Ausrüstung

Was Du schon immer wissen wolltest – aber Dich nie getraut hast zu fragen Teil 10

17. Oktober 2014

Kategorie

Sportart

Soll das so?

Soll das so?

Auf die letzte Folge erreichte mich die Mail eines Kunden. Er hatte sich bei uns einen neuen Trekkingrucksack gekauft und war nun in Sorge, nicht sämtliche Funktionen seines Rucksackes zu kennen und bat aus diesem Grund um ein Rucksack-Special.

Leider würde es etwas viel werden, hier alle Funktionen von Rucksäcken aufzuzählen, denn die sind inzwischen ganz schön zahlreich. Aber ich lege in dieser Folge einen Schwerpunkt auf Rucksäcke und werde versuchen, in den kommenden Folgen die eine oder andere weitere Funktion einzuarbeiten.

Daher geht es dieses Mal ausschließlich um Rucksäcke. Viel Spaß beim Lesen.

Eine Lasche im Nirgendwo

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Schon mal einen neuen Rucksack aufgemacht und Dich gewundert, was diese Lasche zwischen Deckel- und Hauptfach macht? Und hast Du Dich dann auch gefragt, ob sie dafür da ist, um auch wirklich sicher gehen zu können, dass nichts aus dem Hauptfach herausfällt – nach oben und durch den geschlossenen Strumpf?? Passiert einem ja ständig, vor allem beim Laufen mit geschlossenem Deckelfach.

Die Lasche ist natürlich für was anderes gedacht. Die Tatsache, dass man sie hauptsächlich an Kletterrucksäcken findet, hilft einem bei der Wahrheitsfindung schon ein ganzes Stückchen weiter. Sie dient nämlich eigentlich dazu, ein Kletterseil, das über den Rucksack gelegt wird, vor dem Rausrutschen zu schützen. Ist der Rucksack zu voll, um noch das Kletterseil aufzunehmen, ist es sehr praktisch, das Seil wie auf dem Bild zu transportieren. So hat man die Hände frei und die Last verteilt sich optimal auf das Tragesystem des Rucksacks. Allerdings musst man dazu wissen, wie man ein Seil richtig aufnimmt.

Seitliche Schlaufen, die für alles zu groß scheinen

Was soll denn da schon reinpassen?

Was soll denn da schon reinpassen?

Das Geröllfeld und Abstieg liegen hinter einem. Ein guter Zeitpunkt, um die Stöcke an den Rucksack zu schnallen und das Gleichgewicht wieder ohne Hilfe zu halten. Da gibt es doch diese netten Schlaufen an der Seite des Rucksacks. Doch schnell fällt einem auf, dass die Schlaufen eigentlich zu groß für die Stöcke sind und diese fast ungebremst durchrutschen. Da man die Schlaufen aber auch nicht verstellen kann, bildet sich schnell eine skeptische Falte auf der Stirn. Für was sind diese Schlaufen? „Man könnte den Stock da so reindrehen und dann vielleicht noch mal nach links…“

Keine Chance, die Schlaufen sind nämlich extra so groß gehalten, damit man seine Tourenski seitlich am Rucksack transportieren kann. Man schiebt sie von oben nach unten durch, bis die Bindung an besagter Schlaufe hängen bleibt. Dann nur noch oben festzurren und schon hält der Ski.

Wenn man hauptsächlich ohne Skier und mit Stöcken unterwegs ist, sollte man lieber nach einem Trekking- oder Tourenrucksack schauen. Die haben meist flexiblere Seitenbefestigungen oder spezielle Stockhalterungen.

Eine Wasseröffnung im Nacken

Hält einem die Hände frei, das Trinksystem

Hält einem die Hände frei, das Trinksystem

Inzwischen sind diese sonderbaren Öffnungen an den meisten Rucksäcken zu finden. Unter dem Deckelfach auf der Rückenseite auf Höhe des Nackens finden sich so seltsame Öffnungen, die direkt ins Innere des Rucksacks führen.  Und das nicht selten bei Rucksäcken, die damit werben, wasserdicht zu sein. Und dann steht da auch noch H2O drauf. Schon komisch.

