Daune-Nachhaltigkeit-Titel

Nachhaltige Daunenlabels im Überblick

11. April 2017

Kategorie

Sportart

Daune ist warm, Daune ist flauschig, Daune ist DAS Material wenn es um richtig gute Wärmeisolation geht. Ihre Gewinnung allerdings ist nicht immer unumstritten. Zwar stammt etwa 90% des Daunenaufkommens weltweit aus Schlachtrupf – das heißt, die Daunen sind Nebenprodukte der Geflügelzucht – aber es gibt eben auch Fälle von Lebendrupf. Und in Zeiten industrieller Akkordarbeit fällt dieser klar unter das Thema Tierquälerei.

Zum Glück ist das Thema Nachhaltigkeit seit nunmehr vielen Jahren vor allem im Outdoor-Bereich sehr präsent. Fast alle Hersteller beziehen ihre Daunen aus Betrieben, die durch externe Organisationen zertifiziert sind oder ihre eigenen Standards am Markt etabliert haben. Einige dieser Labels, wollen wir heute einmal näher betrachten:

Responsible Down Standard

Nachhaltige Daunenlabels im Überblick

Das RDS-Label

Der Responsible Down Standard – kurz ‘RDS‘ – wurde von The North Face zusammen mit der Non-Profit-Organisation Textile Exchange ins Leben gerufen – nachdem eine große Daunen-Kampagne der Tierschutzorganisationen PETA und Vier Pfoten das Thema in das Licht der Öffentlichkeit gerückt haben.

Der RDS zertifiziert seinen angeschlossenen Lieferanten, dass die Daune einzig aus dem Schlachtrupf stammt, dass die Tiere artgerecht und leidfrei gehalten und nicht zwangsernährt werden, wie es in der Stopfmast hingegen üblich ist. Die Betrachtung der Lieferkette erfolgt vom Brüten bis zur Herstellung des Fertigerzeugnisses – also letztlich der Daune – und wird bis auf den Endvertrieb ausgeweitet. Dabei bekommen das RDS-Siegel nur solche Hersteller, bei denen 100% der Daune entsprechend produziert und nicht noch Daune aus anderen dubiosen Quellen untergemischt wurde.

Das Zertifikat ist insgesamt 14 Monate gültig. In dieser Zeit werden die Betriebe sowohl angekündigt, als auch unangekündigt kontrolliert. Bei diesen sogenannten Audits muss den Kontrolleuren voller Zugang gewährt werden. Die genauen Kriterien des RDS sind online unter diesem Link einsehbar.

Zu den Marken, die RDS-zertifizierte Daune verwenden, gehören unter anderem:

Global Traceable Down Standard

Niemand geringerer als das US-amerikanische Outdoor-Unternehmen Patagonia – wer auch sonst – etablierte die Grundform des Global TDS. Auf Basis dieser firmeneigenen Zertifizierung entwickelten sie zusammen mit anderen Firmen und der National Sanitation Foundation den Traceable Down Standard.

Nachhaltige Daunenlabels im Überblick

Gerade bei längeren Pausen schützt eine Daunenjacke vor dem Frösteln.

Er ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt der strengste Standard in der Daunenindustrie und garantiert, dass Daunen nicht aus Lebendrupf sowie Stopfmast stammen. Beim Global TDS sind darüber hinaus die Farmen der Elterntiere für die Zertifizierung obligatorisch. Dies ist beim RDS lediglich eine Zusatzqualifikation. Die Kontrollen erfolgen ausschließlich unangekündigt, es sei denn, eine Ankündigung ist gesetzlich verpflichtend. Dabei spielt der Zeitpunkt für die Kontrollen eine wichtige Rolle. So werden Betriebe logischerweise in genau den Monaten kontrolliert, in denen Lebendrupf und Zwangsfütterung am Wahrscheinlichsten sind.

Außerdem umfasst der TDS nicht nur die großen Farmen, sondern ist genauso auf kleine Höfe anwendbar, wie sie meist in Osteuropa vorzufinden sind. Mehr Informationen zum ursprünglichen Firmenstandard von Patagonia gibt es hier und alles Wissenwerte über den Global Traceable Down Standard könnt ihr hier nachlesen.

