Sohle runter, Schuh noch gut – Welche Hersteller bieten den Sohlen-Service?

21. Mai 2019

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Auch bei guten Schuhen ist es nach ein paar hundert Kilometern Stock und Stein soweit: Die Sohle hat an den häufigst abgetretenen Stellen kaum noch Profil und an den Stellen, wo der höchste Druck abgefangen wird, bröselt und schwindet das Material. Auch der Geröllschutzrand ist mittlerweile ziemlich löchrig und zerkratzt. Alles in allem sieht‘s „untenrum“ ziemlich düster aus. Der Schuhschaft hingegen ist zu diesem Zeitpunkt oft noch völlig in Ordnung und zudem auch richtig schön eingelaufen.

Unser, in der Wegwerfgesellschaft, gut eingeübte Standardmove wäre nun, die ‚kaputten‘ Treter in die Tonne zu befördern und ein neues Paar zu kaufen. Das geht schnell und erfordert den geringsten Aufwand.

Eines der wichtigen Ausrüstungsgegenstände beim Bergsport? Das Schuhwerk!

Das Schuhwerk ist eines der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände. Ist die Schuhsohle kaputt ist das eher kontraproduktiv, aber kein Grund die Schuhe in die Tonne zu werfen!

Doch wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer Reparatur der Schuhe? Bei guten und teuren Bergschuhen kann diese deutlich preisgünstiger sein als die nächste Neuanschaffung. Außerdem stellt sich ja noch die Frage, was ein bessere Gefühl hinterlässt: Eine unnötige Geld- und Ressourcenverschwendung oder eine optimale Nutzung der Schuhlebensdauer. Und schließlich gibt es ja auch noch die dritte „Alternative“: Die halb verschlissenen Schuhe so lange weiter zu benutzen, bis sie die Backen endgültig zusammenkneifen. Das ist allerdings eher keine gute Idee, denn erstens will man es sicher nicht erleben, dass mitten im steilen Geröllfeld der Schuh am Fuß auseinanderfällt, zweitens ist es nicht gerade heilsam für Füße und Knöchel, mit abgelaufenen und verfortem Sohlen unterwegs zu sein.

Ab wann lohnt sich die Reparatur?

Die Sohle ist ein Verschleißteil, das sich schneller abnutzt als der Rest des Schuhs. Höchste Zeit für eine neue Sohle wird es dann, wenn sie kaum noch sichtbares Profil aufweist. Zu diesem Zeitpunkt sollte man den Schuh-Unterbau auch auf mögliche weitere Materialalterung prüfen. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn diese findet bisweilen unsichtbar im Inneren der Sohle statt und ist nicht nur auf physische Belastung, sondern vor allem auch auf Feuchtigkeit zurückzuführen.

Für die feuchtigkeitsbedingte Zersetzung des Sohleninneren (genauer: der Zwischensohle und des Dämpfkeils) gibt es sogar ein Fachwort: Hydrolyse. Ihre Vermeidung ist der Hauptgrund warum gute Pflege und vor allem gründliches Trocknen (während und nach der Tour) sowie eine trockene Lagerung so wichtig sind!

Ob und wann sich die Reparatur lohnt ist natürlich auch eine Kostenfrage. Die Kosten hängen davon ab wie viele Sohlenteile ausgewechselt werden müssen und zu welcher Kategorie die Schuhe gehören. So ist der Spaß bei einem Wander- und Trekkingschuh billiger als bei einem steigeisenfesten Bergschuh.

Am günstigsten sind meistens Reparaturen am Kletterschuh.

Kletterschuhe kommen bei den Reparaturen meistens am günstigsten weg.

Am günstigsten sind Reparaturen bei Kletterschuhen. Hier fängt der  Sohlentausch bei 20 € an und endet bei ca. 60 €. Beim Schuster um die Ecke kann es billiger sein, doch ist es Glückssache, ob bei diesem die spezielle Kompetenz für Kletter- und Bergschuhe vorhanden ist. Bei guten Markenbergschuhen belaufen sich die Kosten je nach Anbieter und Aufwand auf 40 bis 80 €. Bei Internetanbietern kann es auch an die 100 € gehen. Das ist viel Geld, doch gemessen an einer Neuanschaffung immer noch deutlich günstiger.

