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Die Lieblingsorte der Bergfreunde: Zuhause ist es doch am schönsten

18. August 2017
Die Bergfreunde

Willst du immer weiter schweifenSieh, das Gute liegt so nah“ heißt es in Goethes Erinnerung. Eine Weisheit, die auch die Bergfreunde hoch halten. Freilich zieht es einige von uns in die große weite Welt, viele andere wiederum fühlen sich am Albtrauf, im Schwarzwald oder am Thüringer Meer genauso wohl, wie unter Palmen, auf Vulkanen oder in Canyons. Heute führen euch Die Bergfreunde Natalie, Tina, Norma und Jörn durch die schöne Heimat. Los geht’s bei den Bergfreunden um die Ecke:

Bergfreundin Tina (Kundenservice): Der Mädlesfelsen

Der Ausblick auf meine Heimat ist einfach atemberaubend – mir Schwoba hen’s scho schee.

Wenn man von Reutlingen oder Tübingen über die bewaldeten Erhebungen der schwäbischen Alb blickt, fällt einem bei guter Sicht schnell eine kalkweiße Stelle ins Auge, die die Bäume des Albtraufs durchbricht. Schaut man nicht so genau hin könnte man meinen, es handele sich hier um eine Burg oder Wehranlage, wie es sie zuhauf auf der schwäbischen Alb gibt.

Doch weder noch. Der weiße Flecken Fels hört auf den Namen „Mädlesfelsen“, liegt auf 774 m und ist ein wunderschöner Aussichtspunkt oberhalb von Pfullingen bei Reutlingen. Sein Namen entstammt einer alten Sage, nach der ein junges Mädchen sich mit einem beherzten Sprung vom Felsen vor einem finsteren Bösewicht in Sicherheit bringen konnte. Wenn das Wetter gut ist, kann man hier einen wunderschönen Sonnenuntergang erleben, wie es zum Beispiel die Bergfreunde Johannes, Thomas, Jörn und Sven auf dem Bild getan haben, und sich danach noch ein paar schwäbische Spezialitäten im nahe gelegenen Restaurant schmecken lassen!

Bergfreundin Natalie (Marketing): Der Schluchsee

Mein Opa hat da sein Bienenhäusle ganz versteckt im Wald :)

Unweit des Feldbergs liegt der mit einer Wasseroberfläche von 5,14 km² größte See des Schwarzwalds: Der Schluchsee. Sicherlich, absolut kein Geheimtipp, aber alle mal ein schönes Fleckchen Erde, das für Bergfreundin Natalie ein kleines Stück Heimat ist, das sie gerne bei jeder sich gebenden Gelegenheit besucht – nicht nur um den Honig von ihrem Großvater zu genießen.

Egal ob zum Wandern, zum Biken oder einfach um die Natur zu genießen – rund um den Schluchsee ist jede Menge geboten. Außerdem ist der Schluchsee Teil des Schluchtensteigs, der über 120 km einmal quer durch den Südschwarzwald führt. Und in Schluchsee, dem gleichnamigen Ort direkt am Ufer des Gewässers, soll es angeblich ziemlich gutes Eis geben.

Bergfreundin Norma (Personal): Hohenwartetalsperre

Es gibt dort einen super schönen und wenig begangenen, 80 km langen Rundwanderweg. Zwischendurch kann man immer mal wieder baden, Stand-Up-Paddling machen oder ein Eis/ eine Thüringer Bratwurst essen. Zudem ist der Wanderweg echt abwechslungsreich. Es geht immer schön Berg hoch und runter und durch einen still gelegten Zugtunnel – ein echtes Highlight!

Gleich noch ein See – aber diesmal in einer ganz anderen Ecke: Im schönen Thüringen. Mit 7,3 km² ist der Hohenwarte-Stausee (auch Hohenwartetalsperre oder Thüringer Meer) noch ein gutes Stück größer als der Schluchsee, aber nicht weniger schön. Gleichzeitig ist die Talsperre auch die Viertgrößte ihrer Art in Deutschland. Außerdem verkehrt auf dem See die einzige Autofähre Thüringens.

Der von Bergfreundin Norma benannte Wanderweg gehört zu den Prädikatswanderwegen „Wanderbares Deutschland“ und führt – wer hätte es vermutet – einmal um das Thüringer Meer. Zahlreiche Campingplätze, Gasthöfe und Pension ermöglichen eine gute Planung der Route, die man lieber auf mehreren Etappen absolviert, um die zahlreichen wunderschönen Eindrücke nicht zu verpassen.

Bergfreund Jörn (Marketing): Der Große Feldberg (Taunus)

Mein Schicksalsberg und immer wieder gerne besucht, wenn ich zu Besuch in der Heimat bin.

Als gebürtiger Hesse hat man es nicht leicht, wenn man aus der falschen Ecke kommt. In der Wetterau beispielsweise, dort wo Bergfreund Jörn aufgewachsen ist, ist alles ziemlich flach. Wenn man nun gerne Trails läuft oder bewandert, gibt es zwischen Äckern und Seen derlei wenig. Man hat dann zwei Möglichkeiten: Entweder man fährt in den Vogelsberg oder in den Taunus. Da man den Vogelsbergern aber nachsagt, dass sie kein Autofahren können, und man sich ja nicht unnötig in Gefahr begeben möchte, wählt man also den Taunus.

Dort heißt das Ziel in den allermeisten Fällen: Großer Feldberg! Mit sage und schreibe rund 880 m überragt er das Frankfurter Umland deutlich und ist nicht nur dank der hervorragenden Aussicht ein stark frequentiertes Ausflugsziel. Auf dem gesamten Bergmassiv finden sich viele alte Römerruinen, die man bei einer gemütlichen Wanderung erkunden kann. Und nach der Anstrengung „genießt“ man im Restaurant am Gipfel einen „Handkäs mit Musigg“ zusammen mit einem leckeren „Schöppsche Appelwoi“. Prost!

Schicksalsberg übrigens deshalb, weil Jörn hier seine ersten Versuche als Trailrunner gestartet hat – inzwischen neben dem Triathlon seine zweite Lieblingssportart.

WAS SIND EURE LIEBLINGSPLÄTZE?

Habt ihr auch einen Ort, an dem ihr entweder gerne viel Zeit verbringt oder der euch anderweitig in Erinnerung geblieben ist? Dann lasst gerne einen Kommentar da und erzählt anderen Bergfreunden von euren Touren. Wir freuen uns schon drauf!

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

17. August 2017
Ausrüstung

Camping. Für mich wohnt diesem Wort immer auch der vermeintliche Glanz längst vergangener Sommerurlaube inne. Mit Eltern, Campingbus und Zelt ging es irgendwohin in den sonnigen Süden. Schöne Tage waren das, wenn man einmal von Transport und Aufbau des Zeltes und der restlichen Ausrüstung absah: Unsere Zeltstadt Modell ‚Rimini‘ hatte knapp die Ausmaße des Mailänder Doms und in etwa auch dessen Gewicht. Alleine schon für den Transport des Planensacks waren zwei kräftige Männer notwendig, über den Stangensack wollen wir erst gar nicht sprechen. Begleitet wurde diese Heimstadt von Luftmatratzen und Schlafsäcken, die gewichtsmäßig dem Zelt in nichts nachstanden. Aber irgendwie gehörte dieses Geschleppe zum Urlaub dazu und wir waren jedes mal froh, dass der ganze Kram lediglich ein paar Meter auf dem Campingplatz herumgetragen werden musste. An eine Trekkingtour wäre mit dieser Ausrüstung nicht zu denken gewesen. Ich habe dies, Jahre später sogar einmal versucht und bin kläglich gescheitert…

Aber warum erzähle ich das alles? Nachdem wir uns hier im Blog mit dem Thema ultraleichte Rucksäcke, bereits ein Mitglied der sogenannten „großen Vier“ vorgenommen haben, möchten wir uns heute einmal den Rest dieser Familie, also ultraleichte Zelte, Schlafsäcke und Isomatten näher ansehen. Dabei handelt es sich freilich um das genaue Gegenteil zu dem, was ich als Kind erlebt habe und ist aber gleichzeitig auch ein schönes Beispiel, wie sich Materialien und Technologien auch im Bereich der Campingausrüstung weiterentwickelt haben.

Was aber macht Zelt, Schlafsack, Isomatte und Co. eigentlich zur Ultraleichtausrüstung?

Hier gestaltet sich die Sachlage ähnlich wie bei den Rucksäcken: Durch das Weglassen aller nicht unbedingt benötigter Teile sowie den Einsatz besonders leichter Materialien wird, wo es nur geht, Gewicht gespart. Dabei können diese Zelte, Schlafsäcke und Isomatten ihren konventionellen Kollegen in Sachen Komfort und Funktionalität durch den Einsatz modernster Technologien oft problemlos das Wasser reichen. Schauen wir uns also einmal an, wie die Welt der ultraleichten Campingausrüstung aussieht.

Zelte

Das Thema Zelte wird gerade im Ultraleichtberich stark diskutiert. Oft steht dabei die Frage im Vordergrund, ob ein Zelt überhaupt benötigt wird oder nicht auch durch einen guten Biwaksack bzw. ein Tarp ersetzt werden kann. Aus diesem Grund möchte ich auch hier einmal verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie man mit dem Thema ultraleichte Zelte umgehen kann.

Kleine Zelte

Ein- oder Zweimannzelte sind definitiv das Mittel der Wahl, wenn man mehrere Tage (evtl. mit Partner) unterwegs sein möchte. Gerade bei Touren in der kalten Jahreszeit oder Gebieten, in denen mit heftigen Niederschlägen gerechnet werden muss, ist die Mitnahme eines Zelts sicherlich sinnvoll. Außerdem sorgen Zelte nicht nur dafür, dass Wind und Wetter abgehalten werden, sondern auch, dass einem Getier wie Schnaken und Ähnliches nicht zu sehr auf die Pelle rücken kann. Hinzu kommen noch persönliche Faktoren wie Privatsphäre und Komfortbedürfnisse. Gerade im Bereich der Einmannzelte gibt es Modelle, die die 1-Kilo-Marke spielerisch unterbieten. Ein schönes Beispiel hierfür ist das ‚The Specialist Solo‘ von Sea to Summit. Dieses 1-Personenzelt bringt mit allem Drum und Dran gerade einmal 625 Gramm auf die Waage, kann aber noch weiter abgespeckt werden. Hier ist es beispielsweise möglich, das Gestänge durch zwei Trekkingstöcke zu ersetzen, wodurch nochmals gut 100 Gramm eingespart werden können. Zelte wie das Solar Ultra 2 von Terra Nova kommen mit rund 700 Gramm aus und bieten Platz für zwei Personen inklusive Gepäck.

Große Zelte

Es mag zunächst ein wenig widersprüchlich erscheinen, dass es auch im Ultraleichtbereich große Zelte gibt. Dennoch haben auch hier Zelte mit einer Größe von vier Personen und mehr durchaus ihre Berechtigung. Gerade für Familien, die mit ihren Kindern eine Trekkingtour unternehmen wollen, können Zelte dieses Typs sehr interessant werden. Dass dabei größer nicht gleich utopisch schwer sein muss, zeigen Zelte wie das Fjellheimen Superlight 4 Camp von Helsport. Hierbei handelt es sich um ein geräumiges 4-Personenzelt mit allem, was dazu gehört. Auch für Gepäck ist hier ausreichend Platz. Gewichtstechnisch kommt man hier auf gute 2 Kilo, was selbstverständlich mehr ist, als wenn man einfach zwei leichte Zweimannzelte mitnehmen würde. Hat man aber nur ein großes Zelt dabei muss man auch nur ein Zelt auf und wieder abbauen und spart somit Zeit. Darüber hinaus bietet ein großes Zelt für vier Personen immer auch mehr Platz als zwei kleine.

Alternativen

Was ist leichter als ein Zelt? Kein Zelt! Für viele Touren braucht es nicht unbedingt ein Zelt. Auch dann nicht, wenn man sich entschließt in der freien Natur und nicht in festen Unterkünften zu übernachten. Gerade in Gebieten mit wenig Niederschlägen und warmen Temperaturen kann so einiges an Gewicht eingespart werden. Eine gute Kompromisslösung kann hierbei die Mitnahme eines Tarps sein. Diese Zeltplanen können zwischen Bäume aufgespannt, mittels Trekkingstöcken aufgestellt oder sonst irgendwie in der Landschaft befestigt werden und bieten so in der Regel einen ausreichenden Wetterschutz. Wer es noch leichter möchte, der kann sogar auf ein Tarp verzichten und lediglich einen Biwaksack als groben Wetterschutz mitnehmen. Leichte Modelle kommen hierbei mit einem Gewicht kleiner 200 Gramm aus und bieten besten Schutz vor den Elementen. Neben der Gewichtsersparnis haben aber Biwaksäcke und Tarps noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Das Stichwort lautet hier Wildcampen. In manchen Ländern (darunter auch Deutschland) wir das Übernachten mit Tarp oder Biwaksack in freier Wildbahn nicht als Camping angesehen und unterliegt somit lockereren Bestimmungen als das Übernachten im Zelt. Wenn ihr dazu mehr erfahren wollt, dann schaut doch einmal in unsere Blogbeiträge zum Thema Wildcampen.

