Tipps und Tricks

Wasseraufbereitung – damit alles so läuft wie geplant

25. Juni 2014

Sportart

sicher, dass das Wasser sauber ist?

sicher, dass das Wasser sauber ist?

„Warum bist du denn schon wieder daheim? Keine Lust mehr gehabt? Nee, hab Durchfall bekommen, das Wasser war wohl nicht ganz so genießbar wie es aussah.“

So oder so ähnliche Geschichten hört man oft, wenn es um abgebrochene Touren oder Reisen geht. Wenn man draußen unterwegs ist, egal auf Wandertour im Sauerland, beim Klettern im Elbi oder auf Expedition in Afrika, ist die Wasseraufbereitung ein zentrales Thema der Tour. Ohne geht es ja schlicht und einfach nicht. Nicht für lange jedenfalls. Dreiviertel aller Reisekrankheiten können auf verunreinigtes Wasser zurückgeführt werden.

Um auf Tour gegen Krankheiten oder Gesundheitsrisiken gewappnet zu sein, gilt es einiges zu beachten. Der gesunde Menschenverstand ist da schon mal der erste Schritt. Klar, abgestandenes und schlammiges Wasser zum Beispiel wird niemand freiwillig trinken. Aber was, wenn man auf Trekkingtour durch weitläufiges Weide- und Kulturland kommt? Das Bachwasser sieht trinkbar aus, prima, also los. Und Zack ist es passiert. Selbst in vermeintlich klarem Bachwasser lauern mitunter unsichtbare Gefahren und schnell ist man Opfer von Montezumas Rache, ist die Tour gelaufen.

Die verschiedenen Arten der Verunreinigung

Grob gesagt gibt es drei verschiedene Arten der Verunreinigung, die am häufigsten auftreten:

Schwebstoffe und Trübungen

  • Ungelöste Partikel und Sedimente

Mikroorganismen

  • Bakterien wie z.B. E-Coli oder Salmonellen (Größe ca. 0,2 – 5 Mikron)
  • Viren wie z.B. Hepatitis A (Größe ca. ~0,02 – 0,2 Mikron)
  • Protozoen wie z.B. Giardia (Größe ca. 1 – 15 Mikron)

 Landwirtschaftliche Hilfsstoffe

  • Wie z.B. Düngemittel, Pestizide oder Herbizide

Wie kann ich mein Trinkwasser aufbereiten

Abkochen –

die einfachste und älteste Methode

Ist das Wasser einigermaßen klar und nicht zu stark mit Trübstoffen verunreinigt, kann man als älteste und einfachste Möglichkeit, das Wasser einfach abkochen. Allerdings werden dadurch nur die verschiedenen Krankheitserreger abgetötet. Chemikalien und Trübstoffe bleiben im Wasser.

Auf Meereshöhe sollte man das Wasser mindestens fünf Minuten abkochen. Geht es in die Berge, so sollte das Wasser entsprechend länger abgekocht werden, da der Siedepunkt von Wasser mit ansteigender Höhe niedriger wird. Als Faustregel dabei gilt: 1 Minute länger abkochen je 150 Höhenmeter.

Und da sind wir schon beim großen Nachteil des Abkochens. Man benötigt Brennstoff, viel Brennstoff wenn man länger unterwegs ist oder viel Wasser abkochen muss.

Um dem hohen Brennstoffverbrauch entgegen zu wirken und außerdem eventuell vorhandene Trübstoffe und Chemikalien herauszufiltern, gibt es verschiedene andere Methoden, Wasser aufzubereiten. Die wichtigsten Methoden zur Wasseraufbereitung sind:

Mit Chemie –

zum Beispiel Micropur Forte

  • Wie funktioniert z.B. Micropur Forte? Chemisch durch Silberionen oder Chlor, die Mikroorganismen werden abgetötet. Eine Tablette pro Liter in die Wasserflasche und je nach empfohlener Einwirkzeit bis zu 120 Minuten einwirken lassen.
  • Gegen was hilft es? Bakterien, Viren, die meisten Protozoen sowie Pilze
  • Wie viele Anwendungen schaffe ich? Pro Liter Wasser eine Tablette
  • Wie schwer ist eine Packung? 22 g für 100 Tabletten
  • Für welches Anwendungsgebiet? Bei klarem, aber möglicherweise mit Keimen verunreinigtem Wasser; wenn das Wasser gelagert werden

