch schwangere Frauen sollten in den ersten Monaten der Schwangerschaft lieber auf DEET verzichten und stattdessen auf weniger wirksame Naturprodukte ausweichen.

Wenn’s passiert ist – erfolgreiche Behandlung von Mückenstichen

Bei Mücken, die keine gefährlichen Erreger in sich tragen, führt ein Mückenstich meist zu einer geröteten Schwellung um die Stichstelle, die zudem unangenehm juckt. Gegen Juckreiz und Schwellung ist Kühlung hilfreich. Viele Salben und Anti-Stitch Stichheiler haben ebenfalls einen kühlenden und zusätzlich einen desinfizierenden und antibakteriellen Effekt.

Das oft verwendete Fenistil und andere Produkte setzen auf den antiallergisch wirkenden Stoff Dimetindenmaleat. Er eignet sich auch für die Nachbehandlung von anderen Insektenstichen, wie Bienen- oder Wespenstichen und kommt auch bei juckenden allergischen Ausschlägen und Windpocken zum Einsatz.

Selbst wenn ein Mückenstich unglaublich jucken kann, sollte man vor allem eines nicht tun: kratzen! Durch das Aufkratzen der Stiche können diese sich entzünden und werden dadurch erst recht schmerzhaft. Zur Behandlung solch entzündeter Stiche eignen sich beispielsweise Präparate, die den Wirkstoff Hydrocortison enthalten.

Als Hausmittel bei Mückenstichen können Aloe Vera, Spitzwegerich oder eine Kompresse mit Essigwasser empfohlen werden. Auch eine frisch aufgeschnittene Zwiebel auf der Stichwunde lindert den Juckreiz und wirkt zudem desinfizierend.

Normalerweise lässt das Jucken bald nach und die roten Schwellungen verschwinden innerhalb weniger Tage. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn nach einer Reise in einem Risikogebiet und dort erfolgten Mückenstichen, Anzeichen einer tropischen Krankheit, wie Malaria oder Dengue-Fieber spürt.

Wer nach einer solchen möglichen Ansteckung unter grippeähnlichen Symptomen, Fieber, Gliederschmerzen, Erbrechen oder Durchfall leidet, sollte nicht lange zögern und sich direkt im nächsten Institut für Tropenmedizin untersuchen und gegebenenfalls behandeln lassen.

Back‘ dir ein Bergbrot!

30. März 2020
Tipps und Tricks

Deutschland im März 2020. Der Corona-Virus hält die Welt in Atem und wie viele andere Menschen verbringst du gerade sehr viel Zeit in den eigenen vier Wänden. Deine Bücher hast du schon alle durch und Netflix kennt deine Vorlieben inzwischen besser als dein Partner. Es ist dringend Zeit, für ein bisschen mehr Abwechslung! Wie wäre es zum Beispiel mit Brotbacken? Hier kommt das Rezept für unser leckeres Bergbrot!

Brot? Ihr seid ja witzig!

Ja, wir wissen natürlich was dir jetzt im Kopf herumschwirrt: Hefe und Mehl – wo soll ich das denn jetzt her bekommen? Kleiner Tipp: Geh doch mal zu deinem Bäcker um die Ecke und frag dort nach. Meist haben die Bäcker von Beidem genug und freuen sich über zusätzlichen Umsatz. Aber immer gebührenden Abstand halten! Oder du machst die Hefe einfach selbst.

Unser Bergbrot „Dinkel Extrem“: Das Rezept!

Bevor du in der heimischen Backstube richtig loslegen kannst, braucht es natürlich erstmal ein paar Zutaten. Für das Bergbrot brauchst du:

Zutaten (für 1 Brot a 750 gr.)

Kochstück:

90 gr. Dinkelmehl (Type 630)

Hauptteig:
350 gr. Dinkelmehl (Type 630)
90gr. Sonnenblumenkerne
13 gr. Salz
10 gr. Hefe

Vor- und Zubereitung

Für das Kochstück einfach 245 gr. Wasser zum Kochen bringen. Topf vom Herd nehmen. Das Dinkelmehl dazugeben und schnell mit einem Schneebesen unterrühren. Alles dann über Nacht zugedeckt abkühlen lassen.

Für den Hauptteig wird das Kochstück mit den anderen Zutaten mit 140 gr. kalten Wasser in eine Rührschüssel gegeben (am besten mit einer Küchenmaschine, sonst gibt es gleich ordentliches Oberarmtraining für die Kletterer unter uns :-)). Alles 10 Min ordentliche kneten lassen. Bei Handarbeit darf es durchaus etwas länger sein.

Den fertigen Teig für zwei Stunden bei Raumtemperatur zugedeckt ruhen lassen, dabei alle 30 Min. den Teig einmal zusammenfalten. Anschließend den Teig über Nacht abgedeckt im Kühlschrank reifen lassen.

Am nächsten Tag holst du den Teig aus dem Kühlschrank und lässt ihm zwei Stunden bei Raumtemperatur aufwärmen. Nach weitere eineinhalb Stunden schmeißt du den Backofen mit Ober-/Unterhitze auf 260 Grad zum Vorheizen an.

Wer einen Pizzastein hat, gerne auch rein damit. Ansonsten geht es auch auf dem normalen Backblech. Nach dem Aufwärmen des Teiges formst du mit nassen Händen (kaltes Wasser, da der Teig recht feucht ist) den Teig zu einer schönen Kugel.

Ab damit aufs Backpapier und den Teig noch zehn Minuten entspannen lassen.

Jetzt wird gebacken! Das Backblech aufs untere Einschubfach stellen und unten in den Ofen mit einer Schöpfkehle etwas Wasser rein kippen. Den Ofen danach direkt schließen! Das sogenannte „dampfen“ sorgt für eine tolle Kruste. Wecker auf 60-70 Min einstellen. Nach 10 Min reduzierst du die Temperatur auf 210 Grad.

So langsam duftet die ganze Wohnung nach frischem Brot. Alles richtig gemacht.

Nach der Backzeit holst du das Brot aus dem Ofen und prüfst, ob es gut durch gebacken ist. Die Kruste schmierst du zuletzt mit einem Backpinsel mit etwas Wasser ein.

Fertig ist ein sauleckeres Brot. Dauert mit Zubereitung zwar etwas länger, aber es lohnt sich. Zeit haben wir ja aktuell genug :-)! Wer auf Vorrat backen will, kann auch gerne mehrere Laibe backen und diese dann in einem Gefrierbeutel einfrieren.

Verzehrtipp: Nach dem Abkühlen direkt anschneiden und schon mit Butter alleine ist es ein Gedicht! Und unser Brot macht sich natürlich prima als Gipfelvesper – sobald wir wieder in die Berge dürfen.

Berg-Feeling daheim: Wie bringt man die Berge ins Wohnzimmer?

24. März 2020
Tipps und Tricks

„In die Berge gehen heißt nach Hause gehen“, lautet eines der berühmten Zitate von John Muir. Der große Entdecker, Erfinder und Begründer des amerikanischen Naturschutzes verewigte es in einer Serie von Berichten, die 1875 im San Francisco Daily Evening Bulletin unter dem Titel „Summering in the Sierra“ erschien.

Ob er sich hätte vorstellen können, dass wir das Ganze etwa 150 Jahre später für mindestens einige Wochen quasi umkehren? Dass wir eben gerade zuhause bleiben, um nicht die Möglichkeit zu verspielen, später wieder in die Berge zu gehen? Wahrscheinlich wäre ihm das reichlich verrückt vorgekommen.

Vollkommen Zuhause bleiben?

Meine momentane Ansicht entspricht dem, was der Deutsche Alpenverein aktuell (Stand 22.3.) zur Lage sagt: Bergtouren auf keinen Fall, vor die Tür und an die frische Luft gehen aber durchaus. Letzteres ist nämlich möglich, ohne die konsequente Einhaltung der „Spielregeln“ zu gefährden. Diese bestehen, wie hoffentlich jeder weiß, aus folgenden zwei Punkten:

1) keinerlei Verletzungsrisiko eingehen, welches im Fall des Falles Rettungskräfte und Helfer binden könnte. Bewegt man sich auf flachen und breiten (Forst)Wegen in Umgebungen, die man überschauen kann, sollte das Unfallrisiko nicht höher sein als zuhause beim Erklimmen einer Treppe.

2) nur allein gehen oder, wenn nicht vermeidbar, in kleinstmöglichen Gruppen nur mit Menschen aus der eigenen häuslichen Gemeinschaft.

Wäre es nicht verantwortungsbewusster, volle „Quarantäne“ einzuhalten und die eigenen Vier Wände überhaupt nicht zu verlassen? Meiner Meinung nach nicht, denn „An die frische Luft zu gehen ist wichtig, um gesund und fit zu bleiben“, wie DAV-Präsident Josef Klenner sagt. Ich denke sogar, dass es umgekehrt gesundheitsgefährdend ist, wenn man es mit dem „Verbarrikadieren“ auf die Spitze treibt. Bewegungsmangel schwächt das Immunsystem genauso wie Frischluftmangel und der Stress des „Lagerkollers“.

Soweit meine Einschätzung nach bestem Wissen und Gewissen. Irgendeine Gewähr kann dafür natürlich nicht gegeben werden. Auch und gerade in der Krise sollte jeder Einzelne sich eigenverantwortlich informieren und den gesunden Hausverstand mindestens auf Normalbetrieb weiterlaufen lassen.

Was kann man jetzt noch machen?

Für Bergfreunde mit Bewegungs- und Frischluftdrang ist diese Zeit eine besondere Geduldsprobe – verschärft durch den Frühlingsbeginn, an dem sich der Drang nach draußen besonders stark meldet. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass es vorerst bei spätwinterlichen Temperaturen bleibt. Die Suche nach „Ersatzbefriedigung“ und „Beschäftigungstherapie“ ist akut. Doch bevor wir uns die Möglichkeiten anschauen, will ich noch eine Zwischenfrage einwerfen.

Zwischenfrage: Alpine Nikotinpflaster oder „Cold Turkey“?

Ob Alpenvereine, Zeitschriften oder Onlineportale: an Tipps für „Ersatzdrogen“ für Bergfreunde auf Höhenluft-Entzug mangelt es nicht. Beim Bergsteiger-Magazin heißt es: „Damit die vorübergehende Trennung von der Bergwelt aber nicht allzu schwer fällt, gibt es mehrere digitale Möglichkeiten, um sich auch in solchen Zeiten die Berge in die eigenen vier Wände zu holen.“

Naja, es gibt nicht nur mehrere, sondern unzählige Möglichkeiten dazu. Die Frage, die aber niemand dabei stellt: Macht das (alpine) Nikotinpflaster die Trennung von den Glimmstengeln (Bergen) wirklich leichter? Oder schüren digitale Berge nicht noch viel mehr Sehnsucht und lassen uns den „Entzug“ nur noch mehr spüren?

Sollten wir uns wirklich den virtuellen und geistigen Ersatzbergen und Imaginationsfelsen zuwenden? Oder sollten wir es nicht „einfach“ ganz bleiben lassen und uns mit völlig anderen Dingen beschäftigen? Das wäre dann der „Cold Turkey“, der kalte Bergentzug, das Ende mit Schrecken. Es kursieren schließlich auch jede Menge Internetbotschaften, dass wir uns jetzt den inneren Werten, den Beziehungen zu unseren Nächsten und anderen sonst gern vernachlässigten Dingen zuwenden dürfen.

Eine Antwort habe ich auf diese Zwischenfrage ehrlich gesagt auch nicht. Je nach Person mag das eine oder das andere besser sein. Und da wir nur Vorschläge für das „alpine Methadon“, also die virtuelle und eingeschränkte Bergbeschäftigung Vorschläge haben, gehen wir voll auf die erste Option: klebt die Nikotinpflaster auf und nehmt einen kräftigen Schluck aus der Gebirgsmethadonpulle!

Daheim in die Berge, die Berge nach daheim

Wie stellt man es nun an, dass die Berge ins Wohnzimmer kommen? Oder man das Wohnzimmer in die Berge versetzt? Hier fällt mir erstmal nicht viel ein, außer ein paar Blödel-Wortschöpfungen wie Indoorbergsteigen, Dahoamwandern, Domestic-Mountaineering, Armchair-Adventuring oder Treppen-Trekking. Ansonsten bin nicht so der große Hashtagger, Aktionskünstler oder Challenge-Erfinder.

Da hat Bergfreund Jörn mir einiges voraus, wie er kürzlich eindrucksvoll für die facebookenden Bergfreunde bewies. Ich hätte jedenfalls nicht gewusst, wie man mithilfe zweier Blackrolls und eines Flatscreens im Wohnzimmer auf Skitour geht. Falls ihr das jetzt auch wissen wollt: einfach auf Facebook gehen und die Bergfreunde abonnieren ;-)

Von Jörn stammen auch weitere Vorschläge wie: Hüttenessen nachkochen, die Wohnung mit Bildern und Postern dekorieren, den Bildschirmhintergrund alpin gestalten oder sich mit dem Alpenpanorama in 3Sat vergnügen (ich wusste gar nicht, dass es das noch gibt ;-).

Wer noch höher hinaus will, kann sich auch die Space Night auf BR zu Gemüte führen (ja, auch die gibt es noch :-D). Auch wenn ich jetzt nicht weiß, ob das Weltall hier noch zum Thema gehört.

Doch bevor es jetzt durcheinander geht mit den Vorschlägen, wird jetzt mit Zwischenüberschriften Ordnung reingebracht:

Körper und Geist fit halten

Fein raus ist, wer das Laufen, Radeln und Klettern einfach daheim fortsetzen kann – mit Hometrainer, Laufband, Griffboard und Klimmzugstange. Wenn jetzt noch ein großer Screen mit coolen Outdoorfilmen im Blickfeld ist, kann die Illusion schon richtig gut funktionieren.