Obacht gilt bei Schuhen mit Membran (z.B. Gore-Tex): hier solltet ihr drauf achten, ob die Schuhe noch wasserdicht sind. Ist das nicht der Fall kann es ggf. Sinn machen, neue Schuhe zu kaufen. Bei Volllederschuhen oder Schuhen ohne Membran stellt sich die Frage natürlich nicht.

Wie funktioniert die Reparatur? Welche Möglichkeiten gibt es?

Vom Prinzip her ist der Austausch der Profilsohle sehr simpel: Die beschädigte alte Sohle wird abgeschliffen oder abgezogen, die Neue draufgeklebt, fertig. Die praktische Durchführung ist jedoch in den seltensten Fällen so einfach, selbst wenn keine weiteren Teile ausgetauscht werden müssen. Am besten überlässt man das Ganze also jenen Experten, die sich mit dem gesamten Sohlenunterbau auskennen und auch den Gummirand fachgerecht austauschen können.

Um die Schuhe in die Hände dieser Experten zu geben, gebt man sie in der Regel bei dem Fachhändler ab, bei dem sie gekauft wurden. Dieser schickt die Schuhe dann an den Hersteller weiter. Abholung oder Versand der reparierten Schuhe werden ebenfalls über den Händler abgewickelt. Ein direktes Einsenden an den Hersteller ist nur in wenigen Fällen möglich. Deshalb listen viele Schuhhersteller auf ihren Websites die autorisierten Fachhändler auf, die ihre Marke vertreiben. Das konkrete Vorgehen bei den renommierten und in unserem Shop vertretenen Bergschuhherstellern schauen wir uns im letzten Abschnitt an.

Alternativ bleiben folgende drei Möglichkeiten:

  • Einsenden an einen Online-Spezialschuster für Berg- und Kletterschuhe: Hierbei handelt es sich um eine relativ sichere Möglichkeit, die allerdings nicht die Schnellste und Günstigste ist.
  • Einen Schuster in der eigenen Umgebung kontaktieren und fragen, ob sie Kletter-/Bergschuhe reparieren können: Das ist zwar leider Glückssache, aber kann durchaus funktionieren. Es kann allerdings auch sein, dass man bei einer Neubesohlung nicht unbedingt die Originalsohle des Herstellers bekommt. Entsprechend ist diese Möglichkeit nicht die sicherste, aber im Glücksfall die Günstigste und Schnellste.
  • Do it yourself: Bei dieser Alternative hantiert man mit Klebern wie Freesole herum und hat selbst im einfachsten Fall, wenn zum Beispiel nur die Laufsohle verschlissen ist, keine Erfolgsgarantie. Die Forenbeiträge in Outdoorforen, die überwiegend von Schwierigkeiten und Misserfolgen berichten, sprechen da eine deutliche Sprache. Außerdem sind oft nicht nur die Profilsohle, sondern auch weitere Teile wie Zwischensohle und Dämpfkeil beschädigt und müssen entsprechend ebenfalls ersetzt werden. Damit dürfte man als Schuh-Laie, alleine schon wegen den fehlenden Spezialwerkzeugen, überfordert sein. Wenn es allerdings wirklich nur die abgelaufene Profilsohle ist, klappt es vielleicht mit dieser Anleitung des Outdoor-Magazins.

    Am besten gibt man die Schuhe in die Hände eines Experten.

    Anstatt selber an der Reparatur zu tüfteln, gibt man die Schuhe am besten in die Hände eines Experten.

Sonderfall Reklamation

Sollte in Ausnahmefällen die Schuhsohle trotz „sachgemäßer Verwendung“ innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfrist unbrauchbar werden, kann ein Konstruktionsfehler und Reklamationsfall vorliegen.

Das ist natürlich immer ärgerlich, doch wenn du den defekten Schuh bei den Bergfreunden gekauft hast, kannst du sicher sein, dass sie sich im Garantiefall voll für dich reinhängen! So steht dir im begründeten Gewährleistungsfall der gesetzliche Anspruch auf Nacherfüllung oder, falls nicht möglich, Gelderstattung zu. Bitte unternehme in diesem Falle keine überstürzten Reparaturversuche, denn die Gewähr verlischt bei unsachgemäßer Reparatur durch einen nicht autorisierten Servicepartner. Auch wenn die Schuhe zurück an den Händler gehen, wird es eher zu einem Umtausch als zu einer Reparatur kommen.

