{"id":24141,"date":"2017-03-02T15:43:11","date_gmt":"2017-03-02T13:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/test-01.bergfreunde.de\/blog\/lawinen-vom-untier-zum-naturphaenomen\/"},"modified":"2023-11-16T09:02:11","modified_gmt":"2023-11-16T08:02:11","slug":"lawinen-vom-untier-zum-naturphaenomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/lawinen-vom-untier-zum-naturphaenomen\/","title":{"rendered":"Lawinen &#8211; Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen"},"content":{"rendered":"\n<p>Bruce Hendricks wei\u00df, dass er keine Chance hat: &#8222;Ich h\u00f6re das tiefe Grummeln, mit dem eine lange gefrorene Kreatur aus Eis zum Leben erwacht&#8230; Knietief im Schnee w\u00fchlend, schaue ich nach oben&#8230; Mit be\u00e4ngstigender Geschwindigkeit schie\u00dft eine wei\u00dfe Welle in Sicht, eckige, durch die Luft schleudernde Eisbrocken leuchten wundersch\u00f6n im warmen Licht der Morgensonne&#8230; Der erste gewaltt\u00e4tige Treffer presst die Luft aus meinen Lungen und wirbelt mich herum. Kreischende Eismeteore schlagen auf meinen Rucksack und meine zerbrechlichen Glieder ein. In einem Adrenalinrausch verliere ich jedes Gef\u00fchl &#8211; ein letzter, s\u00fc\u00dfer Rausch vor dem Nichts. Selbst mit aller Kraft und allem Willen gelingt es mir nicht, meinen Brustkorb auszudehnen. Finsternis &#8211; totale Finsternis. Das ist also das Ende.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Bruce Hendricks, nordamerikanischer Bergsteiger und Autor dieser Zeilen, hat diese Lawine aus Eis und Schnee \u00fcberlebt, sogar ohne gr\u00f6\u00dfere Verletzungen. Die meisten, die in eine Lawine geraten, haben nicht so viel Gl\u00fcck: Jedes Jahr sterben weltweit durchschnittlich 200 Menschen in einer Lawine, davon rund 100 in den Alpen. Allein 25 Opfer gibt es j\u00e4hrlich in der Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Lawine aus dem Jahr 1970 &#8211; zweitgr\u00f6\u00dfte Katastrophe<\/h2>\n\n\n\n<p>Es gibt aber auch ganz andere Dimensionen des eisigen Grauens: Die weltweit gr\u00f6\u00dfte Zahl von Opfern forderte eine Lawinenkatastrophe im Jahre 1970 am 6.763 Meter hohen Huascaran in Peru, dem zweith\u00f6chsten Gipfel S\u00fcdamerikas. Dort l\u00f6ste sich nach einem Erdbeben ein Teil der Gipfeleiskappe, donnerte innerhalb von 15 Minuten 4.000 H\u00f6henmeter hinab und schoss durch ein 16 Kilometer langes Tal.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbruch-Tour.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Abbruch-Tour.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32941\" style=\"width:350px;height:263px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bei schlechter Sicht und Nebel sollte die Tour abgebrochen werden.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Mehrere D\u00f6rfer wurden dabei unter einer kilometerdicken Schicht aus Ger\u00f6ll, Schlamm und Eis begraben, 18.000 Menschen starben. Eine der schlimmsten Katastrophen im Alpenraum ereignete sich nach vorausgegangenen enormen Schneef\u00e4llen vom 2. bis 4. Februar 1689 im \u00f6sterreichischen Montafon: Laut Lawinen-Chronik starben in sieben D\u00f6rfern 120 Menschen, 326 Rinder und 584 Schafe in den Schneemassen. 119 H\u00e4user, selbst solche, die 300 Jahre ohne Lawinenschaden \u00fcberstanden hatten, wurden zerst\u00f6rt, ferner 692 Speicher und St\u00e4lle.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Chronik m\u00fcssen Elend und Not unbeschreiblich gewesen sein: Viele Menschen hatten keine Unterkunft und keine Kleider mehr und verkrochen sich in halb zerst\u00f6rten Kellern und L\u00f6chern. &#8222;Die Nacht h\u00f6rte man die armen Verwundeten auf den Lawinen, oder halb versch\u00fcttet von diesen, um Hilfe rufen. Oft konnte man nicht helfen wegen zu gro\u00dfen Schneemengen oder gr\u00f6\u00dfter Lawinengefahr. Grausam war es auch, wie man hernach die Menschen aufgesucht und ausgegraben hat, zum Teil erst nach sechs, acht und zehn Wochen, blutig und schrecklich zugerichtet, manchen Arme und Beine weggerissen und der Leib greulich zerschunden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-der-weisse-tod\"><span