Was tun gegen Blasen? Tipps zur Vermeidung und Behandlung

Was tun gegen Blasen? Tipps zur Vermeidung und Behandlung

14. September 2017

„Ich habe mir meine besten Gedanken ergangen und kenne keinen Kummer, den man nicht weggehen kann.“, bemerkte einst der dänische Philosoph Søren Kierkegaard. Was der bekannte Denker und Vater des Existenzialismus allerdings nicht bedacht hat ist, dass das Gehen selbst Kummer verursachen kann – nämlich dann, wenn man sich eine Blase gelaufen hat. Und zum allgemeinen Kummer gesellen sich in aller Regel damit noch fiese Schmerzen und das bei jedem Schritt. Blasen sind unangenehme kleine Gesellen, die uns die Wandertour, den Gipfelsturm oder den Urlaub mächtig vermiesen können. Was also tun, wenn der schmerzhafte Hubbel am Fuß plötzlich da ist? Hier ein paar kleine und hoffentlich nützliche Tipps wie ihr der Blasenbildung vorbeugen könnt und was ihr machen könnt wenn Not am Mann ist.

Was ist eine Hautblase überhaupt?

Klar, wir alle hatten so ein Ding schon mal. Meine erste unerfreuliche Blasen-Bekanntschaft konnte ich nach einer ellenlangen Schulwandertagsroute durch den Frankenwald machen, geplant von einem, meiner damaligen Ansicht nach schülerfeindlichen Lehrer. Den ganzen Tag unerbittlich über Stock und Stein gehetzt, hatte ich am Abend meine beiden ersten Blasen am Fuß. Doch was ist das überhaupt?

Was tun gegen Blasen? Tipps zur Vermeidung und Behandlung

Wanderer, Kletter und natürlich auch Läufer kennen Blasen in der Regel nur zu gut.

Eine Blase – in der dermatologischen Fachterminologie auch mit ihrer lateinischen Übersetzung „Bulla“ bezeichnet – ist ein mit Flüssigkeit gefüllter Hohlraum unter der Oberhaut. Das Ganze ist meist erbsengroß –zwischen drei bis neun Millimetern – und entsteht durch übermäßigen Druck verbunden mit gleichzeitiger Reibung über einen längeren Zeitraum hinweg.

Die entsprechende Hautstelle wird geschädigt, eine Wundfläche und somit ein Trauma entstehen, die Epidermis also die Oberhaut löst sich und darunter sammelt sich Gewebswasser, die sogenannte Lymphe. Einen ganz ähnlichen Vorgang in einem etwas größeren Ausmaß können wir beobachten, wenn wir uns den Kopf anhauen. Durch das entstandene Schlagtrauma sammelt sich ebenfalls Gefäßwasser und die betroffene Stelle wird zur Beule.

Zurück aber zur Blase. Im Gegensatz zur Brandblase, die durch eine meist kurze, thermische Einwirkung, also durch Hitze entsteht, wird die Blase am Fuß durch mechanische Faktoren ausgelöst. Durch Reibung von Socken und Schuhwerk an den Füßen, Kletterseil oder Werkzeug an den Händen.

Blase da, was nun?

Oft könnt ihr schon Handeln bevor sich die Blase in ihrer vollen Pracht bilden kann. Der Schlamassel kommt nicht ohne sich vorher anzukündigen. Erste Anzeichen für eine Blasenbildung sind ein leicht brennender Schmerz und eine beginnende Rötung an der entsprechenden Stelle.

Bemerkt ihr diese „freundliche“ Blasen-Ankündigung, könnt ihr oft mit einem ganz normalen Pflaster oder falls das nicht zur Hand ist mit einem medizinischen Tape wie etwa Leukoplast und einem sauberen Stückchen Taschentuch als Polster für Linderung sorgen. So wird der Druck von der Wunde genommen, der Schmerz entspannt sich und die Blase wird im besten Falle direkt beim Entstehen verhindert.

Was tun gegen Blasen? Tipps zur Vermeidung und Behandlung

Entlasten, lüften und ruhig halten – das hilft beim ersten Anzeichen einer Blase.

Nun hat man nicht immer das Glück genau den Zeitpunkt zu erwischen an dem die Hautblase am Entstehen ist. Was also tun? Viel wichtiger noch die Frage, an der sich die Geister seit jeher scheiden: aufstechen oder nicht aufstechen?

