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OMM – Original Mountain Marathon

23. Mai 2019
Die Bergfreunde

Ein lange Strecke, zwei Tage Zeit. Nur mit Karte und Kompass und vollkommen autark. Allein dein Partner ist als Support bei dir. Gefällt dir auf Anhieb? Dann freuen wir uns, dir den Original Mountain Marathon vorstellen zu dürfen. Der findet am 31.08. und 01.09.2019 wieder in der Lenzerheide in der Schweiz statt und ist ein Format, das es im deutschsprachigen Raum noch eher selten gibt. Das zweitägige Berg-Abenteuer stellt nämlich ganz besondere Anforderungen an Mensch und Material.

Apropos Material. Das liefert OMM (Original Mountain Marathon) gleich selbst. Du bist jetzt verwirrt? Geht es hier um eine Outdoor-Marke oder ein Event? Keine Angst, wir schaffen Klarheit!

OMM ist… ein Event

Zum einen ist OMM tatsächlich das, was wir eingangs beschrieben haben. Ein außergewöhnliches Berg-Event. Das Ziel ist es, möglichst viele Checkpoints abzulaufen und zwar in einer vorgegebenen Zeit. Nach Ablauf sollte man in der Camping-Area sein, in dem man das mitgeschleppte Zelt aufbaut, um zu nächtigen. Am zweiten Tag muss man es dann ’nur‘ noch vor dem Cut-Off ins Ziel schaffen. Klingt erstmal einfach, oder?

Nun, man muss aber auch mitdenken und planen, da der Kurs nicht vorgegeben ist und es keine Verpflegungsstellen unterwegs gibt. Es gibt lediglich eine Karte, auf der die Checkpoints verzeichnet sind. Das Team bestehend aus zwei Läufern muss sich also seinen Weg selbst bahnen und sämtliche Nahrungsmittel, auch für das Abendessen, dabeihaben. Als weitere Challenge kommt je nach Kurswahl hinzu, dass die Strecken nicht immer kurz und durchaus anspruchsvoll sind – eine gute Kondition ist also Pflicht und es sollte auch nicht das erste Mal sein, dass man die Berge von Nahem sieht.

Je nach dem, wo eure Stärken als Team liegen, könnt ihr euch zwei Wertungen auf jeweils zwei Strecken aussuchen:

  • Zeitwertung auf 55 bzw. 38 km

Hier geht es darum, alle Kontrollposten zwischen Start und Ziel in der richtigen Reihenfolge abzulaufen. Gewinner ist das Team, das dafür am wenigsten Zeit braucht. Dementsprechend solltet ihr hier in Sachen Kondition und Navigieren gut drauf sein!

  • Punktewertung mit Soft-Cut-Off

Liegt die Stärke eures Teams eher im Strategischen, solltet ihr diese Wertung wählen. In einer fest vorgegebenen Zeit müsst ihr beliebig viele Kontrollpunkte anlaufen und dadurch Punkte sammeln. Wer am meisten Punkte sammelt, gewinnt. So einfach ist das… oder auch nicht! Denn wer die Zeit überschreitet, der bekommt Punktabzug. Und zwar pro angefangener Minute gleich Zwei.

Damit sich kein Team an ein anderes dran hängt, gibt es Startzeiten. Dadurch werden zumindest am Start für alle die gleichen Bedingungen geschaffen. An den Checkpoints muss sich das Team mit einem Chip registrieren. Nur so kann eine Wertung erfolgen.

Der OMM findet zum ersten Mal in der Lenzerheide statt. Allerdings schon zum 52. Mal in Großbritannien, denn da kommt die Rennserie ursprünglich her. Dort hat das Event eine deutlich längere Tradition als bei uns und beinhaltet auch Trail- und Fellrunning.

Die Anforderungen ans Equipment sind aber immer die gleichen: Fürs Campen und Laufen muss jeder Athlet alles dabei haben. Zusätzlich noch Verpflegung und Notfallset. Alleine 21 Posten umfasst die offizielle Packliste! Gar nicht so leicht, das alles zusammen zu bekommen. Das hat sich vermutlich auch OMM gedacht und bietet – wie eingangs erwähnt – das passende Equipment gleich selbst an!

OMM ist… eine Marke

Und die ist, wie zu erwarten, vor allem auf Leichtigkeit getrimmt. Denn darauf kommt es an, wenn man schnell und galant durch die Berge laufen oder rennen möchte. Wer mit 2o kg Gepäck startet, hat vermutlich eher schlechte Karten. Haha, Karten… wegen Orientierung und so. Ach, lassen wir das. Zurück zur Ausrüstung.

OMM bietet von der Trinkflasche bis hin zum ulraleichten, wasserabweisenden Schlafsack alles, was man für kurzweilige Abenteuer in den Bergen braucht. Ein besonderes Highlight ist der Mountain Raid Pa 1.0 Kunstfaserschlafsack.  Der lässt sich nämlich mit der dazugehörigen Jacke zu einem Schlafsacksystem umbauen, so dass man im Zweifel nur den Fußteil des Schlafsacks mitschleppen muss. Die Jacke hat man ja sowieso dabei.

Die Bekleidung richtet sich im Groben an Trailrunner und Bergläufer. Leichtigkeit und Atmungsaktivität sind bei der Konzeption die treibenden Kräfte. OMM setzt auf ausgewählte Technologien und Materialien, z.B. Point-Zero, Kamleika oder Primaloft, je nach Verwendungszweck.

Sehr ausführlich ist die Produktpalette außerdem bei Rucksäcken. Zwischen Hüfttaschen um die die 3 L bis hin zu großen und leichten Daypacks mit 32 Litern gibt es hier alles, was das Ultralight-Herz begehrt. Außerdem gibt es zahlreiches Zubehör, mit dem sich die Tragesysteme erweitern lassen. Z.B. der Chestpod, der wie der Name schon sagt, einfach vor der Brust getragen wird oder der Compressor-Pod, der über Kompressionsriemen am Rucksack befestigt werden kann und 5 Liter mehr Stauraum bringt.

Ein derart modulares System ist natürlich ideal, um sich auf alle Eventualitäten einzustellen. Bei gutem Wetter lässt man die dicke Isolationsjacke zuhause, sieht’s eher nach einem kalten Abenteuer aus, schnallt man sich die eben mit einem kleinen Zusatz-Pod an den Rucksack. Easy.

OMM ist… was für dich?

Wenn du immer noch begeistert von der ganzen Geschichte bist, dann können wir dich nur ermuntern, das Abenteuer OMM einmal auszuprobieren. Alle relevanten Infos… ach was, die hast du ja jetzt schon! Hier geht’s zur Anmeldung. Also schnapp dir noch einen Partner und legt los. Wir Bergfreunde sind übrigens auch mit einem Team am Start und versuchen’s mal mit dem navigieren. Wir sind schon ziemlich gespannt!

Mehr als die abgesägte Zahnbürste – Tipps zum Ultraleichtwandern

25. April 2019
Tipps und Tricks

Wir hatten euch an dieser Stelle ja schon einmal erste Einblicke in die Welt des Ultraleichtwanderns gegeben. Dieser Beitrag bezog sich vor allem darauf, wie ihr am besten Gewicht bei großen Ausrüstungsgegenständen, den sogenannten großen vier, also Rucksack, Zelt, Schlafsack und Isomatte einsparen könnt. Zwar werde ich hier auch noch einmal kurz darauf eingehen – beim Schlafsack hatten wir auch schon einmal auf einen Quilt als deutlich leichtere Alternative hingewiesen – mir geht es aber hauptsächlich darum, euch einige Tipps zu geben, wie ihr auch die kleineren Dinge in eurem Gepäck gewichtsoptimieren könnt. Und das geht weit über das Klischee von der abgesägten Zahnbürste hinaus – wobei man auch das tatsächlich einfach tun kann ;-)

Basics – Die Tourenvorbereitung

Fangen wir einmal mit einer recht banal klingenden Sache an – der Tourenplanung. Es ist so, dass „Ultraleicht“ auf einer Wintertour etwas anderes bedeutet als auf einer Mehrtageswanderung im Sommer. Zunächst ist es einmal notwendig, Bedingungen und Terrain, die auf einer Tour zu erwarten sind, vernünftig zu recherchieren. Es bringt einem nichts, wenn das ultraleichte Ein-Personen-Zelt im ersten Schneesturm zusammenbricht. Stellt eure Ausrüstung also nach den Wetter- und Geländebedingungen zusammen, die ihr erwartet. So vermeidet ihr böse Überraschungen oder gar die Notwendigkeit eine Tour abbrechen zu müssen, weil ihr einfach nicht das adäquate Equipment dabeihabt.

Die nun folgenden Überlegungen beziehen sich auf Unternehmungen im klassischen Drei-Jahreszeiten-Bereich, bei denen es durchaus auch mal Minusgrade und Schneefall geben kann, aber keine dauerhaften Winterbedingungen zu erwarten sind.

Reduktion – Was brauche ich wirklich?

Eine weitere Grundüberlegung, wenn es darum geht wertvolle Gramm zu sparen, ist es, sich auf Wesentliches zu beschränken. Wenn ihr eure Packliste macht und die ganzen Ausrüstungsgegenstände einmal vor euch ausbreitet, dann stellt euch folgende Frage: was benötige ich wirklich? In aller Regel werden da Dinge dabei sein, die ihr entbehren könnt.

Es spielt bei eurer Kleidung kaum eine Rolle, ob ihr eine Woche oder drei Monate unterwegs sein werdet, denn ihr müsst dann ohnehin auf Tour waschen. Ihr benötigt deshalb auch nur Kleidung, die vier Zwecke erfüllt: eine möglichst bequeme Schicht zum Wandern, eine, die trocken hält, eine die wärmt und eine Merinoschicht für abends im Camp und an kalten Tagen. Bei der Isolationsschicht wird Daune immer das bessere Gewicht und Packmaß haben als Kunstfaser und auch bei der Regenbekleidung gibt es genügend Möglichkeiten sehr leicht unterwegs zu sein. Maximal drei Paar Merinosocken, zwei Unterhosen und für die Damen rundet ein Sport-BH das Ganze ab.

Ein gesondertes Wort gilt hier noch den Schuhen. Auch hier solltet ihr auf das Eigengewicht achten. Die Faustregel besagt, 100 Gramm weniger am Fuß, bedeuten ein Kilogramm weniger auf dem Rücken. Hier könnt ihr euch überlegen, wie viel Gewicht ihr einsparen könnt, wenn ihr statt eines 1700 Gramm schweren Bergstiefels mit einem stabilen Trailrunning- oder Approachschuh unterwegs seid, die für sehr viele Touren in nicht zu anspruchsvollem Terrain ohne Probleme genügen. Es ist zudem erwiesen, dass leichteres Schuhwerk den Energiebedarf eures Körpers deutlich reduziert, was wiederum zur Folge hat, dass ihr weniger Kalorien benötigt. Ihr müsst also auch geringere Essensmengen mitnehmen, was euer Gewicht niedriger hält.

Dann muss eure Isomatte nicht zwangsläufig genauso lang sein wie ihr selbst. Eure Füße könnt ihr ohne Probleme auf dem Rucksack ablegen, tut ihr das, sind wieder 100-150 Gramm weniger dabei.

In puncto Elektronik genügt mittlerweile für die meisten Gegenden das Smartphone und eine externe Batterie plus entsprechendes Kartenmaterial. Nur selten ist ein zusätzliches GPS-Gerät notwendig. In abgelegenen Regionen kann ein so genanntes In-Reach sinnvoll sein, dieses ist aber leichter als ein normales GPS-Gerät.

Auch bei der Körperhygiene könnt ihr sehr viel Gewicht sparen. Da in den meisten offenen Gewässern die Nutzung irgendwelcher Seifen oder Shampoos ohnehin untersagt ist, könnt ihr das getrost zu Hause lassen, es genügt die abgesägte Zahnbürste ;-) Ihr werdet auf längeren Touren mit oder ohne Deo und Ähnlichem anfangen zu riechen, deshalb lasst das Badezimmer daheim.

Ich werde hier am Ende eine beispielhafte Ultraleicht-Packliste hinzufügen, um euch die Idee der Beschränkung noch etwas besser zu veranschaulichen.

Zauberwort „Multifunktionalität“

Eine der besten Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung ist die Nutzung von Ausrüstung, die möglichst viele Funktionen erfüllt oder so zweckentfremdet werden kann.

Hier können wir mit den Trekkingstöcken anfangen, die zugleich als Gestänge für ein Tarp oder ein Trekkingstockzelt einsetzbar sind. Für wirklich extreme Grammjäger gibt es die Möglichkeit, ein Ponchotarp zu benutzen, das sowohl als Unterkunft, wie als Regenschutz für Mensch und Rucksack dient. Dies würde ich aber nur in gemäßigten, nicht zu nassen und windigen Regionen empfehlen. Dann kann dies aber eine wirklich ultraleichte Option sein, wenn man ein wenig Erfahrung im Aufstellen von Tarps hat und deren Vielfältigkeit zu nutzen weiß.

Noch ein Beispiel: Daune besitzt nicht nur hervorragende Isolationseigenschaften, sondern ist auch wunderbar weich. Deshalb könnt ihr eure Daunenjacke sehr schön als Kopfkissen missbrauchen und somit einen weiteren „Luxusgegenstand“, nämlich das aufblasbare Kissen, von eurer Packliste streichen.

Einer der wichtigsten multifunktionalen Gegenstände ist aber tatsächlich das Smartphone. Es kann durch sehr gute Apps als Navigationshilfe dienen, ersetzt die Kamera, kann als Notfalllampe dienen und noch einiges mehr.

