Die Bergfreunde Klimabilanz 2020

21. September 2021
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So, Freunde. Es ist mal wieder an der Zeit, die Karten offen auf den Tisch zu legen: Unsere Klimabilanz 2020 ist da und wir wollen zusammen mit euch ganz transparent einen Blick hinein werfen, euch erklären, was die vielen, vielen Zahlen bedeuten und natürlich, was wir bisher erreicht haben. Also, hüpfen wir rein:

Bergfreunde Klimabilanz – Grundlagen schaffen

Unser Ziel war es im Jahr 2020 die Grundlagen für ein nachhaltigeres, klimafreundlicheres Wirtschaften zu schaffen. Dazu müssen wir natürlich genau verstehen, wo welche Emissionen entstehen, welche Hebel wir alleine Umlegen können und bei welchen Hebeln wir auf Mitarbeit anderer Akteure angewiesen sind.

Als Beispiel nehmen wir mal unsere Versandprozess: Wir können natürlich an unserem Ende der Versandkette, also in unseren Logistikprozessen Emissionen reduzieren. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel daran, auf Kartons mit einem höherem Recycling-Anteil umzustellen. Darüber hinaus sind wir aber auf die Mithilfe unserer Versanddienstleister angewiesen. Das ist übrigens der sogenannte Scope 3 – aber dazu kommen wir später noch.

Kurzum: 2020 war für uns noch nicht das Jahr, in dem wir die ganz großen Schritte gegangen sind. Dennoch konnten wir einige kleine Optimierungen vornehmen und haben natürlich von einigen „Sondereffekten“ profitiert. Jetzt aber erstmal zu den blanken Zahlen und die fallen auf den ersten Blick erstmal ernüchternd aus. Doch erstmal:

Das Klimabilanz 1×1: Was sind „Scopes“

Grundsätzlich unterteilen wir unsere Bilanz in drei Bereiche, die wir zum Teil selbst, zum Teil nicht selbst beeinflussen können. Diese werden als Scope bezeichnet oder auch einfach als „Bereich“. Diese unterteilen sich wie folgt:

  • Scope 1: Hierrunter fallen alle Emissionen, die wir direkt verursachen, also z.B. durch unsere Heizung oder unseren Car-Pool.
  • Scope 2: Hier finden sich indirekte Emissionen, die durch die Anfahrt der Mitarbeiter, Geschäftsreisen oder unseren Webshop verursacht werden
  • Scope 3: Auch hier geht es um indirekte Emissionen, nämlich solche die durch den Transport unsere Pakete, durch Retouren oder die Entsorgung der Kartons entstehen.

Naturgemäß entfallen die meisten Emissionen in die dritte Kategorie und unglücklicherweise ist Scope 3 auch der Bereich, der am aufwendigsten zu beeinflussen ist.

Die Klimabilanz 2020 – die Bergfreunde wachsen

Tja, was soll man sagen. Auf der einen Seite ist es natürlich schön, dass die Bergfreunde als Unternehmen florieren, dass wir gut wachsen und das auch noch gewinnbringend. Das Wachstum bringt allerdings unter dem Klimaaspekt ein ganz plakatives Problem mit sich: Wenn wir mehr Pakete verschicken, steigen auch unsere Emissionen. Genau genommen haben wir im Vergleich zu 2019 eine Steigerung von 28,8% CO2-Äquivavlent auf 2997 Tonnen zu verbuchen. Das ist in etwa so viel wie der jährliche CO2-Fußabdruck von 357 EU-Bürgern.

Da brauchen wir nichts schön reden: Schön ist das nicht. Aber wie wir im vorherigen Absatz schon erklärt haben, wollten wir nicht blind in alle Richtungen losschlagen sondern uns explizit ein sehr genaues Bild der Lage verschaffen, um gezielt an Problempunkten zu arbeiten und so deutlich effizienter zu sein. Aber natürlich konnten wir 2020 durchaus ein paar kleine Hebel umlegen, einige Sparmaßnahmen anstoßen und hatten eine unerwartete, helfende Hand, auf die wir eigentlich gerne verzichtet hätten.

Bergfreunde Klimabilanz 2020 – was wir optimieren konnten

Corona. Da ist es wieder. Es ist vermutlich keine große Überraschung wenn wir  euch erzählen, dass wir durch Homeoffice alleine gegenüber 2019 ungefähr 20% weniger Emissionen für die Anfahrt der Mitarbeiter verbuchen konnten. Die wenigen Flüge die wir im Jahr unternommen haben, sind fast komplett weg gefallen, genauso wie die Emissionen unseres Fuhrparks. Die größte Einsparung gab es im Bereich Wärme, denn durch die relativ simple Umstellung auf Ökostrom und Biogas, sind wir hier bei einer Reduktion von annähernd 100%.

In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt das: Gegenüber 2019 konnten wir immerhin um die 230 Tonnen CO2 sparen.

Was sonst so ging: Nachhaltigkeit 2020

Wir setzen beim Thema Nachhaltigkeit stark auf die Optimierung unserer Klimabilanz, denn der Klimawandel ist ein dringliches Problem, das angegangen werden muss. Und zwar schnell. Das soll allerdings nicht heißen, dass wir nicht auch andere Bereiche im Blick haben. So gibt es seit letztem Jahr z.B. eine große Anzahl an Nachhaltigkeits-Filtern im Shop, die euch dabei helfen direkt zu erkennen, welches Produkt wie zertifiziert ist oder ob zum Beispiel  recycelte Materialien darin enthalten sind.

Außerdem veranstalten wir seit letztem Jahr regelmäßig Nachhaltigkeitswochen, um die Bergfreunde-Mitarbeiter zu schulen und zu einer nachhaltigeren Lebensweise zu inspirieren. Wir setzen uns mit den spannenden Themen Green Hosting und Green Coding auseinander und haben zudem eine Maschine eingeführt, mit denen wir einen Teil unserer Retouren nicht mehr in Plastik, sondern einfach mit zwei Papierbanderolen verpacken können.

Petzl: Firmenportrait und Nachhaltigkeits-Check

1. September 2021
Ausrüstung

„Access the inaccessible“ – mit diesem Slogan bringt der französische Equipment-Hersteller Petzl sein Wirken auf den Punkt. Das Unternehmen stellt nicht nur Ausrüstung für die Höhen und die Vertikale her, sondern auch für die Tiefen der Höhlen. Hinzu kommen Tools für die Bergrettung, für Höhenarbeiten und das Industrieklettern. Dieses breite Spektrum ist neben dem hervorragenden Ruf der Produkte ein Grund, weshalb fast jeder ambitionierte Bergfreund irgendeinen Gegenstand des Traditionsherstellers besitzt.

Das kann die extrem leistungsfähige Stirnlampe ebenso sein wie der superleichte Klettergurt, das innovative Sicherungsgerät oder die äußerst bissigen Steigeisen und Eisgeräte. Sportkletterern ist Petzl auch durch den RocTrip bekannt, einem jährlichen Treffen von Top-Kletterern, das von 2002 bis 2014 in herausragenden Klettergebieten rund um den Globus stattfand. Dabei bot man den Kletterern Gelegenheit, „in einer fröhlichen Atmosphäre mit Gleichgesinnten zusammen zu kommen“.

Firmenkurzportrait Petzl

Das Unternehmen Petzl beschäftigt zur Zeit etwa 750 Mitarbeiter und trägt den Nachnamen des Firmengründers. Es wurde 1975 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Crolles, nahe Grenoble in den französischen Alpen. Die Geschichte reicht jedoch weiter zurück, denn der Höhlenforscher Fernand Petzl brachte bereits 1968 unter seinem Namen erste Produkte wie Seilklemmen und Höhlenscheinwerfer auf den Markt. Neben großem handwerklichen Geschick half ihm wohl auch seine Kreativität. So sollen die ersten Stirnlampenriemen aus flexiblen Trägern alter BHs bestanden haben.

Während die Speläologie ursprünglich das Hauptinteresse und Kerngeschäft von Petzl war, ist sie heute eher ein untergeordneter Geschäftszweig. Etwa ab 1977 rückte mit der Herstellung der ersten Gurte der Bergsport immer mehr in den Vordergrund, auch wenn nach wie vor ein Schwerpunkt bei den Lampen und Leuchten liegt.

Neben Stirnlampen und Gurten spielt auch die Entwicklung von Sicherungsgeräten eine große Rolle. Hier gab es mehrere revolutionäre Neuerungen in den letzten Jahrzehnten. Die Bekannteste darunter ist zweifelsohne das 1991 eingeführte GriGri als erstes halbautomatisches Sicherungsgerät fürs Sportklettern. 1998 folgte mit dem Tibloc, einer ultrakompakten Seilklemme für den Aufstieg am Seil, ein weiteres geradezu ikonisches Gerät.

Durch diese und weitere Erfolge hat sich Petzl zu einer internationalen Gruppe entwickelt, ist dabei jedoch bis heute ein Familienunternehmen geblieben.

Weitere Meilensteine der Firmengeschichte waren 2006 die Gründung der Petzl-Stiftung und die  Einführung des persönlichen Rettungssystems EXO für die New Yorker Feuerwehr. 2008 kam die  Gründung von Petzl Solutions hinzu, einer Abteilung für Ausbildungs- und Experimentierzwecke. Die letztgenannten Aktivitäten sieht Petzl als Maßnahmen, mit denen man der Natur und der Gesellschaft etwas zurückgeben möchte, da sie den Erfolg der Firma erst ermöglicht haben.

Die Nachhaltigkeit bei Petzl

Wenn möglich, greift man bei der Produktion auf umweltverträgliche Materialien und ressourcenoptimierte Prozesse zurück. Generell unterliegen Produktion und Beschaffung strengen Qualitätskontrollen. Dass man dem Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert beimisst, zeigt sich auch daran, dass ein überwiegender Anteil der Produkte nach wie vor in eigenen Betrieben in Frankreich entsteht.

Umweltmaßnahmen

Man räumt allerdings auch ein, dass bei persönlicher Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz  manchmal kein Spielraum für Kompromisse zugunsten ökologischerer Rohstoffe besteht. Doch die Produkte erreichen meist eine sehr lange Lebensdauer und ein Motto bei Petzl lautet: „Ein langlebiges Produkt ist immer auch ein Nachhaltiges“. Das gilt besonders für die metallenen Hardwareprodukte wie Karabiner, Pickel oder Steigeisen (die auch eine regelmäßige PSA-Prüfung bestehen müssen).

Nach eigener Auskunft legt Petzl großen Wert auf umweltbewusstes Handeln. Die Emissionen des Unternehmens werden in der gesamten Wertschöpfungskette regelmäßig auf Möglichkeiten zur Minimierung überprüft. Man setzt zunehmend recyclebare Materialien ein und nutzt für die Verpackungen möglichst kompostierbare und recycelbare Materialien. Petzl setzt stark auf die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren der Outdoor-Branche und ist Mitglied in verschiedenen Gruppen wie Environmental Watch Group und Sustainability Working Group de l’European Outdoor Group.

Bis 2015 waren bei verschiedenen Kletter- und Alpingurten die Ausgangsstoffe bluesign-zertifiziert. Mittlerweile ist Petzl zwar kein bluesign-Systempartner mehr, doch hat man nach eigener Aussage an den heutigen Gurtmodellen keine signifikanten Änderungen hinsichtlich der Umweltfreundlichkeit der Materialien vorgenommen.

Petzl-Foundation

Die Aufgabe der 2006 gegründeten Petzl-Stiftung ist, Projekte zu unterstützen oder zu initiieren, die dem öffentlichen Interesse dienen. Die Prioritäten der Stiftung liegen bei Unfallverhütung, Naturschutz und wissenschaftlicher Forschung. Entsprechende Projekte sollen helfen, die menschlichen Aktivitäten in der Natur und deren Auswirkungen verträglich zu gestalten. Unter den weltweit zahlreichen Umweltschutz- und Forschungsprojekten widmen sich manche dem Erhalt gefährdeter Naturräume, manche der Schulung in den Bereichen Bergsport und Sicherheit und andere der Forschung zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Zu den wichtigsten Aktivitäten gehört die Förderung des Erhalts derjenigen Ökosysteme, die schwer zugänglich sind und deswegen oft faszinierend schöne „Playgrounds“ für Abenteuer bieten. Hier kommt der Gedanke des „Zurückgebens“ besonders zum Tragen.

Geschätzt etwa 100 Projekte, hauptsächlich in Frankreich aber auch in aller Welt, werden von der Petzl Foundation u.a. durch finanzielle Zuschüsse unterstützt. Die Beiträge umfassen durchschnittlich einige Tausend Dollar im Jahr, manche davon auch über mehrere Jahre ausgezahlt. In manchen Projekten wie dem „Yosemite Cleanup“ sind viele Freiwillige beteiligt, sodass die Sensibilisierung für Umweltthemen sicherlich auch eine öffentliche Breitenwirkung hat.

Wildtier-Projekt in den französischen Alpen

Alle Projekte werden auf der Petzl-Homepage detailliert vorgestellt. Beispielhaft sei hier das Projekt Biodiv’sports zum Schutz von Wildtieren in den französischen Alpen herausgegriffen. Es zeigt die Kartierung und Ausweisung von Wildschutzgebieten am Beispiel eines Hüttenzustiegs in der Belledonne-Kette bei Grenoble:

  • Projektpartner: Ligue pour la Protection des Oiseaux
  • Land: Frankreich
  • Projekttyp: Erhaltung der Umwelt
  • Budget: 3.000 € im Jahr 2018, 6.000 € seit 2017, 6.000 € für 2019 geplant

Ausgangspunkt des Projektes ist die Problemstellung, dass viele Wanderer und Bergsteiger die Artenvielfalt gern erhalten wollen, oft aber keine Informationen über Gebiete mit störungsempfindlichen Wildtieren haben. Das Biodiv’sports-Projekt will diese Informationen über Websites wie Camptocamp oder Geotrek vermitteln, die bei der Tourenvorbereitung oft konsultiert werden. Die sensiblen Gebiete werden in Zusammenarbeit mit Sportverbänden, Naturschützern und lokalen Landmanagern kartiert.

Eine Übersicht aller Stiftungs-Projekte, geordnet nach Kontinenten, findet sich hier unter diesem Link. 

Detaillierte Jahresberichte zu den Aktivitäten der Stiftung gibt es hier nachzulesen.

Maßnahmen für soziale Nachhaltigkeit

Petzl nach wie vor ein Familienunternehmen, dessen Kapital sich zu 100 Prozent in Familienbesitz befindet. Die Belegschaft besteht aus 750 Personen weltweit, von denen 500 in Frankreich arbeiten. Die Firma besitzt vier eigene Produktionsstätten, in denen 80 % aller Produkte gefertigt werden. Drei dieser Werke befinden sich in Frankreich, eines in Malaysia. Neben einem sehr hohen Qualitätsstandard gehört die Anstellung aller Mitarbeiter direkt beim Unternehmen zu den großen Vorteilen dieses Modells.

Die Produktionsbedingungen werden unter anderem durch einen Code of Conduct kontrolliert, den alle Lieferanten unterschreiben müssen. In ihm sind die sozialen und umwelttechnischen Anforderungen festgelegt. Zudem hat man Personal der NGO Human Ressources Without Borders ausgebildet, um regelmäßig die Zustände vor Ort zu überprüfen.

Fazit

Petzl gehört eher nicht zu den Unternehmen mit grünem Vorzeigeimage und strebt dieses auch nicht unbedingt an. Die einzelnen Ansätze der Nachhaltigkeit werden nicht zu einem einheitlichen Konzept gebündelt und sind demnach auch nicht sonderlich „vermarktbar“. Viele Petzl-Produkte erzielen auch eher „beiläufig“ einen guten Nachhaltigkeitswert aufgrund ihrer hohen Lebensdauer. Man hat aber durchaus mehr Nachhaltigkeitsaktivitäten vorzuweisen, als es für bloße Imagepflege nötig wäre.

Exped im Firmen- und Nachhaltigkeitsportrait

18. August 2021
Die Bergfreunde

Der Name Exped steht für ‚Expedition Equipment‘ und ziert die hochwertige Outdoor- und Campingausrüstung eines kleinen Herstellers mit Firmensitz in Zürich. Die Grundidee dieser Firma lautet: „Das maximale Naturerlebnis mit minimalen Mitteln!“. Umgesetzt wird sie mit einem Produktportfolio, das Zelte, Schlafsäcke, Isomatten, Rucksäcke, Packsäcke, Biwaksäcke, Hängematten, Ponchos und Zubehör umfasst. Diese Produkte, die Exped mittlerweile in 26 Ländern vertreibt, decken ein breites Outdoor-Spektrum ab – von der Wanderung im Schwarzwald bis zur Himalaya-Expedition.

Die Belegschaft von Exped besteht durchgehend aus enthusiastischen Outdoor-Praktikern, die kompromisslos und akribisch bis in die letzten Details an der Ausrüstung feilen. Mit dieser Herangehensweise machte man sich einen guten Namen in der Outdoorgemeinde und heimst in schöner Regelmäßigkeit die Preise der Branche und der Zeitschriften ein.

Geschichte

Das oben genannte Firmencredo haben die Exped-Gründer Heidi und Andi Brun eindrucksvoll vorgelebt, als sie während ihrer Flitterwochen 1981 neun Monate in der Wildnis Nordkanadas verbrachten. Die minimalen Mittel bestanden aus nicht viel mehr als einem Beil und einem Sägeblatt zum Blockhüttenbau sowie etwa 40 Prozent der für die gesamte Zeit benötigten Nahrung. Der Rest wurde eigenhändig gesammelt. Nach ihrer Rückkehr gründeten die beiden 1983 die Exped AG, die zunächst „nur“ eine Vertretung von namhaften Outdoormarken war. 1997 bringt Exped dann die ersten eigenen Outdoorprodukte auf den Markt.

Swissness: präzise, technikaffin, erfinderisch

Als typische „Swissness“ sieht man bei Exped das leidenschaftliche tüfteln und perfektionieren. Die Schweiz, so die Firmenhomepage, ist ein kleines Land, „angeflanscht an die Hänge der Alpen“. Sie „beherbergt sonderbare Leute. Es mag wohl an den langen Wintern, den 4 verschiedenen Kulturen oder den steilen Tälern liegen: da gedeihen manch verquere Ideen, die sich als verblüffend einfach und trotzdem vielseitig herausstellen. Hinzu kommt die verbissene Detailfixierung und so kommt dann mitunter ein ausgefeiltes Produkt heraus.“

Manchmal kommt sogar die Etablierung einer neuen Norm heraus, wie beispielsweise ein aussagekräftiger und vergleichbarer R-Wert für Isomatten. Dieses Beispiel für Exped‘sche Detailfixierung und Tüftelei haben wir hier im Basislager schon näher beleuchtet.

Die Nachhaltigkeit bei Exped

Exped achtet nach eigener Aussage seit Beginn auf die Nachhaltigkeit, da dies auf lange Sicht am wirtschaftlichsten und umweltfreundlichsten sei. Haltbarkeit, Zuverlässigkeit und Reparaturfähigkeit der Produkte stehen im Vordergrund. Als Grundvoraussetzung verwendet man die hochwertigsten verfügbaren Rohstoffe und Produktionsverfahren ein.