Doch es geht auch komplett ohne Geräte und kostspieligen Aufwand. Detaillierte Anregungen dazu finden sich im Basislager-Artikel über das Klettertraining zuhause. Weitere Tipps für Erhalt und Steigerung der Berg-Fitness unter den gegebenen Einschränkungen wie beispielsweise die sechs Ganzkörperübungen bei Bergwelten.com gibt es auf fast allen einschlägigen Magazinen, Blogs und Portalen.

Doch hier heißt es aufpassen und vorsichtiger zu Werke gehen als normalerweise. Denn wir wollen doch nicht wegen eines beim chinesischen Liegestütz gezerrten Nackenmuskels den Arzt rufen…

Wenn der Körper seinen Auslauf bekommen hat, ist der Geist an der Reihe. Jetzt lassen sich alpine Kenntnisse auffrischen und Lücken in der Outdoortheorie schließen. Das Basislager hier ist dafür übrigens eine reichlich sprudelnde Quelle. Einfach mal ein bisschen stöbern und inspirieren lassen …

Oh, und bei der Gelegenheit fällt mir doch noch die eine oder andere Challenge ein:

  • Wer baut den sichersten Standplatz zwischen Heizung und Küchenschrank?
  • Wer schafft die schnellste Spaltenbergung aus dem Keller?
  • Wer erfindet die blödsinnigste Challenge von Allen?

Aber Vorsicht, auch hier kein Übereifer! Zerstört nicht eure Einrichtung und zieht euch keine Verletzungen zu ;-)

Touren planen

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Zumindest glaubt und hofft niemand, dass wir uns die Touren auf Dauer abschminken müssen. Vielmehr hoffen wir, dass sich nach dem 19. April die harten Maßnahmen ausgezahlt haben und gelockert werden können. Deshalb dürfen wir durchaus die Vorfreude hochhalten und uns jetzt auf „die Zeit danach“ einstimmen.

Dann, wenn wir mit einem Jubelschrei dem ersten echten Gipfel entgegen stürmen, ein echtes Boulderproblem lösen und einen echten Trail Vollgas downhillen. Hier im Basislager gibt es dafür jede Menge Planungshilfen, egal ob für die frühsommerliche Ski(hoch)tour, die Reise in ferne Länder oder die alpinen Berge.

Aber auch mal entspannen

Für Entspannung ist jetzt die ideale Gelegenheit. Zumindest braucht man jetzt weniger denn je ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man sich mal schön auf dem Sofa lang macht, eine Massage gibt/bekommt und sich mit „Bergluft für daheim“ aus ätherischen Ölen von Zirben und Wacholder versorgt.

Oder sich anderweitig was Gutes tut, indem man sich das Deo für die nächste Bergtour schonmal selber mischt. Ich halte ein Deo auf Bergtour zwar nicht gerade für essentiell, doch die Kollegen von Bergwelten.com sorgen sich eben auch um die Mitmenschen, die es auf der Hütte oder in der Quarantäne dicht neben uns aushalten müssen.

Bei Bergwelten gibt es sehr viele weitere Do-it-Yourself-Tipps, die man größtenteils mit Zutaten umsetzen kann, an die man auch zurzeit beim eingeschränkten Einkauf herankommt. Eine ganze Kategorie ist den Rezepten für alpine Gaumenfreuden gewidmet, meist Deftiges wie Kaspressknödel, aber auch Süßes wie der Südtiroler Polentaschmarrn. Und da es zurzeit auch nochmal winterlich abkühlt, ist ein selbstkredenztes Badesalz namens „Waldbad“ auch keine schlechte Idee.

Filme schauen

Sowohl entspannend als auch motivierend kann die eine oder andere Filmsession wirken. Eine gute Sammlung an Tipps hat der DAV in diesem Artikel. Eine – wie ich als Autor finde – noch bessere und garantiert diverse Abende füllende Sammlung gibt es hier im Basislager ;-). Und wenn Filme nicht reichen, gibt es natürlich weitere Digitalbespaßungen wie beispielsweise die virtuelle virtuelle Extremklettertour auf den El Capitan im kalifornischen Yosemite Valley.

Filme drehen

Besser als das passive Konsumieren soll ja das eigenständige Kreieren sein. Deshalb hier der Aufruf an alle daheim festsitzenden Gipfelstürmer: Kamera ausgepackt und umwerfende Studio-Bergkulissen mit beschränktesten Mitteln kreiert! Und dann hinein damit in die sozialmedialen Kanäle! Je nach Beteiligung wird das Netz dann richtig glühen. Ob damit nicht gleich der nächste Ausnahmezustand herbeigeführt wird, kann ich nicht abschätzen. Deshalb wird jede Gewähr und Haftung aus dieser Anregung entschieden abgelehnt ;-)

#Stayathome als Dauerlösung: die Schreibtischbergsteiger

Wir wollen es ja nicht heraufbeschwören, aber für den Fall, dass unser Stubenarrest länger dauert, sollten wir uns schon mal den Hashtag #Stayalittlelongerathome reservieren. Es gibt da nämlich eine ganz besondere Bergsteigerspezies, die sich selbst Schreibtischbergsteiger oder auch Sitzbergsteiger nennt.

Ein Bergexperte, der diese Disziplin meisterhaft konsequent seit vier Jahrzehnten betreibt, ist der Lörracher Alpinchronist Eberhard Jurgalski. Jurgalski „ist ein deutscher Berg-Chronist und Buchautor. Er ist hauptsächlich bekannt für das Sammeln von Informationen, die sich auf die Achttausender (…) und ihre Besteigungen beziehen.“

Er selbst sieht sich als „autodidaktischen Geowissenschaftler“ und „Kartenfreak“. Von den Medien wurde er unter anderem als „Karl May der Berge“ betitelt. So wie der berühmte sächsische Abenteuerautor nie den wilden Westen betrat, hat Jurgalski vermutlich nie einen höheren Berg als den 460 Meter hohen Tüllinger Berg bei Lörrach erklommen. Diese Bergbeziehung funktioniert also rein platonisch.

Kein Anfassen und – was den Himalaya angeht – auch kein direkter Blickkontakt. Dafür funktioniert sie seit 1980 und steht damit unmittelbar vor der goldenen Hochzeit. Das sollten sich „normale“ Bergverrückte mal vergegenwärtigen, wenn sie den Zärtlichkeitsentzug mit echten Gipfeln, Graten und Felsen jetzt für gerade mal einen Monat durchhalten müssen.

Einen zweiten Online-Bergverrückten mit spezieller 8000er-Zuneigung findet man hinter der wohl informativsten und bestbebildertsten Himalaya-Website im deutschsprachigen Raum: Himalaya-info.org.

Er hört auf den Namen Günter Seyfferth und will mit seiner Website „ein möglichst umfassendes Bild von den Bergen des Himalaya vermitteln, von der Topografie dieser phantastischen Bergwelt sowie von der spannenden Geschichte der Erschließung und der Besteigungen.“

Der pensionierte Unternehmer Seyfferth beschreibt sich selbst als „Schreibtischbergsteiger“ und hat noch nie selbst einen Fuß in den Himalaya gesetzt. Allerdings ist er nicht ganz so konsequent bergabstinent wie sein Kollege Jurgalski, sondern immer gern zum Wandern unterwegs.

Himalayaexperte werden

Sowohl Jurgalskis Seite 8000ers.com als auch Himalaya-info.org sind derart detailliert, tiefgehend und umfangreich, dass man sich über mehrere Quarantänewochen damit beschäftigen kann. Und zum Gebietskenner im Himalaya und – mindestens genauso interessant – Karakorum aufsteigen kann.

Diese Gebirge sind sowieso ideale Online-Träumereiobjekte, denn sie sind einerseits nah genug, dass wir uns beim Träumen immer auch einreden können, sie eines fernen Tages selbst zu erreichen, andererseits weit genug weg, dass wir sie wunderbar schwärmerisch-exotisch verklären können.

Oder gleich Neulandforscher

Mit Google Earth, diversen Kartentools und (Bilder)Suchmaschinen kann man zwar nichts entdecken, was nicht schon vom Satelliten eingefangen wurde, doch womöglich kann man auf die (tatsächlich noch existierenden!) unbetretenen Gipfel, Täler und Massive stoßen, die es in Zentralasien, China, Tibet und Südamerika nach wie vor zu entdecken gibt.

Nähert man sich solch schier unermesslichen Gebirgen wie dem Pamir, dem Tien Shan, dem Transhimalaya und dem Karakorum, kann man sogar daheim vor dem Rechner ab und zu einen Hauch von Pionierzeit spüren.

Wer mehr als nur einen Hauch sucht, kann auch gern das gigantische und außerhalb Chinas vollkommen unbekannte Hengduan Shan zwischen Tibet und Myanmar durchforsten. Insgesamt stehen in diesem wilden Gebirgsmix noch um die 30 unbestiegene Siebentausender(!) herum …

Auch in dem endlosen Gewirr aus Gipfeln und Gletschern in Patagonien gibt es noch einige aberwitzig steile und abgelegene Berggestalten, die nicht nur unbestiegen sind, sondern auch kaum je von eines Menschen Auge erblickt werden.

Man kann das Ganze nochmals steigern, indem man sich den sprichwörtlich weißen Flecken der Antarktis zuwendet. Doch das liegt womöglich schon wieder derart weit vom erreichbaren Erfahrungshorizont des Durchschnittsbergfreunds, dass sich keine rechte Faszination entwickeln will. Wenn doch, umso besser, Antarktisforscher an die Tastaturfront!

Fazit

Das Bergsteiger-Magazin fasst die Lage gut zusammen: „Zwar ersetzen diese virtuellen Erlebnisse nicht das „reale“ Gipfelglück – doch vorerst sind vor allem Geduld und Solidarität gefragt. Eines ist jedoch gewiss: die Zeit für Bergtouren wird wieder kommen. Und dann wird es umso schöner sein, wieder auf den echten Gipfeln zu stehen.“

Ergänzen würde ich noch, dass trotz der ernsten Herausforderung dieser Tage neben Geduld und Solidarität auch der Spaß nicht aussetzen sollte. Der ist bekanntlich auch während einer Krise gesünder als ununterbrochenes Grübeln und Grämen.

Blauer Zehennagel – schmerzhaft für Wanderer und Trailrunner

16. März 2020
Tipps und Tricks

Das Symptom tritt meistens bei längeren Wanderungen in Wanderschuhen, Bergschuhen oder Trekkingstiefeln oder nach langen Laufeinheiten mit Running- und Trailrunningschuhen auf. Oft ist einer der großen Zehen oder manchmal sogar beide gleichzeitig betroffen. Die Rede ist vom blauen Zehennagel – ein Nagel, der wie ein blauer Fleck aussieht – nur dass sich der blaue Fleck eben direkt unter dem Nagel befindet.

Blauer Nagel aus medizinischer Sicht

Die medizinische Fachsprache bezeichnet den blauen Fußnagel als „Subunguales Hämaton“, also ein Bluterguss unter dem Nagel. Ein Subunguales Hämatom kann entweder an einem der Fingernägel oder einem der Fußnägel auftreten.

Oft ist dafür ein Schlag oder Einklemmen die Ursache. Wer schon einmal mit dem Hammer sein Ziel verfehlt hat, den Finger in der Tür eingeklemmt hat oder sich eine Flasche auf den Fuß fallen ließ, wird sich vermutlich noch lebhaft an den stechenden Schmerz und die daraus resultierende Verletzung mit blauem Nagel erinnern.

Plötzliche oder schleichende Verletzung

Bei robusten Wanderschuhen ist es fast unmöglich die Zehen derart einzuklemmen oder anzustoßen, dass sich ein solches Hämatom bildet. Auch Trailrunningschuhe sind meistens mit verstärkter Zehenkappe ausgestattet. Das Risiko sich beim Trailrunning einen Nagel blau zu schlagen ist jedoch generell höher, denn der Trailrunningschuh bietet weniger Schutz als ein Wander- oder Bergschuh und Trailrunner sind zudem schneller im Gelände unterwegs.

Im Gegensatz zu einer plötzlichen Verletzung durch einen Stoß können blaue Zehennägel auch durch stetige Erschütterungen und ständiges Reiben entstehen. Wer beispielsweise beim Bergablaufen dauernd mit den Zehen an der Innenseite der Fußspitze anstößt, läuft mit jedem Schritt in Richtung blauer Nagel.

Da die Verletzung in dieser Form allerdings schleichend voranschreitet und viele kleine Einblutungen am Ende des Tages zu einem großen blauen Nagel wachsen, sind Outdoorsportler bei einer schleichenden Verletzung eher überrascht, wenn sie nach der Wanderung ihren schmerzenden Zehen von den Wanderstiefeln befreien.

Welche Faktoren können zum „blauen Nagel“ beim Wandern und Trailrunning führen?

Zu einer schleichenden Verletzung und letztendlich zu einem blauen Nagel kommt es meistens durch eine Kombination der folgenden Umstände. Manchmal genügt dafür sogar ein einziger Auslöser.

Unpassende Schuhe

Wer beim Wandern oder Trailrunning bei jedem Schritt mit den Zehen vorne am Schuh anstößt, trägt meistens schlichtweg zu kleine Schuhe. Nicht umsonst wird Outdoorsportlern beim Schuhkauf empfohlen, diese in verschiedenen Größen zu testen, mit den passenden Sportsocken anzuprobieren, sie abends zu tragen, wenn die Füße am Ende des Tages tendenziell am größten sind und die Schuhe ruhig eine halbe Stunde oder sogar länger an den Füßen zu tragen.

Schuhe, die zu klein, zu groß, zu schmal oder zu breit sind lassen den Fuß im Schuh anstoßen, rutschen oder „schwimmen“. Neben schmerzenden Zehen, Füßen und Beinen kann dadurch auch ein Subunguales Hämatom die Folge sein. Neue Schuhe müssen meistens erst ein paar Tage eingelaufen werden, bevor es schmerzfrei auf anstrengende Tageswanderungen oder mehrtägige Touren geht.

Falsche Schnürung

Der beste Wanderschuh oder Runningschuh nützt wenig, wenn er nicht optimal geschnürt ist. Knöchelhohe Wanderschuhe und Trekkingstiefel sind in der Regel mit einer 2-Zonen-Schnürung ausgestattet. Das bedeutet, dass der untere Bereich der Schnürung am Spann und der Bereich oberhalb des Knöchels unterschiedlich fest geschnürt werden können.

