eis

Den Eisgeräten auf den Zahn gefühlt – eine Kaufberatung

19. August 2015

Kategorie

Sportart

Kaufberatung Eispickel

Die Bergfreunde beim Eisklettern am Kandersteg

Eispickel gibt es schon seit Beginn des modernen Bergsteigens. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich in diesem Bereich jedoch sehr viel getan. Wenngleich der Eispickel in seiner Form heute als technisch ausgereift gilt, gibt es dennoch im Produktfeld der Eisgeräte immer wieder zahlreiche technische Neuerungen. Dies ist beim Kauf mitunter sehr verwirrend und schnell stellt sich die Frage: Welches Eisgerät passt zu mir? Leider wurde auch in diesem Produktfeld noch keine eierlegende Wollmilchsau erfunden und somit hängt die Wahl des perfekten Geräts immer auch stark von den persönlichen Bedürfnissen ab.

 

 Eispickel

Die Urform aller Eisgeräte ist der Eispickel. Herkömmliche Eispickel fallen zumeist in die Kategorie B der Euro-Norm. Die Konstruktion dieser Basisgeräte ist für den universellen Einsatz in leichtem bis mittelschwerem Gelände ausgelegt. Sie dienen als Stockersatz beim Gehen, als Werkzeug beim Stufenschlagen, als zusätzlicher Halt beim Erklimmen kleinerer Eis- und Firnflanken und nicht zuletzt als Anker und Rettungsgerät.

Grivel - Monte Bianco - Eispickel

Grivel – Monte Bianco – Eispickel

Moderne Eispickel haben in der Regel Aluminiumschäfte, aktuell baut nur Grivel ein Modell mit Holzschaft. Dabei handelt es sich jedoch nicht um ein Relikt aus grauer Vorzeit, sondern um ein modernes und innovatives Produkt, das dem Bergsteigen ein wenig seinen Charme von einst zurückgibt. Die Hauen sind überwiegend gerade bis leicht gerundet und die Zahnung ist nicht scharf. Eine Handschlaufe schützt gegen Verlust des Pickels und die Spitze gibt beim Gehen auf dem Gletscher Halt. Je nach Terrain kommen in den letzten Jahren auch vermehrt Hybridpickel mit leicht gekrümmtem Schaft und aggressiveren Hauen zum Einsatz.

Kunden, die in diesem Produktsegment fündig werden, erfüllen das Bild des „klassischen Bergsteigers“. Ihr Terrain sind Gletschertouren und Alpengipfel, die meist ohne größere Eiskraxelei erreicht werden können. Auch auf alpinen Skitouren kommen in der Regel klassische Eispickel oder Hybridpickel zum Einsatz.

Beim Kauf muss neben dem geeigneten Modell auf die optimale Schaftlänge geachtet werden. Zur Ermittlung der richtigen Länge gilt daher folgender Grundsatz: Am hängenden Arm sollte der am Kopf gehaltene Pickel bis knapp über den Boden reichen.

Cassin - X-Dry + Alpine Kit - Eisgerät mit alpiner Zusatzausrüstung

Cassin – X-Dry + Alpine Kit – Eisgerät mit alpiner Zusatzausrüstung

Eisgeräte

Eisgeräte fallen nach Euro-Norm in die Kategorie T (Technikgeräte). Die Produkte dieser Einstufung reichen von relativ gemäßigten Hybridpickeln bis hin zu Eisäxten für den Einsatz in extremem Gelände. Die Schäfte der Eisgeräte sind im Gegensatz zu klassischen Eispicken nicht gerade, sondern gekrümmt. Dies ermöglicht einen kraftsparenden Einsatz und schont, gerade bei einem unregelmäßigen Eisaufbau, die Finger. Generell gilt hierbei: je extremer das Gelände, desto gewinkelter der Schaft. Auch die Hauen der Eisgeräte sind wesentlich stärker gekrümmt als die der Eispickel. Die stark nach unten gezogene Form und die aggressiven Zähne und Spitzen sorgen dafür, dass selbst in überhängenden Passagen ein guter Halt erreicht wird. Je nach Einsatzgebiet sind Eisgeräte zusätzlich mit Handschlaufen versehen. Bei extremen Klettereien wird jedoch zugunsten des Handlings darauf verzichtet. In diesem Fall kommen Eisgeräte mit speziellen, abgestuften Griffzonen zum Einsatz. Diese sind in der Regel einstellbar und lassen sich somit an die Handgröße bzw. die individuellen Bedürfnisse anpassen. Die meisten Eisgeräte verfügen darüber hinaus über eine Spitze unterhalb des Griffs. Diese ist meist so gebaut, dass der Kletterer die Möglichkeit hat einen Karabiner einzuhängen. Somit kann das Eisgerät auch als provisorische Zwischensicherung, beispielsweise beim Setzen von Eisschrauben, verwendet werden. Eisgeräte sind in der Regel ein wenig schwerer als Eispickel. Der Grund hierfür ist die höhere Schlagwucht.