Ökologische Maßnahmen

Wo immer möglich wird dabei die ökologischste Variante genutzt. Allerdings sagt man bei Exped frank und frei, dass die Outdoor-Branche eine Art „Zweigbranche der Öl-Industrie“ sei und die synthetischen „Ölprodukte“ oft deutlich langlebiger sind. Um hier die richtige Balance zu finden, forscht man ständig nach Alternativen und setzt diese so weit wie möglich ein. So werden für die Herstellung der Exped Schlafsäcke vornehmlich Daunen aus artgerechter Produktion ohne Verfahren wie Lebermast oder Lebendrupf verwendet. Dabei ist und bleibt Daune das einzige Material tierischen Ursprungs in der Exped-Produktpalette. Bei den sonstigen Materialien erfüllt die Mehrzahl die Anforderungen des bluesign- oder des Ökotex-Standard. Dazu nun einige der Firmenhomepage entnommene Details:

  • 97% der Produkte verwenden Oeko-Tex 100 und/oder bluesign zertifizierte Stoffe im Hauptmaterial sowie in den Details wie Schnallen, Aluhaken und Reißverschlüssen.
  • Zeltgestänge und Heringe durchlaufen einen umweltfreundlichen Galvanisierungsprozess mit geschlossenem Wasserkreislauf.
  • Imprägnierungen sind zu 100% PFOA(C8)-frei und zu 85% komplett PFC-frei. Bis spätestens 2025 soll auch beim PFC 100% erreicht sein.
  • Seit 2021 sind alle Exped Schlafmatten via Myclimate CO2 kompensiert. Das Ziel ist, bis 2025 in allen Produkten klimaneutral zu sein. Für ein klimaneutrales Produkt werden alle klimawirksamen Emissionen entlang des Lebenszyklus’ von der Herstellung der Rohstoffe bis hin zum Gebrauch des Produktes und der anschließenden Entsorgung oder auch der Wiederverwertung berücksichtigt. Die so berechnete Menge an CO2-Äquivalenten (globales Erwärmungspotenzial) wird in hochwertigen myclimate-Klimaschutzprojekten reduziert.
  • Verpackungen sind auf ein Minimum reduziert, bestehen ausschließlich aus recyclebarem Karton und werden gesteckt statt geklebt. Für die Verpackung einiger Accessoires werden langlebige, wiederverwendbare Packbeutel mit Reißverschluss verwendet.

Soziale Maßnahmen

Die hoch spezialisierten Exped-Zulieferer und Partner sind in aller Regel Vorreiter in ihrer Branche, verfügen über viel Erfahrung und bieten ihren Belegschaften fortschrittliche Arbeitsbedingungen. Diese benötigen sie auch, um ihre führenden Positionen, die hohe Verarbeitungsqualität und ein konstantes, gut ausgebildetes Produktionsteam zu halten. Exped Mitarbeiter besuchen alle Fabriken regelmäßig und persönlich, um einen intensiven Austausch zu pflegen: „Indem wir unsere Hersteller und ihre Kostenstrukturen respektieren, glauben wir als kleine Marke mit beschränkten Mitteln mehr zu bewirken als mit zeit- und kostenintensiven externen Social Audits.

Nachhaltigkeit der Beziehungen

Die Vorteile dieser in der Branche ungewöhnlichen Strategie sind das Vertrauen und die Konstanz, die sie in die Geschäftsbeziehungen bringen. Mit den meisten seiner Lieferanten pflegt Exped seit mehr als 10 Jahren eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Diese Konstanz ist wiederum förderlich für nachhaltige Entwicklungen in den Fabriken. Außerdem erstellt Exped seine Produktionsplanung stets in Absprache. Dadurch geraten Lieferanten nicht in ungeplanten Zeitdruck und können somit garantieren, dass keine Arbeit in unbekannte Produktionsstätten ausgelagert wird. Auch die Käufer und Endnutzer sieht Exped als Partner, die durch ihre Rückmeldungen zum gegenseitigen Vertrauen und zu Verbesserungen der Produkte beitragen.

Zu den weiteren Aktivitäten im ökologischen und sozialen Bereich gehören die Mitgliedschaft in der European Outdoor Conservation Association (eoca) und das Standing als soziale Arbeitgeberin. Sowohl am Standort Schweiz als auch in den USA, wo die Exped-Tochtergesellschaft aktiv ist, fördert und lebt man Gleichberechtigung und ökologische Verantwortung. Dazu gehört die CO2-neutrale Warenspedition ebenso wie der Ökostrom oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Mitarbeiter.

Ökonomische Maßnahmen

Die bereits erwähnte hohe Haltbarkeit und Qualität der Exped Produkte drückt sich auch in 5-Jahres-Garantie auf Material und Verarbeitung aus. Mängel oder Schäden, die durch normalen Gebrauch, durch Nachlässigkeit oder Unfälle passieren, repariert die hauseigene Reparaturabteilung professionell und kostengünstig. Das zuständige Team arbeitet dabei in den Exped-eigenen Werkstätten. Dabei werden Rückmeldungen und Statistiken gesammelt, die wiederum für Verbesserungen, Innovationen und noch langlebigere Produkte dienen. Zu den speziellen Werkzeugen gehören Mattenprüfmaschinen, mit denen auch das kleinste Leck gefunden wird. Es wird immer vorgezogen, ein Produkt zu reparieren, anstatt es wegzuwerfen.

Externes Screening

Um volle Transparenz nach innen und außen zu schaffen, ist Exped eine Partnerschaft mit GreenroomVoice eingegangen. GreenroomVoice ist eine unabhängige, kleine und gut vernetzte Organisation, die sich auf die Kommunikation und Vergleichbarkeit der Nachhaltigkeit von Outdoormarken spezialisiert hat.

GRV vergibt einen „Score“ in den drei Bereichen „Management“, „Commitment“ und „Products“, der anhand einer Würfelgrafik dargestellt wird. Daran lässt sich direkt ablesen, dass Exped im Bereich „Commitment“ drei von fünf Punkten, in den anderen beiden Bereichen vier von fünf erreicht hat. Insgesamt sind damit 11 von 15 möglichen „Nachhaltigkeitspunkten“ vergeben, was als sehr gutes Ergebnis gilt. Was es im Detail bedeutet und welche Methodik zu diesem Ergebnis geführt hat, kann man im Nachhaltigkeitsbericht zu Exped für 2020 nachlesen. Werfen wir einen kurzen Blick auf die drei genannten Bereiche, um den Zahlen etwas Leben einzuhauchen und mit einem plastischen Gesamteindruck abzuschließen:

Im ersten Bereich, dem „Brand Management“ schaut GRV auf alle Themen, die vom Management der Marke direkt gesteuert und in die Geschäfts- und Lieferkettenstrategie integriert werden. Dabei werden Zertifizierungen und Designprozesse ebenso bewertet wie der Rohstoffeinkauf, die Transportstrategie und die Emissionen.

Im Bereich des „Commitments“ werden Engagement und „proaktive Schritte“ der Firma bewertet. Dazu gehören geplante und durchgeführte Innovationen oder Anteile nachhaltiger Produktlinien ebenso wie Ökobilanzen und öffentliche Berichterstattung. GRV sucht hier nach Schlüsselindikatoren für das Engagement einer Marke in Sachen Verantwortung.

Im Bereich „Produkte“ nimmt GRV repräsentative Produkte aus dem Portfolio, um Aspekte wie Materialzusammensetzung, Lieferkette, Zertifizierungen, Garantie und Reparaturfähigkeit zu prüfen. Im Falle von Exped waren es sechs Produkte – vom Schlafsack bis zum Hammock Trekking Tarp, Expeds speziellem Paket aus Hängematte und Tarp.

Fazit: Im Unterschied zu Branchengrößen wie Patagonia, Marmot oder Jack Wolfskin ist Exped als kleine Mittelstandsfirma außerhalb der „Outdoorszene“ kaum bekannt. Unter den „Eingeweihten“ wiederum gilt sie als typisch schweizerische Edelschmiede mit technisch ausgereiften und soliden Sachen, die aber nicht als speziell nachhaltig wahrgenommen werden. Was nicht daran liegt, dass in dieser Hinsicht nichts los wäre, sondern daran, dass man in Zürich wenig Getöse darum macht. Die Energie fließt zielgerichtet in Maßnahmen und weniger in deren werbewirksame Vermarktung. Das passt gut ins Bild, denn Exped spricht ohnehin ein Interessenten- und Käufersegment an, das von sich aus genauer hinschaut und in der Lage ist, die Zeichen für Qualität und Nachhaltigkeit zu erkennen.

Alpinklettern – Ausrüstungstuning für erfahrene Bergfreunde

13. August 2021
Tipps und Tricks

Klar, Alpinklettern findet irgendwo draußen in den Bergen statt, in großen Wänden, an langen Felsgraten. Aber eben nicht nur: Ein wesentlicher Teil des Spiels passiert woanders. Gemeint ist hier nicht nur die gewissenhafte Vor- und Nachbereitung konkreter Touren, sondern vielmehr die Bereitschaft, gedanklich tief in die Welt der Berge und des Kletterns einzudringen. Klingt das zu theoretisch? Hoffentlich nicht, denn es ist extrem wichtig, sich auch mit dieser Seite des Bergsports zu befassen.

Die Idee hinter diesem Beitrag

Dieser zweiteilige Beitrag richtet sich an Alpinkletterer, die bereit sind, bisherige Ansätze zu überdenken – und die verstanden haben, dass die Thematik zu komplex ist für starre Regeln. Seid ihr an der berühmten Lehrmeinung oder an den simpelsten Lösungen interessiert? Dann seid ihr hier wahrscheinlich nicht an der richtigen Stelle!

Die Idee hinter diesem Beitrag: Ich möchte ein paar Anregungen geben, die hoffentlich dazu führen, dass ihr auf einem insgesamt besseren Niveau in den Bergen unterwegs seid – effizienter, risikobewusster, selbstkritischer.

Um den Rahmen nicht zu sprengen, gehe ich nur auf einzelne ausgewählte Themen ein – insbesondere auf solche, an die man vermutlich nicht als erstes denken würde und über die bisher auch weniger geschrieben wurde.

Teil 1: Ausrüstung

Teil 1 dieses Beitrags widmet sich dem Thema Ausrüstung. Ein allzu starker Fokus auf dieses Thema ist meines Erachtens nicht zielführend. Allerdings geht’s hier primär um taktische und sicherheitstechnische Aspekte – und ich denke, dass dieses Thema einen guten Einstieg darstellt.

Achtung!

Alpinklettern ist gefährlich! Alle Anleitungen, Beschreibungen und Empfehlungen in diesem Beitrag erfolgen selbstverständlich nach bestem Wissen und Gewissen. Vieles liegt jedoch im großen Graubereich zwischen Sicherheit und Effizienz. Manches entspricht wohl nicht den Herstellervorgaben zum Einsatz der Ausrüstung. Jeder Anwender muss für sich entscheiden, welche Techniken er überblicken und verantworten kann.

Weder der Autor noch Bergfreunde.de können haftbar gemacht werden für eventuelle Nachteile oder Schäden, die aus den Informationen dieses Beitrags resultieren.

Wichtige Teile aus der zweiten Reihe

Wahrscheinlich denken wir beim Thema Kletterausrüstung hauptsächlich an Seil, Gurt, Helm, Schuhe und diverse Hardware. Hier werfen wir aber einen Blick auf andere Teile:

Leichte Zustiegsschuhe

Die Devise bei der Auswahl des richtigen Schuhwerks für Zu- und Abstieg: So wenig wie möglich! Klar, Sicherheit steht an erster Stelle. Laufschuhe sind im hart gefrorenen Altschneefeld suboptimal. Nur wären ausgelatschte Wanderstiefel ebenfalls suboptimal, wenn es eigentlich ein Eisgerät oder Steigeisen bräuchte.

In der Praxis lässt sich mit guten Trailrunningschuhen mehr machen, als man denkt – Vorsicht allerdings auf glatten Granitplatten oder ähnlichem: mit dem typischen Stollenprofil kommt man hier schnell in „Schwimmen“! Im felsigen, technisch schwierigen Gelände also besser auf leichte Approachschuhe mit flacher Sohle und guter Kantenstabilität setzen. Außerdem hilfreich sind stabile (!) Schlaufen zum Anhängen der Schuhe.

Faltstöcke

Für längere oder auch schnelle Zustiege gehören hochwertige, leichte Faltstöcke zum wichtigsten Handwerkszeug. Ideal sind Modelle mit Fixlänge, also ohne die Möglichkeit, die Länge zu variieren. Für rein sommerliche Aktionen reichen Micro-Teller, für einen vielseitigeren Einsatz (Zustiege im Schnee, Hochtouren) sollte man Stöcke mit austauschbaren Tellern wählen.

Rucksack

Die „Nose“ am El Capitan kletterten Flo und ich mit einem einzelnen 16-l-Rucksack. Dieses Beispiel zeigt, dass es für große Touren nicht zwangsläufig große Rucksäcke braucht. Etwas vereinfacht dargestellt gehe ich beim Packen folgendermaßen vor:

Erste Überlegung: Mit welchem Rucksack am Rücken lässt sich die jeweilige Route gut klettern? Oder: Welcher Rucksack würde am wenigsten stören? Mir ist beispielsweise eine kurze Rückenlänge wichtig, damit ich uneingeschränkten Zugriff auf den Chalkbag habe. Und: Wie robust sollte das Material sein? Geht’s durch Kamine oder wird gar gehault?

Zweite Überlegung: Wie müssen wir uns organisieren, um den Materialtransport hinzubekommen? Kommt man nach einer Klettertour zurück zum Einstieg, ist es eine gute Lösung, mit drei Rucksäcken zu planen: zwei größere für den Zustieg und einen zusätzlichen, deutlich kleineren für die Wand. Oder mit einem kleineren und einem größeren Rucksack zusteigen und den größeren am Einstieg zurücklassen.

Wird nichts am Einstieg zurückgelassen und dementsprechend das gesamte Material durch die Wand getragen, sollte man versuchen, mit ein bis zwei möglichst kleinen Rucksäcken auszukommen.

Wichtig ist eine zuverlässige Schlaufe, zum Anhängen des Rucksacks. Die vorhandene Trageschlaufe sollte man im Zweifelsfall zuhause mal testen, also ordentlich belasten, oder sie irgendwie verstärken! Zum schnellen Anhängen am Standplatz fixiere ich an der Trageschlaufe eine kleine Schlinge mit Karabiner.

Unnötigen Schnickschnack am besten entfernen. Irgendwann sollte man wissen, welche Ausstattung man braucht – und den Rest dann entsorgen. Bei Mini-Rucksäcken (Bereich 12 l) am besten auch den Bauchgurt abtrennen. Bei größeren Modellen die störenden Hüftflossen entfernen. Ein dünner Bauchgurt reicht aus!

Dünne Lederhandschuhe

Dünne Lederhandschuhe mit gutem Griffgefühl haben sich im alpinen Gelände oft bezahlt gemacht: für Zu- und Abstiege (Altschnee, Fixseile, Schrofen, scharfer Fels, …), das Sichern und Abseilen und natürlich auch als Kälteschutz. Also mitnehmen!

Wasserflaschen

Für sommerliche Tagestouren keine fetten Bomben – besser kleinere Flaschen verwenden. Beispiel: anstelle der klassischen 1-l-Nalgene zwei gewöhnliche 0,5-l-PET-Flaschen mit selbstgebastelter Aufhängung. Ist eine solche Flasche leer, kann man sie plattdrücken und gewinnt Volumen im Rucksack. Sollte ein Flasche verloren oder kaputt gehen, hat man noch eine zweite.

 

Längenverstellbare Selbstsicherungsschlinge

Alles mit dem Seil lösen? Sollte man können und gleichzeitig vermeiden. Eine am Gurt installierte längenverstellbare Selbstsicherungsschlinge bringt in den unterschiedlichsten Situationen enorme Vorteile.

Mittlerweile gibt es interessante Modelle, bestehend aus einem Seilstück (gutes Energieaufnahmevermögen) und einer Seilklemme für die Längenverstellung. Mit der Zeit wird man sich mit dem Umstand arrangieren, dass sie „im Weg“ sein kann (ich stecke die Seilschlaufe meiner Selbstsicherungsschlinge beim Klettern in die Beinschlaufe, wo sie nicht groß stört).

Achtung: Es gibt ähnliche Konstruktionen aus Bandmaterial, die aufgrund niedriger Bruchlasten nicht als Selbstsicherungsschlingen verwendet werden dürfen!

Keile und Cams

Viele Routen lassen sich gut mit mobilen Sicherungsmitteln absichern. Je nach Gesteinsart und äußeren Bedingungen kann der Einsatz von Keilen und Cams allerdings auch ernüchternd sein: Man bringt einfach nichts unter, und wenn doch, dann hält das Zeug (wahrscheinlich) nicht. Dafür kostet das Anbringen der Sicherungen Zeit und Kraft und bringt letztendlich nur zusätzliche Seilreibung.

Was also tun?

  1. Wir brauchen ein gutes Verständnis für die Funktionsweise unseres Materials, viel Routine in der Anwendung und – ganz wichtig – den Blick für geeignete Placements. Also im Klettergarten üben, inklusiv Teststürzen (natürlich hintersichert und nur dort, wo keine Beschädigung der Routen zu befürchten ist).
  2. Wir sollten die Eigenheiten verschiedener Gebiete bzw. Gesteinsarten kennen. Welche Geräte funktionieren besser oder schlechter? Ist bekannt, dass Cams nicht halten, weil der Fels sehr glatt ist? Braucht es spezielle Cams, die besser in Löcher passen?
  3. Ums Material kümmern: alles regelmäßig checken, Cams schmieren, Drähte von Klemmkeilen zurechtbiegen usw.
  4. Es braucht eine gute Organisation des Materials am Gurt:

    • Nicht zu viele Keile in einem Karabiner. Im Zweifelsfall zwei Bündel: eins mit den großen Keilen, eins mit den kleinen. Klemmkeilentferner separat, mit eigenem (kleinen) Karabiner.
    • Jeder Cam bekommt seinen eigenen, farblich passenden Karabiner. Cams und Keile am Gurt ordnen (z. B. alle Cams eines Typs auf einer Seite, kleine vorne, große hinten).
  5. Wer traditionelles Alpinklettern auf einem höheren Niveau betreiben will, sollte über folgendes Material nachdenken, um seine Möglichkeiten zu erweitern und seine Sicherheit zu erhöhen:
    • Ein paar Aliens oder vergleichbare Klemmgeräte (z. B. DMM Dragonfly oder Metolius Master Cam). Für den typischen Einsatz beim Alpinklettern sind m. E. Größen ab 7 kN angegebener Bruchlast interessant.
    • Die kleinsten Ausführungen oder auch Offset-Varianten können natürlich goldwert sein, primär aber bei sehr schwierigen Granitrouten, Techno-Routen usw. (pauschale Empfehlungen sind schwierig).
    • Ein paar Totem Cams, insbesondere die mittleren Größen (lila, grün und rot).

    • Ein paar Tricams für feuchte, dreckige oder unregelmäßige Risse sowie für kleine Löscher. Ja, das Legen und Entfernen ist etwas mühevoll… aber wenn sonst nichts geht!
    • Offset-Keile. Empfehlung: DMM Offset Nuts sowie DMM Brass Offsets Gr. 4 bis 6. Im Sommer sind sie immer wieder einmal Cams überlegen. Entscheidend ist auch hier die Option der Offset-Positionierung. Bei Bedarf kann man sie zusätzlich mit dem Hammer festklopfen.
    • Ein paar längere Exen (25 cm Schlingenlänge) – die zusätzliche Schlingenlänge macht sich am Klettergurt nicht bemerkbar, der Effekt kann aber enorm sein!
  6. Akzeptieren, dass in gewissen Bereichen mit Hammer und Haken gearbeitet werden muss.

Hammer und Haken

Sind Felshammer und Normalhaken für dich unbekannte Wesen oder Relikte vergangener Zeiten? Dann solltest du deinen Standpunkt noch einmal überdenken. In den klassischen Routen der Dolomiten oder des Sarcatals beispielsweise sind Normalhaken nach wie vor Sicherungsmittel Nummer eins, Alpenweit spielen sie bei der Absicherung von Abenteuerrouten eine entscheidende Rolle.