Ein Wort zum Thema Essen

Auch das Thema Verpflegung sollte hier noch zur Sprache kommen. Das fängt beim Kocher an. Achtet darauf einen Kocher mitzunehmen, der eine möglichst hohe Effizienz hat, wie z.B. einen Jetboil. Diese sind zwar schwerer als klassische UL-Kocher (wie der Pocket Rocket von MSR), aber durch den integrierten Wärmetauscher, Windschutz und die sehr hohe Brennerleistung, ist der Gasverbrauch um bis zu 60% geringer. Das bedeutet ihr werdet deutlich weniger Kartuschen benötigen und dadurch viel Gewicht einsparen. Andere Kochertypen wie ein Spiritus- oder Mehrstoffkocher machen aus Gewichtsgründen beim Ultraleichtwandern keinen Sinn.

Bei der Nahrung selbst solltet ihr zum Einen möglichst Dinge zu euch nehmen, die viel Energie in Form von Kalorien spenden, ohne zu viel Platz wegzunehmen. Nüsse im Allgemeinen, getrocknete Früchte, also der klassische Trailmix ist hier immer eine gute Wahl. Zum Anderen empfiehlt es sich möglichst viele gefriergetrocknete Gerichte statt frischem Essen mitzunehmen. Hier gibt es mittlerweile wirklich leckere Alternativen und diese werden immer leichter sein, als eine Dose Ravioli. Es ist außerdem eine gute Idee, bei einer längeren Tour die Essensrationen vorher zu planen und sich grob zu überlegen, wie viele Mahlzeiten und Snacks gebraucht werden. Wichtig: Euer Kalorienbedarf wird im Laufe der Zeit zunehmen.

Noch eine Option für richtige Sparfüchse beim Thema Essen: Der Mensch benötigt Nahrung um zu überleben, er braucht aber kein warmes Essen dafür. Will sagen: ihr könnt auf den Kocher auch komplett verzichten. Es gibt genügend Dinge wie zum Beispiel Mie-Nudeln oder Couscous, die sich problemlos kalt rehydrieren lassen. Das dauert etwas länger, schmeckt aber trotzdem. Wie bei vielem ist es eine Abwägung zwischen Komfort und Gewichtseinsparung und jeder muss für sich selbst entscheiden, wie viel Verzicht möglich ist, ohne die Outdoor-Erfahrung zu einer spaßbefreiten Veranstaltung werden zu lassen.

Eine UL-Packliste

Diese Packliste bezieht sich auf eine Trekkingtour von mindestens sieben Tagen, eher länger. Die hier verlinkten Produkte, die noch nicht im Text vorkommen, sind Beispiele, zu denen es immer auch Alternativen gibt. Nehmt Euch die Zeit Eure Ausrüstung vernünftig zu recherchieren und zu vergleichen.

Die großen Vier

Kleidung

Am Körper

Als Ersatz

  • Unterhose
  • Ein Paar Socken

Regenschicht

Isolationsschicht

Campschicht und Zusatz für kalte Tage

Weitere Bekleidung

Elekronik

Hygiene & Erste Hilfe

Sonstige Ausrüstung

Mit meinen persönlichen großen Vier komme ich auf ein Basisgewicht, also ohne Essen und Wasser, von 5,5 Kilogramm für eine mehrwöchige- oder gar monatige Tour. Mit einigen der oben genannten Tipps könnte man das noch einmal um 500-800 Gramm reduzieren. Ihr seht also, leichter und damit bequemer und schneller unterwegs zu sein, ist gar nicht so schwer!

Habt ihr noch weitere Ultraleicht-Tipps auf Lager oder Fragen zu einzelnen Bereichen? Dann Feuer frei in den Kommentaren, wir freuen uns!

Tipps für den Tarp-Aufbau

Aufbau eines Tarps: Grundform und Varianten, mit und (fast) ohne Material

8. August 2018
Tipps und Tricks

Im Anfang war die Plane. Dann kamen ein paar Schnüre und die Landschaft. Alles ganz einfach, oder? Doch spätestens seit der Schöpfungsgeschichte wissen wir, dass einfach erscheinende Dinge schnell  kompliziert werden können.

Das Aufspannen eines Tarps scheint da keine Ausnahme. Zumindest wenn man sich die Youtube-Tutorials der Bushcrafter und Survival-Cracks so anschaut. Da geraten die Anleitungen öfter mal zu einem von persönlichen Vorlieben geprägten Bastlerworkshop mit umständlicher Materialschlacht. Bei den Textanleitungen der Blogger oder Hersteller liest man dann, dass der Kreativität und den Möglichkeiten keine Grenzen gesetzt seien.

Sehr schön, doch leider folgen dann statt näherer Details eher weitere Ratschläge wie der, dass man sich erstmal entscheiden müsse, ob das Tarp als Schlafstätte, als überdachter Treffpunkt, als Sonnensegel oder Windschutz dienen soll.

Schön, aber warum soll nicht Mehreres gleichzeitig gehen? Eigentlich wollte ich doch auch wissen, mit welchen Knoten ich diese schön dargestellte Abspannung denn nun hinbekomme. In welcher Reihenfolge soll ich da vorgehen? Und warum ist in der Abbildung da so ein Dachknick drin und in der dort nicht?

Keep it simple: Abstraktion macht es anschaulich

Bei all den offenen Fragen gibt es erstmal eine gute Nachricht: man kann das alles relativ einfach und (hoffentlich) zufriedenstellend aufklären. Und dafür braucht man auch erst einmal nur das simpelste Aufbauprinzip zu verstehen. Wenn man das „drauf hat“, wird es am Ende auch trotz aller Variationen wieder relativ unkompliziert und der Auf- und Abbau sollte ohne Trial-and-Error, Zeit- und Energieverschwendung klappen.

Im Sinne dieses „keep it simple“ wollen wir hier auch den Tarpaufbau möglichst ohne Stangen, Heringe, Leinenspanner und all die anderen oft mitgelieferten Helferlein vermitteln. So ist man nebenbei auch nicht gleich aufgeschmissen, wenn mal wieder etwas mitten im Urlaub kaputtgeht. Oder man kann womöglich gar komplett auf die vielen kleinen Plastik- und Metallteile verzichten und deren Gewicht einsparen.

Die archaisch simple Grundkonstruktion

Hier kommt die Grundkonstruktion: ein viereckiges Tarp mit Ösen oder Laschen an den vier Ecken, an denen jeweils eine lange Schnur befestigt ist. Dazu eine Person, die den Aufbau allein macht. Das Tarp liegt ausgebreitet zwischen vier Bäumen, die zufällig genau richtig in etwa zwei Metern Entfernung von den Ecken herumstehen. Kurze Zeit später hängt es fest verspannt zwischen diesen Bäumen und schützt uns vor dem Regen. Das wollen wir zunächst erreichen.

Wohin mit dem Tarp? Der geeignete Platz

Der erste Schritt dahin ist das Finden eines geeigneten Platzes. Hier gelten die gleichen Regeln wie bei der Zelt- und Schlafplatzsuche allgemein: möglichst windgeschützt, kein Kälteloch und kein Regensammelbecken. Ansonsten soll der Platz natürlich ausreichend geräumig sein, möglichst bequemes Sitzen oder, bei Bedarf, Liegen ermöglichen und genügend Fixpunkte zum Abspannen des Tarps bieten.

Der Platz muss mindestens vier Fixpunkte bieten, bzw. eine Felskante o.ä. plus drei Fixpunkte. Bei nur drei Fixpunkten wird immer eine Ecke des Tarps im Wind flattern und/oder im Regenwasser hängen.

Diesen Platz schon frühzeitig und bewusst zu suchen ist besser, als während des Aufbaus festzustellen, dass nicht genug Platz zum Abspannen da ist, oder die Leinen zu kurz sind und man nichts zum Verlängern dabei hat. Letzteres ist auch der Grund, weshalb man über die Abmessungen seines Tarps und die Länge der Leinen im Bilde sein sollte.

Klingt trivial, ist es aber dann nicht, wenn man das Tarp in letzter Minute geliehen hat oder man zu zweit unterwegs ist und das Tarp des Partners verwendet (der Tarpaufbau zu zweit oder zu mehreren kann manches einfacher machen oder auch alles erst richtig kompliziert – dazu am Schluss eine Anmerkung).

Der Aufbau: Material ausbreiten

Am Aufenthalts- oder Schlafplatz wird das Material, das sich vorzugsweise in einem passenden Beutel befindet, möglichst übersichtlich ausgebreitet und alles andere, was stören könnte, wird zur Seite geschafft.

  • Stangen und Heringe dabei?

Am elegantesten und schönsten ist es, sich allein auf das zu besinnen, was Mutter Natur hergibt – nicht zuletzt weil man auf das Gewicht von Stangen und Heringen gern verzichten kann. Andererseits schafft das künstliche Extra-Material mehr Flexibilität und Möglichkeiten und spart unter Umständen viel Zeit.

Vor allem in höheren Berglagen findet man im kargen Gelände womöglich weder passende „Baumkonstellationen“ noch genügend stabile Äste, noch genügend schwere Steine. Hier sollte man sich bei der Tourenplanung nach dem zu erwartenden Gelände richten, wo man „tarpen“ will. Wenn es länger auf Reisen geht und man gar nicht absehen kann, wo überall „getarpt“ wird, sollte man auf jeden Fall ein Mindest-Set von einer (Teleskop)Stange und zwei bis drei kleinen Heringen im Gepäck haben. Hat man Trekkingstöcke dabei, kann man diese zu Stangen umfunktionieren. Heringe kann man durch (angespitzte) Stöcke und Äste improvisieren, die man evtl. aus tieferen Waldlagen mitbringt.

  • Abspannleinen

Sind keine mitgelieferten Abspannleinen (mehr) enthalten, sollte deren Ersatz nicht aus dem Baumarkt- oder Bastelshop kommen, da diese Produkte nur wenig Zugbelastung aushalten oder zu starr sind, nicht besonders lang halten oder schnell ausfransen. Am stabilsten und vom Handling her geeignet sind dünne Reepschnüre mit 3-4 mm Durchmesser (3mm Reepschnüre haben etwa 1,8 kN bzw. 180 kg Bruchkraft. Bei höheren Belastungen dürfte eher das Tarp reißen als die Schnur). Sie können auf passende Länge zugeschnitten werden (durch anschmelzen der abgeschnittenen Faserenden mit einem Feuerzeug wird das Ausfransen verhindert).

Bushcrafter und Survival-Tüftler bevorzugen Paracord, welches sich ebenfalls gut für den Tarp-Aufbau eignen soll. Aufgrund fehlender persönlicher Erfahrung mit Paracord basiert folgender Vergleich auf theoretischen Eindrücken: Reepschnur ist statischer und hat eine rauere Oberfläche, was sich beim Verspannen und Verknoten als vorteilhaft erweist. Man kann hier aber durchaus geteilter Meinung sein, die Diskussionen dazu sind umfangreich. Persönliche Einschätzung: die jeweiligen Vor- und Nachteile dürften sich bei 90% aller Aufbauten kaum bemerkbar machen. Wer hier Vergleichserfahrungen hat, bringe diese gern im Kommentarbereich ein.

Das Tarp ausbreiten

Das Tarp wird möglichst glatt und ordentlich am Boden ausgebreitet, die Abspannleinen werden ebenfalls möglichst ordentlich und übersichtlich ausgebreitet – und zwar in Richtung der Fixpunkte, an denen sie gleich verspannt werden. Wenn es regnet, kann man jetzt schon den Rucksack oder anderes nicht benötigtes Material unter das Tarp schieben. Wenn Wind weht, beschwert oder fixiert man zuerst eine Ecke oder besser die ganze dem Wind zugewandte Seite.

Danach hebt man nacheinander die Ecken der windabgewandten Seite an, um sie abzuspannen. Da ein Tarp generell nicht allzu windstabil ist, sollte man es bei starkem Wind relativ flach aufbauen. Die windzugewandte Seite sollte dann bis auf den Boden reichen, damit der Wind nicht unter das Gewebe greifen kann.

Fixpunkte

Wieder eine gute Nachricht: so gut wie alles, was halbwegs fest oder schwer ist, kann als Fixpunkt verwendet werden. Das können größere Steine, Wurzeln, Felskanten, Zäune, in den Boden getriebene Stöcke oder notfalls eine mit irgendeinem Ballastmaterial gefüllte Tüte sein.

Das Abspannen geschieht dann entweder, indem die Leine direkt im Fixpunkt verknotet wird oder dadurch, dass sie um ihn herumgezogen und dann gegenläufig in sich selbst verknotet wird. Für beide Varianten braucht es Knoten, die unter Spannung geknüpft werden können und dann rutschfrei in Position bleiben.

Knoten: kenne den Einen, gelegt und gesteckt

Die Knoten sollten außerdem möglichst einfach zu knüpfen, nachzuspannen und leicht zu entfernen sein. Welche wären das? Braucht man mehrere oder vielleicht nur Einen?

Nun, je nachdem. Für die meisten Situationen gibt es tatsächlich den einen simplen Alleskönner-Superknoten. Mit ihm kannst du fast jedes Seil und jede Schnur ohne weitere Hilfsmittel überall befestigen, nachspannen, verschieben und lockern – auch um große und sperrige Fixpunkte herum.

Wenn du ihn bis hierher noch nicht erkannt hast, dann mache dich jetzt sofort mit dem Mastwurf vertraut. Er gehört sowieso ins Standardrepertoire der meisten Bergfreunde, da er beim Klettern zum Standplatzbau dient und beim Bergsteigen zusätzlich für die Spaltenbergung und viele andere Situationen nützlich ist. Er kann direkt um Baumstämme, Äste, Steine und andere Fixpunkte gesteckt werden.

Am besten kannst du ihn längs, quer, im Dunkeln oder gleich mit verbundenen Augen legen und stecken. Die Mastwurf-Fixierung erzeugt die simpelste Abspannkonstruktion und die Simpelste ist in der Regel auch die mit den wenigsten Schwachstellen.

