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Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

14. September 2017

Geh in die Berge, haben sie gesagt. Da ist es schön, haben sie gesagt. Niemand hat aber gesagt, dass es auch ziemlich anstrengend werden kann. Und schon gar niemand hat gesagt, dass es mit Stöcken deutlich angenehmer hätte sein können.

Das ist einer dieser Aha-Momente, die man beim Bergsteigen immer mal wieder hat. Zumindest ging es mir so, als ich das erste Mal mit Trekkingstöcken unterwegs war. Bessere Stabilität, Entlastung und dadurch letztlich ein rundum wesentlich angenehmeres Bergerlebnis.

Doch wie so oft ist es nicht einfach damit getan, Stöcke in die Hand zu nehmen und loszulegen. Ein paar technische Kniffe gibt es zu beachten, damit das Ganze auch wirklich funktioniert. Welche das sind, wollen wir euch natürlich verraten, aber erstmal…

Das Für und Wider – Trekkingstöcke, Ja oder nein?

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

Lieber mit oder doch lieber ohne?

Es gibt durchaus viele Vorteile, die man aus dem Einsatz von Wanderstöcken ziehen kann. Da ist unter anderem die schon erwähnte Entlastung der Gelenke und Muskeln im Unterkörper, z.B. beim Bergabgehen, die je nach Dauer der Tour einige Tonnen betragen kann. Hinzu kommt, dass die Stöcke gerade beim Überqueren von Flüssen oder Firnfeldern für nötige Stabilität sorgen oder beim Traversieren die Trittsicherheit und Balance verbessern. Letztlich helfen die Stöcke sogar, die Haltung zu optimieren: der Rücken ist gerader und wir laufen insgesamt „besser“.

Was aber spricht gegen den Einsatz von Stöcken? Da wäre zum Beispiel der Aspekt, dass sich Stöcke in schwierigem Gelände schnell mal verkanten und dadurch für Probleme sorgen können. Gerade in seilversicherten Passagen können Stöcke außerdem recht unhandlich sein und Kritiker merken immer wieder an, dass man durch exzessiven Stockeinsatz den Gleichgewichtssinn nicht trainiert. Letztlich sind Stöcke natürlich auch nicht davor gefeit zu brechen, weshalb man in gefährlichen Situationen niemals voll auf das Material vertrauen sollte.

Die medizinische Kommission der UIAA (Union Internationale des Associations d’Alpinisme) empfiehlt Stöcke vor allem:

  • in hohem Alter.
  • wenn Übergewicht vorliegt.
  • wenn Erkrankungen der Gelenke oder Wirbelsäule vorhanden sind.
  • wenn schwere Lasten getragen werden.

Die passende Länge einstellen

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

In der Regel immer die 90 Grad einhalten!

Wenn man sich aus der großen Bandbreite unterschiedlicher Trekkingstöcke das richtige Paar ausgesucht hat (Hilfe gibt’s hier) steht man erstmal vor der Frage „Wie lange müssen die Stöcke eigentlich sein?“ Hier hilft eine einfache Grundregel: Sie sollten so hoch sein, dass der Arm einen Winkel von 90 Grad erreicht, wenn man den Stockgriff in Händen hält und der Stock senkrecht auf dem Boden steht. Bei starken Gefällen kann man die Stöcke etwas verlängern und bei steilen Anstiegen etwas verkürzen. Achtet beim Einstellen darauf, dass die Verschlüsse auch wirklich fest sind, damit die Stöcke nicht kollabieren.

Pro-Tipp: In großer Höhe oder besonders kalten Regionen sollten die Stöcke so lange sein, dass der Armwinkel leicht geöffnet ist, damit die Hände unterhalb der Ellenbogen liegen und so genug Blut hinein fließt.

Die optimale Länge könnt ihr übrigens auch ganz einfach mit unserem Stocklängen-Rechner herausfinden.

Der richtige Griff

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

Hier gut zu sehen. Die Schlaufe wird von unten durchgriffen.

Ein beliebter Fehler bei der ersten Tour mit Stöcken ist der falsche Griff, bei dem die Schlaufe oft einfach von oben eingefädelt wird. Richtigerweise sollte man von unten durch die Schlaufe greifen, so dass man selbst mit geöffneter bzw. lockerer Hand Druck auf den Stock ausüben kann. Dadurch kann man die Hände bei der Ausholbewegung öffnen, ohne auf die Entlastung zu verzichten. Außerdem verkrampfen die Hände dadurch nicht zu sehr.

Bei einer Traverse kann es hilfreich sein, wenn man den bergseitigen Stock an der Griffverlängerung greift – sofern vorhanden. Den talseitigen Stock sollte man wie einen Knauf halten, damit man sich damit besser Abstützen kann. Im Zweifel wird übrigens empfohlen, die Hände bei einer Traverse nicht in der Schlaufe zu haben, so dass man sie im Notfall frei hat.

Die Wanderstöcke richtig einsetzen

Über den richtigen Einsatz von Wanderstöcken

Die Doppelstocktechnik hilft beim Auf- und Abstieg.

Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen ist es ratsam, die Stöcke immer nah am Körper zu halten. In flachem Gelände sind die Stöcke diagonal und werden abwechselnd eingesetzt, entsprechend dem natürlichen Bewegungsmuster. Prinzipiell handelt es sich hier um die Nordic-Walking-Technik, nur ohne bewussten Krafteinsatz. Natürlich kann man sie hier auch am ehesten weg lassen.

In steilerem Gelände ist der Doppelstockeinsatz die sinnvollere Variante. Die Stöcke werden in der Regel bei jedem zweiten Schritt gesetzt und man drückt sich kraftvoll mit beiden Armen nach oben. So sind Stabilität und Entlastung gewährleistet. Auch bergab ist die Doppelstocktechnik die beste Wahl. Man sollte aber nach Möglichkeit nicht stochern, sondern den Griff normal greifen und vor allem auf eine saubere Technik achten, damit man nicht weg rutscht, stolpert und im schlimmsten Fall stürzt.

Was jetzt? brauch ich Stöcke oder nicht?

Die Antwort auf die Frage, ob man Wanderstöcke immer dabei haben sollte, ist also ein weithin hallendes JEIN.

Sinnvoll sind sie allemal, aber eben nur dann, wenn man sie auch richtig zu nutzen weiß und einige einfache Regeln berücksichtigt. Denn sonst können sie unnütz und maximal sogar hinderlich sein. Vielleicht kann eine gute Handlungsempfehlung sein, die Stöcke mal zu nutzen – vor allem bei technisch schwierigen Touren – und mal lieber zuhause zu lassen, denn ohne Stöcke wird der Gleichgewichtssinn besser geschult und die Muskeln trainiert.

Wie haltet ihr das? Stöcke ja oder nein? Wir freuen uns über eure Kommentare!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Timo sagte am 16. September 2017 um 18:47 Uhr

    Ich persönlich benutze Wanderstöcke schon seit etwas längerer Zeit und muss sagen, dass diese recht hilfreich sein können. Vor allem auf längeren Wanderungen entlasten sie die Beine etwas. Auch beim Absteigen helfen diese mir meine Gelenke, vor allem die Knie, zu schonen.
    Immer benutze ich sie allerdings nicht. Normalerweise erst bei Bedarf, wenn ich merke es wird steiler bzw. wenn das Gelände schwieriger wird.

  2. Jörn sagte am 18. September 2017 um 11:34 Uhr

    Hi Timo,

    so handhabe ich es in der Regel auch. Ich denke, da findet jeder irgendwann seinen eigenen Modus.

    Danke für deinen Kommentar und liebe Grüße,

    Jörn

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