Exen. Foto: Climb on

Exen sind keine Urzeittiere

10. November 2015

Kaufberatung Exen

„Welche brauche ich wohl?“

Du hast Dich schon mehrfach gefragt, was genau Klettern mit Reptilien zu tun hat oder warum die Kletterer die ganze Zeit von koffeinhaltigen Getränken sprechen?

Oder Du hast Dich schon öfter gefragt, worin sich Exen im Grunde unterscheiden?

Wir bringen Licht ins Dunkel und erklären Dir, was eigentlich eine Exe, bzw. ein Express-Set ist, aus welchen Bestandteilen es gefertigt wird, welche Sorten es gibt und worauf Du beim Kauf und beim Gebrauch achten solltest.

 

Was ist ein Express-Set

Als Exe bezeichnen wir im Kletterjargon das Express-Set. Es dient als Verbindungsmittel zwischen dem Haken in der Wand und dem Seil. Aus der Kletterhalle kennst Du es wahrscheinlich als festen Einrichtungsgegenstand, der mit einem Schraubglied (Maillon rapide) bereits an der Wand hängt. Beim Felsklettern sind Exen vom Kletterer selbst mitzubringen. Diese bestehen dann aus zwei Karabinern die mittels einer Express-Schlinge miteinander verbunden sind.

Material der Schlinge

Ein kleiner aber feiner Unterschied zwischen verschiedenen Exen liegt im Material der Express-Schlinge. Hier kommt entweder Polyamid oder Polyethylen zum Einsatz. Polyamid erkennt man daran, dass die Schlingen breiter (11-16 mm) sind und das Material gefärbt ist. Bekannt ist Polyamid auch unter dem Namen Nylon. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Dyneema und Nylon findest Du hier.

Polyethylen wird im Klettersport normalerweise mit dem Namen Dyneema in Verbindung gebracht. Schlingen aus diesem Material sind sehr dünn (8-11 mm) und die Faser so glatt, dass sie nicht gefärbt werden kann. Daher sind diese Schlingen weitestgehend weiß oder in einer Mischfaser mit Polyamid mit farbigen Anteilen.

Grundsätzlich halten die Schlingen einer Bruchlast von 22 kN stand. Schlingen aus Polyethylen (Dyneema) sind aufgrund der geringeren Breite leichter. Dennoch erfreuen sich breite Polyamid Schlingen großer Beliebtheit – und sei es nur als „Panikexe“, die leichter zu greifen ist, als das dünne Dyneema.

Länge der Schlinge

Exen gibt es in unterschiedlichen Längen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass die Schnapper der Karabiner nicht auf dem Fels aufliegen dürfen (Bruchgefahr) und man mit einer längeren Schlinge dann meist über der Felskante liegt. Zum anderen wird durch die Verwendung von Exen auch der Seilverlauf in der Kletterroute begradigt, wenn die Haken nicht direkt übereinander angebracht sind. Gerade in Mehrseillängentouren bzw. beim alpinen Klettern ist die Verwendung längerer Exen oftmals sinnvoll.

Karabiner

Bei den Karabinern gibt es nennenswerte Unterschiede bezüglich der Bruchlasten. Die Bruchlast wird auf jedem Karabiner mit drei Werten für Längs-, Quer- und „Schnapper-offen“-Belastung angegeben. In Längsrichtung muss der normgerechte Karabiner 20 kN aushalten, in Querrichtung oder bei geöffnetem Schnapper „nur“ 7 kN. Das ist ein Wert, der zwar sehr selten vorkommt, aber leider doch realistisch ist.

Somit kann man sagen, dass Karabiner für die auftretenden Lasten grundsätzlich überdimensioniert sind, aber auch, dass Quer- und „Schnapper-offen“-Belastung nach Möglichkeit zu vermeiden sind. Eine Querbelastung ist in der Exe weitestgehend ausgeschlossen, da der seilseitige Karabiner in der Schlinge fixiert ist.

Dies wird auf unterschiedliche Weisen gelöst, entweder durch enge Vernähung der Schlinge oder einem Fixiergummi. Bei letzterem ist unbedingt darauf zu achten, dass nicht nur der Gummiring durch den Karabiner geführt wird, sondern auch die Schlinge (vgl. Abb.)!!

Die „Schnapper-offen“-Belastung kann durch den sogenannten Whip-Lash-Effekt auftreten. Prallt der Karabiner bei einem Sturz etwa gegen die Wand, wird er abrupt gestoppt und das einzig bewegliche Teil, nämlich der Schnapper, bewegt sich dank der Massenträgheit weiter. Dem kann entgegen gewirkt werden und zwar durch die Verwendung von Drahtschnappern (Wire). Diese haben im Gegensatz zu Vollmetallschnappern zu einen eine geringere Masse zum anderen wird der Draht beim Einnbau verdreht und damit Unter Spannung gesetzt. Beides zusammen führt dazu, dass Drahtschnapper beim Aufprall nicht aufgehen.

Unterschiedliche Schnapper erleichtern die Orientierung

Unterschiedliche Schnapper erleichtern die Orientierung

Straight oder bent?