In manchen Situationen kann es mit dem Mastwurf allerdings etwas frickelig werden. Besonders für das Zurückführen einer Leine um einen Baum herum, kann der vom Tarp-Hersteller Hilleberg empfohlene Buckelknoten bzw. Taut Line Hitch, wie er im Video gezeigt wird, sinnvoller sein.

Er ist, wenn Schnur an Schnur geknotet wird, leichter zu verschieben und zu lösen. Allerdings ist der von Hilleberg gezeigte Knoten mit seiner Zusatzschlaufe genau genommen ein Buckelknoten plus Schleifknoten. Ohne diese Extraschlaufe ist er nicht einfacher zu öffnen als der Mastwurf. Und zum Verschieben und Nachspannen muss die Schlaufe geöffnet werden.

Kurz: der Taut Line Hitch/ Buckelknoten ist dann von Vorteil, wenn man Leine an Leine in einem steilen Winkel zueinander verspannen muss. Auch die Möglichkeit des Öffnens unter Spannung ist ein Argument für den Buckelknoten. Allerdings sind Situationen, in denen man keine Möglichkeit hat, das Seil vorzuspannen, um einen Mastwurf zu lockern, eher selten.

Generell sollte der Tarpaufbau möglichst simpel sein und mit möglichst wenig Knotenpunkten und Material – die wie gesagt immer auch Schwachpunkte und Angriffsflächen sind – auskommen. Auch wenn Extras wie die justierbaren Leinenspanner (Line Runners) bei komplexeren und hochwertigen Tarps wie denen von Hilleberg sehr nützlich und komfortabel sind.

Nacheinander an den Fixpunkten befestigen

Mithilfe der beiden genannten Knoten lässt sich der Aufbau schon sehr flexibel gestalten und das Tarp im Bedarfsfall gar höhenverstellen – eigentlich ziemlich cool, oder? Dazu als Fausregel vorweg: nach jedem Aufbauschritt das Ganz so fest vorspannen, dass es auch bei Windstößen hält, aber locker genug lassen, dass es den nächsten Arbeitsschritt nicht behindert.

Hat man die Leine in der Hand, den Fixpunkt im Blick und den Knoten im Griff, erklärt sich das  Vorgehen fast von selbst: man fixiert nacheinander die Fixpunkte mit leichter Vorspannung und zieht sie in einer weiteren Runde dann entsprechend des gewünschten Neigungswinkels des Tarps in der richtigen Höhe fest. Je widriger das Wetter, desto tiefer hängt das Tarp und desto flacher ist sein Neigungswinkel.

Verspannen mit Stangen oder (Trekking)Stöcken

Wenn man nur Boden-Fixpunkte hat, kommen die Stangen oder Stöcke zum Einsatz. Zuerst befestigt man das Tarp relativ locker an den Heringen oder anderen Bodenfixpunkten, dann erst schiebt man die Stangen unter das Tarp, um es aufzurichten und zu positionieren. Für stabilen Stand und gute Flächenausnutzung müssen die Stangen meistens etwas hin- und hergeschoben und im Neigunswinkel angepasst werden.

Bei Trekkingstöcken werden die Spitzen in den Boden getrieben, während die Griffe mit dem Tarp-Gewebe auf Tuchfühlung gehen. Zuletzt werden die Bodenfixierungen durch verschieben der Mastwürfe oder Buckelknoten feinjustiert. Eigentlich fast alles selbsterklärend, möchte man meinen. Doch es gibt gar nicht so wenige Zeitgenossen, die zuerst die Stangen aufstellen und sich dann wundern, warum alles zusammenfällt, während sie die Ecken abzuspannen versuchen …

Das kannste knicken: verschiedene Fixier- und Aufspannmöglichkeiten

In der schon erwähnten Kaufberatung für Tarps sind die wichtigsten Grundlagen zu verschiedenen Fixier- und Aufbauvarianten schon genannt – hier nochmal eine kurze Zusammenfassung:

  • beim Aufspannen sollten nicht alle Seiten auf gleicher Höhe sein, da sich sonst Regenwasser auf dem Tarp sammeln kann. Das Schrägdach kann sowohl mithilfe von Bäumen, als auch mit Stöcken/Stangen oder einer quer gespannten Schnur errichtet werden. Die offene, ungeschützte Seite kann als bequemer Zugang zu einer Feuerstelle genutzt werden.
  • die Spannung des Tarps muss ausreichend stark sein, um schlaffe „Durchhänger“ zu vermeiden, die im Wind flattern und sich ebenfalls mit Wasser füllen können
  • wenn Regen im Anmarsch ist, sollte man direkt beim Aufbau eine Ablaufrinne bauen, damit das herabfließende Wasser nicht unter das Tarp fließen kann.
  • (Trekking)Stöcke oder Stangen eignen sich sehr gut, um einen Dachfirst bzw. einen Knick nach oben in das Tarp zu formen. Dabei empfiehlt sich eine weitere Unterlage unter der Isomatte gegen Feuchtigkeit und Schmutz

Der Dachfirst schafft besonders bei größeren und sechseckigen Tarps viele Möglichkeiten und Varianten. Das Tarp lässt sich so in zwei oder mehr „Sektionen“ aufteilen. In aller Regel wird der Knick in der Mitte, entlang der Linie des längsten Durchmessers, eingezogen. Er sorgt dann für einen besseren Regenabfluss und kann auch das Gerüttel bei starkem Wind reduzieren.

Bei hochwertigen Tarps wie denen von Hilleberg sind meist nicht nur an den Ecken, sondern auch in den Mitten der Seiten Ösen oder Laschen mit Abspannleinen vorhanden. Dadurch gibt es mehr Möglichkeiten, einen Knick einzubauen.

Es werden dafür zuerst die Eckpunkte ganz normal vorgespannt. Anschließend die zusätzlichen Punkte an den Seitenmitten je nach gewünschtem Neigungswinkel mehr oder weniger höher verspannen und fertig ist die Dachform. Wenn keine entsprechenden Zusatzösen/Laschen vorhanden sind, wird stattdessen eine separate, lose Leine genommen und entlang der gewünschten Knicklinie unter das bereits locker vorgespannte Tarp gezogen. Die Fixpunkte für diese Extraleine müssen natürlich vorher passend ausgesucht sein.

Das Tarp höher verspannen

Willst du unter dem Tarp bequem stehen und soll es hoch genug hängen, damit darunter genügend Platz für ein Feuer samt abziehendem Rauch ist? Dann musst du das Ende der Leine(n) mit etwas Zusatzgewicht zu einem Knäuel oder besser in einen Beutel zusammenschnüren und über einen entsprechend hoch hängenden Ast werfen. Denn dann hoffentlich tief genug hängenden Beutel ziehst du zurück, um das Tarp mit einem Mastwurf oder Buckelknoten gegen einen weiteren, bodennah erreichbaren Fixpunkt abzuspannen.

Lässt sich der höhere Fixpunkt kletternd sicher erreichen, kann man sich den zweiten Fixpunkt natürlich sparen. Alternativ kann das Leinenende auch mit einem Trekkingstock oder Ast über eine hoch gelegene Befestigung bugsiert und gespannt werden. Dabei sollten die Leinen möglichst wenig an der Baumrinde hin- und her reiben – im Interesse von Material und Baum.

Improvisationen

Wenn weder Öse noch Lasche vorhanden sind (weil sie z.B. gerissen sind), nimmt man an der entsprechenden Stelle ein Bündel des Materials in die Hand und formt es zu einer länglichen „Wurst“, aus der man dann einen simplen Kreuzschlag knüpft. Dessen „Auge“ ist die Ersatzöse bzw. das „Verbindungsloch“ für die Abspannleine. Diese befestigt man hier am einfachsten durch eine Schlaufe aus einem parallel zurückgeführten Kreuzschlag.

Wenn zwei Leinen verbunden werden müssen (z.B. weil die Länge sonst nicht reicht) verbindet man diese ebenfalls mit gegenläufig parallelem Kreuzschlag, in den allerdings eine Extraschlaufe eingeknüpft wird. Mit der Extraschlaufe lässt sich die Verbindung auch unter hoher Belastung wieder aufziehen. Im oben verlinkten Hilleberg-Video ist das Knüpfen sehr anschaulich dargestellt. Besser ist natürlich, von vornherein nur wenige, aber dafür genügend lange Leinen dabei zu haben. Deren überstehende Enden kann man, wenn man es übersichtlich halten will, zu kleinen Puppen knüpfen.

Last but not least: der Abbau

So wie man den Berg erst geschafft hat, wenn man wieder unten ist, hat man das „Tarpen“ erst geschafft, wenn alles wieder ordnungsgemäß im Beutel verstaut ist. Nehmen wir mal an, man hat ein größeres, sechseckiges, trapezförmiges oder anderweitig etwas komplizierter geformtes Tarp dabei, ist zu zweit oder mehreren unterwegs und muss das Ding bei Wind und Wetter abbauen. Dann sollte man möglichst vorher, also noch unter dem Tarp sitzend, absprechen, ob und wie das Teil gefaltet und von wem es wohin eingezogen werden soll.

Es sei denn, man will im Regen und Wind stehend klären, was mit Ausrufen wie „Die Ecke mit der Wölbung da unten rechts!“ gemeint ist, oder an welcher der gedachten Mittellinien man mit dem Zusammenfalten ansetzt. Wenn sich hier auch noch zwei Dickköpfe treffen, die gleichzeitig ihre verschiedenen Lösungsansätze durchsetzen wollen, kann es auch schnell mal ungemütlich werden. Deshalb lautet der wichtigste Tipp: nicht vergessen, dass wir hier Spaß haben und die Natur genießen wollen …

Eine Kaufberatung für Biwaksäcke

Der Biwaksack – die wahrscheinlich schönste Plastiktüte der Welt

26. April 2018
Kaufberatung

Der Begriff ‚Biwak‘ ist abgeleitet von dem französischen Wort bivouac, das Feldlager oder Nachtlager bedeutet. Das Biwakieren ist neben dem Zelten oder einer Hüttenübernachtung ein weiterer gebräuchlicher Weg, seine Nächte in der Natur zu verbringen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Varianten hat man dabei aber in aller Regel kein Dach über dem Kopf, es sei denn man schläft in einer der sehr spartanisch ausgestatteten Unterkünfte, die auch als Biwakschachtel bekannt sind. Hat man diesen Luxus nicht und ist trotzdem auf einen wetterfesten Schlafplatz angewiesen, führt wohl erstmal kein Weg an einem Biwaksack vorbei. Was die können und worauf beim Kauf zu achten ist, verraten wir Dir im folgenden Artikel.

Was genau versteht man unter biwakieren im Biwaksack?

Um es möglichst kurz zu machen: biwakieren mit Biwasack ist in etwa sowas wie zelten, nur eben in einer Tüte. Nur dass man in dieser Tüte nicht unbedingt immer übernachtet, sondern manchmal auch bloß kurz drinsitzt, um schlechtes Wetter vorbeiziehen zu lassen. Oder um nach einem Unfall die Wartezeit auf die (hoffentlich eintreffende) Rettung besser zu überstehen.

Wenn möglich sollte man sich im Vorfeld gut überlegen, für was der Biwaksack auf der Tour dienen soll. Vor allem bei kürzeren Pausen darf der Sack etwas atmungsaktiver sein, sonst sammelt sich das Kondenswasser recht schnell an der Innenseite und tropft von dort munter auf Klamotten oder Schlafsack.

Das klingt zugegebenermaßen nicht sehr einladend und ist es auch nicht immer. Das Biwakieren hat viele Gesichter, hier zwei davon:

Das nette Gesicht:

Hoch oben auf diesem malerischen Bergvorsprung liegt ihr windgeschützt unter dem irren Sternenhimmel in dieser gemütlichen, leichten und atmungsaktiven Zweipersonen-Wundertüte. Zusammen mit der oder dem an dich gekuschelten Liebsten genießt du ein entspanntes Hochgefühl. Du bist fasziniert von der Erhabenheit deiner Gedanken, bis du irgendwann friedlich davon schlummerst…

Das launische Gesicht:

Hoch oben auf diesem abgelegenen Bergvorsprung holen euch die aus dem Nichts aufgezogenen Wolkentürme ein und schlagartig schüttet es aus Eimern. Der Einstieg in den Biwaksack, der natürlich ganz unten im Rucksack liegt, dauert wegen der heftigen Windböen sowie der verschwitzten und jetzt auch ruckzuck nassen Klamotten etwas länger. Das Innere des Biwaksacks wird dabei fast so nass wie die Außenseite.

Nachdem ihr endlich beide drin seid, müsst ihr den Reißverschluss komplett zuziehen und euch so zusammenkauern, dass euch der wild flatternde Stoff nicht ständig ins Gesicht klatscht. Das Aneinanderkuscheln war schonmal angenehmer. Es scheint trotz Schutzhülle schnell kälter zu werden und die Luftqualität hier drinnen wird auch nicht besser. Ihr müsst ständig das Material des Sacks auf Abstand halten, denn bei direktem Kontakt kühlt das klamme Zeug eher aus als zu wärmen. Ihr habt keine Ahnung, ob das Unwetter in einer halben Stunde oder erst in einem halben Tag durch sein wird. Höchste Zeit für ein paar erhabene Gedanken …

Die meisten Biwakaufenthalte pendeln sich irgendwo zwischen diesen beiden Versionen ein. Der Sternenhimmel wird es eher selten sein, denn wenn man den sehen und genießen kann, braucht man den Biwaksack eigentlich nicht. Dann tut es meist der Schlafsack allein, vor allem wenn er neben kuscheliger Wärme auch ein bisschen Windschutz bietet und Feuchtigkeit fernhält. Das können heutzutage sehr viele Schlafsäcke.

Auch der überraschende Wettersturz wird es angesichts flächendeckender Netzabdeckung mit allzeit verfügbarer Wetterprognose und Echtzeit-Tourenplanung nur noch selten sein. Zumindest für gemäßigte Bergfreunde in den Alpen und Mitteleuropa. So lange es allerdings noch unvorhersehbare Wetterlagen und abgelegene Gebiete gibt und so lange Menschen mehrtägige und anspruchsvolle Touren machen, wird der Biwaksack seine Existenzberechtigung behalten.

