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Welche Ausrüstung brauche ich für meine erste Skitour?

2. November 2016

Kategorie

Sportart

Jedes Jahr freue ich mich bereits im Hochsommer auf die anstehende Skitourensaison. Das liegt vor allem daran, dass ich es einfach mag auf hohe Berge zu steigen und dann elegant mit den Skiern abzufahren. Hinzu kommt noch, dass sich über die Jahre hinweg bei mir eine gewisse Routine etabliert hat. Typische Anfängerfehler sind überwunden und das genau ist einer der Gründe, warum ich diese Sportart so sehr mag.
„Schön!“, wird jetzt da der eine oder andere sagen, „aber was bringt das mir persönlich?“. Ganz einfach, nur weil ich teilweise mit der falschen oder unpassenden Ausrüstung unterwegs war, muss das nicht zwangsläufig auch jeder Skitourenneuling machen. Schauen wir uns also einmal an, welche Ausrüstung für eine Skitour benötigt wird und wo dabei die Feinheiten liegen.

Aufstiegs- oder Abfahrtsorientiert – Wo liegt dein Fokus?

Um das weite Feld der Skitourenausrüstung ein wenig besser fassen zu können, lohnt es sich, zwei weit verbreitete Philosophien einmal näher anzuschauen. So lassen sich zwei Typen von Skitourengängern unterscheiden: die Aufstiegsorientierten und die Abfahrtsorientierten. Natürlich handelt es sich hierbei nur um Stereotype und es gibt sicherlich auch zahlreiche Personen, die sich irgendwo dazwischen einordnen. Nutzen wir aber einmal dieses vereinfachte Bild zur Verdeutlichung:

Der aufstiegsorientierte Skitourengeher

Der aufstiegsorientierte Skitourengeher

Der aufstiegsorientierte Skitourengeher

Vom athletischen Tourengänger, der den Berg förmlich hinaufrennt, bis zum Bergfex, dem sprichwörtlich kein Weg zu weit und keine Nordflanke zu steil ist, sind hier die unterschiedlichsten Bergphilosophien vertreten. Eines eint sie jedoch: Der Weg ist das Ziel! Also in diesem Fall der Aufstieg. Dieser kann eigentlich gar nicht lang oder anspruchsvoll genug sein. Die Abfahrt ist dabei eher zweitrangig. Ob diese durch Tiefschnee oder Bruchharsch geht, spielt nur selten eine Rolle. Beim Thema Material achtet er vor allem auf das Gewicht. Skier, Schuhe und Co. müssen so leicht wie möglich sein. Da die Abfahrt nur als Nebenprodukt des Aufstiegs betrachtet wird und der Fahrspaß zweitrangig ist, kommen hier zumeist kürzere, schmalere und leichtere Skier zum Einsatz. Auch in Sachen Schuhe wird in erster Linie Wert auf ein ermüdungsfreies Gehen gelegt. Hie kommen nicht selten vergleichsweise weiche und flexible Skitourenschuhe zum Einsatz. Auch bei der Tourenskibindung und den Fellen stehen ein geringes Gewicht und ein möglichst angenehmes Gehen im Vordergrund.

Der abfahrtsorientierte Skitourengeher

Der abfahrtsorientierte Skitourengeher

Der abfahrtsorientierte Skitourengeher

„No friends on powder days!“, ist das Lebensmotto des Abfahrtsorientierten Tourengängers. Er ist immer auf der Suche nach dem idealen Spot, der genialen Tiefschneeabfahrt oder dem herausfordersten Couloir. Man kann den abfahrtsorientierten Tourengeher nicht unbedingt als lauffaul bezeichnen. Wenn sich aber durch eine geschickte Tourenplanung die Länge der Abfahrt im Vergleich zur Aufstiegslänge steigern lässt, nimmt er das gerne mit. Für den abfahrtsorientierten Skitourengänger ist es in erster Linie wichtig, dass es den Berg runter möglichst gut läuft. Ein Ski, der im Tiefschnee oder Firn förmlich absäuft, wird hier nicht nur als unangenehm empfunden, sondern stellt den Sinn des ganzen Tages infrage. Ähnlich wie beim Freeriden kommen hier daher vergleichsweise breite und lange Skier zum Einsatz. Da der Aufstieg eher ein notwendiges Übel als zusätzlicher Bergspaß ist, sind Schuhe, Bindung und Skier stark auf Robustheit und Fahrperformance getrimmt. Ein geringes Gewicht ist dabei eher zweitrangig.

Gerade für Einsteiger ist es oft schwierig, die passende Ausrüstung zu finden. Daher empfiehlt es sich, schon vor dem Kauf von Ausrüstungsgegenständen darüber nachzudenken, worauf der persönliche Fokus liegt. Auch ist es wichtig, das Fahrkönnen und die allgemeine Fitness in die Betrachtung einfließen zu lassen. Wer sich beispielsweise mit Spitzkehren am Steilhang schwertut, sollte eher zu kürzeren Skiern greifen. Wer aber ein hohes Körpergewicht mit sich bringt, ist sicherlich mit etwas breiteren und längeren Skiern besser bedient.

Lawinenausrüstung – Lebensretter im Notfall

Eine gute Lawinenausrüstung ist bei jeder Skitour ein Muss. Bestehend aus LVS-Gerät, Schaufel und Sonde, sorgt sie im Ernstfall dafür, dass eine schnelle Kameradenrettung erfolgen kann. Wo hier die Unterschiede liegen und was beim Kauf beachtet werden sollte, haben wir in einem gesonderten Artikel einmal näher beleuchtet. Trotzdem möchte ich euch hier einmal die wichtigsten Infos zusammenfassen.