Wenn wir schon Anglizismen benutzen, dann gleich richtig. Straight oder bent? Beides! Gemeint ist damit, ob der Schnapper gerade oder gebogen ist. In den gebogenen Schnapper (bent) lässt sich das Seil gut clippen, daher wird er immer seilseitig verwendet. Der gerade Schnapper (straight) ist für den wandseitigen Karabiner gedacht. Hat eine Exe nur „straight“-Schnapper, entscheidet die Karabinerfixierung, welche Seite seilseitig eingesetzt wird.

Noch ein Anglizismus: nosefree

Dass ein Karabiner nicht riechen kann, erklärt sich von selbst. Dennoch haben einige eine Nase und die kann in gewissen Situationen von Nachteil sein.

Da die Nachteile und Lösungen für dieses Problem inzwischen zahlreich sind, haben wir dazu einen eigenen Artikel verfasst. Du findet ihn hier.

Welches Express-Set für welchen Einsatz?

DMM Shield Express-Set

Die DMM Shield 18cm Exe ist was für längere Wege.

Für den Einsteiger am Fels und beim Sportklettern eignen sich eigentlich alle Express-Sets. Bedenke, möglichst auch eine Exe mit etwas längerer Schlinge dabei zu haben. Ein Set aus 8-10 Exen ist bei den meisten Routen in üblichen Längen ausreichend. Bei längeren Routen können es auch gerne ein paar mehr sein. Generell gilt: lieber ein oder zwei Exen mehr dabei haben, als auf einmal ohne dazustehen. Und die zwei Exen zum Umbauen nicht vergessen.

Im Einsatz in Mehrseillängentouren haben sich Exen bewährt, deren Karabiner eine relativ große Schnapperöffnung haben, da sie auch bei dickeren Doppelseilen keine Probleme bereiten. Außerdem eignen sich hier eben auch solche besser, deren Schnapperöffnung „nosefree“ ist. Einige Exen mit längeren Schlingen sind hier sehr hilfreich.

Beim Klettern im Eis sollten grundsätzlich Drahtschnapper gewählt werden, da bei diesen die Vereisungsgefahr geringer ist. Ansonsten gelten ähnliche Regeln wie beim Sportklettern. Exen für’s Eisklettern können statt der Schlinge noch mit einem Shock Absorber versehen werden, der bei fragwürdigen Sicherungspunkten (brüchiges Eis o. ä.) für eine ordentliche Reduzierung des Fangstoßes sorgt.

Grundsätzlich ist vor allem der Schnapper-offen-Bruchlastwert möglichst hoch zu wählen.

Was zerstört eine Exe?

Der regelmäßige Gebrauch hinterlässt langfristig Spuren. Bandmaterial darf grundsätzlich max. 10 Jahre verwendet werden, allerdings kann es auch vorher verschleißen, zum Beispiel wenn die Schlinge viel am Fels reibt. Das passiert vor allem dort, wo der Karabiner in der Schlinge sitzt. Die Nähte sind auch regelmäßig zu kontrollieren.

Ein Karabiner, durch den das Seil oft läuft, wird ebenfalls starke Abnutzung erfahren. Entsteht an der Stelle ein scharfer Grat, ist der Karabiner sofort auszutauschen. Glaub mir, erfahrungsgemäß macht man das aber aus mentalen Gründen schon deutlich früher ;-).

Hängt die Exe bei einem Sturz in einer Bohrhakenlasche („Plättchen“), können sich dort scharfe Kanten bilden. Achte hier am besten drauf, diesen nur wandseitig zu verwenden, damit das Seil nicht leidet. Aus diesem Grund sollte man wandseitige und seilseitige Karabiner nie tauschen, sondern immer nur „für ihre Seite“ verwenden.

Fixexen

Unter Fixexen versteht man Exen die für längere Zeit in einer Route verbleiben, zum Beispiel in einer Kletterhalle oder einem Klettergarten. Hier sollte man besonders auf Verschleißerscheinungen achten. In Kletterhallen ist dafür der Kletterhallenbetreiber zuständig. In frei zugänglichen Klettergärten ist es ratsam, sich die vorhandenen Exen gut anzusehen, bevor man sich in „ihre Hände“ begibt. Der DAV hat eine sehr informativen Ratgeber zu dem Thema herausgebracht und zusammengetragen, worauf Ihr achten solltet.

Wenn du noch Fragen hast oder Dich nicht entscheiden kannst, hilft Dir unser Kundenservice gerne weiter. Du erreichst ihn unter der Woche täglich von 9.00 – 18.00 Uhr telefonisch unter +49 (0)7121/70 12 0 oder per E-Mail.

Im Bereich Klettern und Outdoor tut sich viel. Neue Produkte werden erfunden, bestehende überarbeitet oder verbessert und auch wir lernen täglich viel dazu. Und natürlich wollen wir unser Wissen an unsere Kunden weitergeben. Daher überarbeiten wir regelmäßig unsere Artkel im Basislager. Wunder Dich also nicht, wenn nach ein paar Monaten ein paar Dinge anders sind. Dieser Artikel wurde zuletzt am 30.10.2015 überarbeitet.

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