atgeber Isomatten. Foto: Expped

Wie man sich bettet, so liegt man – das 1×1 der Isomatten

25. Februar 2016

Für geruhsamen Schlaf

Für geruhsamen Schlaf

Etwas abgedroschen kommt das altbekannte Sprichwort „Wie man sich bettet, so liegt man“ daher. Aber jeder, der gerne draußen unterwegs ist, kann vermutlich ein Lied davon singen, wie sehr Schlaf und Schlafkomfort das eigene Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit auf einer Tour mit beeinflussen. Wälzt man sich von einer Seite auf die andere, spürt jeden Stein, der durch die Matte drückt oder friert sich gar den Allerwertesten in der Nacht ab, so ist schnell Schluss mit lustig und auch der schönste Zeltplatz kann die Stimmung nur bedingt wieder auf Vordermann bringen.

Es gibt wenig Schlimmeres, als festzustellen, dass die Matte, die man auf Tour dabei hat, unbequem ist oder nicht ausreichend isoliert. Das mag auf einer sommerlichen Trekkingtour noch eher erträglich sein. Aber jeder, der schon mal im Biwak oder Schneesturm bei eisigen Temperaturen im Zelt lag und die Matte nicht das leistete, was man von ihr erwartet hat, der weiß wie kräftezehrend und unangenehm das ist. Dass das schnell gefährlich für die Gesundheit werden kann, braucht man an dieser Stelle eigentlich nicht extra erwähnen.

Aber wie wähle ich die richtige Matte für mich aus? Gibt es eine Matte, die alles kann?

Worauf sollte ich besonders achten?

Zu allererst sollte man sich ein paar grundsätzliche Fragen stellen: Bei welchen Temperaturen werde ich unterwegs sein? Wie soll die Matte transportiert werden und wieviel Schlafkomfort benötige ich ganz persönlich?

Alle diese Faktoren beeinflussen die Auswahl der passenden Isomatte maßgeblich. Beim Temperaturbereich gibt es einen Wert, der es ermöglicht, verschiedene Matten relativ einfach miteinander zu vergleichen. Dies ist der sogenannte „R-Wert“.

Der R-Wert gibt den Wärmedurchgangswiderstand eines Materials an. Vereinfacht gesprochen, wie gut eine Matte gegen Kälte von unten isoliert. Bei Isomatten gibt der Wert immer den Wert für die komplette Matte an, Außenmaterial und Füllung werden als Gesamtes zur Messung herangezogen. Je höher der R-Wert liegt, umso besser isoliert die ausgewählte Isomatte. Aber Vorsicht ist geboten, die Messung erfolgt unter Laborbedingungen und entspricht einer durchschnittlich kälteempfindlichen Person. Frostbeulen werden da sicher anders empfinden als Leute, die eher nie frieren. Von daher sollte der R-Wert nur als Richtlinie bei der Auswahl der Matte gelten.

Auch auf Stein kann man bequwm schlafen Foto: Backcountry

Auch auf Stein kann man bequem schlafen Foto: Backcountry

Weiterhin sollte man sich Gedanken darüber machen, wie die Matte transportiert werden soll. Habe ich wenig Platz im Rucksack und liegt mein Fokus auf einem niedrigen Gewicht, stehen andere Matten zur Auswahl, als wenn ich zum Beispiel mit dem Fahrrad, dem Kanadier oder mit Pulka-Schlitten auf Skitour bin und sehr viel mehr Platz für Gepäck habe.

Und dann ist da noch der ganz persönliche und sehr subjektiv empfundene eigene Schlafkomfort. Bin ich eher bescheiden und gerne ohne viel Gepäck unterwegs, dann wähle ich eine sehr leichte und eher dünne Matte. Manche nehmen auf Tour gar nur eine sehr kurze und schmale Matte von 120cm Länge mit, die vor allen den Rumpf schützt, die Beine liegen dann im Schlaf auf dem Rucksack oder mitgeführten Kleidungsstücken.