+ einfache Handhabung
+ konserviert Wasser für bis zu 6 Monate

– funktioniert nur bei klarem Wasser zuverlässig
– hilft nicht gegen Trübstoffe und Chemikalien
– chemischer Wassergeschmack (gegen Chlorgeschmack hilft Antichlorine von Katadyn)
– lange Einwirkzeit

Mit UV-Licht-

zum Beispiel mit dem Steripen Classic

  • Wie funktioniert die Behandlung? Durch UV – Licht werden die Mikroorganismen inaktiviert, jedoch nicht zerstört.
  • Gegen was hilft die Behandlung mit UV – Licht? Gegen Bakterien, Viren und Protozoen
  • Wie viele Anwendungen schaffe ich mit dem Steripen Classic? 100 Liter entkeimtes Wasser pro Batterieladung schafft das Gerät
  • Wie schwer ist der Steripen? 97 g ohne Batterien
  • Für welche Anwendungsgebiete? Für wen besonders geeignet? Wenn es schnell gehen soll, wenn keine großen Mengen Wasser benötigt werden.

+ Wirksam auch gegen Viren
+ einfache Handhabung
+ schnelle Behandlung des Wassers

– Batterien müssen vorhanden sein
– filtert keine Trübstoffe oder Chemikalien
– funktioniert nur bei klarem Wasser zuverlässig

Wasserfilter –

zum Beispiel der MSR Miniworks

MSR - Miniworks Ex - Wasserfilter

MSR – Miniworks Ex – Wasserfilter

  • Wie funktioniert ein Wasserfilter? Mechanisch – die Verunreinigungen werden mit Hilfe eines Filterelementes (zumeist aus Keramik, Glasfaser, Kunststoff, Aktivkohle oder in Kombination) aus dem Wasser herausgefiltert. Aktivkohle filtert zudem Chemikalien wie z.B. Pestizide, Chlor, etc. aus dem Wasser und verbessert den Geschmack. Hochwertige Keramikfilterpatronen haben eine Porengröße von 0,2 Mikron – sprich alle Mikroorganismen, die größer als 0,2 Mikron sind, werden herausgefiltert.
  • Gegen was hilft es? Bakterien, Protozoen, Schwebstoffe und Chemikalien
  • Wie viele Anwendungen schafft z.B. der MSR Miniworks? 2.000 Liter – dann muss die Keramikfilterpatrone gewechselt werden. Zwischendrin muss der Keraminkeinsatz abgeschliffen, bzw. gereinigt werden.
  • Wie schwer ist z.B. der MSR Miniworks? 456 g
  • Für welche Anwendungsgebiete? Für wen besonders geeignet? Bei stark getrübtem Wasser; bei hohem Wasserverbrauch

+ Filtert zuverlässig Trübstoffe, Bakterien, Protozoen sowie Chemikalien aus dem Wasser
+ kann große Mengen Wasser zügig verarbeiten

– Verhältnismäßig schwer
– Viren werden nicht herausgefiltert

Zusammenfassung

Jede Möglichkeit der Wasseraufbereitung hängt stark von der Art der Reise und dem Reiseziel ab. Manchmal macht es auch Sinn, verschiedene Methoden zu kombinieren. Will man auf der Hüttentour in den Alpen schnell mal die Wasserflasche im Bach ohne Risiko auffüllen, ist sicher der Steripen eine gute Wahl. Am Abend auf der Hütte gibt es dann sowieso aufbereitetes Wasser oder isotonische Kaltgetränke aus der Flasche.

Möchte man dagegen das Wasser im Tank vom Campingbulli sicher für längere Zeit entkeimen, kommt die Chemie zum Einsatz. Mit Antichlorine bekommt man dann auch das Geschmacksproblem in den Griff.

