Draußen nur Kännchen: Kaffee kochen auf Tour

26. September 2018

Wer sich trekkend, backpackend oder bergsteigend ins wilde Hinterland aufmacht, muss auf einiges verzichten. Kein Breitbildfernseher, kein Billardtisch und kein Massagesessel weit und breit. Bei all den Entbehrungen kann es wie ein Rettungsanker sein, wenigstens noch einen anständigen Kaffee zu bekommen. Auf den muss man nämlich auch im kalten Nordwand-Biwak nicht verzichten – egal ob man das Geschmackserlebnis oder den Koffeinkick will.

Doch welche Kaffeemöglichkeiten am Berg und unterwegs gibt es? Und welche Vor- und Nachteile haben sie? Eine ganze Menge an Methoden, werden wir uns jetzt mal der Reihe nach anschauen. Von der supersimplen Schnelllösung arbeiten wir uns bis zur „vollwertigen“ Kaffeezeremonie vor.

Allerdings gibt es in diesem Überblick keine der sonst üblichen Kenner-Urteile, dass dieser oder jener „wirklich der Beste“ sei, dass „Instantkaffee was für Banausen“ ist, oder dass „Filterkaffee schmeckt wie es unterm Funktionsshirt riecht“. Geschmacksempfinden ist bekanntlich individuell und Diskussionen darüber werden end- und ergebnislos geführt. Außerdem hängt der Geschmack nicht nur vom verwendeten Kaffee und den verwendeten Gerätschaften ab, sondern auch von den vielen Variationsmöglichkeiten bei der Zubereitung. Schon kleine Änderungen von Kochzeit, Ziehzeit, Temperaturen, Wasserdruck, Umrührhäufigkeit oder „Kontaktintensität“ zwischen Wasser und Kaffee können große Geschmacksabweichungen ergeben. Und gerade draußen im Freien kann oder will man an diesen Feinheiten nicht immer so genau herumsteuern. Sowieso schmeckt es meist erst richtig gut schmeckt, wenn man nach vielem Durchprobieren „seine“ Sorten und Methoden entdeckt hat.

Auch auf Tour möchten die meisten nicht auf ihren Kaffee verzichten.

Damit der Tag gut startet! Für viele auch draußen unabdingbar: Kaffee.

Es gibt zwar auch elektrische „Outdoor-Kaffemaschinen“, doch wir bleiben hier bei Varianten, die sich auch ohne Strom im „freien Feld“ zubereiten lassen. Und wir gehen nur am Rande auf Kocher und Wärmequellen ein, da es bei den meisten Methoden der Kaffeezubereitung egal ist, mit welcher Wärmequelle das Wasser erhitzt wird.

Pads, Tütchen, Päckchen: wenig Aufwand, viel Müll

Als lösliches Pulver gibt es Kaffee mittlerweile in so vielen klein abgepackten Varianten, dass man sich in jedem Supermarkt eine ganze Sortensammlung für die nächste Rucksacktour zusammenkaufen könnte. Nach Wunsch steckt man von den Tütchen und Päckchen eine abgezählte Menge ins Reisegepäck und benötigt damit unterwegs nichts weiter als eine Tasse und heißes Wasser. Aufgießen, umrühren, fertig.

Selbst mit den eigentlich für Maschinen gedachten Kaffeepads funktioniert es. Das Pad braucht nur mit dem Löffel etwas ins heiße Wasser gedrückt zu werden und schon ist der Kaffee so gut wie fertig. Praktisch ist bei den Pads zudem, dass sie ebenfalls für eine Tasse „fertig eingepackt“ und „vordosiert“ sind.

So praktisch diese Methode erscheint, hat sie jedoch auch ihre Kritikpunkte. Diese wären: der Verpackungsmüll, die hohen Preise der klein abgepackten Mengen sowie je nach Sorte der Geschmack, der sich dank reichlich künstlicher Aromen, Zucker, Milchpulver und anderer Zutaten etwas von „wirklichem Kaffee“ entfernen kann.