Was ist der Biwaksack und wofür brauche ich den eigentlich?

Um es möglichst kurz zu machen: der Biwaksack ist die Tüte, in der man beim Biwakieren sitzt oder liegt.

Das Teil besteht im einfachsten Fall aus einer zusammengenähten, mehr oder weniger wasserdichten Ober- und Unterseite aus Kunstfasern. In der Oberseite befindet sich ein Schlitz, der das Reinschlüpfen ermöglicht und das Gesicht frei lässt. Es gibt Säcke für eine Person oder für zwei, letztere mit dem Vorteil der größeren Wärmeerzeugung und dem Nachteil der umständlicheren Handhabung.

Ein Biwaksack ist leichter und billiger als ein Zelt und ermöglicht es (zumindest theoretisch), jederzeit und überall einen wettergeschützten Unterschlupf aufzubauen. Funktionskleidung allein reicht dafür nicht immer, denn wenn schlechtes Wetter lang genug anhält, findet Nässe in der Regel immer einen Weg hinein. Der Biwaksack kann dann zum sprichwörtlichen Lebensretter werden.

Grundlegende Eigenschaften eines Biwaksacks

Kurzzeitig bieten auch günstigere Biwaksäcke einen passablen Wind- und Nässeschutz. Allerdings halten sie den Belastungen von heftigen Böen, ruppigen Bewegungen der Biwakierenden oder Kontakten mit Schuhen und anderem Equipment nicht allzu lange stand. Die Druckbelastung durch das Sitzen oder Liegen auf dem Material kann überraschend schnell zur Durchfeuchtung führen.

Hier solltest Du darauf achten, dass das Bodenmaterial eine Wassersäule von mindestens 2.000 mm aufweist (besser deutlich mehr, denn beim Hocken auf dem Biwaksackboden kann die Belastung noch viel höher werden).

Für alle Modelle eher schwierig einzuschätzen ist der erreichbare Wärmegewinn. Dieser hängt mindestens so stark von der Situation wie vom Modell und individuellen physiologischen Faktoren ab. Daher lässt sich hier leider keine pauschale Aussage treffen. Entscheidender, als die Stärke des Materials, ist hier die Luftschicht, die man idealerweise als Isolation zwischen dem eigenen Körper und dem Biwaksack hat.

So weit so einfach. Komplizierter wird es, wenn die viel beschworene Atmungsaktivität ins Spiel kommt, und mit ihr die Beschichtungen, Membranen und Laminate, die sich je nach gewünschten Eigenschaften entweder an der Ober- oder Unterseite oder beidseitig befinden.

Dann kommt von komplett verschließbaren 3D-Kapuzen mit Moskitonetz, über anatomische Fußboxen bis zu zeltartigen Gestängebögen noch eine Menge möglicher Zusatzausstattung hinzu, die ebenfalls die Eigenschaften bestimmt.

Worin unterscheiden sich Biwaksäcke?

Aus den obigen Überlegungen wird klar, welche unterschiedlichen Anforderungen der perfekte Biwaksack erfüllen muss. Oder besser gesagt müsste, denn diesen eierlegenden Wollmilchsack gibt es leider (noch) nicht.

Bis dieses Wunderding kommt, müssen wir uns bei der Entscheidung für ein Modell zwischen folgenden drei Schwerpunkten bewegen:

  1. Komfort (Atmungsaktivität, Platz, Ausstattung)
  2. Geringer Gewicht und Packmaß
  3. Wetterschutzfaktor (Materialqualität und -robustheit, komplett dichte Verschließbarkeit)

Einen Biwaksack, der alle drei Kriterien in hohem Maße erfüllt, gibt es nicht. Es ist wie beim Autokauf, wo du ebenfalls trotz aller Hightech-Euphorie nach wie vor keinen Rennwagen bekommst, der zugleich auch familientauglicher Großtransporter und Umweltfreund mit Minimalverbrauch ist.

Immerhin lassen sich beim Biwaksack zwei der drei Schwerpunkte gut unter einen Hut bekommen, sprich 1) und 2) oder 1) und 3). Bei 2) und 3) wird es schon schwieriger bzw. deutlich teurer, aber immer noch machbar.

Welche Materialien kommen bei Biwaksäcken zu Einsatz?

Die gewünschten Kriterien entscheiden über die Zusammensetzung des Materials und über die Konstruktion des Biwaksacks. Zählen wir zuerst die Materialien auf:

Hauptbestandteil der meisten Ultraleicht-Modelle ist eine stabile, oft mit Aluminium bedampfte Folie. Derartige Biwaksäcke können im ungünstigen Fall schon nach einfachem Gebrauch beschädigt oder unbrauchbar sein, sind aber auch ausdrücklich nur als Notfallreserve, ähnlich wie eine Rettungsdecke, gedacht.

Bei den robusteren Basic-Modellen kommt ein zeltähnliches Nylon- oder Polyestergewebe mit Polyurethanbeschichtung (PU-Beschichtung) zum Einsatz. Nylon-, Polyester- und Baumwoll-Mischgewebe sind ohne eine solche Beschichtung nicht wasserdicht. PU verleiht dem Trägermaterial aufgrund seiner hohen Dichte bei gleichzeitiger Flexibilität seine funktionellen Eigenschaften.

Neben PU kommt auch das zumeist als höherwertig eingestufte Silikon zum Einsatz. Silikonbeschichtungen sind elastischer, langlebiger und teurer als andere Beschichtungen. Sie erhöhen nicht nur die Reißfestigkeit, sondern auch die UV-Stabilität des Trägermaterials. Zudem sind sie deutlich leichter als PU-Beschichtungen mit vergleichbarer Wasserdichtigkeit.

Biwaksäcke mit Membran

Bei aufwändigeren Biwaksäcken kommen auch Membranen zum Einsatz. Wie diese genau funktionieren und wo die Vorteile gegenüber einer Beschichtung liegen, kannst Du hier nachlesen.

Wenn Du auf eine Membran Wert legst, sei zunächst gesagt: Im praktischen Einsatz wirst Du in Sachen Atmungsaktivität eher geringe Unterschiede zwischen den bekannten Markenmembranen wahrnehmen. In der Regel kommen alle Technologien ab einer bestimmten Feuchtigkeitsmenge und/oder Temperaturverteilung an ihre Grenzen.

Für alle Beschichtungen, Laminate und Co. gilt, dass sie Gewicht und Packmaß in die Höhe schrauben, genauso wie jedes andere zusätzliche Detail auch. Je mehr Schutz, Vielseitigkeit und Funktionalität der Materialmix bietet, desto mehr Gewicht und Packmaß muss getragen werden. Auch jedes Komfort-Plus, z.B. durch mehr Platzangebot oder praktische Details wie abgedeckte Reißverschlüsse wiegt extra.

Konstruktionsformen des Biwaksacks

Die meisten Biwaksäcke sind schlicht und einfach wie ein leicht vergrößerter Schlafsack geschnitten und liegen flach wie eine Decke auf dem Boden. Das Volumen kommt nur durch den eigenen Körper oder durch Extras wie Versteifungen, Abspannmöglichkeiten oder kleine Gestänge zustande.

Letztere bieten vor allem bei häufigeren Übernachtungen ein sehr angenehmes Plus an Kopffreiheit. Allerdings sollte man bei Modellen mit einfachem Gestängebogen, dessen Standfestigkeit nicht überschätzen. Einige bleiben nur stehen, wenn der Reißverschluss komplett zugezogen ist, andere neigen sich schon bei kleineren Windböen in Richtung Gesicht. Definitiv zuverlässig halten die aufwändigeren Konstruktionen, wie das Kreuzgestänge beim Carinthia Observer. Solch hundertprozentiger Komfort und Wetterschutz ist allerdings weder leicht noch billig.

Eine wichtige Frage ist, ob sich der Biwaksack vollständig verschließen lassen soll. Umfassenden Wetterschutz gibt es nur, wenn der Innenraum mit einem robusten Reißverschluss lückenlos dicht zu machen ist. Kordelzüge, Klettverschlüsse und Belüftungsgitter lassen immer kleine Lücken und Restöffnungen, die im Extremfall auf der wetterabgewandten Seite gehalten werden müssen.

Das ist bisweilen schwieriger als es klingt. Ein unbedingtes Muss ist diese Vollverschließbarkeit allerdings nur für ambitionierte Tourenvorhaben in größeren Höhen oder kälteren Zonen. Die meisten Notsituationen sowie viele „normale“ Übernachtungssituationen lassen sich durchaus mit Biwaksäcken bewältigen, die „nur“ mit Knöpfen, Kordelzügen o.ä. verschließbar sind.

Fazit

Biwakieren ist mehr als nur eine Notlösung bei widrigen Bedingungen am Berg. Es kann ein ursprüngliches und ehrliches Naturerlebnis verschaffen und bietet eine flexible Option zwischen dem Zelten und dem „völlig ungeschützten“ Übernachten an der frischen Luft.

Allerdings ist das Biwakieren  auch bei guten äußeren Bedingungen nichts für Leute mit Ängsten vor unmittelbaren Boden-, Material- und Körperkontakten. Wer aber die Lust am draußen sein entdeckt, kann solche Hemmschuhe schnell ablegen und wird das rustikale Element am Ende womöglich gar lieben statt fürchten. Spätestens dann wird man sich auch etwas weiter „raus“ in die Natur und in die Berge wagen und auf die Suche nach dem richtigen Biwaksack begeben. Wir hoffen, dass dieser Artikel dabei hilfreich ist.

Ultraleichte Schuhe Kaufberatung

Nimms leicht – Outdoorschuhen aufs Gewicht geschaut

14. September 2017
Ausrüstung, Kaufberatung

Letzten Sonntag war ich im Wald zum Pilze suchen. Leider hatte es in der Nacht zuvor geregnet, so dass ich davon ausgehen konnte, auf eine ordentliche Portion Matsch zu treffen. Normalerweise trage ich für solche Touren durch den heimischen Wald ausgediente Laufschuhe oder meine Zustiegsschuhe. Da ich aber sicher war auf eine Schlammlandschaft zu stoßen, hatte ich mich diesmal für meine schweren, ledernen Bergstiefel entschieden.

Generell war das auch ein guter Entschluss, weil ich so tatsächlich trotz ziemlich durchweichtem Wald wieder mit trockenen Socken zu Hause angekommen bin. Auf der anderen Seite waren diese schweren Treter aber für das Gelände der komplette Overkill und ich war froh, als ich wieder auf leichteres und bequemeres Schuhwerk wechseln konnte. Aber muss das wirklich sein? Gibt’s nicht auch leichtere Alternativen?

Der Weg zum richtigen Schuhwerk

Wenn ihr euch fragt, welches Paar Leichtgewichts-Schuhe nun für euch und eure Touren genau das Richtige ist, dann solltet ihr euch zuvor über ein paar Dinge Gedanken machen. So ist es beispielsweise wichtig, dass die Schuhe nicht nur zu der Tour und deren Gelände passen, sondern auch für die Jahreszeit geeignet sind in der ihr gehen wollt. Außerdem ist eine gute Passform für das Fußwohl maßgeblich entscheidend. Worauf ihr bei der generellen Suche nach Wander- bzw. Outdoorschuhen noch achten solltet, das verrät euch unser Blogbeitrag „Die richtigen Schuhe für dein Outdoor-Abenteuer“.

An dieser Stelle wagen wir allerdings einen Blick in die bunte Welt der Wander-, Trekking- und Bergschuhe und schauen uns an, wo wir sinnvoll an der Gewichtsschraube drehen können.

Leichte Schuhe für gemäßigtes Gelände

Wie bei meiner sonntäglichen Pilztour durch den Schwarzwald braucht es nicht immer ein schweres Paar Bergschuhe. Gerade in Mittelgebirgen reichen leichtere Wanderschuhe in der Regel völlig aus. Leichtwanderschuhe sind, wie der Name schon sagt, leichter als ihre „normalen“ Kollegen. Das liegt vor allem daran, dass sie meist mit nur halbhohem Schaft oder gleich als Halbschuhe daherkommen. Auch wird bei Leichtwanderschuhen nicht selten auf einen Geröllschutz und dergleichen verzichtet, sodass hier deutlich Gewicht eingespart werden kann.

Wer also in vergleichsweise einfachem Gelände unterwegs ist und auch nur leichtes Gepäck dabei hat, sollte sich diese Gruppe definitiv einmal näher ansehen. Leichtwanderschuhe mit halbhohem Schaft, also klassische Vertreter der Kategorie A, schlagen meist mit einem Gewicht ab 450 Gramm zu Buche.

Gerade für Ultraleichttouren kommen aber auch immer wieder Trailrunningschuhe zum Einsatz. Modelle wie Roclite 325 GTX von Inov 8 verfügen über ein Gewicht von weniger als 350 Gramm und bieten dafür einen halbhohen Schaft sowie eine extrem griffige Sohle. Als weitere Alternative wäre hier auch der Einsatz von Barfußschuhen denkbar, jedoch gehen diesbezüglich die Meinungen weit auseinander.

Die einen befürworten diese vergleichsweise freie und natürliche Form des Gehens, andere wiederum berichten von Problemen, die aufgrund von fehlender Muskulatur und Gewöhnung auftreten können. Wer diesen Schuhtyp dennoch fürs Wandern ausprobieren möchte, dem sei geraten mit vergleichsweise kurzen und einfachen Teststrecken zur Eingewöhnung zu beginnen. Auch Gepäck sollte bei diesen Eingewöhnungsrunden nicht mitgenommen werden. Barfußschuhe sind selbstverständlich recht leicht und fallen so kaum ins Gewicht.