Auf Trekkingtour ist der mechanische Wasserfilter sicherlich eine gute Wahl. Hiermit können auch größere Mengen Wasser schnell gefiltert werden. Es kann keine Elektronik kaputt gehen und es gibt keinen Chlor- oder Chemiegeschmack, dafür muss man etwas mehr tragen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sarah Lorenz sagte am 25. Juni 2014 um 09:43 Uhr

    Hallo Simon,
    super hilfreicher Artikel, vielen Dank! Da werde ich doch mal schauen, was ich auf unsere nächste längere Tour mitnehme.
    Liebe Grüße Sarah

  2. Bison sagte am 27. Juni 2014 um 09:06 Uhr

    Nur der Vollständigkeit halber: Es heißt Protozoen und nicht Protozonen. Ansonsten danke für diesen informativen Artikel!

  3. Simon sagte am 27. Juni 2014 um 09:20 Uhr

    Danke für den Hinweis, du hast natürlich recht, es sollte Protozoen heißen! Habs geändert!

    Beste Grüße

    Simon

  4. Jan sagte am 1. August 2014 um 05:10 Uhr

    Ahoi!
    An sich ein wunderbarer Artikel. Allerdings gibt’s eine Frage, ich noch habe und die ich auch bisher durch Suche im Internet noch nicht beantworten konnte:

    Wie sieht’s denn mit Parasiten im Wasser aus? Welche der beschriebenen Methoden wird auch diese Viecher los?
    Speziell geht’s mir gerade um meinende kommende Wanderung auf Hokkaido (Japan). Dort gibts Parasiten namens Echinococcus (eine Bandwurmart), die ich mir nicht unbedingt antun will. Ich gehe einfach mal stark davon aus, dass UV-Licht denen nicht viel antun wird. Ne Pumpe mit Filter.. puh.. Gepäck.. Und wie schauts mit Tabletten/Tropfen aus?

    Danke für die Info!
    Jan

  5. Simon sagte am 1. August 2014 um 07:02 Uhr

    Moin Jan,

    in deinem speziellen Fall würde ich auf einen Wasserfilter setzen und das Wasser nach Möglichkeit abkochen. Da ich nicht weiß, wie genau du unterwegs bist, wie lang du zum Beispiel wandern wirst oder wie oft du an Ortschaften vorbei kommst, ist es etwas schwer, einen Rat zu geben. Ansonsten meld dich einfach nochmal

    Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen! Hört sich nach einer coole Tour an! „God tur“ sagt man in Norwegen – was sagt man in Japan?

    Beste Grüße, Simon

  6. Chemische Wasseraufbereitung sagte am 11. August 2014 um 12:56 Uhr

    Sehr schöner Beitrag der auch klar macht, dass frisches Wasser keine Selbstverständlichkeit ist und stets geachtet werden solle. Nur wenn man im Kleinen sieht wie aufwändig die Wasseraufbereitung ist, versteht man das auch im Großen.

  7. Jan sagte am 26. August 2014 um 05:10 Uhr

    Ahoi nochmal.
    Habe mir letztlich in Sapporo im Outdoorladen doch noch einen Filter zugelegt. Ne Auswahl gabs nicht wirklich, nur den MSR Miniworks und dann noch so einen „Survival Strohhalm mit Filter“. Der Strohhalm.. gut und schoen, aber in Flaschen/Camelbacks kann man damit ja nicht fuellen.. also habe ich mir den Miniworks geholt. Fuer google und Leute die dadurch ueber meinen Kommentar stolpern: der MSR Miniworks ist auch gegen Parasiten wie z.B. den Bandwurm Echinococcus tauglich.

    Letztendlich sind wir auf den Berg gewandert.. und dort dann wieder umgedreht, weil ein Taifun im Anmarsch war. 27 m/s Wind und Sintflutartiger Regen auf den Bergen ist kein Spass, wenn man nicht weiss wie lange alles dauert und man auch noch seinen Rueckflug bekommen will. Also sind wir wieder runtergewandert und mussten danach zurueck in die Stadt.
    Gekauft fuer nix..

    Trotzdem hoffe ich mit dem Kommentar noch wem geholfen zu haben.

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