Aber zunächst mal von vorne. Ist die Blase da, ist die beste Behandlungsmethode Ruhe. Druck vom Fuß nehmen, Socken und Schuhe aus und die betroffenen Stellen für ein paar Tage schonen – was in den allermeisten Fällen nicht ohne weiteres möglich ist, da die fiese Wucherung nicht erst zum Ende der Tour auftaucht.

Wollt ihr euren Weg fortsetzten, sollte die Blase entlastet werden. Zunächst kommt ein Pflaster auf die Bulla. Es gibt spezielle Blasenpflaster, die sind flexibel und passen sich selbst dem entlegensten Fußwinkel an, haften fest und schützen die Blase vor Außeneinwirkung. Ein gewöhnliches Pflaster tut es aber meist auch. Gleichzeitig wechselt ihr auf ein leichtes, offenes Schuhwerk, sodass die Reibung auf der Wunde auf ein Minimum reduziert wird. Bei sommerlichen Temperaturen gönnt ihr euren blasengeplagten Füßen am besten einen sockenfreien Schongang in luftigen Sandalen.

Ist auch das nicht möglich, bastelt ihr euch ein Pflaster mit einem sogenannten Softspot, was sich komplizierter anhört als es letzten Endes ist: Nehmt zunächst ein Pflaster zur Hand und schneidet in der Mitte mit einer scharfen, feinen Schere ein Loch in der Größe der Blase aus. Klebt das Ganze über die Wunde, sodass sich die ausgeschnittene Stelle genau über dem Wundbereich befindet, die Blase liegt also frei. Ragt die Blase weiterhin über das Pflaster, wiederholt ihr mit einem weiteren Pflaster, dass ihr aufs erste klebt, bis ihr schließlich das Niveau des Blasengipfels erreicht habt. Zum Schluss wird die Pflasterkonstruktion mit einem letzten Pflaster gedeckelt. So entsteht ein optimaler Schutz vor Druck und Reibung und eine gleichzeitige Schmerzlinderung.

Sollte man die Blase aufstechen?

Bleibt noch die alles entscheidende Aufstech-Frage, denn der flüssigkeitsgefüllte Miesling nervt gewaltig. Ein Aufstechen von selbigem wirkt verlockend, schließlich übt die gespannte Haut und die Gewebsflüssigkeit selbst Druck auf die Wunde aus. Trotzdem solltet ihr davon absehen, die Bulla zu öffnen. Warum? Ganz einfach, denn unter der Oberhaut liegt die ungeschützte, verletzte Unterhaut. Die Gefahr, dass sich Schmutz und Bakterien ansammeln ist immens. Und unter der abgelösten Resthaut, im feuchtwarmen Milieu, fühlen sich Krankheitserreger und Co. ziemlich wohl. Kurzum: stecht ihr die Blase blindlings auf, entzündet sich die Wunde leicht.

Wenn ihr weder die Möglichkeit zum faulen Fußausruhen, Schuhwechsel oder Softspot-Pflaster habt, könnt ihr die Blase unter Umständen aufstechen um den Flüssigkeitsdruck zu mindern. Hierfür muss vor allem sauber gearbeitet werden, um die Infektionsgefahr möglichst gering zu halten. Desinfiziert den Bereich um die Wunde großflächig, am besten mit einem antiseptischen Spray oder Alkoholtupfern. Zum Öffnen der Blase nehmt ihr eine sterile Nadel oder eine dünne Spritzenkanüle. Auf die olle Nadel aus dem Nähkästchen solltet ihr im besten Falle verzichten. Auch eine Desinfektion durch Feuer oder heißes Wasser reicht nicht aus, da die Nadel durch eventuelle Verunreinigungen trotzdem nicht zu 100% steril ist.

Weiter im Text. Stecht am unteren Rand eine kleine Öffnung in die Blase, damit die Lymphe abfließen kann. Übt gegebenenfalls etwas Druck mit einem sterilen Tupfer aus, mit dem ihr die Flüssigkeit ebenfalls aufnehmen könnt. Schließt die Wunde nun mit einem Blasenpflaster oder einem leichten Wundverband ab und fertig ist die Blasen-Laube. Auf keinen Fall solltet ihr übrigens die Haut über der aufgestochenen Blase entfernen. Erstens tut das mächtig weh, zweitens ist die darunterliegende Wunde so komplett frei und verheilt nur schwer.

Zeigt sich nach ein bis zwei Tagen keine Linderung und kein Heilungseffekt, sondern im Gegenteil, die Wunde wird immer schmerzhafter, das umliegende Gebiet beginnt sich zu röten und es bildet sich Eiter, dann hat sich die Wunde entzündet. In solch einem Fall solltet ihr von einer Selbstmedikation absehen und lieber gleich ab zum Arzt damit. Im schlimmsten Falle kann eine entzündete und unbehandelte Wunde bis zur Blutvergiftung führen.

