{"id":46533,"date":"2022-04-22T14:00:04","date_gmt":"2022-04-22T13:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/?p=46533"},"modified":"2023-07-26T10:34:33","modified_gmt":"2023-07-26T08:34:33","slug":"sportpsychologie-routinen-gewohnheiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/sportpsychologie-routinen-gewohnheiten\/","title":{"rendered":"Psychologie im Sport Teil 3: Routinen und Gewohnheiten"},"content":{"rendered":"\n<p>In den ersten Artikeln dieser Reihe standen Bewusstsein und Emotionen Fokus, sowie den Umgang damit. Wer sich aber schon mit der mentalen Seite des Sports besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df, dass sich gew\u00fcnschte Verhaltensmuster nur schwierig bilden und unerw\u00fcnschte noch schwieriger loszuwerden sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Artikel befasst sich genau mit diesem Thema, also <strong>wie sich Routinen und Gewohnheiten bilden<\/strong> oder man sich davon verabschiedet. Die Grundlage zu diesem Thema bildet die Tatsache, dass unser K\u00f6rper so viel Energie wie nur m\u00f6glich einsparen m\u00f6chte, keine Kalorie soll zu viel verbraucht werden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das <strong>Gehirn, das etwa 20% unseres Kalorientagesbedarfs<\/strong> ben\u00f6tigt, gilt das erst recht. Unser Denkorgan ist in Relation zu Gr\u00f6\u00dfe und Gewicht ein Gro\u00dfverbraucher, es macht lediglich zwei Prozent unseres K\u00f6rpergewichts aus. Zudem sind Gewohnheiten im Alltag eine sehr wichtige Hilfe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ohne unsere gewohnheitsm\u00e4\u00dfigen Handlungen w\u00e4ren wir t\u00e4glich ziemlich \u00fcberfordert<\/strong>. Allein schon beim Gehen w\u00e4ren die Schritte und die passende Armbewegung hierzu, um das Gleichgewicht zu halten eine Herausforderung, man stelle sich vor dann noch eine T\u00fcre zu \u00f6ffnen. Das ist ein Problem das bei Menschen mit einer Einschr\u00e4nkung der Basalganglien, der Teil des Gehirns der Gewohnheiten speichert, auftritt.<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Alltag besteht also aus vielen kleinen Gewohnheiten, die uns das Leben erleichtern. Das m\u00fcssen nicht nur Handlungen sein, sondern auch automatisiert ablaufende Denkmuster. Aber <strong>wie entstehen Gewohnheiten<\/strong>, warum gibt es schlechte Gewohnheiten und wie unterscheiden sie sich von Routinen? Diese Fragen und einige weitere werden dir in diesem Artikel beantwortet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-mache-ich-da-viele-unterschiedliche-verhaltensweisen\">Was mache ich da? Viele unterschiedliche Verhaltensweisen<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Eiskletterer_rot.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Eiskletterer_rot.jpg\" alt=\"Eiskletterer beim Erklimmen einer Eiswand\" class=\"wp-image-46584\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Routinen und Gewohnheiten laufen fast automatisch ab. Das spart Energie und macht komplexe Bewegungsabl\u00e4ufe erst m\u00f6glich.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Generell kann Verhalten in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die auch, wie schon im ersten Teil ausgef\u00fchrt, unsere Handlungen und Denkmuster in <strong>willk\u00fcrliche und unwillk\u00fcrliche Muster<\/strong> aufteilen. Also diejenigen Aktionen, die bewusst ausgef\u00fchrt werden und diejenigen, die vollkommen unbewusst stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu bewusst ausgef\u00fchrten Aktionen geh\u00f6ren Handlungen wie zum Beispiel einem bewussten Abspringen. Dementgegen stehen Unbewusste, die der K\u00f6rper ausf\u00fchrt, um auf einen bestimmten Reiz reagiert. Hierzu geh\u00f6ren <strong>Reflexe wie ein Stemmschritt beim Stolpern<\/strong> \u00fcber einen Stein. Hier reagiert das Nervensystem auf die Dehnung der Oberschenkelmuskulatur, die durch das H\u00e4ngenbleiben am Stein ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz klassisch sind das die einfachsten Reiz-Reaktions-Muster, sie sind schnell und ben\u00f6tigen null