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Wandern mit Kindern

5. Juli 2016

Sportart

Was gibt es schöneres, als zu Fuß die Natur zu erleben? Für leidenschaftliche Wanderer vermutlich nichts. Wenn dann Nachwuchs unterwegs ist, fragen sich viele Eltern, ab wann sie das neue Familienmitglied auf die erste Wanderung mitnehmen können und worauf sie dabei achten sollen.

Wir haben die wichtigsten Punkte zusammengetragen.

Mit Kindern in die Berge zu gehen, ist für die ganze Familie ein traumhaftes Erlebnis. Allerdings sollte man dabei immer an die Weisheit denken: Nicht wir nehmen die Kinder mit ins Gebirge – sie nehmen uns mit.

Ab welchem Alter kann man mit Kindern wandern?

 Osprey - Poco AG Premium - Kinderkraxe


Osprey – Poco AG Premium – Kinderkraxe

Als eingefleischte Naturliebhaber könnte man jetzt natürlich sagen, dass man gar nicht früh genug damit beginnen kann, Kinder mit der Natur vertraut zu machen. Aber ein paar Punkte sollte man schon beachten.

Kinderkraxen oder Tragetücher bieten eine großartige Möglichkeit schon die Kleinsten auf Wanderungen mit zu nehmen. Allerdings kommen sie erst in Frage, wenn das Kind über einen längeren Zeitraum selbstständig sitzen und den Kopf selbstständig hochhalten kann.

Zwar sitzt ein Kind in einer Kraxe in einem sehr komfortablen Sitz, trotzdem muss die Nackenmuskulatur permanent die Gehbewegungen des Elternteils ausgleichen um den Kopf aufrecht zu halten. Das kann auf Dauer ziemlich anstrengend werden.

Je nach Entwicklung des Kindes sagt man ab dem achten Monat bzw. dem ersten Lebensjahr kann eine Kraxe verwendet werden. Vorher kommt nur der Kinderwagen in Frage.

Tourenplanung: Wie lange kann man mit Kindern wandern?

Für Kinder zählt weniger der Gipfel, als vielmehr die unzähligen Abenteuer, die sie bis dorthin erleben. Diese Tatsache und natürlich die körperlichen Voraussetzungen der Kinder, bedürfen einer anderen Tourenplanung als bei uns Erwachsenen.

Pausen machen

Wird das Kind in der Kraxe getragen, sollte die Wanderung nicht länger als 2-3 Stunden dauern und regelmäßig durch Pausen unterbrochen werden in denen das Kind herumlaufen und sich entspannen kann. Denn auch Stillsitzen kann anstrengend sein. Vor allem für kleine Kinder.

Laufen die Kinder selbständig mit, heißt es auch wieder: Ausreichend Pausen machen. Im Kindergartenalter sind Knochen und Bänder der Kinder noch relativ weich. Das macht sie nicht nur anfällig für Überbeanspruchung, es ermüdet sie auch schneller, wenn sie sich einseitig bewegen. In Pausen mit Spielen erholen sie sich dafür auch wieder sehr schnell.

Die Pausenplätze sollten so gewählt werden, dass sie möglichst wenige Gefahren für Kinder bieten uns diese sich dort frei bewegen können. Sehr hilfreich ist es Spiele oder Aufgaben für die Pausen bereit zu haben.

Weit vs. hoch

Kinder haben wesentlich mehr Kraft für kurze Anstrengungen, wie Springen oder Klettern, dafür weniger Ausdauer. Diese müssen sie, genau wie wir Erwachsene, erst erlangen. Dadurch gilt auch: Kinder tun sich mit Distanzen leichter als bei Steigungen. Bei Touren in den Bergen sollten daher noch mehr Pausen eingeplant werden.

Motivation

Mal ehrlich, wenn es schon für uns Erwachsene manchmal schwer ist, uns für den zweiten Teil der Tour zu motivieren, wie schwer muss es dann für ein Kind sein, dem es ziemlich schnuppe ist, ob der Gipfel erreicht wird oder nicht? Schließlich gibt es da einen wunderschönen Bach, den kann man stauen, Schiffchen darauf fahren lassen, Schlammburgen bauen und die kleine Schwester nass machen.