Schlafe ich eigentlich immer auf der Seite, wälze mich in der Nacht hin und her und bin ohne ausreichenden Schlafkomfort auf Tour immer wie gerädert, dann empfiehlt sich eine dickere Matte von vielleicht 5 bis 6 cm Stärke. Die drückt man nicht mit dem Hüftknochen bis auf den Boden durch und man spürt auch nicht jeden einzelnen Kieselstein unter der Matte.

Im Winter nicht eiskalt erwischen lassen – und im Sommer auch nicht

Einen Sonderstatus haben Touren bei sehr kalten Temperaturen. Einige luftgefüllte Matten bläst man generell mit dem Mund auf oder wie bei selbstaufblasenden Matten oft üblich, sorgt man so für eine größere Füllung der Matte. Bei sehr kalten Temperaturen kann dies allerdings dazu führen, dass über die Atemluft Kondenswasser in die Matte gelangt und im Inneren gefriert. Die Isolationswirkung lässt dann schnell ziemlich stark nach. Deshalb sind im Winter oft unempfindlichere, klassische Isomatten oder auch mit Daunen oder Kunstfasern gefüllte Matten im Einsatz, die dann beispielsweise mit Hilfe einer integrierten Handpumpe oder einem Pumpsack befüllt werden.

Bewährt auf Wintertouren hat sich auch eine Kombination aus klassischer Isomatte und selbstaufblasender Matte. Diese Kombi bietet Schutz vor Kälte und einen guten Schlafkomfort. In Skandinavien sieht man im Winter auch immer wieder Rentierfelle außen am Rucksack, aber die sind zum einen eher schwerer und haaren gerne und zum anderen führen wir die nicht im Sortiment. Auch in absehbarer Zeit leider nicht ;-)

Aber auch im Sommer empfiehlt es sich, den Mund durch eine Pumpe oder einen Packsack zu ersetzen, da sich durch die Atemluft im Inneren der Matte Algen bilden können, die die Matte und ihre Isolationsfähigkeit kaputt machen.

Was gibt es eigentlich für Matten und wo liegt ihr Einsatzgebiet?

Therm-a-Rest - Z-Lite - Isomatte

Therm-a-Rest – Z-Lite – Isomatte

Schaumstoff Isomatten

wie zum Beispiel die Therm-a-Rest  Z-Lite

R-Wert: 1,5 / Dicke: 4 mm / Gewicht: 390 g

Schaumstoffmatten sind der Klassiker schlechthin. Zuverlässig und unempfindlich. Selbst wenn man mal mit Steigeisen auf solch einer Matte steht, ist das gar kein Problem. Hochwertige Isomatten bestehen aus geschlossenzelligem Schaumstoff wie zum Beispiel Evazote. Dieses Material ist sehr unempfindlich, langlebig, drückt sich auch bei längerer Belastung nicht platt und isoliert sehr gut. Es ist in verschiedensten Materialstärken erhältlich.

Ideal für Wintertouren; wenn die Unterlage sehr robust und unempfindlich sein soll; im Fall der Fälle vielseitig verwendbar – zum Beispiel kann man im Notfall daraus auch Schuhinnensohlen oder Rucksackpolster schneiden.

Therm-a-Rest - ProLite Plus - Isomatte

Therm-a-Rest – ProLite Plus – Isomatte

Selbstaufblasende Matten

wie zum Beispiel Therm-a-Rest ProLite Plus

R-Wert: 3,8 / Dicke 3,8 cm / Gewicht: 680 g

Selbstaufblasende Matten gibt es mittlerweile von zahlreichen Herstellern in noch zahlreicheren Varianten. Weltweit führend, Erfinder und Synonym für Matten dieser Art ist die Firma Therm-a-Rest. Diese Matten bestehen aus einem luftdichten Außenmaterial, das um einen Kern aus offenzelligem Schaumstoff gespannt wird. Öffnet man das Ventil, füllt sich die Matte mit Luft. Dann schließt man das Ventil wieder – und fertig.