Leichte Schuhe für ausgesetztes und wegloses Gelände

Für anspruchsvolleres Gelände und Mehrtagestouren in Verbindung mit schwerem Gepäck sind Trekkingschuhe der Kategorie B oder B/C bestens geeignet. Hierbei handelt es sich jedoch meist um vergleichsweise schwere Treter, die für maximale Trittsicherheit sowie eine optimale Stabilisierung des Sprunggelenks sorgen. Auch empfehlen sich Schuhe dieser Art für Personen, die Probleme mit den Bändern haben und zum Umknicken neigen.

Außerdem fallen viele Trekkingstiefel in die Kategorie „bedingt Steigeisenfest“ und können problemlos mit Steigeisen mit Riemchenbindung sowie Grödel getragen werden. Wie gesagt, Trekkingstiefel sind nicht gerade Leichtgewichte, doch auch in dieser Gattung gibt es Modelle, die mit einem deutlich reduzierten Gewicht daherkommen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die S-Lab X Alp Carbon 2 GTX von Salomon. Diese Schuhe wiegen noch knapp unter einem Kilo und zählen zu den Leichtgewichten dieser Klasse. Dennoch sind sie deutlich schwerer als Ihre Kollegen aus dem Leichtwander- oder Trailrunningbereich, können dafür aber auch mehr.

Leichte Schuhe fürs Hochgebirge

Für Geröll, Firn und Eis müssen definitiv ordentliche Bergstiefel her. Diese verfügen über eine steigeisenfeste Sohle und bieten auch in unwegsamem Gelände ausreichend Stabilität. Im Allgemeinen können Bergschuhe mit Kipphebelsteigeisen getragen werden. Je nach Modell lassen sich hier Halbautomaten (vorne mit Körbchen) oder Automaten (vorne mit Bügel) befestigen. Auch ein hochgezogener Gummirand, der vorwiegend als Geröllschutz dient gehört hier in der Regel mit dazu.

Kein Wunder also, dass wir uns hier weit außerhalb des Ultraleichtbereichs bewegen. Aber trotzdem gibt es auch unter den Bergstiefeln der Kategorie C leichtere und schwerere Vertreter. Schauen wir uns also beispielsweise einmal die Badile Combi II GTX  von Hanwag an. Diese Bergschuhe bringen alles mit, was bei Touren im hochalpinen Gelände gefragt ist. Dennoch kommen sie mit einem vergleichsweise geringen Gewicht von lediglich 1080 Gramm daher. Dafür gibt es aber eine ausreichend ausgesteifte und für halbautomatische Steigeisen geeignete Sohle sowie einen ordentlichen Geröllschutz. Als Alternative kann man sich hier auch den etwas weniger als 1200 g (pro Paar) schweren Trango Guide Evo GTX von La Sportiva anschauen.

Vor-und Nachteile von leichtem Schuhwerk

  • Vorteil 1 – Gewichtsersparnis

Klar, wer mit leichten Schuhen unterwegs ist, der muss weniger Gewicht mitschleppen und das wirkt sich nun einmal bei jedem Schritt aus. Dies zeigt sich gerade bei gestuftem Gelände, da der Fuß mit weniger Ballast daherkommt und schlussendlich das Gehen ermüdungsfreier ausfällt. Auch wenn die Wanderschuhe im Rucksack transportiert werden, fallen sie so weniger schwer ins Gewicht.

  • Vorteil 2 – Komfort

Leichte Schuhe sind in der Regel flexibler und weicher als ihre schweren Verwandten. Somit sind sie normalerweise automatisch auch bequemer. Gerade an warmen Tagen ermöglichen sie oft auch eine bessere Belüftung und sind aufgrund des oft deutlich niederen Schafts generell nicht so warm wie höhere Wanderschuhe.

  • Nachteil 1 – Verletzungsgefahr

Was auf der einen Seite ein Plus an Komfort mit sich bringt, birgt auf der anderen Seite aber auch ein höheres Verletzungspotenzial. Denn gerade weiche und flexible Schuhe mit niedrigem Schaft, unterstützen den Fuß deutlich schlechter, als ihre höher geschnittenen Kollegen.

  • Nachteil 2 – Wetterfestigkeit und allgemeine Eignung

Keine Frage auch im Bereich der Trailrunning- und Leichtwanderschuhe gibt es vergleichsweise wetterfeste Modelle mit Membran. Bei Matsch und Regen geht das sicherlich auch noch, wobei es bei tiefem Schnee schon schwieriger wird, da der Schnee ohne hohen Schaft schneller seinen Weg in den Schuh findet. Plant man aber Touren, die beispielsweise das Tragen von Steigeisen erfordern, braucht man deshalb Schuhe mit einer geeigneten Sohle.

Ultraleichtes Schuhwerk – das Fazit

Gerade im Bereich der Outdoor-, Wander- und Trekkingschuhe ist es schwierig ultraleichte Ausrüstung zu finden. Bei der Recherche zu diesem Thema musste ich immer wieder an den Ausspruch eines guten Freundes denken: „Man kann auch mit Skischuhen joggen gehen!“. Soll heißen zweckentfremden kann man viel, nur ob das wirklich auch Sinn macht ist die Frage. Klar könnte man auch mit Badelatschen im hochalpinen Gelände unterwegs sein (die Sherpas in Nepal zeigen sehr eindrücklich wie das geht), aber dennoch würde ich davon abraten nur zugunsten einer hohen Gewichtsersparnis zu derart krassen Maßnahmen zu greifen.

Meiner Meinung nach ist das wichtigste Kriterium bei Schuhen ohnehin nicht das Gewicht, sondern dass sie optimal passen und auch nach langen Tourentagen noch nicht drücken. Denn die höchste Gewichtsersparnis am Schuhwerk bringt nichts, wenn man das gleiche Gewicht als Blasenpflaster im Rucksack mitschleppen muss. Fun Fakt: Ein Päckchen Blasenpflaster wiegt rund 15 Gramm.

Ultraleichte-Bekleidung-Titel

Ein Hauch von Nichts – (ultra)leichte Bekleidung

29. Januar 2018
Ausrüstung

Erinnert Ihr euch noch an den Oversizelook der 1990er und frühen 2000er? Diese riesigen Klamotten die immer irgendwie nach Kartoffelsack ausgesehen haben? Mir ist neulich ein Vertreter dieser Gattung im meinem „Outdoorkleiderschrank“ in die Finger gekommen.

Heute trage ich diese Jacke maximal noch zum Schneeschippen, aber damals bin ich damit auch auf Hochtouren unterwegs gewesen. Dass so eine Jacke dann schnell mal über ein Kilo auf die Waage bringen konnte, hat mich einfach nicht interessiert, wir waren schließlich jung und hatten kein Geld. Heute bringt mich das aber zu der Frage: Wie sieht es aus, wenn man auch bei Hose, Jacke und Co. gezielt Gewicht einsparen möchte? Was braucht es unterwegs wirklich und wie sehen leichte Alternativen zu althergebrachten Kleidungsstücken aus?

Schauen wir uns also ganz gezielt leichte Outdoorkleidungsstücke an. Zur besseren Übersicht werden wir uns dabei aber nur auf größere Kleidungsstücke wie Jacken, Hosen und Shirts beschränken, da sich hier der Löwenanteil an Gewicht sparen lässt. Kleinteile wie Socken und Unterwäsche werden wir gezielt aussparen. Schauen wir uns also einmal den ultraleichten Dresscode  genauer an.

Ultraleichter Wetterschutz

Wer viel draußen unterwegs ist, der wird das kennen: Nicht immer ist der Wettergott milde gestimmt und selbst an Tagen mit strahlendem Sonnenschein steht gerne am späten Nachmittag ein regenreiches Gewitter ins Haus. Aus diesem Grund ist es eigentlich immer ratsam, einen geeigneten Wetterschutz in Form einer Hardshelljacke und vielleicht einer Regenhose im Gepäck zu haben. Da diese Kleidungsstücke nicht selten auch weite Strecken im Rucksack getragen werden, lohnt es sich hier einmal genauer aufs Gewicht zu schauen.

Ultraleichte Hardshelljacken

Was aber unterscheidet eine herkömmliche Hardshelljacke von der ultraleichten Hardshelljacke? Das ist eigentlich ganz einfach: was an ultraleichten Hardshelljacken nicht dran sein muss, das ist auch nicht dran. Auch kommen besonders leichte Materialien zum Einsatz.

Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT von Berghaus kommen auf nicht einmal 100 Gramm und stellen somit in Sachen Gewicht eine echte Kampfansage dar. Allerdings tummeln sich in dieser Gewichtsklasse zahlreiche Jacken, die aufgrund des dünnen Stoffs nicht für das Tragen eines Rucksacks ausgelegt sind. Somit können Hardshelljacken wie die Hyper 100 Shell JKT zwar für Bewegungsintensive Sportarten wie Trailrunning hergenommen werden, taugen aber für den Trekkingbereich nicht.

Wer es hingegen rucksacktauglich braucht, wird sich in Sachen Gewicht voraussichtlich irgendwo zwischen 150 und 200 Gramm einpendeln. Ein typischer Vertreter dieser Gattung ist die Flashpoint Jacket von Rab. Diese Jacke bringt mit rund 185 Gramm alles mit, was eine wetterfeste Jacke können sollte und kann obendrein die Belastung durch einen Rucksack problemlos wegstecken.

Ultraleichte Hardshellhosen

Hardshellhosen kommen in den unterschiedlichsten Formen daher. Von der Skitourenhose bis hin zur einfachen Überhose gibt es in diesem Bereich nahezu nichts, was es nicht gibt. Um aber beim Thema zu bleiben, wollen wir uns hier nur mit Hardshellhosen befassen, die für Wanderungen, Trekking- oder Radtouren als Regenschutz hergenommen werden können.

Wer also in diesem Bereich nach einer ultraleichten aber trotzdem wetterfesten Hose sucht, der wird wahrscheinlich bei Modellen wie der Atomic Pants von Montane landen. Diese Hosen schlagen in der Regel mit einem Gewicht von ca. 150 bis 200 Gramm zu Buche und eignen sich gerade für Wanderungen und Trekkingtouren bestens.

Wer beispielsweise auf Gletschern unterwegs ist und die Hardshellhose auch in Verbindung mit Steigeisen tragen möchte, der sollte nach robusteren Modellen mit verstärktem Beinabschluss suchen, hier bewegt man sich jedoch in der Regel außerhalb des Ultarleichtspektrums.

Federleichte Isolation

Ultraleichte Daunenjacken

Wenns warm und trotzdem leicht sein soll, kommt man an Daunenjacken und Daunenwesten nicht vorbei. Hier verhält es sich ähnlich wie bei Schlafsäcken: Kunstfaser hat mit Sicherheit seine Berechtigung und stellt je nach Anforderung Daune klar in den Schatten.

Wer aber was wirklich Leichtes will, der muss zu Daune greifen, denn Daunenjacken sind bei vergleichbarer Leistung in der Regel deutlich leichter als ihre Kollegen aus Kunstfaser. Gerade aber bei wärmenden Kleidungsschichten ist es aber wichtig, nicht nur auf das Gewicht zu schauen. Denn auch hier lässt sich eine Parallele zu Schlafsäcken zeigen: weniger Füllung und somit weniger Gewicht heißt in der Regel auch weniger Isolation.

Hier muss also jeder selbst entscheiden, wie verfroren oder kälteresistent er ist. Leichte Daunenjacken, kommen bereits mit einem Gewicht von weniger als 200 Gramm daher. Wer es noch leichter mag und vielleicht auch aufgrund der Tour oder der persönlichen Veranlagung keinen zu krassen Kälteschutz benötigt, der kann sich sicherlich auch mit einer Daunenweste begnügen, hier spart man dann schnell nochmals einige Gramm.

Ultraleichte Fleecejacken

Fun-Fakt: Schon fast wollte ich hier den Tipp geben, dass man auch mit einem leichten Fleece (bei sicherlich weniger Isolationsleistung) gegenüber einer leichten Daunenjacke Gewicht einsparen kann. Das stimmt aber so nicht. Schickt man Fleece- und Daunenjacken in Sachen Gewicht ins Rennen, erhält man maximal ein Unentschieden. Wer aber dennoch lieber zum Fleece, als zur Daunenjacke greift, der sollte sich auf ein Gewicht jenseits der 200 Gramm einstellen.

Minimalistische Basics

Ultraleichte Trekkinghosen

Eine Hose muss jeder tragen, schon alleine um nicht als öffentliches Ärgernis zu gelten. Hosen unterliegen gerade beim Trekking oft starken Belastungen. Jeder, der schon einmal über quer liegende Baumstämme klettern musste oder im Wald ein Stück querfeldein gelaufen ist, der wird mir zustimmen.

Aus diesem Grund wird es hier je nach dem schwer im Ultraleichtbereich fündig zu werden. Dennoch gibt es aber auch hier leichte Materialien wie Softshell, die es ermöglichen robuste Hosen mit geringem Gewicht zu entwerfen. Hersteller wie beispielsweise Mountain Hardwear haben sich dieser Aufgabe aber einmal gestellt und lange Trekkinghosen auf den Markt gebracht, die die 200-Gramm-Marke noch knapp unterschreiten.

Auf zuviel Schnickschnack wie zusätzliche Cargo-Taschen oder abnehmbare Hosenbeine muss man in diesem Segment allerdings verzichten. Wem auch das trotz allem noch zu schwer ist, dem sei das kurze Beinkleid angeraten. Hersteller wie Norrøna haben hier funktionelle Wander- und Trekkinghosen im Programm, die mit weniger als 150 Gramm zu Buche schlagen.

Ultraleichte Funktionsshirts & Pullover

Gerade an warmen Tagen braucht es ein gutes Funktionsshirt. Dieses sollte nicht nur gut passen und auch optisch ansprechend daherkommen, sondern vielmehr auch für maximalen Komfort unterwegs sorgen. Gerade beim Trekking und Wandern kommt es gerne mal auch zu schweißtreibenden Anstiegen.