Denkaufwand. <strong>Reflexe finden nicht im Gehirn statt<\/strong>, das w\u00e4re zu langsam. Hier werden bereits Vernetzungen von Muskulatur und R\u00fcckenmark genutzt, die so gut ausgebaut sind, dass sie vollst\u00e4ndig automatisiert sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dementgegen stehen aktive, mit Willenskraft ausgef\u00fchrte Aktionen wie zum Beispiel das Packen deiner Sportausr\u00fcstung f\u00fcr das n\u00e4chste Abenteuer. In Bezug auf das Thema von Routinen und Gewohnheiten lassen sich diese beiden Verhaltensweisen nochmals in den <strong>Grad der Intentionalit\u00e4t bzw. Willk\u00fcrlichkeit<\/strong> auftrennen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-unterschied-zwischen-routine-und-gewohnheit\">Unterschied zwischen Routine und Gewohnheit<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Routinen geh\u00f6ren zu den bewusst ausgef\u00fchrten Bewegungsmustern oder Denkprozessen. Sie haben meist das <strong>Ziel der mentalen und k\u00f6rperlichen Vorbereitung<\/strong>. Eine <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/klettern-richtig-aufwaermen\/\">Aufw\u00e4rmroutine<\/a> dient beispielsweise der Vorbereitung auf die kommende Belastung vor und der Reduktion des Verletzungsrisikos .<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Routine wird bewusst ausgef\u00fchrt. Daf\u00fcr ist eine aktive Entscheidung notwendig und manchmal ist man zu faul und beginnt lieber direkt mit dem Sport. Erst wenn das Aufw\u00e4rmen mit einem positiven Aspekt und dem Sport verbunden wird, kann daraus eine Gewohnheit entstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gewohnheiten sind stark von einem bestimmten Reiz oder einer Situation abh\u00e4ngig und werden als Reaktion darauf automatisiert abgespult. Beispielsweise w\u00e4re hier der <strong>automatische Griff in das Chalkbag<\/strong> beim Klettern. Oft schon gesehen als den Griff ins Leere, wenn das Chalkbag zu Hause vergessen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gewohnheiten sind Handlungssets, die automatisiert sind<\/strong> und nicht dem Bewusstsein unterliegen. Sie basieren auf einem einfachen Zyklus von Ausl\u00f6sern und Belohnungen. Der Ausl\u00f6ser ist die Ursache das Handlungs- oder Denkmuster zu starten, er ist sehr stark an die erwartete Belohnung gekn\u00fcpft. Erst nach einem mehrfachen durchlaufen der Schleife von Ausl\u00f6ser, Handlung und Belohnung kann sich eine Gewohnheit bilden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier zeichnet sich auch eine kleine Analogie zu dem in Artikel zwei beschriebenen Kreislauf der Emotionen ab, so k\u00f6nnen auch bestimmte Emotionskreisl\u00e4ufe einen starken Gewohnheitscharakter besitzen. Im Laufe der Zeit verfestigt sich dieses Muster in unserem Gehirn. Genauer gesagt in den Basalganglien, und werden so zu einem automatisierten und unwillk\u00fcrlichen Handlungsmuster.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gewohnheit = (Ausl\u00f6ser + Routine + Belohnung) *Wiederholung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schlussendlich kann eine Routine Bestandteil einer Gewohnheit werden, aber auch einzeln bewusst eingesetzt werden. Erst wenn die Routine mit einem Ausl\u00f6ser und einer Belohnung verkn\u00fcpft ist, kann sich daraus eine Gewohnheit bilden. Zum Beispiel ist der Griff ins Chalkbag <strong>bei Kletteranf\u00e4ngern eine bewusste Handlung<\/strong> und meist vergessen sie, dass sie damit ihre H\u00e4nde trocknen k\u00f6nnen. Aber <strong>bei ge\u00fcbten Kletterern sorgt der Ausl\u00f6ser \u201eschwitzende H\u00e4nde\u201c f\u00fcr die Handlung<\/strong> \u201eGriff ins Chalkbag\u201c und der Belohnung \u201etrockene H\u00e4nde\u201c.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Finn-Koch-bei-der-ersten-Wiederholung-von-The-School-of-Rock.-Foto-F.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Finn-Koch-bei-der-ersten-Wiederholung-von-The-School-of-Rock.