Ein „klemmender“ Haken zwischen den beiden Bereichen ermöglicht individuelles Schnüren. Von dieser Möglichkeit sollten Wanderer immer Gebrauch machen und den Schuh so schnüren, dass der Fuß nicht oder nur kaum nach vorne rutschen kann. Daher macht es auch Sinn den Schuh im Tagesverlauf immer wieder an das Gelände (z.B. Anstiege & Abstiege) und die Situation anzupassen.

Zu lange Strecken

Je länger die Laufstrecke, desto mehr Schritte machen Wanderer und Trailrunner. Wenn bei jedem Schritt die feinen Gefäße am Fußnagel ein kleines Stück mehr strapaziert werden, sollten zumindest alle anderen Faktoren die zum blauen Nagel führen können möglichst ausgeschlossen werden. Mit passenden Schuhen, richtigen Socken und angepasster Schnürung sind beste Voraussetzungen für lange Wanderungen und Laufstrecken geschaffen.

Unpassende Socken

Was für die Schuhe gilt, lässt sich natürlich auch auf Wandersocken, Trailrunningsocken und Multisportsocken übertragen. Sie müssen einfach passen, dürfen nicht verrutschen und im besten Fall schützen sie mit entsprechenden Verstärkungen die Zehen, den Ballen und die Ferse. Blaue Nägel und auch Blasen an den Füßen lassen sich dadurch prima verhindern.

Falsche Fußpflege

Am besten läuft es sich in Wanderschuhen und Laufschuhen mit kurz geschnittenen Zehennägeln. Bei zu langen Nägeln steigt nicht nur die Gefahr für einen schmerzhaften blauen Nagel, zusätzlich verstärkt sich auch die Möglichkeit, dass der Nagel sich auch noch teilweise oder ganz ablöst. Das ist dann wirklich gar nicht mehr angenehm.

Was kann man gegen den blauen Nagel machen?

Wer nach einer Wanderung oder Laufeinheit Schmerzen am Nagel verspürt und daraufhin feststellt, dass der Nagel bereits blau unterlaufen ist, sollte den Fuß zunächst ruhigstellen, hochlegen und kühlen. Natürlich ist es nicht hilfreich, den gleichen Schuh in nächster Zeit wieder zu tragen. Besser ist es einen offenen Schuh (z.B. eine Trekkingsandale) zu wählen, bei dem die Zehen nirgends anstoßen und der Zeh gut belüftet wird.

Falls der Nagel sich ganz oder teilweise vom Nagelbett gelöst hat oder im Verlauf löst, könnte das Risiko einer Infektion bestehen. Die dabei entstehende Wunde muss fachgerecht versorgt werden. Wer sich dabei unsicher ist, sollte lieber seinen Hausarzt aufsuchen.

Auch wenn die Schmerzen zu stark werden, kann der Arzt Abhilfe schaffen. Mit eine sogenannten „Trepanation“ kann er den Druck auf den Nagel verringern und zum schnelleren Abheilen des Blutergusses beitragen. In jedem Fall muss dringend verhindert werden, dass sich das Nagelbett entzündet, denn das wird dann erst recht schmerzintensiv.

Wie lange braucht der blaue Nagel für die Heilung?

Selbst im günstigsten Fall, das heißt, wenn der Nagel sich nicht löst und „nur“ blau unterlaufen ist kann es sehr lange dauern, bis der Zeh wieder vollständig abgeheilt ist. Der blaue Nagel wächst aus dem Zeh komplett heraus. Das bedeutet, selbst wenn man sehr schnell nachwachsende Nägel hat, dauert es mindestens vier Monate, bis sich der Nagel gänzlich regeneriert hat. Oft kann es aber auch ein Jahr dauern, bis von der Verletzung nichts mehr zu sehen ist.

Schwieriger kann es werden, wenn der Nagel abgefallen ist, denn der nachwachsende Nagel wächst dann oft krumm, schief und gerne auch in die Haut ein. Deswegen sollten Outdoorsportler mit stark beschädigtem oder komplett abgelöstem Nagel auf jeden Fall medizinische Hilfe in Anspruch nehmen.

Meistens löst sich der Nagel jedoch nicht ab und nach ein paar Tagen mit sehr schmerzempfindlichen Zehen wird der blaue Nagel eher zum ästhetischen Problem, das sich nach ein paar Monaten von selbst erledigt.

Wer einmal mit einem blauen Zeh zu kämpfen hatte, ist in jedem Fall gut beraten, seine Ausrüstung genau unter die Lupe zu nehmen, um in Zukunft schmerzfrei die Berge zu genießen.

Trekking mit Kindern? Ja gerne, nur wohin mit dem ganzen Kram?

10. März 2020
Tipps und Tricks

Ein Rechenbeispiel: man nehme eine kleine Familie mit zwei Elternteilen, der viereinhalbjährigen Tochter Lisa und dem einjährigen Sohn Max, der im Moment seine ersten eigenen Schritte macht. Die Eltern sind schon seit Jahren begeisterte Wanderer und Kletterer und möchten ihrem Nachwuchs schon früh für Natur und Bewegung an der frischen Luft begeistern.

Außerdem möchten sie gerne selber weiter sportlich „Outdoor unterwegs“ sein und ihre Leidenschaft möglichst ins Familienleben integrieren. Um das exemplarische Beispiel nicht noch komplizierter zu machen, als es ohnehin bereits scheint, gehen wir davon aus, dass die Tour weder bei arktischen Temperaturen, noch bei monsunartigen Regenfällen stattfinden soll und auch nicht über mehrere Monate durch verschiedene Klimazonen führen wird.

Stattdessen soll die geplante Trekkingtour in einem der schönen deutschen Mittelgebirgen stattfinden, in denen es viele schöne Touren auf angenehm breiten Wegen gibt. Das späte Frühjahr oder der frühe Sommer scheinen dafür von Wetter und Temperaturen optimal, aber auch für einen Regentag muss man gut gerüstet sein. Geschlafen wird zusammen im Zelt und die meiste Verpflegung soll bereits im Trekkingrucksack mitgeführt werden.

Um sich einigermaßen über Packmaß und Gewicht klar zu werden machen die Eltern eine vorläufige Packliste für die einwöchige Tour:

Trekkingtour mit Kindern für 7 Tage / 6 Übernachtungen:

Schlafen

  • 2 x Isomatte (Eltern)
  • 1-2 x Isomatte (Kinder)
  • 1 x Zelt (Trekkingzelt für 3-4 Personen)
  • 2 x Schlafsack (Eltern)
  • 2 x Schlafsack (Kinder)

Bekleidung

  • 4 x Outdoorjacke (wasserdicht)
  • 2 x Lange Wanderhose (Eltern)
  • 2 x Kurze Hose (Eltern)
  • 2 x Lange Hose (pro Kind)
  • 2 x Kurze Hose (pro Kind)
  • 4 x T-Shirt / Funktionsshirt (Eltern)
  • 4 x T-Shirt (pro Kind)
  • 2 x Sweatshirt oder Fleecejacke (Eltern)
  • 2 x Sweatshirt oder Fleecejacke (pro Kind)

Dazu noch Mützen, Caps, Hüte, Sonnenbrillen, Socken und Unterwäsche für alle.

Verpflegung

  • 6 x Frühstück (Eltern)
  • 6 x Frühstück (Kinder)
  • 7 x Vesper für Mittag oder Abend (Eltern)
  • 7 x Vesper für Mittag oder Abend (Kinder)
  • 6 x Hauptmahlzeit (Eltern)
  • 6 x Hauptmahlzeit (Kinder)

Snacks für zwischendurch, wie Kekse, Energieriegel,Obst

(Die Trinkflaschen können zwischendurch aufgefüllt werden, so dass als Reserve immer nur 2-3 Liter Wasser zusätzlich ins Gewicht fallen.)

Ausrüstung

  • Karte(n)
  • Kompass
  • Smartphone
  • Wanderführer / Bücher
  • Trekkingstöcke
  • Kinderkraxe
  • Babytrage / Tragetuch
  • Trekkingrucksack
  • Kinderrucksack
  • Stirnlampen
  • Campingkocher
  • Brennstoff / Gaskartuschen
  • Campinggeschirr für drei bis vier Personen
  • Regenschirm(e)
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung
  • Ggf. Powerbank oder Ladegerät
  • Sonnencreme
  • Kulturbeutel

Extra Equipment für die Kinder

  • Windeln und Wickelzubehör für 7 Tage
  • Tücher / Feuchttücher
  • Creme / Puder
  • Spielzeuge (bzw. ein handliches Lieblingsspielzeug)
  • Kinderbuch

Damit Lisa einen Teil der Strecke selbst laufen kann entscheiden sich die Eltern für eine praktische Kinderkraxe. Während Lisa läuft, kann Max in der Kraxe sitzen und wenn beide Kinder zu müde zum Laufen sind, kommt zusätzlich eine Babytrage oder ein Tragetuch für Max zum Einsatz.

Für den Transport der umfangreichen Ausrüstung ist somit ein ziemlich großer Trekkingrucksack von Nöten. In modernen Kinderkraxen von Outdoorherstellern, wie Deuter, Thule, Vaude oder Osprey ist in der Regel noch eine Menge zusätzlicher Stauraum vorhanden. Davon ausgehend, dass die Kraxe, neben dem Sitzplatz für ein Kind, etwa soviel  Extra-Fächer bietet, wie ein durchschnittlicher Daypack (ca. 20-30 Liter), darf der andere Rucksack selbst bei ultrakompakter Ausrüstung nicht unter 60 Liter fassen.

Bei älteren Kindern, die die gesamte Strecke selbst laufen, wird die Logistik der Trekkingfamilie natürlich etwas einfacher. Einen Teil der Ausrüstung und Bekleidung können die Kinder im eigenen Rucksack transportieren und statt der Kinderkraxe können die Eltern sich die restliche Ausrüstung auf zwei Trekkingrucksäcke in normaler Größe verteilen.

Nach dem ernüchternden Rechenbeispiel, in dessen Summe ein riesiger und enorm schwerer Rucksack stehen, beschließen die Eltern ihre Urlaubspläne anzupassen, denn mit Riesenrucksack auf dem Rücken und Babytrage am Bauch macht selbst wandern in leichtem Gelände nicht mehr so viel Spaß (erst recht nicht, wenn es heiß ist oder nicht aufhört zu regnen).

Hilfreiche Träger, wie zum Beispiel in Nepal üblich, sind in Deutschland leider nicht verbreitet und auf einen Urlaub im Hotel auszuweichen scheint auch keine Alternative für die junge Familie zu sein. Stattdessen bieten sich andere Optionen, um nicht unter der Last der eigenen Trekkingtour zu leiden:

1. Einen Campingplatz als Basislager auswählen

Statt das Zelt und die gesamte Ausrüstung jeden Tag mitzunehmen, eignen sich für kleinere Kinder auch kleinere Touren sehr gut. Diese können mal ein paar Stunden und mal den ganzen Tag dauern, aber der Großteil der Ausrüstung verbleibt tagsüber an Ort und Stelle. Außerdem ist den meisten Campingplätzen für kinderfreundliche Unterhaltung durch Spielplätze und natürlich andere Familien und Kinder geboten.

2. Unterwegs Nahrungsmittel zukaufen oder Essen gehen

Falls die Möglichkeit besteht auch auf der Tour Essen und Trinken zu kaufen, oder auch mal auf einer Hütte oder in einem Restaurant zu vespern oder zu essen, kann das Gewicht im Rucksack ebenfalls um ein paar Kilogramm reduziert werden. Dafür wird parallel auch der Geldbeutel zunehmend leichter.

3. Einen Teil des Gepäcks im Pilgerwagen transportieren

Ziehen und schieben, statt tragen und schleppen. Auf gut befestigten Wegen, die breit genug sind, ist ein sogenannter Pilgerwagen oder ein dementsprechender Kinderwagen oder Fahrradanhänger eine tolle Alternative, um größere Lasten bequemer zu transportieren. Der Pilgerwagen für Wanderer ist in der Regel mit Luftbereifung, wie bei einem Kinderfahrrad ausgestattet und verfügt über Zugstangen, gepolsterte Griffe und einen Zuggürtel.

Er ähnelt vom Aufbau einer Lastenkraxe auf großen Rädern und ist kaum breiter als der Wanderer selbst. Mit etwas handwerklichem Geschick lässt sich auch ein passender Thule Kinderanhänger dementsprechend umrüsten. Dieser fällt dann allerdings etwas breiter aus. Auf dem Pilgerwagen lassen sich je nach Ausführung ungefähr 30 kg Gepäck transportieren. Für sehr schmale Wege und allzu unebenes Terrain ist der Lastenwagen allerdings ungeeignet.

4. Organisierte Touren mit Gepäcktransport in Betracht ziehenTRE

Wer auf mehrtägige Wanderungen mit Kindern nicht verzichten möchte, hat auch die Möglichkeit mit einem Teil der Arbeit und Organisation professionelle Anbieter zu beauftragen. Zum Beispiel lässt sich so der Gepäcktransfer zum nächsten Stellplatz oder zur nächsten Hütte realisieren.

Außerdem können oft alle möglichen Zusatzleistungen und Services je nach Bedarf gebucht werden. Natürlich geht damit auch ein Teil der Spontanität und Flexibilität beim Trekking verloren, aber dafür lassen sich die einzelnen Etappen nur mit Kinderkraxe und Daypack realisieren. Eine weitere Möglichkeit ist das Familienwandern in der Gruppe.

Sei es mit befreundeten Familien oder über einen Veranstalter gebucht: die Aufgaben- und Gepäckverteilung kann in kleineren Gruppen von zwei oder drei Familien vereinfacht werden. Neben motorisierter Unterstützung bieten manche Reiseveranstalter sogar Touren mit Eseln oder Pferden als Lasttiere an. Das macht die Trekkingtour nicht nur für die Kleinen zum ganz besonderen Erlebnis.