Aus diesem Grund sollten Shirts immer aus einem schnelltrocknenden Material bestehen. Wer nicht schon am zweiten Tage geruchstechnisch mit einem Fuchs im Oktober verwechselt werden möchte, sollte darüber hinaus darauf achten, dass das jeweilige Shirt aus geruchshemmenden Materialien gefertigt wurde.

Leichte Funktionsshirts wie beispielsweise das  AT/C Base S/S von Inov-8 oder das MHW AC Short Sleeve T von Mountain Hardwear kommen mit einem Gewicht um die 70 Gramm aus. In der Übergangszeit und an Tagen mit wechselndem Wetter sind oft auch Pullover oder dünne Jacken gefragt. Wenns besonders leicht sein soll landet man in der Regel recht schnell beim Fleece. Wer hier nach einem leichten, feuchtigkeitsregulierenden und warmen Oberteil sucht, der wird problemlos im Bereich 150- 200 Gramm fündig werden. Hersteller wie Salomon und Montane haben hier gleich mehrere Modelle im Programm.

Vorurteile und Missverständnisse

Es gehört ja schon fast zur Tradition, dass ich mich mit den Blogbeiträgen zum Thema Ultraleicht immer auch für mehr Verständnis und Toleranz einsetze. Aus diesem Grund sollen auch in diesem Artikel ein paar Vorurteile zur Sprache kommen, die die Outdoorwelt in die Lager Ultraleicht zu Ultraschwer zu teilen scheinen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrapuristisch

„Wenns leicht ist, dann hängt auch nichts dran. Da muss man dann auf zahlreiche praktische Feinheiten und Kleinteile verzichten.“ Klar mag dieses Vorurteil bis zu einem gewissen Grad stimmen. Eine leichte Windjacke ist eben einfacher als eine kompletter Anorak, auch auf eine Kapuze und Taschen wird hier schnell einmal verzichtet.

Allerdings darf man nicht dazu neigen Äpfel mit Birnen vergleichen zu wollen. Wer eine Hardshelljacke mit Kapuze als Wetterschutz sucht, wird im Bereich Ultraleicht sicherlich fündig werden. Wer eine leichte Daunenjacke will, wird diese ebenfalls bekommen. Bei der warmen Winterjacke einem Ölmantel oder Ostfriesennerz wirds da schon etwas schwieriger.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraproblematisch

Dieses Vorurteil kommt oft zur Sprache: Was besonders leicht und dünn ist hält grundsätzlich nichts aus und macht nur Ärger. Man hört Horrorgeschichten von im Wind zerrissenen Jacken, aufgeplatzten Nähten und und und… Klar mag es das geben. Schlecht verarbeitete oder mit Materialfehlern belastete Kleidung gibt es leider immer mal wieder. Dies sollte allerdings, egal ob leicht oder schwer, nicht die Regel sein und ist es auch nicht.

Dennoch ist es gerade bei der äußeren Kleidungsschicht wichtig, darauf zu achten, dass diese auch für den jeweiligen Einsatzzweck ausgelegt ist. Wie bereits bei den Hardshelljacken erwähnt, ist beispielsweise ein Rucksacktauglichkeit nicht immer gegeben. Hier empfiehlt sich genaues Hinsehen. Ein Kleidungsstück nur nach seinem Gewicht zu kaufen, macht ohnehin in den wenigsten Fällen Sinn.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Die Rede ist bei diesem Vorurteil oft von schlecht sitzenden Kleidungsstücken, unbrauchbar geschnittenen Kapuzen und knisternden Materialien. Aber sind wir mal ehrlich, das gibt es doch in jedem anderen Bereich auch. Nicht immer passt ein Schnitt zum persönlichen Körperumfang und manchmal sind Features einer Jacke oder Hose weniger nützlich, als sie auf den ersten Blick erscheinen. Aber das ist nicht alleine ein Problem von besonders leichten Klamotten, dieses Problem gibt es von der Jeans bis zur Daunenjacke.

Wären da aber noch die knisternden Materialien. Das ist in der Tat ein Punkt der so manchen Freund der Hardshellbekleidung schier zur Weißglut treibt: Regenjacken und  -hosen knistern gerne mal. Doch auch hierbei handelt es sich mehr um ein Problem, das Hardshellmaterialien im Allgemeinen immanent zu sein scheint.

Fazit:

Es macht sicherlich keinen Sinn an der falschen Stelle Gewicht sparen zu wollen. Gute Bekleidung ist immer auf die jeweilige Tour und die aktuellen Bedingungen abgestimmt. Dennoch finden sich auch im Ultraleichtbereich Kleidungsstücke, die einen guten Kälte- oder Wetterschutz mitbringen.

Wer hier seine Klamotten mit Bedacht wählt muss nicht auf faule Kompromisse eingehen und kann trotzdem einiges an Gewicht sparen. Addieren wir einmal, mit welchem Gewicht die oben genannte Bekleidung letztendlich zu Buche schlagen würde, so kommen wir für Hose, Funktionsshirt, Langarmshirt, leichte Daunenjacke und rucksackkompatible Hardshelljacke auf knapp 800 Gramm.

Spaßeshalber habe ich einmal vergleichbare Kleidungsstücke, die meinem Kleiderschrank entstammen und die ich regelmäßig auf Tour trage, auf die Waage gelegt. Hierbei handelt es sich nicht um Vertreter der Gattung „ultraschwer“, sondern eher um den Typ „ultradurchschnittlich“. Dennoch bin ich auf einen Wert von rund 1300 Gramm gekommen.

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

Die federleichte Zeltstadt – Campingausrüstung ultraleicht

13. Juni 2018
Ausrüstung

Camping. Für mich wohnt diesem Wort immer auch der vermeintliche Glanz längst vergangener Sommerurlaube inne. Mit Eltern, Campingbus und Zelt ging es irgendwohin in den sonnigen Süden. Schöne Tage waren das, wenn man einmal von Transport und Aufbau des Zeltes und der restlichen Ausrüstung absah: Unsere Zeltstadt Modell ‚Rimini‘ hatte knapp die Ausmaße des Mailänder Doms und in etwa auch dessen Gewicht. Alleine schon für den Transport des Planensacks waren zwei kräftige Männer notwendig, über den Stangensack wollen wir erst gar nicht sprechen. Begleitet wurde diese Heimstadt von Luftmatratzen und Schlafsäcken, die gewichtsmäßig dem Zelt in nichts nachstanden. Aber irgendwie gehörte dieses Geschleppe zum Urlaub dazu und wir waren jedes mal froh, dass der ganze Kram lediglich ein paar Meter auf dem Campingplatz herumgetragen werden musste. An eine Trekkingtour wäre mit dieser Ausrüstung nicht zu denken gewesen. Ich habe dies, Jahre später sogar einmal versucht und bin kläglich gescheitert…

Aber warum erzähle ich das alles? Nachdem wir uns hier im Blog mit dem Thema ultraleichte Rucksäcke, bereits ein Mitglied der sogenannten „großen Vier“ vorgenommen haben, möchten wir uns heute einmal den Rest dieser Familie, also ultraleichte Zelte, Schlafsäcke und Isomatten näher ansehen. Dabei handelt es sich freilich um das genaue Gegenteil zu dem, was ich als Kind erlebt habe und ist aber gleichzeitig auch ein schönes Beispiel, wie sich Materialien und Technologien auch im Bereich der Campingausrüstung weiterentwickelt haben.

Was macht Zelt, Schlafsack, Isomatte & Co. eigentlich zur Ultraleichtausrüstung?

Hier gestaltet sich die Sachlage ähnlich wie bei den Rucksäcken: Durch das Weglassen aller nicht unbedingt benötigter Teile sowie den Einsatz besonders leichter Materialien wird, wo es nur geht, Gewicht gespart. Dabei können diese Zelte, Schlafsäcke und Isomatten ihren konventionellen Kollegen in Sachen Komfort und Funktionalität durch den Einsatz modernster Technologien oft problemlos das Wasser reichen. Schauen wir uns also einmal an, wie die Welt der ultraleichten Campingausrüstung aussieht.

Ultraleichtzelte

Das Thema Zelte wird gerade im Ultraleichtberich stark diskutiert. Oft steht dabei die Frage im Vordergrund, ob ein Zelt überhaupt benötigt wird oder nicht auch durch einen guten Biwaksack bzw. ein Tarp ersetzt werden kann. Aus diesem Grund möchte ich auch hier einmal verschiedene Möglichkeiten aufzeigen, wie man mit dem Thema ultraleichte Zelte umgehen kann.

Kleine Zelte

Ein- oder Zweimannzelte sind definitiv das Mittel der Wahl, wenn man mehrere Tage (evtl. mit Partner) unterwegs sein möchte. Gerade bei Touren in der kalten Jahreszeit oder Gebieten, in denen mit heftigen Niederschlägen gerechnet werden muss, ist die Mitnahme eines Zelts sicherlich sinnvoll. Außerdem sorgen Zelte nicht nur dafür, dass Wind und Wetter abgehalten werden, sondern auch, dass einem Getier wie Schnaken und Ähnliches nicht zu sehr auf die Pelle rücken kann. Hinzu kommen noch persönliche Faktoren wie Privatsphäre und Komfortbedürfnisse. Gerade im Bereich der Einmannzelte gibt es Modelle, die die 1-Kilo-Marke spielerisch unterbieten. Ein schönes Beispiel hierfür ist das ‚The Specialist Solo‘ von Sea to Summit. Dieses 1-Personenzelt bringt mit allem Drum und Dran gerade einmal 625 Gramm auf die Waage, kann aber noch weiter abgespeckt werden. Hier ist es beispielsweise möglich, das Gestänge durch zwei Trekkingstöcke zu ersetzen, wodurch nochmals gut 100 Gramm eingespart werden können. Zelte wie das Solar Ultra 2 von Terra Nova kommen mit rund 700 Gramm aus und bieten Platz für zwei Personen inklusive Gepäck.

Große Zelte

Es mag zunächst ein wenig widersprüchlich erscheinen, dass es auch im Ultraleichtbereich große Zelte gibt. Dennoch haben auch hier Zelte mit einer Größe von vier Personen und mehr durchaus ihre Berechtigung. Gerade für Familien, die mit ihren Kindern eine Trekkingtour unternehmen wollen, können Zelte dieses Typs sehr interessant werden. Dass dabei größer nicht gleich utopisch schwer sein muss, zeigen Zelte wie das Fjellheimen Superlight 4 Camp von Helsport. Hierbei handelt es sich um ein geräumiges 4-Personenzelt mit allem, was dazu gehört. Auch für Gepäck ist hier ausreichend Platz. Gewichtstechnisch kommt man hier auf gute 2 Kilo, was selbstverständlich mehr ist, als wenn man einfach zwei leichte Zweimannzelte mitnehmen würde. Hat man aber nur ein großes Zelt dabei muss man auch nur ein Zelt auf und wieder abbauen und spart somit Zeit. Darüber hinaus bietet ein großes Zelt für vier Personen immer auch mehr Platz als zwei kleine.

Alternativen

Was ist leichter als ein Zelt? Kein Zelt! Für viele Touren braucht es nicht unbedingt ein Zelt. Auch dann nicht, wenn man sich entschließt in der freien Natur und nicht in festen Unterkünften zu übernachten. Gerade in Gebieten mit wenig Niederschlägen und warmen Temperaturen kann so einiges an Gewicht eingespart werden. Eine gute Kompromisslösung kann hierbei die Mitnahme eines Tarps sein. Diese Zeltplanen können zwischen Bäume aufgespannt, mittels Trekkingstöcken aufgestellt oder sonst irgendwie in der Landschaft befestigt werden und bieten so in der Regel einen ausreichenden Wetterschutz. Wer es noch leichter möchte, der kann sogar auf ein Tarp verzichten und lediglich einen Biwaksack als groben Wetterschutz mitnehmen. Leichte Modelle kommen hierbei mit einem Gewicht kleiner 200 Gramm aus und bieten besten Schutz vor den Elementen. Neben der Gewichtsersparnis haben aber Biwaksäcke und Tarps noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Das Stichwort lautet hier Wildcampen. In manchen Ländern (darunter auch Deutschland) wir das Übernachten mit Tarp oder Biwaksack in freier Wildbahn nicht als Camping angesehen und unterliegt somit lockereren Bestimmungen als das Übernachten im Zelt. Wenn ihr dazu mehr erfahren wollt, dann schaut doch einmal in unsere Blogbeiträge zum Thema Wildcampen.

Ultraleichte Schlafsäcke und Isomatten

Schlafsäcke und Isomatten tragen im Wesentlichen zum Schlafkomfort bei. Ein guter und erholsamer Schlaf ist wiederum für das Gelingen einer Tour sehr wichtig. Deshalb ist es gerade in diesem Bereich wichtig darauf zu achten, dass die individuellen Bedürfnisse abgedeckt werden. Das heißt, dass man hier keinesfalls an der falschen Stelle sparen sollte. Dennoch gibt es auch unter den Schlafsäcken und Isomatten Ultraleichtmodelle, die von warm bis kalt die volle Bandbreite abdecken.