-Foto-F.jpg\" alt=\"Kletterer greift zum Chalkbag um die H\u00e4nde zu trocknen\" class=\"wp-image-46586\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Routinen k\u00f6nnen leicht durchbrochen werden. Gewohnheiten wie der \u00fcber Jahre antrainierte Griff zum Chalkbag sind nur schwer abzulegen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wie im Beispiel des Aufw\u00e4rmprogramms aufgezeigt, kann <strong>eine Routine leicht durchbrochen und neu gebildet werden<\/strong>. <strong>Gewohnheiten dagegen sind schwierig zu \u00e4ndern<\/strong>, sie werden in Teilen des Gehirns abgespeichert, die deinem Bewusstsein und deinem Denken abgegrenzt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Basalganglien des limbischen Systems speichern diese unbewussten Verhaltensmuster und starten sie bei Bedarf automatisch. Das hilft unserem Gehirn, <strong>Energie zu sparen<\/strong>. Deshalb sind Gewohnheiten, als prim\u00e4r unwillk\u00fcrliche Handlungsschleifen, erstmal nicht bewusst, auch die Ausl\u00f6ser oder die etwaigen \u201eBelohnungen\u201c nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die schlechten Gewohnheiten, selbst wenn in diesem Zusammenhang von einer Belohnung gesprochen wird. Erstmal als Belohnung wahrgenommen, kann sie sich negativ auswirken und eine schlechte Gewohnheit bilden. Zum Beispiel ist eine <strong>Tafel Schokolade<\/strong> f\u00fcr uns ein <strong>\u201eguter\u201c Stresssnack<\/strong>, hat aber langfristig <strong>schlechte Auswirkungen<\/strong> auf die Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-gewohnheiten-bilden-und-andern\">Gewohnheiten bilden und \u00e4ndern<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie bereits beschrieben besteht eine Gewohnheit aus drei Variablen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Ausl\u00f6sereiz<\/strong>, der das Gehirn in den automatischen Modus f\u00fchrt.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Ausgel\u00f6ste Routine<\/strong>, die physisch oder mental sein kann.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Resultierende Belohnung<\/strong>, als Verst\u00e4rker f\u00fcr die Ausf\u00fchrung dieser Schleife.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Ausl\u00f6ser sind die erste Variable dieser Formel und sie k\u00f6nnen viele Formen einnehmen. Dass sie situationsbedingt sind, macht sie noch komplexer, dann werden mehrere Ausl\u00f6ser kombiniert.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Einzelbeispiel k\u00f6nnen einen unserer f\u00fcnf Sinne ansprechen, visueller Ausl\u00f6ser sprechen unseren Sehsinn an und so funktioniert zum Beispiel die Fernsehwerbung gut, um uns f\u00fcr unser Lieblingsgericht zu \u00fcberzeugen. <strong>Wir verkn\u00fcpfen die inszenierten Bilder mit dem guten Geschmack<\/strong> und haben&nbsp;(in meinem Fall) die Pizza schon in den Ofen geschoben, bevor der Werbespot zu Ende ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alles kann ein Ausl\u00f6ser sein<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sinneseindr\u00fccke (Werbung, Ger\u00fcche, \u2026)<\/li>\n\n\n\n<li>Ort<\/li>\n\n\n\n<li>Zeitpunkt<\/li>\n\n\n\n<li>Emotion<\/li>\n\n\n\n<li>Reihenfolge von Gedanken<\/li>\n\n\n\n<li>Bestimmte Personen<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Wie bereits im Artikel \u00fcber den Kreislauf der Emotionen beschrieben, k\u00f6nnen Gewohnheiten, die mit einem emotionalen Ausl\u00f6ser verkn\u00fcpft sind, <strong>innerhalb von Millisekunden<\/strong> auftreten. Sie k\u00f6nnten sehr stark sein und die Vernunft abschalten, bzw. das rationale Denken. Selbst wenn eine neue Gewohnheit eine Alte ersetzt, k\u00f6nnen die alten Ausl\u00f6ser auch noch die alten Gewohnheiten ausl\u00f6sen. Sie k\u00f6nnen so stabil sein, dass sie auch noch die neuen Gewohnheiten \u00fcbertrumpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir uns aber den Bestandteilen unserer Gewohnheit bewusst sind, k\u00f6nnen wir in den passenden Momenten eingreifen und unsere Reaktion auf den Ausl\u00f6ser anpassen. <strong>Schon kleine \u00c4nderungen k\u00f6nnen zu einer Ver\u00e4nderung des Musters f\u00fchren<\/strong>. Aber wenn wir uns der Entwicklung von Gewohnheiten unbewusst sind, sind wir damit auch blind daf\u00fcr.