Wie organisiert ihr eure Trekkingtouren mit Kindern? Welche persönlichen Erfahrungen habt ihr auf mehrtägigen Wanderungen mit Kindern gemacht? Schreibt gerne eure Meinungen in die Kommentare.

Bergfreundinnen im Portrait

6. März 2020
Die Bergfreunde

Bergsport war lange Zeit männlich. Selbst bis kurz vor der letzten Jahrtausendwende gab es DAV Sektionen, die keine Frauen in ihre Reihen aufgenommen haben. Ein Glück sind diese Zeiten endgültig vorbei. 2004 erfasste die Datenbank des DAV ca. 40% weibliche Mitglieder und zum heutigen Tage dürften es hoffentlich noch ein paar mehr geworden sein – die Berge sind schließlich für alle da.

Hier bei den Bergfreunden ist das zum Glück alles kein Thema. Im Gegenteil. Zur Feier des Weltfrauentages 2020 wollen wir euch deshalb vier Bergfreundinnen vorstellen, die (fast) keine Gelegenheit auslassen, die Berge von nahem zu sehen!

Bergfreundin Mia

Klettern, Bergsteigen, Biken, Trekking, Trailrunning, Schwimmen – wie auch immer und wann auch immer sich die Gelegenheit bietet rauszugehen – Bergfreundin Mia ist mit dabei. Und wenn nicht, dann kümmert sie sich im Bergfreunde Marketing Team um alle Belange rund um Suchmaschinenwerbung.

Warum gehst du raus?

Ich genieße die frische Luft, stille und vielen neuen Erlebnisse draußen. Es gibt immer Neues zu entdecken, egal ob beim Laufen durch den Wald, beim Klettern in den Bergen oder einer Runde mit dem Rennrad.

Dein schönster Outdoor-Moment?

Da gibt es viele! Der letzte war vermutlich eine Biwaknacht auf dem Rossberg (einem Berg in der Gegend von Tübingen) bei minus 5 Grad, Lagerfeuer und mit guten Freunden. Wenn Morgens das Wasser gefroren ist und der Schlafsack mit einer Eisschicht bedeckt ist, weiß man, dass man seine Zeit sinnvoll verbracht hat – denn Draußen ist die beste Zeit! 😊

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Mhm, es gab da mal eine sehr unschöne Abseilaktion bei einer Mehrseillängentour in Frankreich, die mir noch sehr lange im Kopf geblieben ist.

Wohin geht der nächste Trip?

Mit einem guten Kletterfreund eine Woche nach Sizilien zum Sportklettern.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da hast du mich erwischt 😉 Wenn ich mal keinen Sport mache oder im Büro arbeite, verbringe ich gerne Zeit mit Freunden bei einem Kochabend in Kombination mit einem guten Spiel oder Film.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Hannah

Das Lieblingsspielzeug von Bergfreundin Hannah hat zwei Räder und ordentlich Federweg. Bikeparks sind ihr zweites Wohnzimmer und solange der Kopf in einem Fullfacehelm steckt, fühlt sie sich pudelwohl. Hannah ist bei den Bergfreunden im Händlermarketing tätig und war davor in unserem Gearhead-Team.

Warum gehst du raus?

Weil das kalte Radler nach einem Tag im Bike Park am Besten schmeckt und ich die tollsten Bike Freundinnen hab!

Dein lustigster Outdoor-Moment?

Da ich regelmäßig stürze an den seltsamsten Stellen auf dem Trail ist jede Ausfahrt ein Highlight.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Bei meinem ersten Bike Park Besuch in Albstadt bin ich regelmäßig aus dem Schlepplift gefallen, bis der Mitarbeiter dort Mitleid hatte und ich jedes Mal umsonst Hoch durfte (mittlerweile klappts aber besser).

Wohin geht der nächste Trip?

Ich warte auf die Eröffnung der Parks, dann steht Brandnertal auf der Liste.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Da ich Mode und Klamotten liebe – Ganz klar Shopping!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Bergfreundin Britta

Einer der kreativsten Köpfe bei uns hat blonde lange Haare und gehört zu Bergfreundin Britta. Britta kümmert sich bei uns um die Entwicklung der Marke Bergfreunde und hat vor allem in Sachen Grafik und Design richtig was auf dem Kasten. Brittas Outdoor-Leidenschaft hat was mit großen Rucksäcken und weiten Wegen zutun. Meistens bestreitet sie diese zu Fuß, manchmal aber auch mit dem Rad.

Warum gehst du raus?

Um einen Ausgleich zu meinem Alltag am Computer zu schaffen. Frische Luft, Natur und Bewegung sind gesund, lassen einen abschalten und machen glücklich!

Dein schönster Outdoor-Moment?

Mit Freunden am Lagerfeuer sitzen oder unter freiem Himmel schlafen, und sich dabei ganz geborgen fühlen, das ist wohl einer der schönsten Momente, den man draußen haben kann. Außerdem durch schier unendlich weite Berglandschaften wandern und immer wieder dankbar die atemberaubende Schönheit der Natur bewundern, davon werde ich nie genug bekommen!

Dein unschönster Outdoor-Moment?

Als mir auf dem GR20 ein Hund nachts im Vorzelt ein Loch in den Rucksack gebissen hat, um die Mülltüte samt Inhalt aufzufressen!

Wohin geht der nächste Trip?

Seit mir ein Kollege vom Königssee-Radweg erzählt hat, bin ich angefixt…

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung? 

Gärtnern! Ich liebe es, selber Kräuter und Gemüse anzupflanzen und von Mutter Natur mit einer eigenen kleinen Ernte belohnt zu werden!

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

  • ARC’TERYX Women’s Cerium LT Hoody: Die ist so unfassbar leicht, sodass man sie kaum am Körper spürt, lässt sich super klein zusammenpacken und hält einen in jeder Situation warm!
  • INOV-8 – Women’s Roclite G 345 GTX Wanderschuhe: Die haben mich durch den GR20 getragen und mich mit ihrer Leichtigkeit am Fuß und ihrem super Grip überzeugt!
  • ENGEL – Baby Body L/S Merinowolle – Merinounterwäsche: Den kriegt jede meiner Freundinnen, die ein Baby hat, und alle sind begeistert! Aus ökologischer Merinowolle mit Seide, produziert in Deutschland!

Bergfreundin Gerbine

„Goede dag“ – solltet ihr mal bei uns anrufen und diese Worte durch den Telefonhörer schallen hören, dann seid ihr möglicherweise bei Gerbine gelandet. Sie stammt ursprünglich aus den schönen Niederlanden und kümmert sich im Bergfreunde Kundenservice als internationale Sachbearbeiterin um die Sorgen und Nöte unserer – vornehmlich – niederländischen Kunden. Abseits des Bergfreunde-Office findet man Gerbine meistens auf den Trails der schwäbischen Alb oder in den Alpen.

Warum gehst du raus?

Das ist einfach: Vor allem um den Kopf frei zu machen und die frische Luft und unsere schöne Natur zu genießen.

Dein schönster/lustigster Outdoor-Moment?

Es gibt doch nichts schöneres als nach einem Trail-Lauf in den Bergen im Ziel anzukommen und mit Sonnenschein und einem schönen Ausblick belohnt zu werden.

Dein peinlichster Outdoor-Moment?

Beim Surfen wehte der Wind etwas stärker als ich dachte und ich schaffte es nicht mehr alleine zum Strand zurückkommen. Meine Brüder haben mich den ganzen Urlaub noch ausgelacht. Peinlich! 😉

Wohin geht der nächste Trip?

Ich fahre in etwa drei Wochen ins Montafon zum Skifahren.

Abseits vom Sport – was ist deine zweitliebste Freizeitbeschäftigung?

Ich liebe es aus alten Dingen etwas Neues zu machen. Mein aktuelles DIY-Projekt ist ein alter Stuhl, den ich im Müll gefunden habe.

Was sind deine drei Lieblingsteile aus dem Bergfreunde-Shop?

Winterbegehung Zugspitze Nordwand „Himmel und Hölle“ mit alternativem Ausstieg und ohne Seilbahnunterstützung

3. März 2020
Die Bergfreunde

27. Januar 2020. Der letzte halbwegs gute Tag, bevor das Wetter komplett umschlägt. Um 4:55 Uhr starten Michaela und ich am Parkplatz der Eibsee-Seilbahn. Es ist trüb und graupelt leicht. Im Morgengrauen stehen wir unter der Nordwand der Zugspitze. Die straffe Westströmung wirbelt im Gipfelbereich Schnee auf, der sich in Form von Spindrifts über die Wand ergießt. Es sieht nicht gut aus für uns, aber wir geben der Sache eine Chance…

In der Wand

Von Eis keine Spur, dafür jede Menge lockerer Schnee. Wir kommen dennoch gut voran und stehen bald unter der steilen, brüchigen Headwall. Hier sei Schluss mit lustig, konnten wir im Vorfeld in mehreren Berichten lesen. Sind die kommenden Seillängen Grund für die wenigen Begehungen dieser Route?

Ein alternativer Ausstieg

Über eine Rampe verlassen wir die Route „Himmel und Hölle“ nach rechts und gelangen so in einfacher aber heikler Kletterei ins große Schneefeld, welches ca. 200 Höhenmeter unterhalb des Zugspitzgipfels liegt. Dort steigen wir empor, halten uns links, erklettern einen Rücken und traversieren schließlich nach links, Richtung Grat. Nun trennen uns nur noch 30 Meter vom Höllental Klettersteig. Wir haben die Schwachstelle der Headwall gefunden!

Gipfel und Abstieg

Die letzten 100 bis 150 Höhenmeter entlang des Klettersteigs (und Jubiläumsgrates) bringen wir schnell hinter uns. Um 14:30 sind wir oben am Ostgipfel der Zugspitze. Längst steht der Entschluss, über die Wiener-Neustädter-Hütte abzusteigen. Bis zur Hütte brauchen wir nur eine gute Stunde.

Der Weiterweg allerdings geht an die Substanz. Mit Hilfe des GPS folgen wir dem exponierten Steig, der mitunter heikel über diversen Abbrüchen quert.

Immer wieder brechen wir bis zum Bauch in den Schnee ein. Zuletzt kämpfen wir uns weglos nach unten, bis wir schließlich den Wald und bald darauf eine Forststraße erreichen.

Der Rest ist Formsache. Längst könnten wir der Pizzeria oder sonst wo sitzen, doch wir genießen den nächtlichen Rückweg zum Eibsee, der uns Zeit und unseren Gedanken Raum bietet für einen Rückblick auf einen großen Tag in den winterlichen Bergen.

Routeninfos Zugspitze Nordwand „Himmel und Hölle“ (Stand: 01/2020)

Die Route „Himmel und Hölle“ ist derzeit die einzige Route im zentralen Teil der 1200 m hohen Zugspitze Nordwand, die häufiger durchstiegen wird. Die Erstbegehung des Ausstiegsteils erfolgte im Mai 2006 durch Matthias Robl und Marcel Rossbach. Im unteren und mittleren Wandteil war wohl auch früher schon immer wieder mal jemand unterwegs. Laut Alpenvereinsführer vom Bayrischen Schneekar zum Westgipfel bereits im Jahr 1895 und zur Irmerscharte im Jahr 1900.

„Himmel und Hölle“ ist als Winterroute zu verstehen. Brauchbare Bedingungen kann es vom Spätherbst bis zum Frühjahr geben, wobei eine gute Schneelage sicher vorteilhaft ist. Für den Spätwinter oder den Beginn des Frühjahrs sprechen auch die längeren Tage. Entscheidend ist allerdings eine gut gesetzte, absolut stabile Schneedecke.

Bezüglich Gesamtanspruch ist eine Einordnung dieser Route nicht einfach. Zwar bewegt man sich über weite Strecken im einfachen Gelände, am Ende werden aber besondere Fähigkeiten im Klettern im brüchigen Fels sowie im Bereich der Sicherungstechnik verlangt. Auch die Routenlänge – vom Ausgangspunkt zum Gipfel sind es immerhin 2000 Höhenmeter – kann unterschiedlich bewertet werden. Ein schnelles Team ist mit Seilbahnunterstützung womöglich mittags wieder im Tal. Wer die Bahn verpasst oder einen Fußabstieg als Teil der Unternehmung versteht, erlebt unter Umständen einen langen, anstrengenden Tag.

Absicherung und Material

Im unteren Wandteil sind einzelne Stände eingerichtet (Schlaghaken und Sichtbohrhaken). Vom Beginn des „Seilbahnquergangs“ bis unter die Headwall haben wir, abgesehen von der Abseilstelle zur „Eisrinne“ (1 Schlaghaken mit Reepschnurschlinge) sowie einem einzelnen Stichtbohrhaken (im Seilbahnquergang), kein fixes Material gefunden.

Problematisch ist, dass der Fels im oberen Wandteil über weite Strecken keine brauchbaren Risse für eine Absicherung mit mobilen Sicherungsmitteln oder Normalhaken aufweist. Folgendes Material können wir empfehlen (Auswahl):

  • 50-m-Einfachseil (für die rechte Ausstiegsvariante besser 60 m)
  • Escaper oder Rapline + Notbohrkit für Rückzüge
  • Cams #0.3–2 + kleines Keilset (mittlere Größen)
  • 1–2 kurze Eisschrauben (bei uns gab es kein Eis)
  • 2 mittlere und ein großer Pecker + kleines Sortiment Schlaghaken + ggf. zusätzlicher Felshammer
  • Stöcke für Zu- und Abstieg, gute Stirnlampen, Jetboil, leichte Daunenjacken, Gerät mit GPS-Funktion und hinterlegter Karte

Rechte Ausstiegsvariante

Die rechte Ausstiegsvariante vermeidet den als sehr brüchig beschriebenen Originalausstieg und führt weiter rechts und etwas höher zum Grat bzw. Höllentalklettersteig. Von den 280 eigenständigen Metern liegen rund 200 m im einfachen Gelände. Die ersten 50 m, ca. M4, sind heikel, weil kaum absicherbar. Die letzten 30 m beinhalten brüchige, schlecht absicherbare Abschnitte, ca. im Grad UIAA 5+.

