Bergfreunde

Zu Besuch beim traditionsreichen Schuhhersteller Lowa

29. Mai 2015

Sportart

Zu Besuch bei Lowa

Zu Besuch bei Lowa – eine Reise nach Oberbayern

Schon einige Zeit fahren wir durch die blühenden Rapsfelder Oberbayerns, lange Alleen verbinden malerisch gelegene Dörfer miteinander. Wir sind auf dem Weg ins beschauliche Jetzendorf im Landkreis Pfaffenhofen zum traditionsreichen Schuhersteller Lowa, der hier in dieser idyllischen Landschaft seinen Sitz hat.

Zwei Bergfreunde-Mitarbeiter und eine Gruppe von Gewinnern aus einem Gewinnspiel durften sich für einen Tag bei Lowa umschauen, die Produktionsanlagen besichtigen und waren sehr beeindruckt. Bergfreund Simon berichtet hier von ihrem Ausflug.

Kurz hinter dem örtlichen Maibaum biegen wir noch zwei Mal ab und stehen direkt vor dem Haupttor zum imposanten Hauptsitz der Firma Lowa. Insgesamt 250 Mitarbeiter sind hier mit der Entwicklung und Produktion von hochwertigen Berg-, Wander- und Freizeitschuhen beschäftigt. Auf den ersten Blick ist es etwas verwunderlich, dass sich in einem kleinen Dorf mit nicht einmal 3000 Einwohnern ein solch renommierter Hersteller mit so vielen Mitarbeitern angesiedelt hat. Wenn man sich aber etwas näher mit der Geschichte dieser Firma beschäftigt, dann verwundert es gar nicht mehr. Denn Lowa wurde im Jahre 1923 genau in diesem Ort von Lorenz Wagner gegründet und hat sich seitdem rasant weiterentwickelt.

Von Oberbayern hinaus in die Welt

Von den Anfangsjahren nach der aus der Übernahme des elterlichen Betriebes gegründeten Firma bis zum heutigen Tage wuchs Lowa stetig und hat beständig seine Produktpalette weiter entwickelt. Aus der kleinen Manufaktur ist ein mittelständisches Unternehmen geworden, das sich auch von Rückschlägen nicht hat beirren lassen und das viel Wert auf Tradition und Handwerk legt. Aus eben diesem Grund ist der Hauptsitz immer noch das beschauliche Jetzendorf und wird es auch immer bleiben.

Zu Besuch bei Lowa

Zuerst gibt es eine Einführung in die Geschichte der Firma Lowa

Wir stellen unser Auto ab und sind überrascht über die großen und modernen Hallen, die wir in diesem Umfang nicht erwartet hatten. Im Showroom treffen wir auf die bunte Gruppe der Bergfreunde-Gewinner und bekommen von Thomas, der hier im Handelsmarketing tätig ist, einen Einblick in die Welt von Lowa. Normalerweise werden in diesem Raum die neuen Kollektionen vorgestellt und diskutiert, die Fachhändler pilgern hierher, um sich neuste Entwicklungen anzusehen und regelmäßig schauen auch die Mitglieder des Pro-Teams vorbei und geben ihre konstruktive Rückmeldung zu den von ihnen getragenen Schuhen ab. Die Namen Gerlinde Kaltenbrunner oder Ines Papert stehen in diesem Zusammenhang wohl für sich! Die Erfahrung und Ideen dieser Sportler fließen direkt in die Entwicklung neuer Modelle ein und helfen dabei, diese ständig zu verbessern, was letztendlich allen Schuhen von Lowa zu Gute kommt.

Neben den harten Fakten rund um die Firma staunen wir vor allem darüber, wie viel Wert auf hochwertige Rohstoffe und ein europäische Herkunft der Rohmaterialien gelegt wird. Das Leder kommt entweder aus Norditalien oder aus dem schönen Nordrhein-Westfalen. Die Schnürsenkel werden ganz in der Nähe hergestellt, ja sogar der Schuhkarton wird im weiteren Umkreis des hiesigen Kirchturms produziert. Es ist schön zu hören, dass ein weltweit agierendes und bekanntes Unternehmen wie Lowa in Zeiten der Globalisierung nicht jedem Euro-Cent hinterher rennt, sondern voll und ganz auf partnerschaftliche und langjährige Zusammenarbeit mit seinen Lieferanten setzt.

