La Réunion – Wandern im tropischen Paradies

6. März 2019

Sportart

Wenn die Rede von einem Wanderurlaub auf La Réunion ist, lautet die erste Frage häufig: „Wo liegt das denn überhaupt?“ Die Vulkaninsel liegt mitten im indischen Ozean, genauer gesagt zwischen Madagaskar und Mauritius. Obwohl man mehr als 10.000 Kilometer in den Süden fliegt, befindet man sich immer noch in Europa. Réunion gehört nämlich zu Frankreich und ist ein vollwertiges Übersee-Department. Die Tropeninsel überzeugt mit mildem Wetter, einem Wegenetz von über 1000 Kilometern und einer spektakulärer Landschaft. Jährlich nehmen zahlreiche Wanderer aus Europa den elfstündigen Flug auf sich, um die Gipfel und Talkessel auf eigene Faust oder mit Wanderführer zu erkunden.

Wissenswertes über die Insel

La Reunion ist aus vielerlei Gründen eine Reise wert.

Die Tropeninsel La Reunion überzeugt nicht nur mit mildem Wetter, einem umfangreichen Wegenetz und einer spektakulärer Landschaft sondern auch mit vielem mehr.

Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Réunion unbewohnt. Im Zuge der französischen Kolonialisierung kamen französische Siedler auf die Insel, die für den Anbau von Zuckerrohr und Bourbon-Vanille Sklaven aus Ostafrika und Indien auf die Insel verschleppten.

Mit dem Ende der Sklaverei im Jahre 1844 begann die Bevölkerung langsam zu wachsen. Heutzutage sind die einzigen Exportprodukte dieselben wie vor 300 Jahren – Rum und Vanille. Da die Einwohner so gut wie alle Dinge des täglichen Bedarfs importieren müssen, sind die Preise im Vergleich zum Festland deutlich teurer.

Viele der Einwohner stammen aus dem Mutterland Frankreich. Den Hauptteil der Bevölkerung machen aber Nachkommen indischer, afrikanischer, chinesischer und asiatischer Einwanderer aus. Sie werden „Kreolen“ genannt, was so viel bedeutet wie „auf der Insel geboren“. Durch diese kunterbunte Mischung verschiedener Kulturen und Bräuche begeistern die Inseleinwohner als vielfältige Lebensgemeinschaft. Auch die kreolische Küche ist eine wilde Mischung afrikanischer, indischer und asiatischer Einflüsse. Meistens kommen zahlreiche Gewürze zum Einsatz, die wir Mitteleuropäer oft nur von einem Besuch beim Inder oder Chinesen kennen.

Fährt man am Wochenende zu einem der zahlreichen Picknickplätze in den Bergen, kann man die einheimische Bevölkerung bei ihrer Lieblingsbeschäftigung beobachten – Grillen und gemeinsames Essen in der Natur. Meistens kommt die ganze Familie zusammen, um auf einer der Feuerstellen frisches Essen zu kochen. Wer selbst einmal probieren möchte, der sollte sich am Wochenende zu den zahlreichen mobilen Grillstationen an den Straßen und Parkplätzen begeben, bei denen man sich mit lokalen Spezialitäten wie gegrilltem Hühnchen und Meeresfrüchten stärken kann.

Die Insel entstand vor etwa drei Millionen Jahren durch einen Ausbruch des heute nicht mehr aktiven Vulkanes „Piton des Neiges“. Um den höchsten Berg der Insel herum befinden sich drei tief eingeschnittene Talkessel, die Cirques Salazie, Cilaos und Mafate. Letzterer ist sehr abgelegen und kann nur zu Fuß oder per Hubschrauber erreicht werden. Im „Cirque de Mafate“ leben zahlreiche Menschen, deren einzige Einnahmequelle das Betreiben der Berghütten für Wanderer und die Instandhaltung der Wanderwege ist. Selbst der inzwischen pensionierte Briefträger von Mafate legte früher einen wöchentlichen Rundkurs von 130 Kilometern zurück, um alle Bewohner mit ihrer Post zu versorgen. Heutzutage kommen die meisten Lieferungen von Waren und Baumaterial – und auch die Post – mit dem Helikopter.

Der Vulkan „Piton de la Fournaise“.

Der „Piton de la Fournaise“ zählt zu den aktivsten Vulkanen der Erde.

Der „Piton de la Fournaise“ zählt mit mehr als einer Eruption pro Jahr zu den aktivsten Vulkanen der Erde und steht daher unter ständiger Überwachung durch Vulkanologen. Bei einer Fahrt entlang der Ostküste kann man einen der zahlreichen Ausbrüche bewundern, bei denen vor einigen Jahren eine gewaltige Menge Lava bis hinunter in den Ozean geflossen ist. Der Kraterrand des Vulkans kann auf einer spektakulären Wanderung erkundet werden.