id=\"lawinen-legenden\">Der wei\u00dfe Tod<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Seit Menschen die Hochgebirgst\u00e4ler besiedeln oder auf Reisen Gebirgsp\u00e4sse \u00fcberqueren m\u00fcssen, f\u00fcrchten sie die katastrophale Macht der Lawinen, die alles mit sich rei\u00dfen, was sich in ihrem Weg befindet. Lange Zeit galten Lawinen als Gei\u00dfel der Bergbev\u00f6lkerung. Der &#8222;wei\u00dfe Tod&#8220; war einst mindestens ebenso gef\u00fcrchtet wie der &#8222;schwarze Tod&#8220;, die Pest. Wie bei der Pest glaubten viele, bei Lawinen handle es sich um eine Strafe Gottes, da niemand erkl\u00e4ren konnte, warum die Schnee- und Eismassen in manchen Jahren pl\u00f6tzlich von den Bergen herabrauschen, in anderen nicht. Warum sie manche H\u00e4user mit sich rei\u00dfen und andere, gleich daneben, verschonen. Und warum Versch\u00fcttete manchmal auf wundersame Weise gerettet werden, obwohl sonst alle starben.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Stille-Winteridylle.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Stille-Winteridylle.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32938\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Der Winter hat viele faszinierende Seiten f\u00fcr Outdoorfans. Eine davon sind mehrt\u00e4gige Skitouren mit <a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/zelte\/\">Zelt<\/a>.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Es gibt sehr fr\u00fche Zeugnisse von Lawinenungl\u00fccken. Eines der ersten stammt vom Chronisten Italicus, der bei Hannibals Alpen\u00fcberquerung im Jahre 218 vor Christus berichtet, dass losgel\u00f6ster Schnee die M\u00e4nner in den Abgrund ziehe und Schnee, der von den hohen Gipfeln st\u00fcrze, die lebende Mannschaft verschlinge. Der Schriftsteller und Geograph Strabo beschrieb noch vor Christi Geburt aufgrund eigener Beobachtungen auf Reisen in den Alpen und im Kaukasus Lawinen als \u00fcbereinander liegende Schneeschichten, die abgleiten. Fast zwei Jahrtausende sollten vergehen, bis Strabos Beobachtungen als richtig erkannt und naturwissenschaftlich begr\u00fcndet wurden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Erste Erkl\u00e4rversuche<\/h3>\n\n\n\n<p>In all den Jahrhunderten dazwischen gab es Erkl\u00e4rungsversuche f\u00fcr die Verderben bringenden Schneemassen, die meist dem jeweiligen Zeitgeist entsprachen. So glaubte die Bergbev\u00f6lkerung jahrhundertelang, dass Hexen, D\u00e4monen und b\u00f6se Geister Lawinen ausl\u00f6sten. Noch 1652 wurde eine Frau auf dem Scheiterhaufen verbrannt, der man vorwarf, sie h\u00e4tte durch ihre Hexenk\u00fcnste Lawinen ins Tal geschickt. Eine andere Form von Aberglauben zeigte sich darin, dass Lawinen als wilde Untiere beschrieben wurden, die nur mit dem L\u00e4uten der Kirchenglocken oder durch im Schnee versteckte, mit Kreuzen bezeichnete Eier aufgehalten werden k\u00f6nnten. Und in anderen Regionen der Alpen glaubte man, dass Lawinen riesige Schneekugeln sind, die beim Hinabkollern H\u00e4user, B\u00e4ume und Menschen in sich einschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-lawinen-als-naturphanomen\"><span id=\"lawinen-naturgewalten\">Lawinen als Naturph\u00e4nomen<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Lawinen als Naturph\u00e4nomen betrachtet und wissenschaftlich erforscht. Doch schon viel fr\u00fcher, zu Beginn des 17. Jahrhunderts, befassten sich ber\u00fchmte Forscher mit Schneekristallen. Dazu geh\u00f6rten der deutsche Astronom und Mathematiker Johannes Kepler, der franz\u00f6sische Philosoph Ren\u00e9 Descartes und der englische Forscher Robert Hooke.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Staublawine-Abgang.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Staublawine-Abgang.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32955\" style=\"width:350px;height:263px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Eine Staublawine im Abgang. Mit den abw\u00e4rts rasenden Schneemassen entsteht eine hohe Druckwelle. Ist gef\u00e4hrlicher als man denkt.