Kaufberatung

Für welchen Gaskocher soll ich mich entscheiden? – Eine Kaufberatung

24. Juni 2015

Es gibt viele Gaskocher - welcher ist der Richtige für Dich?

Es gibt viele Gaskocher – welcher ist der richtige für Dich?

Wenn man über mehrere Tage am Stück draußen unterwegs ist, dann gehört ein Kocher zur Grundausstattung – für einen heißen Kaffee am Morgen oder die Pastaparty am Abend benötigt man schließlich heißes Wasser.

Das Angebot an verschiedenen Gaskochern ist gigantisch, für welchen soll man sich da bloß entscheiden? Eine gute Frage! Wir versuchen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen und erklären Dir, wie Du den richtigen Kocher für Dich findest.

Der Gaskocher ist wohl der gängigste unter den Outdoor-Kochern. Es gibt ihn von besonders klein und leicht für Ultralight-Fetischisten über den soliden Allrounder für jede Gelegenheit bis hin zu solchen, mit denen man ein ganzes Basislager bequem bekochen kann. Aber von Anfang an, was gibt es bei Gaskochern zu beachten? Welche Unterschiede gibt es und welchen Kocher sollte ich für welchen Einsatzzweck auswählen?

Der große Vorteil bei Gaskochern liegt in ihrer einfachen Bedienung. Man schraubt die Kartusche an den Kocher, fertig. Es gibt kein aufwändiges Vorheizen oder Hantieren mit brennbaren Flüssigkeiten wie Benzin. Die Kocher rußen nicht und lassen sich gut regulieren – perfekt wenn man mehr als nur Wasser so schnell wie möglich erhitzen möchte. So gelingen auch aufwendigere Mahlzeiten unterwegs im Nu.

Das Grundprinzip

Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Bei diesen Kochern dient Gas als Brennstoff, es wird in Kartuschen oder beim Camping auch in große Metall-Flaschen gefüllt. Wenn man outdoor unterwegs ist, sind Schraubkartuschen die gängigste Form. Diese verfügen über ein genormtes 7/16″ x28 UNEF-Gewinde (auch EN 417 genannt) und können so herstellerübergreifend universell an verschiedenste Kocher angeschlossen werden, die über die passende Aufnahme verfügen. Diese Gaskartuschen sind in Größen von 110 g, 230 g und 450 g erhältlich, unterscheiden sich aber oft in der Gas-Zusammensetzung – ein nicht zu unterschätzender Aspekt!

Es gibt auch noch sogenannte Stechkartuschen oder Kartuschen mit Bajonett-Ventilen, die vor allem in Südeuropa verbreitet sind. Um diese zu nutzen zu können, kann man einen entsprechenden Adapter verwenden, wie diesen hier für das Bajonett-Ventil oder diesen hier für Stechkartuschen.

Ein bisschen Know-How

Das Winter Gas von Primus

Das Winter Gas von Primus

Ab jetzt wird es ein wenig technisch, aber besonders für den Outdoorer, der auch bei kalten Temperaturen im Winter unterwegs ist, doch ziemlich interessant. Warum gibt es unterschiedliche Gasmischungen? Nun ja, die verschiedenen Gase, die in der Regel in Gaskartuschen zum Einsatz kommen, haben unterschiedliche Vor- und auch Nachteile, die man auf die Art versucht, auszugleichen.

Gängige Kartuschen sind mit einer Mischung aus Butan, Isobutan und Propan gefüllt. Die Mischung steht unter einem gewissen Druck, sodass das Gas in der Kartusche flüssig bleibt. Der große Unterschied dabei ist der Siedepunkt der jeweiligen Gase, das heißt die Temperatur, ab der das Gas von flüssig in gasförmig übergeht – und zwar ohne technische Hilfsmittel. Wird die Temperatur unterschritten, so bleibt das Gas flüssig. Um es zu entzünden, muss es aber gasförmig sein. Die Siedepunkte der Gase liegen bei Butan -1°C, bei Isobutan -12 und bei Propan -40°C – bleibt man also oberhalb von -1°C geht das Gas vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über, sobald man das Ventil öffnet. Ansonsten würde bei niedrigeren Temperaturen nur das Propan und das Isobutan vergasen, der Butananteil würde flüssig und ungenutzt in der Kartusche verbleiben. Allerdings kühlt sich die Kartusche beim Verdampfungsprozess um ungefähr 5°C ab, das heißt in der Praxis, dass Butan nur bis ungefähr 4°C sicher verdampft.