Schlafsäcke

Hier sei gleich eines vorweggenommen: Wer einen leichten Schlafsack will, wird an einem Daunenschlafsack nicht vorbeikommen. Selbstverständlich gibt es Einsatzgebiete, in denen Kunstfaserschlafsäcke ihren Kollegen aus Daune überlegen sind, aber eben nicht beim Gewicht. Was aber macht eigentlich einen Schlafsack schwer? Das sind zum einen die Materialien die verwendet werden, zum anderen aber auch die isolierende Füllung. Bei den Materialien der Außenhaut eines Schlafsacks kommen im Ultraleichtbereich besonders leichte und dünne Stoffe zum Einsatz. Somit kann hier bereits einiges an Gewicht eingespart werden. Darüber hinaus kann man an der Füllung sparen. Einfache Regel hier: Daunenschlafsäcke, die für kältere Temperaturen ausgelegt sind, wiegen mehr als Daunenschlafsäcke, die nur bei wärmeren Temperaturen funktionieren. Daher sollte man sich gut überlegen, wofür man den Schlafsack verwenden will und was er dabei können muss. Beispiel: Mehrtageswanderungen oder Trekkingtouren mache ich eigentlich nur im Sommer. Somit kann ich auch nachts mit halbwegs angenehmen Temperaturen rechnen. Allerdings friere ich beim Schlafen sehr schnell und muss somit trotz voraussichtlich warmer Temperaturen Schlafsäcke einsetzen, die eigentlich für kältere Temperaturen ausgelegt sind. Diese Einschätzung muss jeder für sich selbst machen und somit definieren, welcher Schlafsack mit welchem Temperaturbereich am besten passt. Tipps zu diesem Thema liefert auch der Blogbeitrag von Simon.

Wer so beispielsweise zu der Einschätzung kommt, dass ein Dreijahreszeitenschlafsack genau das Richtige ist, der wird sich wahrscheinlich bei einem Gewicht von rund 500 Gramm einpendeln. Modelle wie der Prime Alpine von Pajak oder der Phase 30 von Marmot sind hierfür gute Beispiele. Darüber hinaus kommen im Ultraleichtbereich nicht selten Quilts, also Schlafsäcke ohne Rückenteil zum Einsatz. Hierdurch lassen sich in der Regel nochmals einige Gramm einsparen.

Isomatten

Gerade wenn ein Ultraleichtrucksack zum Einsatz kommt, macht es Sinn, eine Schaumstoffmatte wie die Easy-Mat Foldable von Salewa zu verwenden. Matten dieser Machart schlagen meist mit 300-400 g zu Buche und können obendrein zum Aussteifen des Rucksacks hergenommen werden. Außerdem sind sie quasi unkaputtbar. Nachteil: Diese Matten sind oft nicht besonders bequem und wer Probleme mit dem Rücken hat, wird sie wahrscheinlich schnell verfluchen. Als bequemere Alternative eignen sich auch Thermoluftmatten, die je nach Modell mit einem ähnlichen Gewicht wie ihre Kollegen aus Schaumstoff daher kommen. Wichtig ist es jedoch auch hier, dass die Isomatte nicht nur nach dem Gewicht, sondern auch nach dem Einsatzgebiet ausgewählt wird. Wer beispielsweise im Winter auf Schnee campen möchte, der braucht eine völlig andere Matte als für den Einsatz auf einer Wiese im Sommer.

Vorurteile und Missverständnisse

Wer den Blogbeitrag zum Thema Ultraleichtrucksäcke gelesen hat, der kennt das schon: Wir versuchen immer auch ein wenig zwischen den Lagern Ultraleicht und Ultraschwer zu vermitteln. Hierzu habe ich mir auch diesmal ein paar Vorurteile herausgegriffen und möchte diese näher beleuchten.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultraanfällig
    Dieses Vorurteil hört man oft und in vielen Bereichen. Was leicht ist und dazu noch aus einem dünnen Stoff, das kann nichts taugen, zumindest nicht auf Dauer. Gerade im Bereich der Schaummatten muss hier aufs Vehementeste widersprochen werden. Doch auch bei Zelten und Schlafsäcken ist es nicht so, dass diese schon im Katalog auseinanderfallen. Der Einsatz von leichten, aber gleichzeitig extrem robusten Materialien macht dies möglich. Darüber hinaus hat das Verhalten von Zelten bei Sturm nicht unbedingt etwas mit leicht oder schwer zu tun. Hier ist vielmehr die Form bzw. Bauweise ausschlaggebend.
  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultrakalt
    Kann stimmen, muss aber nicht. Wie bereits erwähnt sind Schlafsäcke, die weniger Füllung in sich tragen immer leichter als Schlafsäcke mit mehr Füllung. Somit sind wärmere Schlafsäcke immer auch schwerer als nicht so warme Schlafsäcke. Darüber hinaus kann aber auch an der sonstigen Machart sowie den restlichen Materialien Gewicht gespart werden. Der Einsatz einer Daunenfüllung macht den Schlafsack beispielsweise deutlich leichter und auch bei den Außenmaterialien gibt es leichte Alternativen. Während also ein ultraleichter Dreijahreszeitenschlafsack mit gut 500 Gramm auskommt, kommen konventionelle Kollegen aus Kunstfaser problemlos auf nahezu das doppelte Gewicht.
  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraungemütlich
    In Sachen Isomatte und Zelt kann dieses Vorurteil stimmen, muss aber nicht. Selbstverständlich schläft es sich auf einer dünnen Schaumstoffmatte weniger bequem als auf einer Luftmatte. Auch in einem Zelt, das von der äußeren Form her gelinde als Dackelgarage erscheint, hat man selbstverständlich weniger Entfaltungsmöglichkeiten als in einem größeren. Aber auch im Bereich von ultraleicht gibt es zahlreiche Modelle, die einem höheren Komfortbedarf gerecht werden. Nicht alle Zelte sind klein und eng, hier gibt es durchaus Unterschiede. Wer sich also mehr Platz wünscht, muss vielleicht auch ein paar Gramm mehr im Rucksack tragen (größer ist halt schwerer) dennoch gibt es viele Ultraleichtzelte, die eine gute Platzausbeute bei geringem Gewicht mit sich bringen. Wem einfache Schaummatten zu unbequem sind, der sollte sich einmal im Bereich der Luftmatten umsehen. Hier gibt es leichte Modelle, die gleichzeitig mit einem guten Komfort daher kommen.

Fazit

Ultraleichtausrüstung hat auch beim Camping seine Berechtigung. Fährt man nur mit dem Auto auf einen Campingplatz und baut dort alles einmal auf, ist das Gewicht freilich zu vernachlässigen. Wer aber mit dem Rucksack unterwegs ist und eine längere Trekkingtour mit vielen Höhenmetern macht, der verschafft sich durch eine leichte Ausrüstung einen klaren Vorteil. Dennoch sollte die Wahl des passenden Equipments nicht immer nur am Gewicht festgemacht werden. Wichtig sind hier ganz klar Faktoren wie Art und Länge der Tour. Auch das Wetter und die Temperaturen vor Ort müssen mit in diese Betrachtung einfließen. Denn nichts ist schlimmer, als wenn man unterwegs keine Nacht durchschlafen kann, weil man sich ständig seine „fünf Buchstaben“ abfriert.

Ultraleichtrucksäcke - alle wichtigen Tipps und Tricks

Fliegengewichte für den Rücken –  Die Welt der Ultraleichtrucksäcke

14. September 2017
Ausrüstung

Könnt ihr euch noch an eure erste Trekkingtour oder Mehrtageswanderung erinnern? Also bei mir war das so: Den Rucksack hatte ich mir ausgeliehen und eigentlich war er für die Tour, die ich machen wollte viel zu groß. Aber da man ja bekanntlich nicht einfach mit einem halb vollen Rucksack losmarschieren kann, hatte ich es zu guter Letzt doch noch geschafft allen möglichen Krimskrams einzupacken, sodass der Rucksack zum Schluss bis oben hin gefüllt war. Freilich hatte dies mit Ultraleicht rein gar nichts mehr zu tun, eher mit Ultraschwer. Dies führte dann dazu, dass der Rucksack trotz gutem Tragesystem und zahlreichen sonstigen Annehmlichkeiten nicht nur zur Last, sondern mit der Zeit zum echten Problem wurde.

Jeder, der bereits ein ähnliches Erlebnis hinter sich hat, wird sich sicherlich geschworen haben: „Nächstes Mal kommt weniger und leichtere Ausrüstung in den Rucksack!“. Wie aber stellt man es sinnvoll an, wenn man nicht nur im, sondern auch am Rucksack selbst Gewicht sparen möchte? Aus diesem Grund tauchen wir nun einmal tiefer in die Welt der (ultra)leichten Rucksäcke ein.

Was unterscheidet einen herkömmlichen Rucksack von einem Ultraleichtrucksack?

Die Ultraleichtklasse zeichnet sich vor allem durch eines aus: minimalen Materialeinsatz. Um beispielsweise im Trekkingbereich einen Rucksack mit ca. 70 Liter Fassungsvermögen herzustellen, der aber unter einem Kilo wiegt, fliegt alles raus, was nicht unbedingt nötig ist. Hierzu zählen hauptsächlich Innengestell sowie dicke Polsterungen. Ein weiterer und gewiss nicht unwichtiger Weg Gewicht zu sparen, sind die eingesetzten Materialen.

Das klingt jetzt erst einmal sehr krass und nach einem echt beschissenen Rucksack, der nichts kann. Dies ist in der Praxis natürlich nicht der Fall. Schauen wir uns also einmal an, wo bei Rucksäcken Gewicht gespart werden kann und wie dabei die Feinheiten aussehen:

Rahmen und Tragesystem

Rucksäcke, die dem Ultraleichtsegment entstammen haben in der Regel weder Rahmen noch Gestell. Der Grund hierfür ist denkbar einfach: weniger drin heißt auch gleichzeitig weniger Gewicht. Deshalb wird hier bewusst auf aufwendige Rahmenkonstruktionen und die damit oft verbundenen Tragesysteme verzichtet. Um dennoch einen guten Tragekomfort zu erreichen ist es wichtig, dass der Rucksack im Gesamten nicht zu schwer beladen und obendrein optimal gepackt wird. Hierzu haben wir euch in einem gesonderten Artikel einmal die wichtigsten dos und don’ts beim Rucksackpacken zusammengefasst. Ein einfacher Trick sei aber hier gleich verraten:

Die Isomatte (im Ultraleichtbereich kommen meist Schaumstoffmatten zum Einsatz) kann zur Aussteifung des Rückenteils hergenommen werden. So wird nicht nur eine gute Festigkeit des Rucksacks erreicht, die Matte ist außerdem auch ordentlich verstaut. Hersteller wie Exped bieten darüber hinaus konventionelle Rucksäcke, wie zum Beispiel den Mountain Pro 40, an, die je nach Bedarf abgespeckt und somit um nahezu ein Drittel ihres Eigengewichts erleichtert werden können.

Fächer und Taschen

Es steht außer Frage, dass mehrere Fächer in und an einem Rucksack für mehr Ordnung sorgen. Gleichzeitig bringen die Fächer selbst aber auch ein höheres Gewicht mit und bewirken nicht selten, dass der Rucksack eher nach dem eigenen Ordnungssinn als nach funktionellen Gesichtspunkten gepackt wird. Daher wird bei den meisten Ultraleichtrucksäcken weitestgehend auf Zusatzfächer verzichtet. Oft kommen die Rucksäcke daher nur mit einem großen Hauptfach und 1-2 kleineren Fächern oder Taschen daher. Viele Ultraleichtrucksäcke verfügen außerdem über einen Rollverschluss, sodass Deckelfächer und dergleichen automatisch entfallen. Je nach Modell verfügen auch Ultraleichtrucksäcke über Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstungsgegenstände. Eine Halterung für Wanderstöcke bzw. Eisgeräte gehört hier nahezu schon zum Standard. Auch Kompressionsriemen dürfen an den meisten größeren Ultraleichtrucksäcken nicht fehlen. Gerade im Bereich von einem Volumen um die 45 Liter hat sich diese Bauweise bewährt. Rucksäcke dieser Größe sind meist auch für Mehrtagestouren völlig ausreichend.

Materialien

Gerade bei den Materialien lässt sich auch einiges an Gewicht einsparen. Leichtere und somit auch oft dünnere Stoffe müssen dabei aber nicht immer schlechter sein als ihre schwereren Kollegen. Durch den Einsatz von Materialien wie Dyneema kann auch im Leichtgewichtsegment ein gutes und vor allem langlebiges Ergebnis erzielt werden. Wichtig ist hier jedoch, dass die Rucksäcke nicht überladen werden, aber das würde das Konzept eines Ultraleichtrucksacks ohnehin ad absurdum führen. Auch spitze und scharfkantige Gegenstände haben nichts im Rucksack verloren und sollten entweder ausreichend verpackt oder außen am Rucksack angebracht werden. Wer ein gutes Beispiel für einen großen aber dennoch leichten und langlebigen Trekkingrucksack sehen möchte, dem sei der Radical von Ferrino empfohlen. Bei diesem großen Trekkingrucksack wurde nicht nur auf alles verzichtet, was zusätzliches Gewicht mit sich bringt. Außerdem wurde hier auch auf leichte Materialien wie Cubic-Tech und Dyneema gesetzt, sodass der Rucksack trotz seines geringen Gewichts robust und widerstandsfähig ist.

Vorurteile und Missverständnisse

Manchmal möchte man meinen, die Welt hat sich in zwei Lager gespalten: die Ultraleichtjünger und die Robustheitsfetischisten. Zumindest bin ich im Erfahrungsaustausch mit Freunden und Bekannten aber auch bei der Recherche zu diesem Artikel immer wieder auf zahlreiche Vorurteile, teilweise falsche Ansichten und offene Fragen gestoßen. Aus diesem Grund habe ich auch hier einmal drei der häufigsten Diskussionspunkte aufgeführt. Ich will dabei weder für die Fraktion ‚Ultraleicht‘, noch für den Klub ‚Ultraschwer‘ Partei beziehen.

  • Vorurteil 1: Ultraleicht = Ultrateuer

Kurz – stimmt nicht. Etwas länger – stimmt nicht immer. Freilich gibt es im Ultraleichtbereich Ausrüstungsgegenstände, die aufgrund ihres Materials, der Machart oder innovativer Technologien deutlich teurer ins Gewicht fallen – entschuldigt den Wortwitz -, als vergleichbare andere Ausrüstungsgegenstände. Das gibt es aber auch im Bereich der „normalgewichtigen“ Ausrüstung. Gerade bei den Rucksäcken zeigt sich jedoch dass Ultraleichtrucksäcke durch ihre meist eher einfache Machart (kein aufwendiges Tragesystem etc.) verglichen mit ihren konventionellen Kollegen preislich gut wegkommen.