  • Lawinenrucksäcke retten Leben

    Lawinenrucksäcke retten Leben

    LVS-Gerät. Ein gutes LVS-Gerät kann Leben retten. Dabei ist es aber nicht nur wichtig, dass das Gerät über eine möglichst neue Technik verfügt, sondern dass man auch damit umgehen kann. Für Personen, die technisch nicht sonderlich versiert sind, ist im Zweifelsfall ein Gerät mit wenigen bis keinen Zusatzfunktionen besser zu verstehen, als ein ausgesprochenes Profigerät. Welches hier das beste Gerät ist, hängt also stark von persönlichen Faktoren ab. Wer nach einem Lawinenabgang erst einmal in der Bedienungsanleitung nachlesen muss, hat eigentlich schon verloren. Aus diesem Grund ist es wichtig, ein Gerät zu wählen, das man schon fast intuitiv bedienen kann. Auch muss der Umgang mit dem LVS-Gerät regelmäßig geübt werden.

  • Lawinenschaufel. Für Schaufeln lässt sich verallgemeinernd sagen, dass mit einem längeren Stiel der Wirkungsgrad steigt und mit einem größeren Schaufelblatt selbstverständlich auch mehr Schnee bewegt werden kann. Auch ist ein Trittrand am Schaufelblatt gerade bei hartem Schnee sehr hilfreich. Dennoch sollte man nicht einfach die größte und längste Schaufel kaufen, die sich auf die Schnelle finden lässt. Denn eine größere Schaufel ist immer auch schwerer als eine Kleinere. Außerdem sind hier kleinere Personen deutlich im Nachteil. Wer mit einer zu langen Schaufel gräbt, ermüdet deutlich schneller. Auch kann es sein, dass die einzelnen Segmente des Schaufelstiels zu lang für eher kleinere Rucksäcke sind.
  • Lawinensonde. Im Bereich der Sonden gibt es deutliche Gewichtsunterschiede. Dies liegt zumeist am Material sowie der Bauart. Neben einer ausreichenden Länge (mindestens 2,40 m) und einer guten Verwindungssteifigkeit, ist es auch wichtig, dass die Sonde in den Rucksack passt. Gerade bei Sonden variiert die Länge der einzelnen Segmente je nach Modell stark. Wer selbst eine kurze Rückenlänge hat und somit einen eher kleinen bzw. niedrigen Rucksack besitzt, sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Segmente möglichst kurz sind.

Skitourenrucksack – worauf kommt es an?

Der Ortovox - Free Rider 26 - Skitourenrucksack

Der Ortovox – Free Rider 26 – Skitourenrucksack

Neben den herkömmlichen Skirucksäcken hat sich in den letzten Jahren im Bereich der Lawinenrucksäcke so einiges am Markt getan. Zahlreiche Hersteller bieten die unterschiedlichsten Systeme mit den verschiedensten Funktionsweisen an. Wiebke hat in ihrem Artikel zum Thema Lawinenrucksäcke die wichtigsten Entwicklungen am Markt einmal zusammengefasst und näher erläutert.
Wir wollen uns daher hier nur auf den Rucksack in seiner Funktion als Gepäckstück beschränken. Zunächst einmal ist es wichtig, dass der Rucksack passt. Er muss gut sitzen und darf auch bei längerem Tragen nicht drücken. Darüber hinaus müssen alle Ausrüstungsgegenstände in den Rucksack passen. Es ist also wichtig, dass der Rucksack weder ein viel zu großes, noch ein deutlich zu kleines Volumen hat. Ein paar Features können dabei das Leben auf der Tour wesentlich erleichtern:

  • Fach für Notfallausrüstung. Hierbei handelt es sich um ein Fach, in dem Schaufel und Sonde untergebracht werden können. Je nach Rucksack ist hier auch zusätzlich Platz für Erste-Hilfe-Beutel und Biwaksack. Hierdurch ist im Notfall die entsprechende Ausrüstung schnell griffbereit und muss nicht lange im Rucksack gesucht werden.
  • Kompatibilität mit Trinksystemen. Viele Skitourenrucksäcke bieten die Möglichkeit, ein Trinksystem zu integrieren. Besonders praktisch sind dabei Rucksäcke mit isolierten Fächern und einem isolierten Trinkschlauchkanal im Träger. Hierdurch bleiben heiße Getränke warm und kalte Getränke frieren nicht ein. Verfügt der Rucksack selbst nicht über eine entsprechende Isolation für den Schlauch, kann diese auch an den Trinkblasen nachgerüstet werden. Dies ist sehr zu empfehlen, da sonst mitunter schon nach kurzer Zeit Schlauch und Mundstück völlig vereist sind.
  • Ski- und Eispickelhalterung, Materialschlaufen. Wer auch auf Skitour hoch hinaus will und sich öfter in hochalpinem Gelände tummelt, hat nicht selten auch einen Eispickel im Gepäck. Auch kann es sein, dass der letzte Aufschwung zum Gipfel nur gehend oder kraxelnd zu erreichen ist. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der Rucksack zahlreiche Befestigungsmöglichkeiten für Skier, Stöcke und Eispickel besitzt.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt…

Wer auf Skitour geht, sollte sich vorab ein paar Gedanken zu seiner Ausrüstung machen. Die Frage nach dem „Wofür“ ist hierbei entscheidend. Auch lohnt es sich, seine Bekleidung angemessen zu wählen. Wer hier zu viel mitnimmt, hat die ganze Tour mit unnötigem Ballast zu kämpfen. Gerade bei Touren mit mehreren Aufstiegen und Abfahrten ist es wichtig, die Felle möglichst gut zu behandeln. Diese sollten bei Pausen nach Möglichkeit immer zum Trocknen aufgehängt werden. Auch gibt es Modelle, die weniger zum Durchnässen und somit zur Stollenbildung neigen.

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