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Zur Produktschulung nach Jämtland in Schweden – es gibt Schlimmeres

2. April 2014

Sportart

Produktschulung satt

Produktschulung satt

Unsere Kollegen aus dem Kundenservice sind die ersten Ansprechpartner, wenn Kunden Fragen zu unseren Produkten haben. Daher versuchen die Bergfreunde nicht nur die Stellen im Kundenservice mit eingefleischten Gearheads zu besetzen, die sich ohnehin nichts Schöneres vorstellen können, als sich den ganzen Tag über Spielzeuge zu unterhalten, wir versuchen auch unsere Kollegen regelmäßig auf den neusten Stand zu bringen.

Die beste Methode dafür ist natürlich, die Produkte selber auszuprobieren und so eigene Erfahrungen zu sammeln. Viele Hersteller bieten daher in regelmäßigen Abständen Schulungen an. Manchmal kommen dazu die Vertreter zu uns ins Haus, in seltenen Fällen kommen aber auch die Bergfreunde zu den Herstellern. In diesem besonderen Fall flog unser Kollege Daniel aus dem Kundenservice für ein paar Tage nach Schweden und durfte gleich eine ganze Reihe von Produkten und Herstellern unter die Lupe nehmen. Hier könnt Ihr lesen was er erlebt und gelernt hat.

Ich habe nicht schlecht geschaut, als Anfang dieses Jahres ein Schreiben aus Skandinavien kam. Die schwedischen Hersteller Woolpower, Lundhags, Klättermusen, Hilleberg und Trangia haben zur Jämtland Outdoor Experience – kurz JOE geladen. Eine dreitägige Produktschulung unter winterlichen Bedingungen im „Garten“ der jeweiligen Hersteller.

Da dies nicht nur meine erste Reise nach Schweden, sondern auch gleichzeitig meine erste Wintertour werden sollte, war ich entsprechend gespannt und voller Vorfreude. Also wurden kurzerhand die Flüge gebucht und die Reisetasche schon einmal gedanklich gepackt. Auch wenn ich für die Tour vor Ort gut ausgerüstet werden sollte, habe ich mich vorher noch einmal bei uns im Shop umgesehen. Schließlich findet man immer wieder etwas, was man noch benötigen kann.

Anreise mit kleinem Umweg über Stockholm

Ich hatte gleich die Chance genutzt und bin einige Tage eher angereist, um mir Stockholm mit anzusehen. Jeder, der die Möglichkeit hat, sollte einen Kurztrip in diese schöne, aber sehr teure Stadt planen. Besonders haben es mir zwei Orte angetan: Gamla Stan – der Altstadtkern und Skansen – das Freilichtmuseum. Mein Tipp: Es gibt recht günstige Unterkünfte bzw. Kajüten auf einem der vielen Schiff-Hostels.

Nach ein paar Tagen ging es dann auch für mich mit dem Flugzeug weiter Richtung Östersund, wo man bereits vom Flugzeug aus die zugefrorenen Seen und verschneiten Wälder betrachten konnte. Da „unser“ Winter ja recht bescheiden ausfiel – schlug nun mein Herz gleich höher!

Ab in den Schnee

Da dieses Event nicht nur für mich – sondern für viele weitere Outdoor Shops aus Deutschland, Holland, England, Schweden und Tschechien organisiert wurde, hieß es bei der Ankunft zunächst einmal sich kennen lernen. Am Flughafen wurden wir von Eva (Woolpower) und Daniel (Hilleberg) erwartet. Anschließend ging es mit dem Bus zu den Firmen Trangia und Lundhags – wo uns nicht nur die Produktion gezeigt, sondern auch das erste Test-Equipment ausgehändigt wurde.

Es war sehr interessant zu sehen, wie noch immer ein Teil der Schuhe im schwedischen Järpen von Hand produziert wird. Auch Trangia fertigt sein Geschirr und die Spirituskocher in Trångsviken, welches nur wenige Kilometer entfernt liegt.

Anschließend ging es ins Hotel, wo wir neben einem kurzen Briefing unsere restliche Testausrüstung bekamen. Beim gemütlichen Abendessen stimmten wir uns alles schon einmal auf die kommenden drei Tage ein.

Am nächsten Morgen ging es mit dem Bus – nach einem Abstecher in die Zentrale von Klättermusen – zum Ausgangspunkt in Trillevallen und kurz darauf standen wir voll gepackt mit Ausrüstung  in der wunderschönen Natur Jämtlands.