Wer Kinder auf Tour bei Laune halten will, sollte sich wieder die Weisheit vom Anfang in den Kopf rufen: Nicht wir nehmen die Kinder mit ins Gebirge – sie nehmen uns mit. Sind die Kinder schon alt genug, kann man sie auch in die Tourenplanung einbeziehen. So können sie bei der Navigation helfen, den Umgang mit Kompass oder GPS lernen und gleichzeitig ihre Wünsche für die Tour mit einbauen.

Bei aller Planung und Vorbereitung lässt sich nicht vermeiden, dass sich für Kinder, wie für Erwachsene auch zähe Abschnitte ergeben. Trotzdem kann sich abends auch ein gutes Gefühl einstellen, was eine gute Erfahrung ist. Generell gilt aber, lieber langsam heranführen und bei Laune halten, als zu Beginn zu überfordern und das Wandern zu vergraulen.

Zeitplanung

Folgende Gehzeiten sollte man bei der Tourenplanung beachten (pro Tag):

Bis Kindergartenalter: 2-3 Stunden

Kindergartenalter: 3-4 Stunden

Grundschulkinder: Tagestouren

Natürlich muss dabei immer die individuelle körperliche und mentale Entwicklung des Kindes und ausreichende Pausen mit eingerechnet werden.

Bei der Planung der Gehzeiten kann man die Gehzeiten für Erwachsene zu Grunde legen und dann mit dem Faktor 1,5 multiplizieren.

Was muss man zum Wandern mit Kindern mitnehmen?

Wie bereits erwähnt, ist der Bewegungsapparat von Kindern noch relativ weich und anfällig für einseitige Belastungen. Dies sollte nicht nur bei der Planung der Routen, sondern auch bei der Auswahl der Ausrüstung bedacht werden.

Rucksack

Auf keinen Fall den Kindern zu viel mitgeben, das schadet dem Rücken. Daher kommt die Ausrüstung der Kinder in den Rucksack der Eltern. Kuscheltiere, Schnuffeltuch und andere leichte Schätze können die Kinder ruhig selbst in ihrem Rucksack tragen. Allerdings sollte im Rucksack der Eltern ausreichend Platz sein um den Rucksack der Kinder mit aufnehmen zu können.

Wanderschuhe für Kinder

Hanwag - Yuma GTX - Wanderschuhe

Hanwag – Yuma GTX – Wanderschuhe

Laufen Kinder selbstständig mit, brauchen sie auch die richtigen Schuhe. Hier empfehlen sich Wanderschuhe für Kinder. Die bieten ausreichen Halt auf rutschigem Untergrund und stützen den Knöchel.

Wanderbekleidung für Kinder

Ausreichend mitnehmen. Das beinhaltet Schutz vor sämtlichem Wetter sowie Wechselkleidung für kleine bis große Unfälle. Beim Transport in der Kraxe unbedingt auf den Sonnenschutz achten.

Motivationshilfen beim Wandern

Neben ausreichend Proviant und ausreichend Spiele können weiter Ausrüstungsgegenstände sehr hilfreich sein: Fernglas, Kompass, GPS, Wanderkarten,  Wandertagebuch, Lupe und wenn das Kind alt genug ist auch ein eigenes Taschenmesser.

DAV Hütten

Der Alpenverein hat ein Siegel für familienfreundliche Hütten herausgebracht. Natürlich sind Familien mit Kindern auf allen AV-Hütten willkommen, doch die Hütten mit dem Siegel haben sich dem Qualitätstandard der familienfreundlichen Hütten verpflichtet. Eine Liste der Familienfreundlichen AV Hütten und was dies Standards beinhalten, findet sich hier: http://www.alpenverein.de/chameleon/public/54849140-b2ac-3d1f-31b0-6f9cdef47219/Mit-Kindern-auf-Huetten-Broschuere-2016-17_25805.pdf

Der AV Teilt seine Hütten in zwei Kategorien:

Kategorie I: Schutzhütten im klassischen Stil. Sie sind über eine Gehzeit von mindestens einer Stunde (für Erwachsene zu erreichen) und zumeist eher schlicht ausgestattet.

Kategorie II: einige sind mit einer Gehzeit von unter einer Stunde, PKW oder Seilbahn zu erreichen. Sie sind daher häufig etwas besser ausgestattet und eigenen sich auch für längere Aufenthalte.

Die Preise für die Unterbringung richten sich nach der Kategorie und einer Mitgliedschaft im AV.

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