Instant Kaffee

Den löslichen „Schnellkaffee“ gibt es in der großen Dose und auch in kleinen Tütchen. Damit sich das Kaffeepulver im Wasser auflöst, wurde es gefriergetrocknet. Auch hier heißt es: heißes Wasser, umrühren, fertig! Deshalb besteht auch hier der Vorteil darin, dass sich das Rucksack-Zusatzgewicht auf die gewünschte Menge an Instantpulver beschränkt. Zwar gibt es auch Instantkaffee in kleinen Portionsbeutelchen, doch die gewünschte Menge kann man sich auch daheim aus dem handelsüblichen Glas- oder Pappbehälter in kleine Schraubdosen oder Zip-Beutel abfüllen. So lässt sich der Müllberg reduzieren.

Die Kaffeetasse sollte auf jeden Fall mit ins Gepäck.

Eine Tasse sollte, neben dem Kaffee, auf jeden Fall ins Gepäck wandern.

Als Kritikpunkt gilt hier hauptsächlich der Geschmack – es ist eben kein klassisches Kaffeearoma. Auch aus Umweltsicht darf man den Gefriertrockenkaffee hinterfragen, denn  Gefriertrocknung ist üblicherweise mit einem recht hohen Energieaufwand verbunden.

Umrührkaffee („Cowboykaffee“, „türkischer Kaffee“)

Diese zünftige Lagerfeuervariante ist nix für (selbsternannte) Baristas, aber was für (selbsternannte) echte Kerle. Auch hier heißt es Topf, Becher, Pulver, aufgießen, umrühren und – nein, noch nicht ganz fertig. Da hier normales Kaffeepulver in den Topf oder Becher kommt, muss es sich erst noch am Boden absetzen. Das erfordert entweder zwei-drei Minuten Geduld oder einen Schuss kaltes Wasser, den man über die Kaffeebrühe kippt. Das sollte den Vorgang des Absetzens auf dem Boden beschleunigen. Kippt man stattdessen etwas kalte Milch drüber, darf man den Cowboykaffee auch „türkischen Kaffee“ nennen. Wenn man danach beim Umfüllen vom Topf in die Tasse nicht zu schnell vorgeht, sollte der Kaffeesatz vollständig im Topf zurückbleiben.

Je nach Geschmacksvorliebe kann man das Kaffeepulver zusammen mit dem Wasser aufkochen (im engeren Sinne wäre nur das der „echte“ Cowboykaffee) oder es erst nachträglich ins heiße Wasser geben und verrühren plus ziehen lassen. Letztere Methode hat den Vorteil, dass der Topf sauber, sprich kaffeefrei bleibt. Hat man eine Blechtasse, kann man den Cowboykaffee auch stilecht direkt mit dieser auf der Flamme brühen.

Egal welche Variation man hier benutzt, geschmacklich überzeugt das Ergebnis durchaus auch die verwöhnteren Kaffeefreunde – und das nicht nur, weil es draußen sowieso besser schmeckt.

Wie bei Oma: Filterkaffee

Seitdem Erdbeerlatte und Caramellmacchiato den Ton angeben, hat Omas guter Melitta-Kaffee etwas an Glanz verloren. Dabei kann die Filtervariante gerade unterwegs und draußen durchaus brauchbare Geschmacksergebnisse liefern. Das liegt daran, dass es für die Zubereitung per Filter auch wieder sehr viele Möglichkeiten und Variationen gibt. Allen gemein ist, dass sie den direkten Kontakt von Wasser und Kaffeesatz vermeiden und relativ wenig zusätzliches „Kaffeeequipment“ benötigen.

Bei der simpelsten Methode wird einfach der mit Kaffeepulver gefüllte Papierfilter festgehalten. Dabei braucht es allerdings etwas Geschick, um Unfälle wie das Einknicken oder Verrutschen des Filters zu vermeiden. Und etwas Ausdauer braucht es auch, zumindest wenn der Kaffee (geschmacks)stark werden soll. Dafür muss das Wasser nämlich langsam durch den Filter tröpfeln. Kippt man es einfach nur schnell durch, ist die Kontaktzeit mit dem Pulver kurz und der Kaffee dünn. Man kann das Nachgießen beschleunigen, indem man den Kaffee zuerst nach Cowboyart zubereitet und dann das Kaffeegemisch durch den Filter gießt.