Handwerkskunst aus Meisterhand

Nach dieser kurzweiligen Einführung teilen wir uns in zwei kleinere Gruppen auf, um die eigentliche Produktion in Augenschein zu nehmen. Die eine Gruppe wird während der Besichtigung von Thomas in praktischem Hochdeutsch über die einzelnen Schritte ins Bild gesetzt, in meiner Gruppe herrscht der bayrische Dialekt vor, was mir direkt wieder die Verbundenheit der Mitarbeiter zum Standort Jetzendorf vor Augen führt.

Zu Besuch bei Lowa

Hier wird alten Schuhen neues Leben eingehaucht

Wir starten und passieren die Büros des Kundenservices, der sich hier um alle Fragen rund um das Thema Reklamation und Neubesohlung kümmert. Hier landen auch alle Schuhe, die von Kunden direkt oder über einen der Fachhändler eingesandt werden. Die Mitarbeiter begutachten dabei jeden Schuh einzeln und überprüfen, was mit ihm geschieht und ob eine Reparatur/Neubesohlung möglich ist. Auch Reklamationen werden hier in Augenschein genommen. Sollte zum Beispiel ein Gore-Tex Schuh undicht sein, kann dies hier mit Hilfe einer sogenannten Zentrifuge zu 100 % überprüft werden. Auch die fachgerechte Neubesohlung und Reparatur findet hier in einer großen Schusterei statt. Sofern dies möglich ist, werden die Schuhe hier auf Vordermann gebracht, was bei einem gut gepflegten Schuh problemlos auch nach jahrelangem Gebrauch möglich ist. Immer wieder stehen in den Regalen Stiefel für die Überholung bereit, die schon vor etlichen Jahren produziert wurden und dennoch wieder hier sind, um eine neue Sohle zu erhalten. Jeder Schuh bekommt dabei zudem neue Schnürsenkel und eine neue Innensohle, sodass man danach schnell wieder mit den eingelaufenen Schuhen auf Tour gehen kann.

Was macht die Fertigung in Jetzendorf aus?

Zu Besuch bei Lowa - Rohmaterialien

Top Qualität – das Leder Rohlager

Weiter geht es ins Lager für die Rohwaren. Hier werden zum Beispiel jene Schäfte gelagert, die in einem der Produktionsstandorte in Italien oder der Slowakei vorproduziert und hier endgültig zu einem hochwertigen Bergschuh komplettiert werden. Direkt daran schließt sich das Lager für Rohleder und textile Rohmaterialien wie Mesh oder Kevlarfasern an. Auch die unterschiedlichsten Sohlen werden hier gelagert. Unzählige Kartons tragen hier den Vibram Schriftzug.

Wir gehen weiter in das Labor, das der Qualitätssicherung dient. Hier werden Materialproben zum Beispiel auf ihre Haltbarkeit und Abriebfestigkeit hin überprüft, teilweise laufen die Maschinen über Wochen hinweg und simulieren so den Lebenszyklus eines Schuhs.

Nebenan werden die Musterschuhe in Handarbeit zusammengenäht. Schwere Nähmaschinen surren, Ösen werden von Hand eingepresst und es riecht nach Leder und Klebstoffen. Was hier von Hand zu einem Schuh gemacht wird, kann der Kunde meist erst in ein bis zwei Jahren bestaunen. Der Vorlauf, bis ein Schuh den hohen Ansprüchen der Entwickler und Kunden entspricht ist lang. So bekommen wir einen exklusiven Blick auf die Schuhe, die man als Kunde erst in einer der nächsten Saisons im Shop sehen wird. Uns allen wird beim Anblick der Werkstatt sofort klar, wie viel Herzblut und Handarbeit in der Entwicklung eines zuverlässigen Schuhs steckt.

Ohne Kompetenz und Erfahrung geht es nicht

Zu Besuch bei Lowa - die Fertigung

Hightech für jeden einzelnen Schuh

Aber nicht nur in der Entwicklung wird vieles per Hand erledigt, nein, auch in der eigentlichen Produktion schwirren zwischen den modernen Maschinen unzählige Menschen umher. Und genau hier steckt das eigentliche Kapital der Firma Lowa: Die qualifizierten Mitarbeiter, die über langjährige Erfahrung in der Produktion verfügen und so in der Lage sind, einen perfekten Bergschuh herzustellen. Es genügt schließlich nicht nur, auf dem Reißbrett einen tollen Schuh zu entwickeln, sondern der Schuh muss auch in gleichbleibend hoher Qualität in Serie produziert werden, sodass er dem Kunden optimal passt.