Einzelne Steigeisenkratzer in der ersten Seillänge deuten darauf hin, dass die hier beschriebene Ausstiegsvariante in dieser oder einer ähnlichen Form auch schon früher begangen wurde. Am Rücken vor der Ausstiegswand fanden wir einen Schlaghaken mit Reepschnurschlinge vor, der sich von Hand aus dem Fels ziehen ließ und nicht mehr neu gesetzt werden konnte.

Aktuell befindet sich in der rechten Ausstiegsvariante kein fixes Material und das Einrichten sicherer Standplätze ist schwierig und aufwändig.

Weitere Infos zur „Himmel und Hölle“ finden sich…

Die Bergfreunde sind klimaneutral – was das genau bedeutet

2. März 2020
Die Bergfreunde

Es ist nicht von der Hand zu weisen: das Thema Nachhaltigkeit spielt in der Outdoor-Industrie gerade eine zentrale Rolle. Das ist ja auch nahe liegend, denn unsere Branche brüstet sich nur allzu gerne mit Naturverbundenheit, da sollte der Schutz eben dieser Natur doch mindestens eine wichtige Prämisse im Handeln der Outdoor-Firmen sein.

Und auch wir werden von unseren Kunden und Bergfreunden immer öfter gefragt: Was genau tut ihr als Bergfreunde eigentlich? Auf diese Frage haben wir nun eine sehr konkrete Antwort gefunden. Die Bergfreunde sind seit Ende 2019 klimaneutral bzw. klimaneutralisiert. Was genau das heißt und wo wir uns sonst noch stark machen, das erfahrt ihr in diesem formschönen Blogartikel.

Die Sache mit dem CO2

Wenn wir von Nachhaltigkeit und Umweltschutz reden, ist der Klimawandel sicher eine DER zentralen Herausforderungen unserer Generation. Die Wirkung von CO2 und anderen Treibhausgasen auf die Erderwärmung ist unumstritten und Lösungen sind gefragt. Wie schaffen wir es, unseren CO2-Ausstoß zu reduzieren oder gar komplett zu vermeiden?

Genau diese Frage haben wir uns im letzten Jahr auch gestellt und uns dafür entschieden, ein klimaneutrales Unternehmen zu werden – und das sogar rückwirkend. Wir mussten allerdings feststellen, dass das gar nicht so einfach ist.

Wie wird man ein klimaneutrales Unternehmen?

Die Antwort auf diese Frage scheint zunächst relativ einfach: In dem man alle CO2-Emissionen reduziert und letztlich verhindert. Über die letzten Jahre haben wir unseren gesamten CO2-Ausstoß durch verschiedene Maßnahmen schon um ein gutes Stück senken können:

  • Eine Photovoltaik-Anlage auf unserem Standort in Kirchentellinsfurt speist uns mit regenerativer Energie
  • Alles, was wir zusätzlich an Strom brauchen, beziehen wir zu 100% aus ökologischen Quellen
  • Durch eine Kartonzuschneidemaschine versenden wir bei einem sehr großen Teil der Bestellungen weniger Luft und können so LKWs effizienter beladen, was den CO2-Abdruck unseres Versands deutlich optimiert.
  • Mit der Einführung von JobRad kommen mehr und mehr Kollegen mit dem Rad

Wir mussten allerdings auch feststellen, dass es Emissionen gibt, die nicht so einfach aus der Gleichung zu streichen sind. Einige Kollegen haben lange Anfahrtswege und natürlich ist da der große Elefant im Raum: Der Versand und Rückversand unserer Ware. Eine Kompromisslösung muss also her. Und die heißt CO2-Kompensation.

CO2-Emissionen kompensieren – wie funktioniert das?

Das Gute bei der ganzen CO2-Problematik: Dem Klima ist es erstmal egal, wo genau die Treibhausgasemissionen entstehen. Oder wo sie eingespart werden. So können wir unseren Ausstoß, den wir gegenwärtig noch nicht reduzieren können, an anderer Stelle ausgleichen.

Damit das Ganze auch Hand und Fuß hat, haben wir uns einen Partner an die Seite geholt, der sich mit dem Thema auskennt. Mit dem Unternehmen ClimatePartner haben wir unseren Verbrauch gemessen, zurückgerechnet und Projekte heraus gesucht, mit denen wir unseren CO2-Ausstoß ausgleichen können – und zwar rückwirkend bis zu unserer Gründung im Jahre 2006.

Bei den Kompensationsprojekten haben wir darauf geachtet, nur solche auszuwählen, die dem hohen Gold-Standard für Klimazertifikate entsprechen, der vom WWF und 40 anderen NGOs entwickelt wurde. Zusätzlich dazu sind alle Projekte TÜV-zertifiziert.

Außerdem wichtig für uns: Entwicklungshilfe sollte bei den Projekten ebenfalls eine Rolle spielen. Und so stand nach kurzer Recherche fest, welche Initiativen wir mit unserem Kompensationsbeitrag unterstützen würden:

  1. Saubere Kochöfen in Peru: Ein großer Teil der Landbevölkerung Perus kocht noch auf offenem Feuer – und das in den Wohnräumen, denn das Feuer dient dort gleichzeitig als Wärmequelle. Das Projekt Qori Q’oncha leitet die Peruaner an, energieeffiziente Öfen zu bauen, die deutlich weniger CO2 emittieren. Dank eines Abluftsystems sammeln sich zudem keine schädlichen Gase mehr in den Häusern.
  2. Windparks in der Türkei: Die Türkei ist eines der Länder, in denen der Anteil an erneuerbaren Energien noch sehr gering ist. Das Potenzial für Windkraft und Co. ist dementsprechend groß. Durch den Ausbau von Windparks werden Treibhausgase sukzessive aus der Gesamtrechnung gestrichen
  3. Wasserfiltersysteme für Kambodscha: Vor allem die Landbevölkerung in Kambodscha kocht ihr Trinkwasser noch über offenem Feuer ab. Das dortige Projekt versorgt die Menschen mit Wasserfiltersystemen, so dass offenes Feuer gar nicht mehr nötig ist. Auch so werden CO2 und andere Treibhausgase schnell und zuverlässig verhindert.

Seid ihr jetzt wirklich klimaneutral?

Wie schon erwähnt, sind wir am Ende des Tages nicht zu 100% klimaneutral. Das ist aus den bereits beschriebenen Gründen rein praktisch noch nicht möglich. Der Begriff klimaneutralisierend trifft den Kern der Sache deutlich besser, denn eine Kompensation kann letztlich auch nur ausgleichen und nicht aktiv vermindern. Das können nur wir selbst tun. Und das wollen wir in den nächsten Jahren tun. 

Wir werden weitere Maßnahmen ergreifen, um unseren CO2-Ausstoß zu senken und uns auch anderen Themen, wie z.B. der Verpackung unserer Produkte widmen. Denn auch das ist Teil eines umfassenden Nachhaltigkeitskonzepts. 

Wir sind gespannt, was die Zukunft für uns und die Branche bringt. Denn ein wenig Vorreiter wollen wir mit unserem Engagement natürlich auch sein. Wir hoffen auf viele Nachahmer und wir hoffen, dass ihr diesen Weg mit uns beschreitet. 

Mit Hilfe unserer ClimatePartner-ID 13467-1912-1001 kannst du dir übrigens ganz einfach selbst ein Bild unserer Kompensationsmaßnahmen machen.

Die Nachhaltigkeit bei Haglöfs

24. Februar 2020
Ausrüstung

Haglöfs ist bekannt als Spezialist für technische Outdoor-Bekleidung auf hohem Niveau. Mit sehr langlebigen Produkten, intelligenten Detaillösungen und hochwertigen, oft bluesign-zertifizierten Stoffen spielt der schwedische Hersteller in der oberen Outdoor-Liga.

Auch in Sachen Nachhaltigkeit ist Haglöfs weit vorn dabei. Die Maßnahmen, die sich über die gesamte Herstellungskette erstrecken, sind nachzulesen in Haglöfs eigener, sehr umfangreicher Nachhaltigkeitsdokumentation. Nun ist das mit den Eigenauskünften immer so eine Sache. Doch es werden überprüfbare Zahlen und Daten vorgelegt und die „Quelle“ hat einen tadellosen Ruf zu verlieren. Dass Nachhaltigkeit bei Haglöfs kein Beiwerk, sondern tragende Säule ist, wird auch von dritter Seite bestätigt und honoriert. So wurde das Unternehmen 2015 in Schweden zur nachhaltigsten Marke des Jahres gekürt. Es lohnt sich also, einen genaueren Blick auf die Haglöfs-Nachhaltigkeit zu werfen.

Nachhaltigkeitsphilosophie von Haglöfs

Nachhaltigkeitsarbeit ist in der gesamten Wertschöpfungskette und in allen Aktivitätsbereichen des Unternehmens verankert. Das Reporting der eigenen Nachhaltigkeitsaktivitäten ist dementsprechend umfangreich. Es könnte allerdings hier und da durchaus kürzer gefasst sein, denn es ist auch ohne Ausschmückung genug Substanz vorhanden.

Seit 2008 ist Nachhaltigkeit Bestandteil aller Unternehmensprozesse. Eva Mullins, Sustainability Managerin bei Haglöfs, skizziert im Interview mit Sportmarkt.info wichtige Aspekte dieser Arbeit:

In der Planungsphase prüft das Unternehmen umweltfreundliche Alternativen, die für die Entwicklung jedes einzelnen Produkts verwendet werden können. Mit klaren Zielen, der Mitgliedschaft beim bluesign-Standard und dem Bestreben, so weit wie möglich recycelte oder recycelbare Materialien zu verwenden, basiert der gesamte Prozess auf einer soliden Struktur. 2012 schloss sich Haglöfs der Fair Wear Foundation an, sodass das Unternehmen jetzt einen Partner hat, der hilft, die Arbeitsbedingungen bei seinen Herstellern zu verbessern.

Umweltmaßnahmen der Nachhaltigkeit

Wenden wir uns der umfangreichen Berichterstattung auf der Haglöfs-Homepage zu. Diese ist nach 22 inhaltlichen Aspekten unterteilt, die alle in Zusammenhang miteinander stehen. Die Anordnung der Aspekte bzw. Themen ist jedoch nicht sonderlich strukturiert, abgesehen von der Konzentration der sozialen Aspekte im zweiten „Block“. Deshalb sind Reihenfolge und Struktur in der hier folgenden Zusammenfassung an einigen Stellen geändert.

Materialien

Das Ziel bei jedem Produkt ist, hohe Funktion und Leistungsfähigkeit bei geringst möglichen negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu erreichen. Das fängt bei den Grundmaterialien, also den „Zutaten“ einer Jacke oder eines Schlafsacks an.

Daune

Haglöfs verwendet nur Daunen, die nach dem Responsible Down Standard zertifiziert sind und die bis zum Bauernhof zurückverfolgt werden können. Der Weg der RDS-Daunen wird von der Farm bis zum Haglöfs-Lager von unabhängigen Gutachtern überprüft. Haglöfs weist auf die Website trackmydown.com hin, auf der Kunden die Nummer ihres Produktes eingeben und Informationen  über die Daunen in ihrem eigenen Produkt abrufen können.

Leder

Haglöfs arbeitet nur mit Gerbereien zusammen, die der Leather Working Group (LWG) angeschlossen sind und von dieser geprüft werden. Die LWG verpflichtet Lederhersteller und andere Interessengruppen zu sauberen Geschäftspraktiken. LWG-zertifizierte Gerbereien erzeugen weniger Schadstoffe und verbrauchen weniger Wasser und Chemikalien als herkömmliche Betriebe. Die meisten Haglöfs-Partner haben bei LWG-Audits den „Goldstatus“ erreicht.

Wolle

Haglöfs garantiert die Verwendung von ethisch-nachhaltig gewonnener Wolle und fordert von allen Wolllieferanten eine Zertifizierung nach IWTO (Internationale Wolltextilorganisation). Wann immer möglich wird recycelte Wolle verwendet – deren Herkunft dann allerdings nicht immer einfach zurückzuverfolgen ist.

Baumwolle

Hier gibt es ein klares Statement: „Für uns bei Haglöfs war die Entscheidung, für unsere Produkte ausschließlich Bio-Baumwolle zu verwenden, schon immer eine Selbstverständlichkeit.

An dieser Stelle werden die Käufer auf ihre eigenen Beitragsmöglichkeiten angesprochen. Zu den Empfehlungen gehört der Kauf möglichst unvermischter Materialien und Gewebe, da diese leichter zu recyceln sind. Und natürlich die pflegliche Behandlung sowie die Rückführung ausgedienter Stücke ins Recycling statt in den Müll.

Recycling

Haglöfs strebt von Saison zu Saison einen immer höheren Anteil an recycelten Materialien an. So kommt in vielen Obermaterialien und Rucksäcken recyceltes Polyester, in Isolierungen recyceltes „Post-Consumer-Material“ und in Zwischenlagen und Zubehör recycelte Wolle zum Einsatz. Da es noch einige Hürden hinsichtlich Verfügbarkeit und Qualität gibt, kann noch nicht vollständig auf die meist kostengünstigeren Neumaterialien verzichtet werden.

Nachhaltiges Design

Das Design von Haglöfs-Produkten ist so gestaltet, dass Nachbehandlungen, Auffrischungen und Reparaturen möglichst einfach durchführbar sind. Besonders bei Reißverschlüssen, Knöpfen und Imprägnierungen wird hierauf geachtet. Die Optik wird „clean“ und „zeitlos“ gestaltet, sodass die Stücke nicht in der einen Saison „in“ und in der nächsten „out“ sind. Diese Maßnahmen helfen dabei, die Produkte langlebig zu machen. Weitere Bemühungen um mehr Recycling und nachhaltigeres Design fasst Haglöfs unter Labels wie „Second Chance“ und „Repairwear“ zusammen. Hinzu kommt die Initiative Care & Repair, die um die Mitarbeit der Kunden und Verbraucher wirbt.