Als improvisierten Filter kann man theoretisch jeden wasserdurchlässigen Stoff, der Kaffeesatz zurückhält, verwenden. Es bieten sich vor allem Textilien an, die natürlich möglichst unbehandelt und sauber sein sollten. Die alten Socken also bitte erst waschen, bevor Kaffeepulver reingefüllt wird.

Man kann Filter auch zu kleinen Säckchen formen und mit Faden oder Zahnseide zusammenbinden. So kann man ein schickes, sauberes Selfmade-Coffepad. Aromatechnisch vielleicht nicht die beste Methode, dafür aber zuverlässig sauber.

Filter und Filterhalter aus Kunststoff

Wer unterwegs regelmäßig Filterkaffee trinken will, wird kaum jedes Mal Lust auf das „labberige“ Handling mit dem Festhalten der Papierfilter haben. Hier gehört ein selbst stehender oder stabil zu befestigender Filter oder Filterhalter aus Kunststoff oder Metallen wie Edelstahl ins Gepäck. Manche dieser Filter haben unten ein kleines Loch für den Abfluss des Kaffees. Andere haben ein integriertes Sieb, das den Papierfilter überflüssig macht. Outdoor-Kaffeefilter gibt es mit vielen verschiedenen Befestigungsvarianten, meist Klammern oder Aufhängungen aus Kunststoff oder Metall. Sie lassen sich zumeist auf Bechern genauso befestigen wie auf kleinen Töpfen, Kannen und Thermoskannen. Die meisten Outdoorfilter sind sehr leicht und faltbar oder klappbar.

Auch ein Teesieb taugt zum Kaffee machen und wiegt fast nichts. Allerdings kann so ein eher fragiles Teil im Rucksack auch schnell mal zerdrückt werden.

Falls es mal wirklich schnell gehen soll oder man einfach keine Lust auf langes Herumhantieren hat, ist der Grower‘s Cup eine sehr praktische und bequeme Outdoorvariante. Hier wird einfach der Beutel geöffnet, heißes Wasser eingegossen und wenig später der fertige Kaffee in die Tasse gefüllt. Der Beutel dient als Kanne und enthält neben fair gehandeltem Bio-Kaffee einen integrierten Filter. Der Inhalt reicht für zwei Tassen. Die Tüte bleibt danach allerdings als Abfall übrig.

Es gibt die unterschiedlichsten Methoden für die Zubereitung des Kaffees.

Filter, Dampfdruck, Umrührkaffee etc. – Es gibt so viele Varianten seinen Kaffee draußen zu genießen.

Dampfdruck: die Italienvariante

Wer unterwegs regelmäßig frischen Kaffee mit Espresso-Note trinken möchte, sollte zur italienischen Espressokanne greifen. Die macht zwar eher eine Art Mokka als „richtigen“ Espresso (für den der Dampfdruck hier zu niedrig ist), doch das Ergebnis kann sich trotzdem sehen bzw. schmecken lassen. Die Kanne ist zwar etwas sperriger als Filter und Tüten, dafür aber unverwüstlich. Außerdem hat man hier nur ein zusammengestecktes Teil im Gepäck und keinen Abfall außer dem kompostierbaren Kaffeesatz. Die Reinigung ist ebenfalls kaum komplizierter als bei einem Filter, denn man braucht Kanne und Sieb nur mit Wasser durchzuspülen.

Kleine, kompakte Alukannen wie der Espresso Maker von Relags sind zudem auch preiswert und leicht. Sie bringen das Wasser auf jedem Kocher und jeder Flamme schnell zum Kochen und brühen das Käffchen in wenigen Minuten.

Dampfdruck 2.0: die Outdoorvariante

Die extraleichte und kompakte Outdoorvariante des „Espressomakers“ hat statt der aufgeschraubten Kanne einen Auslaufstutzen, der den fertigen Kaffee direkt in das untergestellte Gefäß laufen lässt. Noch schneller und einfacher kommt man kaum an einen wirklich aromatischen Kaffee.