Auf Réunion herrschen viele Mikroklimata. Die Ostküste ist sehr regenreich, der Westen weist teilweise ein Steppenklima auf. Die größte Fläche der Insel ist allerdings von dichtem Regenwald bedeckt, der selbst an den steilen Bergflanken zu finden ist. Giftige und gefährliche Tiere sind allerdings nicht zu finden. Naturliebhaber finden auf den Wanderungen unzählige tropische Pflanzen – beispielsweise Orchideen – und mit Glück auch ein Chamäleon, das sich gut getarnt in den Bäumen versteckt.

Bis vor einigen Jahren war das Surfen auf La Réunion nicht nur ein Sport, sondern ein Teil der lokalen Lebenskultur. Leider kam es in der Vergangenheit zu mehreren Haiangriffen mit teils tödlichem Ausgang. Deshalb ist heute das Surfen an allen Stränden komplett verboten.

Wer an einem Pausentag vom Wandern die müden Füße im indischen Ozean erfrischen will, kann dies an den Stränden von St. Pierre und L‘Ermitage tun. Weißer Sand, sauberes Wasser und karibische Palmen lassen keine Wünsche offen. Durch eine vorgelagerte Lagune sind diese Strände gegen Haie geschützt und beeindrucken mit einer unzähligen Anzahl an Fischen und anderen Meeresbewohnern, die in und an den Riffen leben. Wer Glück hat, kann sogar einer Meeresschildkröte begegnen. Die Mitnahme von Schnorchel und Taucherbrille lohnt sich also auf jeden Fall.

Wandern auf La Réunion

Durch das warme Klima kann man das ganze Jahr über auf der Insel wandern. Die Hauptreisezeit ist aber in den Monaten April bis November. Hochsaison für die Wanderer sind die Monate Oktober und November. Der „Winter“ auf Réunion bietet angenehme Temperaturen und die wenigsten Regenfälle. Im „Sommer“, der von Dezember bis März andauert, steigen die Temperaturen oft über dreißig Grad, und es kann zu langanhaltenden, starken Regenfällen kommen.

Die klimatischen Bedingungen in den Tropen sind für die meisten Mitteleuropäer gewöhnungsbedürftig. Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit haben schon so manchen Wanderer ausgebremst. Um sich ideal an das Klima auf der Insel anzupassen, sollten am Anfang ein paar kleinere Touren unternommen werden. Die Inseldurchquerung läuft ja nicht weg.

Die Wanderwege auf Réunion sind in der Regel gut markiert und ausgeschildert. Viele Wege werden bei Starkregen, der auf Réunion auch im Sommer vorkommen kann, rutschig und gefährlich. Zur optimalen Tourenplanung gehört auch die ausreichend Mitnahme von Wasser. Zwar kann das Wasser im Regenwald meistens gefahrenlos getrunken werden, allerdings sind manche Quellen und Bäche je nach Jahreszeit ausgetrocknet.

Die wunderschöne tropische Landschaft.

Die wunderschöne Dschungellandschaft der Tropeninsel.

Für mehrtägige Weitwanderungen in den Talkesseln von Cilaos, Mafate und Salazie entlang der Fernwanderwege GR R1, GR R2 und GR R3 empfiehlt sich die Übernachtung in den „Gîtes d’étape“. Die einfach eingerichteten Berghütten bieten meist Einzel- oder Mehrbettzimmer für Wanderer. Abendessen und Frühstück aus der kreolischen Küche werden meistens ebenso serviert.

Bei einigen Wandertouren besteht unterwegs eine Einkehrmöglichkeit in kleinen Bars oder Restaurants. In den Talkesseln von Mafate, Salazie und Cilaos gibt es kleine Verkaufsläden.

Die Passatwinde treiben oft schon vormittags Wolken über die Insel, die dann an den steilen Bergen und Schluchten im Inneren hängen bleiben. Daher empfiehlt es sich, generell eher früher aufzubrechen, um am Gipfel nicht im Wolkenmeer zu stehen und die grandiose Aussicht zu verpassen.

Die schönsten Wandertouren auf La Réunion

Es ist schwierig, sich auf ein paar bestimmte Wanderungen festzulegen. Dafür hat diese Insel einfach zu viel zu bieten. Von daher werden eher Empfehlungen für bestimmte Regionen gegeben. Vor Ort kann dann jeder eine passende Tour für seine Ansprüche und das individuelle Fitnesslevel auswählen.

Cirque de Mafate

Ausblick über den Talkessel Cirque de Mafate.

Ausblick über den Talkessel Cirque de Mafate.

Der größte der drei Talkessel ist ohne Zweifel das Highlight für die meisten Wanderer. Durch den Fakt, dass die Siedlungen nur zu Fuß oder per Helikopter erreicht werden können, hat sich dieser Teil der Insel noch das besondere Etwas bewahrt – benannt nach dem Sklaven Mafate, der damals der furchtbaren Arbeit an den Küstenplantagen entflohen war und sich lange Zeit im unwegsamen Gelände versteckt hielt. Mit Gleichgesinnten gründete er kleine Siedlungen, die noch heute von den Einwohnern des Cirque de Mafate bewohnt werden.