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Kepler entdeckte, dass jeder Schneekristall ein Hexagon ist, und der Brite Hooke erkannte als erster mit seinem Mikroskop, dass sich die \u00c4stchen der Schneesterne immer in einem Winkel von 60 Grad verzweigen. Auch der Schweizer Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer, der vor allem deswegen heutzutage noch bekannt ist, weil seine 1723 erschienene Abhandlung \u00fcber die Naturerscheinungen in den Alpen auch eine Liste der dort hausenden Drachen- und Lindwurmarten enth\u00e4lt, erwies sich hinsichtlich der Lawinen als aufmerksamer Naturbeobachter, der seiner Zeit weit voraus war: Scheuchzer unterschied in seinem 1706 erschienen Buch &#8222;Beschreibung der Natur-Geschichten des Schweizerlands&#8220; bereits zwischen &#8222;Wind- und Grundlawinen&#8220;, was gem\u00e4\u00df seiner Beschreibungen den heute als Staub- und Grund- oder Flie\u00dflawine bezeichneten Lawinenarten entspricht. Er beschrieb ferner ihre Ursachen und empfahl dichte W\u00e4lder als Schutz f\u00fcr Geb\u00e4ude und Siedlungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem in fr\u00fcheren Zeiten die Lawinenopfer fast ausschlie\u00dflich unter der Bergbev\u00f6lkerung oder H\u00e4ndlern zu beklagen waren, hat sich dies durch den Tourismus in den Alpen v\u00f6llig ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-lawinenopfer-heute\"><span id=\"lawinenopfer-heute\">Lawinenopfer heute<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Heute handelt es sich bei den Opfern vorwiegend um Ski- und Snowboardfahrer, die den gesch\u00fctzten und \u00fcberwachten Pistenbereich verlassen; ferner nat\u00fcrlich um Skitourengeher, Bergsteiger oder Fr\u00fchsommer-Bergwanderer, die von Lawinen erfasst und versch\u00fcttet werden. Die Statistik zeigt, dass nur vier von zehn Versch\u00fctteten \u00fcberleben. Sie zeigt auch, dass rund 90 Prozent aller Versch\u00fctteten \u00fcberleben, wenn sie innerhalb der ersten 15 Minuten nach dem Unfall geborgen werden. Anschlie\u00dfend sinken die Chancen ganz drastisch und nach 45 Minuten lebt nur noch ein Viertel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bregenzerwald-LVS.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bregenzerwald-LVS.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32942\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die Versch\u00fcttetensuche mit LVS-Ger\u00e4t und Sonde sollte immer zum Auftakt der Saison ge\u00fcbt werden &#8211; vor allem die Suche nach mehreren Versch\u00fctteten.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Wird jemand nach einer Stunde noch lebend geborgen, grenzt das an ein Wunder. Doch Wunder gibt es immer wieder: Den unfreiwilligen Langzeitrekord unter den Lawinenversch\u00fctteten halten drei Frauen aus dem Piemont, die 1775 &#8211; durch einen zusammengebrochenen Stall vor direktem Schneekontakt gesch\u00fctzt &#8211; 37 Tage lang unter den Schneemassen ausharrten, bis sie gerettet wurden. Schier unglaublich ist auch die Rettung eines 13-j\u00e4hrigen aus St. Anton, der im Winter 1807 versch\u00fcttet worden war und direkt im Schnee lag. Er wurde nach 52 Stunden fast unversehrt gefunden &#8211; seine Eltern hatten bereits einen Sarg anfertigen lassen. Im Januar 2017 ging der Fall in den Abruzzen durch die Medien, wo das Hotel Rigopiano samt 40 G\u00e4sten von einer Lawine versch\u00fcttet worden war. 29 Personen konnten nur noch tot geborgen werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-lawinenforschungsinstitutionen\"><span id=\"lawinen-forschung\">Lawinenforschungsinstitutionen<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Schon 1931 wurde in Bern die Schweizerische Lawinenforschungskommission gegr\u00fcndet. Ein Team aus Technikern, Kristallographen, Geologen und Meteorologen nahm die Arbeit zun\u00e4chst in Davos auf, bezog aber dann Quartier auf dem 2.662 Meter hohen Weissfluhjoch im Nordwesten des Dorfes. Dort, wo sich auch heute noch ein kleiner Bereich des Schnee- und Lawinenforschungsinstituts befindet. 