Alpines Eisklettern

Eiskletterer, die sich in großen Eiswänden und Firnflanken tummeln, sind mit Herz und Kopf Alpinisten und weniger Athleten. Dementsprechend kommen in diesem Bereich auch Eisgeräte zum Einsatz, die am umfangreichsten ausgestattet sind. Klassischerweise verfügt das eine Eisgerät über einen Hammer und das andere über eine Schaufel. So können einerseits lockere und morsche Eisstellen schnell und kraftsparend entfernt werden, andererseits besteht die Möglichkeit, Eisnägel und Haken einzuschlagen. Darüber hinaus wird in diesem Segment meist mit Handschlaufen gearbeitet. Diese entlasten bei langen Touren die Hände und schützen vor dem Verlust des Eisgeräts. Auch beim Zu- und Abstieg können Geräte dieses Typs hilfreich sein.

Kaufberatung Eispickel

Beim klassischen Eisklettern kommen sehr technische Geräte zum Einsatz

Klassisches Eisklettern

Beim klassischen Eisklettern geht es steil nach oben. Senkrechte und überhängende Eiswände sind hier keine Seltenheit. Dementsprechend kommen bei dieser Spielart des Eiskletterns auch sehr technische Geräte zum Einsatz. Die Hauen und Schäfte sind stark gekrümmt und sorgen für besten Halt im Eis. Die Zahnung und die Spitze sind meist messerscharf geschliffen und die Haue beißt sich ins Eis, als wäre es Pudding. Handschlaufen kommen hierbei in der Regel nicht zum Einsatz, da sie das Umgreifen und die allgemeine Bewegungsfreiheit zu sehr behindern würden. Auch auf Hammer und Schaufel wird meist zugunsten der Performance und zur Minderung des Verletzungsrisikos verzichtet. Für einen besseren Halt verfügen sie aber über einen anpassbaren Griffbereich, sowie über einen Fingerschutz. Aufgrund ihrer starken Krümmung und der für Steileis optimierten Konstruktion eigenen sich Eisgeräte dieses Typs kaum als Gehhilfe für Zu- und Abstieg.

Kaufberatung Eispickel

Bei Drytooling und Mixed-Touren wird sowohl im Eis als auch am Fels geklettert

Drytooling

Drytooling und Mixed-Touren sind wahrscheinlich die extremsten Spielarten des Eiskletterns. Touren dieses Typs sind vergleichsweise kurz, aber mitunter extrem anspruchsvoll, da nicht nur im Eis, sondern auch am Fels geklettert wird. Ähnlich wie beim klassischen Eisklettern kommen hier stark gekrümmte Eisgeräte ohne Handschlaufe, Hammer und Schaufel zum Einsatz. Durch die überaus starke Krümmung bieten sie selbst bei überhängenden Passagen und auf dünnem Eis eine maximale Performance. Die Zahnung und die Spitze sind in der Regel weniger scharf als bei Geräten, die beim klassischen Eisklettern zum Einsatz kommen. Der Grund hierfür liegt im verstärkten Felskontakt. Dieser macht einerseits das Metall schneller stumpf, andererseits wirken je nach Move auch extreme Kräfte auf die Haue. Der Kopf dieser Geräte ist zusätzlich mit einer Zahnung versehen, somit ist auch das Verkeilen im Fels möglich.

Praxistipp

Bei Eisgeräten ist die Haue die am stärksten beanspruchte Komponente. Hier treten auch die meisten Beschädigungen auf. Gerade bei regelmäßigem Einsatz in gemischtem Gelände nutzen sich die Hauen stark ab und es kann zu einem Hauenbruch kommen. Dies kann gerade in langen und technisch anspruchsvollen Routen zu einem ernsthaften Problem führen. Daher empfiehlt es sich, beim klassischen und alpinen Eisklettern Eisgeräte zu verwenden, bei denen die Haue gewechselt werden kann und immer eine Ersatzhaue nebst Werkzeug im Rucksack mitzuführen.

Auf den Punkt

Das Gelingen einer Tour hängt neben Kondition und Können auch ein gutes Stück vom Material ab. Daher sollte man auch im Bereich der Eisgeräte und Pickel die Ausrüstung der Route anpassen. Ein Steileisgerät ist bei einer Gletscherüberquerung genau so unangebracht wie ein klassischer Eispickel beim Drytooling. Deshalb sollte man sich den alten Grundsatz zu Herzen nehmen: je extremer das Gelände, desto extremer das Gerät.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Daniel ist hier unser Fachmann in Sachen Eisgeräte und alles was dazu gehört. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel
Andere Bergfreunde freuen sich auf deinen Kommentar