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Zohreh AbdollahKhani: Irans beste Eiskletterin

1. Januar 2016

Sportart

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Frauenpower im Eis.

Zohreh AbdollahKhani ist ein Kind der Berge. Aufgewachsen in der Großstadt Karaj am Fuße des Elburs-Gebirge, lernte Zohreh schon von Kindesbeinen das Klettern, unterstützt von ihren ebenfalls bergbegeisterten Eltern. Eis, Fels, Höhlen, das ganze Spektrum der Berge gefiel ihr, doch am allermeisten das Eis. Trotz ihres Talentes hörte sie so einiges mal: Diese Route ist nichts für Frauen! Als Studentin der Luftfahrt, ausgezeichnet als Beste ihres Jahrganges, erzählte man ihr auch, sie sei vielleicht gut im Lernen für Prüfungen, Fliegen sei aber trotzdem keine Frauensache. Wer sich an unseren vorherigen Artikel im Basislager erinnert, der weiss, dass auch in Deutschland Frauen im Bergsport und in der Luftfahrt oft mit Misstrauen begegnet wird. Kein Wunder also, dass es im konservativen Iran nicht besser aussieht.

Eine Leidenschaft für’s Eis

Und doch, Zohreh AbdollahKhani hat mit ihren Talent und ihrer Willensstärke so einiges Vorurteil widerlegen können. Versiert im Fels und Eis, kletterte sie so einige Routen im Iran als erste Frau und überzeugte auch ihre Studienkollegen, dass sie sich getrost bei ihr in den Flieger setzen können. Sie entwickelte eine Leidenschaft für Drytooling und überredete den iranischen Bergsteiger- und Sportkletterverband nach harter Überzeugungsarbeit, dass auch iranische Frauen bei den Worldcups und Weltmeisterschaften im Eisklettern vertreten sein sollten. Bei den Asiatischen Meisterschaft in Seoul 2013 holte sie prompt die Bronzemedaille, trotz starker koreanischer Konkurrenz.

Ein Sport, der verbindet

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Drytooling Training.

Ob man für oder gegen Klettern als olympische Disziplin ist, das olympische Wunder der Verständigung, das hat Zohreh auf ihren Wettbewerben erlebt. Als iranische Sportlerin muss sie ein Kopftuch tragen und fühlte sich auf ihrem ersten internationalen Wettbewerb zunächst anders als alle anderen. Im Iran, so erzählt Zohreh, lernt man, dass die Welt voll mit Feinden ist, doch die Herzlichkeit der internationalen Klettergemeinschaft, in der sie sich schnell willkommen fühlte, hat dieses Gerücht schnell widerlegt. Und andersherum bewies sie, dass auch ein (von oben verordnetes) Kopftuch kein Hindernis darstellt, versiert mit Steigeisen und Eisgerät umzugehen.

Männer, Frauen: getrennt

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Die Berge haben ihre eigenen Regeln.

Und doch, ein paar Hindernisse gibt es schon. Wenn bei uns die Kletterhallen zur Ladies‘ Night einladen, hat das eine andere Bedeutung als im Iran. Dort wird streng getrennt geschlechtlich geklettert. Einen Tag ist die Halle für Frauen offen, am nächsten für Männer. Für uns unvorstellbar, für iranische Hobbykletterer ein Ärgernis, für Leistungskletterer wie Zohreh ein erheblicher Trainingsnachteil im Vergleich zu Athleten aus anderen Ländern, die nach Belieben mit ihren männlichen Kletterpartnern und Coachen trainieren können. Doch in den Bergen werden nicht nur die Gesetze der Schwerkraft in Frage gestellt.

Klettern wird immer populärer im Iran, die technische Leistung von iranischen Kletterern wächst. Zohreh trainiert Kinder und Jugendliche und ist überzeugt, dass das breitensportliche Fördern vom Klettern auch für die Entwicklung des Leistungssportes wichtig ist. Und noch dazu: je mehr Frauen und Männer klettern, desto schwieriger wird es werden, die Klettergemeinschaft zu drangsalieren. In der Masse ist man stark.

Sponsoren und andere Schwierigkeiten

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Wettbewerbe müssen finanziert sein.

Ob Fels oder Eis, als Leistungssportler hat man es im Klettersport nicht einfach. Doch als iranische Eiskletterin Sponsoren zu finden, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Sponsoren möchten ihre Athleten filmen, fotografieren und auf Plakatwände kleben. All dies ist nicht einfach im strengen Iran. So ziehen es viele westliche Firmen vor, mit Athleten aus politisch weniger komplizierten Ländern zu arbeiten, auch wenn Zohreh sie leistungstechnisch übertrifft, trotz aller Widrigkeiten ihres Trainingsalltags. Es ist nicht einfach, aus Geldgründen zu Hause bleiben zu müssen, nach dem man sich monatelang auf einen Wettkampf vorbereitet hat.

Es gibt noch andere politische Schwierigkeiten, auf die sie keinen Einfluss hat: Einreisebestimmungen, die aufgrund der weltpolitischen Lage immer strenger werden. So fiel für Zohreh letztes Jahr der Worldcup in Frankreich ins Wasser. Trotz ihrer Qualifizierung erhielt sie kein Visum von den französischen Behörden. Nach dem Attentat auf Charlie Hebdo stand Abschottung anstelle von Austausch auf dem politischen Agenda und Zohreh musste die Eistools wieder auspacken.

Zukunftspläne

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Als Schiedsrichterin beim Asian Sport-Climbing Youth Championship 2015.

Bleiben oder gehen? Diese Frage stellt sich jungen iranischen Talenten immer wieder. Viele von Zohrehs Freunden haben das Land schon verlassen. Sie hat inzwischen mehr Freunde in Europa und den USA als zu Hause. Doch das Klettertalent will ihrer Heimat nicht den Rücken kehren, zumindest nicht für immer. Im Ausland einen Master in Sportmanagement machen, am besten dort, wo es auch ideale Trainingsbedingungen für den Klettersport gibt, zum Beispiel in Korea oder der Schweiz, dann zurückkehren und die Sportkultur verändern, das ist Zohrehs Plan für die nächsten Jahre. Klettern heisst Schwierigkeiten überwinden, Grenzen in Frage zu stellen. Hat sie auch einige mehr zu überwinden als Kletterer aus anderen Ländern, Zohreh lässt sich nicht aufhalten.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. thomas griebsch sagte am 7. Januar 2016 um 14:41 Uhr

    es ist gerade in dieser Zeit erfrischend etwas Positives zu lesen und den Glauben an die Meschheit wieder zu finden.

  2. Jan-Luca sagte am 6. September 2016 um 11:42 Uhr

    Eine klasse Sportart, die tatsächlich verbindet und leider viel Geld kostet. Einen Sponsor zu haben ist wie in jeder Sportart sehr von Vorteil! Allein die Supplements sind eine Menge Wert, dann kommen die Reisekosten und Co…
    Aber es macht Spaß!
    Vielen Dank für den Artikel

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