Was machen sommeraffine Bergfreunde im Winter?

31. Januar 2019

Das neue Jahr ist da und der Winter legt so richtig los – zumindest in der Bergwelt, wo es kürzlich wie verrückt schneite und die kalte Jahreszeit auch locker noch drei Monate regieren wird. Tiefschneejünger und Powderanbeter sind jetzt sämtlich in Ekstase und schmettern ein Halleluja nach dem anderen. Die Sommerfrischler hingegen schicken erste Stoßgebete zum Herrn, dass er die Zeit schneller verstreichen lasse.

Im vorigen Winter hat Bergwelten.com das „Team Winter“ und das „Team Sommer“ unter der Überschrift „Langer Winter: Fluch oder Segen?“ gegenübergestellt. Die zwei befragten Redaktionsmitglieder aus je einem der „verfeindeten“ Lager liefern für beide Seiten unterhaltsame Argumente.

Da ich selbst eher ins Dr. Sommer Team gehöre, habe ich mal angestrengt nachgedacht, wie wir den Winter ab sofort mehr genießen und endlich auch bergtechnisch konstruktiver verbringen können. Und zwar:

Mit diesen Tipps kann ein jeder sommeraffine Bergfreund den Winter überstehen!

Stephan alias Dr. Sommer hat DIE Tipps, wie ein jeder sommeraffine Bergfreund den Winter überstehen kann.

  • ohne Fernflug-Ausflucht in den Süden!
  • ohne teure Materialschlachten mit viel Zeit- und Planungsaufwand!
  • und auch ohne Wohnsitz in den Bergen!

Denn das kann ja jeder…

Vor der Lösung des Problems prokrastinierte ich erstmal eine Weile auf Facebook, um die Winterfreaks nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Es bestätigte sich wieder mal mein Eindruck, dass diese zwischen Dezember und März grundsätzlich nichts anderes machen, als an irgendwelchen weißen Steilhängen unter blauem Berghimmel ihre Lines zu ziehen. Also die gecarvten, geboardeten und getourten Spuren im Tiefschnee meine ich.

Die Wintermuffel hauen derweil entweder Strand- und Sonnefotos von der Südhalbkugel raus oder gehen, nur die üblichen Katzenfotos postend, einem etwas unglamouröseren Alltag unter der grauen Dunstglocke der Städte nach. Soweit die soziokulturelle Grundlagenforschung, jetzt zu den Ergebnissen.

Dr. Sommer Team ab sofort auch winterfest

Die erste und naheliegendste Antwort heißt: trotzdem einfach rausgehen und machen. Klingt erstmal ernüchternd fantasiearm, doch angesichts all der aufwändigen und equipmentlastigen Trendsports hat so mancher längst vergessen, dass man auch im Winter einfach so draußen herumlaufen und -rennen kann.

Winterwandern

Ganz ohne spezielles Fortbewegungsequipment und mit relativ normalem Schuhwerk funktioniert das zum Beispiel beim Winterwandern. Einfach nur solide beschuht und eingekleidet geht es dabei durch die weiße – oder im Tiefland und städtischen Umfeld auch braune – Pracht. Bei den Bergnews gibt es einen schönen Einstiegstext, bei dem der Autor auch gewisse finanzielle Aspekte anspricht:

„In einer festen, ausgetretenen Spur geht es dem Ziel, einer schön gelegenen Hütte, einer Alm oder einem aussichtsreichen Gipfel entgegen, einzige Hilfsmittel sind Wanderstöcke und gute Schuhe – in Zeiten unleistbar gewordener Skiausrüstung und Pistenkarten ein geradezu idealer Sport, und mit Abstand der gesündeste! Ohne Gefahr, sich die Knochen zu brechen, tankt man auf, belebt Körper, Geist und Seele (…).“

Der Artikel geht auch auf die benötigte oder zumindest empfehlenswerte Ausrüstung ein, die neben den eher steifen, wasser- und kältefesten Schuhen im Idealfall auch Gamaschen und Grödeln (Ministeigeisen mit wenigen Zacken) umfasst. Hinzu kommen weitere Bekleidungs- und Ausrüstungstipps, die man in der konsequenten Form aber eigentlich nur für richtig kaltes und schneereiches Winterwetter braucht. Und das hat es – wie eben schon festgestellt – bei uns Flachländern direkt vor der Haustür ja nicht mehr so wahnsinnig oft. Man sollte sich eben soweit vorbereiten und ausrüsten, dass man beim Gang durch die Winterlandschaft nicht schon nach ein bis zwei Stunden komplett durchnässt und verfroren ist.