Schlafsäcke und Isomatten

Schlafsäcke und Isomatten tragen im Wesentlichen zum Schlafkomfort bei. Ein guter und erholsamer Schlaf ist wiederum für das Gelingen einer Tour sehr wichtig. Deshalb ist es gerade in diesem Bereich wichtig darauf zu achten, dass die individuellen Bedürfnisse abgedeckt werden. Das heißt, dass man hier keinesfalls an der falschen Stelle sparen sollte. Dennoch gibt es auch unter den Schlafsäcken und Isomatten Ultraleichtmodelle, die von warm bis kalt die volle Bandbreite abdecken.

Schlafsäcke

Hier sei gleich eines vorweggenommen: Wer einen leichten Schlafsack will, wird an einem Daunenschlafsack nicht vorbeikommen. Selbstverständlich gibt es Einsatzgebiete, in denen Kunstfaserschlafsäcke ihren Kollegen aus Daune überlegen sind, aber eben nicht beim Gewicht. Was aber macht eigentlich einen Schlafsack schwer? Das sind zum einen die Materialien die verwendet werden, zum anderen aber auch die isolierende Füllung. Bei den Materialien der Außenhaut eines Schlafsacks kommen im Ultraleichtbereich besonders leichte und dünne Stoffe zum Einsatz. Somit kann hier bereits einiges an Gewicht eingespart werden. Darüber hinaus kann man an der Füllung sparen. Einfache Regel hier: Daunenschlafsäcke, die für kältere Temperaturen ausgelegt sind, wiegen mehr als Daunenschlafsäcke, die nur bei wärmeren Temperaturen funktionieren. Daher sollte man sich gut überlegen, wofür man den Schlafsack verwenden will und was er dabei können muss. Beispiel: Mehrtageswanderungen oder Trekkingtouren mache ich eigentlich nur im Sommer. Somit kann ich auch nachts mit halbwegs angenehmen Temperaturen rechnen. Allerdings friere ich beim Schlafen sehr schnell und muss somit trotz voraussichtlich warmer Temperaturen Schlafsäcke einsetzen, die eigentlich für kältere Temperaturen ausgelegt sind. Diese Einschätzung muss jeder für sich selbst machen und somit definieren, welcher Schlafsack mit welchem Temperaturbereich am besten passt. Tipps zu diesem Thema liefert auch der Blogbeitrag von Simon.

Wer so beispielsweise zu der Einschätzung kommt, dass ein Dreijahreszeitenschlafsack genau das Richtige ist, der wird sich wahrscheinlich bei einem Gewicht von rund 500 Gramm einpendeln. Modelle wie der Prime Alpine von Pajak oder der Phase 30 von Marmot sind hierfür gute Beispiele. Darüber hinaus kommen im Ultraleichtbereich nicht selten Quilts, also Schlafsäcke ohne Rückenteil zum Einsatz. Hierdurch lassen sich in der Regel nochmals einige Gramm einsparen.

Isomatten

Gerade wenn ein Ultraleichtrucksack zum Einsatz kommt, macht es Sinn, eine Schaumstoffmatte wie die Easy-Mat Foldable von Salewa zu verwenden. Matten dieser Machart schlagen meist mit 300-400 g zu Buche und können obendrein zum Aussteifen des Rucksacks hergenommen werden. Außerdem sind sie quasi unkaputtbar. Nachteil: Diese Matten sind oft nicht besonders bequem und wer Probleme mit dem Rücken hat, wird sie wahrscheinlich schnell verfluchen. Als bequemere Alternative eignen sich auch Thermoluftmatten, die je nach Modell mit einem ähnlichen Gewicht wie ihre Kollegen aus Schaumstoff daher kommen. Wichtig ist es jedoch auch hier, dass die Isomatte nicht nur nach dem Gewicht, sondern auch nach dem Einsatzgebiet ausgewählt wird. Wer beispielsweise im Winter auf Schnee campen möchte, der braucht eine völlig andere Matte als für den Einsatz auf einer Wiese im Sommer.

Vorurteile und Missverständnisse

Wer den Blogbeitrag zum Thema Ultraleichtrucksäcke gelesen hat, der kennt das schon: Wir versuchen immer auch ein wenig zwischen den Lagern Ultraleicht und Ultraschwer zu vermitteln. Hierzu habe ich mir auch diesmal ein paar Vorurteile herausgegriffen und möchte diese näher beleuchten.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultraanfällig
    Dieses Vorurteil hört man oft und in vielen Bereichen. Was leicht ist und dazu noch aus einem dünnen Stoff, das kann nichts taugen, zumindest nicht auf Dauer. Gerade im Bereich der Schaummatten muss hier aufs Vehementeste widersprochen werden. Doch auch bei Zelten und Schlafsäcken ist es nicht so, dass diese schon im Katalog auseinanderfallen. Der Einsatz von leichten, aber gleichzeitig extrem robusten Materialien macht dies möglich. Darüber hinaus hat das Verhalten von Zelten bei Sturm nicht unbedingt etwas mit leicht oder schwer zu tun. Hier ist vielmehr die Form bzw. Bauweise ausschlaggebend.
  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultrakalt
    Kann stimmen, muss aber nicht. Wie bereits erwähnt sind Schlafsäcke, die weniger Füllung in sich tragen immer leichter als Schlafsäcke mit mehr Füllung. Somit sind wärmere Schlafsäcke immer auch schwerer als nicht so warme Schlafsäcke. Darüber hinaus kann aber auch an der sonstigen Machart sowie den restlichen Materialien Gewicht gespart werden. Der Einsatz einer Daunenfüllung macht den Schlafsack beispielsweise deutlich leichter und auch bei den Außenmaterialien gibt es leichte Alternativen. Während also ein ultraleichter Dreijahreszeitenschlafsack mit gut 500 Gramm auskommt, kommen konventionelle Kollegen aus Kunstfaser problemlos auf nahezu das doppelte Gewicht.
  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraungemütlich
    In Sachen Isomatte und Zelt kann dieses Vorurteil stimmen, muss aber nicht. Selbstverständlich schläft es sich auf einer dünnen Schaumstoffmatte weniger bequem als auf einer Luftmatte. Auch in einem Zelt, das von der äußeren Form her gelinde als Dackelgarage erscheint, hat man selbstverständlich weniger Entfaltungsmöglichkeiten als in einem größeren. Aber auch im Bereich von ultraleicht gibt es zahlreiche Modelle, die einem höheren Komfortbedarf gerecht werden. Nicht alle Zelte sind klein und eng, hier gibt es durchaus Unterschiede. Wer sich also mehr Platz wünscht, muss vielleicht auch ein paar Gramm mehr im Rucksack tragen (größer ist halt schwerer) dennoch gibt es viele Ultraleichtzelte, die eine gute Platzausbeute bei geringem Gewicht mit sich bringen. Wem einfache Schaummatten zu unbequem sind, der sollte sich einmal im Bereich der Luftmatten umsehen. Hier gibt es leichte Modelle, die gleichzeitig mit einem guten Komfort daher kommen.

Fazit

Ultraleichtausrüstung hat auch beim Camping seine Berechtigung. Fährt man nur mit dem Auto auf einen Campingplatz und baut dort alles einmal auf, ist das Gewicht freilich zu vernachlässigen. Wer aber mit dem Rucksack unterwegs ist und eine längere Trekkingtour mit vielen Höhenmetern macht, der verschafft sich durch eine leichte Ausrüstung einen klaren Vorteil. Dennoch sollte die Wahl des passenden Equipments nicht immer nur am Gewicht festgemacht werden. Wichtig sind hier ganz klar Faktoren wie Art und Länge der Tour. Auch das Wetter und die Temperaturen vor Ort müssen mit in diese Betrachtung einfließen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man unterwegs keine Nacht durchschlafen kann, weil man sich ständig seine „fünf Buchstaben“ abfriert.

Kleiner Hüttenknigge - Drei Regeln für Hüttenaufenthalte

Kleiner Hüttenknigge: Drei goldene Regeln für einen schöneren Hüttenaufenthalt

15. August 2017
Tipps und Tricks

Von wegen Wolle stinkt nicht: im Zimmerlager braut sich eine explosive Mischung zusammen. Süßlicher Schweißunterwäschenduft trifft gerade auf herbes Käsesocken-Fondue, als die herzzerreißende Bitte kommt, man möge doch endlich das Fenster schließen. „Ich erfriere…“.

Ein paar Minuten später scheint der erste im Lager zu ersticken – doch es ist nur der Auftakt zum nächtlichen Schnarchbenefizkonzert. Rund um die Uhr schleichen Piesler mit grellen Lampen durchs Dunkel, bevor kurz nach Mitternacht das Tütenrascheln der ersten Aufbrechenden beginnt.

Die Anspannung vor dem großen Abenteuer ist groß, die Nerven liegen blank. Hektisches Schlingen am Frühstückstisch, den Blick immer auf die Tür gerichtet. Wer wird der Erste sein dort draußen, am Berg, auf dem Gipfel…

Und wie war euer letzter Hüttenbesuch so? Hast du auch von einem einsamen Biwak geträumt? Dabei könnte es so schön sein am Berg, die pure Hüttenromantik. Wo der gesunde Menschenverstand aufgrund von Sauerstoffmangel versagt, helfen ein paar Regeln nach. Im folgenden die wichtigsten drei, um auf der Hütte zu überleben.

Hüttenknigge Regel 1: Don’t mess with the big boss

Das allerwichtigste gleich vorab: auf einer Berghütte bist du Gast und nicht der König.

Wie du es dir am schnellsten mit Wirt und Hüttenteam verspielen kannst? Zum Beispiel ohne Reservierung möglichst zahlreich und spät auf der Hütte ankommen, laut über mangelnden Komfort und das Essen beschweren oder gleich eigenes Essen und alkoholische Getränke mitbringen und nach dem Mülleimer fragen: „Jetzt hab dich nicht so, das nimmt doch die Müllabfuhr mit…“.

Dann könnte es bald heißen: „Au weh, ich glaube das Wetter wird schlecht- die Rucksäcke fliegen schon wieder so tief.“

Eine Hütte zu bewirten ist eine Kraft- und Ressourcen- erschöpfende Angelegenheit, die Nerven behalten oft ein Drahtseilakt. „Eine voll besetzte Hütte mitten in der Winterhauptsaison und plötzlich friert die Wasserleitung zu,“ erzählt Siggi Gufler von der Langtalereckhütte. „Wir mussten die Sanitäranlagen schließen, die Gäste stapften mit Klopapier bewaffnet durch den Schnee. Aus dem restlichen Mineralwasser habe ich Tee und Kaffee gemacht, das war alles was es gab und trotzdem hat sich niemand beschwert.“

Ein guter Hüttenwirt spielt auf der anderen Seite, sollte vor Allem ausgeglichen sein und Spaß daran haben, Probleme zu lösen. Anderswo geht es nicht ganz so vorbildlich zur Sache, da genügt es schon zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein, um aus der Hütte zu fliegen. Und trotzdem, oder vielleicht deshalb, ist die wichtigste Regel: „beiße nie die Hand, die dich füttert!“ Zumindest solange sie dich füttert.

Hüttenknigge Regel 2: Tausche alt (nicht) gegen neu

„Ab hier keine Bergschuhe“, steht dick und fett an der Tür zu den Schlafräumen und trotzdem latscht schon wieder jemand mit den schweren Stiefeln durch die Gänge. Es muss der Sauerstoffmangel sein, denn eigentlich will niemand mit Schuhen, ihren Düften und ihrem Dreck ins Bett. Ebenso einleuchtend wäre, dass feuchte Bergschuhe im beheizten Trockenraum viel schneller trocknen.

Die meisten Exemplare haben eine ganz eigene Duftnote, so dass man sich um mögliche „Verwechslungen“ nicht sorgen muss. Anders ist es mit der Ausrüstung: Pickel, Steigeisen oder Seil könnten begehrte Tauschartikel sein.

