Bergfreunde

Wenn man mit Freunden eine Reise tut – nach Fontainbleau

30. Mai 2013

Sportart

Blöcke, soweit das Auge reicht

Blöcke, soweit das Auge reicht

Wenn Freunde einen fragen, ob man Lust hat für eine Woche mit nach Bleau zu fahren, sagt man nicht nein. Man nimmt Urlaub, verschiebt alle anderen Termine, versetzt Berge, packt seine Siebensachen und macht sich auf den Weg.

So habe ich das dann auch gemacht. Und endlich endlich, nach vielen Jahren, die ich nun schon Boulder, hat es geklappt, dass ich ins Bouldermekka südlich von Paris fahre. Und die Erwartungen waren hoch. Im Boulderführer stand Bleau lehre einem Demut und mein Kollege Sebastian meinte nur „Wenn Du nach der Woche mit gutem Gewissen sagen kannst, dass Bleau Dir nicht gefallen hat, dann zahle ich Dir ein Bier.“

Die Sache mit dem Poff

funktioniert nicht nur großartig, es riecht auch gut

funktioniert nicht nur großartig, es riecht auch gut

Wie das alte und traditionsschwere Dinge gerne an sich haben, hier sind ein paar Dinge anders (fragt nur mal die Sachsen im Elbi).

In Bleau zum Beispiel, benutzt man kein Chalk sondern „Poff“. Das ist getrocknetes und gemahlenes Kiefernharz. Funktioniert großartig, ist biologisch abbaubar und riecht viel viel besser als Chalk.

Wird einfach in einen Leinentasche gegeben und dann auf die Hände geklopft. Feine Sache und sehr zu empfehlen.

Dann die Sache mit den Ausstiegen

Sonst ein sicherer 7er (fb) Boulderer

Sonst ein sicherer 7er (fb) Boulderer

Bleau ist bekannt für seine Ausstiege. Hier gilt ein Boulder erst als geschafft, wenn man auf dem Block steht. Und öfters hört man den Satz „…mir hat nur noch der Ausstieg gefehlt… .“

Bei den runden und nicht selten etwas glatten (vor allem bei Feuchtigkeit) Oberseiten der Sandsteinblöcke kann das schon mal ziemlich scary werden. Und keine Angst, beim Aussteigen hat sich jeder schonmal zum Honk gemacht.

Und noch ein kleiner Tipp: Bevor Ihr versucht auf den Block zu steigen, schaut Euch gut an, wie Ihr auch wieder herunter kommt. Durch die Schrägen, wird ein Abklettern schnell zu einem sehr schrubbiggen Blindflug und „hintern runter“ ist manchmal gar nicht so ohne.

Und die Sache mit den Tieren

Der Elefant

Der Elefant

Die Franzosen haben es bei der Bezeichnung einiger Boulder ganz gerne mit Tieren. Zumindest in Bleau. Da gibte es Elefanten, Mammut, Hunde(hintern) und noch allerlei Getier.

Überhaupt, in Bleau zählen weniger die Schwierigkeitsgrade als die Namen. Hier kann man Klassiker Bouldern. Welche Schwierigkeit die haben, ist dann eigentlich Nebensache.

Und vor allem: Die Sache mit der Demut

Es ist alles wahr. Bleau ist speziell, wunderschön und sehr technisch. Und, ja, es lehrt einem Demut. Hier braucht man Technik, muss sehr gut stehen können und seinen Körperschwerpunkt kennen und einzusetzen wissen. Mit anderen Worten: Bleau ist noch richtig schönes Bouldern der alten Schule, denn nur mit Kraft kommt man nicht weit.

Wer in der Halle seine 7er zieht, kommt hier noch lange nicht im gleichen Grad oben rauf. Wer dachte, dass auf Spaxen Stehen eigentlich ganz easy ist, sollte sich mal eine paar der (wunderschönen) Platten in Bleau zu Gemüte führen.

Und wer dachte, es kommt auf die richtigen Klamotten, Mützen, Crashpads, Chalkbeutel, Jacken und Rucksäcke an, der sollten mal den alten Bleaussards beim Bouldern zusehen. Denn wenn man die so sieht … kleiner Teppich und Schuhe scheinen vollkommen auszureichen.

Fazit, nach einer Woche Bleau

Boulder geschafft

Boulder geschafft

Großartig!! Und das selbst bei Schmuddelwetter. Da es in Bleau sehr viele verschiedene Boulderbereiche gibt, kann man bei feuchter Witterung zu solchen wechseln, die schnell abtrocknen. Welche das sind, steht meist in den Boulderführern.

Aber bitte beachtet: Bleau ist Sandstein. Der ist relativ weich und empfindlich. Aus diesem Grund sollte man warten, bis der Stein richtig abgetrocknet ist, sonst kann er Schaden nehmen. Bei einigen Gebieten wird hier besonders darauf hingewiesen.

Ansonsten kann ich nur sagen: Das Bier habe ich nicht bekommen. Auch wenn ich lieber kleine Leisten mag und deshalb für mich in Bleau nicht ganz so viele Traum-Boulder herumliegen, wie für Sloper-Fans, werde ich auch beim nächsten Mal alles stehen und liegen lassen um mit zu fahren.

 

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Michel BONNOT sagte am 3. Februar 2014 um 19:29 Uhr

    Hallo! Rentner bin ich in Freiburg, aber als alter Bleausard möchte ich kurz sagen: das
    Poff (nicht Puff!) kannst Du einfach in eine (alte) Socke (aus Baumwolle) geben – Sand ist in Bleau überall und beim Klettern unbedingt zu vermeiden: ZUERST die Sohlen (besonders die Spitzen) mit einem Lappen sorgfältig putzen, und ERST DANACH (indem Du auf den Fersen gehst!) auf Deinen Teppich treten (ein Stück 60×60 cm Teppichboden genügt, aber mit wasserdichter, genähter Unterseite; Sand kann auch feucht sein) – Crashpads sind heute üblich (große Vorsicht vor Steinen und Wurzeln beim Runterspringen!!!)
    Das südliche Teil (Massif des Trois Pignons) hat sehr schöne Landschaften und bietet auch schöne, schwierige Blöcke. Mit besten Grüssen! Michel

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