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Skitouren: Ohne Plan geht nix
 

Skitouren: Ohne Plan geht nix

Inhaltsverzeichnis

Vor jeder Skitour muss ein Plan ausgearbeitet werden. Alles andere ist unverantwortlich.

Was vor einigen Jahren noch als “Skitourentrend” bezeichnet wurde, ist inzwischen mehr als nur ein zeitweiliger Trend. Skitourengehen hat sich definitiv seinen festen und dauerhaften Platz im Alpinsport-Karussel ergattert.

Doch hat man sich seine Latten erst mal geliehen oder gar gekauft, dann kommt man ohne Planung und Know-how nicht mehr sehr weit. Zumindest nicht auf verantwortbare Weise.

Dass man sich mit Ahnungslosigkeit und Unbedarftheit selbst gefährden und umbringen kann, gilt ja auch in anderen Bergdisziplinen. Bei Skitouren allerdings spielt zudem der Einfluss auf andere Tourengeher eine große Rolle: wenn jemand aus Unkenntnis und Leichtfertigkeit eine Lawine auslöst, dann kann das auch für andere böse Folgen haben. Darum ist es enorm wichtig, Touren vorab zu planen und vor Ort immer wieder die Lage einschätzen zu können.

Theorie und Übung müssen sein

Für das selbständige Tourengehen kommt man um eine fundierte Theoriebasis nicht herum. Damit geht auch einher, dass ein Artikel wie dieser, eine fundierte Einführung weder ersetzen kann noch soll. 

Wir beziehen uns hier nur auf die Auswahl und Planung einer konkreten Tour, während das Wissen um die Benutzung der Ausrüstung und die Grundzüge der Lawinen- und Schneekunde vorausgesetzt werden muss, bzw. hier nur an einigen Stellen angerissen werden kann. Wenn hier noch keine Basis vorhanden ist, sollte man sich zunächst mit den Grundpfeilern der Skitouren-Theorie vertraut machen, über die wir hier im Blog schon das eine oder andere mal berichtet haben (Lawinengefahr und ihre Einflussfaktoren oder auch der richtige Umgang mit LVS (Lawinenverschüttetensuchgerät), Sonde und Schaufel).

Das ist auf den ersten Blick eine Menge Stoff, der sich zudem auch nicht so einfach in die Praxis übertragen lässt. Deshalb schließt man sich für die entsprechende Übung und Erfahrung am besten einem Kurs oder einer geführten Anfängertour an. Dafür gibt es bei den Alpenvereinssektionen, der Alpenvereinszentrale und bei kommerziellen Anbietern jede Menge Möglichkeiten.

Die “3×3 – Filter- & Reduktionsmethode” nach Werner Munter

Wir schauen uns folgend die “3×3 – Filter- und Reduktionsmethode” nach Werner Munter an. Eine Bezeichung, die zunächst sperrig klingen mag, baut aber logisch aufeinander auf und ist in der Praxis mit etwas Übung klar & effektiv einzusetzen.

3 mal 3 nennt sich die Methode deshalb, weil es nach Werner Munter – dem schweizer “Lawinenpapst” – drei Hauptfaktoren für die Risikoanalyse gibt:

  1. Verhältnisse
  2. Gelände
  3. Mensch

Diese drei Hauptfaktoren wiederum müssen allesamt auf drei unterschiedlichen Zeit-Raum-Ebenen analysiert werden:

  1. regional (d.h. zuvor bei der Tourenplanung)
  2. lokal (d.h. direkt vor Ort vor Tourenstart)
  3. zonal (d.h. während der Tour)
 VerhältnisseGeländeMensch(Hauptfrage)
Regional
  • Wettervorhersage
  • Lawinenlagebericht
  • Jahreszeit/Tageszeiten
  • Tourenportaleinträge
  • Routenverlauf auf Landkarte planen (1:25.000)
  • Führerliteratur lesen
  • Schlüsselstellen identifizieren
  • Gruppengröße
  • Verantwortung, Können & Erwartungen abklären
  • Ausrüstungsliste erstellen
  • Zeitplan erstellen
Welche Tour ist möglich? Was ist der Plan B?
Lokal
  • aktuelles Wetter/Tendenz
  • trifft Lawinenbulletin zu?
  • Sichtverhältnisse
  • Schlüsselstellen einsehen
  • Gefahrenstellen identifizieren
  • Alternativrouten beachten
  • vorhandene Spurenanlage interpretieren
  • LVS-Geräte checken
  • Ausrüstung überprüfen
  • Tagesform der Teilnehmer abklären
  • Zeitplan realistisch?
  • sind weitere Tourengeher vor Ort?
  • Feedbackkultur pflegen
Welche Route ist die richtige? Muss auf Plan B ausgewichen werden? Sind alle bereit?
Zonal
  • Lawinenrisiko im Hang
  • Schneebeschaffenheit beachten
  • Sichtverhältnisse
  • Wechten/Windverfrachtungen
  • Steilheit, Exposition & Höhenlage
  • Geländeform
  • Hanggröße
  • mögliche Konsequenzen
  • Spuranlage
  • Kommunikation & klare Führung
  • Befindlichkeiten
  • Gruppendynamik
  • Taktik (Abstände, sichere Stoppstellen,…)
  • Disziplin
Ist der Einzelhang befahrbar?
Diese Tabelle verdeutlicht Munters Schema. Erläuterungen erfolgen unten im Text.

1. Region – die Tourenplanung

Ausblick auf einen beschneiten Berg mit Blick auf die Wolken
Vor der konkreten Tourenwahl, sollte man einen Blick auf den Wetterbericht und Lawinenlagebericht werfen.

Die „Grobauswahl“ des Tourenziels orientiert sich am Können der Gruppenmitglieder, dem Wetterbericht und dem Lawinenlagebericht (LLB). Wenn Wetter und Lawinengefahr keine Tour zulassen, kann man sich entweder eine andere Region mit besseren Verhältnissen aussuchen oder man schiebt die Tour bis wieder bessere Verhältnisse herrschen. Denn auch das gehört zum Skitouren – akzeptieren, dass die Natur stärker ist und nicht gegen den klaren Sachverstand handeln.

Lawinenbulletin: Die fünfstufige Gefahrenskala gilt einheitlich für alle Alpenländer. Das Bulletin garantiert schon im Voraus wichtige Informationen für die Tourenplanung (regional), ist aber auch beim Interpretieren der Hänge vor Ort (lokal, zonal) immer mit einzubeziehen.

Kartenstudium: ist bei Skitouren nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil der Tourenplanung. Man ermittelt und markiert damit auch die „Schlüsselstellen“: steile Passagen und potentielle Gefahrenstellen wie Kammlagen, Rinnen, Mulden und steile Hänge oberhalb der Route. Zusätzlich sucht man nach  „Checkpunkten“, die während der Tour eine gute Übersicht über den weiteren Routenverlauf bieten sollen. Das erfordert allerdings eine gewisse „dreidimensionale Lesefähigkeit“ der Höhenliniendarstellung.

Vollständige Risikoanalyse:  Dazu gehören außerdem die vergangenen und zu erwartende Schneefallmengen sowie Windstärke und -richtungen und der Temperaturverlauf mitsamt all der Auswirkungen auf die Schneedecke. Auch Aussagen über besonders lawinengefährdete Höhenlagen, Hangexpositionen oder Geländeformen sind ausschlaggebend für die Wahl des Tourenziels.

    Tipp: Sind Dir keine konkreten Touren bekannt, dann empfehlen wir Dir Fachliteratur (Tourenführer), die für Deine Zielregion unzählig viele Touren detailliert beschreiben und meist auch den Schwierigkeitsgrad angeben. Zwischenzeitlich gibt es auch digitale Angebote, wobei die kostenpflichtigen Angebote tendenziell die zuverlässigeren Daten bieten.

LVS-Check beim Skitourengehen
Beim LVS-Check irgendwo am Großglockner

2. “Lokal” – am Startpunkt

Hat die Gruppe sich am Start eingefunden, sind die Filtermethoden der Kategorie “Lokal” anzuwenden. 