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir bewusst auf bestimmte Ausl\u00f6ser eingehen und versuchen unsere Gewohnheiten zu erkennen, sind wir in der Lage an der richtigen Stelle einzuhaken und den Kreislauf zu durchbrechen. Der Ausl\u00f6ser kann aber nicht immer ge\u00e4ndert werden. Wie bei einer sportlichen Herausforderung, der wir uns stellen m\u00f6chten. Sie kann der Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine nicht passende Routine, wie etwa eine klassischen Angstspirale sein. Die <strong>Belohnung ist hier das Gef\u00fchl der Sicherheit<\/strong>, durch die Vermeidung der empfundenen Gefahr.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kletterer_rot_Atemtechnik.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Kletterer_rot_Atemtechnik.jpg\" alt=\"Winterkletterer an einer Felswand\" class=\"wp-image-46585\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Kommt man nicht weiter frustriert das. L\u00f6sungsorientierte Routinen helfen trotzdem mit einem positiven Gef\u00fchl abzuschlie\u00dfen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Durch Ersetzen der auf den spezifischen Ausl\u00f6ser folgenden Routine kann versucht werden eine schlechte Routine mit einer guten Routine zu ersetzen. Beispielsweise ist es beim Klettern eine oft wiederkehrende Tatsache, dass man f\u00fcr einen Kletterzug zu klein ist. In der Kletterhalle, in der die Routen k\u00fcnstlich geschraubt sind, ist es dann sehr einfach, <strong>die Schuld auf den Routen Schrauber zu schieben<\/strong>: \u201eDer Zug ist viel zu weit geschraubt!\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die resultierende Belohnung, die diese Gewohnheit abschlie\u00dft, ist die Tatsache, dass man recht hat: \u201eDer Zug ist zu weit.\u201c Das Problem dabei, die Routine der Beschwerde \u00e4ndert weder den Abstand der Griffe noch den eigenen K\u00f6rperbau. Was aber resultiert sind meist Missmut und schlechte Laune, was nicht der Grund ist, weshalb wir diesen Sport ausf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Ansatz f\u00fcr diese Angewohnheit k\u00f6nnte der Ersatz der &#8222;Beschwerde&#8220;-Routine sein, indem man diese in einen <strong>Prozess der L\u00f6sungsfindung<\/strong> \u00e4ndert. Der Grund warum man Klettert, es sind schlie\u00dflich Probleme in einem bestimmten Schwierigkeitsgrad. Wenn man dann durch einen L\u00f6sungsfindungsprozess eine f\u00fcr kleine machbare L\u00f6sung findet, ist die Belohnung auch klar, Erfolg.<\/p>\n\n\n\n<p>Umsetzen l\u00e4sst sich das nicht immer (vielleicht haben die Routen Schrauber die Gewohnheit, Routen nur f\u00fcr sich zu schrauben), aber es f\u00fchrt wohl m\u00f6glich zu einem generell positiveren Sporterlebnis. Das sind sogar zwei Fliegen mit einer Klappe, die <strong>Routine f\u00fchrt zu einer rundum positiven Belohnung<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die <strong>Belohnung zu ersetzen ist ein etwas schwieriger Prozess<\/strong>. Denn es ist erstmal notwendig, das negative an der alten Belohnung zu erkennen, meist sind das aber eher die sekund\u00e4ren Faktoren. Wenn man zum Beispiel sich vor der n\u00e4chsten Spitzenzeit oder einer h\u00f6heren Schwierigkeit im eigenen Sport zur\u00fcckh\u00e4lt, weil man sich das nicht zutraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch ein bisschen mehr Trainieren, dann geht das erst. Doch meist ist der eigentliche Grund der Schutz des eigenen Egos, wer nicht scheitert kann sich nicht vor anderen blo\u00dfstellen. Sich davon zu l\u00f6sen und zu neuen pers\u00f6nlichen Spitzenleistungen zu bringen ist <strong>nicht leicht, aber kann ein Perspektivwechsel wert sein<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wenn-dann-plane\">Wenn-Dann-Pl\u00e4ne<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie auch bei der <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/motivation-training-zuhause\/\">SMART Zielsetzung<\/a> zeigt sich, dass die Mehrheit der Menschen mit solch konkreten Pl\u00e4nen ihre Pl\u00e4ne besser verfolgen k\u00f6nnen. Gegen ungewollte Gewohnheiten ist das der Wenn-dann-Plan. Dieser hilft dabei die Situation, in der man sein Verhalten \u00e4ndern m\u00f6chte zu identifizieren, also sich diesen <strong>ins Bewusstsein zu holen und eine Handlungsalternative zu definieren<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Herangehensweise nutzt den gleichen Ausl\u00f6ser und ersetzt die darauffolgende ungewollte Routine mit einer neuen gewollten Routine. Ein konkretes Beispiel w\u00e4re zum Beispiel: \u201eWenn ich beim Klettern Angst sp\u00fcre, dann setze ich mich ins Seil und atme erstmal durch.