1939 erschien das lange Zeit im In- und Ausland als Standardwerk der Lawinenforschung geltende Buch &#8222;Der Schnee und seine Metamorphosen&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des 2. Weltkrieges wurde zur Beratung der Schweizer Armee das Eidgen\u00f6ssische Institut f\u00fcr Schnee- und Lawinenforschung (SLF) gegr\u00fcndet, das noch heute in der Lawinenforschung weltweit zu den f\u00fchrenden Institutionen z\u00e4hlt. Das Institut gibt unter anderem im Winter t\u00e4glich das Lawinenbulletin heraus, das alle Regionen der Schweizer Alpen ber\u00fccksichtigt und zuerst die allgemeine Lawinenlage beschreibt, dann den Schneedeckenaufbau analysiert, schlie\u00dflich in allen Regionen die Gefahrenstufe nach der f\u00fcnfteiligen Skala beurteilt und auch die Tendenz f\u00fcr die Entwicklung in den folgenden Tagen angibt. Seit 1993 wird die Lawinengefahr in ganz Europa einheitlich nach dieser f\u00fcnfstufigen Skala beschrieben.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Lawinenwarndienste<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Powder-macht-Laune.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Powder-macht-Laune.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32947\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wenn der Powder lockt &#8230;<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Doch bis dahin war es ein langer Weg: Im Jahre 1966 rief die Redaktion von &#8222;Alpinismus&#8220;, eine ehemalige deutsche Zeitschrift f\u00fcr Bergsteiger, Wanderer und Skifahrer in ihrer Januar-Ausgabe noch zum Boykott der deutschen Skigebiete auf, weil es dort noch keinen Lawinenwarndienst gab. Und das in einem Land, in dem acht Millionen Skifahrer leben, wetterte die Redaktion. Obwohl die \u00f6sterreichischen Bundesl\u00e4nder Salzburg, Tirol und Vorarlberg damals ihre eigenen Lawinenwarndienste hatten und allein das SLF auf dem Wei\u00dffluhjoch 40 Wissenschaftler besch\u00e4ftigte, waren die deutschen Skigebiete damals noch v\u00f6llig ohne Kontrolle &#8211; au\u00dfer dem Zugspitzgebiet, das an den Vorarlberger Lawinenwarndienst angeschlossen war.<\/p>\n\n\n\n<p>Dies aber auch erst nach der Lawinenkatastrophe mit zehn Todesopfern, die sich an der Zugspitze im Jahr zuvor Mitte Mai ereignet hatte. Heute hat der Bayerische Lawinenwarndienst einen ausgezeichneten Ruf und gibt im Winter f\u00fcr alle Bergregionen t\u00e4glich den Lawinenbericht heraus. L\u00e4ngst kann ein detaillierter Lawinenlagebericht \u00fcber die verschiedenen deutschen Alpengebiete per Internet oder Smartphone abgefragt werden. Zudem kann man sich am Telefon hinsichtlich seiner Tourenziele pers\u00f6nlich beraten lassen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-lawinen-in-der-wissenschaft\"><span id=\"lawinen-wissenschaft\">Lawinen in der Wissenschaft<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>Viel hat sich inzwischen getan im Kampf gegen den &#8222;wei\u00dfen Tod&#8220;. Wissenschaftler haben die Metamorphosen des Schneekristalls verfolgt &#8211; vom hexagonalen Stern, Prisma, St\u00e4bchen, Pl\u00e4ttchen oder Becherkristall bis hin zur Staublawine, zum Schneebrett, zur Grund- oder Eislawine. Das Spiel der verschiedenen Kr\u00e4fte in der Schneedecke wurde untersucht, die Bedeutung von Sonne, K\u00e4lte, Regen, Wind und Schneeuntergrund f\u00fcr die Lawinengefahr sind genauso bekannt wie die Folgen einer guten oder schlechten Verbindung zwischen den einzelnen Schneeschichten. Man wei\u00df, dass Staublawinen &#8211; jene &#8222;wundersch\u00f6n anzusehenden Wolken von enormer Zerst\u00f6rungskraft&#8220; &#8211; eine Geschwindigkeit von bis zu 350 Stundenkilometern erreichen k\u00f6nnen. Und dass allein ihr Luftdruck ganze W\u00e4lder niederm\u00e4hen und Eisenbahnz\u00fcge umzukippen vermag.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kleine-Wechten-Kamm.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Kleine-Wechten-Kamm.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32944\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Wechten am Kamm sind Hinweise auf Verfrachtungen und Triebschnee im Hang darunter. Bei der Abfahrt wird ein Sicherheitsabstand eingehalten.