Ich brauche nicht zu erwähnen, dass das ein absolutes NO-GO ist, das trotzdem passiert. Dabei wäre es gar nicht so schwer, seinen Schatz angemessen zu sichern. Die meisten von uns sind hier oben im Besitz von biologischen Waffen! Ein Vorhang aus eingangs erwähnter Unterwäsche und Socken im Trockenraum dürfte abschreckend genug sein.

Eine Win-Win-Situation für die Lagernachbarn zudem. Und falls es doch einmal passiert: locker bleiben. Der Berg steht auch morgen noch, die Ausrüstung wird ersetzt und manchmal kommt man auf diesem Weg sogar zu einem alpinen Sammlerstücken: manche antike Ausrüstung ist schon so alt, dass sie wieder wertvoll ist!

Hüttenknigge Regel 3: Regeln sind da, um gebrochen zu werden

Genauso wie ein paar wichtige Verhaltensregeln gibt es ein paar wichtige Dinge, die dir auf der Hütte nicht fehlen sollten.

Manche Unannehmlichkeit (wie einen nervigen Nachbarn), können wir nicht ändern. Vieles aber schon. Ohne Hüttenschlafsack unter einer kratzigen Decke liegend braucht es zum Beispiel gar keinen Schnarcher im Zimmer, um eine schlaflose Nacht zu verbringen. So eine Nacht kann ganz schön lang sein, wenn man darüber nachdenkt, wer und was da alles unter dieser Decke schlief und schläft und ob das Beißen wirklich nur von der Schurwolle kommt. Wohl dem, der in seinem Hüttenschlafsack gar nicht auf solche Ideen kommt!

Wer nachts aufs Klo muss, wird ohne Stirnlampe jämmerlich eingehen, denn selbst im 21. Jahrhundert wird auf den Hütten nachts das Licht abgeschaltet und der Weg zur Toilette ist kompliziert und weit. Als wichtigstes Zubehör kommen zuletzt noch gute Ohrstöpsel ins Hüttenüberlebenspaket. Wahlweise mit Schlafmaske und Nasenklammer. Wir sind schließlich in Europa und jeder kann entscheiden, wen er hört, was er sieht und riecht. Na dann, gute Nacht!

Besser geht’s nicht

Ich sitze auf einem Halbseil, die Füße stecken tief im Rucksack. Jacke und Mütze sind der einzige Schutz vor der herein brechenden Oktoberkälte. Hoch über uns leuchten die Sterne, der Mond geht bald auf. So wildromantisch wie ich mir immer ein Biwak vorgestellt habe, ist es eigentlich gar nicht. Die Zähne klappern, der Körper zittert unkontrolliert bis die Krämpfe einsetzen.

Noch nie habe ich eine Nacht als so lang empfunden, eine nicht enden wollende Aneinanderreihung von ewigen Minuten. Wenn es doch nur schon vorbei wäre… Unerträgliche Erfahrungen von Hütten sind plötzlich lächerlich, nie wieder werde ich mich über irgendetwas beschweren, denn alles – wirklich alles – ist besser als das hier.

Nicht, dass wir uns freiwillig dafür entschieden hätten… Mit etwas Kompromissbereitschaft und Diplomatie lässt sich jede explosive Stimmung auf der Hütte herum reißen. Es gibt Schlimmeres als stinkende Socken.

Alles Wissenswerte zur OutDry-Membran

Dicht, dichter, OutDry – eine Materialinfo

11. August 2017
Ausrüstung

Das Wörtchen OutDry habt ihr beim Ausrüstungskauf vielleicht schon mal gelesen. Ob beim Outdoorschuh-Shopping, beim Handschuhkauf oder beim digitalen Regenjacken-Schaufensterbummel, immer wieder mal begegnet uns das zweisilbige Wort bei den Materialangaben. Das macht die Klamotten anscheinend wasserdicht. Aber was steckt eigentlich dahinter? Ist wasserdicht nicht gleich wasserdicht, oder hat OutDry vielleicht mehr drauf als nur „Aha, die Treter haben ne’ OutDry-Membran, also bleiben mir nasse Füße erspart“? Meine kleine Materialkunde klärt euch auf!

OutDry, was ist das überhaupt?

Eigentlich erklärt sich der Begriff ganz gut von alleine. ‚Out‘ und ‚Dry‘ – die Nässe bleibt draußen und man selbst schön trocken. War es das also schon? Ganz und gar nicht, denn die clevere Membran hat mächtig was auf dem Kasten! Aber von vorne.

OutDry-Technologies ist eine italienische Textilfirma mit Sitz im Nordwesten der Lombardei. Seit 2010 ist das Unternehmen ein Teil von Columbia Sportswear, wobei die Membran-Technologie auch bei zahlreichen anderen bekannten Outdoorherstellern, wie beispielsweise Mountain Hardwear oder Scarpa, zum Einsatz kommt.

Die OutDry-Technologie ist dabei so simpel wie genial. Die wasser- und winddichte sowie atmungsaktive Membran wird direkt und ohne Zwischenräume von Innen auf das Obermaterial der entsprechenden Textilie laminiert. Dabei kommt ein thermisches Laminierungsverfahren zum Einsatz. Das bedeutet, dass die Membran bei besonders hohen Temperaturen und hohem Druck mit dem Gewebe verbunden wird.

Somit werden das Außenmaterial und die Membran lückenlos miteinander vereinigt und etwaige Schwachpunkte, wie Nahtstellen oder winzige Lücken in der Oberflächenstruktur des Gewebes, werden förmlich „dichtgeschweißt“. Dadurch ergibt sich ein Wetterschutz, der Nässe und Zugluft nahezu keine Angriffsmöglichkeit bietet.

An den Stellen, an denen sich die Membran zwangsläufig überlappt, wird sie verschmolzen, wodurch ein umlaufender und lückenloser Nässeschutz entsteht. Man bleibt quasi rundherum trocken. Gleichzeitig wird durch die direkte Verheiratung von Gewebe und Membran eine weitere Bedeutung des Namens OutDry deutlich: Membran und Obermaterial werden praktisch eins, der Feuchtigkeitsschutz beginnt also direkt von außen (Out) und hält dort, wo die Feuchtigkeit eindringen könnte, trocken (Dry).

Was kann OutDry was ihre Membran-Geschwister nicht können?

Soweit so gut. Aber was ist der Unterschied zu anderen Membran-Technologien? Welche Vorteile gibt es? Die Besonderheit der OutDry-Technologie gegenüber einer „herkömmlichen“ Membran-Verwendung liegt auf der Hand. Während die Membran bei OutDry-Textilien – seien es Schuhe, Jacken oder Handschuhe – direkt an das Obermaterial laminiert wird, sieht das bei Gore-Tex und Co. etwas anders aus.

So ist die Membran bei vielen anderen Systemen erst auf dem Innenfutter verarbeitet, was einige Probleme mit sich bringt. Zum einen können sich in dem so entstehenden Zwischenraum Feuchtigkeit und auch Schmutz ansammeln. Zum anderen saugt sich das Obermaterial bei nachlassender Imprägnierung mit Nässe voll. Beides macht das Gewebe nicht nur unnötig schwer und mindert bei manchen Textilien die Atmungsaktivität und die Isolationsfähigkeit, sondern erhöht auch das Risiko, dass sich an irgendeiner Stelle, ein gewiefter Regentropfen durchmogeln könnte. Die OutDry-Membran kennt solche Probleme nicht.

Ein weiterer Vorteil der Membran-Technologie, dem sich unsere kleine Materialkunde widmet, ist, dass nahezu jedes Innenfutter verwendet werden kann. Die Hersteller können bei der Wahl des präferierten Innenmaterials praktisch auf alles zurückgreifen, was der Markt zu bieten hat. Bei Membran-Technologien, die auf das Innenfutter laminiert werden, ist das oftmals nicht der Fall.

Da die Membran mit dem Obermaterial verbunden ist und so in einem gewissen Abstand zum Körper liegt, ist eine deutlich bessere Luftzirkulation möglich. Weitere Pro-Punkte für die OutDry-Technologie? Die Gewebe sind flexibel, dehnbar und auch unter Belastung nicht brüchig. Bei Regentouren geht die Atmungsaktivität der Membran kaum zurück – vorausgesetzt auf dem Gewebe liegt keine dicke Wasserschicht, die das Material dicht macht.

In Sachen Umweltverträglichkeit gibt es ebenfalls wenig zu meckern. Die Membran ist PTFE-frei und beim Laminationsprozess kommt ein Kleber zum Einsatz, der komplett ohne schädliche Lösungsmittel auskommt, was OutDry sogar den Eco-Design Award auf der internationalen Sportmesse 2009 eingebracht hat. Last but not least: Dadurch, dass die Membran sozusagen mit dem Gewebe verschweißt ist, wird eine zusätzliche Nahtversiegelung obsolet.

Knochentrocken bei eisigen Brisen und fetten Regentropfen – die Einsatzgebiete für OutDry-Textilien

Eigentlich sind den Einsatzgebieten von Outdoortextilien mit OutDry-Membran wenige Grenzen gesetzt. Immer dann, wenn es nass wird und Wind und Wetter ein Wörtchen bei der Tourenplanung mitreden, kommen die Eigenschaften der Membran-Technologie wie gerufen. Sowohl der lockere Alltagseinsatz, die Wandertour bei Regenwetter, Wintersport oder Touren in hohen Höhen und unter schwierigen Bedingungen, für jede Outdoorfacette gibt es das passende OutDry-Äquivalent.

Und was ist mit der OutDry Membran ausgestattet? Im Prinzip alles, was einen Wetterschutz braucht! Von der Regenjacke (OutDry Extreme), über die wasserdichten Wanderschuhe (OutDry), bis hin zu Handschuhen, Rucksäcken oder Regenhosen – das alles gibt es mit der Technologie.

Somit erstreckt sich der Einsatzzweck natürlich auch auf alle möglichen Outdoor-Aktivitäten, allen voran natürlich Wandern, Trekking und Trailrunning. Doch wie steht es eigentlich mit der Rucksacktauglichkeit? Das ist ja auch immer so ein Knackpunkt. Leider konnten wir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Aussage bekommen, wie sich OutDry mit einem richtig schweren Trekkingrucksack verträgt. Mit klassisch beladenen Daypacks sollten aber absolut keine Probleme entstehen.

Wenn ihr also auf der Suche nach einem effektiven Nässeschutz seid, der gleichzeitig den Wind draußen hält und gute Atmungsaktivität bietet, bekommt ihr mit der OutDry-Technologie eine clevere Alternative, die nicht von der Hand zu weisende Vorteile bietet und vielleicht einige vom Hereinschnuppern ins andere Membranen-Lager überzeugt!

Die Save-Bouldering-Initiative

Bleibt sauber – Interview mit Christian von Save Bouldering

9. August 2017
Tipps und Tricks

Bouldern ist in aller Munde. Und das nicht erst seit gestern. Im ganzen Land schießen neue Hallen aus dem Boden und die bestehende Infrastruktur wird erweitert. Mit zunehmender Anzahl an Sportlern, steigt natürlich auch die Nutzung der natürlichen Boulderspots. Leider geht es dabei nicht immer ganz sauber zur Sache – im wahrsten Sinne des Wortes. Doch was tun um der Verschmutzung Herr zu werden? Genau das trieb auch Christian um, der vor vier Jahren die Initiative „Save Bouldering“ gründete. Im Basislager-Interview erzählt er von seiner Idee, der Umsetzung und wie es ein paar prominente Namen auf die Liste der Unterstützer geschafft haben.

Hi Christian, erstmal vielen Dank, dass Du uns für ein Interview zur Verfügung stehst. Heute schon am Fels gewesen?

Hallo zusammen, gerne. Und nein, leider nicht. Das lokale Angebot an Felsen ist bei mir eher mies, deshalb beschränkt sich der Aufenthalt am Fels jährlich eher auf wenige Trips nach Bleau – oder mal ganz verwegen – nach Schweden. Leider ist daher mein „Fels“ meisthin nur aus Plastik.

Erzähl uns ein bisschen was über dich – soweit ich weiß, kletterst und boulderst du schon einige Jahre durch die Gegend?

Ich bin Ende der 1980er zum Klettern gekommen. Nach einem Diavortrag des legendären Duos Güllich/Albert musste ich es einfach selbst ausprobieren und bin die ersten Jahre sehr häufig in der Fränkischen kletternd zugegen gewesen. Nach etwas weniger kletterintensiven Zeiten bin ich in den letzten zehn Jahren nun fast ausschließlich Bouldern und das am allerliebsten in Bleau. Besonders begeistert mich dort die Textur der Felsen und die qualitative Dichte an Problemen auch in gemäßigten Schwierigkeiten bis in den unteren 7. Grad, für viel mehr reicht es bei mir halt (noch) nicht.

