Tipps und Tricks

Über die Feinheiten des Clip-Stick und warum er wirklich Sinn macht

12. Juni 2015

Sportart

Fotostativ als Clip-Stick

Sogar ein Fotostativ kann als Clip-Stick dienen.

Ist der Clipstick eine sinnvolle Ergänzung zum Kletterequipment für den ambitionierten Felskletterer? Oder doch eher was für Hallenartisten, denen die zum Teil spärlichere Absicherung am Fels Muffensausen bereitet?

Zunächst einmal: Was ist denn überhaupt ein Clipstick? Klar, der gewiefte Sportkletterer hat’s sofort erkannt, es geht um einen Stab mit dem Du clippen kannst. Vorzugweise Expressschlingen mit eingelegtem Seil in Bohrhaken. Wahlweise auch nur das Seil in die hängende Exe. Klingt logisch, kannst Du theoretisch aber ja auch mit Hilfe Deiner Arme. Eine Meinung zu Sinn und Unsinn eines Clipsticks:

Eine Frage von Ethik und Moral

Für manch einen Kletterer ist es wohl auch in erster Linie eine ethische Frage einen Clipstick zu benutzen oder eben nicht. Dass der findige Alpinist auch in Zukunft nicht mit Clipstick im Rucksack die großen Wände besteigen wird und versucht einen „Friend“ in den nächstbesten Riss zu „clipsticken“ leuchtet ein.

Der Clipstick kann mit ein bisschen Geschick auch selbst gebaut werden

Der Clipstick kann mit ein bisschen Geschick auch selbst gebaut werden

Im gemäßigteren Gelände, an den Sportkletterwänden dieser Welt, sieht man jedoch immer häufiger Kletterer, die Gebrauch machen von einem dieser Stäbe. Klar kannst Du natürlich argumentieren, dass draußen am Fels beim Klettern in der freien Natur einfach andere Gefahren auftreten als in der Halle. Ist ja auch korrekt, spricht nichts dagegen. Nur haben Bohrhaken in Klettergärten nichts mit natürlichen Gefahren zu tun, sondern sind meist von sehr erfahrenen Kletterern im Fels platziert worden, um bei eventuellen Stürzen das Verletzungspotential zu minimieren. Nun sind diese Bohrhaken aber nicht für jede Körpergröße und Armlänge gleich gut zu erreichen und auch nicht alle sind mental gleich stark unterwegs an jeder Wand und in jedem Gestein, wie eventuell der Erschließer einer Linie – sodass es durchaus vorkommt, dass ein und derselbe Haken je nach Kletterer unterschiedlich schwer zu clippen ist. Ob das eine Art natürlicher Selektion unter Kletterern sein soll oder es sinnvoll ist einen Clipstick zu benutzen oder eben nicht, musst Du im Endeffekt mit Dir selbst ausmachen.

Prinzipiell geht es beim Sportklettern aber in erster Linie darum, möglichst schwere Routen, auch am persönlichen Limit oder darüber, zu beklettern und dabei dennoch ein hohes Maß an Sicherheit zu gewährleisten. Wenn nun der limitierende Faktor ein auf 5 m Höhe gesetzter erster Haken sein soll, scheint das eher unbefriedigend zu sein. Die Möglichkeit, eine mobile Absicherung in den Fels zu basteln, ist auch nicht in Aussicht. Also schafft der Clipstick Abhilfe. Er bringt ein Plus an Sicherheit und rückt den Fokus wieder dahin, wo er beim Sportklettern liegen sollte – dem Genuss an der Bewegung und nicht den potentiellen Knochenbrüchen bei einem Sturz vor der ersten Sicherung.

Selbstverständlich kannst Du Dir den Clipstick auch nach oben reichen lassen und das ganze Spiel von vorne beginnen, um Schlüsselstellen, Projekte, etc. auszubouldern. Nur solltest Du daran denken, dass die Tour später ohne Hilfe geklettert wird. Und wenn auch mit Clipstick mal gar nichts mehr voran geht, musst Du Dich eventuell hinterfragen, ob Du nicht doch besser in eine Tour einsteigen möchtest, die Deinem aktuellen Niveau einfach besser entspricht. Einen guten 6er klettern macht auch viel mehr Spaß als einen fiesen 8er zu „clipsticken“!