\u201c Langfristig geht es dann \u00fcber in \u201eWenn ich beim Klettern Angst sp\u00fcre, dann atme ich erstmal durch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Strategie <strong>ersetzt Automation A \u201ePanik\u201c mit einer neuen Automation \u201e<a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/richtig-atmen-leistung-steigern-nervositaet-senken-und-rhythmisch-klettern\/\">Atemtechnik<\/a>\u201c<\/strong>. Das kostet Anstrengung und die n\u00f6tige \u00dcberzeugung von dieser Methode. Erfolge werden sich erst nach einiger Zeit einstellen, denn eine Gewohnheit zu bilden ben\u00f6tigt Zeit und eine Gewohnheit zu \u00e4ndern erst recht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Voraussetzungen zum \u00c4ndern einer Gewohnheit:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/motivation-training-zuhause\/\">SMART-Ziele<\/a>: \u201eJeden Montag nach der Arbeit gehe ich eine halbe Stunde Sport machen\u201c.<\/li>\n\n\n\n<li>Positive Formulierungen: &#8222;Zum Naschen gibt\u2019s gesundes Obst&#8220;.<\/li>\n\n\n\n<li>Du musst dich selbst \u00fcberzeugen, dass die neue Gewohnheit das richtige f\u00fcr dich ist.<\/li>\n\n\n\n<li>In kleinen Schritten, eine Gewohnheit nach der anderen.<\/li>\n\n\n\n<li>Situationen treiben Gewohnheiten am st\u00e4rksten an, am besten vermeidest du diese.<\/li>\n\n\n\n<li>Belohne dich! Durch eine gute positive Erfahrung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-perfekte-routine\">Die \u201eperfekte\u201c Routine<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Vorbereitung beim Sport ist es wichtig, die passende Routine f\u00fcr die jeweilige Situation an der Hand zu haben. Der Vorteil einer Routine, gegen\u00fcber der Gewohnheit ist es, dass sie nicht automatisiert abl\u00e4uft, das macht sie flexibel. Damit sind <strong>Routinen leichter an eine Situation anzupassen<\/strong> und genau darin liegen die Anforderungen, die eine gute Routine erf\u00fcllen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie sollte <strong>in einem groben Rahmen konsistent<\/strong> sein, der sogenannte Kern der Routine. Dieser bildet deine Mindestanforderungen ab. In Bezug auf eine Aufw\u00e4rmroutine ist das beispielsweise eine generelle Erw\u00e4rmung und die Vorbereitung von gewissen Schwachstellen. Der flexible Teil der Routine kann bei geringem Zeitbudget weggelassen werden oder bei ausreichend Zeit hinzugef\u00fcgt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>So hast du keinen Grund mehr, deine Routine wegzulassen. In Bezug auf die <strong>psychische Vorbereitung<\/strong> und dem <strong>Durchbrechen von emotionalen Kreisl\u00e4ufen<\/strong> ist eine solch flexible Routine entscheidend.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wann-kann-ich-eine-routine-einsetzen\">Wann kann ich eine Routine einsetzen?<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-a-routinen-vor-dem-sport\">a) Routinen vor dem Sport<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Eiskletterer_rot_beginn.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Eiskletterer_rot_beginn.jpg\" alt=\"Bergsteiger besinnt sich vor dem Aufstieg\" class=\"wp-image-46583\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sich vor dem Sport routinem\u00e4\u00dfig auf das Wesentliche zu konzentrieren hilft die Erregung zu minimieren.