Da das Winterwandern auch schon wieder so etwas wie ein (Gegen)Trend geworden ist, wundert es nicht, dass die ersten Hersteller auch schon spezielle Winterwanderschuhe mit integrierten Spikes und anderen technischen Gimmicks anbieten.

Auch die Tourismusanbieter sehen offensichtlich einen Trend, denn es werden an immer mehr Orten eigens Wege fürs Winterwandern ausgeschildert und präpariert – und zwar nicht nur in den Alpen, sondern auch in deutschen Mittelgebirgs- und Wanderregionen. Mancherorts geht das schon so weit, dass Winterwanderwege ähnlich wie Langlaufloipen präpariert und kontrolliert, Vereisungen mit Sägemehl bestreut, sowie Ruhebänke von Eis und Schnee freigehalten werden. Das sind dann natürlich eher Angebote von Touristenorten, die mehr Wintergäste anziehen wollen. Doch auch „nichttouristische“ Outdoorer finden so gut wie überall reichlich Möglichkeiten für weniger oder gar nicht präparierte Touren.

Dem Trend entsprechend erscheint auch immer mehr Führerliteratur in Buchform und digital. Ein Beispiel unter vielen sind die „Münchner Winterwanderungen“, die oft ins direkte Umfeld der Millionenstadt führen und damit auch den „festhängenden Großstädtern“ Möglichkeiten eröffnen. Im weltweiten Netz hat Bergwelten.com gerade frisch einen Artikel mit 7 Winterwandertipps veröffentlicht – allerdings alle im Alpenraum und mit Lawinen-Vorsichtsmaßnahmen sowie LVS-Equipment als notwendigen Voraussetzungen.

Rennen hilft gegen Kälte…

Wir haben also erfreut festgestellt, dass es völlig in Ordnung und auch möglich ist, auch im Winter „einfach so“ draußen herumzuwandern. Und wo gewandert werden kann, kann auch gerannt werden. Joggen, Trailrunning, Speedhiken – all das geht ebenfalls im Winter.

Joggen, Trailrunning, Speedhiken – all das geht ebenfalls im Winter.

Joggen, Trailrunning, Speedhiken – all das ist auch im Winter möglich!

Auch bei (nicht allzu tiefem) Schnee und Eis, sofern man sich ein paar Spikes oder die schon erwähnten Grödeln an die Schuhe heftet. Aber bei der mittlerweile auch im Mittelgebirge eher üblichen milden, leicht verregneten Winterwetterlage ist die Sache ebenfalls meist „nur ein Kopfproblem“. Die unzähligen Wege und Pfade sind zwar rutschig und teils matschig, aber mithilfe von robusten, optional mit Spikes/Grödeln versehenen Tretern genauso begehbar wie zu anderen Jahreszeiten. Eine kleine aber feine Auswahl an wintertauglichen Trailrunningschuhen mit integrierten oder montierbaren Spikes gibt es auch im Bergfreunde-Shop.

Zum Thema Training: wenn man dem großen Läufer-Jetset a la Kilian Jornet nacheifern will, hat man wieder das Zeit-Geld-Ressourcen-Problem. Dass es zum Glück trotzdem möglich ist, den Winter über auch in der Heimat ohne große Substanzverluste draußen zu trainieren, bezeugen zwei nicht ganz so bekannte Laufprofis in diesem Interview mit sportalpen.com. Jonathan Wyatt und Markus Kröll geben hier einige gute Tipps für Winterläufe – nicht nur in Bezug auf Kleidung und Schuhe, sondern auch auf das Laufen selbst. Dazu gehören u.a. längeres Aufwärmen, kürzere Schritte und langsameres um-die-Kurve-ziehen. Und als Alternative bei richtig schlechtem Wetter zieht Wyatt einfach einen Schlitten die Rodelbahn rauf und schlittert dann runter. Keine schlechte Idee, denn als Rodelbahn taugt jeder noch so kurze Hang…

…Langlaufen auch…

Langlauf bietet sich als Alternative zum Joggen, Trailrunning, Speedhiken im Winter.

Als Alternative oder Ergänzung zum winterlichen Gerenne bietet sich Langlauf an.

Das rhythmische Dahingleiten auf den schlanken Brettern kann eine schonende Ergänzung oder gar Alternative zum winterlichen Gerenne sein. Allerdings sind wir hier schon im Bereich des klassischen Wintersports, für den es halt g‘scheiten Schnee braucht. Die Ausrüstung und das organisatorische Drumherum sind beim Langlauf immerhin schonmal deutlich kleiner als bei Skitouren, Freeriding und anderen angesagten Winterfreuden.