Mit eurer Initiative wollt ihr die Boulderer da draußen ermutigen, den Sport nachhaltiger zu gestalten. Was war der Auslöser für die Gründung von SaveBouldering?

Ich wollte irgendwann, so um das Jahr 2013 herum, mehr aus meinem Hobby machen und war an der Eröffnung der Boulderwelt in Frankfurt beteiligt. Im Zuge dessen konnte ich live miterleben, wie sich der Randgruppensport Bouldern, durch das lokale Angebot an Indoormöglichkeiten, rasend schnell in die Breite entwickelt. Dass sich daraus auch schnell Konsequenzen für das Bouldern draußen ableiten würden, lag auf der Hand. Wer in letzter Zeit mal zu Hochzeiten wie Ostern in den populären Spots in z.B. Bleau zugegen war, kann das nur schwerlich leugnen. In einem Gespräch mit Irene und René von NIHIL Climbing bzw. MadRock Europa wurde uns klar, dass Boulderer, die in einer Halle an den Sport herangeführt werden, dort nicht unbedingt automatisch mit den Soft Skills ausgestattet werden, die es draußen für einen verantwortungsvollen Umgang in und mit der Natur braucht. Daher entschlossen wir uns, ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Mit den Jungs von Kletterszene.com, Gerhard und Sebastian, fanden sich schnell weitere Mitstreiter und wir gingen die Sache mal zaghaft an.

Wie lange hat es von der Idee bis zum ersten Poster-Entwurf gedauert?

Das Poster war eher ein Zufall, ein oder zwei Wochen nach besagtem Gespräch war es schon fertig. Zu dem Zeitpunkt leitete ich noch den Bouldershop in der Boulderwelt Frankfurt und erdachte mir, einen Aushang dort zu platzieren, der wirklich rudimentäre Verhaltensregeln für das Draußenbouldern postulieren sollte: Verbote respektieren, Zugänge achten, Müll mitnehmen, Waldbrände vermeiden, Chalknutzung & Tickmarks begrenzen, Schuhe saubermachen und so weiter. Weil die Intention des Plakats gut angenommen wurde, gründeten wir kurz darauf eine Facebook-Seite und stellten eine einfache Website online. Darin sahen wir die Chance, das Ganze auch über den deutschen Sprachraum hinaus zu pushen und begannen sukzessive, zumindest die Website, in weitere Sprachen zu übersetzen. Inzwischen sind wir bei zehn Sprachen angekommen und decken damit einen Großteil Europas ab.

Da habt ihr in den vier Jahren eures Bestehens ja schon viel erreicht. Sicherlich auch dank eurer Unterstützer, unter denen sich auch prominente Namen wie Adam Ondra und Guillaume Glairon-Mondet finden – wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Profis?

Das war eher glücklicher Zufall bzw. ein wenig Networking. Guillaume Glairon-Mondet ist zum Beispiel im MadRock-Team und Irene fragte ihn einfach, ob er es übersetzen würde und er tat es gerne. An Adam Ondra kamen wir über Black Diamond, die die Initiative ebenfalls unterstützen. Die anderen Übersetzer waren entweder persönliche Kontakte oder Freiwillige, die uns damit unterstützen wollten. Generell ist es zwar schön, wenn man Unterstützung von großen Namen erfährt, aber ein wirklich breites „Spreading the word“ erreicht man vielmehr, wenn jeder, der es unterstützenswert findet, seinen vermeintlich kleinen Teil dazu beiträgt: danach handeln und andere animieren, es gleichzutun.

Wie verbreitet ihr eure Botschaft? Stehen schon Schilder an den berühmten Boulder-Spots?

Wir sind leider nicht in der Lage, große, aufmerksamkeitsstarke Aktionen auf die Beine zu stellen. Zeit und Geld sind da limitierende Faktoren, die wir alleine nicht überwinden können. Es freut uns sehr, wenn bei Clean-Up-Days in Bleau, in der Fränkischen oder auch in Kürze wieder im Magic Wood, ein Plakat von uns aufgehängt wird und wir sind froh um jeden einzelnen, den wir erreichen können. Sei es nun vor Ort oder über Facebook, eine Erwähnung im Netz, freiwillige Aktionen (Anzeigen in der Climax oder Postkartenbeilagen in den Boulderführern von Panico) oder dass doch mal irgendwo ein Plakat in einer Halle hängt.

Gab es auch irgendwann mal Gegenwind für eure Aktion oder wurde sie durchweg positiv aufgenommen?

Von Boulderern gab es bisher nahezu nur positives Feedback. Entweder ist es in der Sache an sich begründet, dass es nicht viel Negatives daran auszusetzen gibt oder aber wir sind noch zu klein und unbekannt und damit unter dem Radar derer, die sich daran reiben würden. Zumal wir auch wirklich versuchen, niemanden zu drangsalieren oder uns als die großen Moralaposteln aufzuführen. Wenn wir mit diesem Vorhaben mal brechen, dann richtet sich das eher an die Industrie, wenn dort aus Vermarktungsgründen Nachtbouldern propagiert wird oder Events in empfindlichen Gebieten abgehalten werden. Doch selbst von deren Seite gab es bisher kein negatives Echo.

Zum Schluss wäre noch Platz für eine Botschaft: Was möchtest du den Bergfreunden da draußen gerne mit auf den Weg geben?

Die Möglichkeiten für Outdooraktivitäten wie Bouldern sind limitiert, vielfach auch schon reguliert. Gebiete wie Bleau werden nicht „nachwachsen“ und wenn Gebiete erst einmal gesperrt werden, dann wird es sehr schwer werden, dies wieder aufzuheben. Es gibt viele Gelegenheiten durch unumsichtiges oder falsches Verhalten den weiteren Bestand dieser Ressourcen zu gefährden. Wenn Ihr Freude am Bouldern draußen habt, dann seid einfach fair und verhaltet Euch so, dass es für uns alle auch weiterhin noch möglich sein wird, die Zeit am Fels zu genießen. Zeigt Verantwortung und habt Spaß.

Wir danken für das Interview und wünschen euch natürlich weiterhin viel Erfolg. Alle Infos findet ihr natürlich auch auf der Homepage der Save-Bouldering-Initiative.

Gore-Tex Pro: Die robuste Membran

Gore-Tex Pro: Die robuste Membran

8. August 2017
Ausrüstung

Für den Einsatz unter extremen Bedingungen bietet Gore-Tex Pro maximalen Wetterschutz und höchste Strapazierfähigkeit. Ob scharfe Felsen beim Bergsteigen, dichter Schneefall beim Skifahren oder anhaltender Starkregen beim Trekking – die robusteste Variante aller Gore-Tex Konstruktionen ist für die Wetterbedingungen gemacht, bei denen die meisten anderen Materialien irgendwann versagen.

Durch eine Kombination aus Hardshelljacke und Hardshellhose mit Gore-Tex Pro sind ein angenehmes Tragegefühl und ein idealer Schutz vor Wind und Nässe garantiert. Der hohe Tragekomfort ist gerade für lange Touren perfekt, die teilweise über Tage oder gar Wochen dauern. Auf Funktionsbekleidung mit Gore-Tex Pro ist auch unter den schwierigsten Bedingungen jederzeit Verlass.

Extrem stabil und optimal versiegelt

Die mikroporöse Gore-Tex Membran der Gore-Tex Pro Ausrüstung ist in einem besonders widerstandsfähigen Laminat verarbeitet. Sowohl das Innenfutter, als auch das Obermaterial sind bei Gore-Tex Pro extrem haltbar, strapazierfähig und langlebig. Dadurch können mechanische Einwirkungen durch das Tragen schwerer Rucksäcke beim Trekking oder Zustieg, das Material und die Membrane genauso wenig beschädigen, wie intensiver Kontakt mit Fels und Eis.

Damit die Funktionstextilien für den Einsatz unter extremen Wetterbedingungen auch keine Schwachstellen in Hinsicht auf ihre Wasserdichtigkeit aufweisen, werden bei Gore-Tex alle Nähte mit Gore-Seam Tape versiegelt. So kann selbst bei intensiven und anhaltenden Niederschlägen keine Nässe durch die Nähte eindringen. Das patentierte Verfahren zur Nahtversiegelung ist eine grundlegende Technologie von Gore, die ausnahmslos bei jedem Produkt mit Gore-Tex Pro zum Einsatz kommt.

Atmungsaktiv und sportlich

Gore-Tex Pro ist nicht nur für maximale Beanspruchung und extreme Witterungsverhältnisse konstruiert, sondern ermöglicht Outdoor- und Bergsportlern sportliche Höchstleistungen unter extremen Bedingungen zu erbringen. Auf Expeditionen, mehrtägigen Berg- und Skitouren, sowie auf wochenlangen Trekkingtouren ist neben Stabilität und Wetterschutz auch eine exzellente Atmungsaktivität gefragt.

Das Laminat mit der mikroporösen Membran bietet eine sehr gute Dampfdurchlässigkeit. Im Vergleich zu den Gore-Tex-Membranen für hoch aerobe Aktivitäten, wie zum Beispiel Trailrunning, weist Gore-Tex Pro bewusst eine etwas geringere Atmungsaktivität auf. Dabei orientiert sich Gore klar an den Bedürfnissen der Sportler und ermöglichen eine optimale Kombination aus Dampfdurchlässigkeit und Stabilität des Laminats. Durch die minimale Schweißansammlung sorgt Gore-Tex Pro für maximalen Komfort bei sportlichen Aktivitäten. Beim Wechsel zwischen hoher körperlicher Anstrengung und anschließender Erholungsphase ermöglicht das effiziente Gewebe ein gleichbleibend angenehmes Tragegefühl.

Für extreme Bedingungen getestet

Um den Anforderungen im Gelände und im Gebirge gerecht zu werden, hat Gore extreme Testverfahren entwickelt, um die wetterfesten Hardshellhosen und Hardshelljacken auf ihre Praxistauglichkeit zu prüfen. Dabei werden lange Starkregen mit kräftigen Winden simuliert, denen die Funktionstextilien widerstehen müssen. Erst wenn die Funktionsbekleidung mit Gore-Tex Pro der senkrechten und waagrechten Dusche standhält, wird das Design der Bekleidung auch für die Sportler übernommen, die die Gore-Tex Bekleidung anschließend in den Bergen unter alltäglichen Extrembedingungen testen.

Optimale Atmungsaktivität ist nur durch eine Kombination von Funktionsunterwäsche und Zwischenschichten  gewährleistet, die die Dampfdurchlässigkeit unterstützen. Für die perfekte Funktionalität der Gore-Tex Pro Bekleidung ist es daher wichtig, dass alle Bekleidungsschichten die Feuchtigkeit vom Körper ableiten. Auch die richtige Pflege der Gore-Tex Bekleidung ist für den Erhalt der Atmungsaktivität und die lange Haltbarkeit entscheidend.

Leave no Trace Basislager5

Leave no Trace – Guidelines für ein sauberes Outdoorvergnügen

4. August 2017
Ausrüstung

„Hinterlasse keine Spur“ – eine Regel, die im Outdoor-Leben eigentlich selbstverständlich sein sollte. Und doch: Es kommt subjektiv immer noch zu häufig vor, dass man Schmutz und sonstigen Unrat am Wegesrand findet, der da definitiv nicht hingehört. Manch ein Zeltplatz sieht aus wie willkürlich in die Wildnis gepflanzt und – ach, da vorne verlässt gerade ein Wanderer den Weg um eine Abkürzung zu suchen, so ein Schelm. Freilich sind die Beispiele hier bewusst etwas überzeichnet, aber auch nicht ganz unrealistisch.

Doch was tun, um dem entgegenzuwirken? Bereits in den 70er-Jahren haben sich Mitarbeiter des United States Forest Service darüber die Köpfe zerbrochen und kurz darauf die „Leave-no-trace“-Kampagne auf den Weg gebracht. Was das konkret heißt, kommt jetzt!

Sieben einfache Regeln

Um das Ganze nicht zu sehr zu verkomplizieren, wurden im Zuge der Entwicklung des Projekts sieben einfache Regeln aufgestellt, die Handlungsempfehlungen zur Vermeidung von Müll und zum generellen Verhalten in der Wildnis geben.