  • Vorurteil 2: Ultraleicht = Ultraempfindlich

Auch diesem Vorurteil muss hier widersprochen werden. Dabei richtet sich die Frage aber auch danach, was der Rucksack denn eigentlich können soll. Ist man auf der Suche nach einem super robusten Rucksack fürs Höhlen- und Kaminklettern, dann wird es zugegeben im Bereich der Ultraleichtrucksäcke schwierig. Gerade aber für (Mehr-)Tageswanderungen und Trekkingtouren gibt es auch unter den Ultraleichtrucksäcken zahlreiche Modelle die in Sachen Langlebigkeit problemlos mit ihren schwereren Artgenossen mithalten können.

  • Vorurteil 3: Ultraleicht = Ultraunbequem

Zugegeben, die Umstellung von einem Rucksack mit ausgeklügeltem Tragesystem auf einen mit doch eher einfachem Kontaktrücken war auch für mich anfänglich seltsam. Das lag aber auch daran, dass ich im Geiste immer von einem hohen Gewicht ausgegangen bin, das es zu tragen gilt. Aber dafür sind Ultraleichtrucksäcke nunmal nicht ausgelegt. Es würde ja auch keinen Sinn ergeben zuerst jedes Gramm am Rucksack zu sparen und danach trotzdem durch das Mitnehmen schwerer Ausrüstung ein hohes Gewicht auf den Schultern zu tragen. Hier muss man ganz klar trennen. Will ich mit leichtem und auch minimalistischem Gepäck unterwegs sein und lässt dies die geplante Tour auch zu, dann ist ein Ultraleichtrucksack sicherlich eine gute Wahl. Ist meine Tour aber so angelegt, dass ich neben einer umfangreichen Ausrüstung auch beispielsweise Nahrung und Wasser (sauschwer, gibts leider noch nicht gefriergetrocknet) mitnehmen muss, braucht es definitiv einen Rucksack, der für das Tragen größerer Lasten ausgelegt ist. In diesem Fall sollte man eher versuchen das Gewicht des Inhalts auf ein Minimum zu reduzieren.

Fazit

Ultraleichtrucksäcke haben durchaus ihre Berechtigung. Je nach Einsatzgebiet und Inhalt können sie so maßgeblich zu einer unbeschwerten und gelungenen Tour beitragen. Will man sich auf das Spiel Ultraleicht einlassen ist sicherlich der Rucksack einer der Ausrüstungsgegenstände, bei dem am meisten Gewicht eingespart werden kann. Dennoch ist es auch hier wichtig, darauf zu achten, dass das gewünschte Modell auch zu der Art der Verwendung sowie den persönlichen Bedürfnissen passt. Wie sind eigentlich eure Erfahrungen mit leichtgewichtigen Rucksäcken? Gibt es weitere Vorurteile, die Ihr aus der Welt schaffen wollt? Schreibt doch einfach einen Kommentar!

Ultraleicht Wandern Tipps und Tricks

Speck‘ deine Ausrüstung ab – der Einstieg ins Thema Ultraleicht

20. Juni 2018
Ausrüstung

Heute wollen wir uns einmal mit dem Thema Ultraleichtwandern bzw. Ultraleichttrekking beschäftigen. Wie es dazu kam, dass ich mich mit diesem Thema befasst habe, wie der Einstieg in die Welt der Ultraleichttouren aussehen kann und worauf man dabei achten sollte, das erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ultraleicht – Wat’n dat’n

Der Begriff Ultraleicht taucht in der Outdoorbranche letzthin verstärkt auf. Die Zeit, in der Ausrüstung vergleichsweise grobschlächtig und massiv daher kam, ist freilich schon lange vorbei, dennoch greifen immer mehr Outdoorbegeisterte zu noch leichteren Alternativen. Was dabei nun genau als ‚Ultraleicht‘ bezeichnet wird, ist nicht abschließend definiert. In der Regel spricht man jedoch bis zu einem reinen Ausrüstungsgewicht (ohne Nahrung, Wasser und Brennstoff) von ca 5 kg von Ultraleicht, im Bereich von 5-9 kg kommt der Begriff des Leichttrekkings zum Einsatz.

Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand: Wer nur ein geringes Gewicht mit sich herumtragen muss, ist nicht nur unbeschwerter unterwegs, sondern kommt auch schneller ans Ziel oder kann weitere Strecken zurücklegen. Darüber hinaus werden die Gelenke und der Rücken geschont und Schmerzen oder Ermüdungserscheinungen treten erst gar nicht oder zumindest deutlich später auf.

Ein erster Schritt – der Rucksack muss leichter werden

In den vergangenen Jahren haben mich teilweise heftige Rückenprobleme heimgesucht. Das lag zum einen an meinem Körperbau, zum anderen aber auch an einer seit frühester Jugend antrainierten schlechten Haltung. In der Zwischenzeit habe ich diese Probleme durch gezieltes Training weitestgehend in den Griff bekommen, jedoch wird mir eines eigentlich für immer bleiben: Ich kann nicht mit schweren Rucksäcken. Es geht dabei nicht darum, dass ich unter der Last eines 15-20 kg Rucksacks unmittelbar zusammenbreche, jedoch kann es sein, dass die Tour bereits nach ein oder zwei Tagen für mich aufgrund von Schmerzen vorzeitig wieder zu Ende ist. Der für mich logische Schluss ist daher: Der Rucksack muss leichter werden.

Mein erster Schritt hat eigentlich noch nichts mit Ultraleichtausrüstung zutun. Denn ich habe mir einfach einmal meine Packlisten vorgenommen und kritisch überprüft. Dabei ging es in erster Linie darum, Dinge zu finden, die zwar auf jeder Tour dabei sind, aber eigentlich nie zum Einsatz kommen. Ich spiele jetzt hier nicht auf Ausrüstungsgegenstände wie einen Erste-Hilfe-Beutel an, den man eigentlich nie braucht, aber gerade bei längeren Touren dabei haben sollte. Man muss sich vielmehr einmal damit befassen, ob es beispielsweise für eine Dreitagestour durch den heimischen Mischwald wirklich drei Packungen Ersatzbatterien, das fünfte zusätzliche Survivalmesser und die fette Zusatztaschenlampe braucht.

Alle Gegenstände, die auf diese Weise für unnütz, überzählig oder noch nie im Gebrauch befunden werden, bleiben bei der nächsten Tour einfach ersatzlos zuhause. Wer dennoch dazu neigt zuviel einzupacken kann sich mit einem einfachen Trick überlisten: Einen möglichst kleinen Rucksack nehmen! Denn wer viel Platz hat, der packt auch viel ein. Außerdem sind größere Rucksäcke in der Regel schwerer als kleinere.

Gewichtsoptimierung – gezielte Wahl der Ausrüstung

Hat man die Packliste einmal auf ihre wesentlichen Bestandteile zurechtgestutzt, ist es hilfreich, die verbliebene Ausrüstung einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Oft kommen Dinge standardmäßig ins Gepäck, die objektiv gesehen für die geplante Tour der totale Overkill sind. Fragen wie „Braucht es die dicke Winterisomatte Modell ‚Prinzessin auf der Erbse‘ für eine Dreitagestour im sommerlichen Mitteleuropa wirklich?“, können hier hilfreich sein. Eine an die Tour angepasste Ausrüstung richtet sich immer nach deren Länge, Terrain und Witterung. Bin ich also für drei Tage im August im heimischen Mittelgebirge unterwegs, stehen die Chancen gut, dass eine Daunenjacke nicht gebraucht wird. Auch beim Schlafsack kann man in diesem Fall getrost zum leichteren (und somit vielleicht weniger warmen) Modell greifen.

Ist laut Wetterbericht die Großwetterlage gut und stabil, kann sicherlich auch ein wenig am Regenschutz und der Ersatzkleidung gespart werden. Gerade bei Touren im Winter oder hochalpinen Gelände sieht die Packliste freilich anders aus. Doch kann auch hier mit einem gewissen Maß an Disziplin einiges an Gewicht eingespart werden.

Wo immer es geht, sollte man daher in dieser Phase versuchen einen schweren Ausrüstungsgegenstand mit einem (bereits vorhandenen) leichteren zu ersetzen. Gerade bei schweren und großen Dingen wie Rucksack, Schlafsack, Isomatte und Zelt lässt sich so einiges einsparen. Auch lohnt es sich, darüber nachzudenken, ob nicht auch Ausrüstungsgegenstände gänzlich von der Packliste gestrichen werden können. Gerade das Zelt ist hierbei ein gerne diskutierter Punkt. Alternativ wäre beispielsweise die Mitnahme eines leichteren Tarps oder das Biwakieren unter freiem Himmel eine Option.

Ist die Ausrüstung diesbezüglich optimiert, ist es Zeit für die Waage und einen ersten Probelauf. Für mich war diese Phase der entscheidende Punkt, da ich so mit nur wenigen gezielten Maßnahmen und ohne Zusatzkosten das Gewicht meiner mitgeführten Ausrüstung erheblich erleichtern konnte.

Ultraleichtausrüstung – die federleichte Alternative

Je nach vorhandener Ausrüstung gibt es aber Bereiche, bei denen nur wenig an Gewicht eingespart werden kann. In meinem Fall war dies der Schlafsack. Zwar besitze ich neben einem extrem warmen und dementsprechend schweren Daunenschlafsack für den Winter auch noch ein zweites Modell für die warme Jahreszeit. Dieses ist allerdings schon ein wenig älter und aus Kunstfaser und steht daher dem ‚Wir-zelten-im-Winter-am-Nordpol-Klops“ in nichts nach. Auch beim Rucksack selbst konnte ich im persönlichen Fundus zwar vergleichsweise leichte Modelle finden, musste aber trotzdem feststellen, dass hier durch den Austausch gegen ein Ultraleichtmodell nochmals deutlich Gewicht gespart werden kann.

Hier spiegelt meine Erfahrung durchaus die Realität wieder. Denn die ersten Ausrüstungsgegenstände, die normalerweise in Richtung ultraleicht getauscht werden, sind die sogenannten ‚großen Vier‘. Also Rucksack, Schlafsack, Zelt und Isomatte. So gibt es im Bereich der Rucksäcke beispielsweise Modelle wie den Ultra Tour von Montane, die bei ausreichender Größe die 1-Kilo-Marke spielerisch unterbieten.

Beim Schlafsack geht in der Regel kein Weg an einem Daunenschlafsack vorbei. Das liegt einfach daran, dass Daunenschlafsäcke bei gleicher Wärmeisolation deutlich leichter sind als Ihre Kollegen mit Kunstfaserfüllung. Gerade die Wahl des Schlafsacks ist immer auch stark abhängig von dem Gebiet in das die Tour führt, den zu erwartenden Temperaturen und persönlichem Kälteempfinden.

Doch auch hier gibt es schwere und leichtere Modelle mit vergleichbaren Werten. Dreijahreszeitenschlafsäcke wie der Hitchens UL 20 von Big Agnes kommen beispielsweise als Ultraleichtvariante mit einem Gewicht von weniger als 800 g aus. Wer nur im Sommer unterwegs ist und daher keinen übermäßig warmen Schlafsack benötigt, kann hier problemlos auch noch leichtere Modelle finden.

Wie bereits erwähnt, kommt es im Bereich des Ultraleichtwanderns / Ultraleichttrekkings immer wieder zu der Diskussion, ob ein Zelt überhaupt benötigt wird. Der Gedanke dahinter ist schlichtweg, dass bei Touren bei gutem Wetter und in der wärmeren Jahreszeit ein Zelt eigentlich überflüssig ist und somit durch ein wesentlich leichteres Tarp oder sogar einen geeigneten Biwaksack ersetzt werden kann. Diese Entscheidung muss jedoch jeder für sich treffen, da sie stark von persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen abhängt. Ultraleichte Zelte wie beispielsweise das Laser Ultra 1 von Terra Nova kommen mit einem Gewicht von weniger als 500 g aus und können so mit einer erheblichen Gewichtsersparnis gegenüber ihren konventionellen Kollegen aufwarten.

Auch der Bereich der Isomatten ist hart umkämpft. Nicht selten kommen im Ultraleichtbereich Schaumstoffmatten zum Einsatz. Matten dieser Art schlagen in  der Regel mit rund 400-500 g zu Buche. Der besondere Vorteil ist dabei, dass sie zum Aussteifen des Rucksacks hergenommen werden können und somit nicht nur sicher, sondern auch sinnvoll verstaut werden können. Wer es aber noch leichter haben möchte, der sollte zu einer Luftmatte greifen. Matten wie beispielsweise die NeoAir Xlite von Therm-a-Rest kommen je nach Größe nochmals mit gut 100 g weniger Gewicht aus als ihr Pendant aus Schaumstoff.

Fazit

Addieren wir hier also einmal grob zusammen, mit wie viel Gewicht die ‚großen Vier‘ bei uns nun zu Buche schlagen, kommen wir vorsichtig gerechnet auf einen Wert von nicht ganz 3 kg. Kombiniert man dies nun mit der Methode, sich nur auf die wichtigen Ausrüstungsgegenstände zu beschränken und keinen unnötigen Firlefanz mitzunehmen, kommt man selbst für Mehrtagestouren mit einem angenehm leichten Gewicht aus. Wem dies noch immer zu viel Last ist, der kann selbstverständlich auch dazu übergehen, weitere Gegenstände wie Nahrung, Kocher, und Bekleidung in Richtung ultraleicht zu optimieren. Was dabei wie und wann Sinn macht und wo die jeweiligen Kniffe liegen, erklären wir euch in je einem gesonderten Artikel zu den unterschiedlichen Outdoordisziplinen.

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