Tipps und Tricks

Was Du schon immer wissen wolltest – aber Dich nie getraut hast zu fragen Teil 5

15. August 2013

Sportart

gehört das so??

gehört das so??

Letztens steh ich beim Training meiner DAV Trainingsgruppe in der Halle und bin am Sichern. Da kommt eine unserer Jugendlichen und fragt mich, wofür eigentlich die zweite, kleine Öse an meinem Tuber ist.

Und als ich so am erklären bin, fällt mir auf, dass es höchste Zeit für eine neue Folge unserer beliebten Rubrik der unbekannten Features ist.

Dieses Mal sind wir noch etwas kletterlastiger als sonst, denn heute wird es etwas alpin und dann gibt es noch etwas Basiswissen für den Wanderschuhkauf.

 

Wir beginnen mit einer Schlaufe, was sonst…

Die Nachziehschlaufe am Momentum DS von Black Diamond

Die Nachziehschlaufe am Momentum DS von Black Diamond

Viele Klettergurte besitzen am Rücken, mittig angebracht zwischen den Materialschlaufen, eine kleine Schlaufe. Viele werden jetzt sagen „Klar, da kommt das Chalkbag hin.“

Das ist nicht ganz falsch, aber eigentlich hat diese Schlaufe einen anderen Hintergrund. Der Name sagt schon vieles: Nachziehschlaufe oder auch Haulschlaufe.

Ist man alpin oder in der Bigwall unterwegs, kommt es häufig vor, dass man ein Seil o.ä. beim Klettern mit die Route hochziehen muss. Da die Materialschlaufen für andere Dinge benötigt werden (außerdem können sie abreißen), haben viele Gurte hinten eine extra Schlaufe, an der man das zusätzliche Seil anbringen kann. Wie stark diese Schlaufe ist, variiert von Modell und Hersteller.

Da die Schlaufen hauptsächlich für den alpinen Gebraucht gedacht sind, findet man sie eigentlich immer an Big Wall Gurten, häufig an Allroundgurten und eher selten an krassen Sportkletter-Leichtgewichten.

Eine Öse durch die kein Karabiner passt

Sieht komplizierter aus als es ist

Sieht komplizierter aus als es ist

Tuber gibt es fürs reine Sportklettern – speziell in der Halle oder im Klettergarten (ein Seil), fürs Sportklettern bei dem man sich auch mal Abseilen muss (Doppelstrang) und fürs alpine Klettern oder Eisklettern (Doppelstrang plus zwei Ösen).

Und nein, die zweite kleine Öse ist nicht dafür da, sich den Tuber an einer schönen bunten Prusik an den Gurt zu hängen oder am Stand ein Blümchen rein zu stecken um die Wand etwas bunter zu gestalten. Obwohl ich die Idee nicht schlecht finde.

Klettert man mehr als eine Seillänge hintereinander, kommt es zu der Situation, dass der Sicherer höher steht, als der nachsteigende Kletterer. In diesem Fall bedient man sich der Technik des Nachsicherns. Dabei ist das Sicherungsgerät nicht am Gurt des Sichernden fixiert, sondern an der Wand (siehe Bild).

Die kleineÖse dient nun dazu, mit Hilfe einer Schlinge oder eines Karabiners, die Bremswirkung des Tubers kurz zu reduzieren, wenn man z.B. etwas Seil nachgeben möchte. Vom Karabiner passt absichtlich nur die Nase rein um Fehlbedienungen zu vermeiden.

Mit Hilfe des Karabiners entsteht so ein schöner Hebel, der es einfach mach den Tuber in seiner Bremswirkung zu variieren.

Der Senkelklemmer

Die Feststellöse in rot

Die Feststellöse in rot

Schonmal beim Schnüren der Wander- oder Bergschuhe darüber gewundert, dass der Schnürsenkel auf Höhe des Knöchels in der Öse blockiert wird? Nein, die ist nicht kaputt. Du kannst aufhören zu reißen. Das ist sogar eine überaus clevere und besonders praktische Funktion!

 

Durch die Feststellöse lässt sich nämlich der Spann unabhängig vom Schaft schnüren. Das macht nicht nur das Schnüren angenehmer, es ermöglicht auch den Schuh an persönliche Vorlieben, physische Voraussetzungne und die örtlichen Gegebenheiten anzupassen, z.B. wenn es bergauf oder -ab geht. Meine rheinländische Mutter würde jetzt wieder sagen: „Poppöchen poppöchen“ und sich dabei mit dem Zeigefinger an die Nase tippen. :-)

Hast Du auch eine Frage?

Wenn Dir noch mehr Fragen einfallen, die Du schon immer mal stellen wolltest, ist dies Deine Chance. Schreib uns eine Email (basislager@bergfreunde.de) oder ein Kommentar und frag – natürlich ganz vertraulich.  Oder erzähl uns welche interessanten Funktionen Du kennst.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Max sagte am 16. August 2013 um 06:39 Uhr

    Es macht einfach immer wieder Spaß diese Reihe zu lesen und feststellen zu müssen, dass man Fragen hatte, die man noch gar nicht selber kannte. Wobei der Aufbau eines tUbers im NAchsichern kein Hexenwerk und wenn der Partner etwas Seil benötigt, braucht man nicht gleich einen Karabiner in die kleine Öse zu hängen. Erst wenn er abgelassen werden möchte, braucht man diesen Aufbau, da die Balastung das Seil selbst abklemmt und durch den eingehängten Karabiner eine bessere Hebelwirkung entsteht. Man hebelt im oberen den untersten Karabiner nach schräg rechts oben, dass der Tuber Richtung horizontal geht. Allerdings sollte man das langsam machen, denn ab einem gewissen Punkt hebt man die Funktionsweise des Tubers auf.
    Nach meiner Erfahrung sollte man erst den Karabiner in der kleinen Öse einbauen, wenn man ihn auch wirklich benötigt (beispielsweise um den Partner abzulassen). Hier kann es auch hilfreich sein, eine Rebschnur zu nehmen, die an der kleinen Öse befestigt wird und über einen weiter oben angebrachten Karabiner im Standplatz(!) umlenkt. Jetzt muss man nur die Rebschnur nach unten ziehen – was deutlich angenehmer ist als den Karabiner nach oben zu drücken/ziehen/schieben – um die Blockierung des Tubers aufzuheben.

  2. Wiebke sagte am 26. August 2013 um 08:35 Uhr

    Hallo Max,
    Freut mich, dass Dir die Rubrik gefällt. Mit der Reepschnur hast Du vollkommen Recht. Das wollte ich eigentlich auch rein schreiben, habs aber ganz klassisch vergessen.

    Gruß, Wiebke

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