Alles Weitere zu diesem Ablauf findest du zusammengefasst auf der Bergfreunde-Reklamationsseite.

Infos zu den Regelungen verschiedener Hersteller folgen gleich im letzten Abschnitt dieses Artikels.

Können alle Schuhe repariert werden? Welche Bauart muss der Schuh haben?

Eine komplette Neubesohlung ist im Normalfall nur möglich, wenn der Schuh in der „gezwickten“ oder in der „zwiegenähten“ Machart hergestellt ist. Nur hier sind Brandsohle, Laufsohle und andere Teile des Schuh-Unterbaus so verbunden, dass eine saubere Auftrennung und Erneuerung möglich ist.

Eine komplette Neubesohlung ist nicht immer möglich.

Nicht immer ist eine komplette Neubesohlung möglich.

Alternativ gibt es die „gestrobelte Machart“, bei der höchstens ein Abschleifen und Neubekleben der Laufsohle möglich ist, nicht aber ein kompletter Sohlenaustausch. Die gestrobelte Bauweise kommt eher bei weicheren und flexibleren Schuhen zum Einsatz. Die Laufsohle wird hier ohne Kleber an den Schaft „angespritzt“ und ist demnach nicht ohne weiteres ablösbar. Man erkennt gestrobelte Schuhe leicht an ihrer, an der Schuhinnenseite verlaufenden, Verbindungsnaht zwischen Schaft und Brandsohle. Man muss nur die Einlegesohle entnehmen, um die Strobelnaht zum Vorschein zu bringen. Bei der gezwickten und der zwiegenähten Machart ist hingegen nur die Brandsohle zu sehen, die unsichtbar aber stabil mit dem Schaft verklebt oder vernagelt ist.

Auflistung der Hersteller, die einen Austausch der Sohle anbieten

Wenn es ein hochwertiger Bergstiefel oder Trekkingschuh ist, den du dein eigen nennst, stehen die Chancen gut eine Tip-Top-Neubesohlung vom Hersteller zu bekommen. Allerdings gilt das auch wirklich nur bei einigen der Top-Hersteller. Bei allen anderen wird es innerhalb der Gewährleistungszeit eher zum Umtausch kommen und nach Ablauf der Gewährleistung schwierig mit der Reparatur.

Hier folgend das Vorgehen bei einigen der renommierten und im Bergfreundeshop vertretenen Hersteller:

Hanwag, Mammut und Lowa bieten auch einen Reparaturservice außerhalb der Gewährleistungszeit von zwei Jahren an – natürlich mit Kosten und auch auf jeden Fall individuell abgestimmt. Das kann auch über den Hersteller direkt organisiert werden, dauert meistens aber mehrere Wochen.

LaSportiva und Boreal führen auf Anfrage und nur in seltenen Fällen Reparaturen außerhalb der Gewährleistung durch. Bei allen anderen Herstellern werden Reparaturen nur innerhalb der Gewährleistungszeit und mit Einschränkungen durchgeführt. Dazu gehören: Edelrid, Haglöfs, Salewa, Martini (sehr langsam), Duckfeet (verweist an Schuster in DE wenn nicht innerhalb der Gewährleistung oder Eigenverschulden), Mavic, Montura (sehr langsam).

Nach der Reparatur kann wieder voll durchgestartet werden!

Abgesehen von ein bis zwei Anrufen beim Händler oder Hersteller, sollten dem Sohlenaustausch keine großen Hindernisse im Weg stehen. Und nach der Reparatur kann wieder voll durchgestartet werden!

Soweit der kleine Einblick in die Welt der Schuhreparaturen. Zunächst sieht das Ganze etwas kompliziert aus, doch mit den Infos dieses Artikels sollten dem nächsten Sohlentausch abgesehen von ein bis zwei Anrufen beim Händler oder Hersteller keine großen Hindernisse im Weg stehen.

Hier noch ein paar meiner vorherigen eigenen Rechercheergebnissen:

Habt ihr noch Fragen? Dann ab damit in die Kommentare!