Und das kann man nur erreichen, wenn viele Faktoren zusammenkommen: Zum einen kommen modernste Maschinen zum Einsatz, darüber hinaus werden Schuh-Leisten verwendet, die sich über Jahre und Jahrzehnte bewährt haben und an deren perfekter Passform ständig weiter gearbeitet wird, und nicht zu Letzt die Mitarbeiter, die aus all diesen bis zu 185 Einzelteilen den fertigen Schuh herstellen. Da werden Sohlen geklebt, der Geröllschutzrand angebracht, die Schnürsenkel von Hand eingezogen – alles Dinge, die eine Maschine nie so in dieser Qualität bewerkstelligen könnte. Nur so schafft man es, dass die Kunden zufrieden sind und man am Tag um die 1000 Paar hochwertiger Berg- und Trekkingschuhe herstellen kann.

Zu Besuch bei Lowa - Handarbeit

Hier wird noch jeder Schuh zigfach in die Hände genommen

Bis zu 400.000 Paar Schuhe verlassen so jährlich „Made in Germany“ die Hallen in Jetzendorf, insgesamt werden in allen Werken zusammen im Jahr über zwei Millionen Paar Schuhe hergestellt. Und diese werden in allen Produktionsstandorten immer mit den gleichen hohen Qualitätsstandards gefertigt, denn auch dort hat das Schuhmacherhandwerk stets eine lange Tradition, von der Lowa profitiert. Gutes Personal ist schließlich schwer zu bekommen, und in diesen Hochburgen der Schuherstellung wie dem italienischem Giavera del Montello braucht sich niemand Gedanken über Qualität machen, die ist dort schlicht und einfach von je her vorhanden.

Ein klares Bekenntnis zu Qualität und Nachhaltigkeit

Sichtlich beeindruckt über diesen hochkomplexen Produktionsprozess verlassen wir die Werkshalle. Es schwirren so viele Leute umher, wir hatten eher eine klinische Fabrik erwartet, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wenn man es vorher nicht geglaubt hat, hier sieht man es mit eigenen Augen: zu einem zuverlässigen Wanderschuh gehört mehr als eine ansprechende Optik – es gehört nach wie vor Handarbeit und Schuhmacherhandwerk dazu. Und das inmitten in der ländlichen Idylle Oberbayerns, in der man nicht erwartet hätte, das hier quasi hinter’m dörflichen Bretterzaun und dem blauweißen Maibaum ein Unternehmen von Weltruf Schuhe produziert, die bereits fast jeden Winkel dieser Erde unter den Sohlen hatten.

Begeistert von dieser geballten Schuhkompetenz müssen wir die Eindrücke erst einmal sacken lassen. Ich glaube keiner von uns hätte gedacht, was die Jungs und Mädels von Lowa alles anstellen müssen, damit wir mit einem bequemen und zuverlässigen Schuh draußen unterwegs sein können. Aber dass sie das aus dem „Effeff“ beherrschen, das beweisen sie schon seit langem, genauer gesagt seit 1923, dem Jahr als mit Lorenz Wagner alles seinen Anfang nahm.

Die Gruppe der Gewinner und die Bergfreunde Simon und Steffi im Hochseilgarten

Die Gruppe der Gewinner und die Bergfreunde Simon und Steffi im Hochseilgarten

Um den gelungenen Tag abzurunden, brechen wir kurz darauf in den nahegelegenen Wald-Klettergarten auf. Dort geht es nach einer kurzen Einweisung in den Parcours und wir versuchen uns an den unterschiedlichsten Routen. So machen wir zum Abschluss genau das, was uns alle im Grunde hierher nach Jetzendorf geführt hat und verbindet: Wir gehen alle leidenschaftlich gern nach draußen in die Natur und lassen uns die frische Luft um die Nase wehen.

Einer der Teilnehmer des Ausfluges hat in seinem Blog ebenfalls einen Bericht veröffentlicht. Hier geht es zum Bericht von Robert.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Robert sagte am 2. Juni 2015 um 16:17 Uhr

    Hallo Simon,

    du hast hier den Tag bei Lowa wahnsinnig toll beschrieben. Es war echt ein super Erlebnis!
    Danke für Eure Einladung dazu!

    Grüße

    Robert

  2. Simon sagte am 3. Juni 2015 um 08:23 Uhr

    Moin Robert!

    danke dafür! Ja, es war echt cool, eimal hinter die Kulissen zu schauen!

    LG Simon

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