Bären, Schlösser, Gipfel – Wandern in den Karpaten

20. Dezember 2018

Sportart

Seid ihr auf der Suche nach einer Wanderalternative zu den Alpen oder den Pyrenäen? Ein Gebirge, in dem man noch unterwegs sein kann, ohne gefühlt in Schlange zu laufen? Dann solltet ihr hier unbedingt weiterlesen, denn das Basislager entführt euch heute in die rumänischen Karpaten.

Die Karpaten

Mit seinen Gipfeln in der Hohen Tatra und dem Fagaras-Massiv ist das rumänische Gebirge, neben den Alpen, das bestimmende Gebirgsmassiv in Zentraleuropa. Bis auf knapp 2700 Meter geht es hier hinauf. Den größten Anteil haben dabei Polen, die Slowakei, die Ukraine und Rumänien.

Besonders ist vor allem die vielfältige Fauna der Karpaten.

Mit der vielfältigen Fauna der Karpaten, können die Alpen weniger mithalten.

Die hier folgenden Tipps beziehen sich auf Teile der Karpaten in Rumänien, was aber nicht heißen soll, dass nicht auch andere Abschnitte einen Abstecher wert sind.

Neben den imposanten Schieferwänden, die die Karpaten kennzeichnen, ist vor allem die vielfältige Fauna bemerkenswert. In den Karpaten ist die größte Braunbärenpopulation in Europa beheimatet, und auch Wolf und Luchs können einem hier mit etwas Glück begegnen. Die abwechslungsreiche Natur ist also ein weiterer Aspekt, der eine Karpatenwanderung lohnend macht (vor allem wenn man dies mit den Alpen vergleicht, wo es zunehmend schwieriger wird diesen Naturraum auch noch als solchen zu erleben).

Land und Leute

Rumänien ist ein überaus gastfreundliches Land. Die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen und hilfsbereit. Mit Englisch werdet ihr ohne Schwierigkeiten klar kommen. Deutsch wird, trotz des teilweise immer noch spürbaren deutschen Einfluss in Siebenbürgen, kaum noch gesprochen. Wer italienisch oder französisch kann, hat ebenfalls gute Karten in der Verständigung, da Rumänisch zu den romanischen Sprachen gehört und deshalb eine große Ähnlichkeit aufweist.

Die wunderschöne Idylle Rumäniens.

In Rumänien wird man sich auf jeden Fall wohlfühlen.

Stark geprägt wurde Rumänien von den Erfahrungen unter dem stalinistischen Diktator Nicolae Ceaucescu. Der regierte das Land in seiner über 30-jährigen Amtszeit mit einem, selbst für die Verhältnisse des kommunistischen Osteuropa, maßlosen Terrorregime. Für viele Menschen war dies eine sehr prägende Erfahrung, die bis heute nachhallt und einem auch in vielen Gesprächen noch begegnet.

Entscheidet ihr euch zum Wandern für die Karpaten, werdet ihr euch vermutlich überwiegend in Siebenbürgen aufhalten. Die besten Ausgangspunkte für schöne Touren sind Sibiu oder Fagaras; noch besser ist jedoch Brasov.

Tourentipps

Mehrtagestour Zarnesti-Cabana Curmatura-Vf Ascutit-Zarnesti

Von Brasov kommen wir mit einem Regionalzug in das Örtchen Zarnesti, das sowohl für Mehrtagestouren als auch für Eintageswanderungen einen sehr guten Ausgangspunkt bildet.

Auch Kletterer könnten in den Karpaten auf ihre Kosten kommen.

Die imposanten Schieferwände lassen auch Kletterherzen höher schlagen.

Am ersten Tag folgen wir der Schotterpiste Richtung Magura, die sich am Ortsausgang befindet. Von hier steigen wir in Richtung der Cabana Curmatura auf. Da es sich hierbei jedoch um eine recht beliebte Eintagestour handelt, kann es hier auch schon einmal etwas belebter zugehen. Auf der Alm Poiana Zanoaga nehmen wir die Abzweigung zur Piatra Mica hinauf und genießen den schönen Ausblick ins Tal. Wir wagen uns an die erste gesicherte Kletterpassage, ehe wir wieder zu der bewirtschafteten Hütte Curmatura absteigen. Neben Verstärkung, kann man hier gegen geringes Entgelt auch das Zelt aufschlagen.