  1. Plane voraus und bereite dich vor
    • Das beinhaltet mehrere konkretere Handlungsempfehlungen, zum Beispiel, dass man sich in dem Gebiet in dem man unterwegs ist über Regularien schlau macht, sich auf gefährliche oder extreme Situationen vorbereitet und Essen umpackt, um Müll zu vermeiden. Also alles, was man gemeinhin unter „Tourenplanung“ zusammenfassen würde.
  2. Wandere und nächtige auf festem Untergrund

    • Die Rede ist zum Beispiel von bereits ausgetretenen Pfaden und vorhandenen Camping-Stellen, aber auch von Fels, Schotter, trockenem Gras oder Schnee. Also alle Untergründe, auf denen man so schnell keine Spuren hinterlässt, bzw. wo kein nachhaltiger Schaden entstehen kann. Es wird zudem empfohlen Ufergebiete zu meiden und eine minimale Distanz von 200 m zum See oder Fluss zu wahren. Feuerstellen sollten klein gehalten und abseits der Vegetation errichtet werden.
  3. Entsorge deinen Müll
    • Noch so ein Klassiker! Checkt euren Campingplatz bevor ihr in verlasst, ob ihr auch wirklich alles an Müll aufgesammelt habt. Menschliche Hinterlassenschaften sollten in Löchern, etwa 200 m entfernt von Gewässern vergraben werden. Auch beim Waschen des Körpers oder des Geschirrs sollte dieser Abstand eingehalten werden. Waschmittel oder Seifen nach Möglichkeit so wenig wie möglich verwenden und darauf achten, dass die Produkte biologisch abbaubar sind.
  4. Hinterlasse was du findest
    • Oder: Lass deine Finger von kulturellen oder historischen Strukturen und Bauten, lass Pflanzen einfach da wo sie sind (Blümchenpflücken, anyone?) und vermeide es, Hütten oder ähnliche Strukturen zu bauen. Außerdem sollten keine nicht-einheimischen Tiere in ein fremdes Ökosystem transportiert werden. Aber wer geht schon mit seiner Schlange wandern?
  5. Vermeide Lagerfeuer
    • Ein Lagerfeuer ist schön. Da sind wir uns einig! Dennoch sollte man nicht überall wo man geht und steht das Zündholz anlegen, denn Feuer hinterlässt den Boden nun mal verbrannt. Optimal ist es natürlich, wenn man einfach den Gaskocher auspackt und damit kocht. Wenn Feuer erlaubt und nötig sind, dann solltet ihr darauf achten, nur bereits vorhandene Feuerstellen oder Feuerschalen zu verwenden. Das Feuer sollte klein gehalten werden. Das erreicht man am besten, indem man kleine Holzstücke vom Wegesrand sammelt, die per Hand gebrochen werden können. Das Feuer sollte immer komplett heruntergebrannt sein. Optimal ist es, wenn man die kühle Asche danach großzügig verteilt.

  6. Respektiere die Wildtiere
    • Ebenfalls eigentlich ziemlich logisch. Wildtiere sollten in Ruhe gelassen werden. Kein Füttern, kein Verfolgen und schon gar kein Streicheln. Darum sollte das mitgebrachte Essen auch gut verstaut werden, damit man am nächsten Morgen keine ungebetenen Gäste im Camp hat. Natürlich sollten auch unsere vierbeinigen Begleiter gut im Auge behalten und an der Leine gehalten werden, damit sie Wildtieren nicht hinterher jagen. Es hilft, wenn man sich im Vorfeld darüber informiert, wann Wildtiere besonders sensibel sind, z.B. während der Paarungszeit oder im Winter.
  7. Sei rücksichtsvoll gegenüber anderen Outdoor-Sportlern
    • Auch das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Seid nett zueinander, respektiert die anderen Wanderer, Biker und Läufer und macht eure Pausen vielleicht nicht gerade mitten auf dem Weg. Haltet eine angemessene Lautstärke ein, damit die Klänge der Natur nicht übertönt werden.

Die Leave-no-trace-Kampagne geht inzwischen weit über die simple Abbildung und Verbreitung dieser sieben Richtlinien hinaus. In Schulen werden Workshops angeboten, es gibt handliche Karten, auf denen alle sieben Regeln nochmals ausführlich erklärt werden und sogar Online-Awareness-Kurse können auf der Webseite der Organisation gebucht werden, die sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. 80% dieser Geldmittel fließen in die Programme oder in Maßnahmen zur Wiederherstellung der Natur.

Logisch, oder?

Jetzt habt ihr das alles gelesen und denkt vermutlich: Ok, wo ist die Neuigkeit? Wenn das so ist, dann freue ich mich – und noch mehr die gute alte Mutter Natur. Aber es gibt aktuell immer mehr Leute, die die Erholung in der Natur suchen, die den Wald und die Berge erkunden um dem Alltagstrubel zu entfliehen. Manch einer mag dabei noch etwas Nachholbedarf in Sachen Outdoor-Spielregeln haben und wenn wir demjenigen hiermit ein wenig auf die Sprünge helfen, ist das Wichtigste schon erreicht.

Hier findet ihr den originalen Wortlaut der 7 Principles!

Die Lieblingsplätze der Bergfreunde

Die Lieblingsplätze der Bergfreunde: Janz weit draußen!

3. August 2017
Die Bergfreunde

So ein Bergfreund kommt ganz schön rum: Egal ob Waipi’o Valley auf Hawaii, die High Sierras in Californien, der Kings Canyon in Australien oder der Vulkan Visoke in Ruanda – kein Ort dieser Welt ist sicher vor uns! Ok, wir übertreiben ein wenig, aber da draußen gibt es einfach so viel zu entdecken, dass wir auf dem Bürostuhl sitzend manchmal ganz hektisch mit den Hufen scharren, weil wir wieder einmal die große weite Welt erkunden müssen! Und weil wir nach unseren Touren natürlich auch was zu erzählen haben, verraten euch die Bergfreunde Johanna, Sandra, Christian und Matthias heute ihre persönlichen Lieblingsplätze! Die sind zwar nicht gerade um die Ecke, aber definitiv eine Reise Wert!

Bergfreundin Johanna (Marketing): Waipi’o Valley, Hawaii 

Ein besonderer Ort, den ich mit der wohl anspruchsvollsten Wanderung meines (bisherigen) Lebens verbinde. Stundenlang durchs Dickicht, über Felsen klettern und durch den Fluss schwimmen oder waten – ohne Wegmarkierungen oder Landkarte. Am Ende des Tals angekommen, völlig durchnässt und frierend, aber um einiges abenteuerlustiger und reicher :-)

Das Waipi’o-Tal liegt – wie im Titel schon angedeutet – auf Hawaii, genaugenommen auf der größten Insel des Archipels, die inoffiziell „Big Island“ genannt wird. Waipi’o heißt frei übersetzt „kurviges Wasser“. Das Tal ist gesäumt von sattgrünen Hängen und zahlreiche Wasserfällen, die turmhoch von den Klippen fallen und den Fluss speisen, der letztlich ins Meer mündet.

Einst war hier das politische und religiöse Zentrum Hawaiis, heute bewohnen noch etwa 100 Bewohner das Tal. Der höchste Wasserfall Hiilawe misst übrigens knapp 400 Meter – beeindruckend!

Die Wanderung und Erkundung des Waipi’o Valley ist – wie ihr aus Johannas Beschreibung entnehmen könnt – durchaus anspruchsvoll. Zwar kann man ein gutes Stück mit dem Auto (Offroad-Tauglichkeit vorausgesetzt) zurücklegen, aber irgendwann geht es dann nur noch zu Fuß weiter.

Man muss wohl nicht extra erwähnen, dass die Aussicht und der wundervolle Strand die Strapazen mehr als wettmachen. Auf der offiziellen Hawaii-Webseite gibt es weitere Infos zum Waipi’o Valley (englisch).

Bergfreund Christian (Kundenservice): Der Visoke in Ruanda

Unberührte Natur, noch nicht richtig touristisch eingeschlossen. Wie grün es auf 3700 höhe sein kann ist der Wahnsinn. (Bergregenwald). Der Gipfel kann innerhalb eines Tages von der ruandischen Seite aus erreicht werden. Der Kratersee ist die Krönung der Tour!

Mit 3700 m Höhe ragt der Vulkan Visoke (auch: Bisoke oder Bisoko) deutlich aus der Virunga-Vulkangruppe heraus. Der Gipfel ist meist in Nebel gehüllt und an den Hängen findet sich ein Bergregenwald sowie eine alpine Wiesenlandschaft. Der Kratersee ist der größte der Gebirgskette. Der Visoke liegt an der Grenze von Ruanda und dem Kongo und gleichzeitig in zwei Nationalparks. Hier leben die letzten Berggorillas, deren Bestand akut gefährdet ist. Die US-amerikanische Zoologin Dian Fossey, deren Leben im Film „Gorillas im Nebel“ verfilmt wurde, gründete hier das Karisoke Research Center, dass sich der Erforschung dieser sanften Giganten widmete.

Von der ruandischen Seite kann der Gipfel innerhalb eines Tages erreicht werden. Außerdem bieten die hiesigen Guides auch Gorilla-Touren an, die dann zwei oder mehr Tage andauern. Die Touren werden so gestaltet, dass sie die Tiere nicht stören. Dafür werden pro Jahr nur eine sehr limitierte Anzahl an Genehmigungen verteilt und es müssen strikte Anweisungen befolgt werden. 20% der Einnahmen, die durch Genehmigungen generiert werden, kommen lokalen Projekten zugute. Hier findet ihr weitere Infos zum Visoke, zu den Berggorillas und Tourenmöglichkeiten (englisch).

Bergfreundin Sandra (Kundenservice): Kings Canyon, Australien

Die Ruhe und Einsamkeit genießen, in die unendliche Ferne blicken nach anstrengendem Aufstieg sind Weltklasse!

Vielleicht kein allzu riesiger Geheimtipp, aber definitiv eine Reise Wert: Der Kings Canyon in Australien. Er ist die Hauptattraktion des Watarrka-Nationalparks und sehr gut erschlossen, weshalb er von vielen Wanderern erkundet wird. So auch von Bergfreundin Sandra. Im Sommer sind die Temperaturen im australischen Red Centre, der rotsandigen Halbwüste im Zentrum des Kontinents in der der Canyon liegt, ziemlich hoch und können bis zu 38°C auf dem Thermometer erreichen, weshalb die beste Reisezeit im australischen Winter zwischen März und Oktober liegt.

Drei unterschiedlich lange Wanderwege führen durch den Canyon: Der Kings Creek Walk, mit lediglich 2,6 km (Hin- und Rückweg), ist recht entspannt und endet an einer Übersichtsplattform. Weitergehen ist übrigens untersagt, da der dahinterliegende Teil ein Heiligtum der australischen Ureinwohnern, den Aborigines, darstellt. Mit 6 km ist der Kings Canyon Ring Walk etwas länger und führt vor allem über das umliegende Plateau, von dem man einen großartigen Überblick über den Canyon hat. Der Kings Canyon ist auch der Ausgangspunkt für den Giles Track nach Kathleen Springs, der 22 km lang ist. Der Weg ist markiert und es besteht die Möglichkeit, überall zwischen Kilometer 3 und 20 zu campen. Wer sich hier heran wagt, kann sich auf ein weites Plateau mit schmalen Spalten und Schluchten sowie zahlreiche Domes freuen. Mit großer Wahrscheinlichkeit, hoppeln euch hier Bergkängurus über den Weg.

Bergfreund Matthias (Online-Technik): High Sierras, Californien

Can’t get much more remote than the high sierras.

„Abgeschiedener, als in den High Sierras, wird es nicht mehr“! Während seiner Wanderung auf dem Pacific Crest Trail ging es für Bergfreund Matthias auch durch die „High Sierras“ – besser bekannt als Sierra Nevada. Dazu muss man eigentlich nicht viel sagen: Yosemite Nationalpark, Lake Tahoe, Mammoth Lakes. Begriffe wie diese lassen das Herz eines jeden Wanderers und Bergfreunds höher schlagen – entschuldigt die platte Formulierung, aber so ist es nun mal! :)

Und auch wenn das Gebiet touristisch eigentlich gut erschlossen ist, so finden sich noch immer zahlreiche abgeschiedene Plätze, an denen man sich frei fühlen kann. An denen man kaum jemandem begegnet und auf Tuchfühlung mit Flora und Fauna gehen kann. Wenn ihr also mal wieder genug von den Menschen habt, dann nichts wie ab mit euch in die „High Sierras“ – wenn ihr das Grinsen von Matthias sehen könntet, wann immer er davon erzählt, würdet ihr nicht lange zögern!

Was sind eure Lieblingsplätze?

Habt ihr auch einen Ort, an dem ihr entweder gerne viel Zeit verbringt oder der euch anderweitig in Erinnerung geblieben ist? Dann lasst gerne einen Kommentar da und erzählt anderen Bergfreunden von euren Touren. Wir freuen uns schon drauf!