Hängt unser Leben von ein paar Haken ab, die irgendjemand irgendwann einmal in die Wand gedroschen hat, dann sollten wir das nicht als Schicksal verstehen. Vorhandene Normalhaken kann man mit einem Felshammer prüfen und möglicherweise auch nachschlagen.

Führt man auch nur eine kleine Auswahl an Haken mit, erweitert dies die Optionen enorm, insbesondere beim Standplatzbau und beim Einrichten von Abseilstellen. Darüber hinaus kann der Felshammer als Allround-Werkzeug verstanden werden: zum Festklopfen von Klemmkeilen, fürs Ausräumen von Rissen, zum Stufenschlagen im Eis und für vieles mehr.

Welche Haken sollte man mitführen?

Für eine moderate Felsroute in den Dolomiten würde ich beispielsweise ein bis zwei Knifeblades, einen mittleren Fichtelhaken und vielleicht noch einen mittleren V-Profilhaken einpacken – also insgesamt nur zwei bis vier Haken.

Für eine Aktion im Granit statt dem Fichtelhaken beispielsweise einen dünnen Z-Profilhaken. Da Normalhaken vergleichsweise schwer sind, machen manche Typen und Größen mehr Sinn als andere. Ein Beispiel: Statt massiven Hartstahl-Schmiedehaken sollte man beim klassischen Alpinklettern besser dünne Profilhaken verwenden.

 

Empfehlenswert sind Haken mittlerer Länge. Sollten sie einmal zu lang sein, kann man sie meist mit einer dünnen Bandschlinge abbinden. Bei geschlossenem Fels halten „Beaks“ wie die Peckers von Black Diamond in der Regel am besten. Ab der Größe 2 (mittlere Größe) sind diese Haken nach meinen Erfahrungen auch zum Halten von größeren Stürzen geeignet.

Wenig hilfreich sind übrigens die gängigen Empfehlungen bzgl. Hakentyp (Hartstahl/Weichstahl) und Gestein sowie Einstecktiefe vor dem Einschlagen. Zwar sollte man in hartem Gestein wie Granit oder Gneis Hartstahlhaken einsetzen, viel mehr lässt sich pauschal allerdings nicht sagen. Stattdessen gilt: Übung macht den Meister.

Das Setzen von Normalhaken beinhaltet logischerweise eine große handwerkliche Komponente und verlangt ein gutes Gespür für die Materie. Sucht euch Felsen, wo ihr keinen größeren Schaden anrichten könnt und es niemanden stört, und macht euch an die Arbeit!

 

Welches Seil für welchen Zweck?

Die Eigenschaften des Seils spielen eine große Rolle. Gleichzeitig handelt es sich beim Seil um einen Verschleißartikel – es muss zwangsläufig hin und wieder ein neues erworben werden. Daraus folgt: unbedingt mehrgleisig fahren! Um das Feld etwas einzugrenzen, bleiben wir thematisch beim Mehrseillängen-Felsklettern. Und um es nicht zu kompliziert zu machen, nähern wir uns dem Thema mit ein paar Beispielen an (ausgehend von einer 2er-Seilschaft, sofern nicht anders beschrieben):

  1. Die Leichtkletterei: Eine lange Route mit einfacher Kletterei, teils gesichert, teils seilfrei.
    Hier bietet sich ein dünnes 50-m-Einfachseil an. Hintergrund: Mit einem solchen Seil gehen die Sicherungsmanöver einfacher von der Hand und es lässt sich für die Passagen mit ungesicherter Kletterei schneller aufnehmen und stört weniger. Mein Standard-Seil dafür: Edelrid Swift 8,9 mm. Ergänzend kann eine Rapline für längere Abseilstrecken mitgeführt werden.
  2. Die klassische Alpinkletterei: Eine Route mit gemischter Absicherung, möglicherweise schwieriger Zu- und Abstieg, der gewisse Seilmanöver erfordert.

    Um in dieser Situation flexibel zu sein, kommen moderne, nicht zu dicke Halbseile mit 50 m Länge zum Einsatz. 60-m-Seile gingen natürlich auch. Nur: weshalb sollte man sich das antun? Viele Seilschaften sind unter anderem deshalb langsam, weil sie sich mit unnötig langen Seilen herumschlagen. Mein Allround-Seil dafür: Edelrid Apus 7,9 mm. Mit diesem Seil lassen sich diverse sicherungstechnische Ansätze vernünftig umsetzen!

  3. Alpinklettern in der 3er-Seilschaft:
    Es wird komplizierter: Je nach Gelände, Körpergewicht der Nachsteiger und weiteren Faktoren (Kletterkönnen, Eigenverantwortung, …) sollten Halbseile mit einem größeren Durchmesser verwendet werden. Es geht hier primär um die Sicherheit der Nachsteiger bei einem möglichenKanteneinfluss im Sturzfall. Aber auch die psychologische Wirkung des Seildurchmessers sollte nicht unterschätzt werden. Es gilt also gut abzuwägen und sich im Team für eine Option zu entscheiden. Als Bergführer setze ich öfters auf die Kombination eines dünnen Einfachseils und eines kräftigen Halbseils (8,5 mm), um in gewissen Situationen variabler zu sein.

    Mit dieser Lösung habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht, und ich denke, dass sie auch unabhängig von der Führungs-Situation vorteilhaft sein kann. Eine leichte Lösung sind die neuen Starling Protect Halbseile (8,2 mm) von Edelrid. Deren Seilmantel ist mit Aramid-Fasern verstärkt, wodurch sich die Schnittfestigkeit an Felskanten deutlich erhöht!

  4. Die alpine Sportkletterei: Eine längere Route mit guter Bohrhakenabsicherung. Tendenziell höhere Schwierigkeitsgrade, mitunter auch lange Seillängen mit bis zu 60 m Länge.
    Hier bieten sich 60-m-Zwillingsseile an. Moderne Zwillingsseile wie z. B. das Edelrid Skimmer 7,1 mm sind zwar als auch als Halbseil zertifiziert, persönlich ordne ich sie aber nach wie vor als Zwillingsseile ein und verwende sie beim Felsklettern aus verschiedenen Gründen nicht als Halbseil.

    Aber: Bringen diese ultradünnen Seile überhaupt nennenswerte Vorteile? Ich würde sagen: ja, auf jeden Fall! Gerade leichtere Kletterer profitieren enorm vom geringeren Seilgewicht und dem dadurch reduzierten Seilzug. Auch funktioniert die Halbmastwurfsicherung bei dünnen Doppelseilen deutlich besser. Und wer insgesamt auf leichtes Material setzt, findet bei insgesamt 120 m Seil viel Sparpotential. Allerdings braucht es unbedingt ein Sicherungsgerät mit ausreichender Bremskraft!

  5. Moderates Gelände (mit Fußabstieg): Eher kürzere Routen mit gut überschaubarem Gesamtanspruch.Persönlich klettere ich in einem solchen Gelände am liebsten mit einem 60 m langen, mitteldicken Einfachseil (z. B. 9,8 mm) mit gutem Handling (nicht zu steif). Im Falle eines Rückzugs muss man mit 30 m Abseillänge klarkommen, was wahrscheinlich bedeutet, dass man nicht immer von Stand zu Stand kommt.

    Man sollte also in der Lage sein, Fixpunkte zu bewerten und ggf. Abseilstellen einzurichten. Warum kein Doppelseil? Mit dem Einfachseil läuft’s einfach besser und macht mehr Laune.

  6. Überhängendes, schwieriges Gelände: Es geht in Richtung Freikletter-Bigwall, wobei die Wände gar nicht so hoch sein müssen.Entscheidend ist, dass Vor- und Nachsteiger nur mit dem Nötigsten am Gurt und ohne Rucksack klettern können. Geklettert wird mit einem mitteldicken Einfachseil (z. B. 9,8 mm) mit gutem Handling (nicht zu steif). Das Gepäck wird mit einem zweiten, dünnen Seil oder einer speziellen Leine nachgezogen.
  7. Besonders lange Routen, Enchaînements, und schnelle Begehungen: Schnelle Seilmanöver wie auch das Simultanklettern (mit Seilklemmen als Rücklaufsperren) erfordern den Einsatz eines Einfachseils. Länge und Durchmesser müssen auf die jeweilige Route abgestimmt sein. Wichtig ist, dass das Zusammenspiel von Seil und Sicherungsgerät(en) sowie Seilklemmen perfekt

    funktioniert! Nicht nur bei erhöhter Gefahr durch Felskanten empfiehlt sich ein etwas kräftigeres Seil bzw. ein Seil mit einem stärkeren Mantel (z. B. Edelrid Swift Protect 8,9 mm). Auf jeden Fall sollte der Mantel des Seils in einem guten Zustand sein! Ergänzend kann eine Rapline für längere Abseilstrecken sinnvoll sein.

Massagepistolen – Die Geheimwaffe für Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden?

6. August 2021
Tipps und Tricks

Seit dem Siegeszug der Faszienrollen und neuster Ergebnisse aus der Forschung taucht auch im Freizeitsport immer stärker das Thema der myofazialen Selbsttherapie auf. Gleichzeitig treten in regelmäßigen Wellen neue innovative Werkzeuge zur Selbsttherapie auf den Markt, darunter auch die bohrmaschinenartigen Massagepistolen.

Sie werden im Zusammenhang mit Regeneration und als einfaches Mittel für Zuhause beworben. Klar ist: Regenerationsmaßnahmen stellen einen essenziellen Faktor für jedes Training dar! Aber Massagepistolen sollen nicht nur bei der Regenerationsförderung helfen, sondern auch vor und während dem Training zur Leistungssteigerung angewendet werden können.

Treffen diese Aussagen bei dir auf ein hohes Interesse, musst du aber für die qualitativ hochwertigen Geräte zur Behandlung von Muskelbeschwerden etwas tiefer in den Geldbeutel greifen. Langfristig könnte das im Vergleich zu einer regelmäßigen professionellen Massage aber preiswerter sein. Es stellt sich also unweigerlich die Frage, ob die versprochenen Effekte überhaupt eingehalten werden können? Die Antwort darauf findest du in diesem Artikel.

Myo… was? – Myofazial

Die myofasziale Therapie ist eine vergleichsweise junge Therapieform. Der Begriff beschreibt die Behandlung von Muskeln und Faszien. Das Fasziengewebe liegt um die Muskulatur und um die einzelnen Muskelstränge herum. Es umhüllt jedes Organ und jeden Muskel. Eine oft genannte Metapher ist hierfür der weiße Anteil einer Orange.

Die Theorie hinter der Therapie lautet: Durch die Belastung beim Sport oder auch durch lange einseitige Belastungen, wie langes Sitzen, können diese Faszien verkleben bzw. verspannen. So wie man es auch kennt, wenn man sich den Hals nachtsüber verlegen hat. Diese schmerzhaften Punkte werden Triggerpunkte genannt. Eine Folge davon ist die Reduktion der Leistungsfähigkeit und der Beweglichkeit des Muskels. Entsprechend helfen Massagen dabei diese Verklebungen und Verspannungen lösen und damit die Leistungsfähigkeit und die Beweglichkeit wiederherstellen.

Ob diese Form der Therapie, speziell die Triggerpunkttherapie, aber wirklich wirksam ist, ist in der Fachwelt noch umstritten.

Was ist eine Massagepistole und wie soll sie wirken?

Die Entwicklung der Massagepistole schließt an bereits bekannten Therapiemitteln an und erweitert diese. Sie ist ein handliches, elektronisches Gerät, das viele schnelle Schlagimpulse erzeugt, die bei der Selbstmassage in das Gewebe übertragen werden. Die schnell aufeinanderfolgenden kraftvollen Schläge sollen die Muskulatur lockern und bestehende Verklebungen lösen. Die Schlagbewegungen, Perkussionen genannt, können je nach Modell eine Frequenz von bis zu 24000 Schlägen pro Minute erreichen und Kräfte von 13 bis 27 kg erzeugen.

Sie sollen tief in die Muskulatur dringen und damit besonders wirksam sein. Für die Selbstmassage erlaubt die pistolenartige Bauform eine gute Handlichkeit und mit dem passenden Massagekopf können auch kleinere Muskelareale mit hoher Präzision gezielt behandelt werden. Das Grundprinzip dahinter entspricht professionellen Massagetechniken, bei denen Masseure mit ihren Fäusten, Ellenbogen oder mit Hilfsmitteln viele Schläge mit mehreren Kilogramm Kraft auf bestimmte Muskelverspannungen ausführen und entspannende Effekte erzeugen.

Welche Effekte kann eine generell Massage auf den Körper haben?

Jeder der vielen Formen der Massage werden mehr oder weniger starke Effekte zugesprochen, die auch auf vielen theoretisch begründeten Effekten beruhen. Diese sind zum Großteil von praktischen Erfahrungen abgeleitet, da Massagen bereits seit mehreren Jahrhunderten angewendet und als positiv wahrgenommen werden. Auch die dahinterliegenden sportmedizinische Theorien geben sinnvolle Erklärungen für die Anwendung.

Aber wie genau wirkt eine Massage und wie weit sind diese Effekte wissenschaftlich nachvollziehbar und erwiesen? Beginnen wir mit dem was im Körper passieren soll und nehmen die Massagepistole anschließend genauer unter die Lupe.

Biomechanische Effekte

Wirkung:

  • Erhöhung der „Leistungsfähigkeit“
  • Verbesserung der Beweglichkeit

Der Druck, der bei einer Massage ausgeführt wird, hat zwei essenzielle Effekte auf die Muskulatur und die Faszien: Er ist in der Lage das Gewebe von „Verklebungen“ zu lösen, die sich durch die Belastung beim Sport oder auch durch lange einseitige Belastungen, wie langes Sitzen bilden. Eine Folge der Verklebungen ist die Reduktion der Leistungsfähigkeit des Muskels und der Beweglichkeit. Entsprechend soll eine Massage diese Verklebungen und Verspannungen lösen und damit die Leistungsfähigkeit und die Beweglichkeit wiederherstellen.

Der zweite Effekt wirkt auf bestimmte Rezeptoren der Muskulatur, den sogenannten Muskelspindeln. Ihre Aufgabe ist es, Längenänderungen des Muskels zu erkennen, um den Muskel vor Überdehnung zu Schützen. Bekannte Beispiele sind der Patellarsehneneffekt, der auftritt, wenn der Arzt mit einem kleinen Hammer knapp unter die Kniescheibe schlägt, oder das Stolpern über einen Stein: Die darauffolgende Beinstreckung wird von der Muskelspindel über einen monosynaptischen Reflex unwillkürlich ausgelöst. Bei der Massage ist dieser Effekt nicht so deutlich ersichtlich, aber dennoch vorhanden. Auf diese Weise wird die Reflexreaktion der Muskulatur aktiviert.

Physiologische Effekte

Wirkung:

  • Erhöhung der Muskel- und Hautdurchblutung und damit deren Temperatur
  • Erhöhung der Aktivität des parasympathischen Nervensystems
  • Ausschüttung von Entspannungshormonen
  • Reduktion von Stresshormonen

Auf der Ebene des Herzkreislaufsystems und der Hormone werden Effekte wie Erhöhung des parasympathischen Nervensystems und der Hormonregulation beschrieben. Die Erhöhung des Parasympathikus bewirkt eine Entspannung und damit verbunden wird eine verbesserte Regenerationsfähigkeit, zum Beispiel durch die Reduktion des Stresshormons Cortisol, erreicht.

Damit hat die Massage also eine insgesamt entspannende und stress-reduzierende Wirkung. An der behandelten Stelle erhöht der mechanische Druck zudem die Durchblutung der Haut und des massierten Muskels, worauf sich die Haut- und die Muskeltemperatur erhöhen. Eine wichtige Voraussetzung für die sportliche Leistungsfähigkeit.

Neurologische Effekte

Wirkung:

  • Schmerzreduktion
  • Reduktion der Muskelspannung und -verspannung

Der mechanische Druck durch die Massage soll nicht nur auf das Gewebe wirken, sondern wird auch damit assoziiert das Nervensystem anzuregen beziehungsweise zu beruhigen. Dies soll lokal am Muskel und im gesamten Körper beruhigende Effekte hervorzurufen. Dies geschieht aufgrund der Reduktion der neuromuskulären Erregbarkeit, des Schmerzempfindens und von Muskelspannungen.

Psychologische Effekte

Wirkung:

  • Entspannung
  • Angstreduktion

Die Entspannung durch eine Massage führt auch zu einer psychischen Entspannung und zur Angstreduktion. Damit hat es auch einen Effekt auf die Erholung nach dem Sport. Wobei wir uns hier auf Studien mit professionellen Masseuren beziehen, die natürlich anders mit dem Massierten interagieren als die Massagepistole. Woher die psychische Entspannung herkommt, ist noch zu klären.

Welche Effekte kann ich mir von der Pistole erwarten und ist sie für mich geeignet?

Zu Beginn des Artikels stellte sich mir die Frage: „Wie finde ich jetzt heraus, was man sich jetzt von der einer Massagepistole in Bezug auf die oben genannten Effekte erwarten darf? Das ist doch ein Berg an Studien!“.

Glücklicherweise wurde Anfang 2021 eine Übersichtsarbeit veröffentlicht, welche diesen Berg bereits erklimmen konnte. Die Ergebnisse sind für uns ambitionierten Bergfreunde sehr interessant. Wie jede Studie kann sie sich aber nur auf bestimmte Aussagen festlegen.

Folgende Effekte der Massagepistole konnten gut bis sehr gut festgestellt werden:

  • Verbesserung der Beweglichkeit
  • Erhöhung der Muskeltemperatur
  • Reduktion von DOMS, besser bekannt als Muskelkater

Die Aussagen der verbesserten Beweglichkeit lassen sich in dem Fall allerdings nur auf die unteren Extremitäten reduzieren, da bisher keine Studien für den Oberkörper durchgeführt bzw. in der Übersichtsstudie nicht eingeschlossen wurden. Eine weitere zentrale Erkenntnis ist, dass die Verbesserungen durch Anwendung mit der Massagepistole besser ausfallen als bei anderen Anwendungen, wie zum Beispiel beim Foamrolling.

Die Ergebnisse zur Reduktion des Muskelkaters sprechen vor allem für die Anwendung nach einer besonders Intensiven oder neuartigen Belastung. Das bedeutet für dich, dass du schneller wieder ins Training einsteigen kannst, um schneller weitere Fortschritte zu erzielen. Die Aussagen über eine verbesserte Muskelaktivierung, besonders beim Warm-Up, konnten nicht bestätigt werden. In gleicher Weise wurde keine Steigerung der Kraftfähigkeit durch die Perkussionstherapie gefunden.

Wie du schon gelesen hast, soll eine Massagepistole nicht nur zur Regenerationsförderung wirksam sein, sondern auch zur Schmerzlinderung und Entspannung. Schlussendlich ist sie damit für “jeden” geeignet, denn Entspannung ist immer eine Wohltat und wer morgens schon mal mit einem verspannten Nacken verlegen hat, ist um Schmerzlinderung froh. Für die ambitionierten kann die Investition in die Massagepistole viel wert sein, um die Leistungssteigerung zu unterstützen.

Doch wie in diesem Artikel beschrieben, sind die Effekte der Massagepistole noch nicht zur Gänze wissenschaftlich nachgewiesen. Wenn du aber eine Massagepistole ausprobierst und der Überzeugung bist, dass sie dir Hilft, dann kann dieses Gerät für dich genau das richtige sein.

Wann geht die Massagepistole nach hinten los und wann trifft sie ins Schwarze?