Am nächsten Tag machen wir uns auf den langen und steilen Aufstieg zur Cf. Ascutit und dann weiter, entlang des Hauptkamms der Piatra Craiului, über den knapp circa 2200 Meter hohen La Om, zur Schutzhütte Refugiul Funduri. Plant hier zwischen acht und neun Stunden Gehzeit ein und nehmt genügend Wasser mit, denn gerade im Sommer wird es hier sehr heiß. An der Schutzhütte hat es auch genügend Platz für Zelte.

Am dritten Tag steigen wir über eine weitere Schutzhütte, die Refugiul Grind II, wieder in Richtung Zarnesti ab. Auf dem Weg kommen wir durch die beeindruckende Schlucht Cheile Pisicii, deren steil aufragende Felswände auch das Klettererherz höher schlagen lässt.

Tagestour Schloß Bran – Magura – Zarnesti

Ein Teil des

Ob Dracula tatsächlich in diesem Schloss gehaust hat?

Eines der touristischen Highlights – und deshalb leider auch völlig überlaufen – ist das sagenumwobene „Dracula“-Schloss in Bran. Ausgehend von Brasov oder Zarnesti könnt ihr zu diesem bequem mit Bussen gelangen.

Von Bran kann man hingegen eine schöne Tagestour über das Bergdorf Magura nach Zarnesti machen. Für diese Tagestour folgt man am Ortsausgang der rot-weißen Markierung. Nachdem man den kräftezehrenden Aufstieg hinter sich gebracht hat, wird man immer wieder mit tollen Blicken auf das Schloss und seine malerische Umgebung belohnt. Die gesamte Wanderung nach Zarnesti dauert ungefähr  5-6 Stunden, es gibt währenddessen aber immer wieder schöne Plätzchen für eine ausgiebigere Rast.

Zwei-Tagestour Überschreitung des Bucegi-Massivs Bran-Sinaia

Ebenfalls von Bran steigen wir zur Cabana Omul auf. Der Weg ist hier zunächst durch eine leicht ansteigende Forststraße charakterisiert, zweigt aber nach einigen Kilometern recht steil nach rechts ab (am besten folgt ihr hier immer dem roten Kreuz). An dem schönen Wasserfall Cascada Moara Dracului beginnt dann der schwierigste Abschnitt unserer sieben Stunden langen Tour. Lange, mit Seilen gesicherte Kletterpassagen führen uns auf das Hochplateau, auf dem die bewirtschaftete Hütte Omul liegt. In dieser werden wir auch die Nacht verbringen. Zelten ist im Bucegi-Nationalpark, aufgrund der hohen Bärendichte, nämlich nicht erlaubt.

Am nächsten Tag steigen wir dann Richtung der Seilbahnstation Sinaia ab. Hier kann man entweder in die Gondel ins Tal einsteigen, oder den Rest des Weges noch zu Fuß zurücklegen. Ersteres dauert ca. dreieinhalb Stunden. Der gesamte Weg nimmt sechs bis sieben Stunden in Anspruch.

Ausrüstung

Welche Ausrüstung ihr für euer Karpatenabenteuer braucht, hängt von der Jahreszeit ab. Vom späten Frühjahr bis in den beginnenden Herbst genügt eine „normale“ Wanderausrüstung. Also ausreichend stabiles Schuhwerk (gerne auch aus dem Approachbereich), da die Karpaten häufig recht steil und geröllig daherkommen. Deshalb würde ich auch auf jeden Fall vernünftige Trekkingstöcke mitnehmen, die insbesondere auf den Abstiegen eine große Hilfe sind.

Die Trekking-Wege sind hier sehr gut markiert.

Kartenmaterial lohnt sich zwar immer, aber die Wege sind hier auch so sehr gut markiert.