Welche Stäbe gibt’s?

Es gibt diese Stäbe mittlerweile von verschiedenen Herstellern in verschiedenen Ausführungen. BetaSticks z.B. gibt es im Shop in kurz, mittel und lang. Wobei kurz naturgemäß leichter ist als mittel und mittel wiederum leichter als lang. Was Du Dir natürlich überlegen solltest ist, ob die leichteste Kompaktvariante eine Hilfe sein wird, wenn Du trotz absoluter Überstreckung einen halben Meter unterhalb des ersten Hakens versuchst einzuhängen.

Clipstick selber bauen

Die Kerbe ist der Anfang Deines Clipsticks

Die Kerbe ist der Anfang Deines Clipsticks

Prinzipiell lassen sich Clipsticks aus allen erdenklichen langen Gegenständen mit ein wenig Kreativität und dem ein oder anderen Zubehör auch selber bauen. Geeignet sind z.B. Besenstiele, besser aber noch längenverstellbare Teleskopstangen aus dem Baumarkt, etc. Nun bist Du doch mal wieder ohne Deine Armverlängerung aus dem Haus und bemerkst am Fels, dass es ganz schön ungemütlich werden könnte bis zur ersten Sicherung, Dein Kopf stellt sich quer, Du willst aber dennoch unbedingt in diese unglaublich schöne Linie einsteigen? Mit ein bisschen Geschick, einem Messer und einem langen Ast lässt sich provisorisch ein Clipstick bauen.

Ein kleines Stöckchen hält Deine Exe offen. Beim clippen fällt es einfach raus.

Ein kleines Stöckchen hält Deine Exe offen. Beim clippen fällt es einfach raus.

Zunächst einmal brauchst Du einen Stock mit passender Länge. In diesen schneidest Du mit einem Messer eine ca. 5-7 cm lange Kerbe, sodass sich eine Expressschlinge fixieren lässt. Nun suchst du einen weiteren kleinen Ast mit, je nach Karabiner, ungefähr 1-2 cm Länge und spannst ihn zwischen Schnapper und Nase. Jetzt nur noch Seil einlegen, Exe in der Kerbe fixieren und fertig ist der Clipstick. Viel Spaß beim Einhängen. (Bilder!!!)

Sollte die erste Exe schon hängen, musst Du nur noch das Seil irgendwie hineinbekommen. Das irgendwie geht wie folgt: Zunächst machst Du zwei Schlaufen in das Seil. Nun machst Du einen einfachen Knoten und schiebst den Stock durch das Auge des Knotens. So erhältst du eine Art Schleifknoten, der sich bequem lösen lässt, wenn das Seil in der Exe untergebracht ist.

Fazit

Ob nun der professionelle Clipstick mit Zahnbürstenfunktion oder die improvisierte selbstgebaute Variante, in puncto Sicherheit am Fels hat der Clipstick durchaus seine Daseinsberechtigung. Ein Freifahrschein für Kletterexperimente in Touren weit über Deinem persönlichen Können sollte Dein verlängerter Arm aber keinesfalls werden, dafür sind auch Sportkletterwände nicht geeignet. Ob und in welchem Ausmaß Du einen Clipstick im Sportklettern moralisch vertretbar findest, bleibt letztendlich Dir selbst überlassen.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jürgen sagte am 13. Juni 2015 um 13:59 Uhr

    Gegen Clipsticks hab ich nicht, hab selbst gar eine Panic-Exe dabei und scheue mich nicht sie zu benutzen, Was aber nicht geht sind Leute die mit Clipstick klettern. Gesehen in der Fränkischen in einer Acht. Die Freunde clippten den ersten Haken, dann klettern bis dahin. Dort festgezurrt, den Clipstick ausgefahren und den nächsten Haken geclipt usw.
    Am Ende konnten sie die Route stundenlang Toprope blockieren.
    Super Sache also. Keiner kam übrigens die Route auch nur annähernd ohne Seilunterstützung hoch. Das kanns also auch nicht sein.

    Gruß
    Jürgen

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