Wie auch andere Massagetools soll die Perkussionstherapie vor, während und nach dem Training effektiv angewendet werden können. Zur jedem der Zeitpunkte sollen bestimmte Effekte erzielt werden, wollen jedoch auch in Bezug die kommende Belastung sensibel angepasst sein, damit die gewünschten Ziele auch wirklich erreicht werden und die Verletzungsgefahr nicht ansteigt.

Die Massagepistole vor dem Sport

Ein Aufwärmen ist selbstverständlich notwendig, um die Muskulatur auf die Belastung vorzubereiten. Doch ist die Massagepistoledafür geeignet? Positive Effekte bei der Nutzung von Faszienrollen beim Aufwärmen auf die Beweglichkeit sind bestätigt und das ohne die Leistungseinbußen, die beim statischen Dehnen bekannt sind. Schon hier waren die Rollen mit Vibrations-Funktion der normalen überlegen, und die Massagepistolen konnten noch bessere Effekte aufzeigen. Wahrscheinlich ist der Effekt der höheren Präzision der Anwendung zuzuschreiben, da die kleinen Massageköpfe sehr gezielt auf bestimmte Muskeln angewendet werden können. Weitere Effekte auf die Leistungssteigerung sind noch nicht ausreichend gesichert.

Die Massagepistole während des Sports

Hier halte ich mich kurz, schon einmal einen Profisportler auf dem Platz bei einer intensiven Selbstmassage gesehen? Zugegeben, ihnen fehlt meist auch die Zeit dafür. Aber es existieren leider auch keine ausreichenden Hinweise, dass eine Behandlung zwischen kurzfristig aufeinanderfolgenden sportlichen Leistungen der Aufrechterhaltung der Leistung dienlich ist. Aber vielleicht gibt es in naher Zukunft aussagekräftige Ergebnisse. Die Hersteller versprechen zumindest diese Effekte.

Die Massagepistole nach dem Sport

Nach dem Sport zeigen sich Massageanwendungen schon lange als effizient und sind in Bezug auf die Reduktion von Muskelkater nachgewiesenermaßen hilfreich. Welche Massagetechnik besonders wirksam ist und wie sie jeweils Wirken ist noch nicht ausreichend untersucht. Das bedeutet: auch hier ist die Massagepistole eine wirksame Anwendung zur Reduktion der durch den Muskelkater verursachten Schmerzen.

Der Reduktion der Muskelfunktionen nach dem Training kann eine Massage, nach aktuellem Stand, jedoch nicht entgegenwirken. Der Körper benötigt eben Zeit, um sich wieder zu regenerieren.

Wann sollte ich eine Massagepistole nicht benutzen?

Wie dir sicher bekannt ist, macht die Dosis das Gift, und diese ist von vielen Faktoren abhängig. So kann die Massagepistole viele positive Effekte erzielen, aber bei einer falschen Anwendung auch negative. Für dich als Anwender bedeutet das, dass du dich über die verschiedenen Anwendungsbereiche und Einstellungsmöglichkeiten gut informieren solltest. Wenn du als Sportler deinen Körper sehr gut kennst und ein gutes Körpergefühl ausgebaut hast, kann dir die Massagepistole durchaus helfen.

Als Laie mit geringer sportlicher und körperlicher Erfahrung ist dieses Gerät mit Vorsicht zu genießen. Solange du noch nicht merkst, was gut ist und was schlecht besteht die Gefahr, dass du eher Schaden anrichtest als förderliche Effekte erzielst.

Zudem solltest du sie nicht auf frischen Wunden oder Narben anwenden, das würde den Heilungsprozess nicht nur stören, sondern kann die Verletzung auch wieder öffnen. Eine Massagepistole ist zur Behandlung der Muskulatur gedacht und sollte nur auf Muskelgewebe angewendet werden.S tark knöcherne oder empfindliche Bereiche solltest du meiden. Ausnahmebehandlungen sollten hier ausschließlich von einem ausgewiesenen medizinischen Experten durchgeführt werden. Zudem gibt es noch weitere medizinische Gründe, vom Gebrauch abzusehen, wie zum Beispiel während der Schwangerschaft. Hierzu solltest du die Bedienungsanleitung deines Geräts genau durchlesen.

Lohnt sich die Anschaffung?

Wie in diesem Artikel bereits beschrieben, ist die Studien- bzw. Datenlage zur Wirksamkeit von Massagepistolen auf bestimmte Effekte eingeschränkt. Auch aufgrund der möglichen Studiendesigns kann nicht jede berichtete Wirkung direkt auf eine Massagetherapie oder einen Placebo-Effekt zurückführbar sein. Doch auch über den Placebo-Effekt gibt es bereits Studien welche aussagen Treffen, dass etwaige Placebos dennoch Wirksamkeit zeigen können.

Angesichts des langen geschichtlichen Hintergrunds der Massage und deren breiten Anwendung bis heute ist davon auszugehen, dass sie viele förderliche Effekte von der Entspannung und Regeneration bis zur Leistungssteigerung hat. So ist auch die Massagepistole zu interpretieren, hat sie auf dich einen wohltuenden Effekt über einen gewissen Zeitraum, kann die Anwendung sehr wohl für dich geeignet sein.

Sei dir aber bewusst, dass sie keine Wunderwaffe ist und gehe bei gesundheitlichen Problemen in die professionelle Behandlung. Falls sich die Massagepistole für dich nicht geeignet anfühlt, gibt es auch weitere zusätzliche Methoden zur Regeneration nach dem Sport und zum Aufwärmen vor dem Sport.

Alles neu?! Lead, Bouldern und Speed bei den Olympischen Spielen

5. August 2021
Die Bergfreunde

Das Sportklettern ist erstmalig eine olympische Disziplin. Die Covid-19 Pandemie hat vieles verschoben. Endlich haben die Qualifications stattgefunden. Wir haben für euch mit den Team-Ärzten Chris Lutter und Volker Schöffl gesprochen. Sie geben Einblick in die Situation in Tokyo, spannende sportmedizinische Erkenntnisse und einen Ausblick auf das heutige Finale. Das Gespräch wurde am 04.08.2021 geführt.

Wie ist es jetzt nicht vor Ort bei den Athleten dabei zu sein?

Chris Lutter: Es ist so, dass nur eine kleine Delegation geflogen ist. Coaches, DAV-Vertreter und Physiotherapeuten sind vor Ort. Wir bekommen viel über verschiedene Kanäle mit. Für Olympia ist es allerdings auch nicht ungewöhnlich, dass bei kleineren Teams kein eigener Arzt dabei ist. Manchmal ist es für die Athleten psychisch gut, wenn sie wissen, der Doc ist vor Ort. Doch in der Regel sind viele Ärzte anderer Sportarten da, die auch helfen können.

Wie haben sich Alexander Megos und Jan Hojer vor Ort vorbereitet?

Volker Schöffl: Das deutsche Team war viel früher da als viele andere Teams. Wir sind mit zehn Tagen Vorlauf angekommen. So hatten die Athleten eine gute Anpassungszeit, konnten trainieren und sind nicht in den Wettkampf reingestolpert. Dazu muss man sagen, dass wir auch eine Affinität zu Japan haben und oft in zehn oder 14-tägigen Trainingslagern in Japan sind. Die Hallen vor Ort sind sehr gut. Das hat sicherlich auch bei der Entscheidung mit reingespielt so frühzeitig anzureisen.

Chris Lutter: Ich denke auch, dass unser Team gut vorbereitet war und sich so auch gut an die Temperaturen gewöhnen konnte.

Die Hitze in Japan ist eine andere als in Deutschland. Die feuchte Luft und hohe Temperaturen wurden vielfach thematisiert. Haben die Temperaturen auch Einfluss auf den Wettkampf gehabt?

Volker Schöffl: Es ist ja in dem Fall für alle Athleten gleich. Alle müssen schauen, wie sie unter den Bedingungen zurechtkommen. Durchaus wird ja bei solchen Temperaturen auch draußen am Fels geklettert. Ernsthafte Probleme gibt es beim Sportklettern nicht. Speziell bei Alex Megos muss man ein bisschen schauen, da er eine sensible Haut hat, die natürlich durch den Sport und die Temperaturen mehr strapaziert wird.

Chris Lutter: Es ist schon lustig, zu beobachten wie unterschiedlich mit dem Temperaturmanagement umgegangen wird. Manche Teams haben sich Eiswesten- oder Hüte einfallen lassen, andere Pools. Ich denke auch, dass Klettern jetzt keine Sportart ist, bei der diese Bedingungen eine sehr extreme oder belastende Situation für den Körper darstellen.

Eine Verletzung hat die Qualifikation überschattet. Bassa Mawem hat sich den Bizeps abgerissen. Eigentlich ist das jetzt nicht so eine typische Kletterverletzung, oder?

Chris Lutter: Normalerweise passiert so eine Verletzung bei unvorhergesehener maximaler Kraftentwicklung. Natürlich ist es hier so, dass Bassa Mawem vor allem ein Speed-Kletterer ist und er viel auf Maximal- und Schnellkraft trainiert. Bei ihm ist nach unserer Beurteilung der Videoaufnahme die Bizepssehne im Ellenbogenbereich abgerissen; das haben wir sonst eher selten im Klettersport.

Doch durch das enorme Trainingsvolumen, das die beiden Brüder an den Tag legen, kann so eine Verletzung durchaus passieren. Es ist etwa so wie bei den 100 m Sprintern, die auch bei der langjährigen maximalen Belastungssteigerung früher oder später Muskelteilrisse, Muskelbündelrisse oder Muskelfaserrisse bekommen können. Teilweise ist es eben aber auch der Sehnenapparat der die enormen Belastungen nicht aushält und es hier zu Verletzungen kommt.

Führt das Combined-Format nicht auch eher zu Verletzungen? Die Athletinnen und Athleten müssen ja doch in Disziplinen antreten, die sonst nicht ihre Schwerpunkte sind.

Chris Lutter: Das können wir nur mutmaßen, da wir ja noch keine Daten haben. Natürlich haben wir Sportmediziner auch im Vorfeld gesagt, dass die Athletinnen und Athleten ein viel höheres Trainingsvolumen haben werden und zudem mehr und anders trainieren müssen – und das nicht nur in ihrem Spezialgebiet. Es kann sein, dass das durchaus einen Einfluss auf das Verletzungsrisiko hat.

Parallel zu den Olympischen Spielen hat das sportmedizinische Symposium „Olympic academic programme on sport medicine & sport physiotherapy“ stattgefunden. Am Montag habt ihr virtuell zusammen mit Carrie Cooper und Tomoyuki Rokkaku über charakteristische Verletzungen im Klettersport gesprochen. Welche aktuellen Erkenntnisse habt ihr vorgestellt?

Chris Lutter: Wir haben unsere aktuellsten Ergebnisse präsentiert. In einer Studie haben wir nur Leistungssport-Athleten einbezogen und untersucht, welche typischen Verletzungen auftreten. Da ist auffällig, dass diese abweichen von den Verletzungen der Hobby- und Freizeitkletterer. Beispielweise gibt es fast keine Frakturen, wie die klassische Fraktur des Sprunggelenks oder Wirbelbrüche bei Anfängern. Auch treten bei Athleten häufiger überlastungsbedingte Sehnenscheidverletzungen auf, sogar häufiger als die klassische Ringbandverletzung. Auch bei den Schulterverletzungen sind es vielmehr schulternahe-Bizepssehnenverletzungen anstatt des klassischen Impeachment-Syndroms.

Darüber hinaus war es auch sehr spannend im Austausch mit dem japanischen Wettkampfarzt Tomoyuki Rokkaku zu kommen. Rokkaku hat über Wachstumsfugenverletzungen gesprochen und da andere OP-Verfahren und Behandlungsmethoden vorgestellt.

In anderen Ländern spielt die Physiotherapie in der Sportmedizin wissenschaftlich eine große Rolle. Carrie Cooper ist da eine der Führendsten in der kletterspezifischen Physiotherapie. Hat Deutschland Nachholbedarf?

Chris Lutter: Momentan sind es vor allem Physiotherapeuten aus dem amerikanischen und britischen Raum, die viel publizieren. Doch auch hier in Deutschland gibt es sicherlich den ein oder anderen, der sich auch wissenschaftlich mit dem Sportklettern auseinandersetzt.

Volker Schöffl: Das Konzept bei uns ist ein ganz anderes als beispielweise in Amerika, Kanada oder Skandinavien. Dort ist Physiotherapie kein Lehrberuf, sondern wird genauso wie Medizin an Universitäten gelehrt. Physiotherapeuten machen dort genauso einen Doktor und sind quasi konservative Orthopäden. Bei uns hat der Lehrberuf noch einen großen Anteil und wir beginnen gerade erst mit der Umstellung.

Eine Frage zum Schluss: Wer gewinnt die Finals? Was ist eure Einschätzung?

Volker Schöffl: Das ist schwer vorherzusagen. Ich denke, dass der Japaner Tomoa Narasaki sehr gute Chancen hat oder auch der Amerikaner. Es durchmischt sich ja immer wieder. Durchaus kann auch Adam Ondra nochmal ganz anders in Form sein. Ähnlich wie bei anderen Kletterwettkämpfen lässt sich das nicht so leicht sagen.

Chris Lutter: Ja, das sehe ich auch so. Doch kann ich mir vorstellen, dass einer der Routinees gewinnt, vielleicht Adam Ondra oder Jakob Schubert.

Volker Schöffl: Ja, Jakob war gestern echt nicht gut in Form. Der brennt morgen auf jeden Fall gewaltig.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Titelbild: Screenshot Sportklettern im ZDF (03.08.2021)

Dein ständiger Begleiter für den täglichen Bedarf: das WC im Van!

28. Juli 2021
Tipps und Tricks

Fast jeder redet gern über leckeres Essen und Trinken – das Resultat gehört zwar genauso zur Mahlzeit dazu, aber die Anzahl der Personen, die gerne über ihre Ausscheidungen sprechen, ist deutlich geringer, als die, die von Vino, Pasta und Pizza schwärmt. Was im täglichen Leben in der Regel unauffällig und höchst persönlich am sogenannten „Stillen Örtchen“ geschieht, ist beim Camping und Vanlife manchmal nicht ganz so einfach zu erledigen.

Ich fahr doch keine Fäkalien mit mir im Auto herum.“

Manche Camper vertreten die Auffassung, dass ein Klo im Van nur überflüssige Platzverschwendung sei. Zum einen folgt diese Argumentation der Annahme, dass es ja quasi überall öffentliche Toiletten gibt, zum anderen scheinen auch manche zu denken, dass es ja kein Problem sei, wenn man seine Notdurft irgendwo in der Natur verrichtet. Wären alle Menschen gleichmäßig über die Landschaft verteilt, mag das sogar zutreffen.

Leider sind es aber oft die gleichen „versteckten Plätze“, die auf Wanderungen, an Kletterfelsen und hinter den Dünen am Surf-Strand zur inoffiziellen öffentlichen Toilette umfunktioniert werden. Dass es dort dann so aussieht, wie an vielen Autobahnparkplatzplätzen, ist bei der hohen Besucherdichte also kein Wunder.

Auch „Richtig in den Wald zu kacken“ will gelernt sein. Bergfreund Jörn hat dieses Thema schon vor längerer Zeit eingehend recherchiert und hier im Basislager ausführlich beleuchtet. Hier gibt es auch die passende Lektüre in vollem Umfang dazu. Natürlich ist es wichtig zu wissen, wie man im Ernstfall Erleichterung in einer Notlage verschafft und dabei möglichst wenig Spuren für die Nachwelt hinterlässt. Das sollte allerdings kein Freibrief sein, um sich nicht mehr mit dem Thema „WC im Van oder Wohnmobil“ auseinander setzen zu müssen.

Bad im Van bedeutet maximaler Komfort“

Je nach Van, Bus, Kastenwagen oder Wohnmobil fallen Art und Weise der Toilette sehr unterschiedlich aus. Ein größerer Kastenwagen vom professionellen Ausrüster oder ein klassisches WoMo verfügen meistens über ein eigenes Bad. Das ist zwar nicht sehr groß, aber es bietet in der Regel Platz für ein WC, ein Waschbecken und ist oft sogar als Dusche verwendbar. Auch zum Trocknen von nassen Outdoorklamotten eignet sich die abschließbare Nasszelle hervorragend.

Das kleine Klo im Van bietet zwar nicht allzu viel Platz, aber hält immerhin die allgemeine Geruchsbelästigung im Rahmen. Entlüftungen oder ein kleines Fenster im Bad machen es möglich. Der eigentliche Fäkalientank befindet sich dabei unter dem Klo und wird von der Außenseite entnommen. An Wohnmobilstellplätzen oder Campingplätzen findest du dafür spezielle Entsorgungsstationen. Dort wird die WC-Kassette entleert, gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet.

Je voller die (meist graue) Box ist, desto schwieriger wird auch das Handling beim Entleeren. Deshalb kann es nicht schaden, die Kassette schon halb- oder zweidrittel-voll zu leeren. Kleiner Praxistipp: zieh dir dafür Küchenhandschuhe an und lass dir beim Ausleeren Zeit – sonst könnte der Inhalt leicht überschwappen und du musst vielleicht deine Schuhe waschen. Viele Fäkalientanks sind für etwa vier bis fünf Tage Nutzung mit zwei Personen ausgelegt. Spätestens danach ist der Tank voll und auch dementsprechend schwer.

Die gängigste Form von Campingklos im Van sind die sogenannten Chemie-Toiletten. Mithilfe von Sanitärkonzentraten werden Mikroorganismen im Kot und Urin abgetötet und die Fracht für ein paar Tage transportfähig gemacht, ohne dass es dabei zu übermäßiger Geruchsbildung oder sonstigen Begleiterscheinungen kommt.

Allerdings enthalten die meisten dieser Konzentrate biozide Wirkstoffe, die nicht unbedingt als umweltfreundlich gelten. Wenn du die Belastung für Kläranlagen und Gewässer niedrig halten möchtest, solltest du lieber zu Produkten mit dem blauen Umweltengel greifen.

Sanitärkonzentrate verfärben nicht nur den Inhalt (meist „blau“), sondern zersetzen auch den Inhalt zu einer Flüssigkeit, die sich gut entleeren lässt. Das passende WC-Papier für Chemie-Toiletten zersetzt sich dabei gleich mit. Herkömmliches Toilettenpapier verstopft dagegen die Van-Toilette und sollte nicht verwendet werden.

Mobiles Campingklo für Vans und Busse“

Im VW-Bus oder im selbst ausgebauten Kastenwagen fehlen natürlich die praktischen Versorgungsklappen an der Außenseite. Deshalb bietet sich ein mobiles Camping-WC als praktische und preiswerte Alternative an. In kleineren Bussen ist allerdings meist kein Platz für ein eigenes Bad. Daher wird das WC unter einer Sitzbank integriert und fügt sich so unauffällig in das Wohnkonzept.

Das Funktionsprinzip ist das Gleiche, wie bei der Deluxe-Version und die Kassette (also der untere Teil der WC-Einheit) muss in regelmäßigen Abständen geleert und mit Sanitärkonzentrat befüllt werden.

Die Privatsphäre entfällt dabei genauso, wie die Geruchsvermeidung. Man sollte sich also schon ziemlich lieb haben, um im Campingbus eine gemeinsame Toilette zu teilen. Andernfalls können die Mitreisenden natürlich auch einen kleinen Spaziergang machen, um etwas Privatsphäre auf dem Klo zu ermöglichen.

Porta Potties“ – die Sache mit dem Eimer

Die einfachste Art, um nicht in den Wald zu kacken und trotzdem keine Chemie-Toilette im Van zu transportieren, ist das Porta Potty – eine nette Bezeichnung für einen Eimer mit Klobrille. Um das ganze hier abzukürzen: für Camping an einem festen Ort manchmal eine gute Option – für das Reisen im Van komplett ungeeignet. Oder willst du den Eimer mit einem Deckel verschließen und dann bis zum nächsten Klo mit dir herumfahren?