Dampfdruck 3.0: Die Expertenvariante

Wenn es auch draußen unbedingt ein richtiger Espresso sein muss, lässt sich das ebenfalls einrichten. Allerdings muss man für eine Hand-Pumpmaschine von Handpresso auch etwas tiefer in die Tasche greifen und mit etwa 500 Gramm etwas mehr Gewicht tragen. Diese tragbaren Espressomaschinen haben im Griff eine Pumpe, mit der man genügend Druck für einen richtigen Espresso mit Crema erzeugen kann. Heißes Wasser braucht es natürlich auch hier.

Pressen: die Frankreichvariante

Die oft auch French Press genannte Pressstempelkanne ist Presse und Kanne zugleich und bietet eine zügige und komfortable Zubereitungsmethode. Auch hier wird das Pulver bzw. der Satz vom Kaffee getrennt und es fällt ebenfalls nur abbaubarer Kaffeesatz als Abfall an. Kaffeepulver und Heißwasser werden hier gemischt und dann mit einem passgenauen, zum Boden durchgedrückten Sieb getrennt. Der Anpressdruck verdichtet den Kaffeesatz, der dem Kaffee somit vollständig fern bleibt. Durch längere Wartezeit bis zum Herunterdrücken des Siebs können Stärke und Geschmack des Kaffees intensiviert werden. Ein kleiner Nachteil gegenüber der „Italienkanne“ ist die Notwendigkeit eines separaten Gefäßes zum Aufkochen des Wassers. Doch das hat man in aller Regel sowieso dabei.

Die French Press für zuhause besteht in aller Regel aus Glas. Für den Outdooreinsatz ist das natürlich nicht praktikabel, weshalb hier Varianten aus Kunststoffen wie Polycarbonat zum Einsatz kommen. Alternativ kann auch der Camping-Topf oder Becher mithilfe eines passenden Pressstempels zur French-Press werden. Jetboil und MSR sind zwei der zahlreichen Anbieter, die solche für ihre Kochsysteme kompatiblen Aufsätze anbieten.

AeroPress: halb Filter halb Presskanne

Für Kaffeespezialisten gibt es natürlich noch mehr Möglichkeiten wie die AeroPress. Dieser Hybrid aus Filter- und Presszubereitung ist für den Barista-Meister Thomas Schweiger die geschmacklich hochwertigste Outdoor-Kaffee-Alternative. Schweiger zieht auch eine strenge Grenze zwischen Kaffeegenuss und Koffeinschuss: „Wenn ich den Genuss will, nehme ich mein Equipment mit. Wenn ich Kaffee nur als Aufwachgetränk will und mir der Geschmack egal ist, könnte ich auch Instantkaffee nutzen.“ Man kann es auch noch einfacher haben, wenn es nur um das Koffein geht, denn Riegel, Gels und Pülverchen mit dem Wachmacher-Zusatz gibt es zuhauf.

Stilechte Genießer werden da die Nase rümpfen und stattdessen noch eine Handmühle mit einpacken. Die gibt es nämlich mittlerweile in Größen, die kaum über die küchenübliche Pfeffermühle hinausgehen. Und zu guter Letzt werden sie den Kaffeebanausen ermahnen, eine qualitativ hochwertige Kaffeesorte mitzunehmen – denn billiger Kaffee schmeckt oft auch mit der besten Zubereitungsmethode irgendwie … billig.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Philip sagte am 4. Oktober 2018 um 20:39 Uhr

    Der Aeropress ist meiner Meinung nach ein wunderbarer Kompromiss. Schmeckt sehr lecker, ist relativ leicht, man kann im Stempel auch gleich den Kaffee unterbringen und wenn man sich einen Metallfilter (Sieb) kauft, produziert man unterwegs nur Kaffeesatz als Abfall.

  2. Bergfreund Marco sagte am 5. Oktober 2018 um 08:24 Uhr

    Hi Philip,

    vielen Dank für Deinen Hinweis!

    Viele Grüße,

    Marco

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