Ein weiterer Ansatz zur effizienteren Ressourcennutzung ist die „Leftovers“ Serie. Diese umfasst bislang einen Schlafsack in limitierter Auflage und die gefütterten Mimic Mokassin Hüttenschuhe. Letztere sind auch im Bergfreundeshop erhältlich. Für Leftovers-Produkte werden Überbleibsel aus der Produktion verwendet, die normalerweise als „Verschnitt“ entsorgt würden. Die Materialien sind hierbei nicht weniger hochwertig als in der normalen Verarbeitung.

Solution Dyed: alternatives Färbeverfahren

Im Solution Dyed Verfahren wird die Farbe gleich zu Beginn dem Material hinzugefügt – wenn die Fasern hergestellt und gesponnen werden. Das Rohmaterial hat von Anfang an die richtige Farbe. Das spart etwa 80 % Wasser und 50 % Strom, da die konventionellen Farbbäder, einer der verschwenderischsten Bereiche der Stoffindustrie, nicht mehr benötigt werden. Die Farben sind zudem widerstandsfähiger gegen Abnutzung und Ausbleichen.

Mikroplastik

Zum Thema Vermeidung von Mikroplastik nochmals die Nachhaltigkeitsmanagerin Eva Mullins:

Haglöfs setzt ausschließlich hochwertige Textilien und langlebige Konstruktionsmethoden ein, um die Faseremissionen der gekämmten Fleecestoffe auf ein Minimum zu reduzieren. Dazu arbeitet das Unternehmen aktiv mit Lieferanten zusammen, um die Stoffe bereits während der Kämmphase von Faserrückständen zu befreien. Diese werden anschließend in einem geschlossenen System zurückgewonnen und recycelt. So werden lose Fasern reduziert und es gelangen bei der späteren Wäsche durch den Verbraucher deutlich weniger Partikel ins Abwasser. (…) Mindestens einmal im Jahr kontrolliert ein Haglöfs-Mitarbeiter diese hohen Standards.

Weitere Maßnahmen: Produktreihen wie die Essens– oder Mimic-Reihe stehen für Materialien mit minimaler Mikroplastik-Freisetzung. Haglöfs beteiligt sich im Rahmen von Kooperationen an der Erforschung des Themas. Und man bietet den Guppy Friend Laundry Bag online und in den Stores an. Der Waschsack stellt sicher, dass während der Wäsche keine losen Fasern ins Abwasser gelangen.

Fluorkohlen-Wasserstoffe

Mit Fuorkohlen-Wasserstoffen sind die berühmten PFCs gemeint, die wir hier zuletzt häufiger beleuchtet hatten. Haglöfs ist bei der Minimierung der PFCs sehr erfolgreich. 95 % des Sortiments sind entweder auf fluorcarbonfreie DWR (Durable Water Repellency) oder Alternativlösungen ohne DWR umgestellt. Die verbleibenden Modelle sind diejenigen mit den höchsten Leistungs- und Haltbarkeitsstandards, bei denen die Alternativen die technischen Anforderungen noch nicht erfüllen.

bluesign System

Haglöfs ist seit 2008 bluesign-Systempartner. Bluesign ist die strengste freiwillige Zertifizierung für Textil- und Materialhersteller. Für jedes Produkte wählt Haglöfs bevorzugt bluesign-zertifizierte Materialien. In der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2018 waren 50 % aller Bekleidungsprodukte bluesign-zertifiziert. Damit gehört man zu den Spitzenreitern der Branche.

Der Fokus des bluesign-Systems liegt auf der Verwendung nachhaltiger Inhaltsstoffe in einem sauberen Prozess mit minimaler Wasser- und Luftemission, verbesserter Abwasserbehandlung und generell reduziertem ökologischen Fußabdruck.

Sustainable Choice Label

Sustainable Choice ist ein gut sichtbares Label, mit dem Haglöfs Produkte kennzeichnet, deren Herstellung und Design nachweislich nachhaltig sind. Das Etikett zeigt an, dass ein Produkt mindestens eines der Kriterien bluesign-Zertifizierung, Herstellung aus recyceltem Material oder Herstellung aus biologischer Baumwolle erfüllt. In der Herbst/Winter-Saison 2019 tragen 76 % der Bekleidung, 16 % der „Hardware“ und 25 % der Schuhe das Sustainable-Choice-Label. Man strebt an, diese Anteile kontinuierlich weiter zu erhöhen.

Anti-Odor-Behandlung

Geruchsbehandlungen ohne giftige und umweltschädliche Nebenwirkungen sind nicht einfach zu produzieren. Die Haglöfs-Lösung namens LAVA ist bluesign-zertifiziert und kommt ohne das Abtöten von Mikroorganismen aus. Sie verwendet stattdessen Zeolithe – mikroporöse Mineralien, die in vulkanischer Asche vorkommen und auch für Wasser- und Luftreinigungsfilter verwendet werden. Die LAVA-Zeolithe ähneln Schwämmen oder Bimssteinen und absorbieren den Schweiß auf ihren großen inneren Oberflächen. Bakterien können sich so nicht ansammeln und schlechte Gerüche bilden. Beim Waschen werden die Schweißpartikel ausgespült, die mikroporösen Zeolithe bleiben unbeschädigt in der Kleidung erhalten – und zwar bis über 50 Wäschen hinaus.

Partnerschaften und Kooperationen

Diesen Aspekt hat Haglöfs unter der Überschrift „Neue Initiativen“ zusammengefasst. Ausgewählte Beispiele für wichtige Partnerschaften und Kooperationen sind:

  • bluesign
  • Fair Wear Foundation (FWF)
  • Europäische Outdoor-Gruppe (EOG)
  • Skandinavische Outdoor-Gruppe (SOG)
  • Forschungsprojekt BioInnovation
  • Sustainable Apparel Coalition/Higg Index (SAC)

Ein übergeordnetes Ziel vieler dieser Mitgliedschaften ist laut Eva Mullins die Schaffung eines einheitlichen Bewertungssystem der Nachhaltigkeitsleistungen in Bekleidung.

Ökologischer Fußabdruck im Unternehmen

Die internen Maßnahmen umfassen alle Aspekte von den Dienstwagen und den Treffpunkten für Meetings und Konferenzen über die Energiequellen und Energieverbrauchswerte bis zu den kleinsten Details wie der Herkunft von Obst und Kaffee an den Arbeitsplätzen.

Transportmittel und -Methoden werden mit Blick auf die Umweltauswirkungen gewählt und regelmäßig überprüft. Man arbeitet nur mit Logistikpartnern zusammen, die ein starkes Nachhaltigkeitsprofil einbringen.

Soziale Nachhaltigkeit

Da Haglöfs keine eigenen Produktionsanlagen und -Betriebe unterhält, liegt die Herausforderung in der Kommunikation mit den Partnern und Zulieferern. Laut Eva Mullins besteht sie zum großen Teil aus Überzeugungsarbeit:

Wir müssen Lieferanten überzeugen, umweltfreundliche Materialien mit gleicher Funktionalität zu entwickeln und dafür praktikable Standards zu schaffen. Gleichzeitig fällt es vielen traditionellen Textilproduzenten schwer, sich an diese Forderungen anzupassen. Dazu müssen wir die langfristigen Vorteile von beispielsweise eigenen Wasseraufbereitungsanlagen und räumlich abgetrennten Nähereien, (…), hervorheben und auch die Lieferanten für unser Vorhaben gewinnen. Es ist schließlich unsere Aufgabe die Konsumenten aufzuklären, warum sie für nachhaltige Produkte mehr Geld bezahlen sollen. Denn jedes nachhaltige Produkt, das nicht verkauft wird, kann auch nicht nachhaltig sein.

Arbeitsbedingungen

Haglöfs ist Mitglied in der Fair Wear Foundation, deren Ziel es ist, die Arbeitsbedingungen in der Textil- und Bekleidungsindustrie zu verbessern. 2018 wurde man „für viele Jahre intensiver Arbeit mit dem „Leader”-Status ausgezeichnet – der höchstmöglichen Mitgliederkategorie.“

Der „Brand Performance“-Bericht der Fair Wear Foundation bewertet die Leistung von Haglöfs wie folgt:

„Haglöfs hat zukunftsweisende Ergebnisse in den wichtigen Performance-Indikatoren erzielt und bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Das Unternehmen hat 2017 acht Produktionsstätten überprüft und damit die Anzahl ihrer Kontrollen um fast 15 % auf 98 % gesteigert. Dadurch, und in Kombination mit einem Benchmark-Ergebnis von 79, hat Haglöfs den Leader-Status des FWF erreicht.“

Was sagen die (Branchen)Medien?

In der Branche und „Szene“ hat Haglöfs schon lange einen guten Nachhaltigkeits-Ruf. Der Blog Wandersüchtig berichtete schon 2013 über umfangreiche Nachhaltigkeitsaktivitäten. Das Norr Magazin berichtet zwei Jahre später ebenfalls positiv und zeigt, dass Haglöfs Zwischenziele erreicht und nicht nachgelassen hat. Dass auch weiterhin zunehmend in Nachhaltigkeit investiert wird, weiß das Branchenmagazin Textilwirtschaft zu berichten.

Das Nachhaltigkeitsportal Utopia weist in seinem Ratgeber für nachhaltige Sportkleidung darauf hin, dass Haglöfs zu den Marken gehört, die Bluesign-zertifizierte Materialien verarbeiten und Mitglied der Fair Wear Foundation sind.

Gemessen am beachtlichen Umfang der Haglöfs-Nachhaltigkeitsmaßnahmen ist das Medienecho eher gering. Es sieht sogar ein wenig nach verschenktem PR-Potential aus, da dürfte man durchaus guten Gewissens offensiver nach außen gehen. Schließlich handeln ja auch die meisten Mitbewerber nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“. Kurz gesagt, die Nachhaltigkeitsphilosophie und ihre Umsetzung können sich im Falle Haglöfs wirklich sehen lassen.

Doppelinterview: Bergfreundin Anna und ihr Unfallchirurg Dr. med. Sebastian Scheidt

18. Februar 2020
Die Bergfreunde

„Wissen Sie, eigentlich halte ich nichts von Ärzten.“

So sprach mich eine ältere Dame im Wartebereich der Ambulanz der Unfallchirurgie an. „Oh, meinen Sie?“, fragte ich zurück und gab ihr Raum zum Reden. Die Entscheidung über meinen Unfall und den Heilungsprozess journalistisch zu berichten, fiel an diesem Tag.

Auch mit dem Ziel und der Hoffnung aufzeigen zu können, dass eine konstruktive Zusammenarbeit im Bezug auf den Heilungsprozess möglich ist. Eine transparente Erklärung des Arztes und ein Verständnis für die Situation der Patientin sind unabdingbar. Aber auch auf der Seite der Patientin spielt die Bereitschaft zur Mitarbeit eine große Rolle.

Im Doppelinterview erhaltet ihr Tipps, wie ihr im Falle eines Sturzes handeln solltet. Mein behandelnder Unfallchirurg und ich geben euch Einblicke in die Behandlungs- und Entscheidungsprozesse. Wir sprechen über regelhafte und individuelle Heilungsprozesse, aber auch über unausgesprochene Annahmen und gegenteilige Meinungen.

Ich danke Sebastian Scheidt für die Bereitschaft und das Einlassen auf die besondere Interviewsituation.

Dr. med. Sebastian Scheidt ist als Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie des Universitätsklinikums Bonn tätig. An der Unfallchirurgie reizt ihn besonders die Verbindung manueller Fähigkeiten mit dem theoretischen Hintergrund – vor allem, wenn der ganze Körper in Betracht gezogen werden muss. Nicht zuletzt schätzt er das breite Spektrum von Verletzungen an einem Uniklinikum und die Arbeit im Team. Seinen bisherigen Forschungsschwerpunkt der degenerativen und traumatischen Wirbelsäulenverletzungen und der Infektionsdiagnostik erweitert er derzeit durch Forschungen zu Verletzungen der unteren Extremitäten, im Speziellen der Verletzungen des Knie- und Sprunggelenks.

Was ist Dir noch von der Zeit direkt nach deinem Sturz in Erinnerung geblieben?

Anna: Ich spürte jetzt keine Angst oder Panik und lag durch den Sturzverlauf bereits in der stabilen Seitenlage. Ich bin liegen geblieben, habe die Schockreaktionen meines Körpers wahrgenommen und versucht die Fragen meiner Kletterpartnerin zu beantworten. Der Rettungswagen war nach meinem Empfinden recht schnell vor Ort. Die Rettungskräfte überzeugte ich irgendwie, mich nicht in das nächste Dorfkrankenhaus, sondern in die Uniklinik nach Bonn zu fahren.

Was ist direkt vor Ort nach einem Sturz auf die Füße (Ground Fall) aus notfallmedizinischer Sicht zu tun?

Sebastian Scheidt: Man sollte zunächst schauen, ob die verletzte Person bei Bewusstsein und ansprechbar ist. Wenn dies nicht der Fall ist, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden. Wenn mehrere Personen vor Ort sind, sollten diese um Mithilfe gebeten werden – sodass neben der Notfallversorgung eine andere Person den Rettungsdienst alarmieren kann. Wenn offene Verletzungen zu sehen sind, das heißt blutende Wunden oder Knochenbrüche sollten diese möglichst geschient werden – besonders, wenn man im Gelände unterwegs ist. Wenn der Unfall in der Halle passiert, ist es wichtig, die verletzte Person möglichst schmerzfrei zu lagern bis der Rettungsdienst eintrifft, was ja hier in unserem Fall recht gut funktioniert hat.

Wie hast Du die Zeit in der Uniklinik wahrgenommen? Gibt es etwas, das Du heute anders machen würdest?

Anna: Ich hätte mehr zu meiner Verletzung und den Umständen sagen können. Auch habe ich vielleicht etwas viel geschwiegen, um zu einem unauffälligen Fall zu mutieren, woraus in meiner damaligen Logik resultieren sollte, nicht in der Klinik bleiben zu müssen. (lacht)

Welche Merkmale führten zu der eindeutigen Entscheidung erst mal nicht zu operieren?

Sebastian Scheidt: Bei der vorliegenden Verletzung war eine sofortige OP-Indikation nicht gegeben. Die Gelenke des Fußes und Sprunggelenks waren durch den Abriss des Knochenfragmentes und des gerissenen Bandkomplexes nicht betroffen. Es lag keine Luxation vor – das heißt das Gelenk war nicht aus der Führung gesprungen. Da auch kein Knochenbruch mit Ausstrahlung in das Gelenk und den Knorpel vorlag, konnte zunächst eine Ruhigstellung und weitere Diagnostik erfolgen.

Wie lassen sich die Verletzungen des Fußes zusammenfassen?

Sebastian Scheidt: Es lag eine knöcherne Absprengung an der Innenseite des Sprungbeins vor – also knapp unterhalb des oberen Sprunggelenks. Hier heften in der Regel Kapsel-Band-Strukturen an, die durch den Sturz teilweise abgesprengt wurden – auf der Außenseite, war das vordere Außenband gedehnt und das hintere gerissen. Weitere Sturzfolgen waren Knochenmarködeme, Hämatome und Begleitentzündungen im Fuß.

Dein Fuß war insgesamt für zwei Monate ruhiggestellt. Wusstest Du das direkt nach der Erstversorgung in der Uniklinik?

Anna: Oh je, ich glaube nicht. (lacht) Ich hatte ein paar Tage nach der Behandlung im Notfallzentrum einen Termin in der unfallchirurgischen Ambulanz und da haben wir das Vorgehen besprochen. Mein Fuß sollte erst mal für sechs Wochen ruhiggestellt werden. Nach den MRT Bildern Anfang Juli wurde beschlossen die Ruhigstellung auf acht Wochen zu erhöhen.

Wann entscheiden Sie, dass eine zweimonatige Ruhigstellung notwendig ist? Gibt es ähnliche Fälle, in denen Sie zu einer OP raten würden?

Sebastian Scheidt: In der Regel stellen wir solche Verletzungen für sechs Wochen ruhig. Die sechs Wochen dienen zur Erholung der Bandstrukturen, dem Abschwellen der Begleitentzündung und geben auch den Prellungen des Knochens die Möglichkeit abzuheilen. Auch gibt die Phase der Ruhigstellung dem Knochenfragment die Möglichkeit wieder anzuwachsen.

Aufgrund der starken Ödeme haben wir die Ruhigstellung um zwei Wochen verlängert. Bei Verletzungen, die in den Gelenkraum ziehen und somit den Knorpelüberzug beeinträchtigen können, wird in Abwägung der möglicherweise entstehenden Langzeitfolgen eine operative Therapie empfohlen. Auch bei komplexeren Bandverletzungen, die eine Instabilität bewirken, tendieren wir zu einer operativen Stabilisierung, nachdem der Fuß abgeschwollen ist – sodass der Patient wieder mit einer guten Gelenkführung mobil sein kann.

Die Zeit nach der Ruhigstellung war für Dich viel schlimmer. Kannst Du kurz beschreiben, warum?

Anna: Da haben mehrere Faktoren eine Rolle gespielt. In erster Linie meine eigenen Erwartungen und die meiner Auftraggeber wieder schnell komplett körperlich fit zu sein – also, dass der Fuß und das Bein wieder komplett funktionsfähig sind. Es war schwierig anzunehmen, dass mein Fuß nicht so schnell abheilt. Dazu kam auch, dass die Ungewissheit über den Heilungsprozess wieder zugenommen hat. Vor allem dadurch, dass von der medizinischen Seite mir keine klare Zeitangabe gegeben werden konnte. Aber auch durch die Physiotherapie, die nur wenig an dem Zustand meines Fußes veränderte. Durch die anhaltenden Schmerzen und starken Bewegungseinschränkungen habe ich auch erst richtig verstanden, wie schwerwiegend meine Verletzung war.

Ist es möglich Patientinnen und Patienten im Vorfeld aufzuklären, wie der Heilungsprozess verläuft?

Sebastian Scheidt: Grundsätzlich werden die Patienten darüber aufgeklärt, dass sie über einen Zeitraum von ca. 12 Wochen mit Einschränkungen in der Mobilität zu rechnen haben. Dazu muss immer vermittelt werden, dass der Heilungsprozess individuell verschieden verlaufen und so auch mal den Zeitraum überschreiten kann.

Lässt sich generell die Heilungsdauer mit der Fitness der Patientin in Verbindung setzen?

Sebastian Scheidt: Patienten, die eine Grundfitness mitbringen – ein gutes Körpergefühl, eine gute Koordinationsfähigkeit haben, kein Übergewicht aufweisen und regelmäßig sportlich aktiv sind, finden häufig zügiger in ihren Alltag und den Sport zurück. Aber auch hier können wir nicht immer davon ausgehen. Auch junge und sportliche Patienten, wie auch hier, können von der regelhaften Heilungsdauer abweichen.

Über eine so lange Behandlungsdauer erwartet man schon fast, dass es Unstimmigkeiten zwischen Arzt und Patientin gab. Fällt Dir da eine Situation ein?

Anna: Ja schon. Nachdem ich von der Ruhigstellung in die Teilbelastung übergegangen bin, habe ich ihn gefragt, ob er mir nicht Physiotherapie verschreiben möchte. Und er sagte nur: „Da Sie eine junge und sportliche Patientin sind, denke ich, dass die Defizite in ihrer Muskulatur sich wieder selbst aufbauen. Durch die Verletzung sind keine Bewegungseinschränkungen an dem Gelenk aufzuweisen … “ Das habe ich anders gesehen und ich hatte auch noch den Druck wieder vollständig funktionieren zu müssen. Ich habe dann trotzdem ab der zehnten Woche mit der Physiotherapie begonnen.

Sebastian Scheidt: Mir war wichtig, dass zunächst die Alltagsbelastung wiedererlangt werden kann. Eine physiotherapeutische oder gar manual-therapeutische Behandlung bei dem vorliegenden knöchernen Abriss war mir noch zu früh. Meine Besorgnis war, dass Heilungsprozesse in der Tiefe durch zu viel Therapie verzögert oder gar unterbrochen werden.

Behindern solche Unstimmigkeiten das Arzt-Patientin-Verhältnis?

Anna: Nein, eigentlich nicht. Ich habe mir damals gedacht, wenn ich aus seiner Sicht meinem Fuß schwerwiegend schaden kann, wird er mir das schon deutlich sagen. Im weiteren Verlauf war für mich vor allem wichtig, dass er schließlich feststellte, dass die Heilung nicht mehr, wie erwartet, verläuft. Und er für die Verschlimmerung des Zustandes Mitte Oktober eine Erklärung findet – und natürlich den Fuß und den Heilungsprozess nochmal genauer anschaut, um mögliche Prozesse und Annahmen neu beurteilen zu können.

Sebastian Scheidt: Aufgrund der anhaltenden Beschwerden und Einschränkungen führten wir eine erneute MRT Diagnostik durch. Hier zeigte sich zum einen ein rückläufiges Knochenmarködem, welches auf eine rückläufige Verletzung hindeutet. Allerdings zeigte sich auch, dass das abgesprengte Knochenstück weiterhin nicht angewachsen ist. Durch die Zugabe von Kontrastmittel konnten wir ausschließen, dass keine Durchblutungsstörungen im Knochen vorliegen.

Die Verletzung ist jetzt sieben Monate her. Hast Du erwartet, dass die Heilung so langwierig ist?

Anna: Wenn ich zurückdenke, wie stark meine Schmerzen waren und aus welcher Höhe ich auf meinen Fuß gefallen bin… Mir war schon klar, dass ich nach zwei Monaten noch nicht laufen kann. (lacht) Ein anderer Arzt hat mir irgendwann im Sommer mal gesagt, dass Verletzungen am Sprungbein und am Sprunggelenk sehr lange dauern können. Aktuell habe ich weiterhin Einschränkungen in der Funktion des Sprunggelenks, Schwellungen um den Talus, am Innen- und Außenknöchel und kann mich nicht schmerzfrei bewegen. Auch Klettersport ist nach einem kleinen Test noch nicht wieder möglich. Am deutlichsten sind die Einschränkungen für alle sichtbar, wenn ich Treppen hoch oder runtergehe – wo manche Menschen mich doch lieber die Treppe hochtragen möchten, als meine sichtbar eingeschränkten und unharmonischen Bewegungen beobachten zu müssen. (lacht)

Wie sehen Sie das?

Sebastian Scheidt: Im Prinzip haben wir beide erwartet, dass der Fuß nach einer Phase von sieben Monaten eigentlich wieder so stabil ist, dass er im Alltag keine Probleme macht und dass Sport fast wieder auf gleichem Niveau möglich ist. – Wobei wir hier auch wieder bei der individuellen Heilungsdauer sind und auch nach sieben Monaten die Beschwerden mit weiteren Therapien und Maßnahmen in den Griff zu bekommen sind.

Gehen wir ein wenig weg von deiner Verletzung. In deinem zweiten Artikel beschreibst Du, dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist. Was begeistert Dich so?

Anna: Im Zusammenhang mit der Körperarbeit bei Schauspielerinnen und Schauspielern finde ich es immer wieder beeindruckend, wie das Sprunggelenk so reibungslos und lautlos unseren Körper bewegen kann. Besonders veranschaulicht das vielleicht ein Bild vom hibbeligen Kleinkind. Ohne viel Kraftaufwand springt es auf und ab und nutzt mühelos seine Sprunggelenke.

Sebastian Scheidt: Dass der Fuß eine geniale Konstruktion ist, dem kann ich nur beipflichten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass diese zierlichen Knochen die gesamte Körperlast tragen und auch bei Sprüngen, wo sie ein Vielfaches des Körpergewichts abfedern müssen, nicht zerbrechen. Das gesamte Konstrukt des Fußes und des Sprunggelenks wird neben der marginalen knöchernen Führung hauptsächlich durch die Kapsel – und Bandstrukturen gehalten und stabilisiert. Dieses Zusammenspiel erlaubt überhaupt erst die einzigartige Bewegungsfreiheit und Stabilität. In der Therapie dürfen diese Strukturen nicht vernachlässigt werden. Gerade bei Sportlerinnen und Sportlern sollten diese entsprechend trainiert und im Verletzungsfall ausgiebig rehabilitiert werden.

Welche prophylaktischen Maßnahmen empfehlen Sie ihren Patientinnen und Patienten?

Sebastian Scheidt: Gerade im Klettersport ist es wichtig sich vor der Belastung ausreichend warm zu machen und seinen gesamten Körper zu dehnen, um ihn auf die bestehende Anstrengung vorzubereiten. Ausgleichssportarten sind sehr zu empfehlen, da sie zum einen die Gesamtfitness, aber auch das Körpergefühl und somit die Rumpfstabilität erhöhen. Andere Betätigungen, wie Joggen oder Schwimmen führen beispielsweise zur Kräftigung der Bänder und Knochen. So führen Spitzenbelastungen, wie Stürze, weniger häufig zu Verletzungen.

Hast Du noch was zu ergänzen?

Anna: Im Kletter- und Bouldersport gibt es Sturztrainings. Verschiedene Techniken können helfen Verletzungen zu verhindern oder wenigstens etwas zu mildern. Auch lege ich immer viel Wert auf das Aufwärmen der Muskulatur und der Bänder. So können viele Verletzungen vermieden werden – abgesehen von Unfällen mit starkem Wand- oder Bodenkontakt, die meist schwerwiegendere Verletzungen mit sich bringen. Und auch, wenn es banal klingt, klettert oder bouldert nicht bis zur vollen körperlichen Erschöpfung.

Mit diesem Doppelinterview möchte ich allen Ärztinnen und Ärzten sowie ihren Teams danken, die mich unterstützt haben und teilweise weiterhin unterstützen. Die abschließende Kletterreportage der Artikelreihe wird voraussichtlich im Sommer 2020 veröffentlicht.  

Titebild: Tim Liss

Weitere Artikel der Reihe:

Hoch hinaus oder die Kunst des Sturzes

Der Fuß – eine geniale Konstruktion

„Wir bringen Sie wieder zum Laufen.“

Sardinien: Im Banne des Supramonte

6. Februar 2020
Die Bergfreunde

Schaut man sich die Heckscheiben deutscher VW-Busse und Wohnmobile an, prangt auf gefühlt jedem Zweiten ein Korsika-Aufkleber. Er scheint bei den „Bullis“ eine Art Zugehörigkeitszeichen zu sein – ähnlich wie der Sylt-Aufkleber auf bürgerlichen Mittelklasselimousinen.

Sardinien habe ich noch auf keinem Auto gesehen. Warum eigentlich? Vielleicht weil Korsika höhere und spektakulärere Berge hat? Kann sein, doch vermutlich liegt es einfach daran, dass Korsika von uns aus „weiter vorne“ liegt und schneller zu erreichen ist. Abgesehen von der Höhe der Berge gibt es ansonsten wenig Grund, warum die große Schwester Sardinia sich hinter der kleinen Corsica verstecken müsste.

Die Große hat nämlich alles vorzuweisen, was es für eine abwechslungsreiche Reise braucht: von weißen Sandstränden mit smaragdfarbenem Meerwasser über malerische Städte und urige Bergdörfer mit reicher Kultur und Geschichte, bis zu mediterranen Wäldern und Felsen, Hügeln, Bergen in allen Formen und Farben.

Allerdings wäre ich selbst auch nicht von allein auf Sardinien als Reiseziel gekommen. Mich hat ein Familientreffen dorthin geführt, was die praktischen Vorteile einer gesponserten Ferienwohnung plus Mietwagen mit sich brachte. Letzterer scheint (leider) eine Grundvoraussetzung, wenn man auf Sardinien mit überschaubarem Zeitaufwand herumkommen will.

Immerhin lässt sich schon ab etwa 30 Euro pro Tag ein schotterpistentauglicher Untersatz inklusive Vollversicherung ohne Selbstbeteiligung ergattern. Mit öffentlichem Verkehr kommt man zwar zwischen den Städten und Dörfern durchaus gut herum, doch in den eher abgelegenen, landschaftlich attraktiven Ecken ist das mit enormem (Zeit)Aufwand verbunden. Details dazu bei den vorgeschlagenen Wandertouren und im abschließenden Informationsteil.

Sardinien für Bergfreunde: Nicht schlecht, Herr Specht!

Man kann Sardinien getrost ein Outdoorparadies nennen, von Bergen über Kletterfelsen bis zu Stränden und Tauchrevieren lädt so ziemlich alles zum draußen sein und Sporteln ein. Für Wanderer bieten  Gebirgszüge wie Gennargentu, Supramonte und Limbara große Spielwiesen mit je eigenem Charakter. Sportkletterer, Boulderer und Alpinkletterer finden eine kaum zu überschauende Auswahl an erstklassigem Gestein, vor allem auch in der hier beschriebenen Supramonte-Region. Einen Einblick dazu gibt es beim klettern-Magazin.

Fast hätte ich von „enormer Vielfalt auf engem Raum“ geschrieben, doch das stimmt nur teilweise. Denn obwohl Sardinien auf der großen Südeuropakarte nur eine unter vielen Inseln ist, sind die Entfernungen beachtlich. Tatsächlich bezeichnen manche Reiseautoren Sardinien als „kleinen Kontinent“. Das liegt nicht nur am doch ziemlich beachtlichen Nord-Süd-Durchmesser von 250 Kilometern Luftlinie, sondern auch am eben erwähnten, die Kletterer verzückenden Fels- und Steinreichtum der Insel. Ein solcher Untergrund erfordert unzählige Kurven, sodass der Verkehr vielerorts nur gemächlich dahinrollt. Mit den an jedem Gartenzaun haltenden Nahverkehrsbussen dauert das besonders lang.

Highlight Supramonte

Einen verkehrstechnischen Vorteil hat Sardinien dennoch: es gibt im Osten der Insel nämlich einen Landstrich, an dem Strände vom Feinsten, Sportklettergebiete und wilde, bergige Karstlandschaft nah beieinander liegen. Dieser Landstrich hört auf den klingenden Namen Supramonte.

Hier stimmt die Losung von der großen Vielfalt auf engstem Raum. Eigentlich ist das Supramonte eine Hochebene mit tief eingeschnittenen Schluchten und teils schroffen Berggipfeln, von denen einige trotz ihrer eher bescheidenen 1000 bis 1400 Meter mächtige Felsburgen sind. Die Landschaft wirkt so beeindruckend, weil sie „häufig unterbrochen von engen Schluchten, imposanten Kalkgipfeln, weiten Plateaus, tiefen Dolinen sowie versteckten Klammen“ ist. Da ihr zerklüfteter Kalkstein jeden Niederschlag „schluckt“ und in große unterirdische Reservoirs leitet, gibt es so gut wie keine Seen und Flüsse. Nur in der Karstquelle Su Gologone tritt ein Teil des Wassers an die Oberfläche.

Drei Wandertouren der Marke „in der Kürze liegt die Würze“. Und ein „ungeprüfter“ Vorschlag

Die folgenden drei Touren habe ich nach Vorabrecherche im Internet und in Reiseführern ausgesucht und begangen. Ich kann sie also unbedingt und wärmstens empfehlen. Wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre ich noch die eine oder andere Tour an der spektakulären Ostküste zwischen Cala Gonone im Norden und Baunei im Süden gegangen. Dort bieten wilde Klippen, traumhafte Buchten, mächtige Felsbögen und -Nadeln über tiefblauem Wasser einen spektakulären Anblick nach dem anderen. Es gibt eine anspruchsvolle Trekkingtour namens Selvaggio Blu, die den südlichen Teil dieses Küstenabschnitts in vier Tagesetappen bewältigt – Klettersteigpassagen inklusive.

1. Gola Gorropu (Gorropu-Schlucht) von der Passhöhe Genna Silana

  • Dauer/ Strecke: 3,5 – 4,5 Std. hin und zurück, je 600 Hm und 4,2 km, zuzüglich Aufenthalt in der Schlucht
  • Zufahrt: von Dorgali auf der SS 125 zum Parkplatz auf der Passhöhe des Genna Silana auf 1020 m

Bis zu 500 Meter hohe, teils stark überhängende Felswände treffen auf einem stellenweise nur wenige Meter breiten Schluchtgrund, der in engen Kurven verläuft, zusammen. Im Grund liegen Steine und Felsbrocken wild aufeinandergewürfelt und in allen Größen herum. Viele von ihnen sind von den nach Regenfällen hier entlang tosenden Wassermassen kugelrund geschliffen.

Einen schönen Zugang zu diesem Naturwunder bietet der beim Parkplatz auf der Passhöhe des Genna Silana startende Wanderweg. Bergab führt der alte Schäferpfad durch schönen Wald mit großen Korkeichen und vorbei an wilden Felsflanken zum Eingang der Schlucht auf 450 m Meereshöhe. Es geht teils steil hinunter, bevor man nach etwa eineinhalb Stunden das Portemonnaie zücken darf: der Eintritt in die Schlucht kostet 5 Euro.

Zwar ist der Blick von vorn in den Schluchteingang auch schon spektakulär, doch mittendrin sind die Eindrücke nochmals viel intensiver. Der Eintritt lohnt also auf jeden Fall, zumal er auch dem Erhalt des sensiblen Naturraums dient. Ich bin etwa 20 Minuten entlang der ersten zwei „Kurven“ der Schlucht hineingelaufen, bis das Gelände nach meinem Empfinden etwas weniger spektakulär wurde. Wer weiter hinein will, kann das natürlich tun, das Gelände soll laut des verpflichtenden „Briefings“ durch die Rangerin technisch und orientierungsmäßig immer anspruchsvoller werden.

Alles in allem ist die Tour nicht nur sehr schön, sondern das Gekraxel und Gewurschtel über die vielen Blöcke im Schluchtgrund auch sehr anregend.

Kletterer kennen die Schlucht wegen der Megaroute Hotel Supramonte, die ich etwa 15 Minuten vom Schluchteingang aufwärts gehend auf der linken Seite anhand eines von der Wand baumelnden Seils zu erkennen glaubte. Sie wurde 1998 von Rolando Larcher und Roberto Vigiani eingerichtet, misst 10 Seillängen mit Schwierigkeiten von 7a+ bis 8b und hängt auf ihren etwa 400 Metern Länge an die 100 Meter(!) über. Sie gilt bis heute als eine der schwierigsten alpinen Sportkletterrouten weltweit.

Alternativ kann die Schlucht auch vom Parkplatz Sa Barva im Tal des (nur nach Regen wasserführenden) Riu Flumineddu erreicht werden. Dieser Weg folgt stets dem Talboden und verspricht damit weniger Aussicht als „meine“ Variante vom Pass aus. Auch die als nächstes vorgestellte Siedlungsstätte am Monte Tiscali ist von Sa Barva aus in 2-3 Stunden Wanderung zu erreichen.

2. Monte Tiscali, 518 m – aus dem Valle Lanaittu

  • Dauer/Strecke: 2-3 Std. hin und zurück, je 350 Hm
  • Zufahrt: von Nuoro/Oliena oder Dorgali auf der SP 46 zum Abzweig nach Su Gologone. Von dort zunehmend ruppiges Sträßchen ins Lanaittu Tal

Der halbrunde, kraterartige Rest einer vor Jahrtausenden eingestürzten Riesendoline ist der beeindruckende Überbau für die Überreste einer prähistorischen Nuraghensiedlung. „Nuraghe“ bezeichnet sowohl die auf Sardinien überall zu sehenden Turmbauten, deren Zweck umstritten ist, als auch die mit diesen Bauten verbundene bronzezeitliche Kultur, die zwischen 1600 und 200 v. Chr. eine bemerkenswerte Blüte erreichte.

Der Weg dorthin führt durch eine wildschöne Szenerie an Bergen, Tälern und Schluchten. Man folgt zunächst auf Forstweg, dann auf immer schmalerem Pfad einigen Serpentinen durch zunehmend felsige Waldflanken, um oben durch eine Felsspalte zu schlüpfen und eine natürliche Felsgallerie entlang zu schreiten, bevor sich am Rand der Doline tolle Blicke eröffnen. Kurz vor Erreichen des Ziels gilt es – wie schon in der Gorropu-Schlucht -, die Brieftasche vorzuholen und 5 Euro beim freundlichen Kassenwart zu zahlen. Das Geld dient dem Erhalt der Stätte und dem Schutz vor (weiterer) Plünderung. Ein abgesteckter Rundgang führt durch diesen erstaunlichen, stimmungsvollen Ort.

Der „Normalweg“ führt ebenfalls von Sa Barva aus dem Tal des Riu Flumineddu hierher. Ich wählte den Zugang aus dem malerischen Valle Lanaittu, da ich diesen besonderen Landstrich erkunden wollte. Auf Schotterpiste folgte ich den „Tiscali“ Schildern soweit es Schlaglöcher und Radstand zuließen, bis ich bei den GPS-Koordinaten 40.2482053N, 9.4898756E das Auto abstellte.

3. Monte Corrasi, 1463 m – von Oliena

  • Dauer/Strecke: ca. 3 Std. hin und zurück, je 450 Hm
  • Zufahrt: von Nuoro über die SP 22 nach Oliena, dort im Zentrum den Schildern Richtung Via/Monte Corrasi folgen

Bis Oliena ist die Anreise zum höchsten Gipfel des Supramonte auch mit dem Bus möglich, danach führt die abenteuerliche, bald unbefestigte „Via Corrasi“ Richtung Punta sos Nidos. Mit robuster Autobereifung kann man ihr etwa 20 Minuten bis zu einer als Parkplatz nutzbaren Verbreiterung auf ziemlich genau 1000 Meter Höhe folgen. Zu Fuß dauert es hierhin ca. 2 Stunden.

Vom schön gelegenen „Parkplatz“ aus folgt man dem weiterhin recht breiten (und mit Allrad wohl noch weiter befahrbaren) Forstweg, bis er sich am Rande des Supramonte-Hochplateaus in einen Wanderweg verwandelt. Der runde Gipfelrücken ist hier bereits in Sicht und erscheint näher als er ist. Die Beschilderung ist gut und der Pfad auch an schmalen Stellen immer erkennbar, sodass man ein Verirren kaum fürchten muss.

Kurz unterhalb des Gipfels wird es mit einigen etwas steileren und steinigeren Stellen zu einer richtigen Bergwanderung. Oben genießt man eine Riesenaussicht über den Supramonte, das benachbarte Gennargentu-Massiv und den zentralen Osten Sardiniens. Auch die Tiefblicke in die steilen Nord- und Westflanken des Supramonte sind beeindruckend. Meerblick ist ebenfalls inklusive.

Praktische Infos:

Reisezeit

Sightseeingurlaub mit Landschaft und Kultur geht auf Sardinien das ganze Jahr, für Outdooraction eignen sich Frühjahr und Herbst am besten.

Anreise

Olbia im Nordosten, Sassari im Norwesten und Cagliari im Süden werden von (Billig)Airlines angeflogen. Von Süddeutschland aus ist die Anreise über Land sicher nachhaltiger und – vor allem mit Zwischenstopps in Florenz oder Rom – sicher auch schöner. Beispiel: Meine Rückreise führte von Olbia mit der Tirrenia-Fähre nach Cittavecchia, von dort per Regionalzug nach Rom und von dort wiederum (3 Tage später) mit Flixbus in süddeutsche Gefilde. Die Kosten von gut 80 € lagen in etwa bei denen des Hinflugs.

Mobilität vor Ort

Laut Sardinien-Inside ist das Unterwegssein mit Bus und Bahn auf Sardinien „abenteuerlich“. Selbst mit der recht gut funktionierenden Bahn kann es passieren, dass man zu ungünstigen Tageszeiten an Orten eintrifft und nicht mehr wegkommt. Nach Tickets für Bus und Bahn muss man laut der Seite hauptsächlich in Bars vor Ort Ausschau halten. Immerhin sind die Preise günstig.

Das Bahnnetz erstreckt sich zwischen den größeren Städten, vor allem zwischen Olbia, Sassari, Oristano, Cagliari, Nuoro und Carbonia. Darüber hinaus gibt es unter dem Label Trenino Verde  einige Schmalspurbahnen mit teils sehr schöner Streckenführung. Informationen und Tickets für die Hauptstrecken gibt es bei Trenitalia.

Zum Pass Genna Silana (Ausgangspunkt für Tour 1) soll ab Siniscola oder Nuoro das Busunternehmen Arst fahren, allerdings nur einmal täglich (Diese Info ist allerdings einem  Michael Müller Wanderführer von 2009 entnommen. Näheres und Aktuelleres dazu eventuell auf der alles andere als einladenden Firmenwebsite, sofern man sich dort zurechtfindet).

Neben Arst betreiben die Firmen Gruppo Turmo Travel und Deplano Bus weitere Linien. Kleinere Unternehmen wie Sun Lines Elite Service, Logudoro Tours, Redentours und Sardabus verkehren nur auf wenigen oder einzelnen Strecken.

Übernachten

Wie bei der Mobilität gilt auch beim Übernachten, dass Sardinien nicht wirklich ein Backpacker-Mekka ist. Dazu gibt es zu wenige gut ausgestattete Campingplätze oder „junge“ Hostel-Dorm-Unterkünfte der Low-Budget Kategorie an strategisch günstigen Orten. Auch die Sportkletterer reisen eher in den eigenen Campern an und herum.

Entlang der Küsten sieht es mit der Auswahl an günstigen Unterkünften besser aus als im Hinterland.

Fazit

Sardinien ist auch für Bergfreunde und Outdoorer allemal eine Reise wert. Vor allem auf Kletterer und Wanderer warten unzählige Möglichkeiten und tolle Eindrücke – von völlig entspannt bis hoch ambitioniert.

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