Global TDS-zertifizierte Daune nutzen unter anderem die folgenden Hersteller:

Kleine Labels – besser als nichts, aber nicht unumstritten

Wer Produkte mit RDS- oder Global-TDS-Zertifizierung wählt, kann also sicher sein, dass die Daune aus tierleidfreier Produktion stammt. Neben den beiden großen Standards gibt es aber natürlich auch noch weitere kleine Labels, deren Verbreitung eher auf Bettwäsche und fashion-lastige Produkte abzielen. Hier kommt es leider jedoch häufiger vor, dass lediglich eine Qualitätskontrolle des Endprodukts stattfindet und kein genauer Blick auf die gesamte Lieferkette geworfen wird. Besser als nichts, mögen manche sagen, aber im Großen und Ganzen auch kein wirklicher Gewinn für die Sache, ethisch vertretbare Daune zu gewinnen.

Wie sieht es bei anderen Firmen aus?

Nachhaltige Daunenlabels im Überblick

Daune – wenn’s mal wieder länger dauert!

Wie wir am Beispiel Patagonia sehr gut sehen können: So wird das gemacht! Eine entsprechende Firmenphilosophie und den Willen, diese auch im Sinne des Tier- und Artenschutzes umzusetzen vorausgesetzt. Deshalb sind auch die internen Bestrebungen anderer Hersteller nur zu begrüßen – denn letztlich haben sie die Macht, ihre Lieferanten mit Nachdruck zur Einhaltung von Konventionen zu bewegen. Zahlreiche Outdoor-Marken beziehen ihre Daune bereits von RDS- oder Global-TDS-Betrieben, andere wiederum verfolgen ihre eigenen Standards:

„Down Promise“ von Fjällräven

Das „Daunenversprechen“ steht in Sachen Tierschutz mit an der Speerspitze der Zertifizierungen. Das Down Promise der schwedischen Outdoor-Marke ist transparent und ermöglicht eine 100%ige Rückverfolgbarkeit der Daune. Lebendrupf und Stopfmast sind verboten und die Betriebe werden regelmäßig kontrolliert.

„Down Codex“ von Mountain Equipment

Mit dem „Down Codex“ wollen die Engländer sicherstellen, dass keine Daune aus tierqäulerischer Produktion eingesetzt wird, die Tiere artgerecht gehalten und aufgezogen werden. Jedes Daunenprodukt hat einen eigenen Code, über den die gesamte Wertschöpfungskette auf der Webseite Trace Your Down nachvollzogen werden kann. Die Lieferkette wird gleichzeitig von dem unabhängigen International Down and Feather Laboratory (IDFL) überprüft.

Der „Yeti Ethical Down Code“

Der Ethical Down Code von Yeti ist der Zertifizierung von Mountain Equipment relativ ähnlich. Yeti lässt seine Lieferkette ebenfalls vom IDFL überprüfen.

Was unter dem Strich bleibt…

Es bleibt festzuhalten, dass sich das Thema Nachhaltigkeit aktuell wie ein roter Faden durch fast alle Produktkategorien im Outdoor-Bereich zieht. Und diese Entwicklung ist natürlich sehr zu begrüßen, damit unser ökologischer Fußabdruck so klein wie möglich gehalten werden kann. Wie immer, ist bei aller Euphorie aber auch Vorsicht geboten. Nicht jedes Label und nicht jede Zertifizierung ist so umfassend wie sie den Anschein macht. Daher lohnt im Zweifel eine kleine Recherche oder ihr fragt einfach bei euren guten alten Bergfreunden nach, falls ihr Fragen habt!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Gaby sagte am 18. April 2017 um 14:47 Uhr

    Sehr guter Artikel, Infos auf dem neuesten Stand. Well done!

  2. Jörn sagte am 18. April 2017 um 14:51 Uhr

    Vielen Dank, liebe Gaby :)

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