Von daher würde es bei einer Nutzung unter 4°C am meisten Sinn machen, reines Propan zu verwenden. Das muss allerdings unter einem enorm hohen Druck gelagert werden wenn es flüssig ist. Ergo muss auch die Kartusche enormen Kräften widerstehen und stabiler und somit sehr viel schwerer sein. Daher mischt man das Propan-Gas mit Isobutan und/oder Butan, um einen niedrigen Siedepunkt zu erreichen, denn so kann man die Mischung ohne Probleme in die normalen Gaskartuschen abfüllen. Plant man also bei kalten Temperaturen unterwegs zu sein, empfiehlt es sich Kartuschen zu benutzen, die über einen hohen Propan- und Isobutan-Anteil verfügen, so wie das Winter Gas von Primus.

Der mechanische Unterschied

Ein Gaskocher mit Zuleitung: Der Primus - Easyfuel duo

Ein Gaskocher mit Zuleitung: Der Primus – Easyfuel Duo

Nun aber zu den eigentlichen Kochern. Dort gibt es zwei grundsätzliche Bauformen: Zum einen Aufschraubkocher und zum anderen Kocher mit einer Zuleitung für den Brennstoff.

Bei den Aufschraubkochern dient die Kartusche gleichzeitig als Standfuß. Daraus ergibt sich ein höherer Schwerpunkt, was insbesondere bei größeren Töpfen ein wenig problematisch werden kann. Man schraubt den Kocher einfach mittels Gewinde auf die Kartusche und kann sofort loslegen. Das Gas strömt so wie es aus der Kartusche kommt aus dem Brennerkopf. So ergibt sich eine relativ leise Verbrennung, man spricht auch von einem Leisebrenner. Vorteil dieser Konstruktion ist, dass man diese Kocher besonders leicht und kompakt konstruieren kann. Sehr leichte Modelle in diesem Bereich wiegen deutlich unter 100 g. Um die Standsicherheit zu erhöhen, kann man die Kartusche mit einem zusätzlichen Standfuß versehen.

Einen Sonderstatus haben die sogenannten Systemkocher. Sie kommen als komplettes System, sprich Kocher und Topf sind speziell aufeinander abgestimmt und bilden quasi eine Einheit. So ist der Kocher sehr effizient in der Brennstoffausnutzung und man erreicht zudem ein geringes Packmaß, da der Kocher platzsparend zum Transport im Topf untergebracht wird.

Bei den Kochern mit Zuleitung wird der Brennsoff über eine flexible Leitung zum eigentlichen Brenner geleitet, was mehrere Vorteile bringt. Man hält so den Schwerpunkt niedriger und der Kocher wird insgesamt stabiler. Darüber hinaus bieten sie einen Vorteil, der besonders im Winter zum Tragen kommt: man kann die Kartusche umdrehen. Das macht vor allem dann Sinn, wenn man den Kocher bei kalten Temperaturen einsetzen will. Da das Gasgemisch ja wie bereits beschrieben einen bestimmten Siedepunkt hat, verdampft es bei kalten Temperaturen nicht mehr komplett. In diesem Fall kann man einen Kniff anwenden. Man nutzt den Propananteil, der im Gemisch auch in der Kälte noch verdampft, um den Kocher zu zünden und vorzuheizen. Sobald der Kocher auf Temperatur gekommen ist, dreht man die Kartusche um. Das flüssige Gas läuft dann durch die Zuleitung zum Brenner. Dazu muss eine Generatorschlaufe (Vergaser) vorhanden sein um den Brennstoff umzuwandeln.

Die Generatorschlaufe bei einem Primus Gaskocher

Die Generatorschlaufe bei einem Primus Gaskocher

Dies ist eine gebogene Metallleitung, durch die der flüssige Brennstoff geleitet wird. Die Schlaufe verläuft direkt durch die Brennerflamme, der flüssige Brennstoff wird erhitzt und in brennbares Gas umgewandelt.