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Vor dem Sport helfen dir Routinen dabei, deine <strong>Denkprozesse zu stabilisieren<\/strong> und dein <strong>Erregungsniveau zu senken oder zu erh\u00f6hen<\/strong>. Das erlaubt dir folglich dich auf die Faktoren zu konzentrieren, die f\u00fcr deine kommenden Bewegungen notwendig sind und andere auszublenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise ist vor einer Aufgabe, die Balance ben\u00f6tigt, ein geringes Erregungsniveau sinnvoll. Entgegengesetzt solltest du vor einer Aufgabe, die ein hohes Kraftniveau und Explosivit\u00e4t ben\u00f6tigt etwas mehr unter Spannung stehen. Faktoren, die gar nicht f\u00fcr die Leistung notwendig sind, wie zum Beispiel die Aufmerksamkeit auf m\u00f6gliche Beobachter, kannst du <strong>lernen auszublenden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Am schwierigsten ist es wahrscheinlich, wenn man sich vor einer Aufgabe entspannen sollte. Denn angespannt ist man bei wichtigen Ereignissen automatisch. Schau hier doch mal in unserem Artikel \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/richtig-atmen-leistung-steigern-nervositaet-senken-und-rhythmisch-klettern\/\">Atemtechniken zum Senken der Nervosit\u00e4t<\/a> vorbei.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orientierungspunkte f\u00fcr deine Routine vor dem Sport<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Auf den Erfolg konzentrieren<\/li>\n\n\n\n<li>Physischen und psychisches Aufw\u00e4rmen<\/li>\n\n\n\n<li>Visualisierung (auf ein erfolgreiches Sporterlebnis)<\/li>\n\n\n\n<li>Aktivierung (zum Beispiel durch Musik)<\/li>\n\n\n\n<li>Konzentration auf die ersten Aktionen<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-b-routinen-wahrend-dem-sport\">b) Routinen w\u00e4hrend dem Sport<\/h3>\n\n\n\n<p>Auch wenn du dich gut vorbereitet hast, ist es auch w\u00e4hrend der Sportaus\u00fcbung <strong>wichtig deinen mentalen Status nicht zu verlieren<\/strong> oder eventuell zu \u00e4ndern. Manche Sportarten leben von einem Wechsel zwischen Spannung und Entspannung. Beispielsweise ist das Klettern gepr\u00e4gt von Sequenzen, die eine maximale Kraftanstrengung fordern und fast direkt danach eine sehr filigrane Fu\u00dfarbeit, die Konzentration und Ruhe fordert.<\/p>\n\n\n\n<p>In anderen Sportarten existieren Intervalle oder Zeitpunkte, die eine komplette Unterbrechung der Sportaus\u00fcbung darstellen, k\u00f6nnen zu einem instabilen psychischen Zustand f\u00fchren und das weitere Sporterlebnis tr\u00fcben. <strong>Routinen helfen dir hier, wieder zur\u00fcckzufinden<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispielsweise sind das bei L\u00e4ufen die Verpflegungspunkte, an denen viel passiert und dich aus dem Rhythmus bringen. Eine Routine beim Ann\u00e4hern oder Verlassen des Verpflegungspunktes, kann dir helfen den Fokus auf deinen Rhythmus zu behalten oder ihn wieder finden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Orientierungspunkte f\u00fcr deine Routinen w\u00e4hrend dem Sport (8-10 sec.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Positive Einstellung und selbstbewusste K\u00f6rperhaltung<\/li>\n\n\n\n<li>Atemtechniken zur Entspannung oder Anspannung<\/li>\n\n\n\n<li>Ritual (zum Beispiel: Immer zuerst den linken Schuh anziehen)<\/li>\n\n\n\n<li>Mentale Vorwegnahme der kommenden Bewegungen (Beispiel: Bike Park)<br>* An einem einfachen Teil der Strecke die Beschleunigung f\u00fcr die kommenden Hindernisse antizipieren.<br>* Konzentration auf das Hindernis und die notwendige Geschwindigkeit, nicht auf den gesamten Rest des Parcours.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p><strong>Orientierungspunkte f\u00fcr Routinen bei Unterbrechungen (30 sec.)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Entspannung durch Atmung<\/li>\n\n\n\n<li>Konzentration auf die n\u00e4chsten Handlungen<\/li>\n\n\n\n<li>Visualisieren der n\u00e4chsten Handlungen<\/li>\n\n\n\n<li>Aktivierung f\u00fcr die n\u00e4chsten Handlungen<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-c-routinen-nach-dem-sport\">c) Routinen nach dem Sport<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Pepsi_Erholung.