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Hans sagte am 20. Dezember 2018 um 23:55 Uhr

    Wenn ihr schon von anderen Seiten abkupfert, dann setzt doch wenigstens einen Link auf die entsprechenden Seiten….

  2. Jörn sagte am 21. Dezember 2018 um 16:18 Uhr

    Hi Hans,

    ich habe gerade mal mit Stephan Rücksprache gehalten und er hat mir versichert, dass er lediglich recherchiert hat und nicht wortwörtlich abgeschrieben hat. Kannst du mir besagten Link noch durchgeben? Ggf. packe ich ihn gerne noch dazu.

    Liebe Grüße,

    Jörn

  3. Tommess sagte am 28. Juni 2019 um 15:21 Uhr

    Besten Dank für die Übersicht. Das hilft sicher eine gute Kaufentscheidung zu treffen.

    Gleichfalls gibt es darüber hinaus auch die Möglichkeit, zum Schuster des Vertrauens zu gehen und seinem handwerklichen Fachwissen zu vertrauen.
    Mir hat vor Jahren der Hausschuster von Globi in Hamburg neue Vibramsohlen auf meine Asolo Superscout geklebt, die damit noch ewig gehalten haben. Die Originalsohle war nach einigen Jahren ausgehärtet und verlor Stücke.

    Meine Lowa Colorado Arbeitsstiefel indes, bei denen ich immer die Hacke recht schnell ablaufe, können wegen der verschweißten Sohlenkunsstoffe nicht repariert werden. Meine neuen Lowa Renegade haben ne Vibramsohle, da habe ich wieder Hoffnung auf Reparatur.

    Insofern wäre eine Kennzeichnung der Ware, wo Sohlenreparaturen konstruktions- und materialbedingt möglichsind, eine tolle Sache. Oder – für dem Facheinzelhandel noch attraktiver – wenn die Info dafür beim Händler liegt.

  4. Hildegard Jansen sagte am 16. August 2019 um 20:47 Uhr

    Hallo! Ich habe mir vor mehreren Wochen in einem Trekking-Outlet-Laden ein Paar reduzierte und robuste Wanderschuhe gekauft. Ich suchte nach ein Paar stabilen Allroundern, die man auch gut in der Stadt, aber auch in Feld, Wald und Wiese tragen kann. Dabei sagte ich ausdrücklich, dass es mir sehr wichtig sei, dass der Schuh eine Sohle bzw. ein Sohlenmaterial hat, der auch auf regennassem Asphalt NICHT RUTSCHT! Denn das gibt es. Die Vibramsohlen eines Wanderschuhs vor langer langer Zeit rutschte auch bei Regen nicht. Ich kaufte mir also einen Chiruca Nervion GTX. Solide gemacht und voallem endlich mal breit über dem Leisten, sodass auch meine orthopädischen Einlagen endlich Platz finden, ohne dass der Schuh drückt. Zunächst lief ich erstmal ganz normal und bei trockenem Wetter in der Stadt darin herum. Ging soweit alles recht gut. Aber jetzt stand ein Ausflug an einem Regentag an. Und dann kam der große Frust. Ich konnte kaum richtig gehen, ohne, dass es unter meinen Füßen rutschig wurde (ganz normaler Bürgersteig – also nichtmal im Gelände).
    Der Schuh hat keinen Fehler oder sonstwelche Mängel in der Verarbeitung. Dennoch möchte ich ihn reklamieren, weil er nicht das bot, für den ich ihn gekauft hatte. Mir wurde im Geschäft gesagt, dass dieses Modell auch auf nassem Asphalt eine gute Haftung hätte. Und das steht auch so in der Beschreibung des Chiruca Nervion GTX im Internet. Eine Firmenseite gibt es in Deutschland nicht. Chiruca kennt lediglich eine eigene Seite in spanischer Sprache. Was jetzt?
    Viele herzliche Grüße,
    Hilde Jansen

  5. Jörn sagte am 19. August 2019 um 09:40 Uhr

    Hallo Hilde,

    das ist ja sehr ärgerlich :( In dem Fall können wir dir leider nicht viel weiterhelfen. Bei Reklamationen ist es in der Regel so, dass du dich erstmal an den Händler wenden kannst, bei dem du den Schuh gekauft hast. Der sollte sich dann darum kümmern.

    Liebe Grüße und alles Gute,

    Jörn

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