Alternative zum Chemie-WC: Die Trenntoilette

Eine Trenntoilette im Van ist eine (oder sogar die einzige…) Alternative zum andauernden Chemie-Einsatz. Aufgrund der hohen Anschaffunskosten wird sie allerdings eher von Campern eingesetzt, die ihren Van wirklich oft und regelmäßig fahren. Um drei Wochen im Jahr Urlaub zu machen lohnt es sich finanziell dagegen kaum. In Sachen Umweltschutz lohnt es sich natürlich in jedem Fall und sollte bei jeder neuen Van-Planung in Betracht gezogen werden. Trenntoiletten benötigen weder Wasser, noch chemische Zusätze. Auch sie müssen entleert werden, aber in der Regel sind die Entsorgungsintervalle länger, als beim normalen Camping-Klo. Da keine Sanitärkonzentrate mehr gekauft werden müssen, ist die Trenntoilette im Dauereinsatz auch günstiger. Bis sich die hohen Anfangskosten amortisiert haben, vergeht aber eine Weile.

Trenntoilette, Trockentrenntoilette oder Verbrennungstoilette

Drei verschiedene Möglichkeiten stehen für den Einbau im Van zur Verfügung. Bei der Verbrennungstoilette werden die Ausscheidungen mit einem Gasbrenner zu Asche verbrannt. Der Aspekt „Umweltschutz“ ist durch den Gasverbrauch natürlich nicht mehr so toll.

In der Trockentrenntoilette wird durch die Konstruktion der Toilette und Zugabe eines speziellen Granulats im Grunde Kompost gewonnen. Ähnlich arbeitet die Trockentrenntoilette, nur dass „fest“ und „flüssig“ getrennt werden. Alles Flüssige wird im Tank gesammelt und entsorgt und alles Feste wird perspektivisch zu Blumendünger.

Bei einer Trockentrenntoilette muss der Feststoffbereich bei ständiger Nutzung etwa alle zwei bis drei Wochen geleert werden. Dabei können Camper sogar ihr Lieblings-Klopapier nutzen, denn das wird einfach mit kompostiert.

Vanlife Essentials 2021 – so wird dein Traum vom Van Wirklichkeit!

12. Juli 2021
Die Bergfreunde

Vanlife ist in aller Munde: ob Surf-Trip mit dem VW-Bus, reisen und arbeiten als Digitaler Nomade mit dem autarken Kastenwagen, oder Camping und Urlaub mit Freund, Freundin und Familie. Neben klassischen Wohnmobilen und Wohnwagen bilden umgebaute Kastenwagen auf Basis beliebter Transporter, wie Fiat Ducato, Ford Transit oder Mercedes Sprinter, die größte Gruppe der Vans.

Ob mit Hochdach, Klappdach, als L3 oder L4, mit Fahrradträger, Solarpanel oder Allradantrieb – die Auswahl ist riesig, und reicht vom selbst ausgebauten Oldtimer mit H-Kennzeichen, über moderne Mini-Busse mit hoher Alltagstauglichkeit, bis hin zum komfortablen Großraum-Van mit festem Bett und Heckgarage.

Damit du den passenden Van, beziehungsweise das passende Konzept, mit der richtigen Ausstattung für dich findest, helfen dir vielleicht folgende Überlegungen, mit denen sich jeder früher oder später beschäftigen muss: nicht jeder hat die gleichen Anforderungen und nicht jeder, der im Sommer für ein paar Wochen auf Tour geht, benötigt die winterfeste und autarke Ausrüstung eines Full-Time Digital Nomaden. Je besser du für dich herausfindest, was du mit deinem Van erleben willst, desto besser kannst du beim Kauf, Ausbau oder Umbau deine Wünsche und Ideen umsetzen.

Power on – die Sache mit der Stromversorgung

Je nach Ausstattung und individuellen Bedürfnissen benötigst du beim Reisen mit dem Van eher mehr oder etwas weniger Strom. Ganz ohne Strom geht es in der Praxis aber nur mit erheblichen Einschränkungen. Ein wenig Strom produziert dein Van mit laufendem Motor ohnehin. Per 12V Anschluss am „Zigarettenanzünder“ lässt sich so während der Fahrt bequem eine thermoelektrische Kühlbox oder Hybridkühlbox betreiben. Auch das Laden sämtlicher USB-Geräte, wie Smartphones, Tablets oder Powerbanks funktioniert problemlos. Wer kurzfristig (und bei laufendem Motor) auf 230V Wechselstrom angewiesen ist, kann mit einem entsprechenden KFZ-Adapter den Gleichstrom aus der Lichtmaschine für die mobile Steckdose umwandeln. Allerdings lassen solche Adapter keine besonders hohe Stromstärke zu (oft bis ca. 150W). Das reicht für diverse elektrische Kleingeräte – Wasserkocher oder Induktionskochfeld können daran allerdings nicht angeschlossen werden.

Zusatzbatterien und Solaranlagen im Van

Wer auf Reisen nur Campingplätze und Stellplätze mit fester Stromversorgung anfährt, kann im Grunde komplett auf Solaranlage und zusätzliche Akkus verzichten. Um den Landstrom zu nutzen,benötigt man in der Regel nur eine CEE Außensteckdose und ein 25 m langes CEE Kabel. An vielen Stellplätzen ist außerdem Münzgeld in Form von 50 Cent oder 1 Euro Münzen die Eintrittskarte zur Landstromversorgung.

Der TÜV verlangt übrigens zwingend einen FI-Schutzschalter im Van oder Wohnmobil. Alle Van-Tüftler und Selbstausbauer sind gut beraten, sich dahingehend gezielt zu informieren, denn auch die Vorgaben und Gesetze diesbezüglich ändern sich immer wieder aufs Neue. Oft im „Reallife“ gesehen, sind auch nicht abgerollte Kabeltrommeln und/ oder Schuko-Kabel und Schuko-Adapter (also „normale Stecker/ Kabel“). Beides ist beim Camping aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt (denn es kann Kurzschlüsse oder sogar Brände verursachen). Selbst, wenn der Betreiber oft ein Auge zudrückt – die Versicherung sieht das im Brandfall durchaus kritischer.

Camper, die auch gerne etwas abseits der ausgetreten Pfade wandeln und parken möchten, sind mit einer zweiten Bordbatterie im Van und eventuell mit einer extra Solaranlage gut beraten. Die Bordbatterie wird beim Fahren durch die Lichtmaschine aufgeladen. Mit der entsprechenden Kapazität und einem leistungsstarken Wechselrichter erzeugt sie Strom für alle Kühlschränke, Pumpen, Klimaanlagen, SAT-TV-Anlagen und Backöfen. Also im Grunde für alles, was die moderne Zwei-Zimmer-Wohnung auf Rädern so benötigt. Mit fest montierten Solarmodulen auf dem Dach können die Batterien außerdem bequem und kostenlos (von der Erstanschaffung mal abgesehen…) wieder aufgeladen werden.

High End oder Low Budget?

Nicht jeder benötigt einen elektrischen Pürierstab und eine Dusche mit elektrisch beheiztem Durchlauferhitzer im Van. Eine einfache Solaranlage hilft allerdings deutlich die autarke Reisezeit zu verlängern. Bei sparsamem Stromverbrauch (z.B. für Kühlschrank, Laptop, Licht und Smartphones) bietet auch eine „Mobile Steckdose“ mit faltbarem Solarpanel hervorragende Möglichkeiten. Wer sogar auf den Kühlschrank verzichten möchte, kann sich sogar auf eine leistungsstarke Powerbank beschränken. Wer allerdings den kompletten elektrischen Luxus mit TV und Klimaanlage auch im autarken Einsatz für unverzichtbar hält, der muss ziemlich tief in die Tasche greifen, und in zwei bis drei sehr teure Batterien und ein ganzes Dach voller Solarpanele investieren.

In vielen Fällen ist aber gar nicht die elektrische Versorgung der begrenzende Faktor (in Bezug auf autarkes Vanlife, auf Camping- und Stellplatz heißt es ja nur „einstecken bitte“), sondern die Versorgung mit Frischwasser, beziehungsweise die Entsorgung von Toilette und Abwasser.

Shower on – die Sache mit Wasserversorgung und Entsorgung

Vans und Wohnmobile vom professionellen Ausstatter verfügen in der Regel über einen Tank für Frischwasser und einen für Abwasser, beziehungsweise Grauwasser – also das Wasser, das aus Dusche, Waschbecken und Spülbecken aufgefangen wird. Grauwasser muss immer an den Entsorgungsstationen auf Campingplätzen oder Stellplätzen entleert werden. Einfach in den Gulli oder in die Natur kippen, geht überhaupt nicht!

Die eigene Toilette im Fahrzeug mitzuführen ,halten manche schlichtweg für überflüssig und argumentieren, dass es ja überall öffentliche Toiletten oder die freie Natur gäbe. Wenn das jeder auf dem Stellplatz (oft ohne öffentliche WCs) sagen würde, na ja …

Für das WC im Van stehen einige Systeme zur Wahl, die vom Prinzip nur die Klobrille verbindet. Vom simplen Porta Potti, über die weit verbreite Chemie-Toilette, bis hin zur Trenntoilette reicht das Angebot. Da dieses Thema wirklich alle Van-Bewohner dauerhaft begleitet, findest du hier einen Artikel, der sich gezielt mit WC im Van auseinandersetzt.

Wer nicht über einen Wassertank mit Pumpen und Zubehör im Van verfügt, behilft sich am besten mit Wasserkanistern und Abwasserkanistern, die es als faltbare Kanister und feste Kanister gibt. Zusätzlich gibt es spezielle Duschsäcke, die über Absperrventil und Duschkopf verfügen. So können ca. 10 Liter Wasser bequem am Van oder einem Baum aufgehängt werden und der Duschspaß kann beginnen. Natürlich darf dafür nur biologisch abbaubare Seife verwendet werden!

Manche Traveller statten ihr Gefährt mit einem (meist schwarzen Rohr) als Outdoordusche aus. Das Wasser wird in das leicht schräg angebrachte Rohr eingefüllt, heizt sich in der Sonne auf und kann dann an eine Duschschlauch mit Handbrause angeschlossen werden. Das funktioniert super und ist ideal für alle, die sich nach dem Surfen das Salzwasser von der Haut spülen wollen.

Heat on – Heizung, Isolierung, Kühlung und Frischluft im Van

Wie so viele Faktoren, rund um das Thema Vanlife, sind auch Heizung und Kühlung sehr stark mit dem angestrebten Einsatzbereich verknüpft. Im Klartext: wer nördliche Länder eher meidet und gerne Touren im Süden und im Sommer machen möchte, der braucht meistens gar keine Heizung. Für besonders kühles Wetter ist dagegen eine Standheizung ideal, die als Heizmittel Diesel aus dem Tank oder Gas aus der Gasflasche verbrennt. Natürlich muss der Van dann auch dementsprechend isoliert sein. Für alle, die selber einen Kastenwagen isolieren möchten, ist Armaflex nach wie vor das Isolationsmittel der Wahl.

Für maximale Flexibilität im Van sorgen elektrische Heizlüfter, beziehungsweise Keramikheizlüfter. Die kompakten Gebläse sind prima, um morgens den Van etwas aufzuheizen oder abends die Temperatur um ein paar Grad zu erhöhen. Für den Dauereinsatz (so wie eine Standheizung) sind sie aber nicht geeignet. Und natürlich benötigen sie auch eine ganze Menge Strom.

Größere Wohnmobile sind mittlerweile reihenweise mit Klimaanlagen ausgerüstet. Im Van reicht in der Regel ein Aufstellfenster oder Dachfenster zur Be- und Entlüftung. Mit feuchten Tüchern vor dem Fenster lässt sich außerdem ohne zusätzlichen Energieaufwand für kühlere und frischere Luft im Van sorgen. Auch ein gut belüftetes Aufstelldach auf dem Bus oder Van ist im Sommer besonders angenehm.

Cook on – Kühlen, Kochen, Küchenhelfer

Eine gemütliche Sitzecke oder Tischgarnitur mit Drehsitzen ist Herzstück der meisten Vans. Mit einem zusätzlichen Set aus Campingtisch und Campingstühlen wird das Vanlife erst so richtig angenehm und unter die Markise nach draußen verlagert. Viele Wohnmobile und Kastenwagen sind mit einem Zwei-Flammen-Gasgrill ausgestattet. Seltener sind auch Induktionskochfelder und manchmal sind sogar extra Backöfen ins Fahrzeug integriert.

Wer die Outdoorküche allerdings lieber in den Außenbereich verlegen möchte, hat hierfür eine fast unbegrenzte Auswahl an Möglichkeiten. Vom Gasgrill, über mehrflammige Gaskocher bis hin zum mobilen Backofen oder Induktionskochfeld reichen die Optionen. Natürlich muss auch das Geschirr dementsprechend ausgewählt werden: zum Beispiel passend zum System, mit Induktion oder Gas und zur Menge, die gekocht werden soll, für Singles, Paare und Familien.

Beim Campinggeschirr können Camper eigentlich nichts falsch machen – außer Porzellan und echtes Glas einzupacken. Besser sind Teller aus Kunststoff oder Metall, und Becher aus Edelstahl oder bruchfestem Polycarbonat. Die faltbare Küchenschüssel zum Abwaschen gehört zur allseits beliebten Grundausstattung und geht mit jedem Van auf Reisen.

Kühlschränke zur Aufbewahrung von Lebensmitteln und Getränken können entweder thermoelektrisch betrieben werden oder laufen mit Kompressor, der wiederum über die Gasflaschen oder mit Strom „befeuert“ wird. Die günstigste Variante ist eine thermoelektrische Kühlbox, die oft transportabel ist, und eine Innentemperatur von etwa 20°C unter der Außentemperatur erzeugt. Wenn das Thermometer im Sommer also auf 40°C im Van klettert, schmilzt die Butter im Kühler trotzdem dahin. Ein Kompressorkühlschrank oder eine Kompressorkühlbox kühlt dagegen zuverlässig und kann teilweise sogar Essen einfrieren. Wichtig sind auf jeden Fall das Gesamtvolumen, die Lautstärke der Box und auch die Aufteilung, denn nicht jede Kühlbox bietet den nötigen Platz für große Getränkeflaschen.

Party on – Licht, Sound und Gadgets

Während in Zeiten vor LED und Bluetooth noch viele Vans und Wohnwagen mit viel Zeit und Mühe mit Kabeln und Lampen ausgerüstet wurden, verzichten digitale Nomaden oft komplett auf aufwendige Installationen. Die Musik kommt vom Smartphone und wird über die mobile und aufladbare Musicbox abgespielt.

Lampion-Lichterketten mit LEDs sind fast schon ein Vanlife-Style-Gadget. Cliplampen oder Lampen mit Magnethalterung sorgen ebenso für angenehme Wohlfühlatmosphäre, wie Campingleuchten, Teelichter und Kerzen. Mit Moskitonetzen, Citronella Fackeln und entsprechendem Mückenschutz zum Einreiben („Darf s ein bisschen DEET sein?“) sitzt es sich auch in Skandinavien abends noch sehr gut vor dem Van. Die klassische Stirnlampe ist natürlich auch bei jedem Vanlife-Abenteuer mit dabei – ob zum Lesen oder für Nachtwanderungen.

Für viele Vanbewohner sind Keile unter den Reifen unverzichtbar, um den Van beim Übernachten möglichst waagerecht zu parken. Andere scheinen auch ohne die mobilen Auffahrrampen gut schlafen zu können. Auch Markisen, Vorzelte und Tarps als Sonnensegel und Regenschutz gehören fast schon zur Standardausrüstung. So lässt es sich auch bei Regenwetter und praller Hitze gemütlich vor dem Van sitzen und essen.

Die Liste der Gadgets für das Vanlife lässt sich fast unendlich fortsetzen und orientiert sich stark nach den eigenen Interessen. Mit Outdoorspielen für Familien, technischen Spielereien, wie GoPro, Kamera und Drohnen, bis hin zu speziellem Campingzubehör für Hunde. Für Reisende im Van steht die ganze Welt der Campingausrüstung offen.

Zur Info: Die einzelnen Themenbereiche, wie Wasser, Strom, Toilette und Heizung im Van wurden hier nur kurz angerissen, um einen ersten Überblick zu schaffen. Über jeden einzelnen Bereich gibt es ganze Bücher, Foren und viele Meinungen. Deswegen lohnt es sich, jeden „Baustein“ einzeln zu prüfen, denn so passt das Van-Konzept zu deinen Bedürfnissen und du kannst unnötiges Gewicht im Van und unnötige Ausgaben schon in der Planung vermeiden.

Magnesia und Chalk – Magnesiumkarbonat, same same but different

9. Juli 2021
Ausrüstung

Kennt ihr das: Es gibt Dinge, die sind einfach da, die nutzt man immer wieder und keiner hat sich jemals Gedanken darüber gemacht, was das denn eigentlich ist. Beispielsweise beim Klettern. Was ist denn das weiße Zeug eigentlich das sich alle so bereitwillig an die Hände schmieren? Quasi als finale Kriegsbemalung vor der Erstürmung der Kletterroute. Worum handelt es sich dabei?
„Magnesia“ werden da die einen sagen, „Chalk“ die anderen und die, die einfach nicht Recht haben und es nicht besser wissen „Magnesium“. Aber das macht mich nicht schlauer. Und warum sehe ich auch immer mehr Kletterer, die mit einer Tube dastehen? Auch das wirft bei mir gewisse Fragen auf. Und ich weiß einmal mehr, dass ich nichts weiß. Legen wir also los und widmen uns der…

Frage Nr. 1 – Chalk, Magnesia und Co. was ist das denn?

Kurzversion: Magnesiumkarbonat. Gut danke. Artikel fertig, ciao!

Naja, ganz so einfach ist das dann doch nicht. Denn immer wenns eine Kurzversion gibt, gibt es auch eine Langversion und die kommt hier: Bei Magnesia oder für die Cooleren unter uns bei Chalk, handelt es sich um nichts anderes als Magnesiumkarbonat. MgCO3 für die Chemiker unter euch. Manchmal besteht Chalk aber auch aus einer Mischung von Magnesiumkarbonat und Magnesiumhydroxid.

Magnesiumkarbonat kann auf unterschiedliche Arten gewonnen werden und kommt nicht nur beim Klettern, sondern unter anderem auch in der Pharma-, Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie zum Einsatz. Magnesiumkarbonat ist hygroskopisch, zieht also Wasser an. Genau dieser Effekt ist beim Klettern oder auch Sportarten wie Geräteturnen und Gewichtheben interessant. Denn auf die Hände aufgetragen, saugt es sich regelrecht mit Schweiß voll und sorgt so dafür, dass ihr keine schwitzigen Finger und Handflächen habt. Kauft ihr Chalk fürs Klettern und Bouldern, handelt es sich dabei nicht selten um reines Magnesiumkarbonat ohne irgendwelche Zusatzstoffe.

Grundsätzlich sind die Begriffe „Chalk“ und „Magnesia“ aber nicht weiter geschützt oder definiert, und die Produkte unterliegen auch nicht der Lebensmittel- oder Kosmetikverordnung, sodass dem Pulver auch ohne weitere Angabe Zusatzstoffe beigefügt werden können, ohne dass das zwingend deklariert sein muss. Das ist zunächst einmal nicht wirklich schlimm und hat auch (sinnvolle) Gründe, aber darauf kommen wir später nochmals genauer zu sprechen.

Aber wie wird denn Magnesia bzw. Chalk nun gewonnen?