Wie man der Blasenbildung vorbeugt

Jetzt wissen wir alles über das Wesen, die Entstehung und die Behandlung der Bulla, nur wie können wir vermeiden, dass es überhaupt erst soweit kommt? Die einfachste Methode sind schlicht und einfach bequeme Socken und vor allem bequeme und gut sitzende Schuhe. Wie erwähnt, bildet sich die Blase durch Druck und Reibung.

Was tun gegen Blasen? Tipps zur Vermeidung und Behandlung

Bequeme Socken und passendes Schuhwerk sind die besten Mittel um Blasen zu verhindern.

Scheuernde Socken und drückende Schuhe sind der beste Kumpel der Bulla. Steht eine große Tour oder ein längerer Fußmarsch an, dann also nur mit bequemen Begleitern an den Füßen. Zur Sockensituation sei gesagt, dass ihr möglichst auf Materialien, die an euren Füßen scheuern verzichtet. Ein leichtes Funktionsmaterial ist besser als ein raues Baumwollgewebe. Eine dünne Funktionssocke unter der Wandersocke getragen reduzieren zudem die Friktion und sorgt gleichzeitig für einen sicheren Sitz im Schuh.

Ebenfalls wichtig ist: die neuen Treter mögen beim ersten Anprobieren noch so bequem sein, lauft sie vor dem ersten richtigen Einsatz ein! Das mag zwar banal klingen, wird aber oft vernachlässigt. Die richtige Schnürung kann ebenfalls helfen. Ist der Schuh zu locker geschnürt, sitzt der Fuß nicht richtig, was eine Blasenbildung begünstigt.

Last but not least: gönnt den Füßen ab und an eine Pause. Lasst sie bei der Rast atmen, zieht ruhig mal die Schuhe und die Socken aus. Das wirkt oftmals wahre Wunder.

Sind die Schuhe bequem und eingelaufen? Sitzt der Fuß weich gebettet in der scheuerfreien Socke? Dann ist das schon die halbe Miete. Sollte euch dennoch ein schmerzhafter Blasenquälgeist ereilen, hoffe ich, dass euch meine Tipps zur Bulla ein wenig weiterhelfen

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Jörg sagte am 29. August 2017 um 16:55 Uhr

    Auf bisher über 500 Kilometern Jakobsweg (Camino Norte) habe ich Blasen in allen Größen gesehen. Den meisten Leuten hat geholfen, die Blasen aufzustechen (natürlich mit den entsprechenden hygienischen Vorsorgemaßnahmen) und sie dann mit Heftpflaster abzukleben.
    Blasenpflaster waren für viele eine fatale Fehlentscheidung. Das Blasenpflaster verklebt nämlich mit der Oberhaut und rubbelt oder reisst sich mit ebender los. Das Ergebnis sind freiliegende sehr schmerzhafte Wunden, die eine Weiterlaufen unmöglich machen (können). Wenn man mal im Büro oder zu Hause sich eine Blase gelaufen hat, kann ein Blasenpflaster helfen. Für längere Touren werde ich sie auf keinen Fall benutzen…

  2. Jörn sagte am 30. August 2017 um 10:35 Uhr

    Hi Jörg,

    danke für den guten Kommentar und deine Erfahrungen – wir haben hier auch die unterschiedlichsten Erfahrungen mit den ungeliebten Tourenbegleitern gemacht, haben aber versucht im Beitrag alle Wege der Behandlung aufzuzeigen.

    Beste Grüße und weiterhin (?) eine gute Tour,

    Jörn

  3. Mona sagte am 30. August 2017 um 11:19 Uhr

    Hallöchen, hier noch ein kleiner Tipp zur Vorbeugung von Blasen: Mir hilft es immer, wenn ich meine Füße vor der geplanten Tour regelmäßig mit Hirschtalg eincreme. Damit beginne ich bereits 2-3 Wochen vorher und auch während einer Trekkingtour gönne ich zwischendurch meinen Füßen abends diese Kur. Das wirkt wahre Wunder :)

    Viele blasenfreie Grüße,
    Mona

  4. Jörn sagte am 30. August 2017 um 16:20 Uhr

    Hi Mona,

    auch dir herzlichen Dank für den Tipp! Eine schöne Fußmassage ist ja ohnehin immer fein ;)

    Liebe Grüße,

    Jörn

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