Es liegt in der Pflicht des Gruppenführers, sich einen Eindruck von der Tagesform der Teilnehmer zu verschaffen. Hierzu ist es wichtig, von Anfang an eine offene, ehrliche und direkte Gesprächskultur in der Gruppe zu schaffen. Diese offene Aussprache und das rücksichtsvolle Auge für die anderen wird bis zum Ende der Tour immer wieder gefordert sein und kann im Ernstfall über Leben und Tod entscheiden.

Zudem ist vor Ort nochmals die Gruppe aufzuklären, welche Tour und Route sie erwartet, wie der Zeitplan ausschaut und die Ausrüstung ist auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit zu prüfen. 

Als letzten Schritt der Vorbereitung und ersten Schritt der Skitour ist der obligatorische LVS-Geräte-Check durchzuführen.

3. “Zonal” – wachsam unterwegs

Skitourengeher am Berg
Bei der Spuranlage vorausschauend denken und sich
nicht von den Spuren anderer verlocken lassen.

Ist die Gruppe erst mal unterwegs, dann zeigt sich, wie gut die Vorbereitung war. Hier gilt es nun, die Lage noch detaillierter einzuschätzen und als Gruppe aufmerksam zu sein und seine Befindlichkeiten oder auch Bedenken klar zu kommunizieren. 

Jeder Hang ist einzeln einzuschätzen, die Spurenlage klug zu wählen, die Schneebeschaffenheit und ihre Veränderungen zu beachten. Dies ist vor allem bei Niederschlag oder stärkeren Temperaturschwankungen wie im Frühjahr üblich zu beachten.

Der Gruppenführer trägt auch hier die Verantwortung und muss seine Gruppe im Auge behalten.

Skifahrer zwischen Gletschern
Auch bei der spaßigen Abfahrt muss man seine Gruppe und die Geländebeschaffenheit im Auge behalten. Sonst hat der Spaß ein schnelles Ende!

Noch ein paar Tipps

  1. Ausrüstung: Pack Dein Zeug in aller Ruhe ein oder zwei Tage vor der Tour. Hierbei kann die diese Packliste Skitour helfen.
  2. Angehörige informieren: Tourenziel, Route, Rückkehrzeitpunkt, Gruppengröße 
  3. Notrufnummern besorgen. Eine Übersicht über die Notrufnummern in den Alpenländern gibt es hier: https://www.alpenverein.de/dav-services/alpine-auskunft/alpine-telefonnummern_aid_10705.html
  4. Ausreichend Pausen einplanen: Ideal ist ein realistischer Zeitplan, der nicht nur Start und Rückkehr, sondern auch Pausen beinhaltet und bestimmte Zwischenziele festlegt. Bei verschiedenen Könnerstufen kommen unter Umständen noch diverse Stimmungen und Dynamiken hinzu, die, sofern nicht erkannt und angesprochen, zu falschen/riskanten Entscheidungen führen können. Hier kann ein Ausweichziel sehr hilfreich sein, um Frust zu vermeiden.
  5. Flexibel sein: Vor Ort wird das daheim erarbeitete Tourenprofil natürlich gegengecheckt und falls erforderlich nachgebessert. Letzte Unklarheiten können sowieso nur durch den echten Blick ins Gelände beseitigt werden, vor allem wenn während der Anreise Schnee gefallen ist oder die Sonne einige Stunden richtig geknallt hat. Dann haben sich die Tourenverhältnisse womöglich schon wieder geändert.
  6. Frühjahrstouren: Besonders im Frühjahr weichen die Schneeverhältnisse oft stark von dem ab, was man vom „normalen“ Skifahren im Hochwinter her kennt (#NassSchneelawine). Deshalb sollte man das Anforderungslevel als Anfänger tief ansetzen und auch bei der Tourenlänge Zurückhaltung üben.

Lust auf mehr?

Wer jetzt Lust auf mehr bekommen hat, findet bei uns im Basislager noch ein paar tolle Artikel über Skitouren, die ihr euch auf keinen Fall entgehen lassen solltet.

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Bergfreundin Stephanie

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