Bergfreunde

Wahlfranke, Erstbegeher und Wandbauer

20. Juni 2011

Sportart

Carsten Seidel

Carsten Seidel in der "Lila Eule" (Bild: Radovan Capek)

Das Frankenjura – es gibt wohl kaum einen Kletterer in Deutschland (und der weiten Welt), der von diesem Kletter-Eldorado noch nie gehört hat. Man kennt die romantischen Landschaften, die zünftigen Wirtshäuser, das leckere Bier und die sensationellen Routen, die sich durch den abwechslungsreichen Fels ziehen– das alles ist landläufig bekannt.

Die meisten Erschließer und Erstbegeher, denen man diese Touren zu verdanken hat, sind dagegen weitestgehend unbekannt. Wie schon im Beitrag über das Frankenjura angekündigt, soll das jetzt geändert werden. Daher haben wir den Wahlfranken Carsten Seidel, Routenerschließer und Deutschland-Chef der renommierten Firma Entre-Prises, zu einem kurzen Interview gebeten. Zwischen zwei Großprojekten und dem Kletterurlaub in Fontainebleau haben wir es geschafft, ihm einige Antworten abzuringen.

Philip: Carsten,  Du bist in Bremen geboren – wie kommt man als Nordlicht auf die Idee mit dem Klettern anzufangen?

Carsten: Anlässlich meiner Konfirmation wurde ich gefragt, ob ich eine Tennis- oder Kletterausrüstung haben möchte. Da ich mit Tennis nun wirklich nichts am „Hut“ hatte, entschied ich mich für die Kletterausrüstung und das Klettern. Was ich bis heute nicht bereut habe!

Als du aus Norddeutschland in die Fränkische gekommen bist, warst du eine Zeitlang in der legendären Kletter-WG in Oberschöllenbach zu Gast. Wie würdest du die Stimmung dieser Zeit in einem Satz beschreiben?

Eine super schöne Zeit, die ich nie vergessen werde.

Du wohnst mittlerweile seit vielen Jahren in Oberfranken. Was hat dich aus Deiner norddeutschen Heimat in die fränkische Schweiz getrieben? Wo liegt der besondere Reiz dieses Klettergebiets?

Carsten in Eskerrik-Asko (8a+)

Carsten in Eskerrik-Asko (8a+) (Bild: Radovan Capek)

Für mich ist der Frankenjura der Mittelpunkt des Kletterns in Deutschland. Hier kann man klettern ohne Ende – die Auswahl an Kletterrouten ist phänomenal und das alles in einer wunderbaren Landschaft. Zudem ist die Lage Top – man erreicht halbwegs schnell auch die Klettergebiete im Süden.

1993 hast du am Kainachtaler Riesenüberhang die „Lila Eule“ geklettert – eine 10+. Diese Route hat damals zu den schwersten Routen der Fränkischen gehört und ist nach wie vor unter den Top  100 der härtesten Linien. War diese Erstbegehung ein besonderer Höhepunkt in deiner Kletterkarriere oder nur eine Route unter vielen?

Eine besondere Route – ja! – ein Höhepunkt und die „Lila Eule“ war sicherlich eine meiner besten Erstbegehungen.

Neben deinen Erfolgen in der Fränkischen warst du auch im Ausland aktiv. Welches Land hat dich als Kletterer besonders gefesselt?

Carsten klettert in Laos

Carsten klettert in Laos (Bild: Holger Heuber)

Laos, in diesem Land ist schon vor langer Zeit mein Herz hängen geblieben. Tolle Klettermöglichkeiten und vor allem: Laos ist ein wunderbares Land mit den nettesten Menschen.

Du hast den Beruf des Schreiners erlernt, heute bist du der Chef von Entre-Prises Deutschland. Ist das die Verbindung von zwei Hobbies zu einem Beruf?

Meine Erfahrungen als Schreiner waren gerade in der Anfangszeit in handwerklicher und technischer Hinsicht sehr hilfreich bei der Montage von Kletterwänden.

Was war das interessanteste Projekt deiner Wandbau-Karriere?

Außenwand in Gilching

Außenwand in Gilching

Oh, da gab es einige sehr interessante Projekte. Die Kletterwandprojekte in Thalkirchen / München, die mittlerweile größte Kletterhalle der Welt, Kreuzfahrtschiffe oder Montagen in China, wo dich keiner versteht und trotzdem funktioniert es.

Besten Dank Carsten, dass Du dir Zeit für uns genommen hast.

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