Je nach Länge der Tour würde ich einen Rucksack mit 30-40 Litern wählen, in den dann noch Regenausrüstung hineinkommt. In den Übergangszeiten schadet zudem ein leichtes Fleece oder ein Merinolayer nicht.

Umstritten ist das Thema Wasserreinigung. Es gibt Abschnitte, in denen Trinkwasser ziemlich knapp ist. Ein Beispiel wäre der Hauptkamm im Piatra Craiului-Nationalpark, auf dem es keine natürliche Wasserquelle gibt. Hier kann es sein, dass ihr auf Viehtränken ausweichen müsst, wenn der mitgebrachte Vorrat nicht ausreicht. Aus diesem Grund könnte die Mitnahme eines Wasserfilters oder eines chemischen Reinigungsmittels sinnvoll sein. Letztlich muss das natürlich jeder für sich entscheiden, aber ein kleiner Wasserfilter wie der Filter von Source fällt kam ins Gewichts – damit wäre man auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

Das entsprechende Kartenmaterial könnt ihr in den Besucherzentren der jeweiligen Nationalparks für wenig Geld kaufen. Die allermeisten Wege sind aber auch so gut markiert und problemlos zu finden.

Mehr braucht ihr nicht, um ein tolles Wandererlebnis in den Karpaten zu haben.

Hinkommen

So und wie kommt man nun am Besten dahin? Natürlich kann man mit dem Auto nach Rumänien fahren, allerdings sollte hier bedacht werden, dass es je nach Region schon eine ziemlich weite Strecke sein kann, die kaum an einem Stück zu bewältigen ist. Deshalb würde ich entweder eine Zugreise oder das Flugzeug wählen. Beide Varianten sind von vielen Ausgangspunkten in Deutschland sehr gut umzusetzen. Zum Beispiel fährt die Deutsche Bahn von den meisten großen deutschen Bahnhöfen täglich über Wien nach Brasov. Wie schon gesagt ist Brasov ein guter Ausgangspunkt für viele Touren.

Auch die öffentlichen Verkehrsmittel sind in Rumänien einwandfrei.

Auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln kommt man in Rumänien einwandfrei zurecht.

Lufthansa fliegt von München direkt nach Sibiu. Allerdings leider nur von München aus – von den anderen deutschen Flughäfen müsst ihr umsteigen. Alternativ bieten sich natürlich auch Flüge nach Bukarest an, das von allen großen deutschen Flughäfen angeflogen wurde und ohnehin einen kurzen Abstecher wert ist.

In Rumänien selbst ist es dann erstaunlich unproblematisch mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Sowohl Bahn als auch Bus sind sehr günstig und alles in allem auch zuverlässig. An die wichtigsten Ausgangspunkte für schöne Touren werdet ihr problemlos mit Bus oder Bahn gelangen.

Wenn ihr noch weitere Infos braucht, könnt ihr in den Kommentaren gerne eure Fragen stellen. Ansonsten hoffe ich den Einen oder Anderen zu einer Karpatenwanderung inspiriert zu haben und wünsche viel Spaß dabei!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Stephan sagte am 5. August 2019 um 14:40 Uhr

    Muss man Klettererfahrungen für Touren in den Karpaten mitbringen ?
    Ich bin Wandererfahren – auch kleinere Passagen über Geröll etc erprobt – jedoch für richtiges Klettern nicht tauglich.
    Euer Foto mit der roten Markierung löst bei mir Bedenken aus ?

  2. Jörn sagte am 6. August 2019 um 12:20 Uhr

    Hi Stephan,

    die Farbmarkierungen in den Karpaten unterscheiden sich mitunter zu denen in den Bergen, was du auf diesem Bild gut erkennen kannst: https://1thingtodo.de/wp-content/uploads/2017/02/wanderwege-pietra-craiului-1-thing-to-do.jpg

    Im hiesigen Beispiel sind die roten Kreise also durchaus anspruchsvollere Wege, die blauen hingegen sind die etwas moderateren.

    Liebe Grüße, Jörn

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