Ja komisch, aber auch ziemlich praktisch, dienen diese „Löcher“ doch dazu, den Schlauch des Trinksystems auf kürzestem Weg nach vorne zum Mund des Trägers zu führen und zwar genau von dort, wo die Trinkblase am besten transportiert wird: direkt am Rücken. Das ist nicht nur für die Gewichtsverteilung im Rucksack am besten, schließlich trägt man, je nach Modell, ein bis drei Liter mit sich. Das Wasser ist hier bei kalten Temperaturen am besten isoliert und friert nicht so schnell ein.

Aus diesem Grund haben auch viele Rucksäcke am Rücken ein extra Fach, in das man die Trinkblase packen kann.

Die Schnabel-Schnalle

Hier wirds laut

Hier wirds laut

Steht man so im Wald herum und wartet darauf, dass der Wanderpartner endlich fertig wird hinter dem Busch, wahlweise dem Baum, hat man viel Zeit sich mit seinem Material vertraut zu machen. Die Schlaufen an den Stöcken, „nein, die Schuhe schnüre ich jetzt nicht neu, die passen gerade so gut“, Jacke auf, ne doch lieber zu „und die Brustschnalle könnte ich eigentlich mal auf machen“.

Bei dieser Gelegenheit fällt dann der Blick auf diesen seltsamen Schnabel an der Schnalle. Vermutlich ein Überrest vom Gießprozess, kennt man ja von diesem Plastikzeug, ist halt alles nicht so sauber und sehr billig produziert.

Doch da liegt der skeptische (bis zynische) Bergfreund falsch. Der vermeintliche Schnabel ist nämlich das Mundstück einer Notpfeife, die mittlerweile vermutlich alle Rucksäcke an ihrer Brustlasche angebracht haben. Schön nahe beim Mund und immer griffbereit. Liegt man irgendwo im Wald oder Geröllfeld und wartet auf Hilfe, ist es viel kräfteschonender, mit einer solchen Pfeife auf sich aufmerksam zu machen als stundenlang zu schreien. Und so eine Pfeife wird nicht heiser. Eins der Features an einem Ruckack, die man hofft niemals zu benötigen.

Hast Du auch eine Frage?

Wenn Dir noch mehr Fragen einfallen, die Du schon immer mal stellen wolltest, ist dies Deine Chance. Schreib uns eine Email (basislager@bergfreunde.de) oder einen Kommentar und frag. Oder erzähl uns welche interessanten Funktionen Du kennst.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Frank sagte am 17. Oktober 2014 um 07:57 Uhr

    Sehr gut, vielen Dank. Zumindest die ersten beiden Punkte haben mir weitergeholfen. Habe mich schon immer gefragt was man damit festmachen soll.

  2. Rene sagte am 17. Oktober 2014 um 20:52 Uhr

    Donnerwetter, da denkt man, man kennt sich aus mit Rucksäcken und dann so etwas. Der erste Punkt war mir nämlich bislang auch nicht klar. Danke fürs Teilen!

  3. Holger sagte am 18. Oktober 2014 um 12:44 Uhr

    Super Artikel, sehr informativ, auch von mir danke dafür. Ich hatte auch schon das Problem mit den zu groß wirkenden seitlichen Schlaufen. Hätte ich vorher diesen Artikel gelesen, hätte ich mir den sparen können und gezielt nach einem Trekkingrucksack gesucht. Aber nun gut, aus Fehlern lernt man ;).

  4. Timo sagte am 23. Oktober 2014 um 10:04 Uhr

    Man kann die zu große Schlaufe doch für Stöcke verwenden indem man sie einfach einmal um 180 Grad verdreht. Dadurch entsteht eine Acht mit kleinerer Schlaufe, da passt dann auch die Stockspitze rein. Funktioniert zumindest bei zwei meiner Trekking-Rücksäcke (40l und 80l). Hat mir der Verkäufer gezeigt, ich war beeindruckt ;-)

  5. Wiebke sagte am 23. Oktober 2014 um 10:09 Uhr

    Hallo Timo,

    meinst Du die Kompressionsriemen oder die Schlaufen (Auf dem Bild sind unten die besagten Schlaufen)? Stelle es mit etwas vor die Schlaufen zu verdrehen, werde es aber zuhause mal versuchen. Sollte aber auf jeden Fall mit den Kompressionsriemen gehen, wenn man sie ganz weit stellt. Vielen Dank für den super Tipp.
    Lieben Gruß, Wiebke

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