Kunstfaser Daunen. Foto: Norröna

Winterbekleidung – was können Daune, Kunstfaser & Co?

25. Februar 2016

Stein der Weisen: Daune oder Kunstfaser?!

Was kommt rein: Daune oder Kunstfaser?!

Ein zauberhaftes, weißes Glitzern zieht sich über Dörfer und Wiesen – er steht vor der Tür, der Winter. Im gleichen Moment steigt die Ungeduld auf den ersehnten Start der Wintersportsaison. Ob Skifahren, Schneeschuhwandern oder Eisklettern, eines ist klar: es wird saukalt! Als Gegenmittel bleibt einem so deshalb nur eine gut isolierte Winterjacke. Wir nehmen dies zum Anlass die verschiedenen Füllmaterialen von Winterbekleidung mal etwas genauer zu betrachten.

 

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Der Klassiker: die Daune

An diesem Material verzweifeln alle Kunstfaserhersteller: die Daune. Das Verhältnis, auf das es oft ankommt, nämlich Isolationsleistung zu Gewicht und Packmaß ist bei keinem Material so gut wie bei dem Klassiker aus der Natur. Pflegetipps für DaunenbekleidungDennoch ist Daune nicht gleich Daune. Die Mischung macht’s: die Ratio von Daunen zu Federn bestimmt maßgeblich die wärmenden Eigenschaften. Ganz ohne Federn geht es dennoch nicht, denn diese stabilisieren die Daune und lassen sich zudem nie gänzlich herausfiltern.  Als „State of the Art“ – Füllung wird ein Mischverhältnis von 96/4 verwendet – für den Alltag tut es aber auch 80/20.

Weiterer maßgeblicher Faktor ist die „Bauschkraft“ (Fillpower) der Daunen. Diese gibt an wie stark sich eine Daune nach der Komprimierung aufbauscht – umso bauschiger, desto besser die Isolationseigenschaften. Eine Fillpower von über 500 ist gut, ab 650 begibt man sich in die Spitzenklasse und die Schallgrenze liegt bei 900.

  • Vorteile: leicht, beste Isolationseigenschaften, atmungsaktiv, kleines Packmaß
  • Nachteile: Isolationsleistung sinkt bei nassen Daunen massiv, gute Daune hat ihren Preis

Pflegeleicht: Die Kunstfaser

Aufbau der Primaloft Infinity Faser. Quelle:primaloft.com

Aufbau der Primaloft Infinity Faser. Quelle: primaloft.com

Füllmaterialien aus Kunstfaser werden aus Polyesterfasern gefertigt, die zumeist über einen Hohlraum verfügen. Um den Loft (Bauschkraft) zu gewährleisten, müssen die an sich rauhen Polyesterfasern mit einer Silikonschicht ummantelt werden, da sie sich ansonsten stark ineinander verhaken. Dabei gibt es massive Qualitätsunterschiede zwischen den verschiedenen Verfahren und somit der Isolationsleistung und Lebenserwartung der Kunstfaser.

Zu den bekanntesten Kunstefasern für Textilien gehört das vom US Hersteller Albany International ursprünglich fürs Militär hergestellte Primaloft. Zum Einsatz kommen hauptsächlich drei Versionen von Primaloft: Primaloft Gold, Primaloft Silver und Primaloft Black, wobei das Gold Material die beste Performance bietet und der Maßstab am Markt ist.

In den Linien Gold und Silver gibt es jeweils auch ein Down Blend Material, also ein Hybridmaterial aus Daune und Kunstfaser. Diese Kombination hält auch im nassen Zustand noch warm und profitiert von den positiven Eigenschaften der Daune. Darüber hinaus gibt es in beiden Serien jeweils auch eine Eco Variante, die zu 70 % aus Recyclingmaterialien hergestellt wird. Weiterführende Infos zum Thema Primaloft liefert der Artikel „Primaloft – eine echte Alternative zu Daune“, darin beschreibt der Kollege Simon alles Wissenswerte zu diesem komplexen Thema.

  • Vorteile: hält im Vergleich zur Daune auch im nassen Zustand warm und trocknet zugleich schneller, ist günstiger, langlebig, ähnlich komprimierbar und atmungsaktiv wie die Daune
  • Nachteile: schlechtere Isolationsleistung als hochwertige Daune

Das Beste aus beiden Welten: ThermoBall

ThermoBall ist eine vergleichsweise neue Technologie, die von The North Face in Zusammenarbeit mit Primaloft auf den Markt gebracht wurde. Ziel ist es eine Kunstfaser zu schaffen, die die guten Isolationsleistungen und Eigenschaften der Daune mit der Pflegeleichtigkeit von Kunstfaser verbindet. Wie das genau funktioniert und wo das Material überwiegend zur Verwendung kommt, erfährst du im Artikel „ThermoBall von The North Face: wirklich ein Ersatz für Daune?“

Vor dem Kauf bedenken

Wie bei so vielen Materialfragen im Outdoorbereich liegt hier die Crux mal wieder im Einsatzbereich. Was hat man mit der Bekleidung vor und wie gut lässt sich dies mit den verschiedenen Eigenschaften der Materialen vereinbaren? So bleibt in den meisten Fällen die Daune der Gewinner, vor allem, weil viele Hersteller auch Bekleidung mit stark wasserabweisendem oder wasserdichtem Außenmaterial anbieten und die Daunen so vor ihrem großen Nachteil, der stark verminderten Wärmeleistung bei Nässe, befreit wird. Dennoch haben auch Kunstfaserjacken ihre Vorzüge. Dass hier die Entwicklung noch lange nicht zu Ende ist, zeigen neue Technologien wie beispielsweise ThermoBall.

Soviel zur Theorie – jetzt zur Praxis: Was steckt bei Euch in Jacken, Schlafsäcken & Co?

Wie immer könnt Ihr Euch bei Fragen auch gerne an unsere Experten aus dem Kundenservice wenden. Daniel, unser Fachmann für Winterbekleidung, steht Euch telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail zur Verfügung.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.02.2016 überarbeitet.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Sebastian sagte am 3. November 2010 um 16:20 Uhr

    Schläfsack seit langem nur noch Daune – einfach ungeschlagen.
    In meiner ME Jacke steckt PrimaLoft, auf eine Daune spare ich noch :-)
    ^seb

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