Die Bezeichnung selbstaufblasend ist allerdings etwas mit Vorsicht zu genießen, denn bei eigentlich allen Matten muss man noch mit dem Mund nachpusten um wirklich bequem zu liegen. Aber es geht schon wesentlich leichter und schneller, als bei einer Luftmatratze.

Für den Transport presst man einfach bei offenem Ventil wieder die Luft heraus und schließt anschließend das Ventil. Einfach und zuverlässig erhält man je nach Variante eine ziemlich klein verpackte Matte.

Ideal für Trekkingtouren; gutes Verhältnis zwischen Wärmeleistung und Komfort; je nach Ausführung ziemlich robust; einfach zu reparieren – Flicken und Seam Grip drauf – fertig.

Therm-a-Rest - NeoAir Xlite - Isomatte

Therm-a-Rest – NeoAir Xlite – Isomatte

Luftmatratzen

wie zum Beispiel Therm-a-Rest NeoAir Xlite

R-Wert: 3,2 / Dicke: 6,3 cm / Gewicht: 350 g

Seit ein paar Jahren drängen diese Art von Luftmatratzen auf den Markt. Mit den schnöden und einfachen Urtypen dieser Matten, wie man sie aus dem Badeurlaub kennt, haben diese Matten nur noch das Grundprinzip gemein: Eine luftdichte Hülle wird zu einer Luftmatratze mit mehreren Kammern aufgeblasen.

Bei diesen neuartigen Matten kommen extrem leichte und stabile Materialien zum Einsatz. Je nach Konstruktion besitzen diese Matten unterschiedlich angeordnete Kammern, die der ganzen Matte gleichzeitig Stabilität und Stützkraft bieten. Wärmereflektierendes Material schließt die Luft ein und verhindert so einen Wärmeverlust.

Ideal wenn es auf geringes Gewicht und kleines Packmaß ankommt; aufgrund der Dicke sehr komfortabel; etwas empfindlicher und von manchen Leuten als etwas raschelig empfunden; einfach zu reparieren – Flicken drauf – fertig.

Exped - DownMat 7 - Daunengefüllte Isomatte

Exped – DownMat 7 – Daunengefüllte Isomatte

Gefüllte Matten

zum Beispiel Exped DownMat 7

R-Wert: 4,9 / Dicke: 7 cm / Gewicht: 860 g

Ganz ähnlich wie bei den „normalen“ Luftmatratzen kommen hier luftdichte Außenhüllen mit Luftkammern zum Einsatz. Zusätzlich sind diese Kammern mit Daunen oder Kunstfasern gefüllt um die Wärmeleistung zu erhöhen. Die Matten sind im Verhältnis zu ihrer Wärmeleistung sehr leicht und lassen sich dennoch extrem klein verstauen.

Ideal für komfortbewusste Trekkingtouren; sehr gut geeignet für Wintertouren (integrierte Pumpe oder Packsack dient zum Aufpumpen); sehr gute Isolationseigenschaften.

Gimmicks oder Zusatzmaterial

Wie in fast allen Kategorien, gibt es natürlich auch bei den Isomatten eine Reihe von Zusatzutensilien, die je nach Geschmack und Veranlagung, mehr oder weniger sinnvoll sind, hier aber nicht unterschlagen werden sollen.

Zu nennen wären, das extrem wichtige Flickzeug, die oben bereits erwähnte Pumpe zum trockenen Aufpusten, die auch bereits erwähnten Pack-/Pumpsäcke und dann gibt es noch so nette Gimmicks, wie Stoffbezüge für Isomatten, für das Zuhause-Feeling oder den Navajo Sheet von Vaude, der bei aneinandergekoppelten Schlafsäcken für die entsprechende Unterlage sorgt.

Wie immer könnt Ihr Euch bei Fragen auch gerne an unsere Experten aus dem Kundenservice wenden. Daniel ist hier unser Fachmann für Matten aller Art. Du erreichst ihn unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artikel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 25.02.2016 überarbeitet.

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