Grob gesagt lässt sich das, was wir als Magnesia kennen auf zwei unterschiedliche Arten herstellen. In der Natur kommt Magnesiumkarbonat garnichtmal so selten vor, beispielsweise als Magnesit (Bitterspat) und kann daher abgebaut werden. Dabei wird das Magnesiumkarbonat mittels eines chemischen Prozesses aus dem abgebauten Gestein gelöst und aufbereitet. Ursprungsland ist hierbei nicht selten China, es gibt aber auch Abbaugebiete in Europa oder Amerika. Eine andere Möglichkeit ist die synthetische Gewinnung. Denn Magnesiumkarbonat entsteht bei Prozessen wie der Meerwasserentsalzung als Nebenprodukt. Das so gewonnene Magnesiumkarbonat ist in der Regel reiner und außerdem Schwermetallfrei, was beim abgebauten Produkt nicht immer sichergestellt werden kann. Gerade in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie wird daher überwiegend die synthetische Variante verwendet.

Für den Sport kommt derzeit noch mehrheitlich das durch Abbau gewonnene Magnesiumkarbonat zum Einsatz, es gibt aber auch Hersteller wie beispielsweise Black Diamond, Rewhite oder Tokyo Powder, die den synthetischen Rohstoff für ihr Chalk einsetzen.

Frage Nr. 2 – Welche Formen von Chalk gibt es?

Magnesia gibt es in mehreren unterschiedlichen Formen, die alle ihre Vor- und Nachteile haben. Je nach Anwendungsgebiet oder persönlicher Vorliebe kann es also durchaus sinnvoll sein mal das Eine mal das Andere zu verwenden. Eines noch vorweg: Magnesia, wie es beim Geräteturnen und teilweise auch beim Gewichtheben eingesetzt wird, eignet sich oft nicht fürs Klettern. Denn dieses Magnesia ist nicht selten mit Talkum versetzt. Das wiederum sorgt dafür, dass die Haut beim Turnen an beispielsweise einer Reckstange nicht haften bleibt und die einzelnen Übungen besser geturnt werden können. Die Reduzierung der Reibung ist aber beim Klettern definitiv von Nachteil.

Speziell fürs Klettern gibt’s hauptsächlich Chalk in folgenden Varianten:

  • Loses Pulver. Das ist sicherlich die beliebteste und gleichzeitig auch eine der kostengünstigeren Varianten. Das Chalk wird als loses Pulver fix und fertig in einer Tüte angeboten und muss nur noch in den Chalkbag gefüllt werden und gut. Es gibt dabei unterschiedliche Körnungen des Pulvers, was sich mitunter auf die Haftfähigkeit des Chalks auf der Haut auswirkt.
    Vorteil: schnelle Anwendung, günstiger Preis.
    Nachteil: schwer zu dosieren, staubt stark.
  • Gepresste Würfel: Gepresste Chalkwürfel gibt es eigentlich schon immer und auch sie sind vergleichsweise günstig. Auch die Anwendung ist keine große Sache, ihr brecht euch einfach so viel Magnesia wie ihr braucht ab und füllt es in euren Beutel. Zum Chalken der Hände zerdrückt ihr das bzw. die Stücke leicht in der Hand. Mit der Zeit werden die einzelnen Stücke so immer kleiner, bis ihr irgendwann nachfüllen müsst.
    Vorteil: Staubt weniger als reines Pulver, günstiger Preis.
    Nachteil: Block muss erst zerkleinert werden, neigt ebenfalls zum Stauben.
  • Chalkbälle: Bei Chalkbällen handelt es sich um kleine Stoffkugeln aus einem durchlässigen Gewebe, die mit Magnesia gefüllt sind. Diese packt ihr einfach in euer Magnesiasäckchen. Chalken könnt ihr dann ganz einfach, indem ihr den Ball im Beutel ein wenig in der Hand hin und her drückt, sodass sich das Magnesia an eurer Hand festsetzt.
    Vorteil: Einfach zu dosieren, staubt kaum.
    Nachteil: Preis meist höher als für loses Chalk oder Würfel und es kommt weniger raus – Nachteil natürlich nur für „Viel-Chalker“.
  • Flüssigchalk: Hierbei handelt es sich um Magnesia, das mit Alkohol versetzt wurde und als Flüssigkeit bzw. Paste auf die Hände aufgetragen wird, ganz ähnlich wie Handcreme. Der Alkohol verdunstet an der Luft sofort und zurück bleibt nur eine dünne Magnesiaschicht auf euren Händen.
    Vorteile: Super dosierbar, haftet lange an den Händen, staubt nicht.
    Nachteile: Alkohol kann bei empfindlicher Haut zu Irritationen führen und nachchalken in der Route ist schwierig.

Abgesehen von den unterschiedlichen Darreichungsformen, gibt es aber auch Chalk, das nicht aus reinem Magnesiumkarbonat besteht, sondern mit unterschiedlichen Zusatzstoffen versetzt ist. Hierunter fällt, wie bereits erwähnt, das Magnesia für Turner, was wir aber an dieser Stelle einmal außer Acht lassen wollen. Beim Klettern wird Chalk beispielsweise zusätzlich mit Trocknungsmitteln versetzt, was logischerweise den Trocknungseffekt nochmals erhöht. Oft handelt es sich dabei um Silikate oder Uppsalit.

Auch Zusatzstoffe, die für einen besseren Grip sorgen sollen, werden dem Chalk beigemischt. Gerade beim Flüssigchalk kommen hierzu auch Harze wie Kolophonium zum Einsatz, die aber leider die unangenehme Eigenschaft haben die Poren von Griffen zu verstopfen und deshalb in vielen Hallen nicht sonderlich gerne gesehen sind.

Darüber hinaus gibt es auch sogenanntes Eco-Chalk. Hierbei handelt es sich aber nicht um einen ausdrücklich definierten Begriff und die jeweiligen Hersteller können mehr oder weniger frei entscheiden, was sie nun als „Eco“ ansehen.

Beispiele:

Black Diamond Eco Chalk: Hierbei bezieht sich das Wort Eco alleine auf den Herstellungsprozess, denn das Produkt selbst besteht aus reinem Magnesiumkarbonat. Dieses wird synthetisch als Nebenprodukt der Salzgewinnung hergestellt, worauf sich auch das „Eco“ bezieht. Hersteller wie Tokyo Powder beziehen ihr Magnesiumkarbonat aus vergleichbaren Herstellungsprozessen, versehen ihr Produkt aber nicht mit der Vorsilbe „Eco“.

„Eco“ kann aber auch bedeuten, dass Chalk aus Carbosil (Kieselerde) hergestellt wird. Hierbei handelt es sich um ein grundlegend anderes Material, das aber ebenfalls gute Trocknungseigenschaften mitbringt. Carbosil hat darüber hinaus den praktischen Effekt, dass es keine lästigen Flecken am Fels hinterlässt. Produkte dieser Art sind jedoch vergleichsweise selten.

Frage Nr. 3 – Was macht Magnesia mit…?

Immer wieder hört man zahlreiche Meinungen zum Einsatz von Chalk beim Klettern. Nicht nur draußen in der Natur, sondern auch in der Halle ist Chalk (zumindest nicht in jeder Form) immer gerne gesehen. Das hat ganz unterschiedliche Gründe und wir wollen uns das gemeinsam mal genauer ansehen. Und wie wirkt sich das Ganze denn auch auf mich als Kletterer aus. Ist Magnesia gut für mich, macht es mich besser oder eben gerade nicht? Legen wir los:

…a) meiner Haut

Wie bereits erwähnt, hat Chalk die Eigenschaft sich mit Wasser vollzusaugen. Es kann also auch lästigen Handschweiß schnell und einfach aufnehmen und sorgt so dafür, dass die Hände nicht mehr feucht und schmierig sind, sondern trocken und griffig. Da wäre es doch eigentlich nur logisch, einfach immer gleich vor dem Klettern die Hände fett mit Magnesia einzukleistern und ein erfolgreicher Klettertag wäre zuverlässig gesichert. Ganz so einfach ist das aber nicht. Denn Magnesia macht die Hände trocken, Flüssigchalk, das mit Alkohol versetzt ist macht die Hände nicht selten noch trockener. Wer ohnehin schon Probleme mit trockener und rissiger Haut hat, sollte sich daher den Einsatz von Chalk gut überlegen, da sich Magnesia in diesen Fällen auch negativ auswirken kann und vielleicht dazu führt, dass der Klettertag aufgrund stark strapazierter Haut an den Fingern vorzeitig beendet ist.

Ein weiterer Grund warum übermäßiges Chalken nicht besonders sinnvoll ist, ergibt sich aus der Tatsache, dass reines Magnesiumkarbonat keine besonders gute Reibung hat. Gerade bei Slopern zeigt sich das mitunter deutlich und ihr müsst mit einer dicken Chalkschicht auf den Händen einfach mehr Power bringen als ohne (vorausgesetzt ihr schwitzt nicht an den Händen). Um dem entgegenzuwirken bieten einzelne Hersteller auch Chalk mit Zusatzstoffen an.

…b) mit meiner Umwelt

Magnesiumkarbonat wird nicht nur für die bereits beschriebenen Anwendungsgebiete eingesetzt, sondern ist vielmehr auch ein basischer Dünger. Wird dieser nun in der Natur ausgebracht, beeinflusst der die Vegetation. Zwar ist die Menge Magnesiumkarbonat, die durch das Chalken in die Natur gelangt nicht sonderlich groß, kann aber kleinräumig, beispielsweise bei der kargen Vegetation am Fels, zu deutlichen Veränderungen führen.

Außerdem wird dem Magnesia immer wieder vorgeworfen, dass es die Felsen zerstöre. Hierzu gibt es unterschiedliche Studien, die teilweise auch in unterschiedliche Richtungen gehen. Ich möchte daher nicht zu tief in dieses Thema einsteigen, sondern nur ein paar Beispiele aufzeigen, wie Chalk auch einen negativen Einfluss auf Felsen haben kann.

  • optischer Einfluss: Je nach Gestein und dessen Farbe, sieht man die weißen Kletterspuren mitunter deutlich an den Felsen. Auch durch Regen wir das Chalk oft nicht komplett abgewaschen „verschandelt“ daher gerne auch mal längerfristig die Landschaft.
  • Sprengwirkung: Dieser Aspekt ist stark abhängig vom Gestein und dessen Struktur und darüber hinaus nicht ganz unumstritten. Aber man schreibt Magnesia folgende Wirkung zu. Gerade in viel begangenen Routen setzt sich an den Griffen mitunter immer mehr Magnesia fest. Dieses saugt sich immer mehr mit Wasser voll und dehnt sich sobald das Wasser gefriert stark aus. Hierzu kann es gerade bei porösem Fels zu einer unerwünschten Sprengwirkung kommen.
  • Rutschgefahr: Chalk macht die Griffe nicht griffiger. Gerade im Sandstein setzt sich das Pulver mit der Zeit fest und bildet schon fast eine schmierige Schutzschicht auf dem Gestein. Hierdurch werden Routen nicht gerade leichter, was wiederum die Art und Charakteristik der Kletterei in einem Gebiet stark beeinflussen kann.

Was also tun? Aus meiner Sicht (und damit stehe ich nicht alleine) sollte man den Einsatz von Chalk gut und sinnvoll überdenken. Ich bin nicht der Meinung, dass grundsätzlich darauf verzichtet werden soll. Nur eben stellt sich mir die Frage, ob übermäßiges Rumgeschmiere am Fels wirklich immer sein muss. Reicht es manchmal nicht auch einfach, sich die Hände an Hose oder T-Shirt abzuputzen? Mit Sicherheit! Und wenns doch nicht ohne Chalk geht, dann bitte der Umwelt zu liebe mit Maß und Ziel. Der Deutsche Alpenverein rät außerdem dazu stark eingepuderte Griffe nach dem Begehen einer Tour mit einer Bürste zu reinigen. Aber mal ehrlich: Das habe ich noch äußerst selten beobachtet und kommt in den Gebieten, in denen ich überwiegend unterwegs bin so gut wie nie vor.

…c) mit der Kletterhalle und meinen Mitmenschen?

„Stauben verboten“ ein Schild mit dieser oder einer ähnlichen Aufschrift hängt in vielen Kletterhallen und das hat auch seinen Grund. Denn die erhöhte Feinstaubbelastung in Kletterhallen ist erheblich und messbar. Dies ergibt sich vor allem durch den Einsatz von Magnesia. Gerade Chalk in Pulverform staubt mitunter stark, wer sich seine Hände bis weit übers Handgelenk mit Magnesia einreibt und dieses dann abklopft oder abbläst, sorgt unmittelbar dafür, dass es als Staub in der Hallenluft umherwabert. Dass das beim Sport weder angenehm noch besonders gesund ist, erklärt sich von selbst. Hallenbetreiber versuchen diesem Problem Herr zu werden, indem sie unter anderem loses Chalk verbieten und/oder den Einsatz von Chalkbällen oder Flüssigchalk vorschreiben.

Auch in der Halle besteht das Problem, dass Griffe aufgrund des Einsatzes von Magnesia glatt und schmierig werden. Im Gegensatz zum Freien, sorgt hier auch kein Regenschauer dafür, dass das Chalk, wenn auch nur teilweise, abgewaschen wird. Was drauf ist, ist zunächst einmal drauf und lässt nach und nach eine regelrechte Schicht aus Magnesia, Handschweiß sowie Haut- und Gummiabrieb entstehen. Beläge dieser Art lassen sich mit der Zeit weder mit einer Bürste noch mit einem Hochdruckreiniger anständig beseitigen. Es hilft lediglich spezielles Reinigungsmittel, das unter Einsatz von geballter Chemie dafür sorgt, dass sich die Schichten wieder von den Griffen lösen. Chalks, die um den Grip zu erhöhen beispielsweise mit Harzen versetzt worden sind, verstärkten diesen Effekt erheblich und sind daher inzwischen in vielen Hallen auch nicht mehr besonders gerne gesehen.

Aber was sagt uns das nun?

Magnesia oder auch Chalk ist ein durch aus nützliches Hilfsmittel beim Klettern. Es besteht aus Magnesiumkarbonat und sorgt dafür, dass unsere Hände beim Klettern bei Bedarf trocken sind. Das heißt aber nicht, dass derjenige am besten klettert, der auch am meisten Magnesia auf den Händen hat. Wie so oft im Leben gilt auch hier die Devise „weniger ist manchmal mehr“. Das wirkt sich dann nämlich nicht nur positiv auf euren Grip am Fels aus, sondern schont in gewissem Maß auch die Umwelt und die Lungen eurer Mitkletterer. In diesem Sinn: Gurt und Schuhe an und hoch den Fels!

Über die Alpen mal anders – der L1 von Garmisch zum Gardasee

17. Juni 2021
Die Bergfreunde

Die zentrale Gebirgskette in Europa einmal zu Fuß zu überqueren gehört für viele Bergwanderer und Outdoor-Enthusiasten zu den Dingen, die man einmal gemacht haben muss. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Möglichkeiten dies zu tun. Neben dem absoluten Klassiker, dem E5 von Oberstdorf nach Meran, kamen in den letzten Jahren einige sehr reizvolle Alpenüberquerungen hinzu, von Salzburg nach Triest, der Traumpfad von München nach Venedig, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir möchten Euch heute einmal eine in diesem Zusammenhang nur selten genannte Alternative vorstellen: den L1 von Garmisch-Partenkirchen bis zum Gardasee.

Und wenn ihr gerne wissen möchtet, wie es sich anfühlt den L1 zu erwandern, dann schaut euch gerne das Video von den Bergfreunden Marco & Sandra an.

Der L1 – ein kurzer Überblick

Der L1 ist nach seinem Erstbegeher Hans Losse benannt. Hans Losse und seinem 15jährigen Sohn Alexander sagten die ganzen etablierten Alpenüberquerungen nicht so recht zu und so beschlossen sie 1989 ihre eigene Route zu planen. Die Idee dahinter war, einen Weg über die Alpen zu finden, der vollständig ohne Busse, Seilbahnen oder sonstige Hilfsmittel auskommt. Diese Planung führte Hans Losse von Garmisch-Partenkirchen, durch das Kühtai, über den Alpenhauptkamm im Ötztal, hinein nach Südtirol, durch die Adamello-Gruppe bis nach Brescia. In den letzten Jahren hat sich eine populäre Alternative entwickelt, die statt nach Brescia zum landschaftlich reizvolleren Gardasee führt, nach wie vor sind aber natürlich beide Varianten möglich.

Herausgekommen ist eine Route über die Alpen, die insgesamt rund 370 Kilometer lang ist, 60000 Höhenmeter umfasst und alles in allem rund drei-dreieinhalb Wochen Gehzeit benötigt. Der L1 ist im Unterschied zu den meisten anderen Alpenüberquerungen dementsprechend auch kein durchgängig ausgeschildeter Fernwanderweg, sondern besteht aus vielen zusammengewürfelten Abschnitten. Dies macht den L1 zu einem der am wenigsten begangenen und bekannten Wegen über die Alpen. Dennoch stellen Navigation und Logistik keine allzu große Herausforderung dar, Ziel- und Endpunkte der jeweiligen Etappen sind klar definiert und meistens einfach zu finden. Begehbar ist der L1 je nach Schneejahr von Ende Juni bis Mitte September, vereinzelte Schneefelder werdet Ihr aber in aller Regel auf jeden Fall vorfinden.

Der L1 ist eine anspruchsvolle Hochgebirgstour, die alpine Grunderfahrung, entsprechende Trittsicherheit und Schwindelfreiheit voraussetzt. Es gibt viele ausgesetzte, seilversicherte Kletterstellen und auch eine kurze Gletscherquerung des Fürkeleferner am Ende des Martelltals gehört dazu. Da der L1 so angelegt ist, dass der Wanderer immer wieder komplett in die jeweiligen Täler absteigt, sammelt man zahlreiche Höhenmeter, was eine entsprechende Grundkondition voraussetzt. Wenn Ihr diese Voraussetzungen mitbringt, erwartet Euch auf dem L1 eine wunderbare Alpenüberquerung, mit sehr schönen Übernachtungsmöglichkeiten, relativ wenigen Menschen und einer faszinierenden Bergwelt.

Die Etappen

Grob kann man den L1 in drei Abschnitte untergliedern, einen nördlichen von Garmisch bis ins Stubaital, einen zentralen von den Ötztaler Alpen bis zur Ortlergruppe, in dem der Alpenhauptkamm überschritten wird und einen südlichen durch die Adamello-Alpen zum Gardasee.

Der folgende Etappenplan ist eine Möglichkeit, jeder hat natürlich die Option Etappen anders zu gestalten, ab und an bietet sich auch die Möglichkeit ein Biwak einzulegen, statt auf einer Hütte zu übernachten.

Etappe 1 Garmisch-Partenkirchen-Knorrhütte

Aufstieg von Garmisch-Partenkirchen über das Kreuzeckhaus (es geht auch die Alternative über die Partnachklamm), durch das Reintal, bis zur Knorrhütte. Hier könnt ihr alternativ auch eine gute Stunde unterhalb der Knorrhütte biwakieren. Gute, nicht zu anstrengende Einstiegsetappe mit schönen Blicken auf das Zugspitzmassiv.

Etappe 2 Knorrhütte – Neue Alplhütte

Von der Knorrhütte geht es durch das berühmte Gatterl hinein nach Österreich. Vom Gatterl dann über das Steinerne Hütterl hinab zur Tillfußalm und von hier ein recht langer Anstieg hinauf zur Neuen Alplhütte. Ab dem Gatterl viele Höhenmeter, aber keine technisch anspruchsvolle Etappe.