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Man wei\u00df, dass ein Schneebrett durch Belastung mit einem lauten Knall in einer scharf verlaufenden Kante anrei\u00dft, auf einer darunterliegenden schwachen Schicht abgleitet wie auf einer Rutschbahn und dann mit bis zu 80 Stundenkilometern talw\u00e4rts rauscht. Man wei\u00df auch, dass Eislawinen eine Folge der Gletscherbewegungen sind, und dass es sich bei den meisten Lawinen um Mischformen handelt.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">LVS-Ger\u00e4te bei Lawinengefahr<\/h3>\n\n\n\n<p>Im Laufe der Zeit wurden Lawinen-Versch\u00fctteten-Suchger\u00e4te (LVS-Ger\u00e4te\/Piepser) entwickelt und perfektioniert, mit denen Skitourengeher unterwegs Signale aussenden, im Falle eines Lawinenungl\u00fcckes damit aber auch die Signale von Versch\u00fctteten orten k\u00f6nnen. Diese kleinen, wunderbaren Begleiter k\u00f6nnen inzwischen sogar mehrere Versch\u00fcttete gleichzeitig orten. Das vereinfacht und beschleunigt die Suche und das Ausgraben durch die Helfer vor Ort.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt den ABS-Rettungsballon im Rucksack, der sich im Notfall durch Bet\u00e4tigen einer Rei\u00dfleine aufbl\u00e4ht und daf\u00fcr sorgt, dass man durch den Ballonauftrieb an der Oberfl\u00e4che der Lawine bleibt und nicht versch\u00fcttet wird.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneerutschen-Hangexposition.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneerutschen-Hangexposition.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32953\" style=\"width:351px;height:263px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ein kritischer Rundblick in der Umgebung zeigt, in welcher Exposition und bei welcher Hangneigung Schneerutsche erkennbar sind.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Werner Munters 3&#215;3 Reduktionsmethode zeigt, wie man das Risiko in kritischen Situationen sogar berechnen kann, um zwischen Stop und Go zu entscheiden. Mit der von den beiden staatlich gepr\u00fcften Berg- und Skif\u00fchrern Martin Engler und Jan Mersch entwickelten Snowcard, die unter anderem auf Munters Reduktionsmethode aufbaut, wird den Skitourengehern und Freeridern ein sehr anschauliches Mittel f\u00fcr ihr Risikomanagement an die Hand gegeben. Und dies in drei Beurteilungslevels von der Basiseinsch\u00e4tzung A bis hin zum Beurteilungslevel C f\u00fcr Experten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entscheidung dar\u00fcber, welches Risiko die Freunde von Pulver &amp; Co danach bereit sind, einzugehen, bleibt ihnen selbst \u00fcberlassen. Sie wissen dann aber (hoffentlich), was sie tun.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-wissenschaftliches-schutzschild-oder-unberechenbarer-faktor-mensch\"><span id=\"lawinen-mensch\">Wissenschaftliches Schutzschild oder unberechenbarer Faktor Mensch<\/span><\/h2>\n\n\n\n<p>All dies sind grandiose Fortschritte. Doch selbst die Experten des Eidgen\u00f6ssischen Instituts f\u00fcr Lawinenforschung in Davos oder der Bayerischen und \u00d6sterreichischen Lawinenwarndienste m\u00fcssen bekennen, dass nach wie vor nicht genau vorhersagbar ist, ob \u00fcberhaupt und, wenn ja, wann, sich bei kritischen bis katastrophalen Verh\u00e4ltnissen eine Lawine oder ein Schneebrett in einem Hang l\u00f6st.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneedeckenaufbau-Schichten.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneedeckenaufbau-Schichten.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32951\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Gut zu erkennen: eine Schneedecke besteht aus unterschiedlichen Schichten und ist plastisch. Ob und wie gut die Schichten miteinander verbunden sind, kann man testen beim Graben eines Schneeprofils oder Rutschkeils. Die Ergebnisse sind Hinweise auf die allgemeine Lage.