Als Mehrtagestour ist folgende Route zu empfehlen:

GR R3: Die Rundwanderung durch den Cirque de Mafate

  1. Etappe:
    Vom Wanderparkplatz am Col des Boeufs über die Plaine des Tamarins nach Marla (2,5 Stunden)
  2. Etappe:
    Von Marla über Trois Roches nach Roche Plate (5 Stunden)
  3. Etappe:
    Von Roche Plate über La Breche durch Îlet des Orangers nach Cayenne (5 Stunden)
  4. Etappe:
    Von Cayenne über Aurere zum Îlet à Malheur
  5. Etappe:
    Von Îlet à Malheur auf dem Sentier Scout zum Parkplatz am Col des Boeufs

Als Tagestouren in den Cirque de Mafate bieten sich folgende Wanderungen an:

Der Aussichtspunkt bei Dos d’Áne.

Der Aussichtspunkt bei Dos d’Áne.

  • Abstieg vom Aussichtspunkt Le Maido über La Breche nach Roche Plate und zurück (4 Stunden). Steiler Abstieg, grandiose Ausblicke vom Aussichtspunkt über den ganzen Cirque.
  • Von der Straße unterhalb des „Col du Taibit“ (Bushaltestelle) über den Pass nach Marla und zurück (4 Stunden). Einkehr in Marla möglich, landschaftlich sehr reizvoll.
  • Zum Aussichtspunkt bei Dos d’Áne, Wanderung an der Steilflanke des Cirque de Mafate (2 Stunden). Im Abstieg einige Stellen mit Sprossen und Leitern versichert, sonst einfach.

Cirque de Cilaos

Der Talkessel von Cilaos steht dem von Mafate in nichts nach und bietet unzählige Wandermöglichkeiten für jeden Anspruch. Der Ausgangspunkt, der Ort Cilaos, kann nur über eine steile Straße mit 420 Kurven und zahlreichen Tunneln erreicht werden. Wer sich die abenteuerliche Fahrt mit dem Mietwagen ersparen will, erreicht den Ort auch mit dem Linienbus. Die Thermalquellen im Ort laden zum Entspannen nach einem anstrengenden Wandertag ein.

Als Tagestouren empfehlen sich im Cirque de Cilaos besonders folgende Wanderungen:

  • Besteigung des Piton des Neiges, 3071 m: Der Aufstieg zum höchsten Berg des indischen Ozeans bietet sich besonders zum Sonnenaufgang an. Nachts kann es unangenehm kalt und windig werden, von daher sollte eine Isolations- oder Daunenjacke auf jeden Fall im Gepäck sein.
    Wer den steilen Aufstieg nicht an einem Tag machen möchte, kann in der Berghütte „Refuge de la Caverne Dufour“ übernachten, um am nächsten Morgen ausgeschlafen zum Gipfel zu starten. Leichter Weg, aber durch 1700 Höhenmeter Aufstieg Trittsicherheit und Ausdauer erforderlich.
  • Rundtour im Cirque de Cilaos: Diese eindrucksvolle Rundtour führt entlang einer Schlucht zum Wasserfall „Cascade de Bras Rouge“, bevor es auf der anderen Seite des Flusses in Serpentinen wieder steil aufwärts geht. Unterhalb des Col du Taibit (Übergang zum Cirque de Mafate) quert der Höhenweg den Hang und bietet einen Ausblick über den gesamten Cirque de Cilaos. Nach einer weiteren Flussquerung führt der Wanderweg durch lichten Dschungel wieder zurück nach Cilaos (4,5 Stunden). Leichter Weg, aber steile Ab- und Anstiege mit Holzstufen.

Die wundervolle Dschungellandschaft dieser Vulkaninsel begeistert auch erfahrene Wanderer, die schon viele Orte auf der Welt erkundet haben. Eine Reise nach La Réunion lohnt sich allemal – nach dem Zusammenbruch der Surfindustrie durch die Haiattacken ist der Wandertourismus heutzutage die Haupteinnahmequelle der Inselbewohner. Das karibische Lebensgefühl der Kreolen lädt zum bewussten Entschleunigen ein, und der Urlaub auf Réunion wird nicht nur durch das Wanderangebot zu einem besonderen Erlebnis.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Franziska sagte am 6. März 2019 um 15:26 Uhr

    Ich empfehle die Inselüberquerung auf dem GR R2! War genial! Leider ist mein Blogbeitrag dazu noch in Arbeit, sonst hätte ich dich gefragt, ob ich ihn hier nennen darf!

    Danke für die Tipps, da werden Erinnerungen wach!

    Liebe Grüße
    Franziska

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