Der neue alte R-Wert-Standard für Isomatten

26. Mai 2020

Eine erholsame Nachtruhe gehört mit zum Wichtigsten auf einer Berg- oder Trekkingtour. Wenn der Körper nicht die Ruhe bekommt, die ihm durch die körperliche Anstrengung zusteht, werdet Ihr bei Euren Unternehmungen schnell wenig Freude haben. Nun nutzt einem aber der beste Schlafsack nichts, wenn die dazugehörende Isomatte die Kälte vom Boden nicht entsprechend abhält.

Dies liegt daran, dass man nicht umhin kommt im Schlafsack den Teil der Füllung mit seinem Körpergewicht zu komprimieren, auf dem man liegt. Hier kommt also die Wärme nicht mehr in erster Linie vom Schlafsack, sondern von der Isomatte, die verhindert, dass sich vom Boden her eine Kältebrücke bildet.

Woher weiß ich aber, bis zu welcher Temperatur eine Isomatte grob einsetzbar ist? Dies regelt der R-Wert, nur dass es im Unterschied zu Schlafsäcken kein normiertes Testverfahren für dessen Ermittlung gab.

Temperaturangaben ohne Wert? – Der bisherige R-Wert

Bislang war ein großes Problem an der Angabe des R-Wertes das Fehlen eines standardisierten Verfahrens. Der R-Wert misst den Wärmewiderstand einer Dämmung. Das bedeutet je besser der Widerstand gegenüber der Wärmeübertragung ist, desto effizienter die Isolation – oder einfacher ausgedrückt je höher der R-Wert desto wärmer die Isomatte.

In den Bergen ist es entscheidend welchen R-Wert die Isomatte hat,

Nun gab es im Jahr 2001 von den Schweizer Outdoor-Tüftlern Exped erstmals den Versuch einen R-Wert für Isomatten verlässlich zu ermitteln. Dies ließ Exped von der eidgenössischen Materialprüfungsanstalt in St. Gallen testen, die über die entsprechende technische Ausrüstung verfügten.

Einige Hersteller schlossen sich danach dieser so genannten EMPA-Methode an, andere führten auf einer sehr ähnlichen Basis eigene Tests durch, wieder andere entwickelten aber auch ganz eigene Testmethoden. Dies führte dazu, dass es letztlich erstens keine einheitliche Norm für die Ermittlung des R-Wertes gab und zweitens die Verlässlichkeit dieses Wertes insgesamt nicht gegeben war, weil die verschiedenen Methoden auch unterschiedliche Ergebnisse zeitigten.

Dies war natürlich kein dauerhaft zufriedenstellender Zustand für die Endkunden und so beschlossen die führenden Hersteller von Isomatten nun endlich ein einheitliches Testverfahren für die Wärmeleistung von Isomatten zu entwickeln. Dies geschah auf Basis einer ASTM-Norm. ASTM steht für American Society for Testing and Materials und firmiert seit 2001 kurz unter ASTM International.

Die ASTM-F3340 Norm für den R-Wert

Wie genau funktioniert nun dieses neue, standardisierte Verfahren? Sehr ähnlich, wie bei der ursprünglich von Exped genutzten EMPA-Methode wird die Isomatte zwischen zwei Platten gelegt. Die untere Platte bleibt hierbei kalt, während die oben liegende Platte auf eine konstante, die menschliche Körperwärme imitierende, Temperatur erwärmt wird. Im nächsten Schritt wird dann die Energie gemessen, die benötigt wird, um die Temperatur der oberen Platte gleichbleibend zu halten.

In der Regel hat die Isomatte einen höheren R-Wert.

Diese Daten ergeben dann den jeweiligen R-Wert. Was hier nun immer noch eine Leerstelle bleibt, ist der Druck der von der oberen Platte auf die Matte ausgeübt wird, sowie welchen Einfluss der Aufblasdruck der Matte auf das Testergebnis hat.

Es wurde zudem auch die Anzahl der Tests noch nicht festgelegt, die der Norm zugrunde gelegt werden soll. Deshalb bietet auch der neue R-Wert „nur“ die Möglichkeit einer Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Herstellern, nicht aber eine konkrete Temperaturangabe. Will heißen ihr wisst jetzt, dass egal ob ihr eine Matte von beispielsweise Sea to Summit, Exped oder Therma A Rest erwerbt, alle Hersteller den R-Wert auf der gleichen Basis ermitteln.

Bis der R-Wert auch eine wirklich verlässliche und nachvollziehbare Temperaturangabe sein kann, bedarf es noch der genauen Definition obiger Parameter. Aber die neue Norm ist nichtsdestotrotz ein guter Schritt um Euch eine höhere Transparenz zu bieten und damit die Wahl der richtigen Isomatte doch deutlich zu erleichtern. Denn eine grobe Temperaturspanne bietet der R-Wert schon und durch die neue Einheitlichkeit mit der Norm ASTM F3340 ist er als Angabe sehr viel verlässlicher geworden.
In diesem Sinne, bleibt gesund und macht Euch draußen eine tolle Zeit, denn dort ist sie immer noch am Schönsten!

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar

€ 5 sofort
Für deine nächste Bestellung
Nein, danke.