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Abgesehen von den aktuellen Naturkatastrophen, die sich in ihrem schrecklichen Ausma\u00df jedem rationalen Erkl\u00e4rungsversuch verweigern und bei denen oft nur noch auf historisch tradierte Katastrophen verwiesen wird, die sich vor mehr als 100 oder 200 Jahren an derselben Stelle ereignet haben, gibt es die anderen Lawinenunf\u00e4lle, deren Ursache vor 80 Jahren dieselbe war wie heutzutage: <\/p>\n\n\n\n<p>Als Beispiel daf\u00fcr eine Stelle aus Leo Maduschka&#8217;s Buch &#8222;Junger Mensch im Gebirg&#8220;, wo Maduschka, ein in den 1930er Jahren bekannter Bergsteiger und Autor, von einer Skitour erz\u00e4hlt, die er mit dem ebenfalls bekannten Bergsteiger und Lawinenexperten Dr. Willo Welzenbach am Gletscher Ducan in der Schweiz unternommen hatte: &#8222;Wir rochen f\u00f6rmlich die Gefahr unter den Steilh\u00e4ngen. Sechs Stunden geht alles gut, in der siebten aber, 30 Meter unter der Spitze, rei\u00dft pl\u00f6tzlich, wenige Zentimeter hinter mir, dem ersten von uns, der j\u00e4he Gipfelhang. Willo, knapp mir auf dem Fu\u00df, kann herausschwimmen, die zwei anderen stecken im Geschiebe der Schollen &#8230;&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Problem im Umgang mit der Lawinengefahr ist das menschliche Verhalten. Sehr deutlich dr\u00fcckt dies die \u00dcberschrift eines Zeitungsartikels \u00fcber Lawinen aus, der in diesem Zusammenhang \u00f6fter zitiert wird: \u201eLockt der Pulverschnee, bockt der Verstand!<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tipps zur Tourenplanung:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Sie beginnt bereits Tage zuvor daheim mit dem Check des Lawinenberichts und der Wetterprognose. Wahl der Region und der Tour nach Schneeverh\u00e4ltnissen, Kondition, Zeitplanung etc.<\/li>\n\n\n\n<li>Routencheck der gew\u00e4hlten Tour anhand des Lawinenlagerberichts nach H\u00f6henlage, Exposition der H\u00e4nge, Steilheit der H\u00e4nge, potenzielle Lawinengefahr von weiter oben. Check.<\/li>\n\n\n\n<li>Anspruch der Tour: sind alle Teilnehmer den technischen Schwierigkeiten und konditionell der L\u00e4nge und Steilheit der Route gewachsen?<\/li>\n\n\n\n<li>Bei Skitouren im Gletscherbereich: Wer von der Gruppe beherrscht Spaltenbergung \u2013 m\u00f6glichst einer am Anfang und einer am Ende der Seilschaft.<\/li>\n\n\n\n<li>Briefing der Teilnehmer bez\u00fcglich Ausr\u00fcstung.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-100-prozent-sicherheit-bei-lawinen-die-gibt-es-nicht\"><span id=\"lawinen-risiko\">100 Prozent Sicherheit bei Lawinen? Die gibt es nicht!<\/span><\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Triebschneeansammlung.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Triebschneeansammlung.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32940\" style=\"width:349px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">In der Flanke sind Triebschneeansammlungen. Aufstieg daher direkt am Kamm.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Doch ist es wirklich so einfach? Kann man posthum allen Lawinentoten fahrl\u00e4ssiges Verhalten vorwerfen wegen ihrer Ja-Entscheidung beim Befahren eines Hangs, an dem sich dann ein Schneebrett l\u00f6ste? Das kann man nicht: Zum einen zeigt das die Statistik, die im Zusammenhang mit Versch\u00fctteten und Toten aussagt, dass der Gro\u00dfteil aller Versch\u00fctteten und Lawinentoten in den vergangen Jahren bei der Lawinenwarnstufe zwei (m\u00e4\u00dfig) erfolgte.<\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem sind unter den Lawinenopfern immer mal wieder Profis wie staatlich gepr\u00fcfte Berg- und Skif\u00fchrer, die sich teils jahrzehntelang professionell mit der Lawinengefahr befassten und sich bestens auskannten. Zudem sind das oft Gebietsexperten, die in der jeweiligen Region wohnen, und den ganzen Winter \u00fcber die Metamorphosen des Schnees mitverfolgten: starke Winde und dementsprechend starke Windverfrachtungen, selbst bei wenig Schnee im Gebiet. Experten, die in ihrem Gebiet st\u00e4ndig auf Skitour unterwegs sind und den Schneedeckenaufbau in allen Expositionen kennen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie wissen, wann es zu Reifbildung und der gef\u00e4hrlichen Schicht aus Becherkristallbildung kam oder wann es labile, nicht miteinander verbundene Schichten im Schneedeckenaufbau gibt. Die Experten wussten, was es zu wissen galt und sie waren alles andere als Hasardeure, die ihr Leben und wom\u00f6glich das Leben ihrer Schutzbefohlenen mutwillig aufs Spiel gesetzt h\u00e4tten wegen eines Couloirs mit feinem Pulverschnee\u2026<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Schneeprofile und Schichtaufbau<\/h3>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneeansammlung-Fels.