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Pepsi_Erholung-300x225.jpg\" alt=\"Bergfreund Pepsi nach der Wandertour\" class=\"wp-image-46582\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Als Routine jedes mal nach dem Sport seine Erfolge aufzuz\u00e4hlen hilft positiv abzuschlie\u00dfen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Nach dem Sport ist vor dem Sport. Auch wenn du dich nach einer guten Sporteinheit lieber hoch motiviert auf die Couch legen m\u00f6chtest, ist es sinnvoll davor Routinen zu durchlaufen. Mit diesen kannst du deine <strong>Erholung verbessern<\/strong> und deine Bewertung der Sporteinheit einen positiven Nachgeschmack verleihen. Beides sind wichtige Faktoren, um f\u00fcr die n\u00e4chste Sporteinheit vorbereitet zu sein.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Regeneration einleiten: <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/regeneration-grundlagen\/\">Physische und psychische Entspannung<\/a><\/li>\n\n\n\n<li>Positive Analyse, Z\u00e4hle 3 Dinge auf, die an diesem Sporttag positiv gelaufen sind<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-routinen-und-gewohnheiten-sind-knifflig\">Routinen und Gewohnheiten sind knifflig<\/h2>\n\n\n\n<p>In diesem Artikel konntest du die Architektur und Unterschiede von Routinen und Gewohnheiten kennenlernen. <strong>Routinen k\u00f6nnen ein Bestandteil von Gewohnheiten sein, existieren aber auch f\u00fcr sich.<\/strong> Eine m\u00f6gliche Routine ist das Aufw\u00e4rmen vor dem Sport, du f\u00fchrst sie durch, um dich auf die Belastung vorzubereiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn aber mal weniger Zeit daf\u00fcr ist, kannst du sie flexibel anpassen und wenn n\u00f6tig reduzierst du sie auf das N\u00f6tigste. Routinen k\u00f6nnen dir auch w\u00e4hrend dem Sport helfen, am Ball zu bleiben. Gewohnheiten kannst du dagegen nicht so gut im Griff halten, sie sind <strong>Reiz-Reaktions-Muster<\/strong>, welche automatisiert ablaufen und nicht deinem Willen unterliegen. Du hast sie \u00fcber die Zeit gelernt und dein Gehirn hat sie dort abgelegt, wo du keinen Einfluss mehr hast.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb kosten sie weniger Denkkapazit\u00e4t und du kannst nebenher auf andere Dinge fokussieren. Aber das macht sie auch schwierig diese wieder loszuwerden, Strategien hierf\u00fcr hast du in diesem Artikel kennengelernt. <strong>Sei hier nicht zu streng mit dir<\/strong>, denn zwischen Wollen und Tun liegt ein gro\u00dfer Unterschied, weshalb das \u00c4ndern einer Gewohnheit Kraft und Geduld kostet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mehr dazu kannst du in den folgenden Artikeln nachlesen:<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/sportpsychologie-bewusstsein-kognition\/\">Psychologie im Sport Teil 1: Bewusstsein und Kognition<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/sportpsychologie-emotionen-ueberwinden\/\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/sportpsychologie-emotionen-ueberwinden\/\">Psychologie im Sport Teil 2: Emotionen \u00fcberwinden<\/a><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den ersten Artikeln dieser Reihe standen Bewusstsein und Emotionen Fokus, sowie den Umgang damit. Wer sich aber schon mit der mentalen Seite des Sports besch\u00e4ftigt hat, wei\u00df, dass sich gew\u00fcnschte Verhaltensmuster nur schwierig bilden und unerw\u00fcnschte noch schwieriger loszuwerden sind. Dieser Artikel befasst sich genau mit diesem Thema, also wie sich Routinen und Gewohnheiten [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":46534,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[109],"tags":[23],"post_folder":[],"class_list":["post-46533","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praxiswissen","tag-klettern-bouldern"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.1 (Yoast SEO v27.1.1) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Psychologie im Sport Teil 3: Routinen und Gewohnheiten<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"In den ersten Artikeln dieser Reihe standen Bewusstsein und Emotionen Fokus, sowie den Umgang damit. 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