Etappe 3 Neue Alpl Hütte – Untermieming – Dortmunder Hütte

Diese Etappe sollte man auf zwei Tage verteilen und auf der Stamser Alm übernachten, wenn man auch das Inntal zu Fuß durchqueren will. Dieses ist landschaftlich leider wenig reizvoll, deshalb haben wir uns entschlossen, das Inntal nach dem Abstieg von der Neuen Alpl Hütte mit dem Bus zu durchfahren und direkt zur Dortmunder Hütte aufzusteigen. Sehr anstrengende Etappe mit vielen Höhenmetern.

Etappe 4 Dortmunder Hütte –Schweinfurter Hütte

Relativ unspektakuläre Etappe am Speichersee vorbei durch das Kühtai mit vielen Ski- und Sesselliften, bis zur Schweinfurter Hütte. Eine der weniger schönen Etappen auf dem L1, die man theoretisch aber auch über das Längental umgehen kann, was aus der Rückschau schöner erscheint.

Etappe 5 Schweinfurter Hütte – Amberger Hütte

Von der Schweinfurter Hütte über die wirklich schön am See gelegene Winnebachseehütte hinab nach Grieß, wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gibt. Danach folgt ein langer Anstieg hinauf zur Amberger Hütte, auch hier ist eine gute Kondition nötig, technisch aber nichts Anspruchsvolles. 

Etappe 6 Amberger Hütte- Sölden/Vent

Eine der schwierigsten Etappen auf dem L1. Von der Amberger Hütte geht es über eine seilversicherte Kletterpassage zum sehr ausgesetzten Attakarjoch, den kleinen Gletscher könnt ihr aber umlaufen. Hier ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit zwingend geboten. Es folgt ein langer, sehr steiler, auch technisch anspruchsvoller Abstieg nach Sölden. Hier kann man dann entweder an der Ache entlang der Straße bis Zwieselstein gehen. Wir haben uns aufgrund des Weges direkt an der Straße auch hier dazu entschlossen, von Sölden den Bus direkt nach Vent zu nehmen, dies würde ich auch empfehlen.

Etappe 7 Vent – Schöne Aussicht Hütte

Der offizielle L1 führt nun über die Martin Busch Hütte zum Saykogel, mit 3360 Metern auch höchster Punkt der Tour. Von hier geht es dann weiter zur Schöne Aussicht Hütte. Wir mussten witterungsbedingt leider die Alternative über die Similaunhütte wählen und von dort nach Vernagt absteigen. Die meisten Wanderer sparen sich dann den sehr langen Abstieg nach Schlanders, sondern fahren von Kurzras oder wie wir von Vernagt mit dem Bus nach Schlanders.

Etappe 8 Schöne Aussicht Hütte – Schlanders

Insbesondere wenn man die Variante mit dem Bus wählt, ist hier ein guter Zeitpunkt einen Ruhetag in Schlanders einzulegen, die Füße hochzulegen und Südtiroler Spezialitäten in dem Vinschgauer Städtchen zu genießen.

Etappe 9 Schlanders – Berggasthaus Stallwies

Von Schlanders geht es zunächst durch Weinberge, dann auf eher langweiligen Forstwegen über die Göflaner Alm hinauf zur Göflaner Scharte. Hier gilt es ein wenig auf die Gewitterneigung zu achten, von der Scharte hat man erste, beeindruckende Blicke auf die Ortlergruppe. Von der Scharte führt der Weg dann auf und ab, bis zum wunderbar gelegenen Stallwieshof, einem der schönsten Übernachtungsorte auf dem L1.

Etappe 10 Berggasthaus Stallwies – Marteller Hütte

Der Weg führt durch das Martellertal zunächst recht eben bis zum Stausee unterhalb der Marteller Hütte. Von dort gibt es dann unterschiedliche Aufstiegsmöglichkeiten zur Hütte, die Variante vom Stausee nach links ist steiler und anspruchsvoller, aber auch schöner, sonst bietet die Etappe keine großen Schwierigkeiten.

Etappe 11 Marteller Hütte – Peio

Eine weitere sehr anspruchsvolle Etappe steht heute auf dem Programm. Von der Marteller Hütte steigt der Weg über den spaltenfreien Fürkeleferner hinauf zur Fürkelescharte auf 3032 Metern. Die kurze Gletscherquerung erfordert unbedingte Trittsicherheit, auch die letzten Aufstiegsmeter zur Scharte sind auf technisch anspruchsvollem, rutschigem Geröll zu absolvieren. Von der Scharte, mit der man auch die deutsch-italienische Sprachgrenze überquert, folgt ein langer, ermüdender Abstieg nach Peio.

Etappe 12 Peio – Rifugio Bozzi

Diese eher kurze Etappe führt zunächst eben bis zum Stausee am Ende des Tals. Von dort geht es dann zwar lange, aber nicht extrem steil hinauf zum Rifugio Bozzi. Hier gibt es noch einige Bunker und sonstigen Überbleibsel aus dem hier heftig umkämpften Ersten Weltkrieg zu sehen, ansonsten ist es nicht sonderlich spektakulär.

Etappe 13 Rifugio Bozzi – Temú

Theoretisch und bei sehr guter Kondition könnte man auch direkt vom Rifugio Bozzi zum Rifugio Garibaldi gehen. Um noch etwas einzukaufen und zu entspannen, ist es aber netter vom Rifugio Bozzi den längeren Abstieg nach Ponte di Legno zu nehmen und von dort das Tal entlang nach Temú zu wandern und dort zu übernachten. Alternativ könnt ihr auch im größeren Ponte di Legno übernachten und dann mit dem Bus nach Temú fahren. 

Etappe 14 Temú – Rifugio Garibaldi

Ab hier folgt der L1 dem Höhenweg Sentiero No.1, der mit der weißroten Beschilderung gut zu finden ist. Von Temú geht es über eher langweilige Forstwege zunächst moderat, dann aber stetig steiler werdend zu den Stauseen und dann weiter zum Rifugio Garibaldi. Der Weg ist technisch nicht anspruchsvoll, kann aber bei hohen Temperaturen sehr anstrengend sein, weil es kaum Schatten gibt. Belohnt wird man mit dem wunderschön gelegenen Rifugio Garibaldi und dem Blick auf den Monte Adamello.

Etappe 15 Rifugio Garibaldi – Rifugio Gnutti

Vom Rifugio Garibaldi führt der Weg zunächst hinab zum oberen Stausee, ehe es dann zunehmend steil und wegen der größeren Granitfelsen auch anstrengend zum Passo di Premassone geht. Hier ist am Ende auch eine kurze seilversicherte Kletterpassage zu überwinden. Von der Passhöhe mit wunderschönem Ausblick auf die umliegende Bergwelt, geht es zunächst weiter über große Granitblöcke, die die Orientierung erschweren, hinab und dann über den Passo del Gatto zum Rifugio Gnutti. 

Etappe 16 Rifugio Gnutti – Rifugio Citta di Lissone

Vom Rifugio Gnutti geht es zunächst steil und wieder über die hier obligatorischen Granitblöcke hinauf zum Passo Miller, sehr steil hinab über das Rifugio Prudenzini wieder hinauf zum Passo di Paio. Hier sind die Wege stark mit Gras überwachsen und man muss oft aufpassen nicht umzuknicken, weil Löcher unter dem hohen Gras verborgen sind, es ist also Vorsicht geboten. Es folgt ein steiler Abstieg ins Tal des Paio, dem man bis zum Rifugio Citta di Lissone folgt, hier gäbe es aber auch Möglichkeiten zu Biwakieren. Eine lange schwierige Etappe, die man theoretisch auch auf zwei Tage verteilen könnte.

Etappe 17 Rifugio Citta di Lissone – Rifugio Maria e Franco

Es geht zunächst eben, dann schnell steiler werdend über einige seilversicherte Passagen über kleinere Pässe, dann eher eben entlang des Tals weiter. Hier ist der Weg gegen Erosion mit Eisenbahnbohlen unterlegt, was im trockenen Zustand das Gehen erleichtert. Über den Passo Ignaga, mit dem Ihr auch von Südtirol in die Lombardei gelangt, geht es sehr steil und teilweise seilversichert hinab zum Rifugio Maria e Franco

Etappe 18 Rifugio Maria e Franco – Rifugio Tita Secchi

Eine der kürzesten Etappen auf dem L1 führt zunächst über den Passo Dernal, dann recht steil bergab ins Tal mit vielen Schafen. Es folgen zwei weitere, kleinere Pässe mit einigen Granitfelsen, ehe es zum sehr schön gelegenen Rifugio Tita Secchi geht.  

Etappe 19 Rifugio Tita Secchi – Bagolino

Ab dieser Etappe weicht der Plan nun vom offiziellen L1 ab und biegt nach links in Richtung Gardasee ab, statt weiter nach Brescia zu gehen. Es folgt ein langer, auch eher langweiliger Abstieg in Richtung des kleinen Dörfchens Bagolino

Etappe 20 Bagolino – Idro

Von Bagolino geht es an der Ostküste des Idrosees entlang in Richtung Idro. Leider gibt es hier immer wieder längere Abschnitte entlang der Straße, deshalb kann man auch Teile der Etappe mit dem Bus umfahren.

Etappe 21 Idro – Saló 

Die letzte Etappe führt zunächst noch einmal steil bergauf aus Idro hinaus, es folgt ein langer, eher flacher Abstieg zum Gardasee bei Manerba, auch oft entlang von Teerstraßen. Ihr könnt entweder in Manerba bleiben, wir haben uns entschlossen noch mit dem Bus in das benachbarte, größere Saló zu fahren. Auf jeden Fall habt Ihr Euch jetzt einen Sprung ins kühle Nass des Gardasees verdient.

Ein paar Bemerkungen zur Ausrüstung

Die folgenden Zeilen betreffen nicht nur den L1, sondern können so oder so ähnlich auch für andere Alpenüberquerungen genutzt werden. Grundsätzlich gilt, was letztlich für jede Bergwanderung oder Trekkingtour richtig ist: je leichter desto besser. Achtet darauf Euer Rucksackgewicht so gering wie möglich zu halten und beschränkt Euch auf das Wesentliche. Ihr werdet unterwegs immer mal wieder die Möglichkeit haben, Kleidung zu waschen, deshalb könnt Ihr getrost auf zu viele Wechselschichten verzichten. Es genügt eine Wanderschicht, ein Baselayer aus Merinowolle, eine Isolationsschicht und eine Hardshelljacke als Toplayer für den Wetterschutz. Eine Überziehregenhose hatten wir zwar dabei, ist aber nicht zwingend nötig.

Eine gesonderte Bemerkung gilt dem Thema Schuhe. Wir benutzen auch im alpinen Bereich stabile Trailrunningschuhe, auch ein Approachschuh ist eine deutlich leichtere Alternative zu einem klassischen, knöchelhohen Bergwanderschuh. Dies ist aber nicht für jedermann und erfordert entsprechende Erfahrung im alpinen Gelände mit solchen Schuhen unterwegs zu sein. Es bleibt eine individuelle Entscheidung mit welchem Schuhwerk eine solche alpine Tour gegangen wird. Grödel können für die kurzen Gletscher- und auch immer mal wieder vorkommenden Schneefeldquerungen hilfreich sein, sind aber nicht zwingend erforderlich.

Was andere Ausrüstung angeht, hängt es davon ab, ob Ihr plant ausschließlich auf Hütten zu übernachten, oder ob Ihr auch das eine oder andere Mal biwakieren möchtet. Im ersten Fall gilt unter Coronabedingungen, dass Ihr auch auf den Hütten einen vollwertigen Schlafsack mit einer Komforttemperatur von um die acht Grad benötigt. Plant Ihr auch Biwaks einzustreuen, braucht Ihr natürlich eine Isomatte mit einem R-Wert von grob drei, eine Unterlage, sowie ein Tarp oder einen Biwaksack als Wetterschutz. Auch der Schlafsack sollte dann eine Komforttemperatur von rund um den Gefrierpunkt haben. Die weiter unten folgende Packliste geht vom zweiten Fall aus. Ansonsten komplettieren die Ausrüstungsliste gute Trekkingstöcke, ein paar wenige Hygieneartikel, eine Stirnlampe und ein Erste Hilfe Set.

Packliste Alpenüberquerung

  • Rucksack (30-35 Liter)
  • Schlafsack (Komforttemperatur 0 bis -3 Grad, auf Hütten ca. 8 Grad)
  • Isomatte (R-Wert ca. 3)
  • Biwaksack und/oder Tarp
  • Robuste Trekkinghose
  • Funktionsshirt
  • Eine Merinoschicht (lange Unterhose und Longsleeve)
  • Leichte Kunstfaser-oder Daunenjacke
  • Eine dreilagige Hardshelljacke
  • Ggf. eine Überziehregenhose
  • 2-3 Paar Wandersocken
  • 2-3 Unterhosen
  • Approach-Trailrunning oder Bergschuhe
  • Hüttenschuhe
  • Dünne Handschuhe und Mütze
  • Ein Buff
  • Stirnlampe
  • Trekkingstöcke
  • Erste Hilfe Set & Reiseapotheke
  • Zahnpasta, Zahnbürste & Sonnencreme
  • Smartphone und eine Powerbank

Was passiert eigentlich mit euren Retouren? 

10. Juni 2021
Die Bergfreunde

In Zeiten, in denen Meldungen durchs Netz geistern, dass Online-Händler großflächig Retouren vernichten, kommt diese Frage auch bei uns immer mal wieder an und auch in der Politik findet sie gehör. ‘Obhutspflicht’ heißt der neue Rechtsbegriff, den das Umweltministerium mit dem Kreislaufwirtschaftsgesetz letztes Jahr auf den Weg gebracht hat. Die Obhutspflicht soll Händler verpflichten, weniger Retouren zu entsorgen, was wir ziemlich gut finden und zum Anlass nehmen wollen, euch mal ein paar Takte zum Thema “Retouren bei den Bergfreunden” zu erzählen. Aber vorher…

Reklamation vs. Retoure – was ist der Unterschied

Damit es keine Verwirrungen gibt, wollen wir uns zunächst um eine kleine Begriffsdefinition bemühen:

  • Retoure: Hier handelt es sich um eine klassische Rücksendung des Produkts aufgrund deines gesetzlichen Widerrufsrechts oder aufgrund deines vertraglich eingeräumten Bergfreunde Retourenrechts. Danach hast du etwas länger Zeit, ein Produkt, dass dir nicht gefällt und sich noch im Originalzustand befindet an uns zurückzuschicken. Erfahre gerne mehr dazu in unseren AGB.
  • Reklamation: Das Produkt weist bei Lieferung einen Mangel oder ein Defekt auf und wird deswegen von dir innerhalb der geltenden gesetzlichen Gewährleistungsfristen beanstandet. Dies ist eine Reklamation.

Ok, verstanden. Aber was macht ihr denn jetzt mit euren Retouren?

Das ist relativ einfach: Wir lagern sie ein und verkaufen sie erneut. Das könnt ihr euch vorstellen wie im klassischen Ladenlokal: Ihr probiert etwas an und hängt es wieder zurück. Nur, dass dazwischen eben ein Postbote Pakete hin und her trägt.

Übrigens: Einen Teil unserer Bekleidungs-Retouren verpacken wir nicht mehr in Plastikbeuteln, sondern fassen sie einfach in zwei Papierbanderolen ein. Das spart eine menge Plastik. Wie wir das machen kannst du im zugehörigen Basislager-Artikel nachlesen.

Allein aus kaufmännischer Sicht macht es null komma gar keinen Sinn, Produkte, die noch funktionieren und nicht verschmutzt sind, nicht mehr zu verkaufen. Und selbst wenn wir ein retourniertes Produkt nicht mehr verkaufen können – was sehr selten vorkommt – wird es nicht entsorgt.

Reklamationen: Kann man das noch reparieren?

Ohne jetzt allzu tief in die komplizierte Welt der Reklamationen einzutauchen: Wenn ihr bei uns etwas reklamiert, weil ein Produkt innerhalb einer bestimmten Frist einen Mangel aufweist, versuchen wir – sofern das möglich ist – zunächst immer den Weg der Reparatur zu gehen. Unser Team gibt euch Tipps und Tricks an die Hand, wie ihr Produkte wieder in Stand setzen könnt. 

Warum wir so vorgehen? Zum Einen ist es in den allermeisten Fällen relativ einfach und schnell möglich, den Fehler zu beheben und es ist natürlich immer gut, wenn man Dinge nicht direkt entsorgt. Das vermeidet Müll. Zum anderen setzt ein Reklamationsprozess eine relativ lange und aufwendige Kaskade in Gang, denn das reklamierte Produkt muss von einem Sachverständigen geprüft werden. Das ist in der Regel der Hersteller. Die Abwicklung läuft in der Regel über den Händler – in dem Fall also uns. 

Heißt konkret: Ihr schickt die Reklamation zu uns, wir weiter an den Hersteller, der prüft, repariert, schickt es zurück an uns und wir zurück zu euch. Das ganze Prozedere dauert einige Wochen. 

Und da ist so eine direkte Reparatur doch deutlich einfacher, oder? :) Ihr findet im Netz übrigens sehr, sehr viele Reparaturtipps. Schaut zB. mal bei iFixit vorbei.

Reklamationen ein zweites Leben einhauchen

So, jetzt aber zu den guten Nachrichten: Wir schaffen es sehr zuverlässig, Produkte die nicht mehr in den Verkauf gehen, ein zweites Leben einzuhauchen und zwar so:

  • Spenden: So einfach, wie deutlich – denkt ihr vielleicht. Tatsächlich sind Produktspenden gerade an deutsche Organisationen gar nicht so einfach und es gibt ein paar rechtliche und formale Hürden im Prozess, die es im Vorfeld zu überwinden gibt. Daher arbeiten wir inzwischen mit einigen Hilfsprojekten fest zusammen. Wir wissen natürlich, dass der Bedarf auch darüber hinaus sehr hoch ist, würden euch allerdings an dieser Stelle bitten, von Spendengesuchen abzusehen, denn auch wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Produkten, die wir verteilen können – von den personellen Kapazitäten abgesehen.
  • Mitarbeiter-Flohmarkt: Wir Bergfreunde sind unsere besten Kunden. Und damit wir euch nicht dauernd den Shop leerkaufen, organisieren wir in regelmäßigen Abständen kleine Flohmärkte, bei denen retournierte Ware gegen eine kleine Spende mitgenommen werden darf. Die so zusammen gekommenen Spenden werden nochmal von uns verdoppelt und an fünf wohltätigen Vereine verteilt, die von den Kollegen vorgeschlagen wurden. 

Warum verkauft ihr reklamierte Ware nicht einfach günstiger im Shop?

Das wäre sicher eine weitere gute Möglichkeit, die Produkte einem zweiten Leben zuzuführen. Jetzt gerade ist es allerdings einfach kapazitiv nicht möglich. Wir müssten dafür natürlich zunächst einen ganz neuen Unternehmensbereich aufbauen, da wir z.B. keine eigene Reparaturabteilung haben. Da steckt ziemlich viel drin, was wir Stand heute noch nicht leisten können – aber man soll ja bekanntlich niemals nie sagen.

Wir hoffen, wir konnten euch einen kleinen und vor allem verständlichen Einblick geben. Falls ihr Fragen zum Thema habt, gerne ab damit in die Kommentare.