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Schneeansammlung-Fels.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32948\" style=\"width:350px;height:262px\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hinter einem Fels zeltet es sich gut, dort finden sich aber auch oft lockere Schneeansammlungen.<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Selbst das Graben eines Schneeprofils an einem Hang ist nur ein Indiz hinsichtlich der Lawinengefahr \u2013 der Schichtaufbau kann in derselben Exposition am selben Hang nur wenige Meter daneben ein \u201eHot Spot\u201c sein, und bei Belastung ausl\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die heute jedem Skitourengeher und Freerider zug\u00e4nglichen wissenschaftlichen Erkenntnisse um die Lawinengefahr, die Arbeit der Lawinenwarndienste und die Einsch\u00e4tzung der Experten im Gel\u00e4nde vor Ort retten jeden Winter unz\u00e4hlige Menschenleben \u2013 doch das erf\u00e4hrt niemand. Dass es bei diesem starken Boom des Tourenskifahrens oder Freeriding in den letzten Jahren nicht viel mehr Lawinenversch\u00fcttete und Tote gibt, gilt zwar als Normalfall \u2013 ist es aber nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Tatsache ist der Arbeit der Lawinenwarndienste und der allgemein verst\u00e4ndlichen Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Lawinenforschung zu verdanken. Sie sind ein starker Schutzschild f\u00fcr jeden einzelnen Skitourengeher oder Freerider. Wissen hilft aber nur dann, wenn es in der Praxis auch angewandt und umgesetzt wird. Und das schon bei der Tourenplanung daheim.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-die-europaische-lawinen-gefahrenskala\"><span id=\"lawinen-gefahren-skala\">Die europ\u00e4ische Lawinen-Gefahrenskala<\/span><\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beispiel-Lawinenlage.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.bergfreunde.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Beispiel-Lawinenlage.jpg\" alt=\"Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen\" class=\"wp-image-32959\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">So sieht ein Lawinenbericht beim bayerischen Lawinenwarndienst aus<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table><tbody><tr><th>Gefahrenstufe<\/th><th>Schneedeckenstabilit\u00e4t<\/th><th>Lawinen Ausl\u00f6sewahrscheinlichkeit<\/th><\/tr><tr><td>1 &#8211; gering<\/td><td>Die<br>Schneedecke ist allgemein gut verfestigt und stabil.<\/td><td>Ausl\u00f6sung ist nur bei gro\u00dfer* Zusatzbelastung an sehr wenigen, extremen Steilh\u00e4ngen m\u00f6glich.<\/td><\/tr><tr><td>2 &#8211; m\u00e4\u00dfig<\/td><td>Die<br>Schneedecke ist an einigen Steilh\u00e4ngen** nur m\u00e4\u00dfig verfestigt, sonst aber gut<br>verfestigt.<\/td><td>Ausl\u00f6sung ist bei gro\u00dfer* Zusatzbelastung wahrscheinlich, vor allem an den im Lawinenlagebericht angegebenen Steilh\u00e4ngen. Gr\u00f6\u00dfere Spontanausl\u00f6sungen von Lawinen sind nicht zu erwarten.<\/td><\/tr><tr><td>3 &#8211; erheblich<\/td><td>Die<br>Schneedecke ist an vielen Steilh\u00e4ngen** m\u00e4\u00dfig bis schwach verfestigt<\/td><td>Ausl\u00f6sung ist bei geringer* Zusatzbelastung wahrscheinlich, vor allem an den im Lawinenlagebericht benannten Steilh\u00e4ngen. Gegebenenfalls sind durch Spontanausl\u00f6sung einige mittlere, vereinzelt auch gro\u00dfe Lawinen m\u00f6glich.<\/td><\/tr><tr><td>4 &#8211; gro\u00df<\/td><td>Die<br>Schneedecke ist an den meisten Steilh\u00e4ngen** schwach verfestigt.<\/td><td>Ausl\u00f6sung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung* an den meisten Steilh\u00e4ngen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch gro\u00dfe Lawinen zu erwarten.<\/td><\/tr><tr><td>5 sehr gro\u00df<\/td><td>Die<br>Schneedecke ist allgemein schwach verfestigt und weitgehend instabil.