Ultraleichtrucksäcke - alle wichtigen Tipps und Tricks

Fliegengewichte für den Rücken –  Die Welt der Ultraleichtrucksäcke

1. August 2017
Ausrüstung

Könnt ihr euch noch an eure erste Trekkingtour oder Mehrtageswanderung erinnern? Also bei mir war das so: Den Rucksack hatte ich mir ausgeliehen und eigentlich war er für die Tour, die ich machen wollte viel zu groß. Aber da man ja bekanntlich nicht einfach mit einem halb vollen Rucksack losmarschieren kann, hatte ich es zu guter Letzt doch noch geschafft allen möglichen Krimskrams einzupacken, sodass der Rucksack zum Schluss bis oben hin gefüllt war. Freilich hatte dies mit Ultraleicht rein gar nichts mehr zu tun, eher mit Ultraschwer. Dies führte dann dazu, dass der Rucksack trotz gutem Tragesystem und zahlreichen sonstigen Annehmlichkeiten nicht nur zur Last, sondern mit der Zeit zum echten Problem wurde.

Jeder, der bereits ein ähnliches Erlebnis hinter sich hat, wird sich sicherlich geschworen haben: „Nächstes Mal kommt weniger und leichtere Ausrüstung in den Rucksack!“. Wie aber stellt man es sinnvoll an, wenn man nicht nur im, sondern auch am Rucksack selbst Gewicht sparen möchte? Aus diesem Grund tauchen wir nun einmal tiefer in die Welt der (ultra)leichten Rucksäcke ein.

Was unterscheidet einen herkömmlichen Rucksack von einem Ultraleichtrucksack?

Die Ultraleichtklasse zeichnet sich vor allem durch eines aus: minimalen Materialeinsatz. Um beispielsweise im Trekkingbereich einen Rucksack mit ca. 70 Liter Fassungsvermögen herzustellen, der aber unter einem Kilo wiegt, fliegt alles raus, was nicht unbedingt nötig ist. Hierzu zählen hauptsächlich Innengestell sowie dicke Polsterungen. Ein weiterer und gewiss nicht unwichtiger Weg Gewicht zu sparen, sind die eingesetzten Materialen.

Das klingt jetzt erst einmal sehr krass und nach einem echt beschissenen Rucksack, der nichts kann. Dies ist in der Praxis natürlich nicht der Fall. Schauen wir uns also einmal an, wo bei Rucksäcken Gewicht gespart werden kann und wie dabei die Feinheiten aussehen:

Rahmen und Tragesystem

Rucksäcke, die dem Ultraleichtsegment entstammen haben in der Regel weder Rahmen noch Gestell. Der Grund hierfür ist denkbar einfach: weniger drin heißt auch gleichzeitig weniger Gewicht. Deshalb wird hier bewusst auf aufwendige Rahmenkonstruktionen und die damit oft verbundenen Tragesysteme verzichtet. Um dennoch einen guten Tragekomfort zu erreichen ist es wichtig, dass der Rucksack im Gesamten nicht zu schwer beladen und obendrein optimal gepackt wird. Hierzu haben wir euch in einem gesonderten Artikel einmal die wichtigsten dos und don’ts beim Rucksackpacken zusammengefasst. Ein einfacher Trick sei aber hier gleich verraten:

Die Isomatte (im Ultraleichtbereich kommen meist Schaumstoffmatten zum Einsatz) kann zur Aussteifung des Rückenteils hergenommen werden. So wird nicht nur eine gute Festigkeit des Rucksacks erreicht, die Matte ist außerdem auch ordentlich verstaut. Hersteller wie Exped bieten darüber hinaus konventionelle Rucksäcke, wie zum Beispiel den Mountain Pro 40, an, die je nach Bedarf abgespeckt und somit um nahezu ein Drittel ihres Eigengewichts erleichtert werden können.

Fächer und Taschen

Es steht außer Frage, dass mehrere Fächer in und an einem Rucksack für mehr Ordnung sorgen. Gleichzeitig bringen die Fächer selbst aber auch ein höheres Gewicht mit und bewirken nicht selten, dass der Rucksack eher nach dem eigenen Ordnungssinn als nach funktionellen Gesichtspunkten gepackt wird. Daher wird bei den meisten Ultraleichtrucksäcken weitestgehend auf Zusatzfächer verzichtet. Oft kommen die Rucksäcke daher nur mit einem großen Hauptfach und 1-2 kleineren Fächern oder Taschen daher. Viele Ultraleichtrucksäcke verfügen außerdem über einen Rollverschluss, sodass Deckelfächer und dergleichen automatisch entfallen. Je nach Modell verfügen auch Ultraleichtrucksäcke über Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstungsgegenstände. Eine Halterung für Wanderstöcke bzw. Eisgeräte gehört hier nahezu schon zum Standard. Auch Kompressionsriemen dürfen an den meisten größeren Ultraleichtrucksäcken nicht fehlen. Gerade im Bereich von einem Volumen um die 45 Liter hat sich diese Bauweise bewährt. Rucksäcke dieser Größe sind meist auch für Mehrtagestouren völlig ausreichend.

Materialien

Gerade bei den Materialien lässt sich auch einiges an Gewicht einsparen. Leichtere und somit auch oft dünnere Stoffe müssen dabei aber nicht immer schlechter sein als ihre schwereren Kollegen. Durch den Einsatz von Materialien wie Dyneema kann auch im Leichtgewichtsegment ein gutes und vor allem langlebiges Ergebnis erzielt werden. Wichtig ist hier jedoch, dass die Rucksäcke nicht überladen werden, aber das würde das Konzept eines Ultraleichtrucksacks ohnehin ad absurdum führen. Auch spitze und scharfkantige Gegenstände haben nichts im Rucksack verloren und sollten entweder ausreichend verpackt oder außen am Rucksack angebracht werden. Wer ein gutes Beispiel für einen großen aber dennoch leichten und langlebigen Trekkingrucksack sehen möchte, dem sei der Radical von Ferrino empfohlen. Bei diesem großen Trekkingrucksack wurde nicht nur auf alles verzichtet, was zusätzliches Gewicht mit sich bringt. Außerdem wurde hier auch auf leichte Materialien wie Cubic-Tech und Dyneema gesetzt, sodass der Rucksack trotz seines geringen Gewichts robust und widerstandsfähig ist.

Vorurteile und Missverständnisse

Manchmal möchte man meinen, die Welt hat sich in zwei Lager gespalten: die Ultraleichtjünger und die Robustheitsfetischisten. Zumindest bin ich im Erfahrungsaustausch mit Freunden und Bekannten aber auch bei der Recherche zu diesem Artikel immer wieder auf zahlreiche Vorurteile, teilweise falsche Ansichten und offene Fragen gestoßen. Aus diesem Grund habe ich auch hier einmal drei der häufigsten Diskussionspunkte aufgeführt. Ich will dabei weder für die Fraktion ‚Ultraleicht‘, noch für den Klub ‚Ultraschwer‘ Partei beziehen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrateuer

Kurz – stimmt nicht. Etwas länger – stimmt nicht immer. Freilich gibt es im Ultraleichtbereich Ausrüstungsgegenstände, die aufgrund ihres Materials, der Machart oder innovativer Technologien deutlich teurer ins Gewicht fallen – entschuldigt den Wortwitz -, als vergleichbare andere Ausrüstungsgegenstände. Das gibt es aber auch im Bereich der „normalgewichtigen“ Ausrüstung. Gerade bei den Rucksäcken zeigt sich jedoch dass Ultraleichtrucksäcke durch ihre meist eher einfache Machart (kein aufwendiges Tragesystem etc.) verglichen mit ihren konventionellen Kollegen preislich gut wegkommen.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraempfindlich

Auch diesem Vorurteil muss hier widersprochen werden. Dabei richtet sich die Frage aber auch danach, was der Rucksack denn eigentlich können soll. Ist man auf der Suche nach einem super robusten Rucksack fürs Höhlen- und Kaminklettern, dann wird es zugegeben im Bereich der Ultraleichtrucksäcke schwierig. Gerade aber für (Mehr-)Tageswanderungen und Trekkingtouren gibt es auch unter den Ultraleichtrucksäcken zahlreiche Modelle die in Sachen Langlebigkeit problemlos mit ihren schwereren Artgenossen mithalten können.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Zugegeben, die Umstellung von einem Rucksack mit ausgeklügeltem Tragesystem auf einen mit doch eher einfachem Kontaktrücken war auch für mich anfänglich seltsam. Das lag aber auch daran, dass ich im Geiste immer von einem hohen Gewicht ausgegangen bin, das es zu tragen gilt. Aber dafür sind Ultraleichtrucksäcke nunmal nicht ausgelegt. Es würde ja auch keinen Sinn ergeben zuerst jedes Gramm am Rucksack zu sparen und danach trotzdem durch das Mitnehmen schwerer Ausrüstung ein hohes Gewicht auf den Schultern zu tragen. Hier muss man ganz klar trennen. Will ich mit leichtem und auch minimalistischem Gepäck unterwegs sein und lässt dies die geplante Tour auch zu, dann ist ein Ultraleichtrucksack sicherlich eine gute Wahl. Ist meine Tour aber so angelegt, dass ich neben einer umfangreichen Ausrüstung auch beispielsweise Nahrung und Wasser (sauschwer, gibts leider noch nicht gefriergetrocknet) mitnehmen muss, braucht es definitiv einen Rucksack, der für das Tragen größerer Lasten ausgelegt ist. In diesem Fall sollte man eher versuchen das Gewicht des Inhalts auf ein Minimum zu reduzieren.

Fazit

Ultraleichtrucksäcke haben durchaus ihre Berechtigung. Je nach Einsatzgebiet und Inhalt können sie so maßgeblich zu einer unbeschwerten und gelungenen Tour beitragen. Will man sich auf das Spiel Ultraleicht einlassen ist sicherlich der Rucksack einer der Ausrüstungsgegenstände, bei dem am meisten Gewicht eingespart werden kann. Dennoch ist es auch hier wichtig, darauf zu achten, dass das gewünschte Modell auch zu der Art der Verwendung sowie den persönlichen Bedürfnissen passt. Wie sind eigentlich eure Erfahrungen mit leichtgewichtigen Rucksäcken? Gibt es weitere Vorurteile, die Ihr aus der Welt schaffen wollt? Schreibt doch einfach einen Kommentar!

Die Bergfreunde zu Gast bei Gore

Die Bergfreunde zu Besuch bei GORE

28. Juli 2017
Ausrüstung

Was waren das für schöne Zeiten damals im Studium, als wir unseren Professor beim Chemie-Praktikum fast zur Weißglut getrieben haben, weil partout keiner der Versuche klappen wollte. Ob es nun an unserer allgemeinen Unfähigkeit lag oder an einer mangelhaften Versuchsbeschreibung, lasse ich an dieser Stelle einmal unkommentiert. Warum ich überhaupt auf das Thema komme? Nun, weil wir vor kurzem zu Gast bei GORE waren und im dortigen Testlabor bestaunen konnten, was man dem Material alles antut, um das „Guaranteed to keep you dry“-Versprechen einhalten zu können. Und eines ist mal klar: Regenjacke will man im hier wirklich nicht sein…

Zurück im Labor

Im Gegensatz zu unserem damaligen Professor ist Sander, der uns heute durch die heiligen Hallen von GORE führt, sehr viel geduldiger. Er nimmt sich Zeit uns jede Station im Detail zu erklären und versichert uns, dass jeder Stoff (egal ob GORE-Tex Pro, Active, Paclite, Windstopper oder welches Membran-System auch immer), der für kooperierende Marken gefertigt wird, diese Tests durchläuft, bevor daraus Jacken, Hosen oder sonstige GORE-Tex-Textilien hergestellt werden. Doch was muss ein Stoff Im Labor eigentlich alles aushalten? Das wollen wir uns mal näher ansehen:

Flächengewicht, Fadenzähler und Schrumpf-Test

Mit einem genormten Stempel wird ein kreisrundes Stück aus dem Textil herausgelöst und gewogen. Dabei darf die Abweichung maximal 3% betragen. Danach werden mit Hilfe einer speziellen Maschine die Fäden pro Quadratzentimeter gezählt – dies haben Menschen früher noch per Hand und mit Nadel gemacht. Beim Schrumpftest – der Name sagt es auch hier schon – wird überprüft, in wie weit sich das Material verkleinert, wenn es gewaschen, gedämpft oder chemisch gereinigt wird.