Pennen Deluxe – 6 Tipps, wie ihr draußen besser schlaft

28. Mai 2021
Tipps und Tricks

Mal ehrlich, was ist dieses Jahr denn eigentlich mit dem Frühling los? So ein Piss, echt. Und ja, ich weiß, das ist gut für die Natur und immer nur schönes Wetter geht nicht. Aber für mein kleines Outdoorherz braucht es hin und wieder mal Sonnenschein. Und das länger als nur 5 Minuten am Stück. So, genug gemotzt, zurück zum Thema. Mich zieht es nach draußen. Ich will mal wieder ein paar Tage wandern gehen. Die nächste Tour ist schon geplant und da sich das gute Wetter derzeit noch sehr bitten lässt, habe ich mir fernab von der Tourenplanung einmal ein paar Gedanken gemacht, wie sich unterwegs der Komfort ein wenig erhöhen lässt. Genauer, wie man es hinbekommt auch in Zelt oder Biwak gut und vor allem entspannt schlafen zu können.

Genau daran möchte ich euch heute einmal teilhaben lassen. Hier also meine ultimativen und gleichzeitig ganz persönlichen Tipps, wie man draußen, also mit Zelt oder Tarp aber auch in einer einfachen Schutzhütte, besser schläft. Bevor es losgeht noch eine Anmerkung: Alle Tipps habe ich selbstverständlich in der Vergangenheit ausprobiert, bzw. wende sie immer wieder auf Touren an. Für mich klappt das bestens, der eine oder andere Tipp ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache.

Tipp Nr. 1 – Ein guter Lagerplatz

Einen guten Lagerplatz zu finden ist nicht immer ganz einfach. Je nach dem wo ihr gerade seid, ist Wildcampen oder Biwakieren mal mehr oder weniger erlaubt, oder aber auch komplett untersagt. Wie das in den unterschiedlichen Ländern und Regionen geregelt ist, ist nicht immer ganz einfach nachzuvollziehen. Anni und ich haben das aber trotzdem mal probiert. Wenn ihr euch also für das Thema interessiert, schaut doch mal in unsere Beiträge:

Schlafplatz gesucht – was ist wo erlaubt beim Wildcampen in Deutschland?

Hotel Europa – Wo ist Wildcampen wie erlaubt?

Abgesehen von rechtlichen Dingen solltet ihr bei der Wahl des Lagerplatzes aber dennoch einiges beachten.

Eben und trocken

Für eine angenehme Nachtruhe sollte euer Schlafplatz möglichst eben sein. Ist er das nicht, legt ihr euch immer so hin, dass die Füße nach unten zeigen. Ein großer Rucksack am Fußende verhindert das Rutschen zusätzlich. Das hat den Vorteil, dass ihr entspannt liegen könnt und nicht Gefahr lauft dauernd irgendwie von der Matte zu rutschen. Auch wenn ihr mit anderen in einem Zelt schlaft, kommt es so nicht dazu, dass ihr euch unfreiwillig talwärts auf euren Nachbarn wälzt. Auch mit dem Kopf nach unten zu liegen ist keine besonders gute Idee, außer vielleicht, wenn ihr eine Fledermaus seid…
Auch solltet ihr darauf achten, dass der Platz möglichst trocken ist. Gerade nach oder an einem Regentag ist das sicherlich nicht ganz einfach. Versucht aber auf jeden Fall eine Stelle zu finden, die nicht komplett durchweicht ist. Denn starke Nässe drückt sich mit der Zeit gerne mal durch den Zeltboden. Gerade bei älteren Zelten sollte man das nicht unterschätzen. Ohne Zelt wird’s bei zu nassem Untergrund ohnehin eklig. Mit einer Plane zum Unterlegen könnt ihr euch mit oder ohne Zelt ganz gut behelfen, aber je trockener der Platz ist, desto komfortabler lagert ihr auch.

Hohes Gras und Flussnähe meiden

An Flüssen und im hohen Gras wird es über Nacht nass. Stichwort Tau. Das solltet ihr vor allem beim Biwakieren nicht unterschätzen. Wenn ihr also am nächsten Morgen nicht frisch gewaschen im Schlafsack aufwachen wollt, dann meidet Orte, an denen die Bildung von starkem Tau zu erwarten ist. Im Wald oder am Waldrand sieht es da beispielsweise besser aus, als inmitten einer hohen Wiese oder in kleinen Senken. Aber auch ein halbwegs großer Baum mit dichter Krone kann schützend wirken. Bei Mehrtageswanderungen halte ich zu diesem Zweck immer auch gerne nach Aussichtspavillons Ausschau. Das ist zwar nur noch so halbdraußen, dafür hat man in der Regel aber einen guten Regenschutz und mit Glück auch noch eine Bank von der aus man vor dem Schlafen den Sonnenuntergang genießen kann.

Tipp Nr. 2 – Die richtige Unterlage

Die perfekte Matte zu finden ist eine Wissenschaft für sich. Denn welche die beste Matte für euch ist, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Ich möchte aber an dieser Stelle, das Fass der Isomattenfindung nicht weiter aufmachen, sondern verweise für Interessierte einfach auf den Beitrag von Simon:

Isomatten: Wie man sich bettet, so liegt man

Um es kurz zu machen: Eine gute Isomatte passt immer zu euch, dem Ort, der Jahreszeit und den Bedingungen. Seid ihr mit dem Auto unterwegs, dann könnt ihr auch getrost zu einer Matte greifen, die eine gute Freundin von mir immer „OP-A-REST Matten“ nennt. Also besonders dicke (und meist auch besonders schwere) selbstaufblasende Isomatten. Für alle die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind funktioniert das aber nicht. Auch hier ist es daher wie so oft im Leben, es muss ein guter Kompromiss her. Leichte Matten sind manchmal nicht besonders bequem dafür aber robust, oder robust und nicht sonderlich bequem. Ich habe mich lange mit diesem Problem auseinandergesetzt und mittlerweile ein System gefunden, das für mich bestens funktioniert. Ich möchte euch daher an dieser Stelle noch einen ganz persönlichen Trick verraten.

Der Trend geht zur Zweitmatte…

Ich habe Rücken und brauche eine bequeme Matte mit möglichst geringem Gewicht. Erst letztes Jahr musste ich bei einer Mehrtagestour feststellen, dass ich durch unbequemes Liegen ab einem gewissen Ermüdungsgrad einfach nicht mehr richtig entspannen und ausruhen konnte. Das ist spätestens nach der dritten bescheidenen Nacht nicht mehr lustig. Was Leichtes und Bequemes wäre also durchaus wünschenswert.

Gleichzeitig übernachte ich auch mal auf steinigem Untergrund. Also muss die Matte auch ordentlich was aushalten. Gerade bei sehr dünnen Luftmatten habe ich die Sorge, dass in diesen Fällen auch mal ein Kiesel ein Loch in die Matte drückt. Eine Schaumstoffmatte oder dünne selbstaufblasende Isomatte wäre aus diesem Gesichtspunkt wahrscheinlich das Beste für mich. Doch da macht mein Rücken beim Liegen wieder nicht mit. Ein Dilemma, das ich aber gelöst habe.

Ich besitze schon immer eine relativ dünne aber warme und extrem robuste THERM-A-REST Matte. Diese Matte ist quasi unkaputtbar. Auch übelste Bedingungen konnten ihr nie etwas anhaben und ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass das Teil sogar schusssicher sein muss. Oder so. Vielleicht, wer weiß… Aber diese Matte ist genau das Gegenteil von bequem. Reicht also für meine Zwecke leider nicht aus. Darüber hinaus besitze ich aber auch noch eine zweite, kleine und besonders leichte Matte, die für den notwendigen Komfort sorgt. Schlau kombiniert sind beide Matten super, hier kommt der Trick:

Die robuste Matte kommt direkt auf den Boden. Drauf lege ich dann meinen Schlafsack und in den Schlafsack hinein kommt die zweite Matte. Hersteller wie Klymit bieten hierzu spezielle Modelle an. Meine Matte im Schlafsack ist daher eigentlich mehr ein Gitter als eine richtige Isomatte. Aber sie sorgt dafür, dass ich bequem liegen kann. Denn gerade Körperstellen wie Hüfte oder Schultern, an denen es gerne mal zu Druckstellen kommt, sind so bestens gepolstert. Darüber hinaus füllt der Schlafsack von unten die Lücken der Matte aus. Dies ermöglicht nicht nur angenehmes Liegen, sondern auch eine verbesserte Isolationsleistung.

Übrigens: auch die Sache mit dem Gewicht passt. Denn beide Matten zusammen wiegen nicht einmal ganz ein Kilo.

Tipp Nr. 3 – Kopf hoch!

Könnt ihr euch auch nicht komplett flach hinlegen und eine Nacht bequem lang schlafen? Also ich kann das jedenfalls nicht. Vielleicht werde ich ja auch einfach nur alt, eh wurscht. Nichts desto trotz: Ein Kissen muss her! Aber wer will denn schon ein Kissen auf der Tour mitschleppen? Ich meine, die Dinger sind sperrig, nicht ganz leicht und irgendwie erscheint es mir widersinnig einerseits bei manchen Ausrüstungsgegenständen auf jedes Gramm zu achten und dann ein Kissen mitzuschleppen. Andererseits, ein gesegneter Schlaf hat auch was für sich. Hier also zwei Ideen, wie das klappen kann:

Pack den Sack

Bei dieser Idee handelt es sich um die leichtere Bastelvariante, denn dazu benötigt ihr nur Dinge, die ihr ohnehin dabei habt. Packsäcke sind eigentlich auf jeder Tour dabei. Sei es der Packsack vom Zelt, Schlafsack oder sonst was. Sucht euch den Sack aus, der von der Form und der Größe her am ehesten eurer Vorstellung von einem Kissen entspricht. Solltet ihr einen Packsack aus einem weichen Material (oft der vom Schlafsack) dabei haben, wählt ihr vielleicht auch den aus. Diesen Sack füllt ihr dann einfach mit ein paar Klamotten, je weicher diese sind desto angenehmer wird auch das Kissen. Ideal wären beispielsweise eine Daunenjacke, Fleecepullover etc. Achtet dabei aber darauf, dass der Beutel weder zu fest noch zu instabil wird. In beiden Fällen würdet ihr nicht bequem liegen. Ist der Packsack locker gefüllt schläft es sich nach meiner Erfahrung am angenehmsten.

Reisekissen-Rulez

Es gibt aber auch Reisekissen, die fast nichts wiegen und mit einem sehr kleinen Packmaß daherkommen. Ich bin bekennendes Weichei und somit absoluter Fan. Es gibt da beispielsweise Kissen, die wiegen gerade einmal so viel wie ein großes Ei und sind zusammengepackt nur unwesentlich größer als ein Päckchen Papiertaschentücher. Klingt machbar, oder? Ich meine, das ist die de luxe Weicheivariante. Man hat ein kleines aber feines Kissen dabei. Das wird aufgeblasen und bietet so die gewünschte Unterstützung. In der Regel sind Kissen dieser Art mit Kunstfasern gefüllt, sodass das Kissen auch bei niedrigen Temperaturen nicht zur unangenehmen Kältebrücke wird. Logischerweise wird ein solches Kissen nur zum Schlafen verwendet und ist daher immer entsprechend sauber (was bei einem Packsack oder den Klamotten auf einer längeren Tour nicht immer der Fall ist).

Tipp Nr. 4 – Kleider machen Leute

Soll ich euch mal was Privates verraten? Ich meine, wir sind hier ja quasi unter uns… Also hier kommt‘s: Zu Hause schlafe ich grundsätzlich in Unterwäsche, also nur Unterwäsche, kein Schlafanzug, kein Nachthemd… (mein lange gehütetes Geheimnis, jetzt ist es raus). Unterwegs handhabe ich das ähnlich, aber dennoch anders und das hat so seine Gründe.

Das Nachtleben der Thermounterwäsche

Meiner Meinung nach ist es durchaus sinnvoll auf einer Tour Kleidung eigens zum Schlafen mitzunehmen. Ich bevorzuge hierbei lange und dunkelfarbige Thermounterwäsche. Denn nutzt man diese nur zum Schlafen ist sie auch bei längeren Touren sauber, warm und angenehm zu tragen. Gerade wenn es bei Mehrtagestouren mangels Dusche oder ähnlichem mit der Körperhygiene langsam aber stetig abwärts geht, empfinde ich es als äußerst angenehm was Sauberes zum Schlafen, dabei zu haben. Außerdem hält Thermounterwäsche schön warm, was gerade an kühleren Tagen sehr praktisch ist. So kann ich beispielsweise im Zelt noch lesen ohne den Schlafsack bis oben hin schließen oder frieren zu müssen. Aber noch etwas ist praktisch: Muss man nachts mal aus dem Zelt, muss man nicht erst noch irgendwelche Klamotten zusammensuchen und aufpassen, dass man niemanden aufweckt. Man kann wie man ist schnell hinter den Busch verschwinden oder zum Waschhaus auf dem Campingplatz gehen. Nerviges Aus- und Anziehen entfällt.

Praktischer Nebeneffekt: Solltet ihr bei eurer Tour von einem Kälteeinbruch überrascht werden, habt ihr eine warme Unterwäsche dabei, die im Notfall für ein Plus an Wärme sorgt.

Tipp Nr. 5 – Aufräumen

Vor ein paar Jahren war ich im Sommer in Südfrankreich unterwegs und hatte eines nachts einen sehr penetranten Gast an meinem Lagerplatz. Ich meine, nicht nur, dass der sich auf meine Kosten durchfressen wollte und mitten in der Nacht für ordentlich Ruhestörung gesorgt hat, er wollte sich auch nicht abwimmeln lassen. Auch nachdem ich ihm mehrmals klar gemacht hatte, dass seine Anwesenheit wirklich nicht erwünscht ist, ließ er mich einfach nicht in Ruhe. Vielleicht könnt ihr euch ja schon denken, wer mich da besucht hat?

Die Rede ist hier von einem Igel. What!?! Ja, Igel, Erinaceidae wie der Lateiner sagt. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, glotzte er mich treudoof aus meinem Kochtopf an. Dieser stand, noch mit Essensresten gefüllt, aber mit einem Deckel verschlossen und mit anderem Geschirr beschwert neben dem Zelt. Irgendwie hatte es der Igel gecheckt, dass es da was zu holen gibt, es geschafft den Topf mit lautem Getöse zu öffnen und lag nun laut schmatzend in meinen restlichen Spaghetti. Der Arsch. Ich nahm also den Igel, trug ihn weiter weg in den Wald, kehrte zum Zelt zurück und schwupp war auch der Igel wieder da. Dieses Spiel wiederholte sich mehrfach, bis ich endlich alles igelsicher verstaut hatte.

Ordnung muss sein…

Wenn also auch ihr kein Bock auf Igel im Kochtopf oder Mäuse in der Kaffeetasse habt, dann räumt auf bevor ihr euch schlafen legt. Denn Essensreste und schmutziges Geschirr ziehen Tiere an. Wenn ihr nicht wollt, dass die nachts in eurem Campinggeschirr lautstarke Orgien feiern, wascht es ab oder verstaut es zumindest so, dass es außer Reichweite ist.

Doch abgesehen von der Fauna macht auch die Flora manchmal Ärger. Wie bereits erwähnt kommt es je nach Lagerplatz zur starken Taubildung im Gras etc. Hier werden Kleidung und andere Ausrüstung über Nacht schnell feucht, was nicht selten am nächsten Morgen für unangenehme Überraschungen sorgt. Wer jemals ein vom Tau klammes T-Shirt angezogen hat, weiß wovon ich rede… Aber auch hier gibt’s einen einfachen Trick: Packt alles, in euren Rucksack oder nehmt es mit ins Zelt. Dort ist es zuverlässig geschützt. Gerade an besonders kalten Tagen kann es auch angenehm sein die Kleidung für den nächsten Tag mit in den Schlafsack zu nehmen. Hierdurch ist sie bereits angenehm vorgewärmt. Schuhe stelle ich außerdem meistens auf meinen Rucksack, sodass sie nicht direkt am Boden stehen, auch das hilft gegen Feuchtigkeit.

Tipp Nr. 6 – Macht euch nicht verrückt

Nachts draußen in der Natur, noch schlimmer im Wald, das ist in vielen Köpfen gleich mit den Begriffen „unheimlich“ oder „Gefahr“ oder ähnlichem verknüpft. Denken wir doch nur an die Räuber, die im Wald wohnen, der böse Wolf, der Kindern auflauert und die eine oder andere Gestalt, die in den unterschiedlichsten Landstrichen nachts ihr Unwesen treibt. Unsere Märchen und Sagenbücher sind voll davon. Aber ich verrate euch mal was: Da ist in Wirklichkeit einfach nichts, zumindest nichts Bedrohliches. Auch wenn es nachts draußen raschelt, pfeift und knackt. Da ist nichts Böses, ihr könnt ruhig schlafen.

Mitternachtssnack der wilden Tiere

Immer wieder hört man Geschichten, dass Wildtiere schlafende Menschen als willkommene und einfache Beute ansehen. Da soll der Wolf schon arglose Wanderer im Schlaf überrascht haben, aber auch von schwerwiegenden Verwechslungen von Aasfressern wird erzählt. Aber jetzt kommt‘s: In Mitteleuropa ist die Gefährdung durch Wildtiere gleich null. Ihr werdet nicht vom Wildschwein angeknabbert oder vom Wolf überfallen, schon gar nicht, wenn ihr schlaft.

Wildtiere greifen (zumindest in unseren Breiten) normalerweise nur dann an, wenn sie sich bedroht fühlen, in die Enge getrieben werden oder ihre Jungen verteidigen wollen. So lange ihr friedlich schlaft und nicht aktiv auf die Tiere zugeht, nehmen sie euch auch nicht als Bedrohung war. Ihr seid nicht einmal interessant. Oft haben Wildtiere außerdem Angst vor dem Menschen und verziehen sich, bevor ihr sie überhaupt wahrnehmt. Wollt ihr dennoch auf Nummer sicher gehen, sucht euren Lagerplatz nach Wildspuren ab. Gerade Wildschweine hinterlassen in der Regel deutliche Spuren. Auch Orte direkt neben einer Wasserstelle oder im unmittelbaren Umfeld eines Jägerstands solltet ihr je nach Saison meiden.

Auch vor Gekrabbel wie Spinnen, Insekten und anderem Getier müsst ihr keine Angst haben. Denn dieses kriecht nachts auch nicht übermäßig auf euch herum. Der Mensch ist einfach nicht interessant (außer vielleicht für Stechmücken).

Also, auf nach draußen!

Ihr seht, mit ein paar kleinen Tricks lässt sich der Schlaf auch unterwegs deutlich verbessern.
„Moment mal… Mensch, Lisa du hast ja überhaupt nichts über Schlafsäcke geschrieben!?! Ich meine, hier geht’s doch ums Pennen, da ist doch der Schlafsack der Ausrüstungsgegenstand überhaupt und du schreibst einfach nichts dazu? Sehr fragwürdig…“
Vielen Dank, an den imaginären Zwischenrufer. Ja, das ist in der Tat so und hat durchaus seine Gründe. Erstens: Zum Schlafsack selbst habe ich keinen besonderen Tipp. Zweitens: Stephan und Simon haben hier schon wirklich gute Arbeit geleistet und in ihren Beträgen alles Wichtige rund um den Schlafsack erklärt. Also mein imaginärer Freund, nimm das:

Richtig(e) betten auf Touren: Kaufberatung Schlafsäcke

Und das:

Temperaturangaben bei Schlafsäcken? Was bedeuten sie wirklich?

Aber nun zu euch…

Wie schaut das bei euch aus? Welche Tricks habt ihr für eine geruhsame Nacht im Freien so auf Lager? Vielleicht könnt ja auch ihr noch den einen oder anderen Tipp beisteuern. Das würde mich echt freuen, denn ich bin viel unterwegs und freue mich immer darauf, was Neues auszuprobieren. Schreibt mir gerne und ich probiere das auf jeden Fall aus. Großes Indianerehrenwort!

Ich für meinen Teil, ähh, bin dann mal weg… Tschüss!

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