Dennoch haben die nord- und tieflanddeutschen Bergfreunde mit dem Schietwetter nicht viel davon, wenn ich ihnen jetzt von märchenhaften Loipen im winterlichen Schwarzwald und den vielen gesundheitlichen Langlauf-Vorteilen vorschwärme. Was nebenbei gesagt auch nicht wirklich authentisch wäre, denn ich stand gerade erst einmal auf den Dingern und bin in alle möglichen Richtungen gerutscht, nur nicht vorwärts. Doch ich bin zuversichtlich, dass die richtige Grundtechnik in einem Kurs binnen ein bis zwei Tagen solide sitzt. Und dass es auch weiterhin in alpenfernen Lagen ab und zu genügend Schnee hat, um die Loipen zu spuren…

…Zügiges Klettern ebenfalls!

Es klingt nicht allzu verlockend, aber: Wenn man für gut durchblutete Finger sorgen kann, warum sollte man dann nicht an trockenen, sonnigen (und dann meist eiskalten) Wintertagen auch Sportklettern? Mit Thermoskanne, Wärmflasche, Handschuhen (evtl. fingerfrei) und als kleinen Luxus einem Taschenofen lässt sich das durchaus angenehm gestalten. Fast schon luxuriös wird es, wenn man auch den Kocher noch mitschleppt.

Auch Klettern im Winter geht!

Na, wer sieht hier gleich schwarz wenn es um das Klettern im Winter geht?

Es sollte aber auch wirklich ein Felsen sein, der Sonne abbekommt. Oder man sorgt durch eine leichtere Routenauswahl dafür, dass niemand stundenlang im eiskalten Schatten sichern muss. Am besten sind natürlich Felsen mit Südausrichtung und wenig schattigen Bäumen am Einstieg (auch wenn durch die fehlenden Blätter mehr Sonne als im Sommer durchkommt).

Und wenn der Winter ab Ende Februar nochmal so kalt wird wie er früher war, ist vielleicht auch im deutschen Mittelgebirge die eine oder andere Runde Eisklettern möglich. Doch damit sind wir erneut bei den „klassischen“ Winterdisziplinen, die einen erhöhten Aufwand fordern und für die es ohnehin schon genügend Ratgeberartikel gibt. Auch Skitouren gehören zu diesen klassischen Disziplinen, die nicht unbedingt in diesem Artikel erneut gepriesen werden müssen.

Und wenn das Wetter dauerhaft schiete ist? Motivation!

Wenn das wirklich miese Nieselwetter das Kommando übernimmt, ist es zu warm für Winterromantik und zu nass für alles Andere. Dann erscheint das gerade erwähnte „Kopfproblem“ besonders gern auf der Bildfläche: die tagelang tiefhängenden Wolken scheinen sich irgendwann irgendwie im Kopf abzusetzen, der einen dann wiederum glauben lässt, die Glieder seien tonnenschwer. Hier spielt der Faktor Motivation dann eindeutig die Hauptrolle.

Bei richtig schlechtem Wetter kann die Motivation anhand eines Sportpartners oder einer -gruppe oben gehalten werden.

Bei richtig miesem Wetter kann man sich einem Sportpartner oder einer -gruppe an die Sohlen heften. Die virtuelle Welt ist hierbei der perfekte Zugang, um passende Menschen zu finden.

Um die Motivation oben zu halten, gibt es viele Wege. Der einfachste und zugleich auch bequemste ist das Input sammeln: Bergblogs surfen, Führer wälzen, Bildbände schmökern, usw. Mit den richtigen Bildern im Hirn fällt es auch nach viel zu langer Feiertagspause wieder leicht(er), den Kampf gegen Schwerkraft und graue Suppe aufzunehmen. Eine ganze Stange an teils sehr effektiven Motivationstipps findet sich bei den veganen Läufern von bevegt.de. Keine Sorge, die sind auch anwendbar für ovo-, lacto-, omni-, paläo- und sonstwas essende Bergfreunde.

Einer der vielen Tipp ist, sich Sportpartner und Gruppen zu suchen, weil das neben mehr Spaß auch mehr Verbindlichkeit in die Sache bringt. Dank Facebook, Whatsapp, Couchsurfing, Meetup u. Co. gibt es dazu ja mittlerweile jede Menge Möglichkeiten. Auch in der eigenen Nachbarschaft kann man mithilfe von Initiativen (wie nebenan.de) Partner und Freunde für alles (Un)Mögliche finden. Und wenn keine passende Gruppe zu finden ist? Dann ist es nicht verboten, selbst eine zu gründen…

Der etwas andere Wintertipp…

Falls das mit der Motivation partout nicht klappen will, könnte es vielleicht doch an körperlichen Gründen liegen. Einer dieser Gründe könnte ein Mangel an Vitamin D3 sein. Viele Sportler achten im Winter speziell auf ihre Vitamin D3-Versorgung, da dieses wichtige Vitamin über Sonnenbestrahlung der Haut gebildet wird und im Winter häufig eine Unterversorgung vorliegt. Manche beheben den Mangel mit Nahrungsergänzungsmitteln, die aber nicht immer eine gute Bioverfügbarkeit aufweisen. Da Vitamin D zu jenen Vitaminen gehört, die man überdosieren kann, empfehlen wir im Zweifel des D3-Status beim Arzt abklären zu lassen.