Wir wurden in kleinere Gruppen zu je ca. 6 Leuten aufgeteilt und die Teamausrüstung wurde in Pulkas verstaut. Auf Skiern oder mit Schneeschuhen ging es nun los. Da wir an diesem Tag etwas später gestartet sind, fiel die erste Tagesetappe kleiner aus als geplant und nach wenigen Kilometern bauten wir bereits unser Lager auf.

schaut doch eigentlich ganz gemütlich aus...

schaut doch eigentlich ganz gemütlich aus…

Nun hieß es Schnee schaufeln, Zelte aufbauen, Schneeanker vergraben und Ausrüstung verstauen. Erst dann konnte mit Schnee schmelzen und Kochen begonnen werden. Die erste Nacht sollte auch gleich die härteste werden. Die ganze Nacht über stürmte und schneite es und wir machten alle kaum ein Auge zu. Aber die Zelte hielten und am nächsten Morgen waren zwar alle noch leicht zerknirscht aber bereits voller Vorfreude auf den Tag.

Ein Parkranger gab uns noch eine kleine Lektion im Fährtenlesen, informierte uns über Jämtland und versicherte uns, dass auch Baumrinde ein guter Teeersatz sei. Anschließend hieß es Zelte abbauen, Rucksäcke packen und gemeinsam die Tagesetappe planen. Wir bekamen lediglich die Zielpunkte genannt. Die Route selbst wurde von der Gruppe gewählt und täglich war ein Teamleader für die Navigation mit Karte und Kompass verantwortlich. Begleitet wurden wir von anderen Mitarbeitern der teilnehmenden Firmen um uns unterwegs immer wieder nützliche Tipps und Tricks im Umgang mit ihren Produkten zu geben.

Rentiere mal hautnah

Rentiere mal hautnah

Das Wetter unterwegs war sehr wechselhaft. Strahlend blauer Himmel wechselte in Schneesturm und Whiteout. Unsere Route führte uns u.a. über die Bergkette Jämtlands zu einem nahe-gelegenen See. Ein sehr eindrücklicher Moment war, als wir auf einer Bergkuppe standen, der Schnee uns ins Gesicht blies, plötzlich aber die Sonne durchkam und wir direkt vor einer Rentierherde standen.

An diesem Tag wartete übrigens noch eine Überraschung auf uns. Da wir auch die Erfahrung machen sollten, dass es auf Tour nicht nur gefriergetrocknete Nahrung zu geben braucht, wurde für uns eine Nahrungslieferung mittels Skidoo organisiert. Aus unserem Gruppenzelt wurde kurzerhand eine Großküche und wenige Zeit später konnten wir alle Lachs mit Couscous und Gemüse genießen. Es ist ein wunderbares Erlebnis: Gutes Essen in der Natur und in toller Gesellschaft, abgerundet mit einem wärmenden Schluck Whisky (Danke an meinen Teamleiter Hannes für diesen Tipp ;-) ).

Es muss nicht immer Trekkingnahrung sein

Es muss nicht immer Trekkingnahrung sein

Auch die folgenden beiden Tage waren voller Eindrücke und Spaß, doch so wie jeder tolle Ausflug endete auch dieser wieder viel zu früh. Den letzten Abend verbrachten wir wieder im Hotel. Bevor es für uns alle wieder in Richtung Heimat ging, fuhren wir noch nach Östersund zu Woolpower, wo auch heute noch jedes einzelne Kleidungsstück – von der Socke bis zur Jacke – produziert wird.

Zum Abschluss zeigte uns Bo Hilleberg seine Firma in Frösön und berichtete uns von den Anfängen in den 1970ern, der zufälligen Entdeckung des Kerlon Stoffes und schickte uns alle durch die Windmaschine, welche zum Test der Zeltstabilität Tag und Nacht läuft.

Schön und informativ wars

Für mich war die Jämtland Outdoor Experience ein voller Erfolg. Ich konnte nicht nur die Erfahrung einer Wintertour machen, sondern habe auch viele tolle Menschen kennengelernt. Ein Zelt im Schneesturm aufzubauen, mit einem Kocher Schnee zu schmelzen oder dank der Kleidung den Naturgewalten zu trotzen sind Erfahrungen, die man einfach einmal machen muss.

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