<\/td><td>Zahlreiche Spontanausl\u00f6sungen von gro\u00dfen Lawinen sind zu erwarten. Auch im m\u00e4\u00dfig steilen Gel\u00e4nde.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Erkl\u00e4rungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>* Zusatzbelastungen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>gro\u00df = gr\u00f6\u00dfere Gruppe ohne Abst\u00e4nde (Aufschaukeln der Schneedecke)<\/li>\n\n\n\n<li>gering = einzelne Skifahrer,&nbsp;Wanderer<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>** wird im Lawinenlagebericht detailliert beschrieben: H\u00f6henlage, Exposition (Himmelsrichtung), Gel\u00e4ndeform etc.. Steilh\u00e4nge sind H\u00e4nge mit einer Neigung gr\u00f6\u00dfer als 30 Grad. Oft sind sie felsdurchsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Grunds\u00e4tzliche Regeln f\u00fcr Skitourengeher\/Schneeschuhwanderer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Bei m\u00e4\u00dfiger Lawinengefahr (2) Verzicht auf steile H\u00e4nge mit mehr als 39\u00b0<\/li>\n\n\n\n<li>Bei erheblicher Lawinengefahr (3) Verzicht auf steile H\u00e4nge mit mehr als 34\u00b0, kein felsdurchsetztes Steilgel\u00e4nde<\/li>\n\n\n\n<li>Bei gro\u00dfer und sehr gro\u00dfer Lawinengefahr (Stufen 4 und 5) Verzicht auf Touren au\u00dferhalb kontrollierter Skipisten<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-weiterfuhrende-literatur-zum-thema-lawinen\"><span id=\"lawinen-literatur\">Weiterf\u00fchrende Literatur<\/span> zum Thema Lawinen<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Allgemein \u00fcber die Faszination von Schnee, Eis und Lawinen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lawinen, hg. von Walter Ammann und Othmar Buser vom Eidgen\u00f6ssischen Institut f\u00fcr Schnee- und Lawinenforschung, Davos, Birkh\u00e4user Verlag, Basel 1997, ISBN3-7643-5246-9.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Schnee &amp; Eis, Entdeckungsreisen im Reich der K\u00e4lte, Sylvia Strasser + Wolfgang W\u00fcrker, Heyne Verlag, ISBN 3-453 \u2013 14315 &#8211; 9<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Lawinenkunde und Anwendung in der Praxis<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lawinenkunde, Harvey S., Rhyner H., Schweizer J., Bruckmann Verlag GmbH, 192 Seiten, M\u00fcnchen, 2012, ISBN 978-3-7654-5779-1<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>SnowCard, Lawinen-Risiko-Check mit Hangneigungsmesser, Martin Engler und Jan Mersch, hrsg. Deutscher Alpenverein, M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lawine: Das Praxis-Handbuch von Rudi Mair und Patrick Nairz, Die entscheidenden Probleme und Gefahrenmuster erkennen, Tyrolia Verlag, Innsbruck<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Skibergsteigen und Freeriding, Alpin-Lehrplan des Deutschen Alpenverein, Band 4, Jan Mersch, Peter Geyer, Chris Semmel, BLV-Verlag, 5. Auflage 2016<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>3&#215;3 Lawinen, Entscheiden in kritischen Situationen, Werner Munter, 5. Auflage 2013, Rother-Verlag, M\u00fcnchen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruce Hendricks wei\u00df, dass er keine Chance hat: &#8222;Ich h\u00f6re das tiefe Grummeln, mit dem eine lange gefrorene Kreatur aus Eis zum Leben erwacht&#8230; Knietief im Schnee w\u00fchlend, schaue ich nach oben&#8230; Mit be\u00e4ngstigender Geschwindigkeit schie\u00dft eine wei\u00dfe Welle in Sicht, eckige, durch die Luft schleudernde Eisbrocken leuchten wundersch\u00f6n im warmen Licht der Morgensonne&#8230; Der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":97396,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[111],"tags":[146],"post_folder":[],"class_list":["post-24141","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-natur-geschichte","tag-wintersport"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO Premium plugin v27.6 (Yoast SEO v27.6) - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-premium-wordpress\/ -->\n<title>Lawinen - Vom Untier zum Naturph\u00e4nomen | Bergfreunde Basislager<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Anfang des 20. 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