Wer im Winter die Sonne vermisst, kann zu Vitamin D Supplementen und der Sonnenbank greifen.

Wer im Winter die Sonne vermisst, kann diese mit „künstlichen“ Mitteln einfangen.

Oder ihr nehmt unseren streng geheimen Proletentipp zum Vitamin-D-nachlegen, der nebenbei durch simulierte Sonnenstrahlung auch noch die Grundstimmung hebt: ab auf die Sonnenbank! Ja genau, der „Asitoaster“ ist zwar imagemäßig eher pfui, aber im richtigen Maß konsumiert bestimmt besser als gar kein Sonnenlicht oder zweifelhafte Präparate. Laut Ärztezeitung funktioniert die Sache durchaus mit einer kurzen(!) UVB-Bestrahlung alle zwei Wochen. Klar ist: wer krampfhaft braun werden will, um in der Fußgängerzone als weltreisender Bergheld aufzufallen, gefährdet eher seine Gesundheit statt die Wintermotivation zu steigern.

Ist‘s drinnen etwa doch am schönsten?

Neben den bisherigen teils wohl etwas ausgefallenen Winterbeschäftigungen gibt es natürlich noch das „voll normale“ Schlechtwetterprogramm. Dazu gehören alle Indoor-Aktivitäten, die in irgendeiner Weise mit Klettern, Laufen, Ausdauer, Kraft, Sport und im Idealfall auch Spaß zu tun haben. Abgesehen vom Training daheim sind diese allerdings auch wieder mit Kosten verbunden. Wer zweimal wöchentlich in die Kletter- oder Boulderhalle will, darf schon mal bis zu 80 € im Monat hinblättern.

Wenn man sich allerdings ein wenig in der „Szene“ umhört, wird man in manchen Städten auf „inoffizielle“ Boulder- und Kletterclubs stoßen, die nicht kommerziell und damit deutlich günstiger sind. Besonders dort, wo es viele Studenten gibt, haben oftmals ein paar Freunde irgendwann mal einen Dachboden oder Keller ausgebaut, der dann nach und nach „gewachsen“ ist. Das „Umhören“ und Auffinden solcher Gruppen und Vereine ist dank digitaler Vernetzung heute relativ leicht geworden. Doch die wirklich entscheidenden Schritte und Handlungen werden zum Glück auch heute noch analog vollzogen…

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jan sagte am 1. Februar 2019 um 14:41 Uhr

    Zum Thema Vitamin D3 ist das Buch von Dr. Raimund von Helden sehr zu empfehlen.
    Unter anderem wird hier von Solarien abgeraten!
    Bei falscher Bestrahlung wird die Haut zwar dunkel, aber keinerlei D3 gebildet.
    Je nach Sonnenbank-Model wenig oder kein Erfolg.
    Besser ist, im Sommer Sonnenbaden und im Winter mit Nahrungsergänzungsmittel nachhelfen, D3 kann leider nur in sehr geringen Mengen über die Nahrung aufgenommen werden. Die N.E.G.s kosten aber nicht viel und sind lange haltbar.

    Ebenso interessant ist, dass die offizielle Dosier-Empfehlung von 1000 I.E. pro Tag völlig nutzlos ist.
    Auch wurden die Referenzwerte in Deutschland aus dem Bevölkerungsdurchschnitt ermittelt – leider haben aber ca. 80% der Menschen in Deutschland aufgrund des modernen Lebensstils (Büroarbeit, Schichtarbeit etc.] deutlich zu wenig D3 im Körper, sodass auch der Referenzwert nicht hilfreich ist. Diese Informationen finden sich alle im Buch von Herrn Helden.

    PS: Noch ein Tipp: Die für die Vitamin D3-Bildung notwendige Strahlung geht nicht durch Glas!
    Es hilft also nicht am Fenster zu sitzen, auch nicht im Sommer.
    Ähnlich wie im Solarium: Auch wenn der Sonnenbrand kommt, Vitaminbildung gibt es da keine.

  2. Bergfreund Marco sagte am 1. Februar 2019 um 15:56 Uhr

    Hallo Jan,

    vielen Dank für diese Hinweise!

    Viele Grüße,

    Marco

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