Würde man die Kartusche nicht umdrehen, würde man nur das Propan und Isobutan verbrennen, das Butan würde ungenutzt in der Kartusche verbleiben. So kann man den Kocher auch im Winter bei kalten Temperaturen bis etwa -20°C benutzen. Allerdings ist die Regelung im Flüssiggasbetrieb eher eingeschränkt möglich, aber im Winter geht es zumeist eh nur darum, Schnee zu schmelzen und dann das Wasser zum Kochen zu bringen. Auch diese reinen Gaskocher sind Leisebrenner.

Eine Sonderstellung nehmen Campingkocher ein, die nicht zum Herumschleppen im Rucksack oder der Fahrradpacktasche gedacht sind. Sie sind für stationäre Camps wie Basislager oder auf dem Campingplatz gedacht. Sie sind oft mehrflammig und überaus robust ausgelegt. Meist sind die Brenner in ein Metall-Chassis eingelassen, das man zum Transport wie einen kleinen Koffer zusammenklappen kann. Sie verfügen in der Regel über einen integrierten Windschutz und eine abnehmbare Topfauflage, sodass man den Kocher leicht reinigen kann. Sie werden in der Regel mit großen Propangasflaschen betrieben und eignen sich so auch für große Gruppen perfekt.

Wenn du also keine Lust auf verrußte Töpfe, aufwendiges Vorheizen und eventuelle Stichflammen im Vorzelt hast, kann man, egal zu welcher Jahreszeit, auch zum Gaskocher greifen. Du solltest nur stets darauf achten, eine hochwertige Gasmischung und einen Kocher mit Vorheizschlaufe zu benutzen. Nur bei tieferen Temperaturen als ungefähr -15°C kann es unter Umständen kritisch mit dem Einsatz von Gas als Brennstoff werden.

Auf was muss ich achten?

Ein Windschutz erhöht den Wirkungsgrad des Kochers

Ein Windschutz erhöht den Wirkungsgrad des Kochers

Beachten sollte man, dass in manchen Ländern die gängigen Gaskartuschen nur schwer oder gar nicht zu bekommen sind. Auch der Preis für Gaskartuschen ist im Vergleich für einen Liter Benzin höher und es fällt immer Müll in Form einer leeren Kartusche an. Dafür aber ist der Umgang mit Gas weitaus unkomplizierter und sicherer.

Bei der Auswahl des richtigen Kochers für die persönlichen Ansprüche sollte man vor allem darauf achten, dass der Kocher einen sicheren Stand hat und auch der Topf, den man verwenden will, sicher steht. Insbesondere die neuen Töpfe mit integriertem Wärmetauscher können da etwas problematisch sein, wenn die Auflagefläche mit dem Topfdurchmesser nicht kompatibel ist.

Als besonders praktisch im Alltag auf Tour hat sich eine Piezo-Zündung erwiesen. Das heißt, man benötigt nicht unbedingt ein Feuerzeug, Feuerstahl oder Streichholz, um den Kocher zu starten. Der Piezo-Zünder funktioniert wie bei einem Feuerzeug und startet so auf Knopfdruck den Kocher, sobald das Gas aufgedreht ist.

Obligatorisch sollte die Nutzung eines Windschutzes sein. So kann Wind von der Seite der Kocherflamme nicht die Kraft rauben. Der Wirkungsgrad des Kochers erhöht sich enorm, wenn die Flamme ruhig und gleichmäßig brennen kann.

Gaskocher sind praktisch, vielseitig und vor allem wartungsarm. Verschiedenste Modelle und Ausführungen bieten jedem eine große Auswahl, um den für sich passenden Kocher zu finden.

Wenn Du noch Fragen hast, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Ron ist hier unser Fachmann in Sachen Kocher und alles was dazu gehört. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 bis 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Kaufberatung: Campingkocher | OUTSIDEstories sagte am 16. September 2015 um 09:36 Uhr

    […] ausführliche und anschauliche Kaufberatung zum Thema Gaskocher findet ihr bei den Kollegen von Bergfreunde, einen generellen Überblick zum Thema Kocher könnt ihr euch hier verschaffen und konkrete […]

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