Reib- und Farbechtheit

Das Textil wird beim Reibechtheitstest in eine spezielle Maschine eingespannt, die Reibung in Quer-, Längs- oder Diagonalrichtung simuliert. Danach wird anhand einer Grauskala verglichen, ob und in wie weit das Material abgefärbt hat. Ähnlich verhält es sich beim Farbechtheitstest, nur dass die Stoffproben hier verschiedene Waschverfahren durchlaufen und simuliert wird, welche Auswirkungen unterschiedliche Schweißzusammensetzungen haben.

MVTR- und RET-Test

Der „Moisture Vapour Transmission Rate“-Test dient zur Bestimmung der Atmungsaktivität eines Textils. Dabei wird das Material direkt an einer Wasseroberfläche platziert. Darüber wird ein Becher mit Salz und einer Membran gestellt. Durch die feuchtigkeitsanziehende Wirkung von Salz, wird das Wasser quasi langsam durch die – in dem Fall – GORE-Membran gezogen. Mit Hilfe von Formeln und der Gewichtsdifferenz des Bechers vor und nach dem Test wird dann der MVTR-Wert bestimmt und zwar in g/m²/24h. Da diese Tests allerdings nicht ISO genormt sind, hat GORE zusammen mit dem Institut Hohenstein in Köln den RET-Wert (Resistance to Evaporating Heat Transfer) entwickelt. Hier wird der Widerstand gemessen, den ein Stoff dem Wasserdampf entgegen setzt. Je niedriger der Wert, umso besser die Atmungsaktivität. In diesem Basislager-Artikel gibt es noch weitere Infos zu RET und MVTR.

Suter-Test

Wahrscheinlich haben die meisten von euch schon von der berühmten Wassersäule gehört. Sie gilt als Maß dafür, ab wann ein Stoff als wasserdicht angesehen werden kann. Zur Messung dieser Wassersäule wird heute der sogenannte Suter-Test genutzt. Dabei wird der Stoff in einen Rahmen eingespannt und steigendem Wasserdruck ausgesetzt. Sobald drei Tropfen durch das Material hindurchdringen, ist der Test beendet und die Wassersäule bestimmt. Wir mussten allerdings lange darauf warten, bis endlich Wasser durch die GORE-Membran kam. Genauer gesagt solange, bis Sander mit einer Nadel ein kleines Loch in den Teststoff stach.

Kenmore-Test

Hier wird es ganz ungemütlich für die liebe Outdoor-Klamotte. Beim Kenmore-Test werden Produkt-Samples in einem sogenannten Top-Loader, einer von oben zu beladenden Waschmaschine gewaschen. Die werden hauptsächlich in den USA verwendet und haben eine Art Schraube in der Mitte, die die Wäsche immer wieder durchwühlt. Man kann sich vorstellen, dass die Belastung auf das Material enorm ist. Also der ideale Härtetest für Robustheit und Langlebigkeit. Und tatsächlich, die zahlreichen malträtierten Kleidungsstück, die Sander aus der Waschmaschine zieht, haben schon deutlich bessere Tage gesehen. Mindestens 500 Stunden müssen GORE-Klamotten in dem Teil aushalten und danach immer noch wasserdicht sein!

Der Crumple-Test

Auch hier geht es vor allem um die Robustheit des Materials. Im Crumpler wird simuliert, wie sich Stoffe verhalten, wenn sie immer wieder gestreckt, gedreht und gequetscht werden – also z.B. während der Arm- oder Beinbewegung. Das sieht bisweilen ziemlich lustig aus, zeigt aber gleichzeitig, wie nah man versucht, die Realität mit den Tests abzubilden.

Spray-Test

Und es wird wieder nass. Anders wie beim Suter-Test wird beim Spraytest jedoch nicht die Wasserdichtigkeit des Materials geprüft, sondern die wasserabweisende Imprägnierung des Obermaterials ab Werk. Dazu wird einfach eine genormte Menge Wasser aus einer genormten Höhe auf einen Materialträger laufen gelassen. Im besten Fall ist das Material danach trocken. Im schlechtesten Fall saugt es sich mit Wasser voll, was die Atmungsaktivität beeinträchtigt.

Wind-Test

Man könnte natürlich davon ausgehen, dass ein wasserdichtes Material auch winddicht ist – klar. Aber auch die Windstopper-Membran, die selbst nicht wasser- aber winddicht ist, muss natürlich getestet werden. Ähnlich wie beim Suter-Test wird der Stoff auf einen Träger gespannt. Nur wird beim Wind-Test natürlich kein Wasserdruck, sondern ein Luftdruck simuliert. Die tolerierbare Grenze liegt hier unter dem Bereich, den ein Mensch noch wahrnehmen kann. Wir empfinden das Kleidungsstück demnach also als winddicht.

Eines ist uns nach dem Rundgang jedenfalls ziemlich klar: Hier wird mit ziemlich harten Bandagen getestet! Außerdem wissen wir jetzt, dass hinter den zahlreichen Versprechungen, die die Firma GORE zu ihren Membranen geben, viel Aufwand steht. Dennoch – und das erwähnt auch Sander ausdrücklich – kann es natürlich immer sein, dass Wasser durch eine defekte Naht oder einen zwar wasserabweisenden, aber nicht komplett dichten Reißverschluss dringen kann. Darauf kann im Labor natürlich nicht getestet werden und es obliegt zudem den Herstellern bei der Konstruktion keine Mängel in das Produkt zu bauen. Dennoch bietet GORE seinen Kooperationspartner auch hier eine Lösung: Den Regenturm!

Drei Bergfreunde werden nass

Den mussten wir uns natürlich auch uuuuunbedingt anschauen. In dem sechs Meter hohen Turm aus Glas herrscht an diesem Tag eine eher saunaartige Atmosphäre. Die Temperaturen liegen weit über der 30°C-Marke und wir sind eigentlich gar nicht so heiß drauf, uns jetzt in Regenjacke, Regenhose und wasserdichte Schuhe zu schälen.

Erstmal dürfen wir uns das Spektakel aber von außen ansehen. Die Düsen an der Decke und an der Seite springen auf Knopfdruck an und befeuern die Test-Jacke an der sich drehenden Puppe mit Wasser. In wenigen Sekunden ist das Teil nass – und zwar richtig.  Man kann gut erkennen, dass die Imprägnierung schon lange runter ist, denn die Außenseite ist komplett mit Wasser vollgesogen. Nach einigen Minuten stellt Sander die Düsen wieder ab und wir schauen uns näher an, was unter der Jacke passiert ist.

Die Puppe trägt hellblaue Unterwäsche, die bei Feuchtigkeit dunkler wird. So kann man direkt erkennen, ob es Schwachstellen gibt. Aber wie wir einstimmig feststellen durften, gab es diese nicht. Alles ist trocken. Die kleinen Flecken auf dem Bild sind nachträglich beim Öffnen der Jacke entstanden.

Jetzt sind wir dran. Mit ProShell, ActiveShell und der neuen Shake-Dry-Technologie am Leib dürfte ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Wir packen uns so gut es eben geht ein, stürzen uns in die Fluten und tanzen im Regen – im wahrsten Sinne des Wortes. Schließlich müssen wir die Kleidungsstücke ja ausgiebig testen! Und was soll ich euch sagen – wenn nicht gerade etwas über die Ärmel oder die Gesichtsöffnung durchgedrungen ist, kam kein Tröpfchen Wasser an unsere Körper.

Quasi zum Trockenblasen ging es danach in die Windkammer, in der wir uns dann noch hautnah von der Wirkung des Windchill-Effekts überzeugen durften. Immer wieder erstaunlich, wie schnell man auskühlt, wenn man eben keine winddichte Bekleidung trägt. Da helfen auch keine warmen Außentemperaturen. Wir konnten unsere Windstopper-Jacken gar nicht schnell genug wieder zu bekommen. Hier findet ihr übrigens weitere wichtige Informationen zum Windchill-Faktor und welche Auswirkungen er auf die gefühlte Temperatur hat.

Geheimniskrämerei im Schuhlabor

Schon vor der Tür des GORE-Schuhlabors stehen zahlreiche Warnzeichen mit durchgestrichenen Fotoapparaten und Handys. Es wird deutlich: Hier darf ich heute leider nicht knipsen. Schade, allerdings auch verständlich. Teilweise wurden die Testverfahren exklusiv für GORE entwickelt und es stehen hier Prototypen verschiedener Schuhhersteller herum, die (noch) nicht für die Augen der Öffentlichkeit bestimmt sind.

Dennoch nimmt man sich ausgiebig Zeit für und präsentiert uns die zahlreichen, ebenfalls sehr ausführlichen Testverfahren. Außerdem gibt’s einen Crash-Kurs zum Thema „Wie konstruiert man überhaupt einen Schuh“.

Imposante Maschinen stehen hier herum: Eine Zentrifuge, in der die Membran auf Wasserdichtigkeit getestet wird und natürlich der Laufsimulator, in dem Schuhe je nach Einsatzzweck auch mal ein ganzes Wochenende lang im Wasser immer wieder geflext werden. Das entspricht dann am Ende bis zu 500.000 Schritten. Zum Vergleich: Wer im Büro arbeitet, kommt auf maximal 3000 bis 4000 Schritte am Tag.

Die Qualitätssicherungsmaßnahmen beschränken sich aber nicht nur auf die Tests im hiesigen Labor. Die GORE-Mitarbeiter besuchen selbst mehrmals jährlich die auf der ganzen Welt verteilten Schuhfabriken, um die Verarbeitung der Membran zu überwachen und sicher zu stellen, dass die hohen Qualitätsansprüche eingehalten werden.

Ein abschließender Dank

Es kommt auch bei uns nicht so häufig vor, dass wir solch tiefe Einblicke in die Welt eines derart großen Outdoor-Unternehmens bekommen. Deshalb wollen wir an dieser Stelle auf jeden Fall einmal Danke sagen, dass wir uns im Regenturm austoben durften. Im Bergfreunde-Basislager findet ihr übrigens weitere Informationen zur Geschichte von GORE und der Funktion der Membran, sowie detaillierte Artikel zu den einzelnen Technologien. Viel Spaß beim Herumstöbern!

Ein Vier-Gänge-Menü a la Klamotten-Kompost

Ein Vier-Gänge-Menü a la Klamotten-Kompost

27. Juli 2017
Ausrüstung

Was passiert mit Bekleidung, wenn sie nicht mehr gebraucht wird oder einfach „runter“ ist? Viele Hersteller werben schon heute mit umweltfreundlichen Materialien, die recyclebar seien und die Umwelt so nicht übermäßig belasten. Aber sind wir doch mal ehrlich: Habt ihr schon mal eure Merino- oder Wollklamotten auf den Kompost geworfen? Normalerweise landen die dann doch eher im Altkleider-Container oder letzten Endes im Restmüll. Mit einer – sagen wir mal – nicht ganz alltäglichen Aktion, will die schwedische Outdoor-Bekleidungsmarke Houdini auf diesen Missstand aufmerksam machen… und zwar indem sie alte Funktionsunterwäsche einfach verspeisen.

Von der Unterwäsche zum Vier-Gänge-Menü

Nachdem der erste Schock jetzt verdaut ist: Nein, natürlich stopfen sich die Damen und Herren keine schmutzige Outdoor-Unterwäsche hinter die Kiemen. Das Ganze ist etwas raffinierter. Wenn man wie ich, dem Flachwitz nicht ganz abgeneigt ist, könnte man auch sagen „kompostierter“. Denn genau das hat Houdini gemacht. Alte, ausrangierte Bekleidung wurde von den Nähten befreit – die sind leider nicht kompostierbar – und von einem schwedischen Kompostierfachmann in Nährboden umgewandelt.

Nachdem Bakterien und Pilze ihre Arbeit verrichtet und die Klamotten in Substrat umgewandelt hatten, ging man den nächsten Schritt und pflanzte Kräuter und Gemüse darauf an. Das Ganze braucht natürlich seine Zeit, die der Koch Sebastian Thureson dazu nutzen konnte ein Menü vorzubereiten, das sich auf dem Papier wirklich traumhaft anhört:

  • Brühe von geräucherten Pilzen mit eingelegtem Ei, Kohlrabi und Bärlauch
  • Gebackener Lauch mit Dill, Kresse und Holunder
  • In Salz gebackene Rote Beete mit Ziegenkäse, schwarzer Johannisbeere, Koriander und Ingwer
  • Süßer Fenchel mit Joghurt, Sauerampfer und Süßholzwurzel

Da will man doch am liebsten gleich reinhauen, oder? Wer Lust hat, das ganze nach zu kochen, findet hier das Houdini-Menü-Rezept. Aber Vorsicht: Ein paar Küchen-Skills sind schon von Vorteil!

Kreative Idee mit ernstem Hintergrund

Man kommt nicht umhin – oder zumindest ich komme nicht umhin festzustellen, dass diese Aktion sehr sympathisch ist und auf eine sehr geschickte Art und Weise auf ein generelles Problem hinweist: Was tun mit alter Outdoor-Bekleidung, die nicht mal mehr für die Altkleidersammlung taugt. Klar kann nicht jede Jacke, vor allem nicht die aus Plastik, auf den Kompost geworfen werden. Aber wäre es nicht eine Überlegung wert, gerade bei Base- und Secondlayern auf biologisch abbaubare Alternativen wie Merinowolle oder Tencel zu setzen?

Natürlich ist es nur einer von vielen Wegen, wie man den Einfluss von Abfall auf die Umwelt vermindern kann. Andere Hersteller gehen hier durchaus andere Wege. Patagonia repariert und recycelt fleißig und Vaude betreibt sogar einen eigenen Second-Use-Shop auf Ebay.

Jedenfalls ist es schön zu beobachten, dass der Nachhaltigkeitsaspekt bei vielen Outdoor-Firmen immer mehr in den Mittelpunkt der Firmentätigkeit rückt. Vor allem zeigt es aber eines: Der Konsument hat nach wie vor die Möglichkeit, durch sein Kaufverhalten etwas zu bewegen! Aber warum eigentlich kaufen, wenn man auch was gewinnen kann? Ja, richtig gehört, zusammen mit Houdini verlosen wir zwei Wooler Houdi Wolljacken, die ihr dann natürlich selbst irgendwann kompostieren könnt. Was ihr dafür tun müsst?

Her mit euren Rezepten

Wir wollen von euch wissen, was für ein Gericht ihr aus eurem Houdini zaubern würdet! Es gibt zwei Kategorien: Hauptspeise und Dessert, das jeweils kreativste Gericht gewinnt und wird von den Bergfreunden höchstpersönlich nachgekocht! Es reicht, wenn ihr einen Rezeptvorschlag einreicht. Hier die weiteren Spielregeln:

  • Das Gericht muss vegetarisch sein
  • Maximal sieben Hauptzutaten dürfen verwendet werden
  • Die Rezepte können bis Mittwoch, 02.08.2017, 23:59 Uhr eingesendet werden.
  • Die Bekanntgabe der Gewinner erfolgt am Freitag, 04.08.2017 um 16 Uhr per Video auf der Bergfreunde-Facebookseite. Die Gewinner werden außerdem per Email benachrichtigt.

Und jetzt seid kreativ, wir haben schon mächtig Hunger. Eure Rezeptideen sendet ihr bitte an themenu@bergfreunde.de Die ausführlichen Teilnahmebedingungen findet ihr hier unter diesem Link.

Gore-Tex Funktionsweise Titel

Wie funktionieren Gore-Tex-Membranen?

25. Juli 2017
Ausrüstung

Gore-Tex gilt heute als Sinnbild für wasserdichte und atmungsaktive Bekleidung. Ob beim Skifahren, Bergsteigen oder Fahrradfahren – ob beim Outdoorsport, bei der Arbeit oder im Alltag – auf die qualitativ hochwertigen Produkte mit Gore-Tex-Membran ist jederzeit Verlass – so zumindest das Versprechen der amerikanischen Firma. Wir wollen uns an dieser Stelle einmal genau anschauen, was die Membran ausmacht und warum sie so besonders ist.

Bill Gore erkennt das Potenzial von PTFE

Die Entwicklung der Gore-Tex-Membran ist für den US amerikanischen Chemiker Bill Gore ein mehr als  glücklicher Zufall gewesen, von dem bis heute Outdoorsportler auf der ganzen Welt profitieren. Gore arbeitete in den 1960er Jahren als Forscher beim Chemiekonzern Dupont, der im Outdoorbereich mit bahnbrechenden Erfindungen und innovativen Fasern wie Nylon, Lycra, Kevlar oder Neopren nicht mehr wegzudenken ist. An der Weiterführung von Gore‘s Forschungen mit Polytetrafluorethylen (kurz: PTFE) sah Dupont allerdings keinen großen Nutzen -Gore selbst jedoch sehr wohl.

So kam es, dass Bill Gore 1958 seinen Traum verwirklichte und seine eigene Firma mit dem Namen W.L. Gore & Associates, Inc gründete, die als klassisches amerikanisches Start-Up vom heimischen Keller zu einem weltweit agierenden Konzern mit über 10.000 Mitarbeitern heranwuchs. Zunächst konzentrierte sich Gore darauf neue Anwendungsmöglichkeiten für die Elektroindustrie zu erforschen, bis er mit ePTFE den Stoff entwickelte, aus dem die wasserdichten Outdoorträume hergestellt werden.

Nebenbei bemerkt, findet die ePTFE-Membran nicht nur im Bereich wasserfester Ausrüstung ihren Einsatz – Gore produziert auch im Bereich der Elektronik, Industrie und Medizintechnik Produkte (z.B. Implantate), die auf der Basis ihrer Forschungen und Entwicklungen mit PTFE und ePTFE möglich geworden sind.

Vom PTFE zum ePTFE – vom ePTFE zur Gore-Tex Membran

Für Laien mit begrenztem Wissen über chemische Vorgänge lässt sich die Entwicklung des ePTFE am besten so erklären: Gore stellte bei seinen Experimenten mit dem Grundstoff PTFE fest, dass dieser durch eine schnelle Reckung zwar gedehnt, jedoch nicht zerstört wird. Das so expandierte (also „e“ PTFE) Material war nach der Reckung aber nicht nur stabil, sondern auch im hohen Maße porös.

Diese mikroporöse Struktur des expandierten Polytetrafluorethylen ist natürlich winzig klein und mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen. Unter dem Elektronenmikroskop werden allerdings die großen Öffnungen im Material sichtbar. Rund 1,4 Milliarden solcher winzigen Poren befinden sich auf einem einzigen Quadratzentimeter der wasserdichten Membran. Und durch eine glückliche Fügung der Natur ist diese Porengröße ideal, um sowohl Wasserdichtigkeit, als auch Atmungsaktivität für Funktionsbekleidung zu gewährleisten.

Viel kleiner, als ein Wassertropfen und groß genug für Wasserdampf

Wasserdampfmoleküle sind sehr klein. Viel kleiner, als die Poren in der Gore-Tex-Membran. Die Poren sind sogar 700 Mal größer, als die Dampfmoleküle, die dadurch ungehindert von der einen Seite der Membran zur anderen gelangen. Das bedeutet für den Outdoorsportler, dass der Dampf, der durch das Schwitzen entsteht, durch die Membran nach außen dampft.

Gleichzeitig sind Wassertropfen aber viel größer, als Dampfmoleküle und auch viel größer, als die Poren in der Gore-Tex-Membran. Etwa 20.000 Mal kleiner, als der kleinste Wassertropfen ist die Pore in der mikroporösen Membran. Da hat der Wassertropfen einfach keine Möglichkeit, denn er ist viel zu riesig für die feinen Poren. Dementsprechend haben auch viele Wassertropfen oder ein ganzer Regenschauer nicht den Hauch einer Chance die Membran zu überwinden.

Die Gore-Tex Membran wird zum widerstandsfähigen Laminat

Eine expandierte PTFE-Membrane sieht aus wie ein dünne und flexible Folie aus Kunststoff. In dieser rohen Form ist sie zwar schon wasserdicht, winddicht und dampfdurchlässig, ihre Stabilität ist allerdings noch nicht optimal, denn mechanischer Abrieb oder Beschädigungen durch spitze Gegenstände führen zu Löchern, durch die Wasser eindringen kann.

Deshalb müssen Gore-Tex-Membrane, die für die Herstellung von Funktionsbekleidung, Handschuhen und Outdoorschuhen verwendet werden, vorher zu Laminaten verarbeitet werden. Das bedeutet, dass die Gore-Tex-Membran mit einem Trägermaterial zu einer Einheit verklebt wird. Das Obermaterial bei Outdoortextilien ist in den meisten Fällen ein strapazierfähiges Kunstfasergewebe aus Nylon oder Polyester. Beim Verkleben verbinden sich Obermaterial und Membran zu einem festen Laminat. Die wasserdichten und atmungsaktiven Eigenschaften werden durch die spezielle Auswahl des Obermaterials und der dementsprechenden Verarbeitung jedoch nicht eingeschränkt.

Je nachdem, wie das Innenfutter des Laminats konstruiert ist, spricht man von einem 2-Lagen Gore-Tex-Laminat oder einem 3-Lagen Gore-Tex Laminat. Bei der dreilagigen Konstruktionsweise wird das Innenfutter direkt von innen mit der Membrane verklebt. Das bedeutet, die Gore-Tex Membrane ist fest zwischen dem robusten Obermaterial und dem komfortablen Innenfutter verarbeitet und dadurch von beiden Seiten optimal vor Beschädigungen und Verschmutzungen geschützt. Im Unterschied dazu ist das Innenfutter bei einer zweilagigen Konstruktion nicht fest verklebt sondern lose verarbeitet.

Die genauen Unterschiede und Eigenschaften der einzelnen Gore-Tex Membranen wie Gore-Tex Active, Gore-Tex Pro oder Gore-Tex Performance werden alle noch einzeln und ausführlich erklärt. Zur ganz groben Einordnung unterscheiden sich 2-Lagen und 3-Lagen Laminate durch ihr Gewicht und ihre Stabilität. Während ultraleichte Gore-Tex-Jacken für Trailrunner eher aus leichten zweilagigen Konstruktionen angefertigt werden, besteht die extrem robuste Expeditionsjacke für Bergsteiger eher aus den stabilen dreilagigen Laminaten.

Voraussetzungen für eine optimale Funktion von Gore-Tex Membranen

Die fertigen Laminate mit den integrierten Gore-Tex Membranen sind der Grundstoff für die Herstellung von wasserdichten, windundurchlässigen und atmungsaktiven Hardshelljacken, Skihandschuhen und Wanderstiefeln. Damit die mikroporöse Membran beim Einsatz im Gelände, beim Sport oder bei der Arbeit ihre maximale Performance liefern kann, sollten ein paar Rahmenbedingungen erfüllt sein:

Damit der osmotische Druck, der für den Transport der Wasserdampfmoleküle durch die Gore-Tex Membran verantwortlich ist, die volle Atmungsaktivität gewährleistet, sollte ein Temperaturgefälle von mindestens 15°C zwischen der Innenseite der Membrane und der Außentemperatur vorherrschen. Das bedeutet konkret, dass die Atmungsaktivität einer Jacke mit Gore-Tex Membran ideal bei niedrigen bis mittleren Temperaturen funktioniert. Bei extrem hohen Temperaturen in tropischen Gebieten kann der osmotische Druck soweit absinken, dass nur noch weniger Dampf durch die Membran entweicht.

Um langfristig die optimale Funktion der Gore-Tex-Produkte zu garantieren, ist regelmäßige und richtige Pflege sehr wichtig. Durch das häufige Tragen werden Funktionstextilien im Laufe der Zeit mit Schweiß, Schmutz und Sonnencreme von innen verunreinigt, was zu einer eingeschränkten Funktion der Dampfdurchlässigkeit führt. Die Wäsche mit speziellen Waschmitteln für Gore-Tex Produkte sorgt dagegen für eine lange Haltbarkeit und eine deutlich verbesserte Atmungsaktivität. Hier haben wir euch aufgeschrieben, wie genau ein Gore-Tex-Produkt am besten gepflegt wird!

In der Regel bildet die Hardshellbekleidung die wetterfeste Außenhülle, die wirkungsvoll vor Regen und Wind schützt. Damit aber nicht nur die Wasserdichtigkeit von Außen gewährleistet ist, sondern auch die Atmungsaktivität perfekt funktioniert, muss die restliche Bekleidung den Wasserdampf ebenso gut vom Körper ableiten. Bereits eine „Dampfsperre“ unter der Außenschicht verhindert die komplette Funktionsweise der Gore-Tex Membran. Deswegen greifen Outdoorsportler gerne zu Funktionsunterwäsche und wärmenden Zwischenschichten aus atmungsaktiven Kunstfasern, damit der Dampf ungehindert und zügig nach außen entweichen kann – das ist gemeinhin auch als Zwiebelprinzip bekannt.

Wie man es nun auch dreht und wendet – Gore-Tex ist aus dem Outdoor-Bereich einfach nicht mehr weg zu denken. Das birgt Chancen und Risiken, denn zumindest gänzlich unbedenklich ist ePTFE nicht. Aber das Thema werden in einem weiteren Artikel noch einmal gesondert behandeln. Für generelle Fragen zum Thema Gore-